Erscheint in Leipiig - Mittwoch, Freitaci.Sonntag. ■ Bestellungen nehmen an alle 1 Postanstalten u. Buchhand- i lungen des In- U.Auslandes. j Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, Eoi 101 Hoboken, N. J. Wm. Lueders, 409 Maystr. Chicago, J1I. Peter Haß, | S. W. Corner Third and coates str. Philadelphia. Abonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21>/z Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. Monats- Ab onnment» werden bei allen Deutschen Postanstalten auf den-!ten u. 3 ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat ä 5>/z Sgr. angenommen. OrgaildersozialdemokratischenArbeiterMrteiundderintmlationalenGetverksgenossenschasten. Inserate» die Abhaltung von Partei-. Vereins, unt Bvlksverfammlnngen, Wwit die Filtal- Expeditionen und sonstige Partei« Ar gelegmheiten betreffend, werden mit 1 Sgr., Anzeigen niit 2 Sgr. die dreigespaltcne Petit-Zeile berichnet. Privat- und Bergnügungs« Nr. ß8 Hsnntaq, 14. Juni. 1874. Bekanntmachung. Mit Beginn des 3. Quartals— 1. Juli 1874— werden Bestellungen auf den„Bolksstaat" für Leipzig und Mmgegend direkt bei Unterzeichneter oder durch die Colporteure nur gegen Vorausbezahlung, gleichviel ob Quartals- oder MonatSabonnement, angenommen. lpie Filialexpeditionen sowohl als Diejenigen, welche per Kreuz- «and oder Couvert beziehen und nach Berfluß von 8 Tagen nach dem Ersten jeden Monat« die Abonnementsbeträge nicht eingesandt haben, erhalten keine weiteren Zusendungen. Die Restanten, namentlich von Leipzig und Umgegend, werden ersucht, baldigst ihren Verpflichtungen nachzukommen. Leipzig, den 12. Juni 1874. Die Expedition des„Volksstaat." �---- Politische Uebersicht — Tessendorf- Stieber an der Arbeit. Die Berliner Volkszeitung" schreibt in ihrer Nummer vom 10. Juni: »Haussuchungen bei den Führern der Sozialdemokratie. Am brontag(8. d. Mts.) fanden in früher Morgenstunde gleichzeitig polizeiliche Haussuchungen bei den bekannten Führern der hiesigen Sozialdemokratie statt. Dem Vernehmen nach steht diese Maß- kegel im Zusammenhange mit ähnlichen aus den Provinzen ge- Meldeten, welche herausgestellt haben sollen, daß der„Allgemeine deutsche Arbeiterverein" nicht, wie vorgegeben wird, ein einheit- ucher, zu Berlin domizilirender Verein, vielmehr aus selbstständigen Zweigvereinen in fast allen Städten Deutschland» unter Ober- Leitung des hiesigen Centralausschusses zusammengesetzt ist und Mithin gegen das ausdrückliche Verbot des§ 8, Lit. b, des Ver- dwSgesetzes vom 11. März 18S0 verstößt. Hiernach geht der «Allgemeine deutsche Arbeiterverein" nach den Strafbestimmungen, welche eben dieses Gesetz enthält, dem Schicksale einer abermaligen Schließung entgegen, welchem er wahrscheinlich schon früher erlegen sein würde, wenn die hiesigen Gerichte es nicht unmittelbar nach �er Schließung im jJahre 1368 abgelehnt hätten, die Identität »es sofort von dem damaligen Präsidenten I. B. v. Schweitzer reder ins Leben gerufenen Vereins mit dem rechtskräftig ge- chlostenen als nachgewiesen anzusehen.— Ueber das Resultat der ünzelnen(man spricht von 20) Haussuchungen ist nichts Näheres gekannt, die sämmtlichen weggenommenen Akten, Bücher und Pa- Piere sind sofort von der Kriminalpolizei dem Staatsanwalt efsendorf zugestellt worden." lieber dieselbe Razzia lesen wir in dem Bismarck'schen Leib- �ogan, der„Norddeutschen allg. Zeitung": «Wie wir vernehmen, hat die hiesige Polizeibehörde sich im «interständniß mit der Staatsanwaltschaft veranlaßt gesehen, dem �-reiben der sozialdemokratischen Partei, zunächst vom Standpunkte iTd! �"nsgesetzes auö und auf Grund der bestehenden ungesetz- ichen Verbindung der sozialdemokratischen Vereine unter einander, Naherzutreten. Gestern Morgen hat sowohl bei Hrn. Hasielmann, ' w auch bei sämmtlichen übrigen Führern der sozialdemokratischen Partei eine Haussuchung stattgefunden, deren Ergebniß nach vor- austger Uebersicht von Bedeutung sein dürfte." «Von Bedeutung"— ja, der Quantität nach, denn als Re- >uttat der Haussuchungen wurden allein aus der Redaktion deS »Neuen Sozialdemokrat" und der Wohnung des Herrn Hasen- liih�"� große Pakete per Droschke zur Polizei geschafft". Ziem- ch viel, aber wir sind überzeugt, bei dem ersten besten Käskrämer Mte man noch mehr Makulatur vorgefunden, und„zunächst" ist -vcakulatur Makulatur. D v � Achten, die Gesetzlichkeit der Organisation des Allg. � wäre schon durch verschiedene Nichtersprüche zur Genüge l Iigestellt. Die Herren Testendorf und Compagnie scheinen sich vert/ n"t aller Gewalt den rothen Rock der GesellschaftSretterei rdienen zu wollen. Nun— uns kannS recht sein, wenn sie mit « gesellschastSretterischen Nase empfindlich ans preußische Vereins- utr"ß'n. Habeant sibi. Prosit! »okt unseren Lesern bekannt, hat auch bei unserem Parteige- . Isen Heinsch eine Haussuchung stattgehabt. Vier Criminal- amte entwickelten ihre Thätigkeit für die„heilige" Ordnung der w..der Welten". Das Resultat war die Beschlagnahme eines sehnlichen PackctS Broschüren,„BolkSstaate" zc. Geschriebenes ar nicht zu finden. Daß auf diese Weise der Sozialdemokratie -v»«zunächst" noch späterhin„näherzutreten" ist, scheint das d'Zwsc Berliner„Volksblatt" zu ahnen; eS schreibt: .«Unserer Ansicht nach sind Ultramontane wie Sozialdemokraten reh� politisch berechtigten Parteien, sondern schlechthin ®alutio«äre, auf den Umsturz des Gesetzes, derOrdnung np der Sittlichkeit hinarbeitende Coterien, die auf die C�UreSkes!) Behandlung keinen Anspruch haben, welche die par- . Katarischen Körperschaften Deutschlands ihnen bisher haben an- Dechen lasten(!). Wir freuen uns deshalb, zu vernehmen, daß w StaatS-Regierung als die berufene Hüterin des Gesetzes und . Sitte entschlossen ist, wie dem Mainzer Verein der Ultramon- d. t,em Unfu8e gegenüber, der nuter der Heuchlermaskc .�Redefreiheit in den sozialdemokratischen Versammlungen verübt mit größerer Strenge die Autorität der beiden Mächte des esetzes und der Sitte ausrecht zu erhalten". „'Also die Herren, die hinter dem„Volksblait" stehn, wollen - 8 nicht als„politisch berechtigte Partei" anerkennen. Gut. 88 Plaisir mögen ste sich machen. Wir aber werden ihnen nicht 8 Plaisir machen, den Boden ihrer eigenen Gesetze zu ver gesctze unserer Feinde fühlen wir uns stark genug, mit unseren Feinden fertig zu werden. Was die Phrase von der„chevaleresken Behandlung" unserer Partei in den„parlamentarischen Körperschaften Deutschlands" be- trifft, so können wir sie nur auf Rechnung des Fusels setzen, den Edgar Bauer mit großem Erfolg in die Redaktion des„Volks- blatts" eingeführt hat. — Dem verantwortlichen Redacteur der„Hofer Zeitung", Lienig, wurde vom Hofer Stadtmagistrat verboten, Versamm- lungen einzuberufen, oder in solchen als Redner aufzutreten, weil er—„Ausländer" sei. Auf eine Beschwerde LienigS hob die oberfränkffche Kreisregierung dieses Verbot wieder auf. Lienig wähnte nun, freie Hand zu haben und berief dieser Tage eine Arbeitervcrsammlung ein mit der Tagesordnung:„1) die Genosten- fchaftsbuchdruckerei und ihre Beziehung zur Verbesserung der Lage des Arbciterstandes; 2) Aufklärung Uber die Untersuchungen in Hof." Doch der Hofer Stadtmagistrat verbot die Abhaltung der Versammlung,„da, wie der„Franks. Ztg." gemeldet wird, aus den begleitenden Umständen, insbesondere aus der Person des Einberufers hervorgeht, daß die beabsichtigte Versammlung ledig- lich eine solche der Mitglieder der beiden geschlossenen Vereine sein soll, und wird, und demnach eine Verletzung des Art. 24, Abs. 3 des Vereinsgesetzes zu erwarten steht." Wie in Hof, so ist es anderswo auch. So lange Beamte wegen Verletzung der Gesetze oder Ueberschreitung ihrer AwtS- befugniß nicht zur Rechenschaft gezogen werden, so lange ist kein Mensch vor Beamtenwillkür sicher. Und der Hofer Stadtmagistrat wird eine etwaige zweite Remedur der höheren Behörde mit der- selben Seelenruhe hinnehmen, als ob es sich um eine väterliche Ermahnung handelte. Uebrigens könnte die„Franks. Ztg." nicht ganz Unrecht mit der Annahme haben, der Hofer Stadtmagistrat beabsichtige durch sein schroffes Verhalten einen Putsch zu pro- voziren, um zu einer Garnison zu gelangen. Der feigste Phi- lister ist ja bekanntlich der grimmigste Sozialistenfresser und— hinter Bajonnetten ist das liebe Ich gesichert. Eine Garnison bringt auch„Geld unter die Leute", d. h. unter die Bürger; und „Geschäft muß sein". Das Silber und Kupfer der Soldaten für die Bürger, da« Blei der Soldaten für die Arbeiter das ist die richtige Weltordnung. — Most'S Gesuch um vorläufige Haftentlastung ist abschlägig beschieden worden. ES gibt noch Richter in Berlin. -l fast. «n. Auch aus dem Boden der gegen uns gerichteten Klassen- Gewerks�enossenschaftliches« Verein der Sattler und verwandten Berufsgenossen. Kamvurg. Die Mitglieder zu Hamburg legen Protest ein gegen den Antrag der Dresdner Mitglieder und angeblich auch der Hamburger betreffs der Nichtabhaltung der diesjährigen Ge neralversammlung, indem 1) von Hamburg kein dahingehender Antrag gestellt ist und 2) e« unbedingt nothwendig ist, eine Generalversammlung abzuhalten. Mit collegialischem Gruß W. Flachsbarth, Vertrauensmann.. . Allgemeiner deutscher Töpfervercin. Dresden, 10. Juni. Die Generalversammlung des Allgem. deutschen Töpfervereins hat am 6., 7., 8. Juni getagt. Es waren Delegirte aus Hamburg, Lübeck, Dresden, Meißen, München, Nürnberg, Chemmitz, Augsburg, Stuttgart, Dessau anwesend. Der Vorort wurde von Dresden nach Hamburg verlegt und der Dele- girte Wilcke aus Hamburg zum Vorsitzenden gewählt. Ferner wurde beschloffen, eine rege Agitation vorzunehmen, damit der Ausbeutung durch eine feste Organisation, die vollständig auf so- zialistischer Grundlage gebaut sein soll, ein Ziel gesetzt werde. Jedoch wird der Allg. deutsche Töpferverein nicht eher sich zu den beiden sozialistischen Fraktionen bekennen, bis dieselben sich ver- einigt haben. Die Delegirten der beiden Fraktionen tagten ein- müthig neben einander, nur die Sache ins Auge fastend. Collegen in Deutschland! Wir rufen Euch nochmals zu, tretet unserer Or- ganisation bei, damit wir wenigstens in dem heutigen GesellschaftS- zustande unsere Lage nicht noch mehr verschlechtern. Briefe sind von jetzt ab zu richten an den Vorsitzenden in Hamburg JuliuS Wilcke, SpeckSgang 33. Mit sozialdem. Gruß Traugott Schmeisser. Gewerksgenoffenschaft der Maurer u. Zimmerer. ßoburg. Das unterzeichnete Comitä macht den Mitglied- schasten der Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer, sowie allen Fach- und Ortsvereinen der Bauhandwerker, welche gewillt sind, sich obiger Gewerkschaft anzuschließen, die Anzeige, daß die dies- jährige Generalversammlung den 20., 21. und 22. Juni im Schießhaussaale zu Coburg stattfindet. Das Comitv fordert daher auf, die Anmeldung der Delegirten, welche eS recht zahlreich er- wartet, rechtzeitig zu bewerkstelligen, damit für Quartiere gesorgt werden kann. Ein Comitä wird sich, an rothen Schleifen kennt- lich, am Bahnhofe befinden und die ankommenden Delegirten in Empfang nehmen; sollte ein Delegirter zufällig kein Comitömit- glied am Bahnhofe treffen, so hat sich derselbe in das Verkehrs- lokal, Knopfs Restauration, Judengaffe zu bemühen. Die Eröffnung der Generalversammlung geschieht Sonnabend, den 20. Juni, AbendS 7 Uhr, und ersuchen wir die Delegirten, bis dahin am Platze zu sein. Gefällige Anmeldungen bitten wir zu senden an Hrn. Albin v. Nordheim, Vordere Kreuzgasse Nr. 63, Coburg. Auf denn, Collegen allerorts, zur Generalversammlung nach Coburg! DaS Comitv. I. A.: Albin v. Nordheim. Metallarbeitcrgcwerkschaft. Oolha. Berichtigung. Der Kassirer heißt nicht Marschner, wie in Nr. 66 irrthümlich angegeben, sondern Marschall und wohnt Hützelsgasse Nr. 28.____ Corresponseuzen» Leipzig. Die Correspondenz aus Waldenburg i. S.(Nr. 65) veranlaßt mich durch ihre letzten Worte zu einer kurzen Bemerkung. Jene Worte lauten:„Ein Glück für den Herrn H. O., daß es ein Mädchen war, an dem er sich vergriff, ein männlicher Arbeiter hätte ihm mit gleicher Münze ausgezahlt". War denn in der ganzen Fabrik des Herrn H. P. kein Arbeiter, der sich ihm körper- lich gewachsen fühlte, um ihm diese„gleiche Münze" sofort auszu- zahlen? Wo bleibt sonst die Solidarität der Interessen, daS Grundprinzip der Sozialdemokratie? Gegenüber dem körperlichen Angriffe eines Mannes gegen ein Mädchen hat Jeder das Recht und die Pflicht, für letztere Partei zu ergreifen und dem Feiglinge eine praktische Lektion zu geben, sobald er sich nur irgend gewachsen fühlt. Hätte dies einer der Arbeiter in jener Fabrik gethan, so wäre ihm der Dank vieler Collegen und Colleginnen in anderen Fabriken sicher gewesen. Worte allein bessern Nichts. Ein Arbeiter. Diedersaßka«. Am Sonnabend den 6. Juni fand hier eine Volksversammlung von mindestens 700 Personen statt. Als Re- ferent war unser Reichstagsabgeordneter W. Liebknecht erschienen. Nachdem derselbe zuvor seinen Wählern gedankt für das ihm bei der Wahl geschenkte Vertrauen, behandelte er daS Thema:„Die Ziele der Sozialdemokratie und ihre Gegner" und zwar in einer so gründlichen und deutlichen, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus gehaltenen Rede, daß das anwesende Publikum vollständig befriedigt wurde. Der Referent hob ganz besonders hervor, daß Aristoteles, Plato und andere Weisen deS AlterthumS schon er- klärten: Der Staat fei die Gemeinschaft aller. Durch die Arbeit entstehe aller Reichthum; Hundert, Tausend oder Millionen von Thalern zu irgend einem Zwecke bestimmt, ohne Arbeit würden sie sich nie vermehren. Der Arbeiter erst sei eS, der von seinem ihm vorenthaltenen Lohn den Fabrik- oder andern Besitzer zum reichen Manne mache. Die heutige Aufgabe sei für den Arbeiter, sich zu assoziiren in Genossenschaften, um sich dadurch die Arbeits- insirumente anschaffen zu können gleich jenen andeien großen Be- sitzcrn u. dgl. Die Bergarbeiter kämpften heute noch denselben Kampf wie vor 8 Jahren wegen ihrer KnappschaftSkassen. Die englischen Kohlenarbeiter wären im Besitz ihrer HilfS-, Kranken- und Jnvalidenkassen, sie hätten volle Selbstverwaltung, die Besitzer hätten kein Anrecht daran, daher die Freiheit der engl. Kohlen- arbeiter, die hiesigen Arbeiter sollten dem nachahmen. Auch der Frauen gedachte Herr Liebknecht, da diese ja am meisten zu leiden hätten. Er empfahl u. A. betreffs der heutigen Volksbildung die von Ed. Sack herausgegebene Broschüre:„Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit",„Die Lage der arbeitenden Klassen in England", von Frdr. Engel«, und andere belehrende Schriften. Stürmischer Beifall folgte dem Redner, als derselbe seinen Vortrag beendet. Einige Arbeiter forderten noch auf, in die Partei, sowie in die Genossenschaft der Gruben- und Tagearbeiter einzutreten. Allgemein wurde der Wunsch laut, daß Herr Liebknecht auch bald einmal nach Vielau kommen möge. Wir hoffen, daß die Ver- sammlung ihre Früchte tragen wird. C. E. Wüksen St. Zlictas, 9. Juni. Gestern hatten wir das Ver- gnügen, unfern Parteigenossen und ReichstagSabgcordneten Liebknecht zum ersten Male nach seinem unfreiwilligen Besuch der Verbes» serungsanstalt für Hochverräther in unserer Mitte begrüßen und einen Vortrag von ihm hören zu können. Er verbreitete sich in spannender, fast zweistündiger Rede über die Gegner der Sozial- dcmokratie, die sich in zwei Theile zusammenfassen lassen: 1) in Solche, die es aus Interesse sind, und 2) in Solche, die aus Unwissenheit uns bekämpfen. Die ersteren lassen sich eintheilen in politische, religiöse und soziale; sie sind eS, welche unserer Sache nicht gefährlich sind, indem sie in ihrem blinden Eifer durch Maß- regelungen, Verfolgungen:c. nur für die Sozialdemokratie agitiren und eigenttich als„Eyrcnmitglieder" unserer Partei betrachtet werden könnten. Unser schlimmster und gefährlichster Gegner ist die Unwissenheit der Massen; unsere Brüder, die Arbeiter sind es, die unsrer Bewegung das Haupthinderniß bereiten und diese müssen mit den Waffen des Geistes für unsere Ideen erobert werden. ES würde zu weit führen, auf die Rede weiter einzu- gehen. Die sehr zahlreich besuchte Versammlung nahm einstimmig folgende aus der Mitte der Versammlung eingebrachte Resolution an: „Die heute Montag den 3. Juni 1874 im Saale des Herrn Ed. Otto in Mülsen St. Niclas Versammelten erklären sich mit allen von dem Herrn Referenten ausgeführten Punkten einver- standen, erkennen die von demselben, als ihrem Reichstagsabge- ordneten, zu vertretenden Grundsätze der Sozialdemokratie als die ihrigen an, verpflichten sich, mit ganzer Kraft für die Verbreitung derselben thätig zu sein, sprechen ihrem ReichstagSabgcordneten Wilhelm Liebknecht ihre volle Anerkennung aus für seine be- währte muthize Haltung in dem Kampf gegen die Klassenherr- schaft, wünschen ihm Glück zu gedeihlicher Weitersührung des be- gonnenen schweren Kampfes und geloben, ihn mit unverbrüchlicher Treu- in diesem Kampf zu unterstützen!" A. W. Döhn. theils nur auf dem Papier cxistirende— Million Soldaten den Westen herausgefordert, erhielt Louis Napoleon durch den Krim- krieg den Lorwand, die damals ziemlich geschwächte französische Armee zur stärksten Europas zu machen. Nur dadurch, daß 1370 die russische Armee Oefireich verhinderte, für Frankreich Partei zu ergreifen, konnte Preußen Frankreich besiegen und die preußisch- deutsche Militärmonarchie vollenden. Bei allen diesen Haupt- und Staatsaktionen sehen wir im Hintergrund die russische Armee. Und wenn auch— sofern nicht die innere Entwicklung Rußlands bald in revolutionären Fluß geräth— der Sieg Deutschlands über Frankreich ebenso sicher einen Krieg zwischen Rußland und Deutschland erzeugen wird, wie der Sieg Preußens über Oestreich bei Sadowa den deutsch-sranzösischen Krieg nach sich zog*)— so wird doch gegen eine Bewegung im Innern den Preußen stets die russische Armee zu Diensten stehen. Noch heute ist das offizielle Rußland der Hort und Schirm der gesammten europäischen Re- aktion, seine Armee die Reserve aller übrigen Armeen, die die Niederhaltung der Arbeiterklasse in Europa besorgen. Nun sind eS aber grade die deutschen Arbeiter, die dem An- prall dieser großen Reservearmee der Unterdrückung zuerst auSge- setzt sind, und zwar sowohl im sog. deutschen Reich wie in Oestreich. Solange hinter der östreichischen und deutschen Bour- geoifie und Regierung die Russen stehen, ist der ganzen deusschen Arbeiterbewegung die Spitze abgebrochen. Wir vor Allen haben also das Interesse, uns die russische Reaktion und die russische Armee vom Halse zu schaffen. Und bei dieser Arbeit haben wir nur Einen zuverlässigen, aber auch unter allen Umständen zuverlässigen Bundesgenossen: das polnische Volk. Polen ist noch weit mehr als Frankreich durch seine geschicht- iche Entwicklung und seine gegenwärtige Lage vor die Wahl ge- teilt: entweder revolutionär zu sein oder unterzugehen. Und damit ällt all das alberne Gerede von dem wesentlich aristokratischen Charakter der polnischen Bewegung. Es gibt in der polnischen Emigration Leute genug, die aristokratische Gelüste haben; sowie aber Polen selbst in dsie Bewegung eintritt, wird diese durch und durch revolutionär, wie wir 1846 und 1363 gesehen haben. Diese Bewegungen waren nicht nur national, sie waren gleichzeitig direkt auf Befreiung der Bauern und Uebertragung des Grundeigen- thums an diese gerichtet. 1870 trat die große Masse der polni- schen Emigration in Frankreich in die Dienste der Commune: war daS die That von Aristokraten? Bewies das nicht, daß diese Polen vollständig auf der Höhe der modernen Bewegung standen? Seit Bismarck den Culturkampf in Posen eingeführt hat und unter dem Vorwand, dem Papst dadurch einen Streich zu spielen, auf polnische Schulbücher fahndet, die polnische Sprache unterdrückt und Alles aufbietet, um die Polen in die Arme Rußlands zu treiben, was geschieht? Die polnische Aristokratie schließt sich mehr und mehr an Rußland an, um unter seiner Herrschaft wenigstens Polen wieder zusammen zu bringen; die revolutionären Massen antworten, indem sie der deutschen Arbeiterpartei ihre Allianz an- bieten und in den Reihen der Internationale kämpfen. Daß Polen nicht todtzumachen ist, hat eS 1363 bewiesen und beweist eS noch jeden Tag. Sein Anspruch auf selbstständige Exi- stenz in der europäischen Völkerfamilie ist unabweisbar. Seine Wiederherstellung aber ist eine Nothwendigkeit namentlich für zwei Völker: für die Deusschen und für die Russen selbst. Ein Volk, das Andere unterdrückt, kann sich nicht selbst eman- zipiren. Die Masse, deren es zur Unterdrückung der Andern be- darf, wendet sich schließlich immer gegen es selbst. Solange russische Soldaten in Polen stehen, kann das russische Volk sich weder politisch noch sozial befreien. Bei dem jetzigen Stand der russischen Entwicklung aber ist es unzweifelhaft, daß an dem Tage, wo Rußland Polen verliert, in Rußland selbst die Bewegung mächtig genug wird, die bestehende Ordnung der Dinge zu stür- zen. Unabhängigkeit Polens und Revolution in Rußland bedingen sich gegenseitig. Und Unabhängigkeit Polens und Revolution in Rußland— die bei der grenzenlosen gesellschaftlichen, politischen und finanziellen Zerrüttung und der das ganze offizielle Rußland durchdringenden Corruption weit näher ist als die Oberfläche au- zeigt— bedeuten für die deutschen Arbeiter: Beschränkung der Bourgeoisie, der Regierungen, kurz der Reaktion in Deutschland auf ihre eigenen Kräfte— Kräfte, mit denen wir dann mit der Zeit schon fertig werden. F. Engels. Politische Uebersicht� '— Wir erwähnten bereits des Conkurrenz-TugendfeldzugS, welchen die„Kreuzzeitung" Herrn Lasker und nationalliberaler Compagnie angekündigt. Ueber die Ankündigung ist sie bislang nicht hinausgekommen, hat aber, damit unS die Zeit nicht zu lang werde, einen lustigen Uhlanenritt gegen den— Reptilienfonds veranstaltet. Die„Kreuzzeitung" im Bund mit den Ultramon- tauen Wächterinn der öffentlichen Moral! Eine köstlichere und beißendere Satire auf unsere politischen Zustände läßt sich nicht denken.„Ein stiller Beobachter" spricht in einem„Eingesandt" de« Junkerorgans von der Hetzjagd, welche Fürst Bismarck in der gesammten europäischen Presse gegen Graf Arnim organisirt habe und bemerkt: „Wir wollen über diese Jagd an sich weiter nichts sagen, da uns ohnehin für den Fuchs nicht bange ist. Aber eine andere wollen wir uns erlauben: Wer bezahlt den Sport?(Das Jagdvergnügen.) Die Kosten sind zwar durch die„kühle" Haltung der„Presse" etwas verringert worden; aber wenn wir recht cal- culircn, ist durch alle die Nachspürereien und„Cautionsanerbie- tungen" schon ein ganz rundeS Sümmchen in CourS gesetzt worden, von welchem ein Theil der Zinsen der Nordbahn-Anlcihc hätte gedeckt werden können. Wie wäre es, Herr LaSker, wenn Sie einmal danach ftagteu?" Natürlich fällt es Herrn Lasker nicht ein,„danach zu ftagen"— hat er doch dem Reptilienfonds schon in bester Form ein Ver- trauenSvotum als Tribut seiner biedern„Mannesseele" dargebracht. „Der stille Beobachter", der seine Preußen und Russen kennt— denn daS französische Wort, welches er citirt, ist zuerst von einem russischen„Genialen" formulirt worden, fährt aber fort: „Wenn Dinge vorkommen, wie die„Presse" sie erzählt, würde es eine schöne Aufgabe der tugendhaften Nationalliberalen sein, einmal ein recht großes Fragezeichen an die Wand zu malen. UnS aber summt wie ein Lied aus alten Zeiten ein fast vergessenes Wort vor den Ohren:„�ir puis demolir."" DaS heißt auf Deutsch: herabwürdigen, dann zerstören; kann indeß auch heißen— und„der stille Beobachter" hat offenbar die Zweischneidigkeit vor Augen—: korrumpiren und zu Grunde richten, so daß die Bismarck'sche Politik im Allgemeinen ebensogut "" Die« ist bereits ausgesprochen im zweiten Manifest des"General- raths der Internationalen Arbeiterassoziation über den deutsch-französischen Krieg(datirt 9. Sept. 1870). zemeint sein kann, wie die Bismarck'sche Taktik gegen die National- äberalen im Besonderen. — Nationalliberale Leichenschändung. Ein nationalliberales Blatt» das„Nordpfälz. Wochenblatt", schreibt: „Am 14. dieses MonatS sind 25 Jahre seit dem Tage ver- flössen, an welchem 17 rhcinhessische Männer und Jüng- linge als Kämpfer für die vom deutschen Parlamente rechts- giltig beschlossene Reichs- Verfassung, für ein einiges und freies deutsches Vaterland, ihr Leben einsetzten und als Opfer für die große Idee dahier(in Kirchheimbolanden) fielen. Die da- maligen Mitkämpfer und andere Gesinnungsgenossen haben ihr Andenken durch die vor zwei Jahren erfolgte Aufrichtung eines prachtvollen Denkmales auf hiesigem Friedhofe geehrt. Sie be- absichtigen, am 25jährigen Jahrestag, am Sonntag, den 14. Juni, in großer Anzahl hier zu erscheinen, um eine würdige Gedächt- nißfeier zu begehen. Die Einzelnheiten sind mit den hiesigen Ge- sinnungsgenossen vereinbart uns werden wir dieselben in unserem nächsten Blatt mittheilen. Heute nur soviel, daß gegen eine tenden- ziösc Ausbeutung und Störung der Feier im Sinne der Anhänger extremer Parteien(!) Vorsorge gettagen wird".— Dazu bemerkt die bürgerlich demokratische„Neue Wormser Zeitung":„Die Demokratie wird sich an der beabsichtigten Feier nicht betheiligen. Wir würden die Todten, welche an jenem Tage auf höheren Befehl„niederge- metzelt" wurden, wahrlich wenig ehren, wenn wir, da wir das Feiern einer nationalliberalen Orgie au ihrem Grabe nicht hindern können, an diesem Tage dort erschienen und unS etwa am Grabe der Märtyrer für die republikanische Idee als Hurrahschreier für verschiedene Toaste benutzen ließen. Die Herren mögen also ruhig sein; die„extremen" Parteien werden sie in ihrer Feier nicht stören. Die Gefallenen, welche der kühle Rasen deckt, würden, wenn sie lebten, Protest gegen die neue Annection einlegen; sie, die Re- publikaner, würden es wenig begreiflich finden, daß man im Reiche der Gottesfurcht und ftommen Sitte des Kulturkampfs und der Polizei, der Mucker und der Junker, sie die Kämpfer für Freiheit und Recht, als Vorläufer bezeichnet. In Preußen geschieht das auch nicht, der dortige Nationalliberalismus räsonnirt auf die Acht- undvierziger, wie es sein Vetter aus Gotha gethan— die eiserne Stirn, an solchen Stätten für die bekannte LeiermannStheorie vom goldnen Zeitalter zu plädiren, besitzen nur unsere süddeutschen „Preußen." Das„Nordpfälz. Wochenblatt" mag unbesorgt sein, die Vorsorge des Herrn Buchdrucker Thieme ist unnöthig. Derselbe mag immerhin zwar noch„Ochsen" todtschlagen, um Pfannkuchen zu backen— reichlich wird ja die Weide seiner Freunde von elfteren besucht— er wird nicht in die Lage kommen, seinen Löwen- muth an den„extremen Parteien" zu bewähren. In die Leier von Kaiser und Reich wird sich kein demokratischer„Mißton" mischen — still und stumm werden wir bei Seite stehen. Am LSjährigen Jahrestage des TagS von Kirchheimbolanden wird ein Lustspiel aufgeführt werden, so sich betitelt:„Die Gothaer am Grabe ihrer gefallenen und geopferten Feinde" oder„Die Reichstreuen unter sich." — Zur Briefstieberei schreibt der Jasterburger„Bürger- und Bauernfreund" in seiner letzten Nummer(45): „Neben anderen Verordnungen ermahnt die kaiserliche Post abermals in Kreisblättern ic. im Interesse der Briefempfänger die Couverts nicht ganz zuzukleben, da sich solche zu schwer öffnen. Zugegeben; aber eS ereignet sich zuweilen, daß nicht ganz verklebte Couverts mit amtlichem Verschluß und dem Vermerk„offen hier angekommen" von der Behörde ausgeliefert werden, wie Re- ferenten mehrmals Briefe auS Zürich so zugingen, also � dürfte eS im Interesse der Absender und Empfänger denn doch liegen, dem guten Rathe der kaiserlichen Behörde entgegen die Couverts ganz zuzukleben, überhaupt so fest als möglich zu ver- schließen. Solchen Erfahrungen gegenüber bleibt uns die sich von Zeit zu Zeit wiederholende zärtliche Fürsorge der Post für die Bequemlichkeit der Briefempfänger total unbegreiflich, um so mehr da sie an leichtem rcsp. leichtsinnigem Briesverschluß kein Interesse mehr haben kann, alldieweil die schwarzen Cabinette eingegangen sein sollen." Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir zu wiederholten Malen schon vor der„zärtlichen Fürsorge" deS Herrn Stephani gewarnt, und ihnen den freundschaftlichen Rath ertheilt haben, Herrn Stieber, der ja sehr, sehr gut bezahlt wird, das Geschäft nicht all- zuleicht zu machen. — Auf Befehl der ReichSregierung wird im kaiserlichen sta- tistischen Amt zu Berlin gegenwärtig eine Statistik der letzten Reichstagswahlen ausgearbeitet, und soll die Veröffentlichung schon in nächster Zeit erfolgen. Wie offiziös mitgetheilt wird, be- absichtigt man, eine solche Statistik künftig nach jeder Wahl an- fertigen zu lassen. Als Material dienen theils die offiziellen Wahl- alten, theils Uebersichten der Wahlergebnisse, welche auf Veran- lassung des Reichskanzleramtes von den Regierungen der Bundes- staaten aufgestellt worden sind und die Gesammtzahl der Wahl- berechtigten, die Zahl der abgegebenen giltigen und ungiltigen Stimmen, Namen, Stand, Wohnort, Parteistcllung, Stimmcnzahl des Gewählten und seiner Gegenkandidaten enthalten. — Kulis in Berlin. Eine Anzahl Berliner Handwerker und Industrieller ist, wie die„Vossische Zeitung" meldet, vor einigen Tagen zur Besprechung der Frage zusammengetreten, ob und wie eS möglich sei, chinesische Arbeitskräfte nach Europa und speziell nach Deutschland herüberzuziehen. Man verhehlte sich zwar die großen Schwierigkeiten nicht, welche mit einem solchen Anwerben in Masse verbunden sind, erkannte auch sehr richtig an, daß für den Augenblick und auf Monate hinaus Mangel an Ar- beitSkraft nicht vorhanden sei. Auf der anderen Seite zweifelte man aber auch nicht, daß bei einer Besserung der GeschäftSver- hälwisse auch sofort die Sttike- Epidemie in voller Stärke wieder ausbrechen würde. Dem vorzubeugen hielt man eS für wünschen«- werth, ernstlich die vorliegende Frage zu erwägen. ES wurde eine Commission mit dem Auftrage einer genauen Prüfung der etwaigen Schritte eingesetzt, um nach Erledigung der Vorberathung mit dem fertigen Plane vor ein größeres Publikum zu treten. Nun— die Sache dürfte sich nicht so leicht machen lassen, wie die menschenfreundlichen Herren Arbeitgeber sich einbilden;— auch für England besteht seit Jahren ein derartiger Plan, hat aber noch nicht ausgeführt werden können— indeß die gute Absicht ist konstatirt, und von neuem bewiesen, daß das Kapital um ftin Haar breit weniger international ist als die Arbeit; nur in Bezug auf das Ziel liegt ein Unterschied vor: der Kapitalist erstrebt die internationale Ausbeutung und Knechtschaft; der Arbeiter die internationale Befreiung und Gerechtigkeit. — Wirkungen eineS FreibilletS. Gegenwärtig gibt eine vom Herzog von Meiningen„ausgebildete" Schauspieler- truppe Vorstellungen in Berlin und bringt längst vergessene kulturkämpferische Stücke, wie z. B.„Papst Sixtus" von Min 1 ding, demselben, der in einem stallduftenden Gedichte die Schlat von Fehrbellin verherrlicht hat, wieder„zu Ehren". Zweifelsohr i hat diese Schauspielertruppe dem großen„VolkS-Zeitunzs"-Bernsteil ein Freibillet für ihre Vorstellungen zugeschickt, denn an der Stch 1 deS Leitartikels der„VolkSzeitung", wo sonst die Kleinstaaten ad: Haut und Haar verspeist zu werden pflegen, lesen wir plötzl«! i eine krasse Verherrlichung der Kleinstaaterei. Herr Berv' stein sagt: 1 „Grundsätzlich sind wir niemals Feinde der Kleis-! staaterei gewesen, sondern Feinde des Geg entheilS: FeiB 1 der in den Kleinstaaten herrschenden Sucht, Großftaat zu spielei Die Großstaaterci der Kleinen war die eigentliche Krankheit Deutschlands. Auch in dem jetzt zu Ruhm gelangenden Meininge»( herrschte diese lächerliche Sucht in ernsten Zeiten."> Was doch so ein Freibillet nicht Alles zuwege bringen kav» i Der brave Bernstein merkt nicht, daß die Fußtritte, die er W f „Großstaaterci der Kleinen" versetzen will, in erster Linie sei» t musterstaatliches Preußen treffen, welches als Kleinstaat die „lächerliche Sucht" nach Großstaaterci so weit trieb, daß für d»! Begräbniß seiner ersten Königin(1705) die für jene Zeit beb«- t tende Summe von 200,000 Thlr. verpulvert wurde, nur u» t „Großstaatliches" zu leisten, und welches heute ganz besonders Z» der„eigentlichen Krsnkheit Deutschlands", an der„Großstaaterci' s leidet. Aber nicht genug! Der große Bernstein sucht sogar de» s Kleinstaaten ihre Fortcxistirung zu garantiren— wahrscheinlit i damit er noch öfters FreibilletS beziehen kann— und schreibt: t „Die Kleinstaaten fortexistiren zu lassen, ihnen den Spiel' räum de« Daseins frei zu gönnen, wo sie wohlthätig(passe par tout für Bernstein und Nathan Schlesinger!) auf die Ent s Wicklung des geistigen Lebens der Nation einwirken können, dal t ist eine gute Pflicht des deutschen Reiches." � In seiner durch das Freibillet hervorgezauberten föderalistische» l Raserei versetzt Bernstein dem alten Fritzen, dessen Vater mit dfl Potsdamer Garde und dem Herrn von Bismarck noch folgende« t schweren Fußtritt: f „Soldaten-Spielerei und Diplomateu-Wühlerei sirrt« Deutschlands Grundübel gewesen." Nun, wenn Duncker wieder zu einer Soiree Bismarcks gelade» r wird, dann mag er's dort verantworten, daß sein Bernstein die r beiden Hauptbedingungen, mittelst welcher Preußen„groß" wurde� s für Deutschlands„Grundübel" erklärt hat. Was soll aus de»? armen Deutschland werden, nachden sich seine beiden Grundübel so„herrlich erfüllt" haben! Zum Schluß stattet Bernstein den Meiningern noch seine» is direkten Dank für den„Hochgenuß" ab: d „Politisch haben wir mit Meiningen gar oft ein Hühnche» d zu pflücken gehabt. Das war eben das Elend Deutschlands. Je?'- � wo eS in künstlerischer Beziehung beneidenswerthe Leistungen i« d der Hauptstadt des Reiches darbietet, bringt es sich zu Ehren u«t n verdient die Achtung seiner Existenz. Freilich ist es ein Schauspiel, das es darbietet, und ein Abendgenuß des Theateck$ spielt keine Rolle auf dem Welt-Theater. Aber eS ist gui- � daß einmal der Kleinstaat die Weltstadt überflügelt.— Es ist'i ein Kleines, aber aus dem Kleinen kann man oft Großes lernen." h Die Meininger Schauspieler bringen Bernstein schon so weit tt daß er sich die ganze Welt als ein Theater vorstellt. Nn»" wenn schon ein Freibillet zum Schauspiel unsere„ersten Jour � nalisten" in solche Verzückungen und Vistonen versetzen kann � ein Freibillet zum Ballet wird sie rasend machen. Merk'S E» 12 Beschäftigung jugendlicher Arbeiter ob und steht ihm das Re�. der Revision der Fabriken zu. Außerdem ist derselbe zur Wahr' nehmung der fortlaufenden Controle des konzesstonSmäßigen B»' standeS und BettiebeS der im§ 16 der Gewerbeordnung bezeiih' neten Anlagen befugt." ie Leider fehlt es an allen Garantien dafür, daß die Fabrik!«' Zu spektoren ihr Amt im Interesse der Arbeiter ausüben, und nichl F mit den Fabrikanten und Arbeitgebern unter einer Decke stecken. ftl — Unsere Volksschulen. Der Jnsterburger„Bürger- u«i Bauernsreund" schreibt: � „Wird uns da so ein Pröbchen erzählt, auf welch ersprießliä« � Weise hie und da in den Schulen der segensreichen Stiehl'sch»" ,e Regulative Naturwissenschaft gepflegt wird.— Mitten in unseres»b kalten Winter, wo die ganze Natur unter einer Eis- und Schne»' � decke begraben liegt, wird den Kindern zwei Monate lang Pflanze«' künde vorgettagen;— natürlich ganz fruchtlos, da sie keine Pflanz0!°u zu sehen bekommen, was doch die Hauptsache ist. Nun(orn«1' 9e aber der Frühling inS Land gezogen mit seinem ganzen großes a Rcichthum an Blumen und Blüthen und die Kinder werden dos. jetzt die lebenden Beispiele zur Befruchtung ihres todten Lernen� f" aus Wald und Flur sammeln und den Unterricht so fruchtbringend machen! Ja, Prosit Mahlzeit! Bei Frühlingsanfang beginnt de» vt Lehrer den Unterricht über die„biblischen Pflanzen Palästinas"' � und die Kinder müssen lernen, was der Lehrer selbst nicht weiß! aber die Hauptsache ist ja nicht etwaS zu lernen, sondern dum«»' no gläubig und fromm zu bleiben." � — Die Ausweisungsfrage vor der sächsischen Kamme«- � Am 11. Juni d. I. kam die Ausweisung Muth'S vor die zweit» m sächsische Kammer und gab zu einer längeren Debatte Anlaß, übe»«« die wir nach der„Deutschen Allg. Zeitung" berichten: „Dr. Meischner, als Referent der vierten Deputation, erstatte' Bericht über die Beschwerde deS Rechtsanwalts Freytag zu Leipzig'. die Ausweisung deS vormaligen RedacteurS des„Volksstaat"' A. B. Muth, aus Leipzig betreffend. Der Beschwerdeführer beruss J sich auf das FreizllgigkeitSgesetz vom 1. Nov. 1867, wonach jede« vi Bundesangehörige das Recht habe, innerhalb deS Bundesgebietes sich aufzuhalten oder niederzulassen-c. Nun bestimme zwar ß �?.0 „Insoweit bestrafte Personen nach den Landesgesetzen Aufenthalts' 9ti beschränkungen durch die Polizeibehörde untettvorfen werden könne«' behält es hierbei sein Bewenden." Allein es könnten nach Zß � und 17 deS sächsischen Heimatsgesetzes vom 26. Nov. 1334 a»£ AuSweisungsgründe nur gelten: das Jnanspruchnehmen öffentliche" r Almosens, daS Betteln, die Verübung von Verbrechen, die A«»� Übung unredlichen oder unzüchtigen Gewerbes. Keiner dieser A«* �- weisungSgründe liege gegen Muth vor. Auf Befragen der'v putation erklärte die Regierung: In ZZ 16 und 17 des Heimat«' gesetzes sind theils ausdrückliche bestimmte Gründe der polizeiliche« m Ausweisung angegeben, theils ist gesagt, daß auch noch in andern aä Fällen polizeiliche Ausweisungen erfolgen und dann, wenn sie h» erfolgt seien, als Grund der Aufnahmeverweigerung an einem teil andern Orte gelten können. Neuerdings habe übrigens der �ell Grundsatz, daß auch Bestrafunzen wegen verübter Polizeiüber- ai tretungen einen Grund zur Ausweisung abgeben könnncn, auch in ,liä§ 3 des Freizügigkeitsgesetzes insofern Anerkennung gefunden, als 'Xi daselbst vorgeschrieben ist, daß, außer der Bestrafung wegen wieder- holten Bettclns, auch in Fällen, wo jemand wegen wiederholter b Landstreicherei bestraft worden ist, den betreffenden Personen der »d! Aufenthalt in jedem andern Bundesstaate verweigert werden kann. le» Auf Grund dieser(!) Ausführungen beantragt die Deputation, jiil die Beschwerde Freitag's auf sich beruhen zu lassen. gi» Gleichzeitig schlägt sie aber vor:„Die Kammer wolle beschließen, die königliche StaatSregierung zu ersuchen, recht bald ein Gesetz n» vorzulegen, wodurch für die den Polizeibehörden zustehende Be- l« fugniß zu Ausweisungen soviel wie möglich Normen aufgestellt sei« werden." di! Die Debatte verlief in folgender Weise: de! Abg. Krause motivirt den Antrag, die Beschwerde Freytag's )»' der königlichen StaatSregierung zur Berücksichtigung zu über- uc weisen. a» Redner führt aus, daß es kein Landeszesetz nach Erlaß der ei' Reichsgesetzgebung gebe, womit das Vorgehen der Leipziger Polizei de» sich rechtfertigen lasse. Die Polizei habe nur vaS Recht, den iliä Lebenswandel eines Jeden zu prüfen(!) und danach dem Betreffenden : den Aufenthalt zu verwehren. neb Referent Dr. Meischner hält die DeputationSansicht«ufrecht. lzse Abg. Walter ist durchaus nicht mit der Deputation einver- �tit standen und fordert gleiches Recht für alle. Wenn die Redacteure do> der Dresdner Presse nicht ausgewiesen worden, so sollten auch die Sozialdemokraten von solchen Maßregeln nicht betroffen werden. che« Er stimme deshalb für Kransc's Antrag. dS Abg. Kirbach greift ebenfalls den DeputationSbericht an und ide« widerlegt die Ansichten desselben über die Anwendung des säch- sischcn Heimatsgesetzes. Dann geißelt Redner die Maßregel als siat einen Act, welcher sich würdig der schwärzesten Reactionszeit der fünfziger Jahre zur Seite stelle. Der ganze Geist des Berichts ide» wache den Eindruck, als sei jeder Grund für die Polizei hin- di! reichend, Jemand auszuweisen. Er müsse bekennen, daß es ihm rdii steine, als habe die Deputation in dieser Angelegenheit ihre dei« Pflicht nicht gcthan. ibe> Präsident Dr. Schaffrath rügt die letztere Aeußerung. Staatsminister v. Nostitz- Wallwitz: Eine Ueberreichung der ine« Petition zur Berücksichtigung nutze nichts, da das Jahr, worauf das AuSweisungSdecret laute, längst verstricheu sei. Dann nimmt lche» der Minister den DeputationSbericht in Schutz und erklärt das Jej}! Einverständniß mit den betreffenden Anträgen. Schließlich gibt i j« der Minister der Ansicht Ausdruck, daß diese Materie sich definitiv u«r nur durch die Reichsgesetzgebung«erde regeln lassen. n«! Abg. Dr. Wizard: Einen flachern Bericht habe wohl die ztess Kammer seit ihrem Bestehen noch nicht vorgelegt erhalten, als �t, den gegenwärtigen. Der Referent stehe mit einem Fuße im z � Polizeistaate, mit dem andern im Rechtsstaate. Das Vorgehen eI,." der Regierung gegen Muth sei nichts als die Methode der Reac- gzsit, tion, die Fortsetzung der 13S0er Maßregel. Damals habe man siirt in die Demokratie einen Keil treiben wollen; heute, wo die oitf' Sozialdemokratie den Knaben Karl spiele, der der Regierung ge- ! � fährlich erscheine, suche man gegen sie mit ungesetzlichen Maß- xach regeln vorzugehen. Er beantragt deshalb:„die Kammer wolle beschließen, die Ausweisung Muth'S für gesetzlich ungerechtfertigt eder'� Zu erklären, und die Aufhebung derselben beantragen." de«' Referent Dr. Meischner vertheidigt den Bericht gegen ver- schiedene Angriffe der Vorredner und empfiehlt nochmals die An- del uahme der DeputationSanträge. Ztell! Abg. v. Ehrenstein spricht als Mitglied der Deputation in Fx gleicher Richtung. fsiB Abg. Haberkorn motivirt seine Abstimmung für die Depu- , d0 tationSanträge. Red)'. Vicepräsident Streit beantragt, den zweiten DeputationSantrag Zahr w folgender Fassung zu genehmigen: «Die Kammer wolle beschließen, die königliche Staaatsregierung zeiih' � ersuchen, spätestens dem nächsten Landtage ein Gesetz vorzulegen, wodurch für die den Polizeibehörden verbliebene Befugniß siki«' Zu Ausweisungen feste, das bloße Ermessen ausschließende und die „ichl Freiheit der Person sowie daS Freizügigkeitsgesetz sichernde Normen n. aufgestellt werden." Schluß der Debatte. »ad Vor der Abstimmung ensspinnt sich auf einen Protest Ein- b�el's noch eine längere Diskussion über die Zulässtgkeit des j(t4!-lvigard'schen Antrages. Derselbe wurde für zulässig erklärt, bei sche» der Abstimmung jedoch mit 33 gegen 28 Stimmen abgelehnt; erei» �enso der Krause'sche Antrag auf Ueberweisung der Beschwerde ;nee> zur Berücksichtigung mit 35 gegen 26 Stimmen verworfen und ize»' Ichließlich der DeputationSantrag, die Beschwerde auf sich beruhen nze« Zu lassen, mit 36 gegen 25 Stimmen angenommen. Endlich mttii genehmigte die Kammer noch den von Streit modificirten Depu- ojje« rationSantrag mit allen gegen 7 Stimmen." do«!. Dies der Verlauf. Derselbe ist so recht charakteristisch für den neitf in der sächsischen Kammer dominirenden bürgerlichen Liberalismus, gent?er sehr wohl begreift, daß die polizeiliche Ausweisung mit seinen de» Fuudamentalpriuzipien im Widerspruch steht, sich aber dennoch äs'; entschließen kann, gründliche Abhülfe zu schaffen, sondern sich »eijj!?ut einer Halbmaßregel begnügt, die nicht geh«uen und nicht ge- inw' Uneben � Und auch zu dieser Halbmaßregel muß der bürger- "che Liberalismus erst durch die Thatsache, daß die Polizei zufällig z°"i seiner eigenen Vertreter auswies, an den Haaren herangeschleift ntx. werden, nachdem er Jahre lang ruhig mit zugesehen, wie seine veitt»undamcntalprinzipien durch die Ausweisungen von Sozialdemo- übel waten verletzt wurden. Und daS will nocb von Prinzipien und v°n Recht sprechen! -tt-l pziS'•. Der AuSweisungSukaS der Dresdener Polizei gegen die iaj'<5 ffchnttlichen Redakteure Döhn und Neumann ist in zweiter .rufl ouficrnj von der Kreisdirektion aufgehoben worden. Um den edel Sozialdemokraten zu zeigen, daß in Sachsen gleiches Recht für iete» Jlle bestehe, wurde die Ausweisung der genannten 2 Herren ver- 5 31?gt. Wir wollen nun sehn, ob das gleiche Reckt für Alle sich jsnfiir auch auf daS Nich tauSweisen erstreckt. Einstweilen kon- neld Mren wir, daß von den bis dato aus Sachsen ausgewiesenen *«i d z�demokraten kein Einziger eine Rückgängigmachung lu Maßregel, weder von der KreiSdircktion noch von der höchsten che» nsta,�. fcem Ministerium, hat erlangen können.(S. o.) l# U1'— BiSmarck'S Unsterblichkeit,— durch GenSdarm Di'('•parnt" bewiesen. Eine Volksversammlung in Trier, auf welcher .jtS' w Reichstagsabgeordnete Majunke, Redakteur der(ultramontanen) che«"Germania", sprach, wurde aufgelöst, weil Redner erklärte, Bis- i marck sei„nur ein sterblicher Mensch".1"'Nächstens wird man im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte mit den Behörden in Conflikt kommen, wenn man der reichsfeindlichen Ansicht huldigt, daß BiSmarck'S genialer Hund nur ein gemeiner sterblicher Hund sei. — Zwischen Eibenstock und Schönhaide, im Königreich Sachsen, fanden am 3. Juni Arbeiterunruhen statt. Die „Dr. Pr." berichtet über dieselben Folgendes: „Infolge der Herabsetzung des Arbeiterlohnes, nach anderer Nachricht wegen rückständiger Löhnung hatten sich über 200 am Eisenbahn-Tunnelbau bei Eibenstock beschäftigte Italiener zusam- mengerottet, mehrere Personen durch Messerstiche verwundet, einen GerichtSamtSreferendar, 4 Polizeidiener und zwei Ingenieure ge- Kunden und in eine Holzbaracke gesperrt und verschiedene Gegen- stände demolirt. Dem Militär gelang es auch, einen Arbeiter- Haufen zu umzingeln und einige 50 Ruhestörer sestzunehmen, die noch in derselben Nacht in die Eibenstocker Gefängnisse transportirt wurden. Eine Anzahl Arbeiter sind jedoch vor dem Eintreffen de» Militärs flüchtig geworden, jedoch hofft man, derselben recht bald habhaft zu werden. Die am Eisenbahnbau beschäftigten Italiener und Welschtyroler haben sich zwar hier als unermüdliche und höchst gewandte Arbeiter gezeigt, durch ihre immerwährenden Raufereien und Schlägereien aber haben sie sich sehr oft verhaßt gemacht. Unserer Polizei haben sie die meiste Arbeit gemacht und diese wird herzlich froh sein, wenn die rauflustigen Gesllen in andere Gegenden ziehen." Ob die„rauslustigen Gesellen" in andere Gegenden ziehen oder nicht, thut hier gar nichts zur Sache. Der Schwerpunkt ist: Das Kapital braucht wohlfeile Arbeitskraft und diese fand sie bei den italienischen Arbeitern im billigeren Angebot vor als bei den deutschen. Was liegt ihm da an etlichen verhauenen Poli- zisten, eingesperrten Ingenieuren und Gerichtsbeamten? UebrizenS stellt die sächsische Eisenbahnbau-Gesellschaft den Tumult in weit milderem Lichte dar durch folgende Mittheilung an daS„Dr. Journ.": „Der Exzeß wurde hervorgerufen durch die Entlassung des dortigen Schachtmeisters, der die Annahme der ihm gebührenden Restzahlung auf die bis 2. Juni geleistete Arbeit verweigerte. Ein seitens der Ingenieure gemachter Versuch, auf Grund der Lohnlisten, die im Durchschnitt einen Verdienst von 33 Gr. pro Mann und Arbeitsschicht repräsentirten, die Auszahlung im Bei- sein des Schachtmeisters zu bewirken, scheiterte an dem Verlangen eines TheileS der Arbeiter, die ihnen angeblich durch ihren Schacht- meister bei Gelegenheit letzter Zahlung gemachten Lohnabzüge zu- rückzuerstatten, und führte zu dem schon berichteten Exzeß, zu dem anfänglich die Assistenz der Gerichtspersonen, später militärische Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Die schon berichteten Angaben sind richtig, zu Thätlichkeiten ist es in keiner Weise ge- kommen. Ein großer Theil der Arbeiter wurde übrigens be- friedigt." Hiernach scheinen die„rauflustigen Gesellen" vollkommen in ihrem Rechte gewesen zu sein. — Ein neues Opfer der unersättlichen Mordlust des Ver- sailler Ordnungspöbels.„Wieder haben die Flintenschüsse geknallt", so schreibt der sozialistenfeindliche Correspondent eines sozialistenfeindlichen Blattes,„wieder galt es jeyt nach drei Jahren einen Mitschuldigen der Commune zu füstliren. Auf der Evene von VincenneS ist wieder eines jener fanatisirten Opfer einer fanatischen Zeit unter dem Pelotonfeuer der ExekutionStruppen gefallen. Er hieß Bonnard und er sowohl wie sein mit ihm zu Tode verurtheilte Genosse Pelata waren vom Kriegsgericht wegen der Mitschuld an der Ermordung des SouS-BrigadierS Vincenzini zum Tode verurtheilt worden. Pelata aber war die Strafe vom Präsidenten der Republik in lebenslängliches Bagno umgewandelt worden, während Bonnard gleichfalls den Spruch der Gnade bis zum letzten Moment erwartet hat.— Um 4 Uhr am Donnerstag Morgen trat ein höherer Offizier und ein Geistlicher in die Zelle des Verurtheilten und theilten ihm mit, daß sein Gnadengesuch abgeschlagen sei. Beim ersten Blick erkannte der Verurtheilte den Sinn dieses ftühen Besuches. Als er die Beiden kaum gesehen, chrie er auf;, Heute— heute— Gnade— ich hoffte—. Dann stammelte er einige Worte und siel in konvulsivische Zuckungen; päter wandte er sich an den Geistlichen und während er Ströme von Thränen vergoß, entschuldigte er sich wegen des Augenblickes der Schwäche, die ihn übermannt.„So soll ich meine Frau, meine Kinder nicht wiedersehen", sagte er zu dem Geistlichen, „aber bei Gott, Herr Abbe, ich bin nicht viel schuldiger, als jene Bande von Räubern, die Vincenzini ermordet haben." Dann beichtete er dem Geistlichen und der Gefangenenwagen hielt vor dem Thor und Bonnard fuhr mit zwei Geistlichen zur Richtstätte, während vor und hinter dem Wagen Eskorten von GenSdarmen ritten. Unterwegs sprach er fast fortwährend von seinen Kindern und bis zur Richtstätte verließ ihn seine Fassung nicht mehr. Um 7 Uhr langte man dort an. Ein kolossales Viereck von Soldatm war um dieselbe gezogen; ein weißer Topf bezeichnete die Stelle, an die der Verurtheilte gestellt werden sollte. Wenige Meter vor dieser Stelle war das Exekutionspeloton postirt. Die beiden Geist- lichen umarmten jetzt Bounard jeder noch einmal, dann knieete er nieder, küßte das Kruzifix, dann erhebt er sich, der Adjutant senkt den Degen, die Schüsse knallten und mit einem„Vive la France" (E« lebe Frankreich!) sinkt das Opfer feines Fanatismus getroffen zusammen. Nun aber begann jenes Schauspiel, das eine partie honteuse(Schandfleck in den militärischen Institutionen Frankreichs bildet, von dem selbst ergraute TroupierS mit zusammen- gezogenen Brauen sich abwenden. Um den blutigen Leichnam, die Musik lustige Weisen spielend, defilirten die kommandirten Truppen, die Tambour» wirbelten einen Marsch und erst als der letzte Mann vorüber war, dann erst wurde der Leichnam in einen Wagen geschafft, um der Erde übergeben zu werden.'s DieS der Bericht. Mag sein, daß Bonnard nicht auf der Höhe eines Ferr6 und der übrigen Communarden stand, die vor ihm auf der Ebne von Satory abgeschlachtet wurden— so viel aber ist gewiß: Diejenigen, welche ihn kalten Blutes, drei Jahre nach erfochtenem Sieg, ermordet, haben sich außerhalb der Mensch- lichkeit gestellt, und, wenn früher oder später die Nemesis sie ereilt, das Recht auf menschliche Behandlung verwirkt. Heute mir, morgen dir! — Arbeiterwohnungen und Klassenkampf in England. Anläßlich eines der zahlreichen StrikeS und LockoutS im englischen Kohlengewerbe sind soeben in Whectly Hill hundertundneunzehn Familien von Grubenarbeitern aus ihren den Grubenbesitzern gehörigen Häusern gewiesen und aufs Pflaster gesetzt worden. Noch dreizehnhundert Familien steht in dem nämlichen Bezirk dieses Schicksal bevor. Wenn damit eine Einschüchterung bezweckt wird, so dürften die Herren Grubenbesitzer.sich übrigens verrechnet haben. Die Bergarbeiter von Südwales haben auch die ermäßigte Lohnreduktion(10, statt 12'., Prozent) für unannehmbar erklärt und.bereiten stch zum Strike vor. In Süd-Aortshire und Nord- DerbysHire wollen die Arbeiter ebenfalls nicht zu Kreuz kriechen, und haben die Grubenbesitzer in Folge dessen angezeigt, daß sie in 14 Tagen ihre sämmtlichen Gruben schließen, d. h. 24,000 Ar- beiter außer Brod setzen werden. Humanität deS Kapitals! lieber den Strike und Lockout der Landarbeiter zirkuliren die wider- sprechendsten Angaben. Während verschiedene Zeitungen denselben für beendigt erklären, steht nach dem„Beehive" Alles wesentlich auf dem alten Fleck. Und der„Beehive" dürfte wohl recht haben. — Der Sitz deS„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" ist durch eine Verfügung des Herrn Hasenclever von Berlin nach Bremen verlegt worden. — Wie wir aus dem„Neuen Sozialdemokrat" ersehen, hat die Polizeibehörde dem Berliner Arbciterftauen- und Mädchenverein daS Abhalten von Versammlungen untersagt. — Seit dem 13. Juni erscheint in Prag(die Expedition ist in Reichenberg, Kratzauerstraßc Nr. 260—2/4) der unfern Lesern schon signalisirte„Arbeiterftcund". Sozialpolitische Zeitschrift für das arbeitende Volk, redigirt von Gustav Kulhavy, herausgegeben von Rud. Aug. Wolf. Der„Arbeiterfreund" erscheint am 2. und 4. Sonnabend eines jeden Monats und kostet für Deutsch- land 50 kr.— 10 Gr. Wir begrüßen diesen neuen Kampen für die Emanzipation der Arbeiterklasse und wünschen, daß er seitens der Arbeiter durch zahlreiches Abonnement unterstützt werde. Gewerks�enossenschaftliches» Metallarbeitergewerksgenossenschaft. Leipzig. Durch die Unregelmäßigkeiten der Bevollmächtigten ist es mir vielfach vorgekommen, daß Mitglieder das Reisegeld erhoben haben, ohne daß darüber im Buche quittirt worden war. Dieser Vorwurf trifft hauptsächlich Dresden. Ich mache bei dieser Gelegenheit auf den§ 6, Passus 2 und 3 der Geschäftsordnung und Reisegeldcoupons Nr. 11 und 12 aufmerksam, wonach jeder Bevollmächtigte die ausbezahlten Gelder in die Quittungs-Leziti- mation einzutragen hat. Die Mitglieder haben auch darauf zu sehen, daß dies geschieht; sollte es doch wieder vorkommen, so wird daS Reisegeld verweigert. Obiges diene auch zur Kenntnißnahme der vereinigten Ge- werkschaften. B. Ludwig, Bevollmächtigter. Gewerkschaft der Schuhmacher. Kotha. Ein Wort zur Beherzigung an sämmtliche Kollegen, namentlich an die Beamten unserer Gewerkschaft. Daß das Kassen- wesen einer der ersten Grundlagen jeder Organisation ist, ist eine unbestreitbare Thatsache und trifft diese Wahrheit noch mehr bei den Arbeiterorganisationen zu, wo die Kassen in den Händen der Arbeiter eine Hauptwaffe und Kampfmittel gegen unsre Feinde sein sollen. Um zu unsren Rechten zu gelageu, müssen wir kämpfen, und bleiben uns unter den gegenwärtigen Verhältnissen weiter keine Mittel zum Kampfe übrig, als die Massenorganisation und gegenseitige Auftlärung und gefüllte Kassen. Unsre Gewerkschaft besteht seit 5 Jahren und hat in jeder Beziehung einen mächtigen Schritt vorwärts gethan; allein daS Kassenwesen läßt noch manches zu wünschen übrig. Ist gegen früher auch in dieser Angelegenheit schon vieles reformirt, so bedarf eS doch unser Aller Anstrengung, um ein zuftiedenstellendeS Resultat zu erzielen. Wollen wir und müssen wir dies erreichen, so müssen sämmtliche Mitglieder pünktlich am Schlüsse jeden Monats ihre Steuern entrichten, was um so billiger ist, als ja auch jedes Mitglied im Fall der Roth pünktlich seine Unterstützung beansprucht und anderntheils dem Ort»- wie Hauptkasstrer, überhaupt der Verwaltung, daS Amt dadurch wesmt- lich erleichtert wird. Ist der Kasstrer etwas lau mit Einsendung der Gelder, so sind die Mitglieder verpflichtet, darauf zu dringen, daß er pünktlich sei, widrigenfalls er seines Amtes zu entsetzen ist. Auf die Ausfüllung der Abrechnungsformulare muß gleichfall« die größte Sorgsalt verwendet werden. Wer nicht in der ange- gebenen Weise seine Schuldigkeit thut, ist kein volles und ganze? Mitglied. ES sind nun auf der letzten Generalversammlung strengere Bestimmungen über Verlust der Mitgliedschaft getroffen worden, doch wünschen wir, daß dieselben nie angewandt zu werden brauchen, wo eS aber nöthig, da müssen sie mit aller Strenge gehandhabt werden. Ferner muß wiederholt darauf aufmerksam gemacht werden, daß in Zukunft in den OrtSverwaltungen die größte Sparsamkeit eintreten muß. Ein Kassenwesen, wo Ord- nung und Pünktlichkeit vorhanden ist, steigert nicht nur daS Zutrauen und den Muth der eignen Mitglieder, sondern auch außer- halb der Gewerkschaft, und eS ist unleugbar das beste Agitations- mittel. Auf diesem Gebiete kann also jedeS Mitglied Agitator sein. Wir verlangen nun, daß der Anfang damit Ende diese« Monats gemackt wird. Jede Mitgliedschaft muß bis spätesten« den 3. Juli ohne Rest abgerechnet haben und zu diesem Zweck ein große» AbrechnungSssrmular an Unterzeichneten einsenden. Wer beides versäumt, wird unerbittlich auch in Zukunft al» Restant veröffentlicht. Jede Migliedschaft muß eS sich für eine Schande anrechnen, zu den Restanten zu gehören. Für die Monate Juli und August werden wieder kleine Abrechnungsformulare benutzt, September ein großes zc. In der am 1. d. M. stattgehabten ge- schlossenen Mitgliederversammlung wurde der Verwaltungsrath für nächste« Jahr wie folgt constituirt: W. Bock, Vorsitzender; Fr. Vuckerodt, Stellvertreter; August Köllein, Kasstrer; Ullrich Köhler, Schriftführer. Al« Revisoren und Beisitzer fungiren die Herren Caspar Purschcn, August Weida und C. Lauh. Eollegen! Mit frischem Mnth und kühnem Selbstvertrauen wollen wir gemeinsam an unsre Arbeit gehn. Thut allerorts Cure Schuldigkeit, wie auch wir gewillt sind, die unfrige zu thun. Der Hauptkasstrer A. Köllein, wohnt Hützelsgasse 16. W. Bock, Berg 37. Warum lassen unsre Mainzer Genossen, die mehrmal« ihren Beitritt aufs Bestimmteste erklärt, nichts mehr von sich hören? Soll da« Versprechen bei den Arbeitern denselben Werth gewinnen wie in anderen Kreisen?— Ich ersuche dringend einen oder einige Mainzer Parteigenossen, mit mir über obigen Punkt in Lerbin- dung zu treten. D. O. Wiesbaden. Die hiesigen Schuhmacher haben die Arbeit ein- gestellt. Werthe Eollegen! Die hiesige Schuhmachergewerkschaft hat c» wegen zu ungleichmäßiger Lohnzahlung für dringend nothwendig erachtet, einen Lohntarif einzuführen. Bereits vor acht Tagen sandten wir dem hiesigen Meisterverein einen Tarif zu, mit dem Bemerken, uns bis zum 6. d. Antwort darüber zugehen zu lassen. Da jedoch die Zeit verstrichen ist, ohne daß uns vom Meister- verein eine Antwort zu Theil wurde, vielmehr unsere gerechte For- derung in hiesigen Lokalblättern als ungerecht hingestellt wurde, so sind wir zu der Annahme veranlaßt, daß die Meister sich nicht gutwillig dazu ve, stehen wellen, unserem billigen Verlangen nach- zukommen. Collegen! Wir ersuchen Euch, vorerst dafür Sorge zu tragen, den Zuzug von hier fern zu halten. Mit Brudergrust I. A. Heinrich Schäfer, Schriftführer, Grabengasse Ztr. 3. Allgemeiner deutscher Schiffszimmerer-Verci«. Kambnrg. Wir bringen hierdurch zur Anzeige, daß die Generalversammlung nicht den LS., sonderu den 24. Juni 1874, morgens 10 Uhr, auf dem Kranzhouse Broote 69 Hamburg, bei W. Hillbrandt, stattfindet, und ersuchen wir sämmtliche Mitglied- schaften, die zu dem Allgemeinen deutschen Schiffszimmerer-Verein gehören, zu der Generalversammlung Delegirtc zu entsenden. Tagesordnung: 1) Abrechnungsbericht über das Cassenwescn seit Bestehen des Vereins. 2) Berathung der eingegangenen Vorlagen der Mitgliedschaften in Betreff des Vereins. 3) Berathung zur Neuwahl. Wir ersuchen noch sämmtliche Mitgliedschaften, die nicht zu dem Allgemeinen deutschen SchiffSzimmerer-Verein gehören, ihre Aufträge mit Anschluß an den Verein gütigst bei uns ein- zusenden. Der Vorort. Correspondenzen« Leipzig, 10. Juni. BiS zu welchem Grade von Rohheit und Ungezogenheit sich ein„gebildeter" Fabrikant versteigen kann, da- rüber hat Bebel persönlich auf einer Besuchsreise, die er letzten Sonnabend mit seiner Familie in seinen Wahlbezirk unternahm, eine recht drastische Erfahrung gemacht. In demselben Coupö, in dem B. von Leipzig abfuhr, befand sich unter andern auch ein Herr, dessen sehr wohlbeleibte Gestalt, feiste Backen und ein Zug brutaler Arroganz um den Mund, verbunden mit dem Ausdruck der Bornirtheit auf dem ganzen Gesicht, den Fabrikanten und Ausbeuter, wie er fein muß, kennzeichnete. Beim Wagenwechsel in Gößnitz kam der hier geschilderte Mensch, der mittlerweile von einem Mitreisenden erfahren, daß er mit B. im gleichen Coup� fahre, Letzterem gegenüber zu sitzen. Neben. B. saß ein in Gößnitz eingestiegener Weber, den B. kannte und mit dem er sich über den Geschäftsgang in der Weberei unterhielt. DaS war für ursern Fabrikanten eine erwünschte Gelegenheit, sich unberufen in die Unterhaltung zu mischen. Einige Stoßseufzer über den schlechten Geschäftsgang bildeten die Einleitung seiner Rede, dann aber brach er jählings in ein wüstes Geschimpfe über die„Faulheit" und „Anmaßung" der Arbeiter aus, die nicht genug bekommen könnten und die schon Morgens 7 Uhr, wenn er, der Herr Fabrikant, seinen Spaziergang mache, in der Kneipe säßen und söffen und auch noch„theelen" wollten. Und nun sich mit vor Wuth geröthetem Gesicht gegen Bebel wendend, beschuldigte er diesen, all dieses„Unheil" angerichtet zu haben und erging sich in einem Schwall von Schimpfworten, deren Wiedergabc wir in Rücksicht darauf, daß der„Volksstaat" ein anständiges Blatt ist und jeder unserer Parteigenossen schon aus Erfahrung weiß, welcher Gemein- heit ein wüth endes Fabrikantengehirn fähig ist, wenn das Gespräch auf die Arbeiter kommt, unterdrücken wollen. Die Unver- schämtheit des Herrn ging so weit, daß er selbst wagte, Bebels Frau wegen ihres Mannes zu bedauern, eine Insulte, die ihm von letzterer passend heimgezahlt wurde. Bebel wie der mitreisende Parteigenosse ließen es an der entsprechenden Abfertigung nicht fehlen, beide erklärten, daß es ihnen sehr erwünscht sei, konstatiren zu können, wie ein den„gebildeten und besitzenden Kreisen" sich zuzählender Mensch hier an einem öffentlichen Orte, ohne die ge- ringste Veranlassung Mitreisende in einer Weise beschimpft und beleidigt habe, dessen der roheste und ungebildetste Arbeiter sich schämen würde, und wie einem solchen Verfahren gegenüber man statt der jedenfalls sehr berechtigten gerichtlichen Klagestellung den Weg öffentlicher Brandmarkung vorziehen wolle. Constatirt sei, daß sämmtliche in demselben Wagen Mitreisende, mit Ausnahme von ein paar jungen Kausleuten(!!), laut ihre Entrüstung über daS flegelhafte Gebühren des Fabrikanten aussprachen und Mehrere sich freiwillig zur Zeugenaussage vor Gericht erboten. Da Bebel im Wagen den Namen des„gebildeten" Herrn nicht erfahren konnte, ließ er beim Aussteigen in Meerane seine Persönlichkeit feststellen und wurde er ihm als der Jabrikaut Leithold auS Meerane bezeichnet. Auch wurden ihm gleichzeitig eine Menge Einzelheiten über dessen Privatleben und Privatcharakter mitge- theilt, die den Eindruck bestätigten, eS mit einem mehr als blos rohen und ungezogenen Menschen zu lhun gehabt zu haben. Unsere Besitzenden und„Gebildeten" können auf ihren„Vor kämpfer",„der eS Bebel tüchtig gesteckt," stolz sein; wir aber gehen über diesen Menschen mit Verachtung zur Tagesordnung über, überzeugt, daß diese Kampfesweise der Gegner unsrer Sache nur nützen kann. Leipzig, 10. Juni.(Deutscher Buchdruckerverband.) In den letzten Wochen beschäftigte sich der„Leipziger Gauverband" mit den Anträgen zum demnächst stattfindenden IV. Buchdruckertage. Da es nicht Aufgabe des„Volksstaat" sein kann, ausführliche Berichte über VereinSvcrsammlungen zu bringen, beschränken wir uns auf daS prinzipiell Wichtige, die Gefammtheit der Arbeiter Jnteresstrende. Ja einer der letzten Versammlungen standen unter Anderm Anträge, betreffend die„VerbandS-Jnvalidenkasse" und „Produktivgenossenschaften" auf der Tagesordnung. Ueber beide Punkte referirte Ramm, und bringt der„Corresp. f. Deutscht. Buchdr. u. Schriftg." darüber das Nachstehende: In seinem Referat über den erstern Punkt(Verbands-Jnva- lidenkasse) sprach Ramm sich prinzipiell für eine reichliche In- validenunterstützung auS, da ja jeder Arbeitsunfähige auS den Reihen der Concurrircnden trete; aus gleichem Grunde empfahl er auch die Unterstützung Conditionsloser seitens des Verbandes; er wünscht jedoch, daß der Verbandstag mit einer Beschlußfassung sich nicht übereile, sondern die doch wohl in Aussicht stehende staatliche Anerkennung der Gewerkvereine abwarte, weil sich damit auch günstigere Chancen für die Unterstützung der Invaliden er- geben würden. Der Verband könne dann beispielsweise mit seinen 7000 Mitgliedern in ein Institut für Juvalidenunterstützung ein- treten— ein ähnliches Institut bestehe bereits als ein Zweig der Allgemeinen Unfallversicherungsbank, wo schon jetzt über 30,000. Arveiter für den Fall der Invalidität versichert seien:c.— Ueber die Produktivgenossenschaften sprach Ramm sich in längerer Rede ungefähr folgendermaßen aus: Er müsse sich prinzipiell gegen die- selben erklären. Der Idealisten— wie er sie nennen wolle—, die da meinten, mit den„ersparten" Groschen der Arbeiter solche Genossenschaften zu gründen, um gegen da« Kapital erfolgreich wirken zu tonnen, seien glücklicherweife nur noch wenige. Man denke heute praktischer und nüchterner über diese Angelegenheit, wohl wissend, daß ein Einfluß auf den Weltmarkt in dieser Weise gar nicht zu erreichen sei, vielmehr eine wirkliche Besserung der Zustände nur durch die vollständige Beseitigung der heutigen Produktionsweise erfolgen könne. Der einzig praktische Nutzen, den diese Assoziationen für unS haben könnten: die Prozente für> unsere eigenen Arbeiten nicht in die Tasche irgend eines Ander« fließen. zu lassen, sei mit den jetzt bestehenden vollkommen erreicht. � DaS, was man außerdem gern für die Arbeiter-Preduktivzenossen- schaften anführe, sei durch die Praxis widerlegt. Einmal wäre es nicht nöthig, den Beweis zu liefern, daß die Arbeiter ein Geschäft zu führen verständen; denn Arbeiter, und zwar Lohnarbeiter seien eS, die in der Regel den Druckereien vorständen— der andere Grund, Plätze für Gemaßregelte zu haben, sei aber ebenfalls hin- fällig geworder, da einerseits die Erfahrungen gerade in Leipzig beinahe das Gegentheil ergeben hätten, anderseits aber die Kapi- talisten mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangten, daß eS sich nicht um einzelne Personen handele, sondern daß sie von ihrem Standpunkte aus die Arbeiter in ihrer Gefammtheit, als Klasse, zu bekämpfen hätten. Beweis: Leipziger Strike. Käme doch noch vereinzelt eine Maßregelung vor, so besitze der Verband wohl Mittel genug, dieselbe unschädlich zu machen. Er(Redner) müsse die Gründung von Produktivgenossenschaften geradezu als reaktionär bezeichnen, und sei eS Pflicht der Mitglieder, den Verband frei- zuhalten von Bestrebungen, die nicht hinein gehörten. Das aber die Arbeiter-Produktivgcnossevschaften reaktionär seien, das bewiesen die Erfahrungen, die man damit in Frankreich, sowie in dem Deutschland um mindestens SO Jahre in der volkSwirthschaftlichen Entwickelung vorausschreitenden England gemacht habe. Redner schloß mit den Worten von Carl Marx, vaß, wenn die Arbeiter sich auf doctrinäre Experimente, wie Tauschbanken, Consumvereine, Sparvereine und Arbeiterassoziationen, also in eine Be- wegung werfen würden, worin sie darauf verzichten, die alte Welt mit ihren eigenen großen Gesammtmitteln umzuwälzen, vielmehr hinter dem Rücken der Gesellschaft, auf Privatweise, innerhalb ihrer beschränkten Existenzbedingungen, ihre Erlösung vollbringen wollten, sie nothwendig scheitern müßten.— Der Antrag Ramm'S: „Die einmal bestehenden, von VerbandSmitglicdern gegründeten Prodnktivassoziationen(Produktivgenosscnschaft Deutscher Buch- drucker in Leipzig und GevossenschaftSgießerei in Berlin) find vom Verbände zu übernehmen, die Gründung neuer jedoch abzulehnen", wurde(gegen 2 Stimmen) angenommen. Mit Annahme des Ramm'schen Antrages hat der Leipziger Verein seine Stellung zu den verschiedenen Anträgen anderer Vereine in dieser Angelegenheit in bestimmter Form ausgesprochen, und bleibt nur zu wünschen, daß der Buchdruckertag, in richtiger Erkennung der Aufgaben deS Verbandes, sich dem Leipziger An- trage anschließen werde. Berlin Sozial-demokratische Arbeiterpartei. Donnerstag, den 18. Juni, Abends 8 Uhr: Geschsoffene Mitglttderversammlung Prinzenstraße 72 bei Carius. Tagesordnung: Der Parteikvngreß.— Abrechnung.— Verschiedenes. Karte legitimirt. Diese Versammlung ist ihrer Wichtigkeit wegen zahl« reich zu besuchen.■__ A. Heinsch, Vertrauensmann. I M Berlin Gewerkschaft der Manufaktur-Arbeiter. Sonnabend, den 20. Juni, Abends 8 Uhr: Versammlung Frankfurterfiraße Nr. 84, vis-ä-vis der Waßmannstraße. Vortrag des Herrn Gerstenberg. Die Mitglieder werden aufgefordert, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen und Gäste mitzubringen. Die Restanten werden an ihre Pflichten erinnert.__ C. Ficker. Wir erhalten folgende Berichtigung für Auswanderer. New-York, den 23. Mai 1374. Unter der Ueberschrift„für Auswanderer" erschien in Nr. 116 des„Volksstaat" vom 26. November 1373 die nachstehende Notiz: „Ich erlaube mir hiermit, Diejenigen, welche nach Amerika zu gehen gesonnen sind, auf folgende Adresse aufmerksam zu machen: „Fr. Firner, Arbeiterhalle, Eldrjdgestraße 94, New-'gork". Der Besitzer derselben ist ein aktiver und uneigennütziger Parteigenosse; auch ist derselbe eifrig bemüht, jedem zu seinem Fortkommen be- hilflich zu sein. I. Johnscher." Wir fühlten unS veranlaßt, die Wahrheit des Gesagten aus- findig zu macheu; wir müssen aber zu unserm Leidwesen sagen daß es sich ganz anders verhält, als der unterzeichnete, I. Jon- scher angibt. W.ir können deshalb unfern Parteigenossen, welche gesonnen sind, nach New Zjorck zu kommen, daS Lokal 94 Eldrivge- straße, gehalten von Fr. Firn er nicht empfehlen. Im Auftrage der Sektion 1 der I. A.-A. zu New-Vork: Der korr. Sekretär: A. Henninger. Arbeitshosen. Seit längerer Zeit schon findet sich unter dieser Ueberschrift eine stehende Annonce im„Volksstaat", in welcher Aecht englische Lederhosen zum Preise von 1 Thlr. 15 Gr. empfohlen werden. Da nun in hiesiger Gegend, wo englisches Leder zu Arbeits- zeug allgemeine Verwendung findet, ebenso allgemein bekannt ift daß derartige Arbeitshosen nicht unter 4 Thlr. hergestellt werden können, so ließen einige meiner Bekannten sich eine solche Aechte englische Lederhose schicken, und fanden, daß das sogenannte eng- tische Leder gewöhnliches Unterfutterzeug war. Ohne nun unter- suchen zu wollen, ob Arbeitshosen von diesem sogenannten Aechten englischen Leder für 1 Thlr. 15 Gr. preiswürdig sind oder nicht, hielten wir uns für verpflichtet, hierdurch vor fernerer ab- sichtlicher Täuschung nachdrücklichst zu warnen, es der Redaktion deS„Volksstaat" refp. dem ParieiauSschuß überlassend zu ent- scheiden, ob auf Täuschung berechnete Annoncen noch ferner im „VolkSstaat" Platz finden dürfen�). Der etwaige Einwand, daß ja von Prima- Qualität in der Annonce keine Rede fei, ist deshalb hinfällig, weil die meisten Arbeiter Aecht englisches Leder ganz selbstverständlich für die beste englische Waare, und nicht für Lumpenstoff halten. Ueber die„Stern-Annonce ein ander Mal. Th. Aorck. *) Die Redaktion kann unmöglich für etwaige Täuschungen durch Privatannoncen veramwortlich gemacht weiden. Entweder sind prin- zipiell alle Annoncen zurückzuweisen, welcke nicht auf die Partei und aus Parteiangelegenheiten Bezug haben. Oder es muß der Redaktion überlassen sein, bei Ausnahme solcher Annoncen nach bestem Urtheil zu verfahren, und falls sich herausstellt, daß sie sich getäuscht hat, die» be- kannt zu geben>md die weitere Aufnahme der betr. Annonce zu ver weigern._ R. d. B. Fond s. pol. Gcmaßregclte. Von G. hier Gr. 3 5._ Gcnossenschastsbuchdruckcrei. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten ferner: In Leipzig E. H. U. 2 Thlr. Briefkasten der Redaktion. Ebert in Wilkau: Die 4 Thlr. sind nach Mülsen St. Micheln geschickt. Mumme Braunschweig: Nächste Nummer. der Expedition. Schndr Berlin Sehr. 9 Gr. Kttl Weimar Schr. 12 Gr. Kr hier Ann. 10 Gr. H. Plagwitz Ab. 1 Thlr. Fnkst Luckenwalde Ann. 12 Gr. Strgntz Zeitz Schr. Gr. 12 5. Plk Berlin Schr. Gr. 9 8. QE. B. Hirschberg Schr. Thlr. 1 28 5. M. Schlchtr Dresden Ab. 1. Q. 15 Thlr. G. hier Schr. Thlr. 3 15. Arb.- Ver. Thonberg Ann. 4 Gr. Bchh hier Schr. Gr. 15 3. Esgrtn hier Ab. 2. O. E. M. Thlr. 2 23. Arb.-Part. Barmen: Die Ann. kam für die Frritagn. zu spät. Mitgliedschaft Berlin: Die Ann. Vorläufige Anzeige t. 26 Gr. Vergniigungscomite Hamburg: Tie Annoncen k. Thlr. 1 25. ' B- �Pr lui Fi a s. Breslau Sonntag, den 21. Juni: „Ausflug nach Pir schäm" von den Mitgliedern der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, sowie der hier bestehenden Gewerkschaften, wozu die Mitglieder de» Gesangverein» „Sängerrunde" und alle Freunde der Arbeitersache hiermit eingeladen werden.— Versammlungsort: Völkels Garleu, Klosterstraße 80. Ab- marsch Nachmittag präcis 3 Uhr. Diejenigen, welche den Ausflug per Kahn unternehmen wollen, melden sich bis Freitag Abend im Tolonialwaarengeschäft des Herrn Dietze, Maritiusplatz 6 a. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vertrauensmann. e Demokratischer Arbeiterverein. �lUU�TUjllUjti Sonnabend, den 20. d. M., Abends 3 Uhr, Lange's Restauration.— T.-O.: 1) politischer Wochenbericht. 2) Ge- meindeangelegenheiten.— Gäste find willkommen. D. B. IVflUtit«ozial-demokr. Arbeiter-Berein. T/ Ö SV Douuerstag, den 18. Juni, Abends 8 Uhr int Saale de« Eldorado. Tages-Ordnung: Die Hirsch- Dun cker'schen Gewerkvereiue und die internationalen Gewerkschaften.— Sozial-Politischer Wochenbericht, Re- ferent R. Wilke. Von den Mitgliedern de« Verein» wie der Gewerkschaften wird erwartet, daß sie«m Platze find. Gäste willkommen. Der Vorstand. vir 're »-/. bczii Outhllrt Gewerkschaft»- Vorstände. Freitag, den 19. Juni, Abend» halb 9 Uhr: Zusammen- kunft bei Winkler, kleine Windmühlenstraße Nr. 10. Kirsten. Das badischc«gitationscomitö welche»(soviel mir bekannt ist) in Mannheim seinen Sitz hat, wird gebeten, die Adresse de» Borsitzenden an Unterzeichnetend als möglich einzusenden. Oskar Rosen Hain, Posamentir, altes Schulhaus Part., Schwenningen. ien 29* Rufenden Monat» findet hierorts Großes allgemeines Arveiterfest, verbunden mit Gartenfest und Festrede im Hutteuschen Garten statt. Der Beginn desselben ist Nachmittags 3 Uhr. Um 9 Uhr Abends Festrede sodann Fortsetzung des Festes in den Sälen. Alle hiesigen und auswärtigen Freunde und Parteigenossen sind hierzu geziemend eingeladen. Entrö 18 Kreuzer, Damen frei. Karten find bei M. Wcckeßer, Sanderstraße 2, und Eassee Bollmuth zu haben._ I. A.: D. V.: M. Weckeßer." te Pro tiefe IM, 5'l sn »ei ton tlei fir jti( POllj Oberrheinischer Arbeitertag zn Mannheim. den 21. d. M., Morgens 10 Uhr, im Lokal„Zum grünen Hau»": Conserenz. Tagesordnung: Organisation und Agitation für Süddeutschland. Nachmittags 3 Uhr: Volksversammlung in demselben Local. Tagesordnung: 1) Die bürgerliche Demokratie und die Sozialdemo- kratie. 2) Die Gewerkschaftsbewegung. 3) Die Organisation und Azi- tation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Referenten sind die Herren: Sabor, Auer, Schmidt, Berg- Leyendecker, Löwenberg und Ehrhard. Abends gesellige Unterhaltung. Wir fordern unsere Parteigenossen aus Nah und Fern auf, im Inte- resse der Partei diesen Arbeitertag zu besuchen. 2as Das Agitations- Comits. � S C K o, ft£i fe feilin l- 3r ! Generalversammlung! ! der MLxe! Donnerstag, den 13. Juni, im Hauptquartier. Bitte um zahlreiches Erscheinen: Beschlußfassung über straffere Or- ganisation. Berathung über verschiedene wichtige Punkte. MLxe aller Sectionenl versammelt euch! Leipzig, 14. Juni 1874._ Der Generalstab. Itteft Von den Artikeln Ke n Zum Profcl! LaMne" �nd %( �ber haben wir eine kleine Anzahl Separatabdrücke anfertigen lassen und lie» Z fern solche zu 2 Ngr. pro Exemplar. fluch [3)fo]_ Expedition des„VolkSstaat".�£ Elias Reimensbergcr wird ersucht, seine Adresse sowie Bericht v»a Oberndors an Unterzeichneten einzusenden. OSkar Rosenhain, Posamentir, alte« Schulhaus Part., Schwenningen, im Schwarzwald.___ ! Unlieb verspätet! Der Gesangssection des Arbeiterbildgsver. Leipzig» sprechen Unter- zeichnete ihren herzlichsten Dank aus für die Freundlichkeit und Bereit- Willigkeit womit dieselbe durch ihre frischen, kräftigen Lieder zur Erheiterung und Verschönerung der Montag(8. Juni 74) Abends stattgehabten Ab- schiedsfeier zn Ehren unsere» Freundes Wilh. Blos beigetragen hat. Leipzig, 12. Juni 74.„Die Mäxe." Der Delegirte. i.« «n %i »Tb, IIb Anzeigen:c. Sozial- demokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, den 18. Juni, Abends halb 9 Uhr: Ver- sammlung im Schuhmacheramthau». Vortrag de« Herrn Praast über die Sozialdemokratie und deren Gegner. Gäste find willkommen. Der Borstand. Altona Gustav Rübncr-K El% „Die Guten sterben jung, doch deren Herzen trocken wie dtt 3 Staub de» Sommer», brennen bis zum letzten Stumpf."' C Herwegh. ss Kaum haben wir von einem unserer Freunde Abschied auf 3 Monate nehmen müssen,— 9. Juni—, so beklagen wir schon heute wieder de» Verlust, den dauernden, eine« unsrer trmestcn Genossen und Mitgründer unsere« Elub«. Was er durch seine Selbstlosigkeit und semen Feuereifer � für die Partei gethan, ist schon mündlich und schriftlich von dazu Be- rufenen gebührend ausgesprochen worden. Uns liegt es ob, auch jener Eigenschaften zu gedenken, die ihn im Privatverkehr mit Freunden»n» Genossen auszeichneten. Wir haben in ihm nicht nur einen tüchtigen-* strebsamen Parteigenossen, sondern auch einen lieben, treuen, anhänglichst shifl Freund und Bruder verloren. An uns ist es aber auch, jenen Ge>n Üefy der Opferwilligkeit, der sevrigen, rastlasen Thätigkeit, der ihn" scclte, unter unS zu Pflegen und jene glühende Leioenschaft inchtferkaltci � zu lassen, ahne die in der Geschichte kein Stein dam andern gcrut � wird, an der alle Verfolgungen unserer Feinde und diese selbst- �. Schanden werden, mit der wir über kurz oder lang den Sieg�-' ringen müssen und werde». So können wir den Tobten am bst ehren! Leipzig, 13. Juni 1874.„Die Mäxe- üe z Ki " b Leipzig:«erantw. Rtdaiteur: M. Preißer.(Redaktion u. Axpehiti»"»llte Zel�fte. 44.)»ruck und Mr>,g d«»wis ssins chaMachdrnaeret