lr. r.f Abonnenientspreis für ganz Deutschland 16 Sgr. pro Quartal. Monats-AbouncmcntS werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Lten u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals k bl/3 Sgr. '"OrgandersozialdemottattschenArbtiterparleiMdderlntkrnationaltnGen>crksl,enoffenschafte«. �Erscheml in Leipjig Eß«-"ntwoch, Freitag, Sonntag. irb.- �stellungen nehmen an alle iter> �stanstalten u. Buchhand- mngen des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen „ lur die Vereinigten Staaten: „ F. A. Sorge, Bo* 101 Hobokon, N. J. iter- s w?„eter Ha»' t)?i■ Corner Tbird and 3 9r. O0ate8 str- Philadelphia. futi tnm, hür. Inserate die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei- Angelegenheiten betreffend, werden mit 1 Ngr.,— Privat- und Vergnügung«. ' Anzeigen mit 2lli Ngr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. wlz«"-L_ fjc. 107 Sonntag 13 September 1874. ler- gen im. aß- es- >erk- -reiir gr-. ier- urz wlz- rein gro gr- ua- rein er- her- rb.- 9rr gr- Med t p' 1 � nito lau als hwe I in ideu sind »wie hlr. . 3. hlr. Hof md HM i8. »tl 'g' en IS1 Ter Klasscffsiant im Gejangnißwesrn Vorige Woche tagte in Berlin der Congreß der Strafanstalts- "aniten, welcher sich�mit einer Frage beschäftigte, die unter ob- haltenden Umständen ein ganz besondere? Interesse für die Sozialdemokratie hat. Es handelte sich um die Frage: Kar n den gefangenen die Selbstverpflegung gestattet werden, ohne die Gleich- Mäßigkeit des Strafvollzugs zu gefährden und in welchem Umfang? Der Tirektor des Zwickauer LandesgefängnisseS, Regierungsrath Glinge, als Referent zu dieser Frage verneinte dieselbe. Er !%te aus, da das Strafgesetzbuch in der Gesängnißfirafe als solches für die Sträflinge keinen Unterschied mache, daß auch kein unterschied in dem Strafvollzug eintreten dürfe, sonst werde das mr Alle gleich geltende Gesetz zu Gunsten eines Theils verletzt. �zweifelhaft aber sei die Gestattung der Selbstbeköstigung eine erhebliche Erleichterung der Haft und demgemäß vom Standpunkt ces Strafgesetzbuchs, welches keinen Unterschied der Gefängiuhstrafe kenne, zu verwerfen. Es wurde im Laufe der Debatte noch betont, °oß wenn für gewisse Klassen von Gefängnißinsassen eine Erleich- wrung eintreten solle, hierfür eine besondere Bestimmung im �krafgesetz zu treffen sei. So nur sei cs möglich, ohne Ver- «täung der Gleichheit, wie sie nach dem Wortlaut des jetzigen �trasgxs�xg sgr �lle Gesängnißflraflinge festgestellt sei, den An- wrüchen für mildere Behandlung einer gewissen Kategorie von befangenen zu genügen. Der Director des Zwickauer Landes- Gefängnisses war also nicht, wie in unserer Parteipresse tadelnd hervorgehoben wurde, gegen die Selbstbeköstigung an und für sich, !'onden nach dem Wortlaut des bestehenden Strafgesetzbuchtpara- graphen, der keine Ausnahme in der Hastbehandlung gelten lasse, Segen dieselbe. Unzweiselhast ist die Selbstbeköstigung für den befangenen eine erhebliche Erleichterung der Hast, und um so ?ohr, als mit dieser auch die Selbstbeschästigung Hand in Hand geht. Der Gefangene hat also nicht, wie es sonst das Reglement aller Gefängnisse vorschreibt, siin gewisses Pensum Arbeit täglich dem Staat zu liefern, um die ihm Seitens des Staats gewährte Verpflegung zu ersetzen. Es ist hiernach auch o>n keineswegs verwer flicher Standpunkt, wonach für Gefangenen- Kategorien, die sich haben Vergehen zu Schulden kommen lassen, me als ehrlos nicht angesehen werden können, eine besondere Strafart, die also zwischen der Gefängnißhaft und der Festungs- W zu stehen hätte, im Strafgesetz festgestellt würde. Dann hörte die Willkür, die heute herrscht, endlich auf. Wie will- 'Wich die Gefängnißhaft gegenwärtig selbst bei politischen Gefan- ! Zonen gehandhabt wird, denen doch in erster Linie eine Eileich- terung zu Statten kommen müßte, zeigt folgender Vergleich. � Während in Sackstn den politsschen Gefangenen auch im --andeSgefängniß die Selbstbeköstigung gewährt wird, und das bleiche in Vraunschweig geschieht, ist diese in Hessen bis jetzt hart- Zackig verweigert worden, wie das Beispiel des Redakteurs der öemokr.„Wormser Zeitung" Westerburg und unseres Parteigenossen öiorfas beweist. In Bayern hat man ganz willkürlich zweierlei -Raß angesetzt. Während z. B. den ultramortanen Redacteuren Flegel k., ferner Memminger die Selbstbeköstigung anstandslos Wattet wurde, behandelt man Parteigenosse Worlein im Ambcrger besängniß als gemeinen Verbrecher. In Preußen hat man gar Rci- oder viererlei Maß angewandt. Einem Theil hat man die �olbstbeköstigung rund verweigert, wie das Parteigenosse Jmhof hrid verschiedenen Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter- °kreius geschah. Andern, wie Most, ist sie gestattet, sie dürfen jjskr täglich über einen gewissen Betrag— 12 Gr.— nicht Rnausgehen, für wieder Andere hat man sich auch an diesen betrag nicht gehalten, und für die letzte aber prima Kategorie Pölich hat man nicht nur in Bezug auf die Selbstverpflegung still e Schranken gezogen, sondern hat auch den betreffenden Ge- löngenen besondere Quartiere eingerichtet, zwei und mehr Zellen 'ur sie einrichten lassen, ihnen besondere Bedienung gewährt, irz, ihnen ein höchst angenehmes Leben bereitet; wir meinen die Zisangencn Bischöfe. . Wo solche Willkür möglich, ist nicht bloS eine Regelung auf stu Verordnungswege, wo jeder beliebige Minister beliebige Änderungen jeden Augenblick wieder vornehmen kann, sondern kiNe Regelung durch daS Gesetz unbedingt nothwendig. Streng Zenvmmen müßte in einem solchen Gesetz, das für politische Ge- sthjjene gewisse Erleichterungen bestimmt, auch eiue Kost vorge- Uneben werden, die in höherem Grade den Ansprüchen an eine Änschenwürdige Nahrung entspricht, als die» bei der jetzigen Ge- stugenenkost notorisch der Fall ist. Denn die bloße Bewilligung, !'$ selbst beköstigen zu dürfen, hat für den gar keinen Werth, dem Re Mittel fehlen. Der heutige Staat ist sehr eilig, Männern, Re für ihre Ueberzeugung, aber gegen seine Institutionen kämpfen, i? Gefängnißthüren zu öffnen, aber nicht anständig genug, wenn �iitelloS, sie nicht wie gemeine Verbrecher zu behandeln. DaS ist die oolge des KlastcnstaatS, der selbst im Gefängniß noch daS Maß Menschlichkeit nach der Länge deS Geldbeutels bemißt. Politische Uebersicht» r— Wie rücksichtslos die preußische Regierung verfährt, so daß "i die preußischen Staatsangehörigen auf's Schlimmste gefährdet, Mbt die Thatsache, daß sie bemüht ist, alle Ausländer mit Gewalt aus den preußischen Landen zu vertreiben. Au« Schleswig- jpulstein sind Dänen vertrieben worden; aus den Rheingcgenden man französische Badereisevde ohne allen Grund über die Frenze geschabt und holländische Staatsangehörige ausgewiesen. Die auswärtigen Mächte haben sich bereits über diese unbegreif- 'che» Rücksichtslosigkeiten beschwert, deren Zweck kein vernünftiger Mensch einzusehen vermag. So schreibt die Augsburger„Allge- meine Zeitung": „Der Verkehr im auswärtigen Amte ist augenblicklich ein sehr schwacher und bedeutungsloser, wenn man von den Beschwerden absieht, welche seitens einzelner Vertreter fremder Mächte über das mit rücksichlslcser Strenge von den preußischen Behörden gegen- über einzelnen ihrer Schutzbefohlenen gehandhabte Ausweisungs- system erhoben sein sollen. Zu besrnders interessanten VerHand- lungen dürste wohl noch die Ausweisung eines in England an- sässigen katholsschen Bischofs aus Homburg und die Ausweisung dänischer Staatsbürger aus Nordschletwig Anlaß geben, über welche letztere Maßregel sich sogar das ehemalige Mitglied der provi- sorischcn Regierung von Schleswig-Holstein, Herr Bremer, sehr mißfällig in der Presse wie privatim geäußert hat. Auch der gegenwärtig in Ratibor sich aufhaltende Weltgeistliche und Redac- � teur der„Ratibor Leolschutzer Ztg.", Dr. Bernhaid v. Florencourt, war, wie er in seinem Blatt erzählt, von einer gleichen Maßregel j bedroht, da man die Behörden glauben gemacht halte, daß er ein ! Ausländer und kein Preuße sei. Der Jrrthum wurde jedoch noch rechtzeitig aufgeklärt." Glaubt Herr v. Bismarck vülleicht, daß durch derartige Pickel- ■ haubenslückchcn und Polizeihcldenthaten irgend etwas erreicht werde? Nun ja, er kann es auf diese Weise am schnellsten fertig bringen, daß man im Auslände von der„preußischen Mission" gerade so denkt, wie die Sozialdemokratie in Teutschland. Und daS soll uns lieb sein! — In Meiningcn ist ein großer Theil der Stadt abge- brarnl; dreitausend Menschen, meist den ärmeren Klassen am gehörig, sind obdachlos. Was geschieht nun? Natürlich bietet der Staat alle Mittel auf, die Opfer deS Unglücks vor Mangel zu schützen?— Ei Gott bewahre, cs wird wieder gebettelt; an den Straßenecken Leipzigs prangen Aufrufe mit dem Namen des „Poeten" Müller„von der Weira", denn Meiningen liegt ja an der Werra. Und der bekannte Schriftsteller Adolf Stahr schreibt auS Meiningen: „Ter regierende Herzog von Meiningen, der sofort nach Ein gang der telegrapbischen Kunde vom Ausbruche des Fevers von Liebcnstein nach seiner Residenzstadt eilte und dort die ganze Nacht ordnend und helfend auf deur Schauplatze des Unglücks verweilte, bat soeben einen Aufruf zur Hilfe erlassen. Aber das kleine Land ist nicht in der Lage, sie ausreichend allein zu leisten. Mögen daher die deutschen Nachbarländer das Ihrige thun und möge vor allem die Reichshauptstadt, das stets hilfreiche Berlin, dabei in gewohnter großherziger Weise die Führung übernehmen und sich dabei der Genüsse erinnern, die ihm im verwichenen Frühlinge die „Meininger" Künstler gewährt haben, die— meist alle seit Kurzem auf Urlaub uud Gastrcifcn von Meiningen entfernt, also abwesend von der Unglücksstätte, fast sämmtlich das Ihrige verloren haben sollen." So, so! der Herr Herzog— wie gnädig!— erläßt selbst einen Ausruf! Nun, da erfahren wir doch wenigstens einmal, wozu die Herzöge da sind; wir hätten es sonst wahrhaftig nicht gewußt! Und daß die Regierung deS Herrn Herzogs irgend etwas thut, davon vernehmen wir Nichts, gar Nichts, trotzdem wir alle Blätter eifrigst darnach durchstöbert haben. Aber daS muß so sein, damit verschiedene großmäulige Bourgeois und„Poeten" ä la Müller„von der Werra" als„Wohlthäter" in der Presse umhergeschmiert werden können. Daß die Meininger Bevölkerung durch die öffentliche Mildthätigkeit nur ungenügend unterstützt werden kann, erregt bei solchen„Wohlthätern" kein Bedenken! — Noch nicht genug! Einem ist die widerwärtige Bis- marck- Anbeterei noch nicht weit genug gediehen, trotzdem sie dem Barziner selbst zur Last geworden. Ein Dr. Springmühl näm- lich, der Redakteur der„Allgemeinen Kunst- und Industric-Zeiwng" hatte eS gewagt, sich gegen den„marktschreierischen BiSmarckkultus" auszusprechen. Der Mann besaß also die unverzeihliche Unver- schämtheit, eine eigene Meinung zu haben. FlugS fuhren ihm die Reptilienköter in die Waden und kläfften in alle Welt hinaus, daß er„ein Agent außerpreußischer Fürsten" sei. Dr. Spring- mühl wieö diese Verdächtigung zurück und es bemerkte Herr Bie- dermann zu dessen Erwiderung: „Herr Dr. Springmühl will doch damit nicht sagen, daß man in der Verehrung unsere« größten deutschen Mannes zu viel thun könne!" Also Bismarck kann gar nicht genug„verehrt", d. h. bewedelt und beweihraucht weiden. Den bekannten Ausspruch Börne'», daß die Deutschen eine Nation von Bedienten seien, mit einer solch ekelhaften Lakaienseligkeit zu illustriren, blieb natürlich dem„deutschen Manne", dem großen Biedermann vorbehalten! — In Bayern besteht die kaum glaubliche Unsitte, daß Ar- bester, welche„blauen Montag" machen, von der Polizei als„ar- beitSschcu" verhaftet werden dürfen, während natürlich jene Herren Kapitalisten, deren ganzes Leben ein einziger„blauer Montag" ist, gerade darum als höchst ehrenwerthe Leute betrachtet werden, weil sie ihrem Hange zur Faullenzerei schrankenlos sich hingeben. Sogar dem Rechtsrath Pohl in Hof, dem Verfasser de» bekannten UkasscS gegen unsere Hofer Parteigenossen, war diese Art von Klassenuuterscheidung zu stark und er beantragte, daß der Hofer Magistrat daS Blaumontagmachen ungeahndet lassen solle. Aber siehe da, eS fand sich ein Mann, der sich entschieden für Be- strafung des am Montag nicht arbeitenden Arbeiters aussprach— Rechtsrath Mann ist sein Name— und dem Antrage Pohl's wurde keine Folge geleistet. Wir empfehlen den blauen Montag! nicht; daß aber solch mittelalterlicher, noch von der löblichen Zunft- zeit herrührender Schutt sich durch die moderne Gesetzgebung fort- schleppen kann, ist mehr als traurig. — Die Tumulte in den Brotbäckereien zu Rom haben natür- lich zur Folge gehabt, daß die verhafteten Theilnehmer, nach der üblichen„frommen Sitte", zu Gefängnißstrafe verurtheilt worden sind. Als der Staatsanwalt, der behauptete, daß es sich um daS Vergehen der Plünderung handle, auf dreijährige Gefängniß- strafe antrug, riefen ihm aus dem Publikum mehrere Stimmen Henker! zu. Einer der so gerufen hatte, der Bruder eines der Angeklagten, wurde deshalb sogleich mit einem seiner Freunde, der ihn verthcidigen wollte, verhaftet und es entstand ein Tumult, um dessentwillen die Sitzung unterbrochen werden mußte. Die beiden Neuverhafteten, die in eine Stube eingesperrt wurden, begannen dort zu schreien und zu tobem, zerbrachen die Fensterscheiben und stampften gegen die Thüre. Der erschrockene Staatsanwalt ließ eine Compagnie Soldaten kommen, die Sitzung wurde beendigt und die Vermtheilung ausgesprochen unter dem Schutz der Bayonette. Die Bayonette sind eben auch im Reiche Victor EmanuelS die ultima ratio, das letzte AuSkunstsmittcl, wie anderswo. — Wir entnehmen dem„Braunschweiger Volks freund" Folgendes:„Heute stand vor dem KreiSgerichte Termin gegen den früheren Redacteur des„Tageblatt", vr. Bernhard Jahn an. Derselbe veröffentlichte bei Gelegenheit der Candidatur Bracke'S im Leipziger Landkreise einen Artikel im„Leipziger Tageblatt", welcher die gröblichsten Beschimpfungen und Verleumdungen Bracke'S enthielt. DaS Resultat der heutigen Verhandlung war, daß, nach- dem Dr. Jahn erklärt hatte, daß er unter Tragung sämmtlicher Kosten nachstehende, vom Kreisgerichtsdirektor Hrn. v. Pawel ab- gefaßte Erklärung, mit eigener Namensunterschrift versehen, binnen acht Tagen im„Leipziger Tageblatt" veröffentlichen werde, Bracke seinen Strafantrag zurücknahm. Die von Dr. Jahn zu veröffent- lichende Erklärung lautet wie folgt: „„Ich erkenne an, daß die von dem Kaufmann Wilhelm Bracke jun. in Nr. 58 des Leipziger Tagesblatts vom 27. Februar d. I. enthaltene Erwiderung auf den von mir verfaßten in Nr. 56 des- selben Tageblattes vom 25. Februar d. I. abgedruckten Artikel vom 15. ej. in den darin enthaltenen Thatfachen im Wesentlichen richtig ist, und daß die von mir in dem eben erwähnten Artikel vorgebrachten thatsächlichen Behauptungen irrig und durch mir gemachte unrichtige Mittheilungen herbeigeführt sind, daß ich auch die in dem gedachten Artikel etwa enthaltenen beleidigenden Aeuße- rungen zurücknehme, unbeschadet der politischen Polemik."" Das„Leipziger Tageblatt", welches seiner Zeit die Verleum- düngen gegen Bracke bereitwilligst colportirte, druckt obige Erklä- rung ohne jede Bemerkung unter den bezahlten Inseraten ab. So viel wir wissen, sind die Verleumdungen des Dr. Jahn auch in anderen Blättern des 13. Wahlkreises erschienen. Wir erwarten daher, daß dieselben dem Widerruf des Dr. Jahn ohne Weiteres ihre Spalten öffnen. Oder geht ä la„Tageblatt" auch bei ihnen das„Geschäft" über Alles— auch über die Ehrenhaftigkeit? — Der„Dresdner Volksbote" vom 7. September ist con- fiScirt worden und zwar wegen eines Gedichtes über die Sedan- feier. Edle Rache! Gewerks-ienossenschaftlicheso Verein der deutsche» Steinmetzen. Nerlin. Allen College» hiermit zur Kenntniß, daß der Strike iu Naumburg a. S. sowie der ArbeitS-Ausschluß zu Jbbenbürren siegreich beendet worden ist, und sind demzufolge die Sammlungen einzustellen. Dank allen Denen, die opferfreudig die College» unterstützten. Abrechnung erfolgt im Bericht. Mit Brudergruß Für den Ausschuß: A. Zabel. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Feipzig, 8. September. Laut bei mir erstatteter Anzeige sind die Quittungsbücher der Gewerkschaft sowohl wie auch der Kran- kenkasse dem Mitglied Joseph Hanicke aus Pürles(Böhmen) auf der Reise verloren gegangen. Dieselben wurden am 1. Mai d. I., auf obigeu Namen lautend, in Leipzig ausgefertigt. Indem ich hiermit, um etwaigem Mißbrauche vorzubeugen, die betr. Bücher für ungültig erkläre, mache ich zugleich daraus auf- merksam, daß dieselben, wenn sie irgendwo zum Vorschein kommen sollten, mir zuzustellen sind. Mit Gruß Ludw. Witt, Bevollmächtigter, Elisenstr. 4, 1. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Allen Mitgliedern und College» sowie auch den Herren Meistern diene hiermit zur Nachricht, daß daS Vereins- und VerkchrSlokal der Mitgliedschaft deS Allgemeinen deutschen SchncidervereinS von jetzt an sich in der Restauration zum„Rheingold", Gruftgasse Nr. 6 befindet. Daselbst wird auch der unentgeldliche Arbeits- Nachweis geführt und Zuschneideunterricht ertheilt. Bei jeder Ver- sammlung ist auch Herr Streubel anwesend, welcher Krankenhaus- karten vertheilt und Beiträge entgegennimmt. Alle zureisenden und hier befindlichen Collegen werden ersucht, sich dorthin zu begeben. I7B. Alle Arbeiterblätter werden ersucht, Obiges in ihre Spalten aufzunehmen. München, 1. September 1374. W. Hell, Bevollmächtigter des Allg. deutschen Schneidervereins. Correwonoenzem ZSaldHeim.«Dies ist die Zeit der Festberichterstitcer und der Festberichte—-- wovon sonst wollte denn auch die TageSpreffe berichten" u. s. w.— meint R-dacteu: Seidel in Nr. 71 seines„Anzeigers". Ich will nun anch„berichten" über drei aufeinander erfolgte Feste, aber nicht, weil wir saure Gurken- zeit haben, und auch nicht, um den«VolkSstaat» auszufüllen, sondern der nützlichen Lehren wegen, die wir aus meinen Ver- gleiche ziehen werden. Der König Albert hat auf Ersuchen der Waldheimer Schützengilbe in Anerkennung ihrer Verdienste um das dankbare Vaterland eine neue Fahne verehrt, und begann nun die Fahnenweihe am 31. August und dauerte bis zum 2. Sep- tember. Dreizehn Nachbarstädte waren dabei vertreten. Die Ge- sellschaft besteht 300 Jahr; es treten immer noch neue Mitglieder ein; wie wird'S in 300 Jahren aussehen? Herr Amtshauptmann v. Ehrenstein au« Rochlitz hielt eine längere Rede und meinte, daß durch die Gnade Seiner Mas. der Herzenswunsch der Wald- heimer Schützen nun erfüllt wäre, daß sie den Lohn für ihre Pflichterfüllung erhalten hätten, sie möchten nun auch ferner treu zum L-ndesherrn und zur gesetzlichen Ordnung halten, und sprach schließlich zur Fahne:„Lasse weithin leuchten die geliebten Landes- färben und weh- lange noch zum Schutze der Gesellschaft!"— Dann sprach Superintendent Schmaltz in ähnlicher Weise:„Unter diesem Banner möchten immer frommer Sinn und strenge Gottes- furcht walten"—„man möge treu zum Könige halten und vor Gott das Knie beugen" u. s. w.— Ich erlaube mir, ein ander Mal auf diese Fahne zurückzukommen, indem ich unterdesien der Sache eine für uns interessante Seite abzugewinnen hoffe. Am 2. September Abends waren einige Häuser illuminirt. Die Kneb- steincr Feuerwehr kam mit Fackeln angezogen und vereinigte sich mit der Waldheimer Feuerwehr, welche gleichfalls Fackeln trug. Am Markte wurde Halt gemacht und das Lied gesungen:„Deut- sches Land, du schönes Land."(Klingt das nicht wie Ironie?) „Bleibe einig, bleibe frei!"(Mit der Einigkeit ist es nicht weit her, und die Freiheit muß erst werden.) Dann folgte die unver- meidliche„Wacht am Rhein" und ein Hoch auf den Kaiser. Ich erwartete, daß die Menge, die sonst in den Volksversammlungen unfern Prinzipien zujauchzt, hier begeistert einstimmen würde, wie das auch häufig noch geschieht; aber das Hoch war dumpf und kleinlaut, die Menge schwieg, und ich hörte einen Arbeiter, welcher mir sicher kein Sozialdemokrat zu sein schien, sagen:„Es ist Alles nichts, wir müsien hungern". Ein Hoch auf ven Sachsenkönig vermißte ich, soll aber, wie ich höre, noch erfolgt sein. Wie weit der heutige Patriotismus sich versteigt, erhellt aus folgender„bescheidenen Anfrage" in Nr. 71 des„Waldheimer Anzeigers":„Wer gab den Betheiligten des Fackelzuges am 2. September das Recht, ihre Fackeln am Wohnhause Nr. 271 abzustreichen? Mit welchem Ehrentitel belegt man die solche Streiche Ausführenden?"— Ein Commentar hierzu ist wohl überflüssig. Das waren zwei nationalliberale Feste. Ich bin mit dem Resultate zufrieden. Nun ein ander Bilv. Die Webergenossenschaft zu GeringSwalde feierte am 6. September auch ein Fest, an dem S Arbeiter aus Waldheim Theil nahmen. Die Festrede hielt Eckstein, dieselbe zeichnete sich durch Kürze und Bündigkeit aus und verfehlte ihren Eindruck nicht. Eckstein stellte Vergleiche zwischen Arbeiter- und BourgeoiS-Festen an. Dann wechselten Mustk-Piecen mit ernsten und launigen Declamationen, wobei sich Genosse Böhme aus Leisnig und der Waldheimer Vertrauensmann Wegner auszeichneten. Doch auch unsere Jnhaftirten vergaß man nicht, und eine Sammlung ergab 2 Thlr. 8 Gr. 6 Pf. Dann folgte ein Tänzchen, und dauerte das Fest bis zum andern Morgen. Die Gesellschaft, die hier versammelt war, zeigte so recht, waS wir von der Familie im freien Volksstaate zu erwarten haben. Kein Mißlaut der Uneinigkeit störte, keine Zote wurde bemerkbar, wie man daS so häufig in andern Kreisen findet, wo man es nicht sucht. Es schien, als wären wir eine Familie, nur von dem einen herzlichen Gedanken der Zusammengehörigkeit, der Solidarität ergriffen, und es that mir leid, aus diesem Zirkel wieder Abschied nehmen zu müssen. Gewiß, hätte mancher unserer besseren Gegner, die, anstatt sich persönlich zu Uberzeugen, sich durch Zeitungs- Claqueure täuschen lassen, diesem Feste beigewohnt, er wäre ftied- licher gestimmt und mit einer toleranteren Meinung von uns hinweggegangen. Hieran können sich auch gewisse„Arbeiter" ein empfehlenswerthes Beispiel nehmen. Doch ich will den Gerings- Wälder Gesinnungsgenossen keine Elogen halten. Es wurden verschiedene begeisterte Hochs auf die Sozialdemokratie ausgebracht. Dennoch gehören die Geringswälder unserer Partei nicht an. Warum nicht? Die Antwort erwarte ich durch die That. Adolph Lepp. Karihau, 6. September. Am Sonnabend Abend fand hier eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Vahlteich über die revidirte Landgemeindeordnung referirte. In erster Linie be- leuchtete Redner in klarer und sachlicher Weise die Vortheile, welche dem Volke daraus erwachsen, daß es in Bezug auf Ge- setzgebung seine Interessen möglichst zu wahren suche. Der Redner meinte, das eigentliche Volk sei nach dieser Richtung hin stets von den herrschenden und privilegirten Klassen übervortheilt worden; Redner bewies daS durch Erläuterung verschiedener Zweige der bestehenden StaatSorganisation. Speziell auf die revidirte Land- aemeindeordnung eingehend, beleuchtete Vahlteich die wichtigsten Paragraphen derselben, dabei hervorhebend, daß in diesem neuen Gesetz der Geist der Klassengesetzgebung sich vollständig auspräge, da die reichen Gemeindemitglieder in demselben weit mehr be- günstigt sind, als die unbemittelten und armen. Allein ein Fort- schritt sei dennoch in diesem Gesetz zu erkennen, weil es wenigstens die Möglichkeit bietet, daß durch energische Thätigkeit seitens der armen, und unbemittelten Bewohner sie eine Vertretung im Ge- meinderath erlangen und ihren Einfluß geltend machen können. Nachdem noch das Dissidentengesetz in eingehender Weise behandelt worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung, deren Ver- lauf von allen Anwesenden mit größtem Interesse verfolgt worden war.(„Chemnitzer freie Presse.") Aremerhasen. Am 30. August sprach Auer Hierselbst in einer von ca. 400 Personen besuchten Volksversammlung. Da die„Nordseezeitung" in Geestemüude einen objektiv gehaltenen aus- ührlichen Bericht über den Verlauf der Versammlung bringt, so möge derselbe hier einen Platz finden. Die„Nordseezeitung" be- richtet also: „Herr I. Auer, Schriftführer des Schiffszimmerer-BundeS in Hamburg, hielt am Sonnntag Nachmittag im Suhling'schcn Saale einen Vortrag über daS Thema:„Die Menschenwaare und ihr Preis, oder wie beseitigt man den Unverstand der Massen?" Redner gab von vornherein zu, daß der Satz„die Menschenwaare und ihr Preis" zwar recht abstrakt klinge und daß dies Thema allein schon der Hamburger Polizei Veranlassung gegeben habe, eine Volksversammlung, für welche dasselbe Thema angesetzt war, imcht zu gestatten. In Wahrheit verhalte es sich aber dennoch so, daß die Arbeitskraft eine Waare sei, deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage richte. Als wissenschaftliche Capacitäten, �welche diese Ansicht bereits vor vielen Jahren ausgesprochen, die lnoch nie widerlegt worden, nannte er die englischen National- ökonomen Adam Smith und Ricardo. Eingehend auf den Grund, weshalb die Arbeitskraft zu einer käuflichen Waare herabgesunken, ! bezeichnete er als denselben den Classengezensatz der heutigen menschlichen Gesellschaft, die Macht des Kapitals, welches sich nur in den Händen weniger Bevorzugten befinde. Hierdurch werde es diesen möglich, die große Meng- der Arbeiter sich diestbar zu machen. Den Reichen werde eS möglich, durch Errichtung von Fabriken, durch Auschaffunz von Maschinen:c. die menschlich- Arbeitskraft mehr und mehr entbehrlich zu machen. Als Beispiel verwies Redner auf die Weberei. In diesem Zweige sei die menschliche Arbeitskraft bereits fast vollständig durch allerlei Ma- schinen ersetzt und verdrängt, der arme Weber ist daher gezwungen, um nur den nöthigsten Lebensunterhalt zu verdienen, seine Arbeit dem Fabrikanten um jeden Preis anzubieren. Man möge nur in die schlesischen und sächsischen Jndustriebezirke gehen, nm sich zu überzeugen, wie es den armen Webern dort nicht mehr mög- lich sei, auch nur das zum Leben Allernöthigste sich zu erschwnzeu, wie sie in niedrigen, elenden Stuben 16—13 Stunden täglich ar- beiten müssen, während die Famlilien in denselben dumpfen Zim- mern wohnen, schlafen, dort kochen und fast ausschließlich mit Kartoffeln sich ernähren müssen. O-ffentliche Sammlungen würden zwar veranstaltet, die allgemeine Milvthätigkeit in Anspruch genommen, um die armen Weber zu unterstützen, doch sei dies ganz nutzlos, die Weberbcvölkerung sei einmal durch die vom Groß- kapital herbeigeführten Verhältnisse zum Aussterben verurtheilt. Aehnlich werde es nach und nach auch den übrigen Gewerken er- gehen, wenn eS der Wisseuschaft gelungen, durch Herstellung von Maschinen die Arbeitskrast der Menschen mehr und mehr entbehr- lich zu machen. Die Fabrikanten würden sich nur noch der Maschinen bedienen, das Angebot werde die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft übersteigen und daher müsse diese Waare dann im Preise fallen. ES könne aber der Menschenwaare nicht so gleichgültig sein, ob sie im Preise steige oder falle, wie es bei einer anderen, bei einer tobten Waare der Fall sei. Sei vielleicht durch irgend welche Geschäftsconjuncturen das Tuch im Preise ge- fallen und finde keinen Absatz, so leide das Tuch selbst darunter keinen Schaden. Anders sei es jedock bei der Menschenwaare. Sei wenig Nachfrage nach dieser und falle sie in Folge dessen im Preis, so leide hierbei zunächst der Arbeiter. Seine Bedürfnisse seien dieselben, mag der Verdienst höher oder niedriger sein, und je weiter die menschliche Gesellschaft in der Cultur fortschreitet, desto höhere Ansprüche werden in den gewohnheitsmäßigen Be- dürfnissen auch der Arbeiter eintreten. Es genüge heutzutage nicht mehr, wenn der Arbeiter nur einen Leinenkittel besitze, wie dies vor fünfzig und hundert Jahren genügte; er müsse, um anständig zu erscheinen und nicht gegen die guten Sitten zu verstoßen, einen ArbeitSrock, einen Sonntagsrock, einen Winterüberzieher besitzen, das Tabaksraucheu, das man früher nur wenig gekannt, sei nach und nach ein Bedürfniß der Arbeiter geworden. Die Macht des Kapitals und die sonstigen Einrichtunzen der heutigen menschlichnc Geselllchaft würden aber dahin führen, daß der Lohn für ein menschliche Arbeitskraft so herabsinken werde, daß er schließlich die nöthigsten Lebensbedürfnisse nicht mehr werde befriedigen können. — Um diesem stets weitergreisenden Uebelstandc entgegenzutreten, müßten die Arbeiter selbst Hand an'S Werk legen. Die Arbeiter bilden die überwiegend groß: Mehrzahl der Staatsbürger, sie sollt- selbst dahin streben, daß daS in der Verfassung verheißene Recht: „Vor dem Gesetze ist Jeder gleich", sowie der Satz:„Gleiche Rechten, gleiche Pflichten" zur Wahrheit werde, sie sollen dahin wirken, daß die Bevormundung von Seiten der besitzenden Klasse, welcher sie sich seither stets fügen mußten, endlich beseitigt werde, daß ihnen ihr Recht in vollstem Maße zu Tbeil werde. Um dieS zu erreichen, sollen sie zu Vereinen zusammentreten und gemeinsam an der Förderung ihrer Interessen arbeiten. Der Einzelne könne für sich, und wenn er der intelligenteste Arbeiter sei, nie das er- reichen, waS einer großen Verbindung von Arbeitern möglich würde. In den Arbeiter- Vereinen sollen dann.communale, soziale und politische Fragen berathen und besprochen werden. Die Ar- beiter sollen sich auch nicht davon abhalten lassen, auf politischem Gebiete ihren Einfluß geltend zu machen, sie sollen sich nicht mehr vorreden lassen, daß eS falsch sei, wenn die Arbeiter sich um Politik kümmern, daß der liebe Gott und die hohe Obrigkeit schon für sie sorgen werde. Wenn durch diplomatische Verwickelungen ein Krieg herbeig-führt werde, sei eS zunächst der Arbeiter, welcher darunter zu leiden habe. Werde der Krieg auch siegreich zu Ende geführt, so sei eS doch die Arbeiterklasse, welche das größte Eon- tingent zur Vertheidigung d-S Vaterlandes stellen müsse, und aus dem„Felde der Ehre" müßten sie entweder ihr Leben lassen, oder mit zerschossenen Gliedern, als Krüppel oft kehrten sie heim, um mit einer ungenügenden Pension dann armselig ihr Leben zu fristen. Es habe darum gerade der Arbeiter daS meiste Recht, auch auf politischem Gebiete mitsprechen zu dürfen, denn in einem etwa unglücklich geführten Kriege, wenn der Feind ins Land dringe, sei es wieder der Arbeiter, dem die Lasten des Krieges am drückendsten wären, die Reichen nehmen ihr Hab und Gut und flüchten, während dem Armen, der an die Scholle gebunden ist, nichts weiter übrig bleibt, als fein Weib und Kind, feine Hütte zu vertheidigen und schließlich für die Unterhaltung des Feindes zu sorgen. Die Arbeiter sollen sich auch nicht bethören lassen von der ausgesprochenen Ansicht der jetzt inS Leben gerufenen Bildungs- vereine, welche behaupten, der Arbeiter müsse sich erst bilden, be- vor er mitsprechen dürfe. Es sei dies ein unsinniges Verlangen. Man künne nicht verlangen, daß der Arbeiter, wenn er durch an- strengende Arbeit den Tag über sich abgemattet, deS Abends in wissenschaftlichen Werken studiren�solle, um sich besondere Kennt- nisse anzueignen; es seien hierzu die Kenntnisfe, welche man in der Volksschule verlange, nicht ausreichend, um die Wissenschaft- lichen Werke vollständig verstehen zu können; gelte doch noch heute die Bibel zum großen Theil als Lehrbuch in den Schulen, lrctzdem die Wissenschaft schon längst über sie den Stab gebrochen. Nur die Arbeiter selbst könnten sich helfen durch starke Verbindungen, in denen sie der Macht de« Kapitals ihren Wider- stand entgegensetzen, dann würde mit der Zeit ihr Einfluß wach- fen und in gleichem Maße ihre Lage sich bessern." Die Versammlung nahm den besten Verlauf und währte von 4—6 Uhr Nachmittags. ES wurde allgemein der Wunsch ge- äußert, daß Herr Auer bald wieder an hiesigem Orte austreten möge, da solche Vorträge zur Ausklärung der Arbeiter wesentlich beitrügen. Köln.(Zur Sedanfeier.) Die R.ptilienpresse hatte in den letzten Tagen die Aufgabe, die überall in Sceae gesetzte Sedan- seier zu verherrlichen. Auch in der Metropole des Rhinlandes soll dieselbe, laut hiesigen und auswärtigen Zeitungen, in der � großartigsten Weise gefeiert worden sein. Die Vorfeier spielte si> in unserem, der Majorität nach liberalen, Stadtverordneten- Cob$ legium ab. Der von Volk und Kaiser dekorirte, gegen Reichs- Mitt feinde Demonstrationen in Scene setzende, seine liberalen Mit- � kämpfer verletzende, daS Budgetrecht dem Volke verweigernde, in � Militärfragen Kaiser und Generale allein für compnent haltende,' Alle, welche ihn der Veränderung seiner Gesinnung anklagen, deh. JrrthumS zeihende, zu dem von oben gehegten und gepflegten) p' wesentlich zur Hebung des PreußenpatrioüSmus ins Leben gerufeaefl AltkatholiziZmus gehörende Herr Klasseu-Kappelmann stellte den � Antrag, dem hiesigen Volksbildungsvereine für die Sedanfeier am 2. September den städtischen Gürzenichsaal zu überlassen, unt 8.? sprach ferner den Wunsch aus, das Collegium möge ein Comite«oai wählen, welches die in Rede stehende Feier arrangire und vor- berathe. Es wurde von Seiten der Liberalen betont, Hr. Klassen- Kappelmann sei früher gegen jede Verherrlichung des Krieges ge-'V'l wesen, welches seiner heutigen Auffassung geradezu widerspreche.! Der ob seines FreimutheS von den Senatoren und Bürgern der freien Reichsstadt Frankfurt mit einer drei Fuß hohen silbernen Säule beschenkte Herr Klassen-Kappelmann hatte nämlich im"""?' Jahre 1869, als man die Hergabe eines öffentlichen Platzes für ein Kciegcrvenkmal verlangte, im Stadtverordnetencollegium und Anderm folgendes geäußert:„Es sei dies eine Verherrlichung deS Krieges und nur geeignet, den kriegerischen Instinkt anzuregein Der Krieg sei aber eine furchtbare Geisel der Völker, ein so namem loses Uebel, daß die Humanität es verlange, demselben in jeder(� Weise entgegenzuarbeiten. Oeffentliche Denkmäler gebühre» T den Heroen der K�nst und Wissenschaft, genialen Männern, welchrDing, sich hervorragende Verdienste um Cwilisation, Freiheit und Frie-irenig den erworben haben, nicht aber den unglücklichen Opfern de-' � Ä Krieges. In Amerika, wo ein schwerer Kampf um das heilig FravI Prinzip der Freiheit durchgefochten, habe man geräuschlos dirlrnde Waffen niedergelegt und Niemand habe daran gedacht, den unzlück-»der lichen Opfern des Krieges Denkmäler zu entrichten. Möge ma»Gespe nicht den Chauvinismus, den man an Frankreich tadle, T in Deutschland nähren.">veil' Herr Klassen-Kappelmann war trotz alledem dummdreist genug Aan\ alle Diejenigen deö JrrthumS zu zeihen; er denke jetzt anders wü ichädl damals; man müsse den Reichsfeinden gegenüber eine Kundgebnuj) Beisp zum AuSvruck bringen. T Nachdem Herr Klassen Kappelmann von einem seiner Freundem ei, in Schutz genommen, von den übrigen aber gehörig abgekanzelt Glaul worden war, wurde die Frage, ob die Versammlung der Stadt' Miser verordneten ein Comits zur Vorbereitung der Sedanfeier bilde» lie T wolle, mit 15 gegen 5 Stimmen abgelehnt, der Gürzenichsaal abü zlaub dem Volksbildungsoerein bewilligt. �as Die Bevölkerung hat sich auch keineswegs an der Schlachte»' � � feier betheiligt, mit Ausnahme der Altkathdliken, der Beamten unt.�eliel Kciegervsreine. Ganze Straßen und Plätze blieben in Dunkel hüllt. In allen übrigen Straßen waren nur einzeln- Häuser ill»' � K minirt. Auf dem Gürzenichsaals hielt Dr. O. Jäger die Festrede daß Es ist dies der Geschichtsschreiber, welcher die Fortsetzung rs»��" Schlossers Weltgeschichte befolgt.*raft Auch unser Nachbarort Ehrenfeld soll in einem Lichtmeer gif M. l schwömmen haben. Unsere dortigen Parteigenossen behaupten aber,'"essp das Ehrenfeld habe sehr oft im Wasser, aber noch niemals i», einem Lichtmeere geschwommen.'°llle An die Parteigenossen des Ii. sächsischen Wahlkreises' Wiederum trin die Pflicht an unS heran, uns als MäuMj�t s, treue Anhänger unserer Prinzipien zu� zeigen. Durch diss�H und Beförderung des Neichstagsabgeordneten v. Könneritz zum Kreit' Hauptmann ist dessen Mandat erloschen; es ist daher unsre gäbe, uns mit aller Energie an der bevorstehenden Neuwahl!' dvn' betheiligen, um einen Mann unserer Gesinnung durchzubringe» Wir fordern daher alle Parteigenossen auf, Sonntag, de» j 20. d. Mi, Nachmittag? 2 Uhr, im Schießhaus zu FrohburS��. sich durch Delegirte zu einer Conferenz vertreten zu lassen, l? wird der Parteigenosse Liebknecht oder Motteler anwesend fti'diahr und soll über Feststellung eines Kandidaten, Agitation und Organi' sation zur bevorstehenden Wahl und über desi ntive Beschlußfassn»! inen� deS Sitzes des CentralwahlcamitsZ berathen werden. seijji, Frohburg, 10. September 1374. ez � Das provisorische Centralwahlcomitö.' � 3. A.: August Köhler. � glau «rieskasten jj?* der Redaktion. Der hiestge Eisender der„Oesseutl ichen AnfraZi.cht wird um eine Unterredung gebeten. nvzui Quittung dessen der Expedition. E. M. hier Ann. 10 gr I Mllr hier Ab. 3 thss Tin t I. Rbl Wien Schr. 2 thlr. 10. Frch im Anger Ab. 6 thlr. 24. �»eien Klssg Dresden Schr. 22 gr. Klempnervereia Berlin Ann. 6 gr. Btt� ZÜ.» hier Ab. 2 thlr. Jcosa hier Ab. 6 gr. � V Montag, d. 14. September, Abends 8 Uhr, in Graeh llps� öalon, Brunnenstraße Nr. 140: Pi o Jroffe öffentliche Versammlung pder sam ntlicher Klempner und verwandten Verulsgenoslen. /issel Tagesordnung: 1) Welche Mittel uns zu Gebote stehen um unfts gedrückte Lage zu verbessern. Ref.: Herr Holzwarth. 2) Verschieden� C o l l e g e n! Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht es jede» zur Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Seid Alle auf de» h:., Posten!• Der Borstand ,i»eh,,!! des Verbandes der Klempner u. verw. Bernfsgenossen.[IJ 11' Berlin gkwohnter Weise W findet Dienstag, den 15. September, Abends 8>« UL'sein z im Casö Madcl. Elisabcthstraßc Nr. 17 chroße öffentliche Versammlung �Zort statt.— Höchst spannender Bortrag des Herrn Ed. B.---»der kussion. Fragekasten u. dergl. mehr.,$er Jung und Alt ist hierzu eingeladen.__ Eberhard. 0,! Jahe Montag, den 14. Sept., Abends S'/z Uhr: OeffcnM Heme Arbeitervcrsammlnng bei CariuS, Prinzenfiraße (oberer Saal.)— Bortrag des Herrn Stötten Es ladet zu zahlreicher Betheiligung ein Leipzig Diskussion. A. Bies el._ jj Allgemeiner deutscher Schneiderverein. ej«, Montag, den 14. d. M., Abends 8 Uhr: Versammlll»l_ in der Restauration von Jacob,(goldner Ring) Petersstraße 15... T-O.: 1) Soziale Rundschau. Ref.: Krause.— 2) Borlage d» Lohn-Tarife.— 3) Verschiedene».> m d Bei der wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch,'tiixx Der Bevollmächtigte.[', B Mylau im Boigtland. ' s» Ml er$ Der„Sozialdemokratische Arbeiteroerein" macht hiermit bekannt, ü»; � kc Briefe, Einladungen u. s. w. von Nah und Fern nur berücksichtigt �eis- den können, wenn dieselben an den Unterzeichneten gelangen. a>iu Friedrich Ehregott Fischer, Borsitzender,[l5' t -----'>a Leipzig: Berantw. Redakteur: M. Pretßer.(Redaktion und ��ater pedition Zeitzerstr. 44.) Druck und Verlag der GenossenschaftsbuchdruckN"