ila i 23 gr. tlä i« •n trf |t. W i eia» Kohl» l W irtfi vttde» Ätl» n ftti Jb > Uhr i« u»> Erscheint in Leipzig Mittwoch,Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle -postanstalten u. Buchhand- lungen des In-».Auslandes. Filial- Expeditionen iur die Bereinigten Staaten: � F. A. Sorge, Lox 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, ' �»(torner lltbirll aall boates str.?biladelpbia, Der M Abonnementspreis für ganz Deutschland 16 Sgr. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Üten ii. 3ten Monat und auf den Zlen Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen n. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals i 5'/3 Sgr. Organder sozialdemokratischenArbeUerdarteimd der wternationalenGewerksgenossenschasten. Inserate, die Abhaltung von Partei-,«erews- und«olksversammluugen, sowie die Filial- ExyeMonen und sonstige Partei- Angelegenheiten detressend, werden mit 1 Aar'— Privat, und Beranstanna». Anzeigen mit 2'/, Ngr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. 8' V««« Nr. 115. Donnerstag, 1. Hktoßer. 1874. Sur Neichstagswahl im 14. sächfischen Wahlbezirk. Sei der am 20. d. M. stattgefundcnen Delegirten- Conferenz ?us dem 14. Wahlkreise wurde einstimmig als Candida! für den Reichstag Parteigenosse Wilhelm Fink in Leipzig aufgestellt, und beschlossen, für jeden GerichlSamtSbezirk ein Lokalcomits zu bilden, welches die Abhaltung von Versammlungen zu ermöglichen und werte» chr allgemeine Verbreitung der Wahlauftufe und Stimmzettel rc. w seinem Bezirke zu sorgen hat. Der Sitz des Centralkomit6s wurde nach Frohburg verlegt. Mit dem gegenseitigen Versprechen, alle Kräfte anzuspannen, um der Partei"einen neuen Wahlkreis zu erobern, schloß die Konferenz. An die Wähler des 14. Wahlkreises. Laut Beschluß der Conferenz vom 20. d. M. ist Frohburg Sitz deS Central-WahlcomitsS bestimmt worden. Da und die Wahl in kurzer Zeit >u ij Sr°i< 21/«L. in 8''' Frag«' _Ji "\iiirt® r j. v•***.»♦»- v. � dasselbe bereits constituirt hat uch � �orsteht, so werden hiermit die Wähler deS 14. Wahlkreises > �Usgefordert, ungesäumt mit Gründung von WahlcouiitoS vorzu- stehen und uns alsdann die Adressen zuzusenden. uielirtl Frohburg, im September 1874. Das Central-Wahlcomits. �Briefe u. f. w. siud zu senden an H. Otto Häußler, � KB. 5 0uJ �-rgasse. onruw] über die �»apzischastSdereine der Berg- , llnferfHihmirt nott'/« bis»/. der von ihren Arbeitern gezahlten Beiträge erreichen. Dieser Entwurf drückt keineswegs die Ansicht der intelligentesten sächsischen Bergarbeiter auS. Er kommt vielmehr von einer Sektion, welche reformiren möchte mit Erlaubniß des Kapitals. Er trägt den Stempel des Unpraktischen auf der Stirne. Welche naive Unterstellung in der That, daß die Kapitalisten, bisher unbeschränkte Herrscher über die KnappschaftSvereine, ihre Gewalt an eine demo- kratische Generalversammlung von Arbeitern abtreten und trotzdem Beiträge zahlen werden! DaS Grund übel besteht gerade darin, daß die Kapitalisten überhaupt beitragen. So lang die« dauert, ist ihnen die Leitung des KnappschaftSvereinS und der KnappschaftSkasse nicht zu entziehen. Um wirkliche Arbeitergesell- schaften zu sein, müssen die KnappschaftSvereine ausschließlich auf Arbeiterbeiträgeu beruhen. So nur können sie sich in Trade«' UnionS verwandeln» welche individuelle Arbeiter vor der Willkür individueller Meister schützen. Die unbedeutenden und zweideu- tigen Bortheile, welche die Kapitalistenbeiträge bieten, können sie je" den Zustand der Leibeigenschaft aufwiegen, wozu sie den Ar- beiter zurückdrängen? Mögen die sächsischen Bergleute stets bedenken:— waS er immer zur KnappschaftSkasse zahle, der Kapi- talist erspart eben so viel und mehr am Arbeitslohn. VsJ-fa». Qlf,,* L-t... � cm:-*----- lau» f�enstehende Bericht wurde 1869 im Austrag des General- »aein Oth internationalen Arbeiterassoziation von Karl Marx auSge- Vif'*' r m|k in Nr. 12 de«„Temolratischen Wochenblatt«" von 186!« 'MÄi mwJ' nmVTmleZ" Ä" d' 1 sr W («((» jetzt auf der Tagesordnung ist, halten wir de» Wieder. �.unv Zufuhr zum ausschließlichen "«uck de« Arnnstücks für zweckmäßig. R. d. B. > Jetzt flehen die Löhne höher, ohne daß sich die Lage der Arbeiter M da alle Leberswittel entsprechend im -�0-itech we blltte da alle Leberswittel entsprechen!: m "rtV1, öcsiiegin sind. Wir werden demnächst nähere i'.ligadm wöchentliches Almosen für jedes Kind. 4) Begräbnißgeldcr' bei Todesfälle» in der Familie. Der erlauchte Prinz und die erleuchteten Kapitalisten, welche die Statuten entwarfen, und die väterliche Regierung, welche sie bestätigte, schulden der Welt die Lösung einer Aufgabe: Wenn ein Berga, beiter bei dem vollen Durchschnittslohn von 2"/z Thlr *) E« muß leider gesagt werden, daß die ���rbeiter bis zur neacstei, Zeit diese« Lob nicht verdient haben. Bei den Itelchstags.• sie allerding« stet« auf de», P-"*. auswenig geregt. Erst jetzt scheint ihnen da« Jewu-i n zudämmern. R. d. B. Vortheil des Kapitalisten zu suspendiren. In anderen Worten: durch den ungewöhnlichen Halt, den sie dem Kapital auf individuelle Arbeiter geben, drücken sie die Löhne selbst unter ihre gewöhnliche DnrchschnittShöhe herab. Aber sollen die Arbeiter denn die restirenden Kassen— versteht sich nach Abfindung erworbener Rechte— den Kapitalisten schenken? Diese Frage kann nur gerichtlich gelöst werden. Trotz königlich obrigkeitlicher Bestätigung schlagen gewisse Artikel der Statuten den allgemeingültigen, dvilrechilichen Prinzipien über Verträge ins Gesicht. Unter allen Umständen jedoch bleibt die Scheidung des Geldes der Arbeiter vom Geld der Kapitalisten die unerläßliche Vorbedingung zu jeder Reform der KnappschaftSvererne. Die Beiträge der sächsischen Kohlenwerkbesitzcr zu den Knapp schaftSkafsen enthalten das unfreiwillige Eingeständniß, daß das Kapital bis zu einem gewissen Punkt haftbar ist für die Unfälle, die den Lohnarbeiter während seiner Arbeitsfunktion, in der Ar- beitSstätte, an Leib oder Leben gefährden. Statt aber, wie es jetzt geschieht, diese Haftbarkeit zum Vorwand eines erweiterten Kapital deSpotiSmus machen zu lassen, geziemt es den Arbeitern, für die gesetzliche Regelung der Haftbarkeit zu agitiren.*) Zuckerdrod und Ruthe. Während die amtlichen Organe der preußischen Regierung: Tessendors und Stieber aus Leibeskräften tessendorfen und stiebern, macht das gleichfalls amtliche Organ der preußischen Regierung: die„Provinzialkorrespondenz in Arbeiterfreundlichkeit und Lösung der sozialen Frage. Wir kennen diese Arbeiterfreundlichkeit; wir kennen den Text, wir kennen das Lied, wir kennen die Herren Verfasser, und haben seinerzeit Text, Lied und Verfasser in djesen Blättern von Äwore gezeichnet und gekennzeichnet. DaS neueste Lied, welches die bekannten Verfasser uns vorpfeifen, lautet im Text: „Inmitten der tiefgehenden Bewegung, welche auf dem Gebiete der wirthschaftlichen Verhältnisse der arbeitenden Klassen statt- findet, hat unsere Regierung ihre Ausgabe jeder Zeit darin er- kannt, unter Aufrechterhaltung des Grundsatzes der fieien Entfal- tung der ErwerbSthätigkeit, einerseits schützend einzutreten, wo die freie Verwerthung der Arbeitskraft behindert oder gelähmt wird, andererseits dem Mißbrauch der gewährten Freiheit zu wehren und durch wohlwollende Unterstützung alle Bestrebungen zu för- dern, welche aus dem wirthschaftlichen Leben des Volkes heraus gegen die Uebelstände einer schrankenlosen gewerblichen Entwicke- lung ankämpfen. In dieser Richtung hat namentlich der Schutz der Frauen und Minderjährigen, welche in Fabriken beschäftigt sind, bc- reit« in der preußischen Gewerbegesetzgebung besondere Beachtung gefunden, und die durch Erfahrung bewährten Grundsätze derselben sind auch in die Gewerbeordnung für das deutsche Reich auf- genommen worden. Die Reichsbehörden haben den gewerblichen und sogenannten sozialen Fragen in den letzten Jahren fortgesetzt eingehende Er- wägungen gewidmet und die Mittel und Wege in Betracht ge- zogen, durch welche von Seiten des Staates die Beseitigung wirk- licher Nothstände in den Arbeiterklassen gefördert werden kann. Im Zusammenhange dieser Erwägungen ist das Augenmerk der Reichsbehörden auch auf die Erweiterung des gesetzlichen Schutzes der in Fabriken beschäftigten Frauen und Minderjährigen gerichtet. Nach einem Beschlüsse de« Bundesrathes sollen zur Vor- bereitung der bezüglichen Entschließung-» Ectz-lm-ig»» über die obwaltenden Zustände in sämmtlichen Bundesstaaten stattfinden. Nächst den allgemeinen statistischen Erhebungen über die Zahl der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter verschiedenen Alters, über die Arbeitszeit, die Höhe des Wochenlohns u. f. w. sind ferner bestimmte Fragen zur eingehenden Erörterung über die Arbeitsoerhältnisse aufgestellt. Zunächst in Betreff der Arbeiterinnen. In Bezug auf die Sonntag- und Nachtarbeit soll fest- gestellt werden: ob ein Theil der regelmäßigen Arbeitszeit auf die Nacht und auf welche Stunden, auf den Sonntag und auf welche Stunden fällt, und ob die Arbeiterinnen daran Theil uehmm müssen. In Betreff der Arbeitsräume, ob sie von denen der Männer gesondert sind, ob weibliche Aufscher bestellt sind-c. In Betreff der Arbeitserleichterungen: ob zu Gunsten der Arbeiterinnen, zumat vor oder nach der Niederkunft und bei Krankheitsfällen in der Familie, besondere Erleichterungen, auch zur Fürsorge für die Kinder(Bewahranstalten ic.), bestehen? Die Erörterung soll sich sodann auf die besonderen, mit ein- zelnen Industriezweigen, sei es im Allgemeinen, fei eS an gewissen Orten, verknüpften Mißstände erstrecken, und zwar namentlich in Betreff der Gesundheitsverhältnisse, sowie der sozialen und sitt- lichen Verhältnisse. ES soll näher festgestellt werden, ob unter den Arbeiterinnen bestimmte gesundheitsschädliche Einwirkungen der Arbeit bemerkbar geworden sind und worin dieselben ihren Grund haben,— ob die Arbeit selbst für die Arbeiterinnen eigeurhüm liche Gefahren mit sich bringt,— ob sich der Gesundheitszustand der Arbeiterfamilien, in Bezug auf die Frauen selbst, sowie in Bezug auf die Sterblichkeit oder Verkümmerung der Kinder als besonders ungünstig erweise. In Betreff der sozialen Verhältnisse werden die Wahrnehmungen in Bezug auf frühzeitiges Heirathen, auf die Zahl der unehelichen Geburten, sowie die Anzeichen der Vernachlässigung und Erziehung der Kinder, mangelhafter Schulbesuch ic. Vorzugs- weise in's Auge zu fassen sein. Was die Abhülfe vorhandener Mißstäntre betrifft, so tritt zunächst die Frage hervor: ist eine Abhülfe möglich, ohne Beschränkung der Fabrikarbeit,— ist sie zu erreichen durch Ver- besserung der Fabrikeinrichtungen, durw besondere Einrichtungen und Vorkehrungen zu Gunsten der Arbeiterinnen, durch Einwir- kung auf die Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien außerhalb der Fabriken, namentlich durch Unterrichts Anstalten für weibliche Ar- beiten, durch Einrichtungen zur Beaufsichtigung und Beschäftigung der Kinder u. f. w.,— oder erscheint zur Abhülfe Einschränkung d?r Fabrikarbeil nöthiz, und zwar bezüglich gewissec Tagesstunden oder bezüglich der Nacht- oder Sonntagsarbeit, bezüglich aller Ar- beiteriunen oder nur gewisser Klassen(der jugendlichen,— der verheiratheten?),— oder bedarf es endlich eines gänzlichen Verbots einer gewissen oder jedweder Beschästigung in dem bestimm- ten Irdustriezweige. Die Durchführbarkeit der vorzuschlagenden Maßregeln hängt mit der Frage zusammen, ob die Durchführung derselben etwa die wirthschaftliche Lage der Arbeiterfamilien erheblich benachtheiligen würde, ob insbesondere anzunehmen ist, daß das den Familien nach Verkürzung der Frauenarbeit verbleibende Einkommen noch eine genügende Subsistenz gewähren würde,— daß den Arbeiterinnen anderweit Gelegenheit zu einem den Lohnverluft aus gleichenden Verdienst geboten sein würde, oder daß die Nothwen- | digkeit eines Ersatzes eine Erhöhung des Lohnes der Arbeiter nach sich ziehen würde?— Es muß weiter in Betracht kommen, ob die Durchführung der betreffenden Maßnahmen den Industriezweig selbst erheblich schädigen würde, ob insbesondere der Mehrbedarf au männlichen Arbeitern unschwer und ohne Nachtheil für andere Erwerbszweige sich decken ließe,— und ob durch Vertheuerung der ArbeuSkrast die Preise der Fabrikate in einer den Absatz hem- Menden Weise erhöht würden. Es sollen in allen diesen Beziehungen die thatsächlichen Ver- Hältnisse in den einzelnen Bezirken dargelegt werden. Die Verhältnisse der jugendlichen Arbeiter sind gesetzlich zunächst dahin geregelt, daß Arveiter zwischen 12 uno 14 Jahren höchstens 6 Stunden, solche zwischen 14 und 16 Jahren höchstens 10 Stunden täglich beschäftigt werden sollen. Es wird nun zuvörderst festzustellen sein, inwieweit diese Bestimmungen nicht zur Ausführung gelangen oder zeitweise nicht beachtet wer- den. Es fragt sich sodann, ob sich gesetzliche Bestimmungen em- pfehlen, welche eine schärfere Kontrolle ermöglichen, namentlich für Arbeiter unter 14 Jahren Bestimmungen, wonach dieselben Kinder vor oder nach der Mittagspause(oder einer gewissen Tagesstunde) beschäftigt werden dürfen. Jugendlichen Arbeitern ist nach der Absicht des Gesetzes nicht gestattet, in den Arbeitspausen aus freien Stücken fortzuarbeiten. Es kommt nun die Frage, welche Einrichtungen zu treffen sind, um die Umgehungen dieser Bestimmung zu verhüten, und ob dafür die Arbeitgeber unter allen Umständen verantwortlich zu machen sind. ES fragt sich weiter, ob eine Verschärfung der Bestimmun- gen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter im Interesse der Letzteren selbst angemessen erscheinen,— ob die in dieser Beziehung vorzuschlageuden Maßregeln etwa den Nahrungsstand der Arbeiter- familien beeinträchtigen oder die Betriebsverhältnisse der Industrie erschüttern würden. Die Kontrolle des Gesetzes in den erwähnten Beziehungen wird bisher von den ordentlichen Aufsichtsbehöiden geführt. Es soll erwogen werden, inwieweit behuss schärferer Kontrolle die Anstellung besonderer Aufsichtsbeamten(Fabrik- Inspektoren) als Bedürfniß erscheint,— unter welchen Voraussetzungen je nach Art oder Umfang des Industriebetriebes einer Gegend die Anstel- lung solcher Beamten gesetzlich vorzuschreiben und mit welcher Kompetenz dieselben auszustatten sein würden. Die hiernach vorzunehmenden Erhebungen sollen außer der eigentlichen Fabrikarbeit und der Arbeit in Berg- und Hütten- werken auch die Beschäftigung in solchen Werkstätten umfassen, in welchen während der eigentlichen Betriebszeit gewöhnlich mindestens zehn Personen thätig sind,— dagegen nicht die Arbeit in der Hausindustrie und dem eigentlichen Handwerke. Die allgemeinen statistischen Ermittelungen werden wesentlich auf amtlichem Wege erfolgen, doch, soweit eS die Umstände erfordern, unter Zuziehung von zuverlässigen Fabrikanten und unbefangenen Vertretern des Arbeilerstandes. Für die übrigen Erhebungen sollen ausdrücklich nicht nur die Ansichten der Behörden, sondern auch die Anschauun- gen sachkundiger Privatpersonen in Betracht kommen, und zwar außer geeigneten Persönlichkeiten deS GewerbestandeS— Arbeitgebern wie Arbeitnehmern— auch solche Männer aus anderen BerusSzweiaen, welche mit dem industriellen Lrben in näherer Be- rührung stehen, besonders Aerzte, Geistliche, Lehrer rc. Je nach den Verhältnissen werden dieselben mündlich oder schriftlich, ein- zeln oder für kleinere Bezirke zu gemeinschaftlicher Berathung vereinigt, gehört werden." So die„Provinzialkorrespondenz". Auf eine ins Einzelne gehende Kritik können wir uns nicht einlassen, da wir nur hun- dertmal Gesagtes zu wiederholen hätten. Und wenn die in Aus- ficht gestellten Regierungsmaßregeln vor den Reichstag kommen, werden wir uns des Näheren mit ihnen zu beschäftigen haben. Für heute nur so viel: An schönen Worten läßt das preußische Re- gierungSorgan eS nicht fehlen, aber von schönen Worten wird man bekanntlich nicht satt. Schöne Worte sind' nichts, wenn sie sich nicht in Handlungen umsetzen; und schöne Worte sind schlimmer als nichts, wenn sie mit den Handlungen im Widerspruch stehn. Letztere« ist aber der Fall mit den schönen Worten der preußischen Regierung. Wie können wir glauben, daß eine Regierung, welche nur die natürlichen Gegner der Arbeiter, oder Beamte und solche Arbeiter, die„unbefangen", d. h. Gegner der EmanzipationSoe- strebungen ihrer eigenen Klasse- sind, für berufen hält, ein Votum in der Frage der Frauen- und Kinderarbeit abzugeben, die Greuel der Frauen- und Kinderarbeit ernsthaft beseitigen wolle? Wie können wir glauben, daß eine Regierung, die Menschen wie Tes- sendorf und Stieber zur Verfolgung jeder selbstständigen aus dem Schooß des Proletariats hervorgegangenen Arbeiterbewegung an- stellt, die materielle und geistige Hebung der Arbeiterklasse ernst- hast anstrebe? Die soziale Frage läßt sich durch einen Machts- spruch weder aus der Welt schaffen, noch lösen. Am wenigsten wird sie durch jenes traurige RegieiungSsystem gelöst, welches den Staat als Kinderstube betrachtet und mit Zuckerbrod in der einen, und der Ruthe in der anderen Hand manipulirt. Euer Zucker brod verlockt uns nicht; euere Tessendorf-Stieber-Ruthe erschreckt uns nicht. Wollt ihr, daß wir an euere Ehrlichkeck glauben, so laßt diese Kindereien, und unterstützt die Arbeiter in ihrem Be- freiungSkampf, statt ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, die zwar den Fortschritt nicht hemmen, aber euere Feindschaft beweisen, und euere arbeiterfreundlichen Phrasen jeden Werthes entkleiden! Die soziale Frage kann(und wird vermuthlich) ohne, ja gegen euch, gelöst werden; sie kann aber nicht ohne die Arbeiter gelöst werden. DaS merkt euch. z Gewalt hinaufgeschraubi worden sind, und die für jene wenigflMuia einträglichen Erwerbsarten geradezu unerschwinglich sind.„Hiervftre so fügt der Correspondent, an'der Schulze'schen Panacce*) veiAkßge zweifelnd, hinzu,„hier wird besonders bei den lokalen Ursache��nd des Leidens, weder die Selbsthülfe, noch das laisser kair� P et aller**) der Manchestertheorie ausreichen; man wir?? ilist • erichtj daran denken müssen, d as Hebel auf energische Weise zu beseitigen/ �'wti Auf welche„energische Weise", das sagt er freilich nicht. Di Berliner Handweber, gleich den sächsischen und schlesischen, könne � ty die Conkurrenz mit der Maschinenweberei nicht aushalten; sie geh« zu Grunde, d.h. verhungern mehr oder weniger langsam, wen«— ihnen nicht Hülfe geleistet wird. Diese Hülfe kann aber, da di°�- � Privatwohlthäiigkeil hier bei Weitem nicht ausreicht, avgeseho � soz davon, daß es eine Beleidigung der Arbeiter wäre, ihnen Al �eite mosen zu bieten, wo sie ein Recht haben zu fordern— dies � a Hülfe kann, aber nur der Staat leisten, ver dazu allein di�uSsu Macht und unzweifelhaft auch die Verpflichtung hat. Ii®1*! S seinem Roman„Sybil" hat der jetzige englische Premierministe'uchhc DiSraeli ausdrücklich diese Verpflichtung des Staats den(mittler r weile glücklich ausgestorbenen) englischen Handwebern gegenübe �sg. anerkannt. An Mitteln fehlt'S uns nicht; wir haben"„heiseakaftigt mäßig— w �---,1ib x. viel Geld"; und mit der Hälfte des Militärbudgets de und den für die Dotationen an sich schon überreichlich bezahlte Bsitg Leute wie Bismarck, Moltke rc. ausgegebenen Summen wäre deutschen Webernoth wohl zu steuern. Doch was will das be'Sozu sagen? Der heutige Klassen- und Militärstaat braucht zwar dai°rs v Blut- und Eisenvolk der Bismarck und Moltke, ob aber sio�br halbe Million fleißiger Arbeiter, wie die Handweber es sind, pWchli Grunde geht oder nicht, ist ihm vollkommen gleichgültig. De» „Ruhm" deS neuen„Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte'.— thut's keinen Abbruch. Verhungernde Arbeiter sind'S nicht, deue>.ftpZ'g Fürst Bismarck seine schlaflosen Nächte verdankt. — Den Quednauer Rebellen ist von den bürgerlich«s—__ Geschworenen ihr Urtheil gesprochen worden. Ein TelegramXl des Wölfischen Bureau's vom 27. September besagt: luslc »Die Schwurgerichts-Verhandlung gegen die 37 Rädelsführs rbeitc' bei den Quednauer Unruhen ist vergangene Nacht 11 Uhr nai!>essx� viertägiger Dauer beendigt worden. Die Geschworenen sprach« lnd ei 36 Angeklagte schuldig, einen frei. Von den Schuldiggesprochen« sachte wurden 20 zu Zuchthaus von 2 bis 5 Jahren und Verlus elbe h der bürgerlichen Ehrenrechte von gleicher Dauer, 16 zuGMerMr fängnißstrafen von 4 Monaten bis 3 Jahren, 13 davon Ji%e zeitweiligem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilt." pebst i So wäre Staat und Gesellschaft wieder einmal gerettet; uN iian n die preußischen Landarbeiter wissen nun, daß es ganz in der Or» inx et nung unserer besten der Welten ist, wenn Arbeiter, aus den« p; nichts mehr herauszupressen ist, in den Schweinestall oder digulau Hundeloch(»Klause") geworfen werben. Wir kommen auf d« Prozeß zurück. — Zur Sedanfeier wollen wir noch einen Nachtrag der durchaus reichsfreundlichen„Mannheimer Zeitung" bringe«, Ju diesem Blatte, das übrigens gegen die Sedanfeier St-mmu« J machte, schrieb am 3. September ein„Patriot":» „ Gestern Abend, als man an gewissen Stellen Rheins von verschiedenen Seiten die Kanonen- und Böllerschüs! erdröhnen hörte, welche dem Sedanfest galten, da konnte sich D«i' jenige, welcher dem Bombardement von Straßburg angewoh« � hatte, in eine Nacht des Septembers 1870 zurückversetzt glaubtfL.4" als eine fast unaufhörlich flammende Feuersäule auS WT e Politische Uebersicht. ') Durch da« neue sächsisr e Berggesetz, sowie durch das Haftpflicht- gesetz des deutschen Reichstags wird die Haftbarkeit einigermaßen geregelt, jedoch in durchaus ungenügender Weise. R. d. B. — Nothstand in Berlin. Angesichts der skandalösen Auf- schneidereien der Berliner Stevereinschätzungskommission, ist eS von doppeltem Interesse, daß sogar die nanonalliberale„Magdeburger Zeitung" den unter einem Zweig der Arbeiter Berlins, unter den Webern, herrschenden Nothstand zugeben muß.„Aus den Kreisen der hiesigen Weber", so schreibt man der„M. Z." auS Berlin d. ä. 25. September,„verlauten Klagen über Arbeits- noth, die immer dringender werden. Man fürchtet, daß trotz deS namhaften Sinkens der Getreidepreise in manchen Schichten unserer Arbeiterbevölke-uug, namentlich der bezeichneten Industrie, der Maugel während deS WinterS zu- einer wirklichen Calamität sich steigern werde und denkt schon jetzt auf Abhülfe. Leider sind noch keine Anzeichen vorhanden, daß die reichen Ernten des JahreS auch ein Billigerwerden der Lebensmittel hier herbeiführen werden, und wir bleiben muthmaßlich trotz alledem und alledem auf einer Höhe der Preise stehen, auf die wir in den letzten Jahren mit alten Reichsstadt hoch wie der Münsterthurm gen Himmel loh? In bloS sekundenlangen Pausen tönte auch damals, bald von diese« bald von jenem Theile des Batterieenringes das dumpfe BumS Bumm! der Mörser und Kanonen, welche Tod und Brand> die unglückliche Stadt schleuderten, in dieselbe Stadt, die ein Jas vorher deutsche Schützenbrüder aus den benachbarien Gau« M so freundlich und festlich bewirthet hatte. Von dem Kirisfi�cr thurm in Auenheim konnte man Nachts die Signalhörner dl 10. Feuerwehr in der belagerten Stadt, ja selbst das Jammern dsvabor Weiber hören, wenn unversehens die tödtlichen Geschosse in e�us M dicht bevölkertes Haus fielen, zündeten und den Betroffenen nii& einmal Zeit ließen, das nackte Leben zu retten. Denn, wo si Lohe ausflammte und die Feuerwehr arbeitete, dahin zielt««- M erst recht die Schüsse der Batterieen. ll- 2. „Im botanischen Garten zu Straßburg aber lagen dann»? Sck Leichen der Zerschmetterten, alte Männer, Frauen, klei«?- 7. Kinder darunter; im Ganzen mehrere Hunderte. Und w iveite sah eS aus in der Stadt, als wir nun einzogen! Zerstörung u« � 7., Jammer an allen Orten; die kostbare Bibliothek, die Kuns«chne sammlungen verbrannt, kein Haus fast, dessen Dach niä«ach f von Geschossen durchlöchert war." ittste Ein ächte«„Culturbild" aus der„Aera Krupp", wie einif�s E Tröpfe von Zeitungsschreibern unsere Zeit genannt haben.>> 2. Wer hat sonach Hunderte von Häusern in Brand geschossen ripsig Wer hat Weiber, Kinder und Greise nicht verschont? Wer hi iaupt selbst die Rettungsversuche der Feuerwehr verhindert? Wer h> svln Kunstsammlungen und Bibliotheken zerstört? ftidre „Die Pariser Commune!" hat bisher die Bourgeoispresse a«®iS j vollem Halse geschrieen.— Wagt Ihr eS nun noch, AnzesichidiMi dieses Zeugnisses aus Eurem eignen Mund, ihr Verherrlicher fz „Aera Krupp"? —„Preßfreiheit wie in Deutschland." Die„DreSdni Nachrichten" schreiben: „Im Preßgesetz hat man plötzlich ein großes Loch eutd« Der Fall, daß der Appellgerichtspräsident Gerlach in Magdebw wegen einer daselbst erschienenen Broschüre daheim und in ganzen preußischen Monarchie unbehelligt bleibt, aber vom Staa anwalt in Wohlau verfolgt wird, hat es an den Tag gebrw daß in dem Reichspreßgesetze eine Bestimmung darüber fehlt, d« ein Preßerzeugniß wegen seines etwaigen strafbaren Inhalts n« nieflj am Wohnorte des Verfassers oder Verlegers zu verfolgen ist.>- C kann vielmehr, wie der Gerlach'sche Fall zeigt, vorkommen, d! sie ui ein Preßerzeugniß, das in Leipzig erschienen ist, dort ganz unbijjiiftr helligt bleibt, während eS einem versolgungöwüthigeu Slaatsanw« luch in Schöppenstädt, Posemuckel oder Katzenellenbozen einfällt, ih otrike dort den Prozeß zu machen. Daß dies eine sehr große Gcfai�iege für die Preßfreiheit bedeutet, liegt klar zu Tage."»ichj Ja, �das ist daS deutsche Spießbürgerthum. Jetzt, nachdem Äieisi daS Preßgesetz angenommen und in Kraft getreten ist, sieht m�aß p ein, daß eine Bestimmung desselben„eine große Gefahr für t Preßfreiheit bedeutet". Aber als die Sozialdemokratie im Reick Es m n a 38 lge i war! B 'eftzii O ontr S tage gegen dies Preßzesetz opponirte, da fanden es die Spüj�--— bürgerblätter ganz in der Ordnung, daß das„Volk" der Hertf> ♦) *) Heilmittel für Alle«. **) Da» Gehen- und Gewährenlasien— die unbeschränkte Freih� der Ausbeutung. W ,, i) Kiugei s 1 „i�piSmarct und Wagener lachte, krähte, wieherte und lärmte, solange nerwre Abgeordneten sprachen. Und gerade bei Gelegenheit des verp��gesetzes war es, wo die reichSfreundliche Sippschaft einen solchen ache�wdal machte, daß die Rede unseres Freundes Geib, der gegen airfW« Preßaesetz sprach, kaum verstanden werden konnte. Ja, viele mirlfhiilsterblätter unterdrückten sogar diese Rede in ihren Reichstags- zen. �richten. Wenn nun eines schönen Tages der Tessendorf auch den DÄp�dner„Nachrichter" holt, so erntet der Letztere nur, was er hat nnefeu helfen. � Zkhi> wenis.�� Auch in Frankfurt tessendorf-stiebert es. Am Montag x 61�8. September) in aller Frühe wurden bei etwa 40 Mitgliedern sehe, er sozialdemokratischen Arbeiterpartei und des Allgemeinen deutschen At �beiteroereins umfassende Haussuchungen vorgenommen, die sich dies auf die Vereins- und Versammlungslokale erstreckten.�) Die , vi aussuchende Polizei beschlagnahmte verschiedene Papiere, darunter IUch Druckschrrsten und Broschüren, die seit Jahren durch den nist!'uchhandet, wie durch Colportage ungehindert vertrieben werden. ttler�.ch nach den Cassen der Parteien wurde gesucht, natürlich ohne rübe'staig. Das ganze Resultat wird sein, daß unsere Bewegung ge- ioeu'äftigt wird. In München hat sich dies recht deutlich gezeigt, geti'° der neugegründete„Ärbeiterbund" trefflich gedeiht, und der ihltt&rtgeist" seit Beginn der jüngsten Polizeirazzia seinen Abon- , ve �ntenstand namhaft vermehrt hat.— Aehnlich in Berlin. Der z be Sozialist", dessen Gründung wir unserem Ehrenmitglied Tessen- pai orf verdanken, hat sich rasch eine bedeutende Leserzahl erworben eni bringt das„sozialdemokratische Gift" in Kreise, die uns bisher ziMchlossen waren. Deel—-- itte,,.~-Am 29. September verließ unser braver College Blos ensi�pZ'g, nachdem er am 23. sein- Haftzeit im hiesigen Bezirksge- angniß beendigt. Er geht zunächst nach Mainz, um die Redaktion „Süddeutschen Volksstimme" zu übernehmen. lichos—_____ am� Ra/ek. Aufruf an alle Schreiner-(Tischler-) Arbeiter des � Auslandes. Wir sind in den Stand gesetzt, allen Schreiner- rhro rbeitern anzuzeigen, daß die hiesigen Berufscollcgen für die Ver VWP 7 V! O-IM»»«.»* JM..-»»»-VMM n_a° ksserung ihrer schlechten ökonomischen Lage zusammengetreten sind acheiZlnd einen Schreiner- Fachverein ins Leben gerufen haben. Der loht- -k.ne sachverein zählt schon über hundert Mitglieder, und wird sich der- Ä bei unermüdlicher Agitation in kurzer Zeit noch bedeutend tI-derstärken. Vereinigung thut uns noth, denn bei einem Wochen- n ä ohne von 6—8 Frcs. gleich 1 Thlr. 18 Gr. bis 2 Thlr. 4 Gr. 'kbst Kost und LogiSh) und 11— 12stündiger Arbeitszeit wird un»an wohl einsehen, daß wir zusammenstehen müssen, um uns auch ~ 1"ne etwa? menschenwürdigere Lage zu erkämpfen. Zu dem kommt, ,e" M die Arbeiter hier nur sehr schwer operiren können, denn der «"lauf in diese Grenzstadt ist hauptsächlich von Deutschland her oe»ngemein stark, die Arbeitskräfte sind daher hier sehr wohlfeil, »»ran auch besonders die Schuld liegt, daß schon so manche Unter- au jungen, welche von Seiten der Arbeiter angeregt wurden, miß , sind. Wir erlassen deshalb an all- Berufscollegen, welche nui>! Basel zu reisen gedenken, den Aufruf, sich unverzüglich unsrer �kganisation anzuschließen, denn nur Einigkeit macht stark. Die �ersammlurgen des Fachvcreins finden jeden Mittwoch Abend im ..»tsten Stock des Hotel Stark, Schwanengaffc statt. £(i Bafel, im September 1874. Namens des Schreiner-Fachvereins: ubeO.�r Präsident F. Grete. Der Aktuar H. Krueger. fcjfWt arbeiterfreundlichen Blätter sind ersucht, von Obenstehendem gefälligst Notiz zu nehmen. riiifl d i Ja» »au-C. Wiesvaden. Gewerksgenoffenschaftliches« Gewerkschaft der Schuhmacher. Abrechnung deS StrckeS. Einnahme: Aus der kirts �werkschafts lasse fl. 94. Lv., von der Schneidergewerkschaft dahier d-tb 10. 15., aus Coburg durch Th. Simon fl. 2. 58., von Herrn d-�abor aus Frankfurt fl. 2., au« Nürnberg d. Ä. Geyer fl. 10., a Bus Mainz(erst- Send.) fl. 19. 40., aus Gotha d. Bock fl. 3. 30., nits-O-S Leipzig d. Hagenberz(erste Send.) fl. 8. 45., von Tapezierern 0 Frankfurt d. T. Kaufmanu fl. 1. 37., aus Offenbach d. Ute v. Müßig(eiste Sendung) fl. 10., aus Erfurt durch A. Wenige 2. 10., von der Schuhmacher- Gewerkschaft auS Frankfurt i d;• Schaade fl. 4., aus Offenbach d. P. Müßig(zweite Send.) leih?. 30., aus Constanz d. I. Stadelhofer fl. 2. 20., aus Mainz > a(flveite Send.) fl. 6. 42., aus Augsburg d. EndreS(erste Send.) z u»� 7., vom Allgemeinen Schuhmacherverein aus Frankfurt durch uns Schneider fl. 10. 30., aus Rochlitz d. Bock fl. 2. 46., aus Offen- uits-ach d. P. Müßig(dritte Send.) fl. 6., aus Cöln d. Etzenbach Kste Send.) fl. 3. 30., aus Stuttgart d. V. Schröder fl. 10., iini-Ks Cannstatt d. denselben fl. 4. 43., aus Heidelberg d. Walter 2. 9., aus Augsburg d. Weckerlein(zweite Send.) fl. 2., aus sseHipzig d. Neißner(zweite Send.) fl. 7., aus der Gewerkschasts zubringen, wenn alle College», welche uns vor Beginn des StrikeS ihr Ehrenwort gaben, sich nicht— theils aus Furcht, theilS um einen bessern Platz zu bekommen— den Arbeitgebern unterworfen hätten. Letztere versprachen natürlich Alles, um nur die uöthigea Arbeitskräfte zu bekommen. Es frage sich aber ein jeder unserer College», ob er uns gegenüber, die wir Alles aufopferten, um eine bessere Existenz zu erringen, ehrlich gehandelt hat. Auch eine Anzahl der verheiratheten Cvllegeu, welche im Verhältniß zu den unverheiratheten den größeren Vortheil von einer Lohnerhöhung haben, stellten sich gegen uns und arbeiteten sogar zum Theil mehr als gewöhnlich, nur um sich bei den Meistern recht beliebt zu machen. Noch möchten wir ein größeres Geschäft anführen, wo sämmtliche College», mit einer einzigen Ausnahme, fortarbeiten, und noch dazu nicht blos für ihren Meister, sondern auch für die Geschäfte arbeiteteu, wo unsere Collegen die Arbeit eingestellt hatten (dies die„Nächstenliebe" eines Arbeiters!). Nun, wir wollen ab- warten, ob die Genannten Männer von Wort zu Arbeitgebern haben. Collegen! Bei Beginn des Strikes sah man bei uuseren mäßigen Forderungen und dem regen Geiste der Collegen den Sieg fast vor Augen. Doch das Benehmen unserer Mitcollegen gab uns einen heftigen Schlag. Trotzdem hielten die Strikenden tapfer aus, und die bedeutende Zahl der Abreisenden ermöglichte unS wenigstens einen theilweisen Sieg. Ganz anders benahmen sich die Arbeitgeber. Als wir vor Be- ginn des Strikes eine Zuschrift nebst neuem Tarif an den hier bestehenden Meistervcrein sandten, tauchte in letzterem der Vor- schlag auf, un§ auf diese Forderung(bei 12stündiger Arbeitszeit verlangten wir 1 fl. 13 kr.) gar keine Antwort zu geben, die Ar- beiter also einer Antwort gar nicht Werth zu erklären; man erklärte sich aber schließlich für nicht kompetent, was doch besagt, daß der Mcisterverein, welcher die Hebung deS Gewerkes in die Welt po- saunt, ohnmächtig geworden ist. Wir wandten uns hierauf sogleich an die gesammte Meisterschaft, wodurch wir auch gleich von Anfang mehrere Unterschriften erzielten. Und nun einige Beispiele von unfern so menschenfreundlichen und humanen Meistern. Ein gewisser S. kam zu einem seiner Mitmeister und sagte ganz laut, so daß es einige unserer vorübergehenden Collegen hörten:„Die Hunde wollen Strike machen." Ein anderer, S., will sich sogar der Mühe unterziehen, um einen Collegen, welcher standhaft war, und der bei der diesjährigen Rekrutirung auf Re- klamation zurückgestellt worden war, zum Militär zu bringen. Genannter, ein Hauptwortführer der Meister, hat noch Aehnliches derart geliefert, was wir jedoch unerwähnt lassen wollen. Auch beschlossen die Meister, keinen der Strikenden im ersten halben Jahre wieder in Arbeit zu nehmen. Doch der Beschluß ließ sich nicht durchführen. Ebenso anständig wie unsere Arbeitgeber be- nahm sich die hiesige Presse; sie bot Alles auf, um uns bei dem Publikum in Mißkredit zu bringen; kamen wir mit einer Berich- tigung, so wurde sie gar nicht oder bloS verstümmelt aufgenommen. Auch die Polizei that ihr Mögliches; wenn sie uns auch sticht ein- sperren konnte, indem wir ihr keinen Vorwand ließen, so kamen doch alle Tage Anklagen gegen die Redner in unser» Versamm- lungen. DieS wären in Kürze die Vorkommnisse während des Strikes. Wir haben E'fahrungen gemacht, die wir benutzen werden. Auch die auswärtigen Collegen mögen Notiz davon nehmen; möge ein jeder uns fernstehende College einschen, wie nothwendig es ist, der Gewerkschaft beizutreten. Wären alle hier arbeitenden Collegen in der Gewerkschaft gewesen, so wäre der Sieg uns sicher und leicht gewesen. Unsere Versammlungen finden jeden Montag im Gasthaus zum Anker, Neugasse statt; das unentgeltliche Arbeitsnachweisbureau befindet sich bei Unterzeichnetem und werden alle Collegen ersucht, sich dorthin zu bemühen. Mit Brudergruß! Im Austrage sämmtlicher College» Heinrich Schäfer, Grabergasse Nr. 3. Lindenan-Ukagwitz, 27. September. Uusre drückende Lage in Folge der Steigerung aller Lebensbedürfnisse zwang uns, unsere Arbeitgeber um eine kleine Lohnerhöhung zu ersuchen, und legten wir ihnen zu diesem Zwecke einen sehr bescheidenen Tarif vor mit dem Bemerken, daß wir gern erbötig wären, mit ihnen zu unterhan- deln. Wir erhielten aber eine ganz kurze und kalte Antwort: Sie könnten sich auf nichts einlassen und würden unbedingt an den alten Lohnsätzen festhalten(Halbstiefel 2 7'st Gr., Vorfchuhe 20 Gr., Stiefelettenböden 20 Gr., Zeugstiefel mit Abs. 12'st Gr., Randstiefel 17'st Gr.) Der Hauptyahn dieser famosen Meister- stücke ist ein gewisser G.*) weicher gesagt hat, er werde lieber den Platz vermiethen, wo seine Leute sitzen, als einen Pfennig Lohn mehr bezahlen, und der in allen Versammlungen auSschreit, daß er seinen Leuten Mittags Braten für 2'st Gr. gäbe(G. ist nebenbei gesagt Mitgründer des hiesigen Volksbildungsoemns;— auch eine Speiseanstalt wollen die Leutchen errichten). „Dem Tischlergesellen Wilh. Krämer von Lahr, dermalen in Wiesbaden.(Straf.-Pr.-O. KZ 369 ff.) Wegen Uebertretung der V-reinSgesetze. (Abschrift.) Straf-Verfügung. Nach Ansicht der unterm 3. September 1874 eingereichten Anklageschrift des kgl. PolizeianwalteS Herrn Polizei- Inspektor Magnus, wodurch Sie, unter Bezugnahme auf folgende Beweis- mittel: 1. den Schutzmann Moder von hier und 2. Ihr eigenes Geständniß, beschuldigt sind: Daß Sie seit dem September 1873 den Verein„Sozial- demokratische Arbeiterpartei", welcher mit anderen Vereinen, na- mentlich mit dem Ausschusse derselben Partei in Hamburg in Verbindung steht, geleitet, auch als Ordner des genannten Ver- -ins den Tapeziergehilfen Kaufmann im Laufe dieses Jahres als Delegirten nach Coburg zur Vertretung der Interessen deS hie- sigen Vereins bei dem dort tagenden Arbeiter- Congresse angeord- nethaben, und nach Ansicht der Strafbestimmung in KZ 8b und 16 des Gesetzes vom 11. März 1350 wird Ihnen unter Schließung deS von Ihnen geleiteten Vereins„Sozialdemokratische Arbeiterpartei" eine Geldstrafe von 25 Thalern, an deren Stelle im Falle des Unvermögens eine Strafe von 10 Tagen Haft— Gefängniß— tritt, und werden Ihnen gleich- zeitig die 1 Thlr. 15 Sgr. betragenden Kosten des Verfahren« nach§ 433 der Straf-Prozeß-Ordnung auferlegt. Strafe und Kosten sind, unter Vorzeigung dieser Verfügung, bei der hiesigen Gerichtskosten-Rezeptur zu erlegen. Wenn Sie sich durch diese Strafverfllgung beschwert finden, so haben Sie innerhalb einer zehntägigen Frist von dem Tage nach der Zustellung der Verfügung an gerechnet, Ihren Einspruch dagegen bei dem Polizeirichter"schriftlich oder zu Protokoll anzu- melden und zugleich die zu Ihrer Vertheidigung dienenden Be- weiSmittel anzuzeigen. Falls in dieser Frist ein Einspruch nicht eingeht, so erlangt diese Straf-Verfügung Rechtskraft und wird gegen Sie vollstreckt werden. Wiesbaden, den 15. S-Ptember 1374. Königl. Amtsgericht, Abtheilung III. Beglaubigt: Reichard, Secretair. Verfügung L. v. des Königl. Amtsgerichts hier dem Gerichtsboten zur Zustellung an den Wilh. Kramer hier, und Bescheinigung auf dem beigefügten, hierher zurückzureichen- den Originale. Wiesbaden, am 16. September 1374. Der Polizez- Anwalt. Magnus." Das die Verfügung des Gerichts. Sie ist den Wiesbadener Parteigenossen doch ein Bischen zu stark, und daS will etwas heißen� da dieselben solche Polizeistückchen schon von früher ge- woynt sind. Dieser wunderbaren Verfügung nach hätte die Po- lizei auch in allen anderen Städten, die auf dem Coburger Congreß vertreten waren, die Macht, Partei-Mitgliedschaften auf- zulösen. Selbstverständlich wird unser Vertrauensmann Kramer gegen diese Verfügung Appellation einreichen. Kamburg, 25. September. ES ist etwas faul im Staate— Hamburg, dies wurde heute durch Richterspruch bestätigt. Unsere heilige Hermandad, eine mittelalterliche Institution mit modernem Anstrich, hat durch diesen Wahrspruch einen ihrer liebsten Söhne, den hochgestellten Polizeibeamten(Criminalpolizei) Weiße, auf fünfzehn Monate in'S ZuckthauS schicken sehen. Die Berhand- lungen über die Sünden Weiße's fanden schon vor acht Tagen statt. Wie oft auch schon die hiesige Polizeibehörde angegriffen wurde, noch nie stak sie so sehr in der Klemme als dieses Mal. AuS den Verhandlungen ergab sich, daß, trotzdem nur der Senat das Begnadigungsrecht ausüben darf, der Polizeichef Senator Petersen manchmal auf eigene Faust begnadigte und daß die ein- zelnen Polizeibeamten mehr ihren„Usus" beachteten, als die Gesetze. Für Weiße war es„UsuS", zuweilen gegen„kleine Ge- schenke" ein Auge zuzudrücken. Ändere Polizeibeamte nannten dies in ihrem Zmgnlß„Fehler" und„Versehen", von denen auch die Polizei nicht frei wäre. Der Staatsanwalt nahm die Sache aber ernst, ebenso der Gerichtshof. Durch die Anklage, das Verhör und das heute abgegebene gerichtliche Erkenntniß ist nicht nur Weiße, sondern unsere ganze Polizei- Institution verurtheilt wor- den. Weiße ist eigentlich nur ein Opfer dieser Institution und ihres„UsuS". Ob" dies eine Opfer zur Beseitigung eines solchen ■ am r�nrag» äkuSä«ä ätä Wir haben nun beschlossen, unS recht fest zu organisiren, um!„UsuS" genügt, wird sich bald zeigen. Schon klopft die hiesige unsre gerechte Forderung gelegentlich zu wiederholen und auf alle Bürgerfchaft mit einem Auskunstsersuchen betreffs deS feltfamen : hi iölll d. Etzenbach(zweite Send.) fl. 1. 45., aus Augsburg d. «ndreS(dritte Send.) fl. 4., aus München d. Eiermann fl. 10., »Mus Bremen d. Rohwer fl. 7., Einnahmen in der Gewerkschaft stchl d> MonatSbciträgen, Einschreibegebühren, Tarisen u. f. w. fl. 34. 35., r dl do» Collegen, welche nach dem neuen Tarif arbeiteten fl. 115. 13. Ausgaben: Für tägliche Unterstützung der Strikenden fl. 376., w: abreisende Collegen fl. 30. 23., für zureisende Collegen Sdttfl. gg. 9., für Lohntarife, Drucksachen, Porto, Papier und son- ftige Nebenausgaben fl. 31. 20., an die Hauptkasse für zweites tdecl Quartal fl. 11. 0. ebu> Bilanz. Einnahme: fl. 434. 3. Ausgabe: fl. 437. 3. Bleibt « dl Defizit: fl. 52. 55. taaq. Obige Rechnung ist geprüft und für richtig befunden. Die ontrolleure: H. Fridrich, Louis Etz, M. Kaufmann. Sollte sich ein Fehler eingeschlichen haben, so bitten wir, uns ieflich zu berichtigen. G. Schäfer, Kassirer. Collegen allerorts! Wir danken für die kräftige Unterstützung, ie uns bei unfeim Strike zu Theil wurde, chnd versprechen auch, »ser Möglichstes zu thun, wenn Ihr in die gleiche Lage kommt. uch wollen wir nicht vergessen, auf unfern neun Wochen laugen strike und dessen Vorkommnisse zurückzukommen. Daß wir die >efh Sieger des langen und sehr hartnäckigen Strikes find, wollen wir 'licht behaupten, obgleich eine bedeutende Zahl der einsichtsvollen chdil Deister unsere Forderung bewilligte; aber das können wir sagen, ml> �ß der Lohn im Allgemeinen gestiegen ist, ja daß in den gang- ir l baren Geschäften meistentheils nach dem neuen Tarif bezahlt wird. letcb Es wäre uns leicht gewesen, unsre Forderung in kurzer Frist durch- äpil>- nach hier fernzuhalten. Die Gewerkschaft macht hier gute Fortschritte, und wir werden nicht eher ruhen und rasten, als bis der letzte Mann beigetrete» ist. Unser Verkehrslokal ist bei Herrn „Polizei-Usus" beim Senat an, der Stein rst damit in'« Rollen gebracht, und wer weiß, wen er noch in dieser Zeit der Herbst- stürme über den Haufen wirft. Die Hamburger Arbeiter werden nicht weinen über diejenigen, welche im goldenen Dwnste des Lange, goldner Stern, Poststraße in Lindenau, und können wir dasselbe>„Usus" fallen sollten— und wäre selbst das in der Verwesung allen durch- und zureisenden Collegen bestens empfehlen. Gegriffene Deputationswesen unter den Fallenden. UebrigenS mit Mit collegialem Gruß Im Auftrage: E. B. l dem DeputationSwesen, welches die organisirte Herrschaft derjenigen ____ I bedeutet, welche ein Jahreseinkommen von mehr als 1200 Thalern , haben, scheint'S noch nicht spruchreif zu sein. Die Hamburger sind zu gemüthliche Leute und ein Stückchen Corruption, vermischt mit Metallarbeitergcwerksgenossenschaft. Araunschweig 26. Seplbr. Bis auf wertere Bekanntmachung ist für Würzburg Georg Seemann, Maiersgasse 1, mit der Lei- tung der dortigen Mitgliedschaft betraut worden. Für Hannover wurde wegen Abreise WeikopfS A. Petzsch, Bockstr. 13, 2 Tr., zum Bevollmächtigten gewählt. Für den Ausschuß: C.H.Müller. CorrechoMeKzMo >eri reih'. r ♦) Wie wir durch ein späteres Schreiben erfahren, wurde bei Ellner, �pifizius, Sabor, Zollinger und Schade gehaussucht; Resultat «berall das gleiche— Null! R. d. V. ss) Das ist der Durchschnittslohn in den geringeren Werkstätten; die ""igen, welche sich Kost und Logis selbst stellen, sind etwa» besser bezahlt. ZSerlin, 23. Sept. Heute war brillante Haussuchung bei den Bevollmächtigten der Holzarbeitergewerkfchast G. Lemke, desgleichen bei dem Schriftführer derselben A. Richter; man suchte angeblich Correspondenzen; da das Gewünschte jedoch nicht vorgesunden wurde, so mußte man unverrichteter Sache wieder abziehen. Schaut euch wohl um, schaut euch wohl um, Der Stieber geht herum, Der Stieber rst los! Wiesbaden, den 18. September. Wie Sie bereits erfahren haben, ist die hiesige Parteimitgliedschaft polizeilich geschlossen worden. DaS Ämtsgericht hat die Schließung auch bestätigt. Unser Vertrauensmann Kramer erhielt unter dem Heutigen folgende Straf-Verfügung vom k. Amtsgerichte dahier zugesandt:> ♦) Warum den Namen nicht nennen? Red. d. V. etwas Vetterschaft, ist ihnen ein alter Bekannter— und man weiß ja, Gewohnheit ist das halbe Leben. Daß das Deputations- wesen wieder als der wahre Jakob unseres„UsuS" auf die Tage»- ordnung kommen wird, veranlassen die bevorstehenden N.'uwahlen zur Bürgerschaft. Reichsfrennde und Zünftler werden sich zwar bekämpfen, aber den Wählein gegenüber gleichzeitig versprechen, dem DeputationSwesen den Hals umdrehen zu wollen. Mit die- fem Köter suchen sie Stimmen zu fangen. Mögen recht viele „Bürger" darauf anbeiß m, sprechen sie dadurch doch ihrer eigenen Herrschaft und politischen Corruption das Tovesurtheil! Rerlin, 28. Sept. Wie sich die Herren Bourgeois das Ein- kommen der Arbeiter denken, geht aus folgendem Artikel des hie- sigen„Tageblatts" vom Freitag, den 21. Sept. hervor, welche« wir hier unverkürzt wiedergeben:„Der Vorstand der Klempner- Innung hat im Jnseratentyeile der gestrigen Nummer d. Bl. eine „Berichtigung" veröffentlicht, in welcher er behauptet, er habe dem Magistrat nur den wöchentlichen Lohnsatz von 6— 7 Thlrn. und für Akkordarbeit von 7— 8 Thlrn. angegeben. Durch diese„Be- rick tigung" sollte die Mittheilung dieser und anderer Zeitungen entkräftet werden, wonach sich der jährliche Verdienst eins Klempnergesellen in Akkordarbeit bis auf 1000 Thlr. erstrecken könne. Wir unserseits haben, wie auch die übrigen Zeitungen, diese letztere Angabe der„Volkswirthschaftlichen Correspondenz" des Hrn. Dr. Maron entnommen. Hr. Dr. Maron überreicht uns nun heute ttne Zusammenstellung der ermittelten Einsommensverhältnifse vom Lokal Punkt 10 Uhr schließen, wenn er uns noch länger behalte, den in Berlin arbeitenden Gesellen, Gehiilfen und Tagearbeitern, � können diejenigen Wirthe, bei welchen unser»Herr Amtsvorstand" welche der hiesige Magistrat auf Grund der ihm von den darüber! verkehrt, ihre Lokalitäten offen behalten, so lange es chnen beliebt. befragten Innung� vorständen gemachten Angaben hat aufertigen und drucken lassen, als einen Leitsaden für die Einschätzungs-Com- Missionen. In dieser Zusammenstellung steht wörtlich: Klempner- gesellen: Einkommen jährlich 364, wöchentlich 6— 9 Thlr., bei Akkordarbeit 8—20 Thlr. 20 mal 52 macht nach Adam Riese also jährlich 1040 Thlr. Das betreffende Druckexemplar liegt in unserm Redactiouslokale zur Einsicht offen. Es geht hieraus für den Verfasser des Artikels wie für die Zeitungen, welche ihn auf- genommen haben, jedenfalls soviel hervor, daß die Unrichtigkeit, wenn eine solche wirklich vorhanden sein sollte, nicht auf unserer Seite zu suchen ist." Für uns geht daraus hervor, daß die Herren Bourgeois sich alles Mögliche und selbst das Unmögliche aufbinden lassen, um ihren gelehrigen Anbetern und Nachbetern zu zeigen, daß die Ar- beiter wirklich soviel verdienen, als ihnen das„große Maul" ihrer Arbeitgeber so gern bei jeder Gelegenheit nachschreit, und daß zwar nach Adam Riese 20 mal 52 1040 ist, den Klempnergesellen aber mit dicsee Rechnung wenig geholfen ist, da sie im günstigsten Falle, womöglich bei Spätarbeit, und wenn sie das ganze Jahr Beschäf- rigung haben, was nicht anzunehmen ist, nach der eigenen Aus- sage des JnnungSvorstandeS 8 mal 52 Thlr. verdienen können und von 20 mal 52 Thlrn. Steuern zahlen sollen! KamKurg, 24. September.(Berliner Stadtrathsstatistik.) Was die Bourgeois doch nicht alles zusammenlügen! Wagt eS da eine wohllöbliche SteuereinschätzungS-Commission zu Berlin auf Grund sogenannter„statistischer Aufnahmen" neben anderen Wahrheiten, auch die Behauptung aufzustellen, daß in Berlin ein Sattlergeselle einen jährlichen DurchschnittSverdienst von 660 Thlr. (sage sechshundertundsechszig Thaler) habe. Ich traute kaum meinen Augen, als ich diese Zahl dastehen sah: sechshundertundsechszig Thlr. Verdienst in einem Jahre, macht pro Woche 12 Thlr. 9 Gr. und ein paar Pfg. und dies soll der DurchschnittSverdienst eines Satt- lergeselle» sein? Nun, die Steuereinschätzungs- Commission be� hauptet es,— ob es wahr ist? Man frage die Berliner Sattlerge- sellen und man wird sofort sehen, wie sehr sich diese Commission der Wahrheit nicht befleißigt hat. Schreiber dieser Zeilen, der jahrelang in Berlin arbeiiete, dort die verschiedensten Werlstätten kennen lernte und noch im vorigen Jahre einer Commission zur Feststellung deö Durchschnittslohnes angehörte, hat in dieser Commission von den übrigen Collegen im Allgemeinen und durch seinen Ausenthall und seine Arbeit im Speziellen den Wochen- und Jahresverdienst des Sattlers in Berlin kennen gelernt und giebt diese.seine Ersahrungen, zur besseren Würdigung dessen, was aus die Angaben ver Steuerlommission zu geben ist, zum Besten. Als im Jahre 1872 in Berlin unter den Sattlergesellen ein Strike ausbrach, da stellten sie als ihre Forderungen den Ivstündigen Normalarbeitstag und einen Minimallohnsatz von 5 Thlr. 15 Gr. auf; der Strike wurde damals nur zur Hälfte durchgeführt, indem bei der mangelhaften Organisation und der Fahnenflucht einer größeren Anzahl Collegen die Prinzipale in den Stand gesetzt wurden, die Arbeit wieder aufzunehmen. DaS Hauptsächlichste, was erreicht wurde, war, daß in den größeren Werkstätten durch- weg der 10stündige Normalarbeitstag eingeführt, und daß in Folge dieses Strikes eine neue festere Vereinigung der Sattler über ganz Deutschland gegründet wurde. Der neu gegründete Verein machte eS sich nun im vorigen Jahre, also 1373, zur Aufgabe, einmal zu revidiren, inwieweit die 1872 gestellten Forderungen durchgeführt seien, wählte zu diesem Zweck eine Commission, der die Aufgabe wurde, die Collegen aus den verschiedenen Werkstätten gesondert zu einer Besprechung einzuladen, und mit ihnen über Höhe der Löhne und Dauer der Arbeitszeit zu sprechen und die daraus erzielten Resultate festzustellen. Hier wurde also bei der richtigen Quelle angefragt, hier frug der College den Collegen, und es ist keine Gefahr vorhanden, daß die Löhne zu niedrig angegeben wurden, denn, das sei zur Ehre der Arbeiter hier gesagt, dieselben schämen sich selbst der Hungerlöhne, für die sie ihre Arbeitskraft zu verkaufen gezwungen sind, und ich bin der festen Ueberzeugung. daß Mancher einen höheren Lohn angab, als er erhielt; von weniger Angeben war keine Rede. Und was war daS Resultat dieser Erhebungen? Es stellte sich heraus, daß bei 10stündiger Arbeitszeit den Wagenarbeitern ein Durchschnittslohn von 7 Thlr. 10 bis 15 Gr., und bei den Geschirrarbeitern ein Durchschnitts- Das ist.Gerechtigkeit. Die Herren wiegen sich nun in dem süßen Glauben, uns durch diese Heldenthat mürbe gemacht zu haben. Weit gefehlt, ihr Herren! Dadurch spornt ihr uns nur noch mebr an, mit zähester Ausdauer unsere Sache zu vertheidigen.— Es gibt in unsrer Gegend noch verschiedene Geisteskrüppel; da ist zum Beispiel der„Redacteur" des„Potsdamer JntelligenzblatteS" ein sehr„intelligenter" Mann, und es wäre wirklich ein Unrecht, wenn die— Pfiisigkeit dieses Culturkämpfers nicht weiter bekannt ge- macht würde. Behufs Bekanntmachung und Einladung zu unserm Stiftungsfest trug unser Wirth die Annonce selbst ins„Jntellizenz- comptoir", aber der Redacteur nahm dieselbe nicht an, sondern sagte zu unserm Wirth:„Was, ein solches Fest wollen Sie in Ihrem Lokal abhalten lassen? Da kommen ein paar Hundert Menschen zusammen, allerhand Gesindel, dieselben stürmen wo- möglich Ihr Haus, es wird ein allgemeiner Aufruhr und Sie büßen dann die Concession ein. Solche Volksfeste dürfen gar nicht mehr abgehalten werden, und die katholischen Vereine(!!!) werden ja auch alle aufgelöst!" Jetzt waren wir auf einmal ein„katho- lischer Verein" geworden, und diesen dummdreisten Schwindel glaubte unser Wirth und verlangte, wir sollten uns lieber gleich selbst„auflösen"! „Was ist der Philister? ein hohler Darm Voll Furcht und Hoffnung, daß Gott erbarm'!" Unser Fest fand aber trotzdem statt und war sogar ausgezeichnet gut besucht, und die heilige Hermandad war vollzählig am Platze, Eduard Bernstein aus Berlin wies in seiner Festrede auf die vielen Festlichkeiten in jetziger Zeit hin; wie namentlich von Seiten der Kriegervereine Feste zur Verherrlichung des Massenmordes arran- girt würden. Die Arbeiterseste haben den Zweck, diesen barbari- scheu Sitten gegenüberzutreten, und ein freieres und glücklicheres Vaterland schaffen zu helfen. Den Schluß der Festrede bildete die sehr gul vorgetragene„Siegessäule", welche von der Versammlung mit lautem Beifall aufgenommen wurde. Unser Fest hat bei allen Theilnehmern einen sehr guten Eindruck hinterlassen, waS für uns um so erfreulicher ist, als es daS erste war, welches in hiesigem Orte von unserer Seite abgehalten wurde. Den besten Eindruck scheint es aber doch aus unser überwachendes Polizeiorgan gemacht zu haben, denn in der nächsten nach dem Feste stattgefuudenen Versammlung erschien es, ganz gegen seine Gewohnheit, in Be- gleitung deö„AmtSvorsteherS" Mücke; waS daS zu bedeuten hatte, wußten wir schon. Die Herren kamen aber leider elwaS zu spät, denn unsere Versammlung war bereits geschlossen, sämmtliche Mit- glieder verließen daher den Saal und ließen die beiden„Ueber- wacher" allein in dem leeren Raum sitzen. Der Schwiegersohn des WirthS, welcher„Hauptmann" im Kriegerverein ist, gesellte sich dann zu ihnen und machte uns mit„männlicher Gradheit" hinter unserm Rücken schlecht. Wir haben ganz deutlich im Neben zimmer gehört, wie er sagte, wir schimpften blos aufs Militär, aber ein Gewehr zur Hand zu nehmen und den Feind damit zu vernichten, dazu wären wir zu feig. Diesem„Heldensohn" wollen wir nur hierdurch sagen, daß wir mit dieser frommen Sitte ganz und gar nichts zu lhun haben wollen, daß wir einen edlern Kampf kämpfen als den, bei welchem die rohe Gewalt den Sieg davon trägt, und waS die Feigheit betrifft, so wird wohl jeder vernünf- tige Mensch mit uns einverstanden sein, wenn wir sagen: Feig, ganz niederträchtig feig ist Derjenige, der seine Mitmenschen wegen anderer Gesinnung bei der jetzt so allmächtigen Polizei denunzirt! Nun, wir gönnen unser» Gegnern die Freude, sie wird aber nicht allzulange dauern, wir werden in allerkürzester Zeit wieder■ ein Versammlungslokal haben. Bis dahin, Freunde, behalten wir unfern altbewährten Muth und die ftohe Zuversicht für den Sieg unserer guten Sache. Damit aber der regelmäßige GeschäftSver- kehr mit der Vorortsverwaltung keine Unterbrechung leide, ersuchen wir sämmtliche Mitglieder, ihre Steuern für August und September bei Eduard Reyher, Carlstraße, zu entrichten. Auch werden daselbst neue Mitglieder aufgenommen. Gewcrksgenossen und Freunde! Einen Erfolg müssen auch wir trotz Denunziationen und Polizeichikanen erreichen, nämlich den, daß unsere Mitgliederzahl eine dreimal stärkere werde als sie bis- her� war, und daß das Abonnement aus den„Volksstaat" sich ebenfalls verdoppelt. Jedes Mitglied sei ein Agitator, jedes Mit- glied abonnire auf den„Volksstaat" und werbe neue Leser für lohn von 5 Thlr. 20 Gr. bezahlt wurde. Der DurcbschnittSlohu� denselben; und wenn wir so mulhig und unverorossen weiter ar der auf Militäreffekten Arbeitenden konnte nicht gut festgestellt beiten, wird die Zeit bald kommen, wo unsere Gegner einsehen, A tu: fü, «e Warvurg i« Kesten, im September. Am 28. August, w« unser Parteigenosse Liebknecht auf der Durchreise zu seiner Famitil hier in unserer Mitte. Zu Abends 8V- Uhr hatten wir ein! öffentliche Mitgliederversammlung im Brinkmann'schen Saale an- gesagt, und schon vor der Zeit jüllte sich der Saal mit einer sitr Marburg zahlreichen Menschenmenge aus verschiedenen Ständen, welche Alle den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten hören und sehen wollten, der hier einen Theil seiner Studienzeit ver- brachte. Um&3/« Uhr wurde nun die Versammlung durch unser» Vertrauensmann V. Schneider eröffnet, der nach einigen einlei- tenden Worten dem Referenten das Wort gab. Dieser begann seinen Vortrag mit einem Ueberblick der verschiedenen Mißdev- lungen und Verleumdungen unserer Bestrebungen, und legte da»» letztere recht faßlich dar. Er erwähnte hieraus unser Verhältnis zum Reichstage; trotzdem eine gesetzgeberische Thätigkeit für u»! nicht möglich sei, halte er es doch für gut, wenn Parteigenossin im Reichstage seien. Hieran schloß er einen kurzen Bericht übs persönliche Gehässigkeiten und das vielfach recht ungebildete Be- nehmen von mancher Seite, wie z. B. gegen unsere Vertreter und d!« � Abgeordneten Professor Ewald. Redner citirt, nachdem er erklärt, er die Betheilizung an den Wahlen für wichtig halte, einige Fälle, eben die Regierung ganz nach ihrem Kopfe handle, wie bei Frage der Militärbudget- Feststellung. Das vor längerer Zt» angenommene Haftpflrchtgesetz, welches in Bezug auf Eisenbahn' Unglücke recht gut, sei in Hinsicht auf Fabrikwesen und Bergbn» ganz verwerflich. Wir lebten in einem Klassenstaate im vollst'" Sinne des Wortes. Liebknecht kommt dann auf unsere Stellw zum Staate zu sprechen. Wir ständen demselben prinzipiell über; derselbe möge alle Mittel, wie Einsperrung, Ausweisung Verschärfung des Vereinsgesetzes:c. anwenden— unsere Jdt?• ließen sich nicht durch Unterdrückung todt machen; Gewalt erzeul_ eine Auflehnung des Rechtsgefühls; an physischer Gewalt seien ui» unsere Gegner noch überlegen, aber im geistigen Kampf würdu � wir sie mit Sicherheit überwinden..' Auf die Aufforderung, wer den Redner widerlegen könne u»?, wolle, möge auftreten, blieb Alles ruhig.— Nachdem noch B£V6'' schicdene Fragen in Partei-Angelegenheiten an Liebknecht gerichlv" 1 und von ihm beantwortet waren, forderte der Vorsitzende z»V' 1 Beitritt Zur Partei auf und schloß dann um 11 Uhr die Vir r sammlung, worauf Alle in großer Ordnung und mit sichtlicher' Beffiedigung daS Lokal verließen. F>anz W. Brunuemann.° ra t-n" Erklärung. Auf die Anfrage der Leipziger Mitglievschaft Mel-Arb.-Gew. in 1 108 bjB. Bl.letr. des Protokolls.der Magdeburger Generalversammlung,»Siorr kläre ich, daß, da ich den ganzen Sachverhalt einer genauen PrüfW jn unterzogen und nicht herausfinden kann, daß da« Protokoll in der sert'schen Angelegenheit auch nur mit einer Silbe geändert, da« Protokoll in seiner vollen Richtigkeit besteht; daher ist die Meirnw' Kolbes über diesen Punkt eine falsche. sxg., Ott Harburg Ab. 3. Qu. 6 thlr 10. Lnk Pieschen 1 thlr. 21. 8. l, Nzl Wien Ab. 6 thlr. 22., Schr. 2 thlr. 8. Schrl Schwäb.-Hall S? i T, 6 thlr. 25. 5. H. Fnnm Duisburg Ab. 3. Qu. 5 thlr. Hdlch 6'1 Schr. 1 thlr. Mllr hier Schr. 2 thlr. Strr Alteschenbch Schr. 4 0' s der Rest beträgt noch 3 thlr. 12. F. Juck Celle Schr. 27 gr. FlWder Cosel Ab. 1 thlr. 11., Ann. 4 gr. A. Trtmnn Berlin Schr. 5 thihktir Mllr Braunschweig Ab. 3. Qu. 23 tblr. v. Stcklbrg Schr. 27 f lit d Ms hier Ab. 16 gr. Joh. M. Jägcrndorf Ab. 1 thlr. 18. 7. �8, xj Ran GenofsenschaftSbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten ferner: In Nürni» /» p, T. 10 thlr. Hdlch. Fond für Äemaßrcgelte. Von O. R. hier 1 thlr. Hdlch iben Zu der ReichStagSwahl im 14. sächs. Wahlkreis. Von St. 1 thlr. 3 gr. W br [»Ii >f l- ß, werden, doch war man sich darüber einig, daß er 7 Thlr. nicht übersteige. Bedenkt man nun, daß die Sattlerei, sogut wie andere Geschäfte, Pausen hat(wie z. B. im Winter von Neujahr ab bis Anfang oder Mitte März, und im Srmmcr von Anfang Junj bis daß wir unbesiegbar sind. Areiburg i. A., 12. September. Der diesjährige Altkatho likenkongrcß wäre nun glücklich vorüber. Sie haben viel Spek- Ende August, wo es sehr schwach mit der Arbeit aussiebt und von den 1500 Sattlergesellen die in Berlin sind, gut die Hälfte längere oder kürzere Zeit in diesen Monaten ohne Arbeit, also auch ohne Verdienst ist), so wird man einsehen, wie unverschämt mit den 660 Thlr. angeblichen Einkommen eines Sattlergescllen in Berlin aufgeschnitten ist. Schreiber dieses weiß aus eigener Erfahrung, daß unter den sämmtliche» Berliner Sattlergesellen keine 3 Dutzend zusammenzubringen sind, die einen fährlichen Verdienst von 660 Thlr. haben. Wie werden meine Collegen in Berlin gestaunt haben, als sie schwarz auf weiß lasen, welch ein hohes Einkommen sie haben! Wie werden sich diejenigen meiner Collegen, die Frei- tags und Sonnabends Mittags jedesmal den großen Friedrich „Unter den Linden" besuchen und sich an der Wachparade satt sehen, darüber wundern, daß von den angeblichen 12 Thlr. 9 Gr. Wochenverdienst gar nichts bei ihnen hängen bleibt. Und welche Augen wird erst meine frühere Logisfrau gemacht haben, als sie las, daß der Sattlergeselle, bei dem„SchmalhanS" stets Küchen- Meister war, einen so hohen Lohn hatte? Entweder hält sie mich jetzt für einen leichtsinnigen Schwelger, der den ganzen Lohn mit einem Mal verwichst oder aber ich gelte bei ihr als Geizhals! So kommt man um seinen ehrlichen Namen durch die„WahrheitS- liebe" einer wohllöblichen SteucreinschätzungS- Commission.— Meinen Collegen in Berlin aber rathe ich an, die EinschätzungS- tabelle den Herren Arbeitgebern auf den Tisch zu legen und sich den darin festgesetzten Lohn ausbezahlen zu lassen. Zlorvaweh, 23. Sept. Die Hochwohlweise OrtSpolizei zu Nowaweß hat es nun endlich auch herausgedüftelt, daß die hiesigen Gewerkschaftsmitglieder die gesellschaftliche und staatliche„Ordnung" zu untergraben bemüht sind, und in Folge dieser Erkenniß hat man den heroischen Entschluß gefaßt, uns zu vernichten. Den An- fang hat man damit gemacht, daß man unserm Wirth so lange zugesetzt hat, bis er versprach, uns sein Lokal nicht mehr zu geben. Mit diesem„Erfolg" sind unsere Gesellschaftsretter jedenfalls sehr zufrieden, denn nun können die Bourgeois ohne Sorgen um das Bestehen von Staat und Gesellschaft ungestört ihren Vergnügen nachgehen, wovon wir letzten Sonnabend uns persönlich überzeugt haben, denn nachdem man unserm Wirth„befohlen", er müsse sein takel in hiesiger Stadt gemacht, eine Versammlung nach der andern abgehalten, um auf die Ultramontanen loszudonnern. Die Frei sinnigkeit, mit welcher bei diesen Leuten so viel geflunkert wird, ist aber wahrlich nicht weit her, denn in dem Versammlungslokale waren u. A. folgende Sinnsprüche angebracht:„Fürchte Gott, ehre den König".„Unser Wahlspruch ist und bleibt: Mit Gott für Kaiser und Reich" k. 2c.— In einer der Hanptversammlungen, welche Sonntag den 6. d. M. stattfand, thaten sich besonders Herr Professor Huber und Dr. Volk hervor. Professor Huber führte verschiedene Männer an, welche sich um die„Aufklärung" in der Kirche verdient gemacht hätten, um dann auf die Bestre- bungen der Altkatholiken einzugehen. Unter Anderm führte er an, daß in der neukatholischen Kirche die grasseste Despotie herrsche. Der Papst sei daS unfehlbare Oberhaupt und alle Anderen müßten blindlings gehorchen. Sie, die Altkatholiken, erstrebten das Ge gentheil: es solle Jedem Freiheit des Gewissens zu Theil werden, die Despotie müsse aus der Kirche verbannt sein:c. Weiter führte er aus, daß gegenwärtig drei Parteien beständen: die eine sei die ultramontane, die andere sei eine Partei, welche alles, was gelehrt worden sei, für nicht dagewesen, für traditionelle Märchen erkläre, alles über den Haufen werfen wolle u. f. w. Zwischen diesen beiden Parteien stehe die altkatholische in der Mitte. Bei der Aufforderung, einzutreten und mitzukämpfen, wollte er einer Partei noch einen Hieb versetzen, der aber nicht recht herauskam und deshalb schlecht saß. Er behauptete nämlich, alle diejenigen, welche ihre, der Altkatholiken, Bestrebungen für recht fänden, dabei aber doch über sie spöttelten(welche Professorenlogik!) und nicht beiträten, seien noch swlechter als die Ultramontanen. Dr. Völk soll noch kräftiger geschimpft haben. Mit der sozialistischen Bewegung sieht es hier schlecht aus. Gewerkschaften existiren, außer dem Buchbinderverein, meines Wissens hier nicht. Vielleicht wird cS möglich, in Bälde eine Mitgliedschaft der Partei hier zu gründen.(Nur an die Arbeil! R. d. V.) Alle etwa hier stationirenden Parteigenossen bitte ich, Montags Abends in dem Verkehrslokale der Buchbinder, Weber's Nestau- ration, Nußmannsstraße, vorzusprechen. Mit sozialdemokratischem Gruß A. Müller, Kaiserstraße 101. Augsburg Anzeigen 2c. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. et»v Sonntag, den 4. October, Bormittags 10 Uhr: leg � Versammlung der hiesigen Mitglieder in der„Schützenhalle." Pflicht eine« jeden Parteigenossen zu erscheinen. 1 Im Auftrag: I. Endres. AnikLlkNBN Literarischer Verein. Da« Versammlungslokal befindet sich von heute bei Herrn Weber, ehemal» Braun eker zunächst der Jacobikirche.,. E» ist jeden Sonntag, Vormittag» von 10— 12 Uhr ein BeitraDpt l ,, 1 L u:{ 9 sammler anwesend, um Beiträge in Empfang zu nehmen. _ Der Ausschuß. Berlin ü'e a Freunde und Gesinnungsgenossen werden ersucht, zu eine« d � gemeinsamen Ausflug bei günstigem Wetter, sich Son« ch; tag, den 4. October, früh 9 Uhr, Mllnzstraße 5, einzufinden. Liebe« tete' bücher nicht vergessen. P. Müller, Metalldrechsler. Hamburg Sozialdemokratischer Arbeiterverein. �........„ Sonnabend, 3. Oct., Abend« 9 Uhr: OeffentKl Ij Versammlung bei Hansch, Schauenburgerstr. 14, großer Saal. Tagesordnung: Die Schattenseiten der heutigen Literatur, Ref. Geib Die Parteigenossen werden dringend ersucht, für den regen Besuch d« Versammlungen u. für Verbreitung de«„Bolksstaat" lebhaft zu agitire» Peter. lS or vi Vi d. Geschlossene Mitglieder- Versammlung jjej Verbandes der Klempner und verwandte«!� Berufsgenossen am Sonnabend, den 3. Oet., Abend» Z'/z Uhr bei Hr».3 Eckhardt, Schoppenstehl 22.— T.-O.: 1) Abrechnung. 2) Bereinsf,fg Angelegenheiten._ L. Stoffel, Bevollmächtigter.[3 Leipzig Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 3. October, Windmühlenstr. 7: Vck sammlung.— Sozialer Wochenbericht von Willecke. Berathung de« Anträge zu der in Hannover stattfindenden Generalversammlung. Sonnabend, den 10. Oct.: Generalversammlung bei Zeidler.[äjei Leipzig u. Umgegend ffdokr sdlu l-dl llu '«»gl «ir flilc »lit Metallarbeiter- .> Gcwerksgcnasscnschaft..»s Jeden Montag, Abends 8 Uhr: Sitzung bei Fröhlich, Mkolaistraß»;< Ztr. 38.— T.-O.: Soziale Rundschau. Bericht der Commission übes; das neue Controlbuch.— Zahlreiche» Erscheinen wird erwartet. Aufnahme neuer Mtglieder. D. B. sb Zur Beachtung. Vom 1. October 0. an, befindet sich meine Wohnung nicht meh Scharnstraße 22 sondern Leopoldstraßc 20 a parterre. r'?1 Brannschweig. (2a) C. H. Müller. 112«/- Leipzig: Verantw. Redakteur: M. Preißer.(Redaktion und Ex pedition Zeitzerst. 44.) Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei fcc % "flzc %