ittod.Mcheint i» Leipzig velchepklwvoch, Freitag, Sonntag. Stellungen nehmen an alle ..;�°sta»st°lten u. Buchhand- tv«langen des In- u.Auslandes. !gischa araot. m/ial- Expeditionen d �e Vereinigten Staaten: . ,,5,. F. A. Sorge, �" Idos 101 Hoboken, N. J. A ¥eter H°ß' 1|I l1». W. Corner Third and {CMtoatea atr. Philadelphia. Znt< �Mgander sozialdemokratischenArveUerparteiund der wternattonalenGetverlsgenossenschaften. Inserate die Abbalwna von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 1 Ngr.,— Privat- und Bergniigungs- *°-r Anzeigen mit 2'/- Ngr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Abounementipreis für ganz Deutschland 16 Sgr. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutscheu Postanstalten auf den Lten u. 3ten Monat und auf den 3tcn Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals i ö'/a Sgr. Ipla»' ch P: chast-«� 120. 5«-- Aienstag, 13. Hktover. 1874. eisen' Aufforderung. d; fl!A Zur gebsthrenden Kennzeichnung der Art und Weise, wie seit ter Mhren die Vereins- und Versammlungsgesetze von Polizei- unterand RechiSwegen gegen unsre Partei gehandhabt worden sind, mme»»uimcln wir sstr die Vertreter unsrer Partei im Reichstage ent- WS MechendeS Material. ES müssen deshalb die Parteigenossen aller- auWirls Sorge tragen, daß wir ungesäumt Kenntniß von allen n BiMolden Thatsachen und Belegen(AktenauSzügen, Erkenntnissen jc.) sowilsthalten, die zu dem angedeuteten Zwecke mit Erfolg verwendbar n Ärchid. )aru» Wir bitten also um beschleunigte Vermittlung des Gebotenen allettnd fordern die befreundete Presse zur Weitervcrbreitung dieses wallldsruses auf. e mi» Feiner wiederholen wir unsere Bitte um Einsendung von samewabrikordnungen, ebenfalls behufs Verwendung im Reichstage. � Leipzig, den 11. Oktober 1874. auß! Die Redaktion des �VolkSstaat", venze»' Hohestraße 4. Die oberschlefischen Eisknbahnen. laste«- � jn Antigen ökonomischen Verhältnisse. m' Vor uns liegt ein dickeS, viele hundert Seiten fassendes Buch, angefüllt mit Zahlen: es ist„der Jahresbericht über die Verwaltung der oberschlesischen Eisenbahn für 1373". Die ober- 17 glfwfssche Eisenbahn ist ein Unternehmen von ganz colossaler Aus- 22. i�nung, sie umfaßt S Bahnen, die in einer Strecke von hlr. M,S Meilen fast das ganze nordöstliche Deutschland von der >r. �Nttreichisch-polnischen Grenze bis nach Pommern durchziehen. (rt, solches Unternehmen mit einem Grundkapital von fast ?bbei«i � Million Thlrn. ist ganz besonders geeignet als Muster- Bei- >r V'"1 sllr die gesammte Produktionsweise zu dienen, unS die all- j zf ddeinen Verhältnisse gleichsam im Spiegel zu zeigen. Schlagen >r' also das Buch auf und sehen wir uns die Zahlen etwas hlr.-sliher an. Bimn«! Bei allen 9 Bahnen, die zur oberschlesischen Eisenbahn gehören, az kss itrjjgt die Zahl sämmtlicher Beamten, Hilfsarbeiter und täglich • 7;?«rchfchnittlich beschäftigten Arbeiter 9,187 Mann. Wie steht es 'it dVm Lohn d.eser Arbeiter? — H Bei der Bahnverwaltung erhalten: Mitarbeiter, andere Arbeiter, Mechaniker, Schlosser, rc. durch- -—-! schnittlrch jährlich*) täglich 's. bxx oberschlesischen Eisenbahn(Stammbahn) L30 Thlr. 23 Gr. aU Ebh- i dss schmalspurigen Bahn 167„ I6V2„ BreSlau-Posen-Glogauer„ 140„ 14„ Stargard-Posener„ 170„ 17„ Reiße Brieger ,, 130„ 13„ Wilhelms- n 150„ 15„ niederstlesifchen Zweig-„ 130„ 13„ Posen- Thorn-Bromberger„ 150„ 15„ BreSlau-Glatz-Mittelwalder„ 180„ 18 1 jlo durchschnittlich für alle Bahnen JahreSlohn 160 Thlr.— rmw'Mklohn 16 Gr. rwahl- Den gleichen Durchschnittssatz erreichen auch nur viele unter f. lr Rubrik: Beamten und Hilfsarbeiter Aufgeführte, wie Bahn-, '• 15'ahn-, Brückenwärter, HilsSbahnwärter, Nachtwächter, HilsS- -beitt«'imser:c., während sich allerdings darunter auch Gehälter t sei«»>en wie Direktor 3.700 Thlr. Mitglieder der Eis-nbahnkommisflon 1,400„ un, DirektionSmitglieder 1,600„ jc. jc. fttstt' Fassen wir alle« zusammen, so crgiebt sich: Die 9,173 Mann sl7i/, toi Direktor bi« zum HilfSnachtwächter erhalten jährlich an Lohn - 493,092 Thlr., folglich erhält der Einzelne dmchschnittlich jähr- ilunl � 380 Thlr. Das waren die Arbeiter, nun sehen wir unS die , iteruehmer an! [' Der Gesammtitberschuß für daS Jahr 1873, da« nur zu den ißig günstigen zählt, beträgt 7,091,691 Thlr., zieht man davon was zum Reserve- und Erneuerungsfonds, zur Amortisation d zu Eisenbahnabgaben verwendet wurde: in Summa 2,631,050 der d>i jj �|0 bleibt ein Nettogewinn von 4,460,641 Thlr., der als t. lHvsin.und Dividende an die Aktionäre vertheilt wird. 3,493,092 - UhlM. war der GcsammtarbeitSlohn, 4,460,641 Thlr. der Mehrwerth, annim�ich die Rate de« MehrwerlhS, der Grad der Ausbeutung der � 3 000 000 T~ 1330j'0 � ber"«.anständiger r., ttbchrungSlohn! Oder ander« ausgedrückt: von je 7 Stunden, ': per Arbeiter arbeitet, arbeitet er 3 Stunden für sich, 4 Stun- » für den Kapitalisten, 3 Stunden bekommt er bezahlt, 4 Stun- -— � d muß er ohne irgend welches Aequivalent(Ersatz) arbeiten. Nehmen wir einmal für einen Augenblick an, die kapitalistische , ivduktionSweise wäre abgeschafft,«S wäre der Satz zur Wahr- §*'':it geworden: kein Lohn ohne Arbeit, keine Arbeit ohne Lohn, würden also— alle« unverändert vorausgesetzt, also von allen deren günstigen Sätzen abgesehen— die 4,000,000 Thlr., die t in die Taschen Derer fließen, die außer der austeibenden„Ar- t" des Coupon-AbschneidenS und Geld-EinkassirenS zur Her- Zl brivguug der 4 Millionen auch nicht eine Hand rühren, so flr. 24 rden, sagen wir, diese 4 Million, den Arbeitern, d. h. allen Denen, 1 zu ihrer He, vorbringung körperlich und geistig thätig waren, F. � vren. Wie wir oben gesehen, sind bei der Bahn beschäftigt idet.,,., 4,460,641 B 87 Mann, folglich käme auf Jeden �- das ist 485 Thlr. •) Da« Arbeii«jahr ist— wie die« auch in dem Bericht zu sehen— sövO Tagen angenommen. Während also jetzt jeder Arbeiter im Durchschnitt 380 Thlr. Arbeitslohn erhält und die von ihm noch darüber hinaus hervor- gebrachten 485 Thlr. in die Tasche des Kapitalisten wandern lassen muß, würde bei der Verwirklichung der sozialistischen Ideen jeder Arbeiter seinen Arbeitsertrag von 330 und 48S Thlr. ist 865 Thlr. jährlich bekommen*) und der nicht arbeitende Kapitalist gar nichts. Oder nehmen wir die schlecht bezahlten Tagearbeiter an, die in dem Bericht unter der Rubrik„Arbeiter" figuriren, so beträgt deren Lohn durschnittl ch jährlich 160 Thlr. Würden sie aber— selbst diesen Lohn vorausgesetzt— statt des Arbeitslohnes den Arbeitsertrag erhalten, so bekämen sie jährlich 160 und 485 Thlr. das ist 645 Thlr., also durchschnittlich statt täglich 16 Gr.— 64V2 Gr., oder 2 Thlr. 41/2 Gr. Nun noch ein Wort über daS Risiko der Arbeiter. Es sind bei der oberschlesischen Eisenbahn im Jahre 1873 109 Unglücks- fälle vorgekommen. Davon fielen 20 auf nicht bei dem Betriebe beschäftigte Personen, also bleiben für diese: 89 Unglücksfälle, wovon beinah die Hälfte mit tödtlichem Ausgange. Zieht man nun von der Gesammtzahl der Beamten, Hilfsarbeiter und Tag- arbeiter— 9,178 die Zahl der Beamten je. ab, welche bei der allgemeinen Verwaltung(nur in den Bureaux je.) beschäftigt sind, nämlich 364, so bleiben 8,823 der Gefahr ausgesetzte Arbeiter, von denen 83, d. h. 1 Prozent verunglückt sind. Also dieselben Leute, die bei 12stündiger Arbeit beinah 7 Stunden unbezahlte Arbeit leisten, haben noch daS Risiko zu tragen, daß von je 100 Einer zerquetscht, überfahren, verstümmelt wird! Die Käuflichkeit der Preffe. In der Berliner„Gerichtszeitung" vom 27. Juni d. I.(die betr. Nummer wurde uns dieser Tage durch einen Freund zuge- stellt) finden wir u. A. folgenden Bericht: „Vor der 5. Deputation des k. Stadtgerichts standen am 25. d. M. diverse Termine eingeklagter Contocorrent-Forderungen an, wovon zwei, durch die gemachten Einwendungen von ganz be- sonderem Interesse, nur allzudeutlich kennzeichnen, welche Geschäfte von einigen Börsenberichterstattern zur Zeit der Gründungsperiode getrieben wurden, um die öffentliche Meinung irre zu führen. Ein Herr Julius Mayer war wegen 4000 Thlr. verklagt und wendete ein:„Ich schulde der Vereinsbank nichts; der Prokurist Koch sicherte mir für den Fall, daß ich die dermaligen neuen Unternehmungen der VcreinSbank günstig beur- theile und dem ZeitungSpublikum vorth eilhaft schildere, als Gegenleistung zu, die eingeklagten erwähnten Aktien auf Rechnung der VercinSbank für mich erwerben und für mich in Depot nehmen zu wollen. Ich werde auf Er- fordern durch Einreichung der betr. Exemplare damaliger Zeitungen nachweisen, daß ich die gesammten Quistorp'schen Emis- sionen als sehr vorthcilhaft geschildert habe. „Der Redakteur deS„Börsenwächter" war auf die Höhe von 36,802 Thlr. 6 Gr. verklagt; derselbe machte ähnliche Emwen- düngen und schließt seine Behauptungen wie folgt:„Der größte Theil der Effekten resultirte daraus, daß dieselben mir bei deren Einführung auf der Börse stillschweigend gut geschrieben worden sind." Als Zeugen schlägt er den Herrn Quistorp und den Prokuristen Koch vor.— Herr Rechtsanwalt Horwitz geißelte in scharfer Weise dieses Gebahren von Mitgliedern der Presse, die käuflich, unbekümmert um den Jammer später ruinirter Familien, nur ihr Interesse reich zu werden, im Auge haben. Er bestreitet die Richtigkeit der Einwendungen der Verklagten und bittet um deren Verurtbeilung. „Gegen Holländer, den Redakteur deS„Börsenwächtcr", wurde, weil er sich jetzt in Haft befindet, auf Anberaumung eines neuen Termins nach d. 8. Septbr. nach Abhaltung des Prüfung?- termins in dessen ConcurSangelegenheit erkannt und die Vorladung des Verwalters seiner Masse beschlossen. Mayer wurde nach dem Klaganttagc in etwaS ermäßigter Weife verurtheilt." Dies der Bericht. WaS aus den sauberen Pattonen Mayer und Holländer geworden ist, hat für uns absolut kein Interesse. Sie sind für uns keine Personen, sondern Typen, Vertreter des modernen Journalismus. Daß gerade sie vor Gericht und an den Pranger gestellt wurden, ist Zufall, ist ihr„spezielle« Pech". Wie viele Zeitungsschreiber, wenigstens unter den eiufluß- reicheren— denn die anderen zu bestechen verlohnt nicht— hat unsere moderne BourgeoiSpressc aufzuweisen, die nicht direkt oder indirekt sich derselben Praktiken schuldig gemacht haben? Und darum haben wir unserem Artikel auch die allgemeine Ueberschrift gegeben: Käuflichkeit der Presse. ES ist da« nicht ein unberechtigtes, ungerechtes Generalisiren.**) Wohl standen am 25. Juni in Berlin **) C« versteht sich von selbst, daß damit nicht gesagt sein soll, e« würde dann jeder Arbeiter einen Lohn von 865 Thlr. erhalten; die sozialistische Gesellschast«organtsation schließt ja da« ganz« Lohnverhältniß au«, ist mit demselben und auf Grund desselben einfach undentbar. Ebenso wenig soll gesagt sein, daß dem Arbeiter diese Summe als Equivalent feiner Arbeitsleistung in Geld ausgezahlt würde. Der So- zialismus kennt keinen rein individuellen„Arveitsertrag", weil es keine rein individuelle Arbeit gibt, sondern nur eine Arbeit in der Gcfellschast und durch die Gesellschaft. Der„Arbeitsertrag" gehört der Gefell- schaft, und von einem„vollen Arbtitsertrag", deu der Arbeiter im sozialistischen Staat empfangen solle, zu reden, ist daher durchaus inkorrekt. Wie und inwieweit da« Produkt der Arbeit unter die Individuen ver- theilt wird, ist Sache der sozialistischen Organisation. Die obigen Ziffern sollen nur anschaulich machen, in welch schamloser Weise die Arbeit heute von dem Kapital ausgebeutet und um ihre Früchte geprellt wird. ') Von einem einzelneu Fall gleich auf da« Ganze schließen— ihn als Regel hinstellen. nur zwei Individuen und in der Person dieser zwei Individuen nur zwei Zeitungen vor Gericht; aber nenne man uns eine deutsche Zeitung, die während der Gründerepoche nicht der Maxime der Herren Mayer und Holländer gehuldigt hätte: die Unternehmunzen der Gründer„günstig zu beurtheilen und dem ZeitungSpublikum vortheilhaft zu schildern?" ES ist wahr, wir kennen verschiedene Blätter— viele sind'S freilich nicht—, die in dem red aktiv- nellen Theile den Gründungsschwindel bekämpft und daS Publi- kum gewarnt haben; allein, mit sehr seltenen Ausnahmen, haben es diese nämlichen Blätter mit ihrer Tugend nicht für unvereinbar gehalten, im Annoncentheile die schamlosen Reklamen de« gründcrnden Bavernfängerthum« zu veröffentlichen, und daS enorme Jnferatengeld einzustteichen. Wer die deutschen Zeitungen deS Winters und Frühjahrs 1372/73 durchblättert, muß zugeben, daß wir uns genau an die Wahrheit halten. Genug, die Thatfache steht fest: die deutsche Presse im Großen und Ganzen hat während der letzten Gründerepoche den Bauernsängern der Börse als Zuschlepperin gedient, ihnen das leichtgläu- bige Publikum ins Garn geführt, und sich für diese LiebeS- dienste bezahlen lassen, sehr gut bezahlen lassen. Und wenn unsere Presse jetzt nicht in gleicher Ausdehnung dieses löbliche Handwerk treibt, so liegt daS einzig an der man- gelnden Gelegenheit. Gelegenheit macht Diebe, sagt schon da» Sprichwort. Ohne Gelegenheit müssen sie ehrlich bleiben. Bis zu dem nächsten Hexenfabbath des Schwindelkapitalismus tröstet unsere gcsinnungStüchtige Presse sich mit dem Reptilienfond». Politische Uebersicht� — Die Affaire Arnim-BiSmarck liegt den Freunden de» „Genialen" ebenso schwer im Magen, wie diesem selbst. Sie merken, daß e« sich um ein Spiel handelt, da» gewonnen werden muß, wenn der Spieler nicht bankerout machen soll; und trotz der Bemühungen Wagener«, der mit Stieber in Compagnie arbeitet, hat c« nicht gerade den Anschein, als werde da« Spiel gewonnen werden. Das Reptiliengestndel streut die blödsinnigsten Lügen und Verdächtigungen aus, sucht aber, was sehr charakteristisch, den Glau- den zu erwecken, Fürst Bismarck habe mit der ganzen Geschichte nichts zu thun; die Gerichte seien au« eigenem Antrieb einge- schritten,— die preußischen Gerichte, deren Unabhängigkeit ja Jevcrmann kenne. Nun, da« Papier ist geduldig, und Testen- dorf läßt sich'« schon einmal gefallen, daß man ihn zum selbst- ständigen Aktor auf den Brettern der hohen Politik macht. Ja, e« muß ihm schmeicheln. Man denke nur, fall» die Sache schief geht, wäre Tessendorf nicht der von Bismarck nach Nassenheide „kommandirte" Staatsanwalt, der einfach Ordre parirte, sondern der unbestechliche unbeeinflußbare Rechtsfanatiker, der furchtlos den Weg der Pflicht wandelte, auch auf die Gefahr hin, dem großen Staatsmann den Hals zu brechen, und ihm den Hals auch wirk- lich brach.— Doch letztere« ist noch nicht geschehen, und eu attsn- dant(in Erwartung dessen) sucht Fürst Bismarck möglidbst viel Heu einzuheimsen, so lange der Sonnenschein dauert. Schreibt man z. B. au« Lauenburg an die„Schleswig Holstem'sche Landeszeitung", der herrliche„Sachsenwald" werde in einer Weise ausgenutzt, die zwar dem momentanen Eigenthümer sehr vorthcilhaft sei, aber den Wald ruinire. Der Eigenthümer des, beiläufig auf 4 Millionen taxirten SachsenwaldeS ist Fürst Bis- marck, der diesen fetten Bissen bekanntlich zum Lohn für den hei» ligen Krieg einverleibte. — Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß Herr Wagen er (von Dummerwitz) dem Kathedersozialistenkongreß im Auftrag de» Fürsten Bismarck und als dessen Vertreter beiwohnt. Wir'gratuliren den Kathedersozialisten, dem Hrn. Wagener und dem Fürsten Bismarck! — Auf die kulturkämpferische Mission und Kultur de« selbsternannten KulturstaateS Preußen wird von der„Germania" ein grelles Streiflicht geworfen.„Preußen", so schreibt, boshaft den Spieß umdrehend, das Hauptorgan der Ulttamontanen, gegen die sich der Kulturkampf richtet,„ist bekanntlich nicht nur ein Rechtsflaat, sondern auch der Staat der Kultur und Intelligenz. Nun irren wir wol nicht, wenn wir die Berechtigung eine« Staate» zu dem Titel„Staat der Kultur und Intelligenz" wesentlich nach seiner Fürsorge für da» Schulwesen bemessen, und so geben wir einige Data au« der Statistik de« VolkSschulwcsen«, die wir einem neulich erschienenen Werke:„Allgemeine Chronik de» VolkSfchul- wesen« von L. W. Seyffarth" entnehmen. Wir bemerken � nur noch zuvor, daß Herr Seyffarth durchaus„gesinnungstüchtig" und „rcichstreu" ist, und daß seine statistischen Angaben eher an Schönfärberei als an Schwarzscherei leiden. In den alten Pro- vinzcn normirt sich da« Gehalt der Elementar lehrer wie folgt: Es haben 1929 Lehrer zwischen 50—100 Thlr. Gehalt 3673 4683 6526 3754 6197 3756 100—125 125—150 150—175 175-200 200-250 250—300 Also 32,523 Lehrer mit durchschnittlich noch nicht 200 Thalern Gehalt pro Jahr! Am jammervollsten ist der Zustand in den Provinzen Preußen mit 160 und Posen mit 144 Thalern Durch- schnittSgehalt. Im richtigen Berhältniß zu den idyllischen Ge- hältern stehen auch die Pensionen der Lehrer; eS beziehen nämlich: 615 Lehrer zwischen 80— 78 Thaler Pension, 479„„ 75-100 ff 679„ � 100-150. 376„„ 150—200„ 441 w über 200 Thaler, dagegen 826„ unter 50 Thaler Pension. Es ist bei solck.n Verhältniffen auch nicht zu verwundern, wenn die Zahl der Lehrer hinter dem Bedürfnisse um mehr als 4000 zunickgeblhueu ist. Aber waS thut das, wenn nur die „Kultur" i'rvj Fortschritte macht! Und zu der„Kultur", deren Segen wir heut allerorten verspüren, braucht man zunächst nur — GenSdarmen und Polizisten, und die werden auch nickt mit ILO Thalern abgespeist."— Schlimm, daß es wahr ist. Bitter, sehr bitter, es sich von der„Germania" sagen lassen zu müssen! — Der Klassenkampf in England. Der langdrohende Strike der�Kohlenarbeiter in Südlancashire ist nach den neusten Nachrichten zum Ausbruch gekommen.„Bis auf wenige Gruben, so schreibt man der„Frankfurter Zeitung", steht jetzt alle Arbeit in Wigan, St. Helen» und Umgegend still und nahezu an 20,000 Arbeiter feiern. Die Streitfrage, um die es sich dreht, ist folgende: Die Grubeneigenthümer kündigten vor einiger Zeit ihren Arbeitern an, daß sie vom 1. Oktober an eine Reduktion von 15 pCt. in den Löhnen eintreten lassen würden; die Führer der Verbindungen riethen die Arbeit mit einer Reduktion von 10 pCt. fortzusetzen und die weiteren 5 pCt. der Entscheidung eines Schieds' gerichteS zu überlassen. Allein die Arbeiter-Dclegaten der einzeb neu Logen stimmten für eine Einstellung der Arbeit, wenn nicht die ganze 15procentize Ermäßigung dem Urtheile des SchiedSge- richteS überlassen werde. Darauf wollten aber die Eigenthümer nicht eingehen und am 1. Oktober verließen daher die Bergleute ihre Arbeit. Durch die früheren SirikeS in Staffordshire und im südlichen Wale» ist die Kasse des Vereins sehr erschöpft und eS ist sehr fraglich, ob die Striker lange auszuhalten im«stände fein werden. Gerade in diesem Bezirke gehören jedoch etwa bloß 4000 Arbeiter dem Vereine an und Halliday, der Präsident der vereinigten Kohlevarbeiterassoziation, kündigte auch bereits den Nicht-Vereinsmitgliedern an, daß sie auf gar keine Unterstützung seitens der Union rechnen dürften. Den Mitgliedern der Ge- nossenschaft setzte er in längerer Rede auseinander, daß der Strike gegenwärtig ein Wahnsinn sei, und daß sie schließlich in kurzer Zeit sich noch größere Abzüge würden gefallen lassen müssen. Allein seine Worte fruchteten nichts, im Gegentheile, er wurde ausgezischt und die Stimmung gegen die Leiter der Union ist eine sehr bittere. Auch in Northumberland wollen die Arbeiter sich eine Reduktion nicht gefallen lassen, und ein Strike steht dort ebenfalls in Aussicht." So der Londoner Correspondent der „Frankfurter Zeitung", welcher für die jetzigen Führer der engli- scheu Gcwerkvereine sehr eingenommen ist. WaS er über die Er. bitterung der Kohlenarbeiter gegen Halliday sagt, stimmt mit dem Uberein, was wir bereits früher geschrieben, und deutet aus einen sich vollziehenden Umschwung in der englischen Arbeiterwelt hin. Die goldenen Tage der Trades UnionS sind vorüber. — Most hat die Erlaubniß, feine Haft in Berlin abzubüßen nicht erhalten und ist bereits, wie man uns schreibt, nach Plötzen- see abgeführt worden. Anläßlich der Bestätigung deS monströsen Urtheils gegen Most schreibt die„Chemnitzer Freie Presse":„Die Wähler deS Chemnitzer Wahlkreises werden für die nächsten Reichs tagSsesstonen ihres Vertreters und damit deS Rechtes beraubt fein, welches jedem deutschen Reichsbürger verfassungsmäßig zukommt, denn der mit fo gewaltiger Majorität für Chemnitz erwählte Abgeordnete Johann Most wird nach Plötzensee abge- führt, um dort Ein Jahr und sieben Monate Gefängniß ab- zubüßen wegen einiger Aeußerungen, die er in einer Berliner Arbeiterversammlung gethan und die Niemandem Schaden gebracht haben. Das Obertribunal in Berlin hat in seiner Sitzung vom 24. September die von dem Verurtheilten eingelegte Ntchtigkeits- beschwerde gegen daS monströse Urtheil zurückgewiesen, und das- selbe ist jetzt„rechtskräftig" geworden. Da sich folglich Most in Strafhaft befindet und der Reichstag es nicht für nöthig hält, seine Mitglieder in solchem Falle zu reklamiren, so hat Most keine Aussicht, seinen Vertreterpflichtcn nachkommen zu können.•— Nun, das Volk von Chemnitz und Umgegend mag es in sein Gedächt- niß einprägen, wie das„Reich" mit ihm und seinen Rechten um- springt, und mag eS jedem Reichsfreund ins Gesicht schleudern, der etwa hier noch wagen sollte, dieses„Reich" verherrlichen zu wollen. Dafür, daß die Wünsche der Wähler Most's im Reichs- tag zum Ausdruck kommen, werden die übrigen sozialistischen Ab- geordneten, sofern sie nicht auch ehebaldigst eingesteckt werden, nach besten Kräften sorgen, soweit eS Herr von Forckenbeck, der „unparteiische" Präsident, erlaubt." Prozesse gegen unsere sächsischen Lokalblätter und uns selber sind so massenhaft, daß wir darauf verzichten sie aufzuzählen. Nur in besonderen Fällen werden wir eine Ausnahme machen. Erwähnt sei für heute nur, daß der„Crimmitschauer Bürger- und Bauern- sieund", den man vielfach von Prozessen verschont wähnte, vor etlichen Tagen, anläßlich der Notiz, daß der„Dresdner Volks- böte" sich seit Kurzem„einer ganz außerordentlichen Aufmerksam- keit der Preßpolizei erfreut", die Mittheilung mackte, daß die Redaktion„mindesten« einmal, mitunter dreimal die Woche Termin auf dem Gericht hat".— Der„Zeitgeist" steht unter der Anklage. die Münchener Polizeidirektion beleidigt zu haben. Geiser ist des- halb vor da« oberbayerische Schwurgericht verwiesen; ditto, in Gemeinschaft mit 6 anderen Parteigenossen, wegen einer Anklage auf Zuwiderhandlung gegen das Vereinsgesetz.— Unsere Leser erinnern sich der famosen Verurtheilung Scherl'«(in Königsberg), weil der von ihm gebrauchte Ausdruck„Polizeispitzel" die Polizei über- Haupt treffe und beleidige(S.„Volksstaat" Nr. 63). Scheil appellirte; jedoch ohne Erfolg: das erstinstanzliche Urtheil ist bestätigt, und damit festgestellt worden, daß die Bezeichnung„Poli- zeifpitzel» für den ganzen Polizeibeamtenstand Geltung habe, wofür dieser sich bei den preußischen Richtern bedanken möge! — AuS Graz wird uns berichtet, daß die Verhandlungen gegen die wegen angeblicher Theilnahme an geheimen Verbindungen angeklagten 32 Parteigenossen am 14. Oktober ihren Anfang nehmen werden. Die Vertheidigung führen zwei Wiener und zwei Grazer Advokaten.— Constituirende Versammlungen haben abgehalten, die Stuhlarbeiter am 4., die Holzarbeiter am 5. und der politische Arbeiterverein am 6. d. M. Die Statuten des Fachvereins der Schneider sind genehmigt, dagegen haben die Statuten des ArbeiterbilvungsvereinS vor der Statthaltern keine Gnade gefunden. DaS erstinsta«siiche Urtheil gegea Most sind wir jetzt in den Stand gesetzt, unseren Lesern mitzutheilen. Es lautet: „Im Namen des Königs! In der Untersuchungssacke wider den Redakteur Johann Jo seph Most hat das königl.«Stadtgericht zu Berlin, Abtheilunz für UnterfuchungS- Sachen, Deputation Vll für Vergehen in seiner öffentlichen Sitzung vom 19. Mai 1374, an welcher Theil ge- nommen haben: Reich, StadtgerichtSdirektvr als Vorfitzender, v. OssowSky, Stadtgerichtsrath als Beisitzer, Giersch, Stadtrichter„ der mündlichen Verhandlung gemäß für Recht erkannt: daß der Angeklagte Redakteur Johann Joseph Most unter Kostenlast und Freisprechung von der gegen ihn wegen Beleidigung erhobenen Anklage, wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung mit einem Jahre sechs Monaten Gefängmß zu bestrafen. Von Rechts Wegen. Gründe. Der Redakteur und bis zum 26. April 1874 ReichStagsabge ordnete Johann Most steht unter der Anklage deS Vergehen« wider die öffentliche Ordnung und der Beleidigung. Was feine Per- fonalien anbetrifft, so ist er am 5. Februar 1846 in Augsburg ge boren, nach seiner Angabe katholisch getauft, ohne sich jedoch gegen wärtig zu irgend einer Religion zu bekennen, nickt Soldat und bereits mehrfach bestraft, u. A. im Jahre 1871 in Wien wegen Hochverraths mit drei Jahren schweren KerkerS, welche Strafe jedoch durch Begnadigung erlassen wurde, außerdem neun Mal wegen Beleidigung von dem königl. 7. Bezirksgericht zu Chemnitz in den Jahren 1871— 1872, zuletzt im Dezember 1872 ebenfalls in Chemnitz wegen Majestätsbeleidigung, wegen Beleidigung und wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, mit 8 Monaten Ge- fängniß. Er hielt während feines Aufenthalts in Berlin wädrend der jüngsten ReichStagSsefsion mehrfach Reden in den öffentlichen Versammlungen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Bon diesen Reden hat die gegenwärtige Anklage zwei herausgegriffen, deren eine am 23. März, deren andere am 13. April gehalten wurde. In der ersteren Rede besprach der Angeklagte die Thaten der Pariser Commune und äußerte dabei u. A. Folgendes: Die Com- munardS verthertngten sich mit größter Zähigkeit. Weiber und Knaben bestiegen die Barrikaden und kämpften mit Heldenmuth. Selbst nachdem der Kampf ausgetobt hatte, fetzten die Verfailler daS Hinschlachten fort und verübten die scheußlichsten Thaten durch ihre verthierten Soldknechte. Weiber entblößten ihre Brust, um daS tödtliche Geschoß zu empfangen und riefen den Offizieren zu, daß sie sie bedauerten wegen ihrer Sklavenrolle. Die Commune wurde niedergeschlagen, die Gefangenen wurden deportirt und noch heute sind die Akten nicht abgeschlossen. Man glaube nicht, daß durch dies schreckliche Vorgehen die soziale Bewegung in Frank- reich aus der Welt geschafft sei. Bald wird das Volk wieder zu seiner Kraft gelangt sein. Aus den Knochen der Gefallenen müssen die Rächer erstehen. Es existirt keine Arbeiterfamilie in Paris, von der nicht ein Verwandter hingemordet ist; alle werden das Gefühl der Rade in sich tragen; eine Generation wird heran- wachsen, welche die Kraft haben wird, dem jetzigen Getriebe ent- gegen zu treten. Die Arbeiterbewegung wurzelt tief in den Heu- tigen Verhältnissen und erstreckt sich bereits über d e ganze kulti- virte Welt. Sie flößt den Gegnern mit jedem Jahre mehr Furcht ein. Wir wollen nicht Rache, sondern auf friedlichem Wege Er- reichunz unseres Zieles. Unsere Gegner haben es in der Hand; sie haben die Wahl: Reform oder Revolution. Wie sich die herrschenden Klassen verhalten, gut oder schlecht, so wird seiner Zeit die soziale Frage gelöst werden. Hat die Commune Fehler gemacht, so beklagen wir eS. Warten wir ruhig ab; aber legen wir nicht die Hände in den Schooß, trage Jeder zur Aufklärung de« Proletariats bei, daß das Volk sozial politisch reif werde, und in dem Momente, wo für das Volk die Gelegenheit gekommen sein wird, seine Geschicke selbst zu leiten, diese Bewegung eine stegreiche sei..."„Was da« Militärgesetz betrifft, so ist bekannt, daß Molike geäußert, in der Kaserne werde dem Volke erst die rechte Erziehung gegeben. Für diese Erziehung bedanken wir un« schönstens. DaS Drillsystem ist allerdings sehr gefährlich, weil dadu,ck der Geist de« Menschen sehr eingeschränkt wiid und da« felbstständige Denken— wenige energische Charaktere ausgenom- men— unterdrückt wird. In Betreff der allgemeinen Wehrpflicht ist nur zu bemerken, daß Zeiten kommen können, wo da« Volk damit zufrieden sein kann, wenn ihm die Regierung gelehrt hat, mit den Waffen umzugehen." Daß der Angeklagte in seiner Rede vom 23. März die vorstehenden Aeußerungen gethan hat, ist er- wiesen durch die diensteidliche Aussage deS Polizeilieutenant Häseler in Verbindung mit dem eigenen Zugeständmß des Ange- klagten. Der Letztere hat sich zu seiner Vertheidigung auf die Redefreiheit und auf die Lehrsreiheit berufen und behauptet, daß der Vortrag ein rein geschichtlicher gewesen sei, und da« Lehren der Geschichte doch erlaubt sei. Diesen Ausführungen des A»ge- klagten ist jedoch nur in beschränktem Maße beizupflichten. Was zunächst die Redefreiheit betrifft, so stand, resp. steht ihm dieselbe zu so lange er sich auf der Parlamentstribüne befindet; steigt er von dieser herab und besteigt die Rednertribüne einer anderen Versammlung, so muß er sich gefallen lassen, daß ein anderer Maßstab an seine Worte gelegt wird, und daß genau geprüft wird, inwieweit seine Worte gegen die Bestimmungen deS Straf- gesitzbuchcS verstoßen.— Auch die Lehrfreiheit muß sich in Grenzen halten und ein jeder Gefchichts-Vortrag muß, um al« solcher betrachtet werden zu kön- neu, in den Grenzen der Objektivität, des Doktrinären, bleiben, er muß die GeschichtS-Quellen aller Parteien benutzen und citiren und darf sich nicht hüllen in« Gewand der Leidenschaftlichkeit. Tritt der GeschichtS-Vortrag aus diesen Grenzen heraus, stützt er sich ausschließlich auf einseitige Quellen einer Partei und wird er mit der Erregtheit gehalten, welche der Angeklagte im Audienz- tennine und offenbar auch in jener Arbeiter-Versammlung an den Tag gelegt hat, so wird ein solcher Bortrag zu einem Partei- Vortrage; er verliert damit den Charak.er eines gewöhnlichen Ge- schichtövortrags und kann dann nicht mehr den Anspruch erheben, auf die Immunität eines objektiv gehaltenen, rein doktrinären LehrvortragS, muß sich vielmehr die Frage nach der Strafbarkeit gefallen lassen. Der Angeklagte hat nun die Grenzen eines ge- wöhnlichen LehvortragS bei Weitem überschritten, er hat über die Commune- Bewegung deS JahreS 1871 in Paris durchaus keine objektiven Mittheilungen gemacht, sondern hat sich mit auSge- sprochenstcr Parteinahme auf die Seite der Commune und der Communisten gestellt, hat diese Letzteren dargestellt als den un- schuldig leidenden Theil, ihre Gegner, die Verfailler, als die un- gerechten Sieger, welch: ihren Sieg nur ihrer Uebermacht zu verdanken gehabt hätten, gegenüber der helvenmüthig kämpfenden Minderheit der Commuttisten. Angesichts eine« solchen Verfahrens des Angeklagten kann er sich nicht wundern, wenn eine seines Vortrag« nach derMichtung hin vorgenomme'n wird, da» von ihm Geäußerte gesetzlich erlaubt ist oder nicht. Und d ein det »ei »b« ist Frage ist unbedingt zu verneinen, zumal wenn«tau Ott, i und begleitende Umstände berücksichtigt. Zweifelhafter würde> Verneinung der eben aufgeworfenen Frage sei», wenn der Vstsil schi in einer Versammlung von Gegnern der Commune gehal? St worden wäre. Der Angeklagte hat aber gesprochen vor" US hol Anhängern der Commune, und hat dabei ausdrücklich her»k am gehoben, daß die Commune- Bewegung weit hinausgehe Ä Pe Frankreich« Grenzen, er hat den CommunaliSmu« erweitert in t- seil Sozialismus, resp. beide Begriffe mit einander identifizirt,»- we hat beide Prinzipien dargestellt als tief wurzelnd in den Berhs-' der nissen aller kultivirten Länder, also auch Deutschlands, wel� der der Angeklagte vermuthlich doch auch zu dea kultivirten Länt$ 6. rechnet. de Anzuerkennen ist in dieser Beziehung, daß der Angeklagte nis niß den seichten Einwand gemacht hat, er habe lediglich von Fr«* rich reich gesprochen, es verbiete sich also eine Exemplisirunz»l an Deutschland von selbst. Im Gegentheil hat der Angeklagte vi: Di mehr diese Exemplisirunz selbst vorgenommen, vamtt aber � hör die Kritik seine« Vortrags nach dem deutschen Strafgesetzbo� Ol provocirt. � ben Betrachtet man von diesem Gesichtspunkte die einzelnen inl* Qr minirten Aeußerungen deS Angeklagten, erwägt man, daß er fojl ein- ganz ausdrücklich von französischen" Verhältnissen auf deutsche vnl Hältnisse hinübergesprungen ist, von„unseren Gegnern" gesproibs Bet hat, welche die Wahl zwischen Reform und Revolution hätten,! wu leuchtet ein, daß er die Commune- Bewegung in Frankreich � ßer der Arbeiter- Bewegung in Deutschland identifizirt hat und k* Or damit auch von selbst gegeben ist die Joentifizirung der sogena* sich ten Verfailler mit der sogenannten deutschen Bourgeoisie, w!� unl letztere der Angeklagte noch ganz expreß„unsere Gegner" neck zu Damit hat er sich auf den exklusiven Standpunkt eines Agitati!>ot der sozialdemokratischen deutschen Arbeiterpartei gestellt, nicht« Ge den Standpunkt eines unparteiischen GeschichtS-Lehrers; einem(' sink che» würde eS auch nicht anstehen, von„unfern„Gegnern"? ueh sprechen und von Rache ihnen gegenüber. Als die schönste Ra! wu hat der Angeklagte zwar Erreichung„unseres" Zieles auf fri* ang lichem Wege bezeichnet, er hat aber, anknüpfend an das Zltf He, stänvniß, daß die Commune auch Fehler gemacht habe, zwis« wei den Zeilen, resp. Worten hindurchlesen lassen, daß die R« Ge möglicherweise auch weniger sanftmüthig und weniger ideal �«nt fallen könne, und daß die schließliche Lösung der sozialen Fcd nick resp. die Art dieser Lösung von dem guten oder schlechten N Mit halten der herrschenden Klassen abhänge. Alle diese AeußenW ihr« sind absolut aufreizender Natur, und eS bleibt sich dabei kräs gleich, ob der Angeklagte außer dem oben Angeführten auch li*! Leipzig, 7. Oktober. Die in Nr. 112 deS„VolkSstaat" ent- aiäsl WteIie Abrechnung über die Unterstützungsgelder zum Strike der rs■ Kürschner hat in hiesigen Acbeiterkreisen und iu verschiedenen :n p' Blättern gerechte Entrüstung hervorgerufen. Auf unser Ansuchen »aß? ist unS vom Unterzeichneten, der dem Verbände der Kürschner itlsj»ngehört, die nachfolgende Aufklärung zugegangen:„Daß die er s- Kosten für daS Comit4 in S'/s Wochen sich auf 34 Thaler be- sätf laufen konnten und die Unterstützung für 5 Mann nur 17 Thlr. asft pctruz, wurde einfach dadurch möglich, daß die Kürschner in ihrem rarl� Äertraucnsdusel von einem College« Namens Friedrich Oertl, c hiz»Wohnhaft in der Lortzingstraße in Leipzig, der stets die Gelder an pe�stch nabm, betrogen wurden. Wenn aber in einer Leipziger eS li Druckerei gesagt wurde, daß Sozialdemokraten mit fremdem Gelde zu vOdie dieser Oertl gethan) wirtyschasteten, und man deshalb bei „Die Versammlung erklärt, daß es den einfachsten Ge- setzen der Gerechtigkeit und Billigkeit entspricht, daß unschul- dig oder unrechtmäßig Verhaftete nach Maßgabe deS Haft- pflichtgesetzeS entschädigt werden und zwar mit Heranziehung des Vermögens der schuldigen Beamten. „Die Versammlung� macht es allen Parteigenossen zur Pflicht, allüberall, wo sich ParlamentScandidaten präsentiren, diese zu fragen, ob sie diese nothwendigsten Garantien für die persönliche Freiheit der Staatsbürger mit allen Kräften zu erkämpfen gesonnen sind." Der Vorsitzende ertheilt nun Walster zum Schluß al« Referentea daS Wort, lleberwachender Polizeibeamter: Ich habe Herrn Walster das Wort entzogen und dulde nicht mehr, daß er spricht. Der Vorsitzende: Die Wortentziehung betraf vorhin einen ganz bestimmten Gegenstand und kann nur den Zweck gehabt haben, Herrn Walster abzuhalten, in seir er Erzählung fortzufahren. Jetzt w öffentlichen, um dessen Wahl als Stadtverordneter zu hintertreiben Als er seinen Prozeß wegen BerfassenS des ZeitgedichtS:„Das � ha»f sber alles nicht«, die Niederlage mußte solchen Tyaten ».«l..— 1.----„— w»— xuf*. folgen. Der Conflitt zwischen dem Stadtrath und den Stadtverord- neten ward so zugespitzt, daß die Stadtverordneten nicht umhin rothe Gespenst und die Cäsaren" und die Verhaftung erzählte, unterbrach der anwes nde Beamte den Redner und entzog ihm das Wort. Walster zum überwachenden Polizeibeamten: Sie,..„...,. �„ haben mir gar nicht das Wort zu entziehen, lleberwachender konnten, der Bürgerschaft Rechnung zu tragen, und so wurden alle Polizeibeamter mit lautem Geschrei und von seinem Sitze aus-'Aebelstände in sechs Exirabeilagen des„Cumuschauer Bürger- u. springend: Ich verlange vom Vorsitzenden, daß er dem Redner Bauernfceund" bloSgelegt. DaS Ankämpfen gegen die angegebenen das Wort entzieht— was aber erst nach wiederholter Forderung des Thaisachen hatte einen Prozeß zur Folge, der, wie man sich den- Beamten geschah. Der Vorsitzer, de entzog nun Walstern dasften konnte, mit der Verurlheilunz der betreffenden St rdtverord- Wort. Ungeheuere Aufregung in der Versammlung, laute Rufe: neten zu Gesängniß und Geldstrafen endete; natürlich ist Berufung Weitersprechen! Der Vorsitzende: Ich muß mich fügen; aber Sie sehen eben unsere politische Freiheit!(Lauter Beifall.) Hieraus verlas der Vorsitzende die Resolution, welche einstimmig zur An- nähme gelangte.— Sie lauiet: „Die heutige Versammlung erklärt, daß zu den ersten nothwendigen Garantieen der persönlichen Freiheit klare und streng begrenzte Bestimmungen über die Befugniß der Be- amten, zu verhaften und in Haft zu halten, gehören. „Die Versammlung erklärt weiter, daß die Befugniß der Beamten, zu verhaften und in Hast zu behalten, begrenzt werden muß durch scharfe Strafbestimmungen wegen Miß brauch der Ämtsgewalt! ') Wir bitten uns mitzutheilen, worin die angebliche„Gotteslästerung" bestanden haben soll. Das Urtheil ist uns ganz unbegreiflich. R. d. B. gegen dieses Crkenntmß eingelegt. Auf der andern Seite war unser Wahlsieg ein noch derberer Schlag. Der Bürgermeister Peucker, Stadtrath Ludwig-Wolf uuv Baumeister Bunge(schulhausbaulichen Aagedeakens) und noch mehrere„wohlverdiente" Polizeidiener verschwanden auf Nimmer- wiedei sehen. Peucker wurde Stadtrath in Leipzig und der Stadt- rath Ludwig-Wols wurde Bürgermeister tu Großenhain. Ge- nannter Wolf ist in diesem Orte wieder in Conflikl mit den Stadtverordneten, und wird sicherem Bernehmen nach sein Amt niederlegen, da ihm ohnedies von Meerane aus noch flott Prozesse gemacht werden, welche die Strafen, die ihn von Rechtswegen schon ereilt haben, noch vechängnißooller erscheinen lassen. Fielen die Communewahien schon günstig ans, so waren die ReichStagSwaHlen für unsere Nationalmiserabeln noch viel markerschütternder, da man streng genommen behaupten kann, daß kein Arbeiter für den Gegenkandidaten gestimmt hat. Als Beweis dienen die beiden Arbeiterviertel: in einem Bezirk wurden für Bebel 350 Stimmen, für Kaufmann Hennings(nationalliberal) 13, im andern Bezirk für Bebel 670, für Hennings nur 6 Slim men abgegeben. Selbst die zwei Dörfer, welche an Bteerane an- grenzen, legten für uns Zeugniß ab: In Krotenlaide 85 für Bebel und eine ungültige Stimme für Hennings. In Seifcrlitz (ein großes Dorf mit ca. 24 Bauerngütern) erhielt Bebel 105 und Hei nings nur eiue Stimme. Es würde zu weit führen, die Gründe alle anzuführen, warum gerade hier die Wahlen so gün- stig ausfallen, da wir doch ganz ohne agitatorische Kräfte sind, ja von außerhalb sogar etwas stiefmütterlich behandelt werden. Trotz alledem haben wir feit der Gcfangenhaltung Bebels keine Niederlage gehabt. Dies kann lediglich den Sympathien zugefchrie- bin werden, die für die Sozialdemokratie hier herrschen. Das Elend der hiesigen Weber, welches sich auch auf die an- dern Gewerke erstreckt, ist die Folge einer Ausbeutung, wie sie in keinem andern Orte betrieben worden ist. Durch die schlechten Waaren, welche hier angefertigt, und durch die niederen Löhne, die hier gezahlt werden, haben-die Fabrikanten zwar Reichthümer auf- gehaust, aber andrerseits haben sich auch die Arbeiter überzeugt, daß die Wirthfchast nicht so fortgehen kann. Ein Bild von der hier herrschenden Roth zu entwerfen, behalten wir uns auf eiue spätere Zeit vor. Daß die Geldnoth in allen Schichten der Ar- beiter- Bevölkerung sehr groß ist, das beweisen die ca. 700 Fami- lien, welche die sehr hohe Communeanlage für 1873 noch nicht bezahlen konnten, und alle der Auspfändung gewärtig sind. Vorstehende Zeilen haben noch sehr viel Lücken aufzuweisen, und werden wir nächster Zeit auf die Maßregelungen zu sprechen kommen, von denen auch wir nicht verschont geblieben sind. Hffenvach, 4. Oktober. Endlich wieder einmal ein Lebens- zeichen aus Offenbach! So werden sich die Parteigenossen sagen beim Lesen dieser Zeilen. Und in der That, wir sind im Rück- stände geblieben. Denn wenn unsere Partei sich an allen andern Orten in letzter Zeit sehr gerührt hat, so war dies hier gerade nicht der Fall. Erst am 29. September gelang es uns, eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung:„Die Reichsfeinde und ihre Bestrebungen" abzuhalten, wozu als Referent aufgestellt war C. Ulrich aus Braunschweig. Derselbe führte aus, daß der Widerstreit des sozialen Lebens alle Parteien zu erhöhter politischer Thätigkeit ansporne, daß aber die Zukunft der Partei der unter- drückten Klaffe, der Arbeiterpartei gehöre. Redner wies dann ferner nach, daß der Kampf zwischen dem Staat und den Ultra- montanen sich um die Oberherrschbft über das Volk drehe, die jeder der beiden Streiter für sich allein beanspruche. Ernst fei der Kampf keineswegs zu nehmen, da der Staat mit den Ultra- montanen sofort Friede schließen wird, sobald er ihrer bedarf ge- gen das erwachende Proletariat. Es sei deshalb Pflicht eines je- den Arbeiters, sich mit seinen Genossen zu verbinden und in ge- schloffenen Reihen gegen Beide Front zu machen. Es fei um so nöthiger, daß das Proletariat sich fest verbinde, weil die Macht- Haber am ärgsten und wirklich ernstlich die Verfolgung der Sozial- demokratie, als Vertreterin der Unterdrückten, betreibe, und da sie in dem thörigen Wahn befangen feien, eine Idee mit Verfolgungen tödten zu können. Redner erntete allgemeinen Beifall.» Mit Gruß Peter Müffig, Vertrauensmann. Würzturg, 30. September. Ringsum im Vaterlande der Feilitzsche, Stromer, Gehring und Comp, blüht die Reaktion so, daß unser freundliches Würzburg gleichsam wie eine Oase aus dieser Wüste der Polizeiwilltür herauSblickt, denn hier will weder der Stadtvater für uns agitiren, nrch übernimmt es eine königl. Polizeidirektion, unsere Sache durch Auflösung zu fördern; und so sind wir denn aus uns selbst angewiesen, was uns im Uebrigen auch gerade nicht sehr ärgert. ES wurden in letzter Zeit vcr- fchiedcne Volks- und Arbeiterverfammlungen abgehalten, in denen der Unterzeichnete referirte; und wenn auch die Partei einen«igent- lichen Zuwachs nicht erhielt, so wurden doch unsere Genoffen, die durch leidige Zerwürsniffe einzelner sogenannter Parteigenoffen, beinahe vollständig zersprengt waren, wieder gesammelt, und nach- dem jetzt unsere Reihen gesäubert sind, kann wieder weiter ge- gangen werden. Allerdings mußte durch derartige Vorkommniffe die Partei vor unseren Gegnern und der Oeffentlichkeit bloSgestellt werden, doch wenn nur unsere Genoffen am Orte jetzt ihre volle Pflicht thun, werden wir die Achtung der Bevölkerung unS in Kurzem wiederum gesichert haben. Ueber die oben angedeuteten Vorfälle zur Aufklärung unserer Parteigenossen Folgendes: Als sich durch die ReichStagSwahl mehrere hiesige Mitglieder Maßregelungen zugezogen hatten, stellte ein hier wohnender ver- mögender Parteigenoffe den größten Theil feines Kapitals zu dem Zwecke zur Verfügung, daß hier ein Schneidergeschäft eröffnet werde, welches erstens den Gemaßregelten Arbeit verschaffen, zweitens soviel»l« möglich die Löhne beffern, und drittens, nach- dem eine gewisse Summe ratenweise an den Darleiher zurückgezahlt, an die Partei resp. Gewerkschaft als Eigenthum übergehen sollte. Run wird man denken, daß Diejenigen, welche die Leitung des Geschäftes übernommen, alles aufgeboten hätten, um dasselbe zu heben und dem getroffenen Abkommen zu entsprechen. Doch weit gefehlt. Kaum saßen die Leutchen in der Wolle, als sie sich auch schon als die Herren aufspielten, die im Geschäft arbeitenven Parteigc- uossen auf schmäleren Lohn stellten, als dies in jedem anderen Judengeschäft der Fall ist, und als die alleinigen Eigenthümer des Ganzen auftraten. Um diese Zeit kam ich' nach Würzburg, und da ich bald die ganze Lage durchschaut hatte und außerdem auch bald fand, daß unter dieser Leitung daS Geschäft, statt sich zu heben, zu Grunde gehen müsse und wir dadurch dem Gelächter der Gesammtbewohnerschaft WürzburgS(die ja von Allem unter- richtet war) überliefert würden, wandte ich mich an den Darleiher des Kapitals, setzte ihm die Verhältnisse auseinander und forderte ihn aus, durch Aufnahme eines Inventars festzustellen, ob die Ge- fchäftSführung wirNich so fei, wie ich angegeben. ES war dieS jedenfalls der loyalste Weg, die Angelegerheit zu ordnen, und doch weigerten sich die beiden Firmaträger nicht nur gegen die Auf- nähme eine« Inventars, sondern wiesen dem Parteigenossen, der ihnen und der Partei mit dem Darlehen von über 6000 fl. hatte dienen wollen, die Thüre. Von jetzt an konnte eS einen Zweifel über die Art der Gesibäftsführung nicht mehr geben, und in der That stellte sich aus Intervention deS Handelsgerichts heraus, daß von der GefchäftSübernahme zu Anfang Juli bis Anfang Sep- tember eine Ueberschuldung des Geschäfts um 2,700 fl. ein- getreten war! Nachdem jetzt die Bücher geordnet und das Inventar genau fest- gestellt ist, hat sich dieses Deficit noch bedeutend vermehrt und ist für die zwei Monate vom Juli bis September, in welcher Zeit die Herren Dreißigacker und Deville das Geschäft führten, ein Verlust von 3,400 fl. gebucht, was durch Borlage der Bücher jederzeit bewiesen werden kann. Ob ein derartiger Verlust in dieser kurzen Zeit nur durch Geschäftsunkenntniß geschaffen werden kann, überlasse ich dem Ur- theilc der Leser. Die hiesigen Parteigenossen sind anderer Meinung (eine eigenthümliche Erscheinung bleibt es unbedingt, daß Deville sich in der Lage befindet, ein selbststaiidiges Geschäft ins Leben zu rufen, während er noch vor 2 Monaten arm wie eine Kirchen- maus gewesen sein soll), und haben die bisherigen Mitglieder, Dreißigacker und Deville, beide Schneider und von hier, auSge- schlössen und beantragen, daß die Behörden der Partei diesen Ausschluß auch bestätigen. Indem wir hiermit unsere Reihen wieder geordnet haben und nun mit aller Energie für die Kräftigung und Ausbreitung der Partei eingetreten werden muß, fordere ich alle hier am Orte wohnenden Mitglieder sowie die in den Orten: HeidingSseld, Dürrbach und Randersacker befindlichen Parteigenossen auf, ihre volle Schuldigkeit zu thun, damit wir bald wieder in achtung gebietender Zahl in den Kampf für die Menschenrechte eintreten können. Für hier finden die Versammlungen der Parteigenossen regel- mäßig an allen Montagen Abend» 8 Uhr im bayerischen Cas6 statt. Im Auftrage der Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Würzburg: C. F. Rick, per Adresse: SwiathSki, Herrenkleider- gefchäst, Ecke der Eichhorn- und Lochgasse. Ksbkeuz im September.(Wols'S Agitationsbericht.) Hin sichtlich meiner Agitationsreise von Chemnitz aus nehme ick Gelegen- heit, über eine Anzahl aufgelöster, nicht aufgelöster und verbotener Versammlungen dabei vorgekommener Konfiskationen und Verhaf tungen zu berichten: Anfangs August von Chemnitz abreifend, be- gab ich mich zunächst nach Schmölln, um in dortiger Gegend Volks- Versammlungen zu arrangiren und fanden solche zu Schmölln am 7., zu Ronneburg am lU, zu Gera am 11. August bei zahl reichem Besuche mit bestem Erfolge statt. Außerdem wohnte ich den Mitgliederversammlungen zu Gera am 3. und zu Ronneburg am 9. August bei. In Altenburg sollte eine Versammlung am 8. August stattfinden, eS wurde jedoch von dem dortigen Bevoll- mächtigten wegen zu kurzer Frist und ungünstiger Zeit von der- selben abgesehen. Zugleich suchte ich in Roda eine Versammlung zu Staude zu bringen, was aber durch die unzulängliche Postver- bindung nicht gelang, da die Nachricht dort zu spät ankam. Sonnabend den 15. August fand eine Volksveisammlung zu Pößnek statt und wenn dieselbe auch nicht so zahlreich besucht war, so war das Resultat ein um so erfreulicheres, da sich eine bedeutende Anzahl in die Partei aufnehmen ließ und sich somit eine Mitgliedschaft konstituirte. Sonntag den 16. August sollte eine Volksversammlung zu Oppurg im Weimarischen abgehalten werden, zu welchem Zwecke der Saal des Gasthauses zum„Grünen Baum" gemiethet war; der Wirth desselben sah sich jedoch ver- aulaßt, in Folge eines ihm vom Vorstande des landwirthschaft- lichen Vereins(Adam Winner) zugegangenen Schreibens, in welchem derselbe dem Wirthe drohte, von fernerer Benutzung feiner Lokali- täten abzusehen, falls er uns daS Lokal ablasse, seine Zusage zurückzuziehen. Da sich aber im untern Gastzimmer daselbst zur bestimmten Stunde eine Anzahl Pößneker und Oppurger Ge- sinnungSgenossen eingefunden hatten, begab man sich in den Garten deS Oppurger SchießhaufcS, um sich auf gemüthliche Weise zu unterhalten. Als wir daselbst Platz genommen hatten, ersuchten mich die Anwesenden, ihnen etwas zu erzählen. Ich kam diesem Verlangen nach und theilte einiges über die Lehren der verhaßten Sozialdemokraten mit. Gleich bei Beginn meiner Erzählung er- hoben sich die rings herum sitzenden Bourgois mit ihren Frauen von ihren Sitzen und stellten sich in dichter Reihe um ur S herum; trotzdem dieselben zuerst alles anwandten, eine Versammlung zu unterdrücken, lauschten sie jetzt mit Aufmerksamkeit aus jedes meiner Worte. AlS ich so nach ungefähr einstündigem Erzählen die Prin- cipien der Sozialdemokratie erläutert, und dieselben begeisterte Auf- nähme gefunden hatten, nahm der Förster Röder von Oppurg daS Wort zu der Frage, ob denn die Fleißigen den Nichtsthuern ihr sauererworbeoeS Eigenthum geben sollten? Ich entgegnete dem Manne, mich auf die Anwesenden berufend, daß ich während meiner Erzählung ausdrücklich einige Male darauf aufmerksam gemacht hätte, daß im freien Volksstaate die NichtSthucr erst recht nicht existiren könnten. Meine Aussage wurde selbst von dem Anhange deS Försters bestätigt. Doch jetzt brach die lang verhaltene Wuth unfrer gebildet sein wollenden Gegner loS; der Wirth deS Schieß- Hauses überfiel mich von ihinten, um mich aus dem Lokal zu werfen, es war mir jedoch ein LcichteS, mich von diesem Fleischkoloß zu befreien, desgleichen wurde noch ein anderer Parteigenosse thätlich infultirt und ihm die Kleidungsstücke zerrissen rc., wobei sich benannter Förster und ein Baumeister Walther von Röhm, der Wirth des Schießhauses, ein Materialwaarenhändler aus Oppurg und einige Andere auszeichneten. Der Skandal hörte nicht auf, bis der GenSdarm des betr. Orte« sich inS Mittel legte und zur Ruhe aufforderte. Er habe uns feine ganze Aufmerksamkeit geschenkt und jedes Wort vernommen, er habe aber nicht daS geringste Anstößige in denselben gefunden, sonst würde er schon eingeschritten sein; auch ein anwesender Pastor sah sich veranlaßt, die un« um- bellende Meute zur Ruhe zu ermahnen. Während wir trotz des WuthgeheulS unsrcr Gegner ruhig auf unfern Plätzen blieben, schienen dieselben nach kurzem Berathen zu der Ertenntniß ge- kommen zu sein, daß eS bei ihrer numerischen Schwäche besser sei sich zu entfernen. Nach einiger Zeit nahmen auch wir Abschied von den Oppurger Gesinnungsgenossen, welche reichlich Gelegenheit gehabt hatten, die Bildung der Honoratioren ihres Ortes kennen zu lernen; vorher bat sich der GenSdarm jedoch noch ein Most'- lscheS Liederbuch auS; ich gab ihm ein solches mit dem Raths, er sollte nur recht für dessen Verbreitung Sorge tragen. In Folge dieses Vorfalls erschien nun in eiuem Pößneker Blatte ein lügen- haster Bericht, nach welchem ich während meiner Erzählung unterbrochen worden fei, und daß wir das Lokal hätten verlassen müssen, worauf von Pößneker Genossen eine Berichtigung zur Veröffentlichung gelangte. Auf diese» hin erließ daS sürstl. Rentamt Oppurg eine Erklärung, welche mit außergewöhnlich großen Lettern im Annoncentheile besagten Blattes veröffentlicht wurde und folgendermaßen lautet:„Der Zutritt zu der hiesigen Schloß gartenwrrthfchaft war von jeher nur Personen au» den gebildeten Ständen gestattet, und der Wirth ist durch feine Instruktion an- gewiesen, sonstige Personen nickt zu dulden, ergo hat er ganz correct gehandtlt, wenn er mehrere der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ungehörige Personen au» dem Lokale fortgcwiefen hat.(Folgt die Strafandrohung betr. HauSftiedenSbruchS)." ... Ein folckcS Vorgehen war selbst unsern grimmigsten Gegnern unerhört, wie auS dem„Arnstädter Tageblatt" ersichtlich, in welchem sich ein G. B. also vernehmen läßt:„In Folge derselben — der obigen Vorfälle— bringt ein fürstliches Rentamt zu Oppurg eine kostbare Erklärung, die ebenso gut in Schilds wie in Krähwinkel geschrieben sein könnte.(Ich glaube Oppurg ist eine Besitzung de» Fürsten Hohenlohe.) Man braucht nicht Sozial- demokrat zu fein, um einen derartigen Eilaß des fürstl. Rentamt» zu Oppurg sehr lächerlich zu finden. So lange sich Jemand an- ständig beträgt, gehört er doch den gebildeten Ständen an? Over»» giebt eS in Oppurg eine Klassifikation der Stände nach ihrem" Vermögen und Beruf oder äußern Abzeichen an der Kleidang wie ve in China?"— Soweit das„Arnstädter Tageblatt.«»o Montag den 17. August sollte eine Volksversammlung zu r11 Uhlstädt stattfinden, bei meinem Erscheinen fand ich jedoch eine s solche nicht einberufen; ich begab mich deshalb zunächst nach Saal-ftr feld, wo deu 18. August eine Versammlung stattfinden sollte; als ich zu diesem Zwecke Abends im Schießhause anwesend wrr, er* schien ein Schreiber der dortigen Bürgermeisterei mit 2 Polizei-« beamten und erklärte mir, daß, da die Anzeige der Versammluug von meiner Seite unterblieben fei, dieselbe nicht stattfinden dürfe. Auf meine Bemerkung, daß im Meiningschen überhaupt eine An-s> Meldung nicht zu geschehen brauche, da eine gesetzliche Bestimmung � in dieser Beziehung nicht existirc, entgegnete ver Beamte, daß sei egal, hier gehe es wie bei den Advokaten, man könne die Sachen drehen wie man wolle. Dieser Zwischenfall war um so bedauer- licher, als ein massenhafter Zizug zur Versammlung stattfand.-. Die anwesenden Bourgeois, anstatt empört zu sein über ein solch X willkührliches Verfahren, lachten sich ins Fäustchen. Sie hatten�" jedoch die Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn während sie� mit der Polizei jubelten, saßen wir schon längst in einem ander»! Saale, und nahm ich hier Gelegenheit, den sehr zahlreich Erschienenen. Mancherlei zu erzählen. Doch die Polizei halte von unserm„hoch- verrätherischen" Vorhaben Wind bekommen, denn dieselbe erschieateij auf einmal in Gestalt der drei vorbenannten Beamten; da ichbur jedoch gerade erzählte, wie man Unterhaltungen recht amufautlest, machen könne, so mochte wahrscheinlich auch die Polizei nicht un-iha gemüthlich werden. Zwei Beamte zwängten sich in daS bichtbe-pen: setzte Lokal, Einer blieb draußen. Die Unterhaltung hatte ihren«»« ruhigen Fortgang und auch M. Schulze auS Rudolstadt betheiligteian! st» an derselben. Erst als ich einen von Lüge und Unsinn strotzen-ilttii den Artikel eines BourgeoiSblatteS vorgelesen hatte und die Lügen io'nze Wahrheit übersetzte, fuhr der Polizei-Wachtmeister auf und beAg merkte, daß seien nun doch vollständige Vorträge, die dürfe erfttoi nicht gestatten; auch der außen lauernde Polizeimann sprang inSf»»� Lokal, ein Gleiches zu bestätigten, woran wir unS jedoch w-nig"w kehrten.(Schluß folgt.)»els -i« ;,t 1 thlr. 5, Schr. 6 gr Schnvr Mannheim Ab. 12 thlr. 19. 5. Wfhpt,,/' Ravensburg jSchr. 9 thlr. 22. 1. H. F. W. Schlj Hamburg Ab.!' 50 thlr. A. Thl Wien Ab. 2 thlr. 4. Stgr New-Iork Ab. 2 thlr. 2ft!� Ihn Altona Ann. 7 gr. A. Knllgr Gr. Gerau Swr. 21 gr. H. Hrr�ei Thlhm Schr. 1 thlr. Arb.-Berein Gohlis Ann. 22 gr. Arb.- Berein�iiss Thonberg Ann. 16 gr. 5. Arb.-Berein Großgchocher Ann. 17 gr. V Schr. 15 gr. W. Mllr Mannheim Ab. 7 thlr. 15, Schr. 1 thlr. 2l 2>dew Allg. d. Schneideroer. hier Ann. 1 thlr. Sämmtl. Gewerlschasien hiechort Ann. 7 gr. Bchhm hier Schr. 9 gr. 8. S. Goihr Großenhain Schrjny, 6 thlr. 15. I. Sch Wien Schr. 17 gr._ F. Lßlr Wien Ab. 4 thlr.!| Food für Gemaßregelre. B4w Bom Personal der Genossenschaslsbuchdruckerei hier 2 thlr..,». Bieg. ht«r 12 gr.___________________ Hdlch. 1 GenoffenlchaftSbuchdruckcrci. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten serner: In Gohlis Th. 10 thlr. Hdlch. Anzeigen zc. Die rechts in[] angegebene Ziffer ist dv" Preis der betreffenden Annonce. Leipzig Soziaidemokralischcr Arbeiterverein. ty,, Donnerstag, den 15. Oltbr.: Bersammlung in der(8e� sellschaslshalle. Mittelstraße.— Bortrag über Punkt 9 de» Programm«„c' Abichaffung aller indirekten Steuern zc.— Referent: Friedrich.-'T„ Sozial-polischer Wochenbericht. Referent: Friib.' l- Zu pünktlichem und zahlreichem Erscheinen fordert auf Der Vorstand,[lfoch ftpitlttrt Gewerkschaft der Holzarbeiter. Donnerstag, bei Zeidler: Ausschnßfitzunz de» abgegangenes und neugewählten Ausschusie«.'iß NB. Sonnabend Gewerkschafts- Versammlung. sfjttt be, Leipzig Gewerkschafts- Borstände. Freitag, den 16. Oktober c.. Abend« halb 9 Uhr s«mmenkunft bei Fröhlich, Nikolaistraße(goldner Ring) K. Saarbrücken. Zwei Korbmachergesellen aus Gestell und geschlagene Arbeit könnet osorl eintreten bei(2a) Hermann Marx, Sorbfabrikaat.[VjA Am 25. September d. I. starb in seiner Heimath Ahausetz am Bodensee nach langem Leiden unser corcespondirende« Mitglied Stephan Sorg.s Er war un» lieb und werth, nicht blos als ein strebsamer Jüngts unfrer Kunst, sondern auch als Mensch von seltener Herzensgüte, liebend würdigster Bescheidenheit und treuer Anhänglichkeit an seine Freunde. Für alle« Schöne, Wahre und Edle empfänglich, wie der Berstorbei war, bis Leib und Leben durch harte Arbeit brachen, bleibt er uns i liebem Andenken, und in gerechter Trauer beklagen wir sein alljusrühei Scheiden. Die„Stenographische Sektion im Arbeiter- BtldungS-lverein zu Leipzig".(3 VolkSstaatkaleilders für 1375. Derselbe enthält außer dem bekannten Kalendarium(dem diesmal der katholische Kalender beigefügt ist), ein Berzeichniß der Messen Märkte Deutschlands. Literarischer In« alt: Die Hanauer Turner im badisch-rheiupsälzischrn Aufstände 1849 nach den Papieren ihre» Eorpsadjutanten, de» verstorbenen Alber Dammerow. Bon dem noch lebenden Sigismund BorkheiU Batteriechef in der badisch-rheinpfälzischen Rebellenarmee; Rothe Oster« historisches Gemälde au« dem Bauernkrieg, von Robert Schweich� Wo liegt die Rettung? Aus dem Tagebuch eine« Sozialisten, v«. Otto Walster. Zur Grund und Bodenfrage. Verschiedene«." Preis 3t/z Gr. gegen baar. Bestellungen hierauf an die Buchhandlung de»„Bolksstaat" zu adresfirN dl ."st Ferner ist eine kleine Partie Volksstaatkalendcr für 1874 in Folge Remissionen noch auf Lager. Preis pro Exemplar 2'/, Gr. Leipzig. Die Buchhandlung des„Volksstaat" *»d 'de, "tt, Verantwortlicher Redakteur: M. Preißer(Lindenau).'st f Redaktion Hohestr. 4, Expedition Zeitzerstr. 44, in Leipzig.«hiy Druck und Verlag der SeuosienschaftSbuchdruckerei in Leipzig.