ImL Erscheint in Leipzig P.�'�woch, Freitag, Sonntag. ani'Bestellungen nehmen an alle > A�Postanstalten u. Buchhand- sa»«lmqen deSJn- u.Auslandes. ' Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: äI-, F. A. Sorge. i(en, Box 101 Hoboken, N. J. t»L � Peter Haß, »V. Loruer Ibirck anck iithl» eoates str. k'bilaäelpbiu. erld erli ZH thlr Schr, lr.Ä trt» Abonnementsprei« Z für ganz Deutschland 16 Sgr. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2ten u. öten Monat und auf dm 3ten Monat besonders an- genomnien; im Kgr. Sachsm u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat deS Quartals ä ö'/a Sgr. Drglm der sgzialdemokratischenArbetterparteimd der wternattonalenGeverksgenossenschasten. Zaserate, die Abhaliimg»on Partei-, Verein», und VollSversammlanzm, sowie die Filtal- Expeditionen und sonstige Partei- Angelezenheiten betrefjeud, werden mit 1 Ngr.,— Privat- nud Vergnügung«- Anzeigen mit 2'/, Ngr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet i Mr. 147. fLlr Kreitag, 18. Aezemöer. 1874. �thüllvvgrn über den Komwunisteu-Prozeß zu Köln.�raulaßk:„es sei kein objektiver Thatb-staud vorhanden.» Er geht __ y Ö weiter. Er sucht nachzuwetsen, daß das Gesetz gegen Komplott v�chtulM überhaupt keinen Thatbestand verlangt, sondern ein reines Tendenz- VII. DaS Urtheil. gesetz ist, also �die Kategorie deS Komplotts nur ein Vorwand ist, Sein Ber- Vi In dem Maaße, wie die Polizei Mysterien sich aufklärten, er- lärte sich die öffentliche Meinung für die Angeklagten. Als der — betrug des Originalprotokollbuchs enthüllt war, erwartete man 'llgemein die Freisprechung. Die„Kölnische Zeitung" sah sich '"�»anlaßt, eine Kniebeugung vor der öffentlichen Meinung und 'ine Wendung gegen die Regierung zu machen. Kleine, den An- »eklagten günstige, und den Stieber verdächtigende Notizen ver- rrten sich auf einmal in Spalten, die früher nur den Polizei- Insinuationen offengestanden hatten. Die preußische Regierung elbst gab die Parihie verloren. Ihre Correspondenten in„TimeS" jrifanb„Morning- Chronicle" begannen plötzlich die öffentliche Meinung :r„6l£tS Auslandes auf einen ungünstigen AuSgang vorzubereiten. Wre .�.verderblich und ungeheuerlich die Lehren der Angeklagten, wie ab- ' Neulich die bei ihnen vorgefundenen Dokumente auch fein möchten, �r�stfächliche Beweise eines Complott» lägen nicht vor, eine Ver- !t. urtheilung sei daher kaum wahrscheinlich. So kopfhängerisch re- signirt schrieb der Berliner Correspondent der„Times», das servile ad-Lcho der Befürchtungen, die in den höchsten Kreisen der Spree- _0Rabt cirkulirten. Um so auSgelasiener war der Jubel des Byzan- Uhtinijchen Hofs und seiner Eunuchen, als der elektrische Telegraph l'bas„Schuldig" der Geschwornen von Köln nach Berlin blitzte. Mit der Enthüllung deS ProtokollbuchS war der Prozeß in ,iin neues Stadium getreten. Es stand den Geschworenen nicht — Ivehr frei, die Angeklagten schuldig oder nichtschuldig, sie mußten i Jetzt die Angeklagten schuldig finden— oder die Regierung. Die �iAngeklagteu freisprechen hieß die Regierung verurtheilen. � In seiner Replik auf die VertheidigungSreden der Advokaten mKefj Prokurator Saedt das Originalprotokollbuch fallen. Er wolle flicht von einem Dokumente Gebrauch machen, an dem solch ein Makel haste, er selbst halte es für„unecht", es sei ein„unseliges" ,n»rforiginalprotokollbvchs fiel die Echtheit der von Stieber beschwöre- l$den Aussage deS Cherval zu Paris, auf die Saedt in seiner Replik noch einmal zurückkommt, fiel alles Thatsächliche, was die ' angestrengteste Thäügkeit aller Behörden des preußischen Staats tvährend l'/a Jahren aufgestiebert hatte. Die auf den 28. Juli Angekündigte A'stsenverhanclung war für drei Monate sistirt wor- den. Warum? Wegen Krankheit des Polizei-DirektorS Schulz. Und wer war Schulz? Der ursprüngliche Entdecker des Original- sllprotokollbuchs. Gehen wir weiter zurück. Januar und Februar ""'1852 waren Haussuchungen bei der Frau Doktor Daniels ge� halten worden. Auf welchen Grund? Auf Grund der ersten kni�eiten des Originalprotokollbuchs, die Fleury dem Schulz über- f'Äandt hatte, die Schulz an das Polizeidirektorium in Köln, die Polizeidirektorium zu Köln an den Untersuchungsrichter ge- -fangen ließ, die den Untersuchungsrichter in die Wohnung der Frau �-.pdoktor Daniels führten. ?vl Trotz des Komplottes Cherval hatte der Anklagesenat im Oktober 1851 noch immer nicht den mangelnden Thatbestand ge- tuden und daher auf Befehl des Ministeriums eine neue Unter- chung angeordnet. Wer führte diese Untersuchung? Polizei- Mireltor Schulz. Schulz also sollte den Thatbestand finden. Was M-isand Schulz? Das Oriainalprotokollbuch. Alles neue Material, ües�a« er hcrbeisckaff'e, beschränkte sich auf die losen Blätter des �otokollbuck«, die Slicber nachher vervollständigen und zusammen- ...binden ließ. ihwölsmonatlicheS Zellengefiingniß für den Ange- um dem Originalprotokollbuch die nöthige Z-it zur Ge- „ftburt und zum WachSthum zu geben. Bagatellen, ruft Saedt, «fld findet schon darin den Beweis der Schuld, daß Vertherdrger bn'ünc Angeklagte acht Tage brauchen, um einen Augiasstall zu l-eren, den voll zu macheu alle Behörden des preußrschen Staats l'/s Jahr lang bemühen und die Angeklagten 1 z Jahre sitzen. 3)gs Originalprotokollbuch war kein einzelner Jnadenzpunkt, es �Vr der Knotenpunkt, worin alle Fäden der RegierungSthätigkert Zusammenliefen, Gesandtschaft und Polizei, Ministerium und Ma- �Whtttur, Prokuratur und Postdireltion, London, Berlm und Köln. ts�as Originalprotokollbuch machte so viel zur Sache, daß eS er- fflnden wurde, um überhaupt eine Sache zu machen. Couriere, Depeschen, Postunterschlaguugen, Verhaftungen, Meineide, um das .�tjginalprotokollbuch aufrecht zu erhalten. Falsa, um eS zu [•Haffen, Bestechungsversuche, um eS zu rechtfertigen. Das enthüllte Mysterium des Originalprotokollbuchs war daS enthüllte Mysterium biS MonsterprozeffeS., ' Ursprünglich war die wunderwirkende Intervention der Polizer �"»thig gewesen, um den reinen Tendenzcharakter deS ProzeffeS zu i-a��ärken. Die bevorstehenden Enthüllungen, so eröffnete Saedt sie Ve, Handlung— werden Ihnen, meine Herrn Geschwornen, �"»eisen, daß der Prozeß kern Tendenzprozeß ist. Jetzt hebt er .j1'« Tendenzcharaktkr hervor, um die Polizeienthüllungen vergeffen iu machen. Nach der IV- lahngen Voruntersuchung bedursten die hworenen eines objektiven Thatbestandes, um sich vor der -"�iintlichen Meinung zu rechtfertigen. Nach der fünfwöchentlichen Mizeikomödie bedurften sie der„reinen Tendenz«, um sich aus *?*> thatsächlichen Schmutz zu retten. Saedt beschränkt sich daher '•ht nur auf das Material, daS den Anklagesenat zu dem Urtheil um politische Keyer in Form Rechtens zu verbrennen. such versprach größern Erfolg durch Anwendung deS nach der Ver- hastung der Angeklagten promulgirten neuen preußischen Straf- gesetzbucks. Unter dem Vorwand, dies Gesetzbuch enthalte mildernde Bestimmungen, konnte der servile Gerichtshof dessen retroactive Anwendung zulaffen. War aber der Prozeß ein reiner Tendenzprozeß, wozu die IV- jährige Voruntersuchung? Aus Tendenz. Da es sich also einmal um Tendenz handelt, sollen wir nun die Tendenz prinzipiell mit einem Saedt-Stieber-Seckendorf, mit einem Göbel, mit einer preußischen Regierung, mit den 300 meist Besteuerten deS Regierungs-Bezirks von Köln, mit dem königlichen Kammerherrn von Münch-Bellinghausen und mit dem Freiherrn von Fürstenberg diSkutiren? Pas si bete. Saedt gesteht,(Sitzung vom 8. November)„daß als ihm vor wenigen Monaten der Auftrag zu Theil wurde und zwar durch den Hrn. Oberprokurator, das öffentliche Ministerium mit ihm in dieser Sache zu vertreten, und als er in Folge deffen die Akten durchzulesen begann, er zuerst auf die Joee kam, sich mit dem Kommunismus und Sozialismus etwas näher zu beschäftigen. Er fühlte sich deshalb um so mehr gedrungen, den Geschworenen da« Resultat seiner Nachforschungen mitzutheilen, als er von der Unterstellung ausgehen zu dürfen glaubte, daß vielleicht manche unter ihnen, gleich ihm, sich damit noch wenig beschäftigt hätten." Saedt kauft sich also das bekannte Kompendium von Stein. „Und was er heute gelernt, das will er morgen schon lehren." Aber daS öffentliche Ministerium hatte ein eigenthümliches Unglück. ES suchte den objektiven Thatbestand Marx und eS jand den objektiven Thatbestand Cherval. Es sucht den KommuniS- muS, den die Angeklagten propagiren, und es findet den KommuniS- mns, den sie bekämpft haben. Im Kompendium Stein finden sich allerdings allerlei Sorten Kommunismus, nur nicht die Sorte, die Saedt sucht. Stein hat drn deutschen, den kritischen Konrattr niSmuS noch nicht registrirt. Allerdings befindet sich in Saedt'S Händen daS„Manifest der kommunistischen Partei", daS die An- geklagten als daS Manifest ihrer Partei anerkennen. In diesem Manifest befindet sich wieder ein Kapitel, daS die Kritik der ganzen bisherigen sozialistischen und kommunififfchen Literatur, also der ganzen von Stein registrirten Weisheit enthält. Aus diesem Kapitel muß sich der Unterschied der angeklagten kommunistischen Richtung von allen früheren Richtungen deS Kommunismus er- geben, also der specistsche Inhalt und die specifische Tendenz der Lehre, gegen die Saedt requirirt. Kein Stein half bei diesem Stein des Anstoßes. Hier mußte man verstehen, sei es auch nur um zu verklagen. Wie hilft sich nun der von Stein im Stiche gelaffene Saedt? Er behauptet:„Das Manifest besteht aus 3 Abschnitten. Der erste Abschnitt enthalte eine historische Eni- Wicklung der gesellschaftlichen Stellung der verschiedenen Bürger(!) vom Standpunkt des Kommunismus,(very fine).... Der zweite Abschnitt entwickele die Stellung der Kommunisten gegenüber den Proletariern..... Endlich im letzten Abschnitt werde über die Stellung der Kommunisten in den verschiedenen Ländern ge- handelt..�..!(Sitzung vom 6. Nov.) DaS Manifest besteht nun allerdings aus 4 Abschnitten und nicht aus 3, aber was ich nicht weiß, macht mich nickt heiß. Saedt behauptet daher, es bestehe auS 3 Abschnitten und nicht aus 4. Der Abschnitt, der nicht für ihn besteht, ist derselbe unselige Ab- schnitt, der die Kritik deS von Stein protokollirten KommuniS- muS, also die specifische Tendenz deS angeklagten KommuniS muS enthält. Armer Saedt! Erst fehlt ihm der Thatbestand, jetzt fehlt ihm die Tendenz. Aber grau, theurer Freund, ist alle Theorie. Die„sogenannte soziale Frage, demerkt Saedt, und ihre Lösung hat in neuerer Zeit Berufene und Unberufene beschäftigt." Saedt gehört jeden- falls zu den Berufenen, denn der Obcrprokurator Seckendorf hat ihn amtlich vor 3 Monaten zum Studium des Sozialismus und Kommunismus„berufen". Die Saedt'S aller Zeiten und aller Orten haben von jeher darin übereingestimmt, den Galiläi für „unberufen" zur Erforschung der Himmelsbewegung, den Jnqui- sitor aber, der ihn verketzerte, für„berufen" zu erklären. E por si nrnove. In den Angeklagten stand den als Jury herrschenden Klaffen daS revolutionäre Proletariat waffenlos gegenüber; die Angeklagten waren also verurtheilt, weil sie vor dieser Jury standen. WaS daS bürgerliche Gewiffen der Geschworenen einen Augenblick er- schüttern konnte, wie es die öffentliche Meinung erschüttert hatte, war die bloSgelegte Regierungs-Jntrigue, die Corruption der preußischen Regierung, die sich vor ihren Augen enthüllt hatte. Aber, sagten sich die Geschworenen, aber wenn die preußische Re- Sierung so rnfame und zugleich so waghalsige Mittel gegen die lngeNagten nSkirt, wenn sie so zu sagen ihren europäischen Ruf auf S Spiel gesetzt hat, nun dann müssen die Angeklagten, kleine Partei so viel man will, verdammt gefährlich und jedenfalls muß ihre Lehre eine Macht sein. Die Regierung hat alle Gesetze des Criminalcodex verletzt, um uns vor dem criminellen Ungeheuer zu schützen. Verletzen wir unsererseits unser bische» point d'honneur, um die Ehre der Regierung zu retten. Seien wir dankbar, ver- urtheilen wir. Rheinischer Ädel und rheinische Bourgeoisie stimmten mit ihrem Schuldig w den Schrei ein, den die französische Bour- geoisie nach dem 3. Dezember ausstieß:„nur noch der Diebstahl kann das Eigenthum retten, nur noch der Meineid die Religion, nur noch das Bastardthum die Familie, nur noch die Unordnung die Ordnung!" Das ganze StaatSgebäude hat sich in Frankreich prostituirt. Und doch hat sich keine Institution so tief prostituirt, wie ftanzö- stsche Gerichtshöfe und Geschworene. Uebertreffen wir die ftanzösischen Gechworenen und Richter, riefen Jury und Gerichtshöfe zu Köln. In dem Prozeß Cherval, unmittelbar nach dem Staatsstreich, hatte die Pariser Jury den Nette freigesprochen, gegen den mehr vorlag als gegen einen der Angeklagten. Uebertreffen wir die Jury des Staatsstreichs vom 2. Dezember. Verurtheilen wir in Röser, Bürgers ic. nachträglich den Nette. So ward der Aberglaube an die Jury, der in Rheinpreußen noch wucherte, für immer gebrochen. Man begriff, daß die Jury ein Standgericht der privilegirten Klaffen ist, eingerichtet, um die Lücken des Gesetzes durch die Brücke des bürgerlichen Gewiffens auszufüllen. Jena!... das ist daS letzte Wort für eine Regierung, die solcher Mittel zum Bestehen und für eine Gesellschaft, die solch einer Regierung zum Schutz bedarf. Das ist das letzte Wort deS Kölner Kommunistenprozesses... Jena! Fremdwörter-Erklärung: kalsa, Fälschungen; promulgiren, al» in Gesetzkraft stehend verkündigen; retro aktiv, rückwirkend; pas si böte, nicht so dumm; propagiren verbreiten; very fine, sehr schön; e por si rnuove, und sie bewegt sich doch; point ü'bonueur, Ehrenpuukt, Ehrgesühl. Die Rede Jörgs, welche den Anlaß zu der ReichStagsscene des 4. Dezember gab, und über welche die Rcptilienpreffe so niederträchtig gelogen hat, lautet, mit We staffung der einleitenden Worte, nach dem amtlichen stenographischen Bericht wie folgt: Es ist am Ende doch für keinen Unbefangenen zu feugnen, daß gerade im Laufe dieses Jahres in der Leitung der auSwärti- gen Angelegenheiten des Reiches in sehr greisbarer Weise ein per- sönliches Regiment zu Tage getreten ist. Wir haben erst in de» letzten Tagen vom BundeSrathStische selbst gehört, daß die mensch- lichen Schwächen ja allen Dingen ankleben. DaS persönliche Re- giment hat seine bedenkliche Seite, und wenn es auch von der genialsten Persönlichkeit getragen wird. Ja, ich behaupte sogar, je genialer der Träger, desto mehr ist er bedenklichen Zufällen, Anfällen, außerordentlichen Einfällen mitunter ausgesetzt.(Heiter- keit.) Ja, eS ist meine Ansicht, und ich glaube, daß die Geschichte daS lehrt, daß die sogenannten Säkularmenschen mitunter in ge- wiflen Momenten, entsprechend ihrer koloffalen Erscheinung, auch ganz koloffalen Fehlgriffen ausgesetzt sind, uud da meine ich nun, meine Herren, der Artikel 8, Absatz 3 der ReichSverfaffung,(der- selbe lautet:„Außerdem wird im BundeSrathe aus den Bevoll- mächtigten der Königreiche Baiern, Sachsen und Württemberg und zwei, vom BundeSrathe alljährlich zu wählenden Bevoll- mächtigten anderer Bundesstaaten ein Ausschuß für die auS- wältigen Angelegenheiten gebildet, in welchem Baiern den Vorsitz führt."(Dieser Ausschuß ist, wie Jörg mit Recht rügt, und waS feine Angriffe vollkommen rechtfertigt, im laufenden Jahr noch gar nicht, überhaupt in Allem erst ein einziges Mal, und zwar bei einer unbeoeuteuden Gelegenheit(Japan betreffend!) versammelt und in Funktion gewesen.) enthält sehr viele Weisheit, denn wie ich in den Absatz verstehe, so soll eS eben den Vertretern der übrigen. Bundesstaaten möglich fein, mäßigeno!, beruhigend einzuwirken, wenn ich so sagen darf„die Milch der frommen DenkungSart" einzugießen.(Heiterkeit.) Und, meine Herren, von diesem Artikel haben wir bei uns in Süd- deutschland sehr viel, wir sind eminent friedliebende Leute. Jedenfalls aber bin ich der Meinung, daß auch an diesem Punkte wieder der KausalnexuS mit dem Absatz 2 Artikel 11 de, ReichSverfaffung einleuchtet, denn eS soll eben dadurch vermiede, werden, daß der BundeSrath eines schönen Morgens vor der un- endlich peinlichen Situation stehe, die wir im baierifchen Land« tage von 1866 ausgestanden haben, damals, als hin und her diskutirt wurde über die Frage, ob und wie weit zu unterscheiden sei zwischen dem Angreifer und dem Friedenrichter und dem Nr- Heber deS Friedensbruchs. Ich glaube, meine Herren, daß ich mich Ihnen durch ein paar Beispiele noch deutlicher machen soll. Als der neugewählte Reichstag im Februar dieses Jahres hier zusammenkam, da war die ganze diplomatische Welt und insbe- sondere Berlin voll von dem„kalten Wasserstrahl«, den der Herr Reichskanzler damals in das Versailler Kabinet gerichtet hatte. Der Ausdruck von dem kalten Wasserstrahl rührt nicht von mir her, sondern von dem Herrn Reichskanzler selbst und zwar aus einer Unterredung, deren der Herr Reichskanzler einen fahrenden Publizisten au« dem Magyarenland gewürdigt hatte. Der kalte Wasserstrahl bestand bekanntlich in einer Depesche, welche von dem hiesigen auswärtigen Amt dem Kabinet von Versailles, dann aber, wenn anders den inspirirten Organen von damals zu glauben war, auch den anderen Kabinetten insinuirt wurde, des Inhalts: wenn es sich herausstellen sollte, daß es für da» deutsche Reich nicht möglich sei, mit dem westlichen Nachbar in einem dauernden Frieden zu leben, dann würde man in Berlin nicht etwa ab- warten, bis die Franzosen vollkommen zum Losschlagen gerüstet wären, sondern man würde den geeigneten Moment felbst wählen und die Initiative ergreifen.(Sehr richtig!) Sehr richtig sagen Sie, meine Herren, und ich sage auch so. Ich finde diese Sprache in der That ganz praktisch. Aber was war denn der Grund, da» Motiv, weshalb man im auswärtigen Amte annehmen zu müssen flUufcte, daß mit dem westlichen Nachbar in Frieden sehr wahrscheinlich nicht zu leben sein nach Angabe der bereits von mir erwähnten Organe war cS die Thatsache, daß ein paar französische Bischöfe Hirtenbriefe erlassen hatten in dem bekannten schwungvollen Stil, der nun einmal dem französischen National-Charakcer liegt, und daß sie in diesen Hirtenbriefen die Lage des Oberhauptes der katholischen Kirche, wie auch den deutschen„Kulturkampf" in einer Weise besprochen hatten, welche im auswärtigen Amte zu Berlin allerdings nicht gefallen konnte. E« hat mir, nebenbei gesagt, auch nicht gefallen Daraus aber hat man den politischen oder diplomatischen Schluß gezogen: Nachdem das deutsche Reich die sogenannten Ultramon tanen bis zur Vernichtung bekämpft, kann es nicht dulden, daß irgend eine benachbarte Macht dem Ueberwuchern des Ultramon- taniSmus ruhig zusehe, wenn nicht gar denselben befördere; daS Letztere hat das französische Kabinet gethan und eS beweist, daß eS noch fortwährend dasselbe thnt, indem diese Bischöfe nicht ein mal vor Gericht gezogen worden sind. Nun bin ich der Meinung, daß das gerade ein Fall ge- Wesen wäre, der sich ganz eminent für den diplomatischen AuS schuß geeignet hätte; denn das unterliegt doch gar keinen Zweifel, daß eine solche Argumentation auf daS Allerdirekteste dem Nicht- interventionSprinzip widerspricht, welches die erste kaiserliche Thron rede proklamirt und der erste deutsche Reichstag in unmöglich noch feierlicherer Weife sanktionirt hat. Wenn es meine Herren, zum Kriege gekommen wäre, über eine solche flagrante Einmischung in die innersten Angelegenheiten einer fremden Nation— so flagrant, wie eine flagrantere ohne Zweifel nie da war und nie mehr wird kommen können—(Oho! Sehr richtig!)— das wäre nicht nur ein Interventionskrieg gewesen, das wäre— die öffentliche Meinung fremder Völker, namentlich die Englands, hat daS alsbald herausgefühlt— ein Religionskrieg gewesen.(Oho! Sehr richtig!) Es freut mich, meine Herren, wenn die Laute, die an mein Ohr schlagen, mir beweisen, daß vor dem Wort ReligionS krieg im 19. Jahrhundert auch Sie sich entsetzen. Aber so wäre es gekommen und hätte eS kommen müssen; denn nach dem natür lichen Gange der Dinge läßt sich die Ursache in der Wirkung nie malS verleugnen.(Sehr richtig!) Ein zweiter Fall, meine Herren. In den Tagen, als aus Anlaß der Frevelthat eines halbverrllckten Menschen in Kissingen (Rufe: Er war gar nicht verrückt!) ein guter Theil der deutschen Denkernation nahezu in'S Deliriren gerathen war,(Sehr richtig!) in diesen Tagen ist die spanische Jnterventionsfrage vom Himmel gefallen. Ich sage mit Bedacht Jnterventionsfrage, denn nach Allem, was ich in der maßgebenden Presse, uanentlick Berlins, gelesen habe, hat es sich anfänglich allerdings um die Absicht ge- handelt. Erst nachträglich haben die eben gedachten Organe Wasser in ihren Wein geschüttet und haben sich begnügt mit der diplomatischen Anerkennung der revolutionären Diktatur in Spanien, eines ManneS, mit dessen Namen ich meinen Mund nicht in kommodiren will.(Unruhe links. Sehr richtig! im Centrum.) Nun, meine Herren, sehen Sie, an diesem spanischen Fall, an dieser spanischen Jnterventions- oder AnerkennungSfrage— heißen Sie sie, wie Sie wollen— habe ich förmlich die hohe Weisheit des Absatzes 3, Artikel 3 der ReichSoerfassnng studirt. Ich habe mich gefragt, wenn gemäß dieser Bestimmung der Reichsverfassung der Fall vor den diplomatischen Ausschuß gekommen wäre, waS hätte da geschehen müssen? Ich bemerk- nebenbei, meine Herren, der Herr Reichskanzler hat in der letzten Sitzung gesagt:„ich habe ein Veto;" das will ich durchaus nicht bestreiten in allem dem, was ich mir jetzt zu äußern erlaube. Was hätte der diplo matlsche Ausschuß gethan? Ich denke, meine Herren, der diplo matische Ausschuß, ruhige, klar blickende und unbefangene Männer hätten vor allem die Motive untersucht, welche für diese diplo- matische Operation angegeben worden sind. Er hätte untersuchen müssen, wie eS denn eigentlich mit den sogenannten karlistischen Greueln stehe, mit der kriegsgerichtlichen Exekution gegen den un- glücklichen Hauptmann Schmidt, dessen Namen ich übrigens, wie ich ausdrücklich bemerke» nur mit Achtung nenne, denn dieser Mann hat sein durch Unvorsichtigkeit verschuldetes Schicksal als braver Christenmensch muthig getragen und so ist er in den Tod gegangen. Der diplomatische Ausschuß hätte sodann untersuchen müssen, wie eS denn eigentlich mit der merkwürdigen Logik stehe, welche wir in den inspirirten Organen als ein weiteres Motiv deS betreffenden Verfahrens gehört und gelesen haben. Das war einfach folgender merkwürdiger Syllogismus. Wir müssen von ReichSwcgen die Ultramontancn bekämpfen, wo immer wir sie finden, die Karlisten find Ultramontane, also müssen wir die Karlisten bekämpfen, wo wir sie finden und an sie herantreten. Endlich, meine Herren, aber nicht zum wenigsten, hätte der diplo- matlsche Ausschuß, wie ich glaube, sich genau erkundigen müssen, was denn die andern Mächte von der Sache halten, ganz inSbe- sondere, waS Rußland von der Sache hält.(Gelächter.) Ja, meine Herren, ich weiß nicht warum Sie da lachen; ich weiß es nicht, denn ich glaube, daß derjenige Mann deS Namens eines deutschen Politikers nicht Werth wäre, der nicht weiß, daß das Zünglein der europäischen Waage jetzt in St. Petersburg liegt, der nicht weiß, daß die neuesten Umwälzungen im europäischen Staatensvstem vor Allem die Wirkung gehabt haben, das politische Uebcrgewicht Rußlands in einer Weise zu befestigen, wie es nie- malS der Fall war;—(Oho; links und bei den Konservativen Gelächter) lassen Sie mich nur ausreden, ich bin noch nicht fertig, Sie können dann auf einmal lachen—(Heiterkeit)— der nicht weiß, meine Herren, daß daS große Wort: ohne seine Erlaubniß darf kein Kanoncoschuß in Europa abgefeuert werden, jetzt— täuschen Sie sich nicht— von Roßland gilt. Sehen Sie, meine Herren, im Wege dieses diplomatischen Ausschusses glaube ich, wäre das bekannte russische DeSaveu ver- mieden worden, das Fiasko, meine Herren, von dem ich glaube, daß der Herr Reichskanzler viel darum gäbe, wenn er eS unge- schehen machen könnte. Das wäre, glaube ich, im Wege einer ruhigen Erwägung und Berathung nach Absatz 3 des Artikel 8 der Reichsverfassung vermieden worden.(Gelächter links.) Und so, meine Herren, bin ich allerdings der Meinung, welche im Jahre 1S7V von der bayerischen Regierung so hoch gehalten wurde, der Meinung, daß in dieser reichsverfassungsmäßigen Be- stimmung allerdings eine sehr ernste Friedensgarantie liegen könnte, eine ernstere vielleicht liegen könnte, als in dem vielgerühmten Dreikaiferbündniß, auf welches feit oben gedachtem russischen DeSaveu eigentlich doch Niemand mehr recht Vertrauen hat. Nun aber, meine Herren, eile ich zum Schlüsse. Ich habe nur noch ein paar Bemerkungen zu machen, die Sie vielleicht intcr- esstren werden.(Gelächter links.) Ich beginne nämlich die erste der Bemerkunzen mit dem Zu- geständnisse, daß ich cS allerdings begreise, wenn es dem Herrn ReichSianzl r schwer wird, die verfassungsmäßige B-ftimmnng des Absatz 3, Artikel 8 in wirkliche Aktivität kommen zu lassen. Ich sage, ich begreife daS, meine Herren! Als es sich einem dauernden den unglückseligen Bürgerkrieg im alten Deutschland von 1863 würde? Wieder(Rufe: 1366:) von 1866, da hat der Herr Reichskanzler zu dem italienischen Unterhändler General Gavone gesagt: ich bin mehr Preuße als Deutscher. Meine Herren, ich begreife auch daS, ich finde daS menschlich und natürlich; ich glaube, wenn der Herr Reichskanzler damals das Gegentheil gesagt hätte, so hätte er daS Recht verloren, später vor Ihnen öffentlich zu verstchern, daß er seines Erinnerns niemals amtlich eine Unwahrheit gesagt habe. Ich weiß sehr wohl, meine Herren, es ist daS ein etwas trivialer Ausdruck, aber ich will ihn doch gebrauchen: daß eS für Niemand leicht ist, aus seiner Haut heraus und in eine neue hinein zu fahren(Heiterkeit), ich habe daS an mir selbst erfahren, meine Herren.(Große Heiterkeit.) Ja, meine Herren, Sie lachen aber malS, aber eS ist das wenigstens für meine Person eine ernsthafte Sache, daß, trotzdem ich in Bayern nicht wenige Leute vor mir habe, welche die fragliche Operation mit dem glänzendsten Erfolge an sich vorgenommen haben, ich doch ihnen nicht nachkommen kann.(Heiterkeit.). Also, wie gesagt, meine Herren, ich begreife vollkommen, wenn der Reichkanzler zu Absatz 3, Artikel 8 eine nicht sehr willige Stellung hat, aber ich glaube auch, meine Herren, hier muß eS sich gebeugt sein, wenn man nicht nachträglich in den üblen Schein kommen will, als wenn man bei Ausstellung der Reichsverfassung den Souverainen der einzelnen Staaten wirklich habe Zusicherung geben wollen, die man zu halten nicht gesonnen ist.(Oho!) In seiner berühmten Rede über das Militärgesetz hat der Herr Ab- geordnete Graf v. Moltke gesagt:„Achtung haben wir uns überall erworben, Liebe aber nirgends". Ich darf wohl annehmen, daß der Herr Abgeordnete Graf v. Moltke von seinem Standpunkte aus unter„Achtung" vor Allem verstanden hat, die wohlbegründcte Scheu der fremden Nationen vor dem ungemein großen mili- tärischen Uebcrgewicht des geeinigten Reiches. Aber ich glaube, daß nichts destoweniger mit großem Bedacht der Herr Abgeordnete Graf Moltke für diese Scheu den AuSvruck„Achlung" gebraucht hat; denn die im Kriege begründete Scheu, die soll durch eine ge- eignete Friedenspolitik zur wahren Achtung fremder Nation erhöht und veredelt werden. Ich begreife, meine Heuen, wenn ein Mann, der exallirt hat in der Kunst der Kriegspolitik, vielleicht in der nun ihm obliegenden Friedenspolitik sogar eine größere Kunst indet. Aber dazu, meine Heuen, soll der Absatz 3, Artikel 3 (Heiterkeit) behilflich sein; es ist nicht nur daS verfassungsmäßige Recht der Vertreter der übrigen Bundesstaaten, an diese Bestim- mung zu erinnern, es ist auch ihre verfassungsmäßige Pflicht, und ich schließe damit, daß ich sage: cS ist hohe Zeit, daß Sie sich dessen erinnern."(Bravo! im Zentrum.) Politische Uebersicht. — Fortschrittliche Bildung. Gelegentlich der Berathung des Etats sprach der ReichStagSabgeordnetc Hasselmann kurz gegen das System der indirekten Besteuerung, und wurde dabei nament lich von fortschrittlicher Seite, insbesondere vom Abgeordneten Richter in unanständigster Weise unterbrochen. Der„Neue Sozialdemokrat" schreibt darüber:„Der Herr Eugen Richter hat während der Rede HasselmannS so flegelhafte Zwischenrufe aus- gestoßen, daß auf ausdrückliches Verlangen des Bicepräsidenten deS Reichstages dieselben, obschvn die Stenographen sie notirt hatten und der stenographische Bericht bereits gedruckc war, aus Letzterem gestrichen werden mußten, weshalb derselbe um einen Tag päter erscheint. Hasselmann sprach den Wunsch auS, diese Pöbelei niöchte zur Charakteristik deS Abgeordneten für Hagen und als AoiS für den RohheitSstatistiker Harkort stehe» bleiben, und der Vicepräfldent erklärte, er würde unbedingt Herrn Richter zur Ordnung gerufen haben, falls er im Augenblicke, wo die Aeußernnzen fielen, sie im allgemeinen Lärm hätte verstehen können." Nicht wahr, ein hübsches„Cultnrbild" auS dem Reichstage? — Zum Capitel vom leichtbeleidigten Mann schreibt ein süddeutsches Preßreptil: „Auffälliger Weise sind sogar liberale Blätter— sentimental genug, eS dem Reichskanzler zu verübeln, wenn er gegen die gröbsten der meuchlerischen(!) Angriffe, denen er tagtäglich von Seite der ultramontanen Presse ausgesetzt ist, die Hülse der Gerichte in Anspruch nimmt. So sagt z. B. der„Curier für Niederbayern": „Wrc brauchen kaum zu verstchern, daß wir den Fürsten Bismarck als einen großen Mann verehren, aber für ungleich größer würden wir ihn halten, wenn er sich über die Angriffe der reichsfeindlichen Presse hinwegsetzte, und mit seinen Strafanträgen, deren seit ein paar Jahren über 700 gestellt wurden, weniger verschwenderisch ein würde. Sprach er doch im Reichstage nicht ohne Stolz das Wort aus: daß er der bestgehaßte Mann Europas sei und wir dächten, daß sich in diesem Bewußtsein die meist sehr armseligen und läppischen Angriffe leicht ertragen ließen, welche die jesuitische Schaudpresse gegen ihn unternimmt."— Hierauf antwortet jedoch der gleichfalls liberale(und rcptilisirte)„Fränkische Curier":„Wir vermögen nicht einzusehen, daß Bismarck deshalb, weil er ein großer und hochgestellter Mann ist, die Verpflichtung habe, ruhig dulden, daß ungewaschene Preßbengel(wie fein!) von chwarzer oder rother Couleur ihr Müthchen an ihm kühlen. Wenn wir über die Straße gehen und ein dummer Gassenjunge(!!) unS mit Koth bewirft, so geben wir uns natürlich nicht die Mühe, ihm nachzulaufen; befindet sich aber besagter Gassen- 'unge(l) im Bereiche unserer zehn Finger, f0 erlauben wir unS chon, ihn am Ohrläppchen zu fasscu und ihn tüchtig zu maul- chelliren. So verfährt Bismarck mit dem Preßbanditenthum(I); und wenn er wirklich binnen wenigen Jahren 700 Strafauträge gestellt hat, so erblicken wir hierin keine Schande für ihn, sondern ilr die deutsche Presse, in deren Reihen eS so viele traurige Burschen giebt, welche ein politisches System nicht anders zu be- kämpfen verstehen, als indem sie dessen Träger persönlich ver- leumden und beschimpfen. Ja wir gehen noch weiter, wir agcn: Fürst Bismarck hat die Pflicht, der systematischen Be- chimpfung seiner Person entgegenzutreten. Denn was soll daS Zoll schließlich für einen Begriff von unseren Zuständen im Reich bekommen, wenn der Mann, welcher an der Spitze der Reichsre- gierung steht und mit gewaltiger Hand das Staatsschiff lenkt, von einer gcwissen Presse beständig als Ausbund aller Schlechtigkeit geschildert wird? DaS darf er nicht dulden, wenn ihm daS Wohl und die Ehre des Reiches am Herzen liegt, und wenn er die uä majorem dei gloriam als„Redakteure" Gastrollen gebenden Schlmpfpfasfen brav einstecken läßt, so hat weder unser allze- mein menschliches, noch unser speziell journalistisches Rechtsbewußt- 'ein EtwaS dagegen einzuwenden." Gut gezischt, Reptil! Der Präsident der Vereinigten Staaten wird von der Presse ganz anders angegriffen als Fürst Bismarck, und hat doch noch nie einen Preßprozeß angestrengt. Freilich er handelte um!hat auch keinen Wagener zum Frennd, und figurirt iu keinen zerbricht, von„Milde" rede»! Lamarmora-Enthüllungen. Ob es von Seiten eines Staall d mannS würdiger ist, auf öffentliche Angriff-, falls sie überhai« G zu berücksichtigen, öffentlich zu antworten, oder durch eine Privitf klage, daS ist eine Frage, welche für Jedermann, auSgenomme die Preßreptile, längst entschieden ist.! q — Gleichheit vor dem Gesetz. In der„Kölnischen Z« h tung" vom 12. d. steht zu lesen;| � „Königsberg, 7. Dec. Als kürzlich ein penstonirter Generl ra auf einem hiesigen Bagatellamte als Partei zu thun hatte und sii beim Gerichts-Deputirten über den Mangel einer bevorzugten Bl Handlung beschwerte, antwortete dieser dem General:„Hier a«" der Gerichtsstätte werde Jeder gleich behandelt, ob< ein General oder Arbeiter ist". Der General beschwerte fii h, darüber bei dem Chef- Präsidenten des ostpreußischen Tribun all$ und obschon die Antwort deS Richters, ganz in Uebereinftimmuil mit dem Artikel 4 der preußischen Verfassungs- Urkunde:„AI Preußen sind vor dem Gesetze gleich, Standesvorrechte finde nicht Staat", ausgefallen war, so hat doch, wie die„Königsoerzt Hartung'sche Zeitung" wissen will, der Herr Chef-Prästdent de» Richter gegenüber deshalb sein Mißfallen auszusprechen Vit anlaffung gehabt." du Also„Mißfallen", weil die Verfassung geachtet und eichj General vor Gericht gleich einem Arbeiter behandelt wurde. Gni Commentar ist überflüssig. A, !be — In der„Dresdener Zeitung" lesen wir:„Dem Vekde nehmen nach ist die russische Regierung aufmerksam geworden, pde erfahren, ob und in welchem Grade sich die an der Leipzig« W Universität Studirenden russischer Nationalität der sozialvemokciliö tischen Agitation angeschlossen haben. Die russische Regierung hiih, bekanntlich hier an der Universität eine Art Seminar euichtelau von dem die russischen Studirenden beträchtliche Vortheile gkpfl nießen. Den Anlaß zu der Untersuchung scheint die seinerzesO vom„Volksftaat" gebrachte Mittheilung gegeben zu haben, d�er der sozialdemokratische Coagreß in Koburg ein BegrüßungS- u»>B> ZustimmungS-Telegramm von hiesigen russischen Studirenden e»Mc pfangen habe." Wir haben zu Obigem zu bemerken, daß in veidei betreffenden Telegramm von russischen Studenten gar nitun die Rede war. Th Lel — Der Nothstand in Wien muß entsetzlich sein. Wi wir in gegnerischen Blättern lesen,„hat sich der PolizeipräsideUBi von Wien veranlaßt gefunden, ein ausführliches Memorandaldie über die soziale Lage der Hauptstadt, sowie über die Stiumu mung der Bevölkerung Angesichts der täglich drückender werdendeiUn Nothlage auszuarbeiten, um es dem Kaiser mitzutheilen. GünstigBi Wahrnehmungen können heut zu Tage kaum gemacht werden. IlKu Gegentheile ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung iigrr Folge der stets zunehmenden Erwerbslosigkeit in hohem GcadKa verstimmt. Besonders herrscht in den Arbeiterkreisen Wie»>Nu eine tiefe Verstimmung, die durch die Arbeitslosigkeit uszug Verarmung hervorgerufen wird. Die Arbeiterentlassungi>To sind in den letzten Tagen wieder zahlreicher geworden, ui>>dui diese fallen um so mehr ins Gewicht, als die trüben Zeitverhätfbess nisse eine Vertheilung der disponiblen Arbeitskräfte nach den Pr» vinzen unmöglich machen. Ein grelles Bild der Situation in dechor Arbeiterkceisen liefern die massenhaften Exekutionen ärmlichisist, HauSwirthschaften in Folge überhandnehmender Verschuldunj&t Dabei hält in einzelnen dichtbevölkerten Vororten Wiens bereirüm da» bös- Gespenst des Hungers feinen Umzug, und die rauMu und nasse Witterung, die feit einigen Tagen eingetreten ist, drü�dor deshalb doppelt schwer auf die G-müther." Arl Ein schönes Gemälde unserer heutigen sozialen Zustände! Ualdrü wohlgemerkt, aus größeren oder kleineren Raum zusammengevränz>»ei Gurgel bloß die Ohren abschneidet und ihm Arme und Beisst � icr — Gegenüber direkten und indirekten Versuchen, uns zul Parteiergrclfung in den leider noch nicht beigelegten Zwistigkeitt« der amerikanischen Sozialisten zu bestimmen, müssen wir unser' frühere Erklärung wiederholen, daß der„Volksftaat" als Orgak der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands im Intereß der gemeinsamen Sache die strikteste Neutralität beobachte« wird. Jede Einmischung unsererseits könnte nur nachtheilig' Folgen haben._ Unsere Prophezeiung, daß der Prozeß wider Gusta> Rasch, wegen de» Buche»:„Die Preußen in Elsaß-Lothringen' sich im Sande verlaufen werde, scheint sich bewahrheiten zu wolle»! Nachdem der Versuch, dem Angeklagten den Beweis der WahrhciMy abzuschneiden, au der Unabhängigkeit der braunschweiger Richtete gescheitert ist, hat man in Berlin kein Interesse mehr, in v�>f Sache vorzugehen. Der als Zeuge citirte Aegidi hat Befehl eckhäd halten, sich in daS AmtSgeheimniß zu hüllen, und trotz alli* 5 Drängens deS Angeklagten will der Prozeß nicht von der SteillTO Wir sind begierig, wie Fürst Bismarck, der ebenfalls z�ls Zeuzniß- Abgabe aufgefordert ist, sich aus der fatalen Affail%r ziehen wird. — Am 10. Dezember stand Parteigenosse Ulrich aus Brau» schweig vor dem Erfurter KreiSgericht, um sich wegen Vergehest gegen den§ 130 deS ReichSstcafgesetzbuchS zu verantworten. Staatsanwalt beantragte 3 Monate Gefäagniß und sofortige Haftung. Der Gerichtshof erkannte auf 50 Thal« Geldbuße o»�b Tragung der Kosten.'b-j tK4 — Am 25. November wurde Parteigenosse Sauren v»7°*n dem Zuchtpolizeigericht in Düsseldorf zu einer Woche Gesängn|p verurtheilt; der Staatsanwalt beantragte, wie seiner Zeit getheilt worden ist, 3 Monate Gefängniß., � — Aus Eisenach meldet man uns, daß Parteigeno�el Giffey am 14. d. M. ohne Angabe der Gründe auf's I'mm m jic. if** verhaftet worden sei. Vermuthet wird, daß die in Nr. Staat des« Volksstaat" mit Giffeh's NamenSunterschrift abgedruckte rha« Correspondenz auS Eisenach der Anlaß zu der Verhaftung sei. iriv-j_ )mm«— Am 3. Dezember starb in Stuttgart Gottlob Tafel. Geboren am 10. Januar 1801, erhielt er schon 1824 die Feuer- taufe eines HochverrathSprozesseS, und ist der Sache des Volkes 1 3® treu geblieben bis zum Tode. War er auch nicht Sozialist im engeren Sinne des Wortes, so hat er doch die Berccktigung der ener! Sozialdemokratie rückhaltlos anerkannt und unserer Partei Vor- k gastet. Ehre seinem Andenken! Z«r Kinder- und Franeuardeit in Fabriken te st heißt es in der Eingabe des schweizerischen ArbeiterbundeS(siehe unaliNr. 14ö: Betreffend die Kinderarbeit in Fabriken, ist der allge- «eine Wunsch dahin gehend, daß kern Kind unter 15 Iah- finde ren zur Fabrikarbeit zugelassen werden darf, ferner, daß berg! vom 15. bis zum vollcuoeten 16. Lebensjahre die tägliche t de- Arbeitszeit nur 6 Stunden betragen darf. Bei Zar Stellung dieses Begehrens find wir gedrängt worden dmch die erwiesenen Thatsachen, daß die Fabrikarbeit von schwa- d eichen, zarten Kindern, auf deren körperlichen und geistigen Ocga- EduiSmus zerstörend einwirkt. Alle medizinischen und pädagogischen Autoritäten sind darin einig, erstere, daß der, in der Entwicklung begriffene Organismus eines jungen Kindes den Einwirkungen Beider meistentheilS dumpfen und staubgeschwängerten Fabrikluft und a, p der mehr oder minder anstrengenden mechanischen Handarbeit nicht pzig« Widerstand genug leisten kann; letztere darin, daß von einerwirk- lokralich bildenden Erziehung keine Rede sein kann bei Kindern, die z hl ihre Jugendzeit in den Fabriken zubringen müssen. Hat ja doch ichtckauch Herr BundeSrath Weltli zugestanden,„daß unsere Militär- e �Pflichtige Jugend in den Fabriken zu Grunde gehe", und Herr rerw Oberst Stähliu hat dafür den triftigsten Beweis gegeben, indem d re« denken, als wie sie durch das letzt angeführte Beispiel gegeben ist, nitund hat nicht der Staat, Angesichts dieser statistisch festgestellten Thatsache die dringende Pflicht, durch eingreifende Gesetzgebung Leben und Gesundheit seiner Bürger zu schützen? Wi Von der Erkenntniß ausgehend, daß nur durch weitgehendste sidesBildung die Wohlfahrt des Einzelnen wie der Gesammtheit aus nduldie Dauer begründet werden kann, macht sich in weiten Kreisen stiaunsereS Volkes der edle Drang nach möglichst vervollkommnetem endäUnterricht bemerkbar. Niemals aber wird wahrhafte allgemeine nstigBildung eine Thatsache werden, viemals wird ein Volk zur wahren J«Kultur entwickelungSfähig werden, so lange noch die Kinder eines ig ögroßen Theils der Bevölkerung, gezwungen durch die Macht des ScadKapitalS, in den Fabriken ihre schönste Jugendzeit zudringen müssen. BieMie ist wohl der Gesetzgebung eh e schönere humanere Aufgabe uszugesallen, als hier, wo sie die Kinder deS armen, arbeitenden ligitLolkes dem Familienleben, der Erziehung, der Schule, der Bil- uiildung zuweisen soll, und nie wird ein Akt der Gesetzgebung von ehätföcsseren Folgen begleitet sein! Pr» Seiten« der Fabrikanten, welche mit Vorliebe die Arbeitskraft i velvon Kindern verwenden, weil dieselbe in jeder Beziehung billiger lichlfist. wird auf das ökonomische Interesse verwiesen, das auch den wnjAltern solcher Kinder gebietet, behufs Vermehrung ihres Einkom- ereikviens zu dem Verdienste der noch unerwachseren Kinder zu greifen. -auMun weiß man jedoch, daß infolge deS wirthschastlichen Gesetzes >rüikdvn Angebot und Nachfrage jetzt die Kinderarbeit dem erwachsenen Arbeiter eine große Kokurenz bereitet, seinen Lohn so weit herab- Haldrückt, daß derselbe nur in Verbindung mit dem der Kinder hin- äoztreicht, den nothwendigen Lebensunterhalt zu bestreiten, der ge- atschdohnheitSmäßig zur Fristung der Existenz und zur weiteren Fort- iienManzung erforderlich ist und daß nach Wegfall dieser Konkurenz der Lohn der erwachsenen Arbeiter steigen muß. Die Arbeiter sind deßhalb über diesen ihnen entstehensollenden Verlust beruhigt, und >ie»ch>enn die Kapitalisten auf den Ausfall hinweisen, der ihnen durch .sei�aS Verbot tee Kinderarbeit erwachsen würte, so muß der Gesetz Diheber diesen Einwand doch unbeachtet lassen. Es ist doch besser, BEUrige Menschen, die schon so wie so materiell günstig gestellt sind, quikrleiden einige Verluste, als daß ganze Volksklassen— einige ichtkikantone bestehen auS einem Drittel Bevölkerung, die im Fabrik- Tfufrud Manufatturgewerbe beschäftigt sind,— Schaden am Leben gjjinnb Gesundheit erleiden. � Mit der Arbeit unerwachsener Personen innig zusammenhängend die Frauenarbeit, und lassen sich die uns eingereichten Wünsche ier Arbeiter dahin sormuliren, daß allen Frauen(sowie auch männlichen Arbeitern unter 18 P' Jahren) Nacht-, Ueberzeit- und Sonntagsarbeit auSuahms- k-ite« los zu verbieten sei. Zum Reinigen von in Gang befind- uftli lichen Maschinen und zur Fabrikation von Stoffen, in !rai< denen Gifte angewendet werden, dürfen dieselben(sowte erefl männliche Arbeiter unter 18 Jahren), nicht zugelassen wer- J,'. den. Eine halbe Stunde vor Anbeginn der Mittagspause .7,. und eine halbe Stunde vor Feierabend sollen dieselbe« ihre i Arbeitszeit beendigt haben, so daß ihre wirkliche Arbeits- zeit nur neun Stunden täglich betrüge. In Schwanger- �, schaft sich befindende Frauen dn�fen vor und«ach lhrer -stas Niederkunft ,m Ganzen zwölf Wochen nicht beschäftigt lgeü werden. alltf Was oben von der Schädlichkeit der Fabrikarbeit auf Kinder irMagt wurde, läßt sich zum großen Th-il auch auf die Frauen- ichtMeit anwenden. Ueberzeit, Nacht- oder SonutagSarbeit wirkt v-'us Frauen, die ja eine schwächere Körperkonstitutiou besitzen, l el�dlich ein. all< Der Statistiker Villerme kommt nach Untersuchungen über die .t-llWältnisse der Fabrikstadt Mühlhaufen ,u dem Schluß, daß die zavälste der Kinder von Fabrikanten, die innerhalb einer zwolftah- ss-iis'S-n Periode geboren sind. 30 Jahre alt werden, während in der wichen Periode die Hälfte der Kinder von Spinnern, Webern ,c. ,01 dem vollbrachten zweiten Lebensjahre starb. mu» Das hier von der Fabrikstadt Mühlhausen Gesagte ist an- ihei�Mdbar auf alle einigermaßen entwickelte Jndustriezegenden. D-�berall leidet die körperliche Entwickelung des kommenden Ge- Vichts dadurch, daß die Eltern in einer elenden Lage, daß be- »anders die Mutter während ihrer Schwangerschaft zur Fabrik- „ greisen muß. DaS ganze Werden eines Kindes ist bedingt �ch die Sorgfalt, mit welcher die Mutter das aufkeimende KindeS bedenkt, dann dessen GemüthS- und Geistesanlagen entwickelt tgiNd leidet. Soll ein freies Volk es dulden, daß den Arbeiter- Modern diese Pflege und Leitung genommen, daß ihnen die �Utier entzogen wird und diese in der Fabrik selbst stets weiter frommt? Gewiß sind die diesbezüglich von den Arbeitern auf- >a»Wllte» Forderungen nicht zu hoch gespannt. AuS sanitärischen sittlichen Gründen entferne man die Frauen vor und nach zMer Niederkunft eine Zeit lang von anstrengender Arbeit, gebe ihnen durch etwas verkürzte Arbeitszeit Gelegenheit, daS Hauswesen und die Familienangelegenheiten zu besorgen und entferne sie auch von Verrichtungen, die nur zu leicht zu Schädigungen ihrer Ge- sundheit führen. AuS letzteren Beweggründen treffe mau auch Schutzmaßregeln für männliche Arbeiter unter 18 Jahren, deren nothwendige Fort- bildungsbestrebungen es nicht zulassen, daß man sie noch zur lleberzeitarbeit verwendet. ES muß hier hervorgehoben werden, daß die Arbeiter in ihrer Mehrzahl die vollständige Beseitigung der Fabrikarbeit von Frauen verlangen, weil selbst durch die humanste Gesetzgebung die auS solcher Arbeit entspringenden Uebelstände nicht beseitigt, die Frau der Haushaltung, die Mutter dem Kinde nicht zurückgegeben und ein geordnetes, segensreiches Familienleben nicht ermöglicht wird. Wenn wir nur aber einsehen, daß ohne Schädigung einiger Gesellschaftskreise solch weiter gehende Maßregeln nicht durchzuführen sind, wenn wir eine längere Entwicklung der menschlichen Ansichten und industriellen Verhältnisse abwarten, so haben wir um so mehr Berechtigung, auf die Berücksichtigung unserer jetzigen mäßigen Forderungen hoffen zu dürfen. Gewerksgenossenschaftliches. Krankenkaffe der Gewerkschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts. ßrimmitschau. Rechenschaftsbericht über die vom 22. Mai bis 10. Dezember 1874 eingegangenen Gelder: Crimmitschau Thlr. 23. 7. 7., O-lSnitz Thlr. 1. 7., Meeraue Thlr. 3. 19, Frankenberg Thlr. 8. 9. 7., Ronneburg Thlr. 1. 2S., Schmölln Thlr. 4. 10. 1., Bravnschweig Thlr. 2. 24., Chemnitz Thlr. 1. 14., Großenhain Thlr. 13. 23. Ü., Naundorf Thlr. 2. 28., Gößnitz Thlr. 7. 9., Wolfenbüttel Thlr. 2. 22. 3., Niederrabeustein Thlr. 3. 5., Dresden Thlr. 12. 7. 8., Riddagshausen Thlr. 2. 6., Apolda Thlr. 1. 28. S., Münchenbernsdorf Thlr. 1. 16., Gera Thlr. 6. 1. 5., Breslau Thlr. 3. 27., Leiferde Thlr. 15. 6., Friedrichshaide Thlr. 4. 23. 1., Schöppenstedt 11. 5. 2., Rudol- stadt Thlr.—. 10., NowaweS Thlr. 1. 12. 5. Unterstützung erhielten: Deuben Thlr. 3., Broitzen Thlr. 15., Schweinau Thlr. 11. 24. 3. Für die VorortSverwaltung: Anton Pötzsch, Turuhallenstr. 3036. Gewerksaeuossenschaft der Maurer und Zimmerer. Dresden. Ja der Hauptversammlung vom 3. d. M. gelangten die Statuten der Begräbnißkasse zur Urabstimmung, wobei be- antragt wird ßZ 5 und 8 zu ändern wie folgt:§ 5. Steuer- rubrik nach Mark und Pfennige einzutheilen.§ 8 Zeile 11, soll eS heißen: Auch ist letzteres der Fall, wenn innerhalb zwei Monaten die Hinterlassenen der oder deS Verstorbenen die Unter- stützungssumme nicht erhoben haben. Bei Unglücksfällen, welche den sofortigen Tod herbeiführen, wird das volle Sterbegeld auS- gezahlt, auch wenn das betreffende Mitglied noch nicht die vollen 18 Monate gezahlt hat, jedoch sind die Steuern bis zum acht- zehnten Monate inne zu halten.§ 3, Einschreibegebühr betreffend, kommt nochmals zur Besprechung und wird, falls Abänderungen nothwendiz, abermals bekannt gegeben werden. Mit sozialdemokratischem Gruß! Karl Nischke, Schriftführer. Metallarbeitergewerkögeuossenschaft. Araunschweig, 9. Dezember.(Unsre Handlungsweise in der „Unionsangelegenheit" gegenüber den Angriffen des Herrn Th. Vork.) Als eine feindliche Handlung können wir daS ganze Be- nehmen des Herrn Uork nur noch bezeichnen. Ein simples Rechen- exempel— daS, nachdem Herr Th. Uork die Güte hatte, eS zu korrigiren, erst gründlich falsch geworden ist, da die Lokalausgaben gänzlich übersehen sind, mithin die baare Einnahme im verflossenen GeswäftSjahre nicht 700 Thaler betragen konnte,— worin die Mitgliederzahl sowie der Preis(4 Sgr.) nur beispielsweise ange- führt sind, und welches nur, wie aus dem ganzen Satze hervor- geht, den Zweck haben konnte, unfern Mitgliedern die Kasienver- Hältnisse zu veranschaulichen, herauszugreifen, daS ist sehr bequem! War denn nicht unmittelbar zuvor bemerkt, daß, laut den in diesen Tagen versandten Abrechnungen, daS Geld, um die nöthigsten Ausgaben bestreiten zu können, nicht vorhanden ist? Nun, Herr Th. Bork scheint mehr Klarheit zu wünschen und werden wir ihm deshalb eine Abrechnung der Hauptkasse übersenden. Vielleicht belehrt ihn selbige insofern, daß er es fernerhin nicht als bösen Willen betrachtet, wenn sich der Ausschuß irgend welcher Gewerk- schaft erlaubt eine andere Meinung, als die von Herrn Th. B�k vertretene, zu besitzen. Ebenso kann eS für uns durchaus nicht maßgebend sein, daß die Maurer- und Zimmerer-Gewerkschast aus obligatorische Einführung der„Union" eingegangen ist; unsere Mit- glieder, nicht der Ausschuß, werden über diese Frage entscheiden, und ist eS, wenn der Beschluß dahin ausfällt, noch früh genug, mit Herrn Th.$oil wegen deS Abonnements zu unterhandeln. In Nr. 139 deS„VolkSstaat" fragten wir jan:„Wollen wir zu Gunsten eines Blatte«, welches den Anforderungen, die man an ein Fachorgan stellt, nicht entspreche, unsre Kasse in Frage stellen?" Wir sind auch heute noch derselben Ansicht. Ein alteS Sprichwort sagt:„Niemand kann zween Herren dienen;" so kann auch die„Union" nicht sämmilichen Gewerkschaften dienen. Außer- dem scheint nnS zu einem derartigen Unternehmen Herr Th. B01' keine geeignete Persönlichkeit, er müßte denn sein diktatorisches Benehmen ablegen und sich eine gewissenhaftere Befolgung der GewerkschaftSstatuten(stehe offener Brief Nr. 20 der„Union") angelegen sein lassen. Ueber Letzteres verweisen wir auf Nr. 23 (15. Dezember) der„Union" und hoffen wir, Herr Th. Uork werde auch diese, gleich der Nr. 20, unfern Bevollmächtigten über- fendeu. Es bleibt nur noch übrig zu erwägen: Können wir mit dem, wa» die obligatorische Einführung der„Union" kosten würde, nicht etwas Anderes, Vortheilhaftere« erzielen? Wir erhielten auS Gotha ein Cirkular der Schuhmacher-Gewerkschaft übersandt. Es wird von der VorortS-Verwaltung derselben befürwortet, all- monatlich ein gleiches Cncular herauszugeben und den Mitgliedschaften unentgeltlich zu übersenden. Die Kosten hierfür belaufen sich pro 1000 Stück auf 6 Thlr. 10 Ngr. Es drängte sich uns nun die Frage auf: Können wir nicht durch Einführung von etwas Achnlichem den Wünschen und Anforderungen unserer Mit- glieder ebenso gut genügen, als durch die„Union"? Zudem würde ein derartiges Unternehmen mit circa 76 Thalern fhr monatliches Erscheinen bestritten werden können, auch wäre zu- gleich der Grundstein für ein seigeneS Fachorgau gelegt. Unserer Ansicht nach ist eS Pflicht deS Ausschusses, auch derartige Wünsche einzelner Mitgliedschaften zur Kenntmß zu bringen, sogar auf die Gefahr hin, unS abermals das Miffallen des Herrn Th. B�k zugezogen zu haben. Für die Vororts Verwaltung: C. Schubert. Correspondenzen. Apolda. Die Gemeinderathswahl. Wie im November jeden Jahres, so haben auch jetzt wieder Ergänzungswahlen zum Gemeinderath stattgefunden, welche auf der Oberstäche des Partei- lebens eine kleine Bewegung hervorgerufen haben. Zu allen Zeiten ist es s» gewesen, daß jede Partei sihre Kandidaten auf- stellt, sie den Wählern empfiehlt und für ihre Wahl agitirt. Der hiesige VolkSoeiein und ähnlich gesinnte Vereine hatten eine Kau- didatenliste aufgesetzt, der gegenüber der Reichsverein eine andere „gestnnungStüchtige" Männer stellte; ja aus dem Hinterzrunde ließ sich eine, wie uns scheinen will, ziemlich unberufene, Stimme vernehmen, welche im Interesse des Gemeindewohls vor „Parteiwahlen» warnte, und die geistige Befähigung und soziale Unabhängigkeit— der gute Wille des zu Wählenden genügte dem Biedermanne nicht— als die Hauptmomente, welche für die Wahl maßgebend sein müßten, hinstellt. Ich kenne die Weise, ich kenne den Text Ich kenn' auch die Herren Verfasser, Ich weiß, sie tranken heimlich Wein Und predigten öffentlich Wasser. singt Heinrich Heine, und wahrlich die Melodie, welche der Bieder- man-- im hiesigen Tageblatte anstimmte, wir haben sie schon ge- hört bei den Stadtverordnetenwahlen in Berlin, in Frankfurt a. M. und anderwärts, ja selbst bei Gelegenheit der Gemeinderaths- wählen in Frankreich(die verkommenen Franzosen machen uns großer Nation Alles nach)— leider in Apolda mit keinem bessereu Erfolge, als dort, denn von sechs aufgestellten Kandidaten hat die Opposition deren fünf durchgebracht. 6. F. L. Jkforzsteim.«Heute Montag Abend Volksversammlung iu der Turnhalle, Tagesordnung: Sozialismus und Fortschritt, eine mündliche Antwort; Referent Motteler." so lauteten am Letzten des November Plakate, welche durch mangelhafte Bedienung seitens des Buchdruckers leider erst nach der Mittagsstunde angeschlagen wurden. Motteler hatte schon Freitag zuvor telegraphirt, daß Versammlung auf Montag oder Dienstag Abend anberaumt werden solle, und wir erwähnen dies nur betläufig, weil die Gegner Mottelers plötzliches Erscheinen eine Ueberrumpelung, und die Verzögerung mit den Plakaten ein wohlberechnetes Mannöver nannten. Was würde man uns antworten, wenn wir behaupten wollten, die Gegner hätten, um die Versammlung zu hintertreiben, büm Drucker die Hand im Spiele gehabt? Wohl waren wir durch die Depesche in der Lage, im„Genossenschafter" die Ver- sammlung ohne genaue Zeitangabe anzuzeigen, wobei die Redak- tion des seit anderthalb Jahren hier erscheinenden GratlSblatte» „Fortschritt" aufgefordert wurde, in der Versammlung ihre Be- hauptungen gegen Herrn Motteler und den Sozialismus zu ver- treten, wenn sie auf ManneSehre noch etwas halte, allein waS ohne unser Dazuthun nachkam, konnten wrr natürlich nicht im Voraus wissen. Erklärlicherweise war die Versammlung nicht nach unserm Wunsch besucht. �Das Erscheinen der FortschrittSredakteure (ein Schullehrer und Herr Alb. Wittum mit einigen Anhängern) ließ hoffen, daß der Verdruß über die mangelhafte Einladung durch eine lebhafte Diskusston aufgewogen würde.— Der Stoff unsres Referenten war ein sehr umfangreicher, da der„Fortschritt" wohl ein halbes Vierteljahr lang in jeder Nummer in vielspaltigeu breitphrasigen Artikeln die Person Herrn MottelerS, feine Rede:c. zu denunzireu, lächerlich zu machen und zu beschimpfen suchte.— Unter Anderm erschien im„Fortsch itt« Nr. 14 d. I. ein offener Brief an Herrn Motteler von einem Anonymus, der im Wort- verdrehen und Unterschieben der ganzen Haltung des Blatte« eat- sprechend war, und an Allem den bekanntesten Phrasendrescher hier erkennen ließ, der früher schon um dessentwillen von Herrn Moritz Müller sen. entlarvt und gebührend gezüchtigt wurde.— Herr Motteler hielt nämlich Mitte Juni hier einen Vortrag über die „Thätigkeit des Reichstags", wobei die Stellung und Geltung der verschievenen Parteien, insbesondere der Sozialisten und National- liberalen gründlich und scharf gezeichnet wurden. Ein damals im „Fortschritt" enthaltener Artikel„Enttäuscht", welcher die Reichs- tazSwahleu behandelte, gab Gelegenheit, eingehend nachzuweisen, in welch jämmerlicher Weise unsre Gegner da« Volk zu bethören suchen.— Daß Herr Motteler seine Aufgabe meisterhaft gelöst, wurde von Zuhörern verschievener Stände gerühmt, der drei- stündige Vortrag überhaupt gut aufgenommen. Die damals an- wefenden Fortschrittler schwiegen und suchten, wie schon erwähnt, die Scharte in ihrem Blatte wieder auszuwetzen. WaS für ein G-kröhle(fortschr. Ausdrucksweise) würoe der„Fortschritt" verübt haben, wenn Herr Motteler sein diesmaliges Austreten nicht seiner Widerlegung und Züchtigung gewidmet hätte? An dem früheren Vortrag hatte der„Fortschritt" so Vieles verdreht und gelogen, daß eS wirklich de« Geschicks unsre» Referenten bedurfte, um in 1 Stunde und 50 Minuten denselben gründlich zu widerlegen. Er zeigte, daß jede Rummer des„Fortschritt", die ihm zu Gesicht gekommen, die Sozialisten denunzire, als wollten sie mit blutiger, gewaltsamer Revolution ihre Ziele erreichen, obwohl von unsrer Seite ausdrücklich und immer wieder, wie er auch in seiner da- maligen Rede gethan, der ftiedliche gesetzliche Weg betont und empfohlen werde. Er forderte zum Oestern Beweise von den an- wesenden Gegnern für ihre Behauptung, er habe ungesetzliche Reden geführt und den Reichstag geschmäht. Redner kennzeichnete die große Uebung der Gegner im Denunziren und fragte, warum sie ihn nicht verklagt hätten; er habe iu voller Oeffentlichkeit und unter den Augen der Polizei gesprochen, und hätte letztere, fall» er Ungesetzliches gesagt, gewiß ihre Pflicht rücksichtslos erfüllt. Er habe nicht die Aufgabe, die Vorgänge im Reichstag zu beschönigen, seine Pflicht sei, wahrheitsgetreu nach seinen Wahrnehmungen dem Volke die Wahrheit zu sagen, für jedes gesagte Wort sei er erbötig, die Beweise aus dem stenographischen Berichte zu liefern. Redner entschuldigte stch, daß er, obwohl er bei seinem ersten Vortrage die hier so unbeliebte Aufgabe übernommen, sich mit dem„Fort- schritt» einzulassen, von dem, wie er heute gehört habe, die eigne» Angehörigen nicht gerne hören, durch Schuld der Gegner auch heute wieder die» unglückliche Thema behandeln müsse, und beweist de« Näheren, daß der Fortschrittsbericht über die Juni V-rsamm- luug in allen Theileu nichts anderes sei, als eine Entstellung de» damals Gesprochenen und ein leere« verbissenes Abschweifen auf Nebensächlichkeiten, ein fortgesetztes Denunziren mit anmaßenden persönlichen Angriffen. Redner la« die Hauptsätze de« Machwerk» vor und zerlegte sie in ihrer ganzen Aufgeblasenheit, faßte dann den Kern der Angriffe in dem Satze zusammen, der„Fortschritt" plappre wie der Mucker sein Gebet von Nummer zu Nummer: „Die Sozialdemokratie will Revolution, Mord und Blutvergießen!" Er verlas dann aus der letzte» ReichStagSredc Liebknechts die- jenige Stelle, in der da» Wort„Reoolutron" klar uuo bündig erläutert wird, und worin unsre Auffassung ausgesprochen liegt. Den Herren vom„Fortschritt" machte er den Vorw rf fälschlicher Unterschiebungen und behielt sich vor, auf den„offenen Brief" zu antworten, sobald die Gegner daS Wort ergriffen hätten, um mündlich zu ergänzen, was schriftlich etwa versäumt wäre.— Herr Albert Wittum, früher Sozialdemokrat, erklärte nach der üblichen Aufforderung deS Vorsitzenden unter lebhasten Gesten und mit donnernder Stimme ungefähr Folgendes:„Meine Herren, ich habe Ihnen eine Erklärung abzugeben im Namen des Bllrger- vereinS, der Redaktion des„Fortschritt", der Mitarbeiter des „Fortschritt" und der uationalliberalen Partei, der ich angehöre. Wir haben die Beweise und das Material, um beweisen zu können, waS wir behaupten und was Herr Motteler nicht widerlegt hat; aber aus eine so unanständige Art dürfen wir nicht eingeladen werden. Unser(!I) ReichStagSabgeordneter, dieser Herr Motteler, hat unS zu überrumpeln gesucht, deshalb wurden die Plakate erst um 3 Uhr heute Nachmittag angeklebt, wenn Herr Motteler uns Zeit läßt, in 3 Tagen, 3 Wochen oder in 3 Monaten wieder kommen will, werden wir erscheinen und Beweise bringen, wenn wir anständig eingeladen werden und vorbereitet sind. Jeder Vernünftige muß mir Recht geben. Und dann frage ich Sie, ist daS jetzt der Platz des Reichstagsabgeordneten in einer Volks Versammlung hier, weiß er nichts befferes zu thun? In seiner Rede hat er gesagt, eS sei so ein mißliches Thema der„Fort- schritt", und doch hat er in früherer Versammlung 3 Stunden, und heute wieder 2V, Stunden lang von nichts weiter als dem „Fortschritt" gesprochen, was wir uns zur großen Ehre anrechnen. Ich wiederhole, wenn man uns Zeit läßt, werden wir uns in eine prinzipielle Diskussion einlaffen und für unsre Behauptungen Beweise bringen. Der Herr M. habe eine so lange Rede gehalten, aber mit keiner Silbe den offenen Brief erwähnt, was doch die Hauptsache ist, er hat uns überrumpeln wollen, das ist nicht ehrlich. Wenn wir anständig und rechtzeitig eingeladen werden, werden wir Beweise bringen." Als dieser Herr Wittum mit frecher Stirne sich als den Ver- treter deS Fabrikantenvereins den Arbeitern vorstellte, bei welchen er noch vor wenigen Jahren absolut als erster, gebildetster und ehrlichster sozialistischer Führer gelten wollte, brach ein Sturm der Entrüstung los, welcher der vollen Intervention des Vorsitzenden und älterer Parteigenoffen bedurste. Herr Wittum hat sich lange nicht gewagt, in Volksversammlungen aufzutreten, weil er weiß, daß seine Vergangenheit ihm da« Reden erschwert. Bei der Jnter- pellation, warum Herr Motteler nicht im Reichstag sei, zollten dagegen die paar Wittumianer stürmischen Beifall, der freilich unsrerseits genügend aufgewogen wurde, als Motteler erklärte, daß er hierüber zwar nur seiner Partei und speziell seinen Wählern Rechenschast schulde, aber dennoch Herrn Wittum, der nicht dar- nach zu fragen habe, antworten wolle. Redner erinnerte daran, wie die Sozialisten im Reichstage Majoritäten gegenüberstehen, die jeden praktischen Erfolg, selbst bei den bescheidensten so- zialistrschen Anforderungen zu verhindern wüßten, so daß in der That außerhalb des Reichstags, mit wenig Ausnahmen, im Par- teiinteresie agitatorisch zu wirken, richtiger und erfolgreicher er- scheinen müffe. Ueber mehrfache Vorlagen der jetzigen Session sei bereits in der vorhergehenden so gut wie entschieden worden. Er erinnere nur an das Militärgesey mit seinen 400taufenb Mann Friedenspräsenz, für welche die damalige Majorität selbstverständ- lich und trotz aller anderweitigen Vorstellungen jetzt auch das ge- forderte Geld bewilligen müffe und werde. Die Sozialisten da- ran erinnern zu wollen, die Volksinteressen von ihrem Stand- Punkt aus im Reichstag zur Geltung zu bringen, klinge wie ein naiver Scherz, wenn man(wie die Nationalliberalen besonders) eS wiffe, daß neben einer Geschäftsordnung zur Beschränkung des Parlamentirens feiten« der Majorität eine Praxis in Gettung sei, durch welche Oppositionsredner mittelst lebhaften Privatge- spräche„todtgemacht" werden. Sogar von dem Republikaner Sonnemann habe neulich die Preffe berichtet, daß er bei der Bank- gesetzdebatte gegen lebhafte Privatgespräche habe ankämpfen müssen. Die« zeige genügend, welche Art von Berechtigung zum Meinungs- austausch man der Opposition im Reichstag zuspreche und ob es so ganz unerklärlich sei, wenn man sich von der Agitation außer- halb de« Reichstags mehr direkten und nachhaltigen Erfolg ver- spreche, als von einer Theilnahme an seinen kostspieligen VerHand- lungen. Außerdem habe Redner, auch seinem Erwerb als Ge- schaftSmann obzuliegen, da er nicht Rentier sei, sondern Vertreter einer Arbeitergenossenschaft, und wenn er gelegentlich seiner Ge- schästSreisen sich unterwegs einige Tage fteimache zur Agitation, so könne ihm die« keineswegs den Vorwurf der Pflichlversäumniß als Abgeordneter und Parteimann zuziehen. Er glaube, als Volks- Vertreter im regsten Verkehr mit dem Volke zu fein, sei auch pflichtgemäß. Daß er dies augenblicklich in seinem Wahlkreise nicht zu thun vermöge, bedauere er selbst am meisten, könne sich aber trotzdem nicht anders entschließen, als unterwegs zu agitiren wo immer es ihm möglich sei*). Als ein hiesiger Parteigenosse darauf das Wort erhielt und dem Herrn Wittum in kräftiger Weife für die zusammcngehäusten Unwahrheiten die Finger zu klopfen anfing, ging dieser mitsammt dem Herrn Schulmeister schleunigst durch, wie seiner Zeit in Heidelberg, als man ihm das Wort erthcilen wollte bei den Lassalleanern.— Die Herren nennen das gewöhnlich ausreißen und davonlaufen.— Ob er wohl in der Vorstandssitzung de« Bürgervereins, welche dieserhalb 2 Tage vor der Volksversammlung wahrscheinlich aus die Notiz im„Ge- uossenschastcr" hin stattfand, die Verübung seiner AnstandSpredigt, als würdig-bürgervercinlich aufgetragen erhielt?— Doch zum Schluß. Nachdem die Arbeiter u. A. auch daran erinnert waren, daß die Form der Einladung an Herrn Wittum und Genossen feiner sei, als die, mit welcher er früher selber Arbeiter heran«- forderte, welche ihn und seine Freunde als Agenten der Bour- geoisie zu entlarven suchten, als Helden im Wortverdrehen und Phrasenmachen, die, sobald ihr persönliches Interesse es zuläßt, Führer der Fabrikanten werden, erhielt Herr Motteler das Schluß- wort.— Unter lebhaften Beifallsbezeugungen zeigte er nochmal«, wie die Gegner e« treiben und wie sie sind und versicherte, er werde stets auf seinem Posten in und außer dem Reichstage fein und wirken, so weit seine Kräfte reichen. Den Gegnern wie unS versprach er seinen Besuch ausS Frühjahr. Wir werden in- deß Sorge tragen, daß die Arbeiter im Allgemeinen sich an der Opferfreudigkeit, an der rastlosen muthvollen Thätigkeit unserer Vorkämpfer ein Vorbild nehmen, und durch allseitigen Anschluß an die Partei, deren berechtigte Bestrebungen fördern helfen. Die Kampfweise der Gegner zeigt uns heute schon, daß wir aus rich- tigem Wege sind und wie sie sich drehen und wie sie sich winden. Sie sollen unS immer zu Platze finden. M.»Ksadvach, 13. Dezember. Da ick dieser Tage in Er- fahrung gebracht habe, daß gegen mich das falsche Gerücht in Umlauf gesetzt ist, als wolle ich wich wegen einer kleinen Ge- fängnißstrafe, welche über mich verhängt ist, von der Arbeiter- bewegung zurückziehen, so finde ich mich zu der Erklärung ver- anlaßt, daß ick nach wie vor streng auf dem Boden der sozial- demokratischen Prinzipien(Eisenacher Programm) stehen bleiben werde, und bin ich jederzeit bereit, da, wo eS von mir verlangt wird, öffentlich für Verbreitung dieser Prinzipien einzutreten, sei es in Partei- oder Volksversammlungen. Ich richte daher an die Vertrauensmänner von Crefeld, Süchteln, Greffrath u. f. w. die dringende Bitte, in ihren resp. Wirkungskreisen für daS Zustandekommen von Volksversammlungen Sorge zu tragen, damit nicht nur allein die Massen, welche besonders im Rheinland der Aufklärung noch bedürfen, belehrt werden, sondern auch den vielen Gegnern unserer Sache gezeigt wird, daß alle Verfolgungen gegen die Sozialdemokratie nicht nur nichts Helsen, sondern vielmehr dazu angethan sind, unsre Idee zu stärken und unfern Muth zu stählen. Zeigen wir durck einiges Zusammenhalten unfern G:g- nern, daß ihre VerfolgungSsucht der Sozialdemokratie nur große Dienste leisten kann. Namentlich unserm Hauptfeind, der liberalen, aus dem Reptiliensond gespeisten Presse, müssen wir durch einige« Wirken entgegentreten. Wir sehen e« ja täglich, wie sie bemüht ist, nach jeder Richtung hin das arbeitende Volk zu korrumpiren. Nur durch strenges Festhatten an den sozialdemokratischen Jvcen vermögen wir eS, ihr zu zeigen, daß sie an uns ihr sauberes Handwerk der Prostitution nicht ausüben kann. Mit sozialdemokratischem Gruß Jos. Sauren. Augsburg. In Augsburg wurde das Lokal in das Gasthaus zur Finstern Stube, am hinteren Perlachberg verlegt, woselbst auch daS ArbeitSnachweiS-Bureau der Gehilfen jeden Abend von S bis 9 Uhr geöffnet ist. Ireivurg i. A. Allen Parteigenossen zur Nachricht, daß sich hier eine Mitgliedschaft und aus dieser ein GewerkschaftSagitstions- Comitö gebildet hat, bestehend auS den Herren Grämlich, Tapezier; Herp, Schreiner; Witzig, Schreiner; Zimmermann, Uhrmacher, und Frankl, Buchbinder, welches eS sich zur Aufgabe machte, für Gründung der Gewerkschaften rege zu agitiren. Vorläufig besteht hier die Schuhmacher- Gewerkschaft und der Verband für Buch- binder. In nächster Zeit hoffen wir die Gründung deS Schreiner- FachvereinS zu melden. Es wird daher allen Parteigenossen in der Umgebung warm empfohlen, unS nach Kräften zu unterstützen. Mit parteigenösstschem Gruß! Ignatz Frankl, Vertrauensmann. Weber's Restaurant, NußmannSstraße. Marburg, 13. Dezember. Bezüglich der Ausforderung deS Partel-AuSschusses in Nr. 144 des„VotkSstaat", die etwaige Ver- einigung der beiden Arbeiter- Fraktionen betreffend, haben die Mitglieder des sozialdemokratischen Arbeitervereins zu Marburg in einer Versammlung am 12. Dezember beschlossen, die Partei- genossen der nächstliegenden Orte, wie Gießen, Mainz, Frankfurt, Kassel, zu ersuchen, ihre Ansichten über den betreffenden Vorschlag dem Unterzeichneten mitzutheilen. Der Zweck dieser Bitte ist der, sich in der Angelegenheit klar zu werden, und wünschen wir, daß eine solche Verständigung auch von anderen Parteimitgliedschaften baldigst geschehen möge. V. H. Schneider, Hirschberg 2S7. Kannover. Der sozialpolitische Arbeiterverein Hierselbst er- klärt: In Anbetracht der heutigen Verhältnisse ist eS nicht bloS eine Nothwendigkeit, sondern die Pflicht jedeS denkenden Arbeiters, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln für die Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Fraktionen einzustehen Der Verein erwartet im Interesse der Arbeiter eine baldige Lösung der Einigurgsftage. I. A.: A. Petzsch, Vorsitzender. Leipzig u. Umgegend Metallarleiter- Gewerksgcnoffenschaft. z Montag, den 21. d. Ah«.: Versammlung bei Frö hlich, Nikolai- straße N. 38.— T-O.: 1) Wahl eines Revisoren. 2) Bortrag über Physik. Folgende Restanten werden ersucht, ihren Pflichten nachzukommen: Nr. 3, 10, 17, 77, 102. 228, 239, 240, 241. 254. Die außerhalb Leipzig» wohnenden Mitglieder jder Krankcakaffe wer- t den besonder« eingeladen wegen wichtiger Mittheilung._[9]' Sewerkschast der Holzarbeiter. Sonnabend!, d. 19, Dezember: Versammlung gr. Wind mühlenstr. 7.— T.-O.: Diskussion, Aufnahme neuer Mitglieder. Gewerkschaftliche«. Der»orstand. s4s!( 8 Der Nadler und Draht- Arbeiter Johanne« Pehmler. der früher in Leipzig gearbeitet hat, wird ersucht, mir seinen jetzigen Aufent« halt mitzutheilen. Solda» i/Ostpr. im Dezbr. 1874. I. Ed. Pehmler.(10 Wir zratuliren H. Rudolph Habelitz in Crimmitschau noch nach« träglich zum 17. Dezember, so daß die ganze niedere Borstadt zittert! Drei Freunde aus der Quelle. I,. Z. R. M.(7Vä] s Berichtigung. In der Todesanzeige Nr. 144 muß e« statt Bätsch„Lätsch" heißen. Lin sozialistisches Weihnachtsmärchen! In unserem Berlage ist erschienen: Der große Krach. rin Märchen für große und kleine Kinder. Bon Friedrich Gottlieb Schulze. dz Mit lithographirten Bildern. Zz (Letztere»o» der Idurch ihre Arbeiten rühmlichst bekannten Lithogrnphen-Genoslenschaft Zürich.) Ausgabe 1:(gebunden und auf Schreibpapier) 10 Gr. Ausgabe 2:(broschirt) 8 Gr. be (Diese Preise gelten jedoch nur für Parteigenossen; der Buch- W handelS-Ladenprei« der Ausgabe 1, welche allein im Buchhandel zu haben ist, beträgt 15 Gr.)— Wlederoerkäuscr erhalten Rabatt! Volksbuchhandlung (I. Kranz.) Zürich(Hottingen).(3b) � NB. Obige« Buch ist durch alle Expeditionen parteigenössischer Blätter, insbesondere durch die Buchhandlung de«„Bolksstaat", Leipzig, zu beziehen. Soeben ist erschienen: Rede Liebknecht's über den Amrag ans Beurlaubung der gesangeien sozialdemokratischen Reichstags Abgeordneten. tReichstagsfitzung vom 21. November 1874.) Mit einem Anhang zur Charakteristik des Herrn Tcssendorf. 2'/, Bogen Oktav. Preis pro Exemplar l'/r Sgr. Buchhandlung de«„Volksstaat", tlollisjlaatkaleiider siir 1875. �Ul pr: die S B. ö. Be Zl bei S Derselbe enthält außerdem bekannten Kalendarium(dem diesmal auch der katholische Kalender beigefügt ist), ein Berzeichniß der Messen und Märkte Deutschland».' Literarischer Jndalt:"er Die Hauauer Turner im badisch-rheinpsälzischen Ausstande 1849 ter nach den Papieren ihre« Eorpsadjutanten, de« verstorbenen Alber Als Damm crom. Bon dem noch lebenden Sigismund Borkheim? Batteriechef in der badisch-rheinpsälzischen Rebellenarmee; Rothe Osterck historische« Gemälde aus dem Bauernkrieg, von Robert Schweichel.— � Wo liegt die Rettung? Au» dem Tagebuch eine« Sozialisten, vo» Z Otto Walster. Zur Gruud und Lodensrage. Verschiedene«. Preis 3Vz Gr. gegen baar. Bestellungen hierauf an die Buchhandlung des„Volksstaat" zu adtesslreSj Äriefkaste» der Redaktion. W. in Genf: Sie mißbilligen es, daß wir in der Nr. vom 27. Nov. die Verfolgungen gegen die Ultrau ontancn ausgeführt haben, und meinen, dadurch nährten wir nur die Berläumdung, die Sozialdemokratie gehe Hand in Hand mit den katholischen Pfassen. Nun wer dumm genug ist, letztere« zu glauben, dem können wir nicht helfen Was aber jene Verfolgungen betrifft, so mißbilligen wir sie allerdings in der entschiedensten Weise, und zwar gerade weil wir Gegner de« Ultramontanismus sind, der durch diese Verfolgungen künstlich großgezogen und gestärkt wird. Wenn Bismarck sich nicht ge- sunden hätte, hätten die Pfaffen ihn erfinden müssen.— Engelhardt: Der Aufruf ist wörtlich schon in voriger Nummer enthalten.— I. E. in Augsburg: Da« können Sie erfragen bei dem Ausschuß Ihrer Gewerk- schast.— R in Meerane: Nächste Nummer.— A. H. B.: Erhalten. Quittung der Expedition. Bon Rttmnr u. Comp. München Schr. 5 thlr. 14. Hllnm Stuttgart Schr. 4 thlr. 5. Rchtr Oederan Schr. 4 thlr. 28. 8. Blzr Siegburg Schr. 10 gr. Mllr hier Ab. 5 thlr., Slbr. 8 gr. Ge- noffeuschaftshutfabrik hier Ann. 17 gr. 5. H. Oehm München Schr. 20 thlr. Frml Reußendorf Schr. 1 thlr. 1. I. Schg Wiesbaden Schr. 9 gr. Jnglng Arnstadt Schr. 8 gr. Hckl Bartenhau» Schr. 13 gr. 5. Mllr Mannheim Ab. 8 thlr, 10. 5., Schr. 1 thlr. 10. 0. Zsch Greiz Schr. 1 thlr. 1. 9. Gßnr Hammer Schr. 1 thlr. 1. 5. Mllr Leißnig Schr. 6 thlr. 6. 5. Gnthr Großenhain Schr. 6 thlr. Lndr Graz Ab. u. Schr. 1 thlr. 21. Nkchnr hier Schr. 2 thlr. 10. 9. Wls Netschkau Schr. 3 thlr. 18. Pltz Mühlhausen Schr. 0 gr. Stffl Hamburg Ann. 5 gr. Arb.-Verein Gohlis Ann. 24 gr. Hpnr Breslau Schr. 2 gr. 5,' Hdlch hier Schr. 1 thlr. 20. Anzeigen 2c. Die rechts in l I angegebene Ziffer ist der Preis der betreffenden Annonce. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 19. Dezember, Abend« halb 9 Uhr, An- dreasstr Nr. 26 bei Sittel.— Tagesordnung: Bortrag über die Lage der Arbeiter._ G. Lemke.[4] Berein der Sattler und Berufsgenossen. OeiUN Sonnabend,------- *) Wir geben an dieser Stelle um auch anderweftigen Mißdeutungen zu begegnen, die wichtigeren Punkte der Erklärung, welche Motteler der Redaktion de«„Bürger- und Bauernfreund" in Elimmitschau zuge- sandt hat und welche in Nr. 289.de» Blatte» veröffentlicht ist. R. d. V. Motteler erklärt betr. seiner derzeitigen Abwesenheit vom Reichstage: 1) daß er auf Rechnung der Firma Stehfest u. E»., deren kauf- männischer Vertreter er noch ist, seit 5 Wochen reise; 2) daß er dem Au«schuß der Partei und seinen Parteigenossen recht- zeitig Kenntniß davon gegeben habe; 3) daß er seinen Wählern rechtzeitig gegenübertreten und Rechenschast geben werde, auch jeder Interpellation in offener Voltsversammlung ruhig entgegensehe. Ertmmitschau, den 11. Dez. 1374. den 19. d. M., bei Bahre, BrÜckenstr. 10a: Geschlossene Mitgliederversammlung,— T.-O.: Vorlage und Be- rathnng der Statuten der Unterstützungskasse für Arbeitslose. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist va« Erscheinen eine» jeden Mitgliedes Ehrensache._ Koenen, Vertrauensmann.[6] Gohlis Arbeiterverein. !--, Montag, 21. Dezbr., Abends>/z9 Uhr: Versammlung bei Kautzsch(Biertunnel).— T.- O.: Ausstellung der Eandidaten.— Besprechung über die Wahl.— Verschiedene«.— Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist e» Pflicht aller Mitglieder zu erscheinen und Gäste mit- zubringen. D. V. sffj ftrtrn h«t**it Verband der Klempner und verw. Berufsgenoffen. VPUlUlllUg Sonnabend, den 19. Dezember, Abend» 9 Ubr: Ge- schlosseae Mitgliederversammlung bei Herrn Eckhardt, Schoppen- steel Nr. 22.— T,-O.: 1) Abrechnung. 2) Innere VerewSangelegen- heilen. L. Stoffel, Bevollm. sSs Einladung zum Abonnement auf da« in Gotha erscheinende Sonntags-Glatt Organ für die Freidenker Deutschlands. Herausgegeben von Hr. August Specht. ged lüh Auf folc übe S-t' ittnu Durch tüchtige geistige Kräfte unterstützt, hat sich da»„Sonntags Blatt" die Aufgabe gestellt, feine Leser mit den Resultaten der freie». Forschung in Natur und Geschichte vertraut zu machen, die mit der®et'W nuust und Wissenschaft im Widerspruch stehenden religiösen Dogmen z»�chi nunst und Wissenschaft im Widerspruch stehenden religiösen Dogmen bekämpfen und die Weltanschauung de« freien Menschenthums zu ver-fciel treten. Bon der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Menschheit nillgufl durch eine positiv wissenschaftliche Bildung au« den Banden veraltet� religiöser Satzungen befreit w/rden kann, wird da«„Sonntags-Blair vornehmlich denjenigen Theil der Wissenschast kultiviren, der sich mit �diel Entstehung der Dinge beschäftigt und daher Original-Artikel stbo die Beschaffenheit und Entwickelung der Weltkörper, de» Thier-»■"- 1 Pflanzenreich«, de» Menschen und seiner Kultur sc. ic. bringen. Außtt'.. dem bringt jede Nummer de« Blatte« eine Wochenübersicht der wichtigst«» Vorkommnisse auf kirchlichem und freireligiösem Gebiete, Besprechung� freisinniger Bücher jc., so daß sich die Leser über alle Erscheinungen geistigen Leben« genügend oricntiren können. zMa Man abonnlrt auf da» in Gotha erscheinende„Sonntag«- Bla� bei allen Postanstalten und in allen Buchhandlungen zu dem viertel jährigen Preise von nur 7'/, Sgr. aUt Gotha. Stollberg'schc Kerlagsbuchhandlung. �tii Soeben ist erschienen: Volksstaat- itkmdlvörteriulch. Enthaltend «ehr als 12,000 Iremdwörter mit »»treffender«.»erstiindlicher«rttärnng und genauer Angabe der richtigen Auefprache und Betonung der Wdrter� «ehestetSAgr., geb.6>/z»,r.' Exp.»»olldstaat. H l'U, «eil Mg! Itbej »vd {Htii «lad �iii "Ott die m Vtn Verantwortlicher Redakteur: R. Seiffert. Redaktion Hohestraße 4, Expeditton Zeitzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdmckerei in Leipzig. '"»N d. % L