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Januar. 1875. -i- Theodor � I» den ersten Stunden des Neuen Jahres starb nach längerem Sicchthum Theodor Aorck, des Proletariats »vergeßlicher Vorkämpfer, unser unvergeßlicher Freund. rcucr hat Keiner der Sache des unterdrückten Volks, der räche der mit Füßen getretenen Menschheit gedient.— janz Proletarier im edelsten und revolutionärsten Sinne es Wortes, gehörte er ganz dem Proletariat. Sobald >ir im Besitze des nöthigen Materials sind, werde» wir cn deutschen Arbeitern das Lebens- und Charakterbild "eses Mannes vorführen, welcher, der Arbeiterklasse ent- irnngen, zäh, furchtlos, unermüdlich für die Arbeiterklasse � ckämpft, nud in diesem Kampfe sich vor der Zeit ans trieben hat. Ja— wir können mit vollem Recht sagen: iorck hat fiir das Proletariat gelebt»nd ist für das Pro- ttariat gestorben. � Nachruf. Ein schwerer, wenn nicht unersetzlicher Verlust hat die deutsche Arbeiterbewegung betroffen: Theodor Aorck ist nicht mehr! Während die Parteigenossen in der Ferne von diesem Verluste Nachricht erhalten, haben wir hier schon die sterbliche Hülle un- sereS theueren Freundes zur Erde bestattet. Betrübten Herzens stehen wir heute an feinem Sterbekette, trauernd über einen un- serer wackersten Kampfgenossen, der seit dem Austreten Lasialle'S bis auf die letzten Tage ununterbrochen in der Arbeiterbewegung thätig war. Wo es galt, die Arbeitersache zu fördern, war Horck stets zur Hand, wenngleich er mit den täglichen Sorgen des Le- benS oft schwer zu kämpfen hatte. Sowohl in der Partei- wie in der Gewerkschaftsbewegung stand er jederzeit im Vordergrunde. Er war einer jener Delegirten, welche 1S63 auf dem Arbeiterkongresse zu Leipzig den allgemeinen deutschen Arbeiterverein stif- k.en. Vis zur Gründung der soziul-demolratischen Arbeiterpartei, IL69 zu Eisenach, war �jorck Vorstandsmitglied des genannten Vereins. Im Jahre 1870 gehörte er der Controlcommisston der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an und 1871 wurde er in den Ausschuß der Partei gewählt. Bis zu dieser Zeit war Harburg sein Aufenthaltsort; nunmehr aber siedelte er nach Hamburg Uber, wo er bis zum Oktober 1873 die Sekretariatsgeschäfte der Partei leitete. Neben dieser Thätigkeit auf dem Gebiete des ParteilebenS entfaltete er seit 1863 ein nicht minder regcS Wirken auf gewer!- schaftlichcm Boden. Einer der Gründer der Gewerkschaft der ' Holzarbeiter, befand er sich an der Spitze der Geschäfte' derselben bis zu seinem.Tode. Die geweikschaftliche Seite der Arbeiter bewegung war thm besonders an's Herz gewachsen. Sie hatte er zu seinem Lebensstudium gemacht. Leider war es ihm nicht ver- � gönnt, die Saat blühen zu sehen, welche er mit gesäet hatte. Er , bestrebte sich, die Gewerkschaften zu einheitlichem Zusammen-Stehen und Gehen zu veranlassen, schuf als Spezial-Organ der Gewerk- schaftsbewegung die Zeitung„Union", welcher im vorigen Jahre die gewerkschaftliche Vereinigung„Union" folgte. So organisirte und kämpfte er für die Gewerkschaften und damit für die große, � allgemeine Arbeitersache. Er war im vollen Sinne des Wortes Arbeiter, trotz einfachster Volksschulbildung, welche er als Sohn eines BreSlaucr Tischlermeisters genossen, als Tischler sehr be- sähigt, als Sozialdemokrat belesen, beredt und tüchtig mit der Feder. Zu Breslau 1830, am 13. Mai, geboren, erreichte er ein Alter von nur 44 Jahren, indem er heute Morgen um 4'/« Uhr im hiesigen Freimaurerkrankenhause starb. Außer den zahlreichen Parteigenossen, welche ih» persönlich gekannt haben und ihm be- freundet waren, trauern um ihn seine Frau und zwei Söhne von je 8 und 5 Jahren. Möge Uorck niemals von den deutschen Arbeitern vergessen werden, von jenen Männern, zm denen Iorck sich mit Stolz zählte und für deren gerechte Sache er bis zum letzten Athemzugc be- geistert war! Hamburg, 1. Januar 1876. Für die Hamburg-Altonaer Parteigenossen und die Mitglieder der Gewerkschaft der Holzarbeitet: August Geib. H. Somann. I. Auer. Eberhardt. zialdemokratie." Den Jubel gönnen wir den Gegnern, zumal, wie wir gleich sehen werden, dazu sehr wenig Anlaß ist. Und das Geschrei vom„Rückgang der Sozialdemokratie" kann uns an sich nicht unlieb fein, denn es eröffnet uns wenigstens Aussicht, von Oben her in Ruhe gelasseu zu werden, da eine im„Rückgang" befindliche Partei zu verfolgen absolut keinen Sinn hätte. Nun verhält sich aber die Sache folgendermaßen: die letzte Stadt- verordnetenwahl ist unter einem anderen Gemeindegesetz vollzogen worden als die früheren Wahlen, bei denen unsere Partei gesiegt hat. Die seit dem 16. Oktober vorigen Jahres in Kraft befindliche„königlich sächsische revidirte Städte- ordnung" legt, außer anderen Beschränkungen, einen CensuS von 1 Thlr. direkter Staatssteuer auf, durch welche ein namhafter Theil sozialdemokratischer Einwohner vom Wahlrecht ausgeschlossen worden ist. Bei einer Versammlung, die nach den Christfciertagen in Chemnitz zur Besprechung der Stadtverordneten- wählen abgehalten wurde, bezeichnete Vahlteich mit Recht an- wescndeu Liberalen gegenüber die neuen Gemeindegesetze als„einen Ausfluß der eminentesten Klassenherrschaft",„eigens dazu geschaffen, daß die Reichen die Armen unterdrücken könnten." Wir glauben sogar nicht irr zu zehn, wenn wir sagen, daß bei Ausarbeitung der neuen sächsischen Gemeindegcsetze ganz wesentlich auf die Siege unserer Partei in Meerane und anderen Städten Rücksicht genommen worden und der Zweck maßgebend gewesen ist, unS derlei Siege für die Zukunft unmög- lich zu machen. Aus dem Crimmitschau er„Bürger- und Bauern- freund" ist auch zu ersehen, daß unsere Parteigenossen in Meerane den Wahlkampf diesmal von vornherein für fast hoffnungslos ge- halten hatten. Und nun beurtheile man das Gebahren unserer Gegner. Erst fertigen sie in den ausschließlich von ihnen besetzten Gesetzgebungskörpern Gefetze an, welche daraus berechnet sind, unsere Partei von der Gemeindevertretung auszuschließen; und wenn dann die betreffenden Gesetze ihre Wirkung thun, prahlen sie mit dem erfochteuen„glänzenden Triumph" und höhnen unsere Partei ob der erlittenen„Niederlagen"! Zum mindesten ist das nicht ehrlich; gewiß nicht anständig. Doch was kümmert das unsere Gegner. Ob:S klug ist? Ob.-S in ihrem Interesse, ob es im Interesse des heutigen Staats ist, die Sozialdemokratie vom öffentlichen Leben abzuschneiden, ihr den Weg der Praxis, der Reform zu versperren, das mögen unsere Gegner mit sich selber ausmachen*). Die Nothwrndigkeit der Gewerkschaften. Unsere Gegner. In Meerane, wo unsere Parteigenossen 4 Jahre lang das Stadtverordnetenkollegium besetzt, sind dieselben bei der am Schluß d. v. Jahres vorgenommenen Wahl zwar mit geringer Minorität, aber doch vollständig unterlegen. Darob großer Jubel der Geguer und Erneuerung des Geschrei'S vom„Rückgang der So- Wir machen bei dieser Gelegenheit auf den Separataidruck der in Coburg gehaltenen Rede Porck's aufmerksam; dieselbe ist unter dem Titel:„Ein neues Arbeitsrecht"(16 Scitr« groß Oktav), erschiene«, und von der Cppcdition deS„BaUSstaat" zu be- ziehen. Ta die GenaflenschaslSbuchdruderei die ganzen Herstellungskosten übernommen hat, so stießt der Gcsammtertrag ohne jedweden Abzug»er hinterlasicurn Familie zu, weShalv auch der Preis, statt auf 10 Pf., wie ursprünglich beabfichtigt war, aus 26 Pf. sestgescht Wörde?, ist. Angesichts der Thatsache, daß bereits eine ganze Anzahl, zum Theil gut organistrter Gewerkschaften bestehen, könnte es über- flüssig erscheinen, an dieser Stelle nochmals über die Nothwendig- keit der gewerkschaftlichen Organisation zu sprechen. Die weitere Thatsache aber, daß der bei weitem größte Theil der Arbeiter den Gewerkschaften noch nicht angehört, bestimmt uns, nochmals auf dieses Thema zurückzukommen. Was wollen die Gewerkschaften? Diese Frage ist kurz dahin zu beantworten: Die Gewerkschaften wollen jedem einzelnen Mit- gliede innerhalb der heutigen Verhältnisse ein möglichst gesichertes Dasein verschaffen. Ein gesichertes Dasein erstrebt freilich auch der einzelne Arbeiter; aber in seiner Vereinzelung ist er zu schwach, dieses Ziel zu erreichen. Er ist nicht nur bei allen möz- lichen Wechselfällen auf seine isolirte Kraft angewiesen, er ist auch völlig außer Stande, dem Arbeitgeber zu widerstehen, wenn dieser für geleistete Arbeit weniger Lohn als bisher zahlen und die Arbeitszeit verlängern will. Ja, der einzelne Arbeiter muß e« sich gefallen lassen, wenn der Arbeitgeber ihn behandelt wie einen Sklaven. Kurz, der einzelne, keiner Gewerkschaft angehörende Arbeiter, trotzdem er Alles aufbietet, um nach Möglichkeit gut zu exifliren, ist ein Spielzeug der Verhältnisse, ein Opfer der Laune des Arbeitgebers. Das ändert sich ganz gewaltig, wenn die Ar- beiter sich vereinigen, wenn sie die vereinzelt zu einem erfolgreichen Widerstande unzureichenden Kräfte zusammenwerfen, wenn sie ge- meinsam handeln, wenn sie einstehen: Einer für Alle, Alle für Einen! Von nun an kann der Arbeitgeber, um unS eines geläufigen Ausdrucks zu bedienen, nicht mehr wie er will. Mit dem ver- einzelten Arbeiter konnte er machen was er wollte, den vereinigten Arbeitern gegenüber muß er andere Saiten aufziehen. Der in seiner Vereinzelung schwache Arbeiter ist durch die Vereinigung stark geworden. Er ist durch die Vereinigung und in der Ver- einigunz eine Macht, mit der jeder, selbst der habsüchtigste und brutalste Arbeitgeber rechnen muß. Da aber der einzelne Arbeiter naturgemäß zunächst sich nur vereinigen kann mit solchen Arbeitern, mit denen er in derselben Werkstatt oder Fabrik zusammen arbeitet, mit denen er also am häufigsten in Berührung kommt, so werden diese Bereinigungen vorerst nur bestchcu können aus Fachgenossen. Und zwar werden sich zunächst nur die Fachgenossen einer Werkstatt, einer Fabrik vereinigen, da sie eS mit einem und demselben, ihrem gemein- samen Arbeitgeber zu thun haben. Der Arbeitgeber ist aber ein gescheuter Mann, er versteht sein Interesse zu wahren. Er sucht bei ausbrechenden Differenzen in der Stadt direkt oder in den Zei- tungen Arbeiter„für dauernde Arbeit bei hohem Lohn". Die Arbeiter der Werkstatt, wollen sie nicht uuterliegen, sind jetzt ge- zwungen, einen Schritt weiter zu gehen und sieh- mit den Fach- genossen in der Stadt zu vereinigen. Der Arbeitgeber, der auf sein„Recht" pocht, die Arbeiter nach Belieben ausbeuten zu dür- fsu, ist aber nicht an die Stadt gebunden: er sucht Arbeiter in anderen Städten, er sucht sie im ganzen Lande, er sucht sie, als guter Internationaler, überall und„nimmt sie, wo er sie findet". Aber dabei bleibt er nicht stehen. Um die Arbeiter ein- für alle- mal zur Raison zu bringen, vereinigt er sich mit den Arbeitgebern seiner Branche in der Stadt, im gcmzen Lande. Die Arbeiter ihrerseits haben keine andere Wahl, als dem Beispiele der Arbeit- geber zu folgen. Auch ihre Vereinigung beschränkt sich jetzt nicht mehr aus die Stadt: die Fachgenoffen des ganzen Landes und womöglich der Welt schließen ein Schutz- und Trutzbündniß gegen die ausbeutenden Kapitalisten. Ist diese Vereinigung den Arbei- tern geglückt, dann steht sich gegenüber Bereinigung gegen Ver- einigung, Macht gegen Macht. Und die Vereinigung der Arbeiter einer Branche, deren Ent- stehung wir uns soeben vor Augen geführt haben, nennt man— Gewerkschaft. Nachdem wir vor Augen geführt, wie die Gewerkschaften ent- stehen, wollen wir sehen, wie sie den Zweck, jedem einzelnen Mit- gliede ein nach den Verhältnissen uiöglichst gesichertes Dasein zu verschaffen, zu erreichen trachten. Eine gut organisirte Gewerkschaft sieht vor Allem darauf, daß ihren Mitgliedern ein möglichst hoher Lohn gezahlt und daß die Arbeitszeit nicht beliebig von dem Arbeitgeber festgesetzt wird. Sie trachtet ferner darnach, die Mitglieder in Krankheitsfällen vor Roth und Elend zu bewahren; sie gründet Arbeitsnachweis- Bu- reaux; sie unterstützt den arbeitslosen reisenden Genossen— kurz, so weit die Mittel und die Macht reichen, steht die Gewerkschaft jedem einzelnen Mitgliede in seinem Kampfe mit den Verhältnissen und dem Arbeitgeber bei. Angesichts solcher Vortheile sollte man meinen, alle Arbeiter müßten Gewerkschaften angehören. DaS ist aber nicht der Fall; die Mehrzahl der Arbeiter steht vielmehr noch außerhalb der gewerk- schaftlichcn Organisation. Es läßt sich das nicht anders er- klären, als durch die Annahme, daß die Arbeiter im Großen und Ganzen den Nutzen der Gewerkschaften noch nicht begriffen haben. Wenn auch eineStheilS die Verhältnisse den Arbeitern die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Gewerkschaften aufdrän- gen werden, so soll anderntheils auch durch Wort und Schrift den Arbeitern die nöchige Aufklärung gegeben werden. Mögen daher die Gewerkfchafts-Vorstände in ihrem Bestreben, die Massen in den Gewerkschaften zu vereinigen, fortfahren, mögen sie, mögen alle Gewerkschaftsmitglieder, unbekümmert um alle Verfolgungen, ausharren in dem„Kampfe um'S Dasein"! Politische Uebersicht. — Statistik der Schulbildung in Preußen. Der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir folgende Zusammenstellung: „Ueber die Schulbildung sind bei der Volkszählung am 1. De- zember 1871 zum ersten Male allgemeine Nachrichten eingezogen worden. Unsere Leser erinnern sich der Frage auf den damals ausgegebenen Zählkarten: Schulbildung, d. h. kann lesen und schreiben? Die Beantwortung derselben hat die Grundlage für die Darstellung der Elementarbildung der ganzen Bevölternng ab- gegeben. Trotzdem der Zweck jener Frage vielfach und oft grade in den gebildeten Kreisen nicht verstanden worden ist, ist die Lese- und Schreibsähigkeit doch nur bei 277,572 Personen über 10 Jahr, d. h. bei 1,zi°/v der hier in Betracht kommenden Bevölkerung un- aufgeklärt geblieben. Von der gesammten Bevölkerung über 10 Jahr, gesondert nach dem Geschlecht(m. 9,094,767, w. 9,482,044, zusammen 18,676,801), männlich, weiblich, zusammen. 8,112,051 7,926,901 16,033,962 ') Die reaktionären Gemeindegcsetze gelten nur für die größeren und mittleren Städte. In den kleiueren Städten und Landgemeinden ist das Wahlgesetz ziemlich sreisinniß, woraus, sich die zahlreichen Siege unserer Partei, namentlich bei den letzten Wahlen(„Rückgang"!) erklären. konnten lesen und schreiben ist die Lefe- und Schreib- sähigk-it zweifelhaft bei 118,363 163,709 277,672 konnten nicht lesen u. schreiben 863,843 1,396,434 2,260,277 Aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich, daß, während die Zahl der weiblichen Personen über 10 Jahr größer ist, als die der männlichen in derselben Altersstufe, das weibliche Geschlecht eine bei weitem größere Anzahl Schulbildungsloser aufweist als das männliche. Zahlenmäßig stellt sich der Antheil der Geschlechter an den Analphabeten(eigentlich Solche, die das Alphabet— ABC — nicht kennen, Schulbildungslose) folgendermaßen: Von je 10,000 Ortsanwesenden über 10 Jahr im ganzen Staate sind ohne Schulbildung) �60 Männer oder M Vorstehende Zahlen stellen das Minimum der Analphabeten dar, d. h. sie enthalten diejenigen Personen nicht, bei denen die Lese- und Schreibfähigkeit unaufgeklärt geblieben ist. Nach dem GlaubenSbekenntniß gesondert vertheilen sich die Analphabeten auf die männlich absolut 0/o Evangelischen 390,117 6,oo Katholischen 464,755 Israeliten 7,976 Dissidenten 995 Hiernach sind die wenigsten Analphabeten unter den Dissidenten, die meisten unter den Katholiken zu finden, während Evangelische und Juden, einen ungefähr gleichen verhältnißmäßigen Antheil an denselben haben, der zwischen dem jener liegt. Bei den Katholiken ist noch aus die" seltsame Erscheinung hinzuweisen, daß das weib- weiblich 16,.« 6,05 4,90 absolut 693,400 636,635 15,658 1,851 °/o 11,37 21,81 12,55 9,02 liche Geschlecht hinsichtlich der Schulbildung im Verhältniß zum männlichen günstiger steht, att bei den übrigen ReligionSgemein- schuften. Zwischen den einzelnen Regierungsbezirken besteht hinsichtlich der Schulbildung ein sehr bedeutender Unterschied. Wiesbaden, Berlin, Sigmaringe», Merseburg haben 1,1» bis 2,«% männliche und 2,ii bis 4,ä» 0/o weibliche Analphabeten, während Posen, Dan- zig, Bromberg, Marienwerder mit 30, 31 bis 34,62 bezw. mit 37,« bis 41,040/0 an denselben betheiligt sind.— Zwei Millionen zweihundertsechzigtausend Personen über 10 Jahr in Preußen, die nicht lesen und nicht schreiben können! Und das nennt sich„Jntelligenzstaat"! — Gegen den Patriotismus in der Schale wendet sich das in den Schulen des CantonS Zürich eingeführte gcschicht- liche Lehr- und Lesebuch der Professoren S. Vögelin und I. J. Müller in folgenden beherzigenSwerthen Worten: „Unsere Geschichtslehrbücher haben bisher besonder« einen „patriotischen" Charakter angestrebt. Sie suchten durch eine Aus- wähl von Heldenthaten den Kindern zu zeigen, wie hoch unser Volk über andern stehe, um dadurch die Liebe zum Vaterlande in ihnen zu wecken und zu pflegen. Mit der Tendenz sind wir einverstanden; da« Mittel verwerfen wir. So wird im Lehr- mittel namentlich die Darstellung der Entstehung des Schweizer- bunde« Manchem beftemdlich, nackt und kühl erscheinen. ES wird diese Entstehung im Ganzen als eine Bewegung, die sich von andern gewaltsamen Freiheitsbewegungen wenig unterscheidet, nach- gewiesen; nicht mehr aber wird da von jenen uralten Rechten ge- sprechen, die unsere Vorfahren schon aus Schweden mitgebracht. Da möchte man nun einwenden, diese Behandlung könne doch unmöglich den Patriotismus wecken; im Gcgentheil, sie werde ihn unterdrücken. DaS ist nun freilich unsere Meinung nicht. Aller- dings knüpfen wir nicht an jene fabelhaften Freiheitsrechte an, die unsere Vorfahren von Anbeginn der Zeiten innegehabt und durch alle Epochen bewahrt haben sollen; wohl aber an die unverjähr- baren Rechte der Freiheit und der freien Selbstbestimmung, die jeder Mensch und jede Volksgemeinschaft hat; an jene Rechte, die sich unsere Vorfahren durch Intelligenz und Kraft selbst erworben. E« soll die Jugend fühlen, daß eS in der Welt noch höhere An- sprüche giebt als die auf Pergament verbrieften, und daß neben diesen allgemeinen Menschenrechten alle von Kaisern und Königen ertheilten Privilegien in den Staub sinken.— ES ist ferner in nothwendigem Zusammenhang mit der angeführten Anschauung die Schweizergeschichte bisher dargestellt worden als ein unauSge- setzter Versuch der Oesterreicher, unsere Freiheit zu unterdrücken. Daraus rguhte ein glühender Haß gegen die österreichischen Vögte entstehen, und dieser Haß gegen die Vögte mußte zum Haß gegen Oesterreich und gegen Deutschland überhaupt auSarren. Wer den Nationalhaß für ein Unglück hält, darf ihn also der Jugend nicht schon mit der Schulmilch eintränken. Aufhören muß eine Darstellung, wo wir immer Recht haben, die Andern dagegen immer Unrecht, ja wo diese inSgesammt als Buben, FreiheitS- schänder u. s. f. erscheinen. Jene Erzählungen von den Schand- thaten der Vögte, die ja zum Glück ins Reich der Fabel be- ziehungsweise der Lüge gehören, müssen fallen. ES ist freilich wohl möglich, daß dann von jener wunderbaren Nationalherrlich- keit Einiges abfällt, aber eS dient unserm Volk offenbar nicht zum Unsegen, wenn eS von seinem Nationaldüntel etwas abgiebt. Jener hochmüthige Standpunkt ist im IS. und 16. Jahrhundert im frischen Gefühl deS Kampfes mit der ganzen Umgebung auf- gekommen, hat sich durch das 17. und 13. Jahrhundert fortge- pflanzt und schleppt sich als ein Erbe jener Periode noch heute fort. Er stammt also aus einer Zeit, wo wir Schweizer in unsere Uuterthanenländer selber Landvögle setzten, die Vieles hinter sich ließen, was an Gräuelthaten und Unfläthereien fremden Vögten zugeschrieben wird. Wir haben also durchaus keinen Beruf, so großsprecherisch aufzutteten. Ueberhaupt hat das Gefühl,„que nous rnarchons ä la töte des nations"(„daß wir an der Spitze der Nationen marschiren") den Völkern noch selten ersprießliche Frücht- getragen. Die Epempel liegen nahe und sind auch für uns da zum Beherzigen. Wenn die Bibel nur Ein„Volk GottcS" anerkennt, so sagen wir uns von einer solchen Auffassung loS. Nun gut, aber so wenig) als wir außer uns ein„Volk GotteS" im spezifischen Sinne anerkennen, d. h. ein solches, für das Gott in eigener Person auf den jSchauplatz und Kampfplatz tritt, neben dem die andern Völker„sFeinde GotteS" sind— ebensowenig wollen wir eine solche ausnahmsweise„Erwählung" unserem eigenen Volke zuschreiben. Erstirbt darum die Liebe zum Vaterlandc? Wenn und so weit sie nur auf Täuschung gebaut ist, offenbar. Wir pflanzen die Liebe zur Mutter nicht ein, indem wir diese als ein höheres Wesen darstellen; so auch nicht die Liebe zum Baterlaude; nur die Wahrheit hat seine andauernd belebende Kraft. ES ist dabei wichtig, zu zeigen, daß die Ding- nicht so gegangen, wie uns alte Sagen überliefern. Dann aber wird die Liebe zum Vaterland- eine höhere, wenn man dieses als ein Glied der großen Völkersamilie nachweist, mit eigenen Vorzügen und eigenen Auf- gaben, als wenn man es auf einen Jsolirschemel stellt. Ferner: Wenn daS Kind erfährt, daß erst seit Ende des 18. Jahrhunderts, ja erst seit 1830 wieder ein wahre« politisches Leben und Streben in der Schweiz sich zeigt, und die großen Aufgaben der Republik erfaßt werden, glaubt man, daß dann die Jugend nicht auch da« Vaterland der Gegenwart, der Zukuust lieb gewinne,— nicht auch mit Begeisterung erfüllt werde, wenn man ihr zeigt, welche Kräfte unseres Volkes jetzt sich entfalten? Diese Begeiste- rung muß eine höhere und wärmere sein als die für Tell; denn jetzt gilt es keine Aepfel mehr von den Köpfen zu schießen. Wir sind völlig überzeugt, daß das Lehrbuch auch einen patriotischen Zweck erfüllen soll, aber nicht in Opposition gegen den KoSmo- poliliS>»uS." Was hier speziell von der Schweiz gesagt ist, findet, mit den nöthigen Aenderungen, seine Anwendung auf die Geschichtsbücher aller übrigen Völker, und auch ganz besonders auf die deutschen, in denen die lächerlichsten Mährchen verbreitet, die unrichtigsten und schädlichsten Vorstellungen über das eigene Volk und die fremden Völker(„Erbfeinde") zum Ausdruck kommen. — ZurBehandlung politischer Gefangenen. In Bautzen verbüßt seit etwa vier Wochen der Sozialdemokrat, Pietschmann aus Königsbrück eine viermonatliche Gefängnißstrafe wegen des nicht mehr ungewöhnlichen Vergehen« der Kaiserbeleidignng. Diesem verweigert der Untersuchungsrichter Assessor Donath ivgar das Zeitungslesen! Dieser Gelehrte ließ sich dahin auS: Gefangenen, welche eine Strafe verbüßen, käme e« nicht zu, Zeitungen zu lesen, daS könnte unter keinen Umständen zugelassen werden, das Zei- tungslesen sei keine Strafe.(Manchmal doch!) Al« nun Pietsch- mann darauf hinwies» daß ihm früher die« doch ohne Weiteres vom Direktorium gestattet worden, da bekam er die Antwort: dann sei ihm zuviel bewilligt worden. Und als nun Pietschmann weiter vorstellte, er sei doch ein politischer«»efangmer, da lautete der Bescheid dahin: das bliebe sich ganz gleich, ob er wegen Dieb- stahl oder MajefiätSbeleidigung die Strafe erleide, Strafe fei Strafe. Wem fällt da nicht der Direktor des Gefängnisse« von Plötzensee ein, der nun freilich kein studirter Mann ist? Im Straf- gesetzbuch stehe ausdrücklich, daß jeder Gefangene nach seinen Fähig- knien zu beschäftigen sei, vom ZeiwnzSlesen stände da nichts. Da baben wir gleich einen neuen Commentar! Eben so vergeb- lich, beantragte Pietschmann, daß ihm daS Lichtbrennen gestattet sei. Die übrigen 60 Gefangenen dürften auch kein Licht brennen, hieß e« da und da könne mit ihm auch keine Ausnahme gemacht werden. Pietschmann bewohnt eine der dunkelsten Zellen im Be- zirkSgerichtSgefängniß, wo es bei solcher Witterung gar nicht or- deutlich Tag wird. Es ist wirklich merkwürdig,«aS für eine Ge- rechtigkeit manchmal in den Gerichten herrscht. Wenn Einer im Sommer zur Haft kommt, hat er den ganzen Tag Helle, wenn er im Winter hineinkommt, wird er zugleich mit Dunkelarrest be- straft, warum denn auch nicht mit Kälte? Warum denn nicht mit Hungern? Essen ist auch keine Strafe. Was aber Allem die Krone aufsetzt, ist, daß Pietschmann nicht einmal einen Tisch bekommen konnte. Man sagte ihm, e« sei keiner mehr vorhanden. Schöner Grund! Giebt'S in Bautzen keine Tischler? Wenn man Jemanden vier Monate einsperrt, mag man sich auch die Mühe nehmen, ihm einen Tisch zu besorgen. Pietschmann hat sich wegen Nichtbeförderuug seiner Briefe, wegen Verweigerung de« Licht« und der Zeitungslektüre an daS Ministerium der Justiz beschwerdeführend gewendet, ist aber damit abschläglich beschieden worden, indem Alles dem Ermessen des Herrn Donath anheimgestellt wird.— Der Commentar wird im Reichstag gemacht werden. — Arbeiterentlassungen. Die Folgen der Gründer- und Schwindelepoche brechen jetzt in ihrer ganzen Schwere über die Arbeiter herein. So hat, wie schon erwähnt, der Polizeipräsident von Wien ein Memorandum an den Kaiser abgefaßt, tu welchem er die soziale Lage der Hauptstadt und die Stimmung der arbei- tenden Bevölkerung angesichts der täglich drückender werdenden Nothlage schildert. Die„Deutsche Zeitung" entnimmt dem Memorandum fol- «ende Stelle:„In den Arbeiterkreisen Wien» herrscht tiefgehende Verstimmung, hervorgerufen durch die Arbeitslosigk it und Verarmung. Die Arbeiterentlassungen nehmen immer größere Dimen- stonen an und fallen um so mehr in'S Gewicht, als die trüben Zeitver�ältnisse eine Vertheilung der disponiblen Arbeitskräfte nach den Provinzen unmöglich machen. Ein grelles Bild der Situation in den Arbciterkreisen liefern die massenhaften Exe- kutionen ärmlicher HauSwirffchaften infolge Verschuldung. Dabei hält in einzelnen dichtbevölkerten Vorvrten Wiens bereits der Hunger seinen Umzug, und die eingetretene rauhe Witterung drückt schwer auf die Gcmüther." Aber nicht nur in Wien, auch in Berlin und wohl in allen Jndustriecentren Deutschlands jsieht eS ähnlich aus um die Lage der Arbeiter. Die„VolkSzeitung" kündigt z. B. Entlassungen von Arbeitern an, die zu Neujahr in der Borsig'fchen Fabnk stattfinden sollen. Sämmtliche Feilenhauer dieser Fabrik sollen auf die Straße geworfen werden, außerdem erwartet noch 1500 andere Arbeiter daS gleiche Loo». Im Ganzen sollen sich die Arbeiterentlassungen in den Maschinenfabriken von Berlin auf etwa 8000 belaufen. Und wie zwingend müssen nicht erst die Gründe sein, die den Mordwaffen-Fabrikanten Krupp in Essen bestimmen, sein Personal von 16,000 auf 3000 zu reduziren, trotzdem ein Staat den andern zu überbieten trachtet in kriegerischen Zurüstungen? Und wohlgemerkt: an all dem Elend, das jetzt über die Ar- beiterklasse hereinbricht, sind die Arbeiter so unschuldig wie ein neugeborncS Kind. Aber so gewiß die Zeit nicht mehr fern ist, wo die Arbeiter begriffen haben werden, daß in der heutigen Ge- cllschaft ihrer nur Roth und Elend harrt, so gewiß eilen wir der Zeit entgegen, wo an die Stelle der heutigen sozialen Mißwirth- schaff das harmonische und glückliche Zusammenleben der Menschen tritt. — Der Klassenkampf. In England hat da« neue Jahr den seit Monaten drohenden allgemeinen Strike der Kohlen- arbeiter von SlldwaleS als erstes Angebinde gebracht. Nach- dem alle bisherigen Verhandlungen zwischen Arbeitern und Gruben- besitzern fruchtlos geblieben waren, kam man gegen Jahresschluß überein, am 30. Dezember in Cardiff eine gemeinsame Conserenz der Grubenbesitzer und Arbeiterdelegirten abzuhalten. Auf der Conserenz waren über 50,000 Arbeiter vertreten. Man unter- handelte lange, indeß auch diesmal wurde eine Einigung nicht er- zielt. Um zu beweisen, daß sie sich vollkommen im Recht fühlten und nicht leichtsinnig in den Kampf stürzen wollten, schlugen die Arbeiterdelegirten zuletzt noch ein Schiedsgericht vor; der Borschlag wurde jedoch von den Grubenbesitzern abgelehnt, und am 1. Januar ist in Folge dessen in sämmtlichen Kohlen- bergwerken von SüdwaleS die Arbeit eingestellt worden. Wie viele Menschen hier durch die Habsucht und UnterdrückungSwuth der Kapitalisten der regelmäßigen Subsistenzmittel beraubt sind, läßt sich noch nicht übersehen— weniger als eine Viertelmillion(Frauen und Kinder eingerechnet) wohl schwerlich. Herr Max Hirsch aber hat Stoff zu einem neuen Artikel über die„Harmonie" zwischen Kapital und Arbeit, und die Allheilkraft der sozialen Wunder- mezin, genannt Schiedsgerichte.— — In Spanien frischer Scenen- und Koulissenwechsel. Nach- dem der„edle" Republikaner Castelar den militärischen Glücks- rittern die Republik in die Hände gespielt hat, haben besagte militärische Glücksritter jetzt gclhan, was sie nicht lassen konnten und was wir von vornherein in Aussicht stellten: der Republik den Hals umgedreht, und die Monarchie proklamirt— mit AlphonS, dem noch nicht hinter den Ohren trockenen Sohne der Tugendrofen-Besitzerin Jsabella als König. Nun— wieder ein König zum Fortjagen! Lang wird der Schwindel nicht dauern. — Einige Tage vor dem �letzten Staatsstreich, das fei noch er- wähnt, war dessen Hauptmacher Serrano(der al« ehemaliger Schürzenstipendiat der Jsabella vielleicht in mehr denn Einer Be- Ziehung für den jungen König verantwortlich ist) bei Castelar zum Besuch und dankte ihm in zärtlichster Weise für seine Verdienste um die gemeinschaftliche Sache des Vaterlandes. Gewiß von Herzen! — Besondere Liebenswürdigkeit. Unser spezieller Freund, Herr Professor Johannes Scherr zu Zurüch, hat nicht unter- lassen wollen bei der neulicheu Herausgabe der zweiten Auflage seines„PasstouSspieleS zu WildiSbuch" auch unserer mit gewohnter Zartheit zu gedenken.„Wie mag solche» angehn?" möchte man mit dem Katechismus ftageo: WaS haben wir mit dem Wahnsinn deS cousequent gewordenen MuckerthumS zu thuu? Nichts frei v lich! Aber der gute Wille hilft über viele Schwierigkeiten hin weg. Herr Johanne« schreibt eine neue Borrede, spricht in der selben über den„MolochiSmuS" im Christenthum und verfällt be' dieser Gelegenheit auf folgenden Prachtsatz:„Ich weiß recht gui' daß die Mehrzahl der sogenannten Christen auS dem MolochiS-! muS nie herauskommen wird, wie ich ja auch recht gut weiß. daß eS den giftigen Gaunern, welche die kommunistische' BlödsinuSbotschaft predigen, nie an gläubigen Gim-' peln fehlen wird." Bei Betrachtung dieses„namenlos elenden GegeiferS"— diese Bezeichnung ist von Scherr formulirt— drängt sich unwillkürlich die Frage aus: Tobt der Mann so au« Unverstand oder au« Be- rechnung? Herr Johannes schreibt seit langen Jahren für das Publikum, damit es ihn bezahle— nicht allein deswegen! Be- hüte Gott. Rein, vor allen Dingen, damit er dasselbe belehre, warne, erhebe, zu seiner eigenen CivilisationSstufe erziehe. Dieser edle Zweck soll unbestritten bleiben; jener ökonomische Nebenzweck wird ja damit keineswegs ausgeschlossen, denn man soll bekanntlich „dem Ochsen, der da drischt, daS Maul nicht verbinden". Nun liegt es aber in der Natur aller vierbeinigen und zweibeinigen Ochsen, daß sie bei diesem Doppelgeschäft sallmähliz einen besser' ausgebildeten Instinkt für den Gebrauch des MauleS, als für den der dreschenden Klauen bekommen, und eS ist nicht abzusehen, warum dieS Naturgesetz sich nicht auch im vorliegenden Falle gel- tend machte. Bei gegenwärtigem Bestände deS literarischen Markte« im„heiligen Reich" hat eine Geisteswaare offenbar keine glänzen- den Chancen, wenn sie sich durch besonder« rothe Färbung auS zeichnet. Hat man nun ein Buch geschrieben, daS auf religiösem Gebiet diesem Zeitbedürfnisse durchaus nicht gerecht wird— wie bequem» eS dadurch mit einer kleinen Empfehlung auszustatten, daß man ihm einen noch so sehr an den Haaren herbeigezogenen Ausfall gegen den sozialen Radikalismus einfügt! Doch ganz abgesehen von diesen allgemeinen Thatsachen— eS läßt sich auch bei Herrn Johannes ein individueller Zug ecken- neu, der sein flegelhafte« Benehmen uns gegenüber erklärt. In der menschlichen Natur stehen offenbar die religiöse und die ethische Begabung in solcher Verbinduag zu einander, daß nur da, wo eine jede von ihnen ihre vollste harmonische Ausbildung erlangt hat, ein gesunde« Zusammenwirken beider entsteht. In allen anderen Fällen— also fast immer; bei Beachtung der kleinsten Züge, gradezu immer— tritt eine Beeinträchtigung der einen Natur durch die andere ein. Jeder Mensch ist in dieser Beziehung mehr oder weniger einseitig, und, soweit er„daS Thier" in sich nicht gebän- digt hat— welches sowohl ein sittlicher Hund sein kann, al« eine fromme Katze— zur Ungerechtigkeit gegen die andere Seite ge- neigt. Die Arbeit für die Neugestaltung der Gesellschaft ist eine durchaus ethische und deshalb ist zur Entfaltung religiöser Nei- ganzen und Talente in unserer Partei kein- Gelegenheit. Herr Johannes ist von Haus auS eine religiöse Natur— andernfalls hätte er sein PasstonSspiel nicht mit solcher verve schreiben können wie unleugbar!— und eine, die keineswegs zu irgend welche harmonischen Ausbildung gekommen ist— was Wunder, wenn „daS Thier" in ihm un« Vorstellungen giebt, glücklicherweise biS jetzt nur. mit Katzenmusik? — Am 7. d. M. trittjsder Reichstag wieder zusammen, und wird voraussichtlich bis zum Ende des MonatS tagen. Es stehen wichtige Verhandlungen bevor, und die Vertreter der Arbeiter «erden am Posten sein.— Die Bolksschnle utib die Lage ihrer Lehrer in der Provinz Preußen. Eine Skizze von einem Ostpreußen. Vorwort-j Der wahrhaft Grauen erregende Abschluß der ostpreußischer Landarbeiter Revolten vor dem Schwurgerichte zu Königsberg und die darüber in der„Frankfurter Zeitung" erschienenen, in den „Bolksstaat", sowie in verschiedene andere Arbeiterblätter überge- gangeneu Aussätze über dieselben, baben einen tiefen Blick in die Lage der ländlichen Arbeiterbevölkerung unserer Provinz thur. lassen. ES ist wohl jedem Unbefangene», der dem Gange dieser Ereignisse und ebenso den Gerichtsverhandlungen mit Aufmerksam-- keit gefolgt ist, klar geworden, auf einer wie tiefen Bildungsstufe unser so grenzenlos geistig vernachlässigte« Volk in der Provinz steht, die man so häufig„den Vorposteu deutscher Sitte und Civilisation" gegen den östlichen„Erbfeind" genannt hat. Keine von allen Provinzen des preußischen Staats hat solche Drangsale erlitten, wie diejenige, die dem ganzen Lande den Namen gegeben hat, keine ist aber auch für alle von ihr gebrachten Opfer an Gut und Blut schlechter gelohnt worden, al« gerade diese. Man er- innere sich nur der Jahre von 1807 bis 1813, der auf den blut- getränkten Feldern von pr. Ehlau und Friedland in dem ersterer Jahre geschlageneu mörderischen Schlachten, der jahrelangen Occu pation der Provinz nach denselben durch die französische Armee, wodurch der ganze Wohlstand derselben zu Grunde ging und Tausende und aber Tausende an den Bettelstab kamen, ferner de« Durchmarsches der Franzosen im Jahre 1812 zum Kriege gegen Rußland und der gewiß nie geahnten Erhebung der Provinz in ihrer Landwehr im Jahre 1813. Man gedenke endlich der zahl- reichen Choleraepidemien, die gerade hier die zahlreichsten Opfer forderten, und des NothstandsjahreS 1367, in dem nicht allein eine totale Mißernte eintrat, sondern auch noch der in der ersten Zeit von der offiziellen und offiziösen Presse hartnäckig abgeleugnete Hunger-TyphuS Tausende von fleißigen Menschen hinwegraffte. Nimmt man Alles dieS zusammen, bedenkt man ferner die allen Verkehr mit dem Osten hemmende russische Grenzspeere, die dünne Bevölkerung der Provinz und die verhältnißmäßtg wenigen Jer- kehrstraßen in derselben, so hat mau ein Bild von ihrer Lage, wie eS kaum trostloser gedacht werden kann. Fragen wir nun: wie und auf welche Weise ist die StaatSregierunz hier helfend und fördernd eingetreten und was hat sie zur Hebung der Bildung d-S Volk«, der Industrie, deS Ackerbaues und Verkehr« gethau? so müssen wir beschämt die Augen niederschlagen und ant- worten— so gut als nichts! DaS Erste aber, wa« Jeder aus dem Volke vom Staate zu fordern berechtigt ist, ist, daß der Staat Jedem durch die Volk«- schule, deren Besuch obligatorisch sein muß, die nöthige Bildung, die erst den Menschen zum Menschen macht, angedeihen läßt und ihn zu einem tüchtigen Staatsbürger erzieht, nicht aber zu einem blind gehorchenden Sklaven und gedrillten Soldaten, der nur dem Commando folgt und Alle« über sich ruhig ergehen läßt. Zweck dieser Schrift ist es, dem Leser ein Bild von der Lage der Volksschule der Provinz Preußen und der ihrer Lehrer in skizzenhaften Zügen zu entwerfen; sie macht keinen Anspruch auf Vollendung, sondern versucht nur in wahrheitsgetreuen Umrissen die Sache so zu schildern, wie sie ist. Daher sei dieselbe allen wahrhaften Freunden des Volke», die es ehrlich mit seiner Bildung und Ausklärung meine», zur nachsichtsvollen Beurtheilung bestens empfohlen, darum bittet Der Verfasser. Schon häufig ist im„Volksstaat", sowie auch in anderen ihm verwandten Blättern über die Volksbildung in Preußen und die Schulen in diesem Staate„der Intelligenz", wie er sich selbst prunkend nennt, gesprochen worden und sind sämmtliche fortschritt- Kchen und nationalliberalen Blätter nicht müde geworden, über den„Schulmeister von Sadowa" ihr dummgläubigeS Publikum zu unterhalten. Allen voran ließ die Dunckerfche„VolkSzeitung", „das Organ für Jedermann aus dem Volke", zu deutsch:„das Mädchen für Alle", oder besser:„die Dirne für Alle" ihr„Bern- stein"-Licht leuchten. Wie cS aber mit diesem Lichte bestellt ist, sollen die folgenden Zeilen darthvn. Ist es schon schlecht mit der Volksschule in dem Staate„der Intelligenz" überhaupt bestellt, unterscheiden sich bie neugebackenen Falk'schen Regulative in wenig oder uichtS von den Raumer- Stiehle'schen, sondern gleichen denselben wie ein Ei dem anderen, so ist es mit derselben in der Provinz Preußen,(deren Bewohner von der Regierung geradezu wie amerikanische Hinterwäldler be- handelt werden, und von deren Presse WaleSrode in seiner im Jahre 1öS9 erschienenen„politischen Todtenschau" mit Fug und Recht sagen konnte, daß diese ans eine Weise gemaßregelt wurde, d>ie fast auf die Idee bringen konnte, daß die Provinz Preußen mit ihrer Haupt- und Residenzstadt Königsberg durch einen ge- Heimen Traktat an den benachbarten russischen Kaiserstaat abge- treten worden sei, und in aller Stille �von preußischen Beamten nach den Intentionen des verstorbenen Kaisers Nikolaus regiert werde), geradezu am schlechtesten allen anderen Provinzen, geschweige dem übrigen Deutschland gegenüber bestellt; besonders stellt sich dies im östlichen Theile dieser-Provinz, dem sogenannten Ostpreußen heraus. Vor kurzer Zeit befanden sich in Nummer 102 und 103 des „Volksstaat" kurze Notizen, die auS dem„Graudeozer Geselligen" in denselben übergegangen waren. Es ist in denselben mitgetheilt, daß an einem Orte des Kreises Neidenburg eine ganze Generation ohne irgend welche Schulbildung aufgewachsen und der Besitzer diese» OrteS ReichstagS-Abgeordneter sei, der Herr�Schul-Jnspektor dagegen große Landwirthschaft betreibe. Später"wurde berichtet, daß der Besitzer dieses OrteS und Schulpatron der Ritterguts- besitzer Herr Carl Donath auf Rutkowitz bei Soldau wäre, der bei seinen vielen Geschäften als Kreis- Deputirter, Amts- und Guts-Vorsteher und jetzt noch gar StandeS-Beamter nicht Zeit habe, sich um die Schule zu bekümmern. Lokal- Schul- Inspektor ist dagegen Herr:c. Donath nicht; diese Stelle nimmt ein würdiger Diener Gottes, der Herr Pfarrer Leipholz in Heinrichsdorf ein, der sich jedoch ebenfalls mehr um feine Landwirthschaft(er hat sich im Laufe der Jahre durch Auskauf verschiedener kleiner Bauer- wirthe in Heinrichsdorf ein ziemlich großes Gut zusammengebracht) kümmert als um seine Pfarre und die seiner Inspektion unter- stellten Schulen. UebrigenS versieht auch Herr Leipholz die beiden Kirchen Heinrichsdorf und Groß Koschlau, in deren einer er je einen Sonntag die Predigt abliest, die ihm, wie die boshafte Fama sagt, seine Frau Gemahlin, die übrigens auch die Kirchen- bücher und Correspondenzen führt, aufsetzt resp. ausarbeitet. Wie es mit der Schule unter der Leitung solch eines Manne« aussieht — denn das vorhin Gesagte gilt für die meisten dieser Herren— kann sich Jeder leicht vorstellen, ebenso, daß die krasseste Unwissen- heit und Stupidität unter der heranwachsenden Jugend herrscht, die sich nur zu häufig in grenzenloser Brutalität und Rohheit bei derselben äußert. Ost genug ist pS vorgekommen, daß friedlich durch die Dörfer ziehende Fußgänger von der Dorfjugend ver- folgt, sie von dieser mit Koth und Steinen geworfen) dre Hunde aus sie gehetzt und wenn sie, um sich gegen dies? Rohheiten zu schützen, zur Wehre setzten, von den zum Schutz ihrer Kinder her , beieileuden Eltern gemißhandelt �wurden. Hauptsächlich Religion d. h. Auswendiglernen von Liedern aus dem Gesangbuche und biblischer Geschichten, ein wenig Schreiben und Lesen und kaum die Anfangsgründe im Rechnen, um diese Gegenstände dreht sich der ganze Unterricht in der Volksschule, das ist genug für das Dorfkind, mehr darf es nicht wissen; denn Vielwissen mache Kopf- schmerzen, so denken die Herreu Besitzer, denen jeder denkende Mensch ein Greuel ist, und die nur Arbeiter, welche sie nach HerzenSlust ausbeuten können, haben wollen und ebenso der geist- liche Herr Lokal-Schul-Jnspektor, der für seine Zwecke ein dumm- gläubiges Volk, welches ihm die Hände und Füße küßt und den Dezem(Zehnten) an Geld und Naturalien zahlt, braucht. Ein bedeutender Uebelstand, der offenbar nachthcilig aus die Volksbildung wirkt, ist aber unter anderen auch der, daß nicht in jedem größeren Dorfe eine Schule besteht» sondern wie bei den Kirchen mehrere Dörfer, die oft eine halbe bis eine Meile und darüber von einander entfernt liegen, einen Schulverband bilden Man vergegenwärtige sich nur, daß die armen Kinder, die fast durchgängig jeder warmen Bekleidung entbehren, häufig nur mit Lumpen behängt sind, Morgens bei jedem Unwetter diesen weiten Weg zur Schule machen müssen, den ganzen Tag, da es zu weit ist Mittags nach Hause zu gehen, ohne warme Kost nur von einem Stückchen Brot oder einigen kalten Kartoffeln leben und dann Abends oft im Schneegestöber und Sturm nach Hause zurückkehren müsse», wobei vor einigen Jahren bei Kahlbruch(Kreis Neiden- bürg) 7 Kinder, die sich bei ihrer Rückkehr aus der Schule, vom Schneesturm überfallen, unter Wachholdergesträuch niedergelassen hatten, durch den Frost getödtet, aufgefunden wurden. Doch ab gesehen hiervon, so ist dieser weite Weg zur Schule für die armen Kleineu ein viel zu anstrengender, er übersteigt nicht allein ihre Kräfte, sondern st- kommen auch müde und abgehetzt. zur Schule und sind dadurch nicht im Stande, dem Gange des Unterrichts. und wenn dieser selbst der beste wäre, was er aber leider nicht ist, mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu folgen. Jedoch nicht dies allein; durch da» Zusammenschlagen mehrerer Ortschaften, die vermöge ihrer Größe und Einwohnerzahl eigene Schulen haben müßten, zu einem Schulverbande wird, da alle Landschulen nur ein Schulzimmcr, welches häufig niedrig und eng ist, besitzen, eine so große Anzahl vonKmdelN, oft 70, 80 ja bis 100 und darüber, in einem Lokale angehäuft, so emmal der Lehrer dieselben nicht zu übersehen im Stande ist, dann aber auch der Aufenthalt in diesen Räumen offenbar der Gesundheit nach- theilig ist. Und dabei ist der Schulbesuch, trotz aller Schulver- säumnißstrafen, dennoch kein regelmäßiger; die Eltern sind zum U- allergrößten Theil arm und leben kaum auS der Hand m den v Mund. Sie bedüchn der Kinder zur Arbeit und diese müssen den Eltern helfen, den kargen Unterhalt verdienen. Die Tage- löhner auf den Gütern(Jnstleute) sind, wie in ihren übrigen [ Verhältnissen, so auch im Lohne, welcher bei Männern zwischen t R/z und 3 Gr. im Winter und 4 bis 5 Gr. im Sommer, bei ll Frauen zwischen 2 und 2'/- Gr. im Winter und 3 bis 31/j Gr. im Sommer, d. h. von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang variirt, wobei nur geringe Unterbrechungen gestattet sind, so traurig ge stellt, daß sie die Hilfe der Kinder zu Arbeite», wie Jäten, Steine sammeln, Viehhüten it. gar nicht entbehren können, und dasselbe ist häufig ebenso beim Bauer der Fall, der zwar viel Land, je- doch nicht die Mittel befitzt eS zu bebauen, und daher in perma- nentem Nvthstande lebt. Sehen wir uns nun die Stellung der Lehrer selbst an. Auf den Bericht des Kreis-Schul-Jnspektor» befiehlt die Regierung einer Gemeinde, ohne daß erstcre auch nur einen Pfennig dazu hergiebt, die Einrichtung resp. den Bau eines SchulhauseS. Die dazu nöthigen Gelder werden auf die einzeluen Bauerwirthe nach der Größe ihrer Ländereien vertheilt und müssen diese außerdem mit ihrem Gespanne— oft elenden Ochsen, denn Pferde, nameut- lich gute Pferde, sind bei vielen Bauern eine Seltenheit— das Bau-Material oft Meilen weit anfahren, die Inst- und LvSleute— letztere freie, ledige Arbeiter— aber die Handlangerdienste bei dem Bau leisten. Ist nun der Bau, sowie die inneren Einrich- tungen beendet, so schickt die Regierung einen Lehrer hin, oft einen 20- biS 21jährigen jungen Menschen, der sich gewöhnlich gleich nach seinem Amtsantritt verheirathet, und bestimmt, welches Ein- kommen an Geld und Naturalien die Gemeinde demselben zu ge- währen hat. Daß hierdurch nur zu häufig Streitigkeiten und Er- bitterung zwischen der Gemeinde und dem Lehrer entstehen, ist selbstverständlich; denn Niemand giebt gern, und das Wort, welches der Minister Hauscmann im Jahre 1343 gebrauchte:„in Geld- fachen hört die Gemüthlichkeit auf", gilt noch heute. Unter diesen Ümstäuden bleibt dem Lehrer nichts Andere« übrig, wenn er nicht verhungern will, als bei den Bauern entweder den Bittgang zu machen und bei ihnen als Bettler zu erscheinen, oder durch den AmtS-Exekutor die rückständigen Geld- resp. Natural-Bettäge ein- ziehen zu lassen. Durch ersteres schadet er aber seiner Autorität als Lehrer, durch letzteres ladet er jedoch den Haß der Gemeinde auf sich. DaS Einkommen der Lehrer ist jedoch meistens so klein, oft unter 100 Thlr. pro Jahr, daß er zu Nebenbeschäftigungen, die oft nicht sehr zarter Natur sind, gleisen muß. Eine Hauptbeschäftigung der Lehrer ist daS sogenannte Cousuliren, d. h. daß ie Streitigkeiten zwischen den gewöhnlich sehr prozeßsüchtigen Leuten anschüren und dann Prozesse bei de» Gerichten anhängig machen, in denen sie oft beiden Purteien dienen und sich von beiden Parteien für ihre Mühwaltung belohnen lassen. Wie eS edoch mit der wiffenschaftlicheu Bildung dieser jungen Leute aus icht, kann man schon aus dem Umstände entnehmen, daß dieselbe« n höchst seltenen Fällen eine andere Bildungsanstalt als eben die Volksschule besucht haben, dann Präparanden bei ebenfalls nicht gründlich gebildeten Volksschullehrern waren und endlich zn einem dreijährigen Cursus ins Seminar aufgenommen wurden, und nach Absolvirung desselben, die Lehrerprüfung schon aus dem Grunde bestehen mußten, weil der Lehrermangel immer fühlbarer wird und man eben froh ist, demselben nur einigermaßen abhelfen zu kön nen. Viele, sogar sehr viele Lehrer sind nicht im Stande, die deutsche Sprache grammatikalisch richtig zu sprechen oder ortho graphisch richtig zu schreiben, von den Classtkern wissen sie meistens gar nicht», im Rechnen, namentlich aber in der Geographie und Geschichte, selbst in der vaterländischen, zeigen sie oft eine Un- wissenheit, die an» Unglaubliche grenzt.(Forts, folgt.) H wöchentliche Unterstützung von 12 Thlr. verlangen. Wenn jetzt durch die vielen Krankheitsfälle der Kasfirer in Geldmangel käme und sagte, er hätte kein Geld mehr, um auszuzahlen, was würden die Mitglieder dazu sagen. Oder wollen sie der Hauptkasse zur Last fallen? Ich glaube, cS will keiner von Euch, daß die Leip- ziger Mitgliedschaft Geld entnehmen soll von der Kranken-Haupt- lasse. Und doch werden wir bald in die Lage kommen, wenn Ihr Euren Pflichte« nicht besser nachkommt. Also nochmals, erfüllt Eure Pflichten pünktlich, nur dann werdet Ihr Eure Rechte wahre»! Aber noch Ein», GewerkSgenossen! Im St. Jacob- Hospital liegen zwei G-w-rksgenosse» daruieder, geht hinaus und besucht sie; sie werden sich freuen und sage», wir sind nicht nur GewerkS- genossen und Mitglieder, sondern wir sind Brüder, die fest z«- sammenhalten müssen in Leid und Freud. Zum neuen Jahre rufe ich aber alle GewerkSgenossen zu: werbet immer neue Mitglieder, wo Ihr hinkommt, zu dem große» Kampf, den wir kämpfen. Gruß zum»euen Jahrl Für die Mitgliedschaft: Rich. Ludwig, Bev., Bayrischestraße Nr. 90, 4 Tr. Allgemeiuer deutscher Töpferverein. A««vurg, 29. Dezember. Ich mache hiermit allen Mitglic- dern des Allg. deutschen TöpfervereinS bekannt, daß der frühere Vorsitzende I. Wilcke vom Vorsitz fuSpendirt worden ist nach . 13 unserS StatntS. Ich fordere deshalb sämmtliche Bevoll- mächtigte des Vereins auf, sich von nun a» in Bereinsangelcgcn- heiten brieflich nur an mich zu»enden. Mitgliedsbeiträge sind nach wie vor an Herrn Nissen zu senden. L. Gebert, erster Vorsitzender, _ Kurzestraß- Nr. 23, HauS 4, 1 Treppe. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. In Folge deS Tode» unsere« Freundes und Vorsitzenden, Theodor Uorck, fordern wir die Mitglieder, besonders die Bevoll- mächtigten, auf, sämmtlich? Briefe bis auf Weiteres an August Geib, Hamburg, Rödingsmarkt 12, adressiren. Geldsendungen und Abrechnungen sind nach wie vor an Somann, Altona, Adolsstraße 32, zu richten. Hamburg-Altona, 1. Januar 1375. Der Ausschuß. t Metall arb eitergewerksgenoss ens ch aft. Araunschweig. Namen und Avressen der Bevollmächtigten: Augsburg: Wilhelm Landmann, Jakober Thor I. 153». Berlin: H. Havenith, Linienstraße 79. Braunschweig: C. WeiSwanger, Wallstr. 20, 2 Tr. Bremerhafen.: I. Sälz, Ellhornstr. 110 in Gcestendorf. Chemnitz: C. Henn.' Hickethier, Poststr. 34. Constanz: M. Maier, Schlosser, Augustinerstr. 620. Crimmitschau: Rudolf Habelitz, niedere Vorstadt 357. DreS- den: Robert Temper, Langestr. 5. Darmstadt: Christian Wilhelm, Arheiligerstr. 37. Eßlingen: RochuS Mermuth, Unter- Beutau 12. Fürth: Georg Götz, Radnitzstr. 30. Göppingen: Friedrich Decker, bei G. Kunze, Kupferschmied. Gotha: R. Bochert, Salzengasse 30. Gießen: Karl Enden, bei Schuh wacher Best, Sanvgasse. Hannover: F. Twele, Kirschenstr. 2. Harburg: August Borchardt, Langestr. 12. Schwäb.-Hall: Wilhelm Erb, Mechaniker, Blendstatt 324. Leipzig: Richard Ludwig, Baierischestr. 9e, 4 Tr. Lechhausen: Albert Lichten- steiger, Krankenhausgasse 417. Liebenstein Bad(Thüringen)(?). LudwigShafen: H. Müller, bei Hutter, Oggersheimerstraße. Mannheim: Wilhelm Müller, Schlosser I. 2, 16. Nürnberg: Albrecht Wolf, Heugäßchen 3, 3 Tr. Pforzheim: Jakob Lenz, am Mühlbach 156, 2 Tr. Regensburg: Jakob MalzerSdorfer; Kaffee Setz, Lit. g. 83, 3 Tr. Reichenbach i. B.: Ferdinand Bräunlich bei W. Klaus, untere Dunkclzasse 822. Reutlingen: Alois Hölzle, Mechaniker, bei Christoph Kochberger, Lindenstr. 235. Stollberg: Emil Bachmanu, Herrenstr. 347. Wolfeubüttel: Albert Salzmann, Lange Herzogstr. 32. Werdau: Julius Otto, Reichenbacherstr. 301. Würzburg: Georg Seemann, MaierS- gaffe 1.— Vorsitzender der Controll- Commission: Ernst Urban, Linden-Hannover, Behnsenstr. 3, Hinterhaus. Geschäftsführer der Vorortsverwaltung: C. Schubert, Bcrtramstr. 12». Kasfirer: Mayer, Schöppenstedterstr. 16, 1 Tr. In München wird bis auf weitere Bekanntmachung noch Reiseunterstützung ausgezahlt beim früheren Bevollmächtigten Eon rad Jäger, Maistr. 29 o. Die Mitgliedschaft Lechhausen hat sich aufgelöst; dagegen hat sich in Bad Liebenstein(Adresse siehe obev)(?) eine neue Mitglied- schast gebildet, was wir hiermit bekannt geben. Für die VorortSverwaltung: C. Schubert.'� Leipzig. GewerkSgenossen! DaS alte Jahr ist hinter uns Ein neues Jahr hat begonnen. Bevor wir den Rechenschafts- bericht für das alte Jahr schließen, muß ich doch jedes Mitglied ersuchen, seinen Pflichten nachzukommen, denn keine Rechte ohne Pflichten. Ich mache jedes Mitglied auf Z 8 des Krankenkassen- statutS aufmerksam, und ist der Kasfirer streng angewiesen, nach den Bestimmungen des Statuts zu handeln. CZ GewerkSgenossen! Bedenkt, wir haben vier Kranke, die eine ßöl«, im Dezember.(Fachvcrein der�Tischler von Cöln und Umgegend.) Am 7. Dezember fand die ordentliche Generalver- sammlung statt zur Neuwahl deS Vorstände» und halbjähriger Abrechnung. Unterzeichnete Mitglieder wurden für das nächste Halbjahr in den Borstand gewählt. Die Kassenabrechnung stellt sich folgendermaßen: Kassenbestand am 1 Juni 182 Thlr. 26 Gr. 11 Pf. Einnahme: im Monat Juni Thlr. 12. 2., im Juli Thlr. 12. 6., im August Thlr. 16. 7., im September Thlr. 16. 13., im Oktober Thlr. 17. 9., im No- vember mit Einschluß der Einnahme de» am'L. Nov. abgehaltenen TischlerballeS Thlr. 91. 13., Zinsen für ausgeliehenes Geld Thlr. 5. 18. 9., Summa Thlr. 171. 8. 9. Hierzu Kassenbestand, macht zusammen Thlr. 354. 5. 3.— Die Ausgaben betrugen: im Monat Juni Thlr.— 3. 6., im Juli Thlr.— 24. 9., im August Thlr. 61. 3. 10.(Hierbei sind circa 42 Thlr. Gerichtskosten und ein Betrag für Anfertigung eines Preisverzeichnisses für Tischler- arbeiten inbegriffen), im September�Thlr. 6. 23. 2., im Oktober Thlr. 3. 7. 6., im November Thlr. 42. 2. einschließlich der Aus- gaben für den Ball, Summa Thlr. 114. 14. 9. Es bleibt also Kassenbestand, für daS/nächste Geschäftsjahr Thlr. 239. 20. 11. Es ist noch bei den Ausgaben dieses Halbjahrs inbegriffen die Anfertigung eines Aufrufes an die Tischlergesellen und viele Druckkosten für Plakate zu Versammlungen. Die oben angege- benen Gerichtskosten waren entstanden in Folge eines Prozesses im vorigen Jahre, herbeigeführt gelegentlich der energischen Agi- tation. Außerdem hat der Verein noch einen ziemlichen Werth an Vorlagen und sonstigen Zeichnen- Utensilien für die jeden Sonntag stattfindende Zeichnenschule. Was die Agitation im Allgemeinen betrifft, so war in diesem Halbjahre ein nicht so geeigneterZZeitpunkt zur Aufstellung von neuen Forderungen, weil durch die Handels- und BörfenkrisiS auch in unferm Geschäft eine flaue Zeit eingetreten war, und haben wir unS daher nur auf die Ausbreitung und Stärkung des Ver- eins beschränkt. Hoffentlich'wird das nächste Jahr uns wiederum Gelegenheit geben, einen Schritt vorwärts zu kommen. Es ist daher nothwendig, daß die Mitglieder mit erneuter Kraft während der Winterzeit kräftig auf den Werkstätten agitiren, damit wir, »bald der GsfchäftSgang günstiger ist, von Neuem an'S Werk gehen können, denn eS bedarf noch vieler Anstrengungen, bevor unsre Lage eine annehmbare genannt werden kann. Mit Brudergruß Christian Krüger, erster Vorsitzender, Mathias Gindler, zweiter Vorsitzender, Heinrich Neekc, erster Schriftführer, Joh. Henrich, zweiter Schriftführer, Matthias Hornbach, Kasfirer. Correspondenzen. Ketthai«.(Vermischtes.) Drei hiesige Einwohner, von denen der Leumund sagt, sie seien Sozialdemokraten, bewarben sich in der Zeit vom 11. bis 13. Okt. v.J. um das Bürgerrecht. Einer von ihnen bezahlt die Gebühren sogleich und erhält darüber Quittung, daß er wegen seiner Bürgerverpflichtung dieselben be- zahlt hat. Die andern Beiden wollen die Gebühren ebenfalls gleich bezahlen, werden aber abgewiesen mit dem Bemerken, daS Bezahlen hätte Zeit bis zur Verpflichtung. Am 4. November werden sie zum Bürgermeister geladen, welcher ihnen eröffnet, daß der Stadtrath sie auf Grund der neuen Städteordnung nicht zu Bürgern aufnehmen könne, weil sie den erforderlichen 1 Thaler direkte StaatSsteuer nicht zahlten. Sehen wir uns die Sache näher an. Die drei Einwohner bewerben sich in der Zeit vom 11. bis 13. Oktober nacheinander um da« Bürgerrecht. Bis zum 15. Oktober stand die alte Städte- ordnung in Kraft, also mußten sie nach den damals geltenden gesetzlichen Bestimmungen aufgenommen werden. Wenn ich heute eine strafbare Handlung begehe, so werde ich nach dem Gesetze bestraft, welches zur Zeit der That in Kraft stand, wenngleich während„..Unter- suchungein anderes Gesetz in Kraft tritt. Bei ver Bewerbung um das Bürgerrecht ist die Zeit der Anmeldung maßgebenv. Der Stadt- rath denkt aber anders, er hält nach dem 15. Oktober Sitzung, und von dem Umstand, daß zu dieser Zeit die neue Städteord- nung in Kraft trat, läßt er jfich verleiten, dieselbe auf die drei Einwohnern anzuwenden. Nun, irren ist menschlich.— Vor der Wahl machte der Stadrath im Lokalblatte bekannt: nur Diejenigen, die bei der vorigen Wahl gestimmt haben, können diesmal wieder wählen. Am Wahltage(5. November) saß ein Parteigenosse im Wahllokale und überwachte die Wahlhandlung. Hier benutzte er eine Gelegenheit, um zu rügen, daß die Bekanntmachung de« Stadtrath« dem Wahlgesetz zuwiderlaufe. Etwa eine Stunde darauf kommt ein Wähler, seinen Zettel abzugeben. Der Bürger- meister, der zugleich Wahlvorsteher war, fragt ihn: Haben Sie da» vorige Mal gewählt? Wähler: Nein, da war ich nicht hier. Bürgermeister: Dann können Sie auch jetzt nicht wählen. Diese Gelegenheit benutzte der Parteigenosse, um zum zweiten Male das Ungesetzliche solcher Handlungsweise zu rügen.„Hier gilt nicht die Frage, sagte der Parteigenosse, ob er da» vorige Mal gewählt hat, sonde« ob sein Name in der Wahlliste steht,— ist daS der Fall, so kann er wählen, und wenn er das vorige Mal auch nicht gewählt hat.« Bürgermeister: Ach ja, S'ist auch wahr; er sucht in der Wahlliste, ja, Sie stehen in der Liste, Sie können wählen. Der Leiter der Stadt hatte also in kaum einer Stunde Alles wieder vergessen.— Das„Geithainer Wochenblatt« bringt folgen- deS„Eingesandt«:„Vor bereits längerer Zeit wurde bei Gelegen- heit seiner engeren Wahlversammlung von einem hiesigen Hochacht- baren Mitbürger die Gründung eines städtischen Vereins vorge- schlagen. DaS Zweckmäßige und Vortheilhaste eines solchen Ver- ein« einsehend, wurde von den sehr zahlreich anwesenden Hochacht- baren Mitbürgern die Zustimmung mit voller Stimmeneinheit ertheilt. Durch Abstimmung erwählte man ein Comits, dessen Pflicht eS vorläufig sein sollte, die eigentlichen Vorarbeiten fertig zu stellen. Leider ist bis jetzt, wie es den Anschein gewinnt, in dieser Angelegenheit Nichts geschehen.« Als Zweck deS Vereins wird angegeben: Bei Wahlen dahin zu wirken, daß nur Männer gewählt werden die den vernünftigen Fortschritt auf ihr Panier schreiben.„Es giebt, tief sei eS bellagt, eine Sorte Menschen hier unter uns, wen» auch Nein ihre Zahl ist, die den Saamen der Zwietracht und des Mißtrauen« mit frevelnder Hand auSzu- streuen suchen, und diesen Leuten gegenüber müssen wir, Mitbürger, ganz entschieden Front machen, wir wollen ihnen zeigen, daß eS noch Männer giebt, die bieder und brav, ohne Eigendünkel, ihre besten Kräfte der guten Sache zu weihen entschlossen sind. Warum also mit der Constituirung deS städtischen Vereins zögern? Jeder Tag ist kostbar.« Kommt noch eine LobeShymne auf den„intelli- genten Leiter der Stadt", der aus gewissen Gründen die Grün- dung leider nicht vornehmen kann. Wer ein Herz im Leide hat, muß ob solcher Thatsachen Mit- leid fühlen!— Wer muß aber nur„diese Sorte Menschen« sein? Die Sündenböcke, die Sozialdemokraten gewiß nicht, denn der Schreiber des„Eingesandt" ist ein„hochachtbarer Mitbürger«, und wenn er„unter uns« sagt, so meint er gewiß jene„Hochacht- baren Mitbürger«. Also unter den„Hochachtbaren» befindet sich solche gefährliche Sorte Menschen? Stoßt sie aus, diese Wölfe in Schafttleidern! Reißt ihnen die Maske herunter. Eure Angst ist wohlbegründet, denn„wenn auch klein ihre Zahl ist", so ver- mögen sie doch eine große Zahl zu vertilgen; deshalb rasch den Ausbau eines schützenden Gebäudes, genannt städtischer Verein, begonnen, denn„jeder Tag ist kostbar", und dann hurtig hinein geflüchtet und unter die Obhut des„Leiters der Stadt« gestellt, der aus gewissen Gründen leider nicht direkt mithelfen kann. Erst wenn ihr so geborgen, seid ihr völlig sicher vor der„Sorte Mcn- schen". Auf unsre eifrige Mithilfe wie:uf die Mithilfe der „achtbaren« Mitbürger und der Mitbürger schlechthin, könnt ihr rechnen. Koönrg.(Agitationsbericht.) Am 2S. November ersuchte ich den Schuhmacher- Bevollmächtigten End in Schweinfurt brief lich, auf Sonnabend, den 23., oder Sonntag, den 29. November, eine größere Versammlung der Bauhandwerker und Lohnarbeiter in Schweinfurt einzuberufen mit der Tagesordnung: das Haft pflichtgefetz. Zu meiner Freude bemerkte ich auch, daß eine Ar beiterversammlung durch Plakate daselbst einberufen war. Re ferent war Herr Rick aus Würzburg. Auf der Tagesordnung stand: 1) Der Nutzen der Gewerkschaften; 2) das Contraktbruch Gesetz. In Schweinfurt und Umgegend waren ausklärende Flug schristen verbreitet. Der Referent Rick aus Würzburg beleuchtete den ersten Punkt der Tagesordnung in so glänzender Weise, daß sich trotz der Anwesenheit mehrerer Gegner Niemand zum Worte meldete. Zu dem ersten Punkte der Tagesordnung griff ich mit in die Debatte ein und erläuterte den Zweck und Nutzen der Gewerkschaft auch aus weiterem Gebiete, und so kam eS, daß ich auch auf die Ausbildung der Lehrlinge, überhaupt auf die Re- gelung de« Lehrlingswesens zu sprechen kam. Wider Erwarten ließ ich unter den eigenen Genossen, die mit meinen Auseinander- etzungen in allen Punkten nicht einverstanden waren, auf Wider- taud. Die Versammlung selbst nahm den schönsten Verlauf, und daS Resultat war, daß die Holzarbeitergewerkschaft sich wieder viel neue Mitglieder erworben hat. Am 30. November hielt ich in Röthlei», anderthalb Stunden von Schweinsurt, eine Bauhandwerkerversammlung ab. 40— S0 Maurer und Zimmerer aus Röthlein, und aus den umliegenden Ortschaften Graffenreinfeld, Heidenfeld, Gochsheim und Schweb- feim ca. 60 Bauhandwerker wohnten der Versammlung bei. Die- elbe war durch Plakate in den genannten Orten angezeigt wor- den. Auf der TageSordnung�stand:„Der Zweck und Nutzen der Gewerkschafteu und daS Haftpflichtgesetz.« Schon beim ersten Punkte der Tagesordnung meinte der Uberwachende Bürgermeister, ich spreche wider die Gesetze; nachdem ich aber einige Paragraphen deS Vereins- und Versammlungsgesetzes vorgelesen, ließ er mich weiter sprechen. Und so erläuterte ich denn den ersten�Punkt der Tagesordnung. Sodann ging ich zum zweiten Punkte über. Ich legte den Anwesenden das Haftpflichtgesetz in seiner ganzen Trag- weite dar, ich wies auf das stiefmütterliche Verfahren gegen uns Bauhandwerker hin, und daß gerade wir Bauhandwerker von dem Haftpflichtgesetz ausgeschlossen seien, und stellte die Frage, warum wir unberücksichtigt gelassen seien. Der Bürgermeister, ein Ober- förster und ein Bauer opponirten mir, allein erst nachdem ich meinen Zweck erreicht hatte, räumte ich die Tribüne. Obwohl nun Viele gesonnen waren, der Maurer- Gewerkschaft beizutreten, so konnten sie sich diesen Abend doch nicht entschließen, unserer Gewerkschaft beizutreten; dagegen stellten sie für eine nächste Ver- sammlung den Anschluß in Aussicht. Die Versammlung verlief im Ganzen sehr ruhig. Ich hege die Ueberzeugung, daß der ge- streute Samen aus guten Boden gekommen ist. Mit Brudergruß und Handschlag Joh. Kappler. Würzvurg. CulturkämpferischeS. Eine neue Zierde zu Nutz und Frommen de« Reichs der„Gottesfurcht und frommen Sitte" haben wir in der Person des Restaurateur Schmitt, z. Z. Turnvorstand zu HeidingSfeld, gewonnen. Seine ersten Sporen verdiente sich der Wackere durch folgenden Ukas:„Jedem Turner ist da» Lesen deS„Volksstaat" auf der Kneipe verboten, zuwiderhandelnde werden ohne Pardon ausgeschlossen. Motiv: Die Tendenz deS„Volksstaat" ist weltumstürzend, seine Anhänger — Petroleure— ergo: müssen beide auS der Welt geschafft werden.« „Ehre dem Ehre gebührt.« Herr Schmitt ist zum Nacht- Wächter fähig; der hochlöbliche Bürgermeister daselbst(von der Wahlperiode noch rühmlichst bekannt) wird gern erbötig sein, dieses Genie zum Heil aller Meuschenkinder zu verwerthen. An Euch, werthe Genossen zu Würzburg und HeidingSfeld, richte ich die Mahnung, seid standhaft und leset den„VolkSstaat«! Die Pressa ist heute das wirksamste Mittel der Knechtung. Bemächtigen wir uns dieses Mittels, und die Presse wird der wirksamste Hebel det Befteiung sein. Darnm verbreitet den„VolkSstaat" und ihr habe der gerechten Sache der Arbeit einen wesentlichen Dienst geleistet. K. W. Straßburg i. Elsaß. Lange ist eS her, daß wir von uns ein Lebenszeichen unfern Brüdern und Kampfgenossen jenseits des Rheins gegeben haben. Wir sind noch am Leben, wenn auch gerade nicht in voller Manneskraft. Keinen öffentlichen Vorgang haben wir vorübergehen lassen, sondern in allen Angelegenheiten unser Votum abgegeben oder unsere Stimme erhoben. Würde die Freiheit des Vereins- und Versammlungsrechts bei uns so be- stehen wie in Deaffchland(Mit unsrem Vereins- und Versamm- lungSrecht ist eS auch nicht weit her. R. d. V.), dann wäre hier ein wahrer Tummelplatz. Der Boden ist ein guter, dem schon ein guter Same anzuvertrauen ist. Zwei Hauptpunkte sind eS, welche das raschere Aufblühen der Partei hindern. DaS ist der Nationalhaß einerseits und der berühmte Artikel 10 der elsässischen Gesetzge- bung andrerseits. Der Nationalhaß, gehegt und sorgfältig ge- pflegt von den Schwarzröcken und Geldmenschen, die den Ar- beiter abhalten, sich von sogenannten„Schwobenverbindungen" zu einem andern„Katechismus" bekehren zu lassen oder einem andern politischem GlaubenSbekenntniß beizutreten. Aber beim rechten Lichte besehen, sind die erwähnten Geldmenschen nur Arbeiterhasser, aber nicht Hasser von Mitteln, um alle Vortheile auS dem be- schränkten Sinne der Arbeiter sich zu verschaffen. Ich muß hier etliche Beispiele anführen, welche alle Arbeiter von Elsaß-Loth- ringen kennen. Im Monat Juni entließ ein hiesiger Ba aunter- nehmer 60 Arbeiter wegen Arbeitsmangel, er nahm aber tr otzdem Montags dieselbe Zahl wieder— jedoch mit 5 SouS Tage lohn weniger!!-- Dieser Arbeitgeber strotzt von Patriotismus, aber er hat den Fehler, daß die schwäbischen„Thaler" seine Freunde sind und er den Arbeitern den Chauvinismus durch Vier- oder ZehnsouSstllcke beizubringen sucht. Acht Tage später entließ ein zweiter Arbeitgeber 100 Arbeiter auS demselben Grunde. Würden eben die Arbeiter in Elsaß-Lothringen solche Vorfälle sich erklären können, so würden sie diesen gemästeten Patrioten inS Gesicht lachen und ihnen sagen, daß der„Katechismus« der Bour- geois ein ganz anderer sei als der deS Arbeiters. Ja eS könnte nicht anders kommen, als daß die große Masse der Arbeiter sich an unsrer Organisation betheiligen würde. Daß sehen diese Herren schon lange ein, aber leider nicht die Arbeiter. Würden die Ar- beiter von uusern, d. h. von sozialistischen Prinzipien durch- drungen sein, diese Herren hätten sich doch wohl gescheut, nach ihrer Art zu„theilen", und grade sind eS diese Herren, welche uns als die„Theiler" in der ganzen Welt ausschreien. Auch an Er- lassen von Direktoren fehlt es hier nicht, welche sozialistisch- Ar- beiter nicht dulden wollen. Ferner standen auch 8 oder S Mann wegen eine« Ausflugs nach Graffenstaden in Untersuchung, wovon drei als Angeklagte vor dem hiesigen Zuchtpolizeigericht erschienen, und schließlich gegen uusern BertrauenSmaun Jung die Anklage aufrecht erhalten blieb. Gegen diesen armen Teufel stellte man den Strafantrag auf 100 Franken Geldbuße und 6 Tage Ge- fängniß, blvS weil er eine Versammlung abgehalten haben sollte!! — Die Richter erkannten aber zum Schluß auf Freisprechung. Gerade jetzt ist eS an der Zeit, ihr Arbeiter von Elsaß-Lothringen! Tretet muthig und unerschrocken in die Reihen der kleinen Zahl der verbrüderten Arbeiter; zeigt, daß Ihr eS zu würdigen ver steht, wenn Einzelne prinzipielle Opfer durch Gefährdung von Existenz:c. bringen; nur dadurch werden solche be- oder gedrängte Parteigenossen zu neuen Thaten und ftischem Muthe angefacht. Bedenkt, Elsässer, unsre Verhältnisse sind solidarisch; ob Franzose oder Russe, Däne oder Deutscher. Vernachlässigt Ihr die Gegen wart, wie könnt Ihr Herr der Zukunft werden, d. h. Herr Eurer eignen Klasse gegenüber den Zumuthungen der Bessergestellten? Organisation, daS sei die Losung eines jeden Arbeiter«, mögen Schwarzkittel oder sonst wer, auch immerhin an uns herantreten mit Einflüsterungen. Bedenkt, daß diese die Verführer in der Wüste sind, und ist das Leben d-S Arbeiter» allerorts nicht ein Wandeln in der Wüste zu nennen? Nur zu Zeiten gelangt der Arbeiter zu einer Oife, und das genügt, den Rücken zu beugen und ein hartes Leben und harte Zustände vergessen zu machen. Laßt ab von dieser Sorglosigkeit und bedenkt, daß die Arbeiter- klaffe einen festen Kern bildet, wenn sie sich nur einmal ihrer Stellung in der Gesellschaft bewußt wird. Bedenkt die Wichtig keit der Organisation und sucht alle Arbeiter von derselben zu überzeugen. Thut Ihr das, dann wird und muß es anders werden. A. I. Am Webstuhl. Mein Kind hat die Skropheln, Die Schwindsucht mein Weib, Und ich armer Teufel Hab' Wasser im Leib. Webe Schifflein, webe, Hoch daS Elend lebe! Ich webe das Sterbkleid Für Mutter und Kind, Daun web' ich das meine Und weine mich blind. Fliege Schifflein, flieg-, Hoffnung ist nur Lüge. Ich web' von Battiste Ein Linnentuch fein, Einst hüllt eS den Schandleib Der Buhlerin ei«. Springe Schifflein, springe, Daß daS Tuch gelinge. Ich webe ein Tischtuch Von feiuem Gebild, Damit sich der Schlemmer Den Schmerbauck d'ran füllt. Zettel, Schiffleia, hebe, Hungertuch mir webe.� Ich web' eine Flagge, De« Volksstaats Panier, Daß sie in der Zukunft Zum Siege uns führ'. Schifflein, Schifflein halt! Flagge, weh' uns bald!— Rhenanu«�). *) Aus einer Sammlung ton Gedichten desselben Verfassers, die nächsten» im Verlag der GenossenschaftSbuchdruckerei erscheinen wird. Berichtigung. In der letzten Nummer deS„Volksstaat" von 1874 ist irr- thümlich die Adresse des ParteikassirerS H. Bcnneke, Hamburg Schäferkamp 34 angegeben; wir berichtigen diese Angabc hiermit, indem wir die Adresse deS KassirerS folgen lassen, dieselbe lautet:, H. Benneke, Hamburg, kleiner Schäferkamp 36. Briefkasten der Expedition. Knn Berlin: Die Annonce kam für 1S2 zu spät. Hrdt Heimarshauseu: Senden Sie die überzähligen Hefte retour. Rixckr Wien: Brief und Rechnung ist schon am 26. Dezbr. an die von Ihn« angegebene Adresse abgegangen. Quittung der Expedition. V. Lppl Kaiserslautern Schr. thlr. 1 8 S. I. Lchltnr Meran Schr. thlr. 1 21. I. Blm Jarocin Ann. thlr. 2 24, Ab. 9 gr. Fennmann Duisburg Ab. thlr. 3 15. Metallarbeiteitergew. Hannover Ann. 7 gr. Joh. Mr Wels Schr. thlr. 1 12. G. Mnnr Pforzheim Ab. thlr. 1 23. Wlf hier Ab. 16 gr. G. Pschk Freudenthal Ab. thlr. 1 21. L. Pfttschnr Hohenstein Ab. thlr. 18 25 5. Nakwtsch Geisenheim Schr. thlr. 1 2, Ab. thlr. 1 5. A. Fnk hier Ab. thlr. 17 5. Stndrf hier Ab. 17 gr. 5. Ntzl hier Ab. 6 gr. Frbr Cosel Ab. thlr. 1 11. Arb.. Verein Thonberg Ann. 12 gr. W. Hrd Heimarshausen Ab. thlr: 1 6, Schr. 5 gr. Khlr. Römerstadt Ab. thlr. 2 4, Schr. thlr. 1 25. I Mllr hier Ab. 3 thlr., Schr. 25 gr. Frbgr Speier Schr. 2 M. 10.. Htbrnk Bielefeld 12 M. 20. Joh. Krsch Plößnitz Ab. 4 M. 80, Schr. 1 M. 20. Sktjn Wien Ab. 24 M. Frdmr Dresden Ab. 1 M. 30. Lngdorf Barmen Schr. 7 M. 30. Thtn Wankendorf Schr. 2 M. 60. Dttrich Dölitz Ab. 2 M. 50. L. Witt hier Schr. 2 M. 80. Bck Gotha Ann. 90 Pf Krschnr Buda-Pest Schr. 3 M. Arb.-Ver. Gloggnitz Ab. 5 M. 10. Mllr Marburg Schr. 2 M. Fachv. d Holzarb. Graz Ab. 5 M. 10. Wnikr Düsseldorf Schr. 30 Pf. Zckschwrt hier Ab. 1. M. 75, Ann. 75 Pf. Knzl hier Schr. 1 M. 50. Hdlch hier Ab. 3 M. 50, Schr. 4 M. 7. Zpf Bischofsgrün Schr. 2 M. 70. Nbr. Seiffen Schr. 75 Pf. Rpprcht Bukarest Ab. 5 M. 20. Schll Pforzheim Schr. 3 M. 25. Frschnr Altona 50 M. Dttrch Bockau, bei Schneeberg, Schr. 70 Pf. Fond für Gemaßregeltc. Ertrag einer Wette, Reichstagspapierkorb betreffend, v. R. d. M. hier 2 thlr.; v. P. in Gohlis gef. bei einer Kneiperei in der Zimmermann'fchen Restauration thlr. 1 15; v. Hslhhn in Frankenhanseu i. Th. thlr. 1 5; v. E. K. hier 5 gr. 5. Anzeigen*c« W Sozialdemokratische Arbeiterpartei. _ r Samstag, den 9. Januar- Versammlung bei Bier- brauer" Linder ehem. Bloßfeld.— Wichtige Parteiangelegeuheiten er- fordern das Erscheineu aller Mitglieder. I. A.: G. Stollberg. Sollte an diesem Abend Volksversammlung stattfinden, so wird die» noch in den Lokalblättern bekannt gegeben. sggz Sozialdemokratischer Arbeiterverein. ¥1(1.(11111 Donnerstag, den 7. Januar, Abends 9 Uhr: Mitgliederversammlung im Schuhmacheramthaus.— T.-O.: Sozial-politischer Wochenbericht von Somann und Dtskussion. Zu vollzähligem Besuch ladet ein Der Vorstand. diL. Etwaige Restanten werden ersucht, bis dahin ihre Bereinssteuern zu entrichten.________[70] /CSr«* An die Abonnenten de«„Volksstaat«. j \2/Ull( Diejenigen Abonnenten, welche noch Rückstände zu entrichten haben, bitte ich, dieselben baldigst in Ordnung zu bringen. Ebenso bitte ich sämmtliche Abonnenten, für 1. Quartal möglichst im Boraus zu zahlen. Der Abonnementspreis beträgt wie bisher sür 1 Monat 6'/z Sgr. pr. Quart. 18>/z Sgr. ftei in'» Haus. Ebenso liefere ich alle socialdemokr. Schristen zum selbigen Pr,ise wie im Verzeichaiß angegeben ist. Gruß! G. Heinrichs, Colporteur, gr. Griechenmarkt 520. CWtttt rthni« Metallarbeitergewerkschaft. �IlKUUUll Jeden Montag findet die Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1) Sozialer Wochenbericht. 2) Verschiedene». HL. Es ist Beschluß der� letzten Versammlung, die Mitglieder, die ihren Pflichten in drei Monaten nicht nachgekommen find, zu streichen. _ Der Bevollmächtigte: F. Twele. Cfaitui«» Sozialdemokratischer Arbeiterderein. Mittwoch, d. 6. Januar, 8 Uhr Abend», Versammlung im Lokale des Arbeiter- Mldungs- �Jerehis, Ritterstr. 43, 2 Tr.— Tagesordnung: Sozial-politischer Wochenbericht> Referent: Richter.— Verschiedenes._ Der Vorstand.[60] j Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 9, Januar: Generalversammlung gr. Windwühlenstr. 7.— T.-O.: 1) Abrechnung der Kassirer vom 4. Quartal. 2) RevifiouSbericht. 3) Anträge. Die Mitglieder werden auf K 16 der Statuten aufmerksam gemacht. ___ Der Borstand.[60]: Wir wohnen jetzt: Kommandantenstraße 20, 3 Treppen Berlin 8. W._ Hugo Adam. Ed. Bernstein.[50] Sattler finden fortwährend Arbeit und guten Verdienst. Militär-Effeeteu-Favrik Frankfurt a. Main, 23 Lange Straße. [250]| Soebea�zist erschienen und durch die Expedition des„Volksstaat« zu beziehen: Die industrielle Arbeiterfrage und die Forderung eines Neuen Arbeitsrechts. Bortrag, gehalten auf der Volksversammlung des CongresseS der. sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Coburg am 19. Juli 1874 von Th. Aorck. __ Preis pro Exemplar 25 Pf.___ Soeben ist erschiene» und durch uns zu beziehen: W Tieligion und Sozialismus"WU Eine nachgelassene Schrift aus de in Jahre 186 S: von Dr. E. Boruttau. De» deutschen Arbeitern gewidmet. Preis pr. Expl. 50 Pf. Die Buch Handlung de»„BolkSstaat." Zur Zeachtung! Filialen, welche bis heute noch für 4. Quartal ganz wder zum größten Theile mit Zahlung im Rück- stände sind, können bis zur Regulirung ihrer Ver- pflichtungen keine weiteren Zusendungen erhalten. Leipzig, den 1. Januar 1875. Die Expedition des„Volksstaat". Verantwortlicher Redakteur: R. Seiffert. Redaktion Hohestraße 4, Expedition Zeitzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschastsbachdrackeret t» Leipzig.