Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand. umgen des In- U.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. N. Sorge, Box 101 Iloboken, N. J. Peter Hast, 8. W. Corner Third and eoates str. Philadelphia. Abonneuientspreis für ganz Deutschland 1 M. KO Pf. pro Quartal. MonatS- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Lten u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Allenburg auch auf den Iten Monat des Quartals k 54 Pf. OrgandersozialdemokrattschenArbeUerMrteiMddermternattonalenGetverksgcnossenschaften. Inserate, die»bbalwnz von Partei», verrw». nnb«»NSverfammlungt», sowie die Mal- Speditionen und sonstig« Partei»Angelegenheiieu betreffend, werde» mit 10 Pf.,— Privat, und Vergnügung». Auietgen mit'25 Pf. dt« dreigespaltene Petit»Zeile berechnet. Nr. 7. Mittwoch, 20. Januar. 1875 E«thüllu»ge« über de« Kölker Kommu«istenpr»zeß. Nachtrag. Beilage 4 zn„Herr Vogt" von Karl Marx, London 1860: Die in diesem Abschnitt(des„Herr Vogt") von mir gemachten Mit- theilungen über die preußische Gesandtschaft zu London und ihren Blieswechsel mit preußischen Behörden auf dem Continent während der Kölner Prozeßverhandlungen, beruhen auf den von A. Willich in der„Newyorter Criminalzeitung" April 1853 unter dem Titel:„Die Opfer der Moucharderie, RechtfertigungS- schuft von Wilhem Hirsch" veröffentlichten Selbstbekenntnissen des jetzt zu Hamburg gefangen sitzenden Hirsch, der daS Haupt- iuprument des Polizeilicutenant G-eif und seine» Agenten Flcurh war, auch in ihrem Austrage und unter ihrer Leitung daS während des KommunistenprozefleS von Stieber vorgelegte falsche Pro- tokovbuch schmiedete. Ich gebe hier einige Auszüge ans Hirsch'S Memoiren. „Die deutschen Vereine wurden gemeinschaftlich(während der Industrieausstellung) von einem Polizeitrivmvirat, dem Polizeirath Süeber für Preußen, einem Herrn Kubesch für Oesterreich und dem Polezeidirektor Hüntel aus Bremen überwacht." Hirsch beschreibt folgendermaßen die erste Scene, die er in Folge seines Angebots als moueüsrä mit dem preußischen Ge- sandtschastssekretair AlbertS zu London hatte. „Die Renäe�-vous, welche die preußische Gesandtschaft in London ihren geheimen Agenten giebt, finden in einem dazu ge- eigneten Lokale statt. Die Gastwirthschaft Tüe Cock, Fleetstreet, Temple Bar fällt so wenig in die Augen, daß, wenn nicht ein goldener Hahn, Aushängeschild, ihren Eingang zeigte, ein Nicht- suchender sie schwerlich entdecken würde. Ein schmaler Eingang führte mich in daS Innere dieser alt englischen Taverne, und aus meine Frage nach Mr. Charles präsentirte sich mir unter dieser Firma eine wohlbeleibte Persönlichkeit mit einem so freundlichen Lächeln, alS ob wir Beide bereits alte Bekannte wären. Der Beauftragte der Gesandtschaft, denn dieser war eS, schien sehr heiter gestimmt, und seine Laune stärkte sich noch dermaßen in Brandy und Waffer, daß er darüber eine ganze Weile den Zweck unserer Zusamwenkuuft zu vergessen schien. Mr. Charles, oder wie er sich wir gleich bei seinem richtigen Namen nannte, der Gesandt- schastSschreibcr AlbertS, machte mich zunächst damit bekannt, daß er eigentlich nichts mit Polizcifachen zu thun habe, aber dennoch wolle er die Vermittlung übernehmen.... Ein zweite» Renäe::- tous fand in seiner damaligen Wohnung, Breverstreet 39, Golden Square, statt, hier lernte ich zuerst den Polizeilieutenant Greis kennen; eine Figur nach echtem Polizeischnitte, mitlerer Größe mit dunklem Haar und einem gleichfarbigen par Ordre zugeschnittenen Barte so daß der Schnurr- sich mit dem Backen- barte verbindet, und fteiem Kinn. Seine Auge», die nicht» weniger als Geist verrathen, scheinen sich durch den häufigen Um- gang mit Dieben und Gaunern an ein scharfes HerauSglotzen ge- wohnt zu haben.... Herr Greif hüllte sich, wie zu Anfang Herr AlbertS, in denselben Pseudonym-Mantel und nannte sich Mr. Charles. Der neue Mr. ChaileS war wenigstens ernster gestimmt; er glaubte zunächst mich cxawiniren zu müssen..... Unsere erste Zusammenkunft schloß damit, daß er mir den Auftrag ertheilte, ihm genauen Beriedt über alle Thätiakeit der revolutionären Emigration abzustatten..... Herr Greif stellte mir daS nächste Mal„seine rechte Hand", wie er eS nannte,„nämlich einen seiner Agenten", fügte er hinzu, vor. Der also Genannte war ein großer junger Mann in eleganter Kleidung, der sich mir wieder als ein Mr. Charles präsentirte; die gesammte politische Polizei scheint diesen Namen alS PseudovhwuS adoptirt zu haben, ich hatte eS jetzt bereits mit drei Charles zu thun. Der Ncuhinzugekommene schien indeß bei weitem der beachtenSwertheste.„Er sei", wie er sagte,„auch Revolutionär gewesen, aber eS lasse sich alles machen, rch solle nur mit ihm zusammengehen." Greif verließ London für einige Zeit und schied von Hirsch„mit der ausdrücklichen Be werkung, daß der neue Mr. Charles stets in seinem Austrage handle, ich dürfe kein Bedenken tragen mich ihm zu vertrauen, wenn auch manche» mir seltsam vorkommen sollte; ich dürfe daran keinen Anstoß nehmen"; um mir die» deutlicher zu machen, fügte er hinzu:„Da« Ministerium bedarf zuweilen dieser oder zener Gegenstände; Dokumente sind die Hauptsache, kann man sie nicht schassen, muß man sich doch zu helfen wissen!" Hirsch erzählt weiter: der letzte Charles sei Fleury gewesen, „früher beschäftigt bei der Expedition der von L. Wittig redigirten „Dresdner Zeitung". Zn Baden wurde er auf Grund über- br achter Empfehlungen auS Sachsen von der provisorischen Re- gierung nach der Pfalz geschickt, um die Organisation des Land- flu, ms zu betreiben u. f. w. Als die Preußen in Carlsruhe ein- Mickten, wurde er gefangen u. f. w. Er erschien plötzlich wieder in London Ende 18S0 oder Anfangs 1851; hier trägt er von Aiifang an den Namen de Fleury ur d befindet sich als solcher unter den Flüchtlingen in einer, wenigstens scheinbar schlechten Lage, bezieht mit ihnen die vom FlüchtlingScomits errichtete Flücht- lingekasernc und genießt die Unterstützung. Anfangs Sommer 1851 verbessert sich plötzlich seine Lage, er bezieht eine anständige Wohnung und verheiralhet sich Ende des ZahreS mit der Tochter eine« englischen Ingenieurs. Wer sehen ihn später als Polizei- agenten in Paris..... Sein wirklicher Name ist Krause, und zwar ist er der Sohn des Schuhmachers K-ause, der vor etwa 15 bis 18 Jahren, wegen Ermordung der Gräfin Schemberg und deren Kammerfrau in Dresden, daselbst mit Backhos und Bcscler hingerichtet wurde.... oft hat mir Fleury Krause gesagt, er habe schon seit seinem 14. Jahre für die Regierungen gearbeitet." ES ist dieser Fleury-Krause, den Stieber in der öffent- lichen Gerichtssitzung zu Köln als direkt unter Greif dienenden geheimen preußischen Polizeiagenten eingestand. Ich sage von Fleury in meinen„Enthüllungen über den Kommunisten- prozeß":„Fleury ist zwar nicht die tieur de Marie der Prosti- tuirten der Polizei, aber Blume ist er und Blüthen wird er treiben, wenn auch nur fleurs de Lys." Dieß hat sich gewisser- maßen erfülle Eirrige Monate nach dem Kommunistenprozeß ward Fleury wegen Fälschung in England zu einigen Jahren Knlks verurtheilt. „Als die rechte Hand des Polizeilieutenant Greif," sagt Hirsch, „verkehrte Fteury in dessen Abwesenheit mit der preußischen Ge- sandtschast direkt. Mit Fleury stand in Verbindung Max Reuter, der bei Oswald Dietz, damals Archivar des Schapper-Willich'schen Bundes, den Briesdiebstahl vollführte.„Stieber," sagt Hirsch, „war durch den Agenten deS preußischen Gesandten Hatzfeldt in PariS, jenen berüchtigten Ch erval, über die Briefe, welche dieser letztere selbst nach London geschrieben, unterrichtet, und ließ sich durch Reuter nur den Aufenthaltsort desselben ermitteln, woraus Fleury in Stieber'S Auftrag jenen Diebstahl mit Hülse Reuter'S vollführte. Dies sind die gestohlenen Briefe, die Herr Stieber sich nicht entblöder hat, offen„als solche" vor dem Geschwornen- gericht in Köln zu deponiren..... Im Herbst 1851 war Fleury gemeinsam mit Greis und Stieber in Paris gewesen, nachdem der letztere dort bereits, durch die Vermittelung des Grasen Hatzfeldt, mit jenem Cherval oder richtiger Joseph Crämer in Ler- bindung getreten war, mit dessen Hülfe er ein Complott zu Stande zu bringen hoffte. Zu dem Ende beriethen die Herren Stieber, Greif, Fleury, ferner zwei andere Polizeiagenten: Beckmann�) und Sommer in Paris, gemeinsam mit dem famosen französischen Spion Lucien de la Hodde(unter dem Namen Duprez) und erthcilten ihre Instruktionen an Cherval, nach denen er seine Correspon- denzen zuzusebneiden hatte. Oft genug hat sich Fleury mir gegenüber über jene provocirte Attaque zwischen Stieber und Cherval amüsirt; und jener Schmidt, der sich in der von Cherval auf Polizei lichen Befehl gegründeten Verbindung als Sekcetair eines revo lutionären Bundes von Straßburg und Köln einführte, jener Schmidt ist kein anderer als Herr de Flenry�.. Fleury war in London unzweifelhaft der einzige Agent der preußischen geheimen Polizei, und alle Anerbietungen und Vorschläge, welche der Ge- sandtschast gemacht wurden, gingen durch seine Hand... seinem �Urtheile vertrauten sich die Herren Greif und Stieber in vielen Fällen an." Fleury eröffnete dem Hirsch:„Herr Greif hat Ihnen gesagt, wie man handeln muß... Die Centralpolizei in Frank- fürt ist selbst der Ansicht, daß e« sich vor allem darum handelt die Existenz der politischen Polizei sicher zu stellen, durch welche Mittel wir dicS thun, ist gleichgültig; ein Schritt ist gethan durch das September-Complott in Paris." Greif kehrt nach London zurück, spricht seine Zufriedenheit über Hirsch'S Arbeiten auS, verlangt aber mehr, namentllch Berichte über„die geheimen BundeSsiyungcn der Partei Marx."„A tout prix, schloß der Polizeilieutenant, müssen wir B-richte über die BundeSsitzuttgen ausstellen, machen Sie ei nun, wie Sie wollen, nur die Wahrsche nlichkeit müssen Sie stet« nicht überschreiten, ich selbst bin zu sehr beschäftigt. Herr de Flemy wird mit Ihnen in meinem Namen zusammen arbeiten." Grafs damalige Beschäftigung bestand, wie Hirsch sagt, in einer Correspondenz mit MaupaS durch de la Hodde-Duprez über die zu veranstaltende Scheinflucht von Cherval und Gipperich auS dem Gesängniß St. Pälagie. Auf Hirsch'S Versicherung, daß„Marx in London keinen neuen BundeS-Centralverein gegründet habe.. verabredete Greif mit Fleury, daß wir unter den gegebenen Umständen vor der Hand selbst Berichte über die Bundessitzungen anfertigen sollten; er, Greif, wollte die Echtheit übernehmen und vertreten und waS er vorlege, werde so wie so acceptirt." Fleury und Hirsch setzen sich also an die Arbeit.„Der Inhalt" ihrer Bericht- über die von mir gehaltnen GeYeim-BundeSsitzuiigen,„wurde damit ausgefüllt," sagt Hirsch,„daß hin und wieder Diskussionen stattgesunden, Bun- desMitglieder ausgenommen, in irgend einem Winkel Deutschlands sich eine neue Gemeinde gegründet, irgend eine neue Organisation stattgefunden, in Köln dre gefangnen Freunde von Marx Aussicht oder keine Aussicht auf Befreiung hätten, daß Briefe von Dem oder Dem angekommen u. s. w. WaS daS Letztere betraf, so nahm Fleury dabei gewöhnlich Rücksicht auf Personen in Deutschland, welche bereits durch politische Untersuchungen verdächtig waren oder irgendwie eine politische Thätigkeit entfaltet hatten; sehr häufig jedoch mußte auch die Phantasie aushelfen und kam dann auch wohl einmal ein Bundesmitglied vor, dessen Namen vielleicht gar nicht in der Welt existirte. Herr Greif meinte dennoch, die Bc- richte wären gut und man müsse ja einmal a tout prix welche schaffen. TheilweiS übernahm Fleury allem die Abfassung, meisten- theilS aber mußte ich ihm dabei behülslich sein, da eS ihm unmög- lich war, die geringste Kleinigkeit richtig zu fiylifiren. So kamen die Berichte zu Stande und ohne Bedenken übernahm Herr Greis die Garantie ihrer Wahrheit." Hirsch erzählt nun weiter, wie er und Flemy A. Rüge zu Brighton und Eduard Meyen(Toby'- schen Andenken«) besuchen und ihnen Briefe und lithographirte Corrcsondenzen stehlen. Nicht genug damit. G:eif-Flcmy mieihen in der Stanbury'schen Druckerei, Fetter Lane, eine lithographische Presse und machen mit Hirsch zus«nmen nun selbst„radicale Flugblätter." � Hier giebt es etwas zu lernen für„Demokrat" verfaßt, war nach Fleury'« Angabe„An das Landprolctariat" betitelt, und eS gelang einige gute Abzüge davon zu Stande zu bringen. Herr Greif sandte diese Abzüge als von der Marx'schen Partei ausgehend ein und fügte über die Entstehungsweise, um noch wahrscheinlicher zu werden, in den auf die bezeichnete Weise fabricirten Berichten der sogenannten Bundessitzungen, einige Worte über die Versendung einer solchen Flugschrift ein. Noch einmal geschah eine ähnliche Anfertigung unter dem Namen„An die Kinder deS Volkes" und ich weiß nicht, unter welcher Firma Herr Greif diesmal dieselbe eingeliefert hat; später hörte dieses Kunststück auf, hauptsächlich, weil so viel Geld dabei zugesetzt ist." Cherval trifft nun in London ein nach seiner Scheinflucht aus Paris, wird vorläufig mit Salair von 1 Pfd. 10 Schill, wöchent- lich an Greif attachirt,„wofür er verpflichtet war Berichte über den Verkehr zwischen der deutschen und französischen Emigration abzustatten." Im Arbeiterverein öffentlich enthüllt und als Man- chard ausgestoßen,„stellte Cherval aus sehr erklärlichen Gründen die deutsche Emigration und ihre Organe so unbeachtenswerth als möglich dar, weil e« ihm ja nach dieser Seite hin total un- möglich war, auch nur Etwas zu liefern. Dafür entwarf er dem Greif einen Bericht über die nicht deutsche revolutionäre Partei, der über Münchhausen ging."(Forls. folgt.) Frembwörter-Erklärung: Moucharderie, Spionenwescn; Rendezvous, Stelldichein; Brandy, Franzbranntwein; pur ordre, auf Befehl; fleurs de lys, eig. Lilien, die Brandmale, welche tm altfranzöstschen Regime den schweren B-rbrecheni ausgestempelt wurden; hnlks, Verbrecher. schiffe; ä tout prix, um jeden Preis. Wie man reich wird. „Heutzutage wird Niemand schnell reich, ohne mit dem Aermel da» Zuchthaus zu streifen", rief einst der Gründer Ofenheim aus, der jetzt in Wien wegen Betrugs vor Gericht steht, den Spieß aber umgedreht hat und als Ankläger gegen feine Anklager austritt.„WaS ich gethan, entspricht der herrschenden Geschäft«- praxi«—, bin ich ein Spitzbube, gut, dann sind Tausende und aber Tausende von Bankier», Fabrikanten, Kaufleuten, Ministern — kurz, find die meisten reichen Leute Spitzbuben!" DaS ist im Wesentlichen die„Bertheidigung" Osenheim'S, deS Ritter« vom Schwarzen Meere, der da« Zuchthaus so wohl verdient hat, wie eS je verdient worden ist. In der Bourgeoiswelt findet man die „Bertheidigung" de» frechen Betrügers„glänzend", und ist or- deutlich stolz auf den„genialen" Anwalt und Märtyrer des Bour- geoiS-EvangelinmS: der frohen Botschaft vom Reichwerden ohne eigene Arbeit. Wird Ofenheim schuldig befunden werden?'Warten wir ab. Jedenfalls wäre eS eine große Ungerechtigkeit, denn er ist nicht schuldiger als die Andern. Und dabei brauchen wir gar nicht ein- mal an die Wagener und Consortcn zu denken. Ba Leibe nicht! Sitzt da zum Beispiel in Essen der große Kanoneukönig und hoch- moralische Musterbourgeois Krupp, betreffs dessen ein best- unterrichteter Geschäftskonkurrent, Berger, in der Reichstags- sttzung vom 15. Dezember v. I. folgende erbauliche Enthüllungen machte: „Nach meinem Dafürhalten hätte die preußische Regierung wohlgethan, wenn sie selbst eine Gußstahlsabrik etablirt hätte, da sie dazu die vortrefflichste und billigste Gelegenheit auf dem eben erwähnten kgl. Hüttenwerke zu Sayn besaß. Wollte sie dazu aber nicht übergehen, so war denn das Naheliegendste, eine Gaßstahl- fabrik mit der großen Geschützgießerei zu Spandau zu verbinden. Damal« hätte eine Anlagesumme von einer halben bi« höchsten» einer Million vollkommen ausgereicht, um den Anforderungen der Artillerieverwaltung zu genügen, und diese summe, da« kann ich als Sachverständiger versichern, würde im Laufe der seitdem verflossenen Jahre mindestens zehn- mal verdient worden sein! Die Regierung ging indessen nicht zu dem System der Selbstfabrikation über, sie glaubte ihre Unabhängigkeit auch wahren zu können, wenn sie den Gußstahl von Privatfabrikantcn bezog. Meine Herren, wenn sie aber da« that, dann mußte doch die Regierung verständigerweise alle Privat- sabriken, die damals im Lande existirten und hinsichtlich der Qua- lität ihre» Materials genügende Garantie boten, zu diesen Lie- serungen heranziehen. Anfänglich that sie das auch. Es existirten zu jener Zeit— Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre— tu Preußen vier derartige leistungsfähige Etablissements, zwei größere und zwei kleinere, an deren Spitze Herr Krupp stand. Es wurden Versuche mit Kanonen auS allen vier Werken gemacht, und e« wird eine.dem Herrn RegierungSkommissariuS bekannte Thatsache fein, wie diese Versuche ergaben, daß da« Material sämmt- licher Fabriken den gestellten Anforderungen vollkommen entsprach. ES wurden auf Grund diese« Resultates auch die beiden kleineren Werke neben dem größeren Etablissement deS Herrn Krupp mit Lieferungen betraut, indessen hatte daS bald ein Ende, da die eine der beiden kleineren Fabriken auS finanziellen Gründen nicht mehr leistungsfähig blieb und die andere ausgeschlossen wurde, weil einer der Betheiligten politisch mit der früheren Verwaltung des KriegSministeriumS nicht mehr harmonirte. Ich lasse aber diesen Gegenstand als nicht hierher gehörig bei Seite. Es blieben nunmehr die beiden großen Werke allein übrig, nämlich jenes deS Herrn Krupp und die fast ebenso große Gußstahlfabrik zu m* Die letztere war vollständig leistungsfähig; sie ist die ocyUM.»WWWWWW�W��M�M�W ........„...........„|......__________ erste gewesen, welche überhaupt Gußstahl zu Geschützen verwendet F.�Zabel.' Er höre""„DaS erste' Fwgbl'ätt," von mir(Hirsch) hat,— ob daS dem Herrn RegierungSkommissariuS bekannt ist, __ lweiß ich nicht, aber eS ist eine Tyatfache, welche ich in der Lage Vcrmuthlich identisch mit dem gleichnamigen Individuum, welche« bin, zu beweisen, und diese« Etablissement wurde, trotz seiner im Prozeß Arnim figmirtc. R. d. B. LerstungSfähigkett und trotzdem eS wiederholt sich zu Lieferungen und zwar zu billigen Preisen) erbot, nicht zur Konlarrenz herangezogen. Herr Krupp in Esten erlangte dadurch ein fak- tische« Monopol, welche« um so stärker wurde, al« der FiSku« im Jahre 1865 ihm die für die Artillerie so wichtige Hütte zu Sayn um billige« Geld und unter Ausschluß anderer Rcflek- tanten verkauft hatte. Und wa« war uu» die Folge diese« so ganz und gar falschen und vnkehrten System«? Die unvermeid- liche Folge war, daß jetzt die Artillerieverwaltung dem Inhaber de« Monopol« Preise zahlen mußte, welche alle» früher Da- gewesene übertrafen. Ich behaupte und würde, wenn die Re- gierung mir da« betnffende Akten Material zur Verfügung stellen wollte, im Stande sein, zu beweisen, daß durch diese« monopo- listische, ganz und gar verkehrte System die Finanzen de« preußi- scheu Staate« und späterhin de« deutschen Reiche« nicht um Hun- derttausende, nein, um Millionen von Thalern geschädigt wor- den sind. Meine Herren, wenn e« sich hier um da« Retablissc- went, respektive um die Neubeschaffung von 2000 großen und kleineu Gußstahlgeschützen mit dazu gehörigen Lafetten handelt, so schließt da« einen Ausgabebetrag von vielen Millionen in sich. Ich behaupte ferner, daß, wenn die Regierung ein andere« System be- folgt hätte, al« dasjenige, welche« sie wirklich durchführte, wenn sie die übrigen leistungsfähigen Fabrikanten zu einer sachgemäßen Kon- kurrenz herangezogen hätte, so würden an diesen vielen Millionen, welche man für diese« wichtigste Artillcriematerial ausgegeben hat und noch ausgeben muß, miudesteu« einige Millionen er- spart worden sein!" So Herr Berger. Weder von Seiten der preußischen Regierung, noch von Seiten de« Herrn Krupp sind diese Mittheilungen dementirt worden, und können wir folglich die Richtigkeit derselben al« erwiesen be trachten.— Nach diesen Mittheiluvgeu ist e« Hrn. Krupp auf die eine oder die andere Weise gelungen, ein thatsächliche« Monopol zu er- langen, und hat er sein Monopol dazu benutzt, die Preise in die Höhe zu treiben, d. h. sich die Waaren über den Werth bezahlen zu lassen und den Staat„nicht um Hunderttausende, nein um Millionen von Thalern zu schädigen". Wa« ist der Unterschied zwischen Herrn Krupp und Herrn Ofeuheim? Herr Ofenheim hat sich Eisenbahnschienen rc. über den Werth bezahlen lassen, und Herr Krupp läßt sich Gußstahl- kanonen rc. über den Werth bezahlen. Herr Ofenheim hat da« Publikum„um Millionen von Tha- lern geschädigt", und Herr Krupp hat den Staat„um Millionen von Thalern geschädigt". Letztere« ist gar kein, erstereS kein wesentlicher Unterschied. Aber Herr Krupp hat nicht„betrogen"! Gott behüte. Fällt uns nicht ein, dem Selbstherrscher von Essen ein so übelklingendes Wort an den Kopf zu werfen. Aber, Herr Ofenheim hat auch nicht betrogen, wenn man die Dinge vom Standpunkt des Herrn Krupp auffaßt. Beide haben nur„geschädigt". Und der Pechvogel Ofenheim sitzt auf der Anklagebank, während der Glücksvogel Krupp in guter Ruh auf den Millionen sitzt, um die er den Staat„geschädigt" hat, und seinen Arbeitern befiehlt, vergnügte Gesichter zu machen, wenn ihm der Champagner gut schmeckt. Wahrhaftig e« gibt keine Gerechtigkeit mehr auf Erden! Al« Commissar nahm daran Theil der Geheime Rath Aschen- suchungShaft. Er ist angeklagt einiger Preßvergehen, die born und al« Ueberreicher der Petition die Abgeordneten LaSker und Windthorst. Der Petent hatte zwei Anträge gestellt, einen allgemeinen, daß man auf da« Zustandekommen eine« Gesetze« hinarbeiten möge, welche« die Behandlung politischer Gefangenen in zeitgemäßer Weise regle, und einen zweiten auf ihn selbst be- züglichen, daß man eine seiner Persönlichkeit angemessene BeHand- lung im Strafgefängniß zu Plötzensee veranlasse, ihn von der während einer zweimonatlichen Redaktion«-Periode sich soll Schulden haben kommen lasse«.„Wohl noch nie— sagt dey „Dresdener Bolksbote"— seitdem man die schöne Erfindung de Preßoergehcn gemacht, hat J-mand so lauge wegen Preßvergehen« in Untersuchungshaft gesessen, wie hier Einer im kleinen Sachsen. ES dürfte überhaupt selten vorkomme», äußerst selten sogar, daß bei Preßvergehen Jemand in Untersuchungshaft genommen wird. wangSarbeit, Gefangenenkost befreie und in der Wahl seiner Vergeben» liest man alle zulässigen Gründe durch. Die Schwere Lektüre nicht beschränke. Da die Sachlage selbst schon durch eine frühere Verhandlung im Reichstage bekannt geworden ist, so wollen wir nur hervorheben, daß die damals eine gewisse(so?) Sen- sation machende Behauptung, der Gefangene Most sei von dem obersten Beamten mit dem schimpfenden Worte empfangen, er sei viel schlechter al« ein Dieb, nach den heutigen Mittheilungen de« Kommissar« eine im Wesentlichen unrichtige ist; weder war die Aeußerung selbst korrekt(e« war in ganz anderem Zusammenhange gesagt, wolle, deS Verbrechen«? Nicht wahr, Aufforderung zum Hochverrats zur Rebellion, zum Auffuhr? Behüte Gott, wo hat man da« gelesen? da« Ganze läuft auf— auf einige Beleidigungen hinau«. Verdunkelung de« ThatbestandS? O nein, die Vergehen stehen gedruckt da. Fluchtverdächtelei? Petzoldt ist in Dresden v'rheh rathet! So etwa« ist korrekt in dem Lande, dessen letzter König von den Schmeichlern um die Wette bald der Jurist unter den Königen, bald der König unter den Juristen . der König unter den Juristen genannt wurde. daß Most, der sich beschwerte, daß man ihn behandeln� Wir wollen die Stärke unserer Beschwerde nicht abschwächen, in-! wie einen Dieb oder gemeinen Verbrecher, sich gegen diechem wir eine Bemerkung anknüpfen, die schlechterdings eine neue s ( < 3 3 n 2 b si Politische Nebersicht. — Kais erliche Gnade. In Königsberg hatte jüngst der Staatsanwalt geglaubt, er fei nicht blo« für die armen Leute da. Er hatte daher auch einmal einen reichen Spitzbuben wegen ver- schiedcner unbestreitbarer Unterschlagungen, Veruntreuungen und Gaunereien den Richtern und zwar in einer Weise überliefert, daß diese absolut nicht ander« konnten und den Mann zu einer mehr- wöchentlichen Gefängnißstrafc verurtheilen mußten, obgleich e« kein Sozialdemokrat, sondern, einer der„würdevollsten" Männer Kö nigSbergs, nämlich der geheime Commerzienrath Simon, Ritter-c. unv Mitglied verschiedener pattiotischer und wohlthätiger Vereine war. Aber unser geheimer Commerzienrath brauchte sich wegen seiner Haft nicht zu grämen. E« dauerte nicht lange, so erfuhr er, daß Se. Majestät der Kaiser und König Allerhöchst geruht habe, die über ihn verhängte Gefängnißstrafc in Gnaden in eine Geldstrafe von tausend Thalern umzuwandeln, für den steinreichen Mann allerdings eine Lumperei. Und der Staats anwalt tonnte natürlich auch nicht« dagegen thun. Kann man sich aber da noch wundern, wenn der strebsame Herr Tessendorff sich nicht gern mit den Wagener«, den Putbussen rc. befaßt, som dern sich vorwiegend an die Sozialdemokraten und zur Ab wechselung zuweilen auch an die Ulttamontanen hält? — Der Leichtcstbeleidigte. Die Anfrage, wie Fürst Bis marck e« fertig bringt, von allen Zeitungsartikeln, die Material für seine StrafantragSfabrik versprechen, Kenntniß zu erlangen, hat un« bereit« einen Strafantrag au« der genannten Fabrik zu- gezogen. Jetzt ist unsere Neugierde befriedigt worden. Die„Frank- ftrrter Zeitung" schreibt: „Man hat sich oft den Kopf darüber zerbrochen, wie e« mög- lich sei, daß Fürst Bismarck hinter alle Beleidigungen seiner Per- son kommt und gegen die obskursten Winkelblätter Strasanträge stellt, da er sie doch selbstverständlich nicht alle lesen kann. Die Einen vermuthetcn ein gut organisirte« Spionirsystem, die Andern glaubten an weit verzweigte Denunziation. Wie die Sache sich verhält, darüber erhalten wir heute in der„Germania" Ausllä- > rung. Vor einigen Tagen empfingen nämlich, wie man ihr mit- theilt, die Bürgermeister Rheinhessen« und wohl auch die der an- deren beiden großherzoglich hessischen Provinzen ein Resffipt, worin ersucht wird, besonder« darauf zu achten, wie die Zeitungen— genannt ist die sozialdemokratische und die„gegnerische" Presse— sich über die Person deS Reichskanzler« auslassen, und solche, da eine Verfolgung der betreffenden Blätter nur auf persönliche« Ver- langen desselben stattfinden kann, die anrüchigen Stellen ange- strichen, einzusenden, damit dieselben durch Vermittlung de» groß- herzoglichen Ministeriums dem Reichskanzler übermittelt und durch diesen die nöthigen Schritte zur Verfolgung der betreffenden Blätter geschehen können. Bei diesem Erlaß ist natürlich nicht bloß auf die in der Gemeinde de« betreffenden Bürgermeister« selbst erscheinenden Blätter, sondern überhaupt aus alle Zeitungen reflektirt, die dem Bürgermeister etwa unter die Anger, kommen. So wird'« wahrscheinlich auch an andern Orten gemacht, und so ist die« Räthsel der Natur erklärt." Gott segne die reichskanz- lerischen Studia! Jedenfalls aber danken wir der Großherzoglich Hessischen Regierung für diese Belehrung über den Zweck de« heu- tigen Staats. — Ueber die Behandlung der Petition Most'« in der Pe- titto ScomiPssion finden wir in der„Nationalliberalen Correspon- denz" folgende Mittheiluug: öffentliche Ordnung vergangen habe und die« unter Umständen! Jnstizthat gegen un« hervorrufen würde. Herr Exaer, so gefährlicher sei, als Diebstahl oder ein andere« gemeines Ver Petzoldt'« Untersuchungsrichter, weiß sicher ganz gewiß, daß die« brechen), noch gleich beim Eintritt, noch von dem empfangenden � Alles nach sächsischer Jnstizordnung nicht nur zulässig, sondern auch! Beamten gethan. Der Kommissar theilte die relevanten Punkte'ganz korrekt ist." auS der in Plötzeufee geltenden Hausordnung mit. Da keine Die Haft Petzoldt'« ist sehr streng und übt auf dessen Te- schriftlichen Fragen der Referenten(Fenner und L-nz) darauf hin- sundhcit den nachtheilizsten Einfluß au».„E« kommt un« soeben, geleitet hatten, war da« Reichskanzleramt von dem preußischen schreibt der„Dr-Sdener Volksbote" unterm 13. d., von der Frau Justizminister nicht vollständig instruirt; weder über die Ressort- deS in Haft befindlichen früheren Reoakteur unsere« Blatte», st 3 S r l« N veihältnisse der Gefängnisse, noch über die Frage, ob eine verbindliche Instruktion für alle Gefängnisse in Preußen epistire, konnte bestimmter Aufschluß gegeben werden. Abgeordneter LaSker wünschte, daß die Petition in ihrem ersten Theile der Justizkommission über- wiesen werden möchte. Weil die Plenarsitzung begonnen hatte, mußten die Verhandlungen abgebrochen werden." Die in diesem Bericht versuchte Ableugnung oder doch Beschö- nig'ung„des schimpfenden WortS" hat Liebknecht zu folgendem Schreiben an die„Vossische Zeitung", welche den Bericht abdruckte, veranlaßt: „In dem Bericht Ihre« gestrigen Blatte«(vom 16. d.) über Petzoldt, die Nachricht zu, daß derselbe in der Gefängnißzelle in Ohnmacht gefallen sei. Man denke nur daran, wie jammervoll es fein muß, wenn ein Mensch bewußtlos auf dem Boden einer! Kerkerzelle liegt, hilflos, der sofortigen menschlichen Hülfe beraubt, weil allein eingeschlossen. Petzoldt ist ein schwacher, kränklicher Mensch� der, wie uns seine Frau versichert, oft solche Anfälle hat. Da nun die Gefahr vorliegt, daß bei irgend einem solchen Anfall Petzoldt sich einen bedeutenden körperlichen Schaden zufügt, so hat die Frau de« Petzoldt an da« Gericht den Anttag gestellt, ihren Mann in ihre häusliche Pflege zu geben. Die Frau de« Petzoldt hat sich hierbei besonder« auf da« Verfahren gegen den Grafen ai P m m n: w- du de M jet sh| die Behandlung der„Petition" Mösts in der Petitionskommission Arnim gestützt, der auch, weil er krank war, in häusliche Pflege heißt es,„daß die Behauptung, der Gefangene Most sei von dem gegeben wurde. Sollte Fluchtverdacht vorliegen, so hat Frau obersten Beamten(des Strafgefängnisses zu Plötzensee) mit dem Petzoldt dem GerichtSamt freigestellt, irgend einen Wachtposten in un dil schimpfenden Wort empfangen worden, er sei viel schlechter als ein Dieb, nach den Mittheilungen de« Kommissars eine im Wefent- lichen unrichtige ist." Ich habe demgegenüber nur zu bemerken, daß ich in der ReichstagSsttzung des 21. Nov. das„schimpfende Wort" von demselben Blatt Papier abgelesen habe, auf da« ich e« zwei Tage vorher zu Plötzensee nach Most'« Diktat in Ge- genwart deS überwachenden Polizeibeamten und de« Reichstags- abgeordneten Reimer niedergeschrieben. Hochachtungsvoll und ergebenst Leipzig, den 17. Jan. W. Liebknecht." ihre Wohnung zu legen." So weit der„Dresdener Bolksbote". Wir bezweifeln nicht,- daß dem Gesuch wird gewillfahrt werden. Vor der Gerechtigkeit giebt eS ja nicht zweierlei Maß für einen Grafen und einen„gi- meinen" Arbeiter. — Der Schluß autrag- Fabrikant Valentin hat am vo- rigen Montag da« Jubiläum seine« vierhundertsten Schlußanttags gefeiert. Seine nationalliberalen Bewunderer überreichten ihm ein Päckchen mit den 400 schriftlich eingereichten Schlußanträgen, die das Bureau sorgfältig gesammelt hatte. Nun, wenn da« erwachende Volk dereinst Schluß diese« Reichstage« beantragt und annimmt, wird c« gewiß nicht versäumen, dem biSmarck'schen ParlamentariS mu« in der Person seine« klassischsten Bertteter« ein würdiges Den? mal zu errichten. An passenden Vorschlägen wollen wir'« seiner zeit nicht fehlen lassen. — Unsere„herrliche" Gesellschaft. Dr. Engel«„Sta tistische Correspondenz" enthält eine Mittheilung über die Selbst morde in Preußen während der Jahre 1869 bis 1372. Darnach beträgt die Gesammtzahl der Selbstmörder in jedem der folgenden Jahre: männlich weiblich 1869: 2570 616 1870: 2334 629 1871: 2133 530 1872: 2363 587 Zusammen 3186 2963 2713 2950 WaS die Betheiligung des Geschlechts an der Gesammtzahl der Selbstmorde betrifft, so ist hiernach die de« männlichen aps- nahmslo« und zwar 3 bis 4'/, Mal stärker als die de? weidlichen. Letzteres ist entweder den Versuchungen zum Selbstmorde weniger auSges-tzt, oder widersteht denselben besser, als das männliche. WaS das Alter anbelangt, so ergeben die vorliegenden Ta- bellen, daß die Häufigkeit der Selbstmorde mit fortschreitendem Alter zunimmt. Der Einfluß des Familienstandes auf die Häu- figkeit der Selbstmorde macht sich in der Art geltend, daß die Verheiratheten da« größte Kontingent an Selbstmördern stellen— 452 von 1000— alsdann die Ledigen über 15 Jahre mit 339 von 1000 und endlich die Verwittwetcn, Geschiedenen und übrigen Personen folgen. Ist da« nicht wirklich eine„herrliche" Gesellschaft, in der man schoy am NeujahrStage voraussagen kann: In diesem Jahre, daS nun beginnt, werden in Preußen etwa 3000 Menschen ihrem Leben ein Ende machen? Und dazu sind die Opfer jener gesellschaft- lichen„Herrlichkeit" in ihrer Mehrheit weit besser und höher stehend, als jene erbärmlichen Z-itungslumpen, die unS Sozialisten — weil wir Verbesserungen und Umgestaltungen für nöthig halten — mit Koth bewerfen.(„Tagewacht".) — Der„ Gewer kvercinS"-Harmonieapostel, welchem die jüngsten Vorgänge in England eine arge Nerven- und Himer« fchüttcrung verursacht zu haben scheinen, schreibt(Nr. 3 de«„Ge- werkoereinS"): „Das Organ der sozialdemokratischen Arbeiterpartei weiß zu erzählen, daß vie englischen Gewcrkoereine erst dann die Befreiung der Arbeiterklasse zu erkämpfen vermögen, wenn sie mit dem heu« tigen Lohnsystem brechen und„die sozialistische Organisation der Arbeiter anstreben". Die englischen Gewerkoereine werden sich diesen wohlgemeinten Rath überlegen." Wenn sie gescheidt sind, sicher, lieber Herr Dr. Harmoniku«! dt! bli ha Oi R, tht Nc Mo der keii stir der «- M An wei Vo sor gel St ort — Ueber die Aussperrung in Südwale« haben wir wider- sprechende Berichte. Nach den Einen wären die Arbeiter vollstän« dig entmuthizt und größtentheilS schon zu Kreuz gekrochen; nach andern hätte sich nur die Hälfte der Arbeiter unterworfen und wären die übrigen entschlossen, bi« zum Aeußersten äuSzuhalten; und wieder nach andern Berichten hätten sich blo« 12,000 Ar«! beiter(etwa'/» der Ausgesperrten) unterworfen und wollten die Grubenbesitzer nun all ihre Werke stehn lassen, um die Arbeite»! sch» desto rascher auszuhungern. So viel scheint gewiß, daß der Kamps den noch nicht zu Ende ist und auch kein sehr schnelles Ende ver«! Dt spricht. — Zum„Rückgang". Auch in Kirchberg haben die So- zialdemokrateu bei den Stadtoerordneten-Wahlen gesiegt.— Ich Meeranc haben unsere Parteigenossen beiläufig noch immer die Majorität im Stadtverordnetcnkollegium. Durch die letzte«! Wahlen wurde nur ein Drittel desselben erneuert. — Am 15. d. M. sind in Frankfurt a. M. die sämmtlichen sozialdemokratischen Arbeitervereine und die GewerkSgenossenschaste« aufgelöst worden. Den Tessendörfern scheint'S nicht schnell genug vorwärt« zu geh».__ — Da« NationalzuchthauS. Die Würtemberger schmeichelten sich bisher einige Reste von Freiheit gerettet zu haben. Sie werden von diesem Wahne wohl bald kurirt sein.* E« geht dort zu wie überall sonst im Reich der Gottesfurcht und Stiebersitte. So schreibt man au« Stuttgart unterm 9. d. Mt«.: Heute Vormittag erschienen im Redaktionslokale der„Süddeutschen Volk«zeitung" ein GerichtSasscssor und 4 Mann von der Fahndungspolizei, um nach dem Manuscripte zweier Artikel zu suchen, welche in Nr. 44 und 56 deS vorigen Jahrgangs unseres Blatte« enthalten waren und die Verhältnisse in der Staub'schen Fabrik in Kuchen zum Gegenstand der Kritik hatten. Da die Manuscnpte bei uns in der Regel nicht ausbewahrt werden, so fand man dieselben nicht, und man begnügte sich mit der vor- läufigen Mitnahme des ExpeditiouSbuckeS. Trotzdem Herr Hill- mann erklärte, den Einsender des Artikels nennen zn dürfen, wurde er dennoch verhaftet. Die Anklage gründet sich auf die in jenen„, ,0. Artikeln gebrauchte Bezeichnung„infam", welche mit Bezug auf die von! uioguch i werbet jhr fragen. Staub gegründeten Fabrikschulen vorkam, für welche Kindern oderichogtiw rm Lande Preußen. — Au« Copenhagen erhalten wir Nachstehende«: „An die Maurergesellen Deutschland«! Da die hiesige« Maurermeister behuf« Lohnabzug für die Gesellen beabsichtigen, sich nach Deutschland hinzuwenden, um Leute zu engagiren, bittet man, den Zuzug streng fernzuhalten unv die Äattäge de» Meister zurückzuweisen, bi« unsere Forderungen erfüllt sind. Copenhagen, den 14. Januar 1875. Mit sozialdemokratischem Gruß Die Copenhagener Maurergesellen., daß ant vo, doc Ni« Heu arl aus al« der Klc Mc sei der s°tz De niö der 18 bib Die Bolksschnle und die Lage ihrer Lehrer i« der Provinz Preußen. Eine Skizze von einem Ostpreußen. (Fortsetzung.) Zum Belege hierfür möge hier ein Bericht aus dem Jnsterburge» Bürger- urd Bauernfrcuud" über eine im Jahre 1872 in der Lit tauischen Kirche in Tilsit abgehaltenen Schulprüfuug, welche überal in den Kuchen vorgenommen wird, um dem Leser auch ein Bild von einer solchen zu geben, folgen: „Hier war am 8. Juli in der Littauischen Kirche Schulprü- fung über 13 Schulen. Die Prüfung beschränkte sich auf Reli« gion« Unterricht und religiösen Gesang. Jede Schule— einzelne darunter mit über 100 Schülern— wurde binnen nicht eine, halben Stunde abgethan. Wir wollten un« die Sache anhöre« und waren deshalb etwa 1'/, Stunde anwesend. Ja diese« l'/z Siunden wurden 5 Schulen„geprüft". Aber wie ist da« Ja, es ist überhaupt noch Vielct ES ist das eine Parade, die de» Eltern die Beiträge zurückbehalten würden, wenn sie die Fabrik �H°»M-tende Herr Superintendent über seine getreuen Lehrer ab- innerhalb 5 Jahren verlassen. Dieser ersten Anklage glaubte der Staatsanwalt noch eine vftgen Verletzung des§ 130(Aufreizung zu Gewaltthätigkeit:c.) hinzuzufügen." — Seit fünf Monaten sitzt zu Dresden Parteigenosse Petzoldt, Redakteur de«„Dresdener Volksbote" in Unter- hält �— weiter hat's keinen Zweck. Als Auditorium waren auße» vielen jungen Damen(wohl Lehrerstöchter) besonder« Dienstmädche« vorhanden mit schreienden kleinen Kindern. Doch besehen wil uns eine solche Prüfung. Laut irgend ein Lied au« der Mission«- Harfe singend, führt der Lehrer seine Kinder vor. Einzelne hatte» den Typu« der Gottseligkeit und salbungsvolle Mienen aufgesteckt un die Dr wis wo ebe setz De wo Uet aui Ef Na sei, un' wn g-r na« Zll au« Sc kes au ober Manchem sah man anch an, wie unangenehm und lästig ihm daran, daß der Mensch nicht von Brod allein lebt, sondern, daß d»*» w T_ I. Y..u. Cm � M O. mm«* t««*,* W•*\TJ>- 1•«kv«-» fnA m& m ,« Pvnt«A**«A*«•»,«**•*£****»»» V fl W.u nv\.». u C.!. die vorgeschriebene MaSke war. Und nun ging die Prüfung loS� Biblisch- Geschichte und Bibelsprüche wurden wörtlich hergeplappert, GesangbuchSverse gesungen, auch ein BiSchen aus der biblischen Geschichte katechistrt, z. B.: Zur Strafe für den Sündenfall müßten die Menschen jetzt arbeiten:c. Damit war die Geschichte au». Sollen wir eine Meinung darüber abgeben, was wir von der Sache halten? Nun dann heraus unverblümt: Wir halten sie für eine ganz abscheuliche und hassenSwerthe Komödie. Auch nicht ein Denkender schien unS unter den vielen Schülern zu sein, alle Gesichter trugen den Stempel der Geistesöde. Woher kommt das? Waren oder sind diese Schüler denn alle geistig unfähig? Diese Behauptung wäre Unsinn und Betrug. Aber der Geist derselben muß bei dem jetzigen Unterrichts-Verfahren getödtet«erden. Besehen wir uns den Stundenplan einer solchen Schule, der dem berüchtigten Heinrici'schen Stundenplan nicht viel nachzieht, so findet sich die Erklärung ganz von selbst. Ja den zweisprachigen Schulen hat der Lehrer die Verpflichtung, in den 3S Schulstunden der Woche auch die Llttauer zu unterrichten. Von diese» 32 Schulstunden gehen aber in der Regel 18 Stunden— der Stundenplan liegt uns nicht vor, es ist möglich, daß eS auch nur 17 sind— für Rel'gions-Uuterricht und zwar Auswendig- lernen von Katechismus, biblischer Geschichte, K-rnlieder it. hin. Naturkunde ist nur eine Stunde, zwei Rechtschreibestunden. Der Geist de» Kindes hat vollkommen zu thun, wenn er all das Zeug auswendig lernen will, begreifen, fassen kann er eS nicht, wird ja wohl auch nicht verlangt und ist in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen unmöglich." Wir hoffen, der Leser wird nun beg'iffen haben, auch den meinen wir, der nicht schon lange der Ansicht gewesen ist, daß unsere Schulen schlecht sind. Der ReligionSstunden sind freilich weniger geworden, das ist wahr, trotzdem ist aber die Schule durchaus nicht besser geworden, denn in unseeen Volksschulen herrscht der finstere Geist des CousesstonaliSmuS und des orthodoxen Muckerthums, der in den letzten 25 Jahren jeden gesunden Geist, jedes Srreben nach wirklicher Aufklärung und Volksbildung in ihr fhstmiatisch erwürgt hat. Dies ist in wenigen Zügen das Bild von dem Volksschulwesen und der Lage der Lehrer in der Provinz Preußen, von welchem die kürzlich vor dem Schwurgericht zu Königsberg verhandelten Prozisse über die Landarbeiter- Revolten in Ostpreußen ein wür- digeS Pendant bilden. Die letzteren haben unS einen tiefen Ein- blick in die sozialen Verhältnisse unseres Volkes thun lassen; sie haben gezeigt, daß diese Leute, welche unserer heutigen Gesellschafts- Organisation und nur dieser zum Opfer gefallen sind, in Elend, Rohheit, Unwissenheit und Sklaverei, gleich den Heloten deS Alter- thums, aufgewachsen, sich in ihrer„KönigStreue", denn der Name des„Königs- war ja bei all diesen Exccssen gewisser- maßen die Parole, zu Handlungen hinreißen ließen, die sie mit den bestehenden Gesetzen in Conflikt brachten uud wenn auch in keinem Falle zu billigen, so doch Zeugniß von der tiefen Miß- stimmung gaben, welche nicht allein in der ländlichen, sondern in der ganzen Arbciterbevölkerung der Provinz über die bestehenden Verhältnisse herrscht. ES entsteht nun die Frage: wer trägt die Schuld an dieser Mißstimmung? Sagen wir eS gerade und ehrlich heraus: Kein Anderer als die StaatSregierung selbst und zwar um deshalb, weil sie eS unterlassea hat, für die Bildung und Aufklärung des Volkes durch eine tüchtige Volksschule, wie es ihre Pflicht war, zu sorgen. Sie hat dies unteilassen, sie wollte kein gebildetes, auf- geklärtes Volk, uud das Produkt der Reaktion waren die Raumer- Stiehle'schen Schul Regulative, deren Segen wir noch heute aller- orten verspüren und mit dem Dichter sagen können: Das ist der Fluch der bösen That, Daß sie fortzeugend BöseS muß gebären. Von manchen Seiten, namentlich von der in Königsberg er- scheinenden Hhperfrommen„Ostpreußischen Zeitung-, welche von dem au« dem Reptilienfond gefütterten„Ehrenmann"(???) Herrn Otto de Grahl redigirt wird, wurde zwar daraus hingewiesen, daß diese R-oolten durch sozialdemokratische Wühlereien, von anderer Seite aber, daß sie durch die feudal- orthodoxe Partei her- vorgerufen seien. Die SchwnrgerichlS Verhandlungen bewiesen je- dock> den Ungrund der einen wie der anderen Beschuldigung. Niemals wird eS der sozialdemokratischen Partei, die fteilich der heutigen GesellschaflS Ordnung oder vielmehr Unordnung entgegen- arbeitet, einfallen in einer solchen, wie vorhin erwähnten Weise aufzutreten; sie eiflrebt eben ein höheres Ziel, welches kein anderes als die Befreiung der ganzen Menschheit aus den auf ihr lasten- den Kesseln der Unwissenheit und der mit dieser eng verbundenen Klassenherrschaft ist; sie will den jetzt herrschenden Begnff, daß der Mensch nur de« Staates und der besitzenden Klassen wegen da sei, aufheben und an seine Stelle die freie Gemeinschaft Aller, den VolkSstaat setzen, dessen erster Grundsatz, dessen oberstes Ge- fetz es ist:„Alles für das Volk, Alles durch das Volt!" Aber, wird der geneigte, mit den Grundsätzen der Sozial- Demokratie unbekannte Leser mir einwenden: ist die soziale Frage nicht bloS eine Magenftage, und wie ist ihre Lösung möglich? Zur Beantwortung dieser Fragen möge hier ein Aufsatz auS dem Jnstcrbmger„Bürger- und Bauernfreund"«uS dem Jahre 1872 über„Fortbildungsschulen, BildungS-Vereinc und Volks- bibliothek-n" in unverändertem Abdruck seinen Platz finden: „Die soziale Frage ist nicht bloS ein- Magcnfrage. Hunger und Roth bringen sie wohl zu einem etwa« krasseren Ausdruck, die Menge der leider durch unser versumpftes— im Interesse der Dunkelmänner und Lichtfeinde verdo beneS— Schulwesen in Unwissenheit gelassenen und zum Aberglauben herangebildeten Be- wohner unseres Staats— und dies ist die Mehrzahl— wird eben bloS durch leibliche materielle Interessen in Bewegung ge- setzt. Da« Interesse ihres G-isteS scheert ste wenig, ist doch da« Denkverwögen fast Aller in der Jugend systematisch unterdrückt worden. Aber deshalv dürfe« wir nicht vergessen, daß die sozialen Uebel auf geistigem Gebiet- fast noch schlimmer, noch schärfer ausgeprägt sind, als auf dem leiblichen. „Der Mensch besteht auS Seele und Leib. Die körperliche Existenz de« Menschen kann nicht bestehen, wenn der Leib nicht Nahrung empfängt; kann der Mensch also ein vollkommener Mensch sein, wenn der andere Theil seines Ich, der Geist, ohne Pflege und Nahrung bleibt? „Und es hat die Vorsehung, die allgewaltige Naturkraft, der Wir' unsere Entstehung verdanken, auch das Verlangen nach geisti- ger Kost in jedes Menschen Sinn gepflanzt, ebenso wie den Trieb nach Befriedigung de« Mageni;— die Neugier, die unedler- Zwillingsschwester der edleren Wißbegier, ist eine allen Menschen, auch den rohesten angeborene Eigenschaft. „Freilich von der Neugier zur Wißbegier ist noch ein großer Schritt, den nicht Viele machen. Der größte Theil unseres Voll e« noch Höhere« zu genießen gi-bt; daß nicht der Magen die ganze Kraft in Anspruch nehmen, daß auch einige Zeit zum A« bau von Geist- und Herzen«bildong bleiben soll. „Wir fordexn zunächst eine Verbesserung der Volksschule, die vor allen Dingen denkende Menschen heranzubilden hat, während ste jetzt da« Bestreben zu haben scheint, den Geist der Schüler und ihr Denkvermögen zu unterdrücken. Doch die Schule allein kann nicht genug wirken. Die Bildung zum Menschen und Bürger muß nach dem Austritt au« der Schule fortgesetzt werden. Für die Jugend können Fortbildung»- schulen dazu wirken, und wir begrüßen deshalb mit großer Freude die Beschlüsse, welche auf dem VereinStage der Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung geschafft worden find. ES wird in diesen verlangt: 1) daß in allen Gemeinden' de« Staates Fortbildungsschulen errichtet«erden müssen; 2) Daß der Besuch derselben für Knaben bi« zum 17., für Mädchen bis zum 16. Jahre und unter denselben Ver- Hältnissen obligatorisch, also ein Muß sein solle, wie in der Volksschule und 3) daß dieser Unterricht unentgeltlich sein solle. Hoffentlich finden diese Grundsätze im nächsten Unterrichts- Ge- setze*) Ausdruck.— Aeltcre Personen können die Schulen nicht besuchen, für diese müssen Vereine zu BildungSzwecken, die in kleineren Orten, wenn ein vernünftiger Schullehrer— kein Mucker — daselbst ist, am besten von diesem geleitet werden, den Mangel an Schulbildung auszugleichen suchen. Diese BildungS- Vereine werden natürlich von Denjenigen, zu deren Nutzen ste dienen sollen, rm Anfange wenig besucht werden; aber daS Bedürfniß nach Bil- dung soll in denselben und durch dieselben ja auch erst in immer weiteren Kreisen angeregt werden, und wenn anfänglich auch nur wenige Mitglieder einem solchen Vereine beitreten, bald findet er immer mehr und mehr Anhänger. In jeder Gemeinde werden ich doch hoffentlich ein Paar Männer finden, deren Interesse über die bloS körperliche alltägliche Beschäftigung hinausgeht, die mit unS der Ansicht sind, daß eS für unsere Männer eine würdigere Erholung geben kann, al« der Besuch von Branniweinschenken oder träges Umherlungern auf der Ofenbank, und die V olkSgefin- nung und Aufklärung genug besitzen, um einen solchen Verein zu stützen und zu erhalten. Um diesem Vereine allerdings den rechten, vollen Inhalt zu geben, muß er vor allen Dingen sein Augenmerk auf Anschaffung einer guten Volks-Bibliothek richten. Eine BolkS-Bibliothek und wenn ste noch so klein ist, ist für jede Gemeinde, für die kleinste, wie die größte, eine große, unschätzbare Wohlthat. Der BildungS Verein muß zugleich ein Leseverein sein, in welchem gute Zeitungen, d. h. solche, die mit gesunden, fteistnnigen politischen Anschauungen auch eine volkSthümliche, Allen verständ- liche Sprache verbinden, gehalten, gute Bücher und Zeitschriften angeschafft werden. An den VereinSabenden geben diese dann auch ein anregendes Gesprächsthema. Leute, die belehrende Vorträge in voltsthümlicher Sprache halten können und wollen, sind wohl in größeren Orten leichter' zu finden als in kleineren, aber auch dort(in größeren Orten) taugt das Zuviclreden einzelner Personen in Vereinssitzungen nichts, die Vorttäge müssen Ausnahme und nicht Regel sein, sonst bleibt das Interesse der einzelnen Vereins- Mitglieder nicht so rege, als wenn sie selbst mitsprechen können, ihre Fragen beantwortet, Zweifel aufgeklärt, Einwürfe widerlegt werden.(Fors. folgt.) Kräften steht, erfülle Jeder seine Pflicht, da« verlangen wir von Euch; wir aber geben da« Versprechen, Alle« zu thun,«a» in unfern Kräften steht, auf daß unser gemeinsames Werk wachse, gedeihe und Früchte trage. Die« unser Wunsch und damit: Glück auf zum neuen Jahr! Die GewerkschaftS-Berwaltung." Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Töpferverein. Kamlurg, 11. Januar. Brüder! Bereit« ein halbe« Jahr liezen wir hier im Kampfe. Durch die Frivolität einer winzigen Zahl Kapitalisten wurden vorigen Sommer ca. 300 Arbeiter auf die Straß- geworfen, und nicht mit Willen unserer Arbeitgeber allein, sondern weil sie glaubten, der„Bauhütte" gehorchen zu müssen, denn eS werden hier ArbeitSauSschlüsse nicht mehr au« ökonomischen, sondern auS politischen Gründen provocirt, wa« deutlich ein Circular der„Bauhütte" beweist, worin e« heißt, man müsse die Töpfermeister mit allen Mitteln unterstützen, damit dieselben zum Siege kämen, da die Arbeiter sich sogar Eingang zum gesetzgebenden Körper zu verschaffen suchten. Arbeiter DeutschlanvS! Ihr seht, mit welchen niedrigen Mit- teln gegen daS höhst- Gut der Menschheit, gegen d-S allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht gearbeitet wird. Im Sommer 1873 versuchte man eS mit den Maurern und Zimmerern; diese Politik gelang den Herren aber nicht. Da suchte man sich eine kleinere Corporation, und zwar die der Töpfer auS; aber auch hier ist e» bis jetzt nicht gelungen, und es wird den Herren der„Bauhütte" auch nicht gelingen, wenn die Arbeiter Hamburg« uns mit der- selben Energie zur Seite stehen, wie sie es bi« jetzt gethan haben. Wir appelliren aber nicht an di- Arbeiter Hamburgs allein, fon- der« an all- Arbeiter, so weit die deutsche Zunge klingt. Vergesset nicht in allen Euren Versammlungen, das oben Angeführte den Arbeitern zu sagen, damit unsere Arbeitgeber nicht zum Siege ge- langen. Wie unS hier berichtet wird, hat man jetzt wieder ver- chiedene Staute mit Aufrufen heimgesucht, wo den Arbeitern zroße Versprechungen gemacht werden. Wenn dieselben aber hier ind, dann muß womöglich da« letzte Hemde verkauft werden, damit sie wieder abreisen können. Arbeiter Deutschlands! Könnten wir überall bei Euch rede», ast unglaubliche Thatsachen würden wir Euch vorführen können, die man gegen unS in dieser Zeit unternommen hat. Darum bitten wir Euch, haltet überall den Zuznz nach hier fern, denn noch einige Wochen und der Sieg ist unser. Unsere Herberge befindet sich große Rosenstr. 57 bei Herr» Hübner. Etwaige Gelder und Briefe sind zu senden an H. Falke ebendaselbst. DaS Comitö der ausgeschlossenen Töpfer in Hamburg-Altona. Die Gew rtschaftS- Verwaltung erläßt in der„Union" fol- genden Aufruf: „GewerkSgenossen! Freunde! Durch daS Zusammentreffen ver- chiedener ungünstiger Umstände ist e« unmöglich geworden, vom neuen Jahre ab, wie es auf der General-Bersammlung in Haw nover bestimmt wurde, die„Union" wöchentlich erscheinen zu lassen. AlS hauptsächlichsten Grund hierfür müssen wir die Kürze der zur Vorbereitung der neuen Einrichtung gelassenen Zeit anführen. Weder war eS uns möglich, auf der Post die Anmeldung über das beabsichtigte Oester Erscheinen der„Union" zur rechten Zeit zu machen, noch konnten die Vorbereitungen, welche hinsichtlich der Expedition rc. zu treffen waren, in der Weise getroffen werden, wie es daS öftere Erscheinen nothwendig machte. Da. sich zu all' diesem noch die mit dem Tode endigende Krankheit?)orck's gesellte, o mußten wir darauf verzichten, dem Beschlüsse der Gcneral-Ber- ammlung gemäß die„Union" mit 1. Januar wöchentlich einmal erscheinen zu lassen. Wir müssen unsere Genossen deshalb um Nach- icht ersuchen und werden alles Nöthige besorgen, daß der Beschluß u Anfang deS zweiten Quartals des Jahres 1875 zur Aus- ühiunz kommt. Durch die Krankheit Uorck'S ist auch manche Unregelmäßigkeit unterlaufen, für deren Abbestellung nun Sorge getroffen ist; und hoffen wir, daß vcm neuen Jahre ab wieder Alles seinen gere- gelten Gang gehen wird. Zum Wechsel des Jahres selbst entbieten wir den Genossen und Freunden die b sten Glückwünsche, und geben wir uns der Hoffnung hin, daß wie im alten so auch im neuen Jahre unsere Organisation sich bewähren und ausbreiten werde, und daß Die- jenigen, die heute uns noch mißtrauisch fern stehen, sich bald eines Besseren überzeugen und zu uns in den gemeinsamen Bund treten werden. Sache unserer bisherigen Freunde und Genossen ist eS, die noch Zweifelnden oder Unwissenden zu überzeugen und aufzu- klären, damit unser Bund immer größer, mächtiger und stärker werde— ein Bollwerk zum Schutz für uns, unseren Feinden »ber eine unübersteigliche Mauer. Wenn auch die Feinde der Arbeiterbewegung eS versuchen soll ten, unsere Organisation zu zerstören, so brauchen wir deshalb nicht zu zagen; im Kampfe muß sich die Organisation erproben; und sie hat sich erprobt. Wir stehen heut- stärker und zahlreicher da denn je, und allen Anfeindungen zum Trotz treten wir iu'S neue Jahr mit der festen Zuversicht, daß eS ein Jahr de« Sieges uud der Stärkung unseres Bundes werde. Mögen unsere Bundesgenossen nach wie vor unermüdlich thätig sein im Agitircn wie im Orgauisiren, und sich durch keine Chi- kanen und Machinationen irgend welcher Art beirren lassen. Dann werden wir im laufenden Jahre gewiß auch wieder Erfolge zu verzeichnen haben, welche sich den vorjährigen würdig zur Seite stellen können, und wir werden, langsam aber sicher, vorwärts schreiten auf unserer Bahn, deren Ziel die Emanzipation der ar bettenden Klasse ist. Bundesgenossen uud Freunde! Thue Jeder, wa« in seinen Berein der deutschen Steinmetzen. Uerki«, 15. Januar. Da mit vem 15. d. M. meine Ge- ängnißhaft abgelaufen ist. so sind nunmehr alle Briefe, die Lei- mng de« Verein« betreffend, wiederum an meine Adresse ein- zusenden. Gleichzeitig sage ich �hiermit allen Collegen, die während meiner Haft meine Familie so opferfreudig unterstützt haben, den wärmsten Dank. Mit Bkudergruß! A. Zabel, Vorsitzender. WeinbergSweg 4, Ii. IiB. Da die Collegen in Halle o/S. im Begriff stehen, ihre bis jetzt bestehende Lohn-, resp. Akkort-Skala zu resormiren, um Weihnachten auch 30 Mann aus der Arbeit entlassen worden sind, so ersuche ich sämmtliche Bevollmächtigte, den Zuzug nach Halle abzulenken. Der Obige. Correspondenzen. ') Wir haben ein solches, obgleich e» im Artikel 26 der preußische» .......,.,.. Verfassung vom 31. Januar 1850 verheißen, bis heute nicht erhalten kes verläßt mit den 14. Jahre die Schule und geht an die Haupr- und können vielleicht noch lange, nameutlich aus ein vernünftige» Unter aufgäbe seine« Leben?— Brod zu verdienen. Wie Wenige denken irichts-Gefetz warten Leipzig. Das deutsche Volk fängt an, seinen großen Männern noch bei Lebzeiten, nicht erst im Tode, Kränze zu winden! Wie man hört, beabsichtigt eine Anzahl nationalliberaler Gesinnung«- genossen, dem Leipziger Stadtrathe für Schul angelegenheiten, Dr. Panitz, in Rücksicht seiner hohen Verdienste eine Gedenk- tafel zu stiften, welche an seinem Geburtshause in Kleinzschocher (bei Leipzig) angebracht werden soll. Nächsten« will man auch Herr» Sparig-Eynern ein Denkmal setzen— im Hahnemann-Monu- ment-Stil. Lindenau bei Leipzig. Zum ersten Male nehme ich Anlaßt den Lesern de«„VolksstaatS" von den Zuständen der Gemeinde Lindenau Kenntniß zu geben; vielleicht gelingt e» mir auch, vea VolkSstaat" den Einwohnern Lindenaus immer mehr unenlbehr- lich zu machen. Am 11. d. M. hielt der hiesige Arbeitermrein eine Einwohner-Versammlung ab mit der Tagesordnung:„Die hohen Gemeindeabgaben und die Gemeindeverwaltung Lindenaus." Preißer referirte. Theile wurde zum 1. und Benndorf zum 2. Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Preißer begann feinen Vortrag mit ungefähr folgenden Worten. Meine Herren. Ich danke Ihnen zunächst für Ihr so zahlre che« Erscheinen, wenngleich nicht zu leugnen ist, daß die Versammlung noch zehnmal stärker besucht wäre, hätten die vereinigten Gegner nicht in der flegelhaftesten Weise alle Plakate in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag abgerissen. Während der letzten Reich«- tagSwahl schrieb ein Blatt:„Kaum wurden von den verschiedenen politische» Parteien die Wahlaufrufe asfichirt, so sind ste auch meisten« wieder herab- und durchgerissen worden; in jedem Fall ist solches Gebühren eine höchst pöbelhafte Opposition." Nun, meine Herren, nicht etwa einS der sozialdemokratischen„Schmier- blätter" schrieb diese Worte, sondern da«„Lindenau-Plagwlyer Wochenblatt", Organ unsres Gemeinderaths. Und damals waren die Plakate nur theilweisc herabgerissen, heute sind uns systematisch sämmtliche 24 Plakate heruntergerissen. In diesem Falle kann von Gassenjungen nicht die Rede sein. Die Plakate sind abge- rissen von unfern Gegnern, die feige genug sind uns in dieser Weise mundtodt machen zu wollen. Die Gegner fürchteten sich vor der heutigen Versammlung und sie haben allen Grund dazu. Schrieb doch schon ein sortschrittlicher Artikelschreiber der„Leipzrze'. Nachrichten", daß die Sozialdemokratie in Lindenau immer mehr und mehr verschwinde. Keine Mittel wurden gescheut, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Bewegung zu unterdrücken. Volks bildungS-Bereine und Speiseanstalten wurden ins Leben ger sser. Schulgemeinde-Versammlunzen wurden vom Lehrercollegium ver anstaltet und trotz aUedem lebt der Arbeiterverein und tagt di heutige Versammlung und zwar mit einer Tagesordnung, dre oe. Herren die unangenehmste von der Welt ist." Nachdem der Referent gezeigt hatte, wie e« zu allen Zeiten das charakteristische Merkmal der besitzenden Klasse gewesen>jl, di: Lasten des öffentlichen Lebens auf die Schullern der Nichtb-ätzen den zu laden, ging er näher auf das Steuerregulativ d.> G- meinde Lindenau ein. Er erklärte zunächst, daß das Stena-regu lativ die königliche Gewerbesteuer zur Unterlage habe, daß mau aber keineswegs die Progression der Gewerbesteuer als Norm an- genommen habe, obgleich selbst die Gewerbesteuer in der uner- höltesten Weise auf den Schultern der Arbeiter laste, waS selbst der Abgeordnete Jordan in der II. Kammer anerkannt habe. »Nun, meine Herren, fuhr der Redner fort, Derjenige welcher von 5 Gr. bis zu 1 Thlr. Gewerbesteuer zahlt, zahlt S Einheiten. Wollten die Herren nun einigermaßen Gerechtigkeit üben, so müßte Derjenige, welcher 10 Thlr. Gewerbesteuer zahlt, doch auch 10 mal so viel Gemeindeeinheiteu zahlen; doch dem ist keineswegs so, in- d>m die 10-Thaler-Männer nur 14 Einheiten zahlen, und nicht 50 Einheiten, wie die Gerechtigkeit gebietet. Unv so kommen wir denn zu dem Resultat, daß die mit 1 Thlr. Gewerbesteuer Abge- schätzten 2 Thlr. 10 Gr. Gemeindeabgaben zahlen, wohingegen die mit 10 Thtr. Gewerbesteuer Abgeschätzten nur 6 Thlr. 16 Gr. geben, während, hätte mau die Progression der Gewerbesteuer, die 10 Thaler-Männer wenigstens 23 Thlr. 10 Gr. Gemeindeabgabe« zahlen müßten." Nachdem der Referent noch mehrere Regulative von anderen Ge meinden angezogen hatte, woraus sich ergab, daß kein Steuerregu- lativ so himmelschreiende Ungerechtigkeiten enthielt als das Linde- uauer, zog er noch die Gemeinde Gohlis an. In Gohlis zahlt eine Arbeiterfamilie mit 3 Kindern über 14 Jahren an Gemeinde- abgaben incl. der Kirchensteuer S Thlr. 19 Gr. 2 Pf., wohin- gegen dieselbe Familie in Lindenau für 1875 6 Thlr. 10 Gr. zahlen muß. Nun, meine Herren, sagte der Redner, die Mohliser Gemeinde zahlte bis jetzt dre höchsten Steuern und zwar in Folge des vor wenigen Jahren vorgenommenen Kirchenbaues. Wir haben noch keine Kirche, die soll erst in Angriff genommen werden. Nun, meine Herren, Sie sehen, daß, als ich im Anfang sagte, daß Lindenau das miserabelste Steuerregulativ habe, ich keineswegs zuviel gesagt habe. DaS aber ist von jeher der Grundsatz dieser FortschrittSmänner gewesen, daß das Volk möglichst viel bezahlt, damit die großen Herren möglichst geschont werden. Sie sehen, weine Herren, wie gerade die Gemeinde Lmdenau, die Metropole des FortschrittSvereinS, ein Steuerregulativ hat, das selbst die feudalsten Verwaltungen nicht annehmen würden. Ja, ja die Herren Fortschrittler, die sich so gern aus ihre Brust klopfen und da sagen:„Wie dank ich dir, daß ick nicht bin wie andere Meu scheu oder gar wie dieser Zöllner hier", sie regiereu mit einem Steuerregulativ, wie es ungerechter nicht gedacht werden kann. „Meine Herren, gehen wir nun zur Verwendung der Steuer über, untersuchen wir, wie die von den Arbeitern aufgebrachten Gelder verwendet werden. Veranlaffung zur Unzufriedenheit gibt vor allen Dingen die freie Ueberlaffung der alten Angerstraß- an dw Bauspekulanten Hampe und Sänger. In der Gemeinde rathSsitzung vom 23. Mai 1874 erklärte der Gemeindevor stand Herr Bahlig in dieser Angelegenheit:„Ich weiß nicht, warum Sie so engherzig sind, wenn Sic den Privatleuten so viel Schwierig keiten machen, dann kommt die Lindenauer Gemeinde nicht in die Höhe." Nun, meine Herren, kann man direkter die besitzenden Klassen begünstigen aus Kosten aller Steuerzahler?" (Schluß folgt.) Staucha«, 13. Januar. Am 11. Jauuar fand hier eine zahl- reich besuchte Volksversammlung statt mit der Tagesordnung: „Die Thätigkeit des Reichstags und die Sozialdemokratie." Nach dem die Versammlung von Herrn Albert eröffnet"war, wurde derselbe als Vorsitzender gewählt. Es sollte Herr RcichStagSab geordneter Geib aus Hamburg referiren. Derselbe wurde jedoch durch dringende Umstände abgehalten, und so erschien an dessen Stelle Herr Reichstagsabgeordneter Bah lt eich aus Chemnitz. Mit feffelnder Beredtsamkeit hielt Referent Vahlteich volle 2 Stunden die Anwesenden in Aufmerksamkeit und brachte wieder neues Leben unter die GesinnungSlreuen. Seine klaren, aus dem Herzen ge fprochenen Worte wirkten auf die Gemüther, wie draußen in der Natur der erstischende Regen nach langer Trockenheit.— Nach einviertelstündigcr Pause ergriff Albert das Wort, um den Au weseudcn das Abonnemeut auf den„Volksstaat" dringend zu empfehlen. In die aufgelegten AbounementSlisten fanden denn auch etliche Einzeichnungen statt. Zum Schluß ergriff nochmals Vahlteich das Wort, um darzulegen, daß das beabsichtigte Coutrakd bruchgefetz lediglich im Interesse der Ardeitgeber erlassen werden solle. Trotz wiederholter Aufforderungen meldete sich Niemand zum Wort, und können wir mit. dem Verlauf der Versammlung nur zufrieden sein. Bezüglich der EiuignngSfragc hielt der Volksverein eine ge- uieinsckaslllche Versammlung mit den Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins ab, welche am S. Januar stattfand. Nachdem Herr Melhorn in fast einstündigem Bortrag den Nutzen der Vereinigung beider sozialdemokratischer Fraktionen dargelegt und sich beide Parteien im Sinne der Vereinigung ausgesprochen hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung deS VolkSvereinS zu Glauchau, bei welcher auch der größte Theil der hrefigeu Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins als Gäste anwesend sind erklärt sich für die Vereinigung der beiden Arbciterfraktioneu. Bei der jetzigen Coalition der Gegner deS ArbeiterstandeS ist e< die nächste Aufgabe aller Sozialdemokraten, sich zu vereinigen. Und wünschen die Glauchauer' Sozialdemokraten der Bereinigung ein freudiges Glückauf. Mittweida, 11. Januar. Nachdem man nach langen<3 lurtSwehen und mit ziemlich bedeutenden Geldopfern Seitens der hiesigen Fortschrittler endlich einen sogenannten VolkSbildnngS verein ins Leben gerufen und mit Hilfe mehrerer Lehrer auch eine Fortbildungsschule»liae; Abendschule gegründet hatte, verspürten jedenfalls die Herren Gründer, als da sind: Fabrikanten, Beamte — Staatsanwälte mit inbegriffen—, daß da« Öpferbriugen von ihrer Seite auch ein Opferbringen von anderer Seite bedinge, und eingedenk ihres Wortes bei der Gründung:„Unser Verein soll kein einseitiger vom Parteigeist geleiteter sein, sondern nach allen Seiten hin gerecht werden," wandte mau sich an König Albert um Unterstützung deS segensreichen Unternehmen». Und siehe da, nach gehörtem Vortrage bewilligte allerhöchstdero Majestät eine jährliche Subvention von 600 Reichsmark auf drei Jahre anS der König- Johann-Stiftang. Diese erfreuliche Nachricht ist sckwarz auf weiß zu lesen in dem Mouiteur de« hiesigen Volk« b:ldungSvereiuS, genannt„Mittweidaer Nachrichten". Aber nicht genug damit, ist man auch mit der Verwaltung der Stadtbiblio lt.ek in Unterhandlung getreten, um genannte Bibliothek mit der „gegründeten" Bibliothek des VolkSbiloungSvereinS zu vereinigen. Für all diese erfreulichen Erfolge nun dankte man, bei Gelegenheit der Eröffnung der Fortbildungsschule am 3. Januar dem allmäch rigen Gott und fl-hte um seinen Segen zum ferneren Gedeihen, der auch jedenfalls nicht ausbleiben wird, denn„Gott steht das Herz an", und Niemand wird cS bezweifeln wollen, daß unfre Bourgeoisie febr„gutherzig" ist.— Noch erwähnen wollen wir, d�ß auch hier in Mitlweida die Künde von der angebahnten Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Fraktionen die Herzen der Arbeiter höher schlagen ließ, denn auch am hiesigen Orte waren Vertreter beider Richtungen, die oftmals, durch die fortwährenden Parteistreitigkeiten irre geleitet, aufeinander platzten und nur in wichtigen Momenten, wo eS der Sache galt, einig handelten. Dies ist nun ander» geworden, wir werden nun, stärker geworden durch die Einheit, rüstig vorwärtsgehen. Mit sozialdemokratischem Gruß S. Barth oldi. Hetzer, 13. Januar.(Agitation im 19. Wahlkreise.) Für die bevorstehende AgitationSreise de» Herrn Ph. Wiemer aus Mag- debucg ist der Versammlungskalender wie folgt festgestellt: Monat Januar: den 19. Schneeberg, den 20. Lößuitz, den 21. Grünhain, den 23. Schlehma, den 24. Zschölkau, den 25. Neustädte!, den 26. OelSnitz, den 27. Lugau, den 28. Ober- Würschnitz, deu 30. Geyer. Monat Februar: den 1. Thalheim, den 2. Stollberg, den 3. Au-, deu 4. Neuwiesa, den 6. Müssen St. NiklaS, den 7. Niederwürschnitz, den 9. Haßlau. Die Parteigenossen werden hierdurch nochmals dringend auf- gefordert) für die strikte Durchführung obigen Planes die nöthigen Schritte zu thun, sowie auch allen übrigen Beschlüssen der Bezirks- kongresse gewissenhaft nachzukommen. Für das Ccntralcomitö: Carl Demmler, Bors. Ernst Schletter, Schriftf. ßhemnih. Der zehnte Januar, der Jahrestag deS Most'schen Wahlsiegs, wurde hier durch eine vom declamatorischen Club ver anstaltete, sehr interessante Abenduuterhaltuug gefeiert. Der zu dieser Gelegenheit von M. Kegel verfaßte, von Frl. Hübschmann vorgetragene Prolog lautet: barg Ann. 1.50. Mllr hier Ab. 75,00. Slrsch Forste Schr. S,?5. P. Sff Salonik Ab. 7,00, Schr. 2,45. Arb.-Verein Agram Ab. 5,10. Hh Plagwitz 3,00. Schffl hier f. Jorck'sche Broschüren 21,00. f. d. a»Sge 'perrten Braunschweiger Tigarrenarbeiter 10,10._ Fond für Gemoßregelte. Bon M. S. hier 1 thlr. Arb.-Bild.-Verein hier 2 thlr, P. St.». M. Schl Salonik 1 thlr. 25. 5. Durch den Borsitzendeu des BolkSver- ein« Glauchau 21 thlr. 7 pf. Berichtigung. Die Quittung in Nr. 6 muß heißen: Bon einem Parteigenossen durch T. Bohne in Ernstthal 3 M. für den Parteiunter- filltzungsfond und 3 M. f. Fond f. Gematzregelte. Ocnossenschastfcbuchdruckmi. Anthetlscheine bez. Autheilquittungen erhielte» ferner: Ard.-Bild.-Ber. M. 7,20. Wenn ringS die Blumen sind erstorben Auf allen Fluren weit und breit, So blüht doch eine Blume schöner: Die Blume der Geselligkeit. Sie lächelt hold den armen Menschen; Wohl dem, der diese Blume bricht, Und der mit kunstgewandten Händen Sic iu den Kranz der Freude flicht. Der Freude, welche leider selten DeS Proletariers Herz erwärmt, Weil er von einem Jahr zum andern Sich müht und sorget, quält und härmt. Weil immer er mit Stürmen kämpfet, Und doch den Hafeu nie erreicht, Weil niemals er die Frucht genießet, Von dem, wa» feine Hand erzeugt. Und dennoch giebt eS Freudentage Auch für den armen Proletar, ES ist ein solcher Tag der Freude Für unS der zehnte Januar. Ein Jahr zurück; an diesem Tage, Da hat die Wahlschlacht heiß getobt, Da hat daS Volk, das stets besiegte, Kühn seine eigne Kraft erprobt. Auch unser Feind verzweifelt kämpft-, Doch als die Sonne endlich sank, Da wehten siegreich unfre Fahnen, Da töute unser SiegeSsang. Und au» deu Orten unser» Kreise« Da nahte jubelnd Post aus Post: Die Unterdrücker sind geschlagen, Gewählt ist unser Johann Most. Und hat man ihn unS jetzt entrissen Auf's Neue, ehe wir's gedacht, Und weilt er nicht iu unfrer Mitte, Und weilt er in deS Kerkers Nacht, DeS Volkes Wahrspruch bleibt derselbe, Des Volke« Wahrspruch bei der Wahl, Er tröstet den gefangnen Kämpfer: In Kerkernacht ein Sonnenstrahl. Er zaubert iu die dunkle Zelle, Der Hoffnung freundlich EogelSbild, D'rum wird auch er deu Tag oft segnen, Da jener Wahrspruch sich erfüllt. Ein SügeStag der Unterdrückten, Der befferu Zukunft ein Symbol; O, lasset diesen Tag unS feiern, Welch' schönreu Festtag gäb' eS wohl? In Dresden m Anzeigen Die rechts in s s angegebene Ziffer bedeutet den Preis der betreffenden Annonce in Reichspfennigea. {Kl«»,' Lki« Sozialdemokratische Ardeiterpartei. llUfjvIlUlg Sametag, den 23. Januar: Versammlang bei Bier- brauer Linder ehem. Bloßfelb. Vollzäbliche» Erscheinen ist notbwendig. A. H« h e«reiner.(40) Sozialdemokratischer Arbeiterverein. IlltOHd Donnerstag, den 21. Januar, Abend« 9 Uhr: Geschlossene Mitgliederversammlung im Schuhmacheramthau«.— T.-O.: Wahl de» Vorstandes und der Revisoren. Um vollzähliges Erscheinen ersucht_ Der Vorstand.[50] Apolda Da« VersammlungS- und BerkehrSlokal befindet sich im Gasthaus„Zum Löwen". Daselbst liegen folgende Zei- tungen au«: der„Volkestaal",„Neuer Soiialbemokrat",„Wochenblatt der Frankfurter Zeitung",„Braunschweiger BolkSfreund". Jeden Montag Abend Parteiversammlung._ E�K eitel.[50] Wahlverein der sozialdemokratischen«rbeiierpartri. Mittwoch, den 20. Jauuar, Abend« g'/e Uhr: Große öffentliche Versammlug bei Lettin, Brunnenstraße 34. Tagesordnung: Die Sozialdemokratie und ihre Gegner. Reserent: S l a u ck. Diskussion. Fragekasten. Alle Parteigenossen im 6. Wahlkreise und Umgegend müssen am Pl,tze sein.— Jede. mann hat Zutrnt._ Der Vorstand.[70] 'Kovlirr Den Parteigenossin zur Nachricht, da« ich vom 1. Vs-ilß»»» Mt». ad den Vertrieb de«„Volksstaat" silr ds«. den 6., 2. und den nördlichen Theil des 4. Wahlkreises übernommen habe. Ich verspreche, so weit e« in meinen ästen steht, die größte Pünktlichkeit. Gleich. eilig bitte ich um Entschuldigung, wenn die ersten Nummern etwa« unregelmäßig an die Abonnenten gelangten. Indem ich auf da« Entgegen kommcn der Parteigenossen rechne, erbitte Anmeldungen von Abonne- ments, wenn nicht auder« thunlich, per Eorrespoudenz-Karte; dieselbe wird beim ersten AbonnementS-Ielde vergütet. I. Ehmann, Grünthalerflr. 34, Berlin«.[100) Rhrwla«d und Westphale«. 2)0 ba8'Ör �etuIa"15 und Westphalen bestehende Agitation scomitö der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sich derzeit in Barmen- Elberfeld befindet, so werden alle Partei- und Gesinnungsgenossen, welche agitatorische Kräfte bedürfen, ersucht, unverwellt ihre ausführlichen Mittheilungen unterzeichneter Adresse zugehen zu lassen, sowie allerorts Versammluvgen behus« weiterer Ausbreitung»nserer Prinzipien einzuberufen. Mit Gruß! _ R. Wolf, Hohenst. Arbeiterhäuschen 56».[100] Hamburg E A Li de z« «i in m de »e fa la eii Gewertzchast der Hoizardelter. Mittwoch, deu 20. Januar, Aoends halb 9 Uhr?! Versammlung bei Eckhardt, im Schoppenstchl 22. Tagesordnung: 1) Wahl der Revisoren. 2) Vortrag von Henke. D. B. 150] Hamburg Sozialoemokraltscher Ardmervercui. Sonnabend, den 23. Januar 1875: Concert und Ball in Klett's Gesellschaftsgarten, Wexfiraße Nr. 48.— Festrede gehaltt« von Herrn A. Liebknecht. Karten sind zu haben bei Herrn Geib, Rödingsmarkt 12, sowie bei de» Evlporteuren Schultz und Schützt. Um zahlreiche Bctheiligung ersucht Da« Fest-Eomi t e.[225] ArtmhttVrt Donuerstag, deu 21. Jauuar, Abend« halb 9 Uhr, jm Lokale des Herrn Thomsen, Neustäoter Neustr. 25 Große öffentliche Töpferversammlung für Hamburg-Altona. Tagesordnung: Wie verhalten wir uns den Schiedsgerichtea und Einigungsämtern gegenüber? Das To mit». IiB. Alle Töpfer, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, find hierzu freund lichst eingeladen_[90 8i di T 81 sie di lc er] th Fl be de O g- fel S M! de: »r ge: Lo de: «n tot s tirttistiii Donnerstag, den 21. dss Ml«., Abends palb 9 Upr: im Saale des Hrn. Jacobi(früher Zab») Rofenthalgass« ßetTe, 13. Januar. Am 10. Januar hielten wir eine ziemlich gut besuchte Arbeiterversammlung ad mit der Tagesordnung: „Besprechung über die Vereinigung beider Fraktionen der Sozial- demokraten." E« wurde der Wunsch allseitig geäußert, daß die Vereinigung baldmöglichst zu Stande kommen möge, denn nur Einigkeit macht stark. Mögen die deutschen Sozialdemokraten wie auch überhaupt alle Arbeiter sich die Bruderhand reichen und den Kamps gegen unsere Feinde mit frischem Muthe aufnehmen.— E« wurde auch de« dahingeschiedenen Theodor �)orck gedacht und sein Andenken durch Erheben von den Plätzen geehrt. Von Heß wurde der Antrag eingebracht, diesen Bericht an beide Partei- organe, den„Neuen Sozialdemokrat" und den„BolkSstaat" zu senden, waS einstimmig genehmigt wurde. F. Warnke, Schriftführer. Briefkasten der Expedition. O. Stltn Berlin: Die Annonce für den Wahl». kam für die Sonntagsrmmmer zu spät, bitte auf die Bekanntmachimg z« achten. Rottmanner u. Co in München: Ee«dung erhalte»; richtig. T. Br. u. N. Srgr Eöln: Derartige Privatannoncen können nicht Auf- nähme finden.' Quittung der Expedition. B. Schbur OelSnitz b. Lichten stein Schr. M. 0,60, P. Hss Philadelphia Ab. 20, U. Schr. 99,89. Schlz Sprembcrg Ab. 0,55. Rttmr München Schr. 23,22. Gnlhr Großenhain Schr. 32,30. Mllr hier Schr. 1,8. L. Mylvtsch Neusatz Ab. 5,10. I. Frdl ScheibbS H. 2,50. Much Zittau Schr. 30,00. M. Dresden Schr. 1,00. Esngrtn hier Ab. 12,00. mb.-Berein Kleinzschocher Ann. 0,30. Frnff Sachsen« Hausen Schr. 6,00. Wlf Barmen Schr. 3,60. F. Kng Mühlhausen Schr. 0,40. R. F. Wien Ab. 3,00. Arb.«erem Gohlis Ann. 2,30. I. F. Wien Ab. 3,20, Schr. 5,80. Kllr Stadthagen 1,00. Kht Bremerhafen Schr. 0,80. Töpferverein Hamburg Stirn, 1,00. Ltkn« Ham- Allgemeine Versammlung aller Sozialdcmokrateu von Leipzig und Umgegend Angehörige der sozialdemokratischen Arbeiiervereine, de« Allgemeine« deutschen Arbeiteroerein«, der Lassalle- Schale haben Zutritt gegen Vor- zetgunz der betr. Mi glieds-Karte. Tagesordnung: 1) Die Vereinigung der sozialdemokratischen Fraktionen. 2) Diskussion üdcr die Grundlage zur Bereinigung. Zahlreiche« Erscheinen erwarten Ramm. Kretzschmar. Liebisch.[120 IVhutrt Aest der Gewerkschaften " Sonnabend, den 23. Januar, im Saale „Tonhalle".- Näoere« s. Plakate. D.«. de« [?» Gewerkschaft«- Vorstände. Donnerstag, deu 21. Januar, Abends 8 Uhr, Zusammenkunft.__ K.[30 Waudsbeck Allgemeines Arbeitersest und Ball Soziald.molratjscher Aibeiterverein. Montag, den 25. Januar 1875: im vergrößerten Saale der„Harmonie".— Festprolog gesprochen(uÄ halb 9 Uhr) vom Beifaffer desselben Herrn Reich«, agsabgeordneten Aug- Geib. Festrede gehalten(um halb 10 Uhr) vom ReichStagSabgeordnete« Herrn Wilh Liebknecht. Entrö für Herren 10 Schill., Damm 6 Schill. Karten im Borau« für Herren 8 Schill., Damen 4 Schill. Nähere« besagen die Plakate.(2b) Das Fest-Somit».[275 Otto«. aus Delitz(Königr. Sachsen), Modellschlosser, früher ii v,- Graz, jetzt in Leipzig, wird aafgesordert, seiner Berpfltchinng gegen dil Prodnctivassociation der Kleidermacher in Graz binnen 8 Tagen uachzm kommen, sonst wird fein voller Name veröffentlicht werden. Earl Frank, Geschäftsleiter.[50 NN tir i« S nu Al dei V. koi da tüi üb P' wc nie Fr »" »in ge bei 1° Ts da: in sei: S< sch: Parteigenosse C. Rieger, früher in Fraustadt, später in Bresla« wird freundlichst e. sucht, seinen jetzigen Ausenthalt an Ed. Püschman Un Oberlungwitz bekannt zu geben. Sollten andere Genossen Kenutui ! von seinem Wohnort haben, so wird freundschaftlichen Verhältnissen halb« ! gebeten, diesen an obige Adresse mitzntheilen. Verantwortlicher Redakteur: R. Seiffert. Redaktion Hobestraße 4, Expedition Zeitzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Verlag der GmosseuschaftSbuchdruckerei iu Leipzig. lar lici au] um Fr. st-h los ver in blc