drfdjfint in Leipzig Mittwsch, Freitag, Sonnlai,. Bestellungen nehmen an all« Postanstallcn u. Buchhand- lungen des In- U.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigle» Staaten: F. A. Sorge, vor 101 HoboKen, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coates str. Philadelphia. Abonnementspreis für ganz Deutschland 1 SR. 60 Pf. pro Quartal. Monats-AbounementS werden bei alle» deutschen Postanstalten auf den Äten u. Sten Monat und auf den 3ten Monat besonders au- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals a 54 Pf. OrgandersozialdemokrattschenArveUerparteiunÄ der internattonalenGewerksgenossenschasten. Zsserale, dt« Rbhslwug von Pariet», verein«, und«olksverfiumnlnng»», sowie die Filial- Speditionen und sonstige Partei- Angelegenheiten betreffend, werden mit Ist Pf.,— Privat, und Vergnügung». Anzeigen mit 25 Pf. die dretgespaltene Petit«Zeile berechnet. — 1875. Nr. 22. Mttwoch, 24. Keöruar. Die BM«»a««serer„Gebildete«"«der ei« kvneö>S wird nicht sckwer halten zu beweisen.„Es ist jetzt großer Wort«der den Berbi«dungSschvi«del a«s de« U«iverstläte«. Hon einem Studenten. „Das find der Freiheit schlimmste Feinde nicht, Bie zu dem Dienst der Knechtschaft sich bekennen, Sich willig fügen der verdammten Pflicht. Rein Jene sind e«, welche frei sich nennen, Und insgeheim in tiefster Seele doch Von ekler Gier, ein Sklav zu sein, entbrennen. Mit Blumen schmücken sie das seile Joch, Darunter sie den Nacken willig neigen Und rühmen sich erlogner Freiheit noch." Die Zeiten haben sich geändert, bedeutend geändert. Waren die Ruiverfitäteu in früheren Jahren Bollwerke der Freiheit, so find es heute Brutstätten des NationalservilismuS und Freimaurer- thumS. Der moderne JefuitismuS hat sich ihrer bemächtigt und Gebildeten" in ... u..,... dieser Sittenlosigkeit Meister sind? Wer bestreiten, daß Treue sucht m reaktionärer W-ls- da« Ausblühen zed-S ftitheillichen �d Gl� Wahrheit und Lieb- bei ihnen sehr viel seltner zu Streben« von vornh-rern zu verhlndcrn. Nicht sreisinnige, nicht n�en sind als bei jenen armen Menschen, die nicht lesen und Brauch"— schreibt Herr Eduard Sack in seiner vortrefflichen Broschüre:„Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit"— „über die Unsittlichkeit und Rohheit unter den Arbeitern zu jam- mern. Ick meine aber, wir brauchen nur die letzten zehn Jahre zu betrachten, um zu finden, daß die„feine Gesellschaft" ein weit längeres und schlimmeres Sündenregister aufzuweisen hat, als die„PlebS". Nicht grobe Worte, Schlägereien und Messer- Attaken sind die häßlichsten und schlimmsten Auswüchse eines un- sittlichen BolkscharakterS, widerlicher und verderblicher ist die Heuchelei und Tugendgleißnerei, die Unehrlichkeit in Wort und That, der öffentliche Handel mit Gefühlen und Ueberzeugungen, der Benrath an der Freiheit, die schamlose Lust an der Sklaverei, die pathetische Berleugnung de« Rechts, die gemeine Schweifwedelei vor Macht- und Geldgrößen, die Vergötterung solcher Menschen, die jeder Moral spotten und an deren Stelle die brutale Gewalt setzen. Wer kann leugnen, daß nicht grade die liberale Männer im wahren Sine des Wortes, sondern knechtische Schmeichler und Speichellecker werden herangezogen, die sich gc- dvldig in daS eiserne Joch tyrannischer Herrschsucht sticken lassen. Ob aus die Dauer diese« System der„ReichsfreundSmacherei" Er- folg haben wird, möchten wir sehr bezweifeln. Schon fängt eS an in gewissen Schichten der Gesellschaft ganz furchtbar zu gähren, und da müßte man doch wahrhaftig mit serviler Blindheit ge- schlagen sein, wollte man die Ursache davon in dem„Wühlen einiger Agitatoren", wie sich unsere Bedientenpresse so gerne aus- zudrücken pflegt, zuschreiben. Nein! Die Unzufriedenheit, die sich überall kundgiebt, wurzelt einzig in unseren faulen Zuständen, und nur dem Zwange materieller Abhängigkeit kann man eS danken, daß diese nicht schon längst in ein andere« Stadium eingetreten ist. Kein Wunder, wenn die Sozialdemokratie täglich neuen Boden gewinnt, täglich neue Kreise um sich zieht. Sie ist zum Gegen- stand allgemeiner Aufmerksamkeit und Betrachtung geworden, und mag man ihr auch die Hörsäle der Universitäten verschließen, so wird man eS doch schwerlich zu hindern vermögen, daß sie mit der Zeit auch unter der akademischen Jugend— wenigsten» unter dem vernünftigeren Theile derselben— zahlreiche Anhänger und Bertheidiger finden«erde. Waren eS doch von jeher grade die Studenten, die mit voran an der Spitze politischer Aktionen standen, und üben doch grade diese neuen Ideen einen so be- geisternden und gewaltigen Einfluß auf jeden denkenden freiheitS- liebenden Menschen! Unsere StaatSomnipotenzen wissen dies recht wohl, aber e« fetzt sie in keine Verlegenheit. So lange wir Bajonnette und Reptilienfonds besitzen— denken diese— haben wir keine Furcht. Ruv, die Zukunft wird ihnen zeigen, in welcher Weise sich eine solche Knüppelpolitik bewährt, sie wird ihnen zeigen, daß die Lanze, die sie selbst gespitzt, auch gegen sie selbst gerichtet wird; denn daß eine Umgestaltung in nicht allzuserner Zeit ein- tritt, dem kann sich selbst der eingefleischteste„Reichsfreund" nicht mehr verschließen. Unsere sozialen Zustande sind zu elend, zu drückend, zu voll von schreienden Ungerechtigkeiten und Miß- brauchen, als daß sie noch lauge bestehen könnten. Nur die Furcht, durch Kundgebung der politischen Ueberzeugung die Existenz, da« Brod zu verlieren, ist eS, die noch die Meisten zurückhält, offen Farbe zu bekennen. Die Zeit wird hoffentlich auch diese Fessel lösen, und dann dürfte e« bald au« sein mit jenen Faulleuzern, die sechSund neunzig Prozent der Bevölkerung dazu verdammen, «n„Schweiße ihre« Angesichte« ihr Brod zu verdienen", um sie in ihren Schwelgereien zu erhalten. Grade die, welche heutzutage am meisten gegen die Sozial demokraten wüthen, verstehn in der Regel am allerwenigsten von der Sache. Ich bin gewiß, daß mehr als die Hälfte all unserer „liberalen" Redakteure auch rein gar nicht« von Sozialismus und Nationalökonomie versteht, sonst könnte man unmöglich auf solchen haarsträubenden Unsinn stoßen, wie ihn die beireffenden Herren aushecken und verbreiten. Gefetzt nun auch, man würde sich der peinigenden Mühe unterziehen, auf all diesen„liberalen" Blödsinn zu entgegnen, so wäre damit doch nicht« gewonnen, denn: „Mag man auch Amphion*) sein und Fel« und Wald bewegen, So kann man solche Bauern doch noch lang nicht widerlegen." Mit Leuten, die eben keine Ueberzeugung annehmen wollen und nicht annehmen dürfen, deren Geschäft e« ist, von Lügen, Ber- leumdungen, Berdächtigungen, Entstellungen und Anfeindungen Z« leben, ist nicht« anzufangen, die kann man höchstens als arme Tröpfe bedauern. Ein vorurthcilsfteier Kopf, der wird, wenn er sich nur einigermaßen mit den Prinzipien und Lehren der Sozial- demokratie bekannt gemacht hat, nothwendig eingestehen müssen, daß da«, was die Soziaildemokratcn wollen, in jeder Beziehung gerechtfertigt und wohl durchführbar ist, und daß das Gebelfer dieser RcichSschweifwedler nur aus bornirtem und bezahltem Haß beruht. Die häufige Behauptung, die Sozialdemokraten beständen aus lauter„Trunkenbolden und HinauSwerfern", ist ebenso lächerlich Wie unwahr. Di? Mehrzahl von ihnen sind ehrliche, charakterfeste and intelligente Männer, die den Krieg gegen die„Gesellschaft" «ur im Zwange der Verhältnisse und nur in der Ueberzeugung führen, etwa« Bessere« zu schaffen. Unter jeder Partei befinden sich übrigen« rohe Patrone, wo aber die meisten zu finden sind, *) Ell! Tonkünstler der griechischen Mythe, der durch da« Spiel seiner «ner die Steint»ewegte, so daß fie sich zu Mauern zusammenfügten. finden sind al« bei jenen armen Menschen, die nicht lesen und nicht schreiben, die mit keinen alten und keinen neuen Klassikern prahlen, und weder beim Thee noch auf der Tribüne von Kunst und Wissenschast reden?" Wahrhaftig, wahrer und naturgetreuer hätte Sack nicht reden können. Giebt e« doch nichts ekelerregenderes und widerwärtigeres auf der Welt, als die Heuchelei, Schweif- wedelet und Charakterlosigkeit! Und wo wären diese mehr vor- handen al« bei jenen Erzfchurken, die über die Corruption der Arbeiter schreien und selbst auf der niedrigsten Stufe sittlicher Verkommenheit stehen? Mögen daher Die, die sich so gerne mit ihrer Intelligenz und Civilisation brüsten, ganz ruhig sein und nur bedenken, daß grade zu ihnen die scheußlichsten Subjekte ge- hören, Menschen, denen die Rohheit, der bornirte Stolz und die Dummheit schon„au« den Augen sieht". Nicht auf's Aeußere, sondern aus'« Innere kommt eS beim Menschen hauptsächlich an, und da ist mir wahrbastig so ein Mann im blauen Kittel zehn- mal lieber, als eine Champagnerftatze mit Glacö und Frack. Am deutlichsten zeigt sich un« die sittliche Verwilderung auf den Universitäten, gefördert durch die„Verbindungen" und hier in erster Linie durch die Corps. Mar glaubt sich wahrhaftig in die Zeiten mittelalterlicher Barbarei jurückversetzt, wenn man steht, in welcher Weise hier die Rohheit und Brutalität kultivirt wird. Wer daS nicht mit eigenen Augen beobachtet hat, kann sich schwer- lich einen rechten Begriff davon machen. Daß unsere Regierungen diesem Unfuge ruhig zusehen, finden wir bei unseren heutigen Zu- ständen nur zu begreiflich.„Man darf'S mit den Leutchen nicht so stramm nehmen— sagte unlängst eine hochstehende Regierung«- persönlichkeit— denn wir haben'S ja seiner Zeit grade so ge- macht". Wagt man e« nun angesichts solcher Protektoren auf diese faulen Krebsschäden hinzuweisen, so ist sofort die ganze Rotte„liberaler" Preßhusaren bei der Hand über Einen herzu- fallen und zu begeifern. Ein fauler Schaden duldet eben kein Berühren.— Da« Ideal unserer heutigen Corpsburschen ist einzig der „Schmiß" und die„Bierbank". Nur Der, welcher am meisten „bechern" und Andere am besten zu„besäbeln" versteht, ist hier der Held, der Meister. Von wissenschaftlicher, geschweige von po- litischer Unterhaltung ist bei diesen Leuten gar keine Rede, und einen CorpSstudenten im Colleg sehen, ist beinahe etwa« ebenso Seltenes, als ihn nicht in der Bierkneipe bei Würfel- und Karten- spiel treffen. Der Sinn für etwa« Höhere« geht diesen Leuten denn auch vollständig ab. Warum sich auch plagen? Wir haben ja Geld, denken sie; und geht'S auch mit dem Examen mal nicht so flott, so wird schon der Onkel oder die Tante für ein einträg liche« StaatSämtcken zu sorgen wissen. E« ist eine bekannte That fache, daß in der Regel grade die größten Dummköpfe heutzutage zu den ersten Stellen im Staate gelangen, dagegen Männer, die wirklich Tüchtiges leisten können, au« Mangel an höheren Bekannt- schaften, ignorirt und bei Seite geschoben werden. Hierbei zeigt sich so recht die Verkehrtheit unserer Verhältnisse, die Macht des Geldes und der Protektion. Wie viele talentvolle Jungen, die in wissenschaftlicher Hinsicht ganz gewiß Bortreffliche« würden leisten können, wenn sie die materiellen Borbedingungen zu ihrer Ausbildung besäßen, müssen au« Mangel an denselben zu einem ab- stumpfenden Handwerk greifen, oder ihr Lebtag al« armselige Tag- löhner in die Fabriken wandern, während so viele Söhne reicher Bourgeois, und wenn sie die größten Hohlköpfe sind, nur weil sie Geld besitzen und sich Vergnügen machen wollen, jahrelang auf den Hochschulen herumfahren, dem Staat ein kolossale« Geld kosten, und schließlich versumpft und verthiert wieder zurückkehren. So «erden heutzutage die sähigsten Talente erstickt, weil nur da« Geld und nur das Geld den Ausschlag giebt. Ader, wird man ein- «enden, dem armen Studenten wird ja heutzutage auch Gelegen- heit geboten sich auszubilden, er braucht ja nur einfach um ein Stipendium nachzusuchen. Rur langsam! Ein jeder vernünftige Mensch wird wissen, daß man heutzutage nicht mit 7V oder 80 fl. studiren kann, und so viel beträgt höchstens im Durchschnitt ein Stipendium. Unser heutige Staat hat eben nur Geld für Ka- fernen, Kanonen und Mausergewehre, und e« wäre eitle Mühe, wollte man von ihm verlangen, er solle etwas mehr für Bildung, Auf- klärung und Wissenschaft lhnn. New, dafür halten wir unsere heutige Regierung für viel zu klug, als daß sie durch Ausgebung de« Prinzips der Volksverdummung ihre eigne Existenz untergraben würde. Doch genug hiervon. Gehen wir weiter. Nimmt heut- zutage einmal ein Arbeiter nach de« Tage« Mühen etwa« mehr zu sich, als sein abgeschwächter Magen vertragen kann, so schreit man gleich über die Rohheit, Ungebildetheit und Unmäßigkeit der ganzen Arbeiterklasse, als ob e« nicht notorisch wäre, daß grade unter Denen, die sich heutzutage zur„gebildeten Klasse" zählen, die größten SaufauS und Rohlinge sich befinden. Wenn ich sage, daß so ein Corpsstudent im Durchschnitt täglich seine IS bis 20 Gla« Bier vertilgt, fast den ganzen Tag über in der Kneipe liegt, ja an offiziellen Kneipabenden sogar die halbe Nacht über dort zu- bringt und eine Rohheit und Unflätherei entwickelt, wie man fie am gemeinsten Arbeiter nicht findet, so ist daS nicht« weniger al« übertrieben. Darüber schweigt man natürlich, weil man heutzu- tage nur gewohnt ist, an Anderen herumzuschnüffeln, den eignen Mist aber nicht zu riechen. Daß die Eltern vieler dieser Corpsburschen in der Regel gar keine Kcnntniß davon haben, daß diese einer solchen Verbindung angehören, ist Thatsache, und wenn auch, so haben sie doch wohl schwerlich den rechten Begriff von dem Zweck und dem Wesen dieser Corps, sonst würden sie unmöglich ihre Einwilligung dazu geben. Ebenso bin ich gewiß, daß Viele von denen, die als„Füchse" auf die Universität kommen, schwerlich für ein Corps, was man so nennt,„gekeilt" werden könnten, wenn diese im Voraus die Fol» gen, die daraus entstehen, kennen würden. Dies ist aber in der Regel nicht der Fall und so kommt es, daß noch genug, die ge- blendet sind von dem äußeren Schein, der das Ganze umgiebt, sich re- cipiren*) lassen, und da fie alsdann schwerlich noch so viel moralische Kraft besitzen, um wieder auszutreten, den Unsinn in seiner ganzen AuSvchnung mitmachen, mag auch daraus entstehen wa« will. Fast jedes Semester kann man ein auch mehrere Opfer der unsinnigen Paukereien constatiren, die besonders in letzterer Zeit wieder zur wahren Epidemie geworden sind. ES ist schrecklich, wen» man steht, wie Leute, die sich zu den„gebildeten" Ständen rechnen wollen, sich auf diese sinnlose und rohe Weise amüstren, und e« ist mir unbegreiflich, wie ein sich vernünftig nennender Mensch ein Vergnügen daran finden kann, sich mit einem Andern, in der Regel ohne jede Veranlassung, auf Tod und Leben zu schlagen. Ich hatte einmal Gelegenheit mit zuzusehen, wie ein CorpSstudent einem Andern auf der Mensur dermaßen auf den Schädel hieb, daß dieser— e« war ein Theologe— in Folge davon da« Ner- venfieber bekam und starb. Solche Vorkommnisse werden natürlich von den Herren CorpSstudenten sofort zu vertuschen gesucht, und so kommt e«, daß nur die wenigsten dieser Fälle in die Oeffent- lichkcit dringen. Wer nun all diesen Unsinn nicht mitmacht, ist ein sogenannter „Bummler", ein Ausdruck, der wahrhaftig zehnmal passender und bezeichnender wäre für Die, welche ihn gebrauchen, al« für Die, welche wenigstens noch so viel gesunden Sinn haben, um da« Lächerliche und Abgeschmackte der CorpSlümmclei einzusehen. Z« erwähnen sei nun»och der in»euerer Zeit besonder« hervortre- tendc bornirte Haß zwischen den CorpSstudenten und den Burscheu- schaftlern. Dieser treibt beide Theile oft sogar so weit, daß sie sich gegenseitig ohne jede Veranlassung durchprügeln. Wa« soll man nun von dem Bildungsgrade solcher Menschen halten? Wenn die„Crome" der Gesellschaft sich auS solchen versumpften, verlot- tertcn Gesellen zusammensetzt, wa« kann man da viel von der„Hefe" verlangen?— Wenn wir un« nun fragen, was schuld ist an dieser thätsäch- lichen Corruption der Menschen, so müssen wir un« nothwendig zur Antwort geben: eS ist der Mangel an wahrer Bildung. Sie allein ist der Grundstein de« sittlichen Leben« beim Einzelnen, sowohl wie bei der Gesammtheit, und wo sie fehlt, da geht die Gesellschaft ihrem Untergang entgegen, da geht der Staat au« seinen Fugen. Aber wie kann von wahrer Bildung die Rede sein in einer Zeit, wo nur der Sinn für'« Materielle geweckt und gepflegt, in einer Zeit, wo nur da« Geld, nur da« nackte Jnter- esse die Bande der Menschen bilden? Treffend geißelt die« der Dichter mit den Worten: „Wo Alle nur um Gold sich regen, Da ist de« Geiste« Heimath nicht, Da geht das Volk dem Tod entgegen, Und eS erstirbt das inn're Licht. Da werden Menschen zu Maschinen, Getrieben von dem Rad der Roth, Da kann der Lorbeer nicht ergrünen, Da geht die edle Kunst nach Brod".— Politische Uebersicht. — Zur Arbeiterfürsorge. Wie für die Arbeiter gesorgt wird, zeigen unter Anderem die Beschlüsse der am IS. Februar abgehaltenen Generalversammlung der„Union", Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie zu Dortmund, bei Ge- legenheit der Rcduction de« BkiienkapitalS auf zweidrittel de« bis- h-rigcn Betrages. Es ist die« dieselbe Gesellschaft, welche in letzter Zeit die Börsen durch da« Hin- und Herschwanken ihrer Aktien m Auftcgung versetzte, und deren eigenthümliche VerwaltuvgSver- Hältnisse den CourS ihrer Aktien stark sinken ließen. Nachdem vom Refervesond« und der sechSprozentigen Dividende für die Aktien Lckera A und Litera B weitläufig abgehandelt wurde, ist über die Vertheilung de« dann noch bleibenden Restgewinns wie folgt die Rede: a) Neunzehnte! kommen zur gleichmäßigen Vertheilung ans da« eingezahlte Grundkapital. d) Einzehntel bleibt als Tantieme für die Mitglieder des Ver- waltungSrathe« mit der Maßgabe, daß: •) aufnehmen. 1) Die eine Hälfte dieser Tantieme(also einzwanzigstel des bleibenden Restgewinns) zur Begründung und Er- Haltung von Einrichtungen zum Besten der Angestellten und Arbeiter sämmtlicher Werke der Union nach den vom Ber- waltnngSrathe zu treffende» Anordnungen zu verwenden ist. 2) nur die andere Hälfte unter die Mitglieder des Ver- waltungSraths zu vertheilen ist. Welcher Art die Einrichtungen zum Besten der Arbeiter fein werden, darüber lassen sich in Anbetracht der darauf verwandten Beträge erbauliche Betrachtungen anstellen. An den Brosamen Eurer Verdienstabfälle erkennen wir Eure menschen- freundliche Gesinnung, Ihr Bourgeois, wie wir am Haft- Pflichtgesetze die menschenfreundliche Gesinnung Eures Bourgeois- staateS erkannten!— — Unsere Gegner. Der„Weserzeitung« schreibt man„auS Sachsen"(Badewitz?) vom 14. Februar: „Zum zweiten Male ist der Winter mit strenger Kälte(bis 14 und 16» R.) bei uns eingezogen und macht sich doppelt be- merkbar, da die Geschäfte sehr daniederliegen und nicht wenig Ar- beiter in Folge mangelnder Beschäftigung haben entlassen werden müssen. Lohnreduktionen lassen sich die Arbeiter deshalb weit mehr gefallen, als die» vor kurzer Zeit noch der Fall war, doch hat dies ja auch feine Grenze, wenigstens auf so lange, als d>e Preise für die nothwendigsten Lebens- und HauShaltungSbedürf- nisse an Brod, Fleisch, Butter, Kohlen ic. zu den fiüheren Sätzen nicht zurückkehren wollen. Den Sozialdemokraten paßt diese Lohn- ermäßigung freilich gar nicht in den Kram. Die Lohnerhöhun- gen waren sie seinerzeit so gütig, auf ihre spezielle Rechnung zu schreiben, und die bethörte Menge, welche die Verheißung besserer Zeiten so schnell erfüllt sah, schenkte ihnen auch Glauben und ist theilweise heute noch der Meinung, die höheren Löhne seien nur den sozialdemokratischen Agitationen zuzuschreiben gewesen. Jetzt fällt indessen die Probe auf die Richttgkeit des ExempelS anders aus. Jetzt überzeugen sie sich doch allmälig, daß trotz fort- gefetzter Wühlereien die Lohnsätze fallen, und der großen Menge fängt eS an zu dämmern, wie sehr man sie hinter das Licht ge führt hat. BiS jetzt ist freilich der Umschwung noch nicht sehr bemerkbar, der Anfang ist aber gemacht und hoffentlich werden sich darin unsere unerbaulicheu Zustände noch weit mehr bessern." Also die Lohnerhöhungen hätten wir Sozialdemokraten„seiner- zeit" aus unsere Rechnung geschrieben.„Seinerzeit", das muß des„WeserzeitungS"-Correspondenten spezielle Zeit sein. UuS ist von einer solchen Zeit nichts bewußt. Und wie wäre eS auch möglich? Ein Schulze- Delitzscher Gewerkvereinler kann allenfalls Lohn erhöhangen auf feine Rechnung fetzen, jeder Mensch aber, der nur das ABC der Nationalökonomie kennt, weiß, daß Lohnfchwankun- gen(Erhöhungen wie Reduktionen) bei der heutigen Produklions- weife unvermeidlich sind. Diese Erkenntuiß hat eben den So- zialiSmuS geschaffen, der die heutige kapitalistische Produktions- weise durch die allgemeine genossenschaftliche Produktion ersetzen und das ganze Lohnsystem über den Haufen weisen will. Wäre es möglich, Lohnerhöhungen willkürlich herbeizuführen, so wäre die Sozialdemokratie nicht möglich, und hielten wir uns für sähig, Lohnerhöhungen willkürlich herbeizuführen, so wären wir keine Sozialdemokraten. Verstanden, Herr Correspondent„aus Sachsen"? Und auch Sie, Herr Biedermann, der Sie den Kohl getreulich abdrucken? Verstanden? — Zur Charakteristik der Bourgeoispresse. Welche Rolle die Bourgeoispresse in dem Spitzederprozeß und dem Ofen- Heimprozeß gespielt hat und spielt, ist unseren Lesern bekannt. In England hat in den letzten Tagen ein ähnlicher Skandalprozeß stattgehabt, welcher die Moralität der„TimeS", des größten Bour- geoisblatteS der Welt, in ein gar sonderbares Licht gestellt hat. Ein Londoner Correspondent der„Frankfurter Zeitung" schreibt darüber: „Falls Wien sich auf seinen Prozeß Ofenheim etwas einbilden sollte, so können wir mit einem Gründer- und Skandalprozeß auswarten, welcher vielleicht noch weitere Kreise interesstrt, sofern eS sich hier um einen äußerst plumpen Schwindel handelt, und gleichzeitig die Beziehungen eines der namhaftesten„Gründer" der Londoner Börse zu der früheren finanziellen Redaktion der„Times" in einer für die Letztere keineswegs sehr angenehmen Weise bloß- gelegt werden. Im Jahre 1872 kam ein intelligenter Engländer, Namens Rubery, nach Arizona; er fiel dort über einen Ameisen- Haufen und fand, daß derselbe Diamanten und Rubinen in Menge enthalte. Ein paar lokale Finanziers wurden herbeigeholt. Die- selben sanden gleichfalls eine Menge Diamanten, und darauf wandte sich Mr. Rubery nach London, um das Projekt an der Börse zu lanciren. In der Zwischenzeit waren aber doch einige Zweifel über den diamantenhaltigen Ameisenhaufen laut geworden, und der Citybericht der„TimeS" machte sich entschieden dadurch verdient, daß er den Schwindel bloßlegte. Dabei beging man in- deß die Unvorsichtigkeit, den intelligenten Engländer, Mr. Rubery. al» Mitwisser des Schwindels hinzustellen, und daraufhin verklagte Letzterer den finanziellen Redakteur der„TimeS", sowie den Baron Albert Grant wegen ehrenrühriger Verläumdung. Dieser wurde dadurch in den Prozeß verwickelt, daß die Anklage ihm die spiri- tuelle Vaterschaft der zwei betreffenden„TimeS"-Artikel zuschob. Die Verhandlungen dauerten zehn Tage und haben damit geendigt, daß der frühere finanzielle Redakteur der„Times«, Mr. Sampson, der Verläumdung schuldig befunden und in eine Strafe von SOO Lstr. verurtheilt wurde, da die Mitwissenschaft Mr. Rubery'S um den Diamantenschwindel nicht erwiesen sei. Der zweite Angeklagte, Baron Grant, wurde von jeder Mitschuld freigesprochen. Ja- dessen legten doch die Verhandlungen solche intime Beziehungen zwischen ihm und dem ehemaligen Cily-Redakteur der„Times" zu Tage, daß die Verwunderung darob in Börsenkreisen eine sehr große war. Mr. Sampson erhielt innerhalb eines Jahres von diesem Baron Grant Summen, welche zusammen nahezu 6000 Lstr. ausmachen, und zwar eingestandenermaßen als Entschädigung für Verluste, welche er früher bei anderen Unternehmungen Graut'S er- litten habe." So weit der Correspondent der„Frankfurter Zeitung". Ver- muthlich sind die S000 Lstr.(100,000 Mark) nicht die ganze Summe, welche der ehrenwerthe Journalist mit dem gleich ehren- werthen Spitzbuben„theilte". Jedenfalls hat er viele ähnliche „Geschäftchen" gemacht, denn er ist notorisch ein„sehr reicher Manu", waS in England noch etwas mehr besagt als in Deutsch- land. Herr Sampson wurde vor Beginn der öff-ntlicken Ver- Handlungen von den Eigenthümern der„Times" entlassen. Ob sein Nachfolger ein größerer Cato sein wird? Sein Vorgänger war'S nicht, und mußte gleich Sampson wegen zu unverschämt be- trieben» Plünderet abgesetzt werden. — Staatsmännische Moral. Wir siad wieder in die Zeit der„Enthüllunzen" getreten. Bor einigen Wochen tauchte das Gerücht von einer Correfponden; Bismarcks mit Mazzini auf; die„Sauhirten" hatten nichts Eiligeres zu thun, als VaS Gerücht für unbegründet zn erklären; es ist ihnen aber mit diesem Dementi ebenso schlecht ergangen, wie ihrem Brodhertn mit seinen Ableugnungen der im Buche Lamarmora'S begründeten Anklagen; das italienische Blatt„Epoca" antwortete auf daS verlogene Dementi mit Veröffentlichung nachfolgender Aktenstücke: „l. Giuseppe(Joseph) Mazzini an den Grafen Bismarck. Ich fetze voraus, daß die Absichten LouiS Rapoleon'S bezüglich eines Krieges gegen Preußen bekannt siad. Ich setze ebenfalls voraus, daß die formellen Vorschläge zu einem Bündniß, wie sie unserer Regierung gemacht wurden, bekannt sind. Diese Borschläge bildeten den Gegenstand einer gegen den IS. März 1867 nach Florenz gerichteten Note, in welcher angedeutet wurde, welche Hal- tung man einnehmen müsse, damit der Artikel S des Prager Frie- denS, der NordschleSwiz betrifft, den Vorwand liefern könnte, um daS preußisch italienische Bündniß zu brechen. Die Unterstützung, welche man von Italien verlangte, bestand aus 60,000 Mann und einer ungeheuren Menge Artillerie. Die Vorschläge erhielten die Beistimmung der hiesigen Regierung. ES ist wahrscheinlich, daß man, um daS natürliche Widerstreben des Landes zu besei- tigen, die Zurückziehung der französischen Truppen zum offenen Kaufpreis des Bündnisses machen werde. Ich theile nicht die politischen Ziele deS Grafen Bismarck. Seine Methode der Unification*) hat nicht meine Sympithien; aber ich bewundere(!) seine Zähigkeit, seine Energie und seine Unab- hängigkeit gegenüber den fremden Mächten. Ich glaube an die Einheit Deutschlands und wünsche sie herbei, wie die meine» eigenen Vaterlandes. Ich verabscheue daS Kaiserthum und die Supre- matie, welcke Frankreich sich über Europa anmaßt. Ja, ich glaube, daß ein Bündniß Italiens mit Frankreich gegen Preußen, dessen Siegen wir Venedig verdanken, ein Verbrechen wäre, welches� unsere junge Fahne unauslöschlich beflecken würde. Unter Auf � Regierung bezüglich Preußens auf sich genommen hat, und zugleich der Eingabe gelangen zu können. 11-» demselben den Weg zu er- leichtern, wird ihm mitgetheilt, daß die Generale Cialvini und Durands gesagt haben: sie hätten die zwischen der(italieaischeu Regierung und dem Kaiser gewechselten Depeschen gelesen, in welchen die erstere die Verpflichtung aas sich nehme, nicht nach Rom zu gehen— Depeschen, welch: Die Präliminarien zn einer italienisch-französischen Verständigung zum Schaven Preußens ge- wesen sine," Somit sollte ein förmlicher Pakt zwischen Mazzini und Bis- marck abgeschlossen werden. Preußen stellte seine Züadnadela in Aussicht, wenn Mazzini ihm die geheimen diplomatischen Be- ziehungen zwischen Italien und Frankreich enthüllen könnte. Daraus antwortete Mazzini: „IV. Antwort Mazzini'S vom 23. November 18S7. Ich halte mich vor der Hand nicht für berechtigt, den preußi- schen Offizier(mit welchem M. in Turin verhandelt haben soll) zu nennen. Aber seine Eigenschaft als Preuße ist u. A. Rüstow bekannt, und nichts ist von ihm zu besorgen. Ich bin natürlich bereit, persönlich mit dem Grafen Usedom mich zu verständigen oder mit einem beliebigen Abgesandten seinerseits. Jetzt zwei Worte über die fragliche Angelegenheit. Noch einmal versichere ich, daß der Krieg gegen Preußen vir- tuell*) von LouiS Napoleon entschieden ist; alle Kasernen in Frank- reich kennen schon diese Parole. Ich versichere, daß die italienische Regierung sich mündlich verpflichtet hat, Italien an demselben Theil nehmen zu lassen. Da« kann ich nicht beweisen, aber die Nachrichten kommen mir von Agenten zu. auf welche ich mit Recht zähle, wie ich auch auf Denjenigen zählen kann, der mir die Coa- vention von Plombiere» enthüllte. ES ist wahrschei lich, daß die Einmischung in Rom(Mazzini hat diejenige Einmischung im Auge, welche die Schlacht von Mentaua zur Folge hatte), wie ich schon in der ersten Note be- merkte, Seitens Louis Rapoleon'S den Zweck hat, ein Pfand für die Erfüllung der Obliegenheiten zu bilden, welche die italienische rechihaltung unserer beiderseitigen Unabhängigkeit für die Zukunft glaube ick, man könnte wohl etwas ins Werk setzen, was ich eine „strategische Allianz" zwischen der preußischen Regierung und unserer ActionSpartei„gegen den gemeinsamen Feind" nennen würde. Die preußische Regierung müßte unS eine Million Lire und 2000 Zündnadelgewehre liefern. Ich würde meine Ehre dafür einsetz n, daß ich mich dieser Mittel zu keinem anderen Zwecke bedienen würde, als um jede Möglichkeit einer Allianz zwischen Italien und dem Kaiserreich zu vernichten und die gegenwärtige Regierung— falls sie daraus bestände— zu stürzen. Die nachfolgende Re gierung müßte dann eine deutsch-italienische Allianz gegen jede fremde Invasion als Programm nehmen. Und da daS Ziel jeder Bewegung in Italien nothwendigerweife Rom sein würde, so mllßie eine Colliston zwischen Italien und Frankreich unvermeidlich werden. Ich habe keine anderen Garantien zu bieten: mein ganze« Leben und daS Ziel, nach welchem ich feit 25 Jahren strebe, bürgen für meine Treue gegenüber den Verpflichtungen, die ich übernehme. Es ist einleuchtend, daß die materielle Unterstützung, welche ich von der preußischen Regierung verlange, wenigstens theilweise vor der Verwirklichung der bonapartistischen Anschläge gegen Deutsch- land geleistet werden müßte. Wir müssen daS Terrain für die Action vorbereiten, welche übrigen» an sich schon jede Gefahr für Preußen fernzuhalten genügt. 500,000 Lire müßten sofort auS- gezahlt werden. WaS die Gewehre betrifft, so würde ich, voraus- gesetzt, daß da« Uebereinkommen acceptirt würde, die Art und Weise angeben, wie man daS Versprechen erfüllen könnte. Ich halte den Kampf gegen den BonapartiSmuS für eine Lebensfrage für unS, für Deutschland und für ganz Europa. Und ich glaube, daß der Ausgangspunkt dafür sich in Italien finden läßt. DaS müßte dazu veranlassen, uns die obige Unterstützung zu gewähren. Lugano, 17. November 1367. Giuseppe Mazzini.« Die erste Antwort aus dieses Schreiben erhielt Mazzini von Graf Usedom, demselben, welcher im Jahre 1866 in„höherem" Auftrage mit dem ungariscken Jnsurgentenführer unterhandelt hatte — und preußischer Gesandter in Florenz war. Sie lautete: „II. Graf v. Usedom an Mazzini. 1. Wenn im gegenwärtigen Augenblick Opportunität vorläge, so könnten prinzipiell Verhandlungen angeknüpft werden auf Grund der gemachten Vorschläge. Die Existenz dieser Opportunität ist nicht einleuchtend. Jedoch ist dieses Letztere nur ein persönlicher Eindruck Desjenigen, welcher antwortet. 2. Obwohl die französischen Versicherungen guter Absichten bezüglich Preußens wenig Vertrauen verdienen, so besteht doch äußer- lich gutes Einvernehmen, und hoffentlich wird dasselbe von Dauer sein. 3. E< ist nicht verfehlt worden, dem Grafen Bismarck den Wortlaut des gemachten Vorschlags zu übermitteln; die betreffen- den Bemerkungen sollen seiner Zeit mitgetheilt werden. 4. Man hält eS im Augenblick nicht für paffend, daß direkt iuteressirte Personen nach Berlin gehen und dort Verhandlungen anknüpfen. Auch dies ist eine bloS persönliche Ansicht Desjenigen, welcher antwortet. 5. Man darf nicht vergessen, daß, während aus der einen Seite die preußische Diplomatie fürchtet, daß Uebereinkommen zwischen der französischen und der italienischen Regierung bestehen, aus der anderen die französische Diplomatie Verständigungen zwischen Preu- ßen und Italien argwöhnt. Die Consequenz davon ist klar; Ab- warten. Florenz, 19. November 1867.« Man wird sich erinnern, daß dies» selbe Usedom im Jahre 1874 seine Annäherung an die ungarischen Jnsurgentenführer ein- gestand und zu rechtfertigen suchte, ebenso seine bekannte Stoß-inS- Herz-Depesche. Um so weniger stimmte hier sein kategorische»„Ab- warten!" mit seiner sonstigen Hallung überein. Viel rascher al« Herr von Usedom fand sich jedoch da» au«- wärtige Amt in Berlin mit Mazzini ins Einvernehmen. Seine Antwort an den italienischen Agitator lautet: „III. Antwort des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Regierung fürchtet in der That, daß zwischen der könig- lichen(italienischen) Regierung und dem französischen Kaiser Ab- machungen bestehen, die vielleicht' mit dem, waS der König von Preußen erwarten zu dürfen glaubt, im Widerspruch stehen möchten, ab» sie hat keinen Beweis dafür, und diesen müßte sie erst haben; dann würde sie alsbald mit Demjenigen in Beziehung treten, welcher allein heutzutage der Tuilerten- Politik entgegen- treten kann. Sie fordert deshalb den Verfasser der Eingabe auf, sich den Beweis zu verschaffen und dem preußischen Unter- Händler die nothwendigen, darauf bezüglichen Aufklärungen zu geben, um zu einer direkten Besprechung mit dem Verfasser ») Herstellung der Einheit. im geeigneten Augenblick den Widerstand Italiens einzuschläfern, indem Napoleon ihm dann ein beliebiges Zugeständniß bezüglich Roms macht. Ich sage ein„beliebiges"— venu Rom, einfach unv an sich, d. h. die Abschaffung der weltlichen Henschast, kommt bei den Beiden gar nicht in Frage. DaS ist es aber gerade, waS wir wollen; und wir können ver- mittels der Revolution dazu kommen. Ich weiß nicht— dies mag noch im Fluge berührt werden, — ob die römische Frage für Preußen ein integrirendeS Detail ist; aber abgesehen von der Wichtigkeit der religiösen und politi- schen Frage, liegt für unS und, wie ich glaube, auch für Europa ein Gevanke höherer Art darin, welcher auch meinen Vorschlag veranlaßt hat: ein anti-bonapartistischer Gedanke. Ich betrachte den BonapartiSmuS als die permanente Gefahr für Europa. Die« zu erklären, halte ich für unnöthig. Wer es nicht einsteht, ist kein Politiker. Für diese Gefahr erblicke ich ein Heilmittel in eine« herzlichen und ehrlichen Einvernehmen zwischen Deutschland und Italien. Für diese« Einvernehmen sind Pfänder nöchig: eine Unterstützung feiten« de« elfteren, eine nationale Regierung unserer- seit«. Eine nationale italienische Regierung würde zunächst um ihre» Prinzip« und dann um Nizzas und Rom» willen von Hause auS dem BonapartiSmuS feind sein. Wa« wir heutzutage haben, ist nicht« Andere« als eine französische Präfcctur. Ich bin krank und kann nicht ausführlich schreiben. Ich will nur wiederholen, daß die Hülse, wenn man sie zugestehen will, wenigstens zum Theil, eine sofortige sein müßte. Wir haben einige Zeit nöthig, um unS vorzubereiten, und binnen 2 Monaten sind wir dem Frühling nahe—." Sollte da» Wort„Revolution" die Herren in Berlin erschreckt haben? E« ist nicht anzunehmen, denn man ist dort ja dran ge- wöhnt, mit dem Feuer zu spielen. Etwas muß aber die VerHand- lungen durchkreuzt haben, denn weitere Aktenstücke liegen nicht vor. Vielleicht stehn un« noch weitre„Enthüllunzen" bevor. Etwas Neues enthalten die obigen Aktenstücke nicht. Sie vervoll- ständigen aber das Charakterbild der BiSmarck'schen Politik. Warum der„Geniale" den Briefwechsel hat ableugnen lassen, begreifen wir wirklich nicht. Für Fürst Bismarck ist es nicht kompromitti- rend, sich mit Mazzini eingelassen zu haben. Wohl aber ist eS für Mazzini kompromittirend, sich mit Fürst Bismarck einge- lassen zu haben._ — Nachspiel zum Prozeß Giffey. Da« Großherzogl. KreiSzencht zu Eisenach hat unfern Kasstrer Hadlich zu der am 4. März stattfindenden Hauptverhandlung vorgeladen; derselbe ist wegen Verletzung des§ 130 des Str.-G.-B. angeklagt, und zwar deswegen, weil er im Juni vergangenen Jahre« das bekannte Festprogramm mit dem incciminirten Festlied zum Druck beför- dert hat, von dessen Inhalt er aber nun theilwei« Kenntniß nahm. Aus England. London, den 15. Februar. Die große Aussperrung in Süd-Wale« zieht sich in die Länge. Der Verein der Gruben- und Hochöfenbesitzer handelt mit großer Entschlossenheit und kümmert sich dabei wenig um die„ös- sentliche Meinung" und die verdutzten Gesichter neugieriger Zei- tungSschreiber, denen die Thülen der Beraihungszimmer ganz un- höflich vor ö» Nase zugeschlagen werden. Die Arbeit»— auf der andern Seite— sind, allem Anscheine nach, noch nicht mürbe gemacht, sondern zum großen Unbehagen ihrer offiziellen Führer, welche dem Kampfe rathlos gegenüberstehen oder auS Leibeskräften abwiegeln und Polizei spielen, gewillt auszuharren und abzuwarten, was die Zukunft bringen wird. Schon der Liverpooler Ge- werkschafts-Congreß hat gezeigt, daß die Führer der Arbeiter ent- weder unwillig oder zu feig sind, an dem Riesenkampfe in Süd« Wales theilzunchmen. Bon der Sympathie, welche ihnen auf die- fem Congreß schandenhalber ausgedrückt wurde, können sich die wälschen Arbeiter kaum satt essen, und da die„Bereinigte Gesell- schaff der Bergarbeiter"(�m»l. A. of Miners) zu der ein guter Theil der Ausgesperrten gehört, den Antrag auf Einhebung einer außerordentlichen Steuer zu Gunsten der Süd-WaleS-Männer v»« wotfen hat, andererseits die freiwilligen Sammlungen nicht recht in Fluß kommen wollen, stehen die 120,000 Arbeiter mit ihren Familien hilflos den Ausbeutern gegenüber, welche— pochend aus die endlose Schafsgeduld der unterdrückten Klassen— mit einigen kalten Federstrichen Roth und Elend über hunderttausend Hütte» verhängen.— Halliday, der P-ästdent der„Bereinigten Gesell- schaff der Bergarbeiter« hat den Bezirk bereist und Reden gehalten, in denen er Ruhe und Mäßigkeit empfahl und die Männer an die Armenkasse verwie«. Und damit zum Schaden der Spott nicht fehle, sang er den armen Leuten da« alte— so oft und herzhaft *) f» daß nur noch die Ausführung übrig bleibt. auSgepfiffeue— Sieb von der Selbsthilfe. Bergleute, die sich nach und nach Bergwerke ersparen und die Herren auskaufen, ge- wiß ein erhebendes Bild! Den Rath, die Armenkafseu in An- fpruch zu nehmen, werden die Arbeiter wohl befolgen müssen, und da nach dem Gesetz jede hilfsbedürftige Person Unterstützung auS Gemeindemittelu beanspruchen kann, träte damit die Sache in ein neues Stadium. Wenn die Arbeiter die Scheu vor dem Ge- danken, öffentliche Unterstützung zu beanspruchen, abstreifen und sich iu großen Maffen auf die Armenkassen werfen, werden es sich die Herren Unternehmer, welche natürlich zur Armensteuer beitragen und somit einen guten Theil der Kosten einer Aussperrung tragen würden, wohl überlegen, dieses jetzt so beliebte Mittel anzuwenden, ihre Arbeiter kirre zu machen. Ob da« bestehende Armengesetz nicht in Fetzen gehen müßte und der Kampf zu einschneidenden Reformen Anlaß gäbe: diese Fragen will ich vorläufig unerörtert lassen. Die nächste Zeit wird lehren, ob die ausgesperrten Arbeiter wirklich in Masse an die Pforte des Arbeitshauses um Unterstützung (out-äoor relief) kommen werden. Die Armenpfleger(guardiuns) scheinen eS zu befürchten und die frommen, wohlbeleibten Väter der Gemeinde Merthyr, von denen eine gute Zahl als Kohlen- oder Eisenmaßer in den Streit verwickelt sind, hatten deshalb nichts Eiligeres zu thun, als den ohnehin elenden Lohn, welcher gewöhnlich für Steinklopfen gezahlt wird, bedeutend herabzusetzen und mittelst eines Beschlusses ledige Leute von jeder Unterstützung auszuschließen. Die frommen Seelen haben aber damit die Suppe versalzen und müssen sie nun selber aus- löffeln. Nachdem im Laufe der letzten Woche ein Vortrab von über 100 Arbeitern um den erwähnten Hundelohn zum Stein- llopseu ausgenommen worden war, mußten die Herren Armen- Pfleger auf Geheiß des kgl. General- Inspektors für Süd-WaleS ihre Beschlüsse wieder ausheben. Der genannte Beamte erklärte kurz und bündig, daß nach dem Gesetz kein Hilfsbedürftiger von der Untetstützung ausgeschlossen werden könne und daß die Unter- stützung im Verhältniß zum Bedürfnisse zu stehen habe. Die Löhne wurden wieder aus die gewöhnliche Höhe gebracht und die abgekühlten Christenseelen haben sich nach anderen Mitteln umzu- sehen, den Ausgesperrten da« Armenbrod möglichst karg und bitter zu machen. Die außerhalb der Armenverwaltung stehenden Unter- nehmer sehen der Sache natürlich nicht gleichgiltig zu, sondern versuchen, die ihnen zugemuthete Last auf andere Schultern zu übertragen. Einer der bedeutendsten Oesenbesitzer hat bereits um Enthebung von der Armenfieuer angesucht, mit der Begründung. daß seine Werke, für welche er besteuert ist, gegenwärtig still stehen. Letzten Montag legte die Regierung im Uuterhause ein Gesetz zur Verbesserung der Wohnungen der arbeitenden Klas- sen vor. Bei dieser Gelegenheit hielt der Minister des Innern, Herr Croß, eine Rede, in welcher er mit dankensweriher Offen- heit den Zustand der Wohnungen der arbeitendeu Klassen in Eng- land schilderte. Er sagte u. A., er wolle bei Behandlung der Frage nicht in genaue Einzelheiten eingehen, welche die Sterblichkeits- rate betreffen. Da jedoch letztere in England 22'/-, dagegen in London 24'/z und in vielen großen Städten mehr per Tausend betrage, halte er es für geboten, nach der Uisache des Unterschiede« zu forschen und zu versuchen, dieselbe aufzuheben. Die durchschnitt- liche Sterblichkeitsrate während zehn Jahren war in Manchester 3v, in Liverpool 38 und in Suuderland 37 per Tausend— und diese Thatsacken zeigten, daß in den genannten Städten irgend Etwa« nicht in Ordnung sein müsse.(Schluß folgt.) Fr. Chr. Schlossrr's Weltgeschichte für das deutsche Volk. Besorgt von Dr. OScar Jäger und Prof. Dr. Th. Sretzenach. Neue Ausgabe. 1370—1874. 13 Bände. IL. Wenn man den Werth einer Weltgeschichte beurtheileu will, so Muß man sich vor allen Dingen klar machen, was die Geschichts- lenntniß vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende überhaupt für die moderne Generation bedeutet. Soll sie blos zur Unterhaltung oder zur Zerstreuung dienen? Soll sie Moral lehren oder den Leser fähig machen, sich schneller und leichter mit der Politik der Gegenwart bekannt zu machen? Soll sie die Bildung des Einzelnen befördern? Von einer wahrhaft guten Weltgeschichte verlangen wir, daß sie unterhält und Moral lehrt, die Bildung befördert und das Berfländniß der modernen Geschichte weckt. Leger, wir diesen Maßstab an die vielen Weltgeschichten an, welche in diesem Jahrhundert veröffentlicht worden sind, so müssen wir ohne Zweifel dem Schlosser'schen Werke die Palme reichen, obgleich in neuester Zeit von Seiten moderner Historiker(von Ehbel, Treitschke) in Schriften und Reden alles gethan wird, um das deutsche Volk diesem Altmeister der Geschichtsschreibung zu entfremden. Schlosser(geb. zu Jever 1776, gest. zu Heidelberg - 1861) war einer der ersten Historiker, welcher sich von der im vorigen Jahrhundert so sehr beliebten Geschichtssärbung und sub jectiven GeschichtSsälschung frei machte, welcher seinen Wissenschaft- lichen Schriften eine genaue und exacte GeschichtSkevntniß zu ! Ärunde legte und mit unabhängigem Sinne, klarem Geiste und i großem Scharfsinne den Leser in das Labyrinth der Vergangenheit ' einführte, Überall mit der Leuchte der Wahrheit Gutes und Böse« » scharf beleuchtend. Er war ein echt deutscher Mann, welcher sein Volk liebte, wie wohl selten ein Professor. Er unterschied sich von f vielen seiner College« dadurch, daß er nicht in bedeutungslosen ! Haarspaltereien, unftuchtbaren philologischen und philosophischen i Untersuchungen seine Fähigkeiten und Kenntnisse vergeudete, viel- t Mehr den aufgehäuften Stoff organisch gliederte, um auch den , Laien das Verständniß der Geschichte zu erleichtern, und an den ' einzelnen geschichtlichen Handlungen nach den Grundsätzen einer ° keinen, unbefangenen Moral Kritik übte. Ganz besonder» ver- ' folgte er mit seiner„Weltgeschichte", die er dem deutschen Volke ■ widmete, diesen Zweck. Der erste Band derselben erschien im ■ Jahre 1844 und wurde mit lebhaftem Beifall im Volke aufge- ' vommen, mehr und mehr aber steigerte sich das Interesse, al« die : folgenden Bände erschienen. Da« Jahr 1848 mit seinen Revo- c lutionSwehen vermochte dieses Interesse nicht abzuschwächen, im - Gegentheil griff man in dieser Zeit gerne zu einer Weltgeschichte, t welche die Wahrheit nicht scheute und mit echt demokratischer Be- « geisterung auf den Geist der Freiheit hinwies, welcher nie und f vimmer in der Vergangenheit gefehlt hat, fteilich meistentheils ge- t bunden und gefesselt war. AIS die Revolutionsära vorüber war e Und die Fürsten wiederum die Völker in das Geleise reactionärer • Despotenpoliiik hineinführten, da retteten nur wenige ihren unab- i, hängigen Sinn, ihre wahrheitsliebende Kritik der Vergangenheit « vnd Gegenwart; zu diesen gehörte Schlosser. Er beugte sich nicht t dem herrschenden Zeitgeiste, noch flüchtete er, wie viele andere Col- it legen, in da« Gebiet der objectiven Geschichtsforschung, welche die Geschichte vom Leben, die Vergangenheit von der Gegenwart trennt, um nicht in einen mißliebigen Conflict mit den herrschen- L den Staatsgewalten zu kommen. Inmitten'der schlimmsten Reac- tionSzeit beendeten Schlosser und sein treuer Mitarbeiter Dr. Knegk ihr nationales Werk. Der fünfzehnte Band, welcher bis zum Jahre 1315 reichte, erschien im Jahre 1357. Der Dank des Volkes blieb nicht aus— in unzähligen Exemplaren verbreitete sich das Buch über ganz Deutschland, von dem Volke verehrt, von den Fürsten und Fürstendienern heimlich verfolgt. Weßhalb daS Letztere? Weil der allverehrte greife Hei- delberger Professor auS feiner Liebe zum demokratischen Geiste, auS feinem Haß gegen anmaßende Fürstengewalt keinen Hehl machte. Vom ersten bis zum letzten Bande ist daS Werk mit einer edlen Leidenschaftlichkeit geschrieben, deren schneidende Kritik sich nicht scheute, bisweilen und gelegentlich auch moderne Jnstitu- tionen anzufeinden. Schon damals schämten sich manche Anhän- ger der sogenannten exacten Geschichtsforschung nicht, dem greifen Verfasser den Vorwurf der Geschichtsverdrehung und-Färbung zu machen. Man nannte ihn parteiisch, subjectiv und ungenau in der Darstellung, man bemühte sich mit peinlicher Haarspalterei ihm Fehler und Unkeuntniß nachzuweisen. E» gelang diesen Kritikern auch wohl Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten aufzuspüren, aber was wollte das sagen bei einem so riesenhaften Werke? Schlosser hätte allwissend fein müssen, wenn er nicht bisweilen geirrt hätte in der Feststellung de« Thatfächlichen. Aber eine falsche, schiefe Moral, einen excentrischen, wahrheitswidrigen Parteigeist konnte kein Mensch aus dem Werke herausbeweisen, denn an alle Ver- Hältnisse und Zustände in der Geschichte trat er mit der Frage heran: Wo ist Wahrheit, wo ist Lüge? Wo ist Ehrlichkeit, wo ist Unehrlichkeit? Mit grandioser Offenheit verweigerte er niemals die Antwort auf die selbstgestellten Fragen, und wenn sie ihm selbst in's Herz schneiden mochte. Er konnte sich nicht mit jenem Hauptgruudsatz der Politik und der Jesuiten:„der Zweck heiligt das Mittel" befreunden. Wo er nur konnte, deckte er die llnehr- lichkeit der Politik auf, ob sie von Fürstengewalten oder einer irregeleiteten demokratischen Regierung ausgingen. Schlosser war weder in politischer, noch geschichtlicher Beziehung ein Parteimann, wenn man nicht die Anhänger ungeschminkter Wahrheitsliebe zur Partei stempeln will. Er war der Ansicht, daß die Moral nicht nur in Privatverhältnissen, fonvern auch in politischen Angelegen- heilen stet« gewahrt bleiben müßte. Daß er aber unter„Moral" nicht die Befolgung eines knöchernen«siltengeseyes, sondern ledig- lich eine überzeugungstreue, offenherzige Gesinnungstüchtigkeit ver- stand, werden wir gleich weiter unten sehen, wenn Schreiber dieses auf die Agriffe gegen Schlosser seitens moderner Historiker zu sprechen kommt. Vorerst fei eine kleine Abschweifung erlaubt, welche den Zweck hals, darauf hinzuweisen, daß bei einer allge- meinen Weltgeschichte für Laien der Schwerpunkt nicht in der Aufhäufung de« Stoffe«, sondern in der Gesinnung des Autors liegt.— Wenn man eine Weltgeschichte zur Bildung des Volkes schrei- ben will, so ist die vornehmste Bedingung, eine möglichst genaue Kenntniß des Thatfächlichen. In früheren Zeiten sah man von dieser Bedingung ab, theilS weil die Quellen nicht vorhanden oder schwer zugängltch waren, theilS weil man die GefchichtSkenntniß nicht für nothwendig, ja für schädlich hielt. Die Scholastiker, denen die Bibel und die Kirchengeschichte als oberste Richterinuen in weltlichen und kirchlichen Dingen gelteu, bemühten sich nicht, das Dunkel der Geschichte zu erhellen. Wenn eS ihnen nothwendig und praktisch erschien, aus der profanen Geschichte Beweise und Belege ihrer kirchlichen Anschauung zu gewinnen, so griffen sie zu den alten Geschichtsschreibern, um deren Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit sie sich nicht kümmerten. Selbstverständlich wurde durch solche Manipulationen die Kenntniß in Unkenntniß verdreht. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhundert«, seit Lesstng, begann man in unbefangener, unparteiischer Weise die Resultate der bisherigen Geschichtsforschung zu prüfen, doch erstreckte sich diese Kritik nur auf gewisse Länder und Völker, und auch nur in einfeitiger Beziehung. Lefsing und Winkelmanu beschäftigten sich hauptsächlich mit den künstlertschen Zuständen der alten Griechen. Die politische Geschichte der Völker blieb ganz unberührt. Erst in diesem Jahrhundert wandte man auf dem Gebiete der Kirchen- geschichte und politischen Geschichte eine unbefangene Kritik an. Die Kritik der Kitchenzefchichte hat zuerst den Anlaß gegeben zu der modernen Beurtheilung der christlichen Kirche und ihrer Ent- stehung. Die Kirchenhistoriker Bauer, Strauß tc. geriethen bald in Streit mit den Anhängern der traditionellen Anschauung. Der Kampf wüthet augenblicklich noch fort, da die sich unfehlbar dün- kende Kirche ihre früher allgemein anerkannte gefcbichtliche Grundlage nicht fallen lassen will. Anders ist es mit der politischen GeschichtSfoifchung, welche in den letzten Jahrzehnten einen so großen Ausschwung genommen hat. Die Regierungen unterstützten sie sogar, da ihre Resultate harmloser Natur und nicht zu con- trastiren scheinen mit den bis heute üblichen Glauben«- und Moral- sätzen. Die politischen Geschichtsforscher gingen auch nicht so aggressiv vor, wie die aufgeklärten Kirchenhistoriker, sondern be- gnügten und begnügen sich noch heute damit, die Resultate ihrer exaclen Forschung aufzuhäufen, ohne da« gewonnene Material über- sichtlich zu ordnen. Fürwahr, ein solcher Sammelfleiß verdient daS größte Lob! Wer je als Student zu den Füßen eines Ranke, Köpke, Maitz k. gesessen hat, weiß ei, welche Mühe, welche Arbeit, welch große Anstrengung des Geistes dazu gehören, um längst veraltete Lsrurtheile und Anschauungen zu beseitigen. Jahrelange Studien sind oft vöthig, um nur ein Jahrzehnt z. B. des Mittelalters richtig beurtheiien zu können. Man betrachtet jetzt da« bis dahin so viel geschmähte Mittelalter mit ganz anderen Augen als früher, obgleich eine unbefangene Würdigung und Kritik desselben auch jetzt noch nicht möglich ist. Andere Zeitalter kannte man schon zu Schlosser» Zeit genau, besonders die spätere Geschichte der Rö- mer und Griechen, sowie die Neuzeit seit der Reformation waren schon nach allen Seiten mit vieler Mühe durchforscht. Die Ge- fchichts forsch er, welche die verborgene Wahrheit an'S Licht bringen. haben aber nicht den Beruf, und sehr häufig auch nicht die Fähigkeit, eine Geschichte für'S Volk zu schreiben. Ihre dicken Bücher sind angefüllt mit dem Stoff, de» der Geschichtsschreiber verbreiten soll. Das Volk kann aus den Büchern der Forscher keine Bildung gewinnen, bloße Kenntniß des Geschehenen genügt nicht, um daS sittliche Bewußtsein de« Laien zu stärken. ES ge- braucht einen philosophisch und historisch gebildeten Führer in dem Labyrinth der Thalsacheu, welcher ihm die geheimen Beziehungen, den politischen Vor- oder Rückschritt in der Geschichte zeigt. Ein solcher Führer soll der Geschichtsschreiber sein. Deutschland hat mehrere vorzügliche Männer dieser Art aufzuweisen, wenn auch nicht viele. Manche von denen, die sich Geschichtsschreiber nennen, maßen sich allerdings diesen Namen mit Unrecht an, sie sind weiter nichts als Compilatoren(Sammler), welche die Resultate der Einzel- forschung planlos an einander reihen und die« dicke Wert dann eine Weltgeschichte nennen. Zu diesen Autoreu muß man besonders den allbekannten Weber rechnen. Derselbe hat, wenn auch nicht al« Geschichtsforscher, so doch als Compilator einiges Verdienst. Sein großes Werk:„Allgemeine Weltgeschichte," ist entschieden eines der brauchbarsten Handbücher deS Historikers, wegen des ungeheueren Materials, welches dasselbe enthält. DaS lernbegierige Volk wir» allerdings wenig Nutzen davon haben, eben so wenig wie von den kleinen Schulwerken desselben Verfassers. Auf eine Kritik dieser letzteren einzugehen ist hier nicht der Ort, ei genüge zu sagen, daß diesen leider so beliebten Büchern vor Allem die Ord- nung und eine kräftige, moralische Kritik deS Gegebenen fehlt.— „Becker's Weltgeschichte" ist gewiß ein vortreffliches Buch, aber doch nur für die reifere Jugend und nacherzählende Unterlehrer geschrieben. Es enthält eine große Zahl abgerundeter Geschichts- bilder, treffliche Charakterschilderungen, welche die jugendliche Be- geisterung erwecken können, doch der vollständige Mangel einer fortlaufenden politischen VerfassungSgeschichle macht eS zur nicht nutzbringenden Lecture für Erwachsene. Diese Letzteren können und müssen mehr verlangen, als Anekdoten und„Heldenthaten". Es gilt nicht blo« Begeisterung zu erwecken, sondern Lehren vom StaatSwohl auS der Geschichte zu ziehen. Wer diese Leeren klar und deutlich darlegen kann, der ist befähigt ein WeltgeschichtS- fchreiber zu fein. Freilich auch über das StaatSwohl können die besten und ehrlichsten Menschen verschieden denken, aber damit wird jeder ideal gesonnene Historiker übereinstimmen, daß nur Ehrlichkeit und Wahrheit zum Ziele führt und zum Ziele geführt hat. Wer diesen Standpunkt als Autor»erläß', oder ihn auch nur als nebensächlich ignorirt, verfällt entweder in Parteiauschauung oder giebt jeden Einfluß auf den Leser auf. Im letzteren Falle überläßt der Autor den Leser ohne Compaß dem brandenden Meere der Geschichte, im elfteren Falle verfällt der Autor uuwill- kürlich in Geschichtsfärbung und Verdrehung. Wolfgang Men- zel's Weltgeschichte ist dafür ein hinreichender Beleg. Wer aber Thatsachen färbt, darf nicht als Geschichtslehrer gelten; schon auS dem einfachen Grunde, weil daS Volk ihn nicht kontrolliren kann. (Schluß folgt.) Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner»entscher Töpferverei«. Wiesvadeu. Collegen! Da wtr von keiner Seite etwas hören, was einer besonderen Thätigkeit entspricht, so finden wir uns vev- anlaßt, etwas von uns hören zu lassen. AIS voriges Jahr der Münchener Strike ausbrach und die dortigen Collegen sich an un« wandten, da fühlten wir da« Bedürfniß, uns auch zu organiflre» und uns dem großen Ganzen anzuschließen. Wir entfalteten sofort unsere Thätigkeit aus die Nachbarstädte, wo eS in Darmstadt sofort gelaug, eine Mitgliedschaft zu gründen. Mit den Darmstädtern opernten wir dann gemeinschaftlich, und wurde Frankfurt eben- salls gewonnen. Auch hat sich in Mainz seit 14 Tagen eine Mit- gliedschaft gebildet. Den zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir eine Zusammenkunft in Darmstadt, in welcher eS sehr bedauert wurde, daß von keiner Seite zur Agitation etwas gethan würde. Sollten denn die StrtkeS in Hamburg und München nicht genug zu bedenken geben und den Collegen nicht die Augen öffnen? Over sehen die Collegen überhaupt noch nicht ein, daß gerade in unserer Geschäftsbranche der größte Absolutismus unter den Meistern und Fabrikanten herrscht? Bedenkt nur die gegenwärtige Zeit! Darum auf, Collegen, die Ihr schon organisirt seid, zur Agitation; rüttelt die Schlafenden aus und denkt nicht, weil Ihr organisirt seid, nun wär Alles gethan. Gerade jetzt vor der Generalversammlung muß alle« aufgeboten werden, damit wir die übrigen Städte er- obern; ich bin überzeugt, daß eS nicht so schwer fem wird, wenn nur etwas gethan wird. Denn wa« sollen unsere Beschlüsse auf der Generalversammlung, wenn wir selbst dem JndifferenttSmuS huldigen? Bedenkt, Collegen, daß wir in unserer Geschäftsbräuche noch nicht so übervölkert sind, daß deshalb die Arbeit eine leichtere sein wird, wenn wir unsere Kräfte ein klein wenig anspornen. Wir fordern Euch deshalb auf, mtt vereinter Kraft die Agitation in die Hand zu nehmen. Jede Mitgliedschaft muß die nächste Stadt in« Auge fassen, und wenn eS einmal nicht hilft, so geht man daS zweite und dritte Mal daran, dann muß sie erobert fein; und nehmt die Arbeiterblätter mehr zur Hand, wo man sich gegen- seitig aussprechen kann. Um die Correspondenz besser unterhalte» zu können, bitten wir auf diesem Wege die bestehenden Mitglied- schaften um Bekanntmachung ihrer Adressen. DaS ArbeitS-Nach- weisbureau ist Schwalbacherstr. 11. Bevollmächtiger ist Reiuhold Bollschweiler. Alle Briese sind au denselben zu rechten. Jos. Schwei», Schriftführer. Gewerkschaft der Schuhmacher. Würzvurg. Alle Collegen werden hiermit aufgefordert, de» Zuzug nach hier fernzuhalten, indem Maßregelungen von Seite» der Arbeitgeber bevorstehen. Weiterer Bericht folgt. ITC. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden ersucht, diese» zur Veröffentlichung zu bringen. Correspondenzen. Aerki«, 15. Februar. Ist Preußen ein Polizeistaat oder ein—? Doch halt, lassen wir den preußischen Minister der Justiz die Antwort erlheilen. Auf meine Beschwerde an de» Justizminister vom 24. Oktober v. I.(stehe„BolkSstaat" Nr. 132 vom v. I.) über die Ober-StaatSanwaltschaft de« hiesigen Kammer- gerichtS wegen Rechtsverweigerung, erhielt ich unter dem 4. Äa° nuar d. I. noch folgenden Bescheid: „Berlin, den 4. Januar 1875. Ihre Beschwerde vom 24. Oktober v. I. betreffend die Ver- fügung des Ober- Staatsanwalts beim Kammergencht vom 12. desselben Monat«, wonach die gegen den Polizei- Lientenaut von Arnauld Ihrerseits erhobene Beschuldigung deS Amtsmißbrauchs zurückgewiesen ist, hat nach Einsicht und Prüfung der Verhandlungen als begründet nicht befunden werden können. Der Justizminister. In dessen Vertretung: Friedberg. An den Herrn Hermann Grimpe." Diese Antwort bedarf keine« Kommentars. Sie zeigt uns, wie weit wir eS in Preußen mitsammt der Verfassung und den Gesetzen zu bringen vermögen, so lange uns daS freie Anklagerecht fehlt und wir immer erst der Mittelspersonen, d. h. der Staatsanwalt- schaften bedürfen, um, fall» es denselben genehm ist, oder aber dieselben von„Oben" nicht am Einschreiten gehindert find, eine Gesetzesverletzung zur Bestrafung zu bringen. Eine diesbezügliche Petition an den Reichstag(da ich mir von einer Beschwerde an daS preußische Abgeordnetenhaus nicht« ver sprach, so unterließ ich diesen Weg und wählte den ersten, uu unseren Abgeordneten Gelegenheit zu geben, zum Worte zu ge langen) befindet sich in den Händen de« ReichStagSabgeordnetei Liebknecht, um bei Wiedereröffnung deS Reichstag« bei der Be rathung über die deutscheu Juftizgesetze als Material verwendet ji. werden. H. Grimpe. Kttti«, 14. Aibru«.>« Ssnutag dm 7. Februar vor- mittagt 10 Uhr fand hier im Lokal de» Handwerkervereint eine öffentliche Versammlung de» Wahlvereiu« der sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt, in welcher der Reichttagtabgeordnete Gcib über die Geschichte der Arbeiterbewegung vor Lasalle sprach. Redner begann mit dem Nachweise» daß die Uuzuftiedenhert nnt den bestehenden Berhältniffen, welche sich heute im Arbeiter- stände kundgiebt, nicht dat Produkt der letzten Jahre» sondern vaß dieselbe» hervorgerufen durch die unterdrückte Stellung der Ar- beiter» schon seit lange vorhanden sei und daß aut dieser Unzu sriedeuheit heraus sich Ideen und Bestrebungen— gemeinhin mit dem Namen CommuuiSmuS belegt— entwickelten, welche eine Besserung der sozialen Lage zum Ziele hatten. Diese communistn schen Ideen seien in Deutschland nicht eigentlich entstanden» son- dern vom Auslände, vorzüglich Frankreich, durch von dort zurück� kehrende Deutsche importirt worden; überhaupt seien im Auslände vielfach gerade Deutsche die Hauptträger dieser Ideen gewesen» wie z. B. in den dreißiger Jahren deutsche Arbeiter eS waren, welche in Paris den— natürlich geheimen— commumstischen Bund gründeten. Die auS der Fremde heimkehrenden Deutschen, seien dann auch in Deutschland nach ihrer Rückkehr mit der Gründung von Arbeiterbildungsvereinen vorgegangen, weil sie erkannt hatten, daß eS vor Allem nothwendig sei eine Organisation zu schaffen, um für ihre Prinzipien Propaganda machen zu können und das Volk durch Aufklärung für die großen Ideen reif zu machen. Sodann auf den Aufstand von Babeuf zu sprechen kommend zeigte der Referent, daß auch hierbei sich Deutsche betheiligt hätten, daß übrigens dieser ganze Ausstand als verftüht und durchaus verfehlt bezeichnet werden müsse, da es doch ein Ding der Unmög- kichkeit gewesen sei mit den 300 daran betheiligten Arbeitern irgend einen dauernden Erfolg zu erringen, da dieselben von der Aebermacht deS Militärs mit Leichtigkeit unterdrückt wurden. Die ganz? Arbeiterbewegung charakterisire sich bi« dahin da durch, daß man bestimmte von einzelnen Personen ausgestellte Systeme zu verwirklichen trachtete. Jedoch zu Ansang der vierziger Jahre wurde vorzüglich von Marx und Engels viel für den wissenschaftlichen Ausbau des Sozialismus gethan und dadurch der Boden gegeben, auf dem sich die Sektenbewegung zur Klaffende wegung entwickeln konnte; und als die beiden Genannten aufge fordert wurden, dem 1S47 stattfindenden Communistencongreß ihre Anschauungen zu unterbreiten, entsprachen sie dieser Aufforderung durch die Abfassung de» in mehreren Sprachen veröffentlichten »ommunistischen Manifestes, welches denn auch auf dem betreffen- de» Congrcß als Ausdruck der leitenden Grundprinzipien der Cowmnuisten anerkannt wurde. vor allen anderen Ländern war e» zunächst die Schweiz, in welcher die communistische Propaganda sehr rasch Boden gewann und durch die Gründung von Arbeiterbildungsvereinen und com- munistischcn Speiseanstalten, so wie durch das schon 1840 erfolgte Erscheinen der communistischen Zeilschrist„Hilferuf" deutlich zu Tage trat. Al« aber die Bewegung in der Schweiz sich immer mehr ausdehnte, sah sich der schweizer BundeSrath, durch aus- «artige Regierungen dazu angeregt,»eranlaßt einzuschreiten, eS wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen und man suchte die Bewegung durch alle Mittel zu unterdrücken. Auch in Deutsch land begann eS sich immer mehr und mehr zu regen und Haupt sächlich im Rheinland wurde einigermaßen etwas gethan. Vor allen waren eS in Elberfeld-Barmen drei Männer der Wissen- fchast: Engels, Heß und Kötke, welche sich in Vereinen die Propaganda für die sozialistischen Ideen angelegen sein ließe» und welche, als die dortigen Arbeiter an sie das Ersuchen stellten, auch vor ihnen zu sprechen, sich gerne bereit erklärten, diesem Wunsche nachzukommen, aber durch die Polizei, welche bei den Arbeitern die Macht der Idee de« Sozialismus— die bei den Angehörigen der besitzenden Klassen nicht gefährlich werden konnte— fürchtete, daran gehindert wurden. Die besitzenden Klassen faßten die ganze Bewegung al» eine philanthropische auf und suchten die in einzelnen Distrikten z. B. Schlesien— wo bei dem Ausstand von 1844 die Arbeiter, in verkehrter Auffassung der Verhältnisse, ihre Wuth zw nächst gegen ihre tobten Feinde, die Maschinen richteten— herv schende Roth durch Mittel der öffentlichen Wohlthätigkeit aus der Welt zu schaffen. So wurde zu diesem Zwecke die Berliner In- dustrieauSstellung, unternommen und in Köln war man gewillt, einen Berein zur Abhilfe de» NothstandeS zu gründen, dem sich jedoch die Sozialisten widersetzten, weil auf solche Art und Weise doch nicht durchgreifend geholfen werden konnte und weil sie sich sagten, daß es Pflicht de» Staate« sei hier helfend einzuschreiten. Schon längere Zeit waren die Sozialisten bemüht gewesen, sich ein eigene« Organ zu schaffen, und im Jahre 1L4S trat denn auch dieses Project, durch da« Erscheinen der„Rheinischen Jahrbücher" die einen ausgeprägt sozialistischen Charakter trugen, in die Wirk- lichkeit. Aber auch die deutschen Regierungen sahen sich durch die immer weitere Kräftigung der sozialistischen Bestrebungen zum Einschreiten gedrängt und verboten die Gründung von Vereinen mit demokratischem Charakter, während dem Gustav-Adols-Verein, welcher kirchliche Zwecke verfolgte, durchaus keine Hindernisse in den Weg gelegt worden. Das Jahr 1346 war vollständig ruhig. Dann aber kam da« Jahr 1847 mit all seiner Roth und seinem Elend, welche sich ja bei den Brod- und Kartosielausläufen ic. im hellsten Lichte zeigten. Während dessen hatten die Verhältnisse in Frankreich sich derart gestaltet, daß ein Ausbruch erfolgte, der auch m Deutschland den Anstoß zu den Kämpfen der Jahre 1848 bis lS4S gab. Sehr zu bedauern ist nur, daß sich in Deutschland va« Volk meist vollständig im Schlepptau dc« Liberalismus be� tand. Zu Ansang der 48 er Bewegung hatte dieselbe einen ziem lich hervortretenden sozialistischen Charakter, aber bald wurde dieser durch die nationale Strömung verdrängt und an die Stelle der Devise:„Freiheit und Gleichheit" trat al» solche„Freiheit und Einheit." Viele gaben sich den Träumereien hin, durch Schaffung ci»eS sogenannten goldenen Mittelstande« eine Besserung herbeizu- führen; vorzüglich waren die Handwerker in diesem Wahn be- 'ange» in derselben Zeit, wo die Bourgeoisie, die Kapitalmacht, n Deutschland die definitive Herrschaft antrat und damit die Ver- wchtuvg de» Mittelstandes nur noch eine Frage der Zeit war. «ludererseits wurde vou den Communisten die Bewegung benutzt, im den Versuck zur Organisirung der Arbeiter zu machen. Zu- iichst waren eS die Buchdrucker, welche 1348 auf dem Congrcß u Mainz nach dem Vorbilde der englischen Gewerkschaften «e Organisation zu schaffen bemüht waren, die dazu bestimmt ein sollte, die Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern x schlichten. So große Mühe man sich auch gab, Mittel und Jege ausfindig zu machen, durch welche eine Besserung der Ge- hästSlage herbeigeführt werden könnte, so konnte man sich doch icht zu dem Gedanken emporschwingen, eine vollständige Beseiti- uvg de« LohnsystemS in« Auge zu fassen, sondern begnügte sich x rmit eine Regelung desselben zu verlangen und gerieth dadurch - rs allerlei Abwege, die zu keinem Ziele führten. So wollte man durch Beschränkung de» Geschäftsbetriebes und durch Wiederei«- führung oder Festhaltung überlebter zünftlerischer Bestimmungen und Selbstbeschränkungen die Arbeitsverhältnisse aufbessern. Natür- lich ohne Erfolg. Selbst vorgeschrittenere Organisationen litten an dieser prinzipiellen Unklalheit, wodurch allmählich eine Erschlaffung eintreten mußte. Ebenso erging eS der politischen Bewegung, die durch partckularistische Interessen in ein ganz und gar verkehrtes Fahrwasser gelenkt wurde. Erst auf dem im August 1848 stattgefundenen Kongreß in Berlin wurde die Nothwendigkeit der vollständigen Beseitigung deS Lohnsystems energisch betont, und hier war eS auch, wo durch den Schneider Kich zum ersten Male der Vorschlag der 100 Mil- lionen StaatShülfe für Produktivzcnoffenschasten gemacht wurde. Aber die von hier ausgehende, in die richtige Fährte einlenkende Propaganda hatte nickt Zeit genug, sich zu orzanisiren unv auS- zubreiten, sie wurde durch die Aufstände und die darauf folgeude Reaction unterdrückt. Nachdem die Bourgeoisie durch die Hülfe der Arbeiter das Ruder in die Hände bekommen hatte, ließ sie sich, anstatt ihre Macht auszubeuten, durch die Furcht vor dem rothen Gespenst zu Concesstonen an die Regierung verleiten und sich dadurch die Macht au« den Händen winden.— Prinzipieller, wie sonst wo, war die Bewegung in Wien; aber hier war die- selbe deshalb nicht von Erfolg, weil die Arbeiter sich, in Stande«- vorurtheilen befangen, in drei Gruppen gespalten hatten und die Solidarität unter denselben fehlte, weshalb es der Reaction leicht wurde, die freiheitlichen Bestrebungen zu unterdrücken, da zu dieser Uneinigkeit noch eine schlechte Leitung und Organisation der auf Staatskosten unternommenen Arbeit trat. Die£>0,000 Erdarbeiter, welche sich allmälig in Wien ansammelten, hätten mit Leichtigkeit als Armee der Revolution die Forderungen der Demokratie durch- setzen können, wenn sie nicht durch die schlechte Leitung wären mist muthig gemacht und zur Auflehnung getrieben worden, die dann schließlich von einem andern Theile der Arbeiter unterdrückt wurde, so daß» als die Soldaten der Reaction vor den Thoren erschienen, in der Stadt schon lange keine Einigkeit mehr herrschte und die Elfteren ziemlich leichtes Spiel hatten. So ging fast überall in Deutschland die Bewegung an der Unklarheit uud Inkonsequenz sowohl der Einzelnen wie der Massen zu Grunde, und die Reaction tnumphirte und suchte jetzt natür- lich jede freiheitliche Regung zu unterdrücken. Nach der Nieder- schlagung versuchten noch die Communisten die Arbeiter zusammen- zu hallen, aber die Regierung machte mit den Arbeiterorganisationen kurzen Prozeß. Leute, die sich an denselben betheiligt hatten, wuv den verhaftet und der berüchtigte Kölner Kommunistenprozeß verHals vielen zu langjähriger Zuchthausstrafe. Von nun an versuchte der Nationalverecn die Arbeiter in'« Schlepptau zu nehmen, aber schon 1859 begann sich eine Gegen- Propaganda zu regen, indem die alten Sozialisten das Haupt wieder zu erheben anfingen und versuchten, ihren alten Einfluß wie- der zu gewinnen. Schon damals traten Marx, Engel« und Lsassalle in Verbindung, um ein Organ in's Leben zu rufen, leider sür'S Erste noch ohne Erfolg. Endlich im Jahre 1362 wurde die Bewegung wieder eine etwas regere in den Arbeiter- bildungSvereinen, die sich in blaue und rothe schieden, von denen aber die letzteren die Uebermacht hatten, bis dann 1363 der Ruf zu einem allgemeinen Congreß erschallte und eine neue Arbeiter- Organisation iu'S Leben trat. Redner resumirte dann: daß schon allgemein vor dem Auf- treten Laffalle'S der Instinkt selbstständig vorzugehen vorhanden aber nicht genügend ausgeprägt gewesen sei, weShelb die Arbeiter- bewegung nach einzelnen aufregenden Momenten immer an ihrer eigenen Unklarheit wieder erlahmte, was noch dadurch, daß die Reaction mit ganzer Kraft gegen dieselbe wüthete, befördert wurde. Jetzt aber— schloß der Referent— ist eS nicht mehr möglich, den Strom der Arbeiterbewegung einzudämmen, und wenn dieselbe auch noch in den Kinderschuhen gehe und nicht stark genug sei, die Nuß mil dem süßen Kerne deS Sozialismus zu öffnen, so werde doch die Zeit kommen, wo dieselbe im Stande sein werde, die Schaale zu zerschlagen. Aufklärung und Organisation seien die einzigen Mittel, durch welch- wir die Macht erlangen können, und Jeder solle nach Kräften dafür thätig sein. Nachdem der Vortrag, dem die Versammlung mit größtem Interesse folgte, beendet war, entspann sich eine ziemlich lebhafte anregende Debatte, die sich beinahe bis 2 Uhr ausdehnte, und e« ist gewiß der beste Beweis für das große Interesse der Verfam melten an Vortrag und Diskussion, daß» trotzdem sich letztere so weit hinauszog, beim Schlüsse doch noch die größere Hälfte der zu Anfang ca. 300 Köpfe zählenden Versammlung anwesend war. Auch wurden eine ganze Anzahl neuer Mctglier auf- genommen.— Jetzt sei noch kurz erwähnt, daß die am 1. Februar in der Brunnenstraße bei Wettin stattgefundeue Versammlung, in welcher Genosse Stäger referirte, ausgelöst wurde, als derselbe über die heutige schlechte Schule sprach. Der Referent wurde verhaftet, jc doch, nachdem seine Personalien festgestellt, wieder entlassen, am 5. Februar jedoch abermal«»erhaftet und befindet sich seit- dem in der Stadtvoiztei, wo er Gelegenheit hat, üb-r diese neueste StaatSretterei nachzudenken. O. Stötten. HoVurg. Sonntag, den 14. Februar, hatten wir hier eine gut besuchte Volksversammlung, in welcher Joh. Kappler über: 1) Die Organisation der deutschen Arbeiter, und 2) Ueber die Unterstützung»- und Krankenkassen zur allgemeinen Zuftiedenheit sprach. Nachdem noch eine Anzahl Redner sich an der Debatte betheiligt hatten, wurde für die Hinterbliebenen Uorck'« eine ftei- willige Sammlung veranstaltet. Die Versammlung verlief gut und wird ihre Früchte tragen. Kens. Warnung für Spengler und Metalldrucker de« In- und Auslände«. Wenn es schon al« ein großer Uebel stand bezeichnet werden muß, daß in Genf gewöhnlich auf 3— 4 Arbeiter ein Wcrkführcr kommt, so haben wir, die Spenglerge Hilfen der Firma �lögvvöt und Lafond, rue l'Entrepot, hauptsächlich Ursache ein Lced darüber zu singen. In genannter Wert stätte konnte sich schon mehrere Jahre ein Werksührer, auf den Namen Pfister hörend, einnisten, über dessen Betragen den Ar- beitern gegenüber noch von keinem der ftüheren und gegenwärtigen Arbeiter Angenehme« mitgetheilt werden kann. In der letzten Zeit hat sich das brutale und gewissenlose Betragen desselben der Art gesteigert, daß wir unS dadurch zu dem bereit« unternommenen Schritt veranlaßt fanden, nämlich die Entfernung de« genannten Werkführers bei den Patronen*) zu verlangen oder unsere Entlassung zu nehmen. Die Gründe, welche wir anführten, und die auch jeder recht denkende Mann als gewichtig genug finden wird, sind folgende: 1. Neben einer nicht einmal halbwegs ordentlichen SelbstlcistungS- fähigkeit, hat der Mann nicht die mindeste Kenntniß von einer gerechten Vertheilung der Arbeit; e« ist ihm völlig gleichgiltg einem Arbeiter wochenlang hintereinander die allerfchlechtest be- zahlte» Artikel zu geben, unbekümmert darum, ob derselbe— trotzdem er ei» guter A> beiter ist— mehrere vierzehntägige Löh- nungStage mit 30—40 Franc« davongeht. 2. Ist eS dem Herrn Werksührer ganz gleichgiltig, während er angeblich in die Metall- druckerei, in Wahrheit aber in die Cafö'S geht, ob die Arbeiter Material oder Arbeit haben oder nicht. Verlangt man dasselbe aber von ihm, so wird man mit brutale» Worten bedient. Daß bei den ohnehin sehr knappen Fabrikpreisen der Arbeiter, der auf diese Bezahlung sich einrichten muß, nicht Stunden oder halbe, ja dreiviertel Tage lang im Geschäft herumwarten kann, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Da nun die Patrone auf unsere Forderung nicht einzugehen beliebten, so machen wir unsere Arbeit fertig und treten aus, wa« mit Dienstag den 9. d. M. geschehe» wird. Wir warnen daher vor allem Zuzug, umsomehr, al« sich überhaupt für jeden Neuling die Verhältnisse— bei völliger Un« kenntniß, bezüglich der Behandlung der Hilfsmaschinen— noch ungünstiger gestalten. College« allerorts, seid Männer und laßt Euch nicht verlocken, hierher zu reisen, dann werden wir Euch bald unfern Sieg»erkünden können. Sämmtliche Sp-nglergehilfen der Werkstätte von blögevöt& Lafond in Genf. Wir ersuchen sämmtliche Parteiorgane, Vorstehende« zu»er- öffentlichen. Meran(in Oestreich). Meraner Arbeiter-Fortbildung«- verein, Jahresbericht 1374. Mitgliederzahl 130, Emnadme 773 fl. 57 kr. östr. W., Ausgaben 689 fl. 44 kr. Stand der Bibliothek 420 Bände. An Krankenunterstützung ausgelegt 51 fl. 75 kr., an Wanderunterstützung 6 fl. Für den Arbeiter- Fortbildungsverein: Josef Leihleitner, Obmann. Z>«rt«««h, 19. Februar. Es wird sämmtlichen Bauschreinera mitgetheilt, daß in der hiesigen Bauschreinerei(Aktien-Gesellschaft Dortmund) der Lohn bedeutend reduzirt werden soll» und werden die College» ersucht, den Zuzug fenzuhalten. Für die Dortmunder Tischler: C. H. Kalbfleisch. Mi Be P° tun ftd B. 8. O( C Lrieftafte» der Redaktion: H. S. in£.; Brief sehr willkommen; bitten um Fortsetz. Bericht ja recht bald. Gruß W. L. B. Kl Gießen: Wir hatten keine» Portozufchlag nachzuzahlen. A.N. Nowawe«: Warnungen, Steckbriefe>c. finden nur Aufnahme, wenn da« Partei- Interesse oder dasjenige einer andern Arbeitervereinigung im Spiele ist. der Expeditton: Da» preuß. Ver.- u. Vers-Gesetz haben wir nicht. A. in M.: Für Brasilien kostet da« Ab. pr. Quart.(Kreuzband- Sendung alle 14 Tage) 4 M. R«ra Lassaraz: Sendung ging richtig an Sie ab Quittung der Expedition: Bon Rdlph Hanno». Ann. 1.00. Wrth« Berlin Ann. 1.30. Wlkrlng Eimsbüttel Ann. 0.60. Stffl Hambg Ann. 0.50. Wuklr Wien Ab. 1.70. Pttrf Hof Schr. 6.OO. H. F. W. Schltz Hamb. Ab. 100.00. Msct Darmst. Schr. 15.00, Ab. 23.01. Mrx Saarbr. Aa.1.50. Rchtr hier Ab. 1.20. E. M. DrSd. Schr. 3.00. A.-B. tonnewitz An 1.10. A. Nßbg Werdau Schr. 3.70.— Klln Gotha für Druck 72.85. — A. M. Altdg.: ABT de« Wissen» wird Ende dieser Woche fertig. für der teui exp. bei Te: bei' Z-i und bei «itz 75 stro I. Für die Hinterbliebeue» Porck'S. Von L. Kgf. hier 3.00. Äugsburg Anzeigen k* »tu der sttn dad maj Kits de» Sozial-demokratischer Verein.., _ Da die letzte Generalversammlung eingetret»-- ner Hindernisse halber unterbleiben mußte, so findet dieselbe®®( Samstag, den 27. Februar, Abend» 8 Uhr statt,»nd erwartet vollzählige» Erscheinen der Mitglieder. __ Der Ausschuß. ma stell [60l«che a&Arfllt Wahlverein der sozialdemokratischen Arbeiterpar,»,. Donnerstag, den 25. Februar, Abend» halb 9 Uhr: Ge»rr»lders»mml«ng bei Eariu«, Prinzenstraße 72. Tagesordnung: 1) Berichterstattung über die bisherige Thitigkeit 2) Kassenbericht. 3) Neuwahl de« Borstande» und Ausschusses. 4) Antrat Bernstein» auf Errichtung eine» Lesezimmer«. 5) Verschiedene». Jede« Mitglied ist»erpflichtet zu erscheinen. Zutritt gegen Karte __ Der Borst a n d. sL» Sonntag, den 28. Februar, BormUtag» 10 Uhr, in Lieber'« Salon, Elsässerstr. ««U Ur- Z« bttt 14, 15(früher Thorstr.): Große öffentliche Retallarbeiterversammlang. Tag.-Ordnung: 1) Die GeschästSkrise und die Aufgabe der gewerb schaftlichen Organisation. Res. Heiland. 2) Die schädlich» Einwirkung der ZwangSkassen. Ref. Stötten. Neue Mitglieder zur Metallarbeiter- Gewerlschaft«- und Krankenkaffl »erde» aufgenommen. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein (2a) Da« Eomiio.[90] aas mei viel »ich chn ver die al« höh Connewitz«ÄTSu......» Gerhardt« Restaurant. D. B.[3l Dresden Schreibergasse 7„Zum Pirnaischen Hof."[40) br» erös (3c w.) hfofttltie» Sozialdemokratischer«rteiterverein. dire Donnerstag, den 25. Februar, Abend« halb 9 Uhr Versammlung der Sozialdemokraten Leipzigs und der Umaegenh t.!,. fl«. 0.„rnh< v.,», Jt"' lApi bei Jacobi, früher Zahn. Diskussion der Einiguugs-Bestrebungen. Zu zahlreichem Erscheinen fordert auf Der Einberufer. [60 ifolhtiit Geverkschait»- Vorstände. Freitag, den 26. Febr., Abend« 8 Uhr: Besprechung bl die billi Schreiber, Münzgasse. [80j fallt �lllthrtlt Arbeiterbild-ngsverei«. 1 A feUUUUU Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoziatio» � 19, Little Windmill-Street, Golden Square, W.'»ust Gewöhnliche Berein»sitzung jeden Samstag, englischer Sprachunter« richt jeden Mittwoch und Borträge an Sonntagen abwechselnd»isz» geselligen Abenden.(m)[6� war »ich wie Heute Abend halb zehn Uhr starb nach schwerem Leiden unser bestes Soj Freund Jacque« Couruier. Einer der eifrigsten und unermüdetsten Ver- breiter de« Sozialismu« läßt er eine Lücke, die nicht so bald auSgesülL wird. Erst 32 Jahre alt, hinterläßt er eine hilflose Wittwe und 4 K.nder.khu Wir hoffen, daß die Mühlhauser Arbeiterfteunde wissen werden,«a» den ihre Pflicht ist. iab, Mühlhausen, 17. Februar 1874.[lüöyder Seine trauernden Freunde. m[tt •) Arbeitgebern. Motographien von Theodor Morck in Bisitenkartensormat id 25 Pfennige das Stück, zwei Dutzend zu 5 Rmk. gegen b« md zu beziehen von der Buchhandlung de»„Bolksstaat" BerantworUicher Redakteur: R. Seiffert. Redaktion Hohestr. 4, Expedition Zeitzerstr. 44, in Leipzig. Druck und Verlag der GenossenschaftSbuchdruckerei in Leipzig.