Erschemi in Lnpng Mittwoch.Freitiig, Sonnrag. Bestellungen nehmen an alle Postanstaiien u. Buchhandlungen des In- u.Aussailbes. Filiul- Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. Zt. Sorge, Loi 101 Hobokm, N. J. Peter Haß, 8."W. Corner Third and ooatee atr. Philadelphia. Abonncmentspreis für ganz Deutschland 1 M. SO Pf. pro Quartal. MonntL- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstaltcn auf den kten u. 3ten Monat und auf den Sten Monat besonders an- gsnommen; im Kgr. Sachsen n. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals i 04 Pf. OrgandersozialdemokratischeMrVetterparteimdderwternattonalenGetverkskcnossenschasten. Znterat», dl»«ihrlwnz n-v Parrer, Verems- und V»lks»«rfammlunze«, sowie die FMal- Sxpeditioueu und sonstig» Partei- Angelegenheiten betreffend, werden mit 10 Pf.,— Privat- und Vergnügung«- Rnteigen mit 25 Pf. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr, 37. Jrettag, 2. April. 1875. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. April beginnt ein neues Quartal, und for- den, wir deßhalb zu zahlreichem Abonnement aus das wöchentlich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 Pf.(16 Gr.) pro Quartal, 54 Pf.(5Vz Gr.) pro Monat für ganz Deutschland. Alle deutschen Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei dreimaliger Zusendung in folgender Weise berchuet: für Deutschland 3 Mark 50 Pf.(I Thlr. 5 Ngr.); für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien und Italien 4 Mark(5 Frcs.); für Frankreich, die Niederlande, Portugal, Grogbritanien, Rumänien und die Türkei 5 Mark(6'/» Frcs.); für Spanien und für Amerika 6 Marl. Der AbonncmentS-Bctrag ist bei Bestellung einzusenden. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis (mit Bringerlohu) auf 1 Mark 80 Pf.(18 Ngr.) pro Quartal und 00 Pf.(6 Ngr.) pro Monat festgesetzt. Mau abonnirt bei der Expedition dieses Blattes, Zcitzerstraße 44, und bei Colportcur Müller. Für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpcditioncn: Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschöne- feld, zc. jc. bei Frau Engel, Reudnitz, Fcldslr. 14, Hof 1 Tr., für Connewitz sc. bei Tcubert, Bornaischestr. Nr. 19, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst, für Thonberg und Neureudnitz bei Zschau, für Plagwitz und Lindenau bei Schuster, Mcrseburgcrslraßc Nr. 26, für Gohlis sc. bei O. P entert, Hauptstraße Nr. 19, für Stötteritz bei Fr. Vogenitz, Hauptstraße Nr. 38. Für Berlin wird auf den„Bolksstaat" monatlich für 75 Pf. <7'/z Sgr.) frei in's Haus abonnirt, bei Trautmann, Manteufelstraße 25, vorn 3 Tr.; Rubenow, Brunncnstraße Nr. 34 im Laden; I. Ehmann, Schwedenstr. 1, 2 Tr. iW" Den„Volksstaat"-Colporteuren und Filialexpeditionen zur Nachricht, daß mit Ablauf dieses Monats die Abonnements- gelber für das laufende Quartal beglichen sein müssen, und werden die Restanten hierdurch zur schleunigen Erfüllung ihrer Pflicht aufgefordert. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerk- sam, das Abonnement für das zweite Quartal 1875 rechtzeitig erneuern zu wollen. Nur bei Erfüllung dieser Bediugnisse erfolgt weitere Zu- sendung des Blattes. Alle Expeditionen der mit uns in Tausch sleheuden Zei- tungen zc. werden ersucht, uns durch die Post auch für das neue Quartal ihr Blatt zukommen zu lassen. Die Ziedaktion und Expedition des Natioualötouomie. I. Die Arbeit und ihre Eintheilung. „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brod essen!" So lautet nach der Mosaischen Schöpfungsgeschichte der Spruch, durch welchen der Mensch, als er zum Selbstbewußtsein gekommen war, aus dem Paradiese des NichtSthunS vertrieben wurde. Es liegt eine tiefe Wahrheit in diesem Märchen. Nur in wenigen Gegenden, wie den glücklichen Thälern Indiens, wohin die Sage das Paradic» verlegt, bringt die Natur die dem Menschen zur Nahrung dienenden Früchte in solcher Menge wildwachsend hervor, daß das Einsammeln derselben ohne alle Mühe vor sich geht. Der Pisang und die Banane, der Brotfruchtbaum und die Dattelpalme ge- deihen dort ohne künstliche Pflege und bringen, immertragend, reichliche Frucht, während daü Klima dem Menschen erlaubt, ohne Kleidung zu gehen, und das dichte Laub der Wälder selbst bei strömendem Regen noch einen, wenn auch mangelhaften �Schutz gewährt. In jedem anderen Theil der Erde vermag der Mensch sein Leben nur durch Anstrengung seiner Kräfte zu fristen; so sehen wir denn, daß die Existenz der Menschen auSnahmloS von dem Erfolg ihrer Arbeit abhängig ist. Betrachten wir nun die durch Arbeit lebende menschliche Ge- fellschast, so finden wir einen ganz gewaltigen Unterschied in der Art der Aibeil, welche die einzelnen Menschen verrichten. Da ist ein Fürst, dessen Arbeit besteht im Regieren, Orden- Vertheilcn, Parade-Abuehmen, Oper- und Ballet-Besuch; da sind Generäle und Offiziere, die nur Truppen zu kommandiren und zu txercieren haben; da sind Minister, welche die eigentlichen Re- gierungSgeschäfte besorgen und die Verwaltung deS Staates durch das große Heer der Beamteu führen lassen. Da sind die zahl- Wichen Geistlichen, Soldaten und Polizisten, Richter und Aerzte, L.'hrer und Steuererheber, Dienstboten, Sänger, Schauspieler und vergleichen, welche alle beschäftigt sind und ihre Beschäftigung mit wehr oder weniger Recht Arbeit nennen. ES folgt dann die große Klasse der Kaufleute, welche dem Handel obliegen, der Verflachter, welche die Waarcn zu Wasser und zu Lande von einem Ort zum andern schaffen und so dem Handel und der Vertheilung der Waaren dienen. Dann giebt eS eine große Zahl von Menschen, welche bei der Ausführung ge- meinnütziger Anlagen, beim Bau von Kanälen, Eisenbahnen, Chausseen, mit Grabenziehen urd Straßenpflastern beschäftigt sind und sich redlich dabei quälen müssen. Endlich finden wir Menschen beschäftigt, die von der Natur erzeugten Stoffs, die Rohprodukte zu sammeln und einzuheimsen; eS gehören dahin die Bergleute, die forst- und landwirthschaftlichen Arbeiter, die Hirten, Fischer und Jäger. Ihnen schließen sich die Arbeiter an, welche die Rohprodukte umformen, und zu Gebrauchs- gegenständen verarbeiten. Von der kleinen Zahl der Menschen, deren Beschäftigung im Coupons-Abschneiden, Rauben, Stehlen ober Betteln besteht, wollen wir ganz absehen, da ihrer Thätigkeit der Ehrentitel der Arbeit überhaupt nicht zukommt. Die große Verschiedenheit der menschlichen� Thätigkeit, von der wir nur andeutungsweise einige Beispiele beigebracht haben, welche jeder Leser leicht noch bedeutend�vermehren kann, ist die uatür- liche Veranlassung zur Eintheilung der Arbeit in mehrere große Gruppen. In der VolkSwirthschaflS- Wissenschaft hat man seit Adam Smith, also seit etwa 100 Jahren, diese Eintheilung in der Weise bewirkt, daß man alle Menschen, welche der Erde Produkte ab- gewinnen oder diese Rohprodukte weiter verarbeiten, in eine Klasse, die der produktiven Arbeiter brachte, alle anderen aber als die unproduktiven Arbeiter bezeichnete. Es ist klar, daß die Grenze zwischen diesen beiden Klassen nicht Haarschars festzustellen ist; man wird in sehr vielen Fällen in Zweifel sein, ob eine Thätigkeit als eine produktive oder als unproduktive Arbeit im obigen Sinne zu bezeichnen ist. Diese Eintheilung in produktive und unproduktive Arbeit hat deshalb, bauptsächlich aber des Namens wegen, viel Streit in der Wistenschast hervorgerufen. Was. hat man gesagt, der Arzt, der eine Arznei verordnet, welche die Gesundheit wieder herstellt, vielleicht gar das Leben rettet, soll ein unproduktiver Arbeiter sein; der Apothekerlehrling dagegen, der die Arznei kocht oder mischt, ein produktiver Arbeiter! Die Setzer und Drucker, welche den Druck eioeS wissenschaftlichen Werkes besorgen, der Buchbinder, der eS heftet und einbindet, sollen produktiv arbeiten; dem Denker und Dichter, der das Werk geschrieben, will man den Titel eines �unproduktiven Arbeiters geben? DaS ist verkebrt und unsinnig! Es ist besonders die ncuenglische Schule, die sogenannte Man- chesterpartei, welche mit großer Erbitterung diese Eintheilung der Arbeit bekämpft; wir werden später den Grund, der nicht öffent- lich gesagt wird, kennen lernen. Der ganze Streit wird unserer Meinung nach sofort ge- schlichtet, wenn man die ziemlich unpraktisch gewählte Bezeichnung ändert. Wir halten an der Eintheilung fest, wollen aber den Klassen einen Namen beilegen. Nennen wir die bisher als produk- tive Arbeiter bezeichneten Menschen: Waare erzeugende Arbeiter und alle übrigen: Dienste leistende Arbeiter, so wird diese Be- I zeicknuvg den Unterschied beider Klassen deutlicher erkennbar machen. j Unter Waare verstehen wir ein Ding, einen Gegenstand, der von einer Hand iu die andere übergehen, der auf dem Markte � verkaust oder vertauscht, der verschenkt oder verloren, ja gestohlen werden kann— einen Gegenstand also, der den Besitzer zu wechseln vermag, so lange er überhaupt besteht. � Alle Arbeiter also, welche solche Gegenstände erzeugen, gehören in die eine Klasse; alle anderen Menschen, soweit sie thätig sind, leisten der menschlichen Gesellschaft nur Dienste— freilich oft von so hohem Werthe, daß man ihre Leistungen höher anschlagen wird und muß, als die der Waare erzeugenden Arbeiter. Der Begriff des Dienstes, den der flanzöstsche Nationalökonom Bastiat in seinem bekannten Werke:„BolkSwirlhschaftliche Har- monien" als Ursprung deS WertheS einzuführen versucht hat, scheint unS hier durchaus zutreffend zu sein. Der Fürst und der Minister, der Soldat und der Polizist, der Arzt, der Lehrer, der Schauspieler, der Sänger und der Dienst- böte arbeiten auch, aber alle ihre Leistungen sind derart, daß sie nur einem oder vielen Menschen nützen und von diesen nicht an Andere abgetreten werden können, obgleich man oft von einzelnen dieser Leistungen bildlich sagt: daß sie uns gestohlen werden können! Meine Gesundheit, die der Arzt wieder hergestellt hat, kann ich einem Anderen nicht überlassen; die Kcnntniß einer flem- den Sprache, die mir ein Lehrer beigebracht hat, kann nicht von mir verkauft oder verschenkt, kann mir nicht gestohlen werden. Der Unterschied, der zwischen den beiden großen Gruppen der menschlichen Arbeit statlfiadet, leuchtet ein. Aber zwischen ihnen, bald zu der einen, bald zu der anderen Gruppe gerechnet, liegt noch eine ungeheure Menge von Arbeit. Wir wollen nur an die Arbeit der den Transport der Waaren besorgenden Menschen erinnern; gerade hier wird eS recht klar, daß eigentliche Waare von ihnen nicht erzeugt wird, ohne ihre Thätigkeit aber der Zweck der Waaren-Erzeugung, die Befliedigung deS Bedürfnisses, also der Verbrauch der Waaren nicht in dem Maaße ermöglicht würde, als eS mit ihrer Hilfe geschieht. Ebenso verhält eS fich mit den Ar- beitern, welche Straßen, Canäle, Eisenbahnen bauen; ein Eni- wässerungScanal ist oft eine Wohlthat für eine ganze Gegend und nützt oft Jahrhunderte lang Millionen Menschen; ist er aber fertig, so kann er nicht wie eine Waare verhandelt oder vertauscht werden; er ist sogar nur durch neue Arbeit wieder aus der Welt zu schaffsn. Die Herstellung derartiger Anlagen ist unbedingt auch für die Produktion der Waaren vom bedeutendsten Werthe; es wird oft durch einen Canal eine bisher sumpfige und unfruchtbare Gegend dem Ackerbau erschlossen und die Arbeit an dem Canal erscheint somit als ein Theil der zur Herstellung des später dort wachsen- den Getreides verwendeten ArbeitSmenze. Man kann daher diese Arbeit auch als eine produktive, Waare erzeugende Arbeit ansehen. Ein gleiches gilt z. B. von der Thätigkeit eineS Ingenieurs, welcher den Plan zu einer Maschine entwirft, oder den dieselbe aufstellenden Arbeitern Anleitung giebt, wie sie zu verfahren haben; man wird nicht unbedingt richtig verfahren, mag man ihn in die eine oder in die andere Klasse rechnen. Für den �wissenschaftlichen Zweck, der mit dieser Eintheilung der Arbeit angestrebt wird, ist eS nun gleichgültig, ob man diese oder jene Arbeit in die eine oder die andere Classe bringt; eS dreht sich eben nur darum, klarzustellen, daß nur ein Theil der menschlichen Gesellschaft Waaren producirt, der andere nicht; wir bitten die Leser, diesen ganz allgemeinen Satz festzuhalten. Um nun die Nutzanwendung aus diesem Satze zu ziehen, wollen wir uns einen Staat, etwa eine Insel denken, welche gar keinen Verkehr mit den übrigen Staaten hat, so daß also Alle», was die Menschen dort gebrauchen oder verbrauchen, an Ort und Stelle vroducirt weroen muß. Es ist ganz gleich, ob wir unS diesen Staat klein oder groß denken; wir können auch die ganze, auf der Erde lebende Menschheit als eine derartige Einheit be- trachten; die Erörterungen, welche sich an jene, oben besprochene Eintheilung der Arbeit knüpfen, gelten für alle Fälle. Alle Menschen, welckie auf unserer gedachten Insel leben, brauchen zur Erhaltung ihres Lebens und Wohlseins eine Menge Gegen- stände; sie brauchen Wohnung, Brennmaterial, die verschiedensten Rohstoffe, aus denen ihre Kleidungsstücke fabricirt werden müssen; in die Wohnungen brauchen sie Möbel und HauSgeräth; eS wird Brod, Gemüse, Fleisch u. dergl. verzehrt; eS wird eine Menge von Handwerkszeug und Maschinen verbraucht, eS müssen Straßen und Brücken gebaut, Canäle und Abzugsgräben angelegt werden, und was sonst noch für Arbeiten zu v rrichten sind. Um da« zu bewerkstelligen, ist die ganze Gesellschaft thätig; der Fürst mit Regieren, die Minister, Beamten und Polizisten mit Administriren, dazu predigen die Geistlichen, lehren die Schulmeister, handeln die Kauslcute; Abends spielen die Schauspieler Comödie, Kunst- reiter und Ballelmädchcn machen ihre Sprünge; kurz die ganze Gesellschaft arbeitet und bewegt sich gerade so, wie wir es überall um uns her geschehen sehen. Aber alle diese Menschen, Alte wie Junge, Männer wie Weiber, verbrauchen Waaren, die entweder mit einem Male consumirt werden, wie Brennmaterial und Lebensmittel, oder nur allmählig verbraucht werden, wie Häuser, Kleider und Werkzeuge. Jeder Mensch verbraucht Waaren. Wie wir gesehen haben, erzeugt aber nur ein Theil der Men- scheu Waare; die Arbeit dieses Waare erzeugenden TheileS der Menschen muß also so viel Waare hervorbringen, daß auch die übrigen, der Gesellschaft nur Dienste leistenden Menschen davon ihre Befriedigung erhalten können. Die civilistrte menschliche Gesellschaft kann nun einmal nicht bestehen, ohne da« ihr eine�gewiffe Menge von Dienstleistungen neben der Waarenproduktion geboten wird, sie braucht die Fürsten, die Beamten, die Soldaten, Pfaffen, Aerzte, Lehrer, Dienstboten, Comödianten; sie braucht die Kausleute und Verflachter; sie braucht die Arbeiter, welche Brücken und Straßen bauen u. s. w.,— womit übrigen« durchaus nicht gesagt sein soll, daß die menschliche Gesellschaft bei vernünftigerer Organisation nicht viele von den geleisteten Diensten als ganz unnütze entbehren könne— und alle diese Menschen müssen aus der Masse der producirten Waaren er- halten werden. Das ist natürlich" nurs? möglich, wenn die Waare erzeugende Arbeit so ergiebig ist, daß die Arbeiter mehr hervorbringen, alS sie zu ihrem Lebensunterhalt selbst verbrauchen, daß sie also im Stande sind, freiwillig oder gezwungen, einen Theil ihre« Arbeit«- ertrageS an die Dienste feistenden Menschen abzugeben. Man kann im eigentlichen Sinne des Wortes nur bei den Waare erzeugenden Arbeiten von einem Arbeitsertrag reden, denn nur hier wird etwas Greifbares hervorgibracht; was heute im ge- wöhnlichen Leben als Arbeitsertrag bezeichnet und meist iu Geld gemessen und ausgedrückt wird, ist eigentlich nur Lohn für ge- leistete Dienste. Diese Bertheilung des Arbeitsertrages der Waare erzeugenden Arbeiter hat immer stattgefunden und muß auch immer stattfinden, weil sich keine gesellschaftliche Organisation denken läßt, in der nicht ein Theil der Menschen zum Nutzen der Gesellschaft mit Dienstleistungen betraut werden wird, und weil Dienstleistungen keinen direkten Arbeitsertrag erzeugen, der in Tausch gegen die zum Leben nothwendigen Waaren gegeben werden könnte. O Zu den Dienstleistungen, welche die Gesellschaft immer ge- brauchen wird, gehört auch unzweifelhaft die Thätigkeit der Men- scheu, welchen die Bestimmung über die Art und die Menge, die Versendung und Vertheilung der zu producirenden Waaren ob- liegt; eS ist ganz undenkbar, daß eine entwickelte Großproduktion ohne derartige Geschäftsführer, Dirigenten, Buchhalter und Ma- gazin-Verwalter bestehen könne. In der heutigen Gesellschaft versieht nun die Classe der Capi- talisten und Unternehmer diese Arbeit; der Capitalist bestimmt, was und wie producirt werden soll; der Capitalist besorgt die Versendung und den kaufmännischen Vertrieb; die Capitalisten alS Classe leisten also der Gesellschaft Dienste, für welche ihnen ein Antheil am Arbeitserträge zusteht. Die Höhe dieses AntheilS richtet sich nun aber nicht nach der Menge der aufgewendeten Arbeit, sondern nach der Größe deS CapitalbesitzeS; je größer der Capitalbesttz, desto größer ist auch heute der Antheil an dem GesammtarbeitSertrag, gleichgültig, ob der Besitzer überhaupt noch arbeitet oder nicht. So komml et denn, daß der Antheil der Capitalisten am allgemeinen Arbeits- ertrag bald so groß wird, daß dieselben schon mit einem Theil ihres AntheilS Arberter miethen können, welche ihnen die eigcnt- lichen Arbeiten, durch welche sie der Gesellschaft Dienste leisten, abnehmen müssen; den größten Theil deS ihnen in Folge deS CapitalbesitzeS zufallenden Arbeitsertrages der Gesammtheit nehmen sie also ohne alle Gegenleistung in Beschlag. Man wird nun verstehen, weshalb das Manchesterthum die Eintheilung der Arbeit in produktive und unproduktive verab- scheut. Wenn jede Arbeit'»lS eine produktive angesehen wird, läßt sich die Illusion leicht ausrecht erhalten, als würden nur Produkte der Arbeit unter den Menschen ausgetauscht, alS produ- cirte der Fürst durch das Regieren, der Capitalist durch Be- stimmung, wie er fem Geld verwenden will, gerade so viel Werth- objccte, als sie von den Waare erzeugenden Arbeitern für ihre Dienstleistungen zu beanspruchen haben. Der Antheil der Capi- talisteu am allgemeinen Arbeitsertrag erscheint dann alS gleich- werlhig seiner Arbeit und die Ungerechtigkeit, die im Capitalgewinn liegt, nimmt die MaSke der Gerechtigkeit vor. Wir hoffen nachgewiesen zu haben, daß die Classe der Waare erzeugenden Arbeiter nie den vollen Arbeitsertrag ihrer Arbeit in natura erhalten kann, da sie die andere Classe mit erhallen muß; die Forderung, daß jeder Arbeiter den vollen Arbeitsertrag er- halten solle, ist daher nicht so zu verstehen, daß daS ArbeitSpro- dukl, die fertige Waare, nur dem Arbeiter oder der Arbeiter- genossenschaft gehören und ihr zur beliebigen Verwendung Aber- lassen sein soll; diese Forderung bedeutet, richtig verstanden, nur, daß jeder Arbeiter, ob er Waare producirt oder Dienste leistet, nach Verhältniß der von ihm gethancn Arbeit seinen Antheil am GesammtarbeitSertrag erhalten soll; wer überhaupt nicht arbeitet, soll auch keinen Antheil erhalten. Logisch richtig ist cS also, wenn man nicht die Aufhebung, sondern die allgemeine Einführung der Lohnarbeit als letzte Tendenz deS Sozialismus bezeichnet. (Natürlich muß mau von der jetzigen Bedeutung des Worts Lohn— kapitalistischer Arbeitslohn— absehen.) Flüchtlings-Literatur. IV.(Schluß.) Und nun die unvergleichliche Anklage: indem ich Herrn Tkat- schoff in dem ihm und seineu Werken entsprechenden Lichte er- scheinen lasse, habe ich damit„unserm gemeinschaftlichen Feind, dem russischen Staat, einen guten Dienst geleistet!" Ebenso heißt eS an einer andern Stelle: indem ich ihn so schildere wie ich ihn geschildert, verletze ich„die Grundprinzipien des Programms der Internationalen Arbeiter-Assoziation!" Hier haben wir den rich- tigen Bakunisten. Die Herren, als wahre Revolutionäre, erlauben sich uns gegenüber Alles, besonders im Dunkeln; behandelt man sie aber nicht mit der höchsten Ehrerbietung, zieht man ihr Treiben aus Licht, kritisirt man sie und ihr Phrasengeklingel, so dient man dem Kaiser von Rußland und verletzt die Grund- Prinzipien der Internationalen. Die Sache verhält sich gerade umgekehrt. Wer der russischen Regierung eine» Dienst geleistet, ist Niemand anders als Herr Tkatfchoff. Hätte die russische Po- lizei einigen Witz, so würde sie die Brochure dieses Herrn maffen- hast in Rußland verbreiten. Einerseits könnte sie kaum ein bessere« Mittel finden, die russischen Revolutionäre, als deren Vertreter der Verfasser sich hinstellt, bei allen Leuten von Verstand in Miß- kredit zu bringen. Andrerseits ließen sich möglicherweise immer einige brave aber unerfahrene junge Leute dadurch zu Unbesonnen- heiten verführen und lieferten sich damit selbst in« Garn. Aber, sagt Herr Tkatfchoff, ich habe mich ihm gegenüber„in allen möglichen Schimpfereien geübt". Nun ist ein gewisses Schimpfen, die sogenannte Invektive, eine der wirksamsten rheto- rischen Formen, die von allen großen Rednern, wenn erforderlich, angewandt wird und worin der kraftvollste englische politische Schriftsteller, William Cobbelt, eine Meisterschaft besaß, die noch jetzt bewundert wird und zum unerreichten Muster dient. Auch Herr Tkatfchoff„schimpft" in seiner Brochure ganz gehörig. Hätte ich also geschimpft, so wäre das an stcb noch lange kein Unrecht von mir. Aber da ich Herrn Tkatfchoff gegenüber gar nicht rhe- torisch wurde, da ich ihn gar nicht ernsthaft nahm, so kann ich auch gar nicht gegen ihn geschimpfte habeü. Sehen wir.zu, was ich von ihm gesagt. Ich habe ihn„einen grünen Gymnasiasten von seltener Un- reife" genannt. Unreife kann sich beziehen aus Charakter, Verstand und Kenntnisse. Was die Unreife des Charakters angeht, so hatte ich Herrn Tkatschoff'S eigener Erzählung Folgende« nacherzählt: „Ein russischer Gelehrter, der in seinem Lande einen bedeutenden Ruf hat, wird flüchtig und verschafft sich die Mittel, um im AuS- land eine politische Zeitschrift zu gründen. Kaum ist er so weit, so kommt, unaufgefordert, ein beliebiger, mehr oder weniger be- geisterter Jüngling und bietet seine Mitarbciterschast an unter der mehr al« kindlichen Bedingung, in allen literarischen und Geldsragen gleich entscheidende Stimme mit dem Stifter der Zeitschrift zu haben. In Deutschland hätte man ihn bloß ausgelacht". Einen weiteren Beweis für Unreife des Charakters brauche ich hiernach wohl nicht beizubringen. Die Unreife des Verstandes wird hinreichend bewiesen durch die unten? folgenden �weiteren Ei- täte au» der Brochure deS Herrn Tkatschoff. WaS die Kenntnisse angeht, so dreht sich der Streit zwischen dem„Vorwärts" und Herrn Tkatschoff großentheils um Folgendes: Der Redakteur des „Vorwärts" verlangt, die russische revolutionäre Jugend solle etwas kernen, sich mit ernsthaften und gründlichen Kenntnissen bereichern, kritische De»kkraft nach regelmäßigen Methoden sich erwerben, im Schweiß ihre« Augesicht« an ihrer Selbstentwicklung und Selbst- durchbildung arbeiten. Solche Rathschläge weist Tkatschoff mit Abscheu zurück:„ich muß immer wieder da« Gefühl tiefer Ent- rüstung aussprechen, da« sie von jeher in mir hervorgerufen.... Belehrt Euch! bildet Euch au«! O Gott, und da» kann ein le- beudiger Mensch lebendigen Menschen sagen! Warten! Studiren, uns durchbilden! Aber haben wir denn da« Recht zu warten (mit der Revolution nämlich)? Haben wir da« Recht, Zeit an Ausbildung zu verschwenden?"(p. 14.)„Kenntnisse sind wohl eine nothwendige Vorbedingung de« friedlichen Fortschritts,.aber durchaus nicht nothwendig für die Revolution"(x. 17). Wenn also Herr Tkatschoff schon bei der bloßen Aufforderung zum Studiren eine tiefe Entrüstung entwickelt, wenn er alle Kennt- nisse für überflüssig für einen Revolutioaär erklärt, we»a er dazu in seiner ganzen Schrift durchaus nicht die gerirgste Spur von Kenntnissen verräth, so stellt er selbst damit sich das Zeugniß der Unreife au«, und ich habe das bloß konstatirt. J-mand, der aber dieses Zeugniß sich selbst ausstellt, kann nach unfern Begriffen höchsten« auf der Bildungsstufe eines Gymnasiasten steh». Indem ich ihn dieser höchstmöglichen Stufe zuwies, habe ich also, statt zu schimpfen, ihm vielleicht noch zu viel Ehre angethaa. Ferner habe ich gesagt, die Betrachtungen deS Herrn Tkatschoff seien kindisch(Belege hierfür die Citate in diesem Artikel), lang- wcilig(da» wird der Verfasser selbst wohl nichr abläugnen), wider- spruchSooll lwie der Redakteur des„Vorwärts" ihm nachgewiesen) and ewig sich im Kreise drehend(waS ebenfalls richtig ist). Dann spreche ich von seinen großen Ansprüchen(die ich ihm selbst nach- erzählt) und absolut nichtigen Leistungen(die der gegenwärtige Artikel mehr als genügend nachweist). Wo sind nun die Schimpfereien? Daß ich ihn mit Karlchen Mießnick, dem belieb- testen Gymnasiasten von Deutschland und einem der populärsten deutschen Schriflsteller verglichen, das ist doch sicher nicht geschimpft. Doch halt! habe ich ihm nicht nachgesagt, er hätte sich wie Achilles in fein Zelt zurückgezogen und daraus seine Brochure gegen daS „Vorwärts" abgefeuert? Da wird wohl der Hase im Psesser liegen. Bei einem Manne, den daS bloße Wort Studiren schon in Harnisch bringt, der sich Heine'S: „Und seine ganze Ignoranz Hat er sich selbst erworben", kühnlich zum Motto nehmen kann, bei dem kann man wohl an- nehmen, daß ihm der Name Achilles hier zum ersten Mal vor- kommt. Und da ich den Achilles in Zusammenhang bringe mit „Zelt" und„Abfeuern", so mag Herr Tkatschoff sich vorstellen, dieser Achilles sei ein russischer Unteroffizier oder türkischer Baschi- bozuk und e« sei also commentwidrig, ihn einen Achilles zu schimpfen. Ich kann aber Herrn Tkatschoff versichern, daß der Achille«, von dem ich spreche, der größte Held der griechischen Sage war, und daß jener Rückzug in sein Zelt den Stoff geliefert hat zum großartigsten Heldengedicht aller Zeiten, der JliaS, was ihm sogar Herr Bakunin bestätigen wird. Sollte diese meine Ver- muthung richtig sein, so käme ich allerdings in den Fall erklären zu müssen, daß Herr Tkatschoff kein Gymnasiast ist. Ferner sagt Herr Tkatschoff:„Trotz alledem erlaubte ich mir aber, die Ueberzeugung auszusprechen, daß die soziale Revolution leicht ins Leben zu rufen fei." Wenn es so leicht ist, sie ins Le- ben zu rufen,„bemerken Sie. warum thun Sie eS nicht, anstatt von ihr zu sprechen?"— Ihnen kommt eS als ein lächerliches, kindische« Betragen vor..... Ich und meine Gesinnungsgenossen sind überzeugt, daß die Ausführbarkeit der sozialen Revolution in Rußland keine Schwierigkeiten bietet, daß e« jeden Augenblick möglich sei, das russische Volk zu einem allgemeinen revolutionären Protest(!) zu bestimmen. Zwar verpflichtet uns diese Ueberzeugung zu einer gewissen praktischen Thätigkeit, aber sie spricht nicht im Mindesten gegen die Nützlichkeit und Nothwendigkeit der litera- rischen Propaganda. ES genügt nicht, daß wir davon überzeugt sind, wir wollen, daß auch Andere diese Ueberzeugung mit unS theilen. Je mehr Gesinnungsgenossen wir haben, desto stärker werden wir uns fühlen, desto leichter wird eS uns sein, die Aus- gäbe praktisch zu lösen". DaS geht denn doch über das Bohnenlied. DaS klingt so nett, so verständig, so gesittet, so einleuchtend. DaS klingt ganz, als ob Herr Tkatschoff seine Brochure nur geschrieben, um den Nutzen der literarischen Propaganda zu beweisen, und ich unge- duldiger Gelbschnabel habe ihm geantwortet: Zum Teufel mit der literarischen Propaganda, jetzt heißtS losschlagen!— Und wie stehtS nun damit in der Wirklzchteit? Herr Tkatschoff fängt seine Brochure gleich damit an, der Journal-Propaganva(und das ist doch wohl die wirksamste lite- rarische Propaganda) ein Mißtrauensvotum zu geben, indem er sagt, man dürfe„nicht zu viel reoolutronäre Kräfte aus sie ver- wenden", denn„bei unzweckmäßigem Gebrauch richte sie ungleich mehr Schaden an, als sie bei zweckmäßigem Gebrauch Ratzen stifte". So sehr schwärmt unser Tkatschoff für die literarische Propaganda im Allgemeinen. Im Besonderen nun, wenn man solche Propa- ganda machen. Gesinnungsgenossen werben will, so hilft kein bloßes Deklamiren, sondern man muß sich auf Gründe einlassen, die Sache also theoretisch, d. h. in letzter Instanz wissenschaftlich behandeln, lieber diesen Punkt sagt Herr Tkaischoff dem Re- dakteur de«„Vorwärts":„Ihr philosophischer Kampf, jene rein theatralische, wissenschaftliche Propaganda, der sich Ihr Journa ergeben,... ist vom GesichtSpunki der Interessen der revolu- tionären Partei nicht nur nutzlos, fie ist sogar schädlich". Man sieht, je mehr wir Herrn Tkatschoff'S Ansichten über literarische Propaganda untersuchen, je mehr reiten wrr unS fest, je weniger erfahren wir waS er will. Wa« will er denn eigentlich? Hören wir weiter: „Begreifen Sie etwa nicht, daß der Revolutionär sich jeder- zeit das Recht zuschreibt und zuschreiben muß, da« Volk zum Ausstand auszurufen; daß er sich von Philisterphilosophen unter- scheidet, indem er, ohne abzuwarten bis der Verlauf der histo- rischen Ereignisse den Augenblick anzeigt"— selbst diesen Augenblick wählt, daß er das Volk immer bereit zur Revolution weiß (p. 10)... Wer nicht an die Möglichkeit der Revolution in der Gegenwart glaubt, der glaubt nicht ans Volk, der glaubt nicht an jdie Bereitschaft de« Volks für die Revolution(p. 11.)... Da« ist eS, weshalb wir nicht warten können, weshalb wir be- behaupien, daß in Rußland die Revolution dringend nöthig ist, und �nölhig namentlich in gegenwärtiger Zeit; wir gestatten kein Zögern und kein Zaudern. Jetzt oder sehr spät, vielleicht nie(x. 16)!... Jede« der Willkühr preisgegebene, von AnS- beutern abgerackerte Volk... jedes solche Volk(und in dieser Lage befinden sich alle Völker) ist. Kraft der eignen Bedingungen seiner sozialen Umstände— revolutionär; e« kann immer, e« will immer die Revoluton machen; eS ist immer bereit zur Revolution (p. 17)... Aber wir können und wir wollen nicht warten(p. 34)... Jetzt ist keine Zeit zu langwierigen Anstalten und ewigen Borbe- reitungen— packe ein Jeder seine Habseligkeiten zusammen und mache sich eilig auf denMeg. Di- Frage, waS eS gilt, darf unS nicht mehr beschäftigen. Die ist längst abgemacht. ES gilt Re- volution machen.— Wie? Wie ein Jeder kann und versteht". (p. 39.) Die« schien mir deutlich genug. Ich bat also Karlchen Mieß- nick: Wenn eS denn nun einmal platterdings nicht ander« angeht, wenn das Volk bereit ist zur Revolution und Du ebenfalls, wenn Du denn durchau« nicht länger warten willst und kannst und nicht daS Recht hast zu warten, wenn Du Dir da« Recht zuschreibfi, den Augenblick zum Losschlagen zu wählen, und wenn eS endlich heißt: Jetzt oder nie!— nun, theucrste« Kärtchen, so.thu waS Du nicht lassen kannst, mache die Revolution noch heute und schlag den russischen Staat in tausend Trümmer, sonst richtest Du am Ende noch ein größeres Unglück an! Und wa» thut Karlchen Mießnick? Schlägt er loS? Ver» nichtet er den russischen Staat? Befteit er da« russische Volk, „dieses unglückliche Volk, von Blut strömend, mit der Dornen- kröne, angenagelt ans Kreuz der Sklaverei", wegen dessen Leiden er nicht länger warten kann? Er denkt nicht daran. Kärtchen Mießnick, mit Thränen der verlegten Unschuld im Gesicht, tritt vor die deutschen Arbeiter und sagt: Seht, wa« mrr der verworfene Engels va andichtet: ich hätte von sofortigem Losschlagen gesprochen; es handelt sich aber gar nicht davon, sondern davon, literarische Propaganda zu machen, und dieser Engels, der selbst weiter nichts macht al» literarische Propaaanda, entblödet sich nicht, sich den Anschein zu geben, al« begriffe er„nicht den Nutzen ver. literarischen Pro- paganda". Warten! Literarische Propaganda machen! Aber haben wir denn das Recht zu warten, haben wir d»s Recht, Zeil au lite- rarische Propaganda zu verschwenden? Kostet doch jede Minute, jede Stunde, um die die Revolution sich verzögert, dem Volke tausend Opfer(x. 14)! Jetzt ist keine Zeit zu literarischer Propa- ganda, die Rwolution muß jsyl gemacht werden oder vielleicht nie — wir gestatten kein Zögern und kein Zaubern. Und da sollen wir literarische Propaganda machen! O Gott und daS kann ein lebendiger Mensch lebendigen Menschen sagen, und dieser Mensch heißt Peter Tkatschoff! Hatte ich Unrecht, wenn ich jene, jetzt so schnöde verläugneten, loSschlägerischen Rovomontaden als„kindisch" bezeichnete? So kindisch sind fie, daß man glauben sollte, der V-rsasser habe in dieser Beziehung hier da« Mögliche geleistet. Und doch hat er sich selbst noch übertroffen. Der Redakteur des„Vorwärts" iheilr eine Stelle einer von Herrn Tkatschoff verfaßten Proklamation an die russischen Bauern mit. Herr Tkatschoff beschreibt darin den Zustand nach vollendeter sozialer Revolution wie folgt:„Und dann würde das Bauerlein bei Sang und Klang ein lulliges Leben anfangen... nicht kupferner Groschen, nein goldener Dukaten voll wäre seine Tasche. Allerhand Vieh würde er haben und Ge- flügel im Hof, so viel er nur wollte. Auf dem Tisch hätte er allerhand Fleisch, dazu FeiertagSkuchen, dazu süße Weine und eS würde nicht abgedeckt vom Morgen bis zum Abend. Und er äße und er tränke, soviel in den Bauch hineingeht, aber arbeiten würde er nur soviel wie ihm beliebt. Und niemand wäre da, der ihn zu zwingen wagte: geh, iß!— geh, leg Dich aus den Ofen!" Und der Mensch, der diese Proklamation zu verüben im Stande war, beschwert sich noch, wenn ich mich darauf beschränke, ihn einen grünen Gymnasiasten von seltner Unreife zu nennen! Ferner sagt Herr Tkatschoff:„Warum werfen Sie uns Kon- spirationen vor? Sollten wrr der konspirativen, geheimen, unter- irdischen Thätigkeit entsagen, so müßten wir jeder revolutionären Thätigkeit überhaupt entsagen. Sie züchtigen uns aber auch va- für, daß wir auch hier, im europäischen Westen..... von unfern koaspiratorischen Gewohnheiten nicht lassen wollen und dadurch die große internationale Arbeiterbewegung.... stören." Ersten» ist eS falsch, daß den russischen Revolutionären kein andres Mittel ble.bt als die reine Verschwörung. Hat Herr Tkatschoff doch soeben erst die Wichtigkeil der literarischen Propa- ganda, vom Ausland nach Rußland hinein, hervorgehoben! Auch im Inland kann der Weg der mündlichen Propaganda selbst unter dem Volk besonders in den Städten nie ganz verschlossen werden, was auch Herr Tkatschoff darüber zu sagen in seinem Interesse finden mag. Der beste Beweis dafür ist, daß bei den jüngsten Massenverhaftungen in Rußland nicht die Gebildeten oder Siu- denten, sondern die Arbeiter in der Mehrzahl waren. Zweiten» unternehme ich in den Mond zu fliegen, noch ehe Tkatschoff Reßland befreit, sobald dieser letztere mw nachweist, daß ich irgendwo und zu irgend einer Zeit in meiner politischen Car-' riöre mich dahin erklärt habe, daß Verschwörungen überhaupt und unter allen Umständen zu verwerfen seien. Ich unternehme ihm ein Andenken aus dem Mond zurückzubringen, sobald er mir nach- weift, daß in meinem Artikel von andern Komplotten die Rede ist, als von dem gegen die Internationale, von der„Allianz". Ja, wenn die russischen Herren Bakuuisten nur wirklich und ernst- lich gegen die russische Regierung konspirirten! Wenn sie statt, auf Lug und Trug gegen die Mitverschworenen gegründete, Schwill- delverschwörnngen wie die Netschajeff's, dieses nach Tkatschoff„iy- pischen Vertreters unsrer gegenwärtigen Jugend", statt Komplotte gegen die europäische Arberterbewegung, wie die glücklicher Weise enthüllte und damit vernichtete„Allianz", wenn sie, die„Thäter" (dejateli), wirrste sich prahlend nennen, endlich einmal eine That ljerng brächten, die den Beweis lieferte, daß sie wirtlich eine Or- ganisation besitzen und daß sie sich mrt etwas anderm beschäftigen als mit dem Versuch ein.Dutzend zu bilden! Statt dessen schreren sie, in alle Welt hinaus: Wir konspiriren,, wir konspiriren! grade wie die Verschwörer in der Oper, die vierstimmmig im Chore brüllen: Stille, stille! kein Geräusch gemacht! und daS ganze Geflunker von weitverzweigten Verschwörungen dient nur alS Deck- mantel, hinter dem sich weiter nicht« verbirgt als revolutionäre« RichtSthun gegenüber den Regierungen und ehrgeizige Klüngeleien innerhalb der revolutionären Partei. Und grave daß wir in dem„Komplott gegen die Internationale" diesen ganzen Schwindel schonungslos enthüllt, das ist es, worüber diese Herren so entrüstet sind. DaS war„taktlos". Wenn wir Herrn Bakunin enthüllten, so ssuchten wir„einen der größten und aufopferndsten Vertreter der revolutionären Epoche, rn der wir leben, zu beflecken", und zwar mit„Schmutz". Der Schmutz, der bei der Gelegenheit an den Tag stam, war bis aufs letzte Loth Herrn Bakunin'S eignes Fabrikat, und noch lange nicht sein schlimmste«. Die betreffende Schrift hat ihn noch viel zu reinlich dargestellt, Wir haben den§ 18 de« revolutionären Katechismus uur citirt, den Paragraphen, welcher vorschreibt, wie man sich gegenüber der russischen Aristokratie und Bourgeoisie zu verhalten, wie man sich«ihrer schmutzigen Geheimnisse zu bemächtigen und sie dadurch zu unfern Sklaven zu machen hat, so daß ihre Reich- thümer:c. ein unerschöpflicher Schatz und eine kostbare Stütze in allerlei Unternehmungen werden". Ww haben bisher noch nicht erzählt, wie dieser Paragraph in die Praxis übersetzt worden ist. Darüber aber wäre ein Langes und Breites zu erzählen, was seiner Zeit denn auch erzählt werden wird. ES stellt sich also heraus, daß sämmtliche Vorwürfe, die mir der Herr Tkatschoff gemacht hat, mit jener Tugendmiene der ver- letzten Unschuld, d,e allen Baknnisten so wohl ansteht, daß sie Alle aus Behauptungen beruhen, von denen er nicht nur wußte, daß sie falsch waren, sondern die er selbst erfunden, erstunken und er- logen hatte. Womit wir vom persönlichen Theil seine«„Offenen Brief«" Abschied nehmen. F. Engel». Politische Uebersicht. — Ein beliebiger Stieber schreibt an das BiSmarck'sche Leibblatt,„Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung"(d. d. 20. März): „Unsere Sozialdemokraten fühlen das Bedürfniß sich zu reor- ganistren; in den Tagen vom IS. bis zum 23. Mai d. I. soll aus Einladung von 13 sozialdemokratischen Führern, darunter die Hillen Geib, Liebknecht, Motteler, Vahlteich, Hasenclsver, Hassel- i Zeit sehr heftig mit den So,ia>demokraten liebäugelten, statt der mann u. a. ein„Congreß der Sozialvemokrate» Deutschland»", in Mitteldeutschland an einem noch näher zu bestimmenden Orte statisinren, und als Zweck desselben ist in dem betreffenden Auf rufe guSdrücklick die Lerwirklichuna der lange angekündigten Ver� einigung der Laffalleaner mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu einer elnzigen„Deutschen Arbeiterpartei" bezeichnet. Von dem Zeitpunkt de» geplanten Congresse» trennen unS noch mehr denn zwei Monate; ein langer und wecbselvoller Zeitraum, namentlich für Agitatoren, die so oft und schwer mit d-S Ge- schicke» oder vielmehr mit der gesellschaftlichen Ordnung ernsten Mächten zu kämpfen haben. ES könnte nur zu leicht geschehen, daß der»Congreß der Sozialdemokraten Deutscdland»" doch nicht zu Stande kommt, und deshalb wäre es überflüssig, an die Er- wäguog der Chancen und der Bedeutung desselben jetzt schon viele Worte zu verschwenden. Al» Thatsachc liegt indessen bereii» heute da» der Einlaenog zum Congresse beigefügte Programm der neuen Compromchpartei und der OrgaoisalionSplan derselben vor, und daran» seien zunächst einige Sätze hervorgehoben, die al» ein Zeichen der Zeit aus einige Beachtung Anspruch erheben dürfen. In dem Programm ist nämlich gesagt: „Die Arbeiterklasse wirkt für ihre Befreiung zunächst im Rahmen de» heutigen nationales Staate», sich bewußt, daß da» nothwendige Ergebniß ihre» Streben», welches den Ar- beitern aller Culturländer gemeinsam ist, die internationale Völkerverbrüderung sein wird. Ferner ist in dem Abschnitt de» Programm» über die Pro- duktivgenossenschasten„der Staatskredit" sorigesallen, dafür aber die Ausdehnung jener Genossenschaften aus den Ackerbau betont. E» heißt: „Die deussche Arbeiterpartei verlangt, um die Lösung der sozialen Frage anzubahnen, die Errichtung von Pro duktiv,jer>oflenschasleu mit StaaiShülfe unter der demokratischen Controle des aibeiienden Volke». Die Produktivzenossen- schasten stnd für Industrie- und Ackerbau in solchem Umfange rns Leben zu rufen, daß auS ihnen die sozialistische Ocga- msation der G-sammtarbeit entsteht". Während also die Sozialisten auf der einen Seite stch von dem Einflüsse der Internationale wenigsten» bis zu einem gewissen Grade lossage» zu wollen scheinen, gehen sie andererseits darauf aus, ihre Agitatron auf dem bisher noch minder kultivirten Boden hi»*« i«-i n.'Srhffom 11» tÄrrti.itm erwarteten Liebesdienste aber Fußtritte erhielten.— — Menschenhandel. Man schreibt un» auS Ostpreußen: „Der Redaction de»„Bolk»staat„ erlaube ich mir folgende» mit- zutheilen, welche» in die Oeffentlichkeit kommen und durch die Presse gegeißelt werden muß, weil e» so recht deutlich beweist, auf welcher niedrigen Stufe der so viel gepriesene Culturzustand in Preußen sich befindet. In Kaukehmen, einem ziemlich bedeutenden Kirchdorfe der Tilsiter Riederung, werden ab und zu elternlose Kinder mindestbietead verkauft. Der Käufer übernimmt natürlich die Verpflichtung, da» gekaufte Kind zu erziehen. Wie eS mit der Erziehung bestellt ist, kann stch Jeder denken, denn dasselbe wird ja nur gekaust, um eine recht billige Arbeitskraft zu haben. Damit zum Termine sich reckt viele Käufer einstellen, denn je mehr solcher da sind, desto billiger ist die Waare, wird an den Markttagen da» Ereigniß durch einen Executor öffentlich bekannt gemacht— bei un» wird e»„ausgetrommelt" ge nannt—. Der Executor geht mit der Trommel auf dem Markte herum, schlägt einen Wirbel, nach dem er dann die Bekanntmachung verliest. Ich weiß nicht, ob diese Sitte in ganz Deutschland herrscht, und stelle es daher der geehrten Redaction anHeim, von meiner Mittheilung Gebrauch zu machen. Für die Wahrheit derselben bürge ich." Ob anderwärts genau in derselben Weise der Kinderverkauf stattfindet, wissen wir nicht; aber in der einen oder anderen Form ist der Verkauf von Waisenkindern überall Sitte, und nicht blo» in Deutschland. Die Gemeindeverwaltungen zahlen für jede» Waisenkind, da» ihnen„abgenommen" wird, eine bestimmte Summe, und der„Abnehmer" kann dann mit seiner menschlichen„Waare" wie mit jeder sonstigen Waare„machen wa» er will".— um den Widerstand ihrer rebellischen Sklaven zu brechen. Man sucht durch die raffinirtesten Mittel den Arbeitern die Armen- Unterstützung zu entziehen und sie so durch Hunger zu zähmen. Bi» jetzt jedoch ohne jeden anderen Erfolg, al» daß die AuSge- sperrten nur noch eatschlosseuer geworden stnd, und daß unter der Masse de» englischen Proletariats der Glaube an die Berechtigung der heutigen EigenthumS- und Produktionsverhältnisse zusammen- schmilzt wie Schnee vor der FrühlingSsonne. der ländlichen Arbeiterbevölkerung in ein System zu bringen, und in der That sprechen mancherlei Anzeichen dafür, daß ungeachtet der trüben Erfahrungen, welche der Sozialismus auf diesem Ge- bieie im vergangenen Jahre in England gemacht hat(?), der Haupt- fchauplay de» Kampfe» gerade dahin verlegt werden soll. E» ist kaum nölhig zu bemerken, wie dringend nothwendig e» ist, der sozialistischen Propaganda auch hier bei Zeiten mit den zweckcnt- sprechenden Mitteln entgegen zu treten, da gerade im Bereiche der ländlichen Arbeit weit weniger als im Gebiete der Industrie auf die reprimirende Gewalt der Thatsachen zu rechnen ist. Fast noch bedenklicher aber als Mangel an Initiative wäre ein Ueber- wuchern der einseitigen Standpunkte, die u. A. auch im letzten Congreß der Landwirtye sich mitunter so sehr heroordrängten, daß — Das Denunzianteng es ck äst ist im Reiche der Stieber, Wagener, BiSmarcke und Conforten„ehrlich" geworden, und so kommt e» denn— und da» ist eine der schönsten Culturblüthen, die wir genannten Re.chSgründern verdanken—, baß die Herren Denunzianten, die früher sehr sorgsam ihr Licht unter den Scheffel stellten und ihre» edlen Handwerk» sich schämten, jetzt ungenirt vor die Oeffentlickkeit treten, was sonst für die niederträchtigste aller Niedertiächtigkeiten galt, al» patriotische Pflicht zu betrachten vor- geben und mit stolzem Selbstgefühl ausrufen: ich, der ehrenwerthe So und So, bin ein Denunziant. Lebt da z. B. in Coburg ein Biedermann, welcher uns— aus einer Postkarte, damit sein Ruhm nicht unter dem, freilich sehr unsicheren Siegel de» Briefgeheim- nisse» zu leiden habe— mit nachstehendem Erguß seiner schönen Seele beglückte: „Die Coburger Correspondenzen der Nummern 26, 3l und 34 des„Volksstaat" beschäftigen sich wiederholt und in» Einzelne gehend mit angeblichen Borkommnissen bei dem hiesigen Bataillon. Die betreffenden Nummern Ihre» Blattes habe ich mir erlaubt, heute dem wohllöbl. BataillonS-Commando zur Kennmißnahme zu übersenden. Ich theile Ihnen dieS mit. weil ich das häßliche Wort: De- nunziant wie den fis' scheue(?!) und nehme die Gelegenheit wahr, — Das englische Parlament übt zwar nur eine verwerf- liche Klassenherrschaft au», allein e» fühlt und benimmt stch wenig- sten» al» Herr im Lande, während der deutsche Reichstag einer ebenso verwerflichen Klassenherrschaft fröhnt, dabei aber dem Hohen- zoller'schen Kaiser und Bismarck gegenüber eine Bedientenrolle spielt. So sah stch vor einigen Tagen der Sprecher(Präsident) des Unterhauses veranlaßt, einen Redner zur Ordnung zu rufen, weil derselbe behauptete, daß der Gehorsam, welchen ein englischer Unterthan der Königin schulde, ein unbe- dingter sei. Diese Ansicht wurde von dem Sprecher als der euglsschen Constitution zuwider gerügt, da in früheren Zeiten bereits Redner wegen der Aufstellung diese» Grund- satze» im Hause und außerhalb desselben vom Parlamente in den Tower(Thurm— das berühmte alte StaatSgefängniß) ge- schickt worden waren. Hätte der Spreckel im Berliner Reichstag diese hochverrätherische Ansicht entwickelt, so wäre er seinerseits von einem beliebigen Bennigsen oder Forckenbeck zur Ordnung gerufen worden. Leipzig, den 3 l. März. Morgen, am I.April, kehrt Bebel in unsere Mitte zurück. Willkommen! beinahe die g-sammte liberale Presse ohne Rücksicklnahme auf diel�™1 memen etwas altbackenen Dank auszusprechen, daß Sie mich mannigfachen.nstrukliven und wissenSwerthen Darlegungen in denZi- Z--mmal al« em g.ft.geS, namenloses Reptil"- mum Verhandlungen jenes Congr-ss-S den Stab über ihn bricht. Aller-«meat.s amici!*)— Ihrem an Reptilomauie letdenden Lelerkrets dings sind diese Lichtpunkte in den Congreßdebatten so vereinzelt_____ Ergebenst und tn einem Wust mitunter gar nicht zur Sache gehörender Er örterungen vergraben, daß nur eine sorgsäliige Sichtung des Wa terials dieselben zu ergründen und in ihrem Werthe zu erfassen vermag. Unter allen Umständen ist daS Programm für den„Congreß der Sozialdemokraten Deutschlands" ein Ruf zur Wachsamkeit, und die zunächst Betheiligten mögen zusehen, daß er nicht unge- hört verhalle. Die sozialdemokratische Agitation ist in mancher Hinsicht behutsamer geworden: sie verleugnet die Internationale, sie verzicktet aus den Staatskredit, und sie hat die progressive Erb- schaslssleuer von ihrem Programm gestrichen; aber sie ist damit � nicht minder expansiv und gefährlich, und eS ist eher noch ehr Appell an verdoppelte Vorsicht, als eine Ermuthigung zum Ge-i währet! lassen, wenn einzelne Organe der Demokratie im AUgs- weinen mit den sozialistischen Vetlern verschämte Liebesblicke zu tauschen beginnen." So das Oberreptil. Wa» dasselbe über den Programment-j Wurf denkt und sagt, ist ganz gleichgültig. Bedeuten wollen wir ihm bloß, daß eS mit seinem Schluß, wir wollten un» bis zu Coburg, den 2b. März 1874. Ferdinand Sckeller." Wohl belomms, Herr Scheller! Vielleicht setzt's einen Orden.— einem gewissen Punkt von dem Einflasse der Internationale los sagen, vollständig auf dem Holzweg ist. Der angezogene PassuS des Programmentwurs» soll ebenso wenig eine Verleugnung des internationalen Prinzips als eine Anerkennung de» nationalen Prinzip», oder gar jener elenden Lügengeburt sein, welche man Uns heut unter der Etikette:„nationaler Staat" aufzutischen pflegt. Laßt der Woitlaut des betreffenden PassuS eine solche Auffassung iu, dann wird der Congreß für eine bessere Formulirung zu sorgen haben. . Was endlich die Drohungen in obigem Erguß angeht, so tst die Sache sehr einfach: Stieber und Consorten thun was sie nicht lassen können. Und wir Sozialdemokraten thun desgleichen. — Kaiser'« Geburtstag will als„nationaler Festtag" 'bensowenig ziehen wie der Sevanstag. Offizielle Festessen der DrdenSbedürftigen. fckwarzweiße Fahnen, die aus Schaam Uber chie vereinsamte Existenz roth angelaufen sind— da» ist„Kaisers Geburtstag". Da« Proletariat aber hat in den„Märztagen" der Kämpfer von 1848 gedacht und der Helden von 1871, der Helden der Pariser Commune— und aus der Vergangenheit hat eS den Blick in die Zukunft gericktet, in die Zukunft, �ie uns gehört.-- Al» freudige Osterbotschaft ist in die Welt Leklungen, daß zwanzig der zum Tod durch die trockene Gouillotine �ermtheilten Communarden auS Neukaledonien entflohen sind Uvd stch außerhalb des Bereichs ihrer Henker befinden. — Arbeiterfreundlichkeit der preußischen Regierung. Neuerdings ist Würtemberg bei den Berliner Machthabern in Un- jtoade gefallen, weil die Stuttgarter Centralstelle sür Handel und Gewerbe bei der vom ReichSkanzleramt angeordneten Eng u Sie Uber Frauen- und Kinderarbeit gemeint hat, e» sei doch bfvhl ersprießlich, außer Arbeitgebern auch Arbeitnehmer, in �chtigcrem Deutsch: Arbeiter, zu hören und stch deshalb an den �zialdemokratischen Arbeiterverein um ein Gutachten ge- 'Uandt hat. ..»So sind also, zischt ein Reptilienblatt, diese rothen Reichs- 'outde nicht bloß geduldet, sondern anerkannt al» ein berechtigter Jsutzlicher Verein, bei dem sich die Regierung sogar in wichtigen 'fragen Raths erdolt." Entsetzlich! Namentliq in den Augen ou Subjekten ä la Wagener und Consorten, die vor nicht langer M — Fabrikantenkniffe. Man schreibt unS aaS Mannheim: Anbei überschicken wir Jynen ein interessantes Aktenstück. ES haben sich nämlich die verichiedenen Arbeitgeber unseres Fachs in Mannheim und andern Orten verbündet und das beisolgeude Zeugniß ausgestellt, welches ein Mittel zur Fesselung ihrer Arbeiter sein soll, wie Sie gleich ersehen werden. W.r kleben eins hier an: Zeugniß. Der Formstecher......(folgt Namen) von......(folgt Wohnort) stand vom......(Datum der Cintrittszeit) bis......(Datum der AuStrittSzeit) bei mir/unS in Arbeit. (Raum für besondere Bemerkungen.) Lohn per Tag Mrk. Pf. Mannheim den.....(Datum deS Austritts). (Hier Stempel des Arbeitgebers.) Der Schwerpunkt dieses Zeugnisses liegt darin, daß die Lohn höhe, welche dem Austretenden auf seinem Schein vermerkt wird, von dem Mitglieds de» Bunde», bei dem der Ausgetretene wieder in Arbeit tritt, sechs Wochen lang nicht überschriten werden darf bei Strafe einer bedeutenden Summe Geldes— so viel wir wissen über hundert Gulden!— W eniger zu zahlen, als auf dem Zeugniß steht, ist jedoch jedem der Arbeitgeber erlaubt. Hier sind die Fabrikanten Büß, ferner Sachs und Schuhmacher(die einzigen Geschäfte hier, die größten auf weit und breit) ia dieser Verbtnduug. Man steht, die Ar beitSbücher brauche» nicht eingeführt zu werden, wir haben sie schon. — Edle Rache. Sonnabend vor 8 Tage wurde in der Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eisenbahnbedarf(früher Pflug in Berlin) die Liquidation dieser bedeutenden Gesellschaft, die zur Zeit ihrer größten Blüthe wohl an LOOV Arbeiter beschäftigte, mit 1432 gegen 486 Stimmen be- schlössen. Zum Liquidator wurde unter Anderm ernannt Re- giernngSrath von Unruh, früher Director derselben Gesellschaft mit ca. 12,0VV THlr. Iahresgehalt und bekannt als steuerverweigernder (aber fieuerzahlend er) Präsident der Nationalversammlung von 1843, seitdem rabiater Nationalliberaler. Folgender interessanter PassuS au» dem Bericht der Generalversammlung möge hier folgen: „Die gegen die Auflösung auftretenden Aktionäre konnten nur den humanen Standpunkt den Arbeitern gegenüber und die Pietät sür da» ehrwürdige Geschäft betonen; jedoch im Hinblick aus den vor 2 Jahren stattgehabten Strike der Arbeiter, welcher, mehrere Monate dauernd, den ersten Anstoß zu Liquida- tionSanträgeu gab» und unter Berücksichtigung der Thatfache, daß die Waggonbauindustrie jetzt in Berlin nicht mehr natürwüchstg sei, beschloß die Generalversammlung die Liquidation." Daß die KristS, eine Frucht der heutigen anarchischen Produktionsweise, den unschuldigen Arbeiter schädigt, ist nicht genug— auch seine früheren sogenannten„Sünden", nämlich die Versuche, seine Lage zu verbessern, werden ihm jetzt höhnisch in Form von Aussperrung und Entlassung unter die Nase gerieben. Man wird's zu dem Uebrigen schreiben. — Die Auasperrung in SüdwaleS dauert fort, und setzen die Herreu Grubenbesitzer Himmel und Hölle in Bewegung, *) Könnt Ihr da« Lachen verbeißen, Freunde? Entwurf rineö Gesetzes über die gegeuseitiaen HülfSkaffru. Z 1. Hülfskassen, welche die gegenseitige Unterstützung für den Fall der Krankheit oder für den Fall deS Tode» ihrer Mitglieder oder für beide Fälle zugleich bezwecken, erhalten die Rechte einer anerkannten Hülsstasse nach Maßgabe diese» Gesetzes unter den nachstehend angegebenen Bedingungen. Z 2. Die Kasse hat einen Namen anzunehmen, welcher von dem aller anderen an dem nämlichen Orte befindlichen Hülfskassen verschieren ist und die zusätzliche Bezeichnung:„Anerkannte Hüls»- lasse", enthält. § 3. Das Statut der Kasse muß Bestimmung treffen: 1) über Namen, Sitz und Zweck der Kasse; 2) über den Bettritt und Austritt der Mitglieder; 3) über die Höhe der Beiträge, welche für die Unterstützung auf den Krankheitsfall, sowie für vi- Unterstützung aus den Sterbefall von den Mitgliedern zu cnte richten sind, und, fall» die Arbeitgeber der Letzteren Zuschüsse zu leisten haben, über deren Höhe; 4) über die Berechnung der Ab- findung, welche ausscheidenden Mitgliedern zu leisten ist; ö) über die Voraussetzungen, die Art und den Umfang der Unlerstüyun- gen; 6) über die Grundsätze, nach welchen die Kosten der Ver- waltung auf die Ausgaben für den Krankheitsfall und auf die für den Slerbefall zu verrechnen sind; 7) über die Bildung eines Vorstände», die Vertretung der mit Zuschüssen betheiligten Arbeit- geber in demselben, sowie über die Stimmberechtigung der mit Zuschüssen betheiligten Arbeitgeber; 3) über die Abänderung de» Statuts. 10) über die Verwendung des Kassenvermögens im Falle der Auflösung ooer Schließung der Kasse. Da» Statut darf keine den Borschriften che» Gesetze» zuwider- laufende B-stimmung enthalten. Z 4. Da« Statut ist in doppelter Ausfertigung der höheren Verwaltungsbehörde einzureichen. Diese hat, wenn den gesetzlichen Anforderungen genügt ist, eine Ausfertigung, versehen mit dem Vermerke der Anerkennung, zurückzugeben, und daß die Anerkennung der Kasse erfolgt ist, in dem sür die Bekanntmachung der Aufsichtsbehörde der Kasse be- stimmten Blatte auf Kosten der Kasse unverzüglich zu ver- öffentlichen. Erachtet sie die gesetzlichen Ansorderungen nicht für erfüllt, so hat sie dieses, unter Mittheilung der Gründe, zu eröffnen. Abänderungen dieses Statuts unterliegen den gleichen Vor- schriften. Z 5. Die anerkannte Kasse hat die Rechte einer juristischen Person. Ihr ordentlicher Gerichtsstand�ist bei dem Gerichte, in dessen Bezirk sie ihren Sitz hat. § 6. Der Beitritt der Mitglieder erfolgt mittelst schriftlicher Erklärung oder durch Unterzeichnung deS Statut». Der Beitritt darf von der Betheiligung an anderen Anstalten oder Vereinen nicht abhängig gemacht und Niemandem versagt werden, der den Bestimmungen deS Statuts genügt. Eintrittsgelder dürfen daS Doppelte des auf eine Woche ent- fallenden niedrigsten Mitglied erb eitrage» nicht überschreiten. § 7. DaS Recht auf Unterstützung auS der Kasse beginnt für Mitglieder, die bereits einer anerkannten Kasse ein Jahr hindurch angehört und deren Mitgliedschaft noch nicht länger als drei Monate aufgegeben haben, mit dem Zeitpunkte de» Beitritts zur Kasse, für alle übrigen Mitglieder spätesten» mit dem Ablaufe der vierten auf den Beitrit folgenden Woche. § 8. Die Mitglieder sind der Kasse gegenüber lediglich zu den auf Grund diese«.Gesetzes und deS Statut« festgestellten Bei- trägen verpflichtet. Nach Maßgabe de« Geschlecht«, des Gesundheitszustände» und Lebensalter» der Beitretende» darf die Höhe der Beiträge ver- schieden bemessen werden. Die Einricktung von Mitgliederklassen mit verschiedenen Bei- ttagS- und Unterstützungssätzen ist zulässig. Im U-brigen müssen die Beiträge unv Unterstützungen für alle Mitglieder nach gleichen Grundsätzen abgemessen sein. § 9. Arbeitgebern, welche für ihre Arbeiter die Beiträge vor- schießen, steht daS Recht zu, die letzteren bei der dem Fälligkeit»- tage zunächst vorausgehenden ooer bei einer diesem Tage folgenden Lohnzahlung in Anrechnung zu bringen. § 10. Der Anspruch auf Unterstützung kann mit rechtlicher Wirkung weder übertragen noch verpfändet werden. Die Unterstützung kann nicht Gegenstand der Beschlagnahme sein.— § 11. Die Unterstützungen müssen mindesten» erreichen: auf den Krankheitsfall den halben Betrag de» täglichen Arbeitslöhne» für jeden Tag der Dauer der Krankheit, soweit die Dauer der- selben 26 Wochen nicht übersteigt, auf den Sterbesall den vollen Betrag des täglichen Arbeitslohnes für jeden der auf den Sterbe- tag folgenden 21 Tage. Als täglicher Arbeitslohn gilt, wenn die Beiträge der Mit- glieder nach der Höhe des verdienten Arbeitslohnes bestimmt sind, der von diesen»ach Ausweis der Kassenbücher im Durchschnitt de» letzten M»natS bezogene Lohn, andernfalls der an dem Orte, wo die Kaffe ihren Sitz hat, nach dem Urtheile der AufstchtSbcdiirde von Arbeitern derjenigen Klassen, für welche die Kasse bestimmt ist, durchschnittlich verdiente Lohn. Auf den gesetzlichen Betrag der Unterstiltzungcn, jedoch höchsten» biS zu zwei Drittheilen desselben, darf die Gewährung der ärzt- lichen Behandlung und der Arzneien, sowie der Verpflegung in einem Krankenhause angerechnet werden. tz 12. Die Unterstützungen dürfen da» Doppelte der im§ 11 bestimmten Höhe und Dauer nicht überschreiten. Abgesehen von den Kosten der Verwaltung dürfen zu anderen Zwecken al« den in§ 11 bezeichneten Unterstützungen weder Bei- träge von den Mitglredern erhoben werden, noch Verwendungen auS dem Vermögen der Kasse erfolgen. § 13. Eine Ermäßigung der Beiträge oder eine Erhöhung der Unterstützungen bedarf für Kassen, in Ansehung derer eine Ein- trittSpflicht gewerblicher Arbeiter begründet ist, der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Eine Erhöhung der Beträge oder eine Ermäßigung der Unter- stützungen bis auf den gesetzlich be st mten Betrag kann die Auf- sichttbehörde in diesen Kassen nach Anhörung der Generalversamm- lung verfügen, wenn die Kassen mit der Zahlung fälliger Unter- stützungen sechs Wochen im Rückstände sind. Rückständige Zahlungen von Mitgliedern und deren Arbeit- geberu können für diese Kassen, unter Vorbehalt richterlicher Eni- fcheidung, im Verwaltungswege eingezogen werden. § 14. Unter Beobachtung der durch da« Statut vorgefchrie- benen Formen au» der Kasse auszutreten, ist keinem Mitgliede verwehrt. Die für gewerbliche Arbeiter bestehende Pflicht, in eine HülfS- lasse einzutreten, wird hierdurch nicht berührt. § IS. Ausscheidenden Mitgliedern, welche einer Kasse S Jahre ununterbrochen angehört haben, muß, sofern durch das Statut die regelmäßige Ansammlung einer Reserve auS den Beiträgen der Mitglieder bestimmt ist, eine Abfindung gewährt werden, welche mindestens zwei Drittheile deSZ auS ihren Beiträgen der Reserve zugeflossenen und biS zu ihrem Austritte noch nicht als ausgezehrt zu verrechnenden Betrages ausmacht. tz 16. Jede Kasse muß einen Vorstand haben. Die Wahl dessetben steht der Generalversammlung zu. Die Kasse wird durch den Vorstand gerichtlich und außer- gerichtlich vertreten. Seine Besugniß zur Vertretung der Kasse er- streckt stch auck aus diejenigen Geschäfte und Rechtshandlungen, für welche nach den Gesetzen eine Spezialmacht erforderlich ist. Arbeitgeber, welche Zuschüsse zu den Kassen leisten, haben An- spruch auf Vertretung im Vorstande. Mehr als die Hälfte der Stimmen darf ihnen im Vorstande nicht eingeräumt werden. Z 17. Die Zusammensetzung des Vorstandes ist in dem in § 4 bezeichneten Blatte bekannt zu machen. Bevor dies geschehen ist, kann eine in der Zusammensetzung eingetretene Aenderung dritten Personen nur dann entgegengesetzt werden, wenn bewiesen wird, daß sie letztere» bekannt war.(Schluß folgt.) Gewerksgenossenschaftliches. Metallarbeitergewerksgenossenschaft. Leipzig-Selkerhausen. Aufruf an die Partei-, Gewerks- und > Gesinnungsgenossen! Wie schon in Nr. 29 und 3S de»„VolkS- staat" mitgetheilt wurde, ist es zwischen dem Fabrikanten Vogel uud dessen Arbeitern zum Kampfe gekommen. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Die Arbeiter der Vogel'schen Maschinenfabrik hatten schon mehrere Jahre hindurch den zehnstündigen Rormal- arbeitStag und hielten ihn auch fest, trotzdem mehrfache Versuche gemacht worden waren, die elsstündige Arbeitszeit einzuführen. Gleich nach Weihnachten im vergangenen Jahre wurden die Ar- deiter mit einer Lohnreduction von IS Prozent beglückt, der frühere Lohnsatz sollte jedoch wieder eingeführt werden, sobald sich die Ge- schäste einigermaßen besser gestalteten. Am S. März stellte Herr Vogel an seine Arbeiter abermals daS Verlangen, von früh Va 7 Uhr bis AbeudS 7 Uhr zu arbeiten. In Folge dessen wurde eine Versammlung von den Arbeitern ab- gehalten und wählte mau in derselben ein Comitö, bestehend aus 12 Mann, welche» mit Herrn Vogel im Namen der Arbeiter unterhandeln sollte. Im Allgemeinen war man der Ansicht, die neue Maßregel ginge nicht von Herrn Vogel sondern von dem neuen Direktor aus.(Nebenbei gesagt, ist der frühere Prokurist Herrn Vogel mit 240,000 Reichsmark durchgebrannt). Am IS. März begab stch da» Comilö zu Herrn Vogel uud drückte sein Erstaunen auS, daß die Arbeitszeit in einer Periode der größten GeschäftSflaue, verlängert werden solle. Herr Vogel äußerte sich daraus:»Sie sind alle Aufwiegler und Sie können sofort die Fabrik verlassen; ich arbeite jetzt nur auf Lager und kann erst zum Herbst auf Absatz rechnen." Als hierauf das Comitö fragte, ob er nicht von feiner Forderung abstehen wolle, erklärte Hr. Vogel: »Ich nehme nichts zurück; meinetwegen könnt Ihr heute alle auf- hören, denn ich habe nicht» als Aerger." Alle Gegenvorstellungen blieben ohne Erfolg und so kündigte denn das Comitö an, daß fämmtliche Arbeiter Sonnabend den 19. März die Arbeit nieder- legen würden. Nur die Former sollten, wie früher, 10 Stunden arbeiten. Leider sind viele der Arbeiter wieder wankelmüthig ge- worden, und von den 200 Arbeitern stellten am 19. März nur S0 die Arbeit ein. Die Strikenden sind als Gemaßregelte zu be- trachten, da sie die berüchtigten Entlassungsscheine erhielten, durch welche sie wo ander« von jeder Arbeit ausgeschlossen werden. Die« ist der Sachverhalt. Collegeu, Arbeiter! Wir fordern Euch auf, die strikenden S0 Arbeiter nach Kräften zu unterstützen; es sind fast nur Verheirathele. Zeigen wir, daß wir Brüder sind, und daß wir einstehen Alle für Einen und Einer für Alle. Alle Gelder wolle man senden an R. Ludwig, Leipzig, Bayrische Straße 9 e, 4 Treppen. Quittung über eingelaufene und verausgabte Gelder wird im »Volksstaat",„Neuen Sozialdemokrat" und in der„Union" er- folgen. Alle Parteiblätter werden ersucht von Obigem Notiz zu nehmen. DaS Strike-Comitö: Wickler. Fölk. Kautzsch. als Kassirer gewählt. Unsere Versammlungen:c. finden bei K. �rehm, Kleine Kloster straße 16, statt. Reisende Collezen finden hier freundliche Aufnahme und wird ev. Arbeit nachge- wiesen.„BolkSstaat" ,c. liegt auS. Habermann und Hildebrandt. Berein der deutsche» Steinmetzen. Mremen. In Folge gemeinsamer Vereinbarung der hier ar- bettenden Gesellen resp. BereinSmitglieder beschlossen wir, unseren hiesigen Arbeitgebern ei»e unseren hiesigen Verhältnissen ange- messene Lohn- und Akkord-S»ala zu unterbreiten; doch bevor dies geschah, sandten wir nachsteyeodcS Antwort-Schreiben an jeden einzelnen Ardeitgeber:„Geehrter Herr! Sie werden gütigst ent- schuldigen, daß wir un«, allerdings iu einer ungünstigen Zeit, in dieser Angelegenheit an Sie wenden. Jedoch zwingen uns die immer mehr im Preise steigenden Lebensbedürfnisse dazu. Als- dann ist Ihnen bekannt, daß es stets Sitte und Gebrauch in unserem Beruf gewesen ist, daß die Gesellen, ebenso die Herren Meister einen Tarif besäße», woraus erstere ersehen können, waS sie für daS in Arbeit habende Stück bekommen, resp. wie sie be- rechnen können. Da nun dieses hier der Fall nicht ist, so erhalten wir stets von den hier zureisenden Fremden Vorwürfe. Hoffent- lich wird unser immerhin bescheidenes Verlangen bei den Herren Meistern Billigung finden, zumal Sic doch wissen, daß der Stein, welchen wir verarbeiten, nicht nur unsere Kräfte ausS höchste in Anspruch nimmt, sondern daß wir auch in der schönsten Blüthe der Jahre schon dem Siechlhum verfallen, waS in Bremen hundertfältig bewiesen ist. ES ist kaum glaublich, daß unsere kranken Collegen hier in Bremen im Jahre 1374 über S00 Thlr. Krankengeld(die Durch- schnittSzahl der beschäsligten Collegen betrug 3S) bezogen haben, ohne das Sterbegeld. Wie mancher Familienvater wird hier durch i diese traurige Provuklionsweise, die den frühen Tod zur Folge hat, zu früh von Gattin und Kind gerissen, die dann dem Hunger "und der Noth preisgegeben sind. Man könnte verzweifeln, wenn man über die Zukunft nachdenkt. Blicken Sie einige Jahre in die Vergangenheit zurück, so werden Sie das hier so eben Ange- führte bestätigt finden. Um nun unser Leben etwas zu verlängern, und dem Körper die ihm gebührende Nahrung geben zu können,! wenden wir uns mit der Brtte an die Herren Steinhauermeister Bremens, über eine Lohnaufbesserung, die wir für durchaus noth- wendig erachten, sich mit uns in Güte zu vereinigen, und ersuchen wir Sie freundlichst, uns bis Ende Februar Antwort zugehen zu lassen, ob Sie der Einsendung eines betreffenden Tarifs entgegen sehen, oder ob sie die Feststellung deffclben einer beiderseitig gewählten Commission zu überlassen gedenken. Die Antwort wolle man gefälligst an rc.— senden." Auf obiges Schriftstück hin verlangten die Herren Meister schon am 11. Februar unfern Tarif und bemerkten, sie wallten uns in 8 Tagen Antwort geben, ob sie denselben acceptiren könnten. Sie sagten weiter, eS wäre ganz gut, daß Mr unsere Lage verbessern wollten, aber wir sollten doch auch sehen, daß wir die Steinbrüche mit zu unserem Verein gewinnen könnten u. s. w.— Aus dieses liberale Zugeständniß hin sahen wir tagtäglich der Stunde entgegen, wo eine beiderseitige Ausgleichung stattfinden sollte. Aber wir sollten bitter enttäuscht werden. Am 6. März haben die Arbeitgeber auf ihren Plätzen jedem Platzältesten einen selbstangefertigten Tarif mit der Bemerkung Übergeben:„Ich wünsche, daS Sie diesen Tarif ihren Collegen unterbreiten und mir den- selben den 13. März wieder retour geben; wer sich bi« dahin zur Annahme desselben nicht auf selbigem mit Namensunterschrift ver- 'pflichtet hat, dem ist von heute, dem 6. März biS zu 14 Tagen, !die Arbeit gekündigt." Hier sei nun kurz erwähnt, daß alle Post- tionen derart von den früheren Sätzen abweichen, daß man nicht weiß, waS man dazu sagen soll. Zu gleicher Zeit sind dem Tarif Ordnungsregeln beigedruckl, daß man wirklich zu glauben versucht ist, da» Material dazu stamme auS Neu-Caledonien, oder sonst einem Verbannungsorte her. Als nun dem zu Folge am 13. d. M. den„Herren" platzweise die Tarife ohne Unterschristen der Gesellen zurückgegeben wurden, decretirten sie uns den Arbeits- ausschluß mit dem Verlangen, entweder aus dem Vereine auszu- treten oder zum 20. d. M. die Arbeit zu verlassen. Collegen! Das letztere ist geschehen, wir stehen, wie Euch ja bekannt, als treue Vereinsmitglieder fest, lieber wollen wir diesem traurigen Beruf Batet sagen, als uns dieser despotischen Diktatur fügen. Ihr sehet, daß wir alle Harmoniesegel ausgespannt hatten, doch erfolglos. Wir erwarten daher, daß der Zuzug streng fern gehalten wird, und das Ihr unS in gewohnter Weise zur Seite steht, um diesen Herren zu zeigen, daß wir noch nrcht zur willen- losen Waare herabgewürdigt sind. Im Auftrage der Mitglieder zeichnet mit Brudergruß W. Kink, Bevollmächtigter, Buschstraße Nr. 21 bei BartenS. Unterstützungen wolle man an unseren OrtSkasstrer Herrn Stervecke, Landwehrstr. Nr. 30, senden. Anzeigen 2e» Literarischer Verein. Sonntag, den 4. April, Borm. 10 Uhr bei Weber: Monatsversammlung. Zahlreichen Besuch, besonder« der Restanten erwartet Der Ausschuß.[50] hMatflähna-n Samstag, den 3. April, Abend« 8 Uhr im oberen Saal zu den 3 Königen: Papulär- wissenschaftliche Vorlesung über den Stand der Natnrwifieoschast und deren Einfluß aus die Kultur und die Entwicklung de« Staate«. Eintritt frei. Meine SefinnungSgenoffen find hierzu eingeladen. ____ A. Keim.[70) Metallarbeiter- Gewerkschaft. Ovlilll Sonnabend, den 3. April: Monatsversammlung im Kaffee Macke, Auguftstr. 80. Tagesordnung: 1) Kassen- und Revifion«- bericht. 2) Berathung der Krankenkassenstatuten. Neue Mitglieder werden anfgenommen._ Der Bevollmächtigte.[50] Hamliurg Allgemeiner deutscher Schneidervereiu. Magdeburg, 24. März. Am 15. März fand hier eine Ver- sammlung der Schneider statt, in der Ludolph und Holz- Häuser au« Braunschweig und Habermann von hier als Re° ferenten auftraten. Es constituirte sich eine Mitgliedschaft de« Allgemeinen deutschen Schneidervereins. Am solgenben Montag (22. März.) wurde Habermänn(RothckrcbSstraße 37, Hof, pari) al« Bevollmächtigter und Hildebrandt(Kl. Klosterstraße 16 pari) vriefknftr« der Redaktion: An H. N. M. und viele Andere: Den Empfang von Gedichten können wir nicht quittiren— die Arbeit wäre zu groß; Brauch- bare» wird verwandt.— H. S. in L.: Ich verlasse mich aus Ihre Zu- sage und behandle deshalb die Sache nur ganz kurz— die berr. Notiz ist natürlich vom StaalSwaschweib Blind.— A. M. iu Fr.: Artikel erwünscht, aber möglichst kurz.— P. K. in Mannheim: Angekommen. der Expedition: S. Arb.-Bcr. Basel: Die gewünschten Gesangsstimmen siud nur mit frz. Originaltext hier zu haben. Quittung. der Expedition: Bon Krschnr Pest Schr. 3.00. Krgr FloriSdorf Ab. 5.10. Arb.-Bild.-Ber. WelS Ab. 5.10. Mllr hier Ab. 24.00. Schmdt Bischoftgrün Schr. 0.75. Mller i. Kalk Ann. 0.60. Effg Pforzbeim Schr. 24.00. H. Kr« München Ab. 105.00. A. Trtmn Berlin Abonn. 97.45. Eon» Dresden Schr. 6.00. Arb.-Ver. Gohlis Ann. 4.45. H. F. W. Schltz Hamburg Ab. 130,00; Schr. 70.00. Klmr Schliersee Ab. 2.60. Arb.-Ver. Thonberg Ann. 1.20. Ldwg hier Schr. 0.90. Prspch hier Ab. 1.20. Zpk Breslau Ab. 22.35. Wnklr Gößnitz Ab. 11.20. Pstr Neutitschein Ab. 3.67. E. Schmdt Römerstadt Ab. u. Schr. 14.69. A. R. Manche Ab. 3.b0. Sktjn Wien Ab. 39.49. Lngdrs Barmen Schr. 5.60. Ncl Mllhlhausen Schr. 0.35 Pitt Gohlis Ab. 34.80. Hrzm Wien Schr. 3 00. Metallarb.-Gew. hier Ann. 3.70. Ldwg hier Ann. 1.00. Fr. Ksmnn Hannover Ab. 41.00. Rchtr Ocderan Schr. 1.05. Wrbk Oderbojanowitz Ab. 4.80. Hntrmr. Wiesbaden Ab. 18.60. Schr. 3.22. Wbr Pforzheim Ab. 0.50. Ag. Zr Bielefeld Schr. 0.60. Ptrsn Heide Ann. 5.15. Schldbch hier Ab. 1.80._ zKlAt-ftit Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 3. April, Abend» halb 9 Uhr, Andrea»- straße 26 bei Gittel Bersammlung. Sonntag, den 4. April, Nachmittag« 3 Uhr im Versammlungslokal Vorstaudssitzung. TageSordn.: Abrechnung. Die Borstands-Mit- glieder müssen ohne Ausnahme am Platze sein. Sonnabend, den 10. April, Generalversammlung. G. Lemke, Prinzenstr. 2, vorn 4 Tr.[80] ßTriitt Sonntag, den 4. April, Morgens halb 11 Uhr im Lokale stA-ßlst» de« Herrn Weber, Körnergasse 36: Oeffentliche Schreinerversammlung. Tagesordnung: l) Die Generalversammlung de- hiesigen Tischler- Meister und deren Beschlüsse. 2) Die Lohnfrage für 1875. Alle Tischlergesellen ladet hierzu ergebenst ein Im Austroge de» Fachverein« der Tischler: _ Der Vorst« n d.[30] Stt n(»( t S Arbeiterverein. Montag, den 5. Aprit I8<5, Avends Punkt halb 9 Uhr: Bersammlung bei Kautzsch. Da« Erscheineu Aller ist nothwendig. _____ Der Borstand.[40] Sozialdemokratischer Arbeiterverein. �/UlUUUl'l) Sonnabend, den 3. April, Abend« 9 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Cludsaal de» Eonvemgarten«, neust. Fuhlentwiete.— Tagesordnung: Die Organisation der deutschen Arbeiterpartei. Die Mitgliedskarten sind vorzuzeigen._ Peter.[50] Verband der Klempner und verwandter Berussgenossen. Sonnabend, den 3. April, Abend« bald 9 Uhr: Geschlossene Mitgliederversammlnng Hohe Bleichen Nr. 80(Stadt Kiel).— Tagesordnung: 1) Anträge zur Generalversammlung. 2) Innere BereinSangelegenheiien. Stoffel, Bevollmächtigter.[80] � I W I? Sonntag, den 4. April, Borm. 10 Uhr AiVIll-lV Lokal de» Wirths Meurer iu Kalk: Grosse Volksversammlung. Tagesordnung: Die GeschäftSkrzse und deren Folgen. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ P, Müller.[60] Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 3. April: Versammlung Wind» mühlenstraße 7. Tagesordnung: Soziale Runcschau, Ref. Winter. Aufnahme neuer Mitglieder.— Alle Sieuerrestanten weiden aufgefordert, dieselben zu entrichlen und haben bei Nichtzablen dieselben sich die Nach- theile selbst zuzuschreiben._' D. Borst.: H. Schisfel. s60] {foilmft~ Kürschnerversammlung Sonntag, den 4. April, Bormiltag« halb 11 Uhr im Saale de» Arbeiterbildungsvcreilis, Ritterstr. 43, wozu alle Eollegen freundlichst eingeladen werden. TageSordn.: 1) Die GewerkschaftSbewe- gung und der Normalarbeitstag. 2) Berathung über ein Kürschnerfest. Der Berbandsvorstaud.[601 ftivilävlrt Gewerkschaft der Metallarbeiter. Montag, den 5. April: Bersammlung bei Fröhlich, Niko- laistraße 38. Tagesordnung: 1) Kassenbericht. 2) Berich! der Eom- misstzu über Statuteuberathung.__[40] Ort« in»tri Allgemeiner deutscher Schneidervereiu. Montag, den 5. April, Abend« 8 Upr: Versammluug bei Jakob, Peter« str. 15(goldner Arm).— Tagesordnung: t) Bortrag von Herrn Dr. H. über Gesundheitspflege. 2) Wichtige Angelegenheiten und Fragekasten.— Gäste willkommen. Mit dieser Sitzung Schluß der Quartalsabrechnung; die« den Resti- renden zur Nachricht._[70] Ueuschönefeld u. Amg. Arbeiterverein. Montag, de» 5. April, Abends 3 Uhr: Oeffentliche Mitgliederversammlung im Bergschlößcheu. TageSordn.: 1) Borlrag. 2) Diskussion. Gäste willkommen. Um zahlreiche» Erscheinen bittet__ Der Borstand.[50> Meine Wohnung ist von jetzt ab Laugestraße 47, 4 Tr., wohin Privatbriese zn richten find; da« GeschästSlokal befindet stch Heinrichs- straße in Reudnitz. Bestellungen find niederzulegen bei Hrn. Kauf- mann Renker, HohmannShof._ A. Bebel.[100] Steinmetzen-Gesuch. Es können 2 gute solide Arbeiter in Grabsteine und Monumente, der eine in Granit, der andere in Sandstein, vie selbstständig und gut nach Zeichnungen arbeiten, dauernde Arbeite und hohen Lohn erhalten bei$. F. Petersen, Steinmetz.[1,75] Heide, Schleswig-Holsteiu_(3a)_ Fond f pol.«emaßrcgelte. Bon W. Bng. Berlin 3,00; von Arbeiiern der Täubnerschen Offizin hier d. E. 4,75; A. R. iu Ät. 2.50: H. F. Berlin 6,00; durch F. Trst Kleinzschocher 3,00; Ptrsn in Heide 0,85._ GenosseuschaftSkmchdruckerei. Antbeilscheine bez. Antheitquittungen erhielten ferner: In Nürnberg G. B. 12,00. Soeben ist erschienen und durch die Expedition de«„BolkSstaat" Lfe i p z t g, Zeitzerftr. 44, zu beziehen: Die industrielle Ardeiterfrage und die Forderung eines Neuen Arbeitsrechts. Vortrag, gehalten auf der Volksversammlung des CongresseS der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Coburg am 19. Juli 1874 von Th. Yorck. Preis pro Exemplar 25 Pf. Segen Einsendung de« Betrage« für die bestellten Exemplare erfolgt die Zusendung franco. Der Ertrag ist zum Besten der Hinterbliebenen Iorck'» bestimmt. Zur Beachtung! Mit nächster Nummer beginnt der namentliche Aufruf aller Abonnements-Restanten für Leipzig und Umgegend. Die Expedition des„Volksstaat". Berantwortttchcr Redakteur: R. Seiffert. Redaktion Hohestraße 4, Expeditton Zeitzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Berlag der GenoffenschastSbuchdruckerei in Leipzig.