Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- U.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and ooatea etr. Philadelphia. Der Volksstaal Abonnementsprei« für ganz Deutschland lM.Ä>Ps. pro Quartal. MonatS- Abonnement« werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Htm u. 3ten Monat und auf den Sten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzglh. Gachs.-Altenburg auch auf ven Iten Monat de« Quartals i 54 Pf. OrgandersozialdemokratlschenArbetterparteiunÄderinternatlonalenGelverksgenossenschaften. Znferate, die«b Haltung von Partei»,«erew«- und«»llsversammlaugeu, sowie die Filial- Sxptdittoneu und sonstig» Partei- Augelegeuheiten betreffend, werdm mit 10 Pf.,— Privat- und Vergnügung«» Anzeigen mit 25 Pf. die dreigespaltme Petit-Zeil» berechnet. Nr. 39. Mittwoch, 7. Aprit. 1875. A« die Abouaeute« in Sachse«. Bei verweigernng der Annahme de« Abonnement« für April Sei ten« einer Postexpeditton, wollen fich die Betreffenden auf da« Tirrular vom 16. März 1872 Nr. IV 2463 A berufen, wonach Monat«abonne- ment» aus den„Bollsstaat" im Königreich Sachsen und Herzogthum Sachsen- Alteuburg zulässig find. Die Expedition de«„Bolksstaat". Bemerkungen zn dem Entwurf eines Gesetzes über gewerbliche Hülsskaffe«. A. Seit Einführung der norddentscheu, jetzt deutsche» Ge Werbeordnung vom Jahre 1L6S herrschte auf dem Gebiete gewerb sicher HlllfSkaffen große Zerfahrenheit. Jene« Gesetz bestimmt nämlich iu seinem§ 141:„BiS zum Erlaß eine« Bundesgesetze» bleiben die Anordnungen der LandeSgesctze über die Kranlnv Hüls«- uud Sterbekaffeu für die Gesellen und Fabrikarbeiter in «rast. „Die durch Ortsstatut oder Auordnuug der Verwaltungsbehörde begründete Verpflichtung der Gesellen, Gehülfeu, Lehrlinge und Fabrikardeiter, einer bestimmten Kranken-, HülfS- oder Sterbekasse beizutreten, wird indeß für Diejenigen aufgehoben, welche nach weisen, daß ste einer anderen Kranken-, Hüls»- oder Sterbekafse augehören." Ans Grund dieses Paragraphen weigerten sich nun viele ge werbliche Arbeiter, den bi« dahin durch Ortsstatut oder sonstigen Zwang bestehenden Kassen noch weiter beizusteuern, gründeten selbstständige Kassen oder schlössen fich bereit« bestehenden Kassen an. Nun sagt der betreffende Paragraph, wie oben mitgetheilt, wohl in seinem zweiten Absätze, daß derjenige, welcher einer Hüls»- kafle beigetreten ist, von dem Zwange, irgend einer bestehenden Kasse weiter noch anzugehören, befreit fei; aber derselbe Paragraph sagt auch in seinem ersten Theile, daß bi« zum Erlaß eine« Bunde«- gesetze« die Anordnungen der LandcSgesetze noch in Kraft bleiben. Auf Grund dieser verschiedenen Landesgesetze haben verschiedene Gerichte die von den Arbeitern neugegründetcn Hülsskassen al« nicht zu Recht bestehend erachtet und dieselben aufgelöst oder die denselben angehörenden Arbeiter, trotz der Bestimmungen de« § 141, worin gesagt wird, daß ein BeitrittSzwang zu bestimmten Kassen nicht mehr existirt, gezwungen, den auf Grund von Ort« statuten bestehenden HülfSkassen beizutreten. Von anderen Ge richten wurde wieder ander« Recht gesprochen, und so kam e», daß ein und dieselbe HülfSkasse vor den Richtern der Provinz Bran- denburg als dem§ 141 genügend galt, während Richter iu den Rheinlanden oder in der Provinz Sachsen da« entgegengesetzte Urtheil abgaben. Au» diesen Widersprüchen nun herauszukommen und einen sicheren RechtSbodcn für diese Angelegenheit zu gewinnen, ist schon lange der ausgesprochene Wunsch sowohl der gesammteu Arbeiter- welt, wie auch einzelner Volksvertreter. Ich erinnere hier nur au die diesbezüglichen Petitionen au« Arbeiterkreisen und die öfteren Interpellationen der forsschrittlichen Abgeordneten Duncker und Schulze an« Delitzsch. Indeß, wie schnell anch unsere Regierung damit bei der Hand ist, AuSuahmegesetz« für einzelne Staat»- angchörige oder neue, ihre Macht stärkende Mililärgesetze einzw bringen, so langsam ist ste, wenn e« gilt, Gesetze zu schaffen, in welchen weder der Kulturkampf, noch Militärstaatliche« eine Rolle spielen, uud so kam es denn, daß erst in diesem Jahre, also bei nahe volle sechs Jahre nach Inkrafttreten der neuen Gewerbeordnung, die Regierung mit einem Entwürfe zur Regelung de« Hülfskassenwesen» herausrückt und denselben— wie der„Reichs-Anzeiger" schreibt— der Kritik der betheiligten Kreis« unterbreitet. -Wollte man nun annehmen, daß die Einbringung de« neuen Entwürfe« deshalb so lange sich hingezogen, weil die Regierung sich erst mit den verschiedenen praktisch betheiligten Kreisen ver- ständigt, Gutachten eingezogen und Material gesammelt habe, so würde man der Regierung Unrecht thuo; nein,„die Kritik" wird erst jetzt, nachdem der Entwurf vollendet ist, heranSgefordert» und wenn mau die verschiedenen Meinungen gehört, dann soll der Entwurf dem BundeSrathe zugehen, uud findet derselbe dann vor den Augen der verschiedeneu Vertreter der deusschen Zwergstaaten Gnade, so erhält der hohe deutscht Reichstag die Erlanvniß zu dem Schmerzenskind« der verbündeten Regierungen„Ja" zu sagen. Obwohl e« nun einer Vernachlässigung berechtigter In- teressen verwünscht ähnlich sieht, Dinge von so einschneidender Wichtigkeit, wie die« die gesetzliche Regelung de« HülsSkassenweseu« unbestreitbar ist, derart auf die lange Bank zu schiebe» und dadurch die Rechte der großen Mehrzahl der Staatsbürger in einer so wichtigen Sache von dem willkürlichen Ermessen einzelner Be- amte» abhängig zu macheu, so würden wir der Regierung diese« lauge Zögern doch gerne verzeihen, wenn der neue Entwurf auch nur annähernd den Wünschen und berechtigten Forderungen der zunächst betheiligten Kreise, der Arbeiter, entspräche. So aber ist die» leider in nur sehr untergeordnetem Maße der Fall, und e« ist nicht der Fall bei dem wesentlichsten Punkte, bei der Forderung, in welcher alle Arbeiter der verschiedensten Grup- Pen einig sind: Beseitigung der Arbeitgeber au« den HülfSkassen, selbststäudige Verwaltung der Kassen durch die Arbeiter, Verbannung jede« fremden Ein- flusse« mit Ausnahme de« gesetzlich geregelten Auf» sichtSrecht« der zuständigen Behörde. Dieser Eardinalpunkt der ganzen Angelegenheit, er ist nicht ,u Gunsten der Arbeiter entschieden, sondern da» gerade Gegen- theil ist geschehen. Doch auch außer diesem so hochwichtigen Punkte sind noch eine ganze Reihe von Bestimmungen in dem Entwürfe enthalten, die wir nicht billigen können, und wollen wir dieselben hier kurz andeuten, hoffend, daß eine gewandtere und mit der Materie vertrautere Feder eS unternimmt, die Schatten- feiten des Entwurf« in» rechte Licht zu stellen. Da ist zunächst§ 6 des neuen Gesetzentwurfs, der bestimmt, daß der Beitritt zu einer auf Grund dieses Gesetze» gegründeten HülfSkasse„von der Betheiligung an anderen Anstalten oder Ver» einen nicht abhängig gemacht und Niemand versagt werden darf, der den Bestimmungen de« Statuts genügt k." Die Tendenz dieser Bestimmung ist sofort ersichtlich, wenn man weiß, daß alle von den vc.schiedenen Gewerkschaften ec. gegründeten Hüls«- lassen die Bestimmung enthalten, daß, um Mitglied der Hüls« lassen zu sein, man auch Mitglied der Gewerkschaft:c. sein muß. Diesen sehr erklärliche« und vollständig berechtigten Zwang, welchen die organifirten Arbeiter gegenüber ihren noch nicht orga- nistrten Brüdern ausüben, soll dieser§ 6 unmöglich machen. Man will den Arbeitern ein Agitationsmittel au« der Hand winden, übersieht aber dabei, daß man da« Kind mit dem Bade au« schüttet. WaS soll eine so allgemein gehaltene Bestimmung:„Der Beittitt darf Niemanden versagt werden, der den Bestimmungen de« Statut« genügt", sagen? Doch wohl nur, daß Jeder zu jeder Kasse ohne Ausnahme Zutritt hat. Nun hat aber eine ganze Anzahl von bestehenden Hüls«, und Krankenkassen die Bestimmung, daß, wenn ein Mitglied der Kasse auch aus anderen Kassen Kranken- geld bezieht, dieses Mitglied au« den verschiedenen Kassen, zu denen e« gesteuert, zusammen nur so viel UnterstützungSgeld be- S' hen darf, al« sein bisheriger DurchschnittSvcrdienst betragen hat. arnm hat man in der Praxis zu diesem Schutzmittel gegriffen? Einsach, weil man in allen Kassen die Erfahrung gemacht hat, daß e» sogenannte Gewohnheit« kranke giebt, welche, wenn man fich»icht durch statutarische Bestimmungen schützt, die übrigen Kassenmitglicder ausbeuten und die Vortheile der Kasse miß- brauchen. Die ärztlichen Atteste, welche zur Beglaubigung der Krankheit beigebracht werden müssen, sind in der Regel nicht schwer zu bekommen. Nach§ 6 ist nun jede Kasse gezwungen, Jeden ohne Ausnahme aufzunehmen;§ 11 aber, der die Unter- stützungen festsetzt, bestimmt:„Die Unterstützungen müssen min- besten« erreichen: auf den Krankheitsfall den halben Betrag de« täglichen Arbeitslohne« für jeden Tag der Dauer der Krankheit, oweit die Dauer derselben 26 Wochen nicht übersteigt k." Vor- iehende» gilt nach dem Entwurf für jede Kasse, Ausnahmen dür- en»icht stattfinden, also auch kein Heruntergehen unter diesen InterstlltzungSsatz. Faßt man nun die durch die Bestimmungen de»§ 6 geschaffene hülstose Lage der Kassen den neueintrctenden Mitgliedern gegen- über iu« Auge, so wird man un» Recht geben, wenn wir sagen: der Entwurf hat mit seiner Bestimmung, wonach Jeder in jede Kasse aufzunehmen ist. da» Kind mit dem Bade ausgeschüttet. § 6 bedeutet, zum Gesetz erhoben, im Zusammenhang mit dem § 11 einfach eine Brandschatzung der ehrlichen Kassen- Mitglieder. tz 15 bestimmt:„Ausscheidendenden Mitgliedern, welche einer Kasse fünf Jahre ununterbrochen angehört haben, muß, sofern durch da» Statut die regelmäßige Ansammlung einer Reserve aus den Beittägen der Mitglieder bestimmt ist, eine Abfindung ge- währt«erden, welche mindestens zwei Drittheile de« au» ihren Beittägen der Reserve zugeflossenen und bi« zu ihrem AuSttitte noch nicht al« aufgezehrt zu verrechnenden Betrage« ausmacht." Dieser Paragraph ist unserer Meinung nach nur unter ganz besonderen Voraussetzungen mit entsprechenden Beschränkungen zu- lässig. Angenommen, seine Tendenz sei richtig Kassen gegenüber, welche die Bezahlung ihrer Unterstützung von bestimmten Verhält- nissen, in welchen sich da« Kaffenmitglied befindet, abhängig macheu(z. B. Fabrikkassen, welche Unterstützungen nur so lange zahlen, al« da« betteffende Mitglied in der Fabrik beschäftigt ist), so kann diese Bestimmung nicht al« gerecht bezeichnet werden gegenüber Kassen, welche auf Grund fteiwilligen UebereinkommenS der Mitglieder geschaffen sind, und deren Mitglied Jemand so lange bleiben kann, al« er den statutarischen Bestimmungen nachkommt. Zu welchem Zwecke werden denn Reservefond» angelegt? Doch nur, um mit deren Zinse» außerordentliche Ausgaben zu decken. Wenn nun eine Kasse fünf Jahre lang da« Risiko ge- tragen hat uud einem Mitgliede die Unterstützung im Falle eine« Unglück« garantirte, so hat unserer Auffassung nach ein frei» willig ausscheidende« Mitglied kei» Recht, einen Theil desjenigen Gesammtvermögen«, welche« für ausnahmsweise Fälle angesam» melt ist, für stch in Anspruch zu nehmen. So weit der betteffende Paragraph auf Alterversorgung«, und Jnvalidcnkassen angewendet werden kau», mag derselbe unter gewissen Boraussetzungen richtig sein.— Wir kommen nun zum 8 16 de« Entwürfe«, welcher bestimmt, daß jede Kasse einen Vorstand haben muß, welcher auf der Ge- neralversammluug gewählt wird, uud der die Kasse gerichtlich und außergerichtlich zu verttete« hat. In seinem letzten Abschnitt lautet genannter Paragraph: „Arbeitgeber, welche Zuschüsse zu de» Kassen leisten, haben Anspruch auf verttetung im Borstande. Mehr al« die Hälfte der Stimmen darf ihnen im Vorstaude nicht eingeräumt werden." Hier also wären wir bei dem kritischen Punkte angelangt.— Wir haben Eingang« schon gesagt, daß e« der sehnlichste Wunsch aller Arbeitergruppen bisher gewesen sei, sich iu ihrem Hüls«- kassenwesen unabhängig von den Einflüssen der Arbeitgeber zu macheu. Diesem so oft und so lebendig ausgesprochenen Wunsche der Arbeiter, wie wird ihm im Entwürfe Rechnung gettagen? Die einzige Concession ist, daß»ach dem Entwurf ein Vorstand gewählt werden muß, und daß in demselben die Arbeitgeber blo» die Hälfte der Stimmen haben dürfen. Bekanntlich gab e« bisher und giebt e« heute noch eine Menge von sogenannten Fabrik«- und KnappschastSkassen, bei welchen den Arbeitern weiter kein Recht zusteht, als zu zahlen, wogegen die Herren Arbeitgeber da» au«- schließliche VerwaltungSrecht fich anmaßen, obendrein noch mit dem Gelde der Arbeiter spekuliren, und wenn e« gerade paßt, auch bankerott machen, ohne daß die Arbeiter ein Mittel au der Hand hätten, solchen Gaunerstückchcn ihrer ehrenwerthen„Brodgeber" vorzubeugen.— Diesem Uebelstande soll nun durch den neuen Entwurf abgeholfen werden, aber wie? Anstatt den Arbeitern daS Recht zu verleihen, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen und zu verwalten, mit Ausschluß der Arbeitgeber, wird den letztere» da« Recht gegeben, sich nach wie vor an den Kassen ver Arbeiter zu b-theiligen, und sobald sie diese« thuu, den Borstand zur Hälfte mit ihren Creaturen zu besetzen! Wer nun die Lage der Arbeiter gegenüber ihren angeblichen Brodgebern kennt; wer da« weiß, daß hunderterlei Mittel einem Fabrikherrn zur Verfügung stehen, den Arbeiter kirre zu machen, der wird begreifen, welche Bedeutung dieser Paragraph für die Arbeiter und für die Arbeitgeber hat. Wir setzen hier ein Urtheil her, welche« zum Schlüsse de« vorigen Jahres ein ehrlicher Bourgeois in der„Neuen Zürcher Zeitung", einem Schweizer Bonrgeoisblatt vom reinsten Wasser, über HülfSkassen, iu denen die Arbeitgeber eine Rolle spielen, ab- gegeben hat. Der betteffende Bourgeois schreibt: „Diese privaten Krankenkassen find mir schon längst ein Dorn im Auge gewesen. E» giebt kein audire« Mittel, welches so sehr wie eine solche Kasse den Arbeiter der Willkür de« Herrn unterwirft, kein andere« Mittel, welches ihn so sehr an die einzelne Fabrik bindet und ihn zwingt, alle« zu erdulde» und zu allem zu schweigen, wenn ihn nicht relativ bedeu- tende finanzielle Verluste treffen sollen." Nun, wa« sagen unsere preußisch deusschen GesetzgebungSkünstler zu einem solchen Urtheil? Da« ist doch einmal ehrlich gesprochen, nicht wahr? Daß aber da« Recht der Arbeiter, ebenfalls Vertreter iu dem Borstaude zu haben, kern genügendes Schutzmittel gegen die Ueber- griffe der Arbeitgeber ist, da« gesteht der Bourgeois der„Neuen Zürcher Zeitung" ebenfall« zu. Er schreibt: „Aber die Verwaltung wird ja von einem Ausschuß der Ar- bester besorgt— wird mau sagen; dadurch wird doch gewissen- hafte und unparteiische Handhabung de« Institut« gesichert. Ich frage in'erster Linie: Wer macht diesen Statutenentwurs? Wer tteibt die Beittäge ein? Dieselben müssen zinSttagend angelegt werden— wie wird diese Anlage geschehen? E« ist wohl selbstverständlich, daß nicht die Arbeiter, sondern entweder der Herr, oder wenn, wa« in vielen Fällen vorkommen wird, er nicht im Stande ist, dieselben zu entwerfen, irgend ein oberer Angestellten dieselben entwirst— und diese oberen Angestellten sind ebenso auSnahmI- loS ergebene Diener de« Herrn und haben seinen Launen und Wünschen Rechnung zu ttagen. Da die Berficheruug eine Zwang«- Versicherung ist, so müssen die Beittäge natürlich durch Abzug am Lohne eingetrieben werden, und da« kann wieder kein Arbeiter machen, sondern e« wird die« an Stelle de« Herrn ein oberer Angestellter thun. Die Arbeiter werden fich schließlich wohl hüten, dem Herrn dadurch ihr Mißttauen zu beweise», daß sie ihre Re- serven einer öffentlichen Kasse übergeben, statt sie ihm zur ver- waltung zu überlassen, und wer da« Geld iu Händen hat, ist auch Meister." Diese« Urtheil ensspringt, wie man auf den ersten Blick sieht, der Erfahrung. Der Mann kennt eben die Lage der Arbeiter und weiß ihre Abhängigkeit und deren ttaorige Folgen für de« Arbeiterstand zu taxiren. Wir haben e« oben eine Conzesstoa ge- uannt, daß der Entwurf bestimmt, daß im Borstand auch Mit- glieder au» den Arbeiterkreisen sei« müssen; wir erstären aber gerne, daß wir un« dem oben abgegebenen Urtheil über die prak- tische Bedeutung dieser Conzession anschließen. Wa« die Anlage verfügbarer Gelder betrifft, so bestimmt zwar Paragraph 22 de« neuen Entwurf«, daß Gelder nnr ebenso wie die Gelder Bevor- mundeter angelegt werden dürfen. Diese Bestimmung schützt nun zwar davor, daß die Gelder der Arbeiter allzu leichtsinnig zu Spekulattonen verwendet werden können, aber sie schützt nicht davor, daß daß Geld eben doch in den Händen de« Fabrikherra bleibt, wenn auch gegen Sicherheit, und—„wer da« Geld hat, ist auch Meister" sagt der oben citirte Schweizer Bourgeois. (Schluß folgt.) Politische Uebersicht. — Zur Charakteristik de« deutsche« Gefängniß- weseu«. Bisher war man vielfach der Meinung, iu Württem- berg wenigsten« gehöre die brutale Behandlung der politisch Jnhaftirten zu den Unmöglichkeiten; daß diese Meinung eine irrige, und daß e« im schönen Schwabenlande gerade so„herrlich" ist, wie im übrigen Reiche der Bismarck« und Stieber, beweisen die Mittheilungen de« Kaufmann« Th. Manu- Hardt, welcher wegen Majestätsbeleidigung eine Gefängnißhaft von 8 Monaten im LandeSgefäagniß zu Rottenburg verbüßt hat. Die„Süddeussche�BolkSstimme" ist iu der Lage, hierüber Folgen- de« zu berichten: „Gleich beim Eintritte in diese Anstalt wird man unangenehm überrascht, zum einstweiligen Aufenthalt in einen Saal gttviesen 1 zu werden, in welchem das Geschäft de» FedernschleißenS betrieben wird. In dem gleichen Saale befinde» sich auch die Betten und ist man nicht wenig erstaunt, in einer solchen Anstalt, in der doch die größte Reinlichkeit herrschen sollte, nicht einmal frische Lein titcher zu erhalten. Ans Reclamiren erhält man vom Ausseher die Antwort: die Leintücher werden alle sechs Wochen gewechselt, wir können die Borschriften nicht ändern. Im Verlaufe von S Wochen können aber in einem solchen Bette 12—16 Mann nach einander logirt haben, und daß darunter wohl auch solche waren, die auf Salubrität(ÄesundheitS-Zuttäglichkeit) nicht viel halten, darf als bestimmt vorausgesetzt werben. Nachdem nun die erste Nacht in dem erwähnten sogenannten ZuwachSsaal überstanden, kommt der Herr StadtchirurguS zur oberflächlichen GefundheitSvisttatiou. Hierauf kommt man in'S Badezimmer. Ist einer schon Monate vorher in Untersuchung»- hast herumgesessen, so ist ein Bad gewiß von Nöthen, aber— nicht ein derartige», wie eS die Gefangenen- Verwaltung bieten läßt. Anstatt eine« ordentlichen Wannenbades erhält man das allerprimitivste Douche-Bad. Eine Gelte voll heißen WafferS wird in einen oben au der Wand angebrachten Behälter i geleert und der Gefangene muß dann in aller Geduld diesen heißen Sttom über sich ergehen lassen, ohne daß der Zweck eines BadeS— nämlich Reinigung des Körpers— erfüllt worden wäre. Ist diese Prozedur vorüber, dann geht eS nochmals ans die Kanzlei. Der Herr Iustizrath— ein frommer Mann— erklärt nun, daß man sich den HauSregela zu fügen habe ic. und belehrt ferner, daß man die Verpflichtung habe, etwa» zu arbeiten. Nun geht für einen einigermaßen gebildeten Mann da» Elend erst recht an. WaS soll er thun? Seegrasspinnen, desgleichen Flechten oder Nähen, Holzmachen, Federnschleißen, Schreiner- oder Schuster- arbeit, Weberei? Dies find die Arbeiten, welche in dem Haufe betrieben werden. Nun, was wählen? Kaufleute, Wundärzte, Apotheker:c. kenne ich, die als SeegraSarbeiter, als Federschleißer oder auch als Gartenarbeiter beschäftigt wurden. Wäre eS nicht angezeigt, daß die Verwaltung solchen Leuten, insbesondere den politischen Gefangenen angemessene Beschäftigungen zukommen ließe, denn die zwei oder drei Schreiberstellen reichen nicht au?. Daß in einem Saale 20— 30 Mann beschäftigt find und unter diesen oft der Auswurf der Menschheit, das ist für einen anständigen Mann, der mitten hinein geschleudert wird, schimpflich, beleidigend, demoralisirend und müßte die Beseitigung dieses UebelstandeS mit allen Mitteln herbeigeführt werden. Eine äußerst unangenehme, sogar gesundheitsschädliche Einrichtung sind die in den Sälen befindlichen Abttitte. Die Gefangenen ohne Ausnahme haben dann die Aufgabe, die gefüllten Kübel noch jeden Morgen und Abend eine, resp. zwei Treppen hinunter und dann erst noch nach einer im Freien befindlichen Grube zu tragen. Die Kost ist für jeden an bessere Speisen gewöhnten Men- scheu als schlecht mit wenigen Ausnahmen zu bezeichnen. Freilich sind arbeitsscheue und heruntergekommene Leute damit zufrieden, aber was will daS sagen gegenüber ordentlichen Männern, denen man eS verweigert, sich selbst zu beköstigen? Bezeichnend für die Lage der Gefangenen ist der stereotype Ausdruck des Herrn Ober- auffcherS:„Die Leute brauchen hier nicht gut zu leben, wenn sie nur noch Haut und Beiner hinauSbringen." Auch die privaten und Familienangelegenheiten der Gefangenen werden öffentlich besprochen, die Briese gelesen, darüber schlechte Witze von den Aufsehern gerissen und wird dadurch jedeS Gefühl für Sittlichkeit und Anstand untergraben. Der Kirchenzwang ist eingeführt. Katholiken, ConfefstonS- lose, Evangelische— alle ohne Ausnahme müssen regelmäßig zum Geistlichen spazieren. WaS daS Schönste ist, der in der Anstalt functionirende OberamtSarzt Reissteck befühlte meinen Puls, als ich krank wurde, mit— behandschuhten Fingern, in Folge dessen er keine Fieberanzeichen finden konnte." Die» der Bericht unseres Stuttgarter Parteiorgans. Ein Com- mentar ist überflüssig. geistige Erhebung schon im Keime niederznbrechen und wo möglich ganz zu ersticken. Wie viele Arbeiter giebt e« aber, bei wel- che» eine solche Herabwürdigung unter den humanen Standpunkt wirklich gelangen ist, wo der Geist gebrochen ist und wo ein de- müthigeS Hinbrüten dal ganze gebrochene Leben überschattet!"- Nützlichkeit de» österreichen Throne» und anderer Throne nicht einzusehen vermögen._ — Zur RohheitSstatistik der Arbeitgeber meldet die „Süddeutsche VolkSzcitung" aus Stuttgart:„Vor einigen Wochen gab der Werksübrer der hiesigen W—'schen Fabrik, die sich jüngst durch Herabsetzung der Arbeitslöhne und Verlängerung der Ar- beitSzeit ausgezeichnet, deu Befehl, bloö einmal täglich Wasser zu holen. Ein Arbeiter, der von dem Hausknecht verlangte, er sollte zum zweiten Male Wasser holen, wurde von diesem an den Werk- führer gewiesen, welcher sagte:„Es soll geschehen." Nach längerem vergeblichem Warten zum zweiten Mal an den Werkführer sich wendend, wurde er von diesem abgefertigt mit den Worten: „Saufet Dreck!" Herr W—, welcher vor längerer Zeit einen Arbeiter mit einer Bierflasche ertappte, nahm sie demselben ab und schlug sie in Stücken. Und mit derartigen Fällen könnten wir ganze Spalten ausfüllen. Was soll auf solche Behandlung der Wahrspruch:„Bet' und arbeit, hilft Gott allezeit" nutzen? Welchen Werth hat all' diesen Thatsachen gegenüber die Pflege der edlen Gesangskunst und da» Halten von religiösen Vorttägen? DaS Predigen christlichen Gehorsams und Demuth kann nur den Erfolg haben, daß der Mensch zur hündischen Unterwü'.figkeit her- angezogen wird. Um diese unsere Behauptung zu beweisen, wird et genügen, wenn wir ein einziges Citat abdrucken. Unter dem Titel:„Neueste Liederkrone" giebt eS— im Verlage von Heßfeld in Leipzig eine Sammlung von christlichen Gesängen, worin unter Nr. L7 Folgendes abgedruckt ist: „Herr ich will ja gerne bleiben, Wie ich bin, dein armer Hund, Will auch anders nicht beschreiben Mich nach meine» Herzens Grund; Denn ich fühle, was ich sei, Alles Böse wohnt mir bei. Ich bin aller Schand ergeben, Unrein ist mein ganzes Leben, — Zur RohheitSstatistik der vornehmsten Ge�se schaft. Der„Nürnberger Anzeiger" bringt, unter Berbürznng der Wahrheit, folgende» Culturbild auS München: „Auf dem Barietä Theater de« ColosseumS gastirt gegenwärtig eine Tänzer-, Springer- und Sänger-Gesellschaft, welche stet» ein größere» Publikum anzieht. Namentlich üben eine Französin und eine Engländerin, Couplet-Sängerinnen, welche sich weniger durch hübsche Stimme als durch dckolletirte Extremitäten") auszeichnen. besondere Anziehungskraft auf die für dergleichen Schönheiten sehr begeisterungsfähige Jugend deS Adel« und der hohen Aristo kratie aus. Diese Herren gehören häufig zu den noch in später Mitternacht im Colosseum verweilenden Gästen. Kürzlich mußten einige dieser Herren dem Champagner etwa« stark zugesetzt haben und e« kam— wie et im alten Liebe heißt, der Teufel ganz ver- schmitzt, weil man einen Rausch besitzt. Ja diesem, auch von anderen Menschenkindern häufig acquirirtem Zustande, kamen mehrere dieser Herren vom hohen Adel Norddeutschlands ihres nicht ganz in den Grenzen de» Anstände» bleibenden Be« nehmen« wegen mit mehreren jungen Leuten aus dem Bürger- stände derartig in Kollision, daß der Graf Salm Hochstätten faktisch an die Luft gesetzt wurde, eine Prozedur, welcher sich der junge Fürst B., Sohq eines großen Staatsmannes, durch freiwillige Verabschiedung aus dem Saale rechtzeitig entzog. Diese Herren mögen dies als einen Beweis ansehen, daß man sich in hoher gesellschaftlicher Stellung heutzutage ebenso wenig in Mün- che», wie in Berlin Ungezogenheiten gegen Bürgerliche erlauben darf, ohne daß diese sofort geahndet würden." So weit der„Nürnberger Anzeiger." DaS ist die„Bildung" von Grafen und Fürsten. Nun— wie die Alten sunzeu, so zwitschern auch die Jungen. So erziehen unsere Beherrscher ihre Söhne, und diese Früchtchen staatSmännischcr Erziehungskunst werden mit der Zeit ihrerseits unsere Beherrscher! WaS der eigent- liche Name de« jungen Fürsten B.(„Sohn eine« großen Staats- manncs"), überlassen wir dem Scharfsinn des Leser» zu errathen. Gegen den Schlußsatz des„Nürnberger Anzeiger" müssen wir aber Verwahrung einlegen. Wenn jede fürstlich: und gräfliche Uage- zogenheit gegen Bürgerliche„sofort geahndet würde", sähe es ander» aus in Deutschland. Unsere„Bürgerlichen" ahnden fürstliche und gräfliche Ungezogenheit nicht nur nicht, sondern sind sogar stolz darauf, der Gegenstand fürstlicher und gräflicher Ungezogenheiten zu sein. Will mau Beweises vom Hünoi s>llndi ?ündi bünbi ch ist mein Zorn und Eifer, ch ist mein Neid und Haß, ch ist mein Zank und Geifer, ch ist mein Raub und Fraß. la, wenn ich mich recht genau, AlS ich billig soll, beschau: Halt' ich mich in allen Sachen, Aerger als die Hund et machen. Halte man diesem hündischen Herzensergüsse, der so recht ttef- send den Verfall des Christenthums constatirt, die hündische Be- Handlung der Arbeiter von Seiten der Fabrikanten entgegen und dann hat man deu Beweis dafür, daß die pietistischea Vereine nicht im Sinne der Lösung der sozialen Frage, sondern im Jnter- esse de» Geldsacks arbeiten.„Solche Lieder sind", bemerkt der „Vorbote" in Chicago triffend, der ebenfalls das hündische Lied abdruckt,„wie mau wohl weiß, ganz ausdrücklich und zwar vor- zugSweise auf die Arbeiter berechnet, um selbige in Demüthigkeit und Unterthänigkeit gegen ihre Brodherrn zu erhalten und jede — Spanisch. �Jn Rc. 12 der„Europa" wird unter der Ausschrist„Eindrücke in der Alhambra" auszugsweise ein Bericht wiedergegeben, den ein englischer Zeituugscorrespondent über einen Besuch in dem merkwürdigen Maurenschloffe zu Granada vor einigen Wochen veröffentlicht hat. WaS unS in diesem Bericht interesstrt, ist folgende Stelle: „Der Cisternenhof ist ziemlich umfänglich und wird in einem seiner Winkel von einem schweren Thore gesperrt, das mehrfach den Wahlspruch des Khalifen Alhamar ausweist:„Allah allein ist Sieger." Zul-tzt freilich hat hier den Sieg der Mensch, d. h. die Regierung davon getragen, welche in der Alhambra mehr als hundert armer Menschen hinter Schloß und Riegel verwahrt, die beschuldigt sind, die soziale Republik angestrebt zu haben. Manche dieser irregeleiteten, oft halb schwachsinnigen Arbeiter(die» schreibt natürlich ein scharfsinniger Bourgeois) sitzen bereits sechs, ja zwölf und achtzehn Monate im Gefängniß, ohne jemals ver- nommen werden zu sein und ohne daß sie wissen, wie lauge sie ihrer Freiheit beraubt sein sollen—; einmal innerhalb der Kerker- mauern, sind sie vergessen und verschollen, Niemand be- kümmert sich mehr um sie, so daß sie nun Zeit genug haben, sich die Köpfe zu kühlen. Mitten in der Nacht wurden sie ergriffen und in einem mächtigen viereckigen Thurme untergebracht, der über die Darroschlucht und die Vorstadt Albaycin emporragt, zur Er- holungS- und Promenadenstätte wies man ihnen die Plaza de loS AlgibeS an. Hier dürfen sie den größten Theil des TageS umherlungern. Wer Frauen und Kinder hatte, dem ward ge- stattet, sie mit in das Gefängniß zu nehmen, und ich glaube, daß die meisten derselben ihnen mit Vergnügen(!) in den Kerker ge- folgt sind; empfangen sie hier täglich doch ein Stück Brod und einige Zwiebeln, um sich daraus eine Suppe bereiten zu können, während sie daheim in ihren jämmerlichen Wohnspelunkeu gar oft sich nicht einmal diese armselige Nahrung zu erzeugen im Stande waren. Eine ttiste Staffage des alten schönen Maurenschloffe», diese Haufen schmutziger, elender, unglücklicher Menschen!"— Jawohl, eine triste Staffage das, aber weniger für das zer- fallne Schloß, als für die„beste der Welten", als welche die Bour- geoiste ihre GesellschastScorrumpirung auSgiebt und gegen die auch die spanischen Arbeiter sich empörten. Daß Castellar, Serrano, Alfonso die Arbeiter einsperren, ohne ein richterliches Urtheil zu erwirken, das geht noch über daS summarische Verfahren der Ver- sailler OrdnungSchaflepots, obgleich et lebhaft an Lötzen erinnert, voü dem schließlich ein flüchtiger Blick auf die schwerbestrasten Quednauer Landarbeiter, welche zu ihrem Unglück die„Klüsen" zu sehr haßten, unS daran gemahnt, daß auch in Deutschland noch vieles echt spanisch ist.j — Freiheit die ich meine. Der österreichische Kaiser, welcher zum großen Aerger deS Fürsten Bismarck und der bismarckischen Reptilien eine Reise nach Italien angetreten hat, kam auf der Hin- fahrt am 1. April nach Triest, und erklärte einer Deputation de» Triester Arbeitervereins,„er erkenne an, wie nützlich die Arbeiter- vereine seien, wenn dieselben ihrem eigentlichen Zwecke, nämlich der Verbesserung der Lage der Arbeiter dienten, er vermöge aber die Nützlichkeit nicht einzusehen, wenn diese Bahn verlassen werde. Und da» hänge wesentlich von den Führern der Arbeitervereine ab. Der Kaiser fügte hinzu, er zweifle nicht, daß die anwesenden Vertreter der Arbeiter an dem von ihm ausgesprochenen Grund- satze festhalten würden und versicherte, daß er alle Bestrebungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter unterstützen werde." Wenn die„Führer der Arbeitervereine" die Bahn wandeln, welche der österreichische Kaiser für die richtige hält, dann ist der österreichische Kaiser ein Freund der Arbeitervereine— daS hätte der österreichische Kaiser unS nicht zu sagen brauchen. Schade nur, daß die Bahn, welche der österreichische Kaiser für die richtige hält, nicht die ist, welche nicht bloß die„Führer der Arbeiter- vereine", sondern überhaupt alle vernünftigen Arbeiter für die richtige halten. Und wenn der österreichische Kaiser die„Nützlich- keit" unabhängiger Arbeitervereine nicht einzusehen vermag, so kann er sich damit ttösten, daß eS auch Menschen giebt, welche die *) Mangelhafte Bekleidung, schaamlose Entblößung. — Der„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund' 3 t. März schreibt: „Heute früh mit dem S Uhr-Zuge verließ unser bisheriger Redakteur, unser Freund und Parteigenosse G. KwaSniewSki, Crimmitschau. Unser Freund, welcher seit dem 16. November 1371 al» Re- dakteur an unserm Blatte thätig war, hat während seine« ganzen Hierseins muthig al» Mann uao Parteigenosse daS Recht und die Wahrheit vertreten. Ausgestattet mit einem reichen Schatz von Wissen und Kenntnissen, verband er damit einen GecechiigkeitSstaa, wie sich dessen nicht so leicht ein Z oeiter rühmen kann; überall, wo er merkte, daß eine Unwahrheit gesagt, ooer ein Unrecht be- gangen war, trat er demselben entschievea eatgezeu, gleichviel ob e» Freund oder Feind war, den er zurechtzuweisen hatte. So streng er mit dem Gegner iuS Gericht ging, wenn er waßle, daß dieser da» Recht verletzt hatte, so streng und unnach- sichtig verfuhr er aber auch mit dem Freunde und Parteigenossen, wenn er sich überzeugt, daß dieser nicht nach Recht gehandelt hatte. Aber auch deS Gegner« Meinung und Ueberzeuzunz achrete und schätzte er, und so konnten auch Männer anderer Parteischattirunz ihre Achtung unserem Freunde nicht versagen. Dafür daß Kwasniewski mit aller Entschiedenheit die Prinzipien der Sozialdemokratie vertreten, ist wohl Beweis genug, daß er zwei- mal längere Freiheitsstrafen verbüßen mußte. Die Worte de» Dichters können mit Recht auf unfern Freund angewendet werden: Achtung den Männern, die offen und bieder Wahrheit bekennen, mit Mund und Hand, Ernstlich erwägen daS Für und Wider, Treu im Gemüth und klar im Verstand; Schuldigen Pflichten mit Warme genügen, Handelnd unv duldend als Männer bestehn, Nimmer der Lüge sich biegen noch fügen, Muthigen Blickes nur himmelan sehn. Zur Freude gereicht et mir, unfern Lesern und Genossen mit- I theilen zu können, daß Kwasniewski auch in seinem neuen Wohnorte(Berlin) der Partei noch dienen wird; wenn auch unser lieber Freund jetzt keine Redakteurstelle bekleidet und sich eine ruhigere j Stellung verschafft hat, um ein von ihm längst begonnenes grö- s ßereS GeschichtSwerk vollenden zu können, so giebt ihm seine neue Stellung doch Gelegenheit, auch der Partei noch nützlich sein zu können. Viele unserer Genossen und Leser werden KwaSniewSki ein freundliches Andenken bewahren, und ich rufe unserm Fcennoe! ein recht herzliches Glück auf! in seiner neuen Stellung nach! Gleichzeitig bemerke ich, daß ich vom heutigen Tage an auf kurze Zeit die Redaktion unseres Blatte« übernommen habe und � ersuche unsere Herren Correspondenteu, mir ihre Correspondenzen> unter meiner genauen Adresse: W. Stolle, Crimmitschau, zusen- den zu wollen. Briefe aber, welche Inserate enthalten, vre für unser Blatt bestimmt sind, wolle man an die Expedition de» „Bürger- und Bauernfrcund" adresstren. W. Stolle." An Stelle KwaSnieipiki'S, den wir trotz alledem bald wieder an! der Spitze eines unserer Parteiorgane zu sehen hoffen, wird Otto- Walster in einigen Tagen(sobald seine Haftzeit herum ist) die Redaktion des„Crimmitschauer Bürger- und Banernsreund" über- nehmen. — AuS Forst wird uns gemeldet: Bei den Parteigenossen! Carl Urban und Hugo Schmidt wurde Haussuchung gehalten und nach Briefen von Hamburg und Bremen gesucht. Es wurde nicht» gefunden.— Parteigenosse Anton Behr wurde den 30. Marz| hinter seinem Webstuhl verhaftet. Er soll sich eine Gotteslästerung haben zu Schulden kommen lassen.— Der Wahlverein ist nun zum zweiten Mal geschloffen worden. — Parteigenosse Camin in Spandau ist wegen Verstoße» wider da» Vereinsgesetz zu 14 Tagen Gefängniß vcrurtheilt worden. — Am 1. d. Mt». trat Parteigenosse Frohme zu Wiesbaden 1 eine S-monatliche Gefängnißhaft an.— Wegen einer im Dezember zu Altona gehaltenen Rede ist gegen Hasenclever Untersuchung � eingeleitet. An die Redaktion de»„Volksstaat"! Auf Grund deS§ 11 deS ReichSpreßzesetzeS vom 7. Mai 1374 fordere ich Sie auf, das Nachfolgende ohne jede Verstümmelung und ohne jede Randbemerkung in Ihr Blatt aufzunehmen"): In dem vor Kurzem in diesem Blatte erschienenen Referate, datirt„Mittweida, den 5. März" und unterzeichnet„G. Glade- witz. F. Bartholdi" ist meine Antwort auf die Frage:«Wie verträgt sich die Astronomie mit der Schöpfungsgeschichte der Bibel", vollständig entstellt wiedergegeben; ob aus Unkenntniß, oder in der Absicht, einen„hinkenden Boten", wie die Verfasser sich ausdrücken, bei den Haaren herbeizuziehen, muß dahin-! gestellt bleiben. Meine Antwort lautete wörtlich:„Wenn et die! Aufgabe der Naturforscher ist, die Gesetze der Natur �u erforschen, so ist es Aufgabe der Theologen, zu sehen, wie sie. ihre Lehren mit den Ergebnissen der Naturwissen-! schaften in Einklang bringen; unsere Aufgabe ist da»! nicht." Alle Zusätze, welche dre Verfasser jene« Artikel» dieser! Antwort beigefügt haben, sind daher einfach unwahr und geeignet, den wahren Sinn meiner Worte zu entstellen. Mittweida, den 2. April 1376. Chr. Hilpert, Oberlehrer. --I Aus England. London, 29. März 1878. Seit dem glänzenden Durchfalle deS arbeiterfreundlichen Gru- bcnbesitzers Lord Aberdare haben sich keine anderen unberufenen Schiedsrichter in Süd-Wale» vernehmen lassen. ES ist noch immer kein Ende des Kampfes abzusehen und die Roth unter den Arbeitern wird von Tag zu Tag schrecklicher. Die von den Ge- werkschafteu gegebene UnterMyung ist für die ungeheure Zahl der! Bcttoffenen unzureichend, und beschränkt sich auch— wie sich jetzt s herausstellt— trotz der bei Beginn der Unterstützungsbewegung abgegebenen Erklärung der Natioual-Union der Bergleute, keinen ') Zur Aufnahme, und zwar„ohne jede Berstilmmeluug", bedürfte e« der Anrufung des Z 11 nicht. Wahrheit und Aerechtizkeit fiud die Leitsterne der Sozialdemokratie— und nicht blo» tu der Theorie, wie bei allen Parteien, sondern auch in der Praxi», wie bei keiner an- deren Partei— wa» keine„Randbemerkung" sein soll(obgleich Z 11, wa» im Vorbeigehen bemerkt sei,„Randbemerkungen" nicht ausschließt). R. d. B. Unterschied zwischen den. Hilftbedilrftizen zn Buchen, fast anaschließ« lich auf GewerlschastSmitglieder, und alle außerhalb der Oczani- sation stehenden Leute find deshalb ohne Gaade auf die Lestim- münzen eines dehnbaren Gesetze« und dessen barmherzige Hand- habung durch die der Bourgeoisie angehörenden Armcnpfleger an- gewiesen. Schon bei Ausbruch der Krise waren die Letzteren nicht mt Stande, ihre natürliche Verwandtschaft mit den Grubenbesitzern zu verbergen; im Laufe der Zeit haben sie sich von einem letzten Rest von Schamgefühl freigemacht und gegenwärtig arbeiten sie ganz öffentlich im Interesse der vereinigten LergweriSbesitzer. Al« die Führer der Arbeiter diesen den Rath gaben, sich während der Arbeitssperre an die Armenkasse zu wenden, vergaßen sie, daß die Ausführung der Gesetze vollständig in den Händen derselben(oder doch ähnlicher) Leute liegt, welche die Arbeiter aufS Pflaster ge- warfen haben, daß sie demnach auf eine billige, unparteiische Handhabung de« Gesetzes nicht rechnen konnten. Sie übersahen, daß man mit einem dehnbaren Gesetze machen kann, waS man will und vergaßen— unterschätzten doch wenigsten«— die fromme Niedertracht und Rücksichtslosigkeit der Leute, mit denen sie e« zu thuo hatten. Der Plan ist als gescheitert zu betrachten, da die Herren einen gesetzlichen Grund entdeckt haben, die Unterstützung der Ausgesperrten zu verweigern. Der frühere Versuch, die Unter- stützung ohne Angabe irgend welcher Gründe zu schmälern und Unverheirathete von derselben ganz auszuschließen, ist bekanntlich kläglich mißglückt. DaS Gesetz ist in diesem Punkte ganz unzwei- dcutig und die Herren Armenpfleger mußten schweren HerzenS ein- lenken. Allein sie sind geriebene Burschen, die ihr Geschäft ver- stehen und geriethen bald aus einen anderen, besseren Einsall. Wenn die Puwpmaschinen in den Dowlaiser Gruben nicht bestän- dig in Thätigkcit bleiben, müssen die Werke in kurzer Zeit durch Wasser überschwemmt und beschädigt werden. Um diese Maschinen mit Kohlen zu versehen, braucht man 30 Arbeiter. Wie wäc'S — dachten die hochherzigen Armenväter— wenn man diese Ar- beit dreißigen von den Männern anböte, welche Gemeindeunter- stützung genießen? Wenn fie, vom Elend getrreben, die Arbeit übernehmen, gut, dann werden unsere oder unserer Gevatterschast Bergwerke vor Schaden bewahrt; verweigern sie dagegen die Ar- beit, dann um so besser! Wir haben dann einen gesetzlichen Grund, die Unterstützung der Racker« einzustellen, und zwingen sie so durch Hunger, rasch zu Kreuze zu kriechen.— Gebacht, ge- than! Der menschenfreundlichen Erwägung entsprechend, wurden SO Arbeiter, welche als Steintlopfer beschäftigt waren, aufgefordert, sich zur Arbeit in den Dowlaiser Gruben einzufinden. Wie vor- auszusehen, weigerten sie sich wie ein Mann die Arbeit zu thun. Die Antwort der Arwevväter bestand in einem Beschlüsse, nur solchen Leuten Unterstützung zu gewähren, welche keine Arbeit finden können und in der Streichung der Dreißig, die sich geweigert hatten, an ihren Brüdern zu Berrätheru zu werden. Da- mit war die Einleitung zu einem Feldzuge gegen die darbenden Arberter gemacht, wie er schamloser und seiger nicht gedacht werden kann. Je dreißig um dreißig Arbeiter wurden aufgefordert, die Arbeit auszunehmen und eine Gruppe nach der andern wurde von der Armenliste gestrichen, weil sich keine 30 Schuste finden ließen, welche bereit gewesen waren die Arbeit zu verrichten. Ich weiß nicht, wie weit die frommen Väter in ihrem Menschenfreund- lichen Unternehmen vorgeschritten sind, eS ist jedoch klar, daß man aus diese Weise die ganze Masse der Ausgesperrten von der Ar- menunterstützung ausschließen kann. Unter den Arbeitern herrscht eine leicht begreifliche Erbitterung und unter ihren Verfolgern der blinde Schrecken. Die Letzteren fühlen, daß den Arbeitern eines schönen Morgens das Joch frecher Willkürherrschaft unerträglich werden kann, und sie rufen mit schuldbeladenem Gewissen die rohe Gewalt zur Aufrechthaltung der„Ordnung" an. Die armen Schelme wissen nicht, wie gefährlich das ist. Sie wissen nicht, daß die Tage ihrer Herrschaft gezählt sind, und daß sie dieselbe nur durch Schwindel, welcher die beherrschten Klassen über das Maß der Kraft auf beiden Seiten täuscht, aufrecht erhalten können. Wahrhastig, die Herren haben keine Ursache die M-rdsifragx äu bei Uhren. Denn an dem Tage, an welchem der Arbeiterstand Englands zum Bewußtsein seiner Kraft gelaugt und Gewalt gegen Gewalt in Anwendung bringt, ist's mit der Herrfchaft der Bour- geois zu Ende. Mit der Handvoll Soldaten wird daS Volk spielend fertig werden.— Um zu meiner Eizähluug der Ereignisse szurückzutommen: Die Stadtväler von Merlhhr fürchten einen Ausbruch des BolkSunwillenS; da jedoch bei der gesetzlichen Haltung der Bergleute kein Grund zum Aufbieten von Militär vorhanden war, griff mau zu dem nicht mehr ungewöhnlichen Mittel der Drohbriefe und nahm dieselben zum Vorwande für die Verstärkung der Polizeimann- schaflen und Bereithaltung von militärischen Kräften zur Unterdrückung eineS etwaigen Ausstände«. Wer über die Bereitwilligkeit der englischen Regierung, die Truppen zu einem so schmachvollen Geschäfte herzugeben, in Zweifel war, weiß seit Montag und zwar auS dem Munde deS Ministers Croß, der durch einige im Parlament gestellte Anfragen Mac-Donald'S zum Sprechen in der leidigen Angelegenheit gezwungen worden war, daß die englische Regierung eine Regierung der Besitzenden ist, welche die Armee al« natürliche Beschützerin de« Gelvsacke« be- trachtet.— Die Bergleute antworteten auf diese Herausforderungen in einigen großen Versammlungen. Sic verdammten daS Vor- gehen der Armenpflegen als parteiisch und erklärten in keinem Falle die Arbeit in den Dowlaiser Gruben auszunehmen, wenn nicht Alle wieder zugelassen würden. Sie hätten die Arbeit nicht ein- gestellt, sondern seien ausgesperrt, und wenn Einzelne durch ihre Arbeit die Gruben in Stand hielten, würden sie damit die Herren nur besähigen, die Masse länger ausgesperrt zu halten. Mu den Drohbriefen hätten sie niwtS zu thun, rrnd daS Aufgebot von Polizei und Militär sei lächerlich und aufreizend. Der edle Grundsatz, den ausgesperrten Arbeitern solche Arbeit anzubieten, welche sie voraussichtlich nicht annehmen um sie von der Armenliste streichen zu können, soll übrigen« in noch auSge- dehnterer Weis: in Anwendung gebracht werden, als bisher. Die Vorstände verschiedener Gemeinden haben unter sich und mit den Grubenbesitzern darüber Beraihuugen gepflogen, ob man den aus- gesperrten Arbeitern nicht ein wenig Arbeit zu irgend einem Preise geben könne um die Armenkassen von ihnen frei zu machen? Nehmen die Arbeiter an, dann ist die Gemeindekasse ihrer ledig, lehnen fle jedoch ab, dann ist man berechtigt, ihnen jede Unter- siützuug zu verweigern, da Arbeit für sie vorhanden ist. Also eine beschränkte Arbeitssperre, bei der die Grubenbesitzer die Armen- Unterstützung übernehmen und dabei noch ein ganz nette« Profilchen macheu würden. Während über diesen Anschlag noch berathen wird, erklären die Grubenbesitzer durch ihre Organe, daß sie ihre Werk« nicht mit einer Lohnreduktion von 10 Prozent sondern von 20 Prozent eröffnen würden, und bald werden sie es unter 30 Prozent nicht mehr thun können. Der Verlauf der Dinge ist sehr lehrreich. ES zeigt sich mit jedem Tage klarer, daß die Gewerkschaften in den Organisationen �__ der Kapitalisten einen Gegner gefunden haben, der ihnen zum mindesten» gewachsen ist, und sich nicht auf Lertheidigung beschränkt. Ein jammernder Artikel über die„Verschwörung von Armen- Pflegern und Arbeitgebern" in der letzten Nummer deS „Beehive" giebt dieser Erkeuntniß mit folgenden Worten AuS- druck: „Sollten Absicht, Geist und Haltung des Arbeitgeber» in anderen großen Geschäftszweigen de« Königreiche« dieselben werden wie in WaleS, so würde eine veränderte Politik von Seite der Arbeiter zur absoluten Nothwendigkeit werden und, obgleich nicht wünschenSwerth, wird ein solcher Wechsel der Politik sicher auch voa einem Wechsel des Geiste« der Arbeiter be- gleitet sein." Wir wollen sehen, ob eS die Herren Gewerkschaftler bei der Drohung bewenden lassen. Ein Wechsel de« Geist-S der Arbeiter ist nicht nur nothwendig sondern auch sehr wünschenSwerth. 3. 31. März.— Der heutige„ Daily Telegraph" enthält ein Telegramm auS Cardiff, nach welchem eine Versammlung von South-WaleS und Monmouthshire'schen Grubenbesitzern beschlossen hat, in gewissen Bezirken die Gruben zu öffnen, den Arbeitern jedoch nur Arbeit bis zum Betrage der Armenunterstllyung— nach dem Lohntaris von 1870— zu geben. Drucks eh lerberichtigung: Das Datum der letzten Corre- spondenz sollte sein 28. Februar und nicht 28. März 1375. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. GewerkSgenossen! Nachdem in Folge des Todes unseres wackeren Genossen Uorck die Geschäftsführung provisorisch den Herren I. Auer und August Geib in Hamburg übertragen wurde, am 1. April aber die von jenbn Herren unserer Sache in humanster Weise zugesagte und bcthätigte Unterstützung abgelaufen ist, hat der unterzeichnete Ausschuß in Vereinbarung mit der Controllkom- Mission Rich. C. I. Wolf mit der Leitung der Geschäfte der Gewerkschaft der Holzarbeiter und der„Union" beauftragt, welches wir unter gleichzeitiger dankender Anerkennung der von den Herren I. Auer und Aug. Geib unserer Gewerkschaft geleisteten Dienste den Genoffen hiermit zur Kenntniß bringen. Demgemäß sind von nun an sämmtliche Briefe und Packete, welche für den unterzeichneten Ausschuß bestimmt sind, sowie alle Briefe und Mittheilungcn für die Redaktion der„Union" an die Adresse Wchard Wolf, Kamvurg, Breite-Straße 4, 1. Etage einzusenden; sämmtliche Gelder und Abrechnungen jedoch wie bisher an K. Soman«, Kttona, Avolfstraße 32. Von dieser Anordnung wollen alle GewerkSgenossen und Leser der„Union" Kenntniß nehmen. Hamb urg-Altona, den 1. April 1875. Der Ausschuß der Gewerkschaft der Holzarbeiter. Verband der Klempner(Spengler) und Berufsgcnossen. Arcmen. Schon seit längerer Zeit verdroß einige der hiesigen Arbeitgeber die„ungeheure kurze Arbeitszeit" von 10 Stuu- den, und wurde alles Mögliche und Unmögliche versucht, die Arbeitszeit wieder um eine Stunde zu verlängern. Alle Versuche scheiterten hauptsächlich an dem einmüthigen Zusammenhalten der Arbeiter. Endlich, am 15. März waren mehrere durch Bourgeois- gestnnung längst bekannte Meister einig und proklamirten die elf- stüadige Arbeitszeit. Die Folge war, daß fast alle in den Werk- stättcn dieser Herren, welche durch Verlängerung der Arbeitszeit die Ueber-Arbeit beseitigen wollen— wofür wir uns natürlich schönstens bedanken— beschäftigten Collegen, die Arbeit ein- stellten. Obgleich jetzt nur noch 6—8 Mann zu unterstützen sind, so siud doch unsere Mittel derartig erschöpft, daß wir uns au Euch Collegen des In- und Auslandes mit der Bitte wen- den, uns nach besten Kräften zu unterstützen. Bedenkt, daß wir für Euch mitkämpfen und darum helfet uns! Alle für Einen und Einer für Alle! Mit collegialischem Gruß und Handschlag. L. MiruS. Neuestraße 9, I. Bremen. Eingetragene Genossenschaft der Gruben- und Tagarbeiter. Zwickau. Rechnungsbericht pro 1874. Einnahme: Mit- gliederbeiträge Thlr. 295., Eintrittsgelder Thlr. 20., außerordent tiche Einnahme Thlr. 3. 24. 4., Zinsen Thlr. 8. 17. 4., Summa Thlr. 327. 11. 9. Ausgabe: Für Annoncen Thlr. 8. 22., Statuten, Quittungsbücher, Tabellen und andere Drucksachen Thlr. 45. 12., Unterstützung Thlr. 45., BerwaltungSkosten und Remuneration Thlr. 21. 6. 2., Aufwand bei der Generalversammlung Thlr. 8. 4., GerichlSkosten für Statutenprüsung und Eintragung des neuge- wählten Ausschusses Thlr. 14. 16. 9., für Vereins- und QuittungS- stempel Thlr. 5. 7. 5., sür Porto Thlr. 1. 14., für Schreibma- terialien, Vermehrung deS Inventars u. s. w. Thlr. 2. 27. 2., Summa Thlr. 152. 27. 8. Kassenbestand 1873: Thlr. 167. 28. Ueberschuß 1874: Thlr. 174. 14. 1. Summa Thlr. 342. 12. 1. oder Mark 1024. 21. Vorstehenden RechnungSbericht geben wir auf vielfachen Wunsch Seitens der Mitglieder, und auch, um den üblen Nachreden zu begegnen, welche in letzterer Zeit verschiedentlich auS Unkenntniß oder Bosheit in Umlauf gesetzt find. Müssen auch die Erfolge bei einer so großen Korporation als nicht zufriedenstellend be- zeichnet werden, und bleibt die Gleichgültigkeit und Schüchternheit, womit man der Genossenschaft begegnet, unerklärlich, so wird die gegenwärtige Verwaltung, unbekümmert um alles Gekläffe, die im Statut vorgeschriebenen Ziele unverrück) im Auge behalten; sie hofft dabei, von allen Mitgliedern pünktlich unterstützt zu werden. Der Ausschuß. Allgemeiner deutscher Töpferverein. Kamvurg, den 31. März. Die diesjährige Generalversamm- lung des Allgemeinen deutschen TöpservereinS findet am 29., 30. und 31. Mai in Meißen statt, und sind diesbezügliche Anträge mindestens vier Wochen vorher an den Vorort Hamburg an untenstehende Adresse einzusenden. Gleichzeitig ersuche ich alle Töpfer Deutschlands, welche dem Verbände des Allgemeinen deut- schen TöpservereinS noch nicht angehören, sich demselben anzu- schließen, da nur durch einheitliches Wirken die Lage der Arbeiter gebessert werden kann. L. Gebert, Vors., Kurtzestraße 23, Hau« 4. Correspondenze«. Leipzig, 29. März. Sonntag, den 21. d. Mt«. wurde i» Neusellerhausen eine Volksversammlung abgehalten, in welcher die in der Bogel'schcu Maschiueadauanstalt beabsittigte Arbeit»- zeitverlängerung auf der Tagesordnung stand. Motteler und Fink, welche in dieser Versammlung zugegen waren, mißbilligten den Schritt de« Fabrikanten Bogel zwar auf das Entschiedenste, warnten aber die Arbeiter vor übereilten Schritten, und riethc» namentlich von einem Strike ab, sofern nicht sichere Aussicht auf Erfolg vorhanden sei. Da« paßte nun freilich dem„Leipziger Tageblatt" nicht in den Kram. Den Sozialdemokraten mußte Eins ausgewischt werden, wenn auch auf Kosten der Wahrheit. Dummdreist genug posaunte eS in die Welt hinan», Motteler und Fink hätten die Arbeiter der Vogel'schen Fabrik aufgefordert, die Arbeit einzustellen. Hierauf ist dem„Leipziger Tageblatt" folgende Berichtigung zugegangen und von demselben auch ver- öffentlicht worden: An die Redaktion des„Leipziger Tageblatt und Anzeiger." Auf Grund von§ 11 de» PreßgesetzeS verlangen wir Aufnahme der nachstehenden thatfächlichcn Berichtigung in die Rubrik„Nachtrag" Ihre« Blattes. Die Correspondenz(Leipzig, den 24. März) in Nr. 84 Ihre» Blattes über den Vorganz in der Vogel'schen Maschinenfabrik zu Sellerhausen enthält unter Anderem die Behauptung, daß die Unterzeichneten in einer Arbeiterversammlung zu Neusellerhauscn, die Vogel'schen Arbeiter zur Einstellung der Arbeit aufge- fordert hätten.— Es ist dies thatsächlich unwahr! Von den Vogel'schen Arbeitern aufgefordert, ihnen unfern Rath zu erlheilen und in der Versammlung zu erscheinen, haben wir— wie durch Zeugen erhärtet werden kann— den Leuten die ganze Sachlage und Tragweite ihrer Absichten und Entschlüsse klargelegt, sie ausdrücklich auf die Gefahr hingewiesen, der sie ohne Organisation im Falle einer Arbeitseinstellung ausgesetzt seien und betont, daß Herr Bogel einen partiellen Strike zu wünschen scheine. Da wir wußten, daß die Arbeiter der dortigen Fabrik weder organistrt noch einig waren, so empfahlen wir Organi- sation, Einigung und Entschlossenheit als unbedingte Erfordernisse für jeden Fall von Arbeitsniederlegung und als einzige Mittel, erworbene Rechte zu vertheidigen.— Ihr Berichterstatter behauptet ferner, wir hätten gesagt:„DaS Interesse ver Fabrikarbeiter über- Haupt bedinge, daß der Kampf entschlossen durchgeführt werde" und sucht in dieser Lesart den Schein zu erwecken, als hätten wir zu diesem Strike speziell aufgemuntert, um un» für alle Fälle öffentlich verantwortlich zu machen. Wir erklären diese Darstellung des Verhandelten, nach Form und Sinn als unwahr und weisen den Versuch einer solchen Verdächtigung entschieden zurück. Leipzig, den 25. März 1875. Jul. Motteler. W. Fink, Expedient des„Volksstaat". Ob der„Dresdner Anzeiger", der in derselben Angelegenheit das folgende Geschreibsel verübte, von der obigen Berechtigung Notiz nehmen wird, wollen wir bei der bekannten Ehrenhaftigkeit der nationalliberalcn Presse nicht vorweg behaupten. Jedenfalls ist es von Interesse, zu hören, wie auch der„Dresdner Anzeiger" lügt: Es heißt da: «In Neusellerhaufen bei Leipzig beschlossen die Arbeiter der Vogel'schen Maschinenfabrik wegen Lohnherabsetzung die Arbeit niederzulegen. Einige Arbeiter, besonder« Familienväter, reute der Entschluß, und eS rückten nun Reichstagsabgeordneter Motteler und Emissäre des„Volksstaat" aus, um mit flammenden Worten den Strike durchzusetzen. Dies geschah am Sonntag; die Feuer- reden klangen prächtig und— am Dienstag arbeiteten bereit» 150 von den 200 Arbeitern wieder. So meldet das„Leipziger Tageblatt"; bedarf eS ein Wort der Erläuterung? Den Dank für ihre Besonnenheit werden die Arbeiter selbst ernten, indem sie vor der unausbleiblichen Zerrüttung ihrer Familien bewahrt bleiben." Kleinzschocher. Am 1. März tagte auf der„Terrasse" eine Versammlung, welche vom Bürgerverein einberufen war zur Grün- dung eines Vereins, welcher die Aufgabe haben soll, die vom hie- sigen Pastor Schwabe projektirte Kleinkinderbewahranstalt durch Geld und geistige Mittel ins Leben zu bringen. Die Versamm- lung war ziemlich schwach besucht. Nur der BUrgerverein(Fort- schrittSpartei) hatte, mit Ausnahme einiger Sozialdemokraten, fein etwa 40 Mann starke« Kontingent gestellt. Etwa um 9 Uhr er- öffnete Pastor Schwabe die Versammlung. Ohne eine Bureau- wähl vorzunehmen, begann der Pastor sein Referat und setzte der Versammlung auseinander, daß er in seinem früheren Wirkung»- kreise(Kameuz) schon eine Kleinkinderbewahranstalt gegründet habe, welche sehr segensreiche Früchte bringe. Derselbe suchte in seinem Referate uns begreiflich zu machen, daß sich zu einer solchen Anstalt in Kleinzschocher ein recht dringende« Bedürfniß immer mehr fühlbar mache; und daß sein Projekt wirklich auf guten Boden gefallen sei, beweise auf daS deutlichste die SubscriptionS- liste.(850 Mrk. 90 Pf., wovon der Baron von Tauchnitz 515 Mrk. gezeichnet hat, sind eingegangen.) Ob da« Bedürfniß wirklich so groß ist, bezweifeln wir stark. Der Herr Pastor führte auS, daß zwar die Eltern in der Kindererziehung nicht ersetzt werden könnten, daß die Kinderbewahranstalt aber doch uothwendig sei, weil die meisten Eltern in Kleinzschocher darauf angewiesen seien, entweder in der Fabrik oder auf dem Felde ihrem Broderwerb nachzugehen, und in Folge dessen nicht die nothwendige Sorgfalt auf die Kleinen verwenden können.— Ja, lieber Pastor,«S ist traurig, daß es so ist, aber noch trauriger ist eS, daß Sie al» Pastor hier direkt für das Kapital in die Schranken treten. Trost hat Ihnen ja schon in seiner Erwiderung gesagt, daß diese Anstalt keinen andern Zweck hat, als den Müttern die Kindererziehung abzu- nehmen, damit sie in der Gottesfurcht, wie Sie sagten, zur Schule herangebildet würden, zum selbstständigen Denken, und damit die Mütter in der Fabrik oder auf dem Felde den Männern Kon- kurrenz machen können, damit die Arbeitslöhne immer noch mehr herabgedrückt werden können, und der Nutzen, anstatt den Arbei- lern, den Besitzenden mühelos in den Schooß fällt. Wir werden uns nicht irren, wenn wir annehmen, daß unter den Letzteren auch Sie sich befinden. Nun, wir werden ja sehen, wa« aus dieser Anstalt wird. Da der Raum de«„VolkSstaat" beschränkt ist, so müssen wir mit dem Pastor aushören, um mit dem Herrn Lehrer KuniS noch ein Wörtchen zu reden. Wenn im Laufe der Debatte bei der Statutenberathuug die Zeit etwas rascher verlief und die Uhr bald 12 zeigte, so waren Sie, Herr Lehrer, deshalb immer noch nicht im Rechte, die Versammlung aufzufordern, die Ange- legenheit auf die leichte Achsel zu nehmen. Uns dünkt, die Gründung einer Kinderbewahranstalt hat eine tiefere Bedeutung, als daß man sie auf die leichte Achsel nimmt. Wenn diese Aenßeruug von einem Andern gemacht wäre, würde eS unS nicht wundern, von einem Lehrer ist es aber unverzeihlich. Wir empfehlen Ihnen zu lesen:„Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit von Sack.- Nu» hätten wir noch eine Frage auf dem Herzen: Wo war denn am 1. März der alle« erwägende und alle« verbeflernde Temeiodeverein? Wenn nicht alle Propheten lügen, so scheint die iu der Gemeinde sich still verbreitende Ansicht richtig zu sein, daß der Gemeindeverei» durch seine chinesische Mauer sich selber ab- schließt, um den zwar um kein Haar besseren Bttrgervereiu nach und nach da« Alle«erwägen zu überlasten. Wir sind begierig, welche Stellung derselbe nehme» wird, wenn der neue Lerem von dem Gemeiodesäckel Subvention verlangt. Dem Pastor zu Ge- falle»«erden die Herrn wohl„Ja* sagen. ffßMehrere Kleinzschocher'sche Einwohner. Ares de», 22. März. Der GeneralstaatSanwalt Schwarze ist uuu endlich so gnädig gewesen und hat, nicht über seiue Reich«» tagSthätigkeit, sondern über den Reichstag Bericht erstattet, doch nicht vor seinen Wählern, nicht in öffentlicher Versammlung, son- der» hinter verschlossenen Thüreu iu einem obskuren BezirkSver- ein. Da erzählte nun der Herr General-Staatsanwalt, wie e« mit den Parteien beschaffen ist. Süße Eintracht unter den Reich«- freunden. Lon der Fraktion, zu der der Herr GcneralstaatSan- walt gehörte, erzählte derselbe sehr wenig. Seine Wähler dürfen noch nicht ersahreu, da« die« die Fraktion der Großgrundbesitzer, der Grafen, Fürsteu, Herzöge und der hoheu Beamten, der Ge- veralstaat«anwälte, Kreishauptleute ist. Herr Schwarze war a bisset sächsisch, a Vissel deutsch, so bleibt er pattiotisch und reich«- freundlich. Er will da« Schwarz-Weiß-Roth mit Grün mischen, damit ein grünlicher Schimmer entsteht und die Sachsen denken: unser Grün ist auch dabei. Denn etwa« Andere« kann doch die Aeußerung unsere« rechtSelbischeu Abgeordneten nicht bedeuten, wenn er sagt, er wolle die Borzüge(?) unserer sächsischen Gesetz- gebung in Berlin zur Geltung bringen. Genug, öffentlich aufzu- treten wage» diese Herreu nicht. E« ist die Furcht vor der So- zialdemokratie. In öffentlicher Versammlung nimmt Herr Schwarze den Kampf gegen die Sozialdemokratie nicht auf. ES kämpft sich ja auch weit sicherer vom GeneralstaatSauwaltS-Sessel au«. Neichenbach i.$. Veranlaßt durch den in Nr. 31 de« „Vmtsstaat* enthaltenen Bericht au« Reichenbach i. B. erlaube ich mir einen kleineu Fehler zu berichtigen. In dem Etablissement von Georg Schleber arbeiten nicht gegen 500 Arbeiter, sondern nur 250— 300. Ich erwähne diese« Umstände« nur, da e« sonst leicht den Anschein gewinnen könnte, als ob zu einem reinen Ein- kommen von 50,000 Thaler bei einem derartigen Etablissement die Arbeit von 500 Menschen erforderlich sei. Nein, bei der heutigen Produktionsweise genügen schon 250—300. Und daß die 50,000 Thaler nicht zu hoch veranschlagt sind, beweist der Umstand, daß gegenüber dem Schreiber diese«, der Gelegenheit hatte, mit einem sachverstäudigcn Manne darüber zu sprechen, e« von diesem uur sehr matt bezweifelt wurde. Und doch ist, so viel der Schreiber diese« weiß, genannte« Etablissement zu den tom- munlichcn Abgaben uur mit 30,000 Thaler abgeschätzt. Ein Arbeiter. Iraustfurt a. M. E« dürfte jedenfalls nicht uunöthig er- scheinen, die hiesigen Freunde unserir Sache sowie die Parteige- Nossen und die Leser de«„Volksstaat* zu dem bereit« begonnenen Quartal zu zahlreichem Abonnement auf denselben zu ermahnen. Wie schon bekannt, werden iu Zunkunst der„Volksstaat* und „Neue Sozialdemokrat* die offiziellen Organe der neu zu grün- denden deutschen Arbeiterpartei seiu. Daß e« Pflicht eine« jeden Sozialisten ist, für deren weiteste Verbreitung zu wirken, braucht kaum erst erwähnt zu werden, und doch müßte bei Weitem mehr geschehe», al« bisher geschehen ist. Die Parteigenossen und die Leser de«„BolkSstaat* sind e« gerade, an die ich mich speziell «eude, da für sie iu Frankfurt die Einrichtungen bezüglich de» Abonuemeut« nicht gcttoffen find, wie bei den Abonnenten de« „Neuen Sozialvemokrat*, die einen eigenen Colporteur haben. E« sind in Folge dessen für uu« nicht die Vortheile und Be- qucmlich leiten zum Abonniren vorhanden, wie bei letzteren, son- dern wir sind gezwungen, zur Post zu gehen.*) Wir haben also um so mehr Sorge dafür zu tragen, daß wenigsten« die« geschieht. Jede sich darbietende Gelegenheit muß benutzt werden, um unter Freunden und Betauvten Abonnenten auf den„BolkSstaat* zu ge Winnen. Darum gehe ein Jeder zur Post und abonnire für da« neue Quartal de»„BolkSstaat*. Hffnitach, 28. März. Mit Widerstreben, jedoch durch die letzten Vorkommnisse gezwungen, sehen wir uu« veranlaßt, da« Gebahreu einiger Herren, welche sich berufen glauben, unbedingt eine Rolle in der Arbeiterwelt spielen zu müssen, zur Keuntniß der Arbeiterwelt zu bringen. Nachdem die Herren Stürz, Heuser und Müller im verflossenen Jahr au« dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein»»«getreten waren, glaubten dieselben aus eigue Faust Sozialismus treiben zu müssen und gründeten demzufolge einen sogenannten Preßverein behuf« Herausgabe eine« Arbeiter- blatte«. Darauf forderten die Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei genannte Herreu auf, in die Partei einzutreten, um inuerhalb der Arbeiterbewegung für dieselbe zu wirken; dieselben erklärten aber die« unter keinen Umständen thun zu wollen. Später, al« da« projektirte Blatt, wie bekannt, mit Hilfe der Mainzer und Frankfurter Mitglieder der sozialdemokratischen Ardeiterpartei, trotz de« Widerspruch« der Offenbacher Parteigenossen, in« Leben gerufen war, schien e« ansang«, al« ob die Herreu Stürz, Heuser und Müller die« wirklich im Interesse der gesammten Arbeuersache gethau hätten, da, wie bekannt, W. Blo« die Redaktion diese« Blatte« führte. Doch uur zu bald warfen die Herreu die Ma«ke ab und zwar au« folgenden Gründen. Nachdem dieselben nach ihrer eignen wiederholten öffentlichen Er- tlaruug keiu Geld mehr vom Präsidium de« Allgemeinen deutschen Arbeiterverein« erhielte.', also ihre Rechnung nicht mehr fanden, glaubten sie den damal« herrschenden Zwiespalt in der deutschen Sozialdemokratie benutzen zu können, um sich eine Domäne zu schaffen. Al« aber freilich für jene Herreu viel zu ftüh der von uu« mit Freuden begrüßle Einigungsvorschlag gemacht wurde, hielten wir behuf» Besprechung de« gemachten Vorschlag« eine ge- meiuschasttiche geschlossene Mitgliederversammlung ab, welche, wie bereit« durch den„BolkSstaat* und„Neuen Sozialdemokrat* be- kanut» zur allgemeinen Zuftiedenheit ausfiel. Da wurde e« ge- nannten Herren uugemüthlich und flug« beriefen sie eine öffeut- liche Versammlung mit der Tagesordnung:„Wer sind die Ber- rälher*, ein. Auf da» Geschimpf selbst wollen wir nicht eingehen, müssen aber erwähne», daß diese Herren die von uns abgehaltene Versammlung al« eine solche von Buben erklärten, zugleich aber auch die Erklärung abgaben, jetzt der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei beitreten zu wollen. Hierauf erklärte der Vertrauensmann, unter solchen Verhältnissen die Aufnahme der Herren Stürz, Heuser und Müller verweigern zu müssen. Bi« zu dieser Zeit hatte die„Neue Offenbacher Tageszeitung* eine rein prinzipielle Haltung, soweit die« bei einem Lotalblatte möglich ist, nachdem *) Bezwungen? Warum t« nicht machen wie die Mitglieder de« Allgem. deutsch. Arbeiterverein«? aber W. Blo» von der Redaktion zurückgekehrte» und Herr Stürz an dessen Stelle getreten war, verleugnete genannte Zeitung jed- welche prinzipielle Haltung, die Redaktion begnügt sich, au« der „Kölnischen Zeitung* und andern BoorgeoiSzeitungen ohne jed- weden Commentar hin und wieder auch au« den Arbeiterzeitungen aber ohne Quellenangabe Artikel abzudrucken. Diese« über da« Blatt. Und nun kurz zu den Herren selbst. Am 17. März be- riefen wir eine Volksversammlung zu Ehren der Märzkäwpser ein. Auf der Tagesordnung stand:„Die Reaktion*, Referent Ulrich; und„Die Bereinigung der Sozialdemokratie*, Referent Blo«. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellt Müller den An- trag, Ulrich nicht sprechen zu lassen, da derselbe die Arbeiter in einer öffentlichen Versammlung Lumpe genannt habe. Fällt e« un« nun auch gar nicht ein, diese Gemeinheit dem Antragstelle. gegenüber zurückzuweisen, so müssen wir die« doch den Arbeitern gegenüber thun, und erklären wir hiermit die Aeußerung für eine ge- meine Lüge. Wie man sich denken kann, war die ganze Sache daraus berechnet, die Versammlung zu sprengen, wa« den Herren auch gelaug. Wir wollten diesen Tag, der gewiß jedem fteisin- nigen Mann heilig ist, nicht weiter verunglimpfen lassen und zogen un« deshalb in da« Partei-Lokal zurück und feierten dort da« Andenken der Märzkäwpser in würdiger Weise. Nachdem wir in gedrängter Kürze einen Ueberblick der hiesigen Verhättniffe ge- geben haben, bringen wir den Beschluß der Offenbacher Mitglieder beider Fraktionen zur öffentlichen Kenntniß. Der Beschluß lautet: Die„Neue Offenbacher Tageszeitung* entspricht in ihrer jetzigen Haltung keineswegs den Anforderungen der Sozialdemokratie und weisen wir jede Gemeinschaft mit ihr zurück. Nachdem die Herren Stürz, Heuser und Müller in ihrer Anmaßung so weit gegangen sind, eine Versammlung, in welcher die Einigung der Sozial- demokratie auf der Tagesordnung stand, zu stören,«klären wir dieselben für unwürdig, in die Arbeiterpartei ausgenommen zu werden, so lange dieselben in ihrer jetzigen Haltung beharren. Die Mitglieder beider Fraktionen. Augsburg, 26. März. In den letzten beiden Versammlungen der hiesigen Parteimitglieder wurde da« Programm und die Or- ganisation der zu gründenden deutschen Arbeiterpartei berathen und der Unterzeichnete beaufttagt, das Resultat dieser Berathung im„Volksstaat" zu veröffentlichen. Sämmtliche Redner sprachen sich dahin au«, daß man eine Vereinigung der beiden Fraktionen sehnlichst wünsche, keiner derselben konnte sich jedoch mit dem Programm-, wie mit dem Organisation«- Entwurf vollständig be- freunden. Bezüglich de« Programm« wurde erwähnt, daß e« gegenüber unserem bisherigen eher einen Rückschritt al« Fortschritt bedeute. Insbesondere konnte man nicht einsehen, warum e« noch eigen« ausgesprochen werden müsse, daß die„deutsche* Arbeiter- Partei zunächst im Rahmen de« heutigen nationalen Staate« wirke. Weiter sprach man sich gegen Abs. 1 in III au«, wo zur Anbahnung der Lösung der sozialen Frage Staatskredit(im Eni- wurf steht: StaatShilfe. R. d. V.) verlangt wird, da wohl kein Sozialist im heutigen Klassenstaate einen solchen Schritt für mög- lich halte.— In Bezug aus die Organisation wurde außer einigen untergeordneten Punkten die Nothwendigkeit der Streichung de» § 13 ausgesprochen, damit die Unabhängigkeit der Control-Com Mission gegenüber etwaigen Diktaturgelüsten de« Vorstande« ge- wahrt sei.— Die letzte Versammlung beschloß, ihren Delegirten zu beaustragen, in diesem Sinne beim Congresse auf Abänderung de« Programm- und Organisation«-Entwürfe» zu wirken.— Möchten die Parteigenossen allerort« eiftigst an die Berathung der Vorlage gehen und ihre Meinungen im Parteiorgan ver- öffentlichen, e« würde dadurch die Arbeit de« Congreffe« bedeu tend vermindert werden. L. Tau scher. Ab. 5.10. Schstr Lindenau Ab.' 11.25.'Snbrg«»«büttel«un. 1.00. Wbr hier Ab. 2.75. Bschmnn hier Ab. 0.55. Sdl hier Ab. S.56. Mntffl hier Ab. 1.25. Bchhm hier Schr. 0.75. Frdmr Dresden Ab. 1.20. Hdlch hier Ab. 5.10,«chr. 4.60. Bsngrtn hier Ab. 7.80._ Für die Hinterbliebene» yorck'S. von R. Mein hier 2.40. ?«»d f. Pol.Ge«atre>elte. von Hchtl Pari» 1.00,». Dr. T. hier 1 50, v. T. hier 0.25. Für die autgesperrte» Arbeiter der vogelschen Fabrik. von Arbeitern»er Rähmaschinenfabril». Aiehle hier 7. 35. In der Versammlung der Sozialdemokraten Leipzig« ,c. 12. 73. St Ludwig. Breslau An die Vorstände sämmtlicher deutschen Gewerkschaften, sowie der verschiedenen lokalen Fachvereine. Freitag, den 27. März, fand iu Hamburg eine Conferenz sämmtlicher dort befindlicher Gewerkschafttbevollmächtigten statt, an welcher ebeusall« die Herren Schöning, Geib, Otto Kapell, Fin», Auer, Hartmann, Drogand, Riecke und andere in der Arbeiterbewegung bekannte Persönlichkeiten Theil nahmen. Zweck dieser Couferenz war die Besprechung der gewelkschaft- lichen Organisation, resp. Centtalisation aller Gewerkschaften in einen Centralverband. Nachdem vou allen Seiten die Nothwen- digkeit solcher Organisation und Centtalisation betont worden war und man selbstverständlich dabei hervorgehoben hatte, daß der Einigung der politischen Arbeiterparteien auch die der Gewerk- schaftsparteieu folgen müsse, wurde folgender Autrag de« Herrn Otto Kapell angenommen: ». Ende April d. I. eine Conferenz sämmtlicher Vorstände der jetzt organistrten Gewerkschaften von beiden Seiten einzube- rufen. Diese Vorstände beschließen unter sich, wie viel De- legirtt sie zu dieser Conferenz senden. b. Zweck der Conferenz: 1) Einheitliche Organisation der einzelnen Berufsklassen, Au«- arbeitung eine« Statut«, welche« den darauf stattfindenden Generalversammlungen und Congrcssen der betreffenden Berussklassen unterbreitet werden soll. 2) Ausarbeitung eines alle Gewerkschaften verbindenden Or- ganisationSentwurf«. 3) Festsetzung der Zeit, in welcher ein allgemeiner Gewerk- schast«eongreß stattfinden soll. Um diese Beschlüsse zunächst praktisch zur Ausführung zu bringen, wurden die drei Unterzeichneten gewählt, und ersuchen diese die obengenannten Vorstände um möglichst baldige Zusendung genauer Adresse», an welche die Einladung zur Conferenz zu senden ist. Bei der Wichtigkeit dieser Frage möge Jeder zur kräftigen Ent- Wicklung der Gewerkschaften dadurch beitragen, daß er so schnell al« möglich dem Wunsche der Unterzeichneten nachkommt. Otto Kapell, Berlin, Waldemarstraße 56. H. Riecke, Braunschweig, Schöppenstädterstraße 50. H. Groß, Hamburg, St. Pauli, Bergstraße, Hof 23. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck de« obenstehenden Auf- ruf» gebeten. Oriefknfte» der Expedition. W. Schür. Reichenberg: Wenn miglich werde» wir Ihnen den Bd. 1 der Pfaffenpeiische verschaffen. PH. Becker in Gens: Haben Sie im Zeitraum vom 1. Februar bi« 15. März au» Berlin keinen Brief erhalten? Warum keine Antwort? A. Trautmann. Quittnng. der Expedition. Brtl« Altona Ann.>0.50. Wlkrlng Eimsbüttel Ann. 3.00 Mllr Bockenheim Schr. 2.45. Hchtl Pari« Ab. 5.00. Mllr hier Ab. 15.00. R. Mrtn hier Ab. 3.60. Slbrbrg Wien Ab. 15.00. P. Schlbch Liege Ab. 4.06. Elb Morgenroth hier Schr. 4.80. Mnnr Pforz- heim Ab. 6.00. Lpmno Berlin Ab. 4.00. Trgr Dresden Ann. 0.30. Dtzr Zwickau Ab. 54.00. Otto Harburg Ab. 17.00, Schr. 36,45. Schmbt Möckern Ab. 1.60. Schudr Mannheim Ab. 19.50. Hrtmnn Jauowitz Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonntag, den 18 April ds«. I»., Nachmittag« halb 4 Uhr, im Lokale zum Weißen Engel, Lupferschmiedestr. Nr. 11: Geaeralversammlnng. T.-O.: 1) Rechenschaftsbericht vom ersten Quartal 1875. 2) Neuwahl de« vorstand. 3) verschieden«». Die Mitglieder müssen alle pünktlich erscheinen. ________ H. Nebel, Be».[100] ATfiktt Sonntag, den 11. April, halb 11 Uhr Morgen», in der Glocke, am Hos Nr. 14: Oeffentliche Arbeitrrversammlung. T.-O.: Trennung von Staat und Äirche! Res.: a«. Rttttnghausen. Der überau« wichtigen Tagesordnung wegen bitten wir die Partei« genossen, Abonnenten de»„BolkSstaat" und de»„Neuen Sozialdemokrat*» recht zahlreich und pünftlich zu erscheinen. Der Bertrauensm. s70I (EÖltl Lrste Stiftungsfest de» Kachverein» der Schuhmachergefelle» für Cöl» und Umqeaeud, bestehend in großem Festball und Festrede, findet am Sonntag, den 11. April, Abend« halb 8 Uhr in sämmtliche» Lokalitäten de» ahm Kuhberg statt. Entrö 75 Pf.— Damen frei.— Kassenprei» erhöht. Der Ball findet llnter Leitung de» Tanzlehrer« Herrn Bock statt. Karten find im Beretnslokale bei Herrn Modemann, Sireitzeuggasse Nr. 37 zu habm. Freunde der Arbeitersache find herzlich willkommen. _____ Der vorstand.['3.00] (5 0 U 11 C tU 1 � Mittwoch, d. 7. April: Zusammen kunst in Gerhardt'« Restaurant._____ D. v.[30] ÄT' btn n" Nachmittag« 4 Uhr, im oberen Generalversammlung der Holzarbeitergewerkschaft. Tagesordnung: Kassenbericht und innere BerelnSangelegeiiheiten. Die Mitglieder werden auf S 26 de« Krankenkassenstatut aufmerksam gemacht.__ Dervorstand.[60 (faitllill Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabmd, dm 10. März: Versammlung Windmühlenstraße Nr. 7. T.-O.: Diskussion über die eingegangene Frage: Sind Mitglieder, welche sich bei einem Strtke nicht bethetligen, noch al« solche zu betrachten? Referent: Seifert.— Ausnahme neuer Mitglieder. Mttwoch Abend«: AuSschuj-Sitzung.— TageSordn.: Abrechnung. D. B.: H. Schifsel, sSOs O�htirt Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, dm 8. April, Abends balb 3 Uhr: Versammlung bei Jacobt, Roseuthalgafle. Tagesordnung: Sozial-politischer Wochenbericht. Resermt: Fink.— Bortrag von Rud. Seiffert_ Der Vorstand.[50] {foihlill Gewerkschaft«- Borstände. Freitag, den 9. April, Abend« halb 9 Uhr: Zusammkunft bei Hrn. Schreiber, Münzgaffe. «.[30] Steinmetzen-Gesuch. s« können 2 gute solide Arbeiter in Grabstein und Monument, der eine in Granit, der andere in Sandstein, vie selbstständig und gut nach Zeichnungen arbeite», dauernde Arbeit und hohen Lohn erhallen bei jE. F. Petersen, Steinmetz. 11,75) Heide, SchleSwig-Holstein_(3b) Geburtsanzeige. Durch die Geburt eine« gesunden Knaben wurden erfreut Eimsbüttel, 29. März 1875. W. Siedenburg und Frau.(1.00) Bon jetzt au wohne ich: Große Schießgasse Nr. 7, 4. Etage, bei Herrn Herwig. Dresden. R. Tröger, Vertrauensmann. Photographien von Theodor Morck in Bifitenkartenformat k 25 Pfennige da« Stück, zwei Dutzend zu 5Rmk. gegen baar; in klem Folio-Format * Stück 3 Rmk., 6 Stück gegen baar 15 Rmk. find zu beziehen von der _ Buchhandlung de»„BolkSstaat*. Die Allgemeine Buchbiuderzeitung, Organ de« verbände« für Buchbinder und verwandte Geschäftszweige erscheint in Leipzig wöchentlich 1 Mal. Prei« pro Bierteljahr durch die Post bezogen 1 Mark. Annoncen finden die weiteste Berbreitang in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. Die Redactiou der Allgemeinen Buchbiuderzeitung. Sternwartmstraße 23. Westdeutscher Ärbeitertag Sonntag, 11. April, vormittag» 11 Uhr, Im Lokale de« Herr« BoSpoth, Lütgenbrückstroße, in Dortmund. Tagesordnung: I) Der Eongreß der dmtschen Sozialisten. 2) Besprechung der Borlagen sür da« Programm und die Organ!« sation der dmtschen Arbeiterpartei. 3) Erhöhung der höchste» Zahl der Mandatgeber eine« Eongreß- Delegirten von 400 auf 1000. Der Eongreß wird ein der wichtigsten Ereignisse tu der deutschon Arbeiterbewegung sei». Die Bereinigung der Sozialisten Deutschland« aus einer dauerhastm prinzipiellen und organisatorischen Grundlage, welche den inner» Frieden verbürgt, die Agitation besördert und allen Angriffen von Außen wirksam« Widerstand zu leisten vermag,— da« ist die hohe Anfgobe»e» Eongresse«, in Betreff welcher unzweifelhaft völlige Klarheit und die möglichste Verständigung vor de« Zusommeu- tritte de« Eongresse» herbeigeführt«erden muß.— Hierzu soll der Westdeutsche Arbeitenag mitwirken, zu dessen allseitiger Beschickung durch Delegtrte wir die westdeutschen Parttigenoflm beider Fractionm dringend einladen. Bei allen Zügm find Führer an den Bahnhöfen. Im Austrage: Kehmer(Essen). Seelig(Dortmund). Stuhr(Remscheid). Tölcke(Iserlohn). Wytzka(Löln).[380] Verantwortlicher Redakteur: 8t Setssert. Redaktion Hohestraße 4, Expedttto» Zettzerstraße 44, in Leipzig. Druck and Verlag der Gm-ffmschastsbnchdmcktrri tu Leipzig.