Erscheint in Feipjig Mittwoch, Freitag, Sonntag. ?! Bestellungen nehmen cm alle Postanstalten u. Buchhand- �, lungen des In-».Auslandes. ). Filial- Expeditionen tz für die Bereinigten Staaten: !g' F. A. Sorge, Hoi 101 Hoboken, N. J. f.„ Peter Haß, it 8. W. Corner Third and ). eoates str. Philadelphia, Der Mtslkit Abonncmentspreis für ganz Deutschland IM.MPf. pro Quartal. Monats- Abonnement s werden bei allen deutsden Postanstalten auf den Lieu u. 3len Monat und auf u 3ten Monat besonders a»- genommen; im Kgr. Sachs, n u. Hrzgtd. Sachs.-Altcnbu,.; auch auf den Itcu Monat d. a Quartals i 51 Pf. OrgandersozialdemokrattschenArbetterparteiundderinternationalenGewerksgenliffenschasten. MttatC. dt««khilttwg von Partei-, Verein«- nutz Volksversammlungen, sowie die Filial. Expeditionen und sonstig« Partei- Angelegenheiten betreffend, werde» mit 10 Pf.,— Privat- und Vergnügung«- Anzeigen mit 25 Pf. dt» dreigespalten« PeA- Zeile berechnet. Nr. 42. Mittwoch, 14. April. 1875. Herwegh tobt! Laut steigt die Lerche in die Luft, Nun muß der Frühling siegen, Doch ach! hinab in die schweigende Gruft Ist die»eiserne Lerche- gestiegen. Wer nimmt die Fahne in die Hand? Berlaffen steht die Warte, Wo Herwegh groß und einzig stand, Der Freiheit letzter Barde. Schon naht der Dichter Heer in Hanf, Im Geist von mir entboten: Wer wagt sich auf die Zinn hinauf An Statt de« edlen Tobten? Ich sprach'« und hob den Trauerflor, Der um die Fahn' gewunden, Da war der Dichter ganzer Chor Wie Nebelgestalten verschwunden. Kurt Mook. Die trvckeue Guillotine. Im Unterschied von der Schnellköpfung durch die bekannte Maschine de« Dr. Goillotin, die nasse Guillotine, haben die Franzosen für die langsame Tödtung eine« politischen Gegner« durch Deportation in Landstriche mit ungesundem Klima den Au«- druck»trockene Guillotine- erfunden. Man tödtet den Feivd dicht mit einem Gewaltstrciche, nicht im Angesicht der Oeffentlich- feit, nicht brutal aber bi« zu einem gewissen Grade ehrlich,— dem, man»schont- sein Leben, fließt womöglich von Humanität«- Phrasen über und versetzt ihn in Lebensbedingungen, die mit uor- walem Leben sich nicht vertragen, heimtückisch, schleichend, langsam, aber ebenso unfehlbar wie da« Messer der»nassen- Guillotine, de» Tod herbeiführen. Die ftanzöflsche Regierung, die Colonien hat, benutzt Cayenue und Neu-Caledonicn zu diesem philantro- pischcu Geschäft. Die preußische Regierung, die keine Colonien, und doch da» Bedürfniß einer»trockenen Guillotine- hat, mußte sich anderweitig helfen: il kaut corriger la fortune— man muß da« Glück korrigireu, sagt der geniale»Erbfeind- in»Minna von Barn- Helm-, und wenn wir ein»innere« Düppel- haben, warum nicht »uch ein innere« Cayenne, ei» innere» Neu- Caledonien? Gedacht, gethan. Wa« die Natur versagt, hat die Kunst ge- schaffen— wir haben Plötzeusee. Da« langsam tädtende Clima ist sinnreich durch eine langsam tödtende Diät ersetzt; und die trockene Guillotine der Berliner GesellschastSretter»arbeitet- mit derselben Sicherheit wie die der Bersailler. Hären wir ein Opfer dieser künstlichen»trockenen Guillotine-. Än einem Briefe vom 2. März d. I. schreibt Most: »Wein meinst Du, dürfte ich trinken? Der Traum ist süß, die Wirklichkeit bleibt kläglich! Ja, gesprochen wurde wohl von Wein, aber trinken— o weh!— trinken heißt'S Pumpenheimer. C« hat mir zwar Bamberger, kurz nachdem Geib hier war, eine Flasche Wein gebracht, allein diese steht ganz ruhig und weit von Meinen Lippen im kühlen Schatten und lagert. C« ist ferner eine Thatsache, daß meine körperliche Schlaffheit, allem Zimmer- turnen zum Trotze, im stetigen Zunehmen begriffen ist, so daß e« Mit einem Wunder zugehen muß, wenn ich nicht bald eine Glieder- krankheit, ein Nervenfieber oder Aehuliche««ich befallen sehen soll; und nicht minder ist e« ein Faktum, daß mich eine mäßige Wein- kur retten �könnte, wa« sogar ärztlicherseit« bereit« Anerkennung gefunden hat; allein die Verwaltung legt einfach ihr Veto ein, uud so muß ich eben langsam kaput gehen. Da« Einzige, wa« ich in Bezug aus meine Ernährung seither errang, ist die Er- laubuiß, täglich für 5 Pf. Dünnbier zu trinken. Du weißt so gut wie ich, daß e« meine Gewohnheit nicht ist, zur Wein flasche zu greifen, wirst daher auch begreifen, daß mein Verlangen nach Wein lediglich dem Umstände geschuldet ist, daß ich darin— und wahrlich uicht mit Unrecht— ein nervenstärkende« Arzneimittel erblicke. Indeß soll damit nicht gesagt fein, daß meiner Gesundheit nicht anderweitig noch besser gedient werden könute. Gestattete man mir, daß ich mich selbst beköstigte, resp. daß ich lebte wie ein civilistrtcr Mensch, dann wäre ich uicht schachmatt und brauchte auch keinen Wem. E« ist wahr» ich erhalte außer der Gisängoiß-»Kost- etliche genießbare Nahrungsmittel, aber von diesen allein kann ich doch uicht leben. Und diese Bohnen-, Erb- sen-, Linsen-, Rei«-, Kartoffel-, Brod- und Grütze-Suppen, weit entfernt, mir allmälig zur Gewohnheit zu werden, wiedersteheu wir täglich wehr; schon ihr Geruch flößt mir ungeheuren Abscheu ein. E« mag recht wohl zugegeben werden, daß abgedachte Stoffe hier so gut gekocht werden, al« die« den Verhältnissen nach denk bar ist; jedenfalls wird in anderen Gefängnissen nicht besser ge kocht, aber wa« nützt die« Alle«: ich bringe da« Zeug eben nicht mehr den Schlund hinab. Mein Gaumen und meine Zunge sind, wie man sich in Baiern ausdrückt, schon ganz»pelzig-; mein Ge» schmackSstnn ist förmlich abgestorben. Meiner Meinung nach rührt diese Wirkung nicht daher, daß gedachte Gefängnißsuppea an und für sich gar zu schlecht schmecken, denn ich fand sie in der ersten geit meine« Hiersein« durchaus uicht so übel und aß ziemliche nantitäten davon, vielmehr glaube ich» daß da« beständige Einerlei von solch verderblichen Folgen begleitet ist. Die« dringt mich zu der Ueberzengung, daß die Gesäugnißkost weit leichter sich essen ließe, wenn man sich wenigsten« allerlei viktualien(nament- lich scharfe Substanzen) kaufen könnte. Daß diese Ansicht nicht unrichtig ist, beweist schon der Umstand, daß sie von vielen Ber- waltungSbeamten de« Gefäognißwesen« getheilt wird. So gestattet man z. B. in Oesterreich den Gefangenen, neben dem Bezug von Rauchtabak(auch ein ganz vorzügliche« Appetit-Beförderung«- und Reizmittel), auch den Ankauf von Obst(namentlich von Citronev), sauren Gurken o. s. w., einfach weil man einsieht, daß irgend welche Extra- Kleiuigkeiten zur Erhaltung de« Appetit« absolut nothwendig sind. Aber in Preußen heißt e« eben»stramm- (buchstäblich):»Bogel ftiß oder stirb!- E» ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, daß die Gesängniß.„Reform-, welche gegen- wärtig zurecht gemacht wird, einige Wendungen zum Bessern im Gefolge hat, aber mir will scheinen, daß die Geschichte verdammt langsam geht. Uud eine vernünftige generelle Hausordnung wäre doch so leicht und so rasch anzufertigen— mindesten» eben so leicht und schnell al« ein Bank-, Civilehe- rc. Gesetz.-— Und vier Wochen später, am 29. März, schreibt Most an den- selben Freund: »Jetzt noch Einige« über meinen Corpu». Derselbe befindet sich zur Zeit in keinem österlichen Zustande, gleicht vielmehr einem alten Möbel, da« jeden Augenblick an» dem Leime gehen kann. Zu Anfang der vergangenen Woche hatte ich geschwollene Drüsen und Halsentzündung; und jetzt, wo sich jene Uebel wieder gelegt haben, bin ich förmlich deSorganistrt. Auf der Brust ein Gefühl al« wenn ein schwerer Stein darauf läge; sämmtliche Gelenke so schmerzhaft, al« ob sie mit Stricken zusammen geschnürt würden; ab und zu einen trockenen, sich sehr schwer lösenden Auswurf; und al« Krone für da» Ganze ein fieberartiges Frösteln. Wa« darau« werden soll, ist nicht abzusehen. Geschwitzt habe ich bereit» nach Noten, allein umsonst; Medizin mag ich keine, weil solche doch nicht« nützt, und meine Naturheilmittel kann ich hier nicht er- langen. Wiederholt hatte ich seit meinem Hiersein Krankheit«- anfalle— im Gegensatz zu meinem sonstigen stetigen Wohlsein—, allein in Zeit von 1—2 Tagen verzogen sich die Uebel wieder; die»mal aber scheint c« mich hartnäckiger packen zn wollen. Da- bei wird mir oft gesagt, daß ich gut aussehe, und ich sehe in der That nicht ganz schlecht au«, so daß mau mich vielleicht für einen Simulanten hält— da» Schlimmste, wa« einem Gefangenen passtren kann. Ich aber schreibe mein Uebel nur meiner Gefangen- schaft zu. Seit meinem dreizehnte» Jahre bi« jetzt hatte ich nie ärztliche Hilfe nöthig, und war nur ein einzige« Mal(vor 4 Jahren) krank, kurirte mich aber» trotzdem e« sich um die Pocken handelte, binnen 14 Tagen selbst. Solche Selbstkuren sind natürlich nur möglich, wenn man essen und trinken, sich bewegen, sich Tempe- ratur verschaffen, kurz sich verhalten und pflegen kann, wa» und wie und wo man will. Ich sage Dir, mir ahnt e«, daß mich hier noch die Würmer de« Boden« reklamireu werden; uud wenn e« ander« kommt, passirt ein Wunder. Dabei ist noch zu be merken, daß sich meine Lage insofern gebessert hat, al« ich von dem Ertrage meiner literarischen Arbeit den dritten Theil ver zehren kann. Ich kann also wöchentlich für ca. 2V Sgr. Viktua- lien kaufen, und lebe Früh und Abend« ungefähr ebenso, al« wenn ich Selbstbeköstigung ausübte. Freilich Mittag«— da liegt der Hund begraben. Bier Mal pr. Woche erhalte ich ein kleine« Stückchen Fleisch und etwa« Bouillon, und da« ist gut, drei Mal aber habe ich einfach»icht«, und da« ist faul. Gefängnißfutter könnte ich ftcilich, und noch dazu in wahren Riesenportioneu, be- kommen, aber— lieber verhungern.— Wenn ich nur wieder wohler wäre! Heute lag ich den ganzen Tag im Bett; wer weiß wie e« morgen ist. Diesen Brief schrieb ich Abend«, nachdem ich, vom Hunger übermannt— den ganzen Tag hatte ich nicht« ge gessen— ein Bischen Zehrung erhielt.- So Most. Au« der galgenhumoristischen Hülle herausgeschält, lautet die nackte Wahrheit: ich sterbe an der Gesäugnißkost. »Ich sterbe an der Gesäugnißkost I- Und der Beschluß, welchen der Reichstag in feiner vorletzten Sitzung»mit sehr großer Mehrheit-, wie Präsident Forckenbeck ausdrücklich konstatirte, in Sachen der Most'schen» Petition- faßte? Er liegt in den Schubladen, wen» nicht bereit« im Papierkorbe de« BundeSrath«. Der Reichstag ist an Fußtritte gewöhnt, und Most, der so zialistische Bertteter von 10,000 sozialistischen Wählern— Most muß in corpore vili, an seinem uichttwürdigen sozialistischen »Corpu«- die Borttefflichkeit und Wirksamkeit der trockenen Guillotine erproben lassen— der trockenen Guillotine von Plötzensee! Zur Ei»ig»»s auf gewerkschaftliche« Gebiete. (Schluß.) � Wir wollen de» ersten zwei Punkten keiue weiteren Ergänzun- gen hinzufügen, da sie selbstverständlich sind, und erlauben un« nur Einige« in Bezug auf den dritten Punkt— eine eventuelle Centtalverwaltung— zu bemerken. Bi« jetzt ist die praktische Her- stellung der»Union der Gewerkschaften- hauptsächlich theil« an der großen Unklarheit einzelner Gewerkschaft«!«»» in Beziehung auf diesen Puntt, theil» an der Eifersüchtelei und dem gegen- fettigen Mißttaueu gescheitert. Der erstere Uebelstaud dürfte nun wohl heute nicht mehr in dem ausgedehnten Maßstab« wie ftüher obwalten, wa» aber den letzteren Faktor anbettifft, so wird derselbe »icht zu beseitigen sein, so lange man nicht zu dem hier allein helserrden Mittel greift und die Verwaltungen der einzelnen Ge- werkschafteu, welche dem Bund beitreten, an einen und denselben Ort zusammenlegt. Dadurch wird diese« Hiuderniß ganz gewiß schnell uud ganz beseittgt, und e» ist auf dem einfachsten, vernünf- tigsteu und billigsten Wege eine Centtalverwaltung herbeigeführt. Hier müssen wir etwa« einschalten. E« wird nämlich dem Einem und dem Anderen unpraktisch erscheinen, daß wir die verschiedenen GewerkschaftSvcrwaltungen au einem Orte vereinigt wünschen; und et wäre auch unpraktisch, wenn anzunehmen wäre, daß die sämmtlichen in Deutschland be- stehenden Gewerkschaften, welche, klein und groß zusammengerechnet, wohl au die dreißig zählen— und zwar nicht nach Organisa- tionen, sondern nach Gewerken gerechnet— sich mit einander uniiren würden. Die« ist aber durchaus nicht anzunehmen uud wird nie der Fall sein. Die Cigarrenmacher, Goldschmiede, Buchdrucker werden der»Union- ferne bleiben,«eil sie bereit» eine Organisatton haben, die besser und kampffähiger ist, al« die »Union-, auch den besten Willen vorausgesetzt, sie vorläufig über- Haupt nur schaffen kann. Andere Gewerke werden un« ferne blei- den, weil wir unter der sozialistischen Fahne marschiren und daran« kein Geheimniß machen. Wir können heute, vorausgesetzt, daß die»Union- mit Ber- ständniß in« Leben gerufen wird, mit ziemlicher Bestimmtheit aus folgende Gewerke rechnen: Maurer, Zimmerer, Metall- arbeiter, Tischler(Holzarbeiter), Schuhmacher. Ob e« möz- lich sein wird, die Neineren Bereine, wie Spenglerverband, Sattlerverein, Schneidcrverein:c. mit hereinzuziehen, wird sich zeigen— die Möglichkeit ist vorhanden—, aber weiter wird e» wohl nicht gehen und braucht e« vorläufig auch nicht zu gehen. Die genannten Gewerke können ganz gut ihre Vorort«verwaltung an einem und demselben Orte haben, und werden dann die einzelnen Verwaltungen je einen oder zwei Bertteter zum CenttalauSschuß wählen, dessen Befugnisse bestimmt zu begrenzen und festzu- stellen sind. Vor Allem wird dieser CenttalauSschuß die Leitung de« Ge- wnkfchaftSorgan« zu übernehmen haben, und so die Bevorzugung de« etneu oder andere« Theil« verhindern. Da die verschiedenen Gewerkschaften ihre BerwaltungSbeamten so wie so bezahlen müssen, so braucht der CenttalauSschuß, der ja an« den Mitgliedern der einzelnen Gewerkschaft«- Verwaltungen besteht, nicht besonder« bezahlt zu werden und ist anzunehmen, daß nur eine einzige gemeinsame Abgabe für die verbündeten Ge- werkschasten nothwendig werden würde, uud zwar die Abgabe für da« gemeinschaftliche Organ. Außer der Leitung de« Organ», dürfte e« besonder« die Regelung der Agitation sein, wa« dem CenttalauSschuß zu unterstellen wäre. Daß auch bei ausbrechenden Sttike«, welche UniouS-Angchörige berühren, Seiten« de« Centtal- auSschnsse» auf die gegenseitige Unterstützung der einzelnen Gewerk»- gruppeu Rucksicht genommen werden müßte, ist selbstverständlich, doch müßte die eigentliche Leitung derselben Sache der betteffenden einzelnen Gewerkschaft«-Verwaltung sein. In dieser Beziehung mit Reglemeutirungen eingreifen zu wollen, hieße die heute wirken- den wirthschaftlichen Gesetze verkennen uud auf den Kopf stellen wollen. Wir glauben, daß wenn der CenttalauSschuß in diesem Sinne zusammengesetzt und seine Befugnisse so begrenzt sind, dann auch der skrupulöseste Gegner eine« Verbände» oder einer Union der Gewerkschaften seine Skrupel fallen lassen und Ja! sagen wird.— Da« wäre e« also, worüber die Conferenz sich klar zu werden, wa« sie in bestimmte Normen zn bringe» hätte. Ist die« ge- schehen, so kann zur Einberufung de« allgemeinen Congresse» ge- schritten»erden, dem die gemeinsam ausgearbeitete Borlage z« unterbreiten und dessen Urtheil anzuhören wäre. Hat sich der allgemeine Congreß über die Normalbestimmunzen geeinigt, s» können die einzelnen Gewerke in Gruppen zufammentteten, ihre Jahre»-Generalversammlungen abhalten uud sich darüber schlüssig machen, ob sie da» Normalstatnt anerkennen, überhaupt der Union beitreten wollen. Wird diese Frage von den einzelnen General- Versammlungen zum ersten Punkte ihrer Tagesordnung gemacht, so können sofort, nachdem sich alle vertretenen Gewerke über den Beittitt oder Nichtbeittitt entschieden haben, die Bertteter der sich verbindende« Gewnke zusammentreten und den gemeinsame« Vorort bestimme«. Nachdem auf diese Weise die Einheit gesichert ist, können die einzelnen Generalversammlungen ruhig weiter tagen und ihre Angelegenheiten ordne». Die« ist unsere Meinung und unser Lorschlag, der, wen» »»«geführt, gewiß allseitig befriedigen wird. Nu« wird man aber auch begreifen, warum wir gegen da« einseitige und störende Bor- gehen der Schuhmacher-Gewerkschast sind. Wie wir hören, wollen auch die Metallarbeiter mit der Einberufung ihre« Jahre«- Congresse« vorgehen, und zwar weil sie einzelne Paragraphen de« Statut« zu ändern haben. Wa« die« Angesicht« eine« zu entwerseudcn Normalstatut« bedeuten soll, ist un« unerfindlich, und hoffen wir, daß die Vorortsverwaltung der Metallarbeiter-Gewertschaft von ihrem Borhaben Abstand nehmen wird. A. Politische Uebersicht. — Die KricgSgerüchte erhalten sich. Theil» Börsenspiel, theil« Diplomatenspiel. Bedrohlich ist die politische Lage unzwei- felhaft und scheint au» den Ergüssen der Reptilienpresse hervorzu- zehn, daß e« der StaatSkunst de« Fürsten Bismarck gelungen ist, Frankreich die langgesuchten Allianzen zu verschaffen. Durch aller- lei»Genialitäten- gegen Belgien und Italien hat er letztere« zur Allianz mit Frankreich und Oestreich, und die Schutzmächte de» erstereu insbesondere England in feindliche Opposition zum preußisch- deutschen Reiche getrieben. �DaS"„Dreikaiserbllndiß" ist ge»! Harmonie zwischen Kapital und Arbeit» über dea leidizea schmolzen wie Schnee vor der FrilhlingSsonnc» und der biSmärck' scheu Schöpfung bleibt für den bevorstehenden Waffengang nur das Bündniß mit dem unheimlichen Rußland, das als Feind weit erwünschter M denn als Freund. Die Böller mögen sich sonach auf einen neuen Aderlaß vorbereiten. Wer aber wissen will, wie man Kriege macht, der lese die Bearbeitung der Schrift Lamar mora'S von BloS(.Blut und Eisen", Genossenschaftsdruckerei Chemnitz). — Einen unerhörten Gewaltstreich beging am Donnerstag die preußische Polizei in Frankfurt a. M., indem sie die Geschäfts- bücher der»Frankfurter Zeitung" wegholte. Andren Tags wurden dieselben mit Entschuldigungen zurückgegeben, eS fei eine»Ver wechSlung" gewesen, die Staatsanwaltschaft habe— um den Verfasser einer inkriminirten Schrift zu ermitteln— Einsicht in die Geschäftsbücher der Frankfurter SozictätSdruckerei nehmen wollen. An sich gehört schon ein sehr starker Glaube dazu, um an eine derartige.Verwechslung" zu glauben; wenn man aber 6e< denkt, daß das BiSmarck'sche Leibblatt, die.Norddeutsche Allge meine Zeitung" den Tag vor Wegholung der Geschäftsbücher den Eigcuthümer der.Frankfurter Zeitung" mit gewohnter Niedertracht der landeSverrätherifchen Beziehungen zu Frankreich bezüchtigt hatte, dann wird eS geradezu unmöglich, au.Verwechslung" zu glauben. — Das preußische Justizministerium, so hieß-S vor Kurzem, habe den Staatsanwälten Ordre gegeben, mit verdoppelter Strenge gegen die Sozialdemokraten vorzugehen. Da von den Herren Staatsanwälten k. seit Langem das Möglichste geleistet wird, und wir für die staatSretterifche Thätigkeit dieser und ähu- licher Geister uur(mit Verlaub deS� Fürsten Bismarck).da« Ge- fühl der Wurschtigkeit" haben, so betrachteten wir die Notiz als Üebermuth und die freche Genußsucht der arbeiteadea Klassen, die gar nicht.sparen" wolleu, zu belehren, zum Schluß aber seiaea so und so viel tauseadsten Bannfluch gegen die verruchte Sozial demagozie zu schleudern, welche die ganz unwahre B-Hauplunz aufzustelleu sich erdreistet, daß— die«Gesellschaft" cerrumpirt ist, und die Masse« im Elend sind, und brave Measch-u oft ver- zweifeln oder verhungern müssen. Doch sprechen wir im Ernst, also uicht von Bernstein. Wir waren von jeher der M-iaung, daß ein sozialistische« Organ gar keine vernichtendere Kritik der bcsteheaoea Ocvnnag der Dinge ausüben könnte, als indem e« sich ganz einfach aas dea Wieder- abdruck jener kleine» Notizen beschränkte, wie sie unsere gutgesinnte Presse in ihrer holden Unbewußtheit tagtäglich selber liefert, nnd wie sie jene„Ordnung" so überaus treffend illustriren. Jeden- falls wären e« diese hübschen Stereoskopen an« der besten der Welten wohl Werth, eine stehende Rubrik in der gesellschaftSfeind- lichen Presse zu bilden. Finden wir z. B. jetzt in den Berliner Zeitungen folgende»„Calturbild": .Ein pciulicheS Schauspiel bot stch am Sonnabend Mittag den Bewohnern und Passanten de« Louiseauser« in der Nähe der Wasserthorbrücke dar. Ein junger Manu von etwa 20 Jahren, dem derHunger und da« Elend au« den hohlen Augen und dea tiugefallenea Waagen heroorsah, in sehr reducirter Kleidung» schleppte stch mühsam die genannte Straße entlang, als er plötzlich in der Nahe der Brück: stehen blieb, sich die Böschung hioab kopfüber in die Fluthen der Spree stürzte und sofort unterging. Als er wieder auftauchte, warfen dem Unglücklichen zwei auf dem in der Nähe des That- orte« befindliche» Holzplatze beschäftigte Arbeitsleute lange Holz- stangcn zu, von denen der Ertrinkende zwar glücklich eine erfaßte, mit derselbeu aber wieder in dip Tiefe versank. Unterdessen hatte unbegründet und'hielten sie keiner Erwähnung werth. Jetzt hat der vrückenwächter eineu Handkahn vom User gelöst»ud war an sich auch die offiziöse Presse die ziemlich überflüssige Mühe gemacht, die Nachricht zu dementiren. — Herr Tessendorff, der verunglückte Staats- und Ge> sellschaftSretter, wird von der nationalliberaleu„Weserzeitunz" ob seiner Antwort auf Reimer'« Frage: Warum er den Grün- dern nicht zu Leibe gehe(s. Nr. 35 de».Volksstaat") recht derb abgefertigt. Nachdem zuvörderst constatirt ist:.Man kann dreist be- Haupte» und uöthigensalls mit schrecklichen Zahlen beweisen, daß alle Sünden, welche der Ritter v. Ofenheim auf sein schuld- beladene» Gewissen gehäuft hat, Kinderspiel gewesen sind gegen die unmäßigen Räubereien, welche iu Norddeutsch- land uugerllgt und straflos verübt worden sind und fortgesetzt noch verübt werden," wird an den vor zwei Jahren vom Abg. LaSker, welchem ausnahmsweise die Sammlung und Vcrwcrthung von Beweismaterial ermöglicht war, gemachten Versuch erinnert,.einige schreiende Beispiele betrügerischer Manipulationen, durch welche tausende von armen Familien um ihre sauer erworbenen Erspar- nisse gebracht worden sind, an die große Glocke zu hängen". WaS ist der Erfolg dieser Bemühungen gewesen? Die„Weserzeitung" giebt die Antwort und zieht die Schlüsse in folgender Weise: Ein großer Untersuchungsapparat wurde gemeinsam von der Staats- regierung und der Landesvertretung in Bewegung gesetzt; die Untersuchungscommission hat zahlreiche Zeugenvernehmungen ver- anstaltet, da« gesammelte Material iu einem dickleibigen Berichte verarbeitet. Hat man denn gehört, daß auch nur ein einziger Staatsanwalt von dieser Arbeit und dem darin aufgehäuften Be- wtiSmaterial Notiz genommen, eine einzige der zahlreichen straf- baren betrügerischen Handlungen, welche darin klar gelegt, mehr noch für die nähere Untersuchung aptirt(zurechtgemacht) waren, verfolgt hätte? Soll die Staatsanwaltschaft sich erst dann inBewegung setzen, wenn ihr der volle Beweis für daS begangene Verbrechen vollständig in die Hände geliefert wird unter NamenSuuterschrift die UnglückSstelle hingerudert und gelang e« demselben, den Lebens müden, als er dicht in der Nähe de» Kahnes wieder an die Ober- fläche kam, an den Haaren zu erfassen, in den Kahn zu ziehen und so zu retten. Der vor Schwäche und in Folge de» ein- geschluckten Wasser« ohamächtig Gewordene kam bald wieder zu sich und wurde, von Wasser trresend, vor Kalte zitternd und bar- häuptig— denn seine Mütze war den Canal hiuabgeschwommea von iwei Schutzleuten nach dem nächsten Polizeibareau gebracht. Der Unglückliche war so erschöpft, daß er vonden TranS- Porteurs beinahe getragen werden mußte. Wie der Ge- rettete später augab, hatte er sich vergeblich bemüht, Arbeit zu finde», war mehrere Tage lang obdachlos und ohne jedwede Nahrung durch die Straßen geschwankt und hatte endlich, da er zum Betteln zu stolz war, den Tod iu den Wellen dem Hungbrtode vorgezogen." Nun— wie gefällt Euch.die best- der Welten" im Spiegel Eurer eigeneu Presse, Ihr Herrn Bourgeois?� — Ist e« wahr? Em Parteigenosse schreibt uu«:.Biel- leicht interessirt et Sie zu wissen, wo jener Schuft Ohm ist, von dem in.Varnhagen's Tagebüchern" erzählt wird? Selbiger ist Nähmaschincnaaent in Pest und mir stud seine Verhältnisse be- kannt." Wir bitten, die Sache genau zu erforschen. Das Werk- zeug der preußischen Junkerpartei zur Jnszenirung de« an Waldeck verübten.Bubenstück«" verdient, daß man ihm einige Stunden widmet. Lwdwurmer.*) ii. „ÄS zog ein Sänserich über den Rhein Und tam als Gickgack wieder heim!" Dies BerSlMHMsMi Httchss ÄBliu« Opperman», dem »nd Siegel de« Anklägers." so verdient sie da» Anklagemoirovol! Sekretär der Wiesbadener Handelskammer, in« Stammbuch schreiben -ü. �. n..... Pq.... i____... P____ v-„f. i o—..«i....»., uicht. Das Letztere ist uur dann zu rechtfertigen, wenn die Staatsanwaltschaft von Amtswegen den Verbrechen, welche zu ihrer Keuntniß kommen, sei eS auf welchem Wege immer, weiter nach- spürt und die Beweismittel sich zu verschaffen sucht. Sie thut die« auch in Fällen der Prcßvergehen und anderer Verbrechen, warum nicht auch in denjenigen Fällen, in denen an der Börse einem leichtgläubigen und dabei ziemlich gewissenlosen Publikum gegenüber organistrter Raub am hellen lichten Tage verübt wird? Der öffentlichen Moral ist doch wahrlich nicht damit gedient, wenn so eclatante Fälle, wie sie der erwähnte Bericht der Untersuchung«. Commission klar gelegt hat, todtgeschwiegcn werden. Im Gegen- theil, die Straflosigkeit der frechen, vornehmen und reichen Räuber ermuthigt zur Nachfolge, stumpft da« öffentliche Gewissen ab und daS Gift, welches durch eine einzige energische Handlung der stra- senden Gerechtigkeit au« dem Körper der Gesellschaft ausgetrieben würde— selbst wenn der Schlag, wie in Oesterreich, mißlang— frißt sich tiefer und tiefer hinein«nd verderbt die edleren Theile, die noch widerstandsfähig stud. Es giebt im öffentlichen Leben keine verderblichere Theorie als die schönfärbende Beseitigung jede« Eklat«, da« Einwiegen de« öffentlichen Gewissen» iu eine trüge- rische Sicherheit und die heuchlerische Erzeugung einer Selbstrecht- fertigung, welche den Balken im eigenen Auge nicht sieht und über den Splitter de» nächsten zu Gericht sitzt." So die.Wcserzeitung". Rur nicht zu entrüstet,, ihr Herren! Die Tugend hat ihre Haken. DaS merkte Herr LaSkctc, dem e« mit der Tugend gewiß erust war. Aber waS sollte er thuu, als ihm die fatale Gewißheit wurde, daß der auf Wagencr ab. geschossene Pfeil diesen Ehrcumaun nicht nur durchbohrte, sondern auch noch tief in den Ast flog,„auf dem wir Alle sitzen"? — Die beste der Welten im Spiegel der Bourgeois- presse. Es ist da« drollige Schicksal unserer gesellschaftSretten- den Presse, dasjenige, was sie tagtäglich vorne, in ihren Lcit. artikeln, mit all dem edlen Feuer wahrer Ueberzeugung behauptet und verth eidigt, hinten, bei der ihr obliegenden Berichterstattung ttber die täglichen Ereignisse des sozialen Lebens, eben so oft selbst wieder Lügen strafen zu müssen. ES ergeben sich daraus zuweilen kleine Widersprüche, die aber all diese großen Geister zum Glück durchaus nicht weiter beirren. Abraham Bernstein z. B. mag in feinen„Lokal-Nachrichten" einerseits über noch so viele Skandal- gSscbichten voll ekelhaftester Corruption aus der„guten Gesell- schast", über noch so viele Unthaten und Selbstmorde au» Ver- zweiflung der bittersten Roth, über noch so viel entdeckte Schlupf- Winkel de« gräßlichsten Massenelendes und der tiefsten Verkommen- heit, kurzum über Thatsachen von oft so grausenhaftcr Wirklichkeit x» berichten haben, wie sie die Phantasie de« Romanschreibers vergeblich zu erfinden sich abmüht— eS wird ihn da» durchaus nicht abhalten, sich in seinen Lehnstuhl zu werfen, sich sein Rabbi- käppchen zurecht zu schieben, und uns iu einem sehr salbuugS- vollen Leitartikel zum so uud so viel tausendsten Male über die Borttefflichkeit unserer sozialen Einrichtungen, über die bestehende mögen, als er am 12. März von Mainz zurückkam, wo er Abends {uvor im kaufmännischen Berciu durch einen„wissenschaftlichen" Zortrag über Sozialismus uud' Communisma« die Gesellschaft Gerettet hatte. Fettglänzenden Antlitze« trug er seiucn stattlichen! treten, stch die Finger arg verbrannt'hat. Al» damals der Mainzer eichnam durch die Straßen unserer„fashionabcln" Stadt, als.HandelSkammeisekretär von der Sozialdemokratie in allen Punkten wollte er Jedem vorzählen, wie viele Kommnnisten und Sozia- widerlegt und geschlagen war; und auf seiue verzweifelte Frage: waS Kommunismus uad Sozialismus eigentlich ist— bei ihm laufen nämlich diese beivea Dinge einfach aus.Weibergemnaschift" hinaus— wuroe zuerst Plato zur Schlachtbank geführt. Die kommunistischen Lehren deS größten Schülers von SsicateS wurden einfach als.Jrrthümsr" abgethan; ebenso Lykurgo« und— Moses, uad über deren blutige Leichen hinweg galoppicte der kommuaistenmorveade HanvilSkammecsetretäc durch oaS ganze übrige Alterthum nnd daS Mittelalter hindurch— nach Naumbarz zu den Hussiten. Nachdem er auch diese armen Tmsel unter die schwere Satlage der.Welbergemelnschaft" gestellt, verschaaufte er kurz bei den Müasterer Wieoertäufern. bei Tqomal MoruS and Campanella, um mit llebergehung Rousseau'» auf Babeuf zu kommen, der die Ehre g'aoß, von Herrn Oppermanu für einen„beschränkten M:ujch:a" erklärt zu werden. Wacer ging'S zu Sai«t-Simon, der ebenfalls für.unbedeutend" erklärt zu werden die Ehre harte— an derselben Stelle erklärte neulich auch ein deutsches Pcoscssorchen, dessen großer Name mir entfallen, RobeSpierre für einen.lächerlich uabioeuicaden Menschen"— worauf Fourier'« Palanstöce und Eafantin'S Familie zu dea gewohnteu Lächerlichkeiten h-rhiltea mußten, welche.brelmäulige Faselhänse", um mit Marx zu reden, dem Sozialismus aazuhäagea pflegen. Boa Proudhoa, Lours Blauc, den franzüsisch-ll Ar- beiterassoziationea kein Wort. Auch Lassalle genoß kaum die Ehre, erwäzat zu werden. Nun zu Marx, ver in so schauerlicher Gestalt an die Wand gemalt wurve, daß man ordentlich sah, wie „Bei dessen Name schon Jeden guteu BürgerSsohu Ueberläust ein Grauen." Die Pariser Commune war natürlich nichts weiter al« eise „Pöbelherrschaft" mit Mord, Brand, Blut uad Trümmern. U-ber sie hinweg verstieg stch Redner in den Tempel der Narrhalla, in- dem er den unsterblichen Ausspruch that:.DaS deutsche Volt regiert sich selbst!"— Leider blieb da« gebühreade Hohnze- lächter au«, und mit dem höchsten Aufgebot seiner Lunge schloß der Redner:.Nur der verdient die Freiheit wie da« Leben, der täglich sie erobern muß!" uad keuchte uach diesem mißluazcneu Attentat auf Äö che unter dem übliche» BeisallSgetlatsche von der Tribüne herab. Lassen wir sie klatschen! Wer wollte auch solch gedankenlosen Eigeathumspfaffeu zumutheu, zu begreifen, daß der citirte Spruch Goethe's nur auf daS arbeitende Volt anwendbar ist? Ooer wer„erobert" stch täglich das Leben; der Proletarier, der täglich Hirn uud Muskel verbraucht, um Werthe für den Genuß der Ge- sammtheit zu erzeugen, und dem von diesen Erzeuznissen nur ein so geringer Theü zufällt, daß derseibe kaum ausreicht, um daS ver- brauchte Hirn, die verbrauchten Muskeln wieder zn ersetzen, damit morgen auf dieselbe Weise neue Werth« geschaffen werden können — oder der fettglänzeade HaadelSkammers-kretär, dessen Autlitz nur danu in Schweiß geräth, wenn er, roth wie ein wälscher Puter, über die EmanzipalionSbestreduogen de» Proletariats herzieht, durch welche er sich uad seine gaaze Klasse iu der gegea- wärtigen behäbigen Existenz bedroht fühlt? Nun, die Bourgeosie wird ihm das bischen„Schweiß", iu das er sich hineingeredet, reichlich gelohnt haben! Und eine solch traurige Schimpferei, ei» solche« Sammelsurium abgeschmackter Ammenmärchen und Klatschereien, die sich der Redner wahrscheinlich aus Julian Schmidt herausgeschrieben, gilt unserer Bourgeoisie als„wissenschaftlicher" Vortrag, uad ihre Preßsölv- linge beeilen stch andern Tag«, in ihren Blättern auszuposaunen, baß die Verderblichkeil und Unzulänglichkeit der sozialiftsscheu und kommunistischen Doctcinen wieder einmal„schlagend" dargelegt worden sei. So schrieb wenigsten» da«„Mainzer Tageblatt", dessen Reporter während des ganzen Vortrages schlief. Der Mann wußte, daß JuliuS Schulze oder Oppermaizn selbst da« it.blige besorgen würden. Herr Oppermanu wußte, daß in Mainz viele Sozialisten sind und deshalb flüchtete er stch in die vier Wände de» kaufmäaaischen Verein« zu einem sachuakundigen Publikum. Er wußte auch, daß Julius«chulze, der eS einmal wagte, iu Mainz öffentlich aufzn- listen er gestern wieder verspeist habe. Beiläufig h«tte auch ich mir die Mühe nicht verdrießen lassen, uachdem ich dea Vortrag in de» Zeitungen annoncirt gesehen, nach Mainz zu fahren und einen Gulden dran zu hängen, um einmal dabei zu sein, wie solch ein Lindwurm in„geschlossener Gesellschaft" die Sozialisten verschlingt. Herr Julius Oppermanu ist für Wiesbaden, wa» der den Lesern de«.Volksstaat" sattsam bekannte JuliuS Schulze für Mainz. Diese beiden edlen Juliusse scheinen von ihren Handel»- kammer-SekretariatS-Geschäften nicht sonderlich gedrückt zu sein denn sie verwenden ein beträchtliche» Stück Zeit darauf, in.„ge- bildeten" Kreisen die.Gottesfurcht und fromme Stiebersitte" zu predigen. Nebenbei ein paar Nicht- Denunziation«- Correspon- denzchen, die Schulze in„Concordia",„Frnnksurter Presse" und „Frankfurter Journal", Oppermanu im„Rheinischin Kurier" ab- lagert— und die Gott und den Bourgeois gefällige Thätigkeit der zwei Lindwürmer reicht hin, um sie zu Hähnen im Korbe der Bourgeoisie zu machen. Nicht nur Beifall, auch Silberlingc regnet es, und letztere in die weiten Taschen der zwei Handelskammer- fekretäre, auf welchem Wege der ehemalige„Demokrat" und Redatteur de«„Mainzer Anzeiger", Julius Schulze, sich bereit» ein stattliches Häuschen im Gartenfeld bei Mainz angelegt hat, während Herr Oppermanu wohl seine ganzen Einnahmen auf den Ausbau setner äußerst umfangreichen Bauchwölbung verwenden maß. So dachte ich, als ich, nach langem Warten, Herrn Opper- mann, am eignen Gewicht schleppend, durch de» Saal schreiten und gravitätisch die Rebuerbühne occupiren sah. Die Zuhörer, fast ohne Ausnahme an« jungen Kaufleuten bestehend, die sich unser KömmuniSmuS nichts Andere« vorstellen können als„Thei- lerei" und.Wcibergemeinfchast", rissen ihre Ohren und Mäuler weit auf, als der CommiS voyagcur de« Kulturkampfs mit einem Organ, da« zwischen Trommelfell gefährdenden Fistel- und schnurrigen Kater-Gutturaltönen hm- und herschwanttc, die groß- artig annoacirte Sozialisten- und Kommunistenftesserei begann. Sie dauerte zwei Stunden, und in dieser kurzen Spanne Zeit ver- zehrte der Redner Alle«, was immer nach Sozialismus roch, mit wenigen Ausnahmen, von Plato und Mose« sammt Münzer und Moru» bis auf Babeuf, Saint-Simon und Marx herab und ließ noch Fourier'« Phalanstöre mitfammt der ganzen Commune von Pari« in seinem geräumigen Schlund verschwinden. Nachdem Redner, in der Absicht eine Definition der Begriffe Kommunismus und Sozialismus zu geben, zur Evidenz bewiesen, daß er selbst auch nicht den Schatten einer Ahnung davon habe, ♦) Verspätet.(S. Nr. 123 de» vorigen Jahre».) Was wollen Sic denn für eine Republik?" ihm allseitig entgegen- scholl:„Die rothc!", ergriffen seine Freunde von der.Fort- schrittSpartei" da« Hasenpanier und kläglich rief er an«:„Mau verläßt mich!" Jetzt findet er'S begaemer, in seiner Villa im Garienfeld Artikel über die Sozialdemokratie zn schreiben, al« sich in offener Volksversammlung mit ihr zu messeu, und Herr Opper- mann thut desgleichen. Die Bourgeoisie hat Herrn Schulz« gelohnt, indem sie ihn kürzlich in einem Odenwätder Wahlkreis in den Landtag wähle» ließ, in einem Wahlkreis, wo die Anzahl der Ochsen, Kühe, Riu- der und Schafe, die der Wähler besitzt, den AnSschlag giebt. Glückliches Hessen, das Herrn Schulze noch schnell als Staat»- bürger rn den Kauf nehmen mußte, um eine Cassation der Wahl zu perhüten! Hoffentlich wird Herrn Oppermanu bald ei» Gleiche« widerfahren. Trinkgelder machen selbst Hausknechte verwegen und da könnte es sein, baß ein Oppermanu oder Schulze pielleicht gar den Muty bekämen, wieder vor daS Publikum zu treten, und die Sozialisten bekämen diese„Llndwürmer vor vre Kling«! Sollte da» ein Spaß werden!*) Aber ich fürchte, es gefällt den Lindwürmern in ihren Höqlea, „bei Muttern", besser als iu der Versammlung de« Volke«. Nun, so wollen wir wenigstens mit der Presse, wie Bismarck sagt,„diese Reptilien in ihre Höhlen verfolgen!" Wiesbaden, 14. März. „Ein Kommunist und doch kein„Theiler." Gewerksgenossenschaftliches. MetallarbeitergewerkSgenossenschaft. Leipzig. Quittung Über die für hie sinkenden Arbeiter der Bogel'schen Maschinenfabrik eingegangenen Gelder: Bon Zuck- schwerdt hier 50 Pf.; von der Metallarbeitergewerkschast hier 1 M. 3 Pf.; von Schneider(Mannheim) 9 M. 35 Pf.; von Anton Zipf(Eßlingen) 6 M.; von Löbel hier 1 M.; von der Schuh- machergewerkschast hier 6 M.; von der Hoftarbeltergewerkschafl hier durch Schffl. Z0M.; vom Ärbeiterverem GohtiS V Mk. Summa 23 M. 94 Pf. •) Die Hoffnyng ist un« leider versalzen worden: die hessische Kam- mer mußte nemltch die Wahl Schulze'« kassiren, well der Mann— kem hefsischer Bürger ist, und der Besitz bi«marck-stieber'scher Gesinnunz in Hefseu da« Landtag«wahlrecht bi»«lato noch nicht verleiht— ein neuer Beweis dafür, daß Bismarck den Süddeutschen zn„liberal" ist. Wenn aber die„nationale" Reliltenpreffe jetzt Heffen-Darmstadt mit besonderem Siser verlästert und schwarz malt, so wissen die Leser: warum? R. d. B. ' Angesichts dieser spärlichen Unterstützung will ich den Collegen doch zu bedenken geben, daß noch 30 Mann»a unterstützen sind und zwar zum großen Theile Familienväter. ES ist daher drin- gend nothwendig, daß fernere und reichlichere Gelder eingehen. Die Strikcndea stehen fest, und denken nicht daran, nachzugeben. Also Partei-, Gewcrks- und GestnnungS- Genossen, vergeßt der strikende» Arbeiter nicht. Schnelle Hülfe thut Roth! R. Ludwig, Cassirer. Bayrische Str. 9c, 4 Tr. GewerkSgenossen! F'-Laut§. 81 unserer Statatea soll alljährlich in dem Zeitraum vom 1. Mai bi« zum IS. Jnni eine Generalversammlung ab- gehalten werde». Dieser Termin ist nahe! Mit ihm auch die Pfingstfeiertage, unter denen der dritte, als der geeignetste Tag Seitens der Eoatrollkommisfion und de« Ausschusses zur Eröffnung der Generalversammlung bestimmt wurde. Wohl wären Gründe vorhanden, welche in diesem Jahre einen Aufschub bis nach Beendigung de« projektirten GewerkschaftS-Congresse« wünschenSwerth erscheinen ließen, diese Gründe worden jedoch in Anbetracht der, innerhalb vnserer Organisation al« dringend erachteten Reformen uicht als stichhaltig befunden. Die Generalversammlung wird also in Mannheim lt. Beschluß der vorjährigen Generalversamm- lung und zwar am 18. Mai uud den darauf falgeuden Tagen stattfiuden. Al» Tagesordnung ist vorläufig Folgendes zu verzeichnen: 1) Wahl deS BureauS. 2) Bericht der Mandat PrüfungS-Commiisioa. 3) Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses. 4) Cassen-Bericht. ü) Bericht de« Ausschusses der centralifirten Krankenkasse. 6) Berathung und Beschlußfassung über rechtzeitig ein- gelaufene Anträge. 7) Wahl deS Vorort«. 8) Wähl der Controllkommifston. S) Allgemeine Anträge und Beschlüsse der Versammlung. Wir ersuchen alle Mitgliedschaften, unS bis spätestens zum 22. d. M. etwaige weitere Anträge einzusenden, damit dieselben rechfwitig veröffenilicht werden können. Brauuschweig. Mit Gruß und Handschlag Die VorortS-Verwaltuug: I. A.: C. Schubert. beiten zu lassen, und daher kam eS, daß die Leute manche Woche Verband für Kürschner. Leipzig. Au die Kürschner uud Zurichter Deutsch- lande! Seit dem Untergänge de» Fachvereins der Kürschner in Leipzig(Pfingsten 1L?Z), der nur durch den starren Jndifferen- tiSmu« der Collegen möglich wurde, ist keine Spur von einer Bewegung zu finden gewesen, bi« im vergangenen Sommer unsere Dawpsessin-Baroue sich vereinigten, um eine Zuchthaus- resp. Fabrikordnnng einzuführen, die selbst für russische Zustände noch zu russisch war. Ein Schrei der Entrüstung hallte durch alle Zu- ricktcreien. Alle« rief nach einer Vereinigung. Nur die Leipziger Herren Nadelarbeiter blieben in der Ferne stehen und sahen dem Kampfe mit den Händen in der Hosentasche gemüthlich zu, al« ob ihnen nicht ein Gleiche« passiren könnte, oder al» ob die Zurichter uicht auch Kürschner wären. Und trotzdem ist eine Werkstatt- vrdnung bei F. Witzleben seit Jahren in Kraft. Während der circa 4 Wochen audauernden ArbeitSauSsperrung war unter den Zurichtern der Geist ein guter, und die Roth eine gute Lohn- Meisterin. Der Zweck der Aussperrung war zum Thcil gelungen. Zum Beispiel bei Karl Debu« in Markranstädt, Schreiber und Pausch in Lindenau und Qearch in Gohlis ist die Fabrikordnung mehr oder weniger»och in Kraft. Die kleineren Zurichter- Meister ließen Pen Merster-Verband mit seiner Konventionalstrafe und Tabrikordnong.bald fallen und verglichen sich mit den Ardeitern, gewitzigt durch den Schaden. Durch diese traurigen Erfahrungen ernüchtert, gelangte unter den College» der Gedanke zur Reife, «ine Vereinigung zu schaffen, welche unS vor den ungerechten Uebergrsssen der Arbeitgeber einerseits schützt, und anderersit« den geschwundenen CorpSgeist wieder wachruft. E« konstituirtc sich im Septimber vorigen Jahre« der Verbani? der Kürschner, vor der nur 3 Thlr. verdienten. Daß unsere Lübecker Collegen da eine Forderung an die Meister stellen mußten, da sie doch arbeiten um sich und ihre Familie rechtschaffen ernähren zu können, und nicht allein zum Vergnügen Schiffe bauen, wie die Herren Schiffsbau- meister zu Lübeck sich am Ende einbilden, ist sehr natürlich. Aber welche Forderung habe» denn unsere Collagen gestellt? Wir glauben, dieselbe muß von aller Welt al« eine sehr berechtigte»ner- kannt werden! Was erhielten unsere Collegen aber für eine Aat- wort von den Meistern? Sie seien der Ansicht, eher eine Lohn- reducirung als Lohnerhöhung vorzunehmen! Es müsse auch eine Classifizirnng stattfinden; gleichen Lohn Jedem zu zahlen, hielten sie nicht mehr für zweckdienlich. Auf diese Antwort maßten unsere Lübecker Collegen kündigen und die Arbeit einstellen, sie hätten j« sonst mit jedem Lohn zufrieden sein müssen, den die Meister.nach Belieben" Jedem i» die Hand drücken würden. Die Herren glaubten unsere Lübecker Collegen einzuschüchtern, worin sie sich jedoch gewallig getäuscht haben. Man la« am Tage gleich nach der ArbeitSeinstellnug einen Artikel in der»Lübecker Zeitung", aus welchem ich hier einige Stellen citire. Es heißt wörtlich in dem Artikel:»Die Schifftzimmerleute haben gestern Abend(also den 11. Februar) die Arbeit eingestellt; hat doch erst kürzlich im deuischen Reichstag Minister Camphausen es al« eine nothwendig« Bedingung zur Verbesserung unserer wirthschaftlichen Zustände ge» fordert, daß man die Ansorderungen an die Arbeiter steigere. trotzdem aber deren Löhne nicht erhöhen, sondern theilweise herab- setzen müsse. Die hiesigen SchissSzimmerleute glaubten jedoch(wir wollen annehmen in gänzlicher llnkenntniß der Zeitverhältnisse) von den Meistern eine Erhöhung des Lohnsatze« von 30 aus 3ö Pf. pr. Stunde erz-öingen zu können, und zwar ohne Unterschied der Leistungsfähigkeit und Fleißes des Arbeiter»." Bon welcher Seite der Redaktion der»Lübecker Zeitung" die bezichentlichen Mitthcilungen zugegangen sind, kann nicht schwer- fallen, zu erratheo, nur schade, daß die Einsender sich scheuen, ihre Namen zu veröff-otlichcn. Die Einsender setzen bei den SchiffSzimmerknten gänzliche Untenntniß der Zeitverhältnisse vor- aus und berufen sich auf die Rede de« Minister« Camphausen. Hierauf erwidern wir einlach, daß die Einsender selber Über die Zeitverhältnisse de» Schiffbauhandwerks die größte Untenntniß verrathen, denn gerade jetzt geht diese« Geschäft glänzend, während in allen anderen Geschäften eine Stockung faktisch eingetreten ist. In Lübeck mag vielleicht nicht viel Arbeit sein; die im Vau be wollen. Ueberall sehen wir, daß die Meister sich orgauisiren, um den Lohn herabzudrücken, der doch schon zu schlecht ist, um Weib uud Kind zu ernähren, während die Lebensbedürfnisse von Tag zu Tag steigen. Darum, Brüder, aufgewacht; vorwärts, in der Ge- sammtheit bilden wir eine Macht; vereinzelt sind wir nichts. H. Jlper, Bevollmächtiget. Nerli«, 11. April. An die Böttcher(Küper) Deutschland«! Allen Collegen, die sich für da« Emporkommen unseres Vereiu« interefsiren, zur Nachricht, daß in den Pfiagstfeiertagen, den 16., 17. und 18. Mai, die Generalversammlung de«»Agcmeinen Böttcher-(Küper-) Verein» in Magdeburg stattfindet. Da eS von größter Wichtigkeit ist, daß in allen namhaften Städten Mit- gliedschafteu gegründet werden, die beste Gelegenheit hierzu aber dadurch geboten wird, daß die Städte, welche am Vereine noch nicht betheiligt sind, wenigsten« zur Beschickung der Geaeralver- sammlong bewogen werden, e« aber bei unserer immer noch schwachen, an agitatorischen Kräften armen Organisation unmög- lich ist, eine genügende Wirksamkeit zu entfalten, so ersuchen wir sämmtliche Collegen, mit deren Hülfe Versammlungen einzuberufen und unter Hinweis auf die Nothwenigkeit der Beschickung der Generalversammlung für dieselbe zu wirken. Collegen, bedenkt, daß in den Gewerkschaften große Bortheile für die Arbeiterklassen liegen und daß wir selbige nach Krästeu unterstützen müssen. Ja nachfolgenden Städten befinden sich be- reit» Mitgliedschaften: Berlin, Hambürg, Altona, Dresden, Bremen, Mageburg, Breslau, Halberstadt, Frankfurt a/O., Bieleseld, Birnbaum, Lübeck, Cjilhen, Äenthin, Lüneburg, Uetersen, Posen, LandSberg a/W., Kiel, Harburg, Nordhausen, Hannover, Lauen- bürg a/N., Hannover. Betreffs näherer Auskunft, Zusendung de« uöthigen Materials w. bitten wir, sich an den Uurerzeichneten zu wenden. Für den Borstand: Otto Fischer, Vorsitzender, Berlin, Koblankstraße 10. Correspondenzen. Leipzig.(Zur Reichstagswahl.) Laut amtlicher Bekanntmachung werden die Wählerlisten am 14. April auf dem Rathhaus zur Prüfung ausgelegt. Die .._ Wahl selbst findet am 11. Mai statt. Versäume griffenen Schiffe mögen nicht verkauft fem, aber ander-wo ist fg:.. wablbereckitiater Vartei- und(Miununasaenosie das nicht der Fall, da sucht man sogar noch Zimm-rl-ute, wie � lvaytveretyrigier Darrel, uno tNesiimungsgenosse, z.B. in Kiel und WilhelmShafen u. s. w. Dieser Umstand sprich tsstch zu uberzeugen, ob fem Name m die Listen ein- dafür, daß die Einsender nicht weiter al« in die Stadt Lübeck getragen ist. Hapd sür Leipzig und Umgegend. Die Bctheiligung der Zurichter am Verbände ist eine sehr gute und sind die Kassenverhältnisse sehr befriedigende zu nennen. Nur die Nadelarbeiter stehen noch ganz ferne, und daran ist die noch ziemlich zunftmäßige Produktion«- weise schuld. Wir hoffen aber, daß sich bald auch unter den Nadelarbeitern Leipzig« ein besserer Sinn im eigensten Interesse wigen wird.— College» allerort«! Die Unterzeichneten rufen Euch NaotenS der BerbandScovcgen zu: Organisirt Euch und tretet zusammen, helft un« den gemeinsamen Feind der Arbeiter, die AusbeutungSsuchl der Kapitahsteu, bekämpfen, wo sich dieselbe Unseren Joterefsen schädigend entgegenstellt, denn Eure Interessen sind Vit«usrigen, und vre unsrigen die Eurigen. Mit vereinter Kraft sind wir Alle« zu erringen im Stande. Gerade bei uns thut es am meiste» noth, daß wir un« vereinigen, um endlich «inmal die Sonntag«- und Ueberstuodenarbeit abzuschaffen) damit «ine geregelte Arbeitszeit und ein regelmäßiger Arbeitslohn eintrete, vnd dadurch dze sogenannte Bummelzeit beseitigt werde. Und besonder« fordern wir die Collegen in Berlin, Breslau, König«- berg, Frankfurt a. d. Oder, Frankfurt a. M., Hamburg, München, Nürnberg, Chemnitz, Dresden und Görlitz zur Vereinigung auf, weil in hpn genannten Städten ein« Bereinigung leicht möglich ist.' Organisirt Euch, damit wir bald einen allgemeinen deutschen Kürschncrtag einberufen können, um eine große und starke Orga- disation schaffen zu können. Werst den JndifferentiSmuS weg, denkt nicht,»ohne mich geht'« sort", oder»die können doch nicht« wachen." Da« ist falsch. Versichert niwt erst Euer HauS, wenn e« schon brennt. Versichert Euch zuvor, wi? e« andere Arbeiter auch mache». In der Hoffnung, daß Ihr Euch alle bald in die große Arbeiterarmee einreichen werdet, um vor den gesammten Arbeitern Deutschland» unserem Geschäft keine Schande zu machen, zeichnet Mit sozialem Gruß Der VerbandS-Vorstand. A. Freese, erster Vorsitzender. Alle Anfrage» und Zuschriften sind zu richten an Franz Trost, Kleinzschocher, Hauptstraße 10. Alle Arbeitcr-Blätter werden hiermit ersucht, obigeu Aufruf Möglichst schnell abzudrucken. geblickt haben. Auch wollen wir die Einsender belehren, daß e« gerade in der gegenwärtigen GesckästSstockung Leute giebt, die a»s eine günstige Konjunctur hoffen, uud darum gerade jetzt Schiff- bauen lassen. Wenn sich daher Schiffebaumeister zu einer Lohnreducirung Herbeilaffen, so heißt da« weiter nicht«, al« die Mode mitmachen, wogegen wir un« aber mit aller Kraft wehren werden; einer solchen Move wollen wir un« nicht. unterordnen. Was die Einsender ferner anführen in Betreff der Rede de« Ministers Camphausen, so wollen wir nicht weiter daraus eingehen; jedenfalls zeigt e« un« aber klar, daß Diejenigen, welche un» Un- kenntniß vonversen, ihre eigene Unkenntniß verrathen haben. Unsere Lübecker Collegen werden sich auch wenig um die Meister kümmern, auch sind sie diesen Augenblick alle in Arbeit, indem sie Arbeit auf eigene Rechnung angenommen haben; nur schade, daß sie kein Holz zum Kielholen der Schiffe haben, sie würden sonst alle Ar» beiten auf eigene Rechnung übernehmen können. Die Lübecker Meister bieten alleS auf, SchissSzimmerleute andernorts anzu- werben, ja c« kommt ihnen gar nicht auf ein hohe« Tagelohn an, wie man sagt, bieten sie einen Lohn von 1 Thlr. 10 Sgr., während unsere Collegen nur 1 Thlr. 5 Sgr. vo» 6 bi« 6 Uhr haben wollen. Wir fordern alle arbeitersreundlichen Blätter auf, Diesel abzudrucken, um den Zuzug nach Lübeck und Wemel fern zu halten. Den Lübecker Meistern rathen wir aber, während unsere Collegen nicht beschäftigt sind, einmal selbst zu arbeiten, dann mögen sie vir- fachen, mit dem Tazelohne, welchen unsere Collegxn bi« jetzt ge- habt haben, zu existiren. Mögen sich die Herren doch einmal überzeugen, wie c« einem Tagelöhner zu Muche ist. Und wenn verpfuschte Arbeiten vorkommen sollten, so wird e» ja kein Ar- bester gewahr. Also der Aagcnblick ist günstig; a» die Arbeit, Ihr Herren! Mit sozialdemokratischem Gruß H. Groß. «llgemeiuer deutscher Schiffszimmerer. Verein. Apruburg. Kameraden! Wie Euch bekannt ist, haben die Lübecker Collegen die Arbeit eingestellt, weil der Tage- wie Wochen- iohu viel zu unzulänglich ist, um einen Ledigen geschweige denn «inen Verhciratheten vor Nahrungssorgen zu schützen. Diesen Linter mußten unsere Lübecker College» sür einen Lohn von 24 Bgr. arbeiten, mitunter auch halbe Wochen hindurch feiern, da Lie Witterung den Meistern öfter« zu ungünstig erschien um ar Allgemeiner Böttcher-(Küper-)Verein. Kamöurg, 6. April. Werthe Collegen! Seit 23 Wochen stehen wir im Kampfe mit unfern Meistern resp. Arbeitgebern und noch ist der Sinke nicht beendet. Wir suchten aus friedlichem Wege eine Vereinbarung anzubahnen zu beiderseitiger Zuftieden- heit. Aber die Meister stehen unS schroff gegenüber, und ließen un« nachstehende« Schreiben zukommen:»In Beantwortung Ihre» un» zugesandten werthen Schreibens müssen wir Unterzeichneten Ihnen die Mittheilung machen, daß wir Sie durchaus nicht zwin- gen wollen, sich unseren Beschlüssen zu fügen. Jeder Rath, der Ihnen in dieser Weise von unS zugehen würde, wäre nach unserer Ansicht eine Art Zwang, den wir auf Ihren Entschluß auaübten. Wir wollen aber durchaus nur Leute in Arbeit haben, die ohne Zwang nach eigener bester Ueberzeugnng zn un« kommen, und unsere wohlgemeinten ehrlichen Absichten al« richtig und für sie selbst am besten anerkenlien. Sind also Gesellen gewillt, bei unseren GeuossenschastS-Meistern in Arbeit zu treten, so möge ihnen hiermit folgende« al« Richtschnur dienen: Der bei un« Ar- beit Wünschende hat sich bei Herrn Niemeier auf unserer Herberge, oder in Altona bei Herrn Grube zu melden, serner seine Unter- schrift zu geben, daß er dem Allgemeinen Böttcher-(Aüper)Verein nicht angehöre. Hamburg, 3. April 1875. Der Vorstand der Hamburg-Altonaer Böttcher-(Küper)m:ister-Gcnossenschaft." Collegen I AuS diesem Schreiben ersehen wir, daß e« sich nicht um die Lohnforderung, sondern um Sprengung unserer Organi- sation handelt. Wir wissen aber, wenn die Organisation fällt, daß die Herren dann leichtes Spiel mit uns haben. Deßhalb haben wir beschlossen, den Kampf weiter zu führen. Wir bitten Euch, werthe Collegen, vor Allem den Zuzug streng von hier fern zu halten, und uns mit allen Euch zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen; es sind alles verheirathete Männer, die aus der Arbeit sind. Unser Sieg ist auch der Enrige. Unterstützung wolle man senden an C. Kroll, gr. Burstah 38. Ferner fordern wir alle Collegen in Deutschland aus, wo noch keine Mitgliedschaft besteht, sich zu organisiren und dem Allgemeinen Böttcher-(Küper) verein beizutreten. In dieser Angelegenheit möge man sich wenden an F. Gragert, Berlin, Ackerstraßc 165. Denn eS ist Zeit, daß wir un« organisiren, wenn wir nicht weiter herunterkommen Die Arbeiter der mechanischen Weberei von Böhler u. Sohn— 120 an der Zahl— haben am 6. April die Arbeit eingestellt. Von Seiten der betheiligtea Arbeiter ist der Red. de«»volksstaat" eine Darstellung de« Hergangs zugestellt worden, durch welche ste einer falschen Auffassung de« Geschehene» vorzubeugen wünschen. Der Sachverhalt wird darin von ihnen in folgender Weise dargestellt. Schon seit längerer Zeit sei der Loh» w ungewissen Schwankungen gehalten, im Ganzen aber mehr nach unten gedrücki worden. Raa sei am vergangenen Sonnabend durch Anschlag eine Lohnherabsetzung angekündigt worden. In der dadurch auf'« Neue erregten Mißstimmung habe man durch eine Deputation unterhandelt, um den alten Lohn zu behalten. Obgleich nur eine Ausbesserung der schlechteste» Artikel erreicht worden sei, so habe mau sich doch geeinigt und weiter gearbeitet. Ein abermaliger, die Prämien betreffender Anschlag am Montag erregte jedoch neue Unzufriedenheit. Zwar sei er wieder abzeän- dert worden, al« die Arbeiter die Srühle abzustellen begannen, doch durch da« Auftreten de» Geschäftsführer«, welcher die mit den gestellten Bedingungen Unzusriedenen zum Verlassen der Ar- beit ausgefordert habe, sei e« zum Broch gekommen. Die Arbeiter versichern, daß ihnen bis dahin der Gedanke an einen AuSstaad vollständig fern gelegen habe. Nach Angabe der Arbeiter brachten bisher die Geschicktesten unter ihnen den Wochenverdienst auf ca. 3'/,. ausnahmsweise auf 4 Thlr. Dadurch, daß gerade an de» besseren Artikeln abgebrochen worden sei, betrage der Lohn per Woche bi« z» einem Thaler weniger. Mit so geringem Verdienst sei beim besten Willen nicht durchzukommen. Iriedrichsgrn»«. Aarumerörucke Sei Kalkenstei«. In unfern beiden Orlen sind bei der vorigen ReichStagSwahl 82 Stim- meo für Hork, 5 Stimmen für Georgi abgegeben, und begrüßten wir daher im Interesse der Agitation freudigst die Nachricht, daß Wiemer auch hier sprechen würde. Leider war die» demselben wegen gleichzeitiger Versammlung in Auerbach unmöglich, und glaubten wir schon, die eiuberusene Versammlung gar nicht eröffnen fu können, als Rob. Müller au« Rcichenbach eintraf und in achlicher nnd verständlicher Weise die Tagesordnung erledigte. Bon dem anwesenden GenSoarm wurden unter der ungesetzlichen Androhung der Auflösung Frauen nicht zugelassen. Die Vereint- gung wünschen wir gleichfalls, und werden wir nach derselben für entsprechende O ganisation an hiesigen Orten besorgt sein. Kfiemnttz, 3. April. Ja der Nr. 39 des.Volksstaat" finde ich eine»Berichtigung", die H.-rr Oberlehrer Chr. Hilpert au« Mittweida verössentlichi. Hierzu habe ich zu bemerken, daß Herr Hilpert gar keine Ursache hat, kategorisch von ver Redaktron de« »volksstaat" zu verlangen, baß sciue Berichtigung ohne Rand- glossen aufgenommen werden soll. Der Thatbestand ist kurz folgen- der: In Nr. 34 de«»Volksstaat" wurde ein Artikel, von dem Parte'genossen Bartholdi aus Mittweida unterzeichnet, veröffent- licht. Hierin ist die Antwort auf die Frage:»Wie verträgt sich die Astronomie mit der Schöpfungsgeschichte der Bibel", wie folgt gegeben:»Die Lehre der Astronomen sei die natürliche Ansicht von der Entstehung der Welt bezüglich des Sonnensystems, die Lehre der Theologen die übernatürliche. Die Theologen hätten nun darnach zu trachten, ihre Lehre mit den natürlichen Forschungen der Wissenschaft in Einklang zu bringen." Ja der am 3. April zu Mittwewa staltgefunvenen VolkSoerjammlung, in der ich reserirte, erklärte Herr Oberlehrer Hilpert die« sür eine Lüge. Er sagte, daß er so geantwortet:»Die Naturforscher sind nicht dazu da, zu sagen, wo die Theologie irrt, eS ist Sache der Theologen, Irr- thümer zu vermeiden." In Nr. 39 deS»Volksstaat" veröffentlicht Herr Hilpert, daß er gesagt:»Wenn eS die Ausgabe der Naturforscher ist, die Gesetze der Natur zu erforschen, so ist eS Ausgabe der Theologen, zu sehen, wie sie ihre Lehren mit den Er- gebnissen der Naturwissenschaften in Einklang bringen, unsere Ausgabe ist das nicht." Welche Aussage ist denn nun richtig? ES ist EineS wie da« Andere. Der Schlußsatz seiner Antwort, die in Nr. 34 des„Volksstaat" enthalten ist, das was er in der Voll«- Versammlung am 3. April in Mitlweida gesagt, uud waS er als »Berichtigung" in Nr. 39 de«„VolkSstaal" geschrieben, läuft AlleS aus EinS hinaus. Es find nur andere Worte, aber ein und der- selbe Sinn. Herr Hilpert, der den»Volksstaat" liest, möge sich zene drei Antworten, die von ihm aus ein und dieselbe Frage ge- geben wurden, nochmals genau durchdenken, und er wird finden, daß er weder in der Versammlung zu Mittweida zu sogen brauchte, eS feien dies Lügen, noch im Volksstaat", es sei unwahr und entstellt. Das, was ihm von Gladewitz und Bartholdi vorge- worsen wird, ist Halbheit deS Denkens und Handelns, Und das mit Recht. Wer einen Irrtbum erkannt, hat die Pflicht, denselben entschieden zu bekämpfen. Wenn Herr Hilpert überzeugt ist, daß die Theologie irrt, und als Naturforscher mvß er dies wissen, dann darf er nicht als Lehrer die Jugend in dem Glauben an die Lehren der Theologie befestigen. Philipp Wiemer. Sommerfeld, l9. März. Am 15. d. M. waren einige von unseren Parteigenossen vor das Preisgericht zu Sorau geladen, um als Entlastungszeugen in Sachen Hugo Schmidt'» aus Wagstadt, zur Zeit in Forst, welcher in einer am 5. Juli v. I. im hiesigen Schützenhause abgehaltenen Volksversammlung sich wider den Z 131 des Reichsstrafgefetzbuchs vergangen haben sollte, zu fungiren. Als Belastungszeuge waren erschienen Bürgermeister Säbisch, Tuchfabrikant Pulke und der Lehrer Schönseld. Der Staatsanwalt legte den oben genannten§ 131, sowie die Anklage in einer längeren Rede auseinander und beantragte 3 Monat Ge- fängniß. Dem Angeklagten, welcher darauf das Wort zu seiner Lertheidigung erhielt, gelang e», die Anklage so zu widerlegen, daß Freisprechung erfolgte. DaS war der erste Prozeß, in welchem der Bürgermeister Säbisch für seine StaatSretterei leer ausgehen mnßte. Hoffentlich wird er mit den beideo ander» Prozessen wider Heiland aus Berlin und unfern Vertrauensmann August Schulz dasselbe Glück haben. Aremerhave». Sonntag, den ZI. März fand im Saale de« Colossenm zu Bremerhaven eine von ca.«00 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher A. Schütt als erster, C. Stop- pel als zweiter und Unterzeichneter als Schriftführer gewählt wurde. Referenten waren Stau ck und Fr ick au« Bremen. Den ersten Punkt der Tagesordnung:„Der 18. März 1871� behan- delte in einer ziemlich auderthalbstündigen Rede Parteigenosse Slauck. Gleich zu Anfang bemerkend, daß e« eiue schwierige Sache sei, über diesen Punkt zu sprechen, ohne mit der Staats- anwaltschaft in Collision zu gcrathen, entledigte derselbe sich seiner Aufgabe trotzdem sehr geschickt. Vom rein geschichtlichen Stand- punkte ausgehend, lieferte er» was ja die Quintessenz seine« ganzen Vortrage« bildete, den Beweis, daß die Bewegung der Commune keiue von den Revolutionären gemachte, sondern die nothwendige Cousequenz vorangegangener Ereignisse gewesen fei; infolge dessen habe sie auch einen defensiven, nicht agressiven Charakter ge- habt. Allseitiger Beifall lohnte den Redner. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung:„Da« Coutraklbruchgefetz und die allge- meine Einführung der Arbeitsbücher-, sprach, wie schon bemerkt, Parteigenosse Frick. In einem ausgezeichneten, etwa Inständigem Referate legte derselbe den anwesenden Arbeitern die Schädlichkeit diese« Gesetze« klar, welche», wenn auch momentan noch nicht einge- führt, so doch in nächster Zeit in Aussicht stehe. Die Arbeitsbücher, welche die Fabrikanten einzuführen beabsichtigen, verglich er mit den FühruugSbüchern der prostituirten Mädchen gewisser Städte. Auch die in der Bremischen Republik jetzt florireude Grund- stückschwindelei unterzog Redner einer herben Kritik, und schloß dann unter großem Applaus mit der Aufforderung, sich den ver- schiedenen Gewerkschaften und der politischen Organisation anzu- schließen. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, ergriff Slauck noch einmal da» Wort, um noch die Anwesenden zn ermahnen, recht zahlreich in der am 1. Osterfeiertage stattzuhabenden öffeut- lichen Metallarbeiter- Versammlung zu erscheinen; gleichzeitig for- derte er zum Abonnement auf die beiden Hauptorgaue der Sozial- demokratie auf. Bei dieser Gelegenheit unterzog derselbe die hiesige„Provinzial-Zeitung- einer Kritik, wobei er ganz berechtigter Weise den ihr zukommenden Titel„Schmierblatt- gebrauchte. Kaum hat er diese« Wort ausgesprochen, so bittet und erhält da« Wort ein Herr Wolsf, ein holder, blonver, bebrillter, sehr ge- lehrt aussehender Jüngling, seine» Handwerks, wie er sich gerirte� Mitarbeiter(!!!) an zenem„Schmierblatte-. In einer pathe- tischen, etwa eine Minute langen Rede versuchte er die Angriffe Slauck'« zurückzuweisen, indem er bemerkte:„Der Herr, der vor- hin einen solchen Vortrag über die Commune gehalten hat, spräche und schimpfe jetzt wie ein Hökerweib-. Da« war zu viel.„Er hat nicht geschimpft,— e« ist die Wahrheit— Ihr Blatt ist eine H...-, da« waren die Rufe, die ihm von unten entgegenschallten. Der Erste, der jetzt wieder aufttat, war Slauck. Der arme Jüng. ling wurce ganz blaß, al« er schon nach einigen Worten Slauck'« den Beifall, der beim Schluß seiner Rede gar nicht enden wollte, mit anhören mußte. Er glaubte gewiß die Posaune de« jüngsten Gerichts zu hören. Doch, o Schrecken! Da kommen noch Zwei, Kath und Frick, welche sich de« bcdauernSwerthen Blonden er barmten.-- Nach Schluß der Versammlung schwankten einige, galvanisirten Leichen gleichende Gestalten zum Tempel hinau«— et war unser Blonder, der so schmählich Fiasko gemacht und seine Freunde.— Wir aber wünschen un« Glück, denn die Arbeiter find hier schon in solcher Menge zur Erkenntniß gekommen, daß wir aus ein Blatt, wie die„Provinzial-Zeitung- wohl einen Druck ausüben können. Wepner, Schriftführer. Areme«. An alle Schneider Deutschland«. Da wir nun nack mehreren Versammlungen mit der Regelung de« Lohn Tarif« fertig sind, ist Seiten« der Mitglieder beschlossen worden, die von der Meister-Jnnung neu eingeführte sogenannte Arbeit«- karte zu beseitigen, indem wir al« freie Arbeiter die alte Zunft nicht brauchen. Wir fordern daher sämmtliche College« auf, wo die Karten eingeführt sind, dieselben nicht anzunehmen, und die Lohnsätze, hauptsächlich die der Confection« Geschäfte in größeren Städten z. B. Berlin, Hamburg, Stettin, von wo au« du ganze Welt mit Waaren überschwemmt wird, und wobei sich so viele Ardeiter kaum satt essen können, zu bessern. Also College», geht vereint vor, denn et thot noth, daß unser Geschäft gehoben wird, und die Besserung liegt in unfern Händen. Wir ersuchen sämmt liche College«, den Zuzug nach hier so viel wie möglich fern zn halten. Unser ArbeitSnachweiS-Burean befindet sich Hauckenstraße 25 bei Luhmeier, auch ist daselbst der Lohn-Tarif einzusehen. Außer dem ersuchen wir hier zureisende College«, nur in unserem Arbeit«- nachweislokal einzukehren. Der Vorstand de« Bremer Schneider-Verein«. tzökn, 3. April. Am Ostermontag hielten wir im Lokale zur „Glocke- eine zahlreich besuchte Versammlung ab mit der Tage» ordnung:„Der Arbeiter- Spiegel von Harkort und der Liberali«- mu«-. Der„Rückgang der Sozialdemokratie- illustrirte sich hier wieder, indem der geräumige Saal zu klein war und Hunderte wieder umkehren mußten. Herr Schumacher al« Referent be- leuchtete da« Harkort'sche Machwerk trefflich und unterzog dasselbe einer herben Kritik, daraus sprach Müller, Whtzka und Unterzeichneter, worauf folgende von P. Müller eingebrachte Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die heutige Arbeiterversawmlung erklärt, daß die von Har- kort in seinem„Arbeiter Spiegel- niedergelegten Grundsätze in grellstem Widersprucke mit der thatsächlicken Lage de« Arbeiters stehen, und daß sie solcher Verhöhnung des herrschenden öffentlichen Elend« nur den Ausdruck ihrer tiefsten Verachtung entgegensetze.- « W. Eckert. Würzkttrg. Bildung und Humanität eines Arbeitgebers. Es ist heutzutage nicht selten, daß dem Ardeiter die Ehre genommen wird und daß er daS Recht nicht gebrauchen kann, selbst wenn eS ihm zu Gebote steht. Hier nur einen Fall. Als nämlich am 11. Dezember v. I. die Rekruten in ihre Kasernen einrücken mußten, und eiuer derselben sein vorausgenommene« Geld nicht ganz erlegen konnte, so erlaubte sich sein Arbeitgeber, der Sckuh machermeister Joseph Metzger, den auderu Arbeitern dieses von ihrem Lohn abzuziehen. Da aber die übrigen Arbeiter nicht zm geben wollten, daß ihr Lohn ungerechtcrweise verkürzt wurde, so nannte er einen der Letzteren einen Spitzbuben. Johann Willmer, so hieß der Beschimpfte, trat daraus außer Arbeit und verklagte den Grobian; da aber leider die Verhandlung erst im Januar stattfand» W. dagegen sckou 8 Tage außer Arbeit stand und auch keine bekomme» konnte, so war er gezwungen abzureisen, und die Anklage war damit in'« Wasser gefallen. Johann Willmer ist ein unbescholtener Genosse der dortigen Schuhmachergewerkschaft. Ob aber der Meister Metzger ein ehrenwerther Mann ist, da« ist eine andere Frage.D Johann Siebenbürger. Sttiüaart, 10.ßApril.� Aufruf an sämmtliche Schuh- macher-Gehilsen Württemberg«! Werthc College»! Ange ficht« der heutigen Verhältnisse, welche, heraufbeschworen durch da» gewiuusüchtige Kapitalistenthum, hauptsächlich in unserer Branche den Arbeiterstand immer mehr und mehr zu einem knechtischen Leben herabwürdige», ist e« zur Nothwcndigkeit geworden, eine kleine Rundschau zn halten über die Thätigkeit uusrer Genossen in Württemberg. Da finden wir aber nur ein so kleines Häuflein, welche« et sich zur Aufgabe gemacht hat, etwa» für die Verbesserung unserer Lage zu thuu, daß wir e« al« Pflicht erachten, ein ernstes Wort an unsre College» zu richten. College»! E« liegt doch gewiß im Juteresse eine« Jeden, feine Lage nach jeder Richtung hin zu verbessern; eS muß doch ein jeder Arbeiter danach trachten, daß er einigermaßen da« Joch, welche« ihm von Seiten Einzelner auferlegt wird, abzuschütteln sucht. Dies ist umsomehr zu einer Nothwevdigkeit geworden, da an eine künf tige Selbstständigkeit ohne Kapital nicht mehr zu deuten ist, ja selbst ver Kleinmeister kann nur mit Mühe und Arbeit ein küm- merliche« Dasein fristen, und doch, dem blinden Wahn folgend, widersetzt er sich den Bestrebungen der Arbeiter und gräbt dabei sein eigene« Grab. Alle diese Umstände gaben Veranlassung zu eiuer Zusammenkunft dreier Mitgliedschaften: Stuttgart, Eßlingen und Cannstatt, in welcher mau sich berathe» hatte, welche Schritte zu thuu wären, um unsre Menschenrechte in jeder Hinsicht zu wahren. Bei dieser Zusammenkunft hat man sich nun dahin ge einigt, behuf« eiuer festen Organisation unsrer College» in Würt- temberg ans Sonntag den 25. April einen württembergi- scheu Schuhmachertag nach Göppingen einberufen mit der Tagesordnung: 1) Gründung eine« AgitationS-Comitä. 2) Wie soll in nächster Zeit die Agitation bettieben werden? 3) Bor- schläge von Delegirte» zum Kongreß nach Koburg. Wir ersuchen daher nicht nur die Mitgliedschaften, Delegirte zu schicken, sondern auch diejenigen Orte, in welchen keine Mit- gliedschafteu sind, sollten vertteten sein. Mit dem Bewußtsein, daß ein jeder College, dem etwa« an der Verbesserung seiner Lage gelegen ist, diese so wichtige Sache nicht unbeachttt an sich vorübergehen läßt, rufen wir Euch zu: Auf zum Schuhmachertag, auf nach Göppingen! I. A.: Fr. Ma moser, Schriftf. UB. Die Delegirte» versammeln sich im„Rad- in Göp- piogeo; man bittet Diejenigen, welche den ersten Zug nicht be- nützen können, sich Samstag Abend in Göppingen einzufiuden. Briese und Anftagen sind zu richten an Fr. Mamoser, Thurm- straße 6, 2 Treppen. Wie«. Am 31. März fand im Saale„zum Palmbaum- eine außerovdeutliche Generalversammlung de« Arbeiter-Bildung«- Verein« statt. Bekanntlich stand dieser Verein bisher auf Seite Oberwinder«, der e« verstand, bei entscheidenden Versammlungen seine sämmtlichen Anhänger al« Stimmvieh zuzutreiben und so die wahre Majorität der Mitglieder niedcrzustimmen. Nun hat sich jedoch die Sachlage geändert; Oberwinder ver- fügt über keine nennenawerthe Gewerkschaft mehr, er konnte also neue Mitglieder nicht in den Verein bringen und mußte deßhalb eiue andere Taktik einschlagen. Gleich bei Beginn der obgenannteu Versammlung ergriff GmoSdek, ein ziemlich bornirter Strohmann Oberwinder'«, daS Wort, um nachzuweisen, daß die Versammlung statutenwidrig ein berufen sei, da nach§ 20 der Statuten deren Abhaltung vierzehn Tage ftüher bekannt gemacht werden müsse, diese Frist sei nicht vollständig eingehalten worden. Er beanttagte sohin die sofortige Auslösung der Versammlung durch den Borsitzenden. E« braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß die wahre Ursache dieses Ver tagung«aonage» dario bestand, daß von den 300 Anwefeuden mindesten« 200 Genossen unserer Partei waren. Polizeisozialist GmuSdel versuchte die Versammlung glauben zu mache«, e« könnte die Behörde dem Vereine Fatalitäten be reiten, wenn sein Anttag nicht angenommen würde— der anwesende Polizeikommissar rührte sich jedoch nicht. GmuSdek wurde widerlegt von Pruscha und Anderen mit dem Bemerken, daß eine solche vierzehntägige Frist ausdrücklich in den Staturen für die ordentliche halbjährliche Generalversammlung be- stimmt sei. Hieraus uahm Oberwinder da« Wort, sprach von den zugettiebeueu Leuten, von der Clique, welche blo« ein Attentat auf den verein beabsichtige— trotz all diesem Schimpfeu und Lügen blieben unsere Genossen ruhig. Hieraus sprach Marschall und wollt« die Versammlung auffordern, die absichtliche Provo cirung von Skandalen zu iguorireu; doch hierauf warteten gerade die Leute Oberwinder'« uud machten fürchterlichen Skandal» wo- durch die Versammlung aufgelöst wurde. Die« brachte unter den Anwesenden eine große Erregtheit hervor und e« muß Wun- der nehmen, daß man gegen Oberwinder nicht handgreiflich wurde. Der große Held Oberwinder traute sich au» dem Winkel» in de» er fich verkroch, nicht hervor ond gab Auftrag, Polizei zu holen. E« erschienen auch zwei Mann und so ging er ru der Mitte zweier Schutzleute au« dem Saale. Unter stürmischem Halloh und begleitet von den Spöttereien der Anwesenden, die ihm auf die Sttaße folgten, verschwand er. Wie wir hören, fand noch an demselben Abend eiue Ausschuß- fitzung de« Vereines statt, in welcher auf Grund de« in der Generalversammlung von Oberwinder provocirten Skandal« de- schloffen wurde, denselben au« dem Vereine auszuschließen. Bei namentlicher Abstimmung ergab sich folgende« Resultat: von den 20 suuktionirenden Ausschußmitgliedern waren 22 anwesend Von diesen stimmten 15 für' und 7 gegen die Ausschließung Ober- winder'S. DaS AuSschoßmitglied Sprattler, welckeS die Polizei geholt hatte, entsckuldigte sich damit, daß er von Oberwinder hierzu beaustragt wurde. Zum Schlüsse wurde ein Autrag, unterzeichnet von über 50 Mitgliedern, auf Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung binnen 14 Tagen, zum Beschlüsse erhoben. („Gleichheit.-) Winterthur(Schweiz). Warnung. Wir haben Hrn. Wetten gel einen Tarif zweiter Klasse vorgelegt, da aber letzterer sich geweigert hat, denselben zu unterzeichnen, so haben du Arbeiter seines Ateliers die Arbeit niedergelegt. Wir legen deshalb allen College», welche etwa hier zu arbeiten beabsichtigen, dringend an» Herz, diese Werkstatt zu meiden! Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß Hr. Wirth für selbige« Geschäft arbeitet ond möglichen Fall« Arbeiter einstellen will; deshalb ersuchen wir, dort ebenfalls nicht in Arbeit zu treten. Die internationale Sectio» der Schneider. Berichtigung. In Nr. 40 de«„Lolkstaat-, Correspondenz au« Kirchhai» d. 20. März muß eS heißen, statt„Ansöneburg-:„Amöneburg-» und die Unterschrift statt R. F.: R. T. «riefkafte» der Redaktion: Herrn Ferdinand Scheller: Wir kovstatirm einen Brief von Ihnen empfangen zu habeu, der Sie der Achtung des stieber-biSmarckischen„Volk»- würdig zeigt und Ihre vollkommene Berechtigung zu einem„Trinkgeld- und„Hundezeichen- nachweist. Mit dem unorthographischen Inserat der„Baugewerkschast- haben Sie fich aber in der Adresse geirrt; nicht un«, sondern dem großen Bismarck hätten Sie e» zuschicken sollen, damit er sieht, daß der„Schulmeister von Sadowa- der deutscheu Jugend nicht einmal die einfachste Rechtschreibekunst beizubringen im Staude ist. Quittung. der Expedition. B. Hßlng hier Ab. 1.60. Sl» Magdeburg Ann. 0.50 Schmdt New-York»b. 1.60. Stgr das. Ab. 9.60. Thl Wie» Ab. 4.8» jkllbrg Dresden Ab. 1.60. Lngdrf Barmen Schr. 3.00. Rchtr hier Ann. 0 80. Rchl Troppau Schr. 3.00. Hfmu Zwickau An». 3.25.:Stlzr Reudnitz Ab. 7 00. Mrf London Ann. 1.25, Ab. 3.50, Schr. 31.46. Arbeiterver. Gohlis Ann. 2.60. Bchhm hier Schr. 3.45. Stnr Sonneberg Schr. 1.55. Kpschnk hier Ab. 1.80. Etgarrenarbver. Hamburg Ana. 0 40. Holzarbeitergew. hier Ann. 3 00. Rschr hier Ab. 1.76. GenosseuschaftSbuchdruckcrei. Antbetlschetne bez. Antheilquittungen erhielten serner: Zu Auerbach L. W. 6.00. 2e. Donnerstag, den 15. April, Abend« halb 9 Uhr in Tütge« kleinem Saal, valentia«kamp 41:, Anzeigen Hamburg Grosse Oeffentliche Cigarreuarbeiter- Versammlung. Tagesordnung: 1) Da« Hamburger SchtedS-Oericht. Referent: Herr Breuel. 2) Der schamlose Artikel der Reform vom 31. März(BeUage), betitelt Frauenarbeit, da» Sigarrenmachen. Bei dieser wichtigen Tagesordnung ist e« nSthig, daß jeder Ttgarren- arbeiter erscheint._ I. Richter.[90]" Halle a. d S. Gewerkschaft der Schuhmacher. Montag, den 19. April, in Müller'« Bellevae- Erstes Stiftuugösest mit Festrede und Ball. Wozu Eollegen und Freunde der Gewerkschaft einladet Der Bevollmächtigte.(1.50) ~, Donnerstag, den 15. April, Abend« halb 9 Uhr: "eill�lg Versammlung der Sozialdemokraten Leipzigs und der Umgegend i« Restaurant Belledue, Kre», straße. Tagesordnung: Die Organifatton der Deutschen Arbeiterpartei. Ref.: H. Ramm.__ Die Einberufer.[70] Soeben ist erschienen u. durch un» zu beziehen die fiebrnte Lieserung von pH. Secker: Stunden der Andacht Preis der Lieferung 20 Pf. Buchhandlung de«„volttstaat.- Soeben ist erschienen und durch die Expedition de«„VolkSstaat- Leipztg, Zeitzerstr. 44, zu beziehen: Nie industrielle Arbeiterfrage und die Forderung eine« Neuen Arbeitsrechts. Vortrag, gehalten auf der Volksversammlung des Eongresse« dar sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Coburg am 19. Juli 1874 von Th. Uorck Prei« pro Exemplar 25 Pf. Gegen Einsendung de« Betrage« für die bestellt« Exemplare erfalgt die Zusendung srauc». Der Ertrag ist zum Best« der Hiuterbliebeum Aorck'« bestimmt. Soeben erschien die suufte(Schluß-) Lieserung vou B. Becker: Geschichte der Urbeiter-Ugitation Iserd. JaßaHe'� Prei» 60 Pfennige. _ Di« v-chhandl»», do«„v»lk»st»at." Volksstaatkalender für 1875. Derselbe mthält außer dem bekannte» Kalendarium(dem diesmal auch der katholische Palender beigefügt ist), eiu verzeichniß der Mess eu uud Märkte Deutschland«. Literarischer Inhalt: Die Hanauer Durnr im badisch-rheiapfälzische»»fstaudc 184S, nach den Papieren ihre« E»rp»adjutaaten, de«»erstorbeueu Alberb Dammerow. vou dem noch lebeuden Stgi«maud Borkheim, Batteriechef in der badisch-rheinpfälzischen Rebelenarme«; Rothe Oster», historische» Gemälde au« dem Bauerukrieg,»»» Robert Schweichek. Wo liegt die Rettuug? Au» dem Tagebuch rate« Sozialist», vou Ott» Walster. Zur Grund uud vodeufrag». Berschtedeue«. Prei» 35 Pf. gegen baar. Bestellungen hierauf an die Buchhandlung de»„Bolttfiaat- zu adresfirew. Zur Notiz! Wir bitte»»ufere Correspondenten, Personen» uud Ort«» »ameu stet« deutlich und doppelt: in deutscher und latei- nischer Schrift zu schreiben. Verantwortlicher Redakteur: H. Riudt. Redattio» Hoheftraße 4, Expedition Zettzerstraße 44, tu Leipzig. Druck uud Verlag der Gtu»ffeaschast«buchdruckerei tu Leipzig.