Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- umgen d«S In-».Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigte« Staaten: F. A. Sorge, Vor 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, S. W. Corner Third and eoatei itr. Philadelphia. Der Vollisßaat Abanneni'nlspre!» für ganz Teutschland l M. W-Pf. pro Quartal. MonatS-Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Uten ». 3leu Mona! und auf den 3ten Monat besonders an genommen; im Kge. Sachsen u. Hrzgtd. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals i MPf, OrgandersozialdemokrattschenArbeiterpaneiunddermternationalenGestierkslienossenschaften. Anlerate, dt«»bhaltnng eon Partei», Vmtoe» und«-iksversammloogeu, sowie die Mal- Skpedtttonen und sonstige Partei-«ngelegenhettev betresteud, werden mit 10 Pf.,— Privat- und Bergnügvng«- Anzeigen mit Sü Pf. die dreigefpaltene Petit-Zeil« berechnet. 1875 Nr. 51. Mtwoch, 5. Mai. An die Leipziger Parteigenossen! Das unterzeichnete Comitö bedarf für eine aus- giebige Vertheilung der Stimmzettel zur Reichstags- Wahl mindestens 200 Mann, welche Sonntag, den 9. Mai, Vormittags, die Austragung der Stimmzettel vornehmen. Das Comitö erwartet, daß die Leipziger Partei- genossen, eingedenk ihrer Pflicht und der Ehre der Partei, diese Zahl aus ihrer Mite stellen werden, und ersucht Alle, welche sich hierbei betheiligen wollen— einerlei ob wahlberechtigt oder nicht— sich Mittwoch Abend 8 Uhr im Saale des Belle- vue(früher Leipziger Saal), Kreuzstraße, pünktlich einzufinden. Aas social- demokratische Wahl-Eomitv. Fink, Vorsitzender. Nationalökonomie. m. Die Vertheilung dcS Arbeitsertrages. Alle Menschen leben durch den Verbrauch von Maaren, welche durch die Thätigleit der produktiven A'beiter hergestellt werden Der GesamwtarbeitSertrag der produktiven Arbeiter reicht also, wie wir früher gezeigt haben, zur Erhaltung aller Menschen auS; die Vertheilung diese« GesammtarbeitSenrageS unter die Einzelnen richtet fich aber nicht nach der Menge der geleisteten Arbeit, be- stehe dieselbe nun in der Erzeugung von Maaren oder in Dienst- leistungen, sondern jeder Einzelne erhält so viel, als er kaufen kann. Mit andern Worten, die Menge de« Geldes, welche der Einzelne als Einkommen erwirbt, bestimmt seinen Anth-il an dem GesamwtarbeitSertrag. Es gi-bt nun sehr verschiedene Arten von Einkommen. Wir haben zuerst die große Classe der eigentlichen Lohnarbeiter, welche gegen Tagelohn oder Stückiohn von den Unternehmern beschästigt werden; dann finden wir die Leute, welche gegen ein feste» mo- »ailiche« oder jährliche« Gehalt arbeiten, also alle Staat«- und Commune-Beamleu, Handlung«- Gehülfen, Lehrer, Pfaffen und dergleichen; serner erhalten viele Menschen ihr Einkommen als Bezahlung für einzelne Dienstleistungen, wie die Aerzte; vielfach finden wir auch, daß neben einem festen Gehalt noch besonderes Einkommen für gewisse Arbeiten gewährt wird. Alle diese Arten von Einkommen haben da« Gemeinsame, daß in ihnen da« Ein- kommen al« ein Lohn für geleistete Arbeit erscheint. Dann finden wir da« kausmännischc Einkommen, welche« durch den Profit beim Handel mit Maaren entsteht; billig einkaufen und theuer wieder ver kaufen ist hier die Parole. Die Differenz zwischen dem Einkaufspreise und dem Verkaufspreise stießt in die Tasche de« Kaufmann«, fie bildet seineu Verdienst, sein Ein- kommen. Ja gewisser Hinsicht ist die« Einkommen auch eine Art Lohn, da ja beim Betriebe de« Handel« immer eine Arbeit, eine Thätig- keit nothwendig ist; wir wollen damit aber durchaus nicht gesagt haben, daß die Handel«profite so ohne Weitere« al« durch ehr- liche Arbeit verdient anzusehen find. Im Gegentheil müssen wir, gestützt aus die Erfahrungen der alten und besonder« der neuesten Zeit behaupten, daß im Handel beinahe mehr unehrlicher al« ehr- licher Verdienst erzielt wird, und daß bei den heutigen Gesell- schastSzupänden da« Wort Franklin'«:„Handel ist Prellerei" mehr denn ze eine Wahrheit ist. Endlich finden wir. daß Einkommen erworben wird ohne alle Thätigkeit, ohne alle Arbeit, nur durch den Besitz. Wer eine Summe Gelde« befitzt und sie ausleiht, bezieht Zinsen; wer ein Grundstück, einen Acker, einen fischreichen See besitzt, und einem Anderen zur Benutzung überläßt, bezieht Micthe oder Packt. Die Geldleiher wie die Pächter benutzen den geliehenen oder gepachtelen Besitz zur Produktion, fie ziehen au« dem zeitweiligen Besitz Nutzen durch Verwendung von gekaufter ArbeilSki aft, veischaff-n fich ein Einkommen, da« ohne da» Kopital nicht entstände, sie be- ziehen also einen Kapital-Gewinn, von dem sie einen Theil al« Zin« oder Pacht an die Geldverleiher oder Verpächter abgeben. Wir wollen hier da« Verhältniß der Kapital- und Grundstück- Besitzer zu den Unternehmern unbeachtet lassen; wir brauchen für unseren Zweck nicht zu untersuchen, ob Kapitalisten und Unter- rehwer den erzielten Kapitalgewinn gerecht unter sich vertheilen; wir wollen nnr zeigen, daß in dem Bezüge von Kapitalgewinn überhaupt ein Unrecht liegt, indem durch denselben der Anthcil der Arbeiter am Arbeitserträge geschmälert wird. Alle« in Geld bezogene Einkommen, gleichgültig auf Grund welche« RechtStitelS e« erworben ist, ob e« al« Lohn, Handelsgewinn, oder Zin», Rente, kurz al« Kapitalg-winn erworben wurde, wird vom Besitzer zum Ankauf von Maaren benutzt; mag ei» Theil erspart und wieder zinstragend angelegt werden oder nicht, immerhin wird da« Gefammt-Ernkommen in Geld nicht todt hin- gelegt, sondern zum Ankauf von Waaren benutze.— Theilen wir nun da« Einkommen in zwei große Abtheilungen, in Einkommen, welche« einen Lohn für geleistete Arbeit darstellt und in Einkommen, welche« ohne Arbeit gewonnen worden ist, so erkennt man klar, daß diese beiden Abtheilungen stch in den GesammtarbeitSertrag theilen, indem jede nach dem Verhältniß ihrer Größe durch Kauf in den Besitz eine« entsprechenden TheileS deS Arbeitserträge«, der vorhandenen Waaren, gelangt. Je größer also in einer Nation da« Einkommen auS arbeitslosem Erwerb ist, desto kleiner wird der Antheil der Arbeiter am Gesammtprodukt; je geringer diese« Ein- kommen, desto größer wird der Antheil der ehrlichen Arbeit. Wir wollen uns oie Sache ziffermäßig klar machen und an- nehmen, der GesammtarbeitSertrag sei gleich 100 bestimmter Ein- heiten und daS Gesammmteinkommen betrüge auch grade 100 Ein- Helten. Daun fällt auf jede Einheit an Einkommen auch erne Einheit vom GesammtarbeitSertrag. Betrüge nun da« arbeitslose Einkommen S0 von jenen Einheiten, so bleibt für die ehrliche Ar beit die Halste de« Arbeitserträge« übrig, die andere Hälfte sackt der arbeitslose Erwerb für sich ein. Fällt da» arbeitslose Ein- kommen aus 25 Einheiten und das Arbeitseinkommen bleibt auf S0 stehen, so erhält Erste«« nur noch ein Drittel, Letztere« aber schon zwei Drittel vom Gesawmtertrage. Sobald also der arbeitslose Erwerb, der Bezug von Kapital Gewinn aushört, erhält jeder Arbeiter einen größereu Antheil am Gesammlertrage, ganz abgesehen davou, daß alle, heute von ar- beitSlosem Erwerb lebenden Menschen dann arbeiten müßten, wo durch der Arbeitsertrag wieder noch vergrößert würde. Der Kapital-Gewinn, mag er nun unter dem Namen von ZinS, Rente, Pacht oder Unternehmergewinn auftreten, verkürzt also ohne alle Gegenleistung den Antheil der ehrlichen Arbeit am Gesammtertrage. In diesem Sinne enthält also das alte Wort:„Zinsen nehmen heißt stehlen", noch heute volle Wahrheit, denn alle« durch Zin«, Rente, Pacht oder Kapitalgewinu bezogene Einkommen, nimmt den Arbeitern, sowohl denen, welche Waare erzeugt haben, al« auch denen, welche gesellschaf.liche Dienste leisten, einen Theil ihre« Arbeitserträge« weg. Wir sind natürlich weit davon entfernt, jeden Menschen, der ZinS oder Pacht bezieht, persönlich für einen Dieb an dem Ar beitSertrag der Gefammlheit zu halten; der Fehler liegt in der Jnstitu'ion, in den deutigen Rechts- und Eigenthumsverhältnissen, welche sich geschichtlich entwickelt haben, und für deren Existenz kein Einzelner, ja ftlbst keine Klasse von Menschen verantwortlich gemacht werden kann; nicht wegzuleugnen ist aber die Thatsache, daß jeder Capitalbestyer, selbst der Arbeiter, der wenige Thaler in die Sparkasse gelegt hat und dafür Zinsen bezieht, Theil»immi an der Schmälerung, welche stch bei Theiluug de« GesammtarbeitS- ertrage« durch Vorwegnähme des auf den Kapitalgewinn fallenden Betrage«, am Antheil der Arbeiter vollzieht. (Schluß folgt.) Utber die Schaubühne und ihre Zuknuft. (Fortsetzung.) Aber die Zeit, die mit so gewaltigen Dingen schwanger zu gehen geschienen, sie sollte schließlich doch nur in jenem widerlichen Theologengekeife endigen, wie e« Luther, der ftomme GolteSmann und bornirte Dickschädel inaugurirt hatte, in jenen blödsinnigen Zänkereien um ein biScheu Blödsinn mehr oder ein bischen Blöd- sinn weniger, die sie heute, sage heute, im Jahrhundert de« CommuniSmu«, allen Ernste« wieder ausgraben zu wollen scheinen. Diese Kämpfe wurden damal« einerseits in den glänz- volle« Jesniteuspieleo, andererfeii« in den protestantischen Schulkomödien auch auf der Schaubühne mit auSgefochteo, während der blutgedüugte Boden de« bald uachfolgende» dreißigjährigen Krieges die„Mordspektakel" erzeugte, haarsträubende Ritter-»r.d Räuberdramen, au« welchen das Publikum nur dann befriedigt nach Hause ging, wenn e« sich an dem Anblick von Strömen Blute« hatte weiden können(die Schauspieler brachten zu diesem Zwecke mit Kalbsblut gefüllte Blasen in ihren Klei- dcrn an) unv die uns so recht die allgemeine Verrohung und� Verwilderung der Sitten vor Augen führen, welche da« fchlaugev- lockige Scheusal Krieg zu seiner Gefolgschaft zählt. So klein aber auch da« große Zeitalter der„Renaissance", der„Wiedergeburt" schließlich verlaufen war— zu Größerem war e« nicht reif gewesen— so blieb e« doch da« Todteuläuten der mittelalterlichen Gesellschaft, und da« Bürgertham ist e«, da« von nun ab immer entschiedener in den Vordergrund tritt. Dem eut» sprechend vollzieht stch auch die weitere Eutwickelung der Schaubühne. Erkennt man einerseits in Shakespeare, dem jetzt so viel öefeierten, wohl übermäßig gefeierten Britten, der mit seinen üppigen Hoslagern, mit seinen lustigen, versoffenen Rittern, seinen dehädigeu Bürgern und seiner Verachtung de« gedrückten Volkes, de»„Thier« mit den vielen Köpfen", so ganz da«„msrr� Old- Eiiglandu*) der Elisabeth wiederspielt, mit Recht den Uebergang, gleichsam die Brücke vom mittelalterlichen zum modern-bürger- llichen Drama, so sehen wir andererseits bald nach ihm in Frankreich, dem Laude der Initiative, die letztere Gattung selbst er- stehe». Jean Bapriste Pocqueliu**), genannt Moliärc***). gilt ür den, der da» Bürgerthum zuerst in den Borderzrund der Scene berief. Stand er auch nicht aus der vollen Höhe seiner Aufgabe, so wußte er doch, bisonder« im Gegensatz zn seinen beiden Zeit- geuosseu Corneillet) und Racineftt), deren Dramen mit ihren steifen, hölzernen Theaierfiguren und dem nachgeäfften Cothmn- schritt, mit ihrem Woitschwall höfisch gekünstelter Phrase», mit ihrer Verherrlichung de« König, und de« Christenthums, mit ihre» exotischen und vorsüudfluthlichen Schauplätzen, mit ihrer *) Da» Infliae alte England.•♦) sprich Schang Baptist Pockläng. •••) sprich Moljähr. f) sprich Eornällj. tt) sprich Rasihn. kalten, strengen Abgeschlossenheit gegen die lebendige Gegenwart, uu« so ganz an das steife Perrückenzeitalter de« Gotte«- Gnaden- tollen Ludwig XIV. und die tödtlicke Erstarrung alle« Volksleben« unter ihm gemahnen— so wußte Molifete doch, sagen wir, in richtiger Erkenntniß de« wahre» Berufe« der Schaubühne, in seinen Dichtungen die ihn umgebende Gesellschaft selbst wiederzuspiegeln, nur daß er, darin eben auch ein echter Hofpoet, die kleinen Schwächen und Eitelkeiten dieser Gesellschaft zwar harmlo« zu bespötteln wußte, ihre Verbrechen und ihre Laster aber klüglich unangetastet ließ. In Deutschland war da« Schauspiel inzwischen bei einem Zn- stände der Versumpfung angilangt, der nur mit der Versumpft- heil der politischen und gesellschaftlichen Zustände dieser Epoche zu vergleichen ist. Während fich da» Volk in den elenden Schau- buden seiner hungernden Komödiautenbanden an ihren„Mord- spektakeln", an ihren abgeschmackten Haupt- und Staat«- attionen", an den rohen und niedrigen Späßen HanSwurst« ergötzte, wetteiferten die zahlreichen Tyrannen eben dieses Volte« in den wahnfinnigsten Verschwendungen für die prunkvollen Opern und Ballette ihrer Hoftheater. Für da« Menschensteisch ihrer „Unterthaneu", da« sie in ferne Welttheile verschachert, tauschten fie sich da« Menschensteisch italienischer Eunuchen und sranzöfischer Bajaderen ein. Ein widerliche« Zerrbild voll entmenschter AuS- schwcisungen, von dem wir un« mir dem bekannten„Ausdruck de« Ekel« und der Verachtung" abwenden. Aber die dumpfe, drückende Schwüle ist da» Anzeichen de« nahenden Gewitter«. Da« Zeitalter der Aufklärung brach an, dieser schöne Vorabend der frauzöstschen Revolution, ein ge- waltige« Rühren und Regen ging durch die Geister und erfaßte bald auch die Schaubühne. Jndeß stch das edle Volk von Pari« an den Stücken Voltaire'«, Boumarchais' n. A. zu jenen unsterblichen Thaten begeisterte, die wir eben die ftanzöfische Revolution nennen, erlebte da» deutsche Theater seine classtsche Pe- riode. Lessing trat auf,„der deutscht Molifece", der Schöpfer de« bürgerlichen Schauspiel« in Demschland, der die Schaubühne mit starkem Arme von ihrem verrolteten und vcift'teten Wüste säuberte, und bald nach ihm da« DioSkurevpaar der deutschen Dichtung: der Herr Hosspaßmacher von Weimar, der große Verse- macher und kleine Mensch, und Schiller, dieser beste, edelste, er- habenste aller deutschen— Spießbürger. Wie sehr auch sie beide durchaus die Kinder ihrer Zeit, ihrer Umgebung und der diese beherrschenden Ideen gewesen, da« geht schon au« einer Betrach- lung ibrer beiden„Welldramen", resp. de«„Faust" de« Einen, de«„Posa" de« Andern recht deutlich hervor, zwei Schöpfungen, die man so oft die Personifikation der beiden Dichter selbst ge- nannt hat. Repräsentirt der erstere mit jenem rationalistisch- pau- theistisch-spinozistischen Quark, den er in dem bekannten Dialog mit Gretcheu zum Besten giebt(„Ungefähr sagt da« der Pfarrer auch," meint Gretchen darauf weit treffender, al» Herr v. Goethe selbst dachte) nicht genau die religiösen Anschauungen de« mo- d-rven Liberalismus? Und repräsentirt dieser Posa, dem„die lächerliche Wuth der Neuerung sein Blut nie erhitzte"(man be- achte, daß diese Worte unter dem unmittelbaren Eindruck der französischen Revolution geschrieben und auf diese gemünzt sind), der einen Philipp II. von Spanien bittet,„dem Glück der Völker die Regentevkrafk zu weihen.» dem also die freiheitliche Monarchie, diese politische Quadratur de« Zirkel«, beständige Beklemmungen verursacht, nicht genau die politischen Anschauungen de« mo- dernen Liberalismus— jener sozialen Krankheit, die damal« be- reit« und, besonders unter dem geängstigten deutschen Philisterthum, aus'« Heftigste grassirte? Ueberall sehen wir nur Halbheit, überall Schacher, nirgend auch nur eine Spur von jener gewaltigen, alle« einmal für schlecht Erkannte bedingungS» und schonungslos vor sich niedertretenden Energie, die dem CommuniSmu« gleichsam in die Wiege gelegt, Und die noch zu so großen Thaten de« Geiste« bestimmt ist.(Schluß folgt.) Die Brhaudln«g der Politischen Gesangene« i« Preuße» beschäftigte am 23. April abermals da« preußische Abgeordneten- hauS und zwar aus Anregung Windthorst'S. Wir theilen nachstehend den Bericht der'„Losstschen Zeitung" mit: „Auf der Tagesordnung de« Abgeordnetenhauses steht zunächst die Interpellation de« Abg. Windthorst-Meppen: Mit Rücksicht auf die allgemein bekannten Berhandluu- gen im deutschen Reichstage und im Hause der Abgeordneten über die Vollziehung der Gesängnißsttafe an solchen Gesan» genen, welche wegen politischer Vergehen verurtheilt find, er- taube ick mir an die königliche StaatSregierung die gehör- samste Anfrage zu richten: ob und welche Anordnungen rn Beziehung auf den Bollzug der bezeichneten Gefängniß- strafen, insbesondere in Beziehung auf die Beschäftigung und Selbstbeköstigung der betriffenden Gefangenen erlassen worden find? Abg. Windthorst: Diese Frage ist schon ftüher häufig be- handelt worden; schon 1374 hat der Abgeordnete Münzer den wesentlichsten Theil, die Frage der Selbstb.köstigung, angeregt; im Reichstage kam sie gelegentlich der Most'schen Petition ausführlich zur Sprache, und man beantragte, daß von Reich« wegen der Strafvollzug durch Gesetz geregelt werden solle. Offiziell ist nicht bekannt geworden, wa« dieser Beschluß gewirkt hat. Oeffentlichcn Blättern zufolge ist er dem Justizausschuffe des BundeSrathe« überwiesen worden. E« scheint aber damit keine Eile gehabt zu haben, trotzdem dieser Gegenstand vielleicht eiliger gewesen wäre als mancher andere. Bei der Badgetberathung ist die Frage mehrfach angeregt worden, und der Biinister des Janern hat er flirrt, daß er verschiedene Erlasse vorbereitet; aber entweder find diese Erlasse nicht so, wie eS im Reichstage verlangt wurde, oder fie werden in den unteren Instanzen nicht befolgt. Zu den poli- tischen Gefangenen rechne ich auch die wegen Uebertretung der Maigesetze bestraften Geistlichen, die z. B. in Trier in Bezug aus den Aufenthalt, Beköstigung und Disziplin den gemeinen Ber blechern gleichgestellt werden. Der Abgeordnete Most im Gesänge niß am Plotzensee kann heute noch immer nicht die Selbftbeköstn gung erlaugen und befindet sich deshalb in großer Beforgniß um feine Gesundheit; ein anderer nahezu sechzigjähriger Mann, ebenfalls wegen Preßvergehen verurtheilt, erhält ebenfalls nur die Gefängnißkost, die ihm so wenig bekommt, daß er statt derselben deS Mittags sich mit Wasser und Brot begnügt; er hat jetzt die Bergänstigung erhalten, daß er viermal in der Woche Bonillon bekommt. Daneben fi»d in der letzten Zeit, obwohl die Tem- peratur e« wohl erfordert, die Zellen nicht geheizt, wohl aber die Localitäte«, in denen sich die Beamten aufhalten. Außerdem ist dem Redner die Mittheilung zugegangen, daß ein wegen Preß- vergehen«»erurtheiltcr Manu, NamenS Frobcn(Frohme?) in Koblenz gehindert wird, sich literarisch zu beschäftigen. Die Interpellation ist an die StaatSregierung gerichtet, weil e« nicht möglich war zu finden, wo die Competeuz des Justizminister» aufhört und die des Ministers deS Innern aufäugt.(Hört!) E« ist unerträglich, daß fortwährend da« Gefäugnißwefen in zwei Ministerien behandelt wird. Während der Minister de« Innern sagt, er habe Jastruk- tionen vorbereitet, hat der Justizminister noch nicht« gesagt; wie kommt e«, daß, wenn Instruktionen erlaffeo sind, der bisherige Zustand noch unverändert fortbesteht? Justizminister Dr. Leonhardt: Ich werde selbstverständlich meine Erklärung auf den Gegenstand der Interpellation beschrän- keo, indem ich die Einzelheiten um so mehr dahingestellt sein lasse, al« ich sie nicht übersehen kann. Der Interpellant fragt, ob die StaatSregierung Anordnungen über den Bollzug der Strafen bei politischen Gefangenen erlassen habe. Diese Frage habe ich im Namen der StaatSregierung mit Nein! zn beantworten. Ich könnte mich auf diese Erklärung beschränken, trage aber kein Be- denken, mich über die Gedanken auszusprechen, welche die Staat«- regierung zu dieser Unterlassung bcwogeu haben. Die betreffende Anordnung würde nur dahin gehen können, daß beim Strafvoll- zuge zwischen politischen und nicht politischen Gefangenen zu unterscheiden wäre. Eine solche Unterscheidung würde eine gesetz- widrige sein, den Borschrifteu de« Strafgesetze« widersprechen und eine unpraktische sein, weil der Begriff de« politischen BergehenS ein völlig unbestimmter, für die Auwendung ganz unbrauchbarer ist. ES würde durch eine solche Anordnung eine Neuerung ein- gesührt werden, wie sie weder in Deutschland noch sonstwo in Europa besteht. E« isi Sache de« Gesetze«, mit Rücksicht auf die Qualität der strafbaren Handlung die eine oder die andere, oder auch mehrere Strafen«ahlweise anzudrohen; e» ist Sache des RickterS, die Individualität einer strafbaren Handlung zu wür- digen, insbesondere mit Rücksicht darauf, auf welche von mehreren wahlweise angedrohten Strafen zu erkennen ist; dagegen muß der Strafvollzug sich richten nach der Berschiedenheii der Strafen unter Berücksichtigung der Individualität nicht der That, sondern de« ThäterS. Die Berücksichtigung der Qualität und der Jndivi- dualität der strafbaren That beim Strafvollzug führt zur Willkür, während der Strafvollzug nicht weniger wie da« Strafurtheil selbst «in gerechter sein soll. Aus den Autrag de« Abg. v. Schorlemer-Alst tritt da» Hau» in die Besprechung der Interpellation ein. Abg. Götting: Ich interesstre mich für das Gesängmßwesen, aber sür die Interpellation, wie sie hier gesaßt ist, kann ich mich nicht echausfiren; fie beschränkt sich lediglich auf die politischen Ge- sangenen, einen solchen Begriff kennt weder die Wissenschaft noch da« Strafgesetzbuch. Der Abg. Windlhorft ist bereit, die renitenten Geistlichen und die wegen Preßvergehen« Berurtheiltcn zu den politischen Gefangene« zu zählen. Die wegen solcher Vergehen Berurtheilteu sollen einer besonders humanen und ihrer indivi- duellen Neigung entsprechenden Behandlung unterworfen«erden. Ist denn nicht ein gebildeter, sonst vollständig intakter, nur durch irgend welche« Unglück dem Strafgesetze verfallener Mann einer eben solchen Berücksichtigung werth? Denken Sie sich einen Kassen- beamten, deffea übrige Rechtlichkeit nicht in Zweifel gezogen wor- deu ist, der, al« er in die Kasse griff, nicht eine Ahnung davon hatte, daß er das Entnommene binnen 24 Stunden nicht wieder hineinlegen könne(Unruhe im Centrum), oder nehmen Sie uu- glückliche Leute, die ausgepfändet werden und in überwallendem Gefühl sich an dem ExekutionSbeamten vergreifen; sollten solche geblldete und sonst rechtliche Männer nicht dieselbe Berücksichtigung verdiene«? Eatkleiden Sie die Interpellation ihre« tendenziösen Inhalt», führen Sie sie aus die Humaue Grundlage zurück und Sie werden deu Beifall der Volksvertretung und vielleicht auch die Neigung der Regierung finden. Dann dehnen Sie doch Ihre Fürsorge auch auf die UntersuchnugSgefangeuen au«; ein ver- urtheilter politischer Verbrecher ist doch immer schuldig, aber ein Untersuchunglgefangener ist doch häufig unschuldig. Im Jahre 1360 wurde in HildeShei« ein Gejänguiß für UntersuchuogS- iiesangeue gebaut, da« allen Ansordernnge» der Humanität wider- prach; die Zellen enthielte» nicht« weiter al« einen Stuhl, Nacht» wurde eine Matratze hiueiugebracht. Erweitern Sie Jhreu Antrag dahin, daß innerhalb de« Rahmen« de« Sttasgesetzbuche« die Ge- sängnißordnung einer Revision unterworfen werden soll, so könute ich einen solchen Antrag nur empfehlen.(Schluß folgt.) Politische Uebersicht. — Da« Risiko der Arbeit. Ueber Unglücksfälle im Herzogthum Altenburg schreibt man dem.Crimmitschauer Bür- ger- und Bauernfteuud":„ m Nachdem nunmehr 10 Jahr- verflossen sind, settdem der Berg bau de« Herzogthum« unter staatlicher«ontrole gestellt ist, hat die herzogliche Berginspektion eine Statistik der in diesem Zeit- räume vorgekommenen bergmännischen Berunglückungen mit tödt lichem Ausgang ausgestellt, und die.«lteub. Ztg.- entnimmt der- selbenjolgende Angaben. E« sind in deu verflosseneu zehn Jahren überhaupt 27 tödt liche Berunglückungen vorgekommen, die meisten im Jahre 187», nämlich 6, die wenigsten im Jahre 1366, nämlich gar keine. Die sämmtlichen Fälle lassen sich ihrer Ursache nach in drei Klaffe» bringen, nämlich in solche, a) wo dem Grubenbesitzer oder semen Beamten Uebertretung der bestehenden Vorschriften oder üblichen Sicherheitsmaß- regeln nachzuweisen war; hierher gehören 3 Fälle; d) wo den Verunglückten selbst eine Uebertretung der bestehen- den Borschrifteu oder übliche» SicherheitSmaßrezelu oder ein Mangel an gewöhnlicher Vorsicht nachzuweisen war; hierher gehören 9 Fälle; e) wo weder dem Grubeubesitzer resp. dessen Beamten, noch den Verunglückten eine Schuld nachzuweisen war; hierher gehören 5 Fälle. Die dem Brannkohleubergbau spezifisch anhaftenden Verschüt- tongen im Bruche durch plötzliches Hereinrollcn der GebirgSmassen sind auffallender Weise bei unserm Bergbau gering an Zahl, nämlich 13 von 27 Gesammtfällen, also kaum SO Prozent, während sie beim sächsischen Braunkohlenbergbau in den letzten 4 Jahren «2 Prozent, beim gleichen Bergbau im Reviere Zeitz»2 Prozent der Gesammtverunglückungen betrugen. Die Eigenthümlichkeit unserer Kohlenablagerung und unserer Abbaumethode birgt in Wirklichkeit viel mehr Gefahren, al« in den zum Vergleich heran- gezogenen Distrikten, und e« lassen sich die statistischen Zahlen nicht erklären. Da« scheinbare Walten de« Zufalls bei Berunglückungen ent- hüllt sich bei uäherm Nachforschen al« ein feststehendes Naturgesetz, und al» solche« hat fich in den größten bergbautreibenden Staaten Europa«, uämlich in England und in Preußen, herausgestellt, daß auf 1000 Bergarbeiter jährlich 2., tödtliche Berunglückungen kom- men, und die Schwankungen jahraus jahrein gehen nur um große Kleinigkeiten unter und über diese Zahl. Sie betrugen z. B. in Preußen in den letzten 8 Jahren 2.»— 2,zl— 2,«,— 2,34— 2,m— 2,63— 2,«— 2,5«. Je kleiner die Distrilte sind, welche man im Vergleich mit ein- ander stellt, um so größer werden dann naturgemäß die Schwan- tungen, denn dann spielen die Gefährlichkeitsgrade der einzelnen Mineralvorkommen und ihrer Gewinnung, die Geschicklichkeit de« ArbeiterschlagcS und viele andere Verhältnisse eine große Rolle. Nun sind beim Altenburger Bergbau in den letzten 10 Iah en auf 1000 Bergarbeiter 2,5, Verunglückungen gekommen; dagegen beim Braunkohlenbergbau im Königreich Sachsen 2,2« .«» Reviere Zeitz«.n „ h h QberbergamtSbez. Halle 2,?s ..'» übrigen Preußen 2 z« und eS stellt sich also daS VerunglückungSoerhältniß beim Alten- burger Bergbau trotz dessen notorischer Gefährlichkeit und trotzdem die Bergbauiudustrie hier erst in den letzten Jahren in die Höhe ge- schnellt und daher noch kein zur»ollen Geschicklichkeit gelangter Arbeiterschlag vorhanden ist, als ein sehr günstige» heran«. DaS Berhältniß wird allerdings ein andere», wenn man die Berunglückungen auf die geleisteten Fördert) uantitäten bezieht. E« entfallen nämlich auf eine Berunglückung beim Braunkohlenbergbau d-S Herzogthums 1.995,330 C. in Sachsen 1,318,833. .. im Reviere Zeitz 2,135.692„ im Bezirk Halle 3,271.041„ „ im übr. Preußen 2,811,223., Hier ist daS Berhältniß für Sachsen am ungünstigsten, während oben Sachsen das günstigste war, und c» ist au» dieser Tabelle im Allgemeinen zu entnehmen, daß, je intensiver der Bergbau ge- trieben wird, d. h. je größer die Gruben sind und je flotter sie fördern, um so weniger Berunglückungen— reduzirt ans die För- derquanten— dabei sich ereignen. Der Alteubnrger Bergbau ist erst seit dem letzten Jahre in die Reihe der Großindustrie getreten. Während in den vorhergehe».- den neun Jahren die Leistung pro Arbeiter jährlich 4472 Ctr. betrug, stieg sie im Jahre 1874 aus 7981 Ctr. und rechte sich damit den Leistungen beim preußischen Braunkohleuergbau an, wo sie in den letzten acht Jahren durchschnittlich 3024 Ctr. betrug. Die sächsische Braunkohlenindustrie ist dagegen bedeutend im Ruck- stände, denn hier war die Leistung nach achtjährigem Durchschnitte bloS 2948 Ctr. pro Arbeiter. So weit der Artikel des.Crimmitschauer Bürger- und Bauern- freund". Wir wollen bloS auf einen Punkt aufmerksam machen. Ein„feststehendes Naturgesetz" gibt eS für die Berunglückungen nicht— dieselben sind nicht nothwendig, sondern erwiesenermaßen bei entsprechender Borficht ganz oder größtentheil» z» vermeiden. G»bt doch der Verfasser selbst zu, daß in Altenburg weniger Ver- uuglückuugen al« in andern Ländern vorkommen,„obgleich die Abbaumethode in Wirklichkeit viel mehr Gefahre» birgt." Und wa« heißt da« ander«,, al« daß die menschliche Vernunft da« ogenannte„Natnrgesetz." über den Hause» geworfen hat?— — In SüdwaleS hat seit Montag vor 8 Tagen die AuS- .perruug dem Namen nach aufgehört, indem die Grubenbesitzer ihre Werke zu einer Lohnreduktion von 15 Proz. öffaetea. Der Sache nach dauert jedoch die Aussperrung fort, da sie unter unan- «ehwbaren Bedingungen aufgehoben wurde. Hauptzweck der Gru- benbesttzer ist, den Arbeitern da« Anrecht auf Armenunterstlltzung zn nehmen und ihnen so die letzten Zufuhren abzuschuerden. Nach deu letzten Berichten waren nur sehr wenige Arbeiter in die Groben zurückgekehrt. — Im Kohlenbecken von Charleroi„ist die Ruhe wie derhergestellt". Allerdings ein Wunder, sintemalen die Ruhe dort überhaupt nicht gestört, folglich auch nicht wiederherzustellen war. Man müßte denn,»a« freitlch richtig wäre, jedoch von den ZeitungS-Berichterstattern nicht gemeint ist, da« Borgehen der Be- Hörden al» Ruhestörung auffassen. — Auch inden Verein»g teuS tasten find die Kohlen arbeiter im Kampf mit den Grubenbesitzeru. Im Staat Penusylvanien spielt sich ei» ähnlicher Klassenkampf ab, wie in SüdwaleS. Die Grubeubarsne fanden e« profitabel,„ihre" Arbeiter in dieser „schlechten Zeit" auSzuspnreu. wodurch natürlich viel Roth und Elend erzeugt wurde. Gern hätte man den Arbeiter« zu Ader gelassen, allein leider bewegten sie sich durchaus auf gesetzlichem Boden. Da kam plötzlich die Nachricht von Gewaltthätigkeiten und Auffuhr. Ein Schuppen, der den Arbeitern sicher nicht im Wege stand, sollte von diesen in Brand gefieckl worden sein. E» war da« aber infam gelogen. Der eingeäscherte Schuppen ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, von den Grubenbesitzern selber an- gezündet und die Brandstiftung dann den Arbeitern ia die Schuhe geschoben worden, um einen Borwaud zu haben, vomStaate die ersehnteHülse in Gestalt vonBürgermilizen zu erlangen. Die Bürgermiliz ist denn auch wirklich aufgeboten, sie hat aber, wie vorauszusehen war. bi« jetzt keine Verwendung finden können und wird wohl auch keine sindeo. Begreiflicher Weise hat diese Niedertracht der Grubenbesitzer in hohem Grade die Entrüstung der amerikanischen Arbeiter wachgerufen, und wird in öffentlichen Ver- sammlungen in gebührender Weise gegen die Brandsiistcrbande zu Felde gezogen. So hat in Philadelphia eine Versammlung der deutschen Arbeiter stattgehabt, in welcher folgende Resolution an- genommen wnrde: Ja Anbetracht, daß die Kohlen- Miner nicht selbst den Strike provozirt haben, sondern dieselben vielmehr durch die Habsucht und Niederträchtigkeit der Kohlenköuige ausgesperrt wurden; Ja Anbetracht, daß die Presse nach ihren corrupte» Begriffe» diesen Strike al» ungesetzlich bezeichnet, dann einen Nachtheil für die Kohlenbarone und die Zerstörung der peonsylvanische» In- dustrie erblickt; In Anbetracht, daß die Presse die allergemeinsten und gewissen- losesten Schmähungen gegen die Kohlen-Mincr geschleudert, sie als Raubmörder und Brandstifter bezeichnete, um damit die große, un- wissende Masse de« Volke» gegen die Kohlen-MinerS aufzustacheln; In Anbetracht, daß der Mayor von Philadelphia in jene Ge- genden Special-Polizisten sendete, zum Schutze de» Capital» und zur Unterdrückung der Kohlen-Miner; In Aabetrachl, daß die Presse dahin wirkt, daß der Staat für die Kohlen-Rezioaen eine Staat»- Polizei errichte, um die Interessen der Kohlenköaige zu schützen, zu befördern und die MinerS in alle» ihren Bewegungen zu hemmen und zu knebeln; So sei beschlossen von der heute ia der Turn-Halle tagende» Versammlung, 1) Daß wir den Kampf der Kohlenminer in Pennsylvannien al« gerechtfertigt anerkennen und wir unsererseits ihnen unsere mo- ralische Unterstützung hiermit aussprechen; 2) Daß wir die Berläumdungen, falschen und widersprechende» Berichte der hiesigen ZeituugSredaktion als bezahlte und käufliche Institutionen zurückweffeu und ihnen unsere tiefste Verachtung au»- sprechen; 3) Dem Mayor der Stadt Philadelphia die tiefste Verachtung aussprechen, da er dorthin Spezialpolizisten sandte, und Leute oder Individuen dazu verwendete, welche nicht würdig find, als Polizei zu fungireu; 4) Daß wir energisch Protest erheben gegen da« Einschreite» der Militärgewalt in die Rechte eines in größter Ruhe befindlichen Gegner«, und sprechen unseren höchsten Beamten de« Staate» unsere Verachtung au«." — Sonnabend, den 1. Mai hat unser ffüherer verantworte licher Redakteur Preißer eine Gesäagnißstrase von einem Jahre im LandeSgefängniß Zwickau angetreten. Nicht eingerechnet sind verschiedene Strafen, so z. B. 6 Wochen wegen Beleidigung weimarischer Staatsbeamten, mit welchen Preißer noch bedacht ist. Aus Serbien. (Schluß.) Die rückhaltslose Sprache des VolkSabgeordneten Milia Ml- lowanowiez*) gibt uns ein Bild von den wirklichen Verhältuissen unsere» Volke» und den Zustände» in nnserem Lande, die wir in Betracht ziehen. Als Mitglied de« Finanzausschusses in der Skupschtina hat Milia zu dem Antrage**) betreffs Be- schränkung der Besoldungen und Pensionen der Staai«- beamten auf jährlich 1000 refp. 500Thlr., als Einziger in der AuSschußminorität, folgende Begründung vorgebracht: „Die Ausschußmajorität ist der Meinung, daß bei einer Besoldung von unter 1000 Thlr. Niemand studiren und Staat«- dienst nehmen wolle und daß, wer eS thun würde, unter der Hand seine Stellung mißbrauchen, oder dieselbe mehr zu seinen eigenen Interessen ausnützen werde, und glaubte deshalb unseren An- trag ganz verwerfen zu sollen.— ES versteht sich von selbst, daß die„Herren" nur solche Resolutionen einzubringen vermögen, die nach dem„alten Liede" zu gar nichts nütze stad. „Eine Wissenschaft studirt der Mensch mehr um seiner natür- lichen Wißbegierde willen, die für MeS die Ursache zu ergründen strebt. Euiem Jeden wird also zunächst der größte Lohn der sein, vaß er sich bewußt ist, ein gebildeter und gelehrter Mann zu sein. Wollte Jemand aber einem anderen eine Wissenschaft oder eine Lehre nur um ein theure« Geld verkaufen, dann mag— so schmerzlich eS auch wäre— lieber die ganze Wissenschaft zum Teufel gehen. „Daß aber intelligente Leute oft mehr Neigung zum Staat«- dienste zeigen, al« zu anderer Arbeit, ist einleuchtend: denn„e« erscheint die Feder eben Solchen jedenfalls leichter al» die Hacke". Daß aber auch gut besoldete Staatsbeamte ihre Stellung oft mißbrauchen und sogar gemein stehlen, zeigt un« da« Beispiel de« Herrn Belimarkowiczl-) und Bischof Moisie.ffs-) welche nebst vielen andeven offiziellen und gutgezahlten Dieben zu erwähnen sind. „Der Mensch ist eben ein schwer zu sättigende« Geschöpf, und je mehr er besitzt, um so mehr er noch haben will, und man könnte deshalb anch sagen, daß„hohe" Besoldungen noch mehr zur Entartung verführen, den» sie steigern immer mehr die Bedürfnisse der Empfänger. Ehre bekomm» man nicht um'« Geld, sie will durch persönliche Verdienste erworben sein. Warum klagen denn stet» die Herren Offizianten über niedrige Besoldung? Darum, weil alle», wa» sie an sich tragen— vom Kopf bi« zur Fers«—, alle«, wa« sie im Hause haben, fremde theure Productiou ist. Ihre Frauen wollen nicht» von der Haushaltung wissen, fie find dazu viel zu verschwenderisch! Deswegen müssen dieBeaurteu, um ihre Familien zu ernähren, um fie herrlich ausstatten zu können, fortwährend nach besserer Besoldung schreie». „Wa« die Behauptung betrifft, daß die Intelligenz und die Bildung die Bedürfnisse der Menschen st-igere, daß demnach die Beamte» al» intelligente Leute auch mehr Bedürfnisse, daher auch bessere Besoldung haben müssen— so ist diese Behauptung falsch. Nur der Reichthum verursacht jene Mehrbedürsniffe, die in LupuS arbeiten aber niemals die Bildung, die wirkliche Bit- düng. Ich bitte mir zu sagen, ob der gemeine Bauer nicht auch in der Equipage zu fahren wüßte;— er hat sie aber nicht! Er ist ganz zufrieden, wenn er auf seinem Holzwazen mit viereckigen Rädern fahren kann.„ES reitet nicht Derjenige da« Pferd, dem e« paßt und der da« Reite» versteht, sondern Derjenige, der e« zu- fällig besitzt!" „Weiter. Wie lebt nun aber unser Volk, da« alle« bezahlt und unterhält?— Unser Volk besteht beinahe au« lauter Bauern, 95 Prozent siov Bauern, und 5 Prozent entfallen aus Beamte und Kaufleute. Unser Volk, al« ackerbautreibende«, arbeitet 12— 15 Stunden per Tag; in einem wirklichen Schweißbade verrichtet e« die schwerste Arbeit und ernährt sich mit der schlechtesten Kost, wie z. B. mit dem trockenen MaiSbrode, der wässerigen saureu Krautbrühe, der Zwiebel und der Brennessel. Der Bauer arbeitet sowohl bei Tag al« bei Nacht und öfter« hat er kein Brod,— denn nicht in seiner Macht liegt e«, regneu zu lassen oder nicht, und zu bestimmen, wie lange und io welchem Maße e« regnen soll, da« vermag er auch nicht. Er muß also manchmal da« Beste und Liebste verkaufen, um sich mit seiner Familie erhalten zu können. Wen» daher der Taglohu de« Volke« 5—6 europ. Piaster(ein europäischer Piaster ca. 2 Silbergroscheu) beträgt, wie kann denn *) Ei» einfacher Bauer au» Temnitsch, Jagodmer Kreis. **) Mit drei Stimmen verworfe». Kriegimmister unter der Prästdeatschasi»»n Ristiez. Er hat a» der Staatskasse eine Defraudation von über 16,000 Dukate«»«übt. -ff) Moisie hat fich gleichfalls al»„Theiler" berüchtigt gemacht. daffelb: Volk dann einem seiner Beamten 3 Dukaten für 2—3 Smnden leichter und angenehmer Arbeit täglich bezahlen! Wenn unser Volk in elenden Häusern, in Baracken wohnt und auf der � bloßen Erde schläft, wie kann e» seinen Dienstleuten(Kiirsten uud Beamten) Paläste bauen, ihnen die„weichen seidenen Schlafdecken und Matratzen« kaufen?!— Ich frage, ob die„Herren" mit guten Gehältern vielleicht höhere Geschöpf« sind, als ihre Bruder?— Nein, das nicht; die„Herren" mit ihren guten Ge- chältern haben mit ihrem ausschweifenden Leben unsere Städter augesteckt, die letzteren wiederum die Bauern. Jetzt wundern sie sich, wie unsere Gewerbe allmählig zu Grunde gehen, wie der Bauer mancherlei Lumpentand und falscheu Zierrath für sich kau- feu mag. Es möchte am richtigsten sein, wenu die Gehalte der Herren Beamten nach dem Maßstabe de« Taglohnes unserer Bauern proportiouell reduzirt würden. Dann wären sie alle brüderlich im Leben gestellt, während jetzt der Bauer ö— 6 Piaster, der Beamte aber 180 Piaster täglich hat; daS ist uubrüderlich! „Wir(die Volkspartei) wollen aber in unserem Antrage viel fteigebiger, gemäßigter sein, den» wir geben einem Beamten einen Gehalt von 10—70 Piaster täglich. Daraus folgt, daß die nie- drigsten Beamten über 1S0 Thaler JahreSgehalt haben, und doch find sie bereit uns al«„extramund an"*) auSzuschreieu. Die Hauptsache ist: Der Osfiziant erhält seinen Gehalt ob Sonnenschein, ob Regen, ob Arbeits- ob Feiertag, für ihn ist dies ganz gleichgültig, aber der arme Bauer, der erhält seinen Taglohn nur, wenn er ar- beitet und arbciren kann. Die Herren Staatsbeamten haben es dagegen so sckö», so augenehm, daß sie sich kaum etwas Bes- sereS wünschen können. „Ein rationeller HauSwirth kann herrlich mit 70 Piastern per Tag auskommen; wenu ja Jemand mehr als 70 bis 180 Piaster verputzt, der thut unrecht und mit Recht kann ein Solcher ein Ver- schwender genannt werden, weil derselbe der Menschheit mehr schädlich als nützlich ist, zumal wenn er diese Summen von einem armen Volke erpresieu wrll. Wenn die Herren Beamten aber wie bisher ihr Leben fortsetzen, wenu sie ihre Angehörigeu mit Seide und Sammt bekleiden, wenn die seidenen Kleider ihrer Frauen verschwenderisch mit ellenlangen„Schleppen" geziert werden, wenn Brillantnadeln, goldene Frauenuhren, Diamantringe zc.:c. gekauft werden(sieht man doch öfters bei Frauen Schmuckwerthe von 3—600 Dukater,); wenn weiter einer Frau mehrere Dienst- leute, Lakaien, dann„Stubenmädel",„Kindermädel", Wäscherinnen, Köchinnen und zuletzt noch Ammen gehalten werden,(denn die „hohen" Fraueo wollen nicht einmal ihre Kinder selbst nähren); wenu ein Lamm jetzt mit 80—90 Piastern bezahlt, goldene uud silberne HauSgeschirre, FauteuilS, KanapeS ec. ic. angeschafft wer- den,— ja, dann fürwahr, dann sind nicht einmal 10—13,000 Thaler ausreichend, um solche„Bedürfnisse" lausend zu beftie- digeu. „Wir schlagen al« höchste Besoldung 1000 Thaler vor, und zwar nur so lauge, bis unser Volk einmal reicher und vermögen- der wird. ES ist unrichtig, ein Volk wie ein Schaf zu betrach- ten, bei dem gewöhnlich mit dem Vließe ein wenig Haut abge- schnitten wird, ohne daß man sich weiter darum kümmert, waS zu thuu ist, um dem Thiere ein noch größere» uud dichteres Vließ � abgewinnen zu können. Unsere Beamten werden eS uns nicht ver- ! Übeln, daß wir so rechnen, denn wir müssen in unserem Haushalte radical wirthschaften. Besonders aber den Bischösen geziemt cS am wenigsten, ein verschwenderisches Leben zu führen, denn obschon sie, als Hauptvertreter Christi, nicht zu Fuß gehe» oder bescheiden auf Eseln reiten wollen, so können sie doch mit 1000 Thaler Ge- halt jährlich sehr schön leben. Unsere Beamten wissen eS am besten und schreien darüber am meisten, daß unser ackerbauende« Volk in der primitivsten Art uud Weise und mit den unzweck mäßigsten Geräthen sein Ackerland bewirthschaftet. Wie aber können sie von demselben Volke verlangen, eS solle sie durch eine hohe Besoldung reichlich unterhalten und modisch bekleiden?! Wenn ein solche« Verlangen gerecht ist, dann existirt keine Gcrcch tigkeit mehr in der Well!!-- „Weiter, meine Herren Abgeordneteu, haben Sie wohl gehört, daß wir 6 Millionen europ. Piaster(3300000 Thaler) Defizit Jabeu, wer wird da« Defizit decken? Da« Volk abermal«, da« soll! dasselbe Volk, welchem eS schon schwer fällt, fortwährend zu zahlen und wiederum zu zahlen. Diese 6 Millionen Piaster sind «ine erhöhte Last auf seinem Rücken. Wollen wir unser Land in besserem Zustande sehen, so müssen wir energisch verlangeu, daß Diejenigen da« Defizit decken, die es veranlaßt, uud gemacht habe« und da« find unsere Herren Staatsbeamten und„hohen" Staatsmänner mit ihren«ugenügcud vorberechneteu Aaslagen, mit ihren Gehaltssteigerungen, ihren Pensionen ic. ic. Die Deckung de« Defizit« haben wir mit Recht von den„Herren" allein zu verlangen, und ich meine, wir dürfen nicht nur nicht 6 Millionen, nein, nicht einmal 6 Piaster mehr auf unser so verarmtes und verschuldete« Volk anweisen. Nicht auf diese Weise, sondern durch Beschränkung der hohen Beamteng eh alte alle in haben wird aS Defizit zu decken!— Deswegen, meine Herren Abgeordneten, empfehle ich Ihnen meinen Antrag, von welchem die Rede ist, zur Annahme." Der Antrag wurde in der Skupfchtina nicht angenommen. Einige Nationalisten und Pseudoopponenten haben„doch" erkannt, „daß der Antrag in der Theorie ganz richtig ist, aber erst nach 30 Jahren am Platze sein würde". Also— 60 Jahre sollen wir auf seine praktische Durchfühmng noch«arte« müssen!!? Schöne Geschichten!„Wenn aber unser Volk bi« dahin zu Grunde gerich- tet ist?" um mit Milia zu sprechen!— E« ist noch ein Antrag betreff« Aushebung der KreiSpo- lizei(Hauptmanuschastcn), in der Skupfchtina eingebracht. Diese kosten jährlich 3 Millionen Piaster und sind ohne jeden Nutzen, — ja man kann sagen, mehr oder weniger find sie sogar schädlich, was die rationelle und moralische Seite anbelangt. Man sagt im Antrage:„Die KreiSpolizeien sind zwecklos, sie sollen aufgehoben werden, damit die 3 Millionen zu einem nützlicheren Zwecke ver- wendet werden können!" Diesen Antrag haben 30 Abgeordnete unterschrieben und erwartet mau die Entscheidung der Skupfchtina mit großer Spannung. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. Leipzig. Als im vorigen Jahre der Verwaltung«- und Auf- ftchtSrath über Mittel uud Wege zur Agitation beriethen, wurde der Beschluß gesaßt, einen Anftus auszuarbeiten und denselben an die Mitglieder und NichtMitglieder bei Bcrsammluugeu uud sou- stigeu passenden Gelegenheiten zu vertheileu. Der Auftuf erschien und schilderte iu treffenden Worten die traurige Lage der Schuh- Macher uud forderte, um eine Verbesserung unsrer gewerblichen 5age hervorzubringen, die College« allerort» aus, Mann für *) Leute, die außerhalb der»eruüuftigen Well stehen. Mann in die Gewerkschaft einzutreten, um uusre Organisation Kräftigen uud stärken zu helfen. Jedoch die Verwaltung glaubte noch weiter gehen zu müssen; sie schlug ein regelmäßig erscheinendes Cirkalar vor, wobei sie jedenfalls von der Ansicht ausging, die Einrichtung so zu treffen, wie die Holzarbeiter e» gethan, ehe die „Union" entstand. Doch nachdem 2 Nummern diese« Cirkulars! erschienen waren, sahen wir unverhofft mit dem 1. Januar d. I. den„Wecker" als unser Organ von der Verwaltung proklamirt. Schon bei Einführung obengenannten CirkalarS, worunter ich schon eine Art selbständige« Organ erblickte, bezeichnete ich dem Ver- waltungSrath dasselbe als ein nicht praktische» Unternehmen. Ich hatte mit mehreren Sachkundigen, iu derartige« Uateraehmuagen erfahrenen Leuten, darüber gesprochen, uud hatten sich diese ab- rathend ausgesprochen. Trotz alledem wurde die Sache durch- gesetzt und der Druck ging in Nürnberg- Fürth vor sich. Ich war, ich muß eS offen gesteh», höchst überrascht, als mir die erste Rum- mer des„Wecker" überreicht wurde, denn ich sagte mir, daß zu einem derartigen Unternehmen eS sich geziemt hätte, eine vollzählige Aufsicht«rath«-Versammluug anzuberaumen, da zur Ausführung eines solchen Planes unbedingt die volle Zustimmung beider Be- Hörden gehörte und die Gründe zu demselben den Mitgliedern bekannt gemacht werden müßten. Und warum solche Eile? Konnte dieses Vorhaben nicht erst auf die Tagesordnung der General- Versammlung gebracht und den Mitgliedern Zeit gelassen werden, sich in ihren Versammlungen über da» Unternehmen zu äußern, anstatt erst später deren I» uud Amen einzuholen? Gewiß, viele unsrer Mitglieder haben dem„Wecker" mi� Freuden zugejubelt, aber sie waren sich nicht bewußt, wa« eS zu bedeuten hat, ein eignes Organ zu schaffen. Fragen wir u»S nun, um welchen Schritt wir durch Einführung diese» Organ» weiter gekommen sind, so muß ich mir sagen, daß ich kein Vorwärtsschreiten hierin erblicke, wohl aber da« Gegentheil, denn das Vielseitige, auf allen Gebieten der Wissenschaft Belehrende und Aufklärende, wie e» der „Volksstaat" bietet, kann unS unmöglich der„Wecker" bieten. Warum etwa« beseitigen, wa« so viel Großes, Gutes und Biel- seitigeS leistet? Dean je größer daS Organ, desto viel- und mehrseitiger ist der Inhalt, desto gewaltiger die Wirkung, die eS hervorbringt. Warum den„Volksstaat" bei Seite werfen, der bis jetzt zu Aller Zufriedenheit mit Erfolg für un« gewirkt hat, der uns bildet und belehrt, der un« eine Uebersicht über die Bewegung in fast allen Gewerkschaften verschafft, der die allgemeine Firma trägt? Warum wollen wir diese Firma herabzureißeu und die Bedeutung de«„Volksstaat" zu vermindern suchen? Ist da« der Dank, daß man den„BolkSstaat", der unfre Bewegung angeregt und in Fluß gebracht, der stet« für unfre Interessen, Ziele und Bestrebungen eingetreten und seine Spalten mit der größten Be- reitwilligkeit uns geöffnet hat, der vielfach zu dem beigetragen, wa« wir jetzt sind, daß man denselben jetzt so kühl und ruhig bei Seite wirft? Der Verwaltungsrath ermahnte im vorigen Jahr einmal die Mitglieder, indem er sagte: Müssen denn die paar Thaler, die wir in Kasse haben, alle verstreikt werden? Ich aber möchte ftagen: müssen denn so viele Gelder für so ein kleine«, un» bloS zu einer abgeschlossenen Kaste heranbildende« Blättchen ver- ausgabt werden? Und ist da» Absondern vom„BolkSstaat" nicht auch zu gleich-r Zeit ein Strike auf geistigem Gebiet? Ist da» praktisch, wenn unfre Mitglieder erzogen und gewöhnt werden, nur den„Wecker" zu lesen, da sie sich sagen, den hast du umsonst, waS sollst du noch Geld für den„Volksstaat" ausgeben? Wird dadurch nicht die Abounentenzahl des„Volksstaat", wollte das jede Gewerschaft so machen, bedeutend vermindert? wird unS nicht die Einsicht und Uebersicht über Gang und Stand andrer Gewerkschaften entzogen und da« Motto:„Mit vereinten Kräften" zunichte gemacht? Warum lesen wir z. B. so wenig, fast gar nicht« im„BolkSstaat" von der Organisation und Bewegung der Buchbinder, Klempner und Holzarbeiter? Run, weil dieselben ihre eignen Organe haben, iu Folge dessen haben wir keine Einsicht in diese Gewerkschaften. Aber man wird un« höchsten« sagen:. leset dieselben. Und auf demselben Wege sind wir. Anstatt also immer mehr Verbrüderung, gegenseitige Annäherung und geistige Solidarität zu schaffen, schafft man Einrichtungen, welche die gegenseitige Abgeschlossenheit immer mehr hervorrufen. Warum haben wir e» für gut und praktisch befunden und e» angestrebt, un« materiell gegenseitig zu unterstützen uud solidarisch haftbar zu sein? Warum wollen wir auf geistigem Gebiete da« Gegentheil? Der materielle Nutzen, den wir un» durch Gegenseitigkeit bieten, ist hoch anzuschlagen, aber den geistigen Schaden, den wir un« durck» derartiges Jfolire» zufügen, ist bei Weitem größer. Nun, mau wird mir entgegnen: der„BolkSstaat" soll vom Bevollmächtigten für die Mitglieder in den Versammlungen au»- gelegt und etwaige Bekauntwachungeo vorgelesen werden, im llebrigen steht eS ja Jedem frei, nach wie vor denselben für sich zu halten. Allerdings, wenn die Mitglieder eS nicht ander« wüß- ten, dann würde die« richtig sein, aber die Mitglieder werden dazu erzogen, mit ernem gewissen Stolze, wie sich der Berwal- tungSrath unlängst aussprach, ihre Zeitung zu lesen. Aber da- durch wird auch der Gesicht«- und Wirkungskreis ein immer mehr einseitiger werden. Und fragen wir einmal bei anderen Branchen und Corporationen. die ihr eigene» Organ haben, nach, wie viele noch den„BolkSstaat" lesen, man wird verteufelt wenige finden; und warum? Well die Leute glauben, wenn sie ihr eigene«, selbst geschaffenes Organ lesen, Alle« gethan zu haben. Man wird mir weiter entgegnen:„die Mitglieder können den „BolkSstaat" in den Versammlungen lesen." Daselbst soll man aber den Verhandlungen und Debatten aufmerksam folgen; und wa«, iu aller Welt, sollte au« unseren Versammlungen werden, wenn Jeder so thun uud denken wollte? Dann würde unser ver- sammlungslokal ein Lesezimmer und schließlich wüßte mau weder von dem Geleseneu noch Gesprochenen etwa«. Und sehen wir un« weiter einmal die Orte— mit nur wenig Ausnahmen— an, die ihre eigenen Lokalorgane haben. Mit allen nur möglichen und erdenklichen Schwierigkeiten haben dieselben oftmal« zu kämpfen, um ihr« Organe zu erhalten, ja, ihr Er- scheinen hängt oft nur von der Gnade und Barmherzigkeit des Drucker« ab, und dann steht auch der Erfolg meist(?) nicht im Ver- bältuiß zu den Opfern und Anstrengungen, welche ein solche« Organ kosten. Aber dem„BolkSstaat" ist eine Anzahl Abonnen- ten entzogen. Wenn aber den Partei- und GewerkSgenossen so viel au Lokalnachrichteo gelegen ist, so mögen sie doch dieselben an den„BolkSstaat" einschicken, und den Leserkreis desselben ver- größern helfen und dazu beitragen, daß der„BolkSstaat" mehr- mal erscheinen könnte. Man wird mir wiederum entgegnen:„Bei un« haben wir ein Risiko nicht zu fürchten, der„Wecker" wird au« der Hauptkasse bezahlt und den Mitgliedern uneutgeltlich übergeben." Allerdings werden viele Mitglieder in dem Glaube« leben, sie! erhalten den„Wecker" umsonst. Der VerwaltungSrath fordert aber doch zugleich zu freiwilligen Sammlungen für denselben auf, woraus hervorgeht, daß wir Opfer bringen uud daß da« Loch in der Hauptkaffe ein großes werden kann. Und sehen wir nach Jahr and Tag un« die Erfolge in Betreff der Agitation durch den „Wecker" an, so finden wir, daß dieselben nicht im Verhältniß zu den Kosten stehen, die un» durch denselben erwachsen sind. Wenu wir daS Geld für persönliche Agitation verwendet hätten, so hätten wir größere Erfolge erzielt. Ich stimme lieber dafür, 200 Thlr. für persönliche Agitation iu unser Budget aufzunehmen, al« 100 Thlr. für den„Wecker" auszuwerfen. Weiter sind wir der Gefahr ausgesetzt, da bei Verlegung de« Vorort« der„Wecker" stet« mit übersiedeln soll, keine geeizneteu Redaktionskräfte zu haben. E« ist die« einer der wichtigsten Punkte, die wir mit in« Auge zu fassen haben. Ich will au- nehmen, daß der jetzige VerwaltungSrath Alle« aufbieten wird, den Mitgliedern gerecht zu werden, und daß er thun wird, wa« iu seinen Kräften steht; aber wir müssen auf die Zukunft bedacht sein, und wir stehe» hier vor einem Entweder! Ooer! Entweder, die neue Verwaltung muß de»„Wecker" übernehmen, oder Freund Bock bleibt Redakteur iu Gotha, oder er siedelt nach dem neuen Ort mit über uud wir bezahlen die Umzugsgelder. Oder aber, der„Wecker" hört aus zu erscheinen, uud wir hätten eiae Zei- tu n g gehabt. DieS alle« find Calamitäteu, in die wir gerathea können, und die bei derartigen Uateraehmungen schon dagewesen sind, iu die wir aber nicht kommen könnten, wären wir dem„BolkSstaat" treu geblieben. Und so werden noch mancherlei Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten zu Tage treteo, die wir im Boraus nicht sahen, dw wir aber hinnehmen müssen. Vorstehende» ist meine Ansicht über die Einführung de« „Wecker". Ich erkläre, daß ich au dessen Stelle lieber für obli- gatorische Einführung der„Union" gestimmt hätte. J-densall» wird man mich eine« Andere» zu belehren suchen. Ich möchte aber nicht nur eines Anderen, sondern auch eines Besseren be- lehrt sein. A. Schäfer. Leipzig. Der AufsichtSrath erklärt sich hierdurch mit dem Vorgehen bezüglich de« Congresse«, resp. der Generalversammlung, Seiten» de« VerwaltungSratheS vollständig einverstanden, und wünscht deshalb ungestörten Fortgang in den Arbeiten zur Generalver- sammlung. Fort mit deu Meinungsverschiedenheiten und auf nach Coburg! Mit Gruß! Kirsten, Vorsitzender. «llgemeiuer deutscher SchiffSzimmerer-Verein. Kamburg. An die deutschen SchissSzimmerleute! Da am 23. Juni d. I. in Hamburg, Brook 69, wiederum eine Generalversammlung de« Allgemeinen deutscheu SchiffSzimmerer- verein«, der sich fast au allen Hafenstädteu Deutschland» verbreitet, abgehalten wird, so ersuche ich auch diejenigen Orte, die noch isolirt dastehen, oder dem Max Hirsch'schen G-werkverein angehöceo, ebenfalls einen Delegirten zu schicken, da eS sich ja lediglich um die Magenfrage der SchiffSzimmerleutc handelt, welche iu der Generalversammlung auf der Tagesordnung zur Berathung gestellt wird. Wir glauben, daß diese Frage wichtig für jeden Schiff«- Zimmermann Deutschland«-ist, indem ja ein Jeder, mag er heißen Hau» oder Kunz, mag er wohnen an der Weser»der Ostsee, An-, recht auf eine menschenwürdige Existenz hat, mit der eS aber bei den SchiffSzimmerlenten bekanntlich schlecht bestellt ist. Denn kein Familienvater ist jetzt mehr un Stande, sich die erforderlichen Lebensbedürfnisse anzuschaffen, um al« Mensch leben zu können. Dabei arbeitet der SchiffSzimmermann von Morgens früh bi« Abend« spät, so daß er, da er auch schlecht genährt ist, physisch und allmählig auch geistig zu Grunde gerichtet wird. Und wenu der SchiffSzimmermann anfängt alt uud grau zu werden, dann stößt man ihn überall herum wie einen alten Hund, dem mau, weil er in jüngerer Zeit viel genutzt, noch da« Gnadenfutter auf seine alten Tage giebt. Schade, daß man noch kein Mittel erfunden hat, um den Ar- beiter, wenn er alt und steif geworden ist und nicht mehr arbeiten kann, sanft und ruhig in da» Jenseit», wie man eS heut zu Tage noch nennt, zu befördern. Man ist in allen Sachen ziemlich fort- geschritten, doch soweit ist man bi« jetzt noch nicht gekommen, ob- gleich daß in der letzten Zeit empfohlene Rezept Camphausen'«, welche« bekanntlich die Lohureduction ,c. empfiehlt, trotzdem ge- eignet genug erscheint, dem Arbeiter noch mehr al» sonst da» Dasein zu verkürzen. Hat der Arbeiter keine Butter mehr auf« Brod, dann begnügt er sich mit Salz, und mangelt ihm auch da« Brod, ißt er Kartoffeln, oder stirbt deS Hunger«. Die» alles sind nackte Thatsachcn, die von Tage zu Tage immer beut- licher zum Borschein treten; mit Schaudern muß man iu die Zu- kunft hinein blicken, wenn mau fast täglich vernimmt, an diesem oder jenem Orte haben ganze Corporationen die Arbeit eingestellt, weil die Meister von dem Camphansen'schea Rezept Gebrauch machten. Man drückt den Arbeiter von allen Seiten, die Mietheu werden immer mehr erhöht, sämmtliche Lebensbedürfnisse sind im Preise gestiegen, und dennoch wird der Lohn herunter geschraubt. Der Arbeiter wird und muß unbedingt dem Elende anheimfallen, „wenn er nicht bald zu denken anfängt." Darum Kameraden Deutschland«! Blicket auf die Verbindungen der Meister aller Branchen, sie stehen organistrt da, um den Ar- beiter mehr ausbeuten zu können. Deshalb ist e« auch eine« jeden Manne« Pflicht, sich den Reihen seiner Kameraden anzuschließen, wenn er kein Verbrecher an seiner eigenen Familie sein will, wenn er nicht will, daß seine eigenen Kinder ihn später, wenn er viel- leicht längst verschieden ist, nachsagen sollen: mein Bater hat seine Pflicht nicht erfüllt, er hat nicht mit daran gearbeitet, daß seine Kinder einer besseren Zukunft entgegen gehen. Aber weshalb geht e« dem Arbeiter so traurig, weShalb steht der Arbeiter fo geknechtet da? Die Antwort ist eine leichte: weil der Arbeiter Jahre lang an einzelnen Orten unorganistrt, isolirt dastand, weil der einzelne Arbeiter sich kaum um seine Nebenarbeiter kümmerte, weil er nur seinen Arbeitgeber kauute, und schon zufrieden war, wenn der ihn soviel gewürdigt, daß er ein Wort mit ihm geweä>elt. Mögen doch die Arbeiter bedenken, daß der Meister mit seiner Freundlich- keit die Absicht verbindet, dem Arbeiter zu schmeicheln, damit daß er seine Arbeitskraft noch mehr für ihn hinopfern soll. Ein kleiner Theil der Arbeiter ist bereit« an allen Orten vorhanden, der seine Klasseolage erkannt bat, aber sie dürfen nicht aufmucken, sie müssen mit der großen indifferenten Masse leiden, weil st- wehrlos, isolirt gegenüber ihren Arbeitgebern dastehen, der Arbeitgeber aber steht, obgleich er schon mit dem Geldsack ausgerüstet ist, welcher sür ihn gegenüber dem kapitallo�cu Arbeiter eine mächtige Waffe ist, auch noch vereint und wohl organistrt in ganz Deutschland da. WaS sollte daher wohl die erste Ausgabe de« Arbeiter« sein? Er soll sich innerhalb serner Branche in ganz Deutschland organifiren und mit vereinten Kräften sich dem Meisterbunde ebenso gegenüber- stellen, wie derselbe eS bereit« gegen unS gethan hat. Dann werde» wir im Stande sein, den Einzelnen, der für die Rechte seiner übrigen Kameraden eintritt, zu schützen. Dann werden wir über- Haupt im Stande sein, unsere materielle Lage zu verbesseva. � Daher, Kameraden allerorts, ist eS Eure ernste Pflicht, einen Deleqirten zu der obengenannten Generalversammlung zu schicken, um Euch, die ihr noch nicht zu unS gehört, von der Thätigkeit «od dem Wirken unseres Vereins zu überzeugen. Alle Bevollmächtigten uuserS Vereins sowie alle Orte, welche eine» Delegirten schicken, ersuche ich, mich mindestens bis zum 6. Juni mtt dessen Namen und Adresse bekannt zu machen. Alle arbeiterfreuudlichen Blätter werden um Abdruck des Obige» gebeten, damit möglichst überall den deutschen SchiffSzimmcrer» bekannt wird, daß hier in Hamburg eine Generalversammlung stattfindet. Mit socialdemokratischem Groß H. Groß, Lorfitzender. St. Pauli Bergstr. Hof 28, Bude 2. Krankenkasse der Gewerkschaft der Manufaktur-, Fabrik-»ud Haudarbeiter beiderlei Geschlecht«. ßri»«itschau, 27. April. Genossen! Wir lassen heute die Abrechnung über die seit dem 11. Dezember 1L74 bi« 31. März 1K7V eingegangenen Gelder folge». Gleichzeitig müsse» wir aus verschiedene Mängel aufmertsam machen, welche sich bei Durchstchi der Abrechnungen vorgefunden haben. So nehmen verschiedene Vertrauensleute anstatt der festgesetzten 10 Gr. Einschrelbegeld immer noch 3 Gr.; Andere wieder haben den Cassa-Bortrag vom verflossenen Quartal nicht mit verrechnet oder wieder abgezogen. Endlich ist zu erwähnen, daß die Aufforderung im»Voltsstaat', die im verflossenen Jahre(bis 31. Dez.) ausgestellten Abmelde- scheine an den Borfitzenden de» AusflchtSrathS einzusenden, zum Theil unbeachtet geblreben ist. E» erscheint unS die Annahme begründet, daß ei» großer Theil der Vertrauensleute den»Volk«- staat-, al« unser Organ, gar nicht hält, und fordern wir daher zum schleunigsten Abonnement auf. Um Diese« nun nicht unge- lese» zu lassen, werden wir au alle Vertrauensleute je ein Exem- plar dieser Nummer senden. w Wa« die Generalversammlung anbetrifft, so fühlen wir unS gedrungen, den Genossen zur Erwägung anHeim zu geben, daß die Protokolle der letzten Generalversammlung noch nicht verkanst und die Ergänzungsblätter auch kaum erst ausgegeben worden find. ES ist daher wohl nicht räthlich, bereit« wieder auf einer General- Versammlung Statutenänderungen und somit Protokoll- und Er- gänzungSblätter nöihig zu machen. Wir sind vielmehr der An' stcht, daß die Genossen, und vor allen die Vertrauensleute da«, was vom Vorort verlangt wird, einsenden und Hand in Hand mit demselben auf Grund mehrjähriger Erfahrung eine gründliche Revision der Statuten vorbereiten. Auch wollen wir nicht ver- säumen, zu bemerken, daß eine Generalversammlung gegen 300 Thlr. kostet. Selbstverfiändlich find hier die Delegirtenkoslen uud alle« inbegriffen. Im Uebrigen aber hat sich ja bereit« die Gewerk- schastS- Borortsverwaltung gegen die Abhaltung einer Generalver fammlung ausgesprochen. A. Thierfelder, Bors, de« AufstchtSrath», Turnhallcnstr. 3120. Rechenschaftsbericht über die bei der Krankenkasse der Gewerk. fchaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Ge schlecht« vom 11. Dezember 1874 bi« 31. März 187S eingegan gene» Gelder: Crimmitschau Mark 3S.36, Gotha 4.20, Roune- bürg 17.36, Schmölln 11.7(5, Braunschweig 1.20, Großenhain 39.80, Augsburg 11.40, Gößnitz 10.60, Wolfenbüttel 3.10, Niederrabeu stein 11.20, Dresden 49.90, Apolda 2.37, Leiferde 25.20, Frie drichshaide 6.72, Groß-Slöckheim 10.78, Schöppenstedt 18.34.— Unterstützung erhielt Dresden Mark 60. Für die BorortSoerwaltung: Aldrecht Thicrfelder, Borsitzender de« AufsichtSrathS. Anton Pötzsch, z. Z. Kassirer, Turnhallenstr. 303 C. Correspoudexzen. MetallarbeitergewerkSgenossenschast. Leipzig. Die Leipziger Mitgliedschaft stellt folgende Anträge zur Generalversammlung. Die Generalversammlung möge de- schließen: 1) Daß kein Strikc vom Ausschuß befürwortet wird, sofern nicht 3000 Mark baar in Kasse sind und innerhalb 14 Tagen flüssig gemacht werden können. 2) Sämmtliche Beschlüsse der Ge- neralversammlung treten, sobald da« Protokoll derselben heraus- gegeben ist und wenn dagegen von keiner Mitgliedschaft Einspruch erhoben wird, in Kraft. Doch muß da« Protokoll innerhalb 4 Wochen herausgegeben werden. 3) Da« Protokoll der General- versamwlnng ist obligatorisch einzuführen und so billig al« möglich herzustellen. 4) Zu ß 29 des GewerkschaslS- Statut« folgenden Passu« mit aufzunehmen: Stirbt ein berechtigte« Mitglied v. f.». 13 Thlr.— 54 Mark, wenn da« betteffende Mitglied mindesten« 45 Jahre der Gewerksgeuossenschaft angehört hat. 5) Zu tz 21 statt jede« Jahr wird in dem Zeitraum u. f. w. zu sitzen: Alle zwei Jahre wird in dem Zeittaum u. s. w. Unterzeichneter stellt solgenden Antrag an die Generalver- fammlung: Die Generalversammlung möge solgenden Paragraph mit in da« Krankenkässenstatut aufzunehmen: Stirbt die Frau eine« Mitgliedes, so erhält dieselbe 9 Mrk. wenn das Mitglied 1 Jahr, 18 Mrk. wenn da« Mitglied 2 Jahr, 27 Mrk. wenn da« Mitglied 3 Jahr, 36 M>k. wenn das Mitglied mindesten« 4 bi« 5 Jahre der Krankenkasse augehört hat. Stirbt dagegen der Mann eher al« die Frau, so erhält dieselbe ihr BeerdiguugSgeld nach der oben avgeführten Norm ausgezahlt. R. Ludwig. Verband der Kürschner von Leipzig und Umgegend. -leipzig. Den Vertrauensmännern und den Mitgliedschaften diene hiermit zur Nachricht, daß da« Cirkular Nr. 1 am 1. Mai in Kraft getreten ist. Daß unsere Vereinigung, resp. der Verband schon eine gute Frucht treibt, beweist die in der Zurichterei von A. Herzog in Lindenau dürr die Aibeiter eingeführte lOstündige Arbeitszeit, die von beiden Theilen gleich refpektirt wird. Mögen alle College» dem Beispiele solgea! Für den Verbandsvorstand: A. Freese, erster Vorsitzender. Allgemeiner deutscher Töpfervereiu. ßhemnitz, 29. April. College«! Zum dritten Male seit dem Bestehen de« Verein» soll der Congreß am 29., 30. und 31. Mai in Meißen tagen. Sorgt dasür, daß wir eine allgemeine Kranken- lasse bekommen, damit uns ein festere« Band umschließt als bis- her. ES ist der Antrag von dem Vorort Hamburg bereit« an an« gestellt. Sorgt auch, daß der Congreß recht stark durch De- legirte besucht wird. G. Grundke, Bevoll. Leipzig, 30. April. In der gestrigen Versammlung der ver- einigten Sozialdemokraten Leipzig« stand die Leipziger Reichstags wähl auf der Tagesordnung. I» der sehr lebhaft sich gestaltenden Debatte ergriff zunächst Bebel da« Wort, um in längerer Rede für Wahlenthaltung zu sprechen. Die Hauptgründe, die er anführte, waren kurz folgende: Die allgemeine Stimmung der Wählerschaft sei offenbar eine sehr gleichgültige, um nicht zu sagen niedergedrückte. Die GeschästSkrise, die ArbettSlofigkeit, die besom der« dri«gcude Sorge um die tägliche Existeuz haben eine Gleich- gültigkeit gegen die Wahl hervorgerufeu, die durch die auSgedeho» teste nud umfänglichste Agitation nicht zu bewältigen sein dürste. Viele Arbeiter seien seit der Zeit, wo die Wahlliste» augefertigt wurden, entlassen worden, und diese gingen uu« bei der Wahl verloren; für viele Andere sei bei der geschäftlichen Krise gesteigerte Gefahr vorhanden, durch eine oppositionelle Stimmabgabe sich das Mißfallen de» Arbeitgeber« zuziehe» und entlassen zu werden. Die Inanspruchnahme de« Leipziger Publikum« durch die Messe, die eben erst zu Ende gehe, müffe ebenfalls in Anschlag gebracht werden. E« sei seiner Anficht nach also sicher, daß eme sehr schwache Bctheiligong bei der Wahl die Folge sein werde,«nv unter solchen Umständen halte er e« für besser, daß die Partei durch eine motivirte Erklärung kund thuc, sich der Wahl zu ent- halten. Eine solche Wahlcnthaltung würde die Folge haben, daß ein Wahlkamps gar nicht eutstche und für die Liberalen eine Ml- noritätSwahl zu Stande komme, der sie sich vor der ganzen Welt schämen müßten u. s. w. Schilling und Licbisch schloffen sich im Wesentlichen den Ausführungen Bebel'S au, Liebisch besür- wortete nur, daß nicht die heunge Versammlung über Wählen oder Nichtwählen einen definitiven Beschluß fasse, sondern daß man die« der Entscheidung einer allgemeine» Volksversammlung Uberlasse. Für die Wahlbetheiligung erklärten sich sehr entschieden Petzoldt, Schmidt, Bcrgkner. Ulrich und Andere. Diese sämmtliche» Redner waren der Anficht, daß eS nothweudig sei zu wählen, 'einerlei wie da« Wahlrefultal ausfalle. Eine Wahlcnthaltung würde nicht nur unter den eignen Gesinnungsgenossen in Leipzig große Mißstimmung erzeugen, sie würde auch einen höchst ungün- stigen Eindruck nach Außen machen, wo man gewohnt fei, Leipzig eine weit größere Bedeutung zuzuschreiben, als ihm eigentlich zu- komme. Die Wahlenthaltung würde un« als Feigheit ausgelegt werden, die Gegner würden un« augreifeu, einerlei ob wir uns betheiligten und unterlägen, oder ob wir uns der Wahl emhielten. Im Grunde genommen lägen ober die Chancen nicht so ungünstig, alS man von Seiten Derer, die gegen die Wahlbetheiligung ge stimmt seien, glaube. Die Krise sei wohl vorhanden, aber nicht so stark wie anderwäri«, auch habe diese Krise Bielen die Augen geöffnet und sie unser» Ansichten geneigt gemacht. Die Wahl müsse zu agitatorischen Zwecken benutzt und die heutigen Zustände, namentlich der ReichSiag, vor den Massen in da« rechte Lupt ge setzt werden. Bebel erklärte schließlich, daß manche der entwickelten Anficht ihn für die Wahlbetheiligung günstiger gestimmt hätten, er habe auf Grund der Erfahrungen geurtheilt, die er allerdings erst wäh- read seiner kurzen Anwesenheit hier gesammelt. Zu beachten sei aber, daß bisher bei allen Nachwahlen die Wahloetheiligung eine weit lauere als bei den allgemeinen Wahlen gewesen, und daß diese Erfahrung sich auch in Leipzig bestätigen werde. Dre Bersamm lang möge, bevor sie beschließe, genau da« Für und Wider über legen und sich der vollen Verantworiung ihre« Beschlüsse« bewußt sein. Bei der hieraus solgenden Abstimmung erklärte sich die Ma° joriiät für die Wahlbetheiligung, und wurde alsvann sofort zur Wahl eines Comrtäs von 7 Personen geschritten und demselben Vollmacht ertheilt, sich uach Bedürsniß au« den unfern Gesinnungen zu- gänzlichen Kreisen zu verstärken. Auch wurde von mehreren Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß e« nunmehr gelte, jede persönliche Memung dem MajornätSbeschluß unterzuordnen und mit aller unS zur Verfügung stehenden Kraft in die Wahlagitatiou einzu- treten. Insbesondere gelte eS, Mittel zu beschaffen, da Geld für die Agitation die Hauptsache sei. Die Parteigenossen sollten in alle» Fabriken und Werkstätten, und wo sich sonst die Gelegenheit biete, freiwillige Sammlungen veranstalten und deren Erlrag an die Expedition deS„Voltcstaat- schleunigst abliesern. Endlich gelte es, eine genügende Anzahl Parteigenoffe»— mindesten« 66— ausfindig zu wachen, welche am Wahltag, Dienstag den 11. Mai, die Bertheilllnz der Stimmzettel an den 83 Wahlbareau« über- nehmen. W-r dazu bereit fei» solle sich bei dem Comitä melden, und sollten Diejenige», die da« Opfer eines Arbeitstages nicht bringen könnten, entschädigt werden. Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten schritt die Versammlung zur Candidaiensrage. Die Debatte hierüber war kurz, da die Autwahl unter den Caodidateu so gut wie keine war. Es wurden Advokat Freytag, Bebel und Bracke vorgeschlagen. RamenS des Advokat Freytag wurde die Erklärung abgegeben, daß er keine Candidatur annehme, von Bracke sei au» geschäsl- lieben wie GesundhcitS-Rückflchten da« Gleiche so gut wie sicher, so bleibe nur Bebel, dessen Candidatur sich auch empfehle, weil er bisher stet« der Candidat der Partei für Leipzig gewesen sei. Die Versammlung entschied sich darauf einstimmig für Bebel, und dieser gab die Erklärung ab, daß er zwar, wie seine Stellung in der Debatte bewiesen habe, nicht für die Wahlbetheiligung sei, daß er aber, nachdem die Majorität sich für du Wahlbetheiligung entschieden habe, sich diesem Beschlüsse unterordne, demgemäß die Candidatur annehme und Alles thun wolle, was ihm möglich fei, um da« Wrhlresultat zu einem möglichst günstigen zu gestalten. Auf die Anfrage, wa« er thäte, fall« er in Leipzig gewählt würde, da er ja bereit« Vertreter für den 17. sächsischen Wahlkreis sei, antwortete er, daß er in diesem Falle da« Mandat für Leipzig aunehmeu und daS für den 17. Bezirk niederlegen würde. Er wolle die« betonen�, weil sonst durch den gegnerischen Einwand: er besitze bereits ein Mandat, Mancher sich abhalten lasseu könne, seine Stimme für unS abzugeben. Somit stehen zum ersten Mal die Leipziger Parteigenossen vereinigt vor einem wichtigen politischen Akt, möge Jever, seiner Pflicht und Schuldigkeit eingedenk sein! NerN«. 1. Mai. Donnerstag, den 29. April, fand wieder eine von 900 Collegeu besuchte Bäckerversammiung statt, in welcher Herr A. Kapell uud Herr Richter au« WandSbtck über den Zweck der gewerklichen Vereine sprachen. Verde Redner wurden mit der gespauolesteu Aufmerksamkeit angehört uud beim Schluß wurde ihren Ausführungen ein wahrer Beifallssturm gezollt. Außer- dem wurde ich, Herr A. Merckel und W. Gustav als Delegirte zum Congreß gewählt. Ernst Pfeisfer, Burgstraße 6 bei Merckel. Srieftafte» der Siedaktion. M. in Berlin: Wir bitten um genauere Daten über die Berurtheilung Schuster'«.— H. in Berlin: Traf für diese Rc. zu spät««.— Quittung der Expedition, v. Mllr hier Ab. 6.00. Brsk DreSdea Ana. 1.30. Fuumn» Duisburg©cht. 7.50. Brb» Spandau©cht. 7. 50. Frdmr Dresden Ab. 1.20. Krstn hier Aua. 0.60. Horch» TSla Ächr. 45.00 Mnd hier Schr. 3.00.«ch hier Hb. 2.50. Schstr Lindenau Ab. 9.35. Hpfr»ud B. hier Ab. 1.10. Rxckr Wien Ab 6.00. Frdrch Dölitz Ab. 0.55. Arbeiter» er. Kleinzschocher Ann. 1.00, Schr. 1.00. Bchtzm hier Schr. 3 00. Metallarbeitergew. hier Ann. 3.00. F. Slberhrn Eßlingen Ab. 21.42. Lrlhl Janowitz Ab. 8.75._ Fond s. pol.tvemaßregelte. V. Brbn Spandau 2 50._ Nerti«. Die Polizei fahudet hier mit großem Eiser aus die Becker'sche»»Stunden der Andacht-, und da«„Neue Wintermährchen-. Einige weggefangene Exemplare der erstcren sollen»ach stadtgerichtlichem(7. Di putativ»!) Urtheil(Teffendorff Antragsteller!)»unbrauchbar gemacht" werden. Ran—„hat ihm schon". Dem Büchelchen kann'« nur nutze». Da«„Winter- mährchen" hat die guten Wirkungen der Bogelfteiheit bereit« er- fahren; wie man un« au« Zürich schreibt, ist ia der dortigen .Volksbuchhandlung» soeben eine zweite und verbesserte Auflage erschieuen, die mit Hülfe der gutmüthigen deutschen Polizei und Freund Teffendorff« wohl auch bald vergriffen sein wird. s Zum Wahlsond. Breudel'» Werkstelle hier 6.20.__ Gcnofseoschaftsbuchdruckcrei. F. M. ia Braunschweig: Die Zinsen aus bew. Schein betragen bi« zum 30. Juni 2.40. uud werden, wenn gewünscht, sofort gezahlt. Anzeigen:e. __ Die rechts in s j angegebene Ziffer bedeutet den Preis der betreffenden Annonce in ReichSpfennige«. im Sozialdemolranscher Arbeiterverein. UllllUll Donnerstag, den 6. Mai, Abends 9 tlhr: Versammlung im Schuhmacheramtbau».— Tagesordnung: Der Eimguiigslongreß. Bereinssteuern sind zu entrichten._ Der Vorstand.[40] Samstag, den 8. Mai, bei Bierbrauer Linder (ftüher Btosleld): Versammlung der hiisigen Mitglieder der so;.. dem. Arbeiterpartei. Tagesordnung: 1) Wahl eine« Delegirten zum allgemeinen Sozialisten- kongreß uud zum Paruikonguß. 2) Soustige Parterangelegenheitea. 3) Sozialpolitische Rundschau. Bei der Wichiigkeü der Tagesordnung haben alle Sozialistm am Platze zu fein.— Die Restanieu werden an ihre Pflichten erinnert. Im Auftrag: I. Sndre«.[90) Allgemeiner deutscher Schuerderverein. Vllllll Mittwoch, den 5. Mai, Abend« halb 9 Uhr: Versammlung Wallstraße 3, bei Bau manu. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß diese Bersannnlungm jeden Mitt« wach nach dem 1. und 15. jede« Mouat« statrstaden, und ersuchen wir die Zugereisten, nicht wie bisher, wenn ,1« in Berlin waren, den Verein zu oeraachläsfigev, sondern ihren Pflichten nachzukommen und die Ver- sammtungen zu besuchen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. _ Der Bevollmächtigte. 1100] rliet Metallarbeitergewerlschaft. •OllllU Sonnabend, den 8. Mai, Abend« halb 9 Uhr: Monat«l Versammlung in Eafee Macke, Auguststraße Nr. 80. Tagelordnung: 1)«offen- und Riv,stou«bencht. 2) Erhöhung der EeweitschastSheiträge. 3) Bcrrcht der Eommisston über du Krankeukasse» Statuten. 4> Wahl eines Delegirten zur Generalversammlung. Ich ersuche jede« Mitglied dringend, in dieser Versammlung za er- scheinen.— Neue Mitglieder werde» aufgsenommen. Der Bevollmächtigte.[80) ATrtl ti Sonntag, dm 9. Mai, halb 11 Uhr Vormittag«, im Schloß Bensberg, Htumarkt Nr. 68: Versammlung der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Tagesordnung: 1) Wahl eine« Delegirten zum Einigung», und Parieitongreß.— 2) Partei- und lokale Abrechnmig. Bei dieser wichiigeu Angelegenheit erinnere ich nachdrücklich au die Pflicht der Parteigenosse», pünktlich zu erscheinen. Der Ver raoenSmann.[80] Mittwoch den 5. uud Sonnabend den 8. Mai, im VereitUlokal: Hannover Geschloffene Mitglitderversammlung Der Kongreß. H. Rudolph.[50) Leipzig Mittwoch, den 5. Ma., Abend« halb 9 Uhr: Versammlung der Sozialdemokraten Leipzigs und der Umgegend un«eftauraat velletme, Kreazstrnße. Tagesordnung: Spezialdebatte über Organisation»er deutschen Ar- beiterpartei. 170 Ort« n«In Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, dm 8. Mai: Versammlung Windmühlen- straße Rr. 7.— T.-O.: Vortrag von Holtmann über Verlängerung der ArdeitSzeit und über l!°hnred..ktion. Aufnahme neuer Mitglieder. H. Schlstel, Bevollm. ?. R Nächste Mittwoch fällt die Au«Ichußfi»unq an«. D. O.)50I Aufforderung und Warnung. Lebrecht«erguer, srüber in Silenburg, dann in Leipzig, woselbst e nun nicht mehr aufzufinden, hat aus Liste 87 und 88 iüt die Hinter dliebeneu Iorck'»>n Eilenburg Gelder gesammelt, ohne dieselben, trotz mehrmaliger Mahnung, au mich abzuliefern. Wer Merguer'» Adresse kennt, wolle mir dieselbe umgehend mitiheileu. vor Mergoer selbst werden hiermit alle Parteigenossen gewarnt. Hamburg, RodingSmarkt 12. August Seid.[200 «ütoo�Tyliolty, Schneider au« adelig- Salesche(Krei« Starkaw welcher hier längere Zett in Arbeit stand, ist seit den 28. März von hie abgereist, ohne seine Verbindlichkeiten zu ordnen. Er wird hiermit ans gefordert, ttnnen 4 Woche» seinen Verpflichtungen nachzukommen, wen' nicht, so werden die hieftgen Parteigenosse» ans Ausschluß au» der Parte beantrageu. Sobu'g, dm 1. Mai 1875. Der Bertraam»mana. 1175) Em Parteigenosse findet dillige» und freuadttche« Logt« bei«oennele Berlin,«ltladttbstrabe 3, 2 Treppen.[50, Ein»lsahrmer Schuhmacher, welcher mit der Schäilcheu- Fabrikatio» vertraut ist, findet eme angenehme Stellung bei E. Hoßenpslug, Barmen, Marierstraße Nr. 11.________['Jj Soeben. H erschimen und" durch wl» zu beziehen die achte Lieferung von ph. Gecker: Stunden der Andacht Pres« der LUfernng 20 Ps. __ vuchtzandluag de«.BolkSftaat. VeraniwonUchcr Redakteur: H. 9t in dt. Redaktton Hohestraße 4,«xpedrtton Zeitzerstraß« 44, in Lew, ig. Doick uud«erlag der»«iwssenschafwbuchdrnckerei sin Lndzig.