Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, Lot 101 H0br,k.-n, N. J. Peter Haß, S. W. Corner Third and coatea str. Philadelphia. Aboiinementzpreig für ganz Deutschland IM. 00 Pf. pro Quartal. MonatS-Abonnements werden bei allen deutschen Postanstallen auf den Ltcn n. llien Monat und auf den Zien Menal besonders an- genom.nen; im Kgr. Sachsen u. Hrzzlh. Sachs.-Altenburg aulli ans den ItenMonat des Quarials k ftzpf. DrgandersozialdemokrMchenArbetterjiarteiMdderwternattonalenGewerkskenliffenschaftm. Knierett, di« AbhÄtnug von Partei-, verein»» und vo leoetfamwttiqjn, sowie die Filial-«Sxpedttionen und sonstige Partei- Angelegenheiten betreffend, werden mit 10 Pf.,— Prioat- and Bergnügung«- Auzetgen mit 25 Pf. die dreigeshaltene Petit- Zeile berechnet. ?sr. 55. Areitag, 14. Wai. 1875. Reichstagswahl in Leipzig. Die gestern, am 11. Mai, stattgehabte Wahl zum Reichstage hat nach vorläufigen Zusammenstellungen folgendes Resultat ergeben: Goldschmidt 8203, Bebel 4018, v. Criegem(Partikularist) 731 Stimmen. Bei der letzten Wahl(am 10. Jan. 1874) hatten die Nationalliberalen 9222, wir 3651 Stimmen. Rückgang(ohne Gänsfüßchen) der Nationalliberalen: 1019Stimmenweniger;„Rückgang"(mitGänsfüßchcn) der Sozialdemokraten: 367 Stimmen mehr. Ueber den Programmeutwurf. Stimmen aus der Partei. II. Das Programm der deutschen Arbeiterpartei und der westdeutsche Arbeitertag. X— 2. DaS Programm, wie es zwischen Vertrauensmännern beider Richtungen vereinbart war, hat aus der Arbeiterpartei sesbst mehrsacke Anfechtungen erfahren, die meisten auf dem West- deutschen Arbeitertage. Wir halten die meisten der Aussetzungen für unrichtig oder unerheblich, und werden deshalb, freilich ohne ein anderes Mandat als unser reges Inleresie für die Arbeitersache zu haben, durch Begründung unserer Ansicht zur Klärung der Meinungen beizutragen suchen. Wir stnd dabei, was der Verwerfung des Programms von Seiten einzelner Redner auf jenem Arbeitertage gegenüber zu betonen nicht unnütz ist, uns vollkommen klar, daß wir an der Bereinigung der deutschen Ar- beiterpartei unter ein Programm und eine Organisation fest- halten, auch wenn uns Vieles am schließlich vereinbarten Pro- gramm oder an der Organisation nicht gefallen sollte, denn die Hauptsache, die Befteiunz der Arbeit von dem Tribut an da» Eaprtal durch die Erhebung der Arbeitsmittel zum Gemeingut, hält der Arbeiter- Congreß unzweifelhaft fest; über den Weg, wie da« am sichersten und schnellsten zu erreichen, mögen im Einzelnen differirende Ansichten herrschen, unter Männern aber, die mit Muth und Entschlossenheit nach einem Ziele streben, darf die Differenz über die paffenden Mittel nicht zur Spaltung führen, jeder Theil wird zwar mit aller Macht der Gründe für seine Ansicht werben, aber nach gefaßtem Beschlüsse wird sich die Mino- rität ddr Majorität fügen. So hoffe ich denn, daß der auf dem westdeutschen Arbeitertage gebrauchte Ausdruck, der Congreß köune da» Programm in seiner ntzigen Fassung unmöglich annehmen, nicht bedeutet, daß die Redner, wenn e« doch in der vorgeschla- genen oder einer ihnen gleich wenig znsazenden Fassung angenom- wen würde, auf den Beikitt zur Bereinignug verzichteten. Dem Programm wird im Allgemeinen(Punct a. der Corre- spoudenz im„BolkSstaat* Nr. 43) vorgeworfen, daß eS durch »seine Kürze um jeden Preis- Jedem erlaube, nach seinem per- söulichen Belieben alle» Mögliche hinzu- und hineinzudenken. Da» wäre allerdings schlimm, doch alle» Mögliche läßt sich nicht hin- tindenken, da« Arbeiterprogramm stellt sehr bestimmte Sätze auf. Da» Ziel, die Befteiuag der Arbeit vom Tribut an da« Capital; da« Mittel, Erhebung der Arbeitsmittel zum Gemeingut; die Art der Ausführung, Gründung von Productivgenossenfchaften mit Staatshilfe für Industrie und Ackerbau find ganz bestimmt her- vorgehoben. Auch wa» al» Grundlage de« Staate« von der Partei erstrebt wird, ist weist deutlich angegeben, eoenfo fehlt nicht die Angabe der Forderungen, deren v-rwirklichnng schon unter der gegenwärtigen Herrschaft de« Lohnsystem« erreicht werden soll. Viele einzelne Punkte fteilich bleiben unbestimmt, doch halten wir da« nicht für einen Nachtheil, denn auch in der Arbeiterpartei herrschen Differenzen der Ansichten über viele Punkte, und»och Mehr Ungewißheit de« einzelueu tüchtigen und denkenden Mitglie- de« über die spezielle praktische Ausführung gar mancher al« voth- wendig erkannten Forderung. Ein detaillirte« Programm über den Aufbau de« sozialdemokratische» Staate« und der ans Gleich- heit und Gerechtigkeit gegründeten Gesellschaft halten wir deshalb für unmöglich, sehen also in dem Fehlen desselben auch keinen Nachtheil. Und wen» wir selbst in nächster Zeit, wa« doch erst durch harten Kamps errungen werden muß, die Macht znm Auf- bau de« Staate« und der Gesellschaft in unserem Sinne erlang- ten, so werden wir eben bessern, worüber wir einig stnd, und werden da« Uebrige, wenn auch Schlechte, beim Alte» lassen, bi« wir über die Art der Aeuderung in der Majorität de« Volke« «denfall« Nar und einig geworden wären. Speziell wird dem Programm vorgeworfen(i» Punkt d), daß der erste Abschnitt unter Abschnitt I unrichtig und unverständlich sei. ES ist da» ein harter Vorwurf,— der Programmtentwurf der deutschen Arbeiterpartei wird damit auf da» Nivean de« Scholze-Delitzsch'schen ArbeiterkateckiSmu« herabgesetzt. Der Ausdruck »Arbeit ist die Quelle alle« Reichthum« uud aller Kultur- wird getadelt. E« habe hiernach den Anschein, al« wenn die Arbeiter außer der Cultur auch Reichthum anstreben wollten, da Reichthum aber nur im Gegensatz zur Armuth denkbar sei und diese in der sozialistischen Gesellschaft nicht vorhanden sein könne, so könne in ihr auch nicht von Reichthum die Rede fein. Im ersten Absatz de« Programm« ist ja aber gar nicht von den zukünftige» Zeiten i>er sozialistischen Gesellschaft die Rede, sondern e« wird einfach daS Reckt der Gesammtheit auf den Reichthum und die Cultur, an denen jetzt nur Wenige theilnehmen, au« der Entstehung dieser Güter durch die Arbeit in der Gesellschaft hergeleitet. Doch auch in der sozialistischen Gesellschaft kann von Reichthum die Rede sein, indem ihm die Armuth der heutigen und aller vergangenen Zeiten entgegen gesetzt wird. Die sozialistische Gesellschaft wird eine Summe von Arbeit«- und Genußmitteln, da« ist Reichthum, besitzen, wie sie der heutigen Zeit trotz der Ueberarbeitung der Masse» nicht zu Gebole stehen. In diesem Sinne strebt also die Arbeiterpartei nach Reichthum,»ach Vermehrung des National- reichthum«, welcher aber, ungleich der jctzigeu Zeit, Allen zu Gute kommt. Punkt o. scheint auf den ersten Blick nicht ohne Grund:„er hält e« für unrichtig, daß die Abhängigkeit der Arbeiterklasse und die daraus entsprungene Knechtschaft in allen Formen lediglich bedingt sei durch das Monopol der Capitalistenklasse auf die Arbeitsmittel' Die politische und religiöse Knechtschaft hätten unzweifelhaft auch noch andere Ursachen.- Gewiß— Aberglaube, Unwissenheit, Sucht nach Auszeichnung, auch nach solcher, die sich nicht in Geld«m- setzen läßt und Anderes mehr, schaffen ergebene Diener sürstlicher und priesterlicher Herrschsucht. In jetziger Zeit aber möchte doch die Suchtiuach Capital und damit nach Genuß ohne entsprechende Arbeit die Hauptursache sein, baß Fürsten willige Werkzeuge zu jeder Knechtung finden, und selbst der Aberglaube, welcher die Priester al« die Vermittler der ewigen Seligkeit erscheinen läßt und mächtig macht, durch wen anders ist er groß gezogen worden, als durch die Capitalistenclasse, welche die priesterlichen Vertröstun- gen auf ei» zukünftiges Leben brauchte, um die Ungerechtigkeit diese« Lebens erträglich zu machen? Da« Monopol der Capitalistcn- classe auf die Arbeitsmittel ist nicht das einzige, aber es ist das verbindende Glied der KnechtfchastSkette. Zerreißt eS, uud die Kette ist zerrissen. Punkr d. Im Absatz 3 und 4 wird vermißt, wovon die Ar- beit befreit werden soll, da» geht ja aber schon aus Absatz 2 her- vor, die Arbeit soll; befreit werden von der Abhängigkeit von der Capitalistenklasse.— Da« aber ist richtig, waS in Punkt ä weiter erwähnt ist, daß der ÄuSvruck gerechte Bertheilung des Arbeit«- ertrage« ein sehr uubestimmler ist. Alle« Mögliche, z. B. der Schulze'sche Entbehrungslohn läßt sich nun fteilich nicht hinein- denken, allein die Einen, wozu auch wir gehören, würden den Arbeitsertrag ja nach dem Werth der geleisteten Arbeit gerecht vertheilen wollen mit Beibehaltung eine« von Zeit zu Zeit fest- zusetzenden Minimallohne«, um mindestens in den ersten Zeiten der sozialistischen Produktion da« Streben nach erhöhtem Genuß als Anreiz zu tüchtiger Arbeit(während der normalen Zeit) nicht zu entbehren, die Andern wolle» vielleicht durchau« gleiche Ber- '.Heilung de« Lohne« und können für sich anführen, daß die Ungunst geringerer Anlagen oder die Mißgriffe der Gesellschaft bei der Erziehung und ArbeitSaoweisung gerechter Weise nicht am Jndi- viduum gestraft werden dürfen. Da« find allerdings sehr«esent- liche Differenzen, üb» die vor Aufbau de« sozialdemsftatischen Staate« Klärung und Entscheidung einketen muß. Der nächste Congreß braucht dieselbe aber nicht zu bringen, denn da« Programm soll nur die fertigen geistigen Errungenschaften der Partei zusam- menfaffen. Eine nachträgliche Spalwng durch Offenlassen wefent- licher Fragen fürchten wir nicht, da kein Sozialdemokrat feine Meinung unbedingt wird durchsetze» wollen, ist doch Gehorsam gegen die Majorität die erste demokratische Tugend. Zu Punkt v. Wir finden keinen Unterschied de« Sinne« der Ausdrücke: muß das Werk der Arbeiterklasse fein und: ist die Auf- gäbe der Arbeiterklasse. Zu Punkt f. Die nähere Definition de« fteien Staate«, die unter Abschnitt 2 vermißt wird, folgt allerding« kurz und nicht erschöpfend in den 5 Nummern über die freiheitliche Grundlage de» Staate». Dieselben stnd nicht erschöpfend, sie sagen z. B. nichts über die höchste Spitze de» Staate«. Wir für unfern Theil verzeihen es bei heutigen Preß- und VereinSgesetzen und deren Handhabung den AuSarbcitern de« Programm«, daß sie über jenen Punkt nicht« sagen mochten, und denken un« hierbei fteilich Manche« hinein. Im Uebrigen sind wir schon zuftiede», wenn auch nur die ausgesprochenen Forderungen von un« bald erreicht werden. Der Tadel unter Punkt g., die Redaction der ganze« Borlage sei mangelhaft, erscheint un« ungerecht hart, aber dem stimmen wir bei, daß die Ueberstcht gewinnt, wenn die drei Grundlagen de« Staate« al« besondere Abschnitte behandelt werden. Unter ll wird jede Andeutung verwißt, wa« in Nr. S unter Abschnitt 3 unter Rechtsprechung durch da« Volk und unentgeltlicher Rechtspflege zu verstehen sei. Unsere« Wissen« haben DiSkusstonea dieser Punkte innerhalb der Arbeiterpartei noch nicht allgemein stattgesunden, deshalb würden wir eine spezielle Ausführung dieser Punkte im Programm, da«, wie gesagt, nur die fertigen geistigen Errungenschaften der Partei geben soll, für verftüht halten. Dock müßte da« Ziel erwähnt werden,»nd werde zugleich- damit der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die gegenwärtige Rechtsprechung mit ihrem vom Iustizminister resp. auf dessen Vorschlag ernannten uud placirten Richter» und ihren vom Gerichtspräsidenten an« der Klasse der Befitzenden ausgewählte» Geschworenen keine Recht« sprechung durch da« Volk sei. Wir haben un« bei diesem Punkt S freilich Manche« hineingedacht, nämlich das: Die Kreisinsasse» wählen au« sich eine bestimmt- Anzahl Schöffen, die für da« lau- sende Jahr die gerichtlichen Geschäfte im Borau» unter sich ver- theilen und während ihre« Amte« Besoldung beziehen. Dem endlich unter i Gerügten stimmen wir bei. Die pro- gressive Einkommensteuer als einzige Steuer ist etwas, das wir schon unter der Herrschaft deS Lohnsystems zur einstweiligen Er- leichterung der Arbeiterklasse erreichen müssen, und gehört deshalb in den letzten Abschnitt, fie ist aber nicht die wirthschastliche Grundlage de» zu erstrebenden sozialdemokratischen Staate», denn dieser verlheilt den Arbeitsertrag(mit Zurückbchaltung einer Re- serve) soweit er au« Genußmitteln besteht, an alle Arbeiter de» Staates, auch an die, welche man heute Staats- oder Communal- diener rc. heißt, bedarf also überhaupt nicht noch besonderer Steuern. Von einem Correspondenten in einer ftüheren Nummer de» „Volksstaat", sowie in einer Versammlung zu Coburg wurde ferner vorgeschlagen, die Bestimmung über Krieg«nd Frieden dem Volke direkt, nicht den Volksvertretern zuzutheile«. Dieser Vor- schlag ist auf die Erfahrung gegründet, daß unsre heutigen Parka- mentarischcn Versammlungen das Volk nicht vertreten. Allein man übersieht, daß bei allgemeinem gleichem Wahlrecht und bei völlig fteiem Vereinsrecht und freier Presse eine wahre VolkSver- ketung zu Stande kommt, und daß diese Volksvertretung, deren beschlossene Gesetze da« Volk bestätigt, von anderer Bestätigung ist im Programm nirgends die Rede, stets daS Bewußtsein der im Volke ruhenden Souveränität behält. Dieser VolkSverKetung, scheint uns, dürfen wir gekost da« Recht über Krieg und Frieden anvertrauen. Ein Punkt aber läßt eS un« passend erscheinen, die« wirklich zu thun. Der Soldat im Felde, alfo ein großer Theil des Volke«, ist selbst über die militärischen, vielmehr noch über die politischen Verhältnisse weit weniger unterrichtet, al« der gemäch- lichste ZeitungSleser daheim, zudem stellen sich der fteien Besprechung im Heere so viel Schwierigkeiten entgegen, daß wir sagen müssen, der Soldat im Felde ist ungeeignet, über Krieg und Frieden zu beschließen. Wenn et so unmöglich ist, das ganze Volk direkt nach fteiem Meinungsaustausch zu hören, da scheint e« uns besser zu fein, wie ein Programm bestimmt, den vom ganzen Volke ftei gewählten Berketern die Bestimmung über Krieg uud Frieden zu- zuertheilen. Parteigenossen! „Da« war eine traurige Zeit, die hinter un« liegt; möge sie uns nimmer wiederkehren!— Brüder, die sonst im gemeinsamen Kampfe gegen die Uebermacht der Unterdrücker, Einer für den Andern in die Schranken traten, vergeudeten ihre besten Kräfte im Kampfe gegen einander, so daß man sich verzweifelnd ftazen mußte: Werden denn je die Arbeiter ihre« eigenen Glücke« Schmied fein können? Sind sie denn wirklich im Stande, de» letzten Kampf gegen die Macht de« Kapital« auszukämpfen? Sind sie reif für den Staat der Zukunft, dessen Fundament die Brüder- lichkeit ist? So manchmal siad auch über mich in dieser schlimmsten Zeit meine« Lebens solche Zweifel gekommen; Zaghaftigkeit erfaßte meine Seele und mein Herz erzitterte in Muthlostzkeit. Wen hätte e« auch nicht bi» in« Mark hinein erschüttern follen, diese« wüthende Bekämpfen Derer unter einander, die durch gemeinsame Leiden zu gemeinsamen Zielen verbunden sei» mußten? Doch heute dürfen wir wieder hoffen, heute dringen die Stimmen, die nach Versöhnung rufen, immer zahlreicher au» dem Chao«, da« durch schlechte Ralhzeber geschaffen wurde. Die Binde ist so Manchem von den Augen gefallen und fteudig begrüßt er da» Morgenroth, da« den Tag de« Frieden» unter den Söhne« der Arbeit verkündet. Der Zwiespalt, der un« Jahre lang kennte, der für un« der Abgrund zu werden drohte, in welchem alle unsere Wünsche, alle unfere Hoffaungen, alle unfere Bestrebungen einen schmachvollen Untergang hätten finden müssen,. er scheint sich end» lich schließen zu wollen.- So sprach ich am Schlüsse de« Jahre« 1372 im„Botschafter- zu den Lesern desselben, und in Verden rief ich am 19. Januar 1873 in einer Versammlnng den Anwesenden zu: „Jeder, dem e« Ernst mit der Vereinigung aller sozialdemo- kratische» Arbeiter ist, mag zunächst seine ganze Kraft gegen die Feinde außerhalb deS Arbeiterstande« richten und gar nicht der- gleichen thun, al« ob er auch Gegner unter-den Mitgliedern der andern Fraktion der sozialdemokratischen Partei habe, dann wird sich die Erbitterung, die ja nur künstlich großgezogen, recht bald in Duldsamkeit und endlich in Freundschaft kehren und die Einig- keit au« den Herzen der Arbeiter heran« neu geboren werden.- Und nun endlich, nach langer Zeit, aber doch noch früh ge- nug, ist et in Erfüllung gegangen; unsere Wünsche bleiben nicht blo« Wünsche, sie sollen lautere volle Wirklichkeit werden; der Tag ihrer Erfüllung ist so nahe gerückt, daß nur noch wenige Tage un« von der ersehnten Verbrüderung scheiden. Die Kampf- rufe, welche so oft erschallten, um Bruder gegen Bruder zu hetzen: „Hie Laffalle! Hie Marx!- sie werden verstumme»— sie müsse« verstummen, weil e« der Wille der Arbeiter ist, die Name» Derer, die fie in de» Kamps gegen Unwissenheit und Lüge, er- erbte und angemaßte Gewaltherrschaft geführt und redlich zu ihnen gestanden, nicht zum Feldgeschrei für verrätherischeu Bruderkampf, oder zum Deckmantel erbärmlicher Intrigueu herabwürdigen zu lassen. Wer jetzt noch diese Namen mißbrauchen wollte, um auf« Neue Zwietracht in die Herzen der Arbeiter zu säen, dessen eigener Name gehört an den Schandpsahl, dem sich die Verachtung der Arbeiter an die Fersen heftet, so daß er ihr nimmer zu entfliehen vermag. Und nun ein herzliches„Glück auf!" den iHelegirten zum Congreß der Sozialdemokratie Deutschlands! F. W. Fritzsche. Was wird aus dem Bereinignugs- Congretz geschehen?"1) so fragen bereits heute sich Taufende deutscher Arbeiter. Die Erwartung ist auf daS Höchste gespannt, ob auf dem Kongreß daS bis heute so segensreich gediehene Werk der Einigung denselben ungestörten Fortgang nehmen wird, wie bisher, oder ob die Delegirten, in zwei getrennten Lagern, sich gegenüberstehen und gewissermaßen diplomatische Unterhandlungen mit einander pflegen werden. Offene Verbrüderung oder kluge Kompromiß- Schließung— wird diese oder jene stattfinden? ES ist nicht zu verwundern, ja sogar mit Freude zu begrüßen, daß die alte Garde der Parteigenossen, welche in zehnjährigen Stürmen aller Art sich erprobt hat, derartige Fragen stellt; denn e« ist eben da« Kennzeichen der bewußten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, im Gegensatz zu allen anderen unklaren Partei- strömnngen, daß die Masse der Parteigenossen nicht einer Führer- parole blindlings folgen, sondern selbst denken, selbst handeln muß. Schöne Demokraten und Sozialisten wären wir, wenn wir Staat und Gesellschaft auf Grund der Volksherrschaft organisiren wollten und nicht einmal uns selbst demokratisch regieren könnten! — Frei und offen gesprochen, was wir befürchten und wa« wir hoffen!— kein Blatt vor den Mund genommen!— und sicherlich werden Klarheit, Einmüthigkeit und Förderung unserer großen Sache die Folge davon sein. Schreiber diese«, welcher nunmehr acht Jahre in der Partei- presse gewirkt hat, ist durch die damit verbundenen, so zahlreichen Erfahrungen zu der festen U-berzeugung gekommen, daß es das allein Fruchtbringende sein wird, wen» alle Unklarheiten, welche biS zum Bereinigungskongreß auftauchen könnten, in ungeschminkter Weise besprochen und gelöst werden. DaS Licht der Oeffent- lichkeit ist für unsere Partei daS allein Geziemende, und nimmer darf sie eS scheuen.— Geheimnißkrämerei führt nur zum Jntri» Suiren, Schweifwedeln und Vcrläumden, zur Stellenjägerei, Be- echlichkcit und Korruption, und deshalb wollen wir sie ganz und gar den Jesuiten, Reptilien und sonstigem im Dunkeln schleichen- den Gewürm überlassen. So mag denn hier heute die Frage frei erörtert werden, ob Befürchtungen für den Verlauf deS VcreinigungSkongresses zu hegen sind. Schreiber dieses antwortet daraus mit einem entschiedenen «Nein-— der Kongreß soll redliche Verbrüderung schaffen, und er kann e«. Bedenken wir doch vor Allem, daß der Drang zur Ber- einigung der ganzen großen Sozial-Demokratie, welcher schon jetzt die trüben Erinnerungen an alten Zwist gänzlich hinwegge- spült hat, das Werk der Ueberzeugung aller Parteigenosse» ist, daß derselbe nicht aus einem künstlichen Kompromisse beruht, bei welchem die eine'Seite diesen, die andere jenen Theil ihrer Grundprinzipien aufgibt, sondern daß dasselbe Ziel und dieselben Mittel und Wege vor Aller Augen schweben. Die logische Folge ist, daß es nichts weiter als des guten Willens der auf dem Kongreß erscheinenden Delegirten bedarf, um ein wirklicde« Verbrüderungswerk zn schaffen. Und wer ein echter Sozialist ist, dem darf eS an diesem guten Willen nicht fehle» in dem Augenblick, wo um Wohl und Wehe der ge- sammte» deutschen Sozial-Demokratie es sich handelt. Wa«, sollten Schlagworte uns trennen, während wir über die Prinzipien einig sind, sollten wir unseren Feinden den Triumph bereiten, daß wir un« zanken, während eS gilt, gegen die zahllosen Verfolgungen die gcsammte K-aft der Sozial-Demokratie in die Waagschale zu Wersen?— Unsere Parteigenossen mögen nur einmal den ganzen Ernst der Lage überdenken, und sie werden sich sagen, daß die gesammte Arbeiterklasse Den als Verräther in Acht und Bann thun würde, der mit nichtigen Gründen für eine neue Spaltung intriguirte. Aber, allerdings es genügt nicht, wenn offener Hader verhütet wird. Der VereinigunzSkongreß muß, wenn er seinen Zweck nicht verfehlen soll, mehr schaffen; er muß nicht lose zwei Bruchtheile mit einander verkitten, sondern ganz und gar alle Sozial- dcmokraten mit einander verschmelzen. Die Parteigenossen haben schon ihr letztes Wort gesprochen; schon sind sie ver- schmolzen, im Wupperthal, in Hannover, in Frankfurt; schon ist die Frage des gegenseitigen Iaeiuanderaufgehen« für Berti» und Hamburg, für alle anderen großen Städte, sowie für da» flache Land entschiede»; unter solche» Umständen würden die Delegirten, wenn sie, in zwei Heerlager getrennt, wie kriegführende Parteien mit einander verhandeln wollten, sich Uber den Willen ihrer Wähler hinwegsetzen. Wer zum Kongreß kommt, wird nicht dorthin gesandt als„Lassalleaner", um für den«Allgemeinen deutschen Arbeiterverein-, und al«„Eisenachcr-, um für die„So- zialdem akratische Arbeiterpartei- zu wirken, sondern als„Sozial- demokrat-,»m für das gemeinsame Parteiwohl thätig zu sein. Existirten prinzipielle Grundverschiedenheiten beider Richtungen heute noch, statt blo» Unterschiede bei der praktischen Agitation, dann wäre eine Vereinigung überhaupt ein Unding; abcr da zur Genüge festgestellt ist, daß die Mitglieder beider Richtungen dasselbe wollen und nur diesen oder jenen Punkt mehr zu betonen pflegten, da ist diese gemeinsame Grundlage von selbst auch gegeben, und die Delegirten haben nicht« Anderes zu thun, als diese Grund- läge vereint auszubauen; da kann der Eine so gut wre der Andere den geschicktesten Wurf thun. Also vor allen Dingen keine Voreingenommenheit! E« sind keine Feinde, welche auf dem Kongreß verhandeln werden, fondern Freunde, verbunden durch den sozialen Nothstand, ver- Kunden durch den politischen Kampf'und verbunden durch die Erhabenheit de« sozialistischen Gedanken«. Wer in einem Augen- blick von weltgeschichtlicher Bedeutung, wo die Sozialdemokratie ihre Kräfte concentrirt und ihre Macht dadurch verzehnfacht, aus Rechthaberei oder gar aus persönlichen Rücksichten spräche:„Ich spiele nicht mit, wenn man mich nicht beachtet-, der zeigte so kleinliche» Geist, wie der Spießbürger am Tage welterschütlernder Revolution. Und so bemitleidenswerchen Sinn wird— des sind wir sicher— kein Sozialist als Delezirter zum Kongreß mit- bringe». Dann zum Uebrigen noch, sind e« denn nicht die Parteigenossen selbst, welche al« souveräne» Volk die Delegirten wählen? — Liegt c» nicht in ihrer Hand, den rechten Mann an den rechten Platz zu stellen?— Können sie, wenn sie mit Begeisterung die Bereinigung der Sozialdemokratie fordern— und da« geschieht allerort«— nicht den Maua finden, der rein ist von alle» Hintergedanken?— Gewiß, da« könnt Ihr, Parteigenossen, wenn Ihr nur wollt! — In Eurer Hand liegt die Delegirtenwahl!— Und deshalb fort mit allen Zweifeln, ob aus dem Kongreß nur Halbe» ') Dem Neuen„Sozialdemokrat" entnommen. geleistet werde! Verbrüderung, Entgegenkommen und Aufrichtigkeit— von vorn herein, das sei die Losung, und wahrlich, Erfolg wird unser Werk dann krönen. Politische Uebersicht. — Der Staat al« Arbeitgeber. Eine Abfertigung. In Nummer 47 des»BolkSstaat" erwähnten wir de« Rund- schreibe»«, welches der preußische HandelSminister Dr. Achenbach an die Oberbergämter erlassen, und in welchem er sowohl eine Herabsetzung der Löhne al« zugleich eine Verlängerung der Ar- beitSzeit verlangt. Wie wir au« der„Dortmunder Zeitxng- vom 5. d. MtS. ersehen, fand dieses Rundschreiben vergangenen Sonn- tag auf einer große» Bergarbeiterversammlung zu Dort- mund verdiente Beleuchtung und Abfertigung. Besagte» Blatt schreibt:„Vergangenen Sonntag fand in dem Lokale de« Wirth« Herse hier unter vcrhältnißmäßig großer Betheiligung eine Ver- sammlung hiesiger Bergleute statt. Die Versammlung sollte den Zweck haben, den von dem HandelSminister Dr. Achenbach an die Verwaltungen der fiskalischen Berg- und Hüttenwerke ergangenen und in Nr. 97 unserer Zeitung wörtlich gebrachter Erlaß einer Kritik zu unterziehen und über geeignete' Abwehrmittel, fall« von den Gewerkschaften hiesiger Z-chen in ähnlicher Weise vorgegangen werde» würde, zu berathen. Der betreffende Erlaß fordert näm- lich die Verwaltunzen fiskalischer Industriezweige auf, daß die Löhne, besonder« die Gedingsätzc bei den Bergwerke», allmählig herabgesetzt und die Arbeitsleistungen erhöht werden. Hervorge- rufen ist diese Aufforderung au» dem Grunde, daß trotz der in den letzten Jahren sehr gestiegenen Arbeitslöhne die Leistung der Arbeiter eine geringere geworden und unter den jetzigen Koojnncturen eine Störnng des Verhältnisse» zwischen Einnahme und Au«gabe eingetreten sei. Dieser Erlaß war es, der in der Versammlung auf da» heftigste angegriffen und verdammt wurde. E« wurde geltend gemacht, daß eine Erhöhung deS Arbeitslohnes den Ar- beiter nicht träger, sondern fleißiger und freudiger zur Arbeit mache. Weniger dürfe nicht verdient werden, da im Lande bereits ö.OOO.OOV stelbstständige Personen seien, die eine Einnahme von jährlich unter 140 Thalern hätten. Von den Steuerzahlern müsse ebenfalls noch V» auf cpecutivischem Wege zur Zahlung gezwungen werden. Die günstigen Verhältnisse seien hauptsächlich von den Gewerkschaste»�) für sich ausgebeutet worden, da« beweise unter Anderem die veröffentlichte Bilance der Zechen Hibernia und Shamrock. Von jedem Scheffel Kohlen, welchen diese Zechen geliefert, sei ein Reingewinn von ö Sgr. pro Scheffel erzielt worden; die beiden Zechen beschäftigen zusammen 1709 Arbeiter. Jeder der Arbeiter habe im Durchschnitt einen Lohn von 21 Sgr. erhalten und so habe sich der Verdienst der Verwaltungen aus täg- lich 3990 Thlr. gestellt. Wenn dieses alle den Arbeitern zuge- fallen wäre, so hätten sie eine Einnahme von durchschnittlich täg- lich drei Thlrn. erzielt, folglich hätten die Gewerkschaften an jedem Arbeiter täglich 2 Thlr. 9 Sgr. verdient. E« sei vorgekommen, daß bei gefährlicher Steinarbeit von Einigen monat- 79 bis 89 Thlr. verdient worden feien, diese« sei aber nur aus kurze Zeit geschehen und müsse da« Ersparniß in schlechten Zeiten sowie in Krankheitsfällen wieder zugesetzt werden. Bei Ver«a- glückungen sei es schwer, die Existenz ver Familie zu erhalten, da da» Hastpflicht-Gesetz bei den Bergwerken ganz ander« und viel nachtheiliger zur Wirkung komme, als bei den Eisenbahnen. Gerade die viele Arbeit habe die jetzige Kalamität hervorgerufen, in- dem durch die Ueber-Produkti»n alle Lagerhäuser gefüllt feie» und jetzt der Konsum mit der Produktion, weil von dem zu viel Ge- schafften verbraucht würde, nicht mehr gleichen Schritt halten könne. Wenn z. v. auf einer Zeche 890 Mann bei 3stündiger Arbeit täglich den Bedarf lieferten, so würden bei 9stündiger Arbeit 75 Arbeiter entlassen werden müssen und diese hätten dann daS traurige Laos, falls sie nicht auf der Straße liegen wollten, sich anderSwo um jeden Preis anzubieten; so würde dann auch dort wieder eine Verringerung der Löhne eintreten. Bon der Verringerung der Löhne würde dann hauptsächlich der mittlere GeschäflSstand be- troffen, da diese den Theil, den der Arbeiter weniger verdiene, auch weniger verkaufe. Würden die Arbeiter, wie man eS von einigen Seiten verlangt, da« verdiente Geld weglegen und der Geschäfts- welt nicht zukommen lassen, so würden schon nach ganz kurzer Zeit alle Geschäfte stocken und der Kaufmann seine» Laden schließen können.— Dieses sind in den Hauptzügeu die sachlichen Gründe, welche zur Bekämpfung deS genannten Ministerial- Erlasses angeführt wurden. ES wurden demnächst Resolutionen dahin angenommen, daß eS Pflicht der sämmtlichen Bergleute sei, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß der betreffende Erlaß ohne Wiikung bleibe, namentlich eine Lohn-Reduzirung, die bereits zwischen 30—69 pCt. eingetreten, entschieden zurückzuweisen. Der Erlaß selbst könne nur au» dem gänzlichen verkennen der be- stehenden Verhältnisse sowie auf eine oberflächliche Jnformirung zurückgeführt werden. Die den Bergleuten vorgeworfene Beschul- digung, daß sie gegen früher träge geworden, enthalte eine Ver- läumdung, die ebenfalls zurückgewiesen werden müsse. Hierauf wurde ein Comits, bestehend au« 7 Mitglieder», er- wählt, welche« die Borbereitung zu einer Vereinigung sämmtlicher Bergarbeiter Deutschlands treffen soll. Eine zweite Versammlung soll noch vor Pfin gsten in einem größeren hiesigen Lokale statt- finden--.- So weit der sachliche Theil de« Bericht» der„Dortmunder Zeitung-. Um nun zu verhindern, daß der Eindruck ein den Arbeitern günstiger werde, fügt da»„liberale- Blatt, unfähig die Gründe der Arbeiter zu widerlegen, eine Schmäh-Nachschrift an, also lautend: „Die Art und Weise, wie die angeführten Gründe vorgebracht wurden, ließen deutlich erkennen, daß die Leiter und Redner in der Versammlung hiesiger Sozialdemokraten diese Gelegenheit benutzt hatten, um für ihre Sache Progaganda zu machen. Die Aeußerungen worden an verschiedenen Stellen wieder wahrhaft chnisch(!) nnd aufrührerisch(!). so daß jedenfalls nur der Eiser, mit dem die Anwesenden dem Hauptthema folgten, eine» Unwillen hierüber n cht auskommen ließ. Es sind ja eben die Sozialdemo- kratea, die in manchmal wahrhaft diplomatischer Wesse alle« opfern, um nur dem Hauptzweck ihrer Bestrebungen, de« Umsturz aller bestehenden Ordnung, näher rücken zu können. „WaS die unserer Zeitung, i» Hinsicht de«, der„B. Z.- entnommenen Artikel« gemachten Vorwürfe anbetrifft, so antworte» wir daraus nicht; die Art und Weise, wie für die beiden ans- rühr«rischen(!!) Blätter, den„Nene» Sozialdemokraten- und den „Votksstaat- agitirt wurde, war denn doch zu plump, als daß sie wirklich ein annehmbarer Köder für die Zahörer fein könnte.-— *) Unter Gewerkschaften— der Ausdruck kehrt wieder— find hier die Aktiengesellschaften zu»erstehen, denen die Werke gehören. A. d. B. Scheint aber doch ein„annehmbarer Köder- gewesen zu sein, sonst wäre da« Dortmunder Reptil nicht so erbost. Jedenfalls danken wir ihm für den lehrreichen Lesestoff, den es in seinem blinden Zorn uns geliefert hat.• Den Dortmunder Arbeitern rathen wir zum Schluß, auf ihrer nächsten Versammlung eine Denkschrift auszuarbeiten, in der sie Herrn Achenbach bitten, mit der„Herabsetzung des Lohn» und der Verlängerung der Arbeits- zeit-, bei sich selbst anzufangen. Dr. Achenbach'« stilistische und sonstige Leistungen sind derart, daß etwas mehr darauf ver» wandte Arbeit ihnen zu großem Vortheil gereichen würde, und sie stehen zu der Höhe de«„Lohn«- in solchem Mißverhältniß, daß eS einer„Lohnherabsetzung- von 50, ja von 75 Prozent bedürfte, um nur einigermaßen daS Gleichgewicht zwischen„Arbeit-»nd „Lohn- herzustellen. Und dieselbe Bitte ist auch an die würdigen College» de« Herrn Acheubach zu richten, insbesondere an den Millionär und Huugerapostel Camphauscn. — Wucher mit Arbeitslohn. Die„Vosstsche Zeitunghatte kürzlich über den langen Credit, w-lcher von den GeschäfrS- leuten gewährt werden muß, geschrieben und der Berliner„Agitator-, hierzu bemerkt, daß die Arbeiter von diesem Vorwurfe jedenfalls freizusprechen, da sie weder Credit geben könnten noch erhielten. Der Jahresbericht des Essener BergwerkSocrein, König Wilhelm, belehrt un« eines Anderen. Hier heißt e«:„Der Bruttogewinn beträgt 213,331 Thlr. 12 Sgr. 7 Pf., wovon 52,996 Thlr. auf Abschreibungen, 34,326 Thlr. zur Dotation de« Reservefonds und 120,099 Thlr.— 4 Proz. de» 3 Millionen Thlr. betragenden Aktienkapital« an die Aktionäre vertheilt werden. Ja der Bilanz figuriren noch 30,733 Thlr. bis 31. Dezember 1874 fäl» liger aber noch nicht ausgezahlter Löhne.- Man erinnere sich der Katastrophe de» Bergwerks Ritterburg, wo circa 14,000 Thlr. Arbeitslöhne in die Brüche gingen. Bis uns der Essener Berg- werksverein König Wilhelm genügende Aufklärung giebt, sind wir gezwungen anzunehmen, daß derselbe mit dem sauren Schweiße seiner Arbeiter, mit ihren Arbeitslöhnen, seit über 4 Monaten schnöden Wucher treibt. Beilänfiz würden diese 30,733 Thlr. seit ihrer Fälligwerdnng bis zum 1. April, nur zu 5 Proz. ge- rechnet, über 590 Thlr. Zinsen ausmachen. Fälle, wie der ange- führte, stehn nicht vereinzelt da. Ueberdie» ist zu bedenken, daß der Lohnkredit— auf 8, 14 Tage und längere Z:it— welchen der Arbeiter regelmäßig dem Arbeitgeber gewähren muß, den Profit de» letzteren enorm vermehrt. — Es stiebert ganz gewaltig, seitdem die Sozialdemokratie Deutschlands zu einem Conzreß einberufen ist, auf welchem die Einigung der beiden sozialistischen Fraktionen vor sich gehen soll. Selbstverständlich ist der Bourgeoisie vor einer Vereinigung der beiden Fraktionen nicht wenig bange, und da sie selbst nicht weiß, wie sie es anfangen soll, um die Vereinigung der beiden Frat- tionen zu hintertreiben, so flüchtet sie sich zu dem Einzigen, zu dem sie in dieser Sache Vertrauen fühlt, zu Herrn Stieb er. So wird denn in allen Reptilienblättern eine gleichlautende Cor- respondenz aus Berlin abzedruckc, worin mit großer W:chtigthuerei angekündigt ist, daß wieder für die Internationale Propaganda gemacht werde. Es heißt dabei: „Bor Kurzem ist an sämmtliche Sektionen der Jnternatio- nale in und außerhalb Deutschland« ein von den deutschen Häup- teru der Partei, Lrebkaecht, Bebel und Hasenclever obenan, unter- zeichneteS Schreiben ergangen, welche« zur Beschickung eines dem- nächst in Berlin abzuhaltenden Delegirtentage« oer Internationale einladet. Zugleich unterbreitet die Berliner Sektion in einem von Herrn Hasenclever unterzeichneten und vom 7. März da- tirten Manifest den auswärtigen Sektionen zur Begutachiuag und ichriftlichen Meinungsäußerung ein Programm, welches vre zunächst in sämiytlichen Parlamenten aufzustellenden Forderungen der So- zialdemokratie wie folgt formulirt: 1) Allgemeine» Stimmrecht; 2) Volksbewaffnung(Milizspstem und Bürgerwehr) und Recht der Volksvertretung, über Krieg und Frieden zu entscheiden; 3) Ein- iührung der allgemeine» und progressiven Einkommensteuer unter Aushebung aller anderen Steuern; 4) Verbot der Kinderarbeit und Beschränkung der Frauenarbeit; 5) Einführung de« Normal- arbeitStageS; 6) Verbot der SonntagSarbeit; 7) Staatliche Auf- steht über Bewegung und Lage der Industrie; 3) Gesetzliche Be- stimmungen über da« Berhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer.— An diese« Programm schließen sich allgemeine Jnstruk- tionen. Wir erhalten obige Mittheilang au« sehr zuverlässiger Quelle und unser Gewährsmann hatte Gelegenheit, beide Schreiben im Original zu sehen, wie sie von einer italienischen Sektion nach Berlin zurückgesandt waren— allerdings an eine durchaus nicht sozialdemokratische Adresse.- Wir hätten auch ohnedies gewußt, daß die Adresse de» Hrn. Stieber eine durchaus nicht sozialdemokratische ist. Im Uebrigen weiß jeder Sozialdemokrat, daß in Berlin niemals eine„Sektton der Jnter» nationale- bestand, bei welcher Herr Hasenclever Mitglied war. Da«„Circulär- scheint also eine polizeiliche Mystifikation, welche da« der Polizei und Bourg-oisie so verhaßte Schreckgespenst„In- ternationale- emporzaubert, um einen Druck bezüglich des Eini» gungScongresse» auszuüben. Dumm hat der Spiyel seine Sache indcß angefangen, indem er geglaubt hat, die Sozialdemokratie setze ihre Hoffnungen auf den Parlamentarismus, und ihre Forderungen demgemäß formulirt hat. Er hätte wissen können, daß da» Repräsentatiosystem durchaus nicht unseren Aaschauungea entspricht. Sicher ist aber da» Eine: Alle Blätter, welche die betreffende Correspoudenz abgedruckt haben, stehen in Beziehung zum Reptilienfond, denn die Correspoudenz ist nicht« andere« al« ein Waschzettel aus dem Reichspreßbureau. — Culturkampf. Ja Bingen wurde am 5. d. der Redafteur eine«„reichsfeindlichen- KatholikenblatteS von einem reichsfreund» lichea Fabrikantensohn meuchlerisch überfallen— zur großen Ehre Bismarck'». DaS in der Person seine« Redakteur« betroffene Blatt, der„Binzer Anzeiger- schreibt darüber: „Gestern Abend gegen 9 Uhr wurde der verantwortliche Re» dakteur unsere» Blatte« in unmittelbarer Rahe des„Englischen HoseS- auf offener Straße von einem Individuum in bester Form der Wegelagerung überfallen und dem Nichts ahnend feines Wege» Gehenden ein Stockfchlag über den Kops versetzt. Ehe der oyne jede Veranlassung also Attaguirte sich vo» seiner Ueberraschung erholen und Anstalten zur Gegenwehr treffen konnte, hatte der feige, hinterlistige Angreiser, in dessen Person er e»aeo gewisse» Carl Gräff junior, Sohn deS bekannten hiesigen TabakSsabrikanten Carl Gräff, erkanute, bereit« eiligen SchntleS da« Werte gesucht. Indem wir von dieser niederträchug-gemelnen Handlungsweise al« derjenigen eine« rohen, insamen Buben hiermit gebührendermaßen Act nehmen und solche der öffentlichen Berachiuag preisgeben, be- halten wir un« weitere gerichtliche Schritte vor. Da« sind die Früchte moderner„Kultur", wie solche unser heutiger„LiberaliS- maS" znligl;— jener„Liberalismus-, der in heuchlerischen Dhrasen an der Spitze der Civilisation, des Fortschrittes und der Ausktärung zu marschiren vorgiebt, der aber in Wirklichkeit, wie Figura zeigt, unS je eher je lieber in die Zeiten Mittelalter- lichen Faustrechtes zurückversetzen möchte!- — Von Frau Heß in Paris erhielten wir Folgendes zur Teröffentlichung: Deutsche Sozialisten, Freunde meines Mannes! In Euren Zeitungen, sowie am Sarge meines geliebten Mannes, in Wort und Schrift wurde von Euch mit so tiescr Theilnahme deS geliebten Tobten gedacht, daß ich nicht Unterlasten kann, Ench meinen Dank zu sagen für die bewiesene Sympathie, die mir, der nun allein stehenden Frau, so wohl thut. Einen »Veteran der Sozialdemokratie- nanntet Ihr ihn, und wahrhaftig, diesen schönen Namen hat er in deS Wortes vollster Bedeutung »erdient, das weiß Niemand bester al« ich, die 35 Jahre an seiner Seite gelebt, jeden Pulsschlag seines HerzenS verfolgt hat. Ihr verliert an ihm einen Denker und Kämpfer, ich einen braven treuen Ehegatten, einen Ehegatten, der mir nie Grund zum Klagen gab, nie sich über Schmerzen, selbst nicht bei den heftigsten kör- perlichen Leiden beklagt, der mir in all seinem Ungemach und Un- . eiltick noch ein Tröster war. Ja, ich bin stolz, dieses Mannes Frau gewesen zu sein, dies-S Mannes, der ununterbrochen für die Menschenrechte kämpfte. Die Menschenrechte durch Wort, Schrift und That vertheidigt zu sehen, war mir oft beschieden. Während der letzten großen Pariser Arbeiterbewegung von 1871 sah ich sie, die Männer der Freiheit, die Freunde meines Mannes, freudig in de» Kampf ziehen, und sah späler von den Edlen nur Einzelne als verstüm- Melle Leichen wieder. WaS Bestialität jemals geleistet haben mag, nie hat sie sich wohl bestialischer in dem Blut- ihrer Widersacher herumgewälzt als in jenen Tagen der Commune. In jenen Tagen, wo so ruchloS das so nahe Ziel unserer Wünsche zertrüm- wert, wo arm zu sein mit dem Tode bestrast wurde, damals be- durste eS der ganzen Wissenschaft und Beredsamkeit meines Man- »eS, um mich zu überzeugen, daß dieses vergossene Blut den FrciheitSbaum nur stärken, daß der Tag der Vergeltung nicht ausbleiben werde. Was hatte denn mein Mann gethan, als er vor 27 Jahren mir von der Seite gerissen ward und zum Tode geführt werden sollte? WaS hatten sie denn gethan, die Männer der Juni- fchlacht von 1848, die Männer, welche vor meinen Augen in Ketten von den Henkersknechten des HenkermeistcrS der Bourgeoisie, des Generals Cavaignac, zu Tode geführt wurden? Hatten sie etwas anderes als Nächstenliebe, als gleiche Rechte uud gleiche Pflichten proklamirt? Nein! nur dies, dafür zeugt der lächelnde Muth, mit welchem sie zum Tode gingen. Sie sind nun nicht mehr, er, mein lieber Mann, und sie die Helden deS Juni und der Commune, nur die Erinnerung bleibi; und unvergeßlich sind die Stunden, wo sie sich, die nun Tobten, in dem Studirzimmer meines Mannes versammelten, um zu be- rathen, wie das menschliche Elenv aus der Welt zu schaffen sei. Wer daher, wie ich, den Geist kennt, der alle diese Männer be- seeltc, wer wie ich der blutigen Revolution in'S Auge geschaut, � weiß sicher und fest, daß der Tag kommen wird, wo die Sache, die sie v-rtheidigten, siegen, und wo Denen vergolten wird, die das Leben dieser Männer verbitterten und kürzten. Darum auf, Ihr deutschen Proletarier, ehrt mit mir unsere Tobten, kämpft weiter in ihrem Sinne, dies ist das schönste Denkmal, das wir ihnen setzen können, daS ist das beste LiuderuugS- mittel für erlittene Verluste. Mit herzlichem Gruß Sibilta Heß. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. Hotha. Am 27. v. M. starb in Stadtamhof bei RegenSburg das Mitglied Willibald Schwaiger. Derselbe war zugleich Mit- glied der Krankenkasse, und schreiben wir in Folge dessen laut§ 15 deS Krankenkassen Statuts eine Extrastcuer von 7 Pf. R.-M. pro Mitglied hierdurch aus. Diese Extrasteuer ersuchen wir nicht so vereinzelt einzusenden, wie dieS daS letzte Mal geschehen ist, was die Verwaltung unnölhig erschwert. Bis zum 15. Juni muß dieselbe an den Hauptcassirer eingesandt sein.— In Göppingen hat sich «ine Mitgliedschaft gebildet. Bevollmächtigter ist I. Köhler, bei Ch. Commorell; Ch. Föll, Kassirer; H. Schrösl, Schriftführer. Wir rufen den Mitgliedern ein brüderliches Willkommen zu und wünschen, daß unsere Collegen in Schwaben sich immer mehr an unserer Bewegung betheiligen. Mit Brudergruß Die Verwaltung. Landsyut. Es diene hiermit zur Nachricht, daß hier ein Schuhmacherstrike ausgebrochen ist, denn es ist hier die Möglichkeit vicht vorhanden, seine Lebensbedürfnisse zu befriedigen mit einem wöchentlichen DurchschnittSverdienste von 5—6 Gulden. College» allerorts I Wir fordern Euch auf,»n« in unserem Kampfe zu unter- stützen. Schnelle Hilfe thut noth; Zuzug fern halten. Gelder sind zu senden an Mich. Hundhammer, Berg ob Landshut in Baiern. Das Strikecomitö. Alle arbeiterfteundlicheu Blätter werden ersucht, von Obigem Notiz zn nehmen. ßhewnttz. Die Meinungen, welche jetzt kurz vor dem Eon- greß und der Generalversammlung iu mehreren Mitgliedschaften ! ausgetaucht sind, veranlaffeu die hiesige Mitgliedschaft, de» Raum deS„Volksstaat- in Anspruch zu uehmeu. Der Antrag deS Herrn O. Kapell geht dahin unter&) daß eine Conserenz von sämmt- lichen Vorständen der Gewerkschaften einzuberufen ist. Unter Bor- ständen verstehen wir, und da« motivirt schon der Antrag, die VerwaltuiigSrälhe. Diese haben(siehe b 1) ein gemeinsames Statut auszuarbeiten. Nun geht unsere Ansicht dahin, daß des Statut dann in unfern zur Bersügung stehenden Blättern abgedruckt und der öffentlichen DiScusfion übergeben wird. Kurze Zeit darauf ist ein GewerlschastScongreß einzuberufen, wo daS Statut durchberathen wird, und nach diesem erst ist eS den Generalversammlungen zu unterbreiten. Da« Statut muß ftei von politischen Tendenzen und so ausgearbeitet sein, daß die Vehörven keine» Anlaß haben, Mit- glieoschaften zu schließen. Die Schuhmacher«erden nie außerhalb der Arbeiterbewegung marschiren, uud um mit den Dr-Sdener Collegen zu reden, werden«och mehrere Monate vergehen, ehe das, was jetzt angestrebt wird, praktisch zur Durchführung kommt, mithin kann die ausgeschriebene Generalversammlung nicht so lange verschoben werben. Es kann dann, wenn eS drängt, den Tag »ach dem GewerlschastScongreß eine außerordentliche Generalver- sammlung einberufen werden. Collegen! Vor der Hand müsse» wir den Schuhmachercouzreß und der Generalversammlung eine Würdige Vertretung sichern, und deshalb rufen wir in letzter Stunde allen Schuhmachern und den Mitgliedschaften zu, Dele- airte zn senden, um aus gemeinsamer Grundlage den dauernden Frieden in unserer Branche in einer Organisation zu Stande zu bringen. Mit Brudergruß I. A.: Carl Aug. Walther. �Verband für Kürschner.__________ Lindenau, 6. Mai. Nr. 51 des„Volksstaat- enthält unter Rubrik„Verband der Kürschner- insofern eine falsche Angabe, alS die Gehülfen in der Zurichterei von A. Herzog in Lindenau nicht die zehnstündige Arbeitszeit, sondern eine solche von 6 Uhr Mor- gcnS bis 7 Uhr Abends innehalten; davon geht eine Stunde Mittag, eine halbe Stunde für Frühstück, deSgl. eine halbe Stunde für Vesper ab, so daß nur von einer ll-stündigen Arbeitszeit die Rede sein kann. Immerhin ist diese Thatsache als ein ganz respek- tabler Fortschritt zu bezeichnen, wenn man in Betracht zieht, daß durch die Akkordarbeit die Zurichter sich selbst eine Arbeitszeit von 16 und mehr Stunden aufgehalst haben, und mögen nur die College« in andern Fabriken sich die H-rzog'schen Arbeiter hierin zum Muster nehmen, besonders die Markranstädter, namentlich die, welche Sozialdemokraten sein wollen. Auch arbeiten die Arbeiter der Firma Herzog fast gar nicht mehr Sonntags. Glück aus! Fahret fort auf diesem Wege und die Pause» werden seltener werden. Eure Lage muß sich dadurch zunächst geistig, mit der Zeit auch in materieller Beziehung heben.— Es fällt mir hierbei auch die nunmehr vor bald zwei Jahren vom Kollegen Trost ge- brachte Todesanzeige des Fachvereins ein, worin als Todesursache die Geistlosigkeit, erzeugt durch überlange Arbeitszeit und Karten- spiel, bezeichnet wurde. Nun, indem also die erwähnten Kollegen die lange Arbeitszeit beseitigen, und damit eine Quelle der Geist- losigkeit verstopft ist, so darf wohl erwartet werden, daß sie, statt sich dem geisttödtcnden Kartenspiel hinzugeben, nun auch die Ar- beiterblätler, ganz besonders den„VolkSstaat-, sowie belehrende Schriften der Arbeiterbewegung studiren, Versammlungen besuchen, den Arbeitervereinen beitreten und somit als geistige Kämpfer für unsere gerechten Forderungen eintreten. Möchten eS sich die Parteigenossen recht angelegen sein lassen, allerorts für Vereinigung der Kürschner thätig zu sein, damit aus dem Verband für Leipzig und Umgegend ein Verband für ganz Deutschland entstehe. Correspondenzen. Merlin. VorortSversammlung des Gewerkvereins der deutschen Fabrik- und Handarbeiter vom 18. April 1875(Schluß). 3) Hat der Sachverständige Zillmer seine Anträge in Bezug auf die Jnvalioenkasse, als da sind: Beitragserhöhung, Berlin- gerung der Pensionen u. f. w. weder dem Centralrath noch dem VcrbandStage vorher mitgetheilt, sondern eS wurde einfach, nachdem der Bericht über den Stand der Jnvalidenkasse gegeben war, in die Berathung seiner in derselben Stunde gestellten Anträge ein- getreten und dieselben auch angenommen. Die VerbandStagS- Delegirten hatten eine Stunde vorher von denselben keine Ahnung, die Anträge durften also laut Statut gar nicht zur Diskusston resp. Abstimmung gelangen; auch bestreiten wir dem Sachver- ständigen der Verbands-Javalidenkafle das Recht, Anträge auf dem Lerbandstage zu stellen, so lange daS Statut ihm ein derartiges Recht nicht einräumt. Die heute tagende VorortSversammlung deS GewerkoereinS der Fabrikarbeiter hält eS für ihre Pflicht, die Mitglieder ihres Gewerkvereins von den Vorgängen auf dem letzten VerbandStage in Kenntniß zu setze«, und zwar, weil grade in Bezug auf die Jnvalidenkasse weitgreifende und für die Mit- glicder mit großen Opfern verbundene Beschlüsse statutenwidrig gefaßt worden sind. Unser Gewerkoerein zählt unter den 9474 Mitgliedern der Jnvalidenkasse allein 3325 bis ultimo 1374, also über ein Drittel der gesammten Mitgliederzahl, und treffen die gefaßten Beschlüsse de« VerbandStagS wahrlich diese hart genug. Wir glauben, eS ist vollständig am Platze, wenn wir protestiren, damit die statutenwidrigen Beschlüsse nicht in Kraft treten. Es will uns fast scheinen, als habe man absichtlich die Anträge zur Jnvalidenkasse auf Erhöhung der Beiträge, Verkürzung der Pen- sionen u. s. w. nicht vorher veröffentlicht, um den Abgeordneten keine Zeit zum Ueoerlcgen zu lassen, und bedauern wir recht sehr, daß die Abgeordneten unsere« GewerkoereinS auS vielleicht zu großer Rücksicht für unsere Organisation nicht sofort bei Stellung der Anträge Protest erhoben und sich von dieser statuteowidrigen Handlungsweise ganz fern gehalten haben; Rücksichten zu üben hatten unsere Abgeordneten keine Veranlassung. Wir sehen ferner in dem Einbringen der Amräge für Aenderung deS JnvalidcnkassenstatutS von Seiten des Sachverstäudigen sowie in der sehr warmen Vertheidigung dieser Anträge von Seiten des AnwalS einen übereilten Schritt; wir glauben, daß die zu weit gehende» Aenderungen auf dem nächsten VerbandStage noch zeitig genug hätten vorgeuommen werden können, ohne daß die LebenS- fähigkeit der Kasse untergraben worden wäre, und zwar umsomehr, als der Sachverständige Zillmer, nachdem bereits alle Anträge auf Erhöhung der Beiträge, Verkürzung der Penstonen u. s. w. au- genommen waren, sich dahin erklärte, daß er nicht so sehr an der fünfjährigen Wartezeit festhalte und vollkommen damit einoer- standen sei, wenn die Warlezeit erniedrigt würde. Wenn mau nun gegen die Verringerung der Wartezeit nicht ist, und wenn dadurch die Ansprüche an die Kasse größer werden müssen, so hätte man doch wahrlich in Bezug aus die materiellen Opfer, welche die Mitglieder bringen müssen, so weit gehende An- lräge nicht stellen sollen, und sind wir der Ansicht, daß, wenn die Abgeordnelen vor der Abstimmung über die Anträge deS Sachverständigen Zillmer dessen Ansichten über die Verringerung der Wartezeit geHort hätten, ei» großer Theil wahrlich nicht für dessen Anträge gestimmt hätte. Zum Schluß bemerke« wir noch, daß, wenn die Anträge des Sachverständigen rechtzeitig veröffentlicht uno bekannt gemacht worden wären, die Mitglieder der Jnvalidenkasse Gelegenheit ge- habt hätten, sich durch daS VerbandSorgan für oder wider die Aenderungen erklären zu können. DieS hätte gewiß viel zur Klärung der Sache beigetragen, und wäre es möglich gewesen, vorher bestimmte Gesichtspunkte aufzustellen. Aber wir haben ja gesehen, mit welcher Vorliebe man Artikel im VerbandSorgan vor dem VerbandStage veröffentlichte, welche gegen Anträge gerichtet waren, die eine erhevliche Aenderung der Bejch-lffeuheit und Ver- waltung deS Berbanvsorgans verlangten. Wir ersuchen hierdurch alle Mitglieder der VerbandS-Jnva- lidenkaffe, sich uuserm Protest anzuschließen, damit e« unS möglich wird, mit einer recht großen Auzahl von Stimmen das staluten- widrige Verfahren des VerbandStage« zu annullireu. W. Nicola. W. Tornemaan. Herr Kobi» erklärt sich sür den Protest und tadelt die an- weseuven Berichterstatter, daß sie nicht sofort in Leipzig gegen solches statutenwidriges Versahren protestirt hätten. Redner be- tont, daß man vön jeder Versammlung, von jedem Ausschuß, ja von jedem einzelnen Mitglied« verlange, daß die Beschlüsse statuten- gemäß gefaßt resp. ausgeführt werden und meint, daß Verbands- tagS-Abgeordnete, deren Beschlüsse für sämmtliche Mitglieder bin- dend sind, erst recht die statutarischen Vorschriften beobachten müßten. Redner knüpft jhieran einige Bemerkungen über da« Ver» halten des CentralrathS de» Vertretern des GewerkvereiuS der Fabrik- und Handarbeiter gegenüber, und behauptet, daß dieselbe» nicht die Stelle einnahmen, welche ihnen als Vertreter eine« Ge- werkvereiuS gebührt. Trotzdem er erst einigen Sitzungen als Ber- treter beigewohnt, so habe er doch die feste Ueberzeuguag, daß, wenn sich da« Verhältniß in denselben nicht ändert, die Vertretung de« GewerkvereiuS der Fabrik- und Handarbeiter aus die Dauer unmöglich fei. Sollte da« Verhältniß auf dem VerbandStage dasselbe gewesen sein, so wäre» die Vertreter unsere« Gewerkver- eins allerdings in etwas zu eutschuldiaeu, daß sie au« gewissen Rücksichten nicht sofort Protest erhoben haben. Redner geht dann aus die Erhöhung der Beiträge näher ei» und ist der Ansicht, daß dieselbe», sowie die Zahl der i» Aussicht gestellten Invaliden in der Wahrfchcinlichkeitsberechnung viel zu hoch gegriffen find; er belegt seine Behauptung mit Zahlen au« einer Kasse,«elcher er angehört und welche schon 16 Jahre besteht. In demselben Sinne spricht sich Herr Gommert aus, welcher eine langjährige Praxi» im Kassenw-sen hat. Herr Krebs hat sich ebenfalls feit längerer Zeit«ine WahrscheinlichkeitSberechuung aufgestellt, und stimmt da« Resultat mit den Ansichten der beiden Vorredner überein. Redner spricht sich ebenfalls für den Protest auS und empfiehlt denselben anzunehmen. Herr Polle alS Gast erklärt, er habe gegen den Protest nicht« einzuwenden, würde sogar, wenn er auf dem Standpunkt der Berichterstatter stände, sich demselben»»schließen, man müsse sich aber als„Demokrat- der Majorität fügen, auch müsse er den Berichterstattern den Vorwurf machen, daß dieselben nicht sofort auf dem VerbandStage gegen die statutenwidrigeu Beschlüsse Protest erhoben hätten, er glaubt auch, daß eS besser gewesen wäre, wen» man den Sachverständigen Zillmer zu dieser Versammlung einge» laden hätte, welcher viel Aufklärung hätte geben können. Herr Rohrmann weist den Vorwurf, daß er nicht sofort Protest erhoben habe, zurück, und macht den Vorreduer daraus aufmerksam, daß man den Vertretern de« Gewerkvereins der Fabrik- und Handarbeiter von gewisser Seite andern Beriretern gegenüber nachgesagt hatte, sie wollten den Verband nur schädigen. Redner führt einzelne Fälle an, welche dies bestätigen; er hält es zwar für Pflicht, vorläufig keine Namen zu nennen, ist jedoch bereit, die That- fachen durch Zeugen festzustellen, im Falle eS nothwendig werden sollte. Gegen die Ansicht deS Herrn Polke, daß sich nach demo- kratische« Grundsätzen die Minorität der Majorität fügen müsse, bemerkt Redner, daß dies nur geschehen könne, so lange die Ma- jorität sich in gesetzlichen Schranken bewegt, ungesetzlichen Bcstim- mungen aber brauche sich die Minorität nicht zu fugen. Nachdem auf Antrag deS Herrn Sasse beschlossen war, da« Protokoll über die Verhandlungen der VorortSversammlung der Redakiion des„GewerkoereinS- zur Veröffentlichung mit dem Er- sulben einzusenden, daS Manuskript sofort zurückzusenden, falls die Ausnahme verweigert werden sollte, wurde die Sitzung um 1'/« Uhr geschlossen. W. Tornemann, Vorsitzeuder. I. Rohrmann, Sekretär. Merli». Zur Rückgangsstatistik. Am 19. April fand Hierselbst aus dem„Gesundbrunnen" eine sehr gut besuchte Volks- Versammlung statt. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung: „Wer hat die gegenwärtige GeschästSkristS verschuldet und wer soll sie auSbaden?- reserirte Bernstein. Derselbe bewies, daß die Behauptung:„Die hohen Löhne haben die Knsis herbeigeführt-, eine Unwahrheit sei. Die Ausschreitungen Seilcus der Unter» nehmer(GründungSschwmdel K.) haben, unterstützt durch die heulige Produktionsweise, resp. Besitz- und ErwerbSverhältniffe, in den gesammten industriellen und commerziellen Kreisen eine Ver- derbniß herbeigeführt, von der schließlich alle Klassen der Bevöl- kerung, selbst einzelne Arbeiter, ergriffen worden seien. Die Sucht, ohne eigene Arbeit schnell reich zu werden, habe oft auch den kleinen Mann getrieben, seine wenigen Ersparniffe in spekulative Unternehmungen zu stecken, und dadurch habe dieser dem Schwin- del Vorschub geleistet. Fern liege eS ihm(Redner), die Herren Gründer weißbrennen zu wollen, aber dieselben hätten nie so viel Unheil anstiften können, wenn sie nicht durch die durch und durch korrumpirte Presse und die Gewinnsucht der besitzenden Klassen unterstützt worden wären. Einzelne für die KristS verantwortlich zu machen, fei thöricht, dieselbe sei eine nothwendig« Folge unserer kapitalistischen Produktionsweise(Großindustrie, Spekulatlon); aber ebenso thöricht, wie verwerflich sei eS, die ganze Wucht der Folge» auf die am wenigsten dafür verantwortlich zu machenden Arbeiter abzuwälzen, die ohnehin schwer von der Krifi« zu leiden hätte». DaS Bestreben sei aber in den maßgebenden Kreisen vorhanden; die bekannten Worte CamphausenS seien jetzt zu einem Feldgeschrei der Unternehmer geworden, und nicht nur materiell müsse der Arbeiter unter der heutigen Knsis leiden, dieselbe werde auch dazu benutzt, den Arbeiter rechtlos zu macheu; Beweis: die Versuche der Arbeitgeber, die Organisationen der Arbeiter aufzulösen. Da« gelinge aber nur da, wo die Arbeiter noch kein Klassenbewußt- sein hätten, wo dieses vorhanden sei und lebenskräftige Organi- satiouen ermöglicht habe, seien die Versuche der Kapitalisten frucht- loS geblieben. DaS Klassenbewußtsein und die Organisationen zu stärken, sei die Hauptaufgabe der Arbeiter, dann würden auch die einzigen Mittel zur Besserung der heutigen Verhältarsse: Umäove- rung der Heuligen kapitalistischen iu die sozialistische ProduktionS- weise und radikale Besserung der politischen Zustände durchgesetzt werde». Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung„Die Aussperrung der Weißgerber- reserirte Herr Weiß. Derselbe kritifirte da« aa- maßende Verhalten der Arbeitgeber, die Auflösung der Organi- satioa der Gehilfe» mit einem Schlage zu dekretirea. Ihre Ver» abredung, bei 500 Mark Slrase keinen der deshalb austretende» Gehilfen zu beschäftigen, widerspreche dem tz 113 der Gewerbe- ordnung, aber trotzdem dieser Paragraph schon oft gegen die Arbeiter angewendet worden sei, habe eine Denunziation der Meister bei Herrn Tessendorf keinen Erfolg gehabt; derselbe habe auf die Privatklage verwiesen. Ferner kritisirl Redner auch das Verhalten der Gehilsen. Dieselben haben bisher der Arbeiter- bewegung fern gestanden und eher zünftlerilchen Ansichten gehuldigt, dem mögen sie nun, durch die Erfahrung gewitzigt, entsagen und einsehen, daß die Interessen der Arbeiter solidarisch sind. Erst dann, wenn ihre Organisation vom Geiste der Arbeiterbewegung durchweht sei, werde sie ihren Zweck erfüllen, dann aber auch die feige Fahnenflucht, wie sie jetzt vorgekommen, unmöglich sei». „Organisirt Euch, leset die Ardeiterblatter!- mit diesen Worte» schloß der Redner sein mit großem Beifall aufg-nommcneS Re- ferat. An der sehr lebhaften Debatte betheilizten sich u. A. die Beeren Armborst, Gläser, Keitel, Jüngling, Engel, öncn, GroSmann und Gräbel. Des letztern Versuch, skr die Hirsch- Duucker'schen Organisationen Propaganda zu machen, verunglückte gänzlich. Zum Schluß ließen sich 25 Mann, meist Weißgerber, in den Wahlverein der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei ausnehmen, semer wurden acht„BolkSstaat«-Abonneuteu fiewonnen, und sagen wir dafür hiermit den Herren Ardeitgebern, owie dem Herausgeber der„Gerbcrzeitung", Herrn Günther, unseren besten Dank, ste haben den Arbeitern die Augen geöffnet. — ob. Wiesbaden, 5. Mai. Durch verschiedene kleinere oder größere Repiilienblätter geht die interessante Mähr von einer von S Per- fönen besuchten Volksversammlung am hiesige» Orte. Dem„Rhei- »ischen Courier- gebührt diesmal das Verdienst, dem deutschen Spießbürgerthum einen neuen Beweis vom»Rückgang der So- zialdemokratie- geliefert zu haben. Der Thalbestand ist jedoch folgender: Durch das KriegSgeheul der osficiösen Presse veranlaßt, beabsichtigten die hiesigen Genossen dem Publikum die Stellung der Sozialdemokratie in dieser Frage klar zu stellen und wurde zu die- fem Zweck zum SO. April eine Volksversammlung mit der Tage«- ordnung»Krieg oder Frieden und die Fälschung der öffentlichen Meinung i» Deutschland- einberufen. Doch der Mensch, oder vielmehr die Sozialdemokraten denken und die Polizei lenkt. Es wurde nämlich zuerst dem Einberufer bemerkt, daß wegen der Ge- fährlichkeit der Tagesordnung die Versammlung nicht genehmigt werden könnte. Nachdem aber dieser geltend machte, daß eS keiner Genehmigung, sondern nur einer Bescheinigung bedürfe, mußte man »höheren OrtS- doch in dieser Hinsicht nachgeben, verbot aber daS Anschlagen der Plakate. Daß nun eine Versammlung, und sei dieselbe noch so oft angezeigt, ohne öffentliche Bekanntmachung sich keine« lebhaften Besuches erfreuen kann, werden doch die»Liberalen-, die ja trotz des vorhergegangenen LärmenS oft das Vergnügen haben, vor leeren Tischen und Bänken zu tagen, uns zugeben müssen. Zur Beruhigung können wir aber die Versicherung ab- geben, daß, obwohl verschiedene Arbeiter umsonst nach de» Plakaten gesucbt, infolge dessen auch nicht erschienen waren, nicht S, sondern mindestens 30— SS Personen anwesend waren. Woher der»Rhei- msche Courier- die Nachricht von den 5 Mann hat, mag jeder Leser daran« errathen, baß die Anwesenden, mit Ausnahme der Polizei, au« Parteigenossen bestanden.— Nur wollen wir noch er- wähnen, daß auch die Volksversammlung, welche am 27. v. MtS. stattfinden sollte,»ach polizeilicher Bescheinigung und wiederholtem Verbot deS Plakatanschlag-n« von Seiten des Wirths durch Wider- ruf in den hiesigen Lokalblättern vereitelt wurde. Wir können nicht anders als bei uuserm Glauben verharren, die hiesige Polizei- behörde hat, nachdem sie eingesehen, daß alle ihre Machinationen an der Zähigkeit der Sozialdemokraten scheitern, sich aus die Be- eivflussung deS WirthS gelegt, und haben wir darin den besten Beweis,� daß dieser Versuch bereit« zu Ende vor. Ä. gemacht wurde. Ging doch vor kurzer Zeit der Herr Polizeidirekior in eigner Person zum Prinzipal unsers Genossen Ehrhardt und denuncirte denselben als eine höchst»gefährliche- Persönlichkeit, wa« zur Folge hatte, daß Letzterer sofort aus der Arbeit entlassen wurde. Wir können hier mit Recht singen:»Was macht die Polizei? Sie steht den ehrlichen Leuten der— die hohe Polizei.-— Die« als Ber- spiel, wie man die öffentliche Meinung macht. Wir aber geben den Scheercn- und Blaustist-Redakteuren die feste Versicherung, daß sich die Sozialdemokratie hier eines sehr guten Dasein« erfreut, und daß alle Zeitungslügen und Polizeimanöver dieselbe auch hier nicht aus der Welt schaffen. Apropos! Da fällt mir ein, daß die Polizei letzthin sehr wenig Zeit hatte, uns zu»überwachen-, indem sie vollauf zu Ihnn hatte, die Landeskinder unferS»gnädigen- LandeSvatcrS in respect- voller Entfernung von dessen höchsteigner Person zu halten. Hatte doch ein hiesige« Lokalblatt schon zu Kaisers Geburtstag auf dem Theaterzettel einen Pest- Prolog angekündigt! F. N. Arannschweig, 9. Mai. Gestern Abend fand unter dem Vorsitze von Bracke und Bürger eine starkbesuchte Arbeiterver sammlung statt, in welcher KokoSkh und Auer(Hamburg) über die Lage der Arbeiter und die Vereinigung der beiden Fractioncu referirten. E« wurde beschlossen, KokoSkh zum Congreß zu ent senden und wegen Delegation eineS zweiten Genossen in der nach- sten Arbeiterversammlung— Sonnabend, IS. Mai, Bestimmung »n treffen. Bekanntlich sind Parteiversammlungen bei«rn« ver boten; trotzdem werden wir unsere Schuldigkeit thun. Nresta», II. Mai. Zum Congreß. Die gestern hier stattgehabte»Sozialistenversammlung- beschloß, auf den Autrag ReinderS, ihren Delegirten Just und ReinderS den Austrag zu geben, gleich nach Eröffnung de» Congrcsse« den Antrag zu stellen, daß der Congreß auf zwei Tage aufgeschoben werde, damit zu nächst die Separatcongresse stattfinden könnten. Köln, 2. Mai. In der heute stattgefundenen Versammlung der hiesigen Sozialisten wurde der neue Organisationsentwurf be- sprechen. Mit§ 2, wonach dem Borstand da» Recht zusteht, einzelne Parteigenossen auszuschließen, konnte man fich von keiner Seite einverstanden erklären. E« könne diese« Anlaß zu den un- seligsten Reibereien geben. Wenn Jemand auSgefchlossen werde, so könne diese« nur von den Mitgliedern am Orte geschehen, dann müsse der Ausgeschlossene natürlich da« Recht haben, an de» Bor- stand und Ausschuß, resp. an den Parteicongreß zn appelliren. Zu § 8, betreffend die Wahl de« Vorstände« aus dem Parteicongreß, wurde bemerkt, daß e« demokratischer sei, wenn der Vorstand von den Mitgliedern de« VorortS gewählt werde, daß e« sich aber auch allenfalls rechtfertigen lasse, wenn die Wahl auf dem Parteicongreß vor fich ginge. Mit ß 10, worin e« heißt, daß die Wahl der Controlcommisflon ebenfall« auf dem Congrcsse stattfinden soll, konnte fich Niemand einverstanden erklären. E« müsse die Control- commisston unbedingt aus den Mitgliedern desjenigen Orte«, wo dieselbe ihren Sitz haben solle, hervorgehen, sonst werde der Eon- Sreß in der Lage fem, über Leute abzustimmen, die den meisten Megirten gar nicht bekannt sein könnten. Den§ 13, betreffend die Suspendirung der Controlcommission durch den Vorstand und Ausschuß, wünschte man beseitigt. Die einheitliche Organisation werde durch diese und noch andere Aenderungen in keiner Weise geschädigt. Zu§ 18, worin e« heißt: zur Gründong von lokalen Parteiblättern ist die Zustimmung de« Vorstande», der Control- commisston und de« Ausschüsse» uöthig, sprach man fich dahin au«, daß den Mitgliedern eine« Orte», welche gewillt seien, ein Partei- blatt zu gründen, die größte Vorsicht anzuempfehlen sei, auch könne e« nicht schade», wenn man die Parteibehörde zu Rathe zöge, aber die Zustimmung sämmtlicher Parteibehörden zur Gründung eine« Blatte« sei doch zu weit gegriffen. E« sei nicht möglich, daß die sämmtlichen Parteibehörden über die provinziellen und örtlichen Verhältnisse gehörig informirt sein könnten.— CS wurden bei dieser Debatte, von Rednern beider Fraktionen der UltramontaniS- mu« und die unzähligen Blätter und- Blättchen der Letzteren be- sonder« in Betracht gezogen.— Bedauert wurde, daß die Leipziger und Hamburger Sozialisten über ihre Diskussionen, betreffend den neuen Programm- und Organisationsentwurf, nicht« veröffentlicht hätten. Es würde dann viel mehr Fluß in die Diskusston aller Orte gekommen und die Aufgabe des Conzreffes bedeutend crleich- tert worden sein. Man betonte aber auch, daß aus einem Eon- gresse niemals den Wünschen der Einzelnen gewillfahrt werden könne und daß hoffentlich nichts mehr im Stande sein werde, die Einigung zu hindern. Winterthur. Einen drastischen Beleg zum»Rückgang der Sozialdemokrat�- hat soeben der schweizerische Grütli-Vcrein ge- liefert. In diesem Verein(ziemlich analog mit den national- dünkelhaften BildungSvereinen Deutschland«) war es schon vor längerer Zeit der sozialdemokratischen Minderheit gelungen, die Redaktion de« Verein«- Organ«„Grütlianer- einem gefinnungS- Keuen Manne, Herrn Nationalrath Bleuler in Winterthur, zuzu- wenden. Selbstverständlich boten nun die reaktionären Elemente Alle« auf, die Redaktion zu besudeln, um de» ftüheren Einfluß wieder zu gewinnen, in welchem Bestreben ste von der schweizeri- schen national-respektabeln Presse kräftigst unterstützt wurden. Alle Machinationen scheiterten aber an dem gesunden Sinne der zu Herrn Bleuler stehenden Grütlianer. Vor Kurzem nun brachte Herr Bleuler einen Programm- Entwurf für das Verhalten des Grütli- Vereins gegenüber der sozialen Frage, bei welcher Gelegen- heit er auch ein freundschaftliches Zusammenwirken mit dem schweizerischen Arbeiterbund empfahl. Mit gewohnter Rabulisterei schnitt da« Berner Centralcomitö aber einen Antrag aus Anschluß de« Grütli- Verein» an den schweizerischen Arbeiterbund au« oben erwähnten Gründen ab.(Aus Gründen, die hier zu erörtern nicht der Platz ist, hatte der Gesammt-Grütli-Verein einen defi- nitiven Beitritt zum Bund schon früher abgelehnt.) Der Winterthur« Redaktion de« Organ« war das zu viel. In einem ge- harnischten Artikel legte Bleuler seine Ansicht dar Über da« In- triguenspiel de« Centralcomiiö, zugleich seinen Abscheu kundgebend und den(früheren) Centralprästdcnt A. Lang(der aber jetzt noch die Seele deS Centralcomitös ist) de« VolkSbetrugS anklagend. Als Antwort auf diese Anklage brach das Centralcomüö jeden Berkehr mit der Redaktion ab, ließ eigne Cirkulare drucken und leitete eine Urabstimmung auf Abberufung der Redaktion ein. Die Sektion Zürich sammelte die Opposition und beantragte die Sistirung des Centralcomilös. Daß eS hüben und drüben nicht an gepfefferte» Auslassungen fehlte, läßt sich denken, doch muß man der Partei der Redaktion das Zeugniß ausstellen, daß sie mit Ruhe und Würde vorging. Da« Resultat der Abstimmung waren 23S3 für die Redaktion, 2247 für daS Berner Central- eomitö, welch' letzteres, als eS den Sieg der Redaktion voraussah, in seinem letzten Cirkular den Rücktritt erklärte. Bedenkt man, daß ein Mitglied dieses Centralcomitö« noch auf einer im vorigen Jahre zu Zürich abgehaltenen Kreisversammlung erklären konnte: »DaS Centralcomilö habe alle kleineren Sektionen in der Hand-, so darf man den Sozialisten im Grütli-Verein zu ihrem Sieg nur Glück wünschen. Die Bewegung lebt, daS mögen sich unsre Bourgeois-Zeitungsschreiber hinter ihre langen Ohren schreiben. Mit sozialdemokratischem Gruß C. Schröder. GenossenschastSbuchdruckerci. Antheilscheine kez. Antheilquiitungen erhielten ferner: In Leipzig H. 90.00. Augsburg Blosfeld. der hiefizeu Mitglieder. Berlin „Sozialdemokratische Arbeiterpartei." den 15. Mai, bei Bierbrauer Linder, Versammlung __ L. Tauscher.[40] Allgem. Kranken- und Sterdekasse der Tigarrenarbeiter. Dienstag, den 18. Mai, Vorm. pr. 10 U»r Außerordentliche General- Versammlung im„deutschen Kaiser", Lothrtngerstr. 37.— T.-O: Antrag vom Ber- waltiwgSrath de« deutschen Tab.-Ärb.- Berein« einen Kartelloertrag mit der Tentral«, Kranken- und Sterbekaffe zu schließen. Im Interesse der Kasse ist e« dringend notbwendig, daß sämmtliche Mitglieder am Platze find. Der Borstand August Mpte«.[80] Gewerkschaft der Holzarbeiter. -Ol.«.»«»» Sonnabend, den 22. Olai, Abeuo« halb 9 Uhr, Andreasstraße 26, bei Sittel Außerordentliche Generalversammlnsg. Die Mitglieder werden ersucht, sämmtlich am Platze zu s«in, da wich- tige Angelegenheiten zu berathen find.(70) Apvlin Ä m sog. 2. P ssngstfeiertag: ■CJt-lllU Fußpartie nach Schlachteusee. Abmarsch Morgen« 8 Uhr von den Gratweil'jchen Bierhallen. Für Die» jenigen, wilche Nachmittag» mit der Wannenseebahn folgen wollen, die Nachricht, daß wir in der neuen Fischerhütte zu tressen sind.— Bei schlechtem Wetter findet der Ausflug nicht statt. Heinisch, Adfam, Grimpe.(175) All die BolkSstaatrLeser Berlins! Unterzeichnete laden hiermit die Bolksstaat-Leser Berlin«, sowie ihre Gesinnungsgenossen zu der am Dienstag, den 18. Mai, Abends 8 Uhr, (Dritter Feiertag) im großen Saale de» HandwerkerverciuS, Sophienstraße IS stattfindenden Allgemeiuen Versammlung ein und bitten um zahlreichen Besuch. Tagesordnung: Der Smigrnig«- Songreß der deutschen Sozialdemokratie. Deleg rten-Wahl. Bei der großen Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir eine allgemeine Betheiligung. Adam. Alt. Baumann. Bong. Bernstein. Dewitz. Fischer. Grimpe. Gcrstcnbcrg. Gintzel. Heinsch. Havcnith. Heiland. Henke, fiöaett. Keitel. Körner. Könnete. Lemke. Mitau. Milke. Müller. Neuiran,. Poliefka. Richter. Stenzlcit. Stalten. Schwoidte. Schramm. (2a) Schuster._ Bogel. Windthorst. Weiß. Wagner.(2l0j Montag, den 17. d. M., Morgen« 11 Uhr findet im Lokal de« Herrn Taspar Dresen auf An die Vorstände der deutschen Gewerkschaften sowie der lokalen Fachvereine. Die Unterzeichneten fordern die Vorstände zur Theilnahme zu der am 23. Mai in Gotha stattfindenden Gewerkschafts Conferenz auf. Die Conferenz tagt im Kaltwafser'schen Lokal und be ginnt am 28. Mai Vormittags 9 Uhr. Die Delegirten müssen jedoch schon am 27. Mai Abends in Gotha eintreffen, woselbst ste von den dortigen Parteigenossen— erkenntlich an rothcn Schleifen— empfangen«erden. Die Conferenz hat den Zweck, für die deutsche Gewerkschafts- Bewegung allgemeine OrganisationS- und CentralisationSsatzungen — unter möglichster Berücksichtigung der augenblicklich für viele Gewerkschaften geltenden— aufzustellen, durch welche eine Einigung der einer Berussklasse angehörenden, aber augenblicklich in zwei Organisationen getheilten Arbeiter ermöglicht werden kann. Auch soll die Conferenz sich mit der Ausarbeitung einer Eon- greß-Vorlage beschäftigen, durch welche eine Centralverbindung sämmtlicher Gewerkschaften— ohne daß eine derselben in ihrem selbständigen Handeln geschädigt werden könnte— hergestellt werden kann, und soll die Zeit festsetzen, in welcher dieser Congreß stattfinden soll. ES ist nothwendig, daß jeder Delegirte die Statuten der Or- ganisation, welcher er angehört, mit zum Congreß bringt. Alle» weitere, wa» besprochen werden soll, beschließt die Conferenz, und steht c« jedem Delegirten frei, beliebige Anträge zu stellen. Jeder Vorstand einer centralisirten Gewerkschaft oder eine« Fachvereins kann zn dieser Conferenz so viel Delegirte schicken wie er will, doch müssen diese Delegirten bis spätesten« den 25. Mai Herrn W. Bock in Gotha, wohnhast FritzelSgasse 27, gemeldet sein, damit für Quartier gesorgt werden kann. Mögen die geehrten Vorstände genannter Verbindungen den guten Zweck dieser Conferenz wohl erkennen und recht zahlreich ans derselben vertreten sein. Mit sozialdemokratischem Gruß Otto Kapell, Berlin. H. Rieke, Braunschweiz. H. Groß, Hamburg. vriefkafte» der Redaktion. K. in W.: Wie un« mitgetheilt ward, starb Feld- webel Sröning in Königsberg in der Neumarck, und gehört dem 35. Regiment an.— Q a t t t u n g ». E. Brth Main» Ab. 2.70. Sddrh« Schleiden Schr. 4.00. Rdlph Hannover Ann. 3.00. Mlchr Barel Schr. 3.00. Mllr Mannheim Ab. 25.92-, Schr. 10.69. F. A. Srg Hobocken Ab. 400.00. Grdmn» Sroßenbam Schr. 2.70. Arbeiterverein Thonberg Ann. 1.20. Arbeiter- verein Connewitz 0.60. A. Lbg Cöln Schr. 0.25. Ssngrtn hier Ab. 9.00. Rchrd Gelsenkirchen Ann. 0.70. I. Mllr hier Schr. 0.45. A. Lbmn Chemnitz Schr. 1.00. A. Nmnn Nowawe« Aun. 0,50. A. Krtschm Berlin 1.50. Hrkltz Bonn Ab. 0.60. Schbrt Herrmanstadt Ab. 1.75. Wahlcomttö hier Ann. 1.80. Rgg hier Ab. 1.20. Tbr Connewitz Ab. 4.05. Zpk Breslau Ab. 36.00. Sick Sattler hier Ann. 0.30, Ab. 1.30. Rchl Troppas Schr. 6.01. A. Mi» Berlin Ann. 1.00. Zum Wahlfond. Liste Nr. 4 Müller 8.50, Nr. 17 Frdthl 9.00. T. Briesemann Forste v. dort. Parteigenossen 4 35. Frdthl 7.00. Fnk 3.00. Liste 34. Rndz 9.25. Liste 12 Ltbtsch 11.70. Lifte 21 Rudolf 2.25. Arbeitern d. Ti- aortuS'scheu Cigarrenfab. hier 2.30; Bersamml. im Tunnel Howl Palogue 29.50; Bersamml. Tivoli 133.25; Bersamml. Bellevue 39.34. Autmrüh Stoez-Geck 12.00. Liste 27 Scheps 3.10. Liste 25 Wurzel 2.20. Wahl- tagversamml. Belle»»« 12.00. Gelsenkirchen dem Viehagen eine Partei-Versammlung statt.— T.-O: Wahl eme« Delegirten zum Congreß.— Alle Parteigenossen beider Fraktionen von Gelsenkirchen, Steele, Bochum und Witten werden eingeladen._(70) fttelflflä Arbeiterverein. 1. Pfingstfeiertag Spaziergang nach Böhlitz-Chrenberg (mit Musik). Sammelplatz bei Jähnig(Garküche), Eisenbahnstraße. Abmarsch pünktlich früh>/-£) Uhr.— Parteigenossen willkommen. Freitag, den 14. d. M., Abeod» 8 Uhr wichtige Besprechung bei Kuntzsch. Die Mitglieder wollen sich hierzu möglichst vollzählig einfinden� Hamburg Ge Woffm�gHebcr. Versammlung beider Fraktionen in Ttdge« Saal Balenlinstamp.— T.-O: Die Besprechung über ein Lokal-Blatt.— Karten sind vorzuzeigen. _ 3. H. Peter.[fOs AitttttrtHor Sozialdemokratischer Wahlverein. Den 1. Feiertag, bct Herrn Narten: Großes Pfingstsest. — Aiefang: Concert 4 Uhr, Ball 8 Uhr. Concert 30 Pf.— Da« ganze Fest 1 Mark. Karten find zu haben in WahlvereinS-Bersammlungeu, bei Sastwirth Mathe«, Neuestr. 45, bei Gastwirth Boge und Rudolph Mittelstr. 11, bei Glebe, Fortuna(Linden). (Sb) Für da« Comitee: H. Rudolph.(250) Waldparthie nach d. Schneckenftein am 2. Feiertag. IvlHgUttklll Abfahrt Bahnhof Langenfeld früh 9 Uhr._ Durch un« ist zu beziehen: Berthold Auerbach, Tagebuch aus Wien, (September— November 1843). 227 Seiten. 1849. Ladenprei» 3 Rmk. jetzt 1 Rmk. Die Expedition des„Bolksstaat". OotHtirt Die Inhaber von Sammellisten zum Reich»tag«-Wahl- fond werden ersucht, bi» 15. d.M. dieselben sammt den gezeichneten Beträgen an un« gelange»;» lassen. Da« sozial- Demokr. Wahlkomitö _ I.«. W. Fink, Zettzerstr. 44.[50}! Soz.-dem. Wahlkomitö. Mittwoch, den 19. Mai, Abend» 3 Uhr, Sitzung im Lokale de« Arbetter.Bild..Btrei»«.— T. O: Abrechnung verschiedene». __ W. Fink, Bors.(40} Dienstag, den 18. Mai, Morgen« 10 Uhr: Schneidergehülfen- Versammlung im Saale de»»rdeiter- Bildung»- Berein«. Tage»ordnung: Der Strike in Bremm. Die College« werden ersucht, fich der wtchtigm Tagesordnung halber zahlreich einzufinden.____(70., Onnltim Arbeiterbild ungsverrill. fc-IIUUilll Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoztattou.. 19, l-ittls V7iaümlII-8trset, Golder» Square, W. Gewöhnliche Berein«sttzung jeden Samstag, mqlischer Sprachunterricht jeden Mittwoch und Borträge an Sonntagen abwechselnd mit geselligm Abenden._(m)_[60} AtNslhöNestld Freitag. be�U�MaiMm Bergschlößchei, Abend« 8 Uhr.— T.-O: Bortrag, ver«ta«angelegeahtiten.— Cr- scheuun jede« Mitgliedes ist dringen nothwendig. Der Vorstand.(50 Soeben erschien in 2. Auslage Die industrielle Arbeiterfrage und die Forderung eine« Neuen Arbeitsrechts. Bortrag, gehalten auf der Volksversammlung de« Congresse« der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Coburg am 19. Juli 1874 von Th. Uorck. _ Preis 26 Pf. pro Exemplar._ Berantwortlichcr Redakteur: H. Rindt. Redaktion Hohestroße 4, Expedition Zettzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Berlag der SmossenschaftSbuchdruckeret sin Leipzig.