Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhandlungen deSJn-u.AMandes. Filinl- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, vor 101 HoboKen, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coatea Str. Philadelphia. Abonncmeiitspreis für ganz Deutschland 1 M. 60 Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postansialten auf den Ltcn u. 3ten Monat und auf de» 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzglh. Sachs.-Altenburg auch auf den Iteu Monat des Quartals i 54m Organ der Sozialistischen Arveiterpartei Deutschlands. Z»strote, die Nkhalkws Partei-, Perein», und«otllversammlÄngen, sowie die Filial. Tzpedittonen imd sonstige Partei. Angelegenheiten betreffend, werden mit 10 Pf.,— Privat- anb Bergnüguna». Anzeigen mit 25 Pf. die breigespaltene Pettt-Zeil« berechnet. Nr. 66. Sonntag, 13. Juni. 1875. Die EiAuahmequeken der„Beste»" im Staate. (Schluß.) Wie der Drang nach Bereicherung, von dem die Kapitalisten� weit besessen ist, sogar die sehr naheliegende, nothdtirftigfie Vor ficht bei der Abwägung der Profitchancen überwuchert— wie be- reitwillig die Kapitalbesitzer, iu«besondere die kleineren und mittleren natürlich, die geistreiche Rolle der blinden Henne übernehmen, die ganz ins Blaue hinein nach Körnern pickt, beweist da« Schicksal, welche« gewisse Eisenbahnpapiere in Deutschland erlebt haben und da« jedem mit dem uöthigen Geschick in die Sccne gesandten In dustriepapiere noch heute zu Theil werden kann. I. Minoprio macht in einem Artikel:„Die Coursbewegungen der Börseneffekten", im 1. Jahrgang de« Meyer'schen Jahrbuch«, S. 634, mit Bezug darauf einige für un« recht interessante Be merkungen. „Die Prioritätsobligationen der österreichischen Bahnen" schreibt er,„beginnen da« Jahr 1372 mit einem CourSgewiun von 6—10 Prozent gegen Anfang 1871, so daß die gesuchtesten Gattungen sich bi« auf 10 Prozent dem Paricourse genähert haben. Russische Bahnpapiere weisen einen noch höheren Cour«ge«inn nnd höheren Stand auf al« österreichische. Al« Grund hierfür muß die sprüchwörtliche Unerschöpflichkeit der HülfSguellen Rußland« herhalten. Von Nachrichten über den Fortschritt de« Baue« der russischen Bahnen oder von Mittheilungen über die Resultate der Einnahmen ersährt da« Publikum so gut wie nicht«." Das brave deutsche Publikum hat sich also im Anfang de« Jahre« 1372 sehr eifrig um die finanzielle Betheiligung an ruf- fischen Eisenbahnunternehmungen beworben, ohne auch nur im entferntesten etwa« von der Lage dieser Unternehmungen zu wissen. Nicht einmal, ob der Bau der betreffenden russischen Bahnen fort- schreite oder nicht, hielt man für nöthig, den dummen deutschen Micheln, deren Geld man brauchte, mitzutheileu— man wußte ja au« langjähriger Erfahrung, daß die Simpel vom Geldsack in die auf Börsen und in Bankhäusern aufgestellten Mausefallen so sicher hineintappcn, wie die Fliegen an der Leimruthe hängen bleiben. Man braucht nur in ein paar vielgelesenen Zeitungen eine der unzähligen Variationen de« beliebten Thema«: Hier ist ohne Mühe viel Geld zu gewinnen! ohne sich nur im geringsten mit dem Bewei« der Wahrheit Mühe zu geben, loszulassen und man kann de« Erfolge« gewiß sein.„Schlimme Erfahrungen", erzählt Minoprio,„hat auch da« Jahr 1871 auf dem Gebiete der amerikanischen Eisenbahnpapiere gebracht. Die feiner Zeit mit Hülfe zahlreicher Reklamen abgesetzten Bond« der Rock- sordbahn wurden nothleidend, indem der Augustcoupou nicht be- iahlt werden konnte. Die bei der Unterbringung dieser Bond« be- theiligten Häuser trifft jedenfalls die Schuld, nicht in gehöriger Weise sich überzeugt zu haben, daß die eingegangenen Gelder auch wirklich gewissenhaft auf den Bau der Bahn verwendet wurden. Dadurch ist die Lage herbeigeführt, daß für verhältnißmäßig viel Geld eine nur sehr unvollkommen ausgebaute und ausgerüstete Bahn hergestellt ist. Wie bald die Bahn im Stande fein wird, die Zinsen ihrer Schuld abzuwerfen, läßt sich nicht voraussagen." Die weltbekannte Geschichte der rumänischen Eisenbahnobliga- iionen, mit denen der Gaunergeneral de« deutscheu Kapitalismus, Dr. Strausberg, die deutscheu Geldmärkte angeschwindelt hat, brauchen wir nur zu erwähnen, um alle ihre skandalösen Einzel- heilen in Jedermann« Gedächtniß zurückzurufen. Auch sie bestätigt, wa« wir durch die Mittheilungen Minoprio'« charakteristren Sollten: den grenzenlosen Leichtsinn, die an Blödsinn streifende Gedankenlosigkeit der Kapitalisteuwelt bei der Anlage ihrer Ka- hitalien. Den Kapitalisten leitet im allgemeinen niemal« die etwa volk«- virthschaftlich zu prämiirende Abficht, zum Besten der VoltSgesammt- heit die Produktivität der Arbeit zu steigern, neue Produktion«- gebiete zu eröffnen) er kennt und folgt nur der ganz blinden Sucht, noch reicher zu werden und arbeitslos al« Rentner zu leben, u»d für diese eine« civilifirteu Menschenthum« ganz unwürdige Sucht verdient er viel eher in eine Besserungsanstalt gesteckt zu Nierdeu, als eine silberne oder goldene Risiko- oder sonstige Prämie in erhalten. � � Mit den Privateisenbahninstituten ist da« Kapital denemgen industriellen und kommerziellen Unternehmungen, bei denen von °i»er Theilnahme der Kapitalisten an der produktiven Thätigkeit gesprochen werden kann, und bei denen das ökonomisch Wlder- sinnige de« Kapitalprofits mit Händen zu greifen ist, noch lange nicht erschöpft— schlagen doch die Aktienunternehmungen aller in dasselbe Fach! „ E« stehen demBerfasser augenblicklich leider keine genaueren statrstffchen Angaben neuesten Datum« über den Stand der deutschen Äitien- g�sellsch asten im allgemeinen und besonderen zu Gebote; jedoch genügt da», wa« ihm an statistischem Material zur Hand ist. um barau« einige für den Zweck vorliegender Arbeit wesentliche Schlüsse in ziehen. Nach der erwähnten sechsten Auflage de» Kolb'schen Handbuch« iS. 83) repräsentirten Ende 1366 die in Preußen bestehenden Aktiengesellschasten ein Kapital von 1,561,776.250 Thaler. Von bir statistischen Uebersicht der anderen deutschen Staaten erwähnt "ur die da« Königreich Sachsen angehende den Bestand der Attlen- gescllschastxn, und zwar den um da« Jahr 1865 mit 75 Gesell- ichafteu und einem Stammkapitale von 73,063.692 Thaler. .. Da« Maver'sche Jahrbuch giebt. mit der Vemerkung. daß-« der großen Schwierigkeit, da« nöthige Material zu beschaffen, Vollständigkeit keinen Anspruch mache, da< Kapital der im Jahre 1371 in Deutschland neu gegründeten Aktiengesellschaften auf 466 Millionen 91,177 Thaler an. Nehmen wir nun an, daß da« gesammte Kapital aller im Jahre 1371 in Deutschland bestehenden Aktiengesellschaften nur um die zuletzt angegebene Summe größer sei, al« die Summe de« Aktienkapitals in Preußen und Sachsen um das Jahr 1866— eine Annahme, die hinter der Wirklichkeit zweifellos weit, sehr weit zurückbleibt—, so erhalten wir für da« ganze deutsche Aktien. kapital die Summe von 2,100,931,119 oder rund 2101 Millionen Thaler. Schlagen wir zu dieser Summe noch da« von demselben Meyer'schen Iahrbuche aus ca. 196 Millionen angegebene einge- zahlte Stammkapital der deutschen Banken(Kapital-, Noten- und Hypothekenbanken) und die 875 Millionen Aktienkapital der deutschen Privatbahnen, so ergiebt sich inSgesammt eine Summe von 3,172 Millionen Thaler, welche die für den deutschen Arbeiter stand ungemein angenehme Ausgabe erfüllen, einen sehr beträcht lichen Theil de« deutschen ProduktionSgebiete« sowohl al« de« Waarenmarkte« und der großen VerkehrSinstitute mit einer die nicht besitzende Volksmajorität ungemein drückenden Steuer zu belasten. Schätzen wir da« Resultat dieser Besteuerung auf durchschnitt lich 6 Prozent der angegebenen Kapitaliensumme, wa« wieder zu niedrig gegriffen fein möchte(die Kapital- und Notenbanken haben unter anderen 1871 durchschnittlich 9 Prozent Dividende gezahlt), so finden wir, daß die Steuer, welche 1371 ohne jede ökonomische Berechtigung von Seiten absolut keine nützliche Thätig- keit entfaltender Kapitalisten erzwungen worden ist, 190 Millionen Thaler betragen hat. Neben dieser ungeheuren Menge Geldes, mit der das deutsche Volk eine Heerde ganz nutzloser Individuen unterhält, nehmen sich die 90 Millionen Thaler, welche ihm(in der Finanzperiode von 1871—75) jährlich der doch immerhin unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen viel weniger überflüssige Luxus des stehenden Heeres kostet, ziemlich bescheiden aus. Freilich wird mancher Liberale auch den bisherigen Ausfüh- rungen dieser Arbeit gegenüber die totale Nutzlosigkeit des kapita- listischen SchmarotzerthumS nicht zugestehen wollen und ihr die legte Ausflucht bedrängter Kapitalistenseelen entgegenstellen, näm- lich den Hinweis darauf, daß die Kapitaleigenthümer ihr Geld nun doch einmal besitzen und für die Hergäbe desselben zu pro- duktiven Zwecken eben verlangen können, was sie wollen und be- kommen können. Und mit diesem Einwände wären unsere Gegner in der That glücklich da angekommen, wo sie Recht behalten müssen. In der modernen Gesellschaft ist es nun einmal nicht anders: Eine ge- ringe Anzahl von Leuten sind in den fast ausschließlichen Besitz des für die heutigen Wirthschaftszustände wichtigsten Produktions- mittels gelangt; die arbeitende Klasse kann dieses Produktions- mittels durchaus nicht entbehren— darum muß sie sich mit den Besitzern desselben nothgedrungen ins Einvernehmen setzen; diese benutzen ihre überlegene wirthschaftliche Position nach Kräften, octroyiren der Produktion und dem Handel ihren allein durch die schonungsloseste Eigensucht geleiteten Willen als Gesetz— spicken sich ihre Taschen, genießen das Leben in vollen Zügen, und häufen Zins aus Zins und Kapital auf Kapital! Und zwar von Rechts wegen!! Gegen diese aller Humauitätsphraseu entbehrende, faseruackte Ausfassung der kcsszitalistischen Produktionsverhältnisse wird kein Sozialist etwas einzuwenden haben; nur können wir uns einiger Glossen zu dem„von Rechts wegen" nicht entschlagen. In der Einleitung dieser Arbeit warfen wir die Behauptung hin, der Erwerb der ökonomisch glücklich jituirten Minderheit geschehe mit demselben„Rechte", mit dem die sehr edlen Altvordern unserer ältest-n und„besten" Adelsgeschlechter die Krämer auf der Landstraße einer Besteuerung unterzogen. Sehen wir nun zu, ob der Vergleich zutrifft!� Die Herren Raubritter selbst waren die glücklichen Besitzer eines Haufens von Reisigen, guter Waffen, trefflicher Eisenpanzer und fester, zum Theil für die Waffen deS Mittelalters uneinnehmbarer Schlösser— letztere befanden sich in der Regel uicht weit von einer haudelSbelebten Landstraße oder gar in einem Erdwiukel, den die Wellen eines schlffbesäten großen Strome« bespülten. Auf der Landstraße und dem Strom trieb das güt-rführeude Handels- volk, welches keine auf den großen und kleinen Krieg dressirte Knappen, meist mangelhafte Waffen, keine Eisenpanzer und statt der uneinnehmbaren Burgen sehr einnehmbare Planwagen besaß, hin uud wieder. Die geehrten Raubritter waren somit auf Strom und Landstraße dem„Krämerpack" offenbar überlegen, sie be trachteten darum auch ftagliche Verkehrswege als ihr spezielle« Eigen- thum. Die Handelsleute kannten die Sachlage meisten« ziemlich genau, aber wa« half's! sie tonnten der Landstraße und de« Strome« zu ihrem Lebensunterhalt nicht entrathen, sie mußten wohl oder übel versuchen, de« bidcrben Köckeritzen und Itzeuplitzen vorbeizu- wischen oder mit ihnen ein leidliche« Abkommen einzugehen. War Junker Köckeritz nicht bei Laune oder hatte er einen unüberwind- lichen Haß gegen daS„Pack", so schlug er e« todt, wo er e« traf, und trat der in'« Ienseit« Beförderten gesammte fahrende Erb- schaft an; war er gut aufgelegt oder überhaupt ein leutseliger Herr, so nahm er Juden und Juvengenossen nur einen Tribut ab für die gnädige Erlaubniß,„seine" Landstraße oder„feinen" Strom zu benützen, und ließ die also„Besteuerten" friedlich ihre« Weges ziehen bis zum nächsten Strauchdiebe oder, um modern und höflich zu reden: zum nächsten„Herrn Kameraden." Wir könnten noch eine große Anzahl geschichtlicher Analogien aufführen, insbesondere würde ein Vergleich der ungerechten Grund- läge des kapitalistischen Produktionssystems mit der de« Feudali«. mu« und der Leibeigenschaft, die wesentliche Gleichheit Beider, d. h. die gleichartige, ausschließlich eigennützige ökonomische und politische Ausbeutung einer materiell günstigen Situation von Seiten der Begünstigten unter dem Schirme des zeitlichen Recht« darlegen. Jedoch genügt der Fingerzeig auf da« Raubritterthum vollkommen zur Charakteristik der moralischen Qualität kapitalisti- schen Erwerbe«. Zwar würde heute auch der unbarmherzigste Kapitalist mit dem Pharisäerstolz anerkannter„Reellität" auf den manierlichsten Raubritter herabsehen, uud dennoch mögen wenig adelige Buschklepper so viel zu Grunde gerichtete oder in tiefem Elend jammcrvoll verkümmerte Menschenseelcn auf dem Gewissen haben, al« jeder über ein paar Millionen Thaler gebietende Fabrikant. Gegenwärtig erscheint den meisten Menschen die kapitalistische Existenz moralisch völlig unangreifbar und materiell vor jedem anderen erstrebenSwerth; in einigen Jahrhunderten wird der Kapi- taliSmu« sicher demselben Schicksal wie der Feudalismus verfallen sein und verdientermaßen nicht mehr Achtung genießen al« da« Raubritterthum! Politische Uebersicht. — Da« Gefängnißwefeu in Preußen. Die„vosstsche Zeitung"(vom 6. d.) schreibt: „Die seit dem Jahre 1351 bestehende Anordnung, daß die zur Gefängnißstrafe verurtheilteu Personen bei Verbüßung dieser Strafe nur in dem Falle, wenn e« in der Gefangenenanstalt a» der Gelegenheit zu einer ihren Fähigkeiten und Verhältnissen an- gemessenen Beschäftigung fehlt, und wenn sie zugleich im Stande lud, ihre VerpflegungSkosten selbst zu tragen, mit Arbeiten ver» 'chont werden sollen, hat, wie genugsam bekannt, neuerding« mehr- äch zur Beschwerde Anlaß gegeben, indem Gefangeue, denen die selbstverpsiegung versagt wurde, lediglich au« diesem Grunde zu den in der Gesängnißanstalt eingeführten gröberen Arbeiten au- ehalten worden find. Da ein derartige« Verfahren mit de« j 16 de« Strafgesetzbuches, welcher die Heranziehung der Ge» fängniß-Sträflinge zu zwangsweiser Arbeit allein davon abhängig macht, daß dieselben auf eine ihren Fähigkeiten und Verhältnissen angemessene Weise beschäftigt werden können, in Widerspruch steht, so hat der Minister de« Innern, wie wir au« der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" mit Befriedigung ersehen, jetzt in einer au die Provinzial-Regierungen gerichteten Verfügung, unter Aufhebung der oben erwähnten Anordnung vom Jahre 1851, sowie der ent» sprechenden Vorschriften in den Reglement« der Arresthäuser und Centralgefängnisse, angeordnet, daß fernerhin lediglich nach der Vorschrift in tz 16 de« Strafgesetzbuch» zu verfahren ist. Die zur Gefängnißstrafe verurtheilteu Personen dürfen mithin nur zu solchen Arbeiten angehalten werden, welche ihren Fähigkeiten und Verhältnissen angemessen sind, und ihre Freilassung von der Ar- beit ist nicht davon abhängig zu machen, daß sie zur Selbstoer- pflegung verstattet werden oder in der Lage sind, die Kosten ihrer Verpflegung zu tragen. Die Bestimmung darüber, ob die Selbst. Verpflegung zu verstatten oder zu versagen sei, bleibt dem di«- cretionärcn Ermessen der Proviuzial- Regierungen, bezw. de« königlichen Polizei-Präsidium zu Berlin überlassen, doch soll auch fernerhin al« Regel gelten, daß die Selbstverpflegung Personen, welche wegen EigenthumSverlctzuug oder wegen Bergehen verurtheilt sind, die einen hohen Grad von Rohheit bekunden, nicht gewährt werden darf." So die„Vossische Zeitung", welche da« ministerielle Reskript etwa« sanguinisch aufzufassen scheint. Ehe der Wortlaut desselben vorliegt, können wir kein Urthcil abgeben. Jedenfalls klingt der Ausdruck„ diScrctionäre« Ermessen" sehr verdächtig. Und so viel steht fest: DaS bisherige Verfahren der preußischen Regierung ia dieser Angelegenheit spricht entschieden gegen die Absicht einer humanen Reform deS Gefängnißwesen«. Die von Windthorst angekündigte Interpellation wird wohl die Wahrheit zu Tag för- dein...WMU M" »■-- ji«"!■_■: — Soldatenleben. Man schreibt aus München:„Ein wirllich seltene« Beispiel von empörender Rohheit und Ge- meinheit gab der Unteroffizier Heinrich Neumaier vom 2ten Jnfanterie-Regiment, der sich wieder einmal de« Mißbrauch« der Dienstgewalt durch Soldatenmißhandluug schuldig gemacht hat. Nicht allein, daß er beim Exerziren die Ungeschickten in« Ange- ficht schlug, daß ihnen Nase und Mund blutete, nicht nur, daß er einem Soldaten mit dem Gewehrkolben so auf die Fußspitzen stieß, daß dieser mehrere Tage nicht austrete» konnte und daß dem Mißhandelten unwohl wurde, er befahl auch den- jenigen seinem Commando unterstellten Soldaten, welche ihre Sache besser machten, die Ungeschickten auzuspeien und zwar unter Bedrohungen aller Art. Der Staatsanwalt bemerkte, daß ihm ein solcher Grad von Gemeinheit noch nicht vorgekommen sei und beantragte ein Jahr G-fängniß, obgleich Neumaier gut be- leumunvet ist. Der Gerichthof verurtheilte den Angeklagten nur zu vier Monat G-fängniß und Degradirung zum Gemeinen. An- gesicht« der so häufig vorkommenden Mißhandlungen von junge» Leuten, die zu den Fahnen einberufen sind, kann ein solche« Ur- theil unmöglich al« zu strenge angesehen werden."—„Nicht als z» streng?" Rein, al« geradezu skandalös mild! Die Herren Richter werden sich aber gesagt haben, daß die Moltte'sche Bildung«- a n st a l t derlei Culturblüthen und-Früchte mit sich bringt, und daß man, da die Molike'sche Bildungsanstalt nun einmal vor-- vehmste Reichsinstitutioa ist, besagte Culturblitthen und-Fcitchte auch in den Kauf nehmen muß. — Brifstieberei. Die„Mayener BolkSzeitung" enthält nach stehende Notiz:„Am 31. Mai traf der erste Brief unseres frühere« Redakteurs, des Herrn Beinroth, aus dem Auslände hier ein. Der Empfänger bemerkte sofort an der Querseite eine Oeff nung. Dadurch aufmerksam gemacht, untersuchte er näher und kam mit Andern zu der Ueberzeugung, daß das Couvert oder der Umschlag am Rande fei» aufgeschnitten und dann sorgfältig wieder zugeklebt werden war. Weil ein derartiges unbefugtes Oeffnen der Briefe bei uns zu Lande ganz gewiß nicht vorkommt, so ist besagt- Manipulation ohne Zweifel im Auslände vorge- nommen worden." Tout comme chez nous— Gerade wie eS uns geschehen! Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir auf diese Manipulation im Blatt aufmerksam gemacht haben, veilänfig wurde daS frei- sprechende Urtheil in unserem Prozeß mit Herrn Stephau ganz wesentlich durch ein von u»S dem Gericht vorgelegtes Briefcouvert bewirkt, daS in oben beschriebener Weise traktirt war.— Die Schlug« bemerkung der„Mayener Zeitung", daß die Briefstieberei„ohne Zweifel im Auslände vorgenommen worden" fei, ist natürlich nur ein Scherz, den Hr. Stephan wohl kaum mißverstehen wird. Da wir gerade bei diesem säubern Thema sind, sei noch erwähnt, daß die im preußischen Abgeordnetenhaus zur Sprache gebrachte Erbrechung eines recommandirten Briefes des Herrn Schorlemer-Alst sich nach den„eingehenden Untersuchungen der Postbehörden" als ein reiner Zufall herausgestellt hat. Das wußten wir von vornherein. Auch die an den Seiten aufgeschnittenen CouvertS sind vom Zufall aufgeschnitten und werden vom Zufall wieder zugeleimt. — Uebec den Strike, richtiger Lockout der pennsyl- vanischenGrubenarbeiter, schreibt man einem Bourgeois- blatt, der„Vosstschen Zeitung":„Dieser Strike sucht seines Gleichen an Ausdehnung; die Verluste, welche die feiernden Arbeiter und daS brachliegende Kapital leiden, sind enorm, und die Kohlenpreise auf eine beispiellose Höhe getrieben. So sehr man nun auch die vielfach vorgekommenen Gewaltthatcn(?) der Arbeiter verurtheilen mag, so läßt sich anderseits nicht läugnen, daß die Kapitalisten sich eines frevelhaften Spiels schuldig gemacht haben und die Verantwortung für diese Zustände allein tragen. Sie selbst sind eS, welche stljon feit langer Zeit alljährlich, sobald die Kohlcnpreise sielen, einen Strike der Ar- beiter veranlagten, um einestheilS in der flauen Zeit der Zahlung deS Arbeitslohnes überhoben zu sein, und andererseits die Preise wieder in die Höhe zu schrauem. So geschah es auch in diesem Frühjahr; diesmal wurde aber den Grubenbesitzern ein Versammlung folgende Personen in den AufstchtSrath gewählt graphenklub d. Arb.-Bild.-Ber. hier Ann. 0,60. Schneiderverein hier Au. wurden: Stange, Mädge, Seidel, Meyer und Köster. Alle Briefe für den AufstchtSrath sind an folgende Adresse zu senden: Köster, Neust. Sichlentwiet, Platz 70, HauS I, 1. Etage, Hamburg. Kamvurg. Den Mitgliedern der Schuhmacher- Gewerkschaft zur Nachricht, daß die Reiseunterstützunz in Hamburg bei dem BeitrazSsammler Herrn Mauck, Langereche 112, 2. Etage, St Georg, jeden Tag von 9 bis 12 Uhr Vormittags und— außer au Sonn- und Festtagen— jeden Nachmittag von 3 bis 5 Uhr ausbezahlt wird. ES wird gebeten, genau hierauf zu achten. MetallarbeitergewerkSgenossenfchaft. Leipzig, 10. Juni.(Eingesandt.) Durch das Bekanntwerden der Erhöhung der Gewerkschafts- Beiträge voa 10 auf 13 Pf. scheint hier ein wahrer Sturm hervorgerufen zu sein. Ich kann den Grund nur darin finden, daß die Leipziger Mitglieder jedes mal gegen das zwangsweise Abonnement aus daS Organ die „Union" gestimmt, ja sogar den Antrag zur Generalversammlung gestellt haben, daS Wort«obligatorisch" zu streichen, waS aber von der Geueralverfammmlung abgelehnt worden ist. Wenn nun die Mitglieder nächsten Montag hiergegen protestiren wollen, so bin ich der Ansicht, daß daS nicht viel nutzen wird, denn dann würde eine Urabstimmung vorgenommen werden müssen, und da würden die Mitglieder in oorpore am Platze sein. Wenn nun geltend gemacht wird, daß zwei Drittel der Mitglieder den„Volks- staat" lesen, und gesagt wird: die„Union" ersetzt uns den„Volks- staat" nicht, so giebt Einsender letzteres gerne zu, aber wenn das Blatt gleich bei Gründung der Gewerkschaft obligatorisch eingeführt worden wäre, so wüßten eS die Mitglieder nicht anders und wür- den sich nicht sträuben. Wenn man weiter sagt: muß daS Blatt fortgehalten werden, so werden 20— 40 Mann aus der Gewerk- 1,90. H. Zldm. Berlin Ann. 9,65. Mr. Saarbrücken Schrft. 0,20. P. Slbrmn Pest Schrft. 9,00 Frb Stadtilm Schrft. 1,25. Ldck Berlin Ann. 3,25. Brg Kirchheimbolanden Schrft. 11,14. Sonntag, den 13. Juni, Vormittags 10 Uhr: Große Bolksversammlung, Sophienstr. 15. Tagesordnung: Diskussion über da« Programm der socialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Um«ablreiche Betbeiligung bittet_ Baetbke. Heinfch.[70] (Ä0r(ttt Wahlverein der social-demokratischen Arbeiterpartei. Dienstag, den 15. Juni, Abends 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung in Renz Salon, Naunhnstr. 27. Autorität und Freiheit. Vortrag de« Herrn Milk e. Diese Versammlung ist die letzte öffentliche vor der lSeneral-Bersammlung. Wir bitten um zahlreiche Betheiligung und am Entrichtung der Beiträge. Die Moutagsversammlung sällt aus. Der Vorstand. s110z Dienstag, den 15. Juni: -OerUN Großes Militär-( Concert u. Sommernachts-Ball in den Räumen de« Hos- Jäger, srüher Streit« an der Hasenheide, Berg« mannstr. 7. Arrangnt von den Mitgliedern de« Allgem.-Deutschen Schneiderverein». Biklet« a Person 30 Ps. sind Krausenstr. 11 beim Reudaoten H. Neu« mann, sowie unter den Linden 13, Hof 4 Tr. zu haben.— Au der Kasse 40 Pf. Kassaeröffnung 3 Uhr, Ansang 4 Uhr. Alle Tollcgen und Parteigenossen sind hierzu eingeladen. __ Das Eomitee.[100] /f rtltl Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands. \£/UlU Sonntag, den 13. Jnni, Morgen» halb 11 Uhr im Schloß BenSberg, Heumarkt 68, Versammlung. Bortrag de« Herrn Rittinghaulen. D. B. 140) schaft austreten! nun so antworte ich: laßt sie austreten, denn«n ß«4|m Social-demokrat.scher Wahlverein. Mitgliedern, die deswegen austreten, ist nicht viel verloren, sie V 1„ Montag, den 14� d. M., Abends halb 9 Uhr im haben keinen Begriff von unserem Prinzip. L-id-r werden die so Lokale de« Herrn B°Sp°th.�Lümen»ückstraße redenden Mitglieder in ihrem Borgehen von älteren Mitgliedern noch bestärkt. Ich dächte, letztere sollten vor Allem über daS wahre Wesen der Gcweikschaft klar zu werden suchen. Zum Schluß rufe ich aber den GewerkSgenosscn zu: Thut keinen un- überlegten Schritt, denn er wird uns nicht von Nutzen, sondern nur von Schaden sein! An den Ausschuß der Metallarbeiter richte ich noch die Frage: Hält er eS nicht für nöthig, uns etwas über die Beschlüsse der Generalversammlung zu schreiben? Ein Mitglied. Crimmitschau, 10. Juni. Die VorortSverwaltunz der Kran- kenkasse ersucht alle Mitgliedschaften, sich betreffs deS Materials, Strich durch die Rechnung gemacht, denn der Strike uahm solche � i??.t/... Dimensionen an, daß sie nicht mehr Herr darüber werden konnten. � i h« a.« ll«« Wie die Sache ablausen wird, ist noch nicht abzusehen. Man! MouatS zu� gehulden, lodtm all-S�schon�vor�der spricht davon, daß die Besitzer Arbeiter aus anderen Gegenden heranzuziehen suchen; ob ihnen dies gelingen wird, ist jedoch Zweifel- Haft, denn eS gilt, Hunderttausende von gewandten Händen zu ersetzen. Dann aber wäre dieS nur unter den größten Opfern zu bewerkstelligen, und ferner: was soll aus der brodloS gewordenen Arbeiterschaar werden?" So der Corcespondent der„Vossischen Zeitung". Daß die Gewaltthatcn nur in der Phantasie der Herrn Bourgeois existiren, resp. von den gewissenlosen Arbeitgebern und deren Agenten erlogen worden sind, ist unseren Lesern bekannt. Ebensowenig wird ihnen die Mittheilung überraschend sein, daß die Grubenbesitzer diesen Strike wie frühere StrikeS auS den nie- drigsten Motiven provozirt haben, denn von England und Deutschland her sind wir bereits an derartige Praktiken gewöhnt. Wir aber dächten, die einfache Notiz des Correfpondenten der „Vosstschen Zeitung" gibt tausendmal mehr Belastungsmaterial für einen„Arbeit gebe rspiegel" ab, als der kindisch gewordene Harkort in seinem„Acbeiterspiegel" gegen die Arbeiter zusammengescharrt und znsammengefabelt hat.— — Die Anhänger der Friedens- und Freiheitsliga ver- sammeln sich dieses Jahr in Neuenbürg.(Schweiz.) Als Grund- läge der Debatten sollen laut Rundschreiben deS Ausschusses folgende Sätze dienen: 1. Um einen wahren, dauernden, politischen, sozialen und religiösen Frieden zu gründen und zu erhalten, ist die Errichtung einer republikanischen Völkerföderation mit folgen- den Grundlagen nothwendig: Selbstständigkeit der Person; Achtung der individuellen Rechte; absolutes SelbstbestimmunzSrecht der Völker; 2. Abschaffung der siehenden Heere und Ersetzung derselben durch nationale Milizen; 3. Einführung eines Kodex und eines internationalen Gerichtes; Ausdehnung der Anwendung deS Grund- satzes von Schiedsgerichten bei internationalen Konflikten; 4. Treu- nung der Kirche von Schule und Staat; 5. Soziale Reform, vorbereitet durch de» allgemeinen, weltlichen, unentgeltlichen und für die Primärschule obligatorischen Unterricht, gewährleistet durch die Freiheit des BerttagS-, des Vereins- und CoalitionSrechteS, durch daS auf der freien Arbeit ohne Ausbeutung des Jadivi- duumS geschaffeae individuelle Eigenthum, durch die einzige aus dem Einkommen und Vermögen beruhende Steuer; 6. Rechts- gleichheit beider Geschlechter; 7. Anwendung des Grundsatzes der persönlichen Selbstständigkeit auf das Strafgesetz; daS Stcafrecht beschränkt durch das VertheidigungSrecht; Abschaffung der Todesstrafe. — Mit Bezug auf die Ausweisung Heinrich Scheu'S aus Sachsen, erfahren wir noch Folgendes: Die betr. Ministerial- Verordnung trägt daS Datum deS 25. Oktober 1372, und ist, laut derselben, Scheu„als sozialdemokratischer Agitator und Fremder"(!) aus den sächsischen Landen verwiesen. Nun war Scheu nicuials„Agitator", und speziell in Sachsen ist er politisch so gut wie nicht thätig gewesen, und„jedenfalls" nicht in einer Weise, welche für die Bezeichnung„Agitator" auch nur die leiseste Eat- schuldigung gäbe. Und als„Fremder"! Im Jahre 1375 deS Herrn, und im Jahre 5 der deutschen Freizügkeit! Sind wir in Sachsen denn Botokuden, die jeden Fremden als Feind betrachten? Doch das ist nicht daS Beste. Heinrich Scheu, der, wenn wir nicht irren im Sommer 1371 nach Sachsen gekommen war, reiste im August 1872 freiwillig wieder ab, nachdem die Polizei ihm — abgesehen von einigen landesüblichen Scheerereien in Dresden — keine Schwierigkeiten bereitet hatte. Zwei Monate nach seiner freiwilligen Entfernung erließ daS sächsische Ministerium die AuSweisungsordrc, von der Scheu bis zum 6. Juni dieses Jahre», wo sie ihm in Großenhain von Hrn. Ludwig-Wols vorgelesen wurde, nicht die leiseste Ahnung hatte! Für heute genug, mit diesen Notizen; wir werden unS mit der für unsere Zustände so charakteristischen Angelegenheit mehr zu beschäftigen haben, hier und andernorts.—_ lung erschöpft war und nun erst nach den Generalversammlung� beschlüssen und den neueren Statuten zufolge wieder Material aw gefertigt wird. Als Vorort derKrankenkasse ist Crimmitschau wieder gewählt und erfolgt in kurzer Zeit die Constituirung der Verwaltung. Sämmtliche Mitgliedschaften wollen sofort nach Ende des Monats Abrechnung einsenden, vor allen die restirenden. Im nächsten Monat erfolgt die Jahresabrechnung. Die VorortSverwaltunz: R. H abelitz. Versammlung. Tagesordnung: Vortrag und Verschiedene«. ____ T. H. Kalbfleisch s60] tfivrtfipttliiltti Montag, den 14. Juni, Abends halb 9 Uhr läMU�lUljUlU in Hcntschel's Garten: Volksversammlung. Tagesordnung: 1) Bericht über den Vcreinigungskongreß. 2) Die Thätigkeit de« Reichstags. Referent: Wilhelm Liebknecht._[50] Gcwerlschast der Schuhmacher. Montag, den 14. dieses Monats, Abends halb 9 Uhr in Hansch's Elublokal, Schanenburgerstraße 44: Oeffcntlichc Versammlung. Tagesordnung: Vortrag. Verschiedenes und Fragekasten. ____«. Seidel.[60] Gewerksgenossenschast der Manufaktur-, Fabrik- und Hand- arbeiter beiderlei Geschlechts.(Sitz Weimar). Zlowawe«, 7. Juni. Im Austrage der Mitglieder unserer Gewerkschaft bringe ich Folgendes zur öffentlichen Kennlniß: In der Versammlung vom 5. d. M. sprachen sich in der Debatte über die Zwiste zwische den Braunschweiger Genossen und der Vororts Verwaltung fast sämmtliche Redner zu Gunsten der BorortSver- waltung auS. Die Ansicht der meisten ging dahin, daß an eine unbesoldete Verwaltung auch keine großen Ansprüche gemacht wer den können. ES wäre allerdings wünschenSwerth, wenn auf agi tatorifchem Wege energisch vorgegangen würde, darüber aber möge die nächste Generalversammlung entscheiden. Und da eS gut ist, daß dies bald geschieht, so wurde allseitig der Wunsch geäußert, eS möge so bald wie möglich eine General- Versammlung ein- berufen werden. Adolph Neumann, Vertrauensmann Dienstag, den 15. Juni, Abends halb 9 Uhr in �ulUlIiläZ Tütges Salon, Valentinskamp 41: Große Volksversammlung. Tagesordnung: Gründung der socialistischen Aroeiterpartei Deutsch- lands. Programm und Organisation derselben. Referenten die Herren Geib und G. W. Hartmann. dlB. Nene Mitglieder werden aufgenommen. I. A: Körber.[80] Die Abonnenten des„VolkSstaal", die mit ihren Zahlungen für das 2. Quartal noch im Rückstände sind, werden dringend ersucht, dieselben recht bald zu leisten, da beim nächsten Quartal die Eolportage neu organisirt werden wird. [50]_ Die Filial- Expedition- H. F. W. Schultz. Gewerksl;enossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. Kamöurg, 3. Juni. Allen Miiglrebern d-r genaunteo Ge- werffchafl zur Nachricht, daß in der am 7. Juni stattgehabten Berein der deutschen Steinmetzen. Naumburg a. d. S., 3. Juni. Deu Collegen allerorts hier durch zur Kenntnißnahme, daß bei der hiesigen Firma Becker u. C. ein Strike ausgebrochen ist. Eine Reduction der hier seit dem März 1373 vereinbarten Accordsätze bis zn 75 pCt. und Verlängerung der Arbeitszeit um eine Stunde war die Veranlassung zu diesem Schritte. Alle Versuche uusererseitS, in friedlicher Weise die An- gelegenheit zu regeln, blieben fruchtlos. Die Arbeit, die chier gefertigt wird, kommt an die Fayrde de« Königl. Generalstabs- Gebäudes zu Berlin, zweiter Flügel; der erste« wurde bekanntlich im Jahre 1363 und 69 von Berliner Meistern selbst ausgeführt, und war der Preis ein der Steinmeyarbeit würdiger. Jedenfalls hat sich dieses königlichen Baues die Konkurrenzwuth bemächtigt, sonst wäre die Arbeit wahrscheinlich in Berlin geblieben, und sollen nun wieder wir Arbeiter die Folgen dieser Spekalatton und planlosen Konkurrenz tragen. Im Bewußsseiu unserer so schon traurigen Lage als Steinmetzen haben wir es daher vorgezogen, um nicht selbst bei der Stcinmetzarbeit für obige Firma zu ver- hungern, unS anderweittge Arbeit zu suchen, waS unS auch zum größten Theil gelungen ist. Leider ist eS Herrn Becker durch schöne Versprechungen gelungen, in Nebra 15—20 Mann zu ge- Winnen, die aber nun, nachdem sie hier angefangen haben, er fahren, daß sie betrogen worden find. Somit ersuchen wir Euch, College», für Fcrnhaltung des Zuzuges Sorge zu tragen und unS nach Kräften»u unter- stützen, damit auch hier unser Motto:„Verbesserung unserer Lage durch Einigkeit" zur Wahrheit werde. Etwaige Geldsendungen bitten wir an unfern Kassirer Aug Wilhelm, Mäderzaff: 1051, zu senden. Mit Brudcrgruß und Handschlag! I. A.: Herm. Sarre, Bevollmächtigter. gr. Salzgasse 51U_ ArttttlittVrt Die in Ha mourg-Harburg- Altona- Wand S- be ck wohnhaften Mitglieder der GenosseuschajtSbuchdruckerei zu Ltiffzisi werden hiermit eingeladen, sich Donnerstag, den 17. Juni, Abende um 9 Uhr bei Burmester„Stadt Berlin", großer Neumarkt 46, behvf« Neu- Wahl de» Aussichtsrathe« einzufinden. (2a)____ I. A. August Geib[30] (trttttirth** Den geehrten Abonnenten de«„Neuen Sozialdemokrat" t und„Volksstaat" zur Nachricht, daß mit heutigem Tage eine Aenderung der Colporteure eingetreten. Die unterzeichnete Kommission ersucht daher, bei vorkommende» Jrrthümern und Unregel« Mäßigkeiten sie sofort in Kenntniß zu setzen, am besten und sichersten in dem aufliegenden Beschwerdebuche bei Herrn Gastwirth Matthaes, Neue- straße 45. Die vor Kurzen erlassene Warnung betreff« Bezahlung der Blätter an die Eolporteare ist nun wieder ausgehoben, und sind die neuen Colporteure beaustragt, den Abonnemeutsbetrzg gegen Quittung einzuziehen. Gleichzeitig s-rden wir die Restanten de« 2. Quart, aus, da« Abonnement spätestens bis zum 25. d. M. zu bezahlen, andernfalls den Betreffenden kein Blatt mehr im neuen Quartal gcli fert werden kann. (Die Colporteure find mit Quittung versehea) Die Zeitungskommission. Gewerkschaft der Schuhmacher. Montag, den 14. Juni, Abends 3 Uhr bei Herrn Richter Roßplatz 9: Tagesordnung: Bortrag Ausnahme neuer Mitglieder. Mitgliederversammlung. Bortrag de« Herrn Loewe über Natarheilkunde.— D. B.[60! Leipzig Schucivergehülfea. Montag, den 14. Juni: Sommcrsrst«ad Ball in„Stadt Naumburg" Zu Gohlis. Anfang 3 Uhr. Entree 25 Ps. Tanz 1 Mark. Der Borstand uno Ausschuß der Kranlenlaffe. [150] Leipzig Montag, den 14. Juni, Abend« 8 Uhr: Versammlung der Maurer und Zimmerer im Saale des„Tivoli". Tagesordnung: 1) Die Beieiuiguug der deutschen Bauhandwerker. 2) Die Goihaer Couscreoz. Referent Harle mann-Berlin.(2b)(50) {foitltirt GewerlschaftS-Vorstänbe. «llyziZ Dienstag, den 15. b. M., AbenvS 8 Uhr: Besprechung bei Zeidler, Windmühlenstr. Nr. 7._[30] haften Sonntag, den Correjpondenzen. Spandau. Ja der am 7. d. M. stattgehabten Sitzung de« CriminalsenateS deS Kammergerichts wurde das erstinstanzliche Urtheil wider E. Ca min, welches auf 14 Tage Gefäugniß lautete, dahin abgeändert, daß eS jetzt auf 100 Mark Geldbuße oder 10 Tage Gefängniß erkannt ist._____ Z» testapr» der Expedition. A. Fchtmanu Darmstadt: Schützen- und Turnerlieder- bücher haben wir nicht auf Lager, bestellen Sie selbige bei einer dortigen Buchhandlung. Quittung Rdlph Hannover Ann. 0,50. Klssg Dresden Schrst. 3,25. Steno- Sämmtliche Gewerkschaften U l[]}} llz 27. Juni ihr Sommcrscst in der goldne» Krone in Connewitz ab. Freunde und Genossen sind jrcundlichst eingeladen.— Alles Nähere später.__.[150] i�Ptlrtll Arbeiterbildungsverein. Sonnabend, den 12. Juni: Vortrag über Zauberwesen und Hexenprozesse im Mittelalter. Mittwoch, den 16. Juni, Vortrag voa Herrn Bebel über Gefängniß- weseu.__[50] (D. 3407) __________(10h)[76tj Freundliche GurysulogiS, auch gute Schlafstellen find tu der West- Vorstadt zu vermiethen. Auskunft bei Emil Beyer, Colonadenstraße Nr. 3._[76] Malergehtlfeu facht H. Erbe, Schwalbacher Strage 22, Wiesbaden. Veraurwvruuyeo Rcoatiem.: H. Rindt. Redaktion Hohestr. 4, Expedition Zeizerift. 44, tu Lelpztg. Druck und Verlag der Genosseuschaftsbuchdruckerei iu Leipzig. i