iier- ,20. ine, 1 ,50. rie-! estr. jer. ,20. 1 ift- Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. A. Sorge, Uo» 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and ooates str. Philadelphia. Organ der Sozialistischen Arveiterstartei Deutschlands. be» Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenhciten betreffend, werden mit 10 Pf., ien, Anzeigen mit 25 Pf. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 68. Krettag, 18. Juni. Abonnementspreis für ganz Deutschland iM.KOPi. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2te» u. 3ten Monat und auf den Sten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals& 54 Pf. Privat- und BergnügungS- 1875. Äbonnements-Einladung. Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Quartal, und for dern wir deßhalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchentlich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 Pf.(16 Gr.) pro Quartal, 54 Pf.(5� Gr.) pro Monat für ganz Deutschland. Alle deutschen Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasielbe bei dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland 3 Mark 50 Pf.(1 Thlr. 5 Ngr.); für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien und Italien 4 Mark(5 Frcs.); für Frankreich, die Niederlande, Portugal, Großbritanien, Rumänien und die Türkei 5 Mark(61/* Frcs.); für Spanien und für Amerika ö Mark. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. Für Leipzig und Umgegend ist der AbonnemcntspreiS (mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf.(18 Ngr.) pro Quarta! und 00 Pf.(0 Ngr.) pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition dieses Blattes, Zeitzerstraße 44, und bei Colporteur Müller. Für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschöue feld, K. tc. bei Frau Engel, Reudnitz, Feldstr. 14, Hof l Tr., für Connewitz it. bei Teubert, Bornaischestr. Nr. IS, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst, für Thonberg und Neureudnitz bei Zschau, für Plagwitz und Lindenau bei Schuster, Mcrscburgerstraße Nr. 26, für Gohlis it. bei O. Pc ufert, Hauptstraße Nr. 19, für Stötteritz bei Fr. Vo genitz, Hauptstraße Nr. 38. Für Berlin wird auf den„Volksftaat" monatlich für 75 Pf. (7�/, Sgr.) frei in'S Haus abonnirt, bei Trautmann, Manteufelftraße 25, vorn 3 Tr.; Rubenow, Brunnenstraße Rr. 34 im Laden; I. Ehmann, Schwedenstr. 1, 2 Tr. BW Den„Volksstaat"-Colporteuren und Filialexpeditionen zur Nachricht, daß mit Ablauf dieses Monats die Abonnements gelder für das laufende Quartal beglichen sein müssen, und werden die Restanten hierdurch zur schleunigen Erfüllung ihrer Pflicht aufgefordert. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerk sam, das Abonnement für das dritte Quartal 1875 rechtzeitig erneuern zu wollen. Nur bei Erfüllung dieser Bediuguiffe erfolgt weitere Zu seudung de» Blattes. Alle Expeditionen der mit uns in Tausch stehenden tungen tc. werden ersucht, uns durch die Post auch für neue Quartal ihr Blatt zukommen zu lassen. Die Kedaktion und Erpedition de«„Dolkostaat. Zei- An die Abonnenten in Sachsen. Bei Verweigerung der Annahme de« Abonnement» für Juli Sei- ten« einer Postexpedition, wollen sich die Betreffenden auf da» Cttrular »am 16. März 1872 Nr. IT 2463 A berufen, wonach Monat«abomie- ment» auf den„VolUstaat" im Königreich Sachsen und Herzogthum Sachsen«Altenburg zulässig find. Die Expeditto« des„Lottsstaaf. Nationalökonomie. vii. Der Preis. (vchluff.) Fasse» wir da« an dem vorstehende» Beispiele Gezeigte noch- «al« zusammen. In dem Gemeinwesen, der Familie, kommt kein Tausch vor; er beginnt erst da, wo diese Gemeinwesen ende», wo sie selbst oder einzelne ihrer Glieder mit fremden Gemeinweseu oder Glieder» fremder Gemeinwesen in Berührung komme». Da« Bedürfuiß Vach Gebrauchsgegenstände», welch« nur durch Tausch erlangt werden können, setzt sich immer mehr fest; die beständige Wieder» holung de« Tausche« macht denselben zu einem gesellschaftliche» Vorgang, der nur ermöglicht wird, wen» ei» Theil der Arbeit«- prodvcte absichtlich zum Zwecke de« Au«tauschenS prodocirt wird. Sobald nun der Tausch in dieser Weise häufiger stattfindet, werden verschiedene Waareu von verschiedenen Waareubefitzern ausgetauscht und innerhalb ihre« Bertehr« mit einander oder auch Veit einer und derselben dritte» Waare vergliche». Indem diese dritte Waare al« die Verkörperung de« Werth« aller andere», i» jenem Berkehr zum Umtausch gelaugende» Waareu erscheint; indem in dieser Waare alle anderen Waare» ihre» Werth au«drücktu, wird sie allgemeine, gesellschaftliche Geldwaare. Jede Waare kau» Geldwaare werden, aber nur wenige Waareu sind brauchbare Geldwaare. Sehe» wir»a« Beispiel von dem Schneider a», so erscheint der Rock al« Geldwaare; wie wenig brauchbar diese For« jedoch ist, leuchtet sofort ei». Für de» Rock erhält ma» 100 Pfund Brod; da man aber den Rock nicht in kleinere Theile zerlegen kann, ohne seinen Gebrauchswerth vollständig zu zerstören, ist es unmöglich, mit der Geldwaare Rock kleinere Einkäufe zu machen Besser taugt, wie oben ersichtlich, schon die Leinwand al« Geld- waare; sobald dieselbe jedoch in kleine Stücke zerschnitten wirb, verlieren diese Stücke mehr und mehr an Gebrauchswerth, weil sie nicht wieder zu einem Ganze» vereinigt werden können. Die Waare wird also die beste Geldwaare sein, welche in jeder Qua» tität gleichen Gebrauchswerth hat und sich sowohl leicht in kleine Theile zerlegen, al» auch, wen» e« wünschenSwerth erscheint, wieder in ein Ganze« zusammenbringen läßt. Diese Eigenschaft haben besonders die Metalle, und so sind denn auch die Metalle Gold, Silber, Kupfer, Nickel zu der allgemein anerkannten Geldwaare geworden. Da« ist aber nicht mit einem Schlage geschehen, die Gesell< schaft hat im Gegeutheil, ebenso wie wir an unseren Beispielen, herumgeprobt, bis sie aus die passende Geldwaare gekommen ist. Die Nomadenvölker, deren Hab und Gut in Bieh besteht, machen, sobald sie mit anderen Völkern in Berührung kommen, unwillkürlich da« Bieh zur Geldwaare. So erzählt uns der alte Homer, daß die Rüstung de« DiomedeS 100 Ochsen Werth ge Wesen sei; Drakoo, der bekannte griechische Gesetzgeber, setzte die Strafen in Bieh fest; wir sehen darau», daß damals Bieh du Waare war, an welcher der Werth der andernWaaren gemessen wurde Jägervölker benutzen die Häute de« erlegte« Wilde« als Geldwaare in einigen Bezirken der englischen Hudsonbai-Compagnie gelten noch heute die Biberfelle al« Geld, al« Maßstab de« Werthe« der andern Waare». Drei Marderfelle sind gleich 1 Biber, ein weißer Fuchs gilt 2 Biber, ei» schwarzer Fuch« oder Bär gilt 4 Biber, eine Stinte 15 Biber. In Sparta galt Eisen, im alten Rom Kupfer als die Waare, au welcher die Geldform kleben geblieben war; heute hat sich fast durchweg Gold und Silber al« die eigentliche Geldwaare eingebürgert. Da« in der Geldwaare ausgedrückte Maß de« Werthe« einer andern Waare»eonen wir den Preis dieser Waare. Prei« und Werth sind also verschiedene Begriffe. Der Preis einer Waare kann gleich groß sei» mit dem Werthe, das heißt, die in der Geldwaare, sage in einem Loch Silber enthalten, all- gemein menschliche, gesellschaftlich nothweudige Arbeit, gemessen »ach Zeit, kann genau so groß sei» al« die Arbeit, welche in der Waare steckt, deren Prei« durch ein Loth Silber, also 1 Thaler, ausgedrückt wird. Ja den meisten Fällen decken sich jedoch Werth und Prei« nicht. Verschiedene Ursachen, z. B. Nachfrage und An- »bot, bringe» PreiSschwankuogeu hervor, welche bewirke», daß der prei« da« eine Mal größer, da« andere Mal kleiner ist al« der Werth Halte» wir vorläufig fest, daß der Prei« etwa« Andere« al« der Werth ist. Der Werth ist die in der Waare enthaltene, all gemein menschliche, gesellschaftlich nothweudige Arbeit, gemessen nach Zeit; der Prei« ist nur da« i» einer anderen Waare, der Geldwaare, ausgedrückte Werthmaß, nicht der Werth selbst. Ein Beispiel wird diesen einfachen, gerade deshalb aber schwer zu verstehenden Unterschied llar machen. Wir haben einen Platz, der 50 Schritte laug ist. Der Platz hat eine gewisse Ausdehnung, gleichgültig ob wir ihn auSmessen oder nicht. Durch da» AuSmesse» stellen wir nur fest, in welchem Berhältniß die Länge de« Platze« zur Länge unserer Schritte steht. Kommt ei» anderer und mißt die Länge mit der Ruthe, dem Fi�ß der Elle, dem Meter, so erscheint die Länge de« Platze« auSgcdrücki n 10 Ruthe», 120 Fuß u. f. w. Die Länge de« Platze« bleibt ich immer gleich» der Maßstab wechselt von Schritt auf Ruthe. Fuß oder Elle; der Ausdruck de« Maße« verändert sich der Zahl wie de» Maßstab nach; der Ausdruck de« Maße« ist also nicht identisch mit der Länge. Wir messen die Wärme der Luft an der Ausdehnung der Quecksilbersäule im Thermometer. E» ist heute 10 Grad, morgen 12 Grad war«. Die Ausdehnung der Quecksilbersäule ist der Naßstab, an dem wir die Wärme messen; e« wird hier aber Niemandem einsallen, zu behaupte», die Ausdehnung der Queck llbersäule sei die Wärme. Ganz ebenso verhält e« sich mit den Begriffen Werth und Prei«. Gold und Silber fiud also die Geldwaare nur deshalb, weil durch Gebrauch und Gewohnheit der Werth aller andere» Waareu i» dieser Waare verkörpert erscheint. Z» wirklichem Gelde werden diese Metalle aber erst durch eine» neue», gesellschaftliche» Vor gang. Die verschiedene» Mengen des Metall« messen sich unter einander, indem sie sich aof ein bestimmte», feststehende« Quantum, auf eine Maßeinheit beziehe», die im Gewicht gegeben ist. Ur- sprünglich wird daher da« Geld gewogen, seine Menge nach dem Gewicht bestimmt. Später wird e« gemünzt, e« wird durch eine» Stempel die GewichtSmenge de« in dem Stück enthaltenen Metall« bescheinigt. Allwählig erhalten die einzelnen Stücke besondere Namen, Thaler, Gulden, Mark— und zuletzt verschwindet unter dem Namen der Begriff; wir rechneu heute im Verkehr nach Preisen in Thaler», Gulden, Mark, ohne dabei daran zu denken, ja vielfach ohne einmal zu wissen, daß diese Münznameu nichts weiter find, al« Bezeichnungen für bestimmte Mengen von Gold oder Silber. Da« geprägte Geld verliert in diesem Berkehr vollständig da» Wesen der Waare; e« wird eine über der Waare thronende Macht, ohne welche der Verlehr selber unmöglich erscheint. Es beherrscht den Tausch und die Waare. Denn a» der Waare klebt, ehe sie vertauscht wird, schon von ihrer Entstehung an, der imaginäre Geldwerth, der noch nicht erzielte, sonder» nur ge«ü»schte Prei«, wie in den Schaufenstern die Zettel mit den Preisen an den au«- gehängte» Kleidungsstücken. Ob die Waare überhaupt verlaust wird oder nicht, sie existirt im Bcrkehr nur al« ein Ding, welche« nur eiuen Geldwerth darstellt, aber nicht eher wirklich Geldwerth wird, al« bis die Berwandlung in Geld durch den Tausch stattgefun- den hat. Diese Waare kostet 10 Thaler, jene 10 Silbergroschen — so stellt sich der Preis in der Vorstellung jede« Käufer« oder Verkäufers dar als ei» Quantum Geld. Die edlen Metalle sind nun aber selber Waare; sie könne» ihren Werth nur wieder an anderen Waaren messen. Ihr eigener Werth besteht in der, zu ihrer Production»othwendigen all- gemein menschliche» Arbeit und drückt sich dieser Werth in jeder anderen Waare aus, in welcher ebenso viel Arbeitszeit enthalte« ist. Man lese die einzelnen Posten eine« PreiScourante« rückwärts und man findet die Werthgröße de« Geldes in allen mögliche» Waaren ausgedrückt. In den californischen Golddistrikte», in denen Gold in größerer Menge gewonnen wird, ohne daß der FiSku« den natürlichen Verlauf de» Berkehr» durch sein Monopol verhindert, verkauft der Goldgräber sein Gold nach dem Gewicht gegen Waare, und der Prei« des Golde» fällt und steigt, wie der jeder anderen Waare. Aber nicht nur der Preis, sondern auch der Werth de» Golde« kann steigen und fallen. Sobald zur Gewinnung einer bestimmte« Menge Gold weniger allgemein menschliche Arbeit aufgewendet z» werden braucht al« früher, fällt der Werth; da« ist nach der Ent- deckung und AuSraubung Amerika'« durch die Spanier in gewaltigem Maße,»achder Aufschließung der californischen und australischen Gold- selber in deutlich fichtbarer Weise geschehen. Wen» nun aber der Gold- werth fällt, so sinkt natürlich auch der Werth de« Gelde«, obgleich sich der eingebildete Werth der einzelnen Stücke, z.B. der Fried- richSd'or, noch eine Zeit lang halten kann weil eben der Begriff der Geldwaare für die Mehrzahl der Menschen nicht mehr existirt und ihnen der FriedrichSd'or immer gleich viel zu sein scheint� gleichgültig, ob der darin enthaltene Werth, in Silber gemessen höheren oder geringeren Prei« erzielt.' Doch wir haben e« hier nicht mit den besonderen Eigenthüm- lichkeiten des Gelde« zu thun; wir hatte«»ur zu zeige», wie die Geldwaare entsteht, und daß der Preis einer Waare das in der Geldwaare ausgedrückte Maß des Werthe« dieser Waare, mit ander» Worten, daß der Preis der Waare nur der Geldname de« in ihr vergegenständlichten Quantum« gesellschaftlicher Arbeit ist. Ueder die gewerkschaftliche, politische nud loeale Agitation.*) K—z, Früher in Frankreich und jetzt in Deutschland hat mehr al« in anderen Ländern die sozialistische Bewegung einen poliii- scheu Charakter angenommen. Der Gedanke, daß»ur durch Staat«- einrichwngen und StaatSgesetze, selbstverständlich de» freien soziale« Staate«, eine gerechte Bertheilung de« Arbeitslöhne», ja auch nur eine erhebliche Hülfe für die Arbeitermassen zu schaffe« ist, hat i» diesen Ländern die weiteste Berbreitung gefunden. Bevor der Sozialismus zur politischen Macht gekomme» ist, ka»» eine gründ- liche Besserung der Arbeitsverhältnisse nicht erreicht werden. Bo« dieser Macht ist der Sozialismus der Zeit nach vielleicht nicht mehr weit entfernt, bisher aber war seine thatsächliche Macht doch o gering, daß er in keinem Stück Einfluß auf die politische und damit auf die soziale Gestaltung de« Staate« hatte. Den Mangel praktischer Erfolge dem Sozialismus zum Vorwurf zu mache«, ist also widersinnig. Wenn man demohngeachtet in Arbeiterkreisen der Klage be- gegnct, daß die heutigen Zustände fast unerttäglich seien, dieselbe« Kreise aber sich dem Sozialismus fernhalte», da er ja doch nicht« helfe, und zum Beweis dieser Ansicht auf resultatlose vestrebunge« ozialistischer und nichtsozialistischer Gewerkschaften hinweisen, welche trotz mancher gelungenen Strike« die Arbeiterlage auf die Dauer nicht verbessert haben, so zeigt da«, wie noch vielfach Unklarheit herrscht über da«, wa« auf den verschiedenen Bahnen der sozia- listischen Bewegung erreicht werden soll und allein erreicht wer- den kann. I. Die Gewerkschaften al« Bereinigungen der Arbeitnehmer eine« Gewerbe« vermöge« wohl de» einzelnen Arbeiter gegen Willkür seine» Brodherrn zu schützen, allein de« verbündete« Capitalisten, resp. Fabrikanten gegenüber find sie ohnmächtig. Da- bei bleibt e« sich gleich, ob der Fabrikautenbund nur die günstige Situation festjuhalten strebt, die ihm vom Erttag der Arbeit de» Riesenantheil sichert, oder ob er e« unternimmt, de» bisher adge- geben«» Ancheil de« Arbeitserträge« noch zu kürzen. In Berthei- diguug und Angriff ist die Fabrikautenvereinigung der Arbeiter- Vereinigung unendlich überlegen, so lauge der Streit durch Geld und Hunger entschiede» wird. E« klingt freilich großartig, wenn die englischen Gewerkvereine so und so viel hunderttausend Pfund Sterling(a 20 Mark) im Vermöge» habe», allein mit all ihrem Gelde fügen sie sich mit einigen Schwankungen,»nd müsse» sie sich den Preisen fügen, welche die Fabrikanten de» Arbeitern gewähre» wollen; denn ie mehr de« Gelde« in der Lade, um so mehr der Magen find e«, die bei einem Sttike Nahrung heischen;»nd wen« auch die Cassc nicht auf einmal leer wird, weil Strike« nicht alle Gewerbe gleichzeitig umfassen, so wird sie doch bei jedem Strike nothweudig geschwächt. Nach� einem siegreichen Sttike der Maurer de« *) Wir halten es für nöthig zu erklären, daß wir den Auaführungm ___ geehrten Bersaffer« nicht in allen Punkten beitrete»; der»rtikel wird uuzweiselhast eine Polemik hervorrufen, welche»ur klärend wirken kann. Auch wir werdm»atllrlich Selegenheit nehmen, unsere Ansichten auszu- �rechen. R. d. v. verlangen auch die Zimmerer gleiche Ausbesserung, dann die Schneider, dann die Weber, dann die Schuster und andere Ge- werke, und so geht in Zeit von ein und zwei Jahren, wie wir'S erlebt haben, der Strike durch alle Gewerke. Mag dann auch durch freiwillige oder vereinbarte Unterstützung der Gewerke unter einander bei günstiger Zeitlage der Sieg errungen werden, so sind inzwischen die Bedarfsmittel theurer geworden, so daß kaum noch ein Erfolg de» StrikeS zu verspüren ist. Hat aber durch eine Produktion, welche den faktischen Verbrauch übersteigt, der Fabri- kaut einigen Waarenvorrath, so werden schleunigst die mühsam er- ruugenen Arbeitslöhne herabgesetzt. Dann hungern entweder die Arbeiter bei der mageren Gewerk»-Unterstützung, während die Fabrikanten und Händler ihren Waarenvorrath zu theueren Preisen umsetzen, oder die Arbeiter unterwerfen sich von vorn herein den Arbeitsbedingungen, in jedem Falle bleibt die Fabrikanteuvereinigung der Herr, höchsten» daß sie sich auf einen Vergleich einläßt, weun sie vou vornherein wie ein Schacherjude unmögliche Bedingungen stellte, um später nachlassen zu könne». Nur ei» Mittel zum erfolgreichen Kampfe haben die Gewerke, die Gründung von Assoziationen, wie z. B. der allgemeine deutsche SchiffSzimmererverein sie in Memel geschaffen(f.„Volksstaat" Nr. 59, 60, 61); leider aber find die meisten Arbeiter außer Staude, e» ihnen nachzumachen. Sehen wir doch au» jenem Be- richt, wie nur günstige Umstände nach schweren Entbehrungen hotz kameradschaftlicher Hülfe die Existenz der Genossenschaft er» möglichten. In den meiste» Fällen werden die Gewerkschaften sich mit kleinereu Aufgaben begnügen müssen. Sie werden durch statistische Fest- stellung der Arbeitsverhältnisse die Arbeiter über ihre eigene Lage aufklären; durch ArbeitSnachweifungSbureauS werden sie dem Einzelnen behülflich sein, ohne unnützen Zeit- und Geldverlust Arbeit zu findeu und zwar die Arbeit, welche sich noch am meisten lohnt; durch diese ArbeitSnachweifungSbureauS und durch Gründung von Ge- werkSkrankeukassen befteien sie die Arbeiter wenigstens theilweise au» der Gewalt ihrer Brodherreu; sie sind endlich ein Recht»- schutzverein, welcher die unzureichenden Gesetze zum Schutze des Lebens, der Gesundheit, des Lohnes und menschlicher Behandlung de» Arbeiters wenigsten» nach Möglichkeit auszunutzen versteht. Je mehr Arbeiter des Gewerbe» die Gewerkschaft umfaßt, um so besser wird sie den Einzelneu gegen Tyrannei und Vergewaltigung de« einzelnen Arbeitgeber« schützen, und ist zu diesem Zwecke eine Bereinigung der einzelnen Gewerkschaften unter einander, wie sie die Hirsch-Duncker'sche» Gewerkvereine haben, ganz unnütz, jede Gewerkschaft muß ihre Angelegenheiten frei und au» eigener Kraft ordnen. Gegen die Vergewaltigung der Arbeiter durch die ganze Capitalistenklasse aber, wie sie sich durch lange Arbeit und kurzen Lohn documeutirt, nützt weder Gewerkschaft, noch Gewerkoerein, am wenigsten natürlich jene Sorte von Gewerkvercinen, welche die Lüge von der Harmonie zwischen Arbeitgeber und Arbeit- «ehmer colportirt. Auf die Ohnmacht auch der bestorganisirten und bestgeleiteten Gewerkschaft in Bezug auf erhebliche und dauernde ArbeitSverkür- Sng und Lohnerhöhung sollte selbst bei der Agitation für die ewerkschaften der Arbeiter stets hingewiesen werden, damit nicht durch getäuschte Erwartung nach übertriebenen Hoffnungen der Ar- beiter muthlo» werde und der politischen Organisation der sozia- listischen Partei verloren gehe. II. Die politische Agitation ist die Hauptsache. Die Ar- beiter könnten durch ihre Menge die Macht im Staate haben, während sie ökonomisch gerade durch ihre Menge(durch die Menge der Magen und die Knappheit de» Geldbeutels) machtlos sind. Durch eiumüthige» energische« Vorgehe» erlangen sie die politische Macht. Räch den bestehenden Gesetzen freilich ist die Macht durch eine sozialistische Majorität im Reichstage eine zunächst werthlose, denn nur durch Billigung de»„hohen" BundeSratheS, und in milltarüs„Seiner Majestät" des Kaiser», erlangen die ReichStagSbeschlüsse gesetzliche Wirksamkeit. Wenn z. B. der nächste ueugewählte Reichstag beschließen würde: der Arbeitstag für alle Arbeiten, welche nicht im Juteresse de» öffentlichen Wohles oder öffent- lichen Vergnügens zu anderer Zeit zu leisten sind, dauert Wochentags von früh 7 bis Abend« 5 Uhr(refp. von 6—4 Uhr) mit den je nach Schwere und GesundhcitSgefahr der Arbeiten abgemessenen Er- holungSpausen; Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche außer der gesetzlichen Zeit arbeiten lassen oder arbeiten, unterliegen, außer CoufiScation de« Arbeitsprodukte» und der Arbeitsmittel, den ge- setzlichen Strafen— so scheint dieser Beschluß ein Schuß in» Blaue, deun unser BuudeSrath mit dem Reichskanzler an der Spitze braucht ihm seine Genehmigung nur zu versagen, und un- sere festgegliederte Polizeimacht braucht unsere Fabrikanten in ihrem Jesetzlichen Rechte nur zu schützen. Die Möglichkeit zu diesem Ver- alten von BuudeSrath, Capitalisteu und Polizei existirt allerdings, und sind ihnen hierbei nicht einmal die Gesetze im Wege; ob aber BuudeSrath, Capitalisteu und Polizei einem derartigen Majorität»- Beschlüsse die Ausführung versagen würden, da» käme doch erst «uf die Probe an. Um die Probe zu machen, genügen freilich nicht ca. 400,000 Stimmen, wie bei der vorigen ReichStagSwahl, obwohl der Umstand, daß zum Stimmen Männer gehören, die ihrer Stimme in allen Cousequenzen treu bleiben, sehr in« Ge- wicht fällt. Hente find noch die Herren Camphausen und Achenbach das Echo der Bourgeoispartei Deutschlands:„Deutschland muß lernen billiger produciren, der Arbeiter muß bei geringerem Lohn mehr arbeiten." Wohlan! agitiren wir fleißig und in der rechten Weise, damit wir bald Minister erhalten, welche da« Echo der fozialisti- scheu Arbeiterpartei DentschlandS sind, welche die Forderungen unseres Programms zu verwirklichen mit Energie in Angriff nehmen. III. Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschland» hat mit Recht eine einheitliche Organisation, damit durch Cougrcsse ein einheitliche», sich fortentwickelnde» Programm festgestellt werde, da- mit durch die Parteibehördeu und Parteipreffe einheitliche Agita- tio» und einheitliches Borgeheu in jeder Parteisache veranlaßt und vermittelt werde; diese einheitliche Organisation gestattet aber »ach den zur Zeit bestehenden Gesetzen nicht eine Theilung in ein- 6 lue örtlich abgeschlossene Sectionen. Die sozialistisch gesinnten rbeiter(da« Wort im allgemeinsten Sinne, auch die sogenannten Geistesarbeiter umfassend) eines Ortes oder kleineren Bezirke« haben indessen so viel Interessen gemeinsam, daß ihnen die vor- übergehende Vereinigung und Besprechung in einzelnen VolkSver- sammlungen nicht genügen kann; e» ist daher nothweudig, daß ganz unabhängig von der allgemeinen Partei-Organisation Mit- glieder, welche auch sür örtliche Zwecke ein Interesse haben, feste örtliche Bereinigungen gründen. Diese örtlichen Organisationen werden sich am besten nach den Wahlkreisen zum Reichstage ab- grenzen. Die Agitation sür Durchdringung sozialistischer Candi- daten ist schon, abgesehen vom schließlichen Erfolge, unter de» jetzigen ungünstigen Verein«- und Preßgesetzen und bei den Be- strebungen vieler Fabrikanten, die Arbeiter von der Wahlurne fern- zuhalten, eine Uebung und ein Gradmesser der wachsenden Macht der Sozialisten. Größere Bezirke als die ReichStagSwahlbezirke zu bilden, wird wohl durchweg unpraktisch sein. Auch für Städte wie Berlin empfiehlt sich wegen der Ausdehnung der Stadt die Theilung in die entsprechenden Bezirke; kleinere Bezirke zu bilden, kann durch örtliche Verhältnisse geboten erscheinen. Diese örtliche» Vereine«erden je nach Stärke der sozialistisch gesinnten Elemente und je nach anderen örtlichen Verhältnissen ein sehr verschiedene« AnSsehen gewinnen, überall werden sie den Ver- einSgenossen in öffentlichen und Mitglieder- Versammlungen Ge- legenheit zur Agitation und zum Meinungsaustausch bieten. Außer- dem werden sie an dem einen Orte Einfluß gewinnen auf die Verwaltung städtischer oder ländlicher Angelege»heiten. Am anderen Orte werden sie einen Consumverein gründen; der wird freilich nicht die Arbeiternoth beseitigen, aber weshalb sollen die Arbeiter ihre Lebensmittel und sonstigen Bedürfnisse theurer bezahlen al« die Reichen, welche bei größeren Einkäufen leicht S oder 10 pCt. Rabatt erhalten? und weshalb solle» die Arbeiter mehr al» nöthig ist, Kaufleute ernähren, welche, wo sie nur können, gegen die Sozialisten austrete»? Thatsächlich giebt e« bereit» in Hauptorten der sozialistischen Bewegung vo» Sozialdemokraten gegründete und geleitete blühende Confumvereine. Am dritten Orte stellen die Vereine einen Arzt an, am vierten Orte gründen sie eine locale Zeitung, am fünften und sechsten geschieht alle« zusammen und so überall da», wozu Bedürfniß und Möglichkeit vorhanden ist. Wir fürchten nicht, daß durch solch' Streben nach kleinen Bortheilen die Agitation für die schließlich allein Hülfteiche politische Organi- sation Schaden leide. Die sozialistischen Arbeiter trage» da« Bewußtsein vo» dem Recht ans den vollen Arbeitsertrag viel zu lebhaft in sich, um mit den Brosamen, die sie durch solch' örtliche Selbsthülfe erlangen können, zufrieden zu sein und ihre Ueber- zeuguug von der Nothwendigkeit einer gründlichen sozialen Refor- mation durch den freien Volksstaat wird, wie bisher, sich immer weiteren Kreisen mittheilen, und zwar um so rascher, je manich- faltiger die Beziehungen sind, welche die Sozialisten mit den gleichgültigeren Schichten der Arbeiterwelt verknüpfen. Nothweudig ist nur, daß gerade so wie die Agitation sich hüten muß, von der gewerkschaftlichen Organisation goldene Berge z« versprechen, sie auch den gelegentlichen örtlichen Unternehmungen der Vereine von vornherein nur nebensächlichen Werth beilegen darf. Unter diesen Voraussetzungen wird uns die Manichsaltigkeit unserer Bestre- buugen nur fördern, so daß wir bei der nächsten ReichStagSwahl die zehnfache Stimmenzahl haben, und für jede Stimme auch ein ganzer Mann, ein echter Sozialist mit seiner ganzen Kraft einsteht.— Wieder Herr Camphause«. � Gewisse in das Jahr 1874 fallende Finanzoperationen der preußischen Seehandlung(Ausleihen von StaatSgelderu an eine Privatbank ohne genügende Sicherheit— StaatShülfe für die Bourgeoisie) hatten die OberrcchnungSkammer zu einer Rüge veranlaßt. Die Sache kam vor da» preußische Abgeordnetenhaus und führte am 10. d. MtS. zu einer sehr lehrreichen Debatte, welche dem Finanzmiuister Camphaufen Gelegeuheit gab, sich aber- malS auszuzeichnen. Die Finanzkommission deS Abgeordneteu- hauseS brachte nachstehenden Antrag ein: „Nachdem der Herr Finanzminister erklärt hat, daß die Unter- lassung der Sicherstellung de« Darlehens feiten» der Seehandlung auf einem Jrrthum beruht hat, und in Erwägung de« Umstände«, daß e» an gesetzlichen Bestimmungen über die zeitweilige zinsbare Anlegung disponibler StaatSgelder mangelt, über das Monitum der Oberrechnungskammer Hinwegzogehe», dagegen die kgl. Staat»- regierung wiederholt aufzufordern, in der nächsten Session einen Gesetzentwurs, betr. die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben de« Staats(Etatsgesetz), dem Landtage zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorzulegen." Der Abgeordnete v. Kardorff, zur konservativen Grund- besitz»-Partei gehörend, ergriff da» Wort, indem er seineu Tadel gegen da» bisherige Ausleihen d» StaatSgelder zu so ungemein niedrigem Zinsfüße aussprach. Er erklärte:„Ich bin entschieden gegen daS Fortbestehen der Seehandlung. Einen Hauptnachtheil finde ich darin, daß die Seehandlung gewissnmaßen al« Firma und Aushängeschild benutzt wird von gewissen Bankfirme», um ihre Projekte durchzuführen, von denen sie dann ihrnjeit» einen größeren Nutzen ziehen al« die Seehandlung selbst. Ein weiter» Nachtheil liegt auch darin, daß die Seehandlung gezwungen ist, al» Bankinstitut Geschäfte zu machen, die sich mit der Würde eine« Staatsinstituts nicht verttagen. Endlich ab» meine ich, daß da» Fortbestehen der Seehandlung den Geld- und Geschäftsverkehr i» einer ungerechtfertigten Weise durchkreuzt. Nachdem ma» die Milliarden Frankreichs erhalten hat, liegt der Handelsverkehr in einer Weise darnieder, wie nicht seit den Kriegen von 1813 und 15. Man arbeitet mit einer fortdaunnden, heute noch immer wachsenden Unterbilanz(ungünstige Handelsbilanz, im Verhältniß zur Einfuhr abnehmende Ausfuhr), während Fraukreich umgekehrt bei dem entgegengesetzten wirthschastlichen System, welches es verfolgt, sich mit der größten Elastizität emporgnafft hat und da« Vntrauen dort in größirem Maße �wiedergekehrt ist, als bei un». ES ist die» eine Kette schwerer wissenschaftlich» Berirrungeu, welche un» zu diesen Zustande geführt haben, und als deren intellektuellen Ur- heb» betrachte ich allerdings zum Theil den Finauzminist«. Dem Anttage der Commission werde ich nicht zustimmen. Ich behalte mir dagegen vor, in der nächsten Session einen Antrag auf Auf- Hebung der Seehandlung zu stellen, und hoffe, daß mich da« HauS darin unterstützen wird." D» Finanzminister Campha»sen erwiderte:„D» Vorredner ist der Ansicht, daß die Hergabe von Geldern, die dem Staate angehören, zu einem niedrigen Zinsfüße die ganze Baakpolitik durchkreuzen könne, und meint, daß ich bei B»athung de» Bank- gesetzes im Reichstage der Bank eine» Vorwurf gemacht habe, d» mit«»doppelter Gewalt den Staat, refp. die Seehandlung, treffen würde. E« kann sich da» nur auf eine Aeußerung in mein» Rede vom 18. November v. I. beziehen» welche wörtlich also lautet:„Wir wirken darauf hin, daß die Bank selbst sich bemühe, Geld an sich zu ziehen, und nicht zu dem leichten AuSkuuftSmittel der Notenfabrilatton zu greise». Die Möglichkeit, zu diesem Au»- kuuftSmittel stet« greifen zu können» hat selbst eine so solid ver- waltete Bank, wie die preußische Hauptbank, wie ich glaube, iu große Jrrthümer geführt, so daß die Masse d» ungedeckten Noten von Jahr zu Jahr in ihrem Umfange gestiegen ist."— Nu» frage ich, ist diese Aeußerung irgendwie in einen Zusammenhang zu bringen mit der Frage, zu welchem Zinsfuß in ein» gegebenen Zeit Geld herbeizuleihen ist? Bei der ganzen Verhandlung habe ich zwar nicht diejenige Solidität angestrebt, die bei der großen englischen Bank Tag für Tag geübt wird; aber doch anuäherung»- weise eine solche. Und, meine Herren, kommt eS denn der eng- lischen Bank jemals in den Sinn, daß man Geld nicht sollte zu niedrigen Prozenten hergeben dürfen? Auf die Behauptung, daß die Operationen der Bank im März 137S dazu beigetragen haben, eine allzu ausgedehnte Circulation der Geldmittel herbeizuführen, will ich anführen, daß, während man jetzt allgemein der Ansicht ist, die Kapitalien der Bank seien jetzt außerordentlich wenig in Anspruch genommen, iu diesem Augenblicke die Bankanlage be- trächtlich höher ist, als sie im März 1872 war. Der Vorredner meinte sodann, die Seehandlung betheilige sich an Gründungen und schraube dadurch den Kur« hinauf. Wie ist den« da» Ver- hältniß? Die Seehandlung ist ein mit großer Umsicht seit langen Jahren geleitete« Institut, da« sich nur auf ganz sichere Unter- nehmungen einläßt. In Folge dessen sagt sich da» Publikum, so- bald die Seehandlung sich an einem Unternehmen betheiligt: die Sache ist eine gute und solide, die den Preis werth ist. den man verlangt. Ich bin endlich vom Vorredner als intellektueller Ur- Heber unserer ganzen WirthschaftSpvlitik bezeichnet worden. Die» Lob oder diesen Tadel für mich in Anspruch zu nehmen, kann ich doch meinem Freunde Delbrück gegenüber nicht verantworten.— Die Vorstellung übrigens, daß etwa Deutschland allein von den Folgen der Ueberspekulation bettoffen würde, die sich entwickelt hat nach dem Abschlüsse de» letzten Kriege«, der auf lange Jahre hinaus Europa den Frieden zu sichern schien(?), die Vorstellung, daß sich diese KrisiS auf Deutschland beschränkt habe, ist eine durchaus irrige. Wenn gegenwärtig Deutschlaads Eisenindustrie krankt, so bedarf e« nur ein» kurzen Reise nach Belgien und England, einer größereu nach Am»ika, um sich zu überzeugen, daß mau dort ganz an denselben Folgen leidet, und da« ist einzig und allein die Folge der Ueberspeknlatton, die Folge davon, daß sich die Fabrikation»- stätten darauf eingerichtet haben, mehr Waare zu erzeugen, al« d» Komsum bedarf. Daß Deutschland in dieser Hinsicht am meisten zu leiden habe, glaube ich nicht. Wie ist cS aber möglich, daß ein Mann, der so viel im Leben sich umsteht, wie ich die« von dem Vorredner voraussetze, den Satz ausstellen kann, unsere wirthschastlichen Verhältnisse wären mehr zerrüttet, als sie jemals seit dem Kriege von 1813 gewesen wären? Wer einen Blick für die thatsächliche» Zustände hat, kann Der denn nur einen Augen- blick vergessen und die Thatsache übersehen, wie außerordentlich günstig sich die Verhältnisse für die untersten, ärmsten Schichten der Bevölkerung gestaltet haben, kann der über- sehen, daß die Löhne zum Theil ganz rapid und in un- verhältnißmäßiger(?) Weise in die Höhe gegangen waren, daß sie seitdem allerdings einen mäßige»(!!) Rückgang erlitten, daß sie sich ab» jetzt auf einem Stande erhalten, den sie niemals früher gehabt haben. Ich bin der Meinung und d» Ueberzeugung, daß die unterste Schicht der Bevöl- kerung, daß die handarbeitende Klasse iu unserem Laude aus die Dauer noch niemals in einer so günstigen Lage(!!!) ge- wesen ist, al« sie sich gegenwärtig befindet/ Nachdem noch der Abg. v. Bend» gesprochen, bemerkte hi»- auf nachträglich v. Kardorff:„Ich habe all»dings Bedenke» gettagen, mit Ausführungen über unsere gesammte wirthschaftliche Lage so spät aufzutreten; ich hielt e« aber für nothwendig, vor dem Lande zu erkläre«, daß wenigsten« einige Leute sich um diese Fragen bekümmern. Die KrisiS, in der wir un« besindeu, hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, und He» v. Beuda kennt die Verhältnisse nicht genau, wenn er behauptet, ich habe mit zu düster« Farben gemalt. Ich bestreite, daß die unteren Schichten der Bevölkerung sich nie in besserer Lage befunden haben, zumal auch auf den fiskalischen Werken die Löhne herabgesetzt worden sind, von unserer Eisenindustrie habe ich gar nicht gesprochen; ich will aber hierbei bemerken, daß unsere Textilindustrie viel mehr darnicderliegt, al« die Eisenindustrie." Damit war der Gegenstand für da» Abgeordnetenhaus er- ledizt. Der Standpuntt de» Herrn v. Kardorff ist natürlich nicht der unfrige. Aber mögen seine Mottve sein, welche sie wollen, darin hat er recht, daß die wirthschaftliche Lage Preußens und Deutschlands überhaupt eine höchst ungünstige ist, und daß da» herrschende System hieran die Schuld ttägt. Freilich nicht bloß ein Theil diese« System», die Freihandelspolitik, wie» vermeiut, sondern da» System der herrschenden Bourgeois-Oekonomie in seiner Gesammtheit. Jedenfalls aber hat He» Camphausen, indem er behauptet,„die handarbeitende Klasse sei noch niemals in einer so günstigen Lage gewesen, al« sie sich gegenwärtig be- findet," eine Unwahrheit ausgesprochen, wie sie gröber nicht ge- dacht werden kann. Und wen» wir uns in« Gedächtniß zurückrufen, daß die» die« derselbe Herr Camphausen ist, der zu Ansaug de» Jahre» amtlich die Thatsache veröffentlichte, daß sechs und eine Biertelmillion steuerpflichtiger Preußen ein Jahre« Einkommen von weniger als 140 Thalcru haben, also dem Proletariat angehören, dann muß da« Wort„Unwahr- heit" un«»och als zu mild erscheinen. Abgesehen von einigen „Ausrufen de» Zweifel«" und dem schwachen Protest Kardorff», nahm da« Abgeordnetenhaus diese kolossale WahrheitSver- drehuug ruhig hin. Das arbeitende Volk möge e» sich merken. So redet ein Vertteter der Regierung, und Solche» dulden die „Vertret» de« Volk«"! Politische Uebersicht. — Neue Steuern in Sicht; neue ReaktiouSmaßregelu iu Sicht; eine kleine Rebellion unter den kleineu Bundesregierungen, denen die„Herrlichkeit" zu theuer wird und die den„genialen" Staatsmann in der, sein« Zeit vom bösen Jörg in jener famosen ReichStagSfitzuog vom 4. Dezember befürworteten Weise„unter Curatel" nehmen wollen; der„geniale Staatsmann" selbst auf«nbe- stimmte Zeit in Urlaub, um sich von seinen neuesten Heldeuthate« zu erholen und Arm in Arm mit seinem tteuen Wagener über den Undank d» Welt zu philosophire»— da« ist, nebst d« jüng- sten Camphauseuiade, über die wir an ander» Stelle bnichteu, so ziemlich da» Einzige, wa« au« dem Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte zu melden wäre— der obligaten Säbelaffaire», Soldatenmißhandlungen, Soldatenselbstmorde, Polizeistückchen, Bis- marckbeleidigunge» und sonstiger»berechtigtigten Eizcnthümlich- ketten" d»„BiSmarck'schen Schöpfung" nicht zu erwähnen. — Zur BrntalitätSstatistik schreibt die„Sang»häuser Zeitung" vom 10. d. M.: „Sangerhausen, 9. Juni. Heute erschien in uns«» Ex- pedition ein Mädchen, um eine Ausforderung an ihre bisherig« Dienstherrschaft ergehen z« lasse». Jndeß verschwieg sie hartnäckig den Namen der letzteren, welche e« wohl verdiente, bekannt z« werden. Wir bringen die betreffende Annonce an dieser Stell«, «eil wir der Ansicht sind, daß e« Angesicht» der neuerdings is erschreckend» Weise überhandnehmenden gesetzwidrigen Exeesse in den niederen BcvölkerungSklassen von der übelsten Wirkunz aus die Moral derselben sein muß, wenn ihnen die sogen, bessere? Stände darin mit einem bösen Beispiele vorangehen. Die Anst forderung lautet: ««Hierdurch fordere ich meine frühere Dienstherrschaft auf, binnen acht Tagen den ohne Grund zurückgehaltenen Lohn und mein Dienstbuch mir aushändigen zu wollen. Ich mache darauf aufmerksam, daß ich diese Aufforderung unter NamenS- Nennung wiederholen werde, wenn ich binnen dieser Frist nicht befriedigt sein sollte. Damit die betreffende Herrschaft nicht im Zweifel sein kann, ob sie gemeint sei, theile ich Fol- gendeS mit: Der Herr schlug mich, als ich mir daS verletzende Schimpfen der Frau verbat. Gewarnt, hatte ich mich au» Borsicht nicht für längere Zeit vermiethet, und verließ ich den Dienst sofort, wenn auch die Frau mir meine Sachen, Lohn und Dienstbuch vorenthielt. Als ich Tags darauf wiederkam, annehmend, daß sich der Zorn in- zwischen verkühlt habe, um meine Sachen zu holen, wurde ich von der Frau ohne jede Veranlassung mit den Wer- ten abermal» geschlagen:«Da hast Du von mir we- nigstenS auch eine." Auf mein Geschrei kam auch der Herr hinzu, schlug mich, warf mich zu Boden und trat mich mit Füßen aus Leib und Brust. Da« Letztere geschah im Beisein eine» hiesigen Bürgers, der die Wahrheit mir gern bezeugen wird.'" Wir würden Vorstehendes nicht abgedruckt haben, hätten wir unS nicht durch Rückfrage bei dem Zeugen der Mißhandlung der Wahrheit versichert. Zeuge ist ein achtbarer Mau», der allen Glauben verdient." So die«Sangerhäuser Zeitung". Was die Sache noch pikanter und lehrreicher macht, ist, daß der Held diese« Cultur- kampfabenteuer« im Stile BindingS, wie uns mitgetheilt wird» ein wohlbestallter Kreisgerichtsrath ist. Ein Bindiug als RechtSlehrer, ein Mädchenprügler als Richter— kann man sich über unsere herrlichen Justizzustände wundern? Au« Kruppamühle unter dem 24. Mai bei Keltsch in folgende Corre- — Der Moloch. Oberschlesien geht un« spondenz zu: „Die Oberschlesische Actieu- Gesellschaft für Fabrikation von Lignose(Schießbaumwolle) in Kruppamühle beschäftigt ca. 200 Arbeiter, wovon fast die Hälfte dem weiblichen Geschlecht angehört, und zwar bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 Stunden. Die Lohnsätze für die Frauen sind L Sgr., für die Männer 10—23 Sgr. Diejenigen, welche die höchste Löhnung beziehen, wüsten sich solch' schädlichen Arbeitsverrichtungen unterwerfen, daß selbst der stärkste Organismus inner- halb 3 Jahren zerstört wird. Diese gesundheitsschädliche Beschäftigung besteht darin, daß die betreffenden Arbeiter die Schießbaumwolle in eine Mischung von Stickstoff und Schwefel- säure hineinlegen und, nach vollständiger Sättigung, unter die Centn fuge*) schassen müssen. Bei dem Wegsall jeder Muskel- Anstrengung erscheint zwar die Arbeit al« leicht und gering, aber «S entwickeln sich hierbei Stickstoff und Schwefelgasc in solcher Menge, daß dessen ungewohnte Arbeiter nicht eine Stunde in dieser Atmosphäre weilen können. Die Einathmung dieser gesähr- liehen GaSarten zieht den Verlust der Zähne, da« An- schwellen de« Gesichts und der Hände herbei, und hiermit zugleich treten die ersten Anzeigen der Lungenkrankheiten auf. — Wie menschenfreundlich man hier mit den Arbeitern umgeht, beweist auS jüngster Zeit folgende Thatfache: Zu der oben ge- schilderten Beschäftigung wurde von Seiten de« Verwalter« ein Schwindsüchtiger angestellt. Auf die Vorstellung, daß der Kranke seine Lungen in 2— 3 Tagen vollständig ruinire, erwiderte jener Menschenfreund:«Was gehen un« seine Lungen an, das ist seine Sache." Derselbe Correspondeut bemerkt, daß in der Umgegend von Kruppamühle bei einer Arbeitszeit von dreizehn bis vierzehn Stunden durchschnittlich der Lohn für Männer 10—12 Sgr., für Frauen 4 Sgr. beträgt. — Avis an die Maurer und Zimmerer. Die Berliner «Volkszeitung" schreibt: «Ueber den gegenwärtigen Stand der Bauthätigkeit in Berlin und den Mangel an Bauarbeitern kam eS in der letzten General- Versammlung des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmer- meister zu sehr lebhaften Debatten, die zu folgenden Beschlüssen sührteu: 1) Schritte zu thun, um von außerhalb Deutschland« weitere Arbeitskräfte heranzuziehen zur Deckung de« bereit« vor- handenen Mangels an solchen; 2) fall« dadurch ein Ueberfluß von Gesellen erreicht werden sollte, jedem BondeSmitgliede bis zu V pCt. seiner Gesellen auS der Zahl dieser neu zugezogene» zu überweisen, zu deren Beschäftigung das betreffende Bundesmitglied mindestens 14 Tage lang verpflichtet sein soll." UnS scheint, daß dem Bunde der Bau-, Maurer- und Zimmer- meister nicht sowohl der«Maugel an Bauarbeitern" als vielmehr die gehaßte und gefürchtete Organisatton der Berliner Bauarbeiter ei» Dorn im Auge ist, und daß man auf deren Sprengung (innt. Wir find überzeugt, daß von maßgebender Stelle bei Zeiten ür Gegenmaßregeln gesorgt wird. Dresden. Nach einer fast Ivmosatlichen Untersuchungshaft soll am 22. Juni die Hauptverhandlung im Prozeß Petzold und Genoffen stattfinden, doch soll dieselbe geheim sein. Petzold ist der MajestätSbcleidignng, mehrere Bismarcksbeleidigungen, der Be- leidiguug de« preußischen Justizministers und der hiefigen Polizei angeklagt, während Kayser bei den Bismarckbeleidigungen und der Beleidigung d-S preußischen Justizminister» Beihilfe geleistet haben soll. Gerade bei politischen Prozessen ist die vollste Oeffentlichkeit nothwendig, sie ist da« einzige Korrektiv gegen eine» Tendenprozeß. Im Interesse de« Staat« soll e« liegen, daß die Verhandlung ge- heim sei. Wo dieses Interesse des Staat« steckt, möchten wir gern erfahren. Der Prozeß hat nämlich feine Hauptursache in der Beleuchtung der Kullmanniade, und da soll wahrscheinlich da« Interesse de« Staat« darin stecken, daß die Kullmanniade nicht noch einmal vor die Oeffentlichkeit gezogen wird. Irankrnberg. Parteigenosse F. Röhl ed er war bekanntlich wegen Anschlagen« eine« Plakat» zu 15 Mark Strafe oder fünf Tagen Hast(die vorsüudfluthliche Rechnung 1 Tag— 1 Thlr.!) verurtheilt worden. Rohleder hatte nicht Lust, wegen der 5 Thlr. volle 5 Tage im Gefängniß zu sitzen, da er aber da» Geld zur bestimmten Zeit nicht hatte, bat er beim Rath um Verlängerung der Zahlungsfrist. Jedoch man schien e« sehr eilig zu haben, denn da« Gesuch wurde abschläglich bcschieden und Rohleder am 2. Juni verhaftet. So hat er nun seine 15 Reichsmark redlich absitzen müssen. Dabei hat er noch die Cutdeckung gemacht, daß man im Frankenberger Stadtgefängniß ein Waschbecken zu den ganz überflüssigen Luxussachen rechnet; er fand kein solche« vor, und al» er den Wärter über diesen Mangel interpellirte, war *)(Sine mechanische Vorrichtung zum Trockuen verschiedener Körper; Trockenmaschwe. dieser ganz erstaunt ob der seltsamen Forderung; mau solle sich über den Kübel witschen, meinte der Beamte. Und so geschah eS auch, wie wir zur Charakteristrüng des in Frankenberg offiziell maßgebenden KulturgradeS ausdrücklich konstatiren. („Chemn. Fr. Presse.") Münch««, 9. Juni.(Sozialisten-Prozeß.) Da» kgl. Bezirksgericht München l. d. I. hat heute Nachmittags in der Untersuchung gegen den Sozialdemokraten Michael Jung und 75 Genossen folgende« Urtheil publizirt: 1) Die Untersuchung gegen den Maurer Mich. Böxler wird dem Militärgerichte über- wiesen, da Beklagter z. Z. als Soldat im 1. Artillerie- Regiment dient. 2) 41 Arbeiter werden von der Anschuldigung eine« Ler- gehen« wider Art. 17 des VereioSzesetzeS— Affiliation mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei(Eisenach)— freigesprochen. 3) Jg. Drechsler, Vorstand de« Fachvereins der Maler, wird von der Anschuldigung eioeS Vergehen« gegen Art. 14 de« Vereins- gesetze«(Angehörigkeit zum Localverein der sozialdemokratischen Arbeiterpartei), ebenso 4) weitere 9 Arbeiter von der Uebertretung der Wiederversammlung eine« geschlossenen Vereins freigesprochen, dagegen 5) die Schriftsetzer Maximilian Ernst und Alois Kiefer wegen Zuwiderhandlung wider Art. 17 und 21 des Vereinsgesetzes, sowie deS GeuossenschaftSgesetzeS zu je 17 Tagen Gefängniß und 10 Thlr. Buße, Schriftsetzer Franz Ernst wegen Uebertretung und Vergehen wider Art. 14, 17 und 21 des VereinSgesetzeS zu 15 Tagen Gefängniß und 4 fl. Buße; 6) die Arbeiter Ellwanzerund GleiSmiller wegen Vergehens wider Art. 17»nd 21 de» Verein«- gesetzeö zu je 12 Tagen Gefängniß; 7) Vertrauensmann Michael Jung wegen Uebertretung des Art. 14 und Vergehens wider Art. 17 de« VereinSgesetzeS zu L Tagen Gefängniß und 7 fl. Buße; L) Tischler L. v.Berg und Lackirer Lacroix wegen derselben Reate zu 6 Tagen Gefängniß und 4 fl. Buße; S) Maler Jgnaz Drexler wegen 3 Vergehen wider das VereinSgefetz zu 6 Tagen Gefängniß; 10) Redakteur Bruno Geiser und 9 Arbeiter wegen Vergehens der Affiliation mit politischen Vereinen zu je 4 Tagen Gefängniß; 11) 13 Vorstände ausgelöster Vereine wegen eineS Vergehens wider Art. 14 und 17 des VereinS-GesetzeS zu 3 Tagen Haft und 4 fl. Buße; 12) Handschuhmacher H. Oehme wegen Unterschlagung von GenossenschaftSgeldern zu 3 Monaten 6 Tagen Gefängniß und wegen Zuwiderhandlung wider Art. 14 ünd 17 de» VereinS-GesetzeS zu 10 Thlr. Buße(event. 5 Tage Haft) ver- urtheilt; 13) jeder Verurtheilte wird zur Tragung der auf ihn treffenden Kosten verurtheilt, die Geldstrafen aber werden dem KreiSschulfondS von Oberbayern überwiesen; endlich 14) wird die unterm 5. Octobcr 1874 beim Handelsgerichte eingetragene erste Buchdruckergenossenschaft ohne Anspruch aus Entschädigung gericht- lich ausgelöst.— ES sind demnach 39 Arbeiter gänzlich frei- gesprochen, 37 aber verschiedentlich verurtheilt worden. Die letzteren haben sämmtlich gegen da« wahrhaft unerhörte Urtheil appellirt. Insbesondere ist die Berurtheilung Oehme'S, dessen Verthcidigung gegen die ganz frivole Anklage der Untersuchung wir nachstehend mittheilen, ein Hohn auf alle Justiz. München.(Sozialistenprozeß.) Nach dem Bericht de« „Zeitgeist" vertheidigte Oehme sich wie folgt: «In Bezug auf die mir schuldgegebenc Unterschlagung muß e» mich zunächst beftemden, daß von Seiten der Anklage nur Ge- wicht auf die belastenden Aussagen der Polizeikommissäre, aber nicht auf die meiner Frau und die meiuigen gelegt wird. E« könnte, nachdem der Herr Staatsanwalt mit ganz besonderer Wärme alle belastenden Momente hervorgehoben hat, fast scheinen, al» ob derselbe ein ganz besondere« Interesse daran hätte, gerade mich sür möglichst lange Zeit für die sozialistische Agitation sozusagen unschädlich machen. Ich für meine Person glaube nun da« aller- diogs nicht, da mir eben die Motive hierzu vollkommen uuerfind- lich sind. Aus den Aussagen de« PolizeikommissärS Gehret geht ganz unzweifelhaft hervor, daß hier am Orte jeder irgendwie her- vorragende Socialist unter einer spezielle« polizeilichen Aussicht und Ueberwachuug steht, denn nur dadurch find die Angaben über innerste Familien- und Geschäftsangelegenheit erklärlich, die,»eben- bei bemerkt, zum großen Theil durchaus unrichtig find. Ich komme nun zu den polizeilichen Depositionen selbst. Zunächst betreffend da« in meiner Wohnung aufgenommene Protokoll muß ich wieder- holt coustatiren, daß der Passus, welcher besagt, daß meine Frau das fehlende Geld zu ihrer Lebsucht verwendet habe, von mir bei der Vernehmung vollständig falsch verstanden und deshalb auch sofort nach der richtigen Auffassung korrigirt worden ist. Wenn die Aussagen der Polizeikommissäre in dieser Beziehung ander« lauten, so muß ich bemerken, daß nach meiner Auffassung unbeschol- tenen Leuten, wie mir und meiner Frau, doch wohl auch von Gerichtswegen eben so viel Glauben beizumessen ist, wie einem Polizeikommissär, da ja die Fälle ebenfalls schon dagewesen sind, daß auch Polizeibeamte falsche Eide geleistet haben und deshalb bestraft worden sind. Mein Parteigenosse Steiuberger hat im Laufe der Verhandlung konstatirt, daß u. A. auch dem Polizei- kommissär Gehret bereits von Gerichtswegen eine falsche Denun- ziation nachgewiesen ist, die Glaubwürdigkeit desselben also nicht über allem Zweifel erhaben dasteht. Daß überhaupt das Geld nicht ohne Weiteres sofort hivgelegt wurde nach der Haussuchung, wie die« ja auf Grund deS Nachweise», den ich bereits auS den Geschäftsbüchern geliefert habe, sehr leicht hätte geschehen könne», lag eineStheilS darin, daß ich in Folge meiner Jnhastirung von dem Verkehr mit der Außenwelt«nd meiner Frau vollständig abgeschlossen war, und anderntheilS in dem gespannten Verhältniß meines CompagnonS Eckstein zu meiner Frau. Ueber die Ursachen desselben hier nähere Aufschlüsse zu geben, halte ich für unnöihig und für die Herren Richter ziemlich uninteressant. Zu meinem Leidwesen muß ich jedoch hierbei konstatiren, wie auch Herr Kiefer gestern bereits angeführt hat, daß Eckstein durchaus nicht als Freund und Parteigenosse in diesem Falle an mir gehandelt hat, indem er hier, wo eS die Rettung meiner Ehre galt, in der Ge- uosseuschastSversammlung aus falschem Ehrgeiz oder irgend welchen anderen Motiven abgeleugnet hat, daß sich die betreffende Summe in seinem Geschäft befand. ES ist mir sehr unangenehm, daß ich im Interesse meiner Vertheidiguug gezwungen bin, diese Thatsache öffeullich zu konstatiren, da die gegnerischen Blätter hieraus sehr leicht Capital schlagen dürsten in Bezug auf die Handlungsweise verschiedener Socialisteu untereinander. Daß mich meine Gesin- nungSgenossen einer ehrlosen Handlung nicht für sähig halten, dafür dürste auch wohl die Thatsache sprechen, daß ich kurze Zeit nach meiner Haftentlassung in der ersten größeren Arbeiterversamm- lung nach längerer Zeit, in welcher der Reichstagsabgeordnete Motteler referirte, zum zweiten Borsitzenden gewählt wurde, was jedenfalls im andern Falle nicht geschehen wäre. Wen» der Herr Staatsanwalt gesagt hat, es wäre ja zur Verhütung einer Anklage jedenfalls sehr angezeigt gewesen, fall« daS Geld zu jeder Zeit nach meiner Aussage im Geschäft vorhanden war, dasselbe dann sofort der Polizei einhändigen zu lassen, so muß ich hierauf be- merken, daß selbst, wenn ich durch meine Jnhastirung nicht an jeder freien Disposition gehindert gewesen wäre, eS mir al« Social- demokrat niemals hätte einfallen können, die Gelder der Arbeiter der Polizei zu überliefern, sondern daß ich dieselben nur in die Hände der GinossenschastSvorstände, als der zu ihrer Verwaltung berechtigten Orgaue, niedergelegt haben würde." Der Angeklagte geht hierauf auf einige vom Herr» Staatsanwalt angezogene Handlungen seiner Frau näher ein und rechtfertigt dieselben vom geschäftliche» Standpunkte. Ferner erklärt derselbe, daß es unwahr sei, daß sein früherer Compagnon Eckstein, wie der Herr Staats- anwalt ausführte, unter Zurücklassuag seiner Möbel und Schulden sozusagen bei Nacht und Nebel«verduftet" sei. TS sei vielmehr die frühere Firma vollständig ordnungsgemäß aufgelöst, er als Liqui- dator derselben eingesetzt und Eckstein dann nach vollständiger Auseinandersetzung mit ihm und mit seiner Familie, und unter Mitnahme seiner sämmtlichen Habseligkeiten, bei hellem Tage wieder nach Sachsen abgereist. Unrecht sei e« allerdings von demselben, daß er ihm über seine» späteren Aufenthaltsort keine Mittheilung gemacht habe, da er denselben sonst zum Zeugniß herangezogen und seine Unschuld sich hierdurch ganz unbedingt herausgestellt haben würde, welches Borgeheu er sich übrigens, fall» der jetzige Senat von seiner Nichtschuld noch nicht überzeugt sein sollte, für die Appellinstanz vorbehält. Der Angeklagte greift hieraus zum Schluß nochmals auf die ersten beiden Anklagepunkte zurück und bemerkt bezüglich derselben, daß e« die RechtScinheit in einer etwas wunderbaren Weise illustrire, wenn in Hunderten von Orten in Deutschland die Parteimitgliedschaften mit der ganz gleichen Organisation unangefochten von Polizei und Staatsanwalt schon jahrelang bestehen, während sie in einer Anzahl anderer Orte und hauptsächlich in großen Städten polizeilich aufgelöst und die Mit- glieder bestraft werden. ES habe die» wohl darin seinen Grund, daß eS eben Polizeibehörden gebe, die eS für ihre Pflicht hielten, nicht nur die öffeutlichen Meinungsäußerungen, sondern sogar die Gedanken sind Gesinnungen der Arbeiter zu überwachen und die, sobald die Arbeiterorganisationen an einem Orte einen größeren Umfang annehmen, darin ein- Gefahr für Staat und Gesellschaft erblicken und deshalb schleunigst zu ihrer Auflösung schreiten. Daß ein solche« Vorgehen nicht geeignet sei, den Glauben an die sogenannte wächserne Nase de« Rechts in ,deu Herzen und Köpfen der juristisch nicht gebildeten Arbeiter zu vernichten, sei wohl zweifellos, und um die große Masse der Arbeiter nicht glauben zu machen, daß e« zweierlei Recht, für die Besitzenden und Nicht- besitzenden, gäbe, sondern um vielmehr daS R-chtSbewußtsein unter der großen Masse deS arbeitenden Volke» zu stärken, erwartete er zuversichtlich seine und seiner Mitangeklagten Freisprechung. Wien. Die Haussuchungen und Verhöre dauern fort. Am 30. Mai wurde in Gloggnitz Genosse Schrödl verhört und in seiner Wohnung und im Lokale de» Arbeiter-BildungSvereinS nach „kompromittirenden Papieren" gefahndet. In Fürsteuseld hatte« die Genossen Seitz, Kubisch und Lahnthaler Verhöre zu bestehe». In Linz wurde am 24. Mai Joh. Beck verhaftet, einige Stunden später jedoch mit ZwaugSroute in feine Heimath nach Vorarlberg geschickt. Ja Leoben wurden Debenz und Brenner verhört, und in der Wohnung Eulcr'S vergeblich gesucht. Ja Jägerndorf wurde bei Josef Reimanu gesucht und nicht« gefunden. Reimann wurde wegen Nichtablicferung seiner Marschroute mit 43 Stunde» Arrest betheiligt. Ein Telegramm zum Cougreffe in Gotha wurde nicht befördert. AuS Römerstadt wird un« geschrieben, daß bei Josef Nick- manu nicht weniger als vier Hausdurchsuchungen stattfanden. Hier handelte eS sich um die Papiere Wanke'«. Da jedoch solche nicht gefunden wurden, begnügte sich die fünf Mann starke Com- Mission mit der Wegnahme seiner— Kleider(!). Auch bei Wilhelm Strauch daselbst wurde untersucht. In Brünn erhielteu die Genossen Jadra, Bradaczek und Joh. Zacharias Besuch. Bei letzterem nahm die Polizei eine große Anzahl werthloser Papiere mit, die im Lause des nächsten Tage« wieder zurückgestellt wurden. Genosse Meisinger in Salzburg, dessen Verhaftung wir im letzten Blatte meldeten, wurde bereits freigelassen und»ach dem gewöhn- lichen Rezepte mit einer Marschroute nach Hause geschickt. Nach- träglich wird uns au« Jägerudorf berichtet, daß daselbst auch bei Johann Böhm Durchsuchung gehalten wurde, die Verhöre nehmen kein Ende. Ja Trieft geschah dasselbe bei den Genossen Seykota und Augenmüller. Es wurden einige— mehrere Jahre alte— Briefe TauschinSki'« und L. R. Zimmermann'« gefunden und mitgenommen. Triumphircnd rief der Polizeicommissär au«: «Nun ja, wir führen keinen Schlag, wenn wir unserer Sache nicht gewiß sind!" Dann hielt er noch eine kleine ErmahuungS- rede, versicherte, daß von Seite der Polizei nicht« veröffentlicht werde, und rieth den Genossen, dasselbe zu thun,— welcher gute Rath indeß nicht befolgt wurde. Die«Neue Freie Presse" läßt sich aus Prag telegraphiren: e« seien in Prag und dessen Polizei- rayon zahlreiche Haussuchungen bei Arbeitern vorgenommen worden. Selbstverständlich fehlen auch die«kompromittirenden Papiere" nicht. Ob darunter wieder da« Vereinsgesetz verstanden wird, wie seinerzeit bei der Verhaftung A. Scheu'«, ist noch nicht bekannt. („Gleichheit".) J««ere Partei-Angelegexheite». Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am 10. Juni die Wahl der Controlkommission in Leipzig vor sich ging und in die- selbe folgende Parteigenossen gewählt wurden: August Bebel, Theodor Burckhardt, Carl Petzold, Wilh. Krctzschmar, Paul Krey, August Schäfer, Eduard Ehrlich. Nach Schluß der Versammlung traten die Gewählten zur Cou- stituirung zusammen und wurden hierbei gewählt: August Bebel, 1. Borsitzender. Carl Petzold, dessen Stellvertreter. Theodor Burckhardt, 1. Schriftführer. Paul Krey, dessen Stellvertreter. Indem wir die« zur Keuntaiß der Parteigenossen bringen, be- merken wir noch, daß alle für die Coutrolkommisston bestimmte» Zuschriften w. an August Bebel» Laugestraße 47, zu richte« find. Hamburg, den 14. Juni 1375. Der Vorstand der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. C. Deroffi, I. Auer, große Rosenstraße 36, II. Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Töpferverein. Wiesbaden. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß sich der Vorstand constituirt hat. Zum Haupttassirer wurde gewählt Rein- hold Bollschweiler, Schwalbacherstraße 11, an den alle Gelder einzuschicken sind; zum zweiten Vorsitzenden Karl Eichmann, Blechstraße 11; zu Beisitzern: Wilh. Kador, Jos. Käfer, Heinr. Oswald, K. Roth, K. Herborn, PH. Raul. Ich bitte, um der Vorortsverwaltung ihre Aufgabe zu erleichtern, sich an die bestimmten Adressen zu halten. Sendungen, die nicht an de» Hauptcasflrer adressirt sind, finden keine Berücksichtigung. Die Revisoren werden laut GeneralversammlungS- Beschluß nicht mehr am Bororte gewählt, sondern in den nächstzelegenen Städten, wo sich Mitglieder befinden. Das Nähere durch das Protokoll. Werthe Collegen, wieder ist ein Jahr verflossen, ohne daß wir sagen könnten, wir wären vorwärts gekommen; und das auS- sprechen zu müssen, ist sehr traurig. An alle diejenigen von Euch, die in der Organisation stnd, richte ich die Mahnung: Rafft Euch auf, schüttelt Eure Schlaffheit ab, zeigt, daß Ihr Männer seid! Legt den Schlendrian bei Seite, von dem ihr noch beduselt seid, nämlich den Kastengeist, der noch herrscht zwischen Setzer und Werlstattarbeiter, denn wir sind gleiche Lohnsklaven, und sucht Diejenigen herbeizuziehen, die uu» noch fernstehen! Ferner bitte ich, an jedem Orte, wo sich Mitglieder unseres Berein« befinden, Bevollmächtigte vorzuschlagen und dieselben an- zumelden, und bitte zugleich, daß ein jede« Mitglied eS sich zur Pflicht macht, da« Protokoll zum Kostenpreis zu beziehen, in- dem die Beschlüsse der Generalversammlung für die Mitglieder bindend find. Mit eollegialische« Gruß! Joseph Schwei«, erster Borsitzender. Karlstraße 23, Wiesbaden. Metallarbeitergew erkSgeuossenschaft. Araunschweig. Gewerksgenossen! Generalversammlung und SewerkschastSkonferenz sind vorüber! Sowohl diese al« jene haben nn« Verpflichtungen auferlegt, welche wir, sofern un« an einem Aufblühen und Gedeihen der Gewerkschaft, ja au der Bessergestal- tung unserer eigenen Verhältnisse ernstlich gelegen ist, gewissenhaft erfüllen müssen. Da nun die Protokolle der Generalversammlung; welche be kanntlich am 17., 18. und 19. Mai in Mannheim tagte, noch nicht zum Bersenden fertig find, die aus derselben gefaßten Be- fchlüsse jedoch schon am 1. Juli in Kraft treten sollen, so wachen wir schon hierdurch die Mitglieder mit den wesentlichsten Be schlüssen bekannt: 1) Der§ 3 unserer Statuten erhält die Fassung, wie sie al« Antrag veröffentlicht wurde; die wöchentliche Steuer ist auf 13 Rpf. festgesetzt und müssen die Mitgliedschaften von ihrer Gesammt- Einnahme monatlich nebst Abrechnung Vi an die Haupt kasse absende». 2) Da« Organ„Union" ist auch fernerhin obligatorisch und wird auS der Hauptkasse bezahlt. 3)§ 8 der Statuten wird gestrichen, nnd§ 7 erhält folgenden Zusatz: Ferner ist der Ausschuß verpflichtet, möglichst schnell den Mitgliedern die Motive zur Ausschreibung einer Extrastcuer zur Kenntniß zu bringen. 4) Zu§ 29: Al« Beitrag zu den Beerdigungskosten erhalten die Hinterbliebene«, sobald das Mitglied 1 Jahr der Gewerkschaft angehört, 36 Mt. 6) Der Krankenkasse wird eine Sterbekasse beigefügt, und wurden die Statuten in diesem Sinne festgestellt. 6) Die BerwaltungSbehörden der Gewerkschaft«» und Kranken kasse verbleibe» an de« nämlichen Orten, mit Ausnahme der Eon trollkowmifsion der Krankenkasse, welche von Chemnitz«ach Leipzig verlegt wird. Auf der Generalversammlung vertreten waren 28 Orte durch 18 Delegirte. Da die wesentlichsten Beschlüsse der Gewerkschaft«- Couferenz bereits veröffentlicht find, die Ausführung derselben auch in erster Linie der Berwaltung zukommt, so knüpfen wir hieran nur den Wunsch, daß die Einigung auch unter den Metallarbeitern mit aller Energie betrieben werde, und daß Jeder derselben sich die Beschlüsse de« Hannover'sche» Congresse« in« Gedächtniß zurück- rufe! Gleichzeitig ersuche« wir die Bevollmächtigten um baldigen Bericht über die statutengemäße Neuwahl der Localbeamten sowie um genaue Angabe der BerkehrSlocale, da auch solche veröffentlicht werden sollen. Mitgliedschafte«, welche mit Abrechnnnge» und Abonnements gelder» der„Union" restire», wollen selbige baldigst einsenden, widrigenfalls in der„Union" gemahnt wird. Für die BorortS-Berwaltung. _ I. A.: C. Schubert. Gewerksgeuoffenfchaft der Maurer und Zimmerer. Ztraunschweig, 13. Juni. Gewerksgenossen! Hiermitmachen wir Euch bekannt, daß»ufere diesjährige Generalversammlung den 11. Juli und die darauffolgeuden Tage in Hamburg stattfindet. E« wird Euch bekannt sein, daß bezüglich der Bereinigung auf gewerkschaftlichem Gebiete bereit« zu Ostern eine Confereuz der verschiedene» Gewerkschaften resp. deren Vertreter in Hamburg tagte. Diese Couferenz beschloß, nochmals alle bi» jetzt organisirten Gewerkschaften, sowie auch die noch isolirt dastehenden Fachvereine zu«wer allgemeinen Gewerkschaft«- Couferenz nach Gotha einzube- rufe». Diese'tagte nun am 27. und 28. Mai. ES waren dort Delegirte der Gewerkschaften beider Richtungen zahlreich vertreten und alle ohne Ausnahme befürworteten die Bereinigung. Da« Nähere darüber sagt Euch da» Protokoll der Couferenz. Unter zeichneter Vertreter det Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer verständigte sich mit dem Vertreter des Allgemeinen deutschen Maurer- und Steinhauer-Bunde», nach Bergleichung der beider- fettigen Statuten, dahin, unsere diesjährigen Geueralversamwlungeu zu gleicher Zeit und an Einem Orte abzuhalten. E« wurde erst Braunschweig vorgeschlagen; da aber schon der Allgemeine deutsche Maurer- und Steinhauer-Bund seine Generalversammlung nach Hamburg ausgeschrieben hatte,»ud er zudem seine meiste» Mit- gliedschaften in Mecklenburg und»och weiter entfernt hat, so wurde Hamburg angenommen. Damit nun aber unsere weit entlegenen Orte betreffs der Delegirten-Senduug nicht geschädigt werden, so verpflichtet sich der Ausschuß de« Allgemeinen deutschen Maurer- und Steinhauer-Bunde«, unfern Delegirten die Reise- kosten für alle Entfernungen über 30 Meilen zu vergüte». Ge- »offen, diese vorsteheudey provisorischen Abmachungen zwischen den beiden Bertretern sind nun auch von dem Ausschuß jenerseit«, sowie von der BorvrtSverwaltung unsererseits akzeptirt, und legen wir Euch diese« al« definitiven Beschluß vor. Wir sind überzeugt, Ihr werdet mit»n« einverstanden sein und die Bereinigung der deutschen Maurer sowie der Bauhandwerker überhaupt mit Freuden begrüßen, zumal in dieser Zeit,«ö die BaugewerkSmeister überall Baugewerkvereine gründen, und sich über ganz Deutschland organiflren. Welche famosen Beschlüsse dieselben gefaßt haben, ist Euch genügend durch die„Union" bekannt. Darum Genoffen, auf zur Generalversammlung I Ein jeder Ort muß einen Delc flirten senden, dann werden wir schon aus dieser Generalversamm' lung, deß find wir gewiß, eine vollständige Vereinigung der Maurer sowie der Zimmerer Deutschlands herstellen. Wahnsinn wäre e«, wollten ferner»och die Männer eines Arbeitzweig» ge- theilt oder gar einander befehdend vorgehen. Der Verband deutscher BaugewerkSmeister will in geschlossenen Reihen kampfze- rüstet dastehen, laut seinem Organ, der„Baugewerkszeitung". Darum Genossen, schafft ein Bollwerk, damit wir den Kampf jederzeit aufnehmen können. Die Geschäfte der Generalversamm- lung werden in der Weise geregelt, daß der 11. Juli(also ein Sonntag) zum Reisen benutzt wird; Sonntag Abend muß jeder Delegirte zur Stelle fei». Es werden dann zunächst die General- Versammlungen getrennt abgehalten, und nach deren GeschäftS-Er- ledigung wird in die Bereinigungs-Angelegenheit eingetreten. E« ist dann auch unsere Aufgabe, den Zimmerern, welche jetzt zu uns gehören, dort eine selbstständige Organisation zu schaffen, weil durch Beschluß der Gothaer Couferenz die einzelnen Fachgewerbe für sich organisirt werden sollen. Es ist nun auch bereits ein neuer Zimmererverein, unter möglichster Berücksichtigung unsere« Statut«, in Berlin gegründet; in diesen, wenn möglich, unsere Zimmerer als vollberechtigte Mitglieder überzuführen, ist ebenfalls Aufgabe der Generalversammlung. Noch forderu wir alle Fach- vereine dieser Corporationen, sowie solche Orte, welche noch ohne irgend welche Organisation dastehen, auf, sich durch Delegirte vertreten zu lassen, denn auch Eure Aufgabe ist e«, an dem ge- «einsamen Kampfe Theil zu nehmen, und nicht länger müfstg zu- zusehen oder gar, wie schon öfter geschehen, uns»och zu bekämpfen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1) Wahl des Bureau» und Prüfung der Mandate. 2) Bericht de» Geschäftsführer« über den Stand der Gewerkschaft. 3) Rechenschaftsbericht der Gewerks- und der Krankenkasse. 4) Berathung über die Bereinigung, ö) DaS Organ und die Agitation. 6) Wahl des Bororts und der Ber- waltuag. Alle sonstigen Anträge, welche auf die Tagesordnung kommen sollen, möge man bald an uu« gelangen lassen. Angabe des Lokals, in welchem die Generalversammlung stati findet und sonstige Bestimmunzen folgen später. Mit Gruß Für die Verwaltung: H. Ricke, Schöppenstedtcrstraße 50, Geschäftsführer. «riefkaste» der Redaktion: A. Schw. in Hamburg: Da« Lesebuch ist leider noch zu schreiben. Lesen Sie das Protokoll des vorjährigen Toburger Ton- gresse«.— A. S: Wenn Ihnen die Kriegsartikel verlesen find, nein; wenn nicht, ja. Knollmann Hannover: Aufruf für diese Nummer zu spät. der Expedition: L. Btnschn Altona Aun. 1,50. Blk hier Ann. 1,00. Krzl hier Ann. 0,60. Frn; Jägerdorf Schr. 6,00. Kllu. Waudsbeck Ann. 0,60. Arb. Wahlverein Düffeldorf Ann. 0,50. Mllr hier Schr. 0,81. Mllr Mannheim Ab. 32,55. Schr. 7,46. Schnwß Uelzen Schr. 3,20. Hdlch hier Ab. 6,00. Wutzl hier Ab. 0,55.«ltl Apolda Schr. 1,16. Kncht hier Ann. 0,30. Sissl Hamburg Ann. 0.60. Geuoffeuschaftsbuchvruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten ferner in Hamburg: W. H. 3,00. C. D. 3,00. G. H. 3,00. Eßlingen A. M. 6,00. W. M. 6,00. W. D. 6,00. F. K. 6,00. W. M. 6,00._ Anzeigen ic. Samstag, den 19. Juni, Abend» 3 Uhr: . Versammlung der hiefigen Sozialdemokraten bei Bierbrauer Linder, Blosfeld. _ Ö. Stollberg.[40] Sonntag, de» 20. guni allgemeine Betheiligung am Arbeiterfeste zu Lechhausen. Zusammenkunst Nachmühg 2 Uhr bei ,Tgen»berger am Jakoberthor. Die Fahne wird erst außerhalb des städtischen Gebiet« enthüllt, um die öffentliche Ruhe und Ordnung nicht zu gefährden. s125s Correspondenzen. Z>a«zig, 6. Juni. Vorgestern fand die zweite Bersammlunz de« hiesigen sozialdemokratischen Wahlvnein« statt. DorowSky und Schlemp rcserirten sehr eingehend über das auf der Tagesordnung befindliche Thema:„Unsere Ziele". Einige Mitglieder traten dem Verein bei. Wir haben vor Kurzem die Gründung de« hiesigen sozialdemokratischen Wahlverein« im„Neuen Sozial- demokrat" und im„BolkSstaat" angekündigt und bemerkt, daß der erste Schritt zur Förderung der sozialistischen Idee in Danzig der Hirsch-Duncker'schen Partei, die sich hier als allein seligmachend proclamirte, zum Schrecken und Verdruß gereichen wird. Daß wir zu dieser Annahme berechtigt waren, beweist ein boshafter Angriff in dem hiesigen Local-Blättchen der Hirsch-Duncker'schen Partei. Dadurch, daß der Verfasser sich unseren Bemühungen gegenüber gleichgiltig stellt, sucht er sein Gift nur wirksamer zu mache». Beiläufig ist da« bereit« der zweite Angriff von dieser Seite; der erste erschien bereits vor jener unserer Ankündigung. Der würdige Ableger deS würdige» Duncker-Blatte« sucht un« durch Hinweis auf die vorläufig geringe Anzahl unserer Mit- glieder lächerlich zu macheu, faselt sogar etwa« von„7 Mitgliedern", wirft un« vor, daß uusere Versammlungen hinter verschlosseneu Thüren stattfinden und ertheilt uns schließlich de» Rath,„hübsch bescheiden zu sein und den Mund nicht voll zu uehmm". ES hieße der Würde unserer Sache Abbruch thuu, wollten wir un« mit einem Blatte von dem Caliber der„Danziger Volk»- Zeitung" i« eine ernstliche Polemik einlassen. Es wäre da« zu viel Ehre für ein Blatt, welche», abgesehen von seiner politische» und sonstigen Jämmerlichkeit sich nebenher mit allerlei Privat- nnd Familieu- Klatsch abgiebt, um Abonnenten zu ködern und wer weiß, in noch welch anderer Abficht. Wir werde» also von nun a» ein derartiges, mit handwerksmäßiger Routine vorgebrachte« Geschwätz mit der gebührenden Achtnng behandeln, da« heißt ig- noriren und nur noch grobe Entstellungen von Thatsache« be- rückfichtigen. Der Herr verfertiger der bewußte» Notizen möge sich zu seiner Beruhigung sagen lasse», daß e« lediglich von den Männern, die den ersten Impuls zur Gründung de« Verein« gaben, abhing, die vier-, ja fünffache Mitgllederzahl sogleich„zusammenzubringen", daß sie eS jedoch für besser hielte», besonders anfangs, nur tüchtige, geprüfte Gesinnungsgenossen zuzuziehen. Käme e« un» auf die Kopfzahl an, so könnten wir statt 22 leicht 100 Mitglieder habe». Die erste Versammlung war lediglich eine Vorberathung, wnrde jedoch nicht„hinter verschlosseneu Thüren" abgehalten, wie der gute„Bolk«-Zeitong«"-Au«- und Zuschneider sich ausdrückt, der alle anderen Parteien nach seiner eigenen beurtheilt. Der brave Man» hätte e« sich also erspare« können, un« Bescheidenheit zu empfehle»; im Munde einer Partei, deren bloße« Bestehen schon eine An- maßung, ein Verstoß gegeu de» gesunden Menschenverstand und gegen alle Logik ist, klingt ein solcher Rathschlag gar zu posstrlich und hat auch der„Bolk«zeitung«-Schreiber" iu vollstem Maße die Wirkung erzielt, un« herzlich zu amüsiren. Im Anftrage: I. DorowSky, Borfitzender. Aar«««. Zur Beachtung! Die Parteigenoffen in nach- stehenden Orten werden ersucht, in folgender Reihenfolge, behuf» Ausbreitung der sozialistischen Arbeiter-Partei Deutschland», LolkS- Versammlungen anzuberaumen: Freitag 18. Juni in Düsseldorf, Samstag 19. Juni in Mühl- heim a/Rhem, Sonntag 20. Juni in Aachen, Montag 21. Juni in M.-Gladbach, Dienstag 22. Juni in Süchteln, Mittwoch 23. Juni in Kempen, Donnerstag 24. Juni in Crefeld, Freitag 25. Juni in Duisburg, Samstag 26. Juni in Mühlheim a. d. Rohr, Sonntag 27. Juni in Gelsenkirchen, Montag 28. Juni in Bochum, Dienstag 29. Juni in Witten, Mittwoch 30. Juni in Herdecke, Donnerstag Juli in Hage«. Die Parteileiter an den einzelnen Orten bitte ich dafür Sorge zu tragen, daß die Versammlungen pünktlich einberufen und durch öffentliche Anzeigen zur Kenntniß der Arbeiter gebracht werden. Sollten an dem einen oder andern Orte sich keine Parteigenossen befinde», so werden die Parteigenossen der nächstliegenden Orte ersucht, die Versammlung zu arangiren. Bor allem aber bitte ich, mir au« all' den genannten Ortm sofort Nachricht zukommen zu lassen, ob die Versammlungen statt- finden können. Und nun, Parteigenosse», thue Jeder seine Pflicht, dann werden wir mit vereinter Kraft in kürzester Zeit unser» Gegnern den Beweis von dem„Rückgange" der Socialdemokratie liefern. Mit focialdemokratischem Gruß C. I. Kühl, Gewerbescholstr. 98. *) Kam für die Mittwochsnuwmer jn spät, die bei Absendung de« Obigen bereit« gedruckt war. Der„Bolkistaat wird 2 Tage vor dem au»er Spitze der Nummer angegebene Datum gedruckt. Red. d. B Montag Abend zur Nachfeier gesellige Unterhaltung bei Holzhau im Garten; bei ungünstiger Witterung im Salon. s50) Barme»"■'föÄ8.,8 sämmtlicher Abonnenten de» ueuen„Social-Demokrat" und de«„Volk«- fiaat" bei Berger. Tagesordauug: Bildung einer ueuen Zeitu»g«commisstou. Kein Abonnent darf fehlen.__ ftHtzl.[60] ©erlitt „Eoncordia." Berein für gesellige Unterhaltung. Sonnabend, den 19. Juni, Abends 8 Uhr: GrgßeS SommeruachtS-Fest, verbunden mit theatralisch-deklamatorischer Abendunterhaltung, Eoncert und Ball in König«bank, große Frankfnrterstr. 117. Billet« 35 Rpf. sind im Cigarrengeschäft der Pcoductivgenoffenschast» Laugefir. 81 und an den bekannten Stelleu zu haben. Kaffeupr. 50 Pf. Freunde und Genoffen sind hierdurch zu zahlreichem Besuch eingeladen. Der Ertrag ist für Bereinlzwecke bestimmt: .(2b) Der Vorstand. I.»: Bernstein.[250] Berlin Sonntag, den 20. Juni, Vormittag« halb ll Uhr: Große Boltsdersamml««g, Sophtenstr. 15. Tagesordnung: Die Organisation der Socialisten Berlin«. Wahl einer Tommission zur Berathung de» Statut«. Alle Arbeiter Berlin» werden aufgefordert, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Socialisten Berlin« müsse» anwesend sein. __(2b)_ Heinsch.«aethke.[90 DÜkkeldork Arbeiter Wahlverein. Sonnabend, den 19. Juni, Abend« halb 9 Uhr bei Herrn Worringen am Wehrhahn: Geschloffeve Mttgliederversamml»»g. Tagesordnung: Abrechnung. Wahl einer Zeitung»- Tommisfion. «erfchitdene»._»er vorstand.[70} {SXitfitiA Arbeiterverein. Die Theiluehmer an dem Sonntag, den 20. Juni, statt« findenden Ausflug nach Nsnnhsf versammeln sich Mittag» 11 Uhr, im BereinSlokale(Kuntzsch). Abmarsch nach de« Leipzig-DreSduer Bahnhof Punkt halb 12 Uhr.— Montag«ersammlnng._[125] verband der Klempner und verwandter BerufSgeuosse». Sonnabend,"19. Juni, Abend» halb 9 Uhr Pricife, Schoppensteel 22: Geschlossene Mitgliederversammlung. T.-O.: Wichtige BereinSangelegenheiten. L. Stoffel, Bev.]50] Freitag, dm 18. Juni. Abend, halb 9 Uhr tu VttMvttrg Tütge» Salon, valentinkamp 41: Mitgliederversammlung der socialtsttfchen Arbeiterpartei Deutschland«. Tagesordnung: Wahl der Lokal-Beamten und Feststellung de« Bei- trag« für Hamburg; die früheren Mitgliedskarten legitimire«. Köster. Peter.[70] Leipzig tfoiwoi«» Gewerkschaft der Metallarbeiter. i-C l Montag, den 21. d. M. Versammln», bei Fröhlig, Nicolatstraße 38.— TageSordn.:.1) Sozialer Wochenbericht von Leipold. 2) Fragekasten.__[40] Allgemeiner deutscher Schneiderderet». Montag, den 21. Juni,«beud« 8 Uhr: Versammlung bei Jakob, PeterSstr. 13, gold. Arm.— Tagesordnung: 1) Wo soll die Seneral-versammlung stattfinden? 2) Sewerkschasts-Touserenz w Gotha. 3) Urabstimmung der Krankenkasseu-Mitglieder, ob Erhöhung der Steuern oder nicht. 4) Verschiede»«. Fragekasteu. Ausnahme nmer Mitglieder an jedem Bereinsabend.— Gäste stet» willkommen. Die Mitglieder werde» ersuch», zahlreich zu erscheinen. _».».[100s Üsßesirrr den„«»lk»staat"-Ab»anelUea von Mainz»ad Umgebung WiniUch zur Nachricht, daß ich MonatS-Abouuemeut« entgegennehme und für pünktliche und reelle Besorgung garantire. Leb. Barth, H-ioelberzerfaßzaffe 7. Hinterhau» 4 Tr.[40] Soeial-demokratischer»rbeiter. verein. WttttvSoett Dienstag, dm 22. Juni, Abend« halb 9 Uhr: Gtschloffene Mitglitdervtrsam«la»g. Tagesordnung: Auflösung de« Berein« und verschiedene«. ____ Der Vors. J.«Sil».[60] Malergehilfett c».»407) sacht H. Erbe, Schwalbacher Straße 22, Wiesbaden.<10i)[75] Parteigenosse de vaqne, Tischler, früher hier, nachher in der Schweiz, wird freundlichst gebeten, au wich seine jetzige Adresse einzusenden. SSla a. Rh._ O. Heinrich, gr. Briechenmarkt 47.[100] s Im Verlag von Aug. Bergmann, Barmen, Ql*«* i �(CUl Oberdörnerstr. 27. isterschi.nen:.fIXIU Die säm« tlicheu ReichStogsabgeordneteu der Sozialistisch e« Arbeiter- Partei Teutschlands, nebst Lossolle, in«roh-Format. Preis eine« Exemplar« in elegantem Rahmen Reichsmark 4.00 „ ,, ohne«ahmen„ 160 „„- hm per Dtzd.„ 14,40 Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Bestellnngm nimmt mtgegm der Verleger sowie T. I. Ku h l, Gewerbe- schulftraße 98.[8a][250] verantwortlicher Redakteur: H. Rindt. Redaktion Hohestr. 4, Expedition Zeitzerstr. 44, i» Leipzig. Druck und«erlag der Gmoffmschaftsbochdmckeret tu Leipzig.