Erscheint in Jetpziz Mittwoch, Freitag, Sonnlag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand» lungen des In- U.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Vereiniglen Staaten: F. A. Sorge, öo» 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coates str. Philadelphia. Der VMsßaal Organ der SozialiftLschen Arbeiterpartei Deutschlands. Abonnementspreis für ganz Deutschland IM.KOPf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Lren u. llten Monat und auf den 3:en Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch aus den Iten Monat des Quartals ä 54Pf, Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten beireffend, werden mit 10 Pf.,— Privat- und Vergnügungs- Anzeigen mit 2b Pf. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 73. Mittwoch. 30. Juni. 1875. Durch plötzlich vorgekommenen Defekt an der Maschine hat sich der Versandt eines Theiles der Auflage der vorigen Nummer unliebsamer Weise um einen Tag verzögert. Die Expedition. n' Eiue Erinnerung an Georg Herwegh. (Hadeiit sna fata libelli— die nachfolgende Skizze hat ihre Geschichte, die wir gelegentlich erzählen weiden. Für jetzt zur nölhigen Aufklärung dcS LeferS nur dieS: gleich nach Herwegh'S Tod wandte Herr Keil sich an die Witiwe mit dem Ansinnen, einen biographischen Abriß für die„Gartenlaube" zu schreiben. Die Wahrheit wurde geschrieben, und sie paßte natürlich nicht für die„Gartenlaube".— Ter„Volksstaat" ist stolz, eine Pflicht deS arbeitenden Volks gegen den treuen Dichter des arbeitenden Volks erfüllen zu können.) „Licht floß ihm von der reinen Schwinge nieder, Licht strahlt' er in des Schicksals dunklen Gang, Vom Glanz der Wahrheit blitzte fein Gefieder, Und der Gedanke ward bei ihm Gesang, Der ihn entzückt in trunk'ucm Flug Bis vor den Thron der Schönheit trug." Mögen diese Worte, die Georg Herwegh einst seinem Schiller zu deflen hundertjähriger Feier zurief, und die eben so gut auf den jetzt dahingegangenen Dichter passen, mir als Eingang zu der kurzen LebenSskizze dienen, um deren Abfassung Sie mich gebeten, und die Ihnen rn aller Wahrhaftigkeit und mit dem ganzen Ver- ftändniß, dessen ich fähig bin, zu geben, ich heute für eine Pflicht gegen den theuren Tobten halte, die zu erfüllen ich mich, wenn auch mit schwerem Herzen, anschicke. Wenn eine tiefe, unwandelbare Liebe, ein gleiches Wollen und Streben im Denken und Empfinden, ein Leben gemeinsamen Kampfes und der leidenschaftliche Wunsch, einem vielverkannten, wenigerkannten, vielgeliebten Menschen gerecht zu werden, den Maogel jeder schriftstellerischen Begabung ersetzen, ja dieselbe ent- behrlich machen können, so sollte ich meinen, daß mir mein Bor- habe» gelingen müsse. Ob dieses Bild, geehrter Herr, aber in Ihren Rahmen passen wird, ob Sie es darin in aller Treue werden aufnehmen können, das ist eine ander Frage.„Ganz Deutschland ist eine Gartenlaube!"„Ganz Deutschland stickt Stramin;" pflegte unser Dichter oftmals im Scherz zu sagen, wenn sein Blick auf Ihre Zeitschrift fiel. Lassen Sie'« un« versuchen. Wenn je ein Mensch unter dem Schutz der Musen und Grazien geboren ward, so war'S Georg Herwegh. Wohl selten ist bei einem Menschen der innere Adel so glücklich und so voll kommen zur Erscheinung gekommen, wie bei rhm. AlleS war har monisch, wohlthueud, biS auf den Klang der Stimme. Er besaß bei der größten Unerschrockenheit und Kühnheit de« Geiste« die ganze Zartheit, Feinfühligkeit einer echt weiblichen Natur. Wenn ihm die Festigkeit seine« Charakter«, die unerschütterliche Prinzipientreue und die Rücksichtslosigkeit, mit der er da«, was er für recht und wahr hielt, mit Wort und That verfocht,«nzählige Feinde zuziehen mußte— viel Feind', viel Ehre!— so glaub' ich doch kaum, daß er deren persönliche haben konnte, so lieben«- würdig, so bescheiden bei allem Wissen, so herzgewinnend war er im geselligen verkehr. Cr war auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft zu Hau«, und wenn Wissen Freiheit ist, so gehörte Georg Herwegh auch nach dieser Sciie hin zu den frciesten Menschen seiner Zeit. Daraus ergab sich denn auch al« innerste Nottzwendigkeit, daß bei ihm der Mensch nicht vom Dichter, der Dichter ni»t vom Politiker und Forscher zu trennen war.— Jede« Gedicht, da« er schrieb, war ein Gefammtbild, ein StücT seine« innersten Leben«. Hinter jeder Zeile stand er selbst, und da« erklärt wohl am Besten die wunderbare Wirkung seiner Ge dichte und auch we«halb er fie nur sporadisch, erweckt durch die großen Ereignisse der Zeit, hinau«schickte, wie einen Schrei, der sich seiner Brust entwand. Schriftstellcrei al» Handwerk, al« Broderwerb— da« Literaten- thvm par profession waren ihm ein Gräuel.„Es muß ja nicht geschrieben sein!" rief er oftmal» au«, wen» er diese Papierver- geudung ohne wirklichen Beruf, ohne jeden ernsten Zweck sah.„Die Kunst ist da« Höchste, und wer den Beruf dazu nicht hat, wessen Wort nicht zündet, der soll e« lassen und lieber Holz spalten, da« ist ehrenwerther." Er war ein Feind alle« Halben, und au« diesem Gefühl entsprang nothwendig sein tiefer Widerwille gegen alle Zwitterparteien, sei e« auf welchem Gebiet e« wolle. Daher seine gründliche Verachtung der Nationalliber alen, Bismarck'«„Sau- Hirten", wie Jener selbst sie oftmals genannt— feine Gering- fchätzung dieses halben Auskiäricht«, ich meine der«ltkatholiken. selten war ihm ein Wort so au« der Seele gesprochen wie da«, welche« mau dem Bischof Ketteler in Betreff Döllinger« nach- sagt:„Glaubt er an so viel Wunder, so könnt' er auch noch an da« Eine glauben". Nie habe ich ihn herzlicher lachen hören, al« bei Anlaß diese« Eitate«. Nationalliberale und Altkatholiken waren in seinen Augen nicht« Andere«, als eine andere und gefährlichere Art von Gründern, eine Art politischer und religiöser Phhloxera*) gegen die bi« jetzt leider noch kein Vertilgungsmittel gefunden ist. Konnte er, der intime Jugendfreund Ludwig Feuerbach's, der treue Gefährte Ferdinand Lassalle'S ander« denken?— Alle« was einem Cvmxromiß ähnlich sah, war ihm unmöglich, und hätte man ihm die Wahl gestellt, mit Wem er umgehen wolle, und er hätte ♦) Reblaus. sich für den Einen oder Anderen entscheiden müssen, ob mit einem Vollblutaristokraten oder mit einem Nationalliberalen, mit einem frisch» fromm, fröhlichen Ultramontanen oder einem dieser tiefstw nigen Flachköpfe der Döllingerpartei, er hätte sich für die Ersteren entschieden, als seine ehrlichen, off'nen Feinde. Die Freiheit war für ihn das höchste, unveräußerliche Gut und Recht deS Menschen, weil sie über jeder Nationalität, außerhalb aller geographischen Grenzen steht und durch keine Gewalt annexirt werdeu kann.„Für den Patriotismus haben wir nicht zu sorgen, der ist unS sicher wie die Erbsünde, aber zu wehreu haben wir un«, daß unser Patriotismus nicht von den Herrschern zum Scha den der Menschenrechte und der Freiheit ausgebeutet wird". DieS waren, wenn nicht seine Worte, so doch seine Gedanken, für die ich später ihn selbst citiren werde. ES war im Jahr 1861, wir lebten damals in Zürich, al« ein früherer Professor der italienischen Literatur am dortigen Po lytechnikum, Herr de SanctiS, damals italienischer Unterricht« minister, ganz unerwartet per Telegramm an Georg Herwegh die Frage richtete, ob er den Lehrstuhl als Professor der vergleichen den Literatur in Neapal annehmen wollte? Um telegraphische Rückantwort ward gebeten. Unser Dichter, der sich nie in seinem Leben um eine Stelle beworben hatte, nahm diesen ihm so ehrew voll angetragenen Posten an und erhielt umgehend einen Dank sagungSbrief de« Ministers, worin ihm dieser seine Freude über die Zusage aufS Lebhafteste ausdrückte, jund ihm die Zusendung de« in aller Form Rechtens unterschriebenen DecretS in nahe Aus ficht stellte. Von dieser Stunde an studirte unser Dichter mit unglaublichem Eifer Tag und Nackt die italienische Sprache, deren Literatur ihm bekannt war wie Wenigen. Eine seiner Eigenthüm lichkeiten bestand ohnehin darin, daß er sich in daS Lesen eines Wörterbuch« vertieseu konnte, wie Andre in die Lectüre eines Ro man«. Ein Freund von un«, Professor Moleschott, der damals eine von ihm nachgesuchte Stelle als Professor der Physiologie in Turin antreten sollte, verließ un», mich dünkt es war Anfang November, mit den Worten: Auf baldiges Wiedersehen in Italien Aber Monat auf Monat verging, ohne daß da« verheißenen Dekret kam— da plötzlich wurde daS Ministerium gestürzt, au die Stelle de« bisherigen UutirrichtSministerS de SanctiS, trat der bekannt« Maltiucci, ein fanatischer Anhänger Napoleons III. wie seiner säwmtlichen College», und al« wtr unS acht Tage vor Ostern, der zum Antritt de» Lehrstuhl« bestimmten Zeit, auf die Reise nach Neapel begeben wollten, lasen wir, ohne durch eine»orange- gangene Entschuldigung und Mittheilung Seiten» de« neuen Ministerium« an Georg Herwegh darauf vorbereitet worden zu sein, in einer Nummer des in Mailand erscheinenden„Pungolo", folgende Notiz:„Der sehr gelehrte Professor Georg Herwegh, welchem der Lehrstuhl für vergleichende Literatur in Neapel angetragen war, der diesen Ruf angenommen hatte und eben im Be- griff stand, mit seiner Familie überzusiedeln, wird diese Stelle nicht bekleiden, weil sich die politischen Hindernisse— Frankreich und Preußen hatten, wie un« später berichtet wurde, Protest gegen die Anstellung eine«„rothen Republikaner»" eingelegt— al« un- übersteigbar erwiesen haben." „Du siehst," sagte er mir damals,„daß ich dazu geboren bin, keine Anstellung zu haben." Ich selbst melde Ihnen diesen Vorgang nur, weil Sie Einige« au« dem Privatleben unsere« Dichter« zu wissen wünschen. Jetzt zu etwa« Wichtigerem. Sie ftagen mich in Ihrem Briefe, wie sich Georgh Herwegh zum Kriege von 1866, wie er sich zu dem unglückseligen Kampfe von 1870 verhalten? Ich werde Ihnen darauf um so besser und erschöpfender antworten können, al« ich e« mit seineu eignen Worten kann: Kampsprolog im Himmel. Ach! wo ist der bess're Manu? Wo die bess're Sache? Alle«, was ick schtueu kann, Äst ein Tag der Rache. Wem von ihnen bleibt da« Reich? Frevelhafte Frage! Beider Thateu wiegen gleich Auf der großen Waage. Schwarzer Kugel Bleigewicht In der Sckaalen eine Traurig legt der Blum und spricht: „Habsburg, da« ist deine!" Neben ihm ein junger Held Weist die Wundenmale; Dortu'» schwarze Kugel fällt In die andre Schaale. Um den Schlackteugott im Krei« Schweben die Walküren: Bater, sag', der Sieze«preiS, Wem wird er gebühren? Sann der Alte hin und her, Hat den Spruch verkündigt: „Beide— haben schwer Sich am Volk versündigt." „Freiburg und Brigittenau! Rastatt, Arad'S Galgen! Zwei— blond und grau— Mögen sie sich balgen!"— „Doch, wenn müde bi« zum Tod, Beide sich bestritten— Ueber sie auf mein Gebot Ruft mir dann den Dritten! „Schwert au Schwert und Schild an Schild Mögen wild ertönen! Nur da« Recht des Stärkern gilt Bei den Erdensöhnen." „Denn ich will in Nacht und GrauS, -- begraben". Sprach es und zum LeickenfchmauS Rauschen Odin'S Raben.*) 13. Juni 1866. Die Jahre 66— 70 füllen außer den vielseitigsten naturwissen- schaftlichen und Sprach-Studien auch die verschiedenen Shakespeare- Uebertragungen au«, von denen sieben in der Bodenstedt'schen Sammlung treu und unentstellt, wie sie der Dichter geschrieben, erschienen sind, und vor diesen in dem Reimer'scheu Verlag der „Coriolan". Bei diesem Anlaß kann ich nicht umhin, eine« Um- stände» zu erwähnen, dessen ich mich noch heute nach so langer Zeit nicht ohne Empörung erinnern kann, und für dessen Wahr- heit ich bürge: Ein Jugendfreund Georg Herwegh'», Franz von Dingelstedt, hatte zur Zeit im Namen ver in Weimar thronenden Shakespeare- Gesellschaft, deren Vorstand er, glaube ich, war, die Frage an ihn gestellt, ob er die Uebertrazung der sämmtlichcn„römischen Dra- meu" übernehmen wolle, und auch auf's Taktvollste und Einstch- tigste die geschäftliche Seite dieser Angelegenheit besprochen und geordnet. Coriolan, ein Lieblingsstück unseres Verstorbenen, sollte den Reizen eröffnen, und wenn irgend eine Feder, so eignete stch wohl die Georg Herwegh'« dazu, gerade diese» Stück in seiner ganzen Schönheit wiederzugeben. E« gelaug denn auch, wie Dingelstedt und so mancher Andere e» vorausgesehen, auf« Vollkommenste, und die von mir verfer- tigte Abschrift de« Manuskript» ward abgeliefert. Da ftagte einer der Herren Professoren und Haupthähne der Shakespeare- Gesell- schasl, Herr Ulrici, bei Georg Herwegh an, ob dieser ihm gestatte» wolle, seiner„Einleitung zum Coriolan" noch einige Bemerkungen von sich aus beizufügen? Sorglos, gleichgültig und ohne jedwede Eitelkeit, wie es unser Dichter in Allem war, was ihn persönlich anging, gab er hierzu gegen meinen Rath seine Einwilligung, und siehe da, wa« geschah? Der Herr Professor hatte sich nicht begnügt, die ursprünglich herrliche coucise Einleitung durch sein gelehrte«, weitschweifiges .Drum und Dran" förmlich unter Wasser zu stelle», nein, er hatte ich sogar an eine eigenmächtige Umänderung deS Textes gemacht, o daß ich, der vom Abschreibe» viele Seiten dieser groß- artigen Arbeit, wegen der Schönheit und Vollendung der Form noch Wort für Wort im Gcdächtniß geblieben waren, und die da«, wenngleich ziemlich unleserlich gewordene Manuskript zur Ber- gleichuug noch besaß, buchstäblich durch diese» LaudaliSmu« wie vom Schlage gerührt blieb, denn keine Seite war unverfälscht und uuverballhornt geblieben. Ich war darüber so unglücklich, daß ich den Dichter flehentlich bat, doch eine öffentliche Erklärung abzu- geben,»eil e« sich hier ja um kein vergehen gegen die Privat- person, sondern um eine« gegen den heiligen Geist, gegen den Poeten handle.„Laß e« gehen!" antwortete er mir;„cola ne vant pas la peino."•*) Ich machte mir darauf da« schmerzliche Vergnügen, eine» der Exemplare in seiner ursprünglichen Form wieder herzustellen— aber wa« nützte e«? In die Oeffeutlichkeit ist doch nur der„verstüm- melte Coriolan" gedrungen. Im Jahre 1870 lebten wir schon seit vier Iahren hier in Baden. Diese« Jahr zählt für viele im Leben Georg Herwegh'«! Sie ftagen, wie er sich zu diese» welterschütteruden Ereigniß verhielt? Er soll Ihnen selbst antworten. Bon Sedan an schämte«r sich ein Deutscher zu sein, denn er besaß jenen allerdiug« selten gewvrdenen Patrioti«»u«, der über die Fehler de« eigene» Volke« mit erröthet, weil er stch mit dafür verant- wortlich fühlt, der das am ftanzösischen Volke durch die Annexion begangene Unrecht wie eine persönliche Schuld mit empfand, und nicht die wohlseile Vaterlandsliebe Derer, die sich nur im Siege ihrer Nation erinnern, wie wenig Theil sie auch an dem- selben haben, welcher Art derselbe auch sein möge,— Derer, für die auch der im Blut der Freiheit getränkte Lorbeer noch eine Ruhmestrophäe bleibt. So hören wir denn auf der eine» Seite da« Hofiannah Über den Sieg von einem der„fteiwilligen Preußen", in der selbst- gefälligen, wohlbeleibten»nd wohlgenährten„Wieder-Unser-Litera- tur" anstimmen, und auf der anderen, den Trauergesang der „eisernen Lerche" über die zu Grabe getragene Freiheit. ») Wir könne» de» Dichter« Strophen nur verstümmelt zum Abdruck bringen. Da« Bismarck'sche Reich hat da« Heine'sche National-Zacht- hau«„so herrlich erfüllt"! Die freie Schweiz, in welcher Herwegh'» Gebeine ruhen, soll auch seinem Lied eine Freistätte sein. Die„Tagwacht" in Zürich wird der neuen Trutznachtigall zornigste« und gewaltigste» Trutzlied veröffentlichen. R. d. V. ") Da« ist. nicht der Mühe«erth. Wählen Sie selbst zwischen beiden, geehrter Herr, entscheiden Sie, welche Art von Patriotismus Ihnen die rechte scheint?— Epilog zum Kriege. Germania, der Sieg ist dein! Die Fahnen wehn, die Glocken klingen, Elsaß ist dein und Lotharingen, Du sprichst, jetzt muß der Bau gelingen, Bald holen wir den letzten Stein. Gestützt auf deines Schwertes Knauf, Lobst du in frommen Telegrammen Den Herrn, von dem die Herren stammen, Und aus Zerstörung, Tod und Flammen Steigt heiß dein Dank zum Himmel auf. Nach vieruudzwanzig Schlachten liegt Der Feind am Boden, überwunden; Bis in die Stadt voll Blut und Wunden, Die keinen Retterarm gefunden, Brichst du dir Bahn, du hast gesiegt. Schwarz, weiß und roth! um ein Panier Vereinigt stehen Süd und Norden; Du bist im ruhmgekrönten Morden Das erste Land der Welt gewordea— Germania, mir graut vor dir. Mir graut vor dir; ich glaube fast, Daß du, in argen Wahn versunken Mit falscher Größe suchst zu prunken, Und daß du, gottcSgnadentrnnken, DaS Menschenrecht vergessen hast. Schon lenkt ein Kaiser dich am Zaum, Ein strammer, strenger Sceptcrh alter. Hofbarden singen ihre Psalter Dem auserstand'nen Mittelalter Und 89*) wird ein Traum. Ein Traum?— Du sahst, wie Frankreich siel Durch einen Cäsar, sahst die Sühne Vollzogen auf der Schreckensbühne.— Deutschland, gedeihe, wachse, grüne, Geläutert durch dies Trauerspiel! Febr. 1871. Georg Herwegh. Ich hätte diesem Gedichte kaum noch Etwas hinzuzufügen, wenn ich nicht noch mit ein paar Worten der letzten Wünsche Georg Herwegh'S als Ergänzung zu dieser kleinen LebenSskizze Er- wähnung thun wollte. „Sollte ich, wie ich es wünsche und glaube, vor dir sterben, so versprich mir— dies waren seine Worte— daß kein Geistlicher mit meiner Leiche geht, denn die« wäre eine Lüge, ein Hohn, meinem ganzen Leben gegenüber— versprich mir aber auch, daß man mich nicht innerhalb des deutschen Reiche» bestattet, laß mich in freier republikanischer Erde begraben, in unserm HeimathS- kauton."— Und Beides ist ihm geworden. Er sah in dem heutigen Preußen— ich spreche von dem offiziösen, nicht vom Volke, denn daS ist überall gleich tapfer, gleich opferfähig, gleich leichtgläubig, gleich blind bereit, sich zur Schlachtbank führen zu lassen— er sah in ihm den Todfeind aller Freiheit, und dieser Ueberzcugung entsprang auch die letzte Bitte Georg Herwegh» an seine Söhne, ihm an dem Tage, wo Preußen als solche« dereinst vernichtet sein würde, aus seinen' Grabstein die Worte zu schreiben:„Freue dich Vater, Preußen ist nicht mehr!" denn da« würde ihn noch unter der Erde beglücken. Und wissen Sie, geehrter Herr, welches meines Erachtens das schönste Bermächmiß ist, daS Georg Herwegh seiner Frau und seinen Kindern außer seinem reinen, großen Namen gelassen? DaS ist seine freiwillige Armuth, die durch die kleinste Concesston seinerseits sich so leicht in Reichthum hätte verwandeln können, da» ist da« Bewußsseiu, der einzige lebende deutsche Dichter ge- wesen zu sein, der inmitten deS allgemeinen Siegesräusche» nüch- tern geblieben, der da« Herz gehabt hat, nicht zu vergessen, wa« er, wa« wir Alle diesem„verkommenen Volk der Franzosen" ver- danken, der in der Annexion von Elsaß und Lothringen kein Heil, sondern ein Verbrechen gegen da« Menschcnrecht gesehen und den Muth gehabt hat, seine Stimme im Namca der Freiheit und Menschlichkeit zu Gunsten der Besiegten zu erheben. Seit der Annexion von Elsaß und Lothringen hätte ihn, der so nah von Straßburg lebte, Nichts dazu bewegen können, diese Stadt als Deutscher zu besuchen. Und hier das Gedicht, in dem er dieser Empfindung über die Annexion Ausdruck geliehen: Der Siegestrunkene. Vorüber ist der harte Strauß, Der welsche Drache liegt bezwungen, Und Bismarck- Siegfried kehr! nach HauS Mit seinem Schatz der Nibelungen; Stolz blickt aus ihrer Kinder Schaar Germania, die Heldenmutter; Stolz blickt da« Denkervolk sogar Aus Döllinger, den Afterluther. Ihr habt ein neue» deutsches Reich» Von Junkerhändeu aufgerichtet; Redwitz besingt den Schwabenstreich, Und hat ein dicke« Buch gedichtet; Ihr habt ein neues Oberhaupt Ihr Elsaß-Lothringen-Verspeiser; Den Papst, an den Ihr nicht mehr glaubt, Ersetzt ein infallibler**) Kaiser. Ihr wähnt Euch einig, weil die Pest Der Knechtschaft sich verallgemeinert, Weil täglich noch der kleine Rest Lebtnd'gcr Seelen sich verkleinert; Ihr wähnt Euch einig, weil ein Mann Darf über Krieg und Frieden schalten Und Euch zur Schlachtbank führen kann Mit der Parol': da« Maul gehalten! Ach, Einheit ist ein leerer Schall, Wenn sie nicht Einheit ist im Guten, Wenn ihr korinthisches Metall Uns mahnt an Mord und Städtegluthen; ») Die Französische Reoolution, die 1789 begann.") misehlbarer. Ach, Einheit ist ein tönend Erz, Wenn sie nur pochend auf Kanonen Zu reden weiß an unser Herz— Und klingt es anders von den Thronen? Einheit des Rechte« ist kein Schild. Der uns bewahrt vor Unierdrückung; Nur wo als Recht daS Rechte gilt, Wird sie zum Segen, zur Beglückung. Nur diese war'S, die wir erstrebt, Die Einheit, die man aus den Namen Der Freiheit auS der Taufe hebt; Doch Eure stammt vom Teufel. Amen! Im Frühjahr 1871. Und jetzt ruh' in Frieden, dort, wo man stolz ist, Dir die letzte Ruhestätte bereitet zu haben. DaS Volk wird Dich nie ver- gessen, nie, ebensowenig wie ich, die diese Zeilen im treuen An- denken an Dich schrieb, in dem unerschütterlichen Glauben,„daß Dein Tag kommen muß!" Den Schluß mögen die schönen, ergreifenden Worte bilden, die Friedrich Stoltze dem befreundeten und von ihm verehrten Dichter als Nachruf widmete unv die mir in tiefster Seele wiederklingen: Zum Volke stand'st Du ohne Wanken. Am Throne gingst Du stolz vorbei— Laß Dir e« noch im Grabe danken! O freies Herz! nun bist Du frei! Zu den Gestirnen wirst Du schweben, Dein Sängername lischt nicht auS! Und der Lebendige wird leben Weit über Tod und Grab hinaus! Ueber die gewerkschaftliche, politische und locale Agitation bringt in der Nr. 68 ein Herr Parteigenosse K— z. einen Artikel in der Absicht, Klarheit über die betreffende Frage-u verbreiten, denn er sagt, daß„nock vielfach Unklarheit herrsche über daS, waS auf den verschiedenen Bahnen der sozialistischen Bewegung erreicht werden soll und erreickt werden kann." Dem guten Herrn Verfasser, dessen löbliche Absicht ich durchaus nicht verkenne, ist von vornherein gleich ein Fehler passtrt, nämlich der, daß er constatirt, daß in Arbeitcrkreisen Klage geführt werde, „daß die heutigen Zustände fast unerträglich seien." Wenn nun der Herr Verfasser blindlings auf diejenigen Arbeiter als Gegner deS Sozialismus schlägt, welche sich an der Gewerkschaftsbewegung betheiligen, weil sie der Ansicht sind, daß an eine gründliche Ver- besserung vorerst nicht zu denken ist, dann hat er in die Luft ge- hauen. Ja, ich behaupte, er ist sich über da» Wesen und die Entwicklung deS Sozialismus nicht klar und feine eigene Unklarheit läßt ihn über die verschiedenen Organisationen der Gesammtarbeiter- bewegung nicht in'« Reine kommen. Wollte ich diese meine Behauptung so breit als thunlich aus- einandeifetzen, ich wüßte mir einen zehnmal so großen Raum als wie der Herr Artikelschreiber L— z. im„VolkSstaat" auSbitten. Da ich aber die GewerkschastSsragc in ihrer gcsammten historischen gegenwärtigen, zukünftigen, praktischen und theoretischen Bedeutung und in ihrem V-rhältniß zur gegenwärtigen politischen Frage bereit» vor der Einigung der Fraktionen in einer besonderen Broschüre bearbeitet und dem Druck übergeben habe, deren End- resultat in Bezug aus die praktischen und organisatorischen Fragen vollständig bis auf die Details mit den Beschlllssen übereinstimmt, welche jüngst die Vertreter der Gewerkschaften in Gotha gefaßt haben*), so verzichte ich daraus. Indem ich nun auf diese im Verlage deS„VolkSstaat" erscheinende Broschüre hinweise, die für Herrn K— z. gewiß manches Neue enthalten wird, erlaube ich mir in Kürze auf seine geltend gemachten Punkte zu entgegnen. nä I. Die Gewerkschaften als Vereinigungen der ArbeiMehmer eines Gewerbes sind nicht nur dazu da, um den einzelnen Arbeiter gegen die Willkür seine« Brodherrn zu schützen, sie sind zugleich auch die nothwendige Corrective gcgmübcr den verbündeten Capi- talisten, resp. Fabrikanten. Wenn einzelne Gewerkschaften gegenüber den Verbündungen der Arbcitgebec nichts auszurichten im Stande sind, so ist da« ein Beweis dafür, daß die Organisation der Gewerkschaft entweder sehr mangelhaft oder schwach an Mitglieder- zahl war. Daß gute Arbeiter-Organisationen gegenüber den Coa- litioneu der Arbeitgeber nicht ohnmächtig stnd.'bcweißt u. A. in Deutschland der„Deutsche Buchdruckerverband," der„Deutsche Cigarren- und Tabakarbetter-Verein," der„Verband der Schiff«- zioimercr, der Bauarbeiter, der Klempner" und einiger anderer Gewerke, deren Mitglieder eS dahin gebracht haben, daß ihre Beschlüsse von Seiten der Arbeitgeber beachtet und respectirt werden müssen. Gerade diese Verbindungen beweisen aber auch, daß nicht die Fabrikantenvereiuigung, sondern die Organisation der Arbeiter weit zäher, überlegener und schlagfertiger ist. Wenn z. B. bei den englischen Kohlen- und Grubenarbeitern mehr geistige» Berständuiß für die Kürze de» Arbeitstage« in früherer und gegenwärtiger Zeil vorhanden gew.sen wäre, wie di-S z. B. bei den dortigen Metall- und Bauarbeitern der Fall ist, dann würden die Kohlenbarone mchl monatelang übcrproduciren und die Arbeiter dann aus» Pflaster werfen können. Die geringe Verbreitung derKenutniß de« Gesetze« von Angebot undNachftaze unter den Arbeitern, ist di-Ursache ihrerNieder- lagen. Ja einer Gewerkschaft, in welcher womöglich in jedem Mitgliede der Gevanke lebendig ist, daß sich der Preis der Arbeit nach deu Bedürfnissen de» Arbeiters und nach dem ökonomischen Gesetze von Angebot und Nachfrage richtet, wird sehr bald die Organisation die Macht erlangen, um bestimmend auf den Prci« der Arbeit einwirken zu können, denn die Bedürfnisse werden sehr bald gesteigert und daS Angebot der Arbeitskraft regulirt werden. Die G-werkschaslSorzanisationen sind da« Mittel, um da» Gesetz von Angebot und Nachfrage zu Gunsten der Arbeiter zu verschieben, denn vereinigt sind die Arbeiter keine leblosen Waarenballen, sondern eine compacte Menschenmasse mit energischem Willen, mit Gedanken und Thaten. Sie werden um so eher ihren Willen durchsetzen, je besser die Organisation, je überzeugter die Mit- glieder, je höher die Zahl der Verbündeten ist, je mehr sie sich bewußt sind, daß kurze Arbeitszeit, hoher Lohn»»d Organisation vie Factoren sind, um daS Gesetz von Angebot und Nachfrage zu ihrem Vortheil zu reguliren. Wo diese Bedingunzen zur R-zelnag des Angebots von Arbeitskraft vorhanden sind, ist der vortheil auf Seiten der Arbeiter. Wer'« nicht einsehen kann, der frage die Vorstände und Mitglieder der oben genannten Gewerkschaften, und er wird erfahren, daß z. B. die Buchdrucker, Schiffszimmerer und organisirten Cigarrenarbeiter Deutschlands ihren Lohn sogar ') Die Broschüre erscheint unter dem Titel:!„Die Organisation der Massen." während der Geschästskrise auf der erreichten Höhe erhalten konatea. DaS ähnliche ist der Fall bei den Berliner Bauarbeitern. Sehr schlechte Löhne sind immer ein Beweis davon, daß die Arbeiter das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht kennen. Wären nur alle Arbeiter straff in Gewertschafteu orgauisirt, dann würde die fabelhafte Ueberproduction nicht eintreten, würden die Arbeit»- bedingungen solch: sein, daß der Arbeiter wenigstens auf der Stufe sich erhält, um Anspruch auf gesteigerte Cultur-Bedürfnisse machen zu können.— Der Einwand, daß durch die Höhe der Löhne zugleich der Preis der Waare sich steigere, ist ein Lehrsatz der Manchestermäaner, der 999mal durch Praxis und Erfahrung widerlegt worden ist. Ehe der Lohn steigt, steigt zunächst der Preis der nothwendigsten Lebensmittel. In Folge der Erfindung vo» neuen Maschinen und der Vereinfachung der Pcoduction steigt der Preis der Maaren, trotz der Vertheuerung des Rohmaterial« und der Arbeitskraft, nicht im Berhältniß zur Steigerung de« Lohn«. Dafür sorgt schon die Concarrenz der Capitalisten unter einander. Trotz de? höheren Lohns und der kürzeren Arbeitszeit der Enzländer concurriren deren Waareu mit allen Erzeugnissen des Continent«, so daß sich die coatinentalea Capitalisten alleuthalbeu durch Stutzzölle sichern müssen. Wenn Herr K—z. ausruft:„Nur ein Mittel zum erfolgreichen Kampfe haben die Gewerke, die Gründung von Associationen" und dem hinzufügt, daß die meisten Acbeiter außer Stande sind, es den SchiffSzimmerern in Memel nachzumachen, so steht der ganze Satz im Widerspruch. Wenn es nur ein Mittel für die Gegenwart giebt, wie Gründung von Associationen, und die meisten Arbeiter sind außer Stande dergleichen in der Gegenwart durchzuführen, und behauptet der erste Satz geradezu da«, wa« der zweite verneint. Die Gewerkschaften haben in erster Lmie viel- mehr die Aufgabe, Angebot und Nachfrage zu regeln und sie können, wenn gut geleitet, in dieser Beziehung viel mehr erreichen al» sogenannte selbsthülferische Productio-Associationen, die nur dann einen Werth für die Gesammtheit haben, wenn sie Etgeuthum der Gewerkschaften werden.(Schluß f.) Politische Uebersicht. — StaatShülfe für die— Gründer. Mitglieder der preußischen Regierung haben sich bekanntlich unterfangen, die Ar- beiler für die gegenwärtige Krise verantwortlich zu machen. Die Anklage maß auf die preußische Regierung zurückgeworfen werden. Nicht als od wir sagen wollten, die gegenwärtige Krise sei das Resultat der von der preußischen Regierung befolgten Finanz- und Handelspolitik, aber so viel läßt sich ziffernmäßig beweisen, daß die preußische Regierung durch ihre Finanz- und Handelspolitik die auS unserm verkehrten Produktionssystem entspringende Krise durch groß artige Fördern ng und UnterstützungdeSSchwin- dels verschärft und gesteigert hat. Man nehme nur die geradezu frevelhafte Verwendung der Gelder des Invalidenfonds und de» ReichSfestungSbaufondS. Im„Frankfurter Journal", einem „reichstteuen" Blatt finden wir darüber folgende Details: „Bekanntlich sind seiner Zeit für die genannten Fonds iusze- sammt über 2S0 Millionen Thaler bewilligt worden. Alle Eat- gegnungen schlug man in den Wind. Selbst mathematisch geführte Nachweise, daß die für die Invaliden-Versorgunz geforderte Summe von 167 Millionen weitaus das Maß der nach dem Invaliden- Gesetz erforderlichen Gelder überschritte, selbst diese Nachweise glaubte der Reichstag überhören zu dürfen. Man schleuderte die Millionen in jene Kassen. Aber nun entstand die Schwierigkeit, wie jene enormen Summen anlegen? Die DiScouto-Gesellschaft übernahm dieses Geschäft; sie kaufte auf Rechnung jener FondS große Posten von Eisenbahn- Ooligationeu, ganze Anlehen wanvertcn in die TresorS der genannten FonvS, uno die Diconto-Gesellschaft stand sich gut bei dem Handel. Wenn dereinst die Geschickte unserer gegenwärtigen wirthschaftlichen KrisiS geschrieben werden wird, wenn man die Zahl der Fehler unserer Finanzverwaltung ordnungsgemäß nachrechnen wird, dann wirb die Anlage deS JnvalidcnfondS nicht die kleinste Rolle dabei spielen. Unter den sicheren Eisenbahn- Papieren besaß er— und vermuthlich besitzt er sie bis heute— Hannover- Ältenbekcner Obligationen im Belrage von 2,400,000 Thaler, Magdeburg-Halberstävter 4,800.000 Thlr.! Außer diesen besitzt er an ungarantirten Eiseabahn-Obligationeu nicht weniger als 63,570,000 Thlr.! Allein an Bergisch-Märkifchen hütet der Invaliden Fond 31 Millionen, an Köln'Mindeuern 15,600,000 Thalern, an Berlin-Hamburgern nur 4 Millionen! Wir wären! begierig, den Cours Verlost zwischen dee AnkaufSzeit und heute zu erfahren. Da an den Jnvattden-Fond ja sorldausrnd Ansprüche erhoben werden, so muß er sich hier und da zu Verkäufen ent- schließen, und aller gute Wille yer Verwaltung hindert vie Ein- büßen nicht. Eine Reichstags Commisslon während der session»- sreien Zeit haben ww ja nickt— und da tonnen die Millionen! an der BörsenkrisiS hinschwinden, ohne daß auch nur eine Stimme sich im Volk erhebt. Aber die von ReichStagSwezen niedergesetzte Commisston hat die Bcsugniß außerordentlickec Rcoisiouea, und wir meinen, daß diese sich nicht bloß aus die Nachzählung der i vorhandenen Bestände zu erstrecken haben. Daß Nicht« vernn- treut wird, davon sind wir ja des Festesten überzeagt; allein die beunruhigte öffentliche Meinung hat ein nnbcdingteS Recht, rasch■ und rückhaltSlos die Wahrheit zu erfahren. Roch gefährlicher soll' die Lage de« ReichS-FestungSbaufonds sein, in dessen Besitz sich\ allein über 23 Millionen Magdeburg-Halberstädter Obligationen' befinden! In Papieren ersten Range« sollten diese StaatSgelder untergebracht werden. Habe« die Herren, welche zur Zeit die L-i- tung der DiSconto� Gesellschaft in Händen hatten, haben dicHwren Miqu-l, Hansemann ic. die genannten Devisen alle für unbedingt ersten Range» gehalten? Es wäre vermessen, diese Ehreamäuuer für etwa« Andere» zu hallen, al« wa» sie ja zweifelsohne sind; j aber in Anbetracht des öffenllicheu ItteresseS muß schleunigst und! unbedingt klare Rechnungslegung gefordert werden. Die öffentliche I Meinung, wie solche in der Presse zu Worte komnt, hat ihre< oberste Pflicht zu erfüllen und so lange und so unwirsch an die s Bureau-Thüren im ReichSkanzler-Amt zu pochen, bis der Lärm groß genug ist, um die geforderten Berichte ausgeliefert za er»< halten." l Welch:«„Anpochen" sehr wenig nützen wird! Die Eisenbahn- gesellschaftin, denen da« Geld de« Invaliven- und de« Festung«- f bausondS in den Rachen geworfen worden ist, stehen grüßlentheilS wacktich, wo nicht schlimmer da, und tragen da« Brandmal de« Grün Verth um« an der Stirn! Die direkte Mitschuld veS Staat« am G ünderschwindel ist also erwiesen. Und die armen Invaliden— wenn die für sie bestimmten Fond« glücklich in deu Taschen der Gründer verschwunden sind? Nun, das„dankbare Vaterland" hat Leierkasten. — Der preußische Staat als Arbeitgeber. Wir lesen» in Berliner Zeitungen-: � „Der HulfSweichenfieller Göhrke, in Berlin, Mühlenstraße 32 wohnhast, trat im Jahre IL�K alL Arbeiter bei der Niederschlesisch- Märkischen Eiserbahn, bei welcher er bis zu seiner nn vorigen Jahre in Folge dienstlicher Ursachen eingetretenen Erblindung un- unterbrochen verblieben ist. Der Anfang seines Augenleidens datirt aus dem Jahre 1359, wo dem Aermsten beim Nangiren eines ZugeS eine zerrissene Kette in daS rechte Auge flog und daS Licht desselbm ertödtete, sowie zugleich daS linke in Mitleidenschaft zog. Mit der Zunahme der Anstrengung bei Ausübung seines schweren Dienstes verlor auch daS gesund gebliebene Auge seine Sehfähig- keit immer mehr, bis im März pr. die gänzliche Erblindung des unglücklichen Manne» eintrat. Nach den Bestimmungen der für die Eisenbahnarbeiter errichtete» Krankenkasse erhielt Göhrke bis zum 13. September pr. eine regelmäßige Krankenunterstüung, und von da ab war cr seinem ferneren Schicksal überlassen. Sein an den Herrn HandelSminifier um Gewährung einer Unterstützung gerichtetes Gesuch blieb erfolglos, da eine solche in l�rmange- lung hierzu bestimmter FondS nicht thunlich sei. Unter diesen Umständen mußten die geringen Ersparnisse einer 2Sjährigen anstrengende» Arbeit bald erschöpft sein, so daß die unglückliche Familie dem größten Elend entgegen geht.« Für ehrliche Arbeiter, die ihre Gesundheit dem Staat geopfert, giebt's keinen Fond»— für daS ehrlose Reptrliengewürm giebt'S den Reptilienfonds, mit nahezu einer Million jährlicher Ein- künste! — Ein abgeführter HandelSmnister. In dem berüch- tigteu, die Empfehlung des Camphausen'fchen Rezept» enthaltenden Eircular des preußischen Handelsministers war ausgesprochen, daß die Arbeitsteistungen der Bergarbeiter in Preußen thatsächlich gegen früher nicht unwesentlich zurückgeblieben und gerade in den letzten Jahren, wo die Löhne der Arbeiter eine unver- häunißmäßige Steigerung erfahren haben, ihre Leistungen fast auS- »ahmsto» noch geringer auSgesallen seien. Dem gegenüber wird jetzt in der„Concordia", wohlgemerkt in der„Concor- dia«, dem Organe deS Fabrikantenbundes, ziffernmäßig nach- gewiesen, daß aus den Saarbrücker Gruben und den Königs- und Königin-Louisen-Gruben in Oberschlesien für 1872, zum Theil sogar für 1873, die Arbeitsleistung gestiegen ist, und daß die anderntheils im letzten Jahre verminderte Förderung sich hin- reichend auS den sogenannten Aufrichtungsarbciten und anderen, von der Thätigkeit der Arbeiter unabhängigen Umständen erkläre. Die„Concordia" knüpft an diesen Nachweis die Bemerkung: „Angesichts der ziffernmäßigen Nachweise darf man gespannt sein, zu erfahren, woraus jene so bestimmten Behauptungen deS Han- delSministcrS sich eigentlich gründeten?" Worauf? Je nun— hat die Lüge von den verminderten ArbeitSleist ingen nicht in allen BourgeoiSzeitunzen gestanden, und sind die BourgeoiSzeitungen nicht Orakel für einen Bourgeois- minister? — Zur Reichsenquete. Der„Deutschen Allgemeinen Zei- tuug" wird auS Dresden geschrieben: „Die angeordnete Enquete über die Verhältnisse der Lehrlinge, Gesellen und Fabrikarbeiter ist in unserer Stadt durch den Raih dorg-oommen worden. Es wurde eine große Zahl von Arbeit- gebecn und Arbeitnehmern aus den verschiedensten Branchen beftazt, nicht minder die hiesige Handels- und Gewerbekammer darüber gehört. Es hat sich dabei die bei weitem größte Zahl der Arbeit- geber und Arbeitnehmer für Wiedereinführung gewisser Beschrän- knngea und namentlich dafür ausgesprochen, daß seitens der Ar- beiler Zeugnisse beizubringen sind." Natürlich besteht der„größte Theil der Arbeitnehmer", der sich für„Wiedereinführung gewisser Beschränkungen« ausgesprochen hat, nur auS solchen Arbeitern, die der Rath der Stadt Dresden zu befragen für gut befunden hat. Es wird sich aber noch zeigen, wie die unbesragten Arbeiter über die„gewissen Beschränkungen" denken. Jetzt fragt man die Arbeiter, welche den Herren Gesetzesmachern passen, im Reichstag wird man auch unbefragt die Stimme Derer hören müssen, die statt„gewssse Beschränkungen" volle Gleichbe- rechtizung mit den Arbeitgebern verlangen. — Moroteau, einer der Helden der Pariser Commune, der von den Versaillern zum Tod verurtheilt, über ein Jahr in täg- licher Erwartung der Hinrichtung gelassen und schließlich nach Neucaledonien„begnadigt" ward, ist auf der„trocknen Guillotine" gestorben. Ueber die Behandlung der Gefangenen in Neukaledonien wer- den von der Frau Rastoul'S haarsträubende Details veröffent- licht. Sagen wir lieber, von Rastoul'S Wittwe, denn, wie jetzt keinem Zweifel unterliegt mehr uuterliegt, ist Rastoul mit seinen Fluchtgenossen auf dem Meere umgekommen. Neue Blitzeugen gegen die bürgerliche Gesellschaft und deren Vertreter! — In der am 10. Juni gegen den früheren Vertrauensmann der social demokratischen Arbeiterpartei, Schriftsetzer Heinsch, in Ber- liu staugefundenen Verhandlung de« Kammergerichts wurde ent- schieden, daß der Angeklagte in allen Punkten schuldig und die Auflösung des socialen Vereins feiner besonderen Gemeingefährlich- keit wegen ausgeipcochea. Die Strafe gegen Heinsch wurde von 1S0 Mark eventuell 25 Tage Gesängniß, aus 115 Mark, eventuell 12 Tage heruulergejctzl. Es ist Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet. Zunere Partei-Angeltge«heite«. Au die Parteigenosse»! Den Parteigenossen, welche gesonnen sind, einen Lokalverein zu Stünden, dicue zur Nachricht, daß der Unterzeichnete eine große Inzahl Verein«- Statuten, welche den gesetzlichen Vorschriften ent- sprechend abgefaßt sind, aus Lager hält und derselbe gerne bereit ist, aus Verlange» Probeexemplare zuzusenden. Der Preis deträgt pro 100 Stück 1,50 Rm. Außerdem verfügt derselbe über eine große Anzahl Vereins- Geschäftsbücher. Dieselben sind solid gebunden und den Bereinen besten« zu empfehlen. Die Buchführung ist praktisch und für die Revision leicht über- fichtlich eingerichtet. Der Preis der VereinS-GeschästSbücher ist folgender: Kaffen-Kladdc 120 Blätter enthaltend, 1,20 Rm. D-Sgl. 80„„ 30„ Mitglieder-BeitragSliste 80„„ 80„ DeSgl. 40,„ 50„ Kassen-Conto 80„„ 80„ Desgl. 40„„ 50„ Jeder Verein, welcher noch keine geordnete Buchführung besitzt, bluß sich bestreben, je ein Exemplar der drei vorgenannten Bücher anzuschaffen. Für Vereine, welche unter fünfzig Mitglieder zählen, genügt die kleinere Ausgabe, welche zusammen 1,80 Rm. kostet, größeren Vereinen ist die andere AuSzabe zu empfehlen, deren Gesammt- preis(3 Bücher) 2,80 Rm. beträgt. DaS Geld ist bei Bestellung mit einzusenden. Die Zusendung erfolgt unfrantirt, falls nicht 50 Pf. Rm. für Porto der Bestellung beigefügt sind. Hamburg, den 26. Juni 1875. Mit sozialdemokratischem Gruß C. H. Kotkamp, Kornträgerganz 54 und 55. Zu Agenten deS Vorstände» wurden ernannt für AscherSleben: A. Buchheister, Chr. Heide; Barmbeck: C. Simon, Hartlieb; Barmen: I. Mühlhausen, R. Hülstep; Bonn: F. Herklotz, Chr. Ebertz; Braunschweig: Chr Ostermann, P. Bürger; Bremen: W. Frick, Kühn; Carlsruhe i/B.: Th. de Vaque, Paffeaholz; Chem- nitz: H. Müller, R. Eger; Cöthen: C. Schiedewitz, W. Bruch- müllcr; Cottbus: H. Teichert; Crefeld: I. Buchbeader; Dresden: R. Tröger, B. Neumann; Essen: I. Mühlenbeck; Eßlingen: F. Silberhorn, W. AlbertS; Finsterwalde: I. Zirkel, C. Hoffmann; Forst: B. Herzog, A. Weber; Freiburg i/B.: A. Schwanebeck; Genstendorf: Ad. Slauk; Hamburg: H. Garve; Hanau: M. Daß- bach, C. Kraß; Hildesheim: A. Stolzenburg, I. KiageS; Lechhausen: A. Lichtensteiger, V. Fink; Leipzig: W. Fiuk; Ludwigs- hafeu: D. Klein, F. Gramann; Malcute: F. Stuhr, W. Plötz; Mannheim: PH. Mai, H. Buttle; Marburg: A. Klein, A. Schleyer; Mittweida: F. Bartholdi, G. Gladewitz; Neustadt i/H.: I. H. Haß. H. Paasch; Nürnberg: Friederich; Osnabrück: P. Kroviartz. K. Theiler; Pinneberg: I. Mathiesen; Remscheid: E. Stuhr, G. Baum; Zittau: F. Renke, A. Richter. Mit socialdemokratischem Gruß: I. A.: die Sekretäre I. Auer. Derossi. Gr. Rosenstr. 36/Il. Auf verschiedene Anfragen zur Notiz, daß nur noch ei» Rest Sammellisten vorhanden war, und deshalb nicht an alle Ort- welche mitversandt werden konnten. Von jetzt an sind dieselben, nebst den übrigen Utensilien, auf Bestellung zu beziehen. Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner Tischler-(Schreiner) Verein. ZSerkin, den 25. Juni. Am 13. 14. 15. Juni tagte Hierselbst die Generalversammlung unseres und waren, außer Berlin, die Städte Hamburg, Altona, Bremen, Kiel, Flensburg, Lübeck, Rostock, Schwerin, Stettin durch Delegirte vertreten. Nach Er- lediguug des 1 Punkte« der TageS-Ocdnung: Prüfung der Haupt- kaffe und Dechargirung des HauptkafsirerS wurde sofort in die Debatte über die gewerkschaftlich- Vereinigung eingetreten. Sämt- liche Delegirte sprachen sich für die Nothwendigkcit der Vereinigung des Allgemeinen Tischler-(Schreiner-) Vereins mit der Holzarbeiter- gewerkschaft aus, aber nicht in dem Sinne, wie die jetzige Orga- nisation der Holzarbeitergewerkschaft besteht, sondern vielmehr da- hin, daß sich zunächst die Tischler beider bestehenden Richtungen vereinigen müßten, und eben dasselbe den Stellmachern, Küpcrn -c. zu überlassen sei. Motivirt wurde dies dadurch, daß alle diese Gewerkschaften schon selbständig- Organisationen in Deutschland besitzen, und daß z. B. die Tischler in Deutschland eine so große Zahl bilden, daß es sehr großer Anstrengungen bedarf, um die- selbe erst unter sich zu einer Vereinigung heranzuziehen und von der Nothwendigkcit einer gewerkschaftlichen Organisation zu über- zeugen. Man war deshalb der Ansicht, daß mit der Verschmelzung der Gewerkschaften erst in späterer Zeit vorzugehen sei. Nach Beendigung der General- und Spezial Debatte hierüber wurde ein Antrag: drei Mann zu einer Commisston zu wählen, und den Vorstand der Holzarbeitergewerkschaft zu ersuchen, auf deren demnächst stattfindender Generalversammlung ebenfalls drei Mann zu einer Commisston zu wählen, behufs Ausarbeitung einer Lorlage, auf Grund deren Vereinigung beider Organisationen der Tischler geschehen solle, angenommen, und hierzu unsrerseits die Herrn Härder in Hamburg, Schmitz und Schweckendiek in Berlin gewählt, unv als Ort der Zusammenkunft Hauuover bestimmt. In Hinblick nun darauf, daß daS jetzige Statut doch wieder eine Aenderung von der in Aussicht genommenen Commisston er- fahren müsse, wurden alle jetzt auf Statutenänderung gestellten Anträge von der Generalversammlung abgelehnt. Nach der Agitationsdebatte wurde ein Antrag, daß sich der 1. resp. 2. Vorsitzende sofort aus ein Vierteljahr auf Agitation be- geben solle, angenommen. Nach Erledigung der geschäftlichen Sachen wurde nun zur Neuwahl de« Vorstandes geschritten und zunächst als Sitz de« Ber- eins wiederum Berlin bestimmt. In den Vorstand wurde» gewählt: Schmitz 1. Vorsitzender. Schweckendiek 2. Vorsitzender. Als Beisitzer: Hubert, Richter, Ott, Wedekind, Mahnte. Es erfolgte dann nach kurzen und herzlichen Abschieds Worten der Delegirte» und des seitherigen 1. Vorsitzenden Grimmer der Schluß der Versammlung. I» der darauf folgenden Mitgliederversammlung, welche laut Statut die übrigen VereinSbeamteu zu wählen hat, wurde W. Muschan als Hauptkassirer wiedergewählt, zu Vorstandsmitgliedern Greiner und Dejering. W. Schmitz, Vorsitzender. MetallarbeiteraewerkSgenossenschast. -isipzig-Sesserhauten. Abrechnung über die eingegangenen und verausgabten Gelder für die ausgesperrten Arbeiter der Vogel'- sch-n Fabrik zu Sellerhausen. Einnahme: Arbeiterverein Neu- schönefeld d. Hadlich 2.30, von den Arbeitern der Kiel'schen Näh- Maschinenfabrik hier 7.35, aus einer Versammlung der Leipziger Sozialdemokraten im Leipziger Saal 12.79, von Zuckschwerdt hier 0.50, von der Metallarbeiter-Gewerkschaft hier 1.03, 1.41, von Schneider auS Mannheim 9.35, von Anton Zipf aus Eßlingen 6.00, von Löbcl hier 1.00, Schuhmacher-Gewerkschaft hier durch Kreubig 6.00, Holzarbeiter-Gewerkschaft hier durch Schiffe! 30.00, vom Arbeiterverein Gohlis d. Peukert 9.00, allgemeine Versamm- lung der Buchdrucker und Schriftsetzer in der Centralhalle hier 86.00, von den Formern der Vogel'schen Fabrik durch Löbel 6.50, vom Sennefeldecbund hier 15.00, von Fraz au« Coblenz 6.00, von Otto aus Werdau 3.70, vom Formertisch der Krause'schen Fabrik durch Hennig hier 1.75, von Landmann aus Augsburg 13.00, Metallarbeitergewerkichaft hier durch Löbel 3.60, Ueberschuß von 2 öffentlichen Eisen- und Metallarbeiter-Bersammlungen durch Keil hier 22.08. Summe der Einnahme M. 244 72 Pf. Ausgabe: An Arbeitslose der Vogel'schen Fabrik 224.24, für Porto und Briefpapiere 1.60, Gratification für Ludwig 6.00. Summe der Ausgabe 231 Mt. 84 Pf. Einnahme 214 Mk. 72 Pf. Ausgabe 231„ 34„ Bleibt Casse 12 Mk. 88 Pf. R. Ludwig, Cassirer. Geprüft und für richtig befunden im Original: Das Comitä: Ed. Winkler. A. Arndt. O. Friese. R. Fölk. Der Ueberschuß ist der hiesigen G-werkfchaftSkasse überwiesen worden als Unterstütz ungSgeld er für statutarisch noch nicht Unter- stützungsberechtigte. Ich glaube, der Strike der Vogel'schen Arbeiter hat den Metall- arbeitern hinlänglich gezeigt, wie nothwendig die Solidarität der Arbeiter ist. Ich fordere daher die Collegm auf, fest zusammen zu stehen in Freud und Leid. Wären die Arbeiter der Bozel'scheu Fabrik inSzcsammt Mitglieder der Gewerkschaft gewesen, sie hätten sich nicht so leichten Kaufes dem Willen des Herrn Vogel zu fügen brauchen, so aber legten nur 50 Manu die Arbeit nieder, die Anderen ließen es bei dem guten Willen bewenden. ES ist klar, daß alle Gewerkschaftsmitglieder ihre ganze Kraft einsetzen müssen, wenn die Gewerkschaft in die Höhe kommen soll; der Indifferea- tiSmu«, der hauptsächlich der Hemmschuh ist, an dem die Gewerk- schaftsbewegunz laborirt, kann nur gebannt werden, wenn jede« Gewerkschaftsmitglied darnach trachtet, möglichst viele neue Mit- glieder zu werben. Speziell fordere ich oiejenigen Arbeiter der Vogel'schen Fabrik, die bei Beginn des StrikeS der Gewerkschaft beitraten, später aber, als ihnen nicht sofort Unterstützung wurde, unS wieder den Rücken kehrten, ganz dringend auf, sich unS wieder anzuschließen, und mitzukämpfen für unsre Rechte. Auf einen Hieb fällt kein Baum, und wer um d-Swillen, weil ihm die gebratenen Tauben nicht sofort und von selbst in den Mund fliegen, seinen kämpfenden Genossen den Rücken kehrt, der handelt, gelinde gesagt, gegen sein eigenes Interesse, denn soviel steht fest, unsre Lage wird stet« schlechter, wenn wir unS nickt aufraffen und für unser Wohl kämpfen. Zu diesem Kampfe, wenn er erfolgreich sein soll, gehören aber die gesammten Kräfte. Also eingetreten in die Gewerkschaft, eS ist da« Eure Pflicht, weil eS in Eurem Interesse liegt— in die Gewerkschaft also College»! Gleichzeitig habe ich im Nam.n aller Derjenigen, die während des StrikeS Unterstützung empfangen haben, allen Gebern den herzlichsten Dank mit der Versicherung auszusprechen, daß auch sie ihre Schuldigkeit thun werden, wenn eS die Umstände erfordern. Noch mache ich bekannt, daß am 5. Juli der 1. RechenschastS- bericht deS Cassirer«, der 2. Jahresbericht des Bevollmächtigten und Neuwahl fämmtlicher Localbeauuen stattstndet. Ich hoffe, daß sämmtliche Mitglieder am Platze sein werden, und daß sie neue Mitglieder zuführen. R. Ludwig, Bevollmächtigter. Correspondenzen. Leipzig. Die von unS letzthin gebrachte Mrttheilunz über beabsichtigte Maßregelung einiger Lehrer durch den 2tadt> rath Panitz ist nach einem inzwischen von dem„Leipziger Tage- blatt" veröffentlichten Berichte dahin zu ergänzen, daß jene Maß- regelung nicht vom Rathe beschlossen, sondern daß das Ruthen- peitschen und Plattenscheeren der betr. Lehrer auf Antrag einiger Mitglieder de« nationalliberalen Stadtverordnetencollegium? vor- genommen werden sollte. Auch will man— wie uns neuerdings mitgetheilt wird— noch einige andere Attentäter v-rfolgen unv zwar wegen unbefugter Winkelschriftstellerei, die sie in einer deutschen Lehrerjeitung verübt. In den gefährlichen Schriftstücken soll u. A. behauptet sein, daß an den Leipziger Schulen mehrere Stellen wegen mangelnder Bewerber nicht besetzt werden konnten, daß verschiedene Lehrer krank, namentlich lungenkrank wären, und daß einige ihre Stellen freiwillig niederg legt habeu ec. DaS sind nun freilich staatsgefähiliche Nachrichten, die gelegentlich den Zusammensturz des heiligen d-utscheu Reiche« zur Folge haben könnten. Also fest an die Verfolgung! Beharrlich die Fuchtel geschwungen! DaS„Tag-blatt" hat im Gefühle seiner erhabenen Mission als Culturkämpfer mit auerkennenSwerther rathsfrcund- licher Zuvorkommenheit die Lärmsignale bereits dazu gegeben— zur größeren Ehre der Stadt Leipzig. MeichenSach i. V., 22. Juni. An alle Kampfgenossen des Boiztlandes richtet Unterzeichneter die Aufforderung, angesichts de« neuen Aufschwunges, welchen die Arbeiterbewegung nach dem Ver- einigungSwerk nehmen wird, nicht zurückzustehen und allenthalben regste Thätigkeit zu entfallen. Zu diesem Zwecke müssen die Sommermonate durch fleißige Zusammeukünfie benutzt werden, Confereuzen in den verschiedensten Orten stattfinden, und erlaubt sich Unterzeichneter anzuzeigen, daß die nächste am 11. Juli Mit- tag 1 Uhr in der Turnhalle hier stattfindet, woselbst auch Partei- genösse Dr. Walster anwesend sein wird und über Agitation und Organisation berathen werden soll. Alle Orte müssen sich ver- tteten lassen! Nachmittag und Abend findet ein Volksfest mit Concert, Festrede, Illumination des GarteoS und Ball mit bil- ligem Entrs statt. Briefliche Einladungen werden unterlaff-n. Rvb. Müller. Schmölln, 21. Juni. Gestern fand im Saale des„Schieß- Haus-S" eine gut besuchte Volksversammlung statt, in welcher Parteigenosse Ufert auS Weimar Bericht über den Congreß er» stattete. Redner beleuchtete in der ausführlichsten Weise die Heu- tizen Zustände der Arbeiter gegenüber dem Kapital, hob hervor, daß, da die Vereinigung der Socialisten Deutschlands endlich ge- lungen, und wir uns vereint auf den Kampsplatz stellen könnte«, der Kampf ausdauernd gegen die Gegner zu führen fei, die sich der schamlosen Waffe der Verleumdung bedienen, welche der SocialiSmuS nie gebraucht habe, noch brauchen werde.— Den Jnd.fferentiSmuS, der Arbeiter gefährlichsten Feind, der unsrer Bewegung hindernd in den Weg tritt, zu beseitigen, trage nebst dem Verfahren der Gegner, die unablässige Agitation zur Auf- klärung unv Anregung ganz wesentlich bei. Da» neugeschaffene Programm sei da» beste Mittel, nach allen Seiten hm zu wirken. — Referent hatte in einer vollkommen befriedigenden Weife feine Aufgabe gelöst, konnte aber sein Referat nicht beendigen, da in Folge einer Geißelung deS PatriotiSmnS der überwachende Herr Commissär, Bürgermeister Hase, die Berftrmmlung mit den Worten auflöste:„Ich löse hiermit die Versammlung auf! Der Referent verherrlicht die Internationale und hat den Patriotismus auf eine Weife bloSgelegt, daß damit das bischen Vaterland«- liebe vollends verdrängt wird.« Der R-ferent verwahrte sich gegen diese ungerechte Handlung ganz energisch unter allseitigem Bravo, aber die Versammlung war aufgelöst, der Staat für dies- mal gerettet.— Arbeiter, laßt den JndifferentiSmus fahren und bedenkt Eure Klasseulage! Arfurt. Am 1. Juni fand im„Deutschen Kaiser" eine Ber- ammlung der Maurer- und Zimmerer- Gewerkschaft statt, in aeldjcr College Hurlemann aus Berlin referirte, und zu welcher entnehmen,�) cine weitere Bemerkung zu machen, halten wir für av �aV*«Av> A*a*> � w- I.w cr>__ x.!.___ rr___<. o r. r.» tw*.,«» alle Bavhandwerker eingeladen waren. Der Redner(der auf einer längeren Agitationsreis- begriffen ist und überall— namentlich auch in Sachsen— sehr anregend gewirkt hat. R. d. V.) sprach zuerst über Zweck urd Nutzen der Gewerkschaften und ihre Stellung zu den politischen Parteien, dann über die in Gotha statgefundene Con- sercnz, endlich über die verschiedenen Verbände der Arbeitgeber, hauptsächlich den Verband der deutschen Baugewerke, und deren Maßnahmen gegen die Gesellen, über das frühere Zunftwesen und die heutige Gewerbesteiheit und Freizügigkeit. Auch über Frauen- und Kinderarbeit, sowie über die Bedeutung der Maschinenarbeit verbreitete sich der Redner. Als er zuletzt noch einmal auf die Lerhältniffe der Bauhandwerker zu ihren Arbeitgebern zu sprechen kam und die Bemerkung machte, daß die Arbeitgeber beabsichtigt hätten, farbige Entlassungsscheine einzuführen, erhob sich der über- wachende Beamte uud verlangte vom Bevollmächtigten, er solle dem Redner das Wort entziehen, da diese Aeußerungen ungesetz- lich(!) und eiue Aufwiegelung gegen die Meister seien. Redner machte aber den übereiftigen Beamten sofott aus die Bestimmun- gen des§ 113 der Gewerbeordnung aufmerksam, worauf derselbe sich schwelgend zurückzog, g Hieraus eonstatirte der Bevollmächtigte KrauthauS, daß die vom Referenten.gemachten Angaben in Betreff der EntlassungS� scheine Thatsacbe sind, da z. B. hier vor einigen Monaten vier Zimmerleutc plötzlich entlassen wurden, deren Zettel mit verschie- deuen Nummern z. B. 1, 3, 10 u. s. w. versehen, von denen einer sogar durchstochen war. WeShalb waren diese Zettel nicht nach der laufenden Nummer ausgefertigt, und wozu dienen die Stiche? Doch jedenfalls nur, um mißliebige Gesellen zu kennzeichnen. Hieraus verlas Genoffe Gramann einen Artikel aus der »Thüringer Zeitung", betreffend den Verband der deutschen Tischlermeister, und zeigte daraus, daß die Arbeitgeber durchgängig einiger sind als die Arbeiter, und forderte zu zahlreichem Beitritt aus. Nachdem Hurlemann schon vorher ca. IV,— 2 Stunden gesprochen, ergriff er nochmals das Wort und brachte mehrere Er- klärungen über verschiedene Punkte, uud bat schließlich, den Städten, die er noch besuche, einen kameradschaftlichen Gruß von den Erfurter Collegen überbringen zu dürfen..� Donnerndes Bravo war die Antwort. Möge die Saat, die hier gesät ward, reiche Früchte tragen! Mit freundschaftlichem Gruß Rhno Beuge, Schriftführer. Heytr, 23. Juni.(19. sächsischer Wahlkreis.) Partei- genoffen! Laut Beschluß der Conserenz findet, wie schon mitgetheilt worden, den 11. Juli u. o. in Lößuitz das beabsichtigte Cen- tral-Arbeiterfest statt. Dasselbe besteht in Festzug, Concert, Festrede von unserem ReichStagSabgeordueten Liebknecht, Massen- gesang rc. Parteigenossen aller Orten! An Euch ist eS jetzt, dieses Fest zu dem zu machen, was eS fein soll! Sorgt überall dafür, daß eS bekannt wird und nehmen wir eine allseitig rege Betheiligung im Voraus als gesichert an. Seit der Wahl haben wir uns noch nicht in größerer Zahl treffen können und darum benützt Alle die Gelegenheit. und kommt in Masse zum Fest; wir wollen uns da einmal recht herzlich unseres letzten Wahlsteg» freuen! Sagen soll man können:„Immer neue Schaaren wollen aus dem fernsten Thal heran!" Also Glück auf zum Fest! C. Demmler. E. Schletter. Kamburg, 26. Juni. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß vorigen Freilag den IL. Juoiiu der Partei-Vcrsammluug die Wahl der Localbeamten vollzogen wurde; e« wurde Unterzeichneter als Parteileiter und H. Tappe ndorf als Schristführer gewählt. Alle Angelegenheiten, welche die Parteigenossen Hamburgs anbetreffen sind an folgende Adresse zu schicken. C. H. Kotkamp, Korn- trägergang 54/56, II. Etage. Kamburg, 26. Juli. In der gestern Abend staltgehabten Mitgliederversammlung der sozialistischen Arbeiterpartei wurde be- schlössen, den ColportagepreiS des„Volksstaat" auf die gleiche Höhe wie beim„Neuen Sozialdemokrat" zu setzen und wurde deshalb bestimmt, daß vom 1. Juli ab da« Quartals-Abonnemcnt des„Volktstaat" 2 M. 25 Pf. und das MonatS- Abonnement L0 Pf. betragen soll. Indem dieS den Hamburger Abovventen deS„Volksstaat" be kaunt gewacht, füge ich noch hinzu, daß der hierdurch erzielte Mehr betrag der Parteikasse zu gute kommen soll. Mit sozialdemokratischem Gruß C. H. Kotkamp. Kiek, 22. Juni. Auf Sonnabend Abeud war hier in den „Englischen Garten" eine Parten Versammlung einberufen mit der Tage«- Ordnung:„Corstitoirung der sozialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands." Die Versammlung war leider verhältnißwäßss schwach besucht, dafür waren aber zwei Diener der hl. Hermandad anwesend. Der Einberuser, Herr Starke, gab in kurzen Worten eine Erklärung über die Organisation der neuen Partei und for- derte schließlich die Anwesenden auf, sich derselben anzuschließen. welcher Aufforderung auch sofort 82 Mann nachkamen. Hoffen wir, daß sich diese Zahl hier am Ort baldigst verdrei- und ver- vierfacht! Parteigeuoffe»! Jetzt gilt e«, mit vereinten Kräften den Komps zur Befreiung der Arbeiter- Classe aus den Fesseln der Kapitalmacht fortzusetzen! Thut Euer Möglichstes zur Aus- breitung der Partei und ihrer Organe:„Volksstaat" und„Neuer Sozial- Demokrat", und und Verleumdungen un uu» zu bekämpfe», wie chreckt nicht zurück vor den Machinationen crer Gegner, denen jede Waffe recht ist olgender Erguß einer edlen(fchwarz-weiß- reihen) Seele recht deutlich zeigt: „Die in Gotha geschlossene Bereinigung der sozialdemo kratischen Fraktionen scheint in der Heimath der Abgeordneten, welche die Bereinigung geschlossen und feierlich besiegelt habeu, nicht überall mit gleicher Freudigkeit aufgenommen zu sein; au einigen Orten ist dieselbe sogar ausdrücklichem Widerstande begegnet. So wild aus Hamburg berichtet, daß dort eine sozial- demokratische Gemeinde existirt, welche dem Gothaer Eongreß „schmachvolle willkürliche Behandlung der Gegner" vorwirft. In Dresden kamen sogar die beiden dortigen Deputnten ans den verschiedenen Lagern gar nicht dazu, gemeinschaftlich in gemeinschaftlicher Generalversammlung Bericht darüber zu er- statten; jeder der Beiden that dies m ein« besonderen Versammlung der bisherigen Anhänger. So wird Unzufrieden- Sltit von den verschiedenste« Seiten h« bnichtet. Auch inuer- ich scheint der Zahn de» p«söulichen Neide» über die gute weltliche Situation de» einen oder des anderen berühmten Führers die Baude zu lockern und neue Spaltungen vor- iubereiteu. So enthält der„Görlitzer Anzeiger" unter der leberschrift„40,000 Thaler" eine Enthüllung über deu viel- genannten Präsidenten Hasen clever, die mit eben so viel Schärfe als Humor geschrieben ist uud erzählt, Haserclever wolle sich für diese Summe ein Gut kaufen." Zu diesem Waschzettel, welchen wir dem„Kieler Wochenblatt" überflüssig, da jeden Parteigenossen beim Lesen dieses Machwerks das Gefühl der„Wurschtigteit" beschleichen wird. Augsburg, 6. Juni. G-stern Abend fand im Saale zu den 3 Königen eine socialdemokratffche Versammlung statt, in welcher EndreS über den EinigungScongreß uud Tauscher über„die durch die gegenwärtige Arbeiter-Enquste in Deutschland versuchte Nachahmung deS bonaparte'schen Jmperial-Socialismus" referirte. Die Versammlung gestaltete sich Dank der Mithülfe unseres rühmlichst be- kannten Polizei- Gen ie'S Tischer zu einer der animirtesten, die wir seit einem Jahre gehabt. Nachdem Endres über den Eongreß referirt, und die Versammlung durch laute Zurufe ihre Freude über daS Einigungswerk Ausdruck gegeben, sowie am Schlüsse des Referats dem Redner durch stürmische Bravo'S den Dank für fein Wirken auf dem Congresse gezollt, sprach in der Spezialdebatte Tauscher über die Erbärmlichkeit unserer nationalliberalen Gegner in Augsburg, die obwohl sich am 10. Januar 1374 glänzend ge- zeigt, daß ihre Partei sich im Rückgange befinde, daß der National- liberaliSmoS in Augsburg nicht mehr die Majorität habe, dennoch ihrem dummgläubigeu Publikum vom„Rückgang" der Socialvemo- tratie vorfaseln. In begeisterten Worten forderte er die Partei- genoffen aus, in der nunmehr geeiuigten Arbeiterpartei unermüdet zu wirken. Die nächste ReichStagSwahl, ruft Redner aus, muß un» die engere Wahl zwischen dem socialistischen und ultramon- tanen Candidateu bringen; das zu erreichen, sei in der heutigen ersten Versammlung der geeinigten Socialdemokraten Augsburgs gelobt, und dann wollen wir sehen, wohin die„große" liberale Partei sich wendet, ob zum SocialiSmu» oder UltramontaniSmuS! Der diesen Worten folgende cinmüthige Applaus zeigte, daß der Redner der Versammlung auS dem Herzen gesprochen.— Nach einer kurzen Pause erhielt Tauscher zum zweiten Punkte der Tage»- ordnung daS Wort. Er schilderte die oftmals versuchten Manöver des Bonaparte, durch allerlei Palliativmittel die französischen Arbeiter für sich zu gewinnen, um sie als Schreckbild gegen die Bourgeoisie zu gebrauchen und diese seinen fteiheitSmörde- rischea Plänen gefügiger zu machen. Alle diese Versuche seien aber an der Erkenntniß der französischen Arbeiter abgeprallt und hätten sie nicht gehindert, eines schönen T ages seinen Thron aus da» Straßenpflaster zu werfen. Auch anderwärts habe man die imperial-socialistischen Bestrebungen bereits nachzuahmen versucht; die gegenwärtig in Deutschland angeordnete Arbeiter-Cnquete sei geeignet, gerechtes Mißtrauen der Arbeiter hervorzurufen. Sämmt- liche europäische Staaten nennen sich Culturstaaten, selbst Rußland, wo die Knute und die Schnapsflasche regieren, wolle ein solcher sein. Und doch sind seit 10 Jahren die sittlichen Bestrebungen deS AibeiterstadeS auf's Aergste verfolgt worden. Redner bespricht nun die Fachverein«- und GeweikschaftSauslösungen, die BeHand- lung unserer Abgeordneten im Reichstage, die Camphausen'sche Forderung einer allgemeinen Lohnreduktion und das Lob der BourgeoiSpresse über die Arbeiter- Enquete, das sich sicher in Zeter- gescdrei umgewandelt hätte, wenn für den heiligen Geldsack ctwaS zu fürchten wäre ic. Nach all Diesem könne kein Arbeiter im Ernste daran glauben, daß die Herren in Berlin wirklich die Lage deS Arbeit« stände» verbessern wollen. Dennoch dürfe man die Hände nicht in den Schooß legen, sondern müsse im Sammeln latistischen Materials k. fortfahren, dieses aber an unsere Arbeiter- Vertreter einsenden; dann laufe es nicht Gefahr, an den verschie- denen Papierkörben bis nach Berlin vorbeiwandern zu müssen uud werde gewiß auf den Tisch des Reichstags niedergelegt. Redner bespricht nun daS Contraclbruchgefetz, das Bismarck der deutschen Bourgeoisie wohl in den Rachen werfen müsse als Aequivalent für die vielen Fußtritte, die sie feit Jahre» willig hingenommen, betont die Nothwendigkeit der Organisation der Arbeiter in den Giwerkschaften und will zum Schlüsse eine Stelle seiner in Fürth gehaltenen Festrede citiren, kaum aber hatte er gesprochen,„daß der socialistische Generalstab organisirt sei uud eS nur noch der Organisation der Maffenbataillone der großen Proletarier- Armee bedarf, um den Stm m gegen das Bollwerk der Reaktion und des CapitalS beginnen zu können," da sprang unser Augsburger Stieber (Tischer) auf und verlangte den Ordnungsruf. Tauscher protestirte dagegen und begehrte, sein Citat«ollenden zu können, dann erst wolle er den Ordnungsruf hinnehmen, wenn er nölhig wäre. Die Versammlung schloß sich diesem Proteste au, e» entstand ein un- geheurer Tumult, der sich womöglich noch steigerte, als Tauscher nun daS Wort entzogen wurde. Stürmlsche Bravo's folgten dem Redner, als er die Tribüne verließ, um eine Auflösung der Ber- sammlung zu verhüten. Nach ihm sprach Kaim und theilte mit, daß die Arbeiter-Enqvöte in Augsburg bereit» ein Opfer gefordert habe. Einem Meister der Riedinger scheu Weberei sei geküudigt worden, weil er in einer Manusakturarbeiter-Bersammluog über die Enquete gesprochen. AIS der Meister betonte, die Regierung verlange ja doch Ausschlüsse, entgegnete ihm Herr Direktor Leiner, »dann gehen Sie auch zur Regierung und lassen Sie sich von ihr bezahlen.(Allgemeines Pfui!)— EndreS spricht über die Heuchelei unserer Gegner und weist nach, daß die Arbeiter vom heutigen Staate keine Verbesserung ihrer Lage«warten könnte». Nach ihm verlangt Tauscher nochmal» das Wort und erhält eS anch, da er dem Polizcikommissär jetzt minder staaiSgefährlich vorkommt. Er vollendet sein vorhin unterbrochene» Citat, zeigt da« ungerecht- fertigte Borgehen de» überwachenden Polizisten und fordert die Arbeit« auf, neben der Organisation die Parteipresse nicht zu vergessen.— Zum Schluß geißelt noch der Vorsitzende Stollberg in überaus satyrischer Weise unter fortwährender Heiterkeit der Versammlung die Art, wie man die Arbeiter zur Enquete bei- ziehe und die liberale Presse, welche geglaubt, er ärgnc sich, weil man ihn nicht zur Vernehmung vorgeladen habe.— Da Niemand mehr da« Wort verlangte, so ermahnte der Vorfitzende noch die Versammelten, auch fernerhin treu zur Fahne der Socialdemokratic zu stehen uud schloß um 11V, Uhr. Die Versammlung glaubte noch durch fiürwischeu Applaus deu Rednern Dank zollen zu müssen uud begann die Absingung des BundeSliede». So verlies die erste Versammlung der geeinigten Socialdemokraten Augsburg». Die Begeisterung, die in derselben herrschte, berechtigt un» zu großen Hoffnungen. Möge sie nie erlahmeu, damit Augsburg wie einst zur Zeit der Resormalion so auch im gegenwärtigen Kampfe ür Freiheit und wahre« Menschen thum ein leuchtende« Vorbild ür die Nachwelt werde! den. Es sei bemerkt, daß iämmtliche Colporteure auch Bestellungen auf den„Neuen Social-Demokrat" entgegennehmen. Hoch die Parteipresse!_ Die Commissi on/ »Ueskastcu der Redaktion. L. in Reichenbach: Für diese Nummer zu spät. (Quittung. der Expedition. Bon Hrn Thonberg Schr. 17,21. Schuhmacher Gewerkschaft Bremen Ann. 2,25. Grllbrgr Nürnberg Schr. 25,71. Mn». Altona Ab. 1,75, Brur Zwickau Schr. 33,28. Gb. Hamburg div. An--. 3,50. Schr. 2,00. Gtsch Waldhelm Anu. 6.00. Mtrw Paris Ab. 6,00 $ Ztlr München Schr. 2,5. Slwk Wien Schr. 3,60. Mllr Goars- hausen Ab. 0,80. Zckschwrdt hier Ab. 1,20. Rchtr hier Ab. 3,00. Joh Schrm Nürnberg Schr. 14,00. S Lrth Mainz Ab. 36,45. H Mrs London Ab. 23,46. Holzarb. Gewerkschaft Berlin Ann. 5,30._ Fond für Gemaßregeltr. Ges. bei der Narsdorser Conserenz 2,70. Geuossenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilqniltungen erhielten ferner: in Hamburg F. F. 3,00._ Sozial-demokratischer Arbeiter- Verein. Mittwoch, deu 30. Juni, Abends halb 9 Uhr in Hein- Altona söhn« Salon: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1) Statutenberathung. Nur Mitglieder und solche die es werden wollen, haben Zutritt.— Karten müssen vorgezeigt werden._ A. Forschner.[70] Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonntag, den 4. Juli, früh halb 7 Uhr: Große Landpartie nach dem Erkner. Versammlungsort: Frankfurter Bahnhos.— Die GewerkSgenossen nnd deren Freunde sind hiermit eingeladen.— Bei ungünstiger Witterung den nächsten Sonntag._ Sonnabend, deu 10. Juli, Abends halb S Uhr, Andreas str. Nr. 26 bei Sittel: Generalversammlung. Ich bringe hierbei den Mitgliedern den K 26 unsere« Kranken lassen« Statut? in Erinnerung. G. Lemke, Bevollm.[120s (C ii l« Die hiesigen Abonnenten, welche noch im Rückstände find, V3/Ülll werden ersucht, den Betrag baldigst an den Botin oder mich überliesern zu wollen. Zugleich ersuche ich allen Abonnenten künstig da« Abonnement im Boraus zahlen zu wollen. Da« Quartal kostet 13(2 Sgr., monatliche Zahlungen 6V, Sgr. pr. Monat frei in'» Hans geliefert. G. Heinrichs, Eolporteur, gr. Griechenmarkt 47. Donnerstag, den 1. Juli, Abend« halb 9 Uhr tn Mücke« Lokals Spielbudenplatz�il St. Pauli: Große öffentliche Schuhmacher-Versammlung. Tagesordnung: Die Corperativbewegung nnd die Gewerkschaft der Schuhmacher. Die Collegen Hamburg« und St. Pauli'« sind hierzu eingeladen. Ä. Seidel. s70s Donnerstag, den 1. Juli, Abend« halb 9 Uhr im Orpheum, N'»städterneustr. 25: Ocffentlichc Schncidervcrsammlung. Tagesordnung: Die Nothwendigkeit und der Nutzen der Gewerk- schaftsbewegnng. Reserent G. W. Hartmaan. Tollegen seid am Platze. I. A: I. Boß. s60s Mittwoch, den 86. Jnui, Adend«» Uhr de,«m«ur: Geselliges K isammeuseiu sämmtlicher Sozialisten Hm- bürg'«. Steffen».(75) Donnerstag, 1. Jnli, Abend« halb 9 Uhr im Saale de« Bellevue,(KteussU:,) Soeialisten- Versammlung. Tagesordnung: Politische Rundschau, Referent Mottet«. Fragekasten. Zahlreiches Erscheinen eiwartet._ Der Einbernfer.[50] (tat tut rt Ausflug nach Naw hof. Der wegen der ungünstigen Witterung am 20. d. M. beanstandete Ausflug nach Naunhof, findet nunmehr bestimmt und bei jeder Witterung Sonntag, den 4. Juli nnd zwar mit Damen statt. Abfahrt 12 Uhr 20 Mn. Leipz. DreSdn. Bahn; Tagesbillet bi» Naunhof. Bei günstigem Wetter wird hinwärt« in Beucha ausge- stiegen und von da nach Naunhof marfchirt, entgegengesetzten Falle« aber direct gefahren. Bestimmungsort: Gasthos zum Stern, Naunhof. Nähere« vor Ab- fahrt auf der Bahn, resp. in Beucha; Rückfahrt halb 10 Uhr. Freunde, Gönner und GesiunnugSgeuoffen ladet ein und heißt im Vorrau» freundlichst willkommen_ Club„Wotgtttf t|."[300] „Meuer Sozial-Demokrat." Organ der socialistischen Arbeiterpartei Deutschland«. Erscheint wöchentlich 3mal und zwar: Dienstag, Donnerstag uud Sonnabend Abend« in Berlin, Prei» pr. Quartal M. 1,60. Bestellungen nehmen außerhalb alle Postanstalten entgegen, in Berlin außerdem alle soliden Zeitungtspeditenre. Kreuzbaud-Abonnement« find nur bei der Expedition auszugeben. Bei den Postämtern bitten wir ausdrücklich den„Neuen Social« Demokrat" in Berlin zu bestellen. Zu zahlreichem Abonnement ladet ein. Die Redaktion nnd Expedition. Berlin 8 0. Orauienstraße Rr. 8. I. Lopia. An die Volksstaatleser Berlins. Auch beim neuen Quartalwechsel richten wir an die VolkSstaat lefer die Aufforderung nach Kräften für die weiteste Verbreitung Sorge zu tragen. Ten im Nord-Beznk laut gewordenen und be- gründeten Beschwerden üb« unregelmäßige Zustellung wird vom . Juli durch Einstellung eines neuen ColponeurS abgeholfen wer- *) CS spukt in sämmtlichen Reptilienpressen zweiter Klasse; und ist einfältig genug, um auch noch in die erster Klaffe promovirt zu werden. Jedenfalls sind unsere Gegner sehr genügsame Leute, daß sie sich von ihren Meinungsliefnanten mit solcher Waare abspeisen lassen. R. d. B. ««handelt in öffentlich« Sitzung der Strafkammer de» Königlichen Obergericht» Stade, am 23. April 1875. Da« Gericht verlündet da« Uitheil jc. Da« Gericht erachtet als thatsächlich festgestellt: daß der Beschuldigte, Schneidergesell August Wegener in Stade, durch einen tn der Nr. 26 der in Leipzig erscheinenden Zeitung„der Bolk«- staat" vom 5. März 1875 eulhaltenen, von Stade datirien mit seinem Namen unterzeichneten, von ihm abgefaßten und zur Aufnahme ein- gesandten Artikel, i» welchem er de» Schneidermeister Seitz Hieselbst Habgier, Wvrtbrüchigkeit und ungerechtfertigte Willkühr bei der Lohn- zahlung seinen Gesellen gegenüber vorwirst, in Beziehung sauf deu Schneidermeister Seitz Thatsachen behauptet uud verbreitet hat, welche denselben verächtlich zu machen,»der doch in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet find. Da« Gericht erkennt demnach auf Grund de«§ 186 de» Strafgesetz« buch« gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von sünfzehnThalern, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine sechstägige Gefängnißstrase tritt, verfügt auf dem Antrage de« Privackläger» entsprechend«us Grnnd § 200 deS Strosgesttzbnch», daß auf Kosten de» Beschuldigten der v«- fügende Theil de« Urtheil« durch öffentliche Blätter, uud zwar in der in Leipzig erscheinenden Zeitung„der VolkSstaat" nnd m dem Stadn Wochenblatte bekannt gemacht werde. Die UntersuchunzSkosten«erde» dem Beschuldigten zur Last gelegt. Beglaubigt Hetuichen. Heinsiu« Dr/�i Berichtigung. Assoziations- Buchdrnckerei zu Berlin. Die außerordentliche Generalversammlung findet Sonntag, deu 18. Juli 0. statt, nicht wie irrthümlich in der Annonce in Nr. 70 an- gegeben, am 10. Juli._ BeranlworUlch'.r Redakteur: H. Rindt. Redaktion Hohestraße 4, Expedition Zeitzerstraße 44, in Leipzig. Druck und Verlag der GenossenschastSbuchdruckerei in Leipzig. i