Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen dej In-».Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigte» Staaten: F. A. Sorge, Uor 101 Hobokon, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coatea str. Philadelphia, Abonnementsprei» für ganz Deutschland 13R.60Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2ten u. 3ten Monat und auf de» Zten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals ii 54 Pf. Organ der Sozialistischen Arveiterstartei Deutschlands. Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheitcn betreffend, werden mit 10 Pf.,— Privat- und BergnügungS- Anzeigen mit 25 Pf. die drcigespaltene Petit-Zeile berechnet. Mr. 83. Ireitag, 28. Juli. 1875. Die Arbeit. von I. Most. 'f.fstis*»0 51 m(i chöiwnUa» Seit Adam Smith die Arbeit als die Urquelle allen Nw tioualreichthumS erklärte, sind schon so viele Bücher, Broschüren, Zeitungsartikel ,c. mit und ohne Geschick über diesen Gegenstand geschrieben worden, daß mau sast glauben möchte, eS müffe darüber nachgerade Jedermann im Klaren sein; genauer nachgesehen, zeigt sich jedoch im Gegentheile, daß über diese vielbeschriebene, ana- lhsirte, gelehrt und ungelehrt, ernsthaft und jovial, mit Leidenschaft und Gleichgültigkeit behandelte, allüberall zu Betrachtungen her- auSfordernde unv doch so mysteriöse Angelegenheit eine sörmliche Sprachverwirrung unter den GeisteS-Aiifiokraten so gut oder so schlecht, wie unter dem Laientroß ihre Herrschaft behauptet. Angesicht» solcher Sachlage werden die Leser zugeben, daß wir keineswegs, wie vielleicht Mancher schon beim Anblick der lieber« schrift vermuthet haben mag, ein abgemähte» Feld betreten oder— Streusand nach Berlin tragen, wenn wir über Arbeit schreiben. Und damit un« Keiner der Ueberhebung anklage, bemerken wir gleich von Vornherein, daß wir durchaus nicht der Einbildung leben, durch unsere Abhandlung das von uns als offen betrachtete Thema zu einem geschloffenen umschaffen zu können, vielmehr er- greisen wir lediglich da» Wort au» Motiven der Berathung; und wenn uns recht viele Nachredner folgen, so soll es uns nur lieb sei», am allerliebsten aber, wenn dieselben un» und Andere über das belehren, was wir nicht oder nicht genügend kennen. Was versieht man also unter Arbeit? Die Einen deantworten diese Frage mit Geschwindigkeit, indem sie mit wanchefiermännisch-liberaler GleichheitS-Heuchelei und ver- haltenem Hohnlächeln das Sprüchlein deklamiren, durch welches wohlgereiwt und zweifelsohne nicht mehr und nicht weniger al« Alle mit dem Titel„Arbeiter" bedacht sind. Andere wollen nur Die- jenigen als Arbeiter gelten laffeu, welche milden Händen arbeiten; noch Andere sagen, nur Der arbeite, welcher Nützliches leiste, lassen aber das Womit? ob mit Hand oder Kopf oder mit Beidem? dahingestellt sein; und so geht eS, wie wir noch sehen werden, an der Leiter der Mannigfaltigkeit lustig auf und ab. Die Behauptung, daß Jeder arbeite, kann wohl als die ab- geschmackteste von alle» bezeichnet werden, und sie verliert ihre Haltlosigkeit selbst dann nicht, wenn man sich zu der mit der Wirklichkeit auf sehr gespanntem Fuße stehenden Voraussetzung ver- steigen wollte, daß über die größere oder geringere Thätigkeit eines jeden Menschen gar kein Zweifel exifiire. Denn wer thätig ist, kann noch lange nicht behaupten, daß er jedenfalls arbeite. Zwischen Thätigsein und Arbeiten liegt eben eine großartige Verschiedenheit, da man zwar thätig ist, wenn man arbeitet, nicht aber umgekehrt, indem nur diejenige Thätigkeit als Arbeit gelte» kann, welche be- stimmten Bedingungen entspricht. Betrachten wir die zweite Behauptung, welche darauf hinaus- läuft, daß nur nützliche Thätigkeiten Arbeiten seien, so können wir zugestehen, daß wir� eS hier schon mit einer Auffassung zu thun haben, welche wenigstens dem wahren Sachverhältuisse auf der Spur ist, allein, wir gelangen unwillkürlich zu der Frage: WaS ist nützlich? Und da vernehmen wir die verschieden- artigsten Antworten. Da findet vielleicht A, daß eine ThätigkeitSart ganz nützlich fei, welche B für gleichgültig und C sogar für äußerst schädlich, ja ge- meingel ährlich hält. Einer kann z. B. den Tabakbau für unge- mein nützlich halten, während ein Anderer von dieser Nützlichkeit nichts wissen will, und ein Dritter den Beweis liefert, daß der Tabakbau schädlich sei, weil durch denselben eine Menge srncht- baren BoderS dem Anbau von Nährpflanzen entzogen werde. Um- gekehrt wird die„Arbeit" einer Solotävzerin von Manchem für höchst nützlich angesehen, weil er sich daran ergötzt, während tausend Andere auch nicht ein Atom von Nützlichkeit in solchem Thun zu entdecken vermögen. Mit diesem Nützlichthätigsein hat eS also auch seine Schwierigkeiten. Nun gut— sagt ein Professor der Nationalökonomie und legt gar wichtigthuend seinen Zeigfinger an die Nase— genügt auch eine nützliche Thätigkeit an und für sich noch nicht, um als Ar- beit zu gelten, so doch eine für die Gesellschaft nützliche Thätigkeit, d. h. eine Thätigkeit, durch welche irgend welche Dinge erzeugt werden, die zur Besricdigung gesellschaftlich anerkannter Bedürsvisse dienen. Ein Schritt weiter nach dem Richtigen hin ist auch hiermit gethan, allein a«S dem Verschwommenen find wir trotzdem noch nicht herausgetreten. Wir müssen daher schon Denjenigen nachgehen, welche mit der «enschlichen Thätigkeit weitere Sortirungen vornehmen. Da begegnen wir zunächst einer Gattung wirthschastlicher Markscheider» welche alle» Schaffen in Arbeiten und Dienstleistungen oder auch, genauer ausgedrückt, in Arbeiten und Luxusdienste ein- theilen und Ersten für nützlich, Letztere aber für unnütz erklären. Da nun aber in der Praxis diese theoretische Eintheilung nicht Stich halten will, so wird sie ganz von selbst hinfällig. Doch nun stoßen wir aus die Hohenpriester ökonomischer Ge- lahrtheit, welche uns an die beiden großen Schubladen für pro- duktive und unproduktive Arbeit weisen. Damit ist aller Streit abgethan— meinen diese supergelahrten Herren. Und da- mit wir ja nicht unter die Zweifler gehen und hübsch gläubig das handelSeiu« werden. Im Uebrigw ist aber der Disput ganz inter- essant, und wir sind deshalb so frei, auch ein wenig mitzudiS- putirm. Die Phyfiokraten hatten seiner Zeit auch über produktive und unproduktive Arbeit gesprochen und geschrieben, aber höchst wunder- bareS Zeug. Dieserhalb wurden jedoch ihre Wortführer keines- weg» al» Sonderlinge betrachtet und ohne Würdigung ihrer An- sichten abseits stehen gelassen, vielmehr eigneten sich die meisten Regierungen deren Prinzipien an und richteten ihre Handelspolitik darnach. Der Reichthum einer Nation— meinten diese Schlauen— könne nur nach der im Lande befindlichen Menge Goldes und nach den daselbst vorhandenen Edelmetallen bemessen werden, e» sei daher dasjenige Volk als da» reichste zu betrachten, welche» da» meiste Gold, resp. die meiste» Edelmetalle habe, eine Ansicht, die, ou passant, unter Spießbürger» auch heute noch hoch im Course steht. Diesem Grundsatze entsprechend wurde natürlich nur diejenige Arbeit für produktiv gehalten, welche zur Vermehrung des baaren Geldes oder der Edelmetalle beitrug. Der Handel, und zwar derjenige Handel, welcher Waaren aus und Geld ein- führte, war demgemäß die nützlichste, produktivste Arbeit und wurde auch in erster Linie staatlich gefördert und protegirt. Welche Folgen diese» planlose Treiben hatte, ist bekannt. Spanien, da» gerade zu jener Zeit, wo e» am meisten Gold einheimste, sich im kläglichsten Zustande befand, das schließlich mit seinen Goldmengen ebenso wenig anzufangen wußte, wie jener hungerige Araber mit dem Sack voll Perlen, den er in der Wüste fand, Spanien leidet heute noch außer an den Cousequenzen diverser sonstiger Staats- Bornmheiten der Vergangenheit an den üblen Wirkungen seiner einstigen National-Unwirthschasr. Und ei« neueres, sehr neues Beispiel, da» gar nicht näher bezeichnet zu werden braucht, weil man eS mit den Händen greisen kann, bläut uns wahrlich em- pfindlich genug ein, daß durch Geldvermehrung noch lange keine Vermehrung des Reichthums, wohl aber eine Geldentwerthuug eintritt. ES ließe sich noch Manche» sagen über diese oder jene ökonw mischen Schrullen und tragi-komischen Vorstellungen, welche in der Vergangenheit einen CourS hatten, allein wir wollen eS mit dem Hinweis auf die Phystokrateu genug fein lassen, und un» lieber den neuzeitlichen Deklamationen über produktive und unproduktive Arbeit zuwenden, und uns damit in dem folgenden Artikel be> schäftigen. Aus England. London, den 10. Juli 1875. Wahrhaftig, eS gehört ei» starker Magen dazu, diese Komödie anzusehen ohne seekrank zu werden! Die Presse des Lande», mit sehr geringen Ausnahmen, von„TimeS" und„Punch" herab bis zum kleinsten Winkelblättchen, die Parlamentler ohne Unter- schied der Parteien, sowie die osfizielleu Vertreter der Gewerk- schafteu lobhudeln den Minister de« Inner», Herrn Croß, um die Wette. Wenn dieser Mann reißende Bestien zum VegetarianiS- mu», oder— um Gleichnisse zu vermeiden— die privilegirten Klassen der Gesellschaft zum Aufgebe» ihrer Vorrechte bewogen und so den ewigen Friede« hergestellt hätte, so könnte er nicht mehr beräuchert werden, al» wege« feiner neuen Arbeitergesetze, durch welche der lange, alte Hader zwischen Kapital und Arbeit beigelegt werden soll. Der Kampf der englischen Arbeiter gegen einige Gesetze, welche ihrer Tendenz nach gegen die Arbeiterklasse gerichtet sind und in einzelnen Fällen von sanatisirten und parteiischen Richtern in wahrhaft barbarischer und schamloser Weise in Anwendung ge- bracht wurden, hatte in den letzten zwei Jahren eine Ausdehnung und Bedeutung gewonnen, welche die Regierung zwang, eine Commission zur Untersuchung der Wirkung dieser Gesetze zu er- ueune». Trotz de« rührenden Bestrebens der Herren CommisstonS- Mitglieder, den Pelz zu waschen ohne ihn naß zu machen, sind durch die Untersuchung Tinge zu Tage gefördert worden, welche dringend nach einer Gesetzesreform schreien. Und da« confervative Ministerium macht nun au« der Roth eine Tugend und schlägt „fteiwillig" neue Gesetze vor, wobei man die Arbeiter von ihrer alten Liebe, den Liberalen, abwendig zu machen sucht. Die con- servativen Pharisäer verzerren ihre Gesichter und schlagen sich auf die Brust: Herr Gott, wir danken Dir, daß wir nicht sind wie diese Liberalen da, welche den Arbeitern Steine statt Brod ge geben haben! E« war höchste Zeit, etwas zu thun, denn die Unzuftiedenheit der Massen zeigte sich bereit« in sehr bedenklichen Symptomen. Wenn ein gefiuuuvgsloscr Abenteurer, wie Dr. Kenealy, sich bedeutenden Anhang.im Volke verschaffen kann, weil er den ge- sammten Richterstand deS Lande«, mit dessen Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit die Mittelklassen England» so gerne prahlen, al» durch und durch corrupt verschreit, dann muß e« dem Verschlagen- steu klar werden, daß Etwa» faul im Staate ist. Da» Gehudel und Gesudel der bürgerlichen Elemente über die fiaatSretterische Weisheit des Herrn Croß ist Deshalb leicht begreiflich, nicht so die Speichelleckerei der Führer der Gewerkschaften. Diese Herren haben allem Anscheine nach ein sehr schwache« Gedächwiß. Vor >......____ Kurzem machten die Londoner Arbeiter eine der großartigsten Evangelium vor, der produttiven und �unproduktiven Arbeit nach-! Demonstrationen, welche die Riesenstadt je gesehen, gegen den beten wird un» haarklein auseinandergesetzt, waS man unter dieser frinünal�aw-Ainendment- Act— ein Gesetz, mit dem ein schuf- und jener zu verstehen hat. Aber waS ist das? Auch diese Herren tiger Richter einen Arbeiter m» G-fängniß schicken kann, welcher sind unter stch nicht einig! Sic streiten ja ganz wülhend darüber,! gelegentlich einer Arbeitseinstellung verdächtig hustet, ein schiefe» wa« produktive,«aS unproduktive Arbeit sei und können nimmer Gesicht zieht, hinter emem Andern hergeht oder gar für längere Zeit an einem Platze stehen bleibt. Ueber 100,000 Männer— die Freuode der Bewegung sagen 150,000— zogen in den Hydepark, um fünf Arbeiter zu begrüßen, die man inS Gefängniß geschickt und dort schmählich behandelt hatte, weil sie während eines SttikeS andere Arbeiter, welche durch Inserate und Bor- spiegelungen der Herren herbeigelockt wurden, in der Nähe der betreffenden Fabrik über den Stand der Sache unterrichteten und — wie von allen Seiten zugestanden wird— ohne die leiseste Drohung! zu überreden suchten, mit den Strikenden gemeinsame Sache zu machen. Dem Richter hatte es beliebt, diese Handlung (welche man mit dem Namen„BlcKcttuiA", Aufstellung von Piketten, bezeichnet) al» einen Zwang im Sinne ve» Crimmal-Baw-Amcnd- rnent-Act zu bettachten und die fünf Mann in» Gefängniß zu werfen. Die Riesenversammlung im Hydepark war nicht bloS ein gewalttger Protest gegen Urtheil und Richter, sondern auch gegen ein Gesetz, daS solche Urtheile möglich macht. Und dasselbe Gesetz soll nach der Vorlage der Regierung un- verändert fortbestehen, und die Herren Gewerkschaftler erklären sich im Großen und Ganzen höchlichst zufriedengestellt. Die neuen Gesetze sind zwar eine Milderung de» Conttakt- bruchgesetze«(Master and Servants-Act) und des VerschwörungS- gesetzeS(Law of Conspiracy), allein sie tragen noch unverkennbar den Stempel der Klassengeseygebung und sind im Vergleiche zu dem, was die Arbeiter bisher forderten, und«in Recht zu for- dern hatten, eine unbedeutende Abschlagszahlung in schlechter Münze. Betrachten wir uns die Neuerungen etwas näher. Da« jetzige Contraklbruchgesetz soll ganz abgeschafft werden. Unter diesem Gesetze hatten dre Richter Macht, Contrakte aufzuheben, deren Ausführung zu erzwingen und Schadenersatz auszusprechen. Wo Schadenersatz nach der Anschauung des Richters- den Umständen nicht völlig entsprach, konnte auch eine Geldstrafe— und wenn der Verurtheilte nicht zahlen konnte— was natürlicherweise sehr häufig der Fall war— Gefängnißstrafe ausgesprochen werden.—§ 14 war wohl der anstößigste Theil de» Gesetzes. Mittelst desselben konnte ein Arbeiter ins Gefängniß geschickt werden wegen eines leichten Vergehens, begangen„unter erschwerenden Umständen"(nnsconduct, rnisderneanor etc. of„an aggravated charaeter"), Nicht nur dies! Wie Minister Croß bei Ernbringuug seiner Vorlage richtig bemerkte, war da« Gesetz„schlecht gefaßt" und„schwer zu verstehen". So war im eben erwähnten Paragraphen keine Feststellung de» Begriffe«„erschwerende Umstände" gegeben, und die Folge davon war die grundverschiedene Ausfassung einer Handlung durch verschiedene Richter. Wie schlecht die Arbeiter bei dieser Ungebun» denheit der Gerichte wegkamen, sagt uns wieder Herr Croß: „Einige Richter meinten, sie könnten für jeden Bruch eine« llebereinkommeu« einsperren, so leicht und ent- schuldbar derselbe auch sein möge"—„Times", 11. Juni 1875.„Some Magistrates held, that they might imprison for any breach of agreement, however sliglit and excuaable"—, und da die Meinung eine« Richter» schwerer in« Gewicht fällt, al« die anderer Menschenkinder, wanderten die Arbeiter massenhaft in die Kerker. Das soll nun ander« werden, versichern un« die Offiziellen und die„Unabhängigen". Nach der Vorlage der Regierung soll der Master and 8er van ts Act aufgehoben und durch zwei neue Ge- setze ersetzt werden. Da» erste,„Tbe Employers and Work- men Act, 1875"(Gesetz für Arbeitgeber und Arbeitnehmer) be- handelt den einfachen Contrattbruch, welcher von nun an nicht mehr kriminell bestraft werden soll, und da» zweite„Tbe Conspiracy and Protection of Property Bill" 1875(Gesetz gegen Verschwörungen und zum Schutze des Eigenthums), solche Contraktbrüche, die eine Gefahr für die Allgemeinheit oder eine bedeutende Schädigung von Eigenthum zur Folge haben können. Nach dem„Gesetz für Arbeitgeber und Arbeitnehmer" sollen Ar- beiiskonttakte genau so behandelt werden, wie andere Contrakte, d. h. Gefängnißstrafe kann nicht mehr direct ausgesprochen und ein der einen oder der anderen Partei zuerkannter Schadenersatz muß auf dem Civilweze, wie eine gemeine Schuld eingetrieben werden.— Da»„Gesetz gegen Verschwörungen und zum Schutze de« EigenthumS" hebt vor Allem den von einigen Richtern gel- tend gemachten Grundsatz auf, daß Handlungen, welche, von Ein- zelnen begangen, vollkommen gesetzlich sind, von Mehreren zu gleicher Zeit und zu einem bestimmten Zwecke durchgesührt, als „Verschwörungen" kriminell strafbar seien. Dagegen stellt e» Gas- und Wasserarbciter unter harte Bestimmungen. Wenn ein Arbeiter dieser Kategorie willkürlich und böswillig einen Con- ttakt bricht und durch feine Handlungsweise eine Gemeinde um Ga» oder Wasser bringt oder doch bringen könnte, verfällt er nach§ 4 entweder einer Geldstrafe bis zu 400 Mark oder einer Gefängnißstrafe bis zu 3 Monaten. Mit derselben Strafe sind in s 5 Diejenigen bedroht, welche willkürlich und boshaft(wil- fully and maliciously") einen Contralt brechen und dadurch „werthvolles Eigenthum der Vernichtung oder bedcu- tender Schädigung aussetzen". Außerdem kann nach Z 8 jeder Arbeiter, der stch in betrunkenem Zustande in einer Fabrik aufrührerisch und ungebührlich benimmt, ohne BerhaftSbefehl fest- genommen und zu einer Geldstrafe bis zu 40 Mark verurtheilt oder auf einen Monat inS Gefängniß geschickt werden. Diese neuen Gesetze sind zwar— wie bereits gesagt— eine Verbesserung der bestehenden Zustände, allein kein„Schritt auf dem richtigen Wege", wie von verschiedene» Seiten behauptet wurde. Sie tragen vielmehr den Charakter von Klassengesetzen, sind gegen die Arbeiterklasse gerichtet und werden von seilen oder evgherzigen Richtern gegen dieselbe in Anwendung gebracht wer- den. Schon im ersten(leichtere Fälle behandelnden) Gesetze steht wieder— wenn auch indirekt— da» Gefängniß als letztes Heil- mittel für soziale Uebel. Wenn nämlich ein Angeklagter, welcher Schadenersatz nicht zu leisten im Stande ist, sich bereit erklärt, einem Befehl des Gerichtshofes, seinen Conti akt auszuführen, nachzu- kommen und danndiescmBefehle nicht nachkommt, kann ermitGefängniß bi« zu einem Monat bestraft werden(Z 3c). Ebenso kann ein Lehr- jvnge auf die Dauer eines Monats eingesperrt werden(§ 6 b), weun er sich weigert, dem Befehl eines Richters aus Ausführung seines ContraktS Folge zu leisten, während gegen eine» con- traktbrüchigen Meister nichts Derartiges in Aussicht steht. Wenigstens ist keine ähnliche auf die Meister bezugnehmende Bestimmung im Gesetze zu finden. Dieser unterschied in der Behandlung der beiden Klassen wird »och deutlicher im Gesetz gegen Verschwörungen und zum Schutze des Eigenthums. Der GaS- oder Wafferarbeiter, der seinen Contrakt bricht uud dadurch daS allgemeine Interesse schä- digt, kommt inS Loch, der Herr oder die Cootpagnie jedoch kann ungestört Eontrakte brechen und dadurch die Allgemeinheit ge- fährden, ohne diesem Gesetze zum Opfer zu fallen. Den» der § 4 handelt nur von Arbeitern. Der nächstfolgende Pars- graph spricht allerdings von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, ist ober für Letztere ganz werthlo». E» ist dies der auf Schädigung von Eigenthum bezugnehmende Theil des Gesetzes, welcher— da bei den Arbeitern gewöhnlich Nichts vorhanden ist, daS wie „valuuble property"(werthvolles Eigenthum) aussteht— wohl selten für, sehr häufig aber gegen sie in Auwendnng gebracht «erden wird. ES wird dem Arbeiter nicht so leicht werden wie de» Arbeitgeber, vor einem Gerichtshöfe zu beweisen, daß ein „willkürlicher uud böswilliger« Contraktbruch vorliegt, uud der Nachweis, daß er durch den Contraktbruch von Seiteu des Herr» «bedeutenden Schaden« an seinem Eigenthum erlitten, wird ihm auch einige Schwierigkeiten verursachen. Wo Nicht« ist— werden die Herren Richter denken—, da kann auch nicht bedeutend ge- schädigt werden! Dagegen wird der«Herr« ohne große Mühe de» Richtern begreiflich machen köunen, daß er durch den Eontrakt- bruch des Arbeiter« großen Schaden erleidet. Man denke an um- fangreiche ArbeitSelnstellungen von Landarbeitern und an die Thatsache, daß die Contrakte nicht schriftlich, ja nicht einmal formell mündlich gemacht zu werden brancheu— (§ 10 unter„Definitiona« giebt eine hübsche Illustrativ» dessen, waS da« Gesetz unter«Contrakt« versteht:„— a pereou— who das entered into or works ander a contract with an em- ployer, wbether the contract be made before or after the passing of this act, be expressed or implied, verbal or in writing etc.«)*)— uud man wird nicht erstaunen, von neuen Gewaltthate» unter den vielgepriesene:: Reformgesetzen zu vernehmen. Lord Montagu, der einzige Parlamentler, der gelegentlich der zweiten Lesung der Gesetze ernsthaft gegen dieselben sprach. sagte u. A. sehr richtig: DaS Gesetz werde ein todter Buchstabe bleiben, da sicherlich jeder Arbeitgeber die Verletzung eine« Eon- trakteS oder jeden Strike al««willkürlich und böswillig« be- trachten und entweder unter dem Criminal-Law-Amendment-Act oder dem§ 5 des Gesetze« gegen Vcischivöruogen ,c. vorgehen würde, welch' letzterer Paragraph nach Tendenz und Zweck dem Z 14 des Master and Servants Act so ähnlich sei als nur möglich. Durch die vorliegenden Gesetze würde ei» Unterschied in derBehandlung der Contrakte von Handarbeitern und der Contrakte au- derer Personen gemacht. So finde die Borlage der Regierung keine Anwendung auf CommiS, Schreiber, Postbeamte und Po- lizcidiener, welche dem allgemeinen Gesetze überlassen blieben.— Wenn Arbeiter während eine« Strike« ihren Genossen auseinander- fetzen, daß sie sich durch ihr Fortarbeiteu in letzter Linie selbst schädigen, und die durch die Gewerkschaft gebotenen Bortheile ver- lieren müßten, dann könnten sie verurtheilt«erden, obwohl ihre Handlung nicht unter da« Strafgesetz falle. Wenn Arbeiter an der HauSthüre ihre« Arbeitgeber« warten, um ihn zu bewegen, einen gewissen Mann zu entlassen, oder den Gebrauch eine« gif- tigen FarbestoffeS einzustellen, den er bisher in seinem Geschäft auwenden ließ, so könne man ste unter dem Criminal-Law-Amendment-Act verfolgen. Oder, wenn ein Arbeiter die Säge oder den Hammer eine« anderen versteckt, der ihm Geld schuldet, dann könne er unter demselben Gesetz angeklagt werden; und doch er- laube da» Parlament einem Bicrwirth, da« Eigenthum eines Manne« zurückzuhalten, der ihm Geld schuldet. Im Jahre 1873 constatirte eine Deputation au« Borkshire, daß die dortigen Meister sich vereinigt haben, um e« einem Arbeiter, der au« einer Werkstätte wegging, unmöglich zu macheu, au einem au- deren Platze Arbeit zu erhalten. Und zwar ohne verfolgt zu werden. Kurz, der Criminai- Law-Amendment-Act erreiche zwar nicht die Herreu, treffe jedoch den Arbeiter mit erschrecklicher Härte.— Auf da« neue Gesetz gegen Verschwörungen-c. zurück- kommend, illustrirte der Redner die ungerechte Einseitigkeit de«- selben durch folgende Beispiele: Wenn Kohlen Grubenbesitzer einen Strike verabreden, so daß die Gaswerke keine Kohlen erhalten, dann könnte kein Gas fabrizirt werden; und doch würde die» den Grubenbesitzern nicht al« Verbrechen zur Last gelegt werden, ob- wohl die Allgemeinheit durch ihre Handlung derselben Gefahr uud Unannehmlichkeit ausgesetzt sein würde, als wenn der Maugel an GaS durch die Nachläjsigkeit eines Arbeiter« verursacht worden wäre. Wenn öffentliche Gefahr uud Unannehmlichkeit genügt, um Nachläsfigkeit zu einem verbrechen zu macheu, warum wird ste nicht in allen Fällen zum Bervrecheu? Wenn eine Wasser- compagnie da« Wasser nicht filtrirt, welche« ste dem Publikum liefert, würde letztere» dadurch nicht Gefahren uud Unanuehmlich- ketten ausgesetzt sein? Sei die« vielleicht weniger gefährlich, al» wenn ein Arbeiter seinen Platz verläßt, wenn da« Wasser nicht angedreht ist?! Allein der letztere Fall werde al« Verbrechen be- handelt, während man die reiche Compagnie laufen lasse. Der Arbeiter- oder besser Gewerkschafteu-Bertreter Macd onald, der nach dem Lord zum Worte kam, wußte nicht« Bessere« zu thu», als die Regierung gegen die ihr gemachten Borwürfe zu vertheidigen. Burt, der andere Arbeitervertreter, hielt sich etwa« besser und legte großen Nachdruck auf die Nothwendigkeit der Revision oder Aufhebung dt« Criminal-Law-Amendment-Act. Kommende Woche wird da« Hau« der Gemeinen die Gesetze wahrscheinlich in dritter Lesung annehmen, da sie schon mit dem 1. September d. I. in Kraft treten sollen. Ueber etwaige«e- seutliche Veränderungen in meinem nächsten Berichte. H. 8. „*) Eine Person, welche in einen Tontrakt mit einem' Arbeitgeber ein- getreten ist, oder nuter einem Tontrakt mtt einem Arbeitgeber arbeitet, gleichviel ob der Eontrakt vor»der nach Annahme dieser Akte gemacht, ob er ausgedrückt oder blos implicirt— angedeutet—, mündlich oder schriftlich ist.« Politische Uebersicht. — Der Moloch be« Militarismus braucht ewig neue« Futter. Eine Erweiterung der deutschen RekrutirungSbestimmungeu ist«im Prinzip entschieden«. Der Hauptzweck derselben soll die Heranziehung der 20— 22,000 völlig dienstfähigen Männer sein, welche gegenwärtig alljäyrlich bei der Einziehung verschont geblieben sind. Man will dieselben«ohne eine eigentliche Steigerung der gesetzlich festzesctzteu Friedensstärke der Armee mindesten« nothdürftig ebenfalls militärisch vorbilden«— wozu«auch bereit« neue Formen in Aussicht gestellt werden«. Schön gesagt! Der allgemeinen Wehrpflicht könnte e« übrigen« gar nicht« schaden, wenn ste sich au« Dichtung in Wahrheit verwandelte! Bezüglich der«neuen Formen«, von denen mau offiziell orakelt, wäre al« die einfachste und heilsamste: Herabsetzung der Dienstzeit zu empfehlen.«Man« wird e« jedoch vorziehen, statt der«eigentlichen« eine uneigeutfiche Steigerung der gesetzlich festgesetzten Friedensstärke eintreten zu lassen. Unser« gesetzliche»Ordnung" erlaubt— 3hm— da«! — Au« dem Nationalzuchthau». W'.r theilte» schon in voriger Nummer mit, daß Parteigenosse Cheifitz au« Wie»- baden zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt worden sei. Diese 7 Monate erhielt Cheifitz, der beiläufig au« Simferopol in Ruß- laud(Krim) stammt, wegen Beleidigung BidmarL« und de« Fi- nanzmiuister« Camphausen, begangen in zwei Versammlungen. Ja der erste» am 24. April d. 3. in Wiesbaden abgehaltenen Ver- sammlung soll Cheifitz u. A. gesagt haben: »Der Krieg wird uud muß nun bald kommen! Bismarck kann nicht eher sterben, al« bi« noch hunderttausend Menschen hingeschlachtet sind. Bismarck ist ein Mensch, der von Menscheublut lebt.« 3a der zweiten, ebeufall« in Wiesbaden and zwar am 22. Mai d. 3. stattgehabten Versammlung soll Cheifitz mit Bezug auf die in der politrschea Uebersicht der Nr. 57 de«»VolkSstaat«besprochene Ver- leihung von StaatSgeldera an die Berliner DiSkoatogefellschaft sich folgendermaßen geäußert haben: «Der Minister Camphausen hat eine nackte Wahrheit an« Ta> geSlicht gebracht, die zwar nicht für die Sozialdemokraten, aber für da« nationalgeistigc Deutschland gesprochen ist. Der Herr Minister hat 4'/, Millionen Darlehen für 2'/» Prozent vom Staate an eine Aktiengesellschaft, bei der er Vorstandsmitglied ist, geliehen, von denen Niemand etwa« wußte. Der Staat darf unter 5 Proz. kein Geld ausleihen. Da hat ein Kerl von der Oberrechnung«- kammer gefunden, daß 4Vt Millionen fehlen. Meine Herren, wir leben in einer Zeit von Enthüllungen. Diese Sache kann von ungeheueren Folgen sein. Der Minister Camphausen hat bi« jetzt noch nicht daranf geantwortet. Dieser Mann, der im Abgeord- netenhan« sagte, man solle den Arbeitern die Löhne herabsetzen, dieser Manu hat 4'/, Millionen au« dem Staatssäckel genommen. Wenn da« ein anderer Sterblicher gethau, wäre er längst nach Plötzensee gekommen.« E« half de« Angeklagten nicht«, daß er i» glänzender Ver- theidiguug die Berechtigung jener Aeußerungeu, die übrigen« dem Wortlaute nicht einmal entsprechen, nachwies, er mußte verurtheilt «erden,— so will e« die«Gerechtigkeit«! — Ueber«Mißstände an der Grenze« schreibt man der «KörigSb. H. Ztg.«:«Die russischen Grenzsoldaten sind allmälig so dreist geworden, daß sie, ohne sich irgendwie zu ge- nireu, am hellen lichte» Tage den Grenzfluß überschreiten und die naheliegende» Getreidefelder durchsuchen, ob darin nicht etwa Waareu versteckt seien, die in der Nacht hinübergeschmnggelt werden sollen. Natürlich wird da« Gefundene al« gute Beute betrachtet. Bor einigen Tagen wurde ein Schmuggler von einem berittenen Grenzsoldaten ca. 2500 Schritte über die Grenze verfolg', uud am heutigen Tage durchritt ein Soldat ganz gemüthlich den Grenz- flnß, um einem aus der hiesigen Stadtweide gehenden Manne sein Packet abzunehmen. Da der Mann sich natürlich weigerte da« Packet abzugeben, und sich darauf berief, daß er ja auf preußischem Boden sei, wurde er mit flachen Säbelhieben traktirt. Darauf sprang der Soldat vom Pferde und entriß dem Manne sein Packet. 3etzt kamen aber hiesige Unterthanen dazu, uud der Russe hielt e« ftir gerathen, sein Pferd im Stich zu lassen und per pedes den Fluß zu durchwaten. Da« Pferde wurde ein- gefangen und später von dem Soldaten mit 10 Rubeln eingelöst.« Ganz nett da«! Warum sollten die Kosaken nicht auch in Deutschland die erste Violine spielen? Marschire» wir doch an der Spitze der-- Rusfification Europa»! — Soldateufreuden. Am Mittwoch, den 14. 3uni, Nach- mittag«, wurde ein Soldat de« 26. 3nfauterie-RegimentS auf der Pionier- Schwimmanstalt in Magdeburg, wo da« Regiment ebenfalls Schwimmunterricht hat, durch einen Stoß in« Wasser ge- werfen, ohne vorher an einer Leine befestigt zu fein. Leider kam derselbe gar nicht wieder zum Vorschein und gelang e« erst den Schwimmlehrern nach vieler Anstrengung, denselben aufzufinden und herauszuziehen. Obgleich ärztliche Hülfe zur Stelle war, ist derselbe auf dem Tranaport nach dem Garnisonlazaretheverstorben. Ueber die Art de« Hineiufallen« de« Soldaten in da« Schwimm- basfin circuliren verschiedene Gerüchte, auf welche wir seine? Zeit noch zurückkommen werden.— So schreiben die«Magdeburger Nachrichten«. Nun, die Untersuchung wird ja die Wahrheit an« Tageslicht bringen,—„daß wir in einem«Militär«- und«Recht«- staat« leben.— — Zur ReichSenquete. Unsere Bemerkung zu dem Schreiben de« HandelSkammersecretärSRoscher(daß dadurch da« Urtheil, welche» wir über die Art der Enqueteausnahme im Allgemeinen gefällt, nicht berührt werde— S. Nr. 74 de««VolkSstaat«) wird von der»Deutscheu Allgemeinen Zeitung« nachträglich(in ihrer Nr. 167 vom vorigen Mittwoch) wie folgt kommentirt:„DaS heißt wenig- stens offen eingestehe», daß man von seiner Boreiogenommeuheit bei besserem Wissen nicht ablassen wolle.« Die gesperrten Worte sind eine Ungezogenheit, der Rest eine Albernheit. Also weil in Sachsen von einem einzigen Manne die Enquete so wie sich'« gehört vorgenommen wurde, sollen wir unser Urtheil im Allgemeinen widerrufen? Außer in den von Hrn. Roscher be- zeichneten Orten ist in ganz Sachsen unsere» Wissen« kein So- zialist zur Enquete zugezogen worden, obgleich in Sachsen die Sozialisten notorisch(S. die letzten Reich«:ag«wahltn) die zahl- reichste politische Partei sind. 3n ganz Preußen ist unsere« Wissen« kein einziger Sozialist zugezogen worden. Ebensowenig in Thüringen. Und in deu Süddeutschen Staaten haben sich nur ei» paar Lokalbehörden au Sozia- tisteu gewandt. Wir wollen in christlicher Nächstenliebe annehmen, daß die«Deutsche Allgemeine Zeitung" diese Thatsachcn nicht gevußt hat, sonst müßten wir statt„Albernheit« einen här- teren Ausdruck gebrauchen. — Zum Haftpflichtgesetz. Aus Offenbach schreibt man uns:«AuS Veranlassung stattgehabter Arbeiter- Veruu- glückungen in hiesigen Fabriken hielten die Parteigenossen am 14. 3uli eine Volksversammlung ab mit der TageSoronung: da« deutsche Haftpflicht-Gesetz. Nachdem Herr Ulrich und noch mehrere Redner die Unzulänglichkeit diese« Gesetzes erläutert hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:«Die heutige Volk«- Versammlung verlangt, daß da« deutsche Haftpflicht Gesetz weseut- lich»erschärst werde, damit solche Unglücksfälle wie die hier statt- gehabten verhindert werden, und verlangt insbesondere, daß Fabrik- Inspektoren angestellt werden, welche Fachkenntniß besitzen, durch da« allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht gewählt und ver- pflichtet find, die Verhältnisse ohne Schminke zur Keantniß de« Volke« zu bringen, damit koastatirt werde, daß in allen Betrieb«- zweigen der heutigen Produktion die nöthizen BorfichtSmaßregel» nicht getroffen sind.«« — ER klagt nicht. Da« scheint jetzt festzustehen. Ein Rep- tilisirter schreibt au« Berlin:«Gerüchtweise verlautet, daß die Staat«-Aawaltschaft die Ermächtigung de« StaatSmiuisterium« znr gerichtlichen Verfolgung de« verantwortlichea Redacteur« der. Kreuz- zettuug« wegen der von dieser veröffeatlichten Artikel:»Die Aera Bleichröder- Delbrück- Camphausen und die ueudeutsche Wirthschaft«» Politik« nicht habe erlangen können.« Bekanntlich ist der einzige StaatSminister, der in deu betref- senden Artikeln«beleidigt" worden ist,— und wie!— der Reich«- kanzler Fürst Bismarck. Nun, ER ist großmüthig geworden, sehr großmüthig. Hat doch der R-dacteur der«Kreuzzeitung«, wen» Cheifitz in Wiesbaden 7 Monate verdient hat, mindesten« 7 3ahrhunderte verwirkt. Apropo«, da wir gerade beim Straf- tarif sind, sei hier erwähnt, daß vor einigen Tagen ein Berliner Redacteur wegen Gotteslästerung zu 14-tägige« G-fäagaiß ver- urtheitt wurde.— Bitmarcklästerung 7 Monate, Gotte«- lästeruug 14 Tage.— Bon den christlichen preußischen Richter» wird also die Ehre Bismarck'« geuau vierzehn«al so hoch ver» anschlagt al« die Ehre Gotte«. — Ein bedenklicher Glückwunsch. Der«ReichSanzeiger«, da« oberste amtliche Organ de» BiSmarck'schea Reiches, schreibt: Dem Fürsten Bismarck ist bei G-lezeuhett de« 3ahreStageS de« kisstnger Attentat« feiten« Sr. Maj. de« Kaiser« ein Telegramm zugegangen, in welchem allerhöchstderselbe in den gnädigsten Au«- drücken seine Glückwünsche zu jenem Tage ausspricht.« Daß man zu einem«Attentat««Glückwünsche ausspricht«, ist jedensall« neu, und der Beglückwünschte, demnach am 4. December der Schreck schwer in den Gliedern lag(S. d. famose Reich«taz«szeue), mag ein etwa« verblüffte« Gesicht gemacht haben.— — Die Kommune lebt noch. Der europäischen Bourgeoisie wird solgeude Nachricht au« Pari« vom 18. 3llli einen arge» Schreck in die Glieder gejagt haben:»Gestern Abend verbreitet« sich da« Gerücht, daß in deu Schieferbrüchen von Fumay an der Meuse eineziemlich ernste Revolte ausgebrochen fei. Die Arbeiter haben unter Absingen der Marseillaise die Arbeit nieder- gelegt und der Präsekt der Ardenneu uud der Prokurator haben sich mit mehreren Brigaden Gendarmerie und 2 Compaguieo 3». fanterie an Ort und Stelle begeben. E« ist bereit« zum Zusam- menstoß gekommen und man spricht von einigen verwuuoeten und getövteteu Arbeitern. Sicher ist, daß die Behörden im Givet ein Bataillon Veistärkung verlangt haben und daß diese« in aller Eile abgesandt wurde.« Die soziale Roth in Frankreich scheint also immer noch nicht mit Pulver und Blei curirt zu sein. Merkwürdig,— höchst merkwürdig! — Die Brünner Arbeiter sind trotz Hunger uud trotz aller Gewaltmittel der Behörden bi« jetzt staadhaft geblieben uud haben die Arbeit»och nicht aufgenommen. 3» deu Zeitnuge» lesen wir noch folgende« Nähere: «Brünn, 16. 3uli. Heute(16, 3uli) wurden seitens der Gewerbsbehörde die Erhebungen in deu verschiedenen Fabrikea festgesetzt. Morgen findet die erste Arbeiterversammluug in Boch- »er« Fabrik behus« der Wahl von Vertrauensmännern statt. Diese Wahlen sollen sodann täglich in mehreren Fabriken vorgenommen werden. Beim Bezirksgerichte fand heute Verhandlung gegen die Mitglieder de» Arbeiter- ComitöS, Dundela und Kaoschka, wegen llebertretuug de« Versammlungsrechte« statt. Sie wurden steige- sprochen.« Es ist klar, daß die Fabrikanten nicht die geringste Lust haben, den Forderungen der Arbeiter gerecht zu werden. Durch die Ver- Handlungen will man offenbar die Sache so lange hinschleppen, bi« die Arbeiter durch Roth uud Eleud zum Nachzedea gezwungen sind. Ob aber die Arbeiter uuterliegeo oder mcht, ein zweite« Mal«erden sie sich bedanken, de» Fabrikanten die«gedrückte Lage de« Geschäft«« durch Einwilligung in eine Lohureduktion über- dauern zu Helsen. — Die italienische Regierung hat einen Hochverrath«- Prozeß gegen die internationalen Sozialisten in Szene gesetzt. Da die Internationalen der Polizei nicht deu Gefallen thuu, Ver- schwörungeu zu macheu, so mußte die Polizei selbst die obligate Verschwörung machen. Die öffentlichen Verhandlungen haben vor Kurzem in Florenz gegen 33 Angeklagte begonnen und bi» dato nicht« andere« enthüllt, als die Dummheit der italieuifchen Polizei. Die Comödie ist entschieden viel zu plump arrangirt. Man wollte eben durchaus anständige Arbeiter al« Mordbrenner hinstellen und bediente sich dabei eine« höchst verdächtigen Gesellen al« Polizei- spion und agent provocateur. Diese» Subjekt, Namen« Torri, behauptet mit stech» Stirn, die Angeklagten hätten Feuer«brüoste anlegen wollen zc. Uud auf die Aussagen diese« Spion», die vo» einem avancementSlustigen Untersuchungsrichter gehörig verarbeitet sind, stützt sich die ganze Anklage! Einer der Angeklagten, ein Mann mit weißem Haupt, berichtet, daß der Untersuchungsrichter Zwang und Drohungen angewendet hätte, um die Protokolle der Voruntersuchung fälschen zu können. Der Correspondent der«Frankfurter Zeitung« berichtet: «Alle diese sogenannten Verschwörer und Umstürzler machen den besten Eindruck, reden offen, stei und sicher, einfach und na- türlich, und sind so heiter, al« wenn ste ihrer Freisprechung gewiß wären. Ja, wenn Gerechtigkeit wäre, dürfte kein Zweifel über ihr- Freisprechung herrschen, aber die KorruptionSatmosphäre der Regierung dringt wie ein giftige» MiaSma in Alle« ei» und wer weiß, wie weit e« ihr gelingt, die Geschworenen zu beeinflussen. „Gerade weil die Angeklagten unschuldig sind,« sagte mir ein geist- reicher Advokat,«fürchte ich, daß sie verurtheilt werden.« Mau sieht, 3talieu gehört unter die«Cultarstaaten«. — Dem«Reuen Sozialdemokrat« ist für Oesterreich der Post- debit entzogen worden. Gleich dem«VolkSstaat«, der schon vor Iahren in Oesterreich verboten wurde, wird auch der„Neue So- zialdcmokrat" an diesem„Schlage- nicht zu Grunde gehen. — Jobann Iacoby ist zu seinem 7V. Geburtstag folgender I Gruß aus Amerika zuaegangen: „An Johann Iacoby in Königsberg in Preußen. Bon jenseits de« Weltmeere« kommt uns die Kunde, daß Sie, hochverehrter Mann, am vergangene» 1. Mai siebzig Jahre Ihres Leben« zurückgelegt hätten. Wenn wir bei dieser Gelegenheit unseren Gruß mit den zahl- reichen Kundgebungen, die Ihnen jener Tag brachte, verewigen, so mögen Sie darin nicht nur ein Zeichen der Anerkenuuug er- ! blicken,— da« zu empfangen Sie sicherlich weniger bedürftig fiud, al« e« an« Pflicht erscheint, e« zu geben,— sondern vor Allem auch ein Zeugniß jener Gefinnungagemeioschaft, für die treuuende Oceane nicht vorhanden sind. Nicht nur gilt unser Zuruf dem tapferen Manne, der seit vier Decennien, unbeirrt vou dem Sirenengesang kurzathmiger und trügerischer Erfolge, die von ihm erkannte Wahrheit laut und furchtlo« verkündet, gleichgültig, ob Könige oder Völker sie hören wollen oder nicht, sondern vor allem dem Kämpfer für jene Prin- zipien de» Recht» und der Freiheit, die mit dem fortschreitenden Bewußtsei» der Menschheit, in den Formen sich entwickelnd, den Kampf forderten und fordern: einst gegen pfäsfischen Aberglauben, »och gestern gegen den Zwang der äußeren staatlichen Form, heute gegen die drückende Bürde sozialer Knechtschaft. Dem Philozopheu, dem Republikaner, dem Sozialisten Johann Iacoby gilt unser Gruß. Un« einig fühlend mit ihm in dem Streben nach denselbeu Zielen, die auf dem Boden der neue» Welt ? verwirklichen wir on« verbunden haben, senden wir ihm die«, m selbst ein Denkmal unserer Achtung, unsereo GefinnungSge- »ofsen und Gegnern ein Beweis, daß auch jeuseit« de« Ocean« Herzen schlagen, für welche die blutige Ruhmesbahn der Völker- treider und Läuderverwüster i» Nicht» versinkt vor dem pflichttreuen Leben eiue« Helden der Freiheit. Bund der Freidenker in New-Uork. Beschlossen in der Sitzung am 28. Mai 1875. Im Auftrage: ®. SB. Rachel, Prot. Sekr. Friedrich Sterzel, corresp. Sekr. — Zum„Rückgang.- Im Lauenburg'schen, einem reiueu Laudbezirk, hat ewe Nachwahl für deu Reichstag stattgefunden. Da« endgültige Resultat ist noch nicht bekannt, aber so viel steht fest, daß der sozialdemokratische Eaudidat, Parteigenosse Fi nn dou Berlw, eiue Stimwenzahl erhalten hat, welche unsere Gegner Mil Staunen und Schrecken erfüllt.— Dem„Hamburger Cor» respondeut- wird aus Ratzeburg vorgejammert:„Nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten über die vorgestrige Wahl zum Reich»- tage wird eine Stichwahl nothwendig sein. Es sind au« den 50 I Wahlbezirken, in welche der Wahlkreis eingetheilt ist, die Resultate von etwa 25 Bezirken bekannt. Nach diesen hat der Candidal der Nationalliberalen, der Steuerdirector Krieger, die meisten Stim- wen; c« folgt sodann der Sozialdemokrat Finn und endlich an dritter Stelle, wenn auch hinter dem Letzteren nur um wenige Stimmen zurückstehend� Graf Bernstorff. Da hauptsächlich noch ländliche Wahlbezirke ausstehen, so ist e« nicht unmöglich, daß Gras Bernstorff seinen Concurrenten Finn überholen, und daß die Stichwahl zwischen den Nationalliberalen und den Couserva- tiven staltfinden wird. Selbst aber» wenn die« der Fall sein, wenn der Sozialdemokrat diesmal nicht zur engern Wahl komme» sollte, so giebt dieseWahl do» außerordentlich viel zu deakeu.(!!!) Da« Wachsen der sozialdemokratischen Partei ist ein wirklich erschreckendes zu nennen. Noch kürzlich glaubte Ihr d- Korrespondent bemerke» zu dürfen, Laueuburg sei kein Boden für die Sozialdemokraten. Und was zeigt diese Wahl? In Ratzeburg und Borstadt hat Finn vou 407 Stimmen: 121, in Mölln von 528: 240, iu Laucnburg vou 537: 257 und im 22. Wahlbezirk(Havekost, Grove, Grabau, Schwarzenbeck) vou 214 gar 132 Stimmen erhalten. Wenn daS in der flauen Zeit geschieht, wo überall über da» Darniederliegen der Sozialdcmo- kraleu gejubelt wird, wa« ist da zu erwarten, wenn das Geschäft Und die Sozialdemokratie wieder blühen! Möge einem Jeden diese« Resultat-ine Lehre gewähre».-— Wir Sozialvemokraten Wundern uns über da« Wahlresultat gar nicht. Dort agitirt ja der Sozialdemokratie glücklichster Förderer— Bismarck in Person! Nachschrift. Da« definitive Ergebniß der Wahl ist: Graf bernstorff 1755 Stimmen. Krieger 1637, Finn 1070 Stimmen. � 1070 Stimmen gegen 0 Stimmen anno 18741! I Literatur. Blut und Eisen. 7- 0. Die Entstehung de« Kriege« von 1866 nach den Ent- Füllungen Lamarmora'S und der Streit zwischen Bismarck und Lamarmora. Bon Wilhelm Blo«. »Einmal ist-« Thatsache, daß die Enthüllungen Lamarmora'S, �vtz de« vielen Lärm«, den sie verursachten, fast gar nicht gelesen worden find. DaS deutsche Publikum hat sich mit dem begnügt, i>»>n Theil auch begnügen müssen, waS ihm die Zeitungen mit- »«heilt haben, und wer unser heutige« Zeitungswesen kennt, der �«ß, daß von den Zeitungsschreibern selbst nur ein verschwindend �«ner Theil sich die Mühe genommen hat, da« Lamarmora'sche buch auch nur durchzublättern. Die deutsche Presse im Allge- dl«neu— mit wenigen um so löblicheren Ausnahmen— hat über da« Lamarmora'sche Buch nach der Parole abgeurtheilt, welche "t den Preßbureavx zu Berlin ausgegeben worden ist. „Dazu kommt, daß da« Lamarmora'sche Buch in der Ueber- ttzuug jenen diplomaiischen Jargon beibehalten mußte, welcher >Ür die Massen unverständlich und eigentlich nur für diplomatische Mägen verdaulich rst. Und überdies hat Lamarmora ferne Mit- jungen in einen Wust von persönlichen Bemerkungen und Notizen gehüllt, welche wohl für die b-theiligte Diplomatie, nicht �er füj � Masse de« Volkes verständlich uud von Interesse sind. .„Um auch der Masse de« Volke«, auch dem armen Manne � Inhalt der Lamarmora'sche» Enthüllungen zugänglich zu fachen, habe ich die wichtigsten Aktenstücke ausgewählt und au« �«»selben die Entstehungsgeschichte de« Kriege« vou 1866 herzustellen gesucht.-. � , Mit diesen Worten leitet Blo« sein Werkchen em, und eS ist h« möglich, die Zustände wie sie in der Heimath des heil. £"chel, in deu gesegneten Fluren der rreuen Biedermanner und Leuker herrschen, treffender zu charakterisiren. Die g-rmamsche Mschelfamilie, die, wie mau sagte, in dem Jahre des Heils 1870 «vacht war und dem Welschen den Pelz wusch, dieselbe schlief nur « bald wieder-in. Und weShalb sollte sie auch wachen? man dachte für sie; wenn man ihrer wieder gebraucht, zum Draufklopfen und um Kanonen zu füttern, dann bringt man sie durch einen Fuß- tritt schon wieder zum Erwachen. Der JndifferentiSmu« ist, Sedanfeier und Falkreisen ausgeschlossen, epidemisch. Und jeder Versuch, Michel au« dieser Theilnahmloflgkeit, wir möchten sagen Stagnation, an politischen Dingen aufzurütteln, muß freudig begrüßt werden, um so mehr, wenn der Verfasser, wie in der vorstehenden Broschüre, e« so vortrefflich versteht die Materie zu bewältigen. Es war kein leichte» und kein dankbare« Geschäft— den» bei derarttgen Dollmetscharbeiten ist der Leser nur zu gern geneigt, die Vorzüge dem Originalwerk zuzuschreiben uud die Fehler dem Be- arbeiter dafür doppelt anzustreichen— au« den trocknen Aktenstücken, die 20 bi« 25 Druckbogen einnehmen, da« Wesentlichste von einem Wüste von Nebensächlichem und Unbedeutendem zu ver- einen und so in Meine« Rahmen mehr eine kritische Geschichte al« Enthüllungen der Borgänge von 1866 zu geben. Mit verstäudniß uud Geschick hat Blo» die Aufgabe gelöst und da» Bild entrollt, welche« der„KöuigSgrätzer Schullehrer- hinter deu Coulissen gespielt. E« ist ein iotereffauter Beitrag dazu, wie die Geschichte gemacht uud mit göttlicher Hilfe gefiegt wird. Da« Werkchen sei besten« empfohlen, möge e« sich recht viele Leser und Freunde erwerben. Gewerksgenossenschastliches. Allgemeiner deutscher Schiffszimmerer-Berei«. Knmdurg. Den Kameraden zur Nachricht, daß in Flensburg uud Lauenburg Sttike«»»«gebrochen sind. Ich fordere die deutsche» SchiffSzimmerer auf, den Zuzug nach dorthin abzuhalten. Bericht folgt iu nächster Nnmmer. Mit sozialdemokratischem Gruß _ H. Groß. Gewerkschaft der Schuhmacher. Irantfurt a. M., 17. Juli. Den Mitgliedern der Schuh- machergewerkschaft zur Nachricht, daß sich unser ArbeitS-Nachweise- Bureau bei Herrn Kleiber, Wcißftauen-Straße Nr. 2 befindet, auch wird vom 1. August die Reiseuntcrstützung daselbst au«- gezahlt. E« wird gebeten, genau hierauf zu achten. ___ E. Hahn. Allgemeiner deutscher Töpfer» ereiu. Zßiesöadeu. Ich gebe hiermit einige Beschlüsse der General- Versammlung bekannt. Erstell« ward auf Antrag von Meißen be- schlössen, alle un« Coucurrenz machenden Fachgeuosse» nicht al« College» und Mitglieder zu behandeln, weil durch die heutige Produktionsweise ein großer Theil keine Lehrzeit iu unserer Ge- schästSbranche mehr zu bestehen hat. 2) Bei ArbeitSauSsperrungen oder-Einstellungen bleibt e« dem Vorstande überlassen, die Bei- ttäge nach Verhältniß zu erhöhen. Durch diesen Beschluß hat nun der Borstand eine Steuererhöhung auf unbestimmte Zell von 10 Pf. auf 15 Pf. vom 1. August an angeordnet zur Deckung de» durch die ArbeitSauSsperrung der Münchner College» im vorigen Jahre entstandenen Defizit« von 400 Thlr., und hoffen wir, daß die Mitglieder, hauptsächlich die Bevollmächtigten, diesem Beschlüsse Rechnung trageu. Ferner wurden al« Bevollmächtigte vorgeschlagen und bestätigt: Chemnitz: Herrmann Grundte; Lübeck: H. Eisenbarth, Blak«- devaSstraße 69; Frankfurt a. M.: Chr. Fried. Zaberer, Aller- hciligenstraße Nr. 27. BerkehrSlokal und Arbeitsnachweis: Aschaffen- burger Hof, TöngeSgasse, Wiesbaden, Schwalbacherstraße bei Bier- braaer Nagel, Nr. 19. Mit costegialischem Gruß Joseph Schweis, Vorsitzender, Karlstraße Nr. 28. R. Bollschweiler, Kasstrer, Schwabacherstraße Nr. 11. Lereiu der Sattler und Berufsgenossen. Aerk«, 18. Juli. College» I In Anbettacht der in vielen Mitgliedschaften platzgreifendcn Muthlofigkeit und Unthätigkeit, die sich in Bezug auf das BercinSlebcn kuud giebt, in Rücksicht ferner auf die enormen Opfer, die gerade jetzt bei ver GeschästSkrise der Berein durch Unterstützung der vielen reisenden Mitglieder zu bringen hat, sieht sich der Vorstand veranlaßt, an sämmtliche Mitglieder de» Verein«, sowie auch an sämmtliche Freunde und Beförderer der Gewerkschaftsbewegung folgende Worte zu richten: Wenn auch anerkannt werde» muß, daß der größte Theil der Arbeiter gegenwärtig thatsächlich kaum im Stande ist, die nöthig- sten Bedürfnisse zu befriedigen, wenn auch viele Vereinsgenossen, um nur ein Unterkommen zu haben, überall vereinzelt und zer- streut arbeiten, und so nicht im Stande sind, in gewohnter Weise dem Vereine beizustehen und ihn zu fördern, so könnte doch nie eine solche Flauheit eingetreten sein, wenn jeder Einzelne unter uns seiner ersten Pflicht stet« nachkäme und die Agitation für unsere Bewegung, Jeder nach seineu Fähigkeiten, richtig und mit ganze» Eifer bettiebe. Gerade jetzt, wo nur wenige Kollegen Arbeit haben, wo der Druck der Verhältnisse am schwersten, die Anmaßung der Arbeit- geber am größten ist, jetzt, wo jeder Arbeiter klar vor Augen hat, wie unsicher seine Existenz ist, wo die Sorge um deu nächsten Tag, die vielen Entbehrungen, der größere Mangel die Gemüther ernster uud empfänglicher für die Ideen der Arbeiterbewegung machen, wo die thörichten Ausrede» Derer, die sich nie an unserer Bewegung betheiligen wollen, in sich selbst zusammenfallen,— gerade jetzt, Kollegen, ist eS Eure erste und größte Pflicht, treu zusammeu- zuhalten, durch zahlreichen Besuch der Versammlungen zu zeigen, daß Ihr Männer seid, die nicht nur mit dem Erfolg zu rechnen verstehe», sondern ihren höchsten Werth in der Ausdauer erblicken. Bei guter Zeit ist e« keine Kunst, zu organiflren, zu agitiren, da ergiebt sich Viele« von selbst, waS iu schlechter Zeit viel Mühe kostet. Wollt Ihr nun Denen, die ohne jegliche« persönliche Jntcr- esse, nur um da« allgemeine Wohl bekümmert, in der Sorge um Eure Zukunft für Euch schaffen, uuthätig, muthlo« den Rücken kehren? Wollt Ihr durch Eure Energielosigkeit da» Werk vieler Jahre, da« Euch schon so manchen Bortheil gebracht hat, vernach- lässigen? Wenn Ihr da« thut, wenn Ihr nicht jetzt mit aller Kraft dem Drange der Verhältnisse Euch entgegenstimmt, und besonder« Ihr, noch in Arbeit stehenden College», statt zu er- schlaffen doppelt thätig seid, dann trifft Euch allein der Borwurf, wen« unsere Organisation, statt daß sie schon bei dem nächsten GeschäftSausschwunge Euch neue Vorthesie zu schaffen im Stande ist, diese« ihr Ziel noch hinausschieben muß, und Ihr von den Folgen Eurer Unthätigkeit viele Jahre lang zu leiden habt. Darum College», beherzigt obige Worte, zeigt Euch noch ein paar Monate lang doppelt thätig, um Euch dann auch doppelt Cure» Schaffens zu freuen. ES ist Pflicht aller Vertrauensmänner, obigen Auftuf in den nächsten Versammlungen zu verlesen und ihn auf jede mögliche Art zur weitesten Kenntniß unter den Kollegen zu bringen. Auch werden alle Leser de«„Volksstaat-, die mit Sattlern und Berufs- genoffen in Verbindung stehen, ersucht, in seinem Sinne zu wirken. Al» geschäftliche Mitthcilungen in Kurzem noch Folgendes: Die Lereinsstatute» sind im Druck und müssen, da die alten vollständig vergriffen sind, neueinttetenden Mitgliedern kurze Anweisungen auf späteren Empfang ausgestellt werden. Der Druck de« Protokolls hat sich leider durch nicht vorherzusehende Umstände verspätet uud bitten wir die Mitglieder um gef. Nachsicht. Alle Mitgliedschaften, die noch keine» Bericht eingesandt habe» über die Wahlen, werde» aufgefordert, die« umgehend zu thun, da die Beröffentlichung derselben in den nächsten Tage» erfolgt. Ferner ist noch zu bemerken, daß seit dem 1. Juli die Reise» Unterstützung beim Centralkasfirer Th. Weber, Simeonsstraße S, Hof 4 Tr.»»«gezahlt wird. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß sich die Mitgliedschaft i» Barmen wegen zu große» Abzug« vou BereinSgeuosseu vorläufig aufgelöst hat. Mit Gruß Für den Borstand: _ C. Henk«, Vorsitzender, Ackerstr. 27/28. Correspondenzen. �«ipztß.„Ein Baustein zur Lösung der sozialenFrage.—) Unter diesem viel»erheißenden Titel veröffentlichte der Com- merzienrath und Cartounagcnfabrikant Herr Adler in Buchholz in Sachsen 1370 eiue Schrift, in welcher derselbe die Wohlthaten aufzählt, die er feinen Arbeitern erweist. Und worin, wird mau ftagcn, besteht denn diese„Lösuug-, wo schon hunderte von Mittel- chen erfunden und probirt sind? E« ist da« allbekannte und längst abgenutzte Partuership- System(Thcilhaberschast am Reiü- gewinn), welche« von dem Herrn Commerzienrath Adler al« ganz vorzügliches Mittel zur Lösung der sozialen Frag- bezeichnet wird. Bei jeder Inventur wirst Herr Adler einige Prozent vom Rein- gewinn— den ihm doch nur seine Arbeiter verschaffen— au», und vettheilt diefeProzent nach seinem„Ermessen- unter seine Arbeiter. Doch damit die Arbeiter— die nach Herrn Adler„wirthschaftliche Operationen- nicht zu berechnen verstehen— nicht etwa gut leben, bekommen ste die„Bonification- erst dann, wenn sie einmal sei» Geschäft verlassen, oder— wenn ste gestarüe» sind— die Hinter- bliebenen! Ist schon diese Manipulation interessant genug, so wird damit doch noch keineswegs die„wahre Humanität- diese» Herrn gekennzeichnet. Gleich zu Ansang seiner Schrift sagt Herr Adler nämlich selbst:„Die Fabrikarbeiter, ste leben au« der Hand in den Mund-, der„Fabrikant sei mitverantwortlich für die ver- mögenSrechtliche Kluft zwischen Arbeiter und Fabrikant.- Die Arbeiter dürfen also die Bonification, so lange ste bei Herrn Adler arbeiten, nicht genießen, da» würde ja eine Erhöhung de« Lohne», der nur„auS der Hand in den Mund- langt, gleichkommen. Nein, Herr Adler will seine Arbeiter zu Kapitalisten(!) macheu, damit ste sich von dem„unseligen Gedanken, nicht» zu besitzen,„befteieu und sich mehr mit dem Staat(d. h. dem Staat der Bourgeois) und der Gesetzgebung eng verbunden fühlen! I Der Staat(also die Steuerzahler) soll die von den Fabrikanten in Gnaden ab- gegebenen Bonificationen„höher al« im gewöhnlichen Zinsfuß verzinsen- und dann ist die„soziale Frage- gelöst. Es ist«in gottvoller Gedankenwirrwarr, dieser„Baustein-, den wir aber erst zum Schlüsse werden richtig würdigen lernen. Die Theilnehmerschaft am Reingewinn ist aber erst ein Theil de«„Baustein«-. Herr Adler kaust seine Arbeiter auch noch iu eine Lebensversicherung ein. Diese« Alle« hat Herr Adler aber nur in seiner Fabrik ein» geführt, weil er„dem Drange seine« Herzen« folgte, worauf weder ein beifällige« noch mißfällige« Urtheil von außen her irgend welchen Einfluß zu üben vermag-. So ruft Herr Adler am Schlüsse seine«„Baustein«- au«. Nun wir werden ja sehen, wa» diese humanen Einrichtungen, die«ur dem„HerzenSdrange- entsprungen find, Werth sind. Die„Allgemeine Buchbinderzeitung- kritifirte schon, und zwar in sehr sachlicher Weise, diesen„Baustein-. Sie wie» nach, daß die Arbeiter durch solche Mittel nur an die Fabrik gefesselt werden sollen, daß der Rachtheil dieser Einrichtungen für die Arbeiter größer al« der Nutzen ist, und daß die Arbeiter dadurch zu wahren Sklaven de« Kapitals werden. Diese Kritik hatte denn auch einen Theil der Arbeiter de« Herrn Adler zu der Erkenntniß gebracht, daß sie nicht die Hände in die Tasche stecken und sich ganz und gar dem guten Willen ihre« Herrn über» lassen dürften. Auch begriffen sie, daß am allerwenigsten dadurch die soziale Frage gelöst wird, denn der Lohn langt auch heute noch nur.au» der Hand in den Mund-. Man gründete dem- nach für Annaberg- Buchholz einen Berein für Buchbinder und Cartonnagearbeiter und schloß sich dem Buchbinder-Berbande an. Doch kaum waren 6 Wochen verflossen, al» Herr Adler merkte, daß so ein Gewerkvtrein doch nachtheilig ist für einen Arbeitgeber, der au«„reinem HerzeuSdrange-„wohlthätiae- Einrichtungen getroffen hatte, die wie alle Dinge zwei Seiten haben. Und wiederum folgte der Herr Commerzienrath nur dem„Drange seine« Herzen«-, al« er den in seiner Fabrik seit 19, schreibe neunzehn Jahren, beschäftigt gewesenen Borsitzenden de« Buchbinderverein«, weil derselbe gegen die in seinem Geschäfte gettoffenen Einrichtungen ankämpfte, entließ. Somit hätte sich denn Herr Adler, welcher lange Jahre hindurch mit solchen Quack- salbereien die Arbeiter nasführte, selbst charakterisirt und gleichzeitig auch einen trefflichen Kommentar für seinen„Baustein zur Lösung der sozialen Frage- geliefert. Weil die Arbeiter nicht mehr ganz und gar willenlose Wesen sein wollen, weil ste von dem ihnen staatlich zuerkannten BereinSrecht« Gebrauch machen, werden sie entlassen. Ist da« etwa auch Humanität? Kann da noch ein Zweifel bleiben, daß solche„humane- Einrichtungen nur dazu da sind, um»eben den ökonomischen den Arbeitern auch noch geistige Fesseln anzulegen? Die Arbeiter sollen an die Unfehlbar- keit ihrer Herren glauben, und wer daran nur zweifelt, der wird auf» Pflaster geworfen, und daS Alles au»„HerzenSdrang-. Es rst also hier wieder ein Beleg geliefert, daß die„Harmonie- zwischen Arbeiter und Arbeitgeber Chimäre ist. Alle nur mög- lichen Mittel werden angewendet, um die Arbeiter zu hindern, ihre Interessen selbst zu»ertteten und ihre Klassenlage zu erkennen. Wir hoffen, daß die erzgebirgischen Arbeiter auS dieser Ersah- rung die Lehre ziehen werden, daß von den Fabrikanten die soziale Frage nicht gelöst werden kann, sondern daß die» nur möglich ist, wenn die Arbeiter zu ihrer Emanzipation selbst Hand anlegen. (Diese Korrespondenz, die Sciffert zur Durchsicht r« da» Gefängniß mitgenommen hatte, wurde von der Censur bean- standet. R. d. B.) Hoßtts b. Leipzig. Am Mittwoch, den 14. d., fand Hierselbst im großen Saale der„Stadt Naumburg- eine von ca. 1500 Perjonen besuchte Volksversammlung statt, in der Liebknecht *) Diese Schrift findet sich in der„Allgemeinen Buchbtnderzeitung- abgedruckt. in zweistündiger Rede über»die neue sozialistische Arbeiterpartei »od deren Programm" reserirte. Leider können wir der Knapp- heit des uns zugemessenen Raumes wegen nicht des Näheren ans daS Referat eingehen, eS genüge deshalb nachfolgende Slizzirung: Nachdem der Redner in Bezug auf daS Programm die Erklärung abgegeben, dasselbe»habe eine Geschichte, wie sie kein Programm irgend einer Partei auszuweisen vermöge", legte er in eingehendster Weise die geschichtliche Evtwickelunjj dieses Programms dar, wobei er manche interessante Thatsachen in Bezug auf die Bemühungen des Herrn v. Bismarck und seines Busenfreundes Wagener, die Arbeiterbewegung zu Gunsten der preußischen Regierungspolitik auszubeuten, in Erinnerung brachte, namentlich der Beziehungen des Herrn v. Schweitzer zu BiSmarck-Wagener gedachte. Schweitzer sei ein Werkzeug der preußischen Regierung gewesen, er habe jahrelang deren Politik unterstützt und sei dafür von der Regierung unter- stützt worden. Die« sei wesentlich der Grund der unseligen Spaltung der deutschen Sozialdemokratie in zwei feindliche Lager gewesen. Nach der Entlarvung de« Herrn v. Schweitzer und dessen Tut- fernung au« dem Allg. deutschen Arbeiterverein sei die preußische Regierung mit derselben Rücksichtslosigkeit und Härte gegen die Mitglieder de« geuanntcn Verein« vorgegangen, wie vorher nur gegen die Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Diese» »Messen mit gleichem Maße" habe nun namentlich die heute zur vollendeten Thatsache gewordene Vereinigung der durch die Bis- marck-Wageuer-Schweitzer'schen Machinationen»feindlichen Brüder" angebahnt. Die Wahrheit de« betreff« dieser Machinationen Gesagten werde er(Redner), wenn nöthig, vor jedem Gerichte der Welt nachweisen l Schließlich erörterte Liebknecht noch die einzelnen Punkte de» Programm«. Nach Beendigung de« mit großem Bei- fall aufgenommenen Bortrag« sprach die Versammlung in einer einstimmig zum Beschluß erhobenen Resolution ihre volle Ueber- einstimmung mit den Ausführungen des Redner« an«, mit der Verpflichtung: in die Partei einzutreten, deren Grundsätze den Gegnern gegenüber nach Kräfte» zu vertheidigen und für Verbrei- rung der sozialistischen Presse zu wirken.— Gegner gab'S natürlich nicht, wenigsten« hatte keiner den Muth, sich al« solchen zu bekennen. Diejenigen der hiesigen Gegner, die sich für„Lichter" hielten, sind während der letzten Wahlcampagne gründlich abgethau worden, und raisonnireu mit dem anderen kleinen Volk nur noch i» den Kneipen herum— und da« Vergnügen wolle» wir ihnen gönnen. Koheustei«■ Krustthal, 15. Juli. Unter dem Lorsitz de« Parleigenossen Pößneck fand Sonnabend, den 3. Juli, hier eiue Volksversammlung*) statt, in der unser Vertreter im Reichstage, August Bebel einen Bortrag über»die Ursachen der gegenwär- tigen GeschästSkrise" hielt. Die Versammlung war so zahlreich besucht, daß Viele keinen Platz fanden und sich auf die Straße stellten, um von dort au« durch die offenen Fenster de« Saale« den Vortrag zu hören. Nach dem Vortrage ergriff auch Partei- genoffe Bohne da« Wort, um der Versammlung de» Beitritt zur Partei und das Abonniren auf die Parteiorgaue au« Herz zu lege». Die Versammlung verlief zu voller Zufriedenheit aller Anwesenden und wird ihre guten Früchte bringen. Vergangenen Sonntag, den 11. Juli, wurde abermals eine Volksversammlung abgehalten, und zwar in dem benachbarten Oberlungwitz, in welcher ebenfalls Bebel sprach. Die TageSord uung bildeten zwei Punkte:»Die Ursachen der gegenwärtigen Ge schäslSkrise" und»die Presse". Nach Erledigung de« Referat« beantwortete Bebel mehrere Anfragen, welche Parteigenosse Venne- witz an ihn richtete, und welche theil« die Stellung Bebels zu Vorkommnissen im Reichstage, thell« Angelegenheiten mehr lokaler Natur betrasen. Die gut besuchte Versammlung wurde Abend« halb L Uhr mit einem Schlußwort de« Borfitzenden Bohne ge schloffen. Kirchverg. Eine denkwürdige Volksversammlung fand vergangenen Sonnabend, den 10. Juli, hier statt. Da« Voigtland zeichnet sich schon an und für sich vor den meisten anderen Ge genden Sachsen« dadurch aus, daß hier die Gegner der Sozial demokratie da« Feld nicht ohne zähen Wide» stand räumen. Die«> mal war als Tagesordnung:„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner", Referenl Otto-Walster au« Crimmitschau, sodann »unsere Schule und ihre Einrichtung", sowie„beabstchtigte Ge haltSerhöhung" angekündigt. Schon nach S Uhr begann sich der stattliche Saal zum»Deutschen Hau«" zu füllen, und vom»Rück- gang der Sozialdemokratie" konnten am Besten die Hunderte er- zählen, welche zu spät kamen und wegen Uebersüllung keinen Platz finden konnten. Rechtzeitig aber hatten sich der Herr Diakonu«, der Arzt, der Schuldirektor mit der Lehrerschaft eingefunden, und die Opposition nahm eine entsprechende strategische Aufstellung ein. Unter großer Aufmerksamkeit und Spannung folgte die Versamm- luug den Schilderungen Walster'S von der Fechiweife unserer Gegner, wie sie in den verschiedenen Gruppen derselben beliebt werde, führte den Ursprung aus die verschiedenartige Begabung und auf die verschiedenartige Gesinnung, sowie endlich auf die Einflüsse zurück, welche daS unbefangene Uitheil trüben oder die Wahrheitsliebe er- sticken. Als klassischen ThpuS derjenigen Sorte von Gegverschast, welche die gröblichste Unw'sseuheil mit gelehrter Salbaderei und zrecher Schwähsucht verbinden, stellte der Redner die Schreib- Übungen de« Professor v. Treitschke in den kgi. preußischen Jahr. büchera hin. Redner erklärte e« für eine Unmöglichkeit, in einem Vortrage die ganzen, zum größte Theile geradezu widerfinnigen und abgeschmackten Ansichten, welche über die Sozialdemokratie verbreitet würden, zu widerlegen, er müsse sich mit der Be- lcuchtung der schlimmsten Verleumdungen begnügen, insbesondere mit der Widerlegung derjenigen Beschuldigungen, welche darauf hinausgehen, die Welt glaube» zu mache», die Sozialdemokratie gehe auf Vernichtung aller Ordnung, auf Zerstörung der Cultur� Untergrabung der Familie und Gütertheilung au«. Nachdem der Referent dies in fast zweistündiger Rede ausS Erschöpfendste ge- than, schloß er und die Opposition kam zum Wort. Der Herr Diakonu« hatte den Vortragenden vielfach mißverstanden und glaubte ihm deshalb Wideifprüche nackweisen zu können, Walster überzeugte ihn aber, daß der Fehler nicht am Vortrage, sondern an der Auf. fassuvg liege. Der Herr Diakonu« konnte fich auch nicht zusam- menreimeu, wie man eiue göttliche Wellordnung in Abrede stellen und doch andrerseits davon sprechen könne, daß die Menschen dazu bestimmt wären, in Frieden sich den Kamps um« Dasein zu er- lc chtern, statt sich diesen durch frevelhaste Kriege zu erschweren. Walster entgegnete, daß man es geradezu für eine Psterung er- klären müsse, wenn man so vielfach und anerkannt mangelhafte Zustände für göttliche Wcliordnung ausgeben wollte, andererseits wöge der Herr Diakonu« nur immerhin die Sache so auffasse», daß die Menschen nickt bloS durch eine göttliche Vorsehung bestimmt würden, sondern zunächst und unmittelbar durch ihr Wesen, ihre Neigungen, vor Allem aber durch ihre Bedürsuisse. Nun kam noch Herr Krämer, der große Würgengel der So- zialdewokratie im Voigtlande und nebenbei Käufer und Verkäufer von allerhand neueren und älteren Gebrauchsgegenständen; der be- dauerte es sehr, daß die Sozialdemokratie nicht die preußische Po- lizei in ihren Kulturkampfstückchen gegen die Ultramontanen unter- stütze, die gute Seele, und dann meinte er, das alte Griechenland sei lediglich durch die Demagogie zu Grunde gegangen, der große Gelihrte; e« mußte ihn schwer kränken, daß Walster ihm sagte, er verstünde von der Geschichte des alten Griechenlands nicht da« Mindeste. Da inzwischen die Mitternachtsstunde herangebrochen, ging der Vorsitzende unter stillschweigender Billigung der Versamm- lung sogleich auf den drittea Punkt über, wobei Herr Lehm auS Kirchberg ausführte, daß es doch höchst verwunderlich sei, wenn mau plötzlich unter den Bemittelten der Stadt durch Circular eiue Gehaltserhöhung für de» Schuldirektor anrege, da doch dieser sich bereit« an 20 auswärtigen Stellen zum Amte gemeldet habe, ohne bi« jetzt ein einzige« Mal Annahme gesunden zu haben. Nun er- hob sich der Herr Schuldirektor Sirgel und beging gleich drei Ungeschicklichkeueu auf einmal. Ersten« gab er, obwohl er selbst schwerlich von Jemanden als Autorität in dieser Sache angesehen wird, im Namen der gelehrten Welt Kirchbergs die Erklärung ab, daß diese die Ansichten de« Handelemannes Kramer über Altgriechen- laud al« die richtigen ansehen müsse. Und nachdem er somit etwas über den ersten Punkt der Tagesordnung gesprochen, während der Dritte zur Debatte stand, ging er dazu über, nachträglich zu rügen, daß man ohne Genehmigung der Versammlung zum dritteu Punkt übergegangen sei, wa« eine zweite Ungeschicklichkeit war, da er da« zu der Zeit hätte hervorheben müssen, als man zum dritteu Punkt übergehen mußte. Und nun ging er daran, sich über den zweiten Punkt auszusprechen, obwohl ihm der Vorsitzende bemerk- lich wachte, daß da« nicht ginge, und obwohl ihm der Vorsitzende da« Wort entzog. Somit wäre nichts übrig geblieben, als den Herrn Schuldirektor aus dem Saal zu weisen, da aber die Stunde weit vorgerückt war, so zog e« der Vorsitzende vor, die Versamm- lung zu schließen und eine neue auf über 14 Tage anzukündigen. Die Versammlung trennte sich nur zögernd nach und nach. (»Crimmitlckauer Bürger- und Bauernfceund".) Araunschweig und Zlmgegeud. Alle Arbeiter resx. Gefin- nungSgenossen in Braunschweiz und Umgegend, welche im Interesse der Arbeitersache Versammlungen abhalten wollen, wozu e« gewiß noch nie an gutem Willen gcschlt hat, und nur der Mangel an Rednern die« bis jetzt nicht�in dem Umfange möglich machte, als e« eigentlich gewünscht oder erforderlich gewesen, werden hiermit ersucht, sich behusS Bestellung von Rednern direkt an Eh. Müller, Leopoldfiraße LS, Braunschweig zuwenden; denn nur dadurch wird eS möglich fein, mit den Kräften BraunschweigS eine geregelte und fruchtbringende Agitation zur Beseitigung der Knechtschaft deS ar- bettenden Volke« als auch zu sicheren Erfolgen für die nächsten ReichstagSwahlen zu eröffnen, welche Gründe gewiß genügend sind, um von den GefinnungSgenoffen beachtet zu werden. Brannschweig, 13. Jnli. Mit sozialdemokratischem Gruß C. Meyer. An Auuoneengebühreu schulden: Grimma: (Ausflug) Für Juli 1874: Arb.- Per. Zschörlau: Maurer- A. 10 gr Für August: Roman»h»ru: Arbeiter-Lild.-Peiiiu d gr und Zimmerer-Stwerkschast 20 gr. Für September: Brannschweig: Müller 12 gr. b Pf. Frankeuberg i. S Rösch 10 gr. Straß borg i. Elf.:«rd.-Part. 12 gr. 5 pf. Für Oktober: Frankenberg i/S.: A. Rösch(Warnung) 20 gr. Hannover: Weykops 7 gr. 5 Pf. Schueidendach: Wimpasflnger 15 gr. Wün». dors: Manus.-Gew. 7 gr. ti&s November und Dezember: Aachen: Schubm.-Gew. 0,75. Berlin Arb.-Verein 1,70. Ben«- heim: Arb.-Part. 0,60. Eilenburg: Arb.- Vcr.(Lokalanz.) 0,75. Glauchau- Lolk«-Ber. 0,40. Solingen: Wolsertz, Nahl 0,50. Für Januar und Februar 1875. Bremen: v. Lmde 0,50. Cöln a. Rh.: Holzarb.« Gew. 1,70. Graz: 1tleidmuacher-Prod..Aff. 1,80. Hammeln: Arb.-Partei 0,60. Witten: Arb.-Partei 0,50. Für Monat März: Berlin- Sattlerverein 0,20, Zabel 1,50. Lindenau: Gottuer 1,00. Für Monat April. Berlin- Sattlerver. 0,70. Eöln: Sletnm.-Ver. 2,45. Hamburg: Wolf 0,50; Schuhmachergew. 0,80. Iserlohn: Tölle 3,70. Magdeburg: Klee» 0,50. Waldenburg: Arb.-Part. 1,50. Wie«-s baden: Arb.-Part. 0,60. Für Monat Mai. Braunschweig: Maurer- und Zimmcrgew. 2,25. Berlin: Satt- lerver. 0,80; Eigarreuarb.-Ver. 0,40; Metallarb.-Gew. 0,90. Bremen: Arb.-Part. 0,50; Allgem. deutscher Arb.-Ber.(Fest) 1,25.(Marschtour) s0.80. Barmen: Haßpflug 0,75. Tonnewitz: Arb.-Ber. 0,90. Hamburg: Soz. Beil. 0.50; Schuhmacher- Gew. 1,10. Hannover: Metallarb. Gew. 0,70; Wahlver. 3,20. Reichendach i. Boigtl. (Waldpartie) 0,50. Sofortige Zahlung»biger Beträge wird umsomehr erwartet, al» Auuoncm vou Restauten— über einen Monat— nicht mehr Ausnahme finden. Privatanuoncm werden nur ausgenommen, wenn der Betrag in Briefmarlen beiliegt oder Postvorschuß erhoben werden kann. Reklamen werden nicht ausgenommen. sms?ie Krpeditiou des„Fokkssiaut", Sonnabend, den 24. Jnli, Abend» 8 Uhr in Gratweil» ©Cfltll Lokal, oberer Saal: Oeffeutliche Versammlung. Bortrag des Herrn August Sapell. Um zahlreiche Betheiligung bittet. «. Hei Usch.[50] Montag bei Renz, Naunpnstraße Nr. 27: _ Bersammliing. Freitag, den 23. Juli, Abends 9 Uhr bei Stadli $7UlUtllUn Baleutinskamp 41:' Leipzig Sommerfest der Schuhmacher. Toucert. Damen- und Herrenspiele. Ball.— Anfang pnnkt 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Zahlreiche Betheiligung erwünscht.— Gäste find willkommen. Da» Comitö.[175] OnWlHiaihi« Sonntag, den 25. Juli, von Nachmittag 3 Uhr »VllHlvlUIU an findet in dm Räumen de« Schützeuhanse» ein Großes Volksfest statt, bestehend in Eoncert, Festrede und Ball, wozu wir alle Freunde von nah und fern sreundlichst einladen. Die Festrede hält der Reichstageabgeordnete Motteler aus Leipzig. __(2b)_ Da« Fcstkomtt«.(200] Empfehle deu Parteigenossen mein Cigarrealager; eigene» Fabrikat. H. Ecks, Firma S. Geißen, alte Jakobstr. 46. Gesucht wird als Laufbursche ein Junge von ca. 14 Jahren, Sohn eine« Parteizenoffen. Antritt sofort(3b) Die Expedition de«„Boltsstaat". Ein tüchtiger Korbmacher-Gtsell auf Besiellarbeit findet dauernde Arbeit bei Saarbrücken. Hermann Marx, Sorbfabrikant.[75] Parteigenosse Geisler in Landshut wird im Jniereffe der Partei gebeten, mir seine Adresse zukommen zu lassen. Snaßburg i. El.(3b) S. Dautzer,«eibeisenstr. 10.[30] »» [30l föffl»«* Sozialistische Arbeiterpartei. Sonntag, deu 25. d. M., Bormittag» 11 Uhr beim Wtrth Herrn Brandenberg, Grabenstr. 13: Oeffentliche Versammlung. T.-O.: Gründung eine« Wahlvereiue»._ Der Agent.[50] Mitgliederversammlung der sozialistischen Arbeiterpartei. T.-O.: 1) Abrechnung für Mouat Juui. 2. Regelung de» Bro- schürenvirkaus«. 3) Bortrag. Der Werth der Sorporativbeweguug für die politische Bewegung.____ St. H. Sotkamp.[80] Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Montag, Abend 8 Uhr: VersammlnAg bei Jakob, PeterSstraß» 15(goldoer Arm). , Gäste willkommen. Der 8(0. NB. Die Araulen-Aasstii. Mitglieder werden ersucht, fich Sooatag, früh 10 Uhr im Lokal de» Arbeiter-Bild.-Berew« zu einer Besprechnng einzufinden.[80] OwihttA Montag, deu 26. Juli, im Gasthof zu» Helm tu Eutritzsch! [75, «riefkaften der Expedition: Breig Mannheim: Da» Mannscript Ihrer Annonce ist zu Verlust gegangen, bitten um oochmalige Sendung. S. Wudl Behreuth: Die Sache ist iu Ordnung. A. W. 15. Bnes postlagernd. Quittung. der Expedition: Rlstrmvn Freidurg Schr. 0,75. Lwe hier Ab. 0,60. Schltz Hamburg Ab. 140,00. Schr. 60,00. Rchhrzr S-eyr Ab. u. Schr. 16,41. Ahl Bremerhafen Schr. 7,50. Mllr hier Ab. 18,00. Grndmnn Großenhain hier Schr. 2,90. Kttl Apolda Schr. 11,70. Rlr Landshut Ab. 3,05. Fr Engl Reudnitz Ab. 10l,10. L Nncic. Wersch etz Ab. 3.65. Pllck Weißkirchen Ab. 2,73. Fr Mln«ndritz Ad. 1.82. Terpe hier Ab. 1,25. Bttchr hier Ab. 2 70. EBpp London Ab. 3,00._ Zur Agitation. Von I. au« Rußland 50 Mark. R. Sozialist aus Rußland 20 Mark. *) Ueter diese Bersammlung wurde bereit« Obiges dient znr Ergänzung. in Mttr.äkni'ir Sozialdemokratischer Verein. Da» diesjährige Stiftungsfest findet Sonntag, den 25 Juli im Rösch'scheu Garte» staA, bei ungünstiger Witterung in den Lokalitäten. Ansang de« EonzerieS Nachmittag 3 Uhr.— Die Festrede wird der Reichstagsabgeordnete Hasenclever halten.— Eintritt 4 Person 6 Kr. Freunde nnd Sefinunugsgeuosse» find hierzu srenndlichst eingeladen. Ter Ausschuß.(200] Allgemeine deutsche Affoeiatisns- Lnchdntckerei zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft.) Folgende Publication ist in Bezug auf da» Handelsgericht erlassen: I. Einzutragen in da« SenoffenschaftS- Register Sol. 1 Nr. 77. Kol. II Firma der Genossenschaft: Allgemeine dentsche Associations-Buchdrnckerei zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft). Eol. III Sitz der Genossenschaft: Berlin Sol. IV RechtverhSlwiffe der Genossenschaft: Der GesellschastSvertrag vom 12. April 1875 befindet fich iu beglau- bigter Abschrift iu dem Beilagebande zum GenoffenschastSregifttr Nr. 77, Seite 3-10. Gegenstand de« Unternehmen« ist der Betrieb de» Buchdruckern«Ge- schäfte« verbunden mit Buchhandel(s 2). Sine Zeildauer für die Genossenschaft ist nicht verabredet(§ 16) Der Vorstand besteht an« dem ersten Disponenten, dem zweiten DiS- ponenten und dem Kasfirer(K 24). Zum ersten Disponenten ist erwählt: Der Schriftsteller Wilhel« Hasenclever, zum zweiten Deponenten der Schriftsteller Wilhelm Hassel- man», zum«asfirer der Buchhändler Heinrich Rackalo, sämmllich z« Berlin. Bekanntmachungen der Genossenschaft erfolgen in der zu Berlin er- scheinenden Zeitnug„Neuer Sozial-Demokrat" und in der zu Leipzig erscheinenden Zeitung„Bolksstaat"(§ 29). Eingetragen zufolge Beifügung vom 16. April 1875, am 17. April 1875. (Acten über da« Genoffenschastsregister Beilageband Nr. 77 Seite!)■ Fanuer, Sekretär. Der Borstand: Wilh. Hasenclever, Wilh. Hasselmann. Hein». Rack»«. l330]s die Aufforderung an unsere Preffe! ß licht Vir Alle politischen, sowie gewerkschaftlichen Part eiblätter de« In. unk Auslandes werten sreundlichst ersucht, unsrem Bruderorgan, dem„Sozial- demokrat in Kopenhagen" regelmäßig Tauschexemplare zu senden, auch ergeht an alle außerhalb Dänemarl« befindlichen dänischen Parteigenossen die dringende Auffordernng, zeitweilig Sorrespondenzen über den Gang der außerdäuischeu Bewegung elnzuseuden au die Redaktion de» vur Sozialdemokrat in Kopeuhagen. Vitt Wir bitten im allseitigen Interesse nm thanlichste Berücksichtigung Ver ttue diese« Ansuchen«. Leipzig, den 13. Juli 1875. (3c) Die Redaktion tze»„volksstaat." Protokoll über den 3. Kongreß des Schweiz. Ardeiterbundes. Herausgegeben vom Burean de» Eougreffe«. Preis für Parteigenossen 30 Pf. Bei lag der«ollsbuchhandlung(I. Frnnz) Zürich. (3b) Zu beziehen auch durch die Expedition de«„volkSstattt".[7Ä j � In nusetem Beilage ist�erschieucn. � ttne »» Sßo' ö>irl *iff' tun« loi» tii»: �ün ©erlitt Nr. 79 berichtet. R. d. B. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 24. Jnli, Abends halb 9 Uhr, Andrea»- straße Nr. 26 bei Sittel. T.-O.: Borlrag de« Herrn Lrnchmüller. Die Eollegen werden ersucht, recht zahlreich am Platze zu sein.®. Lemke, Bev.[60] G. Herwegh: Kampfprolog im Himmel. Vollständige t Abdruck!"MG (Zugleich Ergänzung zu der im Berlage der Expedition de»„Volk»' staat" erschieuenen Broschüre: „Line Erinnerung an cheorg Kerwegh''.) ent' so? Vach «ra Preis: 100 Stück 2 M.(Einzeln resp. weniger' als 100 Stück) ä 3 Psi �af Volksbuchhandlung(J. Fraoz)Zürich.'uch NB. Bestellungen übermittelt die Expedition de»„Volksstaat.� Köz Veranuooruichcr Rrvalieur; H. Rindt. �vck Redaktion Hohestr. 4, Expedition Zettzerstr. 44, in Leipzig. jotib Druck nnd Äerlag der Grnossmschafts buchdruckerei tu Leipzig. Tag!