Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- u.Aus land es. Filiul- Expeditilmeu fkr die Vereinigten Staaten: F. A. Sorge, vox 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coates str. Philadelphia. Abonnementspreis für ganz Deutschland l M.VOPf. pro Quartal. Monats-Nbonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Lien u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders au- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenbrrg auch auf den Iten Monat des Quartals k 54 Pf. Organ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 10 Pf.,— Privat- und Vergnügungs- Anzeigen mit 25 Pf. die dreigespallene Petit-Zeile berechnet. Nr. 100. Mittwoch, 1. September. 1875, Abonnements aus den„Volksstaat" für den Monat September zu 55 Pfennigen werden bei allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pro Monat zu KV Pf. bei der Expedition, Zeitzerstraße 44, und bc-i Eolpor- teur Müller, für die Umgegend von Leipzig bei den Filial- txpeditioncn: für Volkmarsdorf, Reud«itz, Neuschöaefeld!c. bei Frau Engel, Reudnitz Feldstr. 14, Hof 1 Tr., für Eon- »ewitz tc. bei Teubert, Bornaischcftr. 19, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Schloßgasse 13 daselbst, für Thonberg u. Renrendnitz bei Zcitungsspediteur Zsch au, New reudnitz 15, 1 Tr., für Plagwitz und Lindena« bei Schuster, Mcrseburgerstr. 26, für Gohlis ic. bei O. Peukert, Haupt- straße 18, für Stötteritz bei Fr. Bogenitz, Kirchweg 15, an genommen. Für Berlin wird auf den„BolkSstaat" monatlich für 75 Pf. frei in'S Haus abonnirt bei Trautmann, Manteufel- straße 25, vorn 3 Tr.; Rubenow, Brunnenstr. 34 im Laden Der Abonncmenlsbelrag ist bei Bestellung zu entrichten Die Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf anfmrrkfam gemacht, daß bei allen Stadtpostfiliale» sowohl Quartals- als Monatsabonnementö angenommen werden. Z«m zweiten September. Wie, deutsches Volk, Du willst als Fest begehen, Als Freudenfest den blut'geu Sedaustag? Dem Gott der Schlachten willst Du Opfer bringen? Ich glaub' es nicht, was man auch sagen mag. Du feierst nicht den Tag, wo Menschen, Brüder, Die sich im Leben nichts zu leid gethan, Wie wilde Thiere grausam sich zeifleischten, Im Wahn, und aus Befehl von einem Mann. Du feierst nicht den Tag, wo Mutter Erde Da» heiße Blut so vieler Söhne trank; Wo selbst die Sonne, trauernd um die Todten, Sich schwarz verhüllte, als sie untersank. Du feierst nicht den Tag, wo roth die Flamme Au« Stadt und Dörfern auf zum Himmel stieg; Wo unter Schutt und Trümmern ward begraben So vieler Menschen jahrelanges Glück. Du feierst nicht den Tag, wo manche Mutter Mit neuem Schmerz des todten Sohns gedenkt, Der dort im Frankenlande mußte bluten, Den man in» kalte Grab dort eingesenkt. Du feierst nicht den Tag, dem, krumm geschoffen, Mit siechem Körper heut der Krüppel flucht, Der Alles hat an jenem Tag verloren Und Hilfe nur im nahen Grabe sucht. Du feierst nicht den Tag, der Deine Ketten Nicht leichter Dir, nur schwerer hat gemacht; Der statt der Freiheit, die Dir längst versprochen, Die Pickelhaubeneinheit hat gebracht. Doch kommt einmal der Tag, wo alle Völker Zum Bruderbunde reichen sich die Hand— De« wirst Du auch von ganzem Herzen feiern Im großen, freien, deutschen Vaterland. 1 Natiovalökonomie. Schlußbemerkun gen.*) Die Polemik mit der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" hat insofern einen besonderen Werth, als aus ihr deutlich zu ersehen ist, mit welchen Waffen unsere Gegner in Ermangelung wiffen- schaftlicher Beweise gegen den Sozialismus kämpfen müssen. Ich werde den Kernpunkt de« ganzen Disput» in einer kurzen Recapi- wlation hervorheben. Mein Gegner behauptet von den volkSwirthfchaftlichen Artikeln, daß sie„einzelne richtige Thatfachen enthielten, aber zum Theil sehr unrichtige Folgerungen daraus zögen",— eS fei nicht alles Mißbrauch, was sozialistische Agitatoren dafür ausgäbe».„Das werden wir alsbald an eruem zweiten Artikel des„BolkSstaat" sehe», worin den Arbeitgebern vorgeworfen wird, sie ließen sich von den Arbeitern ihre Arbeit vorschießen, zögen daraus unerlaubte(?) Zinsen und bezahlten sie erst hinterher." Im zweiten Artikel erklärt eS die„Deutsche Allgemeine Ztg." für ihre Pflicht,„unbegründete, auf falscher, oberflächlicher Betrach- tung oder auf sichtlicher Entstellung der wirklichen Verhältnisse süßende Beschwerden»nd Klagen der sozialistischen Presse in ihrer Richtigkeit aufzuzeigen" und will das an dem Artikel über die Waare Arbeitskraft thun,„der so grobe U»richtigkeiten enthält, daß man sich wirklich wundern muß, wie derselbe hat geschrieben und veröffentlicht werden können." ') Auch der„D. A. Z." Übersandt, von ihr aber bi« jetzt nicht ab- gedruckt. N. d. B. Man denkt nun, Wunder waS kommen wird— und der ganze, mit so vielem Pathos angekündigte Einwand gegen die Deductioncn dieses Artikels läuft, nach Abzug aller nebensächlichen Declama- tiouen, uur auf die Behauptung hina»s, der Ausdruck„vor- schießen" passe nicht auf das mit den Worten geschilderte Ber- hältuiß:„Der Arbeiter schießt dagegen den GebrauchSwcrth feiner Arbeitskraft dem Kapitalisten vor; sobald er eine Stunde gear- bellet hat, ist der Arbeitgeber in den Besitz eine» TheilS der ge- kauften Waare gekommen, während der Arbeiter noch keinen Lohn, also auch noch nicht den Preis feiner Waare erhalten hat." Definiren wir also den Begriff: vorschießen. Ich behaupte, vorschieße», Vorschuß geben bedeutet eine Zah- lung, Lieferung oder Leistung auf eine später zu erwartende Gegen- leistung gewähren mit der Bedingung, daß der Werth der Zah- lung, Lieferung oder Leistung zurückerstattet werden müsse, falls die erwartete Gegenleistung nicht erfolgt. In diesem Sinne spricht man von einem Kosteuvorschuß beim Gericht, von einem Vorschuß auf zu liefernde Waaren; in diesem Sinne sagt man, daß der Arbeitgeber dem Arbeiter den Lohn vorschieße u. dgl. m.; in diesem Sinne ist auch der obige Satz allein zu verstehen. Mein Gegner bringt dagegen eine andere, in keinem Wörter- buche aufzufindende Definition; er behauptet, jede Zahlung beim Kauf einer Waare sei ein Vorschuß, sobald der Käufer die Waare noch nicht wieder in Geld umgesetzt, einen Ertrag aus ihr gezogen habe. Trotz der Hiuweifung auf die sonderbaren Consequenzen dieser Definition wird an derselben auch in der Duplik festgehalten. DaS thatsächliche, von mir geschilderte Verhältniß beim Eigen- thumSwechsel der Arbeitskraft bestreitet mein Gegner gar nicht, nur soll daS kein Borschießen sein. Ich muß eS den, der deutschen Sprache mächtigen Lesern über- lassen, welche von beiden Definitionen sie nach dem Sprachgebrauch für richtig«nd zutreffend erachten. Natürlich steht eS Jedem frei, eine ganz neue Nomenclatur einzuführe» und zu gebrauchen, z. B. für Zahlen immer Borgen zu sagen; wer aber eine solche, dem allgemeinen verständniß gewiß nicht dienliche Neuerung in der Sprache einführen will, der muß doch wenigstens dem Worte consequent dieselbe Bedeutung bei- legen. DaS thut mein Herr Gegner aber nicht; im Gegentheil gebraucht er selbst das Wort Vorschuß genau in dem Sinne, wie ich es definirt habe; er schreibt ja: „UebrigenS würden gewiß die Arbeitgeber in besonderen Fällen dem Arbeiter durch Lohnvorschüsse unter die Arme greifen, wenn nicht mit diesen Borschüssen bisweilen grober Mißbrauch zum Nachtheile der Arbeitgeber getrieben worden wäre, indem manche Arbeiter nach erhaltenem Borschuß ihr Verhältniß zn dem bisherigen Arbeitgeber lösten, ohne den Vorfchnß zurückzuzahlen.« Wenn also ein Arbeiter eine Zahlung, Lieferung oder Lei stung von dem Arbeitgeber erhält, ehe er die Gegenleistung ge währt hat, dann sagt mein Gegner, der Arbeitgeber habe dem Arbeiter einen Borschuß gegeben; wenn dagegen der Arbeitgeber eine Leistung erhält, bevor er die Gegenleistung gewährt hat, und ich nenne daS nun ebenso, ich sage also, der Arbeiter habe dem Arbeitgeber einen Vorschuß gegeben, habe ihm de» GebrauchSwcrth der Arbeitskraft vorgeschoffeu— dann sagt mein Gegner:„eS gehört wirklich viel Sophisterei dazu, so de» Thatbestand zu verwirren" und zu behaupten, daS sei ein Vorschießen! Selbst die deutsche Sprache wird verdreht, damit man— wie daS naive Zugefiändniß am Schlüsse der Duplik lautet— eine Polemik beginnen könne„gegen das Blatt(deu„Volksstaat") und gegen die Partei, deren anerkanntes Organ dieses Blatt i,l.« Ich will auf die Duplik, selbst auf die in Nr. 1 enthaltene gradezu unerhörte Verdrehung de« ThatbcstandeS nicht weiter ein- gehen, weil aus jeder Zeile derselben die Verlegenheit meines Geg»crS spricht, der selber wohl einsieht, wie sehr er sich vergal- lopirt hat und sich nun durch Verdrehungen, Wortklaubereien und billige Scherze a»S der Verlegenheit ziehen will. Hervorheben muß ich aber, daß mein Herr Gegner nicht eine einzige meiner Dcductioueu zu widerlege» versucht; daß seine An- griffe sich immer auf da» richten, waS ich nicht gesagt habe; daß er Sachen i« die Debatte zieht, von denen ich noch gar nicht ge> sprochen, wie z. B. das Risico. Wer die volkswirthschaftlicheu Artikel einer ernsten«nd sachliche» Kritik unterzieheu will, der muß von vor»e anfangen und den Marx'schen Werthbcgriff widerlegen, weil da« der Grundstein ist, auf dem sich iu logischer Eon- sequenz da» ga»ze Gebäude aufbaut. Wer diese» Werthbegriff nicht zu widerlegen vermag, der wird, wie selbst Herr Professor von Eybel zugesteht,„unwiderstehlich zur Anerkennung der letzten Forderungen gezwungen." Weil aber der Liberalismus diese Forderungen nicht anerkennen will, vermeidet man jede streng sachliche Diskusston; während mau sonst für die Bildung der Arbeiter schwärmt, verlästert ma» rein sachlich gehaltene volkSwirthschaftliche Abhandlungen, die deu Ar- beiter auskläre», und nimmt,»ie der vorliegende Fall beweist, seine Zuflucht zu einer Art der Polemik, die weder vor der Logik, noch vor der Wahrheitsliebe, weder vor der VolkSwirthschaft, noch selbst vor dem einfachsten Sprachgebrauch bestehe» kan». Doch genug. Mögen völlig«»parteiische Männer entscheide», ob ich i» diesem Falle zu viel gesagt habe. Schließlich sei Herrn Professor Biedermann hiermit öffentlich gedankt für das bereitwillige Entgegenkommen, mit dem er den Abdruck meiner Replik gestattet hat. Karl August Schramm. Die Moral der Sozialdemokratie. Siebente Kanzelrede von I. Dietzgen. Unsere Partei, verehrte Genossen, will da«, was die Eiusich- tigen aller Zeiten und Völker gewollt, sie will was wahr und was recht ist. Die Wahrheit und das Recht der Klerisei wollen wir nicht. Die unserige ist die materielle leibhaftige oder em- pirifchc Wahrheit der exacten Wissenschaft, die wir zunächst erkennen wollen und demnach auch bethätigen. Gedrängt von dem Bedürf- niß eine« menschenwürdigen Dasein«, interessirt uns unter den verfchiedeuen Arten der Wahrheit besonders auch das, was wahr- Haft Recht ist, die sogenannte„sittliche Weltordnung". Sitte«nd Ordnung muß sein, nicht weil, wie der Pastor sagt, diese Dinge vom Himmel stammen, oder nach Professoren-WciS- heit, sie im Gesetzbuch der Ewigkeit vorgeschrieben, sondern weil gl ein allgemeines leibhaftige« Bedürfniß sind. In meinem letzten ortrag ist bereits de« weitere» auseinandergesetzt, wie wir inter- nationale Demokraten systematisch alle unsere Gedanken mit leib- hastigen oder empirischen Thatfachen begründen. Bei der heutigen Beleuchtung der Moral soll sich„daS System" bewähren. Auch das Sittengesetz dürfen wichricht weiter beachten, eS soll nicht weiter gelten, als es sich materialistisch fundamentirt siadet. Die Thiere, Affen oder Karnickel besitzen keine Schande, keine Moral, keine Treue und keinen Glaube». Wenigsten« ist der sitt- liche Grad dort gleich Null. Die Kaffern haben wenig davon, unsere BonrgeoiS etwa« mehr, aber«a« wahrhaft Recht ist, sollen sie von den Sozialisten erst lernen. Mit andern Worten: die Sittlichkeit ist ein Erfolg der geschichtliche» Entwicklung, ein Cul- turprodukt. Sie beruht auf dem sozialen Triebe des Menschen- geschlecht«, auf der materiellen Nothwendigkeit des g es ellschaft- lichen Leben«. Weil die Tendenz der Demokratie vornehmlich auf ein soziale«, auf ein gesellschaftliche« Leben in höherem Grade gerichtet ist, darum kan» sie nicht ander«, al» ganz wahrhaftig eine moralische Tendenz sein. Seit man sich in Rotten, Horden, Stämme und Völker gruppirte, bedurfte eS der Ordnung und ihrer Kodifikation. Was da nun recht»nd billig ist, hängt von Umständen ab. DaS Maßgebendste dabei sind die zeitlichen ProductionS- Verhältnisse. Die veränderliche Art, wie man Deckung für die physischen Bedürf- nisse schafft, die veränderte Nationalökonomie ändert die Stipn- latiouen der Moral, der Sitte, de« Recht«. Jäger haben ein jägermäßige«, Hirten ei» hirtenmäßiges Recht; Ritter eine ritter- liche,»nd der Bourgeois seine BourzeoiS-Moralr Soweit sich die Nationalökonomie auf Privatökouomie gründet, gilt das alte Sprüchlein: „Sei fromm und verschwiegen, WaS nicht Dein ist, last' liegen." Heute hat die Sache ihre Höhe erreicht, die Bcwirthfchafter de« nationalen Vermögens find euragirte Privatwirthe. Personal- eigeuhum ist da« höchste Ideal. Sacke»«nd Packen und der dazu benöthigte juristische Apparat»ennt sich„sittliche Weltord- nang". Wa« man bisher um uns herum sittlich und recht nannte, welkt sichtlich dahin. Ehrlichkeit, Biederkeit, Rechtfchaffenheit, Familienzucht, Fleiß u»d Sparsamkeit find Tugenden ehrbarer Bauern, Handwerker und Handelsleute, die ein überkommene» Erbe zu erhalten und zn wahren haben, wo in der fünften Gene- ration das Geschäft treulich fortgesetzt werden soll, waS in der ersten klein begonnen wurde. Die moderne Großindustrie mit ihren neuen Produktionsinstrumente» legt diesem Mittelstande all- mählig da« Handwerk. Menschen, die über Nacht reich werden und Maschinenbäckerei betreiben, habe» ei» anderes Sittengesetz, als solche, die noch daS Brod kümmerlich im Schweiße des An- gcsicht« kneten. Heute weiß man nicht, ob fünf, fünfundzwanzig, hundert oder fünfhundert Prozent ein«ehrlicher Verdienst" ist. Die Rotabeln streifen mit dem Aermel ans Zuchthaus und die Staatsanwälte werden confus. Die kapitalistische Wirthschaft wirkt zersetzend auf die Moral uud da» Vermögen. Wie in der Türkei kauft«an in höhere» Ständen sich der Frauen soviel man Geld hat. Vielweiberei uud Maitressenwirthschaft werden Sitte, sind ein sittliche« Faktum. Und in der That uud in der Wahr- heit ist die„freie Liebe" nicht minder sittlich, wie auch die christ- liche Beschränkung auf»ur ein einzige« Ehgesponst. WaS un» au der Vielweiberei empört, ist nicht sowohl die reiche Mannich- faltigkeit der Liebe, al» die Käuflichkeit de» WcibeS, die Degra- dation des Menschen, die schandbare Herrschaft deS Mammon. Ja der Weltgeschichte, liebe Mitbürger, geht eS mit der Moral, wie in der Natur mit dem Stoff, die Formen ändern sich, aber das Wese» bleibt. „Ein großer Theil unserer niederen Klassen", schreibt Treitschke, ist zwar m seiner Kleidung, in allerhand äußerlichen Lebens- gewohnheiten und in einer gewissen Behändigkeit de» UrtheilS den Mittelklassen ähnlicher geworden, doch dafür steht er heute den Pflicht- und Ehrbegriffen der Gebildeten ferner als sonst." Aber dieser„große Theil der niedere» Klassen" entfernt sich nicht nur iu seinen Pflicht- und Ehr- sondern auch in seinen BildungS- begriffen von den„Gebildeten" mit Gänsefüßchen. Die religiöse Bildung der Schelme und Narren ist interessirt genug, iu der Sittlichkeit die eigene subjektive Form mit der allgemeinen Sache zu verwechseln. Sie will zu allen Zeiten und an allen Enden ihre spezielle Klaffenmoral dem Volke als generelle« Sittengesetz aufbürden. In solcher Psaffenschlinge lassen keine Sozialisten sich fangen. Unser Manifest hat schon vor fünfundzwanzig Iahren erklärt:„Die herrschenden Ideen sind regelmäßig die Ideen der herrschenden Klasse." Nun empört sich die Sozialdemokratie wider alle Herrschaft und alle herrschaftlichen Pflicht-, Ehr- und Bil- dungSbegrifft. Trotz aller Wandlungen der Geschichte, gestehen w r zu, hat eS immer Osftjiere und Gemeine gegeben. So wird es ewig bleiben, sagen die Offiziere. Aber die Gemeinen finden ein Haar in der Suppe; sie merken, daß seil den ersten Kriegs- häuptlingeu, an Räuberhsuptleuten, Patriarchen, Cäsaren und adelichen Schnapphähnen vorbei, bis zu den heutigen Lohnherren, das Volk bewußter und selbflständiger geworden ist. Sie finden EntWickelung in der Geschichte und kommen also auf sehr natürlichem Wege zu dem gescheidten Einfall, schließlich über die Schnur wegspringen zu wollen, welche Treitschke, Sybel, Harkort und Consorteu als„Grundlage der Gesellschaft" aufstecken. Darin hat die Professoral-WeiSheit recht: Herrschaften w«ren bisher ein nothwendigeS Uebel oder gar ein vernünftiges Faktum. Aber auch die eben angezogene Entwicklung zur Freiheit ist solch ein Faktum. Unfern Herrschaften besteht natürlich die Moral der Geschichte nicht in der Freiheit, sondern in der Herrschaft. ES handelt fich ihnen nur darum, ob die Offiziere ewig bleiben, oder ob sie je- malS abgeschafft werden. Wir Sozialdemokraten behaupten, die ganze Herrlichkeit muß über Bord, und dabei und erst recht soll Moral bleiben. Wir behaupten, die Revolution der„sittlichen Wcltordnung" in Gänsefüßen ist ein Akt der wahren Sittlichkeit. Wir haben also andere Begriffe von der Moral als die mora tischen Windbeutel.(Schluß folgt) Politische Uebersicht. — Der MordSpatriotiSmuS will auch heuer den 2. Sep- tember nicht vorübergehen lasten, ohne fich nach Kräften zu bla- miren. Er will„Sedanfeier" verüben. Was heißt„Sedan- feicr"? Feier von Sedan. Und wa« heißt Sedan? In runder Summe: eine Drittel Million menschlicher Wesen ein paar Tage lang einander zerfleischend, wie wilde Bestien— was sagen wir? wie Bestien? die wildesten Bestien sind mensch- licher, nein, wie Menschen, die vergesten haben, daß sie Men- schen sind*; zehntausend menschlicher Wesen todtgeschossen, todtge« schlagen, todtgestochen, von Granatsplittern zerrissen, von Pferde- Hufen zerstampft; fünfzigtausend menschlicher Wesen zu Krüppeln geschosten, geschlagen, gestochen, getreteu. Gewinnst? Das Kaiserreich in Frankreich vernichtet. Gewinnst aufgehoben durch Ausrich'ung des Kaiserreichs in Deutschland. Also: Gewinnst Null. Fernere„Errungenschaften" de« Sedantag«: 5 Monate langes Gemetzel; um Elsaß-Lothringen zu annektiren; seit der Annexion beständige Kriegsgefahr(nach Moltke auf Ü0 Jahre!); vermehrte Militärlasten; die französischen Milliarden ver- pulvert; mehr Steuer»; beispielloser GründungS- und Finanz- schwinde!; beispiellose Korruption der Presse und deS ganzen öffent- lich-n LebenS; Verfolgung jedes unabhängigen Gedankens(tau- sende von Preßprozesten— 1ö00 BismarckSbeleidigungen, an die 1000 Majestätsbeleidigungen, Zeugnißzwang)— ganz Deutschland eine Kaserne mit angebautem NationalzuchthauS.— Das ist Sedan; wer Spaß dran hat, der mag's feiern!— — ES ist zwar eine alte Geschichte, und schon früher von uns erzählt, aber sie verträgt die Wiederholung. Die„öfter- reichische finanzielle Revue" machte vor einigen Jahren— und erbot sich zum Beweis der Wahrheit, worauf die Gekennzeichneten es nicht ankommen ließen— dreiundsiebzig Wiener Zei- tungen namhaft, die von der Anglo-Bauk(in der berüchtigten TürkenlooS-Schwindelaffaire) bestochen worden waren. Auf der Liste fizurirten u. A. die„Neue Freie Presse" mit 25,000 Gulden, die„Presse" mit 25,000 G., die„Tagespresse" mit 10,000 G., das„Wiener Tageblatt" mit 32,000 G., die„Borstadt-Zeitong" mit 16,000 G., der„Wanderer" mit 1500 G., die„Deutsche Zeitung" mit 8000 G., die„MontagS-Revue" mit 12,000 G., das„Fremdeublatt" mit 12,000 G., das„Neue Fremdenblatt" mit 2500 G., die„Morgenpost" mit 3000 G., daS„Extrablatt" mit 6000 G. u. f. w.— Die 1871 gegründete Wiener Raten- «nd Rentenbank„betheiligte" vierundfünfzig Besitzer Wiener Blätter mit zusammen 33,235 Gulden. ES erhielten u. A. die „Presse", die„N. Fr. Presse" und das„Tageblatt" je 3500 G., da«„Fremdenblatt" 1500 G. u. s. w. DeS Geschröpftwerdens müde, thaten sich Anfangs 1872 die Gelvmänner zusammen und kauften die Haupiblätter mit Haut und Haar. So thaten sich, um nur ein Beispiel anzuführen, die Anglo-Ocfierreichische und Unionbank zusammen und kauften die„Neue freie Presse" von deren Begründer Friedländer(dem österreichische Minister im April 1872 zur Beerdigungsstätte da« Geleit gaben) um I'/t Million Gulden. Ofcnheim, Ritter von Ponteuxin, der bekannte Schütz- ling der„Neuen freien Presse" vermittelte das Geschäft. Beide Banken verkauften das Blatt wieder an die Börsenbank für circa S1/« Millionen— heißt ein„Geschäft" von zwei Millionen! Am 10. Juni 1872(not» beug als es schon krachte) trat behufs ihrer Erwerbung Alexander Lippmann mit dreizehn anderen Geldleutcu auf OfenheimS Betrieb zusammen. Man zeichnete 15 Millionen in 75,000 Aktien, auf deren jede 30 Gulden einzuzahlen seien. Indessen„an der BörS" herrschte bereits„Heulen und Zähne- klappern", viele Aktien mußten verpfändet werden und— Berlin belieh sie. Hauptbesitzer ist nun durch feine Aktien der Berliner Banquier Bleichröder, dessen Einfluß auf ein halbes Hunderl großer deutscher Blätter sich erstrecken soll, und der Com- paguiegeschäste macht mit sehr hohen Herren.— Und nun zu dem Alten etwas Neues, das gar herrlich die Moral unserer Presse und unserer Bourgeoisie illustrirt. Man schreibt der„Magdeburger Zeitung" aus Berlin:„Die Asfaire Metzer(New-Hork) macht hier viel Aufsehen. Meyer, Redacteur der„New-Borker HandelSztg.", hat sich, wie eS heißt, vvn dortigen Jobbern, die mit hiesigen Bankfirmen da« deutsche Publikum beschwindelten, durch Annahme von 16,000 Dollar« bestechen lassen, und so wurde, weil da« genannte amerikanische Handelsblatt für einige Eisenbahnpapiere Reclame gemacht hatte, die Unterbringung derselben an der hiesigen, der Frankfurter, der Hamburger und der BreSlaner Börse ermöglicht. Eine Clique von Schwindlern ließ Obligationen über Eisen- bahnen drucken, obwohl die auf den Actien vermerkten Bahnen theils gar nicht existirten, theilS ernstlich nie projektirt waren. Meyer strich die nicht existirenden Strecken als Meisterwerke der amerikanischen Architektur wie der New-Aorker HandelSspcculation heraus und denjenigen Linien, die als mögliche Projekte in'« Auge gefaßt waren, rühmte er Erträgnisse von 20, 30, uud 40 pCt. *)„Die bliudwüthigcu Baiern machte» die wälfche Brut°hue Unterschied deS AUerS und Geschlechts nieder", erzählte vor einigen Tagen mit mordspatriotischem Behage» der nationalliberale„Fränkische Kurier". mach. So kamen die Obligationen übe: nicht gebaute, unzebaut l gebliebene und erschrecklich schlecht rentirenve Bahnen auf den veut- schen Markt, dem man 6 pCt. Zinsen in Gold versprach und anfänglich auch zahlte. Zu jener Zeit, als dieser Ichwiadel be- trieben wurde, waren eS nur wenige Blätter, welche die Frage auswarfen:„WeShalb nehmen nicht die reichen Amerikaner die 6prozentigen Prioritäten, zumal dieselben zum Course von 70 unter- gebracht werden sollen? Steckt nicht hinter dem Mannöver ein arger Schwindel? Einige boshafte Menschen behaupten, ein Theil der Bahnen, über welche die Obligationen lauten, existire gar nicht. Da« deutsche Publikum hat allen Anlaß, auf seiner Hut zu sein." Die Warnung wnrde von Börsenblättern damals verhöhnt; heute sind es die Börsenblätter, die den Skan- dal als geschehen zugeben müssen. Wir fragen nun weiter: wie hießen die Berliner und Frankfurter Banquier«, die vor Jahren mit den amerikanischen Jobbern«nter einer Deck- steckend, die grandiose Spitzbüberei und den kolossalen Betrug verübten? Es wird wohl nicht allzuschwer sein, die betreffenden Firmen ausfindig zu machen und sie zur gerechten Verantwortung zu ziehen. Sie»ahmen dem Publikum 70 Dollar« für einen Bogen Papier ab, von dem sie wußten, daß er nichts war, weil er eine Actie über eine Bahnstrecke darstellte, die gar nicht existirte. Die hiesigen Bankfirmeu, welche mit der Unterbringung der betreffenden Papiere sich befaßten, haben genau so betrügerisch gehandelt, wie die amerikanischen Jobber uud wie augeblich der eben genannte Herr Meyer. Es ist ein Verbrechen au'S Tageslicht gekommen, da« an Nieder- trächtigkeit die Wegelagerei und den Straßenraub weit hinter sich läßt. Ganz systematisch ist von Betrügern hüben und drüben das Publikum ausgeplündert worden und in den Raub haben sich Jobber, Makler, Banquier« uud Re- klamemacher getheilt." Ein schönes Bild, nicht wahr? Und gezeichnet von einem Verehrer der heutigen Gesellschaft. WaS aber wird Hr. Tefsen- dorfs thnn, um die in seinem Bereich lebenden V-rüber dieser „grandiosen Spitzbüberei" zur Strafe zu ziehen? — Ein menschliches Rühren bemächtigt fich in dieser Zeit deS Elends und der Arbeitslosigkeit auch— der Kapitalistenbrnst. So lesen wir unterm 26. August:„Die Generalversammlung der Königs- und Laurahütten-Aktiengefellschaft wird zum 23. Sep- tember ausgeschrieben werden, und a»ßer den gewöhnlichen, sich au« den Statuten ergebende» Gegenständen, svll ein Antrag, die Tantieme deS Verwaltungsraths von 10 auf 7 Prozent herab- zusetzen, gestellt werden. E« geht dieser Antrag au« der eignen Initiative des VerwaltuugSralhs hervor." Also wirklich! Wollen die Herreu VcrwaltungSrälhe auf ganze 3 Prozent ihrer Tan- tiöme verzichten? Sie könnten wohl bei den großen Gehälter» die ganzen 10 Prozent entbehren und unter die darbenden Ar- beiter vertheilen lassen. Doch das wäre zu viel verlangt, und der galante Apeninenheld, der dem Reisenden aus der anncktirten Geldbörse großmüthig ein paar Groschen zurückgiebt, kann unseren „Gründern" und Kapitalisten schon höchste« Moral-Jdeal sein Wie groß aber da« Elend in den Schlesischen Hüttenbeztrken sein muß, daS zeigt diese— Generosität der Kapitaliste» besser al« bogenlange Bettelbriefe au den Reichstag mit oder ohne die„hn- moristifcheu" Karten, vou denen die Presse un« erzählt. — Ei» komischer Kautz muß der Berliner Cubik-Cor- respondent der„Königsberger Hartung'schcn Zeitung" sei». Derselbe lautetet: „Eine auffällige Thätsache ist, daß die beiden sozialdemokra- tischen Hauptorgane, der„Volksstaat" und der„Neue Sozialdemo- trat", welche ihren Lesern genügende politische Speise zu bieten prätendiren, keine Silbe vom Tode Hoverbeck'« schreiben. Die Arbeiter sozialdemokratischer Richtung werden absichtlich in tiefster Unwissenheit über wichtige politische Ereignisse gelassen,— da« ist da« System der sozialdemokratischen Parteiführer." „Auffällige Thatsache"! �Vüat is Hecuba to as? Wa« ist Hoverbeck für uu«? Der todte Führer einer tobten Partei, über welche er weder durch Geist noch durch Charakter emporragte. Man denke an die klägliche Rolle, die er Ende de« vorigen Jahre« im Reichstag spielte.(Famose„Resolution Hoverbeck", Reptilien- fondS- Votum. S.„Volksstaat" aus damaliger Zeit.) Wenn wir da«„wichtigte politische Ereigniß« ganz unerwähnt ließen, so ge- schah eS in Beobachtung des äe mortui» nil nisi bene— von den Tobten soll man nicht reden, wenn man»ichtS Gute« vou ihnen zu sagen hat. — Unsere Gegner. Schreibt man da dem liberalen„Schwä- bische» Merkur"— Merkur ist bekanntlich der Schutzgott der Kaufleute und Diebe— ans Thüringen vom 16. August.„In die Herren Sozialdemokraten in Sangerhausen, die bisher in dem kleinen Städtchen dominirten, ist ein heilsamer Schreck ge- fahren,«eil dieser Tage ihr Führer wegen Majestät«belcidigung verhaftet und einige seiner minder begabten College» wegen aus- schreitenden Benehmen« in Geld-, beziehentlich Gefängniß- strafe genommen worden find." „Heilsamer Schreck"— diese Bedientenfeelen trauen jedem Anderen das eigene Hasenherz zu. Ueber den Vorgang selbst, der von«usreu Parteigenossen mit dem landesüblichen Humor aufge- uommen wird, haben wir schon berichtet. Die Schadenfreude gönnen wir dem lieben„Merkur"— sie ist echt nationalliberal, und diese Schuhputzer Bismarcks müssen dock für die vielen Fuß- tritte, die sie empfangen, manchmal einen Spaß haben. Ein jedes Thierchen braucht sei» Pläsirchen. — Die ländlichen Arbeiterverhältnisse. Selbst in den Kreisen, welche die Arbeiter nur als Mittel für die Zwecke der Arbeitgeber betrachten, kann man das Verschulden der Letzteren nicht lä»gnen. So heißt e« in einem amtlichen Jahresbericht über den„Zustand der LandcScultur in Preußen für daS Jahr 1373" über die Arbeiterverhältnisse auf dem Lande folgendermaßen: „In Betreff diese« wichtigen HauptfactorS für den landwirth- schaftlichen Betrieb find auS fast allen Provinzen uud Verein«- bezirken mehr oder weniger ausführliche, bald fpeciell und gut begründete, bald mehr oberflächlich gehaltene Berichte abgegeben worden. Im Allgemeine» zieht sich durch alle inSgefammt ein rother Faden, die Klage über Verschlechterung der Arbeitcrverhält- nisse, sowohl waS die Quantität der Arbeitskräfte anbetrifft, um welche die Landwirthschaft mit den verschiedensten Mitbewerbern in Concurrenz treten muß, als auch über die Qualität der in ihrem Betriebe verbleibende» Arbeiter, deren Leistungen und Stel- lung zum Arbeitgeber.— Wenngleich man sich nun nicht der Ansicht entziehen kann, daß nach Vergleichung der einzelne» Ver- einsberichte in Betreff der Haltung»ud Löhnung, also des Ver- dieusteS der Arbeiterklassen diese Klagen an vielen Orten gerecht- fertigt(?) sind, so muß man auch andererseits eingestehen, daß in manchen Gegenden diese Calamitäien hecoocgerafen werden durch ein: nicht genügende Berücksichtigung der Bedürfnisse, welche ein: Arbeiterfamilie hat, unv ohne deren Be- friedigunz sie nicht vogelfrei existiren kann. Denn wenn vom Centralverei« der Provinz Posen z. B. berichtet wird:„Die hiesigen Arbeiter sind durchweg so gestellt, daß sie bei einem so- liden haushälterischen Leben auskommen können, indem der Jahre«- verdienst einer Arbeiterfamilie mit Einschluß der Naturalien und Wohnung auf 120 bis 140 Thaler zu veranschlagen ist",— s» kann man selbst bei der niedrigsten Schätzung der noth«endigea A»Sgaben und den geringsten Preisanschlägen für dieselben kaum begreifen, wie eine Familie von etwa 4 Personen anders wie von der Hand in den Mund leben soll. Und wenn sich dzun der ordentliche, gern an die Arbeit herangehende Theil der zu diesem Loose bestimmten Bevölkerung einen Wirkungskreis fern von den ärmlichen Verhältnissen der Heimath sucht und diejenigen Ver- dienstqaellen erstrebt, welche ihm ein besseres, angenehmeres, feine Arbeitskraft auch materiell erhaltendes Leben sichern und außer- dem noch die Möglichkeit bieten, sich für die Tage de« Alter« vor Hunger und Elend zu schützen, so kann mau sich der Ueberzeuguog kaum verschließen, die Klagen vieler Arbeitgeber seien wohl aazu- erkennen, seien aber zum Theil selbst verschuldet." I» einer der nächsten Nummern werden wir mittheilcu, wa« ein englisches Blatt über die Lage der deutschen Landarbeiter sagt. — Im Schooße der englischen G-werkvereine trägt man sich seit langem mit dem Gedanken eines allgemeinen Ge- werkschaftSbunde«, der sämmtlichen englischen TradcS-Union» eine einheitliche Organisation geben soll. Auf dem letzten Gewerk- schaftS-Congreß in Scheffield(Januar l. I.) kam die Sache zur Sprache uud erklärte man sich mit dem Plan einverstanden. Ein mit Ausarbeitung der Statuten betrauter Ausschuß, der zu Liver- pool tagte, hat soeben einen Entwurf veröffentlicht. Danach ist der Zweck des Bundes,„der Arbeit bei zukünftigen Kämpfen gegen da« Kapital durch Einheit Kraft zu verleihen"; zur Erreichung dieses Zwecke« sollen G-werkoereine ohne Unterschied de» Arbeit«- zweiges aufgenommen werden, wenn nur ihre finanziellen und sonstigen Verhältnisse Bürgschaft dafür bieten, daß ihr Beitritt den Bund wirklich fördern kann. Durch gleichmäßig vertheilte Beiträge soll ein Fonds für die Zwecke de« Bunde« angelegt werden. Diese Statuten«erden auf einer Versammlung in Gla«- go»»ochmal« durchberathen und dann dem im Oktober dort zu- sammculretenden Congreß der Gewerkvereine vorgelegt werden. An der Annahme ist wohl kaum zu zweifeln. Nur mögen sich vie englischen Gewrrkoereinler nicht in dem Wahn wiegen, durch eine solche Organisation, so sehr sie auch die Arbeiter stärkt, die Macht des Kapitals brechen zu könne». Das läßt sich nur da- durch erreichen, daß man ihm die LebenSquellen abschneidet, d. h. die kapitalistische Privatproduction abschafft. — Ueber die grausame Behandlung politischer Ge- fa»geneu in Rußland bringt der in russtschcr Sprache in London erscheinende„Vorwärts" folgende Einzelheiten:„1) Den 11. April starb ein bekannter sozialistischer Agitator Alexander Tschikoff. Er wurde im September 1373 verhaftet und saß i» Untersuchungshast mehr al« 9 Monate. Vor seiner Verhaftung war er ganz gesund; aber in den 9 Monaten seiner Haft wurde seine Gesundheit völlig zerrüttet. Da« letztere ist auch sehr leicht erklärlich: Die ganze Zeit seiner Haft mußte er in einer Einzel- zellc, welche 5 Schritte in der Länge, 4 Schritte in der Breite hatte, zubringen; daß Fenster in der Zelle war so hoch, daß mau es stehend schwerlich mit der Hand ergreifen konnte; e« hatte etwa 3'/- Quadrat-F»ß. Es ist selbstverständlich, daß man in einem solchen Orte höchstens täglich 6—7 Stunden lesen konnte(XL. er hatte auch Nicht« zu lesen; die beste» Bücher in der Gefängniß- bibliothek sind die sehr langweilige» Schriften vou Hartwig uud der„Materialismus der Wissenschaft und des Christenthums"). Abends wurde die Zelle mit einer Lampe, welche oben außerhalb der Zelle hing(über der Thür) beleuchtet, so daß eigentlich nur die Decke schwach beleuchtet war. Ueber 1 Tag oder gerade alle 2 Tage konnte er ein wenig frische Luft schöpfen im Gcfänznißhos; aber nnr 10 Minuten(sage zehn Minuten); die übrige Zeit be- fand er sich immer in der Zelle. Seine tägliche Kost bestand au«> l'/z Pfand schwarzen Brode«(für den ganze» Tag) und einer Maß Wasser;»m 11 Uhr da« Mittagsessen: Kohlsuppe mit eine« Stückchen gesalzenem Fisch und einem Teller Grütze; Abends: Kohlsuppe(diese reiche Mahlzeit(!) existirt nur für Aveligc— Tschikoff war ein Adeliger— für„Gemeine" überhaupt nur Kohl- suppe!) Vom Gefäugnißausseher Makaroff— einer verkörperten Niederträchtigkeit— wurde er sehr frech behandelt. Ja dem be- kannten politischen Prozeß, welcher im vorige» Sommer zur ver- Handlung kam, dem sog.„Dolguschiner Prozeß", in welchen Tschikoff verwickelt war(wegen Druck und Verbreitung von sozialistischen Agitationsschriften»nter dem Volke), bekam er 2 Monate Hast und zweijährige polizeiliche Aufsicht. U»ter Bürgschaft wurde er nach dem Prozesse freigelassen; in dem halben Jahre, während dessen er frei war, wurde seine Gesundheit erträglicher; aber den 19. Januar diese« Jahres wurde er plötzlich in seiner Wohnung verhastet, in das Gefängniß geworfen, wo seine Gesundheit in solche Zerrüttung kam, daß er am 11. April diese« Jahre« starb. L) Ein Arbeiter der Malzeff'schen Fabrik in Petersburg, Kara- koff, wurde im März 1874 verhaftet und faß in einer Einzelzelle mehr als 1 Jahr. Im Gefängniß wurde er von Seite der Auf- sehcr und Diener barbarisch behandelt: Schimpfereien, z. B. auch dann, wenn Karakoff da« Bedürfniß nach Stuhlentlcerungen hatte, waren immer auf der Tagesordnung. Sehr häufig hatte er kern Mittagessen bekommen, obwohl er ohnedies immer Hunger leide» mußte, denn für 7 Kopeken(etwa 7 Kreuzer) im Tage, welche für inhaftirte Bauern vergütet werden, kann mau ja nicht satt werden. Er wurde krank und mußte in da« Spital des Littauer Gesäng« nisses gebracht werden. E« versteht sich von selbst, daß seine Lage im letzteren Gefängniß keine beneidenSwerthe war, denn hier ist der oben gekennzeichnete Makaroff Aufseher, aber dort war diese Lage für den Karakoff eine etwas bessere(l), als im ersten Ge- fänzniffe.... Und wie mau dem Unglücklichen eröffnet hat, daß er wieder in da« erste Gefängniß gefordert wird, da waren seine Leiden so groß, daß er vorgezogen hat, seinem Leben ein Ende zu machen.... Er hat sich mit einem Stuhlbein den Schädel eingeschlagen. 3) Die rnssischen Zeitungen vom April dieses Jahres bringe» folgenden„traurigen Fall" in die Oeffentlichkeit:„In der Stadt Charkow wurde in seiner Zelle erhängt gefunden ein politischer Gefangener, stuä. med. Krutikoff." — In Offenbach hatte sich bekanntlich unter der Führung der Herren Stürz und Hauser eine Anzahl von früheren Mit< gliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereiu« von diesem .4 Verein abgezweigt; dieselben sympathifirten mit den Heren Bräu er und Genossen in Hamburg und gründeten auch ein Lokalblatt, welches eS sich zur Ausgabe machte, der Bereinigung der deutschen Sozialdemokraten entgegenzuwirken. Auch nach der Vereinigung hielt das Blatt seinen Separatstandpunkt a la Bräuer inr.e. Nachdem aber vor Kurzem der Herr Stürz plötzlich aus eine keineswegs rühmliche Weise aus Offenbach verschwand, trat ein Umschwung dort ein; die„Neue Offenbacher Tageszeitung" wurde von unfern Parteigenossen erworben und zeichnet sich jetzt durch eine gute Hal- tung in allen prinzipiellen Fragen und auch in den Organisations- fragen auS. Wir können dieselbe deshalb unfern Parteigenossen im Maingau und in der Pfalz empfehlen. J»«ere Partei-Augelegeuheiten. An die Parteigenossen! Laut Congreßbeschluß sollten die„Sozial-Politischen Blätter" zum ersten October dieses Jahres eingehen»ud au Stelle derselben sollte eine größere illustrirte Wochenschrift:„Die neue Welt" zu Leipzig, im Verlage der dortigen Genossenschaftsbuchdruckerei er- scheinen. Technische Schwierigkeiten aber verhindern das Erscheinen »Der neuen Welt" vor dem 1. Januar 1876; Probcnummern werden Mitte December dieses Jahres ausgegeben. Die„So- zial-Politifchen Blätter" erscheinen in Folge der gebotenen Abände- rung weiter bis zum 1. Januar 1376. Hamburg, den 23. August 187S. Der Vorstand der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. I. A.: Hasenclever. Geib. Zu Agenten des Borstandes wurden ferner ernannt für Bochum: G. A. König; Einbeck: O. Sohlieker, H. Grube; Eppendorf-Winterhude: W. Wulf, C. Töpfer; Frankenberg: F. Aohlcder, F. Rösch; Gablenz: G. Bahnert; Glücksstadt: A. Dou tinö; Lübeck: F. Steffen; Lüneborg: A. Meier, Böttcher; Ober lungwitz: F. Bogel, E. Puschmann; Stettin: N. Schulz, I. Dnnst; Vlotho: C. Scharenberg, H. Bräuer; Wildenfels: H. W. Puschmann, F. Fraukhänel. Wir bitten, bei neuen Anmeldungen die genauen Adressen beider Agenten(beim Sekretariat) anzugeben. Hamburg, 23. August 187S. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A.: C. Derossi. I. Auer. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerksgenosseuschast der Manufaktur-, Fabrik-«ud Haud- arbeiter beiderlei Geschlechts.(Sitz Weimar). ßrimmitschu«. Hierdurch werden alle Vertrauensmänner er- sucht, die Fragebogen, welche ihnen von der Verwaltung zugesandt worden sind, bis zum 4. September ausgefüllt und beantwortet zurückzusenden, desgleichen werden alle Delegirten ersucht, sich zur Generalversammlung wegen deS reichhaltige« Materials, welches Zur Verhandlung kommen soll, auf einen Tag länger vorzubereiten als in der Einladung angegeben ist, damit die Generalversamm- l»ng nicht geschlossen wird, ohne all-S genau geprüft und berathen z« haben. In NowaweS ist als Vertrauensmann gewählt: Wilhelm Her- furty, Ack-rstraße 12. In Chemnitz ist neugewählt als Ber- traueusmann Julius Weudler, BernSdorferwez 699R. Für die Verwaltung: C. Pos er. MetallarbeitergewerkSgenossenschaft. Araunschweig. Genossen! In Folge eines Wechsels meines Arbeitgebers bin ich ferner uicht in der Lage, das feit 10 Monaten bekleidete Amt als GestäftSführer behalten zu können, da es mir in meiner jetzigen Werkstatt nicht erlaubt ist, Zeit zu versäumen. Außerdem ist meine augenblickliche Beschäftigung eine sehr an- strengende, so daß e« mir auf die Dauer unmöglich sein würde, nach beendigtem Tagewerk pünktlich meine Pflichten gegen die Ge- werkschaft zu erfüllen. Es wird daher Genosse L. Söhler(per Adresse Restauration Schellbach, alte Änochenhauerstr.) welcher an Meiner Stelle gewählt wurde, mit dem 1. September die Leitung der Geschäfte übernehmen, und ersuche ich, alle für den Ausschuß bestimmten Correspondenzcn bis auf Weiteres au obige Avrcsse zu richten. Mit Gruß und Handschlag C. Schubert. Reue Abrechnungsformulare, sowie Abrechnung der Hauptkaffe kommt jetzt zur Versendung; statistische Fragebogen erst Mitte September._ Der Obige. Gewerkschaft der Schuhmacher. ßöl» a. ND., 26. August. Von verschiedeueu Seiten wird lebhafte Freude ausgedrückt über den kommenden Schuhmachertag in Mainz. Collegen, betheiligt Euch an demselben, denn nur durch Zusammenwirken mehrerer Mitgliedschaften kann etwas Gutes ge- schaffen werden. ES muß am Rhein ein Grund geschaffen werden, welcher nicht mehr zu zerstören ist. Also auf Collegen! Dem Bevollmächtigten B-rthold in Coblenz zur Nachricht, daß ich die Adresse verloren habe. Ich komme am 11. September Nachmittag in Coblenz an, und fahre Abends 11 Uhr wieder ab nach Mainz, allwo Sie mir Ihr Mandat übergeben können, um die Coblenzer auf Ihren Wunsch vertreten zu können. Dienstag komme ich zurück, an welchem Tage Sie-ine Versammlung ein- berufen könne» mit der Tagesordnung:»Zweck und Nutzen der Gewerkschaft." Auf alle Fälle bitte ich um Ihre Adresse. Mit Brudergruß Jos. Steiner. Allgemeiner deutscher Schneidervereiu. Altona. Allen Schneidern Deutschlands zur Nachricht, daß wir am 24. August Hierselbst eine außerordentliche Generalversammlung halten mit der Tagesordnung:„Auflösung deS LokalvereinS und Auschließung an den Allgemeinen deutschen Schneidelverein", was auch nach kurzer Debatte angenommen wurde. Wir sind somit vom 1. September an Mitglieder des Allgemeinen deutschen EchueidervereinS. Wir ersuchen nun sämmtliche College», die noch nichts von sich haben hören lassen, unserm Beispiel zu folgen, denn n«r dann kann der verein segensreich wirken. Mit Gruß und Handschlag H. Steeubock, Schriftführer. sitionSliste. Unter 1383 abgegebenen Stimmen fielen ca. 850 unserm Programm geforderten Normalarbeitstag durch die Sta- für die Opposition und nur ca. 540 für die Nationalliberalen. Von den neugewählten 24 Mann sind ca. 9 Sozialisten, 6 Re- publikaner, 4 mehr oder weniger gemäßigte Demokraten und 5 wirk- liche Rationalliberale, welche als Leute von ehrlichem und gerechtem Sinn in die OppositionSlistc mit eingestellt wurden. „Sparsamkeit und Gerechtigkeit in der städtischen Verwaltung" hieß die Devise der Opposition, die den bisherigen liberalen „Machern" der Stadtverordnetenwahleu diesmal und hoffentlich für immer das Handwerk gelegt hat. Die Kanonen, die zum Biktoriaschießen liberalerseits wieder parat gehalten worden sein sollen, mußten schweigen; Illumination ist auch unterblieben, es sei denn, daß der Eine oder Andere vom bisherige«„Gemeinde- wohl" sich beim Schmerzenstrunk etwas übernommen hätte „Rückgang des Nationalliberalismus", das klingt auch nicht übel. WaS haben wohl die Vettern und Brüder im Reich dazu zu sagen? Neichenvach. Die heißen Augusttage haben unsere national liberalen„Nachrichten" in einen traurigen Zustand versetzt; sie schreiben anläßlich deS SedanfesteS:„Immer näher rückt der Tag, an welchem wir zum fünften Male den wunderbaren Sieg feiern. Frei ans dem Bewußtsein deS Volkes heraus ist der 2. September zum nationalen Dankfest gewählt worden. Seine Festfreude war und wird frei sein von aller Ruhmsucht nnd Eroberungslust; noch nie hat ein Volk nach hundert Siegen sich vo« Chauvinismus so fern gehalten als das deutsche. Und dennoch giebt es leider viele Deutsche, die sich an dem Tage feindselig beiseitestellcn. Sozialisten und Ultramontane wetteifern in dem Haffe gegen den deutschen Nationalstaat, die Einen, weil sie mit den sittlichen Idee« des EigenthnmS, der Ehe und Familie auch die nationale Glie derung der Menschen verwerfen, die Andern, weil sich daS deutsche Oberhaupt und die Volksmehrheit ihnen nicht unterwerfen will. Beide unterstützen sich im Kampfe gegen daS Reich, wie in der Verdäty tizung der besitzenden Klassen. Beide untergraben den gesetzlichen Sinn, arbeiten an der Zerstörung der heutigen GesellschaftS- und Rechtsformen, und rechnen auf die Vortheile, die der Sieg dem andern bringen wird." Kommt dann noch eine Aufforderung an die Mittelstände, mit Energie zu kämpfen, damit die Einheit des Reich« befestigt wird und die Freiheit erhalten bleibt, sowie endlich ein Lamento über die Lauheit der besitzenden Stände, die immer dächten, Bismarck wird es schon machen. Wir werden in der nächsten Versammlung den gegen und verfertigten Lügenbrei auf lösen und zeigen, wer die Sittlichkeit mit Füße» tritt, auch wollen wir dort einen Fond sammeln zn einer Heilanstalt für Nationalliberale, welche innerhalb der 5 glorreichen dcutschkaiserlich-reichS herrlichen Jahre ihren verstand verloren haben.— Unterzeichneter wird am 4. September eine Reise nach dem oberu Voigtlaud unternehmen, um Vorbereitungen zu treffe» zu einer großen Agi- tation, welche in einigen Woche» beginnen soll. Ich werde am 4. September Treuen, den 5. Lengefetd, 6. Querbach, 7. Falken- stein u. s. s. besuchen, am Tage Schriften verkaufen, am Abend mit den Parteigenossen verkehren. Noch bitte ich um Adressen in den Orten Schöneck, Adorf, Markueukirchen w., deSgl. von Orten, wo Versammlungen gewünscht werden, um schriftliche Mittheilung. Rob. Müller. Nordhause«, 17. August. Bericht. Seit langer schwerer Zeit ist es jetzt möglich gewesen, den guten Boden, der hier vor- handen ist, neu bearbeiten zu können. Parteigenosse Bock au« Gotha hielt Sonnabend den 14. d. M. einen Vortrag über das Vereins- und Versammlungsrecht und über da« Programm der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland«. In nahezu zweistün- diger Rede, die häufig von stürmischem Applaus unterbrochen wurde, setzte derselbe den zahlreich Versammelten a»Seinauder, daß bei der Handhabung de« jetzigen Versammlungsgesetzes in vielen Staaten iistck zu rechtfertigen gesucht, und dabei angeführt, daß dieselbe, obschon uoch in der Kindheit befindlich, mehr Lichtüber das Studium der menschlichen Natur verbreitet habe, wie Buckle sagt, als alle übrigen Wissenschaften zusam- mengenommeu. Sic bilde gleichsam das Anklagematerial gegen unsere heutigen Zustände und sei daS wuchtigste Kampfmittel, welche» un« unsere Gegner in die Häudc geliefert hätten. Die Weber in der englischen Fabrikstadt Manchester hätten im dritten viertel de» vorigen Jahrhundert« noch ein durchschnittliches Alter von 34 Jahren erreicht, und im Jahre 1362 sei das durchschnitt- liche Alter dieser Leute nur 19V» Jahr gewesen. Die Fabrikanten erreichen ein durchschnittliches Alter von 64 Jahren. Ueberlange Arbeitszeit«ud karge Nahrung fei die Ursache der kurzen Lebens- dauer bei den Arbeitern. Auch wie« ich auf die ungeheure Sterblichkeit der Arbeiter- linder in den ersten Lebensjahren hin. Bon 100,000 Kindern der Reichen in England sterben durchschnittlich 9000 Kinder unter einem Jahre, von den weniger reichen Leuten 10,000, von noch ärmeren Leuten 15,000, 18,000, 21,000, 23,000. In der großen Fabrikstadt Manchester sterben von 100,000 Kindern, die auf die Welt kommen, 26,125 unter einem Jahre. Uud die amtliche Untersuchung habe ergeben, daß die hohen Sterblichkeitsraten meisten» durch die außerhäusliche Beschäftigung herbeigeführt würden. Man könne zwar entgegen halten, die« seien englisch- Ziffern, mit denen wir nichts zu thun hätten, die also für un» nicht maßgebend seien; doch der Einwand sei hinfällig. ES sei allerdings richtig, daß die Industrie und auch die Statistik in England von älterem Datum sei, aber wir gingen mit Riesenschritten dem nämlichen Ziele entgegen. Dies zeige sich am deutlichsten bei der MilitärauShebung in den Jndustriebezirken. So seien im Jahre 1860 in Preußen von 100 Lenten, die sich gestellt hätten, über 48, 1361 Uber 45, und 1862 über 43 dauernd für dienstuntauglich befunden worden. DieS seien die Durchschnitts- ziffern. Der Herr Rector und Seelsorger aus Bayenthal trat als Opponent gegen mich auf und sagte unter Anderm, cS sei sehr Vieles richtig, was ich in meinem Vortrage gesagt habe, man dürfe keine Jnteressenpolitik treiben, und er sei weit entfernt davon, alles dasjenige zu acceptircn, was die Ultramontancn anerkannt hätten. Aber mit der Statistik könne man gerade soviel beweisen al» wenn man sage, diese weiße Wand ist schwarz. Ja Breslau hätten z. B. die Protestanten eine Statistik aufgestellt, wonach die meisten außerehelichen Geburten bei den katholischen Mädchen vor- kämen, und nun wolle man der katholischen Moral etwas an- hängen. ES habe sich aber herausgestellt, daß die Liberalen die katholischen Mädchen geschwängert hatten, um den Ultramontane, i etwa« anzuhangen. Auch kommt daS Einkommen bei der Kinder- sterblichkeit nicht in Betracht, denn dem Herrn Kremer von der „Germania"(auf den wir in einer der nächsten Nummern zurück- kommen werden), welcher ein Gehalt von 1200 Thlr. habe, seien auch zwei kleine Kinder gestorben. Sie sehen also, rief der Herr Rector, daß mit der Statistik nichts zu beweisen ist. Dann sprach der Herr Rector gegen die consesstonSloscn StaatSschulen sowie gegen den obligatorischen Schulunterricht, vertheidiztc aber doch dabei die allgemeine BildungSpflicht. Al« ich nun meine Zahlen und die consefsionSlosen StaatSschulen noch einmal vertheidizt und angeführt hatte, daß die preußische Regierung doch sehr gut wissen müsse, wie viele Leute sich zur Aushebung gestellt, und wie viele diensttaugliche Mannschaften dabei gewesen, da erklärte der Herr Rector meine Zahlen für richtig, und er werde sich für die nächste Versammlung, welche v»n nn« in Bayenthal abgehalten «erde, statistisches Material gegen die confefsionSlosen Schulen sammeln. Also zuerst sagt der Herr Rector, mit der Statistik kann man nicht« beweisen, dann erklärt er die von mir angeführten v W 1 � VI)-V� vv|»y—»»»•••»»»»—»» � v»»»,»» V V V»V V V»» IV D( 7 c V*» von freiem Austausch der Meinungen, noch weniger von Ausübung �Zahlen für richtig, und zuletzt stellt der Herr Volksbildner uns in W*>i« r �• v» t** a v � vi j v» i+/»>4« fii'iv'.-s /4i»v# V\ti» M(«»v» 0� i• T**(\ 4 K••£» iv» Ka**».»l«* C«.IYa 1 x Correspondenzen. Krimmitschau, den 28. August.(Wahlsieg der Stadt- derordneten-Opposition.) Gestern glänzender Sieg der Oppo- der scheinbar garantirtcn staatsbürgerlichen Rechte, die Rede sein könne. In einige» kleineren Staaten, in denen augenblicklich noch ein solches Recht existire, werde dasselbe nun auch durch das pro- jektirte neue ReichSoereinSgesetz bedroht, Pflicht eines jeden Meu- scheu, der BolkSfreiheit und Bürgerwohl zu erringen strebe, sei e« deshalb, mit lautem Protest solche nationalliberal-»ltrarcaktionären Volksbeglückungen von sich zu weisen. Zum andern Punkt der Tagesordnung übergehend entwickelt, Bock in klarer gediegener Weise einige Punkte deS Programms, unterdessen sich die anwe- senden Gegner in nicht gerade stiller Weise entfernten, da sie wohl einsehen mochten, daß dem redefertigen Referenten wohl sehr schwer beizukommen wäre. Bei der Debatte ließen denn auch diese Herren natürlich ihre Weisheit nicht hören. Hollnagel detaillirte daS Programm bezüglich der VolkSerzichung und versicherte den Bersam- melten, daß er trotz der harten Kämpfe, die er bisher zu ertragen hatte, fest zur Fahne des Sozialismus stehen würde. Wenn Bock daraus seinerseits ans die Einrichtung der freien Volksschule und die Wirkung einer solchen Institution aus daS Gesellschaftsleben noch spezieller einging, so konnte dies der Versammlung das leb- hafteste Interesse abgewinnen, und können wir dem Redner nur unfern Dank zollen. Neue Parteigenossen wurden gewonnen, und endete die Versammlung mit einem Hoch auf den aus langer Haft entlassenen Parteigenossen Grottkau. Mit brüderlichem Gruß Koschmieder, Agent. Koö«rg. Am 30. April d. I. kamen 4 Beamte des herzog- lichen Kreisgerichts von dem Dorfe Oberlauter nacb einer gericht- lichen Aufnahme zurück nach Coburg und sahen dabei, daß hinter der Kaserne ein Tambour von dem Bataillonstambour derb miß- handelt wurde; der hiesige Staatsanwalt machte deshalb dem BataillonS-Commando davon Anzeige und beantragte Bestrafung de« MissethäterS. Die Vernehmung erfolgte sofort, aber der Tam- bour sagte auS, eS sei ihm derartiges nicht geschehen, er sei uicht mißhandelt worden. Die Auasagen der Beamten deS herzogliche» KreiSgerichtS waren jedoch maßgebend, und in Folge dessen wurde der Bataillonstambour bestraft. Warum der Tambour log, trotzdem er der leidende Theil war, daß wird sich ein Jeder, der die Moltke'sche Bild»ngSanstalt nicht für ein Musterinstitut hält, selber sagen können. Julius Heymaun. Köln. Die Bekanntmachung hinsichtlich deS Arbeiter-LesevereinS in Nr. 92 des„BolkSstaat" habe ich dahin zu ergänzen, daß die regelmäßigen Sitzungen d-s besagten Vereins bei Herrn Stein- büchel, Stolgerberbach Nr. 34 abgehalten werden, wa« ich an- zugeben vergessen hatte. H. Bruch, Vorsitzender. Köln. Die„Kölnische BolkSzeitung" vom 5. August, erste« Blatt, bringt einen Bericht über eine am 1. A»gust von unserer Partei in Bayenthal abgehaltenen Volksversammlung. In dem Berichte heißt eS»nter anderm:„Dann hatte Herr Schumacher so viel mit der Statistik zu beweisen gesacht; an einigen Beispielen zeigte nun aber der Rektor, wag man alles mit der Statistik be- weisen könne. Dieselbe sei gar noch nicht so weit, daß sich durch sie allein etwas beweisen lasse." Ich hatte nämlich in der betreffenden Versammlung den in Aussicht, daß er uns in der nächste» Versammlung ebenfalls mit diesem wuchtigen Kampfmittel ans den Leib rücke« werde. Zum Schluß sprach noch Herr Wytzka. Der Herr Rector hatte nämlich in seinem Vortrage gesagt, wie die Arbeiter beim Bauer 15 Sgr. pro Woche verdient, hätten dieselben sich sehr gut gestanden. Die Zufriedenheit sei die Hauptsache. Herr Wytzka hatte dann die Zufriedenheit, die Bedürfnißlosigkeit, und auch daS Katzebuckeln mancher Arbeiter unter großem Beifall deS Näheren auseinandergesetzt. I. A,: Schumacher. MühlHeim a. Nhein, 15. August. ES hat sich hier seit einiger Zeit ein Fachverein der Schreiner nnd Zimmergesellen ge- bildet und ist die Zahl der Mitglieder in zwei Sitzungen auf 33 gestiegen. Der Verein wurde gegründet mit Hülfe einiger Cölner Genossen in Folge ungerechter Maßnahmen Seiten« einzelner Meister, und wird derselbe seinen Standpunkt für die Rechte der Gesellen zu behaupten suchen und etwaige nothwendige Verän- derungeu zu geeigneter Zeit in Angriff nehmen. Der Inhalt der Statuten ist aus der Basis des in Cöln bestehenden Fachvereiu« der Tischler abgefaßt. Fremde Gesellen, welche zureisen und irgendwo an einem andern Orte Mitglied eines ähnlichen Verein« waren, werden ohne Einschreibegeld aufgenommen. ES wurden in der Generalversammlung am 10. August fol- gende Mitglieder in den Lorstand gewählt: H. Euler, 1. Vorsitzender, Freiheitstraße 63; H. Klein, 2. Vorsitzender; G-uS, 1. Schriftführer; Mödder, 2. Schriftführer; I. Fischer, 1. Kas- strer; Krick, 2. Kasstrer. Außerdem wurden 4 Revisoren gewählt. Kamvnrg, 10. August.(Situationsbericht.) So sehr viele Versammlungen hier auch stattfinden, so wenig vernimmt man da- von in der Parteipresse, wenn nicht etwa aus Annoncen im „Neuen Sozialdemokrat" und„BolkSstaat" auf das lebhafte Par- teigetriebe in Hamburg geschlossen werden könnte. Und wie es hier ist, so ist es in Altona und einem großen Theile SchleS- wig- Holsteins, daS mit Recht bezüglich der Arbeiterbewegung Deutschlands nur mit Sachsen verglichen«erden kann. Erst neuerdings wieder sind Schritte geschehen, um die Agitation und Organisation in Schleswig Holstein mehr zu beleben, und je näher der Herbst und Winter herankommt, desto lebhafter muß da« Tempo dieser Schritte werden, da— wie bekannt— die ländliche Bevölkerung in den nordalbingischen Herzogthümern vorwiegt. Um in die Agitation etwa« Abwechselung zu bringen, fanden in verflossener Woche sowohl hier wie in Holstein große VolkSver- sammlungen statt, in welchen der Parteigenosse Liebknecht refe- rirte. Die erste dieser Versammlungen tagte am 31. Juli zu Altona. Liebknecht sprach daselbst über daS neue Parteiprogramm und über die Nothwendigkeit der zu Gotha vollzogenen Vereinigung, indem er zugleich den Fortschritt, der durch diese Vereinigung in- nerhalb der Arbeiterbewegung Deutschlands erfolgt ist, beleuchtete. Am 1. und 3. August hielt Liebknecht zu Hamburg zwei Vorträge über den sozialen Inhalt der ersten französischen Revolution. In dem ersten Vortrage gab Redner einen summarischen Ueber- blick über die französischen Zustände im vorigen Jahrhundert und den Verlauf der Ereignisse bis zum Sturm auf die Tuilerien am r 10. August, überall auf den Zusammenhavg der intellektuellen und Ordnung. Also die Besprechung des NormslarbeitStageS gefährdet materiellen Entwickelung hinweisend. Der zweite Theil e thielt eine genaue Analyse der Parteien, welche nach einander ihre Sitze aus der äußersten Linken mit der obersten Regierungsgewalt wech- selten. Besonders interessant und originell waren die Cha- raheristiken der in der Geschichte der Revolution hervorragenden Männer. So wurde Mirabeau, dieser intriguante und bestech- liche Schönschwätzer, welcher„der Liebling der Historiker Häußer, Sybel k.", der Glorie entkleidet, mit welcher tendenziöse Geschicht- schreibung ihn bis zum heutigen Tage umhüllt hat; so wurde Marat, der scharssinnige Journalist und eifrige Volksfreund, zu Ehren gebracht, und während der Redner sich eines endgültigen Uriheils über Danton enthielt, reinigte er ihn doch von dem Schmutz, mit dem eiue feindliche Presse ihn bis dahin allen sym- pathischen Regungen der Leser der Revolutionsgeschichte unnahbar gemacht hat. RobeSpierre, dieser getreueste und konsequente Schü- ler Rousseau'S, wurde der Versammlung in seiner wahre» Gestalt gezeigt, und ohne die bedeutende Persönlichkeit RobeSpierre'S an- zutasten, wies der Redner noch nach, wie dieser Mann, welcher mehrere Jahre der Revolution voranmarschirte, schließlich, unfähig, die Macht der Revolution in einer Verwirklichung der GleichheitS- idee erblicken zu können, denselben Weg— zum Schaffot— gehen mußte, den er die Träger dieser Ideen, die Hcbertisten, die Vorläufer der modernen sozialistischen Propaganda, geschickt hatte.— ES ist uns unmöglich, in diesem kurzen Bericht die Fülle des Vor- träges, welchem die großartige Versammlung mit stets steigendem Interesse folgte, auch nur annähernd anzudeuten. Der Redner, welcher hier und da Schlaglichter auf gegenwärtige Zustände warf, entrollte mit dramatischer Lebendigkeit ein Bild dieser Tragödie, und Hunderte von Arbeitern werden augeregt worden seiu, sich mit neuem Eifer an das Studium dieser großen Geschichtsepoche zu machen. Montag, den 2. August sprach Liebknecht in Kiel über den Untergang des Mittelstandes. Nach Berichten aus Kiel war diese Versammlung sehr gut besucht. Redner begnügte sich in der- selben nicht mit der Darlegung der wirthschasllichen Kräfte, welche den Mittelstand vernichten, sondern erörterte auch des Näheren die Prinzipien der Sozialdemokratie. Die Donnerstag, den 5. August zu Ottensen stattgehabte Versammlung war ebenfalls zahlreich besucht. Liebknecht sprach über die Arbeit, als die Er- zevgerin aller Werthe und alles ReichthumS, sowie auch der Cul- tur. Er bewies die Nothwendigkeit einer sozialistischen Organi- faUon der Arbeit und führte vor Allem auS, baß die Ardeiterbe- wegung nicht eher des Sieges gewiß sei, bis sie ihre Gegner wissen- schastlich— auf dem Gebiete des Gcisteskampfes— überwunden die öffentliche Ruhe und Ordnung. Lieb' Vaterland kannst ruhig fein, bald wirst du im Franz-JosesSland sein, denn hinter Ruß- land bist du schon— da daS, was in Rußland Fabrikanten be- schließen(Normalarbeitstag) ist in Oestreich staatSgefährlich. Der Einberufer konnte aber das Verbot nicht bekannt geben, da er Ar- beiter ist und in Oesterreichein Vagabnndengesetz epistirt, wo noch jeder Arbeiter, welcher nicht arbeitet, rundweg als Vagabund in feine Hcimath trauSportirt wird, um dort verhungern zu können, während- dem gerade jene, welche das Gesetz geschaffen haben, das ganze Jahr herumlungern. Der Einberuser wollte gerade daS Verbot bekannt geben, als ein Polizist kam und nach dem Vorsitzenden fragte, woraus ihm erwidert wurde, daß eS keinen gebe. Der Ein- berufer gab hierauf im Beisein der Polizisten daS Verbot bekannt, worauf sich mehrere Arbeiter mit den Polizisten entfernten und wir inS Gastzimmer gingen. Aber bald kamen wieder Arbeiter und hinter ihnen auch schon ein Cvmmissar mit einem Polizisteu, und forderte uuS auf, d»S Lokal zu verlassen; eS wurde ihm be- schieden, daß nichts vorkomme, worauf er fortging, aber gleich wieder mit 5—6 Mann hoch zurückkam und unS abermals auf- forderte, daS Lokal zu verlassen, widrigenfalls jeder Ungehorsame verhastet werde, denn er sei mit einer Macht hier. Die Wirthin sah dadurch ihr Geschäft gefährdet und prolcstirte gegen ein solche« Vorgehen; daS nützte, und der Cowmissarius verließ hierauf unter Zurücklassung eines Mannes, der uns beaufsichtigen sollte, da« Lokal. Für den 1. August wurde abermals eiue Versammlung einberufen, aber auch diese wurde verboten«ud warten wir noch heute aus den ministeriellen Bescheid. Wir stellen daher die Frage an die„Volksvertreter�, ob nach all den Vorkommnissen Oester- reich daS Recht hat, sich konstitutionell zu nennen, und wozu dem österreichischen Volke daS Geld auS der Tasche geraubt wird, um „Volksvertretern" pro Tag 10 fl. zu geben, wenn Minister, Statt- Halter, Polizei- und sonstigen Behörden, die von den„BolkSver- tretern" geschaffenen Gesetze, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden, ganz nach Belieben befolgen oder uicht. Au daS öfter- reichische Volk, insbesondere aber die Arbeiterschaft möchten wir den Mahnruf richten: Wachet ans auS Eurem Scklase und öffnet Augen und Ohren, um zu sehen und zu hören, auf welch' schändliche Weise Ihr betrogen und bestvhleu werbet. Verharret nicht in dem Glauben, daß alle« Gute von oben komme, denn Beweise sind zu Tausenden da, daß man von einer Bourgeois- Regierung nichts zu erwarten hat. DaS Gute muß daher von unten kommen, und das sind wir, die Arbeiter. Darum schließt Euch der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an und scheuet keine Pflugs 0,75. Hamburg: Sozialist. Verl. 0 50; Schubmacher- Gew. 1,10. Hannover: Metallarb. Gew. 0,70; Wahlver. 3,20. Für Juni und Juli. Altona: Arb.-Part. 3,90.; Schuhm.- Gew. 0,90.; Dohne(Aufs.) ,0,75. Barmen: Ard,> Part. 1,50.; Gießler(Stuhr Adr.) 0.50. Kühl(Sollest.-Leser) 0,60.; A. Bergmann 7,50. Bielefeld: Heitbrink (Polkevers.) 0,80. Berlin: Gorie(gesund. Brieftasche) 1,25.; Ton- cordiaver.(Fest) 5,00.; Baumann(Naturfreunde) 1,25.; Holzarb.-Gew. 4,30,; Assoz.-Druck. 16,10.; Bbttcher-Ber. 0,80.; Wahlverei« 19,90, Klcmpuerverein 3,70.; Schneiderverein 4,30. Cöln; Holzarb.-Gew. 1,00. Tonstanz: Waßmer. 0,60. Toburg: T. Krämer 0,50. Dort- «und: Wahlverei» 1,10. Düsseldorf: Wahlverei» 0,70. El- berfeld' Arb.- Part. 1,50. Essen: Ztgskommisfiou 1,00.; Arb.« Partei 1,00. Frankfurt a. M. Schreiner- Kräuzcheu 1,00. Geier: Demmler(Landpart.) 1,00. Gera: Arb.-Part. 0,50. Großenhain: Arbeiter. Partei 0,60. Hamburg: Tigarrenarbeiter- Berein 2,40. Metall- »rbeüer 0,60. Holzarbeiter- Gewerkschaft 1,90.; Schuhm.- Gew. 2,50. Harburg: Steffens(Gem. Zufammenkuufl) 0,75. Laugendreer: Bergarb. 0,50. Mannheim: Arb.-Part. 2,00. Markranstädt: Arb.-Ber. 0,40. Meerane: Bolkaver. 6,00. Reustadt a. H.: A. Grabler 2,00. XomanShorn: Arb.- V. 1,25. Straßbnrg: ®. Dautzer 0,90. Stuttgart: Arb.- P. 3,00. Sofortige Zahlung obiger Beträge wird umsomehr erwartet, al» Annoncen von Restanten— über einen Monat— nicht mehr Aufnahme finden. Privatannoncm werden nur aufgenommen, wenn der Betrag in Briefmarken beiliegt. Reklame« werden nicht aufgenommen. smj Die Kjpeditio» des„Uokstslkaat". habe. AuS einem solchen Siege müsse sich alles Andere unt, Maßregel, verbreitet deren Organe, damit sie das geistige Brod zwingender Nothwendigkeit ergeben. Von Hamburg reiste Liebknecht,! eines Jeden werden, denn nur dann können wir unser Ziel erreichen, der vor seiner Ankunft im Norden schon zu Hannover in einer!wenn wir einig sind, und Einigkeit ist Macht und Macht führt Wählerversammlung gesprochen hatte, über Brauuschweig, wo�m Sieg. Mehrere Sozialdemokraten. er am 7. August sprach, und Uber Wolfenbüttel, wo er anr Kopenhagen, 23. August. Indem ich Ihnen hiermit das g. August eine Versammlung abhielt, wieder zurück nach Leipzig. �Hauptverzeichniß über die eingekommenen Beiträge auS Deutsch- Haffentlich wird seine AgitationSreise gute Früchte tragen.— Um fand für den hiesigen Cigarrenarbeiterstrike zusende, bemerke ich zu nun noch Einiges auS Hamburg zu berichten, wollen wir zuvörderst der Freundschaft gedenken, mit«elcher die„Reform" den großen „Schmidt", zünstlcrischen Reichstagsabgeordneten für die Freihan- delsstadt Hamburg, in ihren Spalten angenommen hat. Schmidt hat nämlich sein giftiges Ich in eine Broschüre ausgegossen, worin er auf eigne Faust die Fragen der Reichs-Enquete über Gesellen- und LehrlingSwesen beantwortet. Die„Reform" hat dies„schätz- bare" Schriftstück auszugsweise veröffentlicht, um eS nun vom gleich, daß der von mir am 20. d. M. gemeldete Strike der Cigarrenmacher in Fridericia schon gestern siegreich für die dortigen Arbeiter zu Ende gebracht ist. Wir danken nochmals unfern deutschen Parteigenossen für die unS erwiesene Theilnahme; unser Kampf ist auf allen Punkten von glänzendem Sieg begleitet gewesen. Hauptverzeichniß: Hamburg, durch Kotkamp 635 Mark, Hanau, durch Philipp Spahn 99 Mark, Flensburg, durch Th. streitbaren Lindwurm abthun zu lassen. So viel für heute vom Piding 47 Mark 35 Pf., Rendsburg durch Rohlff« 14 Mark sozialen Kriegsschauplatz. Aus unserem politischen Kampfplatz, �5 Pst, Neumark in Schlesien durch H. Schwemme 6 Mark 80 Pf., so weit er im Kreise unserer fünf Kirchthürme liegt, herrscht jetzt Berlin durch Mehnert 120 Mark, Mannheim durch Albert Stille. Die Sommerferien gebieten Ruhe und entkräften einzelne zo Mark, Harburg, durch Heuer 9 Mark 85 Pst, Braunftweig, unserer vaterstädtischen RegierungSväter so sehr, daß z. B. der! durch Hosch, Färber und Ehemann 126 Mark 60 Pf., Ellrich, Senat eine Sedanfeier anordnet, jedoch kein Geld zum Festzuge � durch Hütt 5 Mark, Burgdam bei Bremen, durch LöhrS 15 Mark, der Kricgervereinc bewilligt. Letztere Vereine sind darob in Henleu; Hannover durch Schüler 12 Mark. Summa 1120 Mark 85 Pf. und Zähneklappen verfallen und-s ist nicht unmöglich, daß sie Mit sozialistischem Brudergruß. P. S. Johnsen. ursern Senat wegen Mangel an Patriotismus bei Bismarck ver- /ondo«.(Zur Lage der deutschen Proletarier in London.) klagen. So geht's, wenn Leute kein Geld und doch große Fest-! Von allen in London lebenden deutschen Arbeitern ist wohl keine rosinen in der Tasche haben. Aber eS geschieht ihnen schon recht,'Arbeitsbranche in so gedrückter Lage als die der Bäcker. Nicht denn das deutsche Reich braucht sein Geld nöthiger, als den Jubel nur, daß ver ausländische Arbeiter, gleichviel welchen Handwerks, seiner„Krieger". Der süße Wein der Eroberungen von 1870 höchst selten in seinem Metier Beschäftigung erhält und so ge- uno 1871 gab halt den sauren Essig der Defizite unserer Tage! �öthigt ist, als Bäcker in oft 20-stündiger schwerer Arbeitszeit in Aägerndors. �(Oestreich.) Wir warnen �lle Manufacturarbeiter dreist ungesunden unterirdischen Backhäusern seiu trauriges Leben vor Zuzug nach Jägerndorf, indem hier Arbeitskräfte im Heber fl»sse vorhanden sind. Man will durch Anlockung von Arbeitern die ohnedies kleinen Löhne durch überzählige Arbeitskräfte noch mehr herunter drücken. I7B. Alle arbeitcrfreundlicheu Blätter werden ersucht, diese Zeilen in ihr Blatt aufzunehmen. Salzburg, 10. August.(Wie es in Oesterreich um die„Frei- heit" bestellt ist.) Als im Jahre 1867 ein Vereinsgesetz geschaffen wurde, glaubte man, eö sei jeder Staatsbürger berechtigt, selbiges zu benutzen. Wir glauben es auch heute noch, aber die Herren Minister, Statthalter und Polizisten sind der Meinung, daß nicht daö Gesetz ist, was auf dem Papier steht, sondern ihr Wille, wa« wir mit Folgendem beweisen wollen. Jedermann wird wissen, zu fristen und seine Gesundheit zu ruiniren, so ist auch die Be- Handlung meistens eiue wahrhaft empörende. Bedenkt man, daß ein Gehülfe, der sich Abends 11 Uhr zur Arbeit vom Bette er- hebt, mit nur wenigen Minuten Unterbrechung, die eben zum Essen gewährt sind, bis oft des andern Nachmittag» 7 Uhr, also volle 20 Stunden an der Arbeit steht; bedenkt man serner, daß derselbe sich für seine paar Schillinge(10— 20 Schillinge— 10—20 Mark pro Woche ohne Berköstigung) nicht einmal ein passables Esse» verschaffen kann und Viele deshalb von»icht» als Brod und schwarzem Kaffee oder höchstens einem selbst zubereiteten Schnitt- lein Fleisches leben; bedenkt man endlich die schweren Lasten, die ein solcher Lastescl den Tag über oft stundenweit auf dem Kopfe wegschleppen muß, so wird mau sich gewiß klar sein, daß ein solcher K:iesr»stes der Redaktion: M. in Brannschweig: Ihre Einsendung wird berückfichtizt werden. Unser unverbrüchlicher Grundsatz ist, jede An- schauung innerhalb der Partei zum Ausdruck kommen zu lassen; der „Bolksstaat" ist nicht Monopol irgend eines„Unfehlbaren;" er ist Par- teiorga», und soll außer dem politischen auch das geistige Leben der Partei treu widerspiegeln. Andernfalls würde er seine Aufgabe nicht er« füllen. Quittung der Expedition: Bon A Trlmnn Berlin Ab. 100,00. Bch Duisburg Ann. 3,00. Arbeiter»». Thonberg Schr. 1,25. Rndt hier Schr. 2,80. Rßur Dresden Ab. 4,00. Klt Osnabrück Schr. 3,20. KrS Offenbach Schr. 6,78. Br Frankfurt Schr. 37,05. Bergarbeiter Dortmund Ann. 0,90. W Uelzn New- Jork Ab. 55,77. Schstr Lindenau Schr. 1,64. Kfmun Hannover Schr. 23,73., Ab. 45,00. Tnnrt Niederrabenstein Ann. 2,25. Krs München: Die bewußten 30,00. für G. sind Ihnen unterm 3. Juli gutgeschrieben. Plr Graz Ab. 2 00. Kttlr Sangerhausen Ann» 0,70. Schr. 9,00. Db. A Tomp. Frankfurt Ann. 6,00. Die in vor. Nr. quittirre Annoncenberrag. I Endr« Augsburg: Muß statt 11,50., 17,50. heißen. Anzeigen 2c» Bekaxutmachnng. Die zahlreichen Verluste, die uns durch Nicht- zahlung von Annoncen bisher erwuchsen, machen es nöthig, daß vom 1. Oktober d. I. an Annoncen nur aufgenommen werden, ivenn der Betrag dafür beiliegt oder eine größere Summe für Annoncen de ponirt ist. Zur annähernden Berechnung des Betrages kön neu 10 einfache Worte auf eine Petitzeile gerechnet werden. Bezüglich der Preisberechnung verweisen wir auf den Kopf des Blattes. Leipzig, 25. August 1875. Mit Genehmigung des Vorstandes Die Expedition des„Bolksstaat". daß im vorigen Jahr die Vereine hier aufgelöst wurden. Der Mensch unfehlbar einem frühen Ende entgegengeht. Und selbst Fachvercin der Schneider und der Schuhmacher ergriff hiergegen Sonntag», wo alle andern Menschen sich der Ruhe erfreuen, steht Reknr» bei dem Ministerium, welcher aber nach Verlauf eine»'per arme Backsklave noch im Backhause, um deu Meister um einige halben JahrcS abschlägig beschiedeu wurde. Seit dieser Zeit Pfennige für herzurichtende DinerS zu bereichern. Obschon die wurden Statuten zur Gründung eines allgemeinen Arbeiter-, eines englischen Gesetze jedwede Arbeit am Sonntage verbieten, scheine» Holzarbeiter- und eines SchuhmachervereinS eingereicht, aber auch sie jedoch aus den Bäcker keine«uSd-hnung zu haben. Der Bäcker die Statuten wurden mit der Motivirung zurückgewiesen, die Ver- scheint nicht zu der civilisirten Gesellschaft zu gehören. Er muß, eine könnten dieselbe Tendenz verfolgen, wie die aufgelösten, pamit der Meister in ein paar Jahren mit wohlgesüllter Kaffe in Na» glauben wir aber, daß ein Statthalter kein Prophet ist, und Ruhestand treten kann, für ein paar lumpige Schillinge seine Ge- auf die bloße Ahnung hin, daß die Vereine daffelbe befolgen sundheit opfern. Zwei Drittel der Patienten de» German(deutschen) könnten, auch nicht das Recht hat, die Statuten zurückzuweisen. Gospital'sbefiehenzumeist auS brustleidenden deutschen Bäckergehülseu. Auf diesen Glauben gestützt, ergriffen wir Rekurs, aber bis heute— Ms Schreiber dieses, in London angekommen, selbst gezwungen sind wir ohne Antwort, denn eS scheint, daß den Herren, wie man war, längere Zeit diese Sklavenarbeit zu verrichten, und gegen die auS den TageSblätteru entnimmt, die Landpartien, DinerS und schmähliche Behandlung in der deutschen Londoner Zeitung„Her- Souper» viel lieber sind als Staatsgeschäste, denn wegen de» ge- mann" ankämpfen wollte, geruhte diese, wie mir später bekannt meinen Pöbels werden sich die Herren nicht von den Belustigungen wurde, mit dem Reptilienfond in naher Beziehung stehende, früher ni.B Geldgeschäften bei den verschiedenen Unternehmungen abhalten sehr freisinnige Zeitung allen darauf bezüglichen Einsendungen als lassen. Wir haben aber auch keine Hoffnung, daß uns die Re- mit ihrer Tendenz nicht verträglich die Ausnahme zu verweigern. kurse nützen, denn wir haben Beweise an den Versammlungen. So steht eS um die deutschen Arbeiter hier zu Lande. H. Wir haben bereits einige zwanzig Versammlungen mit den un- schuldigsten Tagesordnungen einberufen, aber alle wurden verboten. Bei einigen BersammlungSverboten wurde rekurrirt, aber größten- thcilS wurden wir zurückgewiesen, und, wie eS jetzt den Anschein Hai, wandeln unsere Rekurse in den Papierkorb. So wurde z. B. zu Weihnachten eine Volksversammlung einberufen, verboten, re- kurrirt und bis heute ist noch kein Bescheid hier. Für den 24. Juli d. I. wurde abermals eine Versammlung einberufen mit der Ta- gesordnung:„Der Normal- Arbeitstag mit Rücksicht auf die ge- werblichen Verhältnisse". Die Versammlung wurde aber abermals verboten und zwar nach§ 6 des Versammlungsgesetzes vom Samstag, den 4. Sept., Abends halb 9 Uhr: Geschloffeue Sozialisteuversammluug, bei Bierbrauer Linder, isrüher Blosfeld). Da in dieser Versammlung wichtige Parteiangelegenheiicn zur Be- sprechuug lammen, ist es nothwendig, daß alle Parteigenossen erscheiueu. Karte legitimirt._(2a) J, A.: K. Hirth. s60j � Die Rheinisch- Westphälische Bergarbeiter- Konferenz findet am Sonntag, den 5. September im Lokale des Herrn Hirse, Weberstraße statt. T.-O.: Feststellung de« Statut» znr Grüuduug eine» Allgemeinen deutschen Sergarbeiter- VerbaudeZ. Aller Orten, wo Bergleute vertreten find, werden dieselbeu ersucht, am genannten Tage zur Stelle zu sein»m zu diesem so lang ersehutcM Bunde mitzuwirken.__ DaS Comit«._[80] Sonntag, den 5. September, Abends 7 Uhr im Pfuhl' scheu Lokal, Zeil 47' Augsburg Dortmund Fruukfurt a. M. Laffalle's Todesfeier. Sämmtltche Sozialisten mit Angehörigen werden ersucht, zahlreich Z" erscheine». Entrö 20 Pf.(2a) Das Camitö. 1175] An schulden: Auuoueengebühreu Für Rouat März 1875: Berlin: Zabel 1,50. Tigarrenarb.-Ver. 0,70. Für Monat April. Töln: Stemm.-Her. 2,45. Hamburg: Wolf 0,50; Schuhmacher- Gew. 0,80. Iserlohn: Tölke 3,70. Wiesbaden: Arb.-Part. 0,60. Für Monat Mai. Braunschweig: Maurer- und Zimmergew. 2,25. Berlin: Tigarrenarb.-Ver. 0,20; Metallarb.- Gew. 0.90. Bremen:»llgcm. Vk" Montag, den 6. September, Abends halb 9 Uhr, im Lokale des Herrn Hübner, gr. Aosenstraße 37: Generalversammlung de? Kranken- und Sterbe- NnterstützuugS- Vereins der Hambnrget; Schuhmacher. T.-O.: 1) Jährlich« Abrechnung.— 2) Wahlen.— 3) Verschiede« Anträge. Der Vorstand. XL. Karten müssen bis Juli gestempelt sein und vorgezeigt werde» Alle Mitglieder müssen erscheinen. s90�j Mittwo ch, 1. September, Abends halb 9 Uhr,« � �Kletts GesellschastSgarlen, Wexstr. 48: Ocffentliche Schneiderversammlung. Tagesordnung: Vortrag von Auer. Keiner darf fehlen. I. Boß.(50] 15. November 1867 wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe und deutscher Arb.-Ver.(Fest) 1,25.(Marschtour) 0,80. Barmen: Haß öeiÜUfl Buchbinder-Verein. Die Feier unsere«„guten AoatagS", bestehend in To� crt und Ball, findet Mmtag, den 6. Sept. im Apollosaal statt, s Programme find zn haben am Eingang de» Saale». Freunde und Gönner ladet hierzu freundlichst ei». (2b) Der Vorstand.[150]� Qtnirffllt Sozialistische Arbeiter. Partei.. ■O»»« me» Die Mitgliederversammlungen finden von jetzt ab b>' auk weitere» jeden Dienstag, von Abend« 8 Uhr an in der„Bolkd' halle" bei H. Dotzauer statt. D.«. M Verautwortltch» Redakteur: H. Rindt in Leipzig. Redattiou Hoheftraße 4, Expedition Zeitzerstraße 44, in Leipzig. und Verlag der Tenossenschastsbuchdrnckerei in Leipzig. ger od« abs die we: ei» dre teri Art Mel IUI Icho «de die S-s- der pra reis sein auf S-sü vevi Fis. sie stre! »v« Der das deka dötl send und «ebi thed Vehr die »voll d-oll