Erscheint in Feipjiz Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- mngen des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, 8, W. Corner Third and eoates str. Philadelphia. Abonnementspreis für ganz Deutschland 1 M.W Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den Lten u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgtb. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat des Quartals a 54Pf, Organ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 19 Pf.,— Privat- und BergnügungS- Anzeigen mit 2S Pf. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 103. Mittwoch, 8. Septemöer. 1875. ' Karl Marx über StrikeS und Arbeiter-Coalitionen. (Der„Gleichheit" entnommen.) Jedesmal, wenn eine Arbeitseinstellung droht oder stattfindet, welche, wie die jüngst stattgehabte in Brünn, ein Lohnerhöhung erstrebt, wird immer der alte Brei, daß selbst eiu Gelingen derselben sür den Arbeiter nutzlos sei, da eine Lohnerhöhung eine WaarenpreiS- erhöhuug nach sich ziehe und der Arbeiter, was er als solcher mehr verdienen würde, wieder als Konsument auszugeben hätte, stets wieder aufgewärmt und nicht selten von unseren eigenen Partei- genoffen selbst aufgetischt. Wir haben uns deshalb der so angenehmen Aufgabe unterzogen, daSin Marx's„�lisere de IspirilvLoxliik�(Elend der Philosvphie)ent- haltene Kapitel über„StrikeS und Arbeiter- Coalitionen" in'S Deutsche zu Ubertrageu, an deffen Schluß wir einige Erläuterungen geben werden, theilS um Mißverständniffen vorzubeugen(daS Buch erschien 1847), und theilS um den jüngeren Parteigenoffen, die in der politischen Oekonomie weniger bewandert sind, daffelbe leichter begreiflich zu machen. „Misßrs de la philosophie", eine Antwort auf Proudhon's „Contradietions öconomiques ou la philosophie de la misßre" (Oekonomische Widersprüche oder die Philosophie des Elends) ist nie- Mals in deutscher Uebersetzung erschienen. ES ward dies theilS durch die bald nach dem Erscheinen jener Schrift ersolgte Februar- Revolution, theilS durch die daraus folgende heftige Reaktionszeit vereitelt, und heute ist die Schrift durch das„Kapital" glänzend ersetzt. Glänzend ersetzt! Wir wissen wahrlich nicht, ob wir das Recht haben, wenigstens in Bezug auf das Kapitel, dessen Uebersetzung wir unten folgen lassen, diesen Ausspruch zu thun. Hätten wir zwischen diesem Kapitel oder irgend einem auS dem„Kapital" zu entscheiden, würde uns die Wahl ebenso schwer fallen, als jenem Kinde, das auf die Frage, ob eS den Vater oder die Mutter lieber habe, immer„Vater und Mutter" antwortete. Der Leser möge übrigens selbst urtheilen: „Die StrikeS und Arbeiter-Coalitionen. „Jede Steigerungsbewegung in den Löhnen kann keine andere Wirkung haben, als diejenige, den Preis des Getreides, Weins ic. zu erhöhen, das heißt: die Wirkung eines Nothstandes. Denn waS ist der Arbeitslohn? Der Kostenpreis des Getreides w.; der volle Preis jeder Sache. Gehen wir noch weiter: Der Lohn ist die Verhöltnißmäßigkeit der Elemente, welche den Reichlhum bilden und die auf produktive Weise von der Arbeitermasse täglich konsumirt werden. Die Löhne verdoppeln.. heißt also jedem Produzenten(Erzeuger) einen größeren Antheil als fein Produkt(Erzeuguiß) ist, anweisen, was widersprechend ist, und wenn die Steigerung nur eine kleine Anzahl von Jndu- strien trifft, heißt dies eine allgemeine Störung im Austausch hervorrufen, mit einem Wort, einen Nothstand. Ich erkläre, eS ist unmöglich, daß Arbeitseinstellungen, die eine Lohnerhöhung nach sich ziehen, nicht auf eine allgemeine Verthcuerung hinaus- laufen. DaS ist ebenso sicher, als zweimal zwei vier sind."— (Proudbon„Contr. dcon.", Band I.) Wir läugnen alle diese Behauptungen, ausgenommen, daß zweimal zwei vier sind. Erstlich gibt eS keine allgemeine Verthcuerung. Wenn der Preis jeder Sacke zu gleicher Zeit mit dem Lohn um das Doppelte steigt, gibt es keine Aenderung im Preise, sondern nur eine Aen- derung im Ausdruck. Dann kann eine allgemeine Steigerung der Löhne niemals eine mehr oder weniger allgemeine Verthcuerung der Waaren hervor- bringen. In der That, wenn alle Industriezweige dieselbe Anzahl von Arbeitern, im Berhältniß zum stehenden Kopital oder zu den Werkzeugen, deren sie sich bedienen, beschäftigen würden, so brächte eine allgemeine Steigerung der Löhne, ein allgemeines Fallen der Profite hervor, und der laufende Preis der Waaren bliebe unver- ändert. Da aber da« Lerhältniß der Handarbeit zum stehenden Kapital nicht dasselbe in den verschiedenen Industriezweigen ist, so werden alle Industrien, welche beziehungsweise mehr stehendes Kapital und weniger Arbeiter anwenden, ffüher oder später gezwungen sein, den Preis ihrer Waaren niedriger z« stellen. Wenn aber der Preis der Waaren nichl sänke, wird sich ihr Profit über die allgemeine Profitrate erheben. Die Maschinen sind keine Lohnarbeiter. Eine allgemeine Steigerung der Löhne wird daher weniger die Industrie- zweige treffen, welche im Vergleich zu den übrigen mehr Maschinen als Arbeiter anwenden. Die Profite, die sich über das Niveau erheben, können, da die Eoncurrenz immer darauf hinausläuft, dieselben gleich zu machen, nur vorübergehend sein. So wird, einige Schwankungen beiseit», eine allgemeine Lohnsteigerung, an- statt, wie Proudhon sagt, eine allgemeine Vertheuerung, ein theil- weise« Fallen mit sich bringen, d. h. ein Fallen im laufenden Prei« der Waaren, die vorzugsweise mit Maschinen hervorgebracht werden. DaS Steigen und Fallen de» Profit« und der Löhne drücken nur das Berhältniß au«, in welchem die Kapitalisten und Arbeiter au dem Erzeugniß eines Arbeitstages theilnehmen, ohne in den meisten Fällen Eil fluß auf den Prei« des Erzeugnisse« zu haben. Daß aber„die von einer Lohnerhöhung begleiteten ArbeitSeinstel- lungen auf eine allgemeine Vertheuerung, einen Nothstand selbst hinauslausen"— dicS sind Ideen, die nur dem Gehirn eines verkannten Genie« entspringen können. In England haben die Arbeitseinstellungen regelmäßig zur Erfindung und Anwendung neuer Maschinen geführt. Man kann sagen, daß die Maschinen den Kapitalisten als Waffen dienten womit sie besonder« die in Empörung stehende Arbeit zu Boden, schlugen. Die größte Erfindung der modernen Industrie, die Lelf- acting-mnle(Spinnmaschine), machte die revoltirten Spinner kampfun- sähig. Wenn die Coalitionen und Arbeitseinstellungen keinen andern Erfolg hätten, als dieAnstrengungen deS Er find er- Genie S gegen sich wach- zurufen, immerhin würden sie einen unermeßlichen Einfluß auf die Entwickelung der Industrie ausüben. „Ich finde— fährt Proudhon fort— in einem von Herrn Löon Faucher im September 1845 veröffentlichten Artikel, daß die englischen Arbeiter seit einiger Zeit die Gewohnheit der Koalitionen verloren haben, waS sicherlich ein Fortschritt ist, worüber man sie nur beglückwünschen kann; daß aber dies« Besserung des sittlichen Geistes der Arbeiter besonders ihrem ökonomischen Unterricht geschuldet ist. Die Löhne hängen nicht, rief ein Spinner auf der Versammlung in Bolton, von den Fabrikanten ab. In drückenden Zeitpunkten sind die Meister sozusagen nur die Peitsche, womit sich die Roth bewaffnet, und ob sie wollen oder nicht, sie müssen schlagen. Da« regulirende (ordnende) Prinzip ist das Berhältniß des Angebots zur Nach- Gouverneur wenig— eine Bekanntmachung ist in Neu-Caledonien ein Gefetz. DaS Gesetz ist erschienen, also muß die Arbeit gehen. Zu gleicher Zeit theilt man fünfzig Spaten und ebenso viele Rechen au« und nun hat man eine blühende Colonie, die sich sichtlich entwickeln wird! Hat man nicht durch jenes Dekret dem Handel und der Industrie einen Impuls verliehen? Hat man nicht für die Bebauung de» Lande« gesorgt, indem man einige Acker- geräthe zur Vertheilung brachte? Diese Menge von Menschen wird arbeiten, wird produziren— wa« braucht eS weiter? Und da sie produziren können, so brauchen wir sie nicht länger zu er- nähren. Und schnell wird ein zweiter Abklatsch deS ministeriellen Briefes angeschlagen, jene« Meisterwerks betrügerischer und falscher Gesetzesauslegung, und dedroht auf« Neue die Gesammtheit der Deportirten. Ich sende Dir eine Copie dieses Erlasses, den ich dem„Moniteur" von Neu-Caledonien entnehme. DaS, mein lieber Freund, sind unsere Aussichten für die Zu- kunft: man erwartet von einem Augenblick zum andern die Ent- ziehung der Lebensmittel für alle Deportirten; Du siehst, diese frage, und die Meister haben nicht die Macht.'... Da« läßt sich hören, ruft Herr Proudhon auS, daS sind wohl dressirte (abgerichtete) Arbeiter, Musterarbeiter w. rc. rc. Dieses Elend fehlte noch in England; es wird nicht die Meerenge überschreiten." (Proudhon„Contr. �cob.", B. I.) Von allen Städten Englands ist Bolton diejenige, wo der Radikalismus am meisten entwickelt ist. Die Arbeiter BoltonS sind als die revolutionärsten bekannt. Zur Zeit der großen Agi- tation, welche in England für die Abschaffung der Korngesetze stattgefunden hat, glaubten die englischen Fabrikanten sich gegen die Grundbesitzer nur behaupten zu können, indem sie die Arbeiter vorschoben. Da aber die Interessen der Arbeiter denen der Fa- brikanten nicht weniger entgegengesetzt waren, al« eS die Interessen der Fabrikanten denen der Grundeigenthümer gegenüber waren, war eS natürlich, daß die Fabrikanten in den Arbeiter- Versamm- lungen Niederlagen erleiden mußten. WaS thaten nun die Fabri- kanten? Um den Schein zu retten, veranstalteten sie Versanim- lungen, die zum großen Theil aus Werksührern, der kleinen Zahl von Arbeitern, die ihnen anhänglich waren, und von eigentlichen Geschäftsfreunden zusammen gesetzt waren. Wenn dann die wirk- lichen Arbeiter eS versuchten, wie in Bolton und Manchester, daran theilzunehmen, nm gegen diese erkünstelten Demonstrationen zu protestiren, verbot man ihnen den Zutritt unter dem Vorwand, daß dieS nur ein„Tiolret meeting" wäre. Man versteht unter diesem Wort Versammlungen, zu welchen nur die mit Eintrittskarten (tlohets) versehenen Personen zugelassen werden. Die Maueranschläge hatten jedoch öffentliche Versammlungen angezeigt. Jedesmal, wenn solche Versammlungen stattfanden, brachten die Fabrikantenblätter einen hochtrabenden und ausführlichen Bericht über die Reden, die dort gehalten wurden. ES ist selbstverständlich, daß e« Werksührer waren, welche diese Reden hielten. Die Londoner Zeitungen haben sie wörtlich wiedergegeben. Herr Proudhon hat daS Unglück, die Werksührer sür gewöhnliche Arbeiter zu halten und schärft ihnen den Befehl ein, nicht die Meerenge zu überschreiten. Wenn in den Jahren 1344 und 1845 die Arbeitseinstellungen weniger die Blicke auf sich zogen, als dies früher der Fall war, kommt dies daher, daß 1344 und 1345 die beiden ersten Jahre der Prosperität waren, die eS für die englische Industrie seit 1837 gab. Dessen ungeachtet hat sich keine der Trades-uBious(GewerkS- genossenschasten) aufgelöst.(Forts, folgt.) AuSsickten sind nicht glänzend. Ich frage Dich: handelt es sich Bv« der„trockene« Gnillotine". (Fortsetzung statt Schluß.) Pritzbuer stattet unmittelbar nach seiner Ausschiffung dem Lager der Deportirten seinen offiziellen Besuch ab. Er wird mit Reclamationen und Beschwerden bestürmt, namentlich von Sei- ten der Fraueu, welche ihre Effecten von ihm verlangen— seit ihrer Ankunft sind ihnen dieselben nicht zu Gesicht gekommen. Diejenigen, welche frei sind, verlangen nach Noumea zurückkehren zu dürfen wie früher. Herr Pritzbuer ist ein sehr höflicher, sehr liebenswürdiger.. zu liebenswürdiger Manu; er antwortct auf Alle«, er verspricht Alle«, aber er hält nichts. E« war leicht zu erkennen, daß er unter der Maske der Höflichkeit die Eigeufchast verbarg, welche man befitzen muß,»m der TypuS de« reinen Je- suite» zu sein. Ich sage„Jesuiten"— er ist e« unstreitig. Er hat die protestantische Religion abgeschworen, um Katholik z» werden: ein Umstand, der, wie man sagt, in persönlichen Jnter- essen seine Erklärung findet, der aber auch die Veranlassung war, daß die Jesuiten von Noumea gerade ihn verlangt habe»— sie regieren ja eigentlich. Doch weiter. Endlich läßt er, seine Ler- sprechungen entkräftend, in einer Nummer de«„Moniteur" be- richten, daß die Arbeiten wieder ausgenommen werden sollen, und daß er Miliari(Aufseher 3. Cl.) zum vermittelnden Agenten zwischen den Arbeitern der Halbinsel und den Kanfleuteu von Noumea ernannt hat. Eine zum Spott herausfordernde Ab- geschmacktheit! al« ob eiu alter Soldat von 13 oder 20 Sienst- jähren die Fähigkeit besäße, die verschiedenen Handwerke z» ver- treten!?. ladet die Kaufleute ein, sich wegen der Arbeite», die sie den Deportirten übertrage» könnten» an diesen Agenten zu wenden und setzt sie davon in Keuntniß, daß, falls eine Differenz zwischen ihnen und den Deportirten entstehen sollte, die Admini- stratioa die Streitsrage entscheiden werde und daß die Bestellungen baar zu bezahlen seien. Es versteht sich von selbst, daß die Kauf- leute von diesem ungeheuerlichen Vorschlag keinen Gebrauch machten. Die Arbeit geht nicht besser als vorher. Aber das kümmert den hier nicht um einen strafbaren Plan, um die durchdachte und vor- sätzliche, consequent verfolgte Absicht, un« zu einer Revolte aus- zureizen und uns dann zu vernichten? Alle Welt ist mit sich selber darüber im Reinen, daß eS so ist— aber man hütet sich wohl, ihnen die Weiche zum Stoße darzubieten. E« wäre doch so hübsch und glatt, die wehrlosen CommunardS zusammenzukar- tätschen und die Ueberlebenden nach dem Bagno, auf die Galeeren zu senden! JedeS Mittel ist ihnen recht,— der Zweck heiligt die Mittel, sagt ihr Herr und Meister Ignatius v. Loyala. Wir weichen der Schlinge aus— eine andere Waffe zu unserer Ver- theidigunz haben wir nicht. P. befindet sich im Gefängniß. Ich sagte Dir oben, daß man Frauen nicht bloS der Lebensmittel beraubt, sondern sse offiziell öffentlich insultirt hatte— ihre Männer haben ihre Bertheidiguug übernommen, Andre haben gegen die Verfügung protestirt, welche ihnen die Lebensmittel entzog— das ist ihnen übel bekommen. Sie wurden auf der Stelle verhaftet und eingesperrt, und blieben eS zwei Monate lang ohne verhört und abgeurtheilt zu werden. Die„lettre» de oaohet"*) spielen in Numbo dieselbe Rolle, wie unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. in der Bastille. Endlich hat man verurtheilt: F. zu 6 Monaten Gefängniß und 500 Fr. Geldbuße; L. 18 Monate Gefängniß, 3000 sage dreitausend Fr. Buße und 10 Jahre Beaufsichtigung; C. dieselbe Strafe wie L.» weil er dagegen protestirt hatte, daß man ihn der Lebensmittel beraubte; M. 3 Monate; D. 3 Monate; F. 3 Monate oder 3 Jahre— genau hat man es noch nicht erfahren können. All« diese armen Teufel klopfen jetzt aus der Chaussee Steine. G., Gi., Gu., Al., A«., Ba. sind seit länger als 6 Monate» hinter Schloß und Riegel; man läßt sie in luftlosen Zellen schmoren. DaS ist grausam! Diese Deportirten werden beschul- digt, eine Barke gebaut zu haben, welche man in der Bucht ge- sundcn hat. Diese« gebrechliche Fahrzeug würde schon von der Last eine« Menschen umschlagen— sie werden beschuldigt, aus demselben nach Australien haben fliehen zu wollen, und man findet eS nicht für nöthig, ihnen ein Urtheil zu sprechen. Ich habe Dir zu sagen vergessen, al« ich die Beschwerden der Frauen anführte, daß die meisten nicht» mehr besaßen, womit sie sich bedecken konnten; eine war gezwungen, sich mit einer Hose und einer Blouse ihres Mannes zu bekleiden, um ihre Blöße zu be- decken und in dieser männlichen Tracht im Lager zu erscheinen— sie mußte dieselbe annehmen, da sie ja genöthigt war, Lebensmittel zu„fassen" und andere Kleidung nicht besaß. Seitdem hat man Jeder 6— 7 Meter Judiennc und 2 Paar Schuhe gegeben. Füge diesen Detail» noch hinzu, daß unsere LebenSmitttel von sehr schlechter Qualität und daß die Rationen nnzulänglich sind, und Du hast ein ganz schwache« Bild der Hölle, in welcher die De- portirten ihr Leben hinschleppen. Die Meisten»on uu« find junge Männer, in der Blüthe der Kraft, gewöhnt a» da« Elend und an Entbehrungen aller Art(wären sie daS nicht, sie würden fallen wie die Fliege»), aber trotzdem sind fast Alle leidend. Und wird kein menschliche« Wesen ausstehen, um Anklage zu erheben wegen dieser Mordversuche? Wird man dulden, daß mitten in einem Jahrhundert deS Fortschritts, der Ausklärung und der Civilisation alle rasfinirtesten Folterqualen der Inquisition über Menschen verhängt werden, die man einem langsamen aber sichern Tode entgegeusührt? Ich kann da« nicht glauben— gibt e« doch in allen civilisirtcn Ländern Gesetze zum Schutze selbst der Thiere. Darum habe ich eifrig die Gelegenheit ergriffen, Dir diese Auf- klärungen über«nsere Lage zu geben, damit die Presse sich der- selben bemächtige. E» ist keine Zeit zu verlieren; beeilt euch, wenn nicht die Ge- schichte die Thatsache zu verzeichnen haben soll, daß einige tausend Franzosen, die der Sache der Unabhängigkeit gedient hatten und dafür der Gnade einiger blutgieriger Tiger überliefert worden waren, in einem unfruchtbaren Winkel Neu-CaledonienS unterge- gangen und verschollen sind, ohne daß sich auch nur eine mensch- liche Stimme erhoben habe zu lautem feierlichem Protest gegen eine» solchen Hochverrath an der Menschheit. In Herzlichkeit und Treue (folgen die Unterschrifteu von 17 Deportirten.) (Schluß folgt.) ") Hastbriefe, Berhaftsbefehle, die im alten Bourbonenftankreich will- türlich, oft in blaneo(mit Raum zum Einschreiten eines beliebigen Na- mens) erlassen wurden. Zur KuapPschajtskaffeusrage.*) IL Am 18, Juli sollte die Fortsetzung der„Berathung der Sta tuten sür den projektirten KoappschaftSverband im Lwickauer In fpektionsbezirke" erfolgen. Wir haben bereits in unserer Betrachtung über die erste Ber sammlung gesehen, in welcher Art und Weise eS dem Comits be liebte zu„bcrathen", und kann eS uns deshalb auch nicht beson derS auffallen, daß in dieser Versammlung überhaupt gar nicht „berathen" wurde. Die Versammlung war um 3 Uhr Nachmittag« in dem kleinen Saale des„Deutschen HauseS« zu Zwickau einberufen und von 43(wiederhole dreiundvierziz) Personen, mitsammt dem Comitö, besucht. Statt um 3 Uhr wurde die Versammlung Uhr eröffnet, und bemerkte der in unserem letzten Bericht schon genügend er- wähnte Herr Dinter, daß heute der Vorsitzende aus der Mitte der Versammlung gewählt werden solle, da vor acht Tagen Viele geglaubt hätten, da« Comitö befinde sich im Unrecht, den Vor- sitzenden selbst zu bestimmen. Er schlug Kirch eis(Vorsitzender des Comitös) zum Leiter der Versammlung vor, welcher hierauf den Vorsitz übernahm, trotzdem über ihn nickt abgestimmt wurde. Herr KircheiS bemerkte, daß das Comitö zwar vor acht Tagen nicht im Unrecht gewesen sei— auch der Herr Stadtrath habe es gesagt— und er(K.) hätte auch heute das Recht, unge- wählt zu fungiren; das Comit6 hätte aber sehen wollen, ob denn wirklich sich viele Gegner desselben in der Versammlung befinden. Durch seine„Wahl" sei bewiesen, daß das Comits das Vertrauen der Arbeiter besitze! Herr Dinter ergreift nun das Wort und referirt:„Im Jahre 186S hatle die KaappschaftSkaffenbewegung ihren Anfang genommen. Seit dieser Zeit schon ist man darauf bedacht ge- wesen, die Kasten zu vereinigen. Leider sind die damals der Re- gierung eingereichten Schriften erst im Jahre 1372 zur Berathung gekommen, und schließlich hat das Ministerium des Innern die Anfrage an die Zwickauer KreiSdirektion gerichtet, ob die For- derungen und Beschwerden der Arbeiter begründet seien. Der Herr Kreisdirektor hat die Frage ausdrücklich dahin beantwortet, daß die Forderungen und Beschwerden der Arbeiter begründet seien, und so ist denn nachher die Verordnung hierher gelangt, daß nun- mehr unverzüglich die Bereinigung der KnappschastSverbände im Zwickauer JnspektionSbezirke vorgenommen werden solle. In Folge besten haben die Kreisoerbände eine Verfügung erlasten, in der sie erklärten, in welcher Weise die Vereinigung ausgeführt werden solle. DaS war nun allerdings ein mißliches Verhältniß, da dies von allen KnappfchaftSverwaltungen den Knappschaftsältesten ver- schwiegen wurde. Die Verwaltungen wollten allein vorgehen und die Aeltesten nicht mitwirken lasten. Die Grube von Höhne(?) war nun diejenige, welche die An- gelegenheit den Knappschaftsältesten in die Hand gab. Man lud die Vertreter aller Knappschaftsverbände zu einer Zusammenkunft ein, in welcher ein Comitö gewählt wurde. Das Comitö hat nun der Kreisdirektion Vorschläge gemacht und Statuten ausgearbeitet, und zwar deshalb, um die Arbeiter bei der Vereinigung in Schutz zu nehmen, denn in den Knappschaftsverwaltungen sind sehr wenig Arbeiter, und da« sind wieder solche, die sich nichts zu Schulden kommen lasten wollen. ES wird von einer Partei(der Genossenschaft) bestritten, daß wir das Wohl der Arbeiter im Auge hätten. Ich bin aber über- zeugt, daß die Genossenschaft nichts erringen wird, da die Partei nach dem Liebknecht'schcn Projekt von dem Grundsatz ausgeht, den Bergwerksbesitzern Alles zu überlassen.�) Das würde dann sehr schlimm stehen mit den Arbeitern. Die KnappschaftSältesten vertreten die Interessen der Arbeiter durchgängig, sie sowohl als die Bergwerksbesitzer sind von der KreiSdirektion aufgefordert worden, Statuten zu entwerfen. Wir haben es gethan. Die BergwerkSbesttzer sind noch nicht soweit gekommen, sie haben angefangen, sind aber bis jetzt noch nicht fertig. Wenn die Statuten, die wir entworfen haben, von den Ar- beitern angenommen sind, so werden dann Berathungen zwischeu den Arbeitgebern und Arbeitern stattfinden. Während der Ausführungen des Redners wurden von Zeit zu Zeit die Biolinentöne aus dem angrenzenden Tanzsaal vernehmbar, und war in Folge de« Jnstrumentenstimmen« der Beschluß der Königl. KreiSdirektion, der nun verlesen wurde, nicht zu verstehen. Ebenso war das Verlesen der Vorschläge, die von Seiten des ComitöS der KreiSdirektion gemacht worden waren, unverständlich, da inzwischen nebenan die Tanzmusik ihren Anfang nahm. AuS den einzelnen Sätzen konnte man ungefähr entnehmen, daß sich das Comitä nicht ganz mit den Vorschlägen der Regierung einverstanden erklären wollte. Die Aktenstücke wurden also mit Musikbegleitung vorgelesen, obgleich beim ersten Satz von allen Seiten der Ruf ertönte:„ES ist nichts zu verstehen!" Von da an konnte man bei den anmuthigen Klängen eines gemüthlichen Walzers nur noch aus den Mundbewegungen DinterS ersehen, daß er redete. Jammerschade, daß die Rede nicht verstanden wurde, denn aus den Worten: Freizügigkeit...... Arbeiter..... ic. ist unbestreitbar zu ersehen, daß er noch nicht ganz verlernt hat, für die Arbeiter zu sprechen, d. h. sie der Mühe des Sprechens zu über- heben. Die« ist um so sicherer anzunehmen, da er bei der ein- tretenden Tanzpause seine Rede mit der Betheuerung schloß, daß er sehr wohl wisse, daß eS so nicht mehr lange fortgehen könne, den» die Arbeitgeber wollten die Löhne ganz herunterdrücken. Er könne deshalb nicht einsehe», daß die Arbeiter so leichtsinnig seien und sich nicht zahlreicher betheiligten. Die nicht„leichtsinnigen" Arbeiter aber(die Anwesenden) hatten unterdessen das Lokal verlassen, so daß die„Versammlung" ihr Ende erreichte. Politische«ebersicht. — AuS der Moltke'schen BildungSaustalt. Die„Frank furter Zeitung" bringt in ihrer Nummer 245(Abendblatt) folgende „Mittheilung aus dem Publikum": „Bühl bei Baden, 31. August. Der Umstand, daß in der „Frankfurter Zeitung" schon mehrerer Fälle gedacht wurde, in *) Fortsetzung zu Nr. 95 vom 20. August. Wegen Stoffaudrang verspätet. **) Dumm und unverschämt gelogeu, Herr Dinter I Sie gerade sind «», der den Grubeubesitzern die KnappschastSkassen auf ewige Zeiten überliefern will, während das„Liebknecht'fche Projekt" daraus hinzielt, die KnappschastSkassen den Grubenbesitzern zu entreißen.— Weiteres zur Widerlegung im demnächst(binneu 8 Tagen zum Preis von l'/j Groschen) erscheinenden Bergarbeiterkonferenz. Protokoll. welchen einzelne Civilistea von Exerzier- k. Plätzen durch dlensteifrige Offiziere oder Unteroffiziere wegzcwissen wurden, ver- anlaßt auch mich, heute einen Fall nicht ver Wegweisuug, sonoern der„Wegschaffung" von einem öffentlichen, dem Gesummt- Publikum zugänglichen Platze zur Kenatniß weiterer Kreise zu bringen. Gestern wollte ich bei der 7. Batterie deS bav. Felo- artilleüe-RegimentS, die hier einquartirt war, einen Bekannten, der als Chargirter dient, aufsuchen. Ich traf denselben und va er eben den Tagesdienst der Batterie zu versehen hatte, folgte ich aus seine Einladung zu dem hinter der Kirche gelegenen sogenannten Holzfang, einem ziemlich großen Platz, auf dem um 7 Uhr „Appell" abgehalteu wurde. Es hatten sich noch mehrere Civilisten eingefunden und gegenüber der Front der Mannschaft aufgestellt. An den zur Batterie gehörigen beiden Subalternosfizieren war ich grüßend in nächster Nähe vorübergegangen, und beide hatten meinen Gruß artig erwidert. Kurze Zeit nachher kam der Hauptmann. Nachdem er Jnspection gehalten und zur Aufmunterung de« Ehrgefühls seiner Untergebenen Schimfworte ausge- stoßen, diezu gemeinsiad, als daß die Feder siewieder- geben könnte, bemerkte et mich, der ich etwa 20—25 Schritte von seiner Mannschaft ganz allein aus der Seite stand, während sich die andern Civilisten mit einer Anzahl Kinder ganz nahe an die Mannschaft gedrängt hatten. Mochte nun der Herr Haupt- mann von E. aus meinem Angesicht daS Staunen über seine un- qualisicirbaren Ausdrücke gelesen haben, oder hatte überhaupt sein Scharfblick in mir einen„ReichSfeind" gewittert, genug e« erscholl plötzlich auS seinem Munde der Befehl:„Schaffen Sie mir den Mann weg" und ehe ich eigentlich im Klaren darüber war, wer gemeint sei, kam ein Gefreiter auf mich zu, gab mir einige Stöße mit der rechten Faust vor die Brust und da ich vermöge eines theilweise gelähmten Fußes— Folgen eines vor 4 Jahren erlittenen Schlaganfalls— nicht mit gewünschter Schnel- ligkeit weggehen konnte, wurde ich mit Fauststößen tractirt, bis ich an dem den Platz begrenzenden Fußweg angelaugt war. Nachdem ich auf diese Weise„weggeschafft" war, hielt der Herr Hauptmann von E. eine Ansprache an seine Mannschaft über militärischen Anstand, Zucht und Sitte. Ich stand noch auf dem Flecke, auf den man mich„geschafft" hatte, und wartete das Ende deS Appell'S ab, da ich mir fest vorgenommen hatte, nicht durch übereilte Aeußerungen die Beleidigung zu erwidern. Der Herr Hauptmann v. E. ist geborener Preuße, und da ich Ausgangs der sechziger Jahre selbst das zweifelhafte Vergnügen genoß, unter der Pickelhaube zu stehen, so weiß ich auS Erfahrung, welches Re- sultat die Klagen vom„Civil" gegen die Offiziere in derartigen Fällen zur Folge haben. Ich ziehe eS deshalb vor, den Vorfall zur Warnung für andere„Civilisten" zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, da ich glaube, daß ein noch, über die Grenzen der Be olcheS Verfahren, wenigstens jetzt ugniß eines preußischen Haupb manns geht. Zeugen stehen mir in hinreichender Zahl zu Gebote, um über diese neue Art preußischer Zuvorkommenheit Zeuzniß abgeben zu können. A. H." Ist blos Moltke'sche«Schulbildung". — Die Ergebnisse der Reichsenquete über die Ar- beiterverhältnisse sollen im Lause dieses MonatS„im Reichs- kanzleramt gesammelt werden". Einem„Waschzettel" zufolge „lauten die Berichte über den Verlauf deS ErhebungSgeschäfteS sehr befriedigend, die mit den Aufstellunzen betrauten Personen fanden überall eifriges Entgegenkommen und von keiner Seite sind Schwierigkeiten gemacht worden, wie es allerdings hier und da besorgt wurde. DaS System, nach welchem bei der Vernehmung der Arbeitgeber und Arbeiter verfahr?« wurde, hat sich durchaus bewährt und man hofft dadurch auch auf Erleichterung bei der Sichtung des allerdings sehr umfangreichen Materials, an dessen Hand die Frage der gesetzlichen Regelung der Arbeiterverhältuisse erfolgen soll. Ob und in wie weit eine solche schon für den nächsten Reichstag wird erfolgen können, läßt sich zur Zeit aller- dings noch nicht absehen, doch wird eS bezweifelt. Dagegen wird Werth darauf gelegt, die mitgetheilten Entwürfe über das HülfS- kassenwesen in dieser Session zum Abschluß zu bringen." So weit der Offiziöse. Daß die Berichte„sehr zufriedenstellend" sind— für die Herren im Reichskanzleramt, auch daß das„System sich durchaus bewährt hat"— für die Herren im Reichskanzleramt, das unterliegt allerdings keinem Zweifel. Schade nur, daß diese Herren ganz andere Interessen und folglich ganz andere Anschau- ungen haben als die Arbeiter. — Der neuerdings dem Bundesrath vorgelegte Gesetzentwurf über Krankenkassen rc., betr. die Abänderung des Titels VIII der Gewerbeordnung, lautet: Artikel I 1. An die Stelle des§ 141 der Gewerbeordnung treten nachfolgende Bestimmungen: § 141. Durch OrtSstatut(Z 142) kann die Bildung gegen- seitiger HülfSkassen zur Unterstützung von Gesellen, Gehülfen, Lehr- lingen und Fabrikarbeitern angeordnet und die Gemeindebehörde ermächtigt werden, deren Einrichtung und Verwaltung nach Anhören der Betheiligten zu regeln. „§ 141». Durch OrtSstatut kann Gesellen, Gehülfen, Lehr- lingen und Fabrikarbeitern, welche in einem Gemeindebezirke be- schästigt sind und die Mitgliedschaft einer gegenseitige» Hülsskasse nichtnachweisen, der Eintritt in eine bestimmte Kasse dieser Art zur Pflicht gemacht werden. Wer dieser Pflicht nicht genügt, kann von der Kasse für alle Zahlungen, welche bei rechtzeitigem Eintritt von ihm zu entrichten gewesen wären, gleich einem Mitgliede in Anspruch genommen werden. „§ 141 d. Durch Ortsstatut kann bestimmt werden, daß Ar beitgeber zu den Beiträgen, welche die bei ihnen in Arbeit stehenden Mitglieder einer nach Z 141a durch OrtSstatut bezeich neten HülfSkasse zu entrichten haben, Znfchüsse bis auf die Hälfte jeuer Beiträge leisten, auch die letzteren, soweit diese während der Dauer der Arbeit bei ihnen fällig werden, bi» auf Höhe deS verdienten Lohne« vorschießen. In gleicher Weise kann angeordnet werden, daß Arbeitgeber ihre zum Eintritt in eine bestimmte Hüls« lasse verpflichteten Arbeiter bei dieser Kasse anzumelden haben. Wer dieser Pflicht nicht genügt, kann von der Kasse für alle Zahlungen� welche bei rechtzeitigem Eintritt von den Arbeitern zu entrichten gewesen wären, gleich einem Mitgliede in Anspruch genommen werden. „§ 141c. Die in den§§ 141— 141b, bezeichneten Bestim münzen können von der höheren Verwaltungsbehörde für einzelne Ortschaften oder sür größere Bezirke getroffen werden, sofern dem Bedürsniß durch entsprechende OrtSstatute» nicht genügt wird. „§ 141 ä. Den Bestimmungen der ZZ 141— 141c. unterliegen auch diejenigen bei Bergwerken, AufbereitangS-Anstalten und unterirdisch betriebenen Brüchen oder Gruben beschäftigten Arbeiter und Arbeitgeber, für welche eine sonstige gesetzliche Verpflichtung zur Bildung von HülfSkassen und zur Betheiligunz an denselben nicht besteht. Auf die bei Hüttenwerken beschäftigten Arbeiter und Arbeitgeber, welche den berzgesetzlichen Vorschriften über die Bil- dung von HülfSkassen und ver Betyeiligung an denselben unter- liegen, finden sie keine Anwendung. „Artikel 2. HülfSkassen, in Ansehung derer eine Eintritts- p ficht gewerblicher Arbeiter bei Erlaß diese« Gesetze« begründet ist, werden bis auf weitere Bestimmung der Centralbehörde ver gegenseitigen HülfSkassen im Sinne des Artikels 1 gleichgeachtet. BiS dahin bleibt die Pflicht zum Beitritt, sowie zur Zrhlung von Beiträgen und Zuschüssen, soweit diese nicht über die durch AZ 141a. und 141b. bezeichneten Leistungen hinausgehen, für Arbeiter und Arbeitgeber bestehen. Wenn Arbeiter oder Arbeit- geber ihrer Pflicht nicht genügen, so treten die in§ 141a. und 141b. zu Gunsten der Kassen bestimmten Rechtsfolgen ein." DieS der Entwurf. Also die alten Zwangskassen in neuer Form! Den Arbeitern soll die Verwaltung ihrer Kassen entzozea und die Aröeiterkassen unter die Vormundschaft der Gemeinde- beyörden gestellt werden. Aach sür die Einmischung»er Ar- beitgeber ist gesorgt— kurz Alles, waS die Arbeiter nicht wollen.— ,i — Fabrikinfpec tion. Unsere Leser entsianen sich vielleicht der Potsdamer Seidenfabrik, die wegen der vielen Bleiver- giftungen von der Königlichen Regierung in Potsdam zeitweise geschlossen wurden. ES wurde Stille über den Wassern und über allen Wipfeln war Ruh. Jetzt erfahren Dir, daß die Regierung den Eigenthümern den guten Rath gab,„solche Vorkommnisse in Zukunft möglichst zu verhindern". DaS ist AlleS. ES wird fort- ge— bleikolikt. Auch von den Vergiftungen in den Breslauer Strohhutfabriken schweigt des Sängers Höflichkeit! Wenn die Fabrikinspectioa kein leerer Wahn bleiben soll, dann muß doch wohl den Herren VolkSoergiftern(diesmal nichi Sozalsemokratea) i gegenüber etwas mehr Energie angewandt werden! Allein, aber, indessen-- Der„Rückganz" des NationalserviliSmuS und sonstiger „ReichSfreunblichkeit" hat sich am letzten„SedanStaz" recht erfreu- lich bekundet. Ueberall, namentlich in allen größeren Städten, wieBerlin, Hamburg, Breslau, Frankfurt a. M., Dresden, Cöln, der„Seestadt" Leipzig ec. ist das„Fest" entweder voll- ständig verunglückt oder noch kläglicher ausgefallen als in früheren Jahren. Wo Festzüge veranstaltet wurden, fehlte eS natürlich nicht an Schaulustigen, jedoch war die Zahl weit kleiner als sie bei Pfingstochsen- FastnachtS- und anderen ordinären Narrenzüzea zu sein pflegt. sZ — Eine Sedanfeier, seiner und des„Reichs", dem er dient, würdig, hat„unser" Herr Stephan in Berlin verübt, indem er uns am heiligen Tag eine Anklage zustellen ließ. Wie ans dem Vorladezettel ersichtlich, ist eS folgende Notiz in Nr. 85 des „VolkSstaat", welche den Zorn des Unter-Genialen(ber, gleich Falk, die Empfindlichkeit feines Ober-Genialen sich zu eigen gemacht zu haben scheint) erweckt hat: „Anfrage an Hrn. Allzemein-EilfahrtS-BetriebS-Leiter(in ver- ständlichem Deutsch: Generalpostdirector) Stephan und die Dresdener Postbehöcden. Die Nr. 13 der iu London in russischer Sprache erscheinenden Zeitung„Vorwärts" schreibt, zur Zeit der Ankunft des russischen Kaisers in Dresden seien alle auf dem dortigen Postamt eingelaufenen Briefe auS Ruß- land und Polen untersucht und gelesen worden, selbst diejenigen, welche an die Adresse eines Deutschen gerichtet waren. Ist daS wahr?" DaS Fragen, wenigstens eine derartige Frage ist wohl im Reich der frommen Stiebersitte nicht erlaubt? Wir hätten wohl sagen sollen: Ja R-ichZtreue und nationalliberaler Hundedemuth ver— endend, erfrechen wir uns, auf dem Bauch kriechend, Eurer Allgemein-Eilfahrts-Betriebs-Leiterlichen Unfehlbarkeit zu nahen und Hochfelbige unterwürfigst auf eine Mittheilunz des in London er- scheinenden SchandblatteS„Vorwärts" aufmerksam zu machen, welches u. s. w.? Wäre daS der richtige Amtsstil, Hr. Stephaa? — Schwarze Blousen.!Die„weißen Blousen" de« Bona- parte sind bekannt— Polizeiagenten, die, als Arbeiter verkleidet, allerhand schuftige Polizeistückchen auszuführen hatten. Jetzt spuken in Frankreich die„schwarzen Blousen". Man schreibt darüber aus Rheims: „Gleichwie weiland das BaS-Empire(daS zweite Kriserreich), so macht auch das gegenwärtig so üppig florirende Pfaffenthum stark in„Sozialismus". Die katholischen Arbeitervereine schießen wie die Pilze aus dem Boden. Den Haut-Gout dieser christlichen Gewerkschaften bekam man auf der hier abgehaltenen Generalversammlung der„schwarzen Blouse" zu kosten. Die„ehr- würdigen Väter" entfalteten eine wahre Virtuosität in allerhand sozialen BeglückungSvorschlägen. Dieser gemeingefährliche Humbuz wird von der„Republique franyaise" in kräftigen Zügen also be- schrieben: Der Congreß in Rheims, sowie übrigens die gesammte klerikale Schule ist empört über die Befreiung, welche die gewerb- treibenden Klassen der französischen Revolution verdanken. All' diese Adeligen, diese Prälaten, diese Geistlichen in verschiedenen Röcken, all' diese Sozialisten und Philanthropen jammern über daS Loos der Arbeiter; sie möchten gern dieselben dieser unheil- vollen Freiheit überheben, die ihnen von der Revolution gespendet worden, und von welcher Napoleon I., auch ein Sozialist, sie theil- weise entlastet hatte. Mit väterlicher Fürsorge wollen sie denselben all' die Fesseln, all' die Bürden wieder aufladen, welche die Ar- beiter im Mittelalter beglückten, und die ihnen von der Revolution von 1789 so brutal entrissen wurden. Sie möchten die arbeitenden Klassen wieder in Besitz all' jener wohlthätigeu Tyranneien, all' jener heilsamen Joche bringen, unter denen sie ehedem seufzten. Von eben diesem Geiste der Gerechtigkeit und evangelischer Liebe beseelt, kämpfen sie tapfer, um den jüngeren Söhnen das heilige Recht wieder zu erstatten, zu Gunsten der Erstgeborenen enterbt zu werden, den Protestanten und Juden das Recht wieder zu ver- schaffen, keinen Civilstand zu besitzen und von Zeit zu Zeit aus die Galeeren geschickt zu werden; den Bauern daS Privilegium wieder einzuräumen, die Zehnten zu bezahlen, heilsamen Froh»- dienst zu leisten, die Feudalsteuern richtig zu bezahlen und manchmal von ihren Frohnherrn an den Galgen gehängt zu'werden. Eine ganze Litanei von dergleichen Sozialreformen steht auf ihrem Pro- gramm. Nachdem all dieselben zu Stande gekommen sein werden, wird Frankreich wieder auf dem Wege Gottes fein; wir werden un« einer durchaus christlichen und anziehenden Gesellschaft erfreuen, in welcher schön zu leben ist, und die von all den heidnischen Freiheiten, die wir gegenwärtig erdulden müssen, gesäubert sein wird." Ueberrasckend sind diese Mittheilungen uns nicht; auch unsere deutschen Pfaffen machen ja stark in„Sozialismus". — Der monströse Prozeß gegen die italienischen Jnter- nationalen hat nach wochenlanzer Verhandlung vou dem Schwur- gericht in Florenz seinen Abschluß erreicht. Sämmtftche Ange« ftagten mußten von der Anklage auf Hochverrath(„Verschwörung gegen den Staat") freigesprochen werden; da aber der See seine Opfer wollte, wurden Mehrere„der heimlichen Aufbewahrung und Fabrikation von Waffen" schuldig befanden und zu Gefängniß- strafen von 2— 8 Monaten, und Einer„wegen schweren Dieb- stahl»" zu einem Jahr Zwangsarbeit verurtheilt. Der„schwere Diebstahl" ist eine Elstndung des Herrn Staatsanwalts. Die zu Gefängniß Verurtheilten wurden, da die Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt angenommen ward, sofort in Freiheit gesetzt; so daß also bloS jener„schwere"„Verbrecher" noch in Haft ist. In Ermangelung näherer Nachrichten— eS liegt bloß eine telegraphische Mittheilung vor— halten wir mit unserem Urtheil zurück. Nur so viel steht bereits fest, daß die GefellschaftS- retter wieder einmal eine schmachvolle Rolle gespielt haben. Z ausgeführt wird, Menschenleben aufS Spiel gesetzt werden, was kümmert d»S diese Herren? Wir ersuchen daher dringend jeden SchiffSzimmermana, auf diese unsere Aufforderung das größte Gewicht zu legen. Für den Borstand des Allgemeinen deutschen SchiffSzimmerervereinS: H. Groß. — In Mainz hat BloS am 1. d. MtS. eine vierwöchent liche Gefängnißstrafe angetreten, die ihm wegen eines angeblichen Vergehens gegen§ 130, das er als Redakteur des„Frankfurter BolkSfreund" verübt haben soll, zuerkannt wurde. Ist kein Plimsoll da? England hat seinen„Matrosenfrennd", der vor Kurzem Deutsch- land besuchte— eS ist zu bedauern, daß Samuel Plimsoll, Par- lamentS-Mitglied für Derby, nicht seinen Wohnsitz für einige Zeit in Deutschland nehmen kann. Läßt etwa in Deutschland jeder Rheder seine nicht mehr see- tüchtigen Schiffe freiwillig abbrechen? Gehen nicht solche Schiffe, ebenso wie in England, aus einer Hand in die andere? Es fragt sich sehr, ob es in Deutschland mit dem SchiffsahrtSwesen in dieser Beziehung auch nur um ein Haar breit besser ist! „Die Menschlichkeit erheischt, daß verfaulte Schiffe abgebrochen oder ausgebeffert werden", heißt es in dem Protest Plimsoll'S. Ja, die Menschlichkeit erheischt es, daß man versaulte Schiff- der- art ausbeffert, daß sie wieder seetüchtig werden, aber leider gehören solche Reparaturen bei verfaulten Schiffen auch hier in Deutsch- land mehr zu den Ausnahmefällen. Auch hier in Deutschland würde ein solches Gefetz, wie es Plimsoll in England einzuführen beabsichtigt, welches das Auslaufen verfaulter Schiffe hindern soll, wahrhaftig Nutzen bringen. Auch hier in Deutschland giebt eS zahlreiche Rheder, welche nie ein neues Schiff bauen, noch ein solches kaufen, sondern nur alte Schiffe, die noch eben über Wasser schwimmen, ankaufen, sie uothdürstig ausbessern lassen und dann zur See schicken. Natürlich ist ein solches Schiff immer so gut versichert, daß, wenn es zu Grunde geht, der Rheder dabei keinen Schaden leidet. 3», Thatsache ist eS, daß es Rheder hier in Deutschland giebt, die recht gut wissen, daß ihre Schiffe durch und durch verfault sind, und vorgekommen ist es, daß, wenn ein solches Schiff aufs Land gezogen wurde, um kalfatert und nothdürftig ausgebessert zu werden, daß man— gelinde gesagt—„künstliche" Arbeiten vor- vehmen ließ, um dadurch die verfaulten Stellen am Schiffe zu verbergen; die großen Reparaturen aber, welche mitunter höchst nothwendig wären, unterbleiben in solchen Fällen; natürlich liebt ein solcher Rheder nicht, ordentliche Reparaturen auS seiner Tasche Zu bestreiten. Ganz etwas Anderes ist eS, wenn Schiffe durch Havarie Schaden erleiden, und dann auf Kosten der Assecnranz reparirt werden, dann sind gerade die angeführten Rheder am Platze, um möglichst alles machen zu lassen, dann kann die Ar- beit gar nicht gut genug werden— natürlich läßt sich auf Kosten der Assecuranz ganz gut repariren. Vorgefallen ist es aber schon bei Reparaturen, deren Kosten auS der Tasche deS Rheders bc- stritten werden mußten, daß man da, wo die EinHölzer durch und durch verfault waren und man verpflichtet gewesen wäre, dieselben ganz und gar herauszureißen, um neue gesunde wieder dafür ein- Zusetzen, lieber kleine Stücke von Mauersteingröße in die Hölzer zwischen den Planken hineinflickte, um dem Holze den Schein �u geben, als wäre alles im besten Zustande. Ja, eS gab Fälle, m denen, am solche künstliche Arbeiten vor den Augen der Bcsichtiger Zu verbergen, Stellagen gebaut wurden, welche zu betreten die Be- sichtiger sich nicht getrauten, indem sie fürchten maßten, das Ge- nick darauf zu brechen. Dadurch blieben dann solche„künstliche" Arbeiten vor den Augen der Besichtiger verborgen. Für diese hier angeführten Thatsachen fehlt eS nicht an Belegen; sie dienen leider dazu, unser deutsches SchiffsahrtSwesen in dasselbe Licht zu stellen, wie daS englische, welches Plimsoll kennzeichnete. In England hat man nun vorläufig bis zur nächsten Session ein Nothgesetz eingeführt, welches die seeuntüchtigen Schiffe hindern soll, aus dem Hafen zu gehen, damit nicht arme unwissende See- leute dem elendesten Tode Preis gegeben werden. Hier in Deutsch- land hat man bis zur Stunde noch nicht daran gedacht, irgendwo auf das Schifffahrtswesen, wie es Plimsoll in England gethan, einzugehen, und eS wird auch wohl noch gar nicht daran zu den- ken sein, daß in der nächsten Zeit irgendwo etwas geschehen wird, wenn nicht von unteaherauf der Druck der Arbeiter dazu Ver- anlassung geben wird. ES müssen daher zunächst als Fachkenner wir sämmtlichen SchiffSzimmerleute Deutschlands dafür eintreten, indem wohl Keiner Zu bestreiten wagt(möge er heißen wie er will, möge er von noch so„hoher" Geburt sein), daß die SchiffSzimmerleute die geeignetsten Personen sind, obige Angelegenheiten zu beurtheilen, indem ja jedes Schiff durch die Hände der Schiffszimmerer gehen muß. Daher sind wir im Staude, über jedes Schiff ein richtiges Urtheil in fällen; und in Folge dessen ist es unsere höchste Pflicht, strenge darauf zu achten, wenn ein Schiff in Arbeit ist, sei eS bei einem Neubau oder bei einer alten Reparatur, und die Arbeit nicht der- gestalt ausgeführt ist, wie es die Vorschrift erheischt, daß wir alle derartige Fälle uotiren, sowie den Namen deS Schiffes, des Rhe- ders und des KapitainS, ferner den Ort, wo und in welcher Zeit das betreffende Schiff gebaut ist, und alles dieses alsdann dem Vorstände berichten. Derselbe wird dann die Sache näher unter- suchen und der Oeffenllichkeit übergeben. Besonders ist es noth- wendig, in den Versammlungen zu betonen, daß unsrerseits alle Schiffsarbeiten und namentlich das Kalfatern, gewissenhast auSge- sührt werden. Wird aber Besehl ertheilt, wie eS häufig vorkommt, daß, anstatt zu kalfatern, das Pech und der Theerquast die Haupt- rolle spielen, trotzdem dann die Näthe total wergloS sind, so ist rS nothwendig, daß solche Fälle ebenfalls veröffentlicht werden. Dann wird eS sich herausstellen, ob der Rheder damit einver- standen war, daß das Kalfatern bei seinem Schiffe auf eine so Ungenügende Weise ausgeführt wurde, oder ob er sein Schiff ordent- lich seetüchtig gemacht haben wollte und der B fehl zum Abschmieren von Seiten deS Meisters nur deshalb erlassen ist, um die in Akkord übernommene Arbeit möglichst rasch fertig zu bringen, was Uatürlich dem gelddurstigen Meister sehr zu statten kommt. Ob vadurch, daß eine Arbeit, wie das Kalfatern, nicht gewissenhaft Gewerksgenossenschaftliches. Gewerksgenossenschzft der Manufaktur-, Fabrik- und Hand- arbeiter beiderlei Geschlechts(Sitz Weimar). Hrimmitscha«. Um die Generalversammlung möglichst für die Agitation auszunützen, werden diejenigen Delegirten, welchen e« möglich ist, in Städten, welche sie auf der Rückreise berühren, Arbeiteroersammlungen abzuhalten, ersucht, dieses Unterzeichnetem zu melden, desgleichen werden alle Vertrauensmänner, GewerkS- und Fachgenossen, welche Referenten zur Abhaltung von Versamm- lungen haben wollen, ersucht, Unterzeichneten davon in Kenntniß zu setzen. Zweck dieser Versammlungen soll sein, Protest zu er- heben gegen den Entwurf eines Gesetzes über die gegenseitigen HülfSkaffen.(siehe„Volksstaat" Nr. 37 und 38 vom 2. bis 4. April c.) Für die Verwaltung: C. Poser, Peterstraße 537 0.0. Allgemeiner Tischler-(Schreiner-) Berein. Hllerki«. Der Strike in Osnabrück ist(wie in voriger Nr. schon mitgetheilt) immer noch nicht beendet, und werden deshalb alle Collegen dringend ersucht, dies soviel wie möglich bekannt zu machen und den Zuzug von Osnabrück fernzuhalten. Die Agenten der dortigen Arbeitgeber suchen von überall her Gesellen durch das Versprechen hoher Löhne nach Osnabrück zu locken, und ist ihnen dies zum Theil sogar in Berlin gelungen; deshalb ist es dringend nothwendig, soviel wie möglich zu ver- breiten, daß der Strike noch hartnäckig fortdauert, damit die Col- legen siegreich auS dem Kampfe hervorgehen. Wollen die Arbeitgeber wirklich hohe Löhne zahlen, so mögen sie doch zunächst bei Denjenigen den Anfang machen, deren Kräfte sie in ihrem Interesse jahrelang ausgenützt haben, und die mit Frau und Kind an den Ort gebunden sind. W. Schmitz, Vorsitzender. Allgemeiner deutscher Schciderverein. -Leipzig, 5. September. In Nr. 99 und 102 des„Volks- staat" ist unter obiger Rabrik irrthümlich gesagt worden, sämmt- liche Arbeiter deS E. Berthold'fchen Geschäfts hätten die Ar- beit eingestellt, eS soll heißen: sämmtliche Stückarbeiter in der Werkstatt haben die Arbeit eingestellt.(Herr E. Berthold selbst behauptet in einer Zuschrift an uns, es hätte„nur ein kleiner Theil ungenügsamer Arbeiter" in seinem Geschäft mit Arbeitsein- stellung gedroht. R. d. V.) Kamburg, 29. August. Collegen! Lange Zeit hindurch waren wir, weil unorganistrt, allen Zumuthungen unserer Arbeitgeber schutzlos unterworfen, sodaß wir thatsächlich alles Dasjenige ruhig hinnehmen mußten, waS nnS überhaupt von denselben geboten wurde. Und wir haben gewiß während dieser Zeit bittere Er- fahrungen gemacht, Erfahrungen, welche uns die Belehrung geben sollten, daß eine Vereinigung in gewerkschaftlicher Beziehung zur unumgänglichen Nothwendigkeit geworden ist, seitdem sich Kapital und Arbeit in schroffer Haltung gegenüberstehen.— Von dieser Erkenntniß durchdrungen, begründeten denn auch eine Anzahl hiesiger Collegen, am 22. Juli dieses Jahres eine lokale Organi- sation unseres GewerkS, die sich alSoann auch, trotzdem die Schnei- der Hamburgs durch frühere Vorkommnisse sozusagen„kopfscheu" geworden sind, eines guten Zuwachses zu erfreuen hatte. Allein, da wir der Ueberzeugung sind, daß ein isolirter Lokalverein durch- auS keine große Bedeutung hat, sondern daß vielmehr der Ar- beiterstand nur durch die größtmöglichste Centralisation etwas zu erreichen vermag, so begrüßten wir mit Freuden die Vereinigung sämmtlicher Schneider Deutschlands zu einer gemeinsamen centra- listischen Organisaiton, welche auf dem Congreß zu Leipzig ge- schaffen wurde und zögerten wir keinen Augenblick, eine außeror- dentliche Generalversammlung unseres Lokalvereins abzuhalten, um uns über den Anschluß an den Allgemeinen deutschen Schneider- verein zu besprechen.— Diesbezüglich diene nun den Collegen zur Notiz, daß in besagter Generalversammlung, welche am 26. August stattfand, der Beschluß gefaßt worden ist, dem Allgemeinen deutschen Schneidewerein beizutreten. Auch sind 120,00 Rk. der Central- Verwaltung des genannten Vereins zur Agitation überwiesen worden. Es werden demnach alle Mitglieder des Lokalvereins ersucht, gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte das neue Mitgliedsbuch in Empfang zu nehmen und thatkrästig für den Allgemeinen deutschen Schnei- derverein zu wirken.— Agitiren wir nun fortan unverzagt weiter und weiter, bis wir die Mehrzahl der Schneider Hamburgs dem Allgemeinen deutschen Schneiderverein zugeführt haben, und lassen wir uns es nicht verdrießen, wenn sich uuS hier oder dort Hin- dernisse in den Weg stellen. Mit Gruß und Handschlag I. Voß. Alle Zuschriften:c. sc. sind zu richten an I. Boß, kleine Raboisen 92, 1. Etage, bei Herrn Reich, Hamburg. Berein der Sattler und Berufsgenosse«. Altona. Allen Collegen Deutschland» zur Nachricht, daß sich hier am 13. August infolge Beschlüsse» einer gemeinschaftlichen Vir- sammlung Hamburg-Altouaer Collegen eine Mitgliedschaft kon- stituirt hat.— Vereinslokal sowie ArbeitSnachweisungS-Bureau befinden sich bei Herrn Dietzel, kl. Freiheit Nr. 26.— Arbeitsvermittlung findet jeden Abend von 3—9 Uhr statt. Vertrauensmann Th. Berweger, Parallelstraße Nr. 53, wo- selbst Reiseunterftützung ausbezahlt wird. Im Auftrage: W. Repe«. Gewerkschaft der Schuhmacher. Mainz, 4. September. Wir bringen hiermit zur Kenntniß, daß der Mittelrheinische Schuhmachertag wegen de» Arbeiterfestes in Offenbach(Lassalle'S TodeSfeier) nicht den 12., wie brieflich angegeben, sondern am 19. abgehalten wird. Aufruf folgt nach. Mühkheim a. d. Hinhr, 26. August. Unser nicht sehr zahl- reiches Häuflein hatte in letzter Zeit Kämpfe mit der Meisterschaft zu bestehen, auS welchen wir aber schließlich siegreich und neu ge- kräftigt hervorgingen. UnS stand zur Seite unser gutes Recht, den Meistern das hiesige KäSblättchen, die„Meisterintelligenz" und ihre Gehässigkeit. Nur einen Sieg haben die Meister zu sver- zeichnen, um den wir sie jedoch nicht beneiden. Weiter unten soll desselben Erwähnung geschehen.— Die offene Fehde brach auS in Folge einer Versammlung der Schuhmachergesellen, zu welcher seitens der Gewerkschaftsmitglieder auch sämmtliche Meister einge- laden waren, um flch gegenseitig über das hier bestehende Arbeits- Nachweisbureau zu verständigen. Die Versammlung schien guten Verlauf zu nehmen, als sich schließlich zwei Meister aufrafften und den Anwesenden mit dem Hinweis auf sozialistische Bestrebungen, communistische„Wühlereien" und allgemeines„Theilen" gruseln zu machen versuchten. UnS fiel dabei unwibkürlich der Stier ein, der beim Anblick eines rothen Lappens außer fich geräth. Die Ver- sammlung verlief resultatlos. Damit nicht genug, setzten sich die zwei Meister hin und grübelten und schwitzten, bis sie schließlich mit einem„Eingesandt" niederkamen, welches sie im hiesigen Käs- blättchen ablegten. Dieses Machwerk suchte unter den üblichen spießbürgerlichen Verdrehungen und Berläumdungen die Gewerk- schaff zu diScreditiren und die Meister zu einem festen Zusammen- halten und energischem Borgehen behufs Bertilgung der„sszialisti- scheu Filiale" zu veranlassen. Eine Annonce'forderte gleichzeitig die Meister und alle Gesellen, welche nicht zur„sozialistischen" Ge- werkschaft gehörten, also die„braven" Gesellen, zu einer Versamm- lung zum Zweck der Gründung eines Verein» auf. Die Verfamm- lung fand statt und der Verein wurde gegründet. Auf da? Ein- gesandt verfaßten wir sofort eine äußerst maßvoll gehaltene Ent- gegnung, indem wir eS sorgfältig vermieden, auf den gehässigen Ton der M-isterlein einzugehen. Dennoch konnte eS sich der Re- dacteur nicht versagen, unser Eingesandt nur gehörig verstümmelt zum Abdruck zu bringen. Jedenfalls hatte der gute Mann, der, nebenbei bemerkt, keine Zeile orthographisch schreiben kann, den famosen Styl der Meisterweisheit seiner eigenen Intelligenz ver- wandtschaftlicher gefunden. Trotz der Anmerkung der Redaction, daß weitere Einsendungen der beiden streitenden Theile im redak- tionellen Theile serner keine Aufnahme finden würden, sahen wir zu unserer stillen Freude nach der dazu erforderlichen Zeit von einigen Tagen eine erneute Stylprobe der Meister und zwar im redaktionellen Tyeile. Wir verzichteten auf den Federkrieg, um nicht wiederholt unser Produkt mit der Scheerenarbeit de? Käs- blättchens auf einem Bogen treulich zusammen zu sehen; war ja doch der Versuch, uns zu sprengen, vollständig gescheitert und stand unser Häuflein, durch Abreise einiger treuer Collegen zwar etwa» gemindert, fester denn je. Hingegen reduzirte sich der Meister- verein, der zuerst mit 40—50 Mitgliedern prangen konnte, bereit» auf 10—15, und dürfte wohl, bis dieses zur Kenntniß der Ge- noffen gelangt, der meisterliche Verein sein krampfhaftes, wenig rühmliches Kurzleben geschloffen haben. Wir werden ihn mit stiller Wehmuih zu Grabe geleiten. Einsehend, daß sie mit ihren Waffen, die sie auS den mittelalterlichen Rüstkammern herbeige- schleppt haben, nichts ausrichten konnten, gaben die Meister den geistigen Kampf auf uad verlegte sich der Hauptschreier derselben auf eine Taktik, die ihm geläufiger sein mag, deren Wirkung aber zuletzt ihn allein schädlich treffen wird. Einer unserer G:- nassen, der in der Werkstatt dieses Meisters arbeitete, wurde von Letzterem mit einem ausgerissenen Stuhlbein überfallen und der- artig mißhandelt, daß er einige Zeit arbettSunfähig und krank war. Ein blaues dickaufzelaufenes Auge, ein verletzter, halb gelähmter Arm und ein allgemein krankhafter Zustand waren die Folgen der meisterlichen Rohheit. Wir bemerken noch ausdrücklich, daß unser mißhandelte Genosse ein körperlich äußerst schwächlicher Mensch ist, der sein rechtes Bein in einer Maschine tragen muß. Mehrere Tage vorher hatte der Meister unausgesetzt versucht, unfern Ge- nassen unter den schönsten Versprechnngen der Gewerkschaft ab- wendig zu machen, jedoch vergebens. Vielleicht glaubte der Meister durch ein Mittel der Rohheit, weil er wahrscheinlich von fich auf andere schloß, besser zum Ziele zu gelaugen. Die Angelegenheit ist der Polizei angezeigt und wird diesetbe den Fall wohl der Staatsanwaltschaft zur weiteren Erledigung übergeben. Der Meister heißt W-sthoff.(I. Nr. 101 d.„V.".)— Neue wackere Collegen sind unterdessen hier zugereist, und können wir unfern Genoffen ver- sichern, daß wir auf der Wacht stehen und unsere Stellung be- haupten werden. Zinkan. Correspondenzen. Iwicka«. Sonntag, den 29. August fand in der„BolkShalle" eine Besprechung von Bergarbeitern, welcher auch eine An- zahl Hüttenarbeiter beiwohnten, statt. Die Besprechung hatte zum Zweck, sich darüber klar zu werden, wie es am ehesten möglich sei, eine Organisation zu schaffen, in welcher alle Bergarbeiter Sachsen», event. auch die Hüttenarbeiter eintreten könnten, um de» immer fühlbareren Druck des Kapitals(der Werksbesitzer), so- wie vor allem den reaktionäsren Bestimmungen des Kaappfchafts- KaflenwesenS entgegen zu treten, resp. fich davon zu befreien. E» waren 11 Werke und 6 Knappschaften durch ca. 30 Mann vertreten. Man war allgemein der Ansicht, daß, wenn eine Organisation von Dauer geschaffen werden solle, vor allem die Arbeiterpresse mehr verbreitet werden müsse. Der„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund" soll als Lokalblatt für den Zwickauer Bezirk, die „Chemnitzer freie Presse" für Lagau u. l. f. eingebürgert werden, der„Volksstaat" und„Neue Sozialdemokrat" dagegen als Haupt- organe für die Bewegung dienen. Eine eigene Zeitung für die Bergarbeiter zu gründen, ist für jetzt eine U»möglichkeit, da hierzu große Opfer erforderlich sind, wozu eine Organisation gehört, die noch nicht vorhanden ist. Daß die genannten Blätter reichlichen Eingang finden werden, steht zu erwarten, indem bei C. Ebert (Volksbuchhandlung) in Wilkau eine Expedition für den oberen Bezirk eingerichtet wird. Es werden daselbst Correspondenzen, Annoncen sc., sowie Material über alle wichtigen Tage«- und Existenzfragen der arbeitenden Classe angeuominen nnd den ge- nannten Blättern übermittelt. Ferner hielt mau e» für zweckmäßig, daß an verschiedeneu Orten öfters Bezirksbesprechungen abzuhalten seien, um fich mit den Lokalinteressen immer mehr bekannt zu machen. Auch war man der Ansicht, daß eS nichts schaden könne, — so lange keine Organisation besieht— freiwillige Beiträge zur Agitation zu steuern. Man ging auch sofort auS Werk und ergab eine Sammlung 3 Mark 40 Pf. Ein Beschluß wurde niü>t gefaßt, jedoch der Wunsch ausgesprochen, daß diese» Beispiel Nach» ahmung finden möge; das freiwillig gesteuerte Geld soll alle Monate an eine bestimmte Person abgeführt werden und allvierteljährlich in der Presse Einnahme usrd Ausgabe veröffentlicht werden. Die Nachricht über die am 5. Septbr. in Dortmund stattfindende Eon- ferenz der Rheinische Westphälifchen Bergarbeiter wurde beifällig auf- genommen. E» wurde jedoch bedauert, daß der Tag der Couferenz nicht früher und nur iu der„Westphälischen Presse", welche erst seit dem 1. Juli d. I. erscheint, bekannt gemacht wurde. Man märe nicht abgeneigt gewesen, einen Delegirten nach Dortmund zu senden. Man gab sich aber der Hoffnung hin, daß die Bergarbeiter aller- ortS bald zur Erkenntniß kommen werden, wenn eine rege Agitation in Wort und Schrift entfaltet wird. 1' S«hr, a. September. Die am Samstag, den 21. August, im „Schiitzenhos" hier abgehaltene erste Volksversammlung war sehr zahlreich besucht, den Vorsitz führte Brendl, Schriftführer war Fik; Herr Kappler aus Coburg referirte über„Zweck und Nutzen der Gewerkschaften"; stürmischer Applaus folgte seinen Worten Wir erwarteten noch Herrn Rüdiger um halb 10 Uhr, welcher, von der Post abgeholt, sofort sein Referat begann, und in äußerst ge- diegener Weise sich seiner Aufgabe entledigte. Er wies nach, wie die Ungerechtigkeit unserer sozialen Zustände am besten durch den Ausspruch de« bekannten Natioualökonomen John Stuart Mill bewiesen würde, welcher lantet:„Wie wir es jetzt sehen, vertheilt sich das Ergcbniß der Arbeit fast im umgekehrten Verhältniß zur Ar beit, so daß die großten Autheile Denjenigen zufallen, welche über Haupt nie gearbeitet haben, die nächstgrößten Denen, deren Arbeit beinahe nur nominell ist, und so weiter hinunter, indem die Ber- gütuug in gleichem Verhältniß zusammenschrumpft, wie die Arbeit schwerer und unangenehmer wird, bis endlich die ermüdendste und aufreibendste Arbeit nicht mit Gewißheit darauf rechnen kann, selbst nur den nothweudigsteu Lebeusbedarf zu erwerben." Dieses ist selbst von der BourgeoiS-Oekonomie anerkannt.— Mill sei keineswegs zu den Sozialisten zu zählen, er habe aber nachgewiesen, daß, wenn jeder Mensch nur 5 Stunden den Tag über arbeitete, so würden die Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft gedeckt sein. Redner sagte: wir wollen aber nicht S Stunden arbeiten, sondern wir wollen den 9— Ivstündigen Normalarbeitstag uns erkämpfen. Redner unterzog dann die Frauen- und Kinderarbeit einer herben Kritik; nicht endenwolleuder Beifall lohnte dem Redner für seinen Vortrag und haben wir alle Ursache, eine zahlreiche Betheiligung an der Metallarbeiter GewerkSzenosseuschaft zu erwarten. Wie die Nerven unsrer Herren Fabrikanten durch dre Versammlung ange- ? rissen wurden, geht darau« hervor, daß ich und Genosse Brendl osort gemaßregelt wurden. Mit welch erbärmlichen Waffen unsere Gegner gegen uns kämpfen, zeigt nachstehende Annonce der„Hen- ncberger Zeitung":„Bekanntmachung. Ich sehe mich gezwungen, einem hier allgemein coursirenden irrigen Gerüchte zn begegnen, als habe ich den Oesterreicher Habel in Arbeit genommen. Den selbe ist weder zu mir gekommen und hat nach Arbeit gefragt, noch würde ich ihn in Arbeit genommen haben, wenn er darnach gefragt hätte. Suhl, den 26. August 1865 xxr. Joh. Heinr. Schilling sen. Hermann Schilling." Ein Commentar zu dieser Handlungsweise ist überflüssig, aber die Arbeiter werden jetzt er- kenneu, daß die Herren Fabrikanten solidarisch für einander ein- treten. Obwohl mir jede weitere Existenz am hiesigen Platze durch solche Chikanen unmöglich gemacht wird, so sind doch die Ge- Nossen am hiesigen Platze entschlossen, aus dem einmal betretenen Wege auszuharren. Aber nicht nur das— sie werden auch vor- wärlS schreiten, und jemehr die Fabrikanten mit Zwangsmitteln der hiesigen Arbeiterbewegung zu Leibe gehen werden, desto kraftvoller wird sie werden, dafür bürgt nur die Entschlossenheit der hiesigen Arbeiter. Die Arbeiter sind sich ihrer Aufgabe bewußt, sie werden mit Muth die Gegner der Arbeitersache bekämpfen, aber sie werden auch Diejenigen unschädlich machen, die die heuchlerische MaSke der Arbeiterfreundlichkeit tragen. I. A.: Habel. Apotda. Allen Freunden und Parteigenossen sage ich für die freundliche Ausnahme, sowie sür die mir zu Theit gewordenen Geldunterstützungen meinen besten Tank. Näherer Bericht über meine Verurtheilung sowie Behandlung während meiner fast ISmonatlichen Freiheitsberaubung, welche ich nun, ohne gebessert worden zu fein, glücklich überstanden, folgt später. Mit sozialdemokratischem Gruß Fr. Leuschke. ZLühlhausen. Daß man sich auch in den kleinen Städten mit staatSretterischeu Ideen trägt, beweist nachstehender Vorfall Am 31. August sollte in Langensalza eine Versammlung der Maurer und Steinhauer stattfinden, dieselbe wurde von dem Tuchmacher Braune daselbst rechtzeitig zur polizeilichen Anzeige gebracht, und zu gleicher Zeit ein Exemplar der Plakate beigelegt und gemeldet, daß die Versammlung durch Plakate angezeigt werde. Man be- stätigte dem Einbcruser, daß die Versammlung rechtzeitig angezeigt worden sei und entließ denselben höflichst; wir betrachteten die Sache also als abgemacht, und beauftragten eine Frau mit dem Ankleben der Plakate. Aber o Wunder! Die arme Frau durfte die paar Groschen nicht verdienen, denn es wurde ihr bei Strafe verboten, die Plakate anzukleben. Doch noch nicht genug damit, daß man das Bekanntmachen der Versammlung vereitelte, kam auch sogleich ein Herr Polizeimann zu dem Localwirth und fragte ihn, ob er denn wirtlich den Saal hergeben wolle. Der Zweck dieser Frage leuchtet ein. Aber trotz oder vielmehr wegen der polizeilichen Hemmnisse, nahm die Versammlung, die wir per Civ cular einberiefen, den besten Verlauf und als Resultat kann ich eine neue Mitgliedschaft de« deutschen Maurer- und Steinhauer bundeS(27 Mann) anmelden. Hierbei muß ich noch bemerken, daß die etwa uachf Langensalza reisenden Agitatoren ja nicht unt«� lassen mögen, dort Versammlungen abzuhalten. Aber Ihr Ar- beiter in Langensalza, zeigt Euch stark und würdig der Sache, die wir vertreten, der Sieg bleibt nicht aus. Mit Gruß und Handschlag Joh. Kappler. Pforzheim.(Zur Reichsenquete). Auf Wunsch unsere« Partei genossen Essig ließ der Herr Stadtdirektor v. Scheerer sämmtliche Arbeiterkorporatiouen auffordern, Vertreter zur Vernehmung zu schicken, was denn auch geschah. Von den Parteigeuossen nahmen u. A. Antheil an den Verhandlungen Lehmann, Weber, Hacken berger u. s. w. Alle Delegirte erklärten sich mit der Leitung des Serrn Stadtdirektors äußerst zufrieden; nur ein„besser gesinnter" rbeiter, den ein Fabrikant geschickt hatte, vergaß sich insofern, al« er sich gegen die Sozialdemokratie in den landläufige» abgeschmackt ten Schimpfereien erging, wofür er natürlich von unseren Partei- genossen gebührend abgefertigt wurde. Es darf wohl erwartet werden, daß über die Verhandlungen von Einem der Delegirten im„Vottssiaar" wirb Berrcht erstattet werden. L. W. Fraufveure». Wie fast überall in kleiveu Städten, so herrscht auch hier eine politische Ruhe, die au den IGOOjährigen Schlaf de« alten Barbarossa erinnert; abgesehen von der hiesigen Bürgerschaft, die sich größtentheil« aus Interesse, theils aber auch auS Dumm- heit dem Reichsliberalismus blindlings in die Arme wirft, sind die hiesigen Arbeiter so furchtsam gegenüber ihren Ausbeutern, daß sie sich das Wort Sozialdemokrat kaum zu denken trauen, au ein offenes Auftreten, was das Beste wäre, ist erst recht nicht zu denken, obwohl bei sehr vielen es der geheimste Wunsch ist, daß unsere Bestrebungen sich erfüllten. Um den Arbeitern einmal durch Wort begreiflich zu machen, wie die Ausbeutung in einem größern Maßstab betrieben wird, und welche Mittel angewendet werden müssen, um diesem immer größer werdenden Elend entgegenzutreten, beriefen wir zum 22. August Borm. 10 Uhr im Gasthaus„zur Glocke" eine Volksversammlung ein, wobei die Herren Tau scher uud Stollberg aus Augsburg über„die Ziele und Bestrebungen war auch die Versammlung, obwohl an« sehr vielen Neugi-rigens Bezüglich der Preisberechnung verweisen wir aus bestehend, sehr gut besucht. Herr Tauscher legte den Anwesenden-�\? NloittoS die Lage der Arbeiter im allgemeinen klar, und erläuterte,«OPs OCj-ölfltte, auf welche Weise wir unter den heutigen Verhältnissen den Kampf gegen den alles verschlingenden Moloch Capital aufzunehmen im Stande wären; weiter führte Redner aus, wie sorgfältig und spar- sam mit den aus dem Volk erpreßten Steuern umgegangen wird. Auch da« herrlichste Institut des deutschen Reichs, das Reichsheer, wurde einer scharfen Kritik unterzogen. Herr Stollberg referirte ebenfalls zu aller Zufriedenheit.. Gegner traten nicht auf, obwohl hierzu ausgefordert wurde, und namentlich die hiesige Presse ist weder in Wort noch in Schrift fähig uns zu entgegnen. I. Neuhauser. N««sheim.(Fabrikantenspiegel.) Unter den Nationalliberalen der schönen Bergstraße nimmt Herr L. Auler iu BenSheim einen hervorragenden Platz ein. Bei allen in B. vorkommenden patrio- tischen Festlichkeiten, als da sind: Sedanfeier, Kaiser« Geburtstag, Fahnenweihe des KriegervereiuS u. dgl. ist Herr A. mit feinen beiden Söhne» die leitende Hand, uud sollte man meinen, so gerne Leipzig, 25. August 1875. Mit Genehmigung des Vorstandes Die Expedition des„BalkSstaat". Bekanntmachung. Etwaige milde Gaben für die abgebrannten Arbeiter in Goldlauter find zn senden an Ehristian Weiß in Goldlauter bei Suhl. Antou Habel. Srirfenffra der Redaktiou: St. in Frankfurt: Ausnahme erfolgt.— Orbig Gießen: Ich komme nach Offenbach und hoffe Sie und andere„engere" Landsleute dort zu treffen. Gruß L.— I. M. in Fulda: Im nächsten „Erzähler". Stoffandrang war zu groß. Otto Walster» Adresse ist: Redaktion des„Bürger« und Bauernfreund" in Erimmitschau, Sachsen. .,,,,..,.._.,-» der Expedition: W. Schndr. Berlin: Ihre Annvnceuberechnung ist wie er hier spendet und kcwe Mühe scheut, wenn eö darauf an- rjchtjg. �° kommt, seine patriotische Gesinrung im besten Lichte zu zeigen,!' Quittung müßte er im Geschäft seinen Arbeitern gegenüber mit derselben� der Expedition: Schneider« Gewerkschaft hier, Annonce 2,20. E.G. Bereitwilligkeit, seinen Arbeitnehmern eine angemessene Existenz zu � und W. hier, Ann. 1,50. Arbeiterverein Kleinzschocher, An». 0,S0. Schr. schaffen, bei der Hand sein. Doch scheint der Patriot Auler ei»! 150. Dtzr. Straßburg, Ann. 0,90. Wahlver. Berlin, Ann. 37,20. anderer zu sein wie der Mensch und Fabrikant Auler. Hier liegt Gewerkschaft der Holzarbeiter Hamburg, Ann. 3,00.� A. Fnk.�ier. M die Sache eben umgekehrt, hier heißt eS Herr und Sclave. Ist der Arbeiter anderer Meinung in politischer Hinsicht wie der„Herr", so ist sofortige Kündigung daS LooS dieses„Sclaven". Zum Beweis hierfür diene folgende Thatsache. Ende deS vorigen Jahre» bildete sich hier eine Mitgliedschaft unserer Partei, und wurde der bei Herrn Auler beschäftigte Sortirer(A. ist Cigarren- sabrikaut) P. zum Vertrauensmann gewählt. Sofort einen Tag später, al« die pflichtmäßige Anzeige bei der Behörde geschehen war, wurde P. nach einer allgemeinen Schimpferei auf die„Theiler" gekündigt, uud dies auSdrÜcktich seiner Gesinnung wegen. Herr A. wiederholte mehrmals, er würde ihn gerne behalten, aber einen Menschen mit dieser Gesinnung könne er unmöglich in seinem Ge- schät dulden. Uud dieS nennt sich„liberal". Mit wahrem Ekel muß man sehen, wie die herrschende Klasse den einst schönen Bei- namen sür Humanität in eine Beleidigung für jeden Menschen, der gerecht zu urtheilen versteht, verwandelt hat. Wenn dies-S schon die Liberalität deS Herrn A. in das rechte Licht stellt, so hat die Reellität deS Herrn ebenfalls viel Schatten. Dafür fol- gendes: Die Cigarre'kistchen, welche in der Fabrik verbraucht werden, werden sämmtlich in B. von 3 Familien angefe rtigt. Die Leute habe» hiermit eine Arbeit, die, weil die Frauen dieselbe neben dem Hausstand mit versehen können, deshalb eine verhält- nißmäßig lohnende ist. Die fertige Arbeit wird in ein Kontobuch eingetragen und nach Bedarf den Betreffenden ausbezahlt. Vor einiger Zeit wollte Herr A. sich einen Extraverdienst schaffen, und zog den Leute» pr. 100 Kiflcheu 10 Kr. ab, und dies nicht etwa 1,10. Grlr. hier, Ab. 1,60. Schuhmacher« Gew. Wünburg, Ab. 10,28. Rndt. hier, Ab. 0,60. A. Ghr. Wien, Ab. 5,40. Bschmnn. hier, Ab. 0,50. Wbr. hier, Ab. 1,00. Frdrch. Dölitz, Ab. 0,50. Mje. Hamburg, Ann. 0,25. Schimm. Langenbrück, Schr. 1,90. I. Mllr. hier, Ad. 45,00. Mllr. Leisnig, Schr. 1,00. Zwrnr. Halle, Schr. 3,50. Cigarren« arbeite." Berlin, Ann. 3,00. Schltz. Hamburg, Schr. 60,00. Drngr. Augsburg, Schr. 1,l0. Nmnn. Neundorf Schr. 1,70. W. Gnthr. Großenhain, Ann. 2,65. Schr. 7,60. Geuosseufchaftsbuchdruckcrei. Aniheilscheiue bez. Antheilquitinzigen erhielten ferner: iu Großenhain: G. 30,00.__ Anzeigen 2c. __ Die rechts in s j angegebene Ziffer bedeutet den Preis der betreffenden Annonce in Reichspfennigen. Sonnabend, den 18. September a. c., Abends 8 Uhr «Cl-iiin jm„Deutschen Kaiser" Lothringerstraße 37: Großes Sommerfest, veranstaltet vom„Deutschen Tabakarbeiter- Berein". I. Theil: Eoncert der Kapelle des Hauses. Quartett und Solo« Gesänge, ausgeführt von Theatersängcrn.— Nähere? die Programme. II. Theil. Großer Ball. Entre für Herren 30 Pf. Für Damen 25 Pf. -_. i Herren, die am Tanze theilnehmeu, zahlen 50 Pf. extra.— Billet» sür die zu ltesnnde Arbeit, sondern sür die seit 2 Monaten ge sind Sonnabends im Kassenlokal und zu jeder Tageszeit beim Unter« lieferte. Also einen Contraktbruch der schlimmsten Art, welchen Zeichneten zu haben. Parteigenossen werden sreundlich dazu eingeladen. sich die Biinffenden gefallen lassen mußten, wenn sie die Arbei'.!(�o) Das Fcst-Eomitü. behalten wollten. ErneS Falles, der sich vor einiger Zeit!_ C. Bley d. Micus, Prcnzlauerstr. 41/42.[400j� ebenfalls in der Fabrik zugetragen hat, sei hier noch erwähnt. An einem Montage ließen dre Sortirer(sämmtlich Accordarbeiter) sich zum Frühstück, ca. 4—5 Mann, sür Va Fl. Bier und für 4 Kr. Schnaps holen. Da sie nicht wie Herr A. ihren Wein im Keller liegen haben, müssen sie sich eben mit diesen Getränken behelfen. AIS der Junge ten Hof mit der sehnlichst erwarteten Sendung passirte, stürzte der junge Herr Lieutenant L. Auler wie ein Wege- tagerer aus die längst erwartete Beute, schüttete den„edlen" Gersten- fast auS dem Krug und füllte denselben mit Wasser, anuektirte den Schnaps zu einem höhereu Zweck und machte hierzu die höhnische Bemerkung:„In meiner Fabrik wird nichts weiter getrunken wie Wasser." Zu der obigen Charakter isirung der Herrn A. veranlaßte mich Folgendes: In Nummer 64 des„VotkSstaat" befand sich eine Notiz, betreffend die Entlassung»useres Parteigenossen Kühl in Barmen. Derselbe wurde ebevfalls entlassen, weil er Sozialdemo- krat ist, trotzdem er zur vollen Zufriedenheit seines ArbertuehmerS gearbeitet hat. In derselbe« Lage befand sich der genannte Sor- tircr P., derselbe ist ebenfalls im Besitze eines guten Zeugvisses von A. Der Einsender dieses wollte nur zeigen, daß, wenn die Kluft zwischen Besitz und Nichtbesitz eine immer größere wird, dies in den allermeisten Fällen die Schuld der Besitzenden ist, die ohne Waaß und Ziel rn ihrer LerfolgurgSwulh allem Anstand, den ber „Gebildete" doch selbst seinem polnischen Feinde gegenüber nicht außer Acht lassen sollte, iu'S Geficht schlagen. AKnsSurs.(Für Schuhmacher.) Da dte hiesigen Meister gegen unseren Willen noch ein Arb eitS-Nachweis-Bureau gegründet haben, so ersuchen wir die zugereisten College», auf unserer Herberge, Große Straße Nr. 4V, zu verkehren, woselbst sich unser unentgeltliches Arbeits- Nachweis-Bureau befindet. Gottfr. MuhS. Mittwoch, 8. September, Abends bald 9 Uhr, in Kletts Gesellschaftsgarten, Wexstr. 48: Okffentlichc Schneiderversammlung. T°O: Bortrag.___ I. Boß.[40] Hamburg Sonnabend, de» 18. Sept.: Bereinigungs-Zest. der sozialistischen Arbeiterparlei, bestehend in Eoncert und Ball; unler Mitwirkung der Liedertafel „Lassallca" in Stadli's Etablissements, Valentinskamp 41. Herren« Karten im voraus 30 Ps. Damen- Karten 20 Pf.— An der Kasse Herren- Karten 40 Pf. Damen- Karten 30 Pf. Kafflneröffnung 8 Uhr, Ansang 9 Uhr. Karten find in allen Bersammlungen und in de» bekannten Wirth» fchasten zu haben. Das Co mit« XL. Dieses Fest konnte Lokalangelegenheiten halber nicht früher stattfinden._ D. O.[300] Leipzi-. T.- O.: Landtagswahl. Freitag, Abends halb 9 Uhr- Sozialistenverfammlung. Der Agent. 30) Warnung für Glaser. Mit dem heutigen Dat»m find wir wegen Lohnerhöhung und Einfühlung der Ivstündigen Arbeitszeit mit unfern Meistern in Unterhandlung getreten, ersuchen deshalb um Fernhaltung nach den Orten Thalweil, Obeirieden und Zürich. Briefe sind an den Unterzeichneten zu richten. Zürich, den 23. August 1375. Jm Austrag de« FachvereinS der Glaser: C. Härer bei Glasmaler Röttinger. !7B. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck obiger Zeilen ersucht. der Sozialdemokratie in der Arbeiterbewegung" referirten, und Iverden. Bekanntmachung. Die zahlreichen Verluste, die uns durch Nicht- zahlung von Annoncen bisher erwuchsen, machen es nöthig, daß vom 1. Oktober d. I. an Annoncen nur aufgenommen werden, wenn der Betrag dafür beiliegt oder eine größere Summe für Annoncen de- ponirt ist. Zur annähernden Berechnung des Betrages kön- nen 10 einfache Worte auf eine Petitzeile gerechnet Mühlhauseu i. Thür. halb 9 Uhr, finden Allqemrine Sozialistenversammlungen im Eoburger Hof, St. Georgi statt. H. Pölitz, Agent. XL. Der„Volksstaat" liegt in der Biehstraße, Restauration von. Weingarten, ans._____[70] Club„31". Freitag, den 10. September: Sitzung. 120] A. Slauck: Bitte um Ihre Adresse. Nr. 96 I. Hamburg._ Bruno Moje, Herrengrabeo __ 150] Wir empfehlen den Lesern des„Bolksstaat", sowie überhaupt da» Publikum, das sich für die heutigen gesellschaftlichen Zustände interessirt,- da» Lesen der in unserem Beilage in Berlin erscheinenden „Social'-Uol'itischen Dtätter" zum Abonnement. Der AbonnemeutSpreiS beträgt für wöchentlich einmalig» Lieferung pr» Quartal 10 Sgr., pro Monat 4 Sgr. Abonnementspreis iu Monats« heften ist 4 Sgr. pro Heft. Eolporteure und Buchhändler erhalten entsprechenden Rabatt. Bestellungen nehmen alle Buchhändler und Colporteure, sowie ans Wochenlieferungen auch alle Postanstalten entgegen. Berlin. Rcvaktio» uud Expedition de?„Renen Soeial- Demokrat". K. Killmann. Die Organisation der Massen. Sin Wort zur Klärung und Befestigung. Preis per Stück 25 Pfennig. _ Buchhandlung de»„Bolttstaat" Zur Notiz. Berichte, Correfpondenze« und Anuoncen für die Sonn»! tagsnnmmer müssen spätestens Freitag Lormittag, für die- Mittwochsnnmmer spätestens Montag Vormittag, und für die FreitagSnummer spätestens Mittwoch Bormittag ia- unseren Hände« sein. Redaktion und Expedition des„BolkSstaat' Verantwortlicher Redakteur: H. Rindt in Leipzig. Redaktion Hohestr. 4, Expediiton Zeigerstr. 44, in Leipzig. Drack und Verlag der«enoffeaschaftsbuchdrucknei in Leipzig.