Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- uingen des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, Loi 101 Hoboken, N. J. Peter Haß, S. W. Corner Third and eoatea atr. Philadelphia. Abonnementsprels für ganz Deutschland IM. KV Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutscl.en Postanstalten aus den lticn u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat de» Quartal? i 54 Pf. Organ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Znfrrate, die Abhalwng von Partei-, Bereins- nvd Volksversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit IE Pf.,— Privat- und Bergntigungt- Anzeigen mit 25 Pf. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 107. Areitag, 17. September. Die ssziale Frage vom Standpunkte eines Kopfarbeiters aus betrachtet. I. Zweck de« MeufchevlebenS und Mittel denselben zu erreichen. Wa« haben wir avzustrebeu? Wenige wird es geben, die sich diese Frage nicht schon einmal vorgelegt, noch Wenigere vielleicht, die darauf eine Antwort gewußt. Und wirklich ist eine solche un- geheuer schwer, umsomehr, da ebenso schwerwiegend, wie die Ant- wort, die Folgen derselben find. Die ganze sozial» Frage beruht nur darauf, daß man die Antwort jetzt anders zu geben beginnt, als bisher. Wäre ein Endzweck unsere« Dasein« bekannt, so wäre die Be- antwortung der Frage eine viel leichtere. Da uns aber da« Warum de« Leben« ein Räihfel und auch gar keine Aussicht da ist, e« endgiltig zu lösen, so wüsten wir un« mit einem Ersatzmittel begnügen. Die letzten Ursachen, sowie den letzten Zweck können wir bei dem jetzigen Stande der Wissenschaften unmöglich erkennen, wohl aber sind die Gesetze unseres Leben«, de« physischen wie des psychi- scheu, verhältnißmäßig sicher zu ermitteln. Welchen Endzweck deS unendliche Zeiträume in Anspruch, er äußert sich ganz unmerklich; die Weltgeschichte zeigt un« jedoch, besonders in den letzten Iahv Hunderten, eine Vervollkommnung, deren schnelles Wachsthum im Vergleiche mit den Millionen Jahren, die zur Entwickelung selbst der unscheinbarsten Abänderungen nothwendig sind, ein schwindeb erregende« genannt werden muß. Da« ist denn doch verdächtig und läßt uns überlegen, ob nicht noch eine andere Kraft im Spiele sein müsse. Und e« giebt noch eine zweite! Beim Thiere allerdings ist der Forischritt nur ein unbewußter. Aber sobald die Intelligenz sich vermehrt, sobald man im Stande ist, die Gesetze de« Daseins zu erforschen, kann und wird man diese Kenntnisse zur Verbesserung seiner Lage benutzen, man wird bewußt fortschreiten. Da« ist auch der Unterschied zwischen Mensch und Thier. Letztere« hat genug, sobald e» seine physischen Bedürfnisse befriedigt hat; ist eS satt, so denkt e« nicht mehr daran, welche Mühe es z. B. gekostet hat, die Nahrung zu erlangen. Aber im Laufe der Zeiten gelangte wahrscheinlich eine Affenart durch natürliche Zuchtwahl auf eine so hohe Stufe der Intelligenz, daß sie nach mehr Wohlbehagen und Glück verlangte, als die Verhältnisse ihr darboten, sie zweifelt, ob der bisherige Weg zur Befriedigung der Genüsse der beste ge- wesen, sie wurde unzufrieden und somit war der Anstoß zum Fortschritt gegeben; denn man bemüht sich nun, die Erfahrung Lebens wir auch immer annehmen, ja, wenn wir auch jeden Zweck gebrauchend, das Bestandene umzustoßen und Besseres an dessen überhaupt ausschließen mögend eineS wird man nun zugeben müs- Stelle zu setzen. Dadurch wurde au« dem Assen ein Mensch, bis fen, daß die Naturgesetze befolgt werden sollen. Denn dahin war er Thier— der erste Revolutionär war der nimmt man kein Endziel au, dem wir entgegeueilen, so soll man erste Mensch. nach den Gesetzen deswegen sich richten, weil ihre Mißachtung Widerwärtigkeiten und Zwiespalt aller Art hervorruft; nimmt man aber einen Endzweck an, so wäre es doch undenkbar, daß er nur durck Richtbefolgung dieser Gesetze erreicht werden könnte, da er dann unerreichbar, also doch nicht daS Ziel deS Menschen wäre. Den» den Gesetzen der Natur kann sich Niemand vollständig eut- Ziehen, wobei noch hinzuzufügen ist, daß, jemehr die Abschließnng von der Natur gelingt, desto mehr Unheil mit diesem Zustand verbunden ist. Nar der Mensch ist im Stande, zu revolutiouiren. DaS Thier kann unzufrieden sein mit seiner augenblicklichen Lage und da- gegen ankämpfen— der Hund beißt seinen Quäler, daS Pferd bäumt sich und sucht den Reiter abzuwerfen— daS Thier empört sich, e« revolutionirt nicht. Denn Revolution nenne ich jede durch vorgeschrittene Er kenntniß stattfindende Umwälzung der Anschauungen der Leben«- und Produktionsweise. Die gewaltsame Erhebung, die man gewöhnlich Revolution nennt, ist nur eine Folge der versuchten gewaltsamen Unterdrückung derselben. Je näher daher Die Gesetze der Natur kennen wir aber nur, so weit unsere� der Mensch dem Thiere, desto mehr Aufstände, desto weniger Re Erfahrung reicht, so weit unsere Sinne un« nicht im Stiche volutioneu. Sehr schön legt Buckle oeu Umetschiev zwischen Un- lassen— alles Andere ist in der Lust schwebende Hypothese. Mag eS ruhe und Revolution dar:„In den beflcivilistrten Ländern ist die daher auch ein Leben nach dem Tode, obgleich die» erst an der Richtung immer die, selbst ungerechten Gesetzen zu gehorchen, aber Hand der Erfahrung, nicht mit Hilfe der bloßen Spekulation be-� während man ihnen gehorcht, auf ihre Abschaffung zu dringen. wiesen werden wüßte, mag eS eine Unsterblichkeit geben, wir kennen � Die« geschieht, weil wir einsehen, daß eS besser ist, Uebelstände sie nicht, am allerwenigsten ihre Gesetze, wir haben uns daher nur aus dem Wege zu räumen, als sich ihnen zu widersetzen. mit diesem Leben zu beschäftige», und können daS andere,„bessere",� Während wir uns einer besonderen Beschwerde unterwerfcn, greifen den Theologe» überlassen.[wir daS System an, aus dem diese Beschwerde entspringt. Da Irdisches Glück allein haben wir zu suchen. Was ist aber Glück? Eicherlich ein sehr subjektives Ding, worunter Jeder etwa« Anderes versteht. Der Eine meint Reichthum, der Zweite Liebe, der Dritte Ruhm und so fort bi« ins Unendliche. Darüber stehen die Meinungen nicht fest. Eines aber wird von Pllen als unerläßliche Borbedingung deS Glück«, ja als daS höchste Glück selbst anerkannt, da« physische Wohlbefinden. Die moderne Wissenschast, die da lehr», daß die psychischen Erscheinungen nur eine besondere Form der physischen sind, daß daS Geistesleben nichts ist, als ein chemischer Prozeß im Gehirn, welcher Stoffe zu seiner Ernährung gebraucht, daß daher ein normaler Stoffwechsel uner- läßliche Borbedingung eine» andauernd normalen Geisteslebens ist, st» hat va» Urtheil de« gesunden Menschenverstandes bestätigt: mens s»ua in eorporv sano.(Ein gesunder Geist im gesunde» Körper. R. d. B.) Welche» immer daher unsere Ansichten über mit eine Nation diesen GcsichtSpunkr fasse, braucht eS eine gewisse Stufe de« Geistes, wie sie in den dunkleren Perioden der euro- päifcheu Geschichte unerreichbar war. Daher finden wir, daß im Mittelalter Unruhen unaujhörlich, Revolutionen aber selten statt- fanden. Aber seit dem 16. Jahrhundert vermindern sich lokale Aufstände, die durch unmittelbare Ungerechtigkeit hervorgerufen wurden und macken Revolutionen Platz, welche mit einem Male ihre Schläge gegen die Quelle richten, au« welcher diese Ungerechlig teit fließt. Es ist nicht zweifelhaft, daß die« eine günstige Aenve rung ist, theil«, weil e» immer gut ist» von den Wirkungen zu den Ursachen aufzusteigen und theilS weil Revolutionen seltener find als Aufstände und daher der Friede der Menschheit seltener gestört werden würde, wenn die Menschen sich gänzlich auf diese weitergreifende Abhilfe beschränkten. Zugleich sind Aufstände ge� wohnlich im Unrecht, Revolutionen immer im Recht. Ein da« Glück sein möge», da« physische Wohlbefinden ist uner- Ausstand ist nur zu oft die wahnsinnige und leidenschaftliche An läßliche Vorbedingung deS irdischen Glücke«, daS haben strengung unwissender Menschen, die irgend einen unmittelbaren wir vor allem anzustreben. Man mag da« Materialismus in der gröbsten Form nennen; einer idealeren Gesinnung mag eS wohl entsprechen, wenn mau die großen Geister hungern läßt, um sie nicht zu Gemeinem her- abzuziehen. Ich aber bin der Anschauung, daß die Entsagung von allem Irdischen de» Appetit nach demselben nur steigert, nicht stillt. Aebrigeu« habe ich nur gesagt, daS physische Wohlbefinden sei Vorbedingung alle« irdischen GlückeS, ohne dasselbe könne man kein Glück voll und ganz geuießeu. Unsere Mittel aber zur Erlangung und Bewahrung diese« Vhhsischen Wohlbefinden« find, wa« ich wohl nicht erst zn beweisen brauche, sehr unvollkommen. Daraus folgt aber nicht, daß man die Hände in den Schoß legen und klagen solle, unser ganze» Wissen bestehe darin, daß wir nichts wüßten, man muß viel- wehr den Fortschritt, die Vervollkommnung dieser Mit- lel, anstreben, weil man damit auch die Fähigkeit zu größerem Tlücke anstrebt. Allerding« scheint Manchem ein solche« Streben ei» unnütze» zu sein. Der Fortschritt, spricht der Bourgeois, findet ja ohne- hin unbewußt statt durch die natürliche Zuchtwahl. Dar- wm hat doch so schön nachgewiesen, daß dem Kampfe um« Dasein die ganze Vervollkommnung der organischen Welt zu verdanken sei. Wer daher den Kampf umS Dasein, der beim Menschengeschlecht im Kriege, der Covcurrenz rc. sich zeigt, beseitigen will, der be- feitigt damit die Grundlagen de« Fortschritt«, den Fortschritt selbst. Der Sozialismus thut das, statt daher den Forderungen der mo- derne» Wissenschaft zu genügen, stellt er sich ihnen auS mißver- standener sentimentaler Humanität oder an« Unwissenheit entgegen. Und mit dieser Ansicht meint der„gebildete" Mann„auf der Höhe seiner Zeit" zu stehen. Damit scheint er Recht zu haben— er scheint es aber auch nur. Der unbewußte Fortschritt durch den Kampf um« Dasein nimmt Druck nicht ertragen können, und sich nie die Zeit nehmen, die entfernten und allgemeinen Ursachen davon aufzusuchen. Aber, wenn eine Revolution da» Werk der Nation selbst ist, so gewährt sie immer einen glänzenden und Ehrfurcht gebietenden Anblick, denn zu der sittlichen Entrüstung, welche da« gegenwärtige Uebel hervorbringt, fügt sie drc intellec!u-llen Tugenden der Voraussicht und der Berechnung hinzu; und indem sie so IN einem Akte Aeuße rungen der menschlichen Natur von der edelsten Art vereinigt, er- reicht sie einen doppelten Zweck: sie bestrast nicht nur den Untev drücker, sondern nimmt auch den Unterdrückten ihr Joch ab." (Gesch. d. Civilis, in England, II. 147.) Die Revolution ist also ein civilisatorischer Faktor; je vorge- schrittener die Kultur, je schneller die Erkenntniß sich verbreitet, in desto kleineren Zeitläufen folgen auch die Revolutionen auf- einander, desto kürzere Zeit dauern, desto bewußter werben sie und mit desto größerer Eibitterung bekämpft man dieselben daher. Die erste Revolution war vielleicht daS Auskommen der Sprache, fast unbewußt, mehr noch durch natürliche und geschlechtliche Zucht- wähl als durch die Intelligenz gesörrert— e« giebt eben keine scharfen Grenzen in der Natur, auch nicht zwischen Thier und Mensch. Diese erste Revolution hat wahrscheinlich auch am längsten gedauert, tausende von Jahren mochten vergehen, beoor man nur einigermaßen lallen konnte, so langsam wird diese Neuerung sich eingebürgert haben, daß auch der conservativstc Affenmensch wahr- scheinlich nichts dagegen einzuwenden hatte. Bewußter und kürzere Zeit andauernd werden wahrscheinlich die folgenden Revolutionen gewesen sein, die Einsührung deS FeuerS, des Pfluge«, de« Geister- glaubcnS und BetenS zc. Mancher„Csnseivative" hielt daS Feuer vielleicht schon für eine gefährliche„Neuerung" und aß sein Fleisch lieber roh. Doch genug Hypothesen I Die erste große Revolution, von der wir Kenntniß haben, ist das Christenthum. In der ganzen langen Epoche de« Älterthums wimmelt e» zwar von Ausständen und po- litischen Umwälzungen, aber eine sociale Revolution findet nicht statt. Die Sklaverei, die Familie bleiben die ganze antike Zeit hindurch unverändert, e« handelt sich bei allen Kämpfen in Rom und Athen nicht um Befteiung der Massen, sondern um Erweite» rung der Herrschaft auf alle Freien; alle Republiken de« Alter» thum« sind weitere oder engere Aristokratien. Doch da« Sklaven- thum trug de» Keim de» Tode« in sich. Auf der einen Seite erzeugte eS ein hungrige« Proletariat, während e« die tonangebenden Klaffen mit immensen Reichthümern überschüttete, so daß diese verweichlicht, entnervt, entsittlicht, grausam und schamlo« für da« National-ZuchthauS, oder, um mit Herrn Mommfen zu reden, für den CäsarlSmn« reif waren, da dem Freistaat die Lebensfähigkeit mangelte. Jetzt, wo die herrschenden Klassen so tief gesunken waren, daß sie der Lanne eines Manne» sich preisgaben, da war die Zeit für die Unterdrückten gekommen— die Revolution de« Christen- thum» erhob sich. Leider hatte dieselbe ihre Heimat im Süden, wo die Feigheit, die Furcht vor der Obrigkeit und die Indolenz so zu Hause sind, daß man e» auch jetzt nicht wagte, da« Uebel zu vernichten. Man ließ den Sklaven Sklaven sein, gab dem Kaiser, wa« des Kaisers war, oder vielmehr, wa» dieser sich nahm, und baute sich den socialen Staat im Jenseit« au«— allerdings eine bequeme Lösung. Die Revolution de» Christenthums dauerte 3 Jahrhunderte, sie war noch zum Theil unbewußte Revolution, Gott und nicht die Verhältnisse sollten sie hervorgerufen haben. 1200 Jahre ver> fließen bis zur nächsten Revolution, die getragen wird von der Idee der religiösen Freiheit. Sie tritt bewußter aus und dauert nur mehr hundert Jahre. Schon nicht ganz zwei Jahrhunderte später eine neue Umsturzbewegung zur Herstellung der politischen Gleichheit! sie währt in Frankreich nur etwa drei Jahrzehnte, ob- gleich man da die Daten nicht so ge»au angeben kann. DaS Jahr 1848 ist noch als ein Ausläufer derselben, zugleich aber als ein Vorläufer der bevorstehenden Umwälzung de« gefammten socialen Leben» anzusehen, ebenso die Commuic von Pari«, etwa so wie die Albigenser- und Husstten- Kriege Borspiele der Reformation sind. Diesmal wird eS nicht mehr so lange brauchen, nicht umsonst heißt unser Jahrhundert da« de« Dampfe«— schnell schreiten wir vorwärt«, die sociale Umwälzung ist nahe! Den Herren, die die Wirkungen des Kampfe« um« Dasein so hoch anschlagen, möchte ich bemerklich machen, daß dieselbe», ver- glichen mit denen der Revvlutisnen, im Bölkerleben gleich Null sind. Durch natürliche Zuchtwahl wurden wir Wilde aus Affen, durch Revolutionen civilifirte Menschen au« Affenmenschen; so hoch sind wir durch dieselben gestiegen, daß zwischen Mensch uud Thier ein derartiger Abstand besteht, daß oberflächliche Beobachter ein eigenes Menfchenreich annehmen konnte». Ja, der Kampf um» Dasein wirkt jetzt sogar schädlich, er hält den bewußten Fort- schritt auf, indem er die Männer der Wissenschaft, von denen jegliche Umwälzung ausgeht, zu Brodgelehrten, uu- fähig zu freier Forschung macht. Der Menschenfreund geht im Kampfe um» Dasein zu Grunde, der rücksichtslose Egoist be- steht ihn glänzend. Die größten Genie« sind in dem Kampfe um« Dasein zu elenden Lohnschreibern herabgesunken; wer für den Fortschritt kämpft, verhungert, wer flch ihm widersetzt, erstickt oft im Fette, die Sorge um da« tägliche vrod hat noch Nie- manden groß, sie hat sehr viele klein gemacht. Sozialdemokratie«ad Mnckerökonomie. ii. Die Vorschläge de« Herrn von der Goltz. Herr von der Goltz hat sich einige Verdienste um daS Sam- mela von Material zur Erforschung der Lage der Landarbeiter erworben. E« ist da« eine ähnliche Beschäftigung wie die der Ameisen. Da aber die meisten Ameisenarten Communisten sind, so hört hiermit die Vcrgleichung mit dem Herrn Doktor schon wieder aus. In den Wissenschaften ist da« Zusammentragen, Sammeln von Thatsachc«, bekanntlich eine mehr untergeordnete Thätigkeit. DaS wird schließlich jeder Tertianer von einigem klaren Verstand auch vermögen. Der Wissenschaft eigentlicher und letzter Zweck aber ist» au« dem unförmigen Haufen von todte» Materialien eine durch- geistigte Gestalt zu bilden. Diese« Gestalten ist nun bei unserem Eittenmonopolistcn ein recht eckige«, unbeholfene« und geschmack- lose« geworden. Zunächst empfiehlt er de» bekaunt-n„Königs- trank": Hebung der geistigen und sittlichen Bildung, durch Klein» kinder-FortbildungSschulen mit recht viel„positivem" Religion»- nnterricht an« den alt- und neutestamcntarischcn Iadenmärchen; serner durch Errichtung von VolkSbiblio-hekenI Diese letztere Idee de« ostprcußischen Gelehrten ist ganz und gar sein geistiges Eigenthum, ja geradezu eine Erfindung von immensem Einfluß — auf die Erschütterung de« Zwerchfell». ES ist für jede» wahren und consequenten Sozialdemokraten, also für eine» Menschen, der sich die oben unter L, II. und III. angegebenen Formulirungen geistig angeeignet hat, ein wahre« Labsal, wenn er steht, wie daS von Lassalle gesprochene Wort in Erfüllung gegangen ist:«daß in Folge de« Ernstes seiner Gesinnung die Bildung de« Arbeiter- stände»(richtiger, der Sozialdemokraten) die halbe Bildung unserer liberalen Zeitungsschreiber überwiegt". Heute vermag man hinzu- zufügen auch eines großen Theil« der UniversilätSprofefforcn.— Und nun zur„VolkSbibliothek", wie sich dieselbe der Herr Professor, Doklvr und Freiherr vorstellt. Er führt in seinem Werke„die ländliche Arbeiterfrage" ca. 200 Bllchertitel auf. Davon sind die eine Hälfte Jagendschristen(also für Kinder!), die andere Hälfte besteht auS gereimten und ungereimten Ammenmärchen, Schriften der inneren Urmuckermisfiou, und der Rest enthält theil« vermo- derte, theils ladenhiiterifche Literatur. Unter den 200 von Herrn von der Goltz für eine»Lolttbibliothek" empfohleneu Büchern befindet sich etwa ein Dutzend, die man einem mit gesundem Ber- stand begabten Menschen gefahrlos, ich meine hinsichüich der Ge- Hirnerweichung, anzubieten vermag. Hören wir einige der Büchertiiel, wie sie der UniversitätSpro- fessor dem Bolle vorzulegen sich erdreistet: „Der arme Heinrich oder die Pilgerhütte am Weißensteiu." „Mick und Nick." „Louise Scköpler, Pfarrer« Dienstmagd." „Rcbinson, der Jüngere." „Geschichte der inneren Misston." „Kindcrmärchen." „Paul der Knecht." „Der Segen de« Herrn macht reich ohne Mühe." „Der alte Gott lebt noch." „Nur immer brav." „Wenn man nur recht Geld hat und warten kann." „Der Finger Gotte«." „Uli, der Knecht." „Wie Heinrich von Eifenfel« zur Erkenntnis Gott:« kam." „Die Ostereier." „Da« Täubchen." „Der Rosengarten." „Segen der Aibeit oder Bauer Frühauf." „Deutsche Geschichten für die Kindergube." Eint große Anzahl Biographien von Fürsten, Generalen, Königen tc. und KriegSerzählungen. Deutscher Michel, und ihr ländlichen Arbeiter, hört ihr e«? Solche« stupide Kleinkindergewäsch wagt mau euch Erwachsenen zur„Bil- dung" vorzulegen? Und da sage man noch, e« werde da« Volk uichi mit Bewußtsein in der Dummheit und Knechtschaft zu er- halten gesucht! Wir haben also gesehen, auf welche pharisäische Phrase die Be- werkung de« Herrn von der Goltz(stehe oben 3) hinausläuft. Während die Sozialdemokraten, also im Ganzen„nichtgelehrtc" Leute dem Volke die Schriften Laffalle'S, von Karl Marx, Düh- ring— ferner naturwissenschaftliche und überhaupt emanzipatorische Werke empfehlen, kommt man von Seiten der„stndirteu Herren" den arbeit-ndeu, politisch machtlosen Klassen mit„Robinson"! und at noch die edle Dreistigkeit zu sagen, die sozialistischen Führer alten dem Volke die„wahrhaft bildenden Schriften" vor! Voltaire, dieser große französische Kämpfer de« achtzehnten Jahrhundert«, dessen„Worte wie Thaten wirkten", hat ähnlichen Bestrebungen schon vor 110 Jahren in seiner vernichtenden Sa- thre„Hirtenbrief Uber die entsetzliche Gefahr de« Lesen«" ein unvergär gliche« Brandmal ausgedrückt. ES möge hier Einige« davon auszüglich folgen: —„Es könnte sich am Ende zutragen, daß Geschichtsbücher unter un« aufkämen, worin sich nicht« von jenen Wunderhistorien fände, so die Nation in ihrer glückseligen Dummheit erhalten." —„Es würde zweifelsohne geschehen, daß wir durch da« Lesen der Schriftsteller, die über ansteckende Krankheiten und die Art und Weise, ihnen vorzubeugen, schrieben, endlich unglücklich genug sein würden, un« vor der Pest zu schützen, welchergestalt wir un« eine« maßlosen Frevel« wider die Rathschlllsse der Vorsehung schuldig machten." —„Aus solchen und anderen Ursachen verbieten wir bei ewiger Verdammniß da« Lesen." —„Ferner befehlen wir unser» Völkern unter Androhung der- selben Strafen sich alle« Denken« durchaus und mit Fleiß zu ent- halten je."— I« Uebrigen laufen die Mittelchen zur„Hebung de« Ar- beiterstande«", welche der Freiherr vorbringt, theil« auf solche hin- au«, wie sie vr. Dühring schon vor einer Reihe von Jahren viel consequenter, radikaler und klarer vorschlug; außer diesen aber auf staatliche und namentlich kirchliche Bevormundung. Sozialisten Deutschland«! Ihr seht, wie da« Wort immer mehr zur Wahr- heit wird, daß gegenüber der sozialdemokratischen Partei alle Klassen ein fahle« Grau bilden! F. Politische Uebersicht. — E« giebt noch Richter in Preußen, aber sie sind auch danach! Aus Königsberg, 11. Sept., wird geschrieben: Heute verhandelte da« ostpreußische Tribunal in dem bekannten Mcmeler Sozialdemokratenprozeß in 2. Instanz und erhöhte die vom Krei«- aericht zu Memel gegen den bekannten sozialdemokratischen Agitator, Zimmergesellcn Lampe, wegen Vergehen« gegen da« VercinSgesctz festgesetzte Strafe von 4 Wochen auf 3 Monate Gesängniß, weil sich solche Straferhöhung empfehle, um der bekannten poli- tischen Thätigkeit de« Angeklagten wirksam entgegen- zutreten. Die politische Parteinahme eine« Gericht« gegen einen Ange- klagten ist zwar ganz unvereinbar mit dem Begriff der richterlichen Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, aber wir sind daran längst ge- wöhnt, und un« überrascht an dem vorliegenden Falle nur die Ofsenherzigkeit, mit welcher die Herren„Richter" den Verdacht der Parteilostgkeit von sich fernzuhalten wissen. — GesetzeSverachtuug aus Seiten der Bourgeoisie und der„Obrigkeit". Wir haben schon sehr häufig daraus hingewiesen, daß die angeblicb zum Schutze de« arbeitenden Volkes gegebenen Gesetze überall da keine Beachtung finden, wo sie ernstlich mit den Interessen der Besitzenden in Conflikt gerathen. Unsere Worte haben natürlich bei unfern Gegnern taube Ohren und eherne Stirnen getroffen— welcher„anständige" Mensch kümmert sich auch um die Arbeiterklasse und ihre Vertreter! Jetzt scheint indessen die unzweifelhaft bevorzugende Pflege der Bourgeois- interessen feiten« der Regierungen und insbesondere der Reich«- regierung auch die Konservativen gründlich in den Harnisch ge- bracht zu haben, e« mehren sich wenigsten« die Kundgebungen konservativer Unzufriedenheit in auffälliger Weise. So hat ein Pastor Kittlau unter dem Titel: Ein mit Füßen getretene« Gesetz, ein Flugblatt erlassen, dem wir folgende, den höchsten Grimm verrathende, aber im Grunde vollkommen gerechtfertigte Auslassungen entnehmen: „Doch möchten wir heute auf einen Punkt aufmerksam machen, der die Autorität der Gesetze schädigen muß, wir meinen die offenbare Nichtachtung eine« einmal bestehenden Gesetze« feiten« de« Volke«(v. h. hauptsächlich de« liberalen„Volke«"— der Bourgeoisie! R. d. V.) und die Duldung dieser Nichtachtung sei- ten« der Obrigkeit. Mag man, ehe man ein Gesetz ausgehen läßt, doch die Verhältnisse gehörig prüfen und erwägen, ob dasselbe praktisch durchzuführen ist; aber ist ein Gssetz einmal promulgirt, dann maß der Staat mit aller Energie und Consequeaz dessen Befolgung durchsetzen. Nicht« schädigt, zumal in unsrer autorität«- losen Zeit, da« Ansehen de« Staates, ver Obrigkeit und des Gesetze« mehr, al« wenn ein bestehende« Gesetz offenbar mit Füße» getreten wird. Die« ist aber thatsächlich der Fall bei dem be- kannten ReichSgcsetz, wonach Kinder unter 12 Jahren nicht in Fabriken beschäftigt werden sollen. Wir halten die« Gesetz für ein« der besten unter allen, die in den letzten Jahren entstanden sind, jedenfalls heilsamer al« die in da« Leben der Kirche, auch der evangelischen Kirche, so tief einschneidenden Gesetz:, die mit soviel Energie und Consequeaz ausgeführt werden. Wir verlangen gleiche« Maaß. Ist dort die Durchführung möglich gewesen, mag sie auch verbunden sein mit Verbannung und Gefängnißstrafen für Bischöfe und ungezählt« Geistliche, dann wird sich wohl auch die» wohlthätige, zum Schutze unserer armen Jugend gegebene Gesetz, und zwar mit gelinderen Mitteln durchführen lassen. Wir reden hier nicht weiter von der Nothwendigkeit und Vortrcfflichkeit diese« Gesetze«, nicht davon, wie durch Fabrikarbeit die Jagend abgestumpft und geschädigt wird an Geist, L-ib und Seele, also daß man in der Schule leicht die Fabrikkinder von den andern scheiden kann; wäre da« Gesetz auch weniger gut, e« müßte besser durchgeführt werden, al« gegenwärtig thatsächlich geschieht. Wir lassen Thatsacheu reden. Als Schreiber diese« in seiner Eigenschaft als Lokal-Schulinspektor und Vorsteher de« SchutvorstandeS vor Jahresfrist in seiner Dorfschule eine Untersuchung in dieser Rch- wog anstellte, fand er zu seinem Erstaunen und Schrecken, daß von 310 Schulkindern 83 Kinder unter 12 Jahren, darunter Kinder von 8 Jahren, die Fabrik besuchten. Erkundigungen in andern Schulbezirken lieferten ein ähnliche« Resultat. Die Anzeige erfolgte; aber in welche« Wespennest war da gegriffen. Welcher Sturm brach lo«! Tagelang war da« Pfarrhaus von wüthenven Familienvätern und jammernden Müttern förmlich belagert.(Na- türlich! Die Leute brauchen ihre Kinder Dank der liberalen Wirthschaft zum Erwerb eincS Thüle« der unumgänglich noth- wendigen Existenzmittel! R. d. V.) Soll man es einem Geist- lichen, der doch solcher Gesetzesübertretung kaum ruhig und mit gutem Gewissen zusehen kann, zumuthen, auf solche Weise die Herzen seiner Gemeindeglieder sich zu entfremden? Da« muß der Staat verhüren, er muß Organe bestellen, die nicht darauf warten, bi« ein Kläger auftritt, sondern die selbst zur Uatersuchunz und Abstellung dieser U-belstände die Initiative ergreifen. Di; Fabrik- inspekroren thun hierin vielfach gar wenig, sie gehen wohl gar zum Theil von der Ansicht au«, eS lasse sich hierin Nicht« thun, man müsse durch die Finger sehen und die Sache gehen lassen. Aber wir lassen die Sache nicht gehen, wir erheben unsere Stimme gegen diesen Rothstand öffentlich und rufen denen, die es angeht, zu: Thut Eure Pflicht, erbarmet Euch der armen Jugend uno schaffet Achtung dem bestehenden Gesetze!" Bevor der Staat im Stande ist, solchen Gesetzen Achtung zu schaffen, müßte er erst die vorzüglichste Smtze seiner Macht— die Geldaristokratie— zwingen, auf einen Theil ihre« industriellen und kommerziellen Raube« zu Gunsten de« arbeitenden Volkes zu verzichten, und da«— will, darf und kann er nicht! ZZA z — Braunschweiger. Petroleure. Der„Braunschweiger BolkSsreund" schreibt:„Um die Pariser Commune zu schänden, hat mau da« Petroleum-Märchen erfunden, uno sucht heute noch den Glauben daran zu erhalten, obwohl es bereit« festgestellt ist, daß der größte Theil der Brandstiftungen von den Versaillern verübt ist, und daß von den Pariser Kämpfern nirgends Rache- zwecke im Spiele waren, sondern nur diejenigen BertheidigungS- mittel im bescheidensten Maße angewandt wurden, von welchen die Deutschen im Kriege eine» viel umfangreicheren Gebrauch machten. Thatsächlich? Petroleure aber kennen wir in Braunschweig. Heute sind eS 45 Jahre her, al« gedungene Banditen, mit schwarzen Masken versehen, da« Braunschweiger Schloß anzündeten, und diese That— die wenig Ruhmvolles enthält— wird in den liberalen Geschichtsbüchern«lS revolutionäre Heldenthat gepriesen. Bon einer Volkserhebung war damals keine Rede. Eine gewisse Clique benutzte, um für verletzte Eitelkeit Rache zu nehmen, einige überlölpclte Spießbürger und angestachelte Pöbelhaufen, um den Herzog Carl zu vertreiben. Der Herzog Carl war um kein Haar breit verrückter oder regierunzSunfähiger al« der König Ernst August von Hannover(und sehr viele andere Herrscher vor und nach ihm! R. d. V.), dessen Verfassungsbruch von derselben Partei, welche in Braunschweig„Revolution" machte, vertheibigt wurde. Der Herzog Carl hatte nur zu sehr die herrschenden Klassen ver- letzt, da« war sein Verbrechen; sonst hätte er noch tausendfach ver- rückt» sein können und wäre doch Herzog geblieben. Der Braun- schweig» Fall ist der einzige, in welchem der Bundestag gegen den „Landesherrn" Partei»griff, und— diese« sagt genug wohl schon." — Die Solidarität der Arbeiter aller Länder. Von Herrn Cremieux, an welchen da« Arbeiter- Comit« in Frankfurt die Beiträge für die Ueberschwemmten in Süd-Frankreich gesandt, hat Genosse Carl Klein folgende« Schreiben erhalten: Pari«, 21. August 1375. „An die Arbeit» in Frankfurt a. M. „En» Schreiben hat mir ein unaussprechliches Vergnügen be- reitet; Euere Gabe, entnommen dem geringen Verdienst der täglichen Arbeit und bestimmt armen Arbeitern, Euren Brüdern, wird für diejenige», welchen diese« Zeichen der köstlichsten Hingebung zu Ohren kommen wird, ein rührende« Andenken bleiben, tiefgefühlt im Grunde des Herzen«. „Ich habe sofort Euren Brief veröffentlicht, damit die Welt »fährt, daß die Arbeit» aller Länder nur eine Familie b'lden. „Herrliche Hoffnung für die Zukunft, welche die scheußliche Zwie- tracht niederwerfend, alle Völker zur brüderlichen Eintracht rufen wird. Ich habe Eure Sammlung dem Herrn Gertie» Ar»oult von Toulouse, meinem Freunde und Collegcn in der National- Versammlung, übergeben und demselben vorgeschlagen, um Eurem Wunsche nachzukomme», unter den vielen Unglücklichen zehn Ar- beit» auszusuchen, von welchen jeder ein Zehntel Eurer Gaben «halten wird. „Genehmigt die Dankbezeugungen der Unglückliche«, die An- erkenuung Aller Eure« guten Werke«! Glücklich, von Euch al« Ver mittler gewählt worden zu sein, bitte ich Euch, den Ausdruck mei- ncr herzlichsten Gefühle hinzunehmen. .gez. Ad. C.remieux." � j- �Der Brief befindet sich im„Le Siöcle" unterm 13. August abgedruckt.— Wir wünschten, daß das Bewußtsein, wie sehr da« arbeitende Volk aller Culturländer durch gemeinsame Interessen ge- wissermaßen zu einer Familie v»bundeu ist, bereit« unter allen Ehrlichgesinnten verbreitet wäre. — Der Bock al« Ziergärtaer. Die rn'i dem Verlust et- licher Menschenleben erfolgte gewaltsam: llaterdrückanz des Jirike« am Gotthardt-Tunnel, über welche Shandthat wir uusece» Lesern berichtet haben, hat eine„Untersuchung" Seitens ver Uc«-r Regierung zar Folge gehabt. Es ist das dieselbe Regierung, nach deren Befehlen gegen die strikendea Arbeiter eingeschritten worden ist. Die Mlssethäter sollten also über sich selbst Recht spreche»! Jetzt ist die Untersuchung, deren Resultat noch unbekannt ist, ge- schloffen. Welch» Act das Resultat aber sein m«ß, erhellt wohl am besten an» dem Umstände, daß die Baad-«regierung in Bern sich gedrungen gefühlt hat, von BandeSwegea ein: anderweete U iter-] suchunz anzustellen. Nun, wir werdeu sehen, wa« nun die Schweiz» Bundesregierung heran«„untersuchen" wird. — Die Stimme der Vernunft vontr» Blut und Eisen. I« Anfang diese« Monat« hat in Hing, der Restvenzstadt von Holland, ein„völkerrechtlicher Congreß" getagt, welcher ans An- trag des seit Iahren für da« Institut eine« internationalen Schies«- gerichte« wirkeadea enzlischen Parlamentimitgliedel Richard eia-' stimmig folgende Resolution annahm:„Die Association sieht mit der größten Unruhe und de« tiefsten Bedauern die enormen und stet« anwachsenden Waffnanzen in Europa, da diese unberecheu- bare Lasten ans die BeoSlkerunzin hänfen, Million« Measchea dem productioen Schaffen entziehen und bei den Nationen gegen- s-itize« Mißtrauen, Furcht und Unruhe erwecken. Die Assocition hält e» für die Pflicht der Regierungen, im Interesse der Mensch- lichkeit und Civilisation und im Jiteress: der Wohlfahlt ihrer eigenen Uaterthanen mit einander Unterhandlungen zu pflegen, um die gegenseitige Beschränkung der Rästnnzen, welche weder die Sicherheit, noch den Frieden»zielen, sondern im Gezentheile ein- andauernde KdegSdroyung darstellen, herbeizuführen." Eine ähn- � liche Kandgebnag hat gleichzeitig in Pari» stattgefunden. Seit dem 3. d. M. weilte dort eine Delegation der englischen Arbeiter- vereine und namentlich de«„Arbeitersciedensbund-S". Der Zoeck. ihrer Reise war hauptsächlich, Anhänger für das Prinzip d» inter- nationalen Schiedsgerichte zu gewinnen. Aus einer von den Parisern„Friedensfreunde»" veranstalteten Conf-c-nj, welcher Herr A. DeSmoulin« präldirte, wurde folgend- Resolution einstimmig angenommen:„In Erwägung, daß die g-werbtreib-noen C lassen zu ihrer sittlichen und intellectnellen Entwickelnng des Aafschwung« deS Handels und der Boltswirthschafc ducchrus bedürfen; daß der Krieg zwischen den Nationen die Pcodnciion verminvert, de» Preis der Dinge erhöht, Finanzlasten anhäuft, den nationalen Fortschritt hemmt und nie auf dauerhafte Weise die Streitizk-it-a zwischen den Völkern endet, giebt die Versammlung ihre nachdrücklichste Zustimmung dem Prinzip der internationalen Schiedsgerichte als dem praktischsten, vernunftg-mäß-sten und billigsten Mittel die internationalen Sireitfragen zu erledigen." Einen praktischen Erfolg werden diese Demonstrationen gegen- über der in Europa herrschenden Blut- und Eisenfucie natürlich nicht haben— schaden kann ftdoch der von Zeit zu Zeit er- brachte Beweis keineswegs, daß es unter allen Völkern Europa« Menschen genug giebt, welche die Verantwortlichkeit für den Massen- mord ectschiedea auf die Schultern der Regierungen und ihrer bezahlten Trabanten zurückweisen. Innere Partei- Angelegenheiten. Zu Agenten de« Vorstände« wurden ferner ernannt: für Alten- bürg(S.-Ältenb.): L. Kamprad, A. Ziegler; Altenoors: I. Mink; Augsburg: F. Hörauf, G. Neuner; BnrkharvtSvorf: C. G. Görner, C. F. Görner; Frankfurt a. M.:——, H. Mattfeld; Freiburg: H. H-ndrichS; Fürth: A. Zick; Geestendsrf: F. Kceatz, Heine- mann; Hansen: A. Sattler, P. Hdfmana; Kaufbenecn: I. Neu- Häuser, E. Bcöll; Kirchhain i. L.: F. Joroaa, G. Schurig; Leubnitz: E. Böhr; Limbach: F. A. Lautenschlägec, F. Drechsler; Limmer: H. Reichenbach, H. Helmke; Osnabrück:--, I. Otto; Pomm-r-nzdorf:--, Fachs; Reichenbich i. S.: R. Müller, F. Groß; Rochlitz: F. Männel, W. Schier; Schwabing: N. Äceup- ling, F. Merkel; Stötteritz: C. Hoffmana, G. Bierling; Stoll- berg: F. Frenzel, C. Becker. Wir bitten, bei neuen Anmeldunzen die genauen Asreffen der beiden Agenten(beim Sekretariat) angeben zu wollen. Hamburg, den 14 Sept. 1375. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A.: I. Auer. C. Derossi, Gr. Roseastc. 36, ll. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmach». Aresde«. Im Interesse aller reisenden und arb-itsucheade« Collegen bringen wir hiermit wiederholt zur Kenntaiß, daß sit der Schuhmach-rv-rk-hr in Hamann« Gasthan«. Schreibergasse 7, befindet. Daselbst Montag, Dienstag, M ttwoch und DonnerstaZ Vormittag« von 10—12 Uhr geschieht der Arbeitsnachweis. Außer- halb dieser Zeit in der Wohnung de« Unterzeichneten. Da e« gerade hier so häufig vorkommt, daß sogar GewerkschastSmitglieder aus den Arbeitsnachweis der Arbeitgeber gehen und dadurch sich selbst schädigen, indem sie un« Coucurrenz bieten, sei c« jedei« Collegen an'« Herz gelegt, nur in unserem Bureau nach Arbeit Z« fragen. Schon jetzt bestellen viele der geachtetsten Arbeitgeber ihr« Gehülsen bei un«. Collegen, nur dadurch können wir die Arbeit geber zwingen, den Arbeitsnachweis ganz in unsere Hände z« geben, wenn kein Arbeit» mehr andere Bareau« wegen Arbeit aufsucht, al« die, welche sich in Händen der Gehülfen befinde»- Mit Gruß G. Ogorsolka, Mathildenstraße 14, 4 Tr. � NB. Arbeitersreundliche Blätter wcrden ersucht, Vorstehende« in ihre Spalten aufzunehmen. GewerkSgenossenschast der Mauafaktur-, Fabrik- und Haud- arbeit» oeid»lei Geschlecht«.(Sitz Weimar). Aeatkinge». Nachdem vor 4 Monaten hier eine Manufaktur' arbeiter-Gewerkschaft in'« Leben gerufen worden ist, wurde i>« Monat August auch die Krankenkasse gegründet, die sich bereit« einer regen Theilnahme erfreut und auch an hiesigem Platz: ei« Bedürfniß ist, da in den hiesigen Deckenfabriken weder Fabrik' Krankenkassen(nach welchen wir un« zwar nicht sehnen!), no« Arbeitectassea bestehen. Warum wir gegen die Fabrikkassea sin� mag Folgendes darthun: Es besteht hier eine Fabrik mit einet Krankenkasse, in die monatlich 50 Pf. einbezahlt werden müsse»' wofür der Arbeiter im Krankheitsfälle wöchentlich eine Uaterstützn»« von 3 Mrk. 50 Pf. erhält, während uusre GewsrkschaftS-Kranke»' lasse bei ebenfalls 50 Pf. monatlicher Einlage wöchentlich ei»' Unterstützung von 7 Mrk. ausbezahlt, als» gerade das Doppels Rechnung wurde innerhalb 3 Jahren den Arbeitern jener Fabc» nicht abgelegt, obschon von einzelnen Arbeitern der Fabrik Reäl' 1 »unzSablize verlangt wurde. Statt dessen wurden die Arbeiter sofort gemaßcezelt, weil sie sich erfrechten, sich zu ertundizen, wo das von ihnen selbst eingelegt: Gelv hinkoatNe. Darauf wurde dm librig-n Arbeitern eröffnet, daß das Gelb dieser Kaffc auS ttber 2000 Thaler bestehe. Trotz dieses Kapitalbestandes wird aber immer noch daS ungenügende UnterstützungSzelv bezahlt, und die Arbeiter müssen zu dieser Ungerechtigkeit schweigen, um nicht gemaßregelt zu werden. ES wird Jeder einsehen, daß die Fabri- kanten mit solchen Kassen daS Wohl ihrer Arbeiter nicht im Auge haben. Deshalb Collegen allerorts! Tretet bei zur Gewerkschaft und (ur Krankenkasse! Auch wir müssen unsere Jntereffen zu wahren uchen, wenn wir nicht auf die slufe unserer schlestschen Brüder hinabsinken wollen. Karl Kohfink, Borsttzender der Kraukenkasse. Allgemeiner deutscher Töpfervercin. Mesöade«. Al« wir wegen de« durch den München«: Strikt entstandenen Defizits eine Steuerhöhung ausschrieben, glaubten wir nur unsere Pflicht erfüllt zu haben. Daß die Mitglieder nicht überall damit einverstanden find, beweisen die Proteste, die von einigen Mitgliedschaften eingelaufen find. Dieselben haben theilS wohl ihren Grund in dem noch nicht überall verbreiteten Gefühl der Gemeinsamkeit, theilS darin, daß noch nichts über die Mnuchener Angelegenheit bekannt gemacht wurde, waS seine guten Gründe hatte. Als voriges Jahr unsere Organisation in voller Blüthe stand, da sollte sie die Feuerprobe bestehen. ES wurde in Ham- bürg und München der Anfang gemacht; man suchte von Seiten der Fabrikanten und Meister daS alte Unding der Innung auS der Zunftzett wieder hervor, damtt man auf diese Art die Arbeiter wieder iu die Gewalt bekäme. Da die Meister aber sahen, daß die Arbeiter nichts von ihrer Innung wissen wollten, so erfolgte die Aussperrung. In Hamburg stellten die kleinen Meister sich auf die Seite der Arbeiter, waS den Erfolg halte, daß unsere Hamburger Coll>gen ihre Forderungen durchsetzen konnten. In Müuchen stand die Sache anders; dort machten auch die kleinsten Meister gemeinsame Sache mit den großen, und als man sah, daß die Collegen sich doch nicht beugen wollten, da rief man die heilige Polizei so lange an, bis dieselbe sich erbarmte und die Münchener Mitgliedschaft auflöste. Dazu halte die Polizei freilich kein Recht, da die Münchener Mttglieder keinen eigenen Verein bildeten, son- dern nur dem G�sammtverein angehörten, der in Hamburg seinen Sitz hat. Dennoch stellte man sie unter Anklage, jedoch sie wurden kürzlich ganz freigesprochen, wogegen der Staatsanwalt die Beru- sung angezeigt hat. Damit, Collegen, ist die Feuerprobe bestandeo! Beide Kämpfe haben Propaganda für uns gemacht, so daß wir mehrere neue Mitgliedschaften gewonnen haben. Noch ein Sturm- lauf gegen unsere Organisation von Seiten der Meister und wir haben die andern Städte auch erobert. DcShalb, Collegen, rufe ich euch zu, verlaßt die Vorkämpfer nnsrer gemeinsamen Sache nicht in dem langen schweren Kampfe, den sie durchzufechten haben und in dem sie sich bisher standhaft gezeigt haben. Es ist unsere heilige Pflicht, unsern Antheil an den Opfern zu tragen, welche die Collegen in München gebracht haben. Ich schreibe daher eine Urab ftimmung auS über die Erhöhung des Beitrags von 10 auf IS Pf. vom 1. August an und ersuche die Bevollmächtigten, innerhalb 14 Tagen von dieser Bekanntmachung an, dieselbe vorzunehmen, und mir unverzüglich daS Resultat der Abstimmung mit Ja oder Nein bekannt zu geben. Es wurden als Bevollmächtigte vorge- schlagen: für Darmstadt I. Stoll, Ki-Sstraße Nr. 1, BcrkchrSlokal Nim Anker, große Ochsengasss; für Uetersen Fritz Sellmann, per Adresse Schlächtermeister Hölk. Die Bevollmächtigten bitte ich, unsere Organe aufmerksamer zu lesen, damit die vielen Jrrthümer vermieden werden, die an einzelnen Orten bisher vorgekommen find. Mit collegialifchcm Gruß Jos. Schweiß, Vorsitzender, Karlstraße 28. Reivh. Bollschweiler, Kassirer, Schwalbacherstr. 11. Kraukenkasse der GewerkSgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts. Krimmitschn«, 12. September. Auf Beschluß der Vorort«- Werwaltunz werden die Vertrauensleute angewiesen, alle vom Auf- fichtsrath ausgegangenen Briefe sofort nach Apolda an die Adresse: C. Kettet Apolda, mit dem Vermerk B. d. A. zu richten. Diese Briese werden der Generalversammlung uneröffaet übergeben werden. Die VorortSverwaltung. C. Pampel. Allgemeiner Böttcher-(Küper-) Berein. Ucrki«, 9. September. Da in der hiesigen Faßsabrik(Actien- gesellschast) vor einiger Zeit während des schlechten Geschäftsganze« «ine Lohnreduklion von 10 Proz. eintrat, jetzt aber der Geschäfts- gang ein guter ist, und von sammtlichen dort arbeitenden Collegen, ungefähr 40 an der Zahl, die Erhöhung des LohnS auf die frühere Summe gefordert, diese Forderung aber von der Gesellschaft zurück- gewiesen wurde, ist am Mittwoch, den 8. dS, die Arbeit eingestellt worden. Es ist jetzt die Pflicht sämmtlicher Collegen Deutschlands, dafür zu sorgen, daß der Zuzug fern bleibt. Es kann vielleicht sein, daß die Gesellschaft Agenten aussendet, um neue Arbeitskräfte heranzuziehen. Unterzeichneter ersucht deshalb sämmtlichc Arbeiterzeitungen, obigen Bericht abzudrucken. Otto Fischer, Borsitzeuder. BlB, Ferner ist zu melden, daß die Arbeitseinstellung in der Spritsabrik PotworowSky u. Co. in Posen während der Zeit von 8 Wochen stegreich beendet ist. Meine Wohnung ist vom 1. Ok- tober an, Amalienstr. 12, Keller. Der Obige. Correspondenzen. ZSerttn, 11. September.(Preßprostitution.)„Eine junge Wittwe wünscht die Bekanntschaft eines reichen ältern Herrn zu machen. Adressen unter E. 179 in der Expedition dieser Zeitung.« Solche Annoncen kann man täglich zu Hunderten in der söge- nannten„anständigen Bourgeoispresse" Berlins finden! Die In- gend der sich anbietenden Wittwe, da« Alter des gesuchten Herrn, vor Allem aber der geforderte Reichth um desselben find so charak- teristische Momente, daß die Annonce gleichsam als Typus ihrer ganzen Gattung aufgestellt werden kann. Und die Spalten der BourgeoiSorganc dienen solchen Prostitutionsgesuchen als Kuppler und Vermittler! Elon olvt pvouniu(da« Geld stinkt nicht)! Die Besitzer der Zeitung, die solche Annoncen aufnimmt(die„Vossische Zeitung«), stammen vom charaktervollsten, moralischsteu und kritisch schärfsten aller deutschen Dichter und Denker, von Lesstng ab. Sie besitzen diverse Millionen! Non olet peeuuia! G. R. Aresla«, 10. Sept.(Die Kaisertage. Parteinachrichten.) Ohne Zweifel sind auch Sie durch die ewigen„Programme zur Reife Sr. Majestät« ermüdet worden, welche die Zeitungen schon seit Wochen brachten, ohne Zweifel haben auch bei Ihnen schon die nationalliberaleu Blätter der großartigen Vorbereitunzen Er- wähnunz qethan, welche in hiesiger Kzl. Haupt- und Residenz- stadt zu Ehren der„Allerhöchsten, Höchsten und Hohen" Gäste veranstaltet wurden. Wie rissen sich nicht blo« die Geheimen Commerden- und CommisstonSrälhe und— solche, die eS werden wollen, um die Ehre, irgend einen Fürsten oder commanvirenden General oder, wenn e« denn durchaus nicht anders ging, wenigstens deren Adjutanten bei sich beherbergen zu können; wie entbrannte nicht ein„edler" Wettstreit unter ihnen, sich gegenseitig in der Gastfteundschaft und— der Sucht, da« leere Knopfloch auSzu- füllen, zu überbieten. E« war rührend; dieser Patriotismus, diese Ausopferung bei den schlechten Zeiten,«o es den armen Millionären absolut unmöglich ist, Geld für nützliche Zwecke herzugeben. Und erst gar die städtische Verwaltung! E« ist freilich wahr, daß so manche Einrichtung Breslau« zum Himmel schreit, e« ist freilich uicht abzuleugnen, daß man in mancher Straße die Beine brechen könnte und in anderen vor Gestank umkommt, e« giebt auch in Breslau Leute genug, welche einer Unterstützung dringend bedürftig wären, aber— wo soll man da» Geld dazu hernehmen? Man muß doch 80,000 Mark bewilligen und vielleicht S0,000 Mark verbrauchen können, wenn man ciamal iu die Verlegenheit kommt, solche Empfangsfeierlichkeiten veranstalten zu müssen. Ja, zu müssen, denn daS„Volk" will eS ja durchaus haben. DaS „Volk" verlangt, daß man alle Straßeu, welche der Zug passtrt, neupflastert, daß man Ehrenpforten und eine ganze via trium- püalis(Triumphstraße) baut, daß man da« Stadttheatir von innen und außen vollständig renovirt und an DurchschuittSpankten der Promenade und der Schweidnitzerstraße eine Art Brücke herstellt mit zwei Kolossalfiguren, Wratiolavia und Sileaia, deren Köpfe größer sind, als die Brust, und die Alle« in Allem Kunstwerke ersten Range« genannt werden müssen. Nur gut, daß sie nicht für alle Zeiten stehen bleiben, um Kunde zu geben von dem Kunst» stnn unserer Stadt, sondern daß sie— au» Gyp«, Holz und Pappe gemacht sind, warum nicht gar auS Pfefferkuchen? Taufende von Menschen füllten am 9. d. die Straßen vom Freiburzer Bahnhof bis zum Kgl. Palais; stundenlang harrte die Menge geduldig des großen Momente«, den Se. Majestät überdies noch bedeutend hinauszuschieben geruhte. Da— ohne daß begeistertes Hurrah die Ankunft verkündete, sauste der mit vier Pferden bespannte, von zwei Leibcürasstren und zwei Borreitern begleitete Wagen vorüber, m welchem der Kaiser mit der Kronprinzessin saß, und dem die anderen Equipagen folgten. Der Enthusiasmus war bei Weitem nicht so bedeutend, als man nach den Artikeln der„liberalen" Blätter hätte erwarten können und als es dieselben jetzt behaupten. Moltke wurde viel lärmender empfangen, als der Kaiser und der Kronprinz. Die Meisten waren schaulustig, aber keineswegs b- geistert. Auch die am Abend stattzefundene Illumination fiel auf Seiten der Bürgerschaft sehr spärlich au«; nur einige Hotels und Paläste der G.'lvmänner zeichneten sich durch prachtvolle A> ränge- ments aus, im Uebrigen war die Betheilignng, trotz aller Gegen- Versicherungen sehr unbedeutend, waS um so m hr ausfiel, als die Stadt selbst da» Mögliche gcthan hatte. Der Milliardenrausch ist weg und der Katzenjammer ist da!„Wozu soll ich Harrah schreien", sagte mir mein Nachtwächter beim Aufschließe;„nach- dem ich als Landwehrmann den Kdeg mitgemacht hatte und meine Familie heruntergekommen war, verlangte ich eine kleine Unter- stützung und erhielt 10 Thaler, die ich ratenweise mit Zinsen wieder abzahlen muß. Jetzt muß ich für 10 Tyaler monatlich von Abends bis Morgen« bei Kälte und Hitze mich schinden und hier werden Taufende weggeworfen." Der„Patriotismus« ver- raucht!— Sonnabend, den 18. d. M., veranstalten die hiesigen Parteimitglieder ein fröhliches Fest, über dessen Verlauf ich Jynen seinerzeit berichten werde. Die den ganzen Sommer über schwach besuchten Versammlungen scheinen jetzt größere Betheiliguag finden zu wollen, da vorigen Montag(Tagesordnung: der Sedantag) der allerdings etwas kleine Saal gedrückt voll war. Unter all- gemeiner Zustimmung der Versammlung sprachen sich Hr. ReinderS, Hr. Schuhmacher und Referent gegen die Begehung de» Sedan- tage« als Nationalfeiertag aus. F. Gl. Langeusalza. Heute Abend, den 31. August, hielt die Ge- nosseuschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter im Lokale des Herrn Sickmann eine Versammlung ab, zu welcher die Maurer, Steinhauer u. dgl. Fachgenossen mit eingeladen waren. Die Ver- sammlung galt überhaupt den erwähnten Arbeitsbranchen; eS sollte ihnen dargethan werden, welcher Nutzen aber auch Schaden auS den GewerkschastSverbindungen entstehen kann, wie der Nutzen zu fördern, dem Schaden aber abzuhelfen sei. Auf der Tagesordnung der Versammlung stand: 1)„Der Bund deutscher Baumeister" und 2)„Die UnterstlltzungSkaffe«. Da« Referat übernahm Herr Kappler aus Coburg. Reserent suchte den versammelten die Lage der Arbeiter in materieller wie prinzipieller Hinsicht vor Augen zu führen. Der Rduer bewies auS seinem eigenen Leben, welchen Bedrückungen der Arbeiter s-itenS der Arbeitgeber auSge- setzt sei, und ermahnte die Anwesende» zum Schluß seines Referat«, welches vielfach durch Beifall unterbrochen wurde, sich zur Abwehr aller Art von llebergriffen der Arbeitgeber zu orgauisiren. Hierauf wurden die Maurer, Steinhauer und sonstige BerufSgenossen zum Eintritt in den deutscheu Maurer- und Stcinhauerbund ausge- fordert, und zeichneten sich auch sofort 26 Mann ein. Somit wäre auch hier dem deutsche» Arbeiterbuud wieder ein neuer Zu- wach« zugeführt. Mittwoch, den 1. September, hielten wir in demselben Lokale eine zweite Versammlung ab, und zwar sprach Herr Rödiger aus Halle„Ueber die Verbindung der Holzarbeiter." Beide Versamm- lunzen, daS sei noch erwähnt, waren überfüllt, nur fehlten in der letzteren zu allgemeiner Verwunderung die Holzarbeiter, in deren Interesse dieselbe doch tagte. Die Schuld an dem Fortbleiben der Holzarbeiter ist aber eigentlich der Redaktion des„Langensalzaer Krei«blatteS" zur Last zu legen, denn obgleich die VersammluugS anzeige von dem R-sereuten Rödiger selber aufgegeben und von diesem auch mit 1 Mrk. 30 Pf. bezahlt worden war, worüber er Quittung erhalten hatte, erschien die Anzeige in der bestimmten Nummer dennoch nicht. Die Holzarbeiter konnten also möglicher- weise keine Kenutniß von der Versammlung erhalten haben. Wenn aber die Redaktion deS„Langensalzaer KceiSblatteS" glaubt, durch diese« Mannöver uusre Sache geschädigt zu haben, so soll sie sich arg getäuscht haben, da« versichern wir schon jetzt. Der Vortrag de« Herrn Rödiger wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen, ein Zeichen, wie erhebend und belehrend derselbe aus die Bcrsamm- lung eingewirkt hatte. ES traten denn auch die wenigen anwe- senden Zimmerer nach Schluß der Versammlung zusammen, kon stituirten einen Verein und versprachen, in Kürze ein viel gün- stigereS Resultat berichten zu können. Christian Marx, Schriftführer. Stuttgart, 6. Sept. Wir arbeiten hier tüchtig für die bevorstehende Wahl und daS Resultat wird uns keine Schande machen. Nur wünschte» wir, daß wir von der Partei außerhalb besser mit azita- torischen Kräften unterstützt würden. E» würde sich verlohnen. Die Gegner haben den berüchtigten Hölder, einen Ultra- bismärcker aufgestellt, w-S uns den Kampf erleichtert, namentlich unter den Kleinbürgern und Bauern, welche die„Segnunzen" des BiSmarcksschen Reichs an ihren Geldbeuteln merken. Die Stim- münz der Landbevölkerung in unserem Wahlkreise ist eine sehr günstige zu nennen und die Hölderianer werden ihre Augen auf- machen, wenn sie aufs Land kommen. Unter den Laudleuten herrscht nur eine Stimme über die Steuerlast, den Militarismus und über die neue Reichsgefetzgebung. Die Wahlauftufe de« Ar- beiter-Wahl-ComitöS werden mit förmlicher Begeisterung aufge- nommen und das, waS ein reichstreuer Herr(Treiber) gesagt: daß dieselben geeignet seien, daS Landvolk aufzurütteln und in die Reihen der Sozialdemok:atie zu führen, ist vollständig richtig. Einige Ortschaften, wie z. B. Gablenbecg, Bothnang ,c. können e» kaum erwarten, bis Wählerversammlungen abgehalten werden. Auf den Felsern lachen die Landleute über die Märchen, welche den Soziald-mskraten angedichtet werden, denn da»„Theilcn", die „Weibergemeinschaft", die„Abschaffung de« EigenthumS" ic. ist eben für die Lange der Zeit zu dumm, um von den Leuten ge- glaubt zu werden. Am letzten Samstag und Sonntag wurden 7 Wählerversammlungen und zwar in Möhringen, Plattenhardt, B-rnhausea, Plieningen, Birkach, Ruith und Kemnath abgehalten, welche allenthalben zur Zufriedenheit verliefen. Nur in Möhringen versuchten einige Mitglieder des KriegervereinS eine kleine Störung durch unparlamentarische Unterbrechungen, die aber durch die große Rehrzahl der Anwesenden entschieden gemißbilligt wurde. Auch in Plieningen versuchte ein Professor, ein Helfer und ein paar Stu- deuten Wrwirrung anzurichten, jedoch ohne ihren Zweck zu er- reichen. KanfSeure«, 7. September. Dem„Zeitgeist" wird ge- schrieben: Endlich ist es ans gelungen, unsrc Prinzipien in der Oeffentlichkeit kund zu geben durch ein paar Volksversammlungen. Sonntag, den 22. August. Vormittag« 10 Uhr, hielten wir die erste Volksv-rsammlung in Kaufbeuren rm„Gasthof zur Glocke«, in welcher die Parteigenossen Tausch er und Stollbcrg zur größten Zufriedenheit der Ä iwesenden reserirten über die Ziele der Sozial- demokratie innerhalb der Arbeiterbewegung. Das Lokal war ganz überfüllt und Niemand störte die Versammlung. Es war von Seit- der Behörde Herr RechtSrath Scholz al« überwachender Beamter anwesend und es verlief die Versammlung in würdigster Weise und machte einen guten Eindruck. Nun beriefen wir aber» malS eine Versammlung ein in Jrrsee, eine Stunde von Kauf- beuren, am Sonntag, mit der Tagesordnung: die Forderunzen de« Sozialismus an die Gegenwart und Zukunft, in welcher wieder unsere beiden Parteigenossen Tausch er und Stollberg zur größte» Zusriedeuheit aller Anwesenden reserirten; die Versammlung war zahlreich besucht, so daß da« Lokal vollständig besetzt war. Aber diesmal ging es nicht so ruhig her von Seite der überwachenden Behörde, wie in Kmfbeurcn, sondern der anwesende Bezirksamt- mann, der mit Schiffhut und Degen erschienen war, sah sich ver- anlaßt, den Redner, Herrn Tauscher etliche Male zu unterbrechen, angeblich wegen aufreizender Reden und drohte sogar mit Auf- lösung der Versammlung, wenn st.h der R dner nicht mäßige. Al« Herr Tauscher daS Sprichwort gebrauchte:„wo ich bin und wa« ich thu', sieht die Polizei mir zu!" da sprang er aus, als wie unser Freund Gehret in München und wollte die Vecsammlung auflösen, eS gelang ihm jedoch nicht. Aber wenn Herr Tauscher nicht Rücklicht genommen hätte auf den Einberufer, hätte man'« daraus ankommen lassen können und in Folge dessen hatte Herr Tauscher einen schweren Standpunkt gegenüber der Behörde. Jedoch verlies die Versammlung, ohne daß sie aufgelöst worden war und Herr Stollberg al« Borfitzender(von der Behörde wurde der Ein- berufer al« Borsitzender betrachtet) richtete noch kräftige Schluß- wort: an die Anwesenden. Die hiesige Presse aber verschwieg beide Versammlungen, weil dieselben einen guten Eindruck machten. Augsburg. Wir hatten nicht im Sinne über das sogenannte Sedanfest und die dabei verübte Festdngerei,-Sauserei,-Esserei und-Rederei etwas zu schreiben. Nun kommt da aber da« hiesige Anzeigeblatt, daS offizielle Organ unseres herrfchgewaltigcn Stadt- fischer, und bringt eine Correspondenz auS der„Kölnerin", worin e« u. A. heißt:„Ganz besonders glänzend muß die Sedanfeier in Augsburg gewesen sein, wo die Anwesenheit des Siegers von Weißenburg und Wörth, des deutschen Kronprinzen, den Mittel- punkt des Festes bildete u. s. w." Der uationalliberale Schreiber dieser Correspondenz versucht der Festvuselei in unserer Stadt die Bedeutung eines Volksfestes beizulegen, während es nicht« Andere« war al« eine Demonstration der nationalliberalen Partei, die noch dazu, im Verhältniß zu dem Aufwände, der dabei gemacht wurde, kläglich ausgefallen ist. Als der Kronprinz deS deutschen Reiche« hier eintraf, wurde er von den Behörden und von den am Bahn- Hof aufgestellten„Kriecher", Vereinen und der freiwilligen Fmer- wehr, die auch bei dieser Gelegenheit wieder freiwillig Polizeidienste leistete, empfangen. An dem darauffolgenden Abende brachten die hiesigen„SaugeSbrüder" dem Kronprinzen eine Serenade, bei welcher, sehr bezeichnend, u. A.:„Im Pokale deutscher Wein" ge— sungen wurde. Em Herr Mack, FarbewaarenrFabrikant, verübte eine Ansprache, auf die jedoch Se. k. k. Hoheit nicht geruhten, zu er- widern. Die Hauptrollen spielten auch hier die Feuerwehr und die„Kciecher«-Bereine. Den Glanzpunkt der ganzen Geschichte bildete die Festesserei rcsp.-Trinkerei im„goldenen Saal« de» RathhauseS. Es wurden groß- Anstrengungen gemacht, um da« Fest so glanzvoll als möglich zu machen, man spricht von 12000 fl., die daS RathhanSfest gekostet haben soll. Wir wollen sehen, ob auch diese Summe wieder wie 1870 und 71 der Stadtkaffe auf- gehalst wird. 1870 wurden für die Sedaafeier verausgabt 6000 fl., für festliche Beleuchtung der Stadt 31 fl. 12 kr., für Fahnen 103 l fl. 57 kr.; 1871 für die Sieges- und Friede uSfeier 6479 fl. 49 kr., für Begrüßung, Empfang und Bewirthunz von durch- ziehenden Truppen 9162 fl. 20 kr., Festbanket im goldenen Saale 4713 fl. 26 kr., für Blumen, Lorberkränze, Fahnen ,c. 744 fl. 2 kr. Die Festduselei in diesen zwei Jahren hat der AugSburger Bevölkerung, die größtentheil« au« Arbeitern besteht, die Summe von 27,167 fl 46 kr. gekostet. Die Augsburger Ar- beiterbevölkerung mag sich bei der nationalliberalen Stadtreqiernng bedanken. Wir wünschten nur, daß die Bourgeoisie so viel Noblesse hätte, ihre Feste, bei denen das Volk„kühl bis an's Herz hinan« bleibt, auch selbst zu bezahlen. Die während deS erwähnten Fest- effenS im Rathhaufe aufzestellteu P ilizeidiener sollen daselbst ein noch ungewöhnliches und schwieriges Geschäft zu verrichten gehabt haben, indem sie zur Unterstützung verschiedener, etwas wankend gewordener Säulen des Staates und der Stadt berufen wurde». „Was sür ein schief Gesicht, Mond, machst denn du? Ein Auge hast du auf u. f. w." Dortmund 9. September.(Zur Lage der westphälischen Bergarbeiter, l.) Die Lage der hiesigen Bergarbeiter ist wahr- lich um keinen Deut besser als die der sächsischen. Wer Gelegen- heit hat, genau die hiesigen Lebensbedürfnisse kennen zu lernen, die Lohnverhältnisse nach den verschiedenen Jahrgänge» zu prüfen, so- wie die WohvungSverhältnisse in Augenschein zu nehmen, der muß sich sagen, daß die Bergarbeiter WestphaleuS in demselben Ab- hängigkeitSverhältniß stehen wie die Bergarbeiter anderwärts. Westphalen hat wohl seine 60 000 Bergarbeiter ausznweiseri, ja vielleicht noch mehr. In Dortmund und Bochum besteht filr sämmtliche Zechen nur eine KnappschaftSkasse:„Märkischer Knapp- schastS Verein zu Bochum". Man sagt, dieselbe zähle 40,000 Mit- glieder. In Esten besteht ebenfalls eine Revierkasse. Diese Re- vierkasten haben für den Bergmann daS Gute, daß er ohne viel Bedenken bei erster bester Gelegenheit auf einem Werke aufhören und auf ein anderes gehen kann. In Zeiten flotten Geschäfts- gaugeS geht eS mit dem Arbeitswechsel ganz gvt. Anders aber bei flauem Geschäftsgang! Da kennt man die oder den Einzelnen s» vortrefflich, daß, wenn selbst Arbeit vorhanden ist. Mancher Tage, ja Wochen lang Arbeit suchen muß, und nur in entfernter gc- legenen Revieren, wo der Suchende ganz fremd ist, und ein Um- zog sich nöthig macht, Arbeit erhält. Daß man die Arbeiter trotz der Revierkasse auch von den einzelnen Werken abhängig zu machen versteht, lehren die Arbeiterwohnungen. Jede Zeche*)(außer„West- phalia") hat mehr oder weniger sogenannte Zechenhäuser; das sind Häuser mit 4 Siuben, die ziemlich geräumig und, was eine Haupt- fache ist, sehr hoch sind. ES ist dieses recht bequem für die Arbeiter und sehr vortheilhaft für die Besitzer eingerichtet. Jede Stube oder Zimmer kostet pro Tag 1 Sgr. Miethe. Dieser Miethbetrag wird monatlich bei der Auszahlung des Arbeitslohnes abgezogen Die meisten Bewohner der Zechenhäuser scheuen sich, irgendwie sich frei zu bewegen, ja, sie machen sich vielfach selbst mehr zum Knecht, als cS ihre Lage erheischt. WaS eS für eine weitere Be- wandtniß mit solchen Arbeiterwohnungen hat, daS hat u»S der Waldeuburger(Schlesien) Bergarbeiterstrike im Dezember 1869 ge zeigt, wo die Familie« der Strikenden auf die Straße gesetzt wurden>c. Wer nicht in Zechenhäusern wohnt, muß in der Regel einen sehr hohen MiethzinS zahlen. So giebt es in Dortmund außerhalb der Stadt Wohnungen mit 46— 65 Thlr. pro Jahr. Auf dem Lande sind die Wohnungen oft miserabel. So fand ich in Marten und Torstselb kleine Stuben mit Kammer im Preis von 36—40 Thlr. Desgleichen in der Gegend bei Gelfenkirchen. In Hallerei fand ich eine Stube, die 40 Thlr. Miethe kostete, mit einer Quadratfläche von kaum 6 Ellen und ca. 6 Ellen hoch, zu der eire Kammer und ein Keller gehörten, welch letzterer mit der Hausstur gleich hoch lag, also gar nicht Keller zu nennen war In der Stube befand sich ein Kind in der Wiege, dazu war im Ofen Feuer, weil gekocht wurde. Die Lust war geradezu verpestet. Solche oder doch nicht viel bessere Wohnungen giebt eS hier zu Lande die Hülle uüd Fülle. Ist eS da zu verwundern, wenn man vielfach die Kinder mit Hautausschlägen behastet sieht? Nimmt man hierzu den Beruf des Bergmannes, welcher im Schachte die ungesundeste Lust einathmen muß, weil für Luftschächte nicht ge- nüzend gesorgt ist, so daß sich Streckenluft und üble Gase bilden müssen, so wird kein Mensch sagen können, der Bergmann ver- dient mit 1 Thlr. 16 Sgr. bis 1 Thlr. 20 Sgr. pi o Schicht zu viel. Und in der That verdienen die hiesigen Bergleute mit einzelnen Ausnahmen nicht mehr, selbst bei flottem Geschäftsbetrieb. Heute, bei stockendeui Geschäft, ist der Durchschnittslohn wenig oder nichts über einen Thaler. Früher kostete der Scheffel Kohlen 12 bis 13 Sgr. und die Lebensmittelpreise waren auch ein wenig höher alS heute. Jetzt kostet der Scheffel Kohlen 6 Sgr. und die Le- benSmittelpreise haben die Höhe wie in größeren Städten. So z. B. kostet 1 Psd. Butter 12— 14 Sgr. Und oaß Dortmund zu den„größeren" Städten zählt, zezgt daS Sedanfest, für welches das Stadlverordnetenkollegium 600 Thlr. vcrsedant hat, obgleich einige Straßenverbcsserungen von den arbeitenden Klassen hierorts für nützlicher gehalten werden. Nowaweß, den 12. September.(An die GesiinungSgen offen von Nowaweß.) Wie Ihr wißt, hat eS die heiliqe Hnmandad durch die mehrfachen Einschüchterungen und Beeinflu�ungeu der Wirthe jetzt soweit gebracht, daß wir. nachdem unser bisheriger Wirth sein Grundstück verkaust hat, hier vorläufig kein Lokal zu Persammlungen bekommen. ES ist in duser Hinsicht Bewundern« würdiges geleistet worden. So hat ein Gensdarm, welcher stets unsere Versammlungen überwacht hat, also von den stets ernsten Verhandlungen, sowie von deren ordnungsmäßigem Verlauf die beste Kenntuß hat, zu einem Wirthe gesagt:„ich bedaure nur den Wirth, der diese Gesellschaft ausnimmt". Ek würde zu viel Raum in Anspruch nehmen, um alle derartigen Fällen aufzuzählen. Un- sere Gegner können�nun einmal das rothe Gespenst nicht leiven und thun darum unserer Sache Abbruch, wo und wie sie es können. DaS versuchte man auch damit, daß man einige Personen auS den Reihen der hiesigen Socialisten zu entfernen bestrebt war. Bei der Generalaushebung in Teltow spulte sich nämlich folgende Scene ab. AlS ich als Gestellungspflichtiger vor der ÄuShebungs-Eom- Mission erschien, wurde mir gesagt, meine Umtriebe sollen mir auS dem Kopfe gebracht werden, sodann schrie die ganze Gesellschaft: „die verdammten Socialdemokraten machen ganz Nowaweß ver- rückt, der Herr AmtS-Vorsteher hat schon gesagt, es kommen noch mehr von der Sorte". Parteigenosse Neumann kam etwas gelin- der davon, er bekam nur die Worte zu hören„ihn wollen wir schon klug machen". Wir waren also von dem hochweisen Herrn Amts-Borsteher schon als Socialisten gekennzeichnet. Wir wurden beide ausgehoben, nie werden wir uns aber einschüchtern und un- sere angeblichen Umtriebe uns auS dem Kopf bringen lassen, son- dern wir werden, da das Prinzip de« vierten Stande« in uns zu Fleisch und Blut geworden ist, steiS die Alten bleiben. Und des- halb, Parteigenossen, fordere ich Euch auf, daß auch Ihr nur mit um so größeren Muthe ans Werk geht, um für die Ausbreitung der Partei Sorge zu tragen. Druck erfordert Gegendruck. Das beste Agitationsmittel ist die Presse, der„Neue Social-Demokrat" und der„Volksstaat", diese müssen wir jetzt um so mehr zu ver- breiten suchen, kein Parteigenosse darf ohne eine dieser Zeitungen sein. Um eS jedem Partelmitgliede zu ermöglichen, seine Beiträge rechtzeitig zu entrichten, führe ich stet« Marken bei mir, auch sind dieselben in meiner Wohnung, Wallstraße 17, zu haben. ES ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, seine Beiträge rechtzeitig zu be- zahlen, damit wir nicht alS Nachlässige in den Parteiorganen ver- öffentlicht werden. Ferner möchte ich noch alle Gesinnungsgenossen und Freund: der Arbeitersache von Nowaweß und Umgegend er- suchen, sich an der am Sonntag den 19. September stattfin- denden Landpartie zahlreich zu bethciligen— keiner darf fehlen; VeisammlnngSort im Gartenlocale des Herrn Hönisch, früher Wittwe Kollert, Wilbelmstraße. Abmarsch Mittag 1 Uhr. Mit social demokranschem Gruß! Der Agent: C. Wille. Schasfhausen, da derselbe mit einigen hiesigen Meistern in Geschäfts- Verbindung steht. Zürich, den 13. September 1376. Für den Fachverein der Glaser: C. Härer, bei Glasmaler Röttinger. RR. Briefe sind an Obigen zu richten. Alle Arbeiterblätter werden um Aufnahme ersucht. Aufruf jrn alle Posamentierer und Knopfmacher Deutschlands. Seit drei Iahren besteht in Hamburg ein Posamentier- und Knopfmacher-Berein, dessen Mitglieder sich zu Schutz und Trutz verbunden haben, ihre Interessen gemeinsam berathen, gleiche Pflichten sich auferlegeu, gleiche Rechte genießen, und dessen vor- züglichfier Zweck eS ist, da« materielle und geistige Wohl der Be- theiligtcn nach Kräften zu fördern, sowie seine Mitglieder gegen Gewaltthätigkeitcn und Unterdrückung zu schützen. Diesen Zweck zu erreichen, hat der Verein bisher wacker gc kämpft. Doch in seiner Vereinzelung machte er bald die Ersah- rung, daß die Aufgabe eine« solchen Berein» nicht an einem Orte allein, sondern nur in Verbindung mit den Collezen an den übrigen Orten Deutschlands befriedigend gelöst werden kann. Er wendet sich deshalb an Euch, die Ihr durch eure Lebensstellung daraus angewiesen seid, die gleichen Bestrebungen zu theilen. Collegen! Euch allen, die Ihr seufzt, weil Ihr nicht genug verdient, die Ihr Frau und Kinder in trauriger Gegenwart dahin- welken und düsterer Zukunft entgegengehen seht; Euch alle», die Ihr in ungesunden Werkstillen und Fabriken mit der Brust am Webstuhl Euch für kargen Lohn schindet, kaum ausreichend, die nothwendigsten LebenSbedürsnisse anzuschaffen, Euch allen, die Ihr Eure Kinder im zartesten Alter dem Moloch der Jndustne opfern müßt, Euch allen rufen wir zu: organisirt Euch, schließt Euch unserem Verein an! Collegen! wir wollen bessere Zustände herbeiführen, wir wollen unsere gewerblichen Verhältnisse regeln; serner dasür sorgen, daß ein Zugereister durch seine Ünkenntniß lokaler Verhältnisse nicht Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonntag, den 19. September: Festball zum Besten des Kraulen- Unterstützungs- Bundes. Zum zahl eichen Besuche ladet ein Das Kest-Eomite. s125) .CbrttttklitTtl Socialistische Arbeiter. Partei. Freitag, den 17. Sept., Abend» halb 9 Uhr, i« Stadli'S Etabltffemeut, Valentinskamp 41: iggui* Geschlossene Parieiversammlung. : T.-O.: 1) Abrechnung pr. August. 2) DiSkusfion über die Frage: Welche» Nutzen bringe» die Geweltschaften der socialistische i Ardeiter- Partei. Rege Theilnahme ist nöthig.%. Hörig, Eichholz 58.(80| ftiltttfrltrel Am Sonnabend, den 18. Septbr., in Staoli'» Etablissement», Vaientmskamp 41: Großes Bereinigungssest der Sozialistische« Arbeiterpartei, bestehend in Eonceri, Ball und dellamatocischen Lorträge« unter Mitwir« kung der Liedertafel„Laffallea". Festrede. «aalössnuug 8 Uhr.— Anfang 9 Uhr.— Herren- Karten im voran» 30 Pf, Damen-Karten 20 Ps., an der Kasse Herren-Karteu 40 Pf., Damen-Karten 30 Pf.— Karten sind in allen Versammlungen, bei dra tomi'Smitgltederu und in allen bekannten Wirihschasien zu habe». ____________ Jß<0___ Da» Eomttö. � Montag, den 20. Sept., Nachmittag» 4 Uhr, aus� «edächnißseier F. Lassalle'», bestehend in Eoncert und Gesa«g.— Herren- Karten 26 Pf. Damm 10 Pf.— Sozial ifte» Hannover» und Linden» seid Alle am Platze. (2a) Für da« Eomitö H. Rudolph. dlB. Donnerstag, Abend» 8 Uhr: Gomile-Siyung.[70] Hanuoder Sozial-demokratischer Wahl-Verein. Sonnabead, den 13. September, Äbeno« 3 Uhr. bei MattheS, Neuestraße 45: Geschlossene Mitgliederdersammlung. T.-O.: 1) Festabrechunng. 2) Localanzelegenheiieu. Bericht der Eommisfio». 3) Die Lmdener Bersammlungs-Sache je. ............ v.. E» ist dringend erforderlich, daß dieseSmal alle Mitglieder am Platze ausgebeutet urd ein Opfer ungünstiger Arbeitsbedingungen werde;,--- �er t80) schließlich wollen wir Krankenkassen aründen. au« welchen die Mit- Allgemeiner deuischer Schneiderverein. Montag, den 20. Sept, Abend» 3 Uhr. im„Thüringer T.-O: Die Berkehr und da» schließlich wollen wir Krankenkassen gründen, au« welchen die ttllg glied« in KrankheiiSfällen unterstützt und weiche lediglich von den H�s",«urgftr.?'°Btts»-n«Iu«g. Genossen selbst verwaltet werden...! Arbeitsnachweis- Bureau.— Zu dieser Versammlung laden wir die Um Alle« duS zu bewirken, müssen alle Collegen gemeinsam EM�n zu zahlreichem Besuch« ftenndlichst ein. Der«e».(501 handeln, daher macht e« wie wir, gründet ebenfalls V-r-ine.- f greftag, dm 17. Sept., Abend�8�hr7S wenn Ihr auch nur 6 bis 8 Mann an einem Orte seid, tretet �i€U|aJvUt|tlu Saale de»„vergschlößchen»"- mit uns brieslich in Verbindung, so daß dann eine ein-! Versammlnvg sämmttjcher ÄNMa'hner. heitliche Organisation für ganz Deutschtaud zur Wahrheit wild, indem UN« alle ein Band der Brüderlichkeit umschlingt, und sämmtliche ArbeitSgenossen dem Wahlspruch huldigen: Einer für Alle, Alle für Einen! Iu Eurer Hand liegt Euer Geschick! An die Bevollmächtigten der bestehenden Gewerkschaften richten wir die Bitte, un« durch Zusendung von Posamentier- und Knopf- macher-Adressin behülslich zu sei«, und un« in der Agitation und Organisation bestens zu unterstützen. Hamburg den 9. September 1875. Mit collegialischem Gruß! Die Commisston zur Ausbreitung des Posamenlier- und Knopf- macher- Vereins. F. Fischer. L. Focke. H. Backhaus. M. Schultheiß. Alle Adressen in dieser Angelegenheit sind zu richten an H. Backhaus, Valentinskamp Platz 71, Hau« 2 2. Etage Hamburg. Alle arbeitcrfteundlichen Blätter werden um Auf- nähme dieses AuftufS gebeten._ T.-O.: Die Semeindera'.hswahl. Der Arbetlerderei». söllj Sonnabend, den 18. September, Abends 8 Uhr, Wllll-itllf im großen Säule des