Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Ettlingen nehmen an alle nstalten u. Buchhand- n des In- u.Auslandes. Filial- Expeditionen für oie Bereinigte» Staaten: F. A. Sorge, vor 101 SodoKsa, N. J. P-ter Haß. B. W, Corner Third and ooateo»tr. Philadelphia. Abonnementspreis für ganz Deutschland 1 ik.SOPf. pro Quartal. Monats- Abonnement» werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2ten u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen; im Kgr. Sachsen u. Hrzgth. Sachs.-Altenburg auch auf den I ten Monat des Quartals a 64 Pf. Organ der Sozialistischen Arveiterpartei Deutschlands. Inserate, die Abhalwng von Partei-, Bereins- und Bolksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit Iv Pf.,— Privat- und BergnügungS- Anzeigen mit 2b Pf. die dreigcspallene Petit-Zeile berechnet. J*r. 109. Mittwoch, 22. September. 1875. Momlements-Einladung. Mit dem 1. Octobcr beginnt ein neues Quartal, und for- dern wir deßhalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchentlich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 Pf. pro Quartal, 54 Pf. pro Monat für ganz Deutschland. Alle deutschen Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet:« für Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritanien, Rumänien, Portugal, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; für Frankreich 5 Mark. Couvertsendungen wöchentlich 3mal 10 Mark. „„ Inml 4,80 Mark. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnemcntsprcis (mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf.(18 Ngr.) pro Quartal und 80 Pf.(6 Ngr.) pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition dieses Blattes, Zcitzerstraße 44, und bei Eolporteur Müller. Für die Umgegend von Leipzig bei den Filialcxpeditiouen: Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschöne- feld, k. jc. bei Frau Engel, Reudnitz, Feldstr. 14, Hof 1 Tr., für Connewitz it. bei T e u b e r t, Bornaischestr. Nr. 19, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Schloßgasse 13 das., für Thonberg und Neureudnitz bei Zschau, für Plagwitz Glücklicherweise ist da» unmöglich, der Instinkt der Gemeinschaft ist dem Menschen zu tief eingewurzelt, als daß er es vermöchte, feine Erfahrungen für sich zu behalten. Engherzige Seelen, die da» thun, sind nie große Denker gewesen— je größer der Mann, desto mehr ist der Gemeinsinn in ihm entwickelt, desto mehr sucht er seine Ideen zu verbreiten. Wenn aber dennoch Leute den Kampf umS Dasein anpreisen, der in voller Reinheit im gesellschaftlichen Lebeu nicht existirt und nicht existiren kann, so liegt der Grund darin, daß daS Bewußt- sein schon so entwickt ist, daß eS dem Instinkt der Gemeinschaft oft die Wage hält, aber noch nicht so entwickelt, um zu sehen, wie nothwendig die Gemeinschaft zum Fortschritt ist. Diesen In- stinkt zu ersetzen, ist die organisirte Gesellschaft, der Staat da, der so lange bestehen muß, bis das Bewußtsein, wie nothwendig die Gemeinschaft sei, mächtig genug ist, um alle individuellen Jnter- essen überwiegen zu können. Dann ist der Staat entbehrlich, wir können der freien Gesellschaft uns zuwenden. Doch wie weit ist'S noch bis dahin, wie sehr ist der engherzige EgoiSmuS in Blüthe, wie wenig gesunder EgoiSmuS auf der Welt. Da kann man nickt Jeden stch selbst überlassen, die Gesammtheit muß dem Einzelnen gebieten, waS sie von ihm fordert zum Besten Aller. Der Staat ist mehr als der„Nachtwächter" der Gesellschaft, wie Lassalle spottend sagt, er ist der Vertreter deS Instinktes der Gemeinschaft, der Schützer der Interessen Aller gegenüber den Sonderinteressen. Er hat den Starken zu zwingen, der Helfer und nicht der Unterdrücker deS Schwachen zu sein, er hat die Institutionen der Gesellschaft zu schützen. Er hat dies immer gethan, er thut es auch jetzt(leider nur in sehr beschränktem Maße und vielfach auckgeradedaSGegentheil.R.d.B.) warum sollte er die Ein- richwngen der zukünftigen Gesellschaft blos deswegen nicht schützen, weil sie nicht die modernen sind? Wer zahlte seine Schulden, wenn der Staat ihn nicht dazu zwänge; wer respektirte das Eizenthnm, wenn er nicht Strafe vom Staate zu erwarten hätte? Wendet und Lwdenau bei Schuster, Melseburgersträße Nr 26,*eannn fSümflf SellfckTftS• an? Und für Gohlis lt. bei O. Peufert, Hauptstraße Nr 1«, f«->aii, oen ovuen iLuag zeiner aUeif, iAvä&i nitz, Kirchwcg Nr. iT. Nr i« Stötteritz bei Fr. Boge Für Berlin wird ailf den„Volksstaat" monatlich für 75 Pf. (T'/i Sgr.) frei in's Haus abonnirt, bei Trautmann, Muskaucrstraße 45; Rubenow, Brunncnstraße Nr. 34 im Laden. Die Deduktion und Erpedition des„Dolksstaat." An die Abonnenten in Sachsen. Bei Verweigerung der Annahme de« Abonnement» für Oliober Sei..... ten« einer P-stexpeditton, wollen sich die Betreffenden ans da» Cireular sibrig bleiben, als, wenn auch wider ihren Willen, ihre Kinder '« Iwii" TV A beruf™, wonach Monatsabonne- edensalls in die Fabriken zu schicken. nicht die Garantie übernehmen, warum da Selbsthilfe an empfehlen? Selbsthilfe kann nur Der anwenden, von dessen Wil- len die Aenderung abhängt, nie Der, welcher ein Opfer der Verhältnisse ist— da kann nur die Gesammtheit helfen. Kann der Arbeiter durch Selbsthilfe z. B. die Kinderarbeit abschaffen? Nein! Einfach deswegen nicht, weil viele Kurzsichtigen und Egoisten und Nothgedrängten ihre Kinder doch werden ar- beiten lassen, die Löhne'werden sinken und den Andern wird nichts vom 16. März 1872>r. IV 2463 A berufen, wonach Monatsabonne ment» auf den„Volksstaat" im Königreich Sachsen und Herzogthum Sachsen. Alteuburg zulässig sind. v» m... Die Expeditro« des„Bolksstaat". Man wird mir antworten, die Arbeiter können stch in Ge- werkschafteu vereinigen. Diese können aber so lange keine» großen Einfluß üben, als nicht alle Arbeiter ihnen angehören und sie alle einer Centralleitung unterstehen. Die Fabrikanten werden sich aber auch associiren und endlich haben wir jeden Staat in zwei Staaten aufgelöst, die sich auf das Heftigste bekriegen. Ist das ein kultur- freundlicher Zustand? Und was hätte man schließlich gewonnen? Man hätte Kapital und Arbeit in zwei getrennten Staaten or- ganistrt, denn jede Gewerkschaft ist doch ein Staat; die so gefürch- tcte staatliche Organisation der Arbeit träte also doch ein, nur müßte sie stch den Beistand des Kapitals immer und immer wieder erkämpfen. Warum also nicht sobald als möglich beide in einem Staate organisiren? Schließlich kommt es doch dahin, denn die Union der Kapitalisten ist für immer verloren, sobald sie einmal unterliegt— Kapital und Arbeit fließen dann zusammen. Aber lange Die soziale Frage vom Standpunkte eines Kopfarbeiters aus betrachtet. i. s, Zweck, des. Menschenlebens undj Mittels denselben zu erreichen. '(Schluß.) a. Man möge serner bedenken, daß in der Natur der Kampf ums Dasein zwischen Individuen nur bei Thieren stattfindet, die isolirt leben; bei aesellsckastlich lebenden Wesen wird eS ein Kamps � w- o. �..- zwischen den G-s-llschast-n. Innerhalb derselben ist keine Eon- dürste es dauern, denn die Arbeiter sind.mm-r im Nachtheil- den currenz, der Stärkere beraubt nicht den Schwächeren, er schützt ihn.«-r-.u.-'wn»av,tal,a-n aeaenüber. m-tck- h™(5r(1?r™ Der Kamps umS Dasein aber, wie sein Ideal den Manchester- Männern vorschwebt, wäre und ist eine Zerreißung der Gesellschaft in ihre kleinsten B-standtheile, ein Culturrückschritt, wie er großer nicht gedacht werden könnte, denn wenn er consequ-nt durchsühr- bar wäre, müßte jeglicher bewußte Fortschritt aushören. Man möge nickt die bedeutungsvolle Thatsache vergessen, daß gerade ein g-sellschastlicheS Thier e« ist, welches die höchste Stufe unter den Wirbelthieren einnimmt, ja, daß auch unter den Insekten die geselligen Ameisen und Bienen in geistiger Beziehung den ersten Rang einnehmen.,..-,. Nur bei gesellschaftlichen Thieren rst bewußter Fort- ri..______; nnom lebt, wrrd seine schritt möglich. Ein Individuum, das allern lebt, wrrd seine Entdeckungen und Erfahrungen sorgfältig geheim halten, da eS seinen Concurrenten zu seinem eigenen Schaden nützen würde, w-nn es sie ihnen mittheilte. Mit seinem Tode verschwind-u auch «ne Erfahrungen wieder. Ein geselliges Th.-r dagegen wird un Wnen Entdeckungen nicht zurückhalten,-S vermehrt s- ne eigene Macht, wenn es feinen Genossen nützt, sie vergehen nicht mlt lhm. da zahlreiche Genossen eS überleben. So war«u.F°rtschr'tt m- nerhalb der Gesellschaft gerade da möglich, wo kein Kampf ums Dasein wüthete. Ter Mensch steht aber nock aus einer höheren Stufe, er sckeut sich nicht mehr, seine Entdeckungen auch andern Gesellschaften mitzutheilen und damit hat er daS Tempo semeS Fortschrittes wieder beschleunigt. Je internatio Mensch, desto schneller geht s-in- Bervolttommnung vor i.'r ü Man bedenke nur die Isolirthcit der Staaten heul �d ihren langsamen Fortschritt rm Vergleich z Den Kamps umS Dasein innerhalb der Gesellschaft als Cul turmotor einzuführen, heißt zurückkehren in die Voraffen-Zeit. vereinigten Kapitalisten gegenüber, welche der Ersteren LebenSbe dürfnisse in ihren Händen haben.„Wenn im Preiskamps der eine Theil einen Standpunkt inne hat, von wo er jeden Wechsel der Conjunktur weit früher wahrnimmt als sein Gegner, so kann der letztere fortwährend von IrrthumSpreisen leiden. Wächst z. B. die Produktivität der Geschäfte auch ohne persönliches Verdienst der einzelnen Unteruehmer, so wird stch die Erniedrigung der Waarenpreise, die Erhöhung deS Zinsfußes doch immer erst nach einiger Zeit einstellen, als die Folge einer eben durch die unge- wöhnliche Höhe des UnternchmerlohneS vermehrten Concurrenz der Unternehmer. Den Eigenthümern der vermietheten Produktivkräfte wird e» in den meisten Fällen schwer, ja unmöglich sein, dem Unternehmer seinen Gewinn sofort genau nachzurechnen. Dagegen wird auf der andern Seite die geringste Vertheuerung der Pro- duktivkräste den Unternehmern sofort klar werden und sie zur Stei- gerung ihres Preises veranlassen, ebenso rasch bemerken sie das Sinken der Waarenpreise und wissen eS durch Erniedrigung deS Lohnes und Zinsfußes auf Andere abzuwälzen. Man darf nicht vergessen, daß die in rein wirthschaftlichen Dingen sachkundigsten, scharfsichtigsten und rührigsten Menschen eben der Unternehmerklasse angehören." Roscher, Nationalökonomie 446. ES bedürfte also eines besonders günstigen Zufalls, um einmal die Fabrikanten-Union sprengen zu können, denn Nachgeben heißt nicht immer gleich Unterliegen. Es müßten in einem Riesenstrike die Fabrikanten nicht zur Lohnerhöhung gezwungen, sondern zu Grunde gerichtet werden. Wenn aber daS Proletariat die politische Macht hat, dann braucht'S nicht solch einen endlosen Kampf, dessen Vorspiel in England jetzt in Scene geht, man kann die Organi- fation viel schneller, wenn auch nach schwerem Ringen erreichen. Eine Abkürzung des unvermeidlichen Kampfes ist aber ein Segen für Alle; je schneller wir die Fesseln brechen, desto eher athmet vie gequälte Menschheit auf, um begierig einzusaugen die Luft der Freiheit! Dennoch könnte Mancher trotz all' und alledem die„organische Entwicklung" durch den Kampf zwischen Arbeiter-Gewerkschaften und Unternehmer- Assoziationen der Organisation der Arbeit durch die Staatsgewalt vorziehen, in der Hoffnung und mit dem Wunsche auf„friedliche" Entwicklung. Aber man darf nicht vergessen, daß die Bourgeois Menschen sind, sicherlich keine Engel. Sobald die Gewerkschaften ihnen wirklich bedrohlich zu Leibe rücken, sobald dieselben genug Macht haben, um ihre Existenz zu gefährden, dann wird das Kapital in seiner Verzweiflung an den letzren Rettung?- anker stch klammern; unbekümmert um die Folgen wird eS von seiner politischen Macht Gebrauch machen und auf„gesetzlichem" Wege die Gewerkschaften vernichten— in solchem Falle bleibt dem Arbeiter nichts übrig als bedingungslose Unterwerfung oder ge- waltsame Erhebung. Darum muß man mit der Organi- sirung der Gewerkschaften zugleich den Besitz der poli- tischen Macht anstreben, gerade im Interesse friedlicher Entwicklung. Schlußerklärung gegen den Bekenner des Theismus. In Nr. 17 der„Concordia" erscheint die Schlußerklärung de» Bekenners des Theismus, in welcher derselbe den Kamps ausgiebt. ES geschieht dies in acht theologischer Weise. Als erster Grund dafür ist genannt die Beschwerde der Leser der„Concordia", daß seine vorigen Artikel zu lang für ein nichtreligiöses Blatt seien. Dabei macht er den Sozialdemokraten folgendes Compliment: „Eö scheint hiernach, daß die Sozialdemokraten den Zusammen- hang der Frage der Religion mit der Arbeitersrage besser zu wür- digeu wissen, als daS bürgerliche Publikum, speziell die Herren Sozialresormer; denn in einer Note zu E)r. Douai'S Einsendung bietet sich der„VolkSstaat" für eine beliebige Fortsetzung bezw. Ausdehnung der Debatte ausdrücklich als Sprechsaal an". Sil�eimr. bMjdeA� UU CUl„ solchen Besprechung, um die Kosten einer Beilage zur„Eon- cordia" aufzubringen, wie die unbemittelten Sozialdemokraten eS gethan? Und ließ sich die Entgegnung nicht kürzer fassen?— Freilich nicht, wenn man den eigentlichen Streitpunkt durchaus verdunkeln wollte. Dieser Streitpunkt ist so klar und einfach wie nur möglich. DaS Absolute(von den Gegnern„Gott" genannt) ist schlechthin unerkennbar. Alles folglich, was von Gott ausgesagt wird, ist menschliche Erdichtung. Hierfür waren von mir vier oder fünf Beweisgründe angegeben, deren stärkster der moralische war und kurz so gefaßt werden kann: Wenn Gott verehrt fein wollte, mußte er allen Menschen die Möglichkeit ihn zu erkennen ge- währen, waS nicht geschehen ist. Statt dieses Streitpunktes hat der Gegner stets einen ganz anderen untergeschoben, und thut es noch in der Schlußerklärung; nämlich den: DaS Dasein GotteS ist ungewiß, und ob er trotz- dem verehrt und anerkannt sein wolle oder nicht, darum handelt sich'S. Allein, da ich ausdrücklich und wiederholt diese Fassung der Frage abgewiesen hatte, und da ich in die mir gelegte Schlinge nicht gehen wollte, so prahlt der Gegner auf seinem Rückzüge, ich sei„absolut unfähig, den Standpunkt AaderSgesinnier zu würdigen". Und dies ist sein zweiter Grund, um den Kampf aufzugeben. Allein, eS handelt sich ja gar nicht um des Gegner« Standpunkt, sondern um den mein igen. Es galt für ihn, meine Gründe zu widerlegen. Er hat aber nicht einen einzigen davon auch nur erwähnt, geschweige denn zu widerlegen versucht, während ich überflüssigerweise jeden der Gründe seines Standpunktes, den ich nur aus dem zerfahrenen Gerede herauslesen konnte, berücksichtigt habe. Und daß ich dies in ehrlicher Weise gethan und seine Dar- stellung nicht entstellt habe, geht daraus hervor, daß er sich nicht über Entstellungen beklagt, was er sonst sicher gethan hätte. Sein dritter Grund zum Zurückweichen scheint folgender zu sein:„Kurz und gut: daS Unrecht oder Böse besteht nach Dr. Douai vor Allem darin, wenn der Mensch— nicht Sozialdemokrat ist". — Beinahe hätte hier eine blinde Henne auch einmal einen Kern gefunden. Das Unrecht oder Böse besteht vielmehr in dem Mangel der sittlichen Gesinnung, oder in dem Gegentheil derselben, ohne welche man kein ächter Sozialdemokrat sein kann, obwohl eS Menschen mit solcher Gesinnung geben mag, welche die Sozialdemo- kratie auS Mißverständniß bekämpfen. Je unfähiger die Theologen sind, klar und richtig zu denken, desto besser verstehen sie in der Regel die Worte und Gedanken Anderer zu entstellen. Bon solchen Entstellungen, welche stch der Gegner mit den meinigen erlaubt hat, enthält seine kurze Schluß- erklärung dennoch eine Anzahl. So giebt er mir Schuld, ich „statuire eine soziale GlaubenSpflickt", oder vielmehr für mich feien„alle Sätze, die ich aufgestellt, unwiderlegliche Wahrheiten, welche nur die Dummheit oder die Schlechtigkeit in Zweifel ziehen könne".— Und da« giebt er mir schuld, der ich mir so viele Mühe gegeben habe, ihm noch auS seinen Jrrthümern zu helfen, indem ich die Hoffnung aussprach, daß ihm vielleicht noch zu hel- fen sei! Undank ist der Welt Lohn. Unserm Gegner ist also Irrthum gleichbedeutend mit Dummheit. Hilf Himmel, bei der Menge feiner ihm nachgewiesenen Irrthümer— welches Zeugniß stellt er sich damit au»! Er fiuvet ferner mich im Widerspruch gegen mich selbst, wenn ich einerseits Kant beipflichte, daß jede übernatürliche Offenbarung die menschliche Freiheit aufheben würde, und andrerseits ausführe, daß die angebliche Offenbarung(die christliche) nicht die mensch- liche Freiheit habe unterdrücken können. Und er macht einige witzig sein sollende Anmerkungen dazu. Ich muß allerdings gestehen, daß ich mich, wenn auch klar genug fllr meine sozialdemokratischen Leser, doch nicht klar genug sür ihn ausgedrückt habe. Ich hätte zeigen sollen, daß der Glaube an die vermeintliche Offenbarung in seiner fast zweitausendjährigen Herrschaft allerdings die Freiheit entsetzlich benachtheiligt und unerhörte Unsittlichkeit erzeugt hat; daß aber die gute Natur der menschlichen Freiheit zu ihrem Heile den Offenbarungsglauben, dem Himmel und der Hölle zum Trotz. abgeschüttelt hat, also eben dadurch bewieseu hat, daß Freiheit und Offenbarung ganz unverträglich sind. Er will mir auch darin einen Widerspruch nachweisen, daß ich daS Sitteugesetz zwar nicht aus der Natur, aber aus der Men- fchennatur und ihrer sehr allmäligen Hervorentwickelung auS der thierischen ableite. Er fragt:„Und woher kommt denn die Men- fchennatur, wenn sie nicht auS der Natur kommt?"— Für ihn also ist der Mensch noch immer ein Thier, noch ganz Natur, bis die göttliche Gnade etwas Anderes aus ihm macht. Dann muß der Gegner aber, weil er nicht begreisen kann, daß jede Entwicke- lung etwa« Höheres aus Niederem erzeugt, ebenso gut behaupten waS folgt: Jugend hat nicht Tugend; folglich hat der Mensch keine Tugend, weil er auS dem Kinde hervorgeht. Aber genug hiervon. Es macht keine Ehre, einen Gegner aus dem Kampfe weichen zu sehen, welcher nie hätte in die Schranken reiten sollen. Wohl aber macht es der gegnerischen Sache Schande, daß sie durchaus keine andern Vorfschter in die Schranken senden kann, als solche, deren Waffen stumpf sind, deren Fechtweise nach allen Turnirgesetzeu verpönt ist, und die jedem Schlage durch Seitensprünge ausweichen und in die Luft hauen, um zu zeigen, daß sie fechten können, bis sie schließlich ausreißen. Newark, den 2. September 1S7S. Adolf Douai. Zur Vehaudlnng politischer„Verbrecher". Wir erfreuen uns der Ehre, fast in jeder Nummer des„Volks- staat" über Verurtheilungen und Einsperrungeu— die Verfolgungen seitens der Verwaltungsbehörden nicht gerechnet— von Parteigenoffen berichten zu können. So halten wir u. A. erst kürzlich von der Freilaffung des Parteigenoffen Leuschke Mittheilung gemacht, nachdem derselbe wegen deS„Verbrechens" der MajestätS- deleidigung die für diese Art„Verbrechen" unerhörte Strafe von anderthalb Jahren Gesängniß verbüßt hatte. Heute nun liegt uns ein Schreiben unsreS Genoffen Leuschke vor, auS welchem ersichtlich, 'daß man, mit der Höhe des Strafmaßes noch nicht zufruden, ihn auch noch in einer Weise behandelte, die kaum den Torturen nachstehen dürste, mit welchen man in Rußland politische Gefan- gene mürbe zu machen sucht. Und doch„marschirt Deutschland an der Spitze der Eivilisation". Lasten wir unfern Genoffen selbst reden. «Nachdem ich endlich der Feffeln ledig und der Fre h.'it nach 18 Monaten 19 Tagen wiedergegeben bin, drängt mich mein H-rz, Denjenigen öffentlich meinen innigsten Dank abzustatten, welche mir meine Hast durch Zusendung von Geldern und Lectüre er- leichterten. Nun wieder in Surer Mitte, Parteigenoffen, soll es zunächst meine Ausgabe sein, Euch meine Lebensschicksale sowohl während meiner UntersuchungS- als auch während meiner Strafzeit bis zu meiner Entlastung mitzutheilen. Es wird sich dabei Manchem, der an den traurigen Zuständen im Reiche der Gottesfurcht und f v i*» v q» vv» v~*f~*t vi*.-o— n*»„.**•*..*. Barbaren Gefallen finden können. Im Dezember 1373— bekanntlich die Zeit der ReichStagSwahlagitation— wurde mir als Colporteur vom Arbeiterwahlcomitö zu Weimar der Auftrag zu Theil, Wahlaufrufe nebst einer Partie Probenummern des„Volks- staat" nach Frankenhausen zu überbringen, damit dieselben von dort auS in der weimarischen Enclave Oldisleben durch die Ge- noffcn verbreitet würden. Im Februar 1874 nahm ich dieselbe Tour, wurde aber am 13. deS nämlichen MonatS, Nachmittags 3 Uhr, als ich eben im Begriff war, zur Post zu gehen und Herrn Buchhändler Kettet in Weimar den Betrag von 15 Thlr. für expedrrte Zeitschriften zu übersenden, unvermuthet und plötzlich in der Restauration deS Herrn Kummer in Wiehe vom Gensdarmen Lederer auf vorgängige Frage«ach Legitimation wegen„MajestätS- beleidigung" verhaftet und zunächst nach dem Polizetbüreau geführt. Nach Feststellung meiner Personalien wurde Seitens des Polizei- Verwalter» resp. AmtSvorsteherS in Gegenwart deS schon erwähnten GenSdarmcn ein ellenlanges Protokoll aufgenpmmen, worin mau mir alles Mögliche zur Last legte. Bemerken muß ich hierbei gleich- zeitig, daß mir der schon mehrerwähnte GenSdarm eine B-hand lung zu Theil werden ließ, welche in mir den Glauben erweckte, als hätte ich die ganze Welt in Aufruhr versetzt. Namentlich hatte er eS auf meinen Koffer abgesehen, und als er in letzterem die Schrift„Parlamentarische Thätigkeit des Reichstags", welche für 3 Gr. in jeder Buchhandlung zu kaufen war, fand, gingen die Schmähungen los. Ich ertheilte ihm gebührende Auskunft; er sagte unter Anderm: Ich sei ein Agitator und auch so ein Kerl wie der in Allstädt, der die Menschen alle verrückt gemacht habe, indem er mit diesen Worten W. Ufert meinte, welcher in mehreren Versammlungen mit gutem Erfolg gewirkt hatte. Nachdem endlich daS Protokoll fertig war, und ich es unterschrieben hatte, wurde mir bedeutet, daß ich in Untersuchungshaft verbleiben müßte, und nachdem ich Kettet in Weimar über Lage und Stand der Sache Bericht gegeben, wurde ich meines Geldes im Betrage von 15 Thlr. 7 Pf., welches ich bei mir trug, und welches, wie schon erwähnt, daS Eigenthum Kettel« war, nach Abzug von 1 Gr. Porto, entledigt. Ich wurde nuu in daS Polizeigefängniß abgeführt. Die Zelle, in welche ich kam, war aber wahrhaftig allem Andern nur nicht einem Aufenthaltsort für Menschen ähnlich. Durch eine Borzelle ge- langte ich in ein Gemach, in welches ich sozusagen auf allen Bieren hineinkriechen mußte. Ein einziges Fenster, welches unge- fähr 3—10 Zoll in Lichten(im Geviert?) haben mochte und überdies noch mit Eisenstäben versehen war, war darin. Der Ofen, welcher darin stand, war wegen der auf allen Seiten klaffenden und nicht mit Lehm verstrichenen Kacheln gar nicht heizbar, und trotzdem konnte ich es vor Kälte unmöglich ohne Feuer in der Zelle aushalten. Daß natürlich, nachdem ich um Feuer gebeten hatte, in der Klause ein Rauch entstand, durch welchen man sozusagen nicht mit einem Säbel durchhauen konnte, versteht sich von selbst. Ja ich konnte in diesen vier Wänden durch den entstandenen Rauch kaum die alte Bettstelle entdecken, auf welcher ein alter zerriffener Strohsack und eine schmutzige wollene Decke sich befanden. Das Abendbrod bestand aus 3 Kartoffeln und einer sehr geringen Quantität Fett. Kurz gesagt, eS war eine Nacht in tausend Aengsteu. Am andern Morgen führte man mich vor den Untersuchungsrichter; hier war der Gastwirth Räthsel au« Wohlmirstedt schon gegenwärtig. Derselbe war Kläger und Zeuge in einer Person und hatte eS verstanden, mich mit allen erdenklichen Mitteln, deren sich ein Gegner«usrer gerechten Sache nur bedienen kau», und die mich unbedingt dem Schwerte der„Gerechtigkeit" überliefern mußten, zu denunciren. Er bekundete, ich hätte Seine Majestät den König von Preußen meineidig genannt und Bismarck beleidigt. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Auf der Tour im Dezember 1873 trat ich in die zu Wohlmirstedt befindliche Wirthschaft Räthsels ein und überlieferte demselben die„Chronik der Zeit"; zur selben Zeit saßen mehrere Arbeiter beim Vesperbrot darin; einer von diesen wollte auf eine Zeitschrift abonniren und sieht in meiner Mappe bei dieser Gelegenheit die Wahlaufrufe. Er nimmt einen und liest chn. Es entspinnt sich darüber ein Gespräch, au welchem ich mich schließlich mit betheilige; so wurde ich unter Anderm gefragt, warum Herrn Bebel in Leipzig seiner Zeit daS Mandat entzogen wurde. Ich erzähle nun, rnchlS BöseS ahnend, daß dem betref- senden Abgeordneten daS Mandat deshalb entzogen worden sei, well er gesagt habe, Seine Majestät der König von Preußen habe die Proklamation an daS französische Volk nicht gehalten, worin eS unter Anderm heißt: Ich führe Krieg gegen den Kaiser und seine Armee, nicht aber gegen das französische Volk, und daß das begründet sei, da, nachdem Napoleon und die stehenden Heere ge- fangen genommen waren, und in Paris am 4. September die Republik erklärt worden sei, der Krieg noch weiter gegen daS Volk geführt und so zu einem Eroberungskriege geworden sei. Räthsel bestritt jedoch, daß ich die Worte mit Bebel in Verbindung ge- bracht hätte, und ich mußte weiter in Untersuchung verbleiben. Während dieser Zeit schrieb mir Kettel, ich sollte ihm die 15 Thlr. überliefern, da man ihm doch unmöglich sein Eigenthum vorent- halten könnte. Allein alle meine Bemühungen waren vergeblich. AuS dem Polizeigefängniß wurde ich nunmehr in daS Gerichts- gesängniß überführt und blieb darin bis zum 2. März. In diesem sollte ich nicht einmal auS dem Fenster sehn. Am genannten Tage wurde ich Morgens 6 Uhr in Begleitung deS Polizisten und eines Civilisten nach Cölleda tranSportirt; hier wurde mir bei meiner Ankunft eröffnet, daß ich den 3. März früh S Uhr Termin haben würde. Diese Mittheilung kam mir so unerwartet, daß ich mir keinen Rath wußte. Zum Herbeicitiren eines Rechtsbeistandes war es zu spät und der in Cölleda ansässige Rechtsanwalt war in Berlin im Reichstage. WaS sollte ich beginnen? Die Ver- Handlung mußte ohne RechtShülfe vor sich gehen. Ruhig und gefaßt ging ich zum Verhör und war auch auf Verkündigung von Strafe vorbereitet, da der Kreisrichter in Wiehr schon gesagt hatte, daß ich unbedingt 2 Monat Gesängniß erhalten würde. Ich hatte die Absicht, meine Vertheidigung selbst zu führen; als ich aber sah, in wetcher Weise man zu Werke ging, war ich nicht im Stande, ein Wort hervorzubringen, ja der Muth war mir gänzlich ge- funken. Die Rede des Staatsanwalts war kurz gefaßt etwa fol- gende: da ich Mitglied der sozialdemokratischen Partei sei, waS ich vorher auf seine Befragung zugestanden hatte, so beantrage er, daß ich der MajestätSbeleidigung überführt und mit aller Schärfe des Gesetzes bestraft werde, und um zu zeigen, wie man gegen solche Wühlereien und Hetzereien vorgehen müßte, und damit gleich- zeilig Andern, welche noch nicht zur Partei gehörten, ein abschreckendes Beispiel vor Augen gerückt werde, so beantrage er im Namen deS KömgS eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten. BtS jetzt noch ohne Strafe wurde mir bei diesen Worten schwarz vor den Augen, und ich fand in Folge deffen auch keinen Math, gegen daS ganze Prozeßverfahren Einspruch zu erheben. Ich konnte eS aber nicht umerlaffen, nochmals um Abschickung der 14 Thlr. 29 Gr. 7 Pf. nachzusuchen, allein der Staatsanwalt sprach dagegen und beantragte— man staune— dieselben für mein E-genthum an- --..— v k-MWW«» clv(Ivtl VI-»*>»»»tvfliolj+ das Gericht aus diese Weise. Bedarf man da noch eines Com- mentarS? Nach Fällung meines UrtheilS wurde ich wieder in daS Ge- fängniß zurückgebracht. Hier bat ich an demselben Tage um Schreibmaterial; daffelbe erhielt ich aber erst am 13. Tage. Ich hatte die Absicht gehabt, Kettel zu bitten, daß er appelliren sollte. DieS war durch jene— ob absichtliche, will ich dahingestellt sein laffen— Veisäumniß zur Unmöglichkeit geworden, da die An- metdeftist abgelaufen war. Am 20. März früh VzI Uhr wurde ich nebst einem weiblichen Individuum, welches wegen Diebstahl zu 2 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurlheilt war, behufs Abbüßung meiner Strashaft nach Naumburg eScortirt. Wegen einer offenen Fußwunde wurde mir das Glück zu Theil, daß wir gefahren wurden, und so kam eS, daß wir schon 11 Uhr Vor- mittags in dem dasigcn Gefängnisse abgeliefert werden konnten. Doch welch' einer Gesellschaft wurde ich beigegeben! Diebe, Be- ttüger, Verbrecher gegen die Sittlichkeit und selbst Mörder, Alles war duicheinander gewürfelt. Ist daS die Absonderung der poli- tischen Gefangenen? Wird da nicht der rechtliche Sinn des Men- schen angetastet und abgestumpft? Aber nicht allein dieses— nein, bei jedesmaligem Oeffuen der Zelle muß man sich in Gegen- wart solch ehrenwerther Gesellschaft auch noch die Anrede:„Na! Sie Majestätsverbrecher" oder„Sie Sozialdemokrat" gefallen laffen. Aber ich war still; Ereiferung hätte mir nichts genützt; denn die Anmaßung der Beamten geht über alle Grenzen. Aber die obenangefühnen Ausdrücke möchten noch dahin gehen, da sie nur von unwissenden Mitgefangenen ausgesprochen wurden. Ist eS dagegen zu verzeihen, wenn der SamtätSrath Dr. Hartmann, welcher sich doch gewiß unter die Gebildeten und die den„höhereu" Ständen angehörigen Menschen gezählt wissen will, sich ganz ähn- licher, ja womögl'ch noch ärgerer Ausdrücke mir gegenüber bediente? Am 20. Mai 1874 wurde ich zur Ableistung d«s ManifestationS- eideS über die nach Abzug der Kettel gehörigen, ihm aber von„Rechtswegen" abgesprochenen 14 Thlr. 29 Sgr. 7 Pf. noch verbleibenden Restkosten im Betrage von 13 Thlr. 20 Sgr. 5 Pf. vorgeführt. Um die nämliche Zeit beanttagte ich, mir Schreibmaterial zu geben, welchen Antrag ich dahin motivirte, daß ich eine Beschwerde an da« Ministerium einreichen wollte; daS wurde mir aber rund weg abgeschlagen. Also nur auf diese Weise ist eS zu erklären, daß der Justizminister im Abgcordneteohause sich wundern konnte, daß so wenig Beschwerden von politischen Ge- fangeuen eingehen; ebenso wurde mir die Abschrift des Erkenntnisse« nicht gestattet, obwohl sie Parteigenosse Most, d. Z. in Plötzensee, zugestanden wurde. Feruer verdient noch der Oeffcntlichkeit übergeben zu werden, in welcher ungerechten Weise die Lohnver- Hältnisse sür Gefängnißarbeit geregelt waren. E» gab unter anderen 3 Lohnsätze: geringeren, mittleren und höchsten Satz. Bei Anwen- dung de» elfteren gab eS für Federnreißen, Taue zupfen, CouvertS und Düren kleben 3 Pf., für Holzspaltcn und Arbeiten auf dem Torfhofe, ebenso sür Schuhmacher- und Schueiderarbeit 10 Pf. Für Torsstreichen und Außeoarbeitcn 25 Pfennige, wovon noch die Brodzulage, welche Jeder, der schwere Arbeit verrichtet, erhielt, ab- gezogen wurde. Nach dem Gesetz und dem Reglement gemäß soll dem Arbeiter ein Drittel de« reinen Arbeitsverdienstes gewährt werden; in welchem Zusammenhange mit diesen Bestimmungen steht nun mein Arbeitsverdienst, da ich, so lange ich allein die Schuhmacherarbeit im Hause»errichtete, bei einem Verdienst von monatlich 25—30 Thlr». nur 2 Mark 50 Pf. durchschnittlich er- hielt? Da? Beste dabei war, daß mrn, auch während de? Sonn- tszS, moralisch dazu gezwungen, ja oft sogar von den Aufsehern angehalten wurde, unentgeltlich Arbeit zu verrichten. Im A rfanze der Abbüßunz meiner Strashaft wurden von msiner Mutter, welch: in Pirna ansässig ist, in kurzem Zsitraume zwei Gnaden- gesuche eingereicht; diese aber wurden von Sr. Maj. dem König dem Justizminister, und von diesem der KceiSzerichtSoeputatioa zu Cölleda zur Prüfung überwiesen; von dieser ist dann b-schlossen worden, das Gesuch nach Lage der Sache(wohl, weil ich Sozial- demokrat bin), höheren OctS nicht zu befürworten. AuS Vor- stehendem wird man genügend ersehen, daß unsere Partei von ihren Gegnern, zu welchen«an die Gerichte nicht zählen soll, aus jede mögliche Weise gedrangsalirt und verfolgt wird. ES wird ja aber doch der Tag nahe sein, wo man unser- Rechte und Forde- rungen anerkennen muß und wo dann unsere Bemühunzen und Bestrebunzen mit Erfolg gekrönt werden. Bon meiner Seite auS sei aber versichert, daß ich nach wie vor meinen politischen Grund- sähen treu bleiben und durch diese«, wie vielleicht noch kommendes Leid von den Prinzipien der Sozialdemokratie nicht lassen, sondern mit aller Kraft uns der mir zu Gebote stehenden Energie für die- selben weiter thätig sein werde." Politische Uebersicht. — Die Phrase von der allgemeinen Wehrpflicht ist bekanntlich nichts Anderes als eine große Lüge, wie neulich sogar das junkerliche„Militär-Wochenblatt" zugestehen mußte und zwar mit derbedenklichen Schlußfolgerung, daß die allgemeine Wehrpflicht nur unter dem Milizsqstem zur Wahrheit werden könne. Jezt bringt eine fortschsittliche Corresponden; sehr lehrreiche, ans- unser Militärwesen scharfe Schlaglichter werfende Auszüge auS einer dem BundcSrath mitgetheilten Uebersicht über die Ergebnisse des HeereSe> gänzungszeschäftS im Jahr 1874. Durch diese amtliche Uebersicht wird die Thatsache festgestellt, daß die Militär-> Verwaltung unter den gegenwärtigen Verhältnissen„nicht im Stande ist, die allgemeine Wehrpflicht zur Geltung zu bringen"; wir erfahreu nämlich, daß 23,343 Mann, die 1374 hätten ausgehoben werden sollen, wegen des bereits gedeckten RekrutirungSbedarfS nicht auS- gehoben werden konnten. Diese Zahl repräsentirt 17 Prozent der AuShebunzsfähizen, also der als tauglich für den Militärdienst be- fundenen Mannschaft; man ist demnach zum Schaden der Wehr- krast des Landes gezwungen, auf die militärische Ausbildung nahezu eines Fünftels der wehrpflichtigen Jugend zu verzichten. Und wohl gemerkt: die größere Hätste der thatsächlich Wehrfähigen wird so schon als„untauglich" zurückgestellt, weil man sie in dem undemokratische» Rahmen der jetzt in Kraft befindlichen HeereSorzanisation nicht brauchen kann. Dieses Mißverhältniß zwischen der Zahl der AuSgehobenc« und der Zahl der AuShebungSfähigen fällt um so schwerer ins Gewicht, je größer die Militäclast ist, die den wirklich Ausgehobenea drückt. Wie diese Last gegenwärtig in Deutschland empfanden wird, das prägt sich in den Ziffern der Rubrik a«S, in welcher die„ohne Entschuldigung bei ver Aushebung Ausgebliebenen", die Militärflüchtigen, verzeichnet sind. Die Zahl derselben ist seit 1860 von IV, auf 9 Prozent gestiegen und für das Jahr 1374 verzeichnet die Uebersicht nicht weniger als 32,413�(in Worten zweiundachtzigtaufendvierhundertachtzehn) Mann dieser Kategorie. Wenn man bedenkt, daß es eben nur die kräftigsten jungen Männer sind, die in der begründeten Furcht, in da« Heer eingestellt zu werden, da« Weite suchen, so leuchtet die Größe de« »"•mlten Verlustes an Wehrhaktigkeit und Arb-rtSkraft, den Deutsch« lano durch dieze mazzenoaste Auswanderung erleidet, auf's Klarste ein. Daß von den 32 418 Ausgebliebenen 16,072 auf Elsaß-- Lothringen kommen, wird Niemanden in Staunen setzen—„wie aber kommt eS", fragt die fortschrittliche Corresponden;,„daß die Pro- vinz Preußen, diese alte Stammprovinz mit einer so kernigen, kriegstüchtigen Bevölkerung mit Elsaß Lothringen derart konkurrirt, daß in dieser Provinz sogar 16,830 Mann bei der Aushebung ohne Entschuldigung fortbleiben? Diese Zahl für eine einzige Provinz beträgt mehr als da» Doppelte der 1860 im ganzen Königreich Preußen nach dem damaligen Um- fang derart Ausgebliebenen(7177)". Di- Frage der fortschrittlichen Corresponden; ist wahrhaftig sehr naiv. Oder hat sie etwa nichts von den drei„frischen, fröhlichen", sogar„heiligen" Kriegen gehört, mit denen wir binnen sechs Jahren (alle zwei Jahre ein Krieg!) begnadet worden sind? Und hat sie vergessen, daß wir nach Moltke's Ausspruch bis zum Jahr 1920 in beständiger Kriegsgefahr schweben, also jeden Moment, in dem eS irgend einem„Genialen" beliebt, wieder zum Massenmord kom- maudirt werden können? Daß dem Volk, welches mit seinem Blut und Schweiß- die Kosten zu bezahlen hat, der Krieg in etwa« weniger rosigem Licht erscheint, als dem„Volk", das die Data- tionen und Milliarden einsackt, scheint uns aber sehr natürlich. — Blödsinn. Die„Deutsche R-ichSkorrespondenz"(Reptil reinster— mit Erlaubniß!— Rare) schreibt: „Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, hat Fürst Bis- marck in der neuesten Zeit wiederholt mit Fachleuten, Volk«- wirthen und Sozialpolitikern Besprechungen über den Umstand ge- habt, daß viele deutsche Fabriketablissements, namentlich diejenigen der Effeaindustrie, entweder ihre Arbeiterzahl vermindert oder die Arbeitszeit verkürzt haben. Vertrauten Personen ist dann von ihm der Auftrag gegeben worden, Borschläge zu machen,«i« hier in nachdrücklicher Weise Abhilfe geschaffen werden könne, u« eine industrielle KrisiS und ihre schlimmen Folgen von unS so viel als möglich fern zu halten. Um einen klaren Einblick in diese Verhältnisse zu erlangen, sind auch seitens der StaatSregierung neuerdings Ermittelungen angestellt worden, in welchem Maße und namentlich auf welche Jndustriebezirke sich diese Kalamität auSdehnt und welche FabrikationSzweige ganz besonder« davon betroffen find." Die„Fachleute, VolkSwirthe, Sozialpolitiker, vertraute Per- fönen" zc., von denen in obigem Waschzettel die Rede ist, redu- zireu sich auf die Herren Bucher und Wagener, za denen, al< dritter im Ehrenbunde, Herr Stieb er gehört. Diese Dreieiuia- keit ist aber schon sehr alt. Oder sollte etwa au Stelle de« stumpf« gewordenen Stieber die„frischere Kraft" Treitschke als heiliger Geist der BiSmarck'schen Sozialpolitik getreten sein?— Wa« eud- lich die„Ermittelungen" der preußischen StaatSregung betrifft, so können wir on» über deren Tendenz nach dem famosen Worte Camphanseu'S und dem ebenso famosen Erlaffe Achenbach'» bei« besten Willen keinen Täuschungen hingeben. Die Jadustriekalamit ist Folge der zu hohen Löhne, den Arbeitern geht'« zn gut, orxo — nun, da« Rezept kennt ja Jeder. — AuS Berlin schreibt man uu«: Während die Redac'eure der„Frankfurter Zeitung" wegen Zeugnißv-rw-igerung im Gesängniß sitzen, geht der Seh. Reg.- Rath Aegidi, Chef de« BiSmarck'schen Preßbnreau», hier gaok unbehelligt spazieren. In dem bekannten Prozeß wider den Schrift- steller Gustav Rasch wegen des Buches„Die Preußen in Elsaß und Lothringen« fand daS hiesige Stadtgericht seine Weigerung, über die Preßzustände im Elsaß und in Lothrinaen auszusagen, ganz in Ordnung und wie« den Angeklagten mit seinem Antrage, die gesetzliche ZwangSmaßregel wegen Zengnißverweigerung gegen den Geheimrath in Anwendung zu bringen, unter Berufung auf eine Bestimmung der Criminalordnung, daß ein landesherrlicher Beamter zur Ablegung eine« Zeugnisse« in dem Falle nicht ge- zwungen werden könne, wo die Fragen solche Umstände beträfen, deren Bekanntwerden dem Staate nachtheilig sein könnte, ab. Auf seine Beschwerde beim Kammergericht wegen dieser stadtgerichtlichen Abweisung hat der Verklagte gar keine Antwort erhalten. Vielleicht sind die Gerichtsferien daran Schuld, die aber gegen die Redac- teure der.Frankfurter Zeitung« bei vollständiger ZwangSmaßregel keinen Einfluß ausgeübt haben. Herr Gustav Rasch hat nun von Neuem von Pari« auS Beschwerde beim Kawmcrgericht geführt und die sofortige Abführung de« Geh.-RathS Aegidi in daS Stadt- vogtcigesängoiß verlangt. Wir sind doch neugierig, ob diese Be- schwerde ein Resultat hat? Während dessen schwebt der Prozeß nun anderthalb Jahre, ohne eS zu einem Resultat bringen zu können, und das Buch bleibt immer confiScirt. — Zur RohheitSftatistik. Im Stettiner.Generalanzeiger« lesen wir folgende erbauliche Geschichte:„Gestern Mittag ereignete sich auf dem Hevmarkte zwischen zwei Kausleuten eine solenne Prügelei, die mit Stöcken, Fußtritten und Bartrausen auS- gefochten wurde und eine große Zahl von Schaulustigen herbei- gezogen hatte, aber nicht verfehlte, ein höchst peinliche« Aussehen zu erregen. Die Herren sollten doch solche widerlichen Scenen ver- meiden, oder wenigsten« derartige Kämpfe in geschlossenen Räumen auSsechten. Wie verlautet, waren geschäftliche Differenzen die Ursache dieses Austritte«, der wahrscheinlich noch vor Gericht fem Nachspiel haben wird.« Bravo! Wäre dieser Culturkampf„in geschlossenen Räumen« auSgefochten worden, so hätte der„Stettiner Generalanzeiger« nicht« einzuwenden gehabt. Paßt auch in die RohheitSstatistik. Der.Fall« ist übrigen« ziemlich harmloser Natur— man beobachte einmal diese„Gebildeten" z. B. auf der Leipziger Messe, und man wird ganz andere Dinge erleben, und nicht vereinzelt, sonder» massenhaft.-- — Der Herr Allgem ein-Eilfahrts- Betrieb«-Leiter Stephan wird gebeten, sich den kürzlich erschienenen Briefwechsel des Fürsten Pückler-MuSkau(Herausgegeben von Ludmilla Assing- Grimelli. Berlin, Wedekind und Schweizer) anzusehen, und mit besonderer Aufmerksamkeit einen l862, also unter der Regie- rung des jetzigen König« von Preußen, geschriebenen Brief durchzustudieren, in welchem von der bekannten ConfiStation de« Hnmboldt-Barnhagen'schen Briefwechsel« die Rede ist. Fürst Pückler- MuSkau bemerkt da gegen Ludmilla Assing, die HerauSgeberin auch jene« Briefwechsel«: „An Humboldt« Briefen brauchten Sie nicht ein Jota zu ändern, aber die Anmerkungen aus dem Tagebuch Barnhagen« durften nur so weit gehen al« sie zur Erläuterung jener Briefe unumgänglich nothwcndig waren. In diesen TagebuchSblättern sind ein halb Dutzend Stellen, die, ohne dem Wert sein außerordent- liche« Interesse im Geringsten zu schmälern, jedenfalls weggelassen werden mußten, da sie die ganze preußische Königsfamilie außerordentlich choquiren müssen.« Er(Fürst Pückler-MuSkau— wir citiren hier nach der„Waage« S. 604, da un« der„Briefwechsel" , nicht vorliegt. R. d. V.) ist sehr besorgt um die Folgen, räth ihr einen geschickten Advokaten an, und bittet sie, die Briese an ihn, jetzt von andrer Hand adresstren zu lassen und da« Siegel zu ändern, denn„man wird jetzt Ihre Briefe auf der Boss jedenfalls lesen, ich kenne unser oubi uot uoir!«-- Fürst Pückler-MuSkau, der so unterrichtet war, wie nur je Einer, kannte also da«„Schwarze Cabinet«,— wa« sagen Sie dazu Herr Allgemein- rc. Stephan? — Moral und Sittlichkeit der bürgerlichen Gesell- schaft. In Berliner Blättern steht Folgende« zu lesen: „Die Aktiengesellschaft für deutsche und böhmische Eisen- und Stahlsabrikate(alias StrouSberg'sche Werke) ist nunmehr in da« hiesige Handelsregister eingetragen worden. Und zwar, wie ich mich überzeugte, geschah die Eintragung auf den Namen de« Dr. Bethel StrouSberg. Auch sollen die Aktien auf der Börse aufgelegt werden«. Wie saul und verrottet muß unsere Gesellschaft sein, unsere vornehme,„gebildete«, tonangebende Gesellschaft, wenn ein von der öffentlichen Meinung Geächteter e« wagen darf, unter seinem Namen in Berlin, dem Hauptorte seiner Heldenthaten, wieder an da« Licht der Oeffentlichkeit hervorzutreten? Der unbe- scholtene Ruf scheint nicht mehr die Bedeutung zu besitzen, wie früher. Der Gott Merkur ist vollständig zum Gotte der Spitz- buben geworden und hat sich de« letzten Feigenblattes der Scham, da« ftüher lose um seine Hüften flatterte, vollständig entledigt! Nun, wohl bekomm«! !— Wozu der Staat Geld hat. Die Leser erinnern sich noch der Affaire de« Polen Dunin, der vor Monaten wegen eine« augeblichen Attentat« aus Fürst Bismarck verhastet wurde, jedoch al« vollkommen unschuldig, nach einiger Zeit wieder in Frei- heit gesetzt werden mußte. Jetzt erfahren wir durch ein polnische« Blatt(die„Gazeta Narodowa« in Lemberg), daß Dunin da« Opfer eines schuftigen Subjekt«, Namen« Malicky, war, der ihn der preußischen Gesandtschaft in Warschau denunzirte und für seine Denunziation mit viertaoseud�Thaleru houorirt wurde. A»S welchem Fond«?$ — Gleich zu Gleich gesellt sich gern; da« fiel un« ein, Ä« wir in einem Wiener Blatt die Lebensgeschichte— um einen höflichen Ausdruck zu gebrauchen— de« Grafen Wend Botho Zu Eulenburg lasen, den Fürst Bismarck sich zum Schwieger- söhn auserkoren hat.„Der junge Graf,' so heißt e« da,„war um die Mitte der Sechziger-Jahre al« Einjährig-Freiwilliger bei de» Bonner Husaren fialionirt und gleichzeitig aus der Universität im- watrikulirt. Auf dem Heimwege von einem fröhlichen Kneip- abend begegnet ihm der Koch de« damals tbcnsall« in Bonn studirendeu Herzog« von Edinburgh und beginnt Händel mit dem Grafen. Dieser setzt sich tapser zur Wehre und sticht im Hand- stemenge den Angreifer nieder, der auch seinen Wunden krlag. Der Gras aber mußte für einige Zeit»ach Ehrenbreitstein wandern; die Saite erregte damals da« größte Aussehen, umso- wehr, gl« der junge Eulenburg vollkommen unschuldig an dem nächtlichen Streite war. ES hat ihm auch weder in seiner Repu- tation«och in seiner Earriere weiter geschadet. B iel m ehr er- Wut er sich allgemeiner Beliebtheit und ist uameotlich ein guter Freund der beiden Söhne des Reichskanzler«, der Grasen Herbert und Wilhelm Bismarck«.-- So die„N. Fr. Presse«. Nun, auch mit den Söhnen des Fürsten Bismarck hat sich die Chronik schon zu beschäftigen gehabt. WaS aber die Bonner Heldcnthat des hoffnungsvollen Schwiegersohn« in spv betrifft, so ward dieselbe seinerzeit ganz ander« erzählt; und die bloße Tbatsache, daß der junge Herr Graf verurtheilt wurde, schließt die Annahme berechtigter Nothwehr au«. Daß der Todt- schlag der gräflichen„Reputation« und„Earriere« nicht geschadet hat, finden wir sehr natürlich. Schade nur, daß e« blo« einer war. Gelingt e« dem Mann, einigen tausend Menschen die janu» vitav(LebenSthor) zu öffnen— um einen Ausdruck seine« Schwiegervater« in sps zu gebrauchen— so wird Reputation und Earriere noch ganz ander« ausfallen, Dank der„genialen« Blut- und Eisenpolitik. —„Idioten« nennt unsere Reptilienpresse die Wallfahrer nach Lourde«. Ganz recht. Aber ist e« weniger„idiotisch«, an den heiligen Sedan zu glauben al« an die heilige Maria? Und ist etwa, da wir gerade beim Thema sind, da« Dogma der Bis- marck'schen Unfehlbarkeit nicht genau ebenso„idiotisch«, wie da« Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit? Nur mit gleichem Maß messen, ihr Herren! — Todtschlag und Eigenthumsbeschädigung im Frieden durch Kriegsspielerei. Der„Mainzer Anzeiger" theilt folgende, alle« bisher Dagewesene übertreffende Geschichte mit: „Gestern Abend 8 Uhr begann das Leuchtkugelwerfen von den Fort« Mainspitze aus, daS von der Bürgermeisterei zuerst auf letzten Samstag und dann ans gestern Abend mit der Warnung angekündigt wurde, sich den Fort« höchstens auf 600 Meter zu nähern, da die U-berschreitung dieser Distanz mit äußerster Gefahr verbunden sei. Da« diesseitige Ufer war mit Tausenden von Menschen angefüllt, die alle sich an dem seltsamen, glänzenden Feuerwerk ergötzten. Während nun diese sich ganz der Betrachtung de« Sckauspiel« Hingaben, dachte von ihnen wohl Niemand daran, daß gleichzeitig dieses Manöver die Kostheimer in Pinik und Schrecken jagte. Anstatt daß nämlich die Geschosse in'« Wasser fielen, prasselten sie auf die Behausungen und Straßen der Kostheimer nieder. Projektile der wunderlichsten Art, wie über 6 Faß hohe eiserne Röhren, die ein Gewicht von 10—15 Pfund hatten, Blei- klötze in der Schwere von 2—4 Pfund, große hölzerne Prügel, Gefäße von'Eisenblech, in ihrer Gestalt Feuereimern äbnelnd u. A. fielen auf die Straßen, schlugen Löcher in die Dächer, zün- beten an einzelnen Stellen und bedrohten Leib und Leben der Menschen. Ein löjährige« Mädchen, die Tochter von Jacob Wollstadt, die von einer Röhre an die Brust getroffen wurde, liegt seit gestern Abend ohne ein Le- benSzeichen von sich zu geben, zum unbeschreiblichen Jammer ihrer Eltern und Geschwister darnieder. DaS Dach, unter dem die Feuerleitern aufbewahrt waren, ist zusammengeschlagen. Die Leute zogen sich in die Keller zurück, kurz Kostheim bot gestern Abend mehr den Anblick eines vom Feinde attaquirten Dorfes in Kriegszeiten, al« den einer Wohnstätte im Frieden. Ja da« vom Krieg bedrohte Dorf hat noch den Vorzug, daß seine Bewohner Schutzmaßregeln treffen können, weil sie die Gefahr kommen sehen, währenddem die von Kostheim gar keine Ahnung von der ihnen drohenden Gefahr hatten. Erstaunenswerth ist, daß das Manöver nicht mehr Unheil angerichtet hat, und nicht mehr Verluste an Menschenleben zu beklagen sind; man fragt sich, warum die Ge- schösse nicht in da« Wasser dirigirt wurden, und unbegreiflich ist eS, daß derartige Operationen überhaupt in unmittelbarer Nähe eine« Dorfe« in Scene gesetzt werden! Wen trifft hier die Schuld? Und wird die Seche wohl ernstlich untersucht werden?« Daß nicht ganz Kostheim in Grund und Boden zerstört und ein Raub der Mammen geworden ist— daß nicht 50 Menschen etwa, friedliche und wahrscheinlich bisher vollkomme» reichsfteund- liche Einwohner de« deutschen„Vaterlandes«, getödtet und einige Hundert verwundet worden sind, da» ist nicht die Schuld der Militärbehörden von Mainz! Diese hatten vach dem Berichte de« citirten liberalen Blatte« ihre Einrichtungen und Anordnungen so getroffen, daß eine derartige Verwüstung fremden Eigenthums, eine derartige Massentödtung sehr wohl möglich war!— Wa« wird nun geschehen? Der arme Bahnwärter, welcher, in seinem schweren und verantwortlichen Dienste bis zu Tode ermüdet, eine Weiche falsch stellt und damit auch nur ein einzige« Menschenleben in Gefahr bringt, wird mit Gefänqniß bis zu fünf Jahren und Dienstentlassung bestraft; der Nichtmilitär, welcher au« Fahr- lässtgkeit einen Brand herbeiführ», wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft——— Welche Strafe verdienen nun Leute, die mit einem Leichtsinn ohne Gleichen, trotzdem sse durch ihre Stellung zu äußerster Vorsicht verpflichtet und durch ihre Sachkenntnisse zur vollkommenen Vermeidung jedes Unglücksfall« befähigt find, dennoch Hunderte von Menschen in furchtbarste Angst versetzen, in ihrem Eigenthum schwer schädigen, Leib und Leben derselben in Gefahr bringen, brandstiften und tödten? Welche Strafe verdienen sie— und welche Strafe legt ihnen der Militärstaat, da« deutsche Reich, auf??? Jn«ere Partei-Augelegenhrite». Zu Agenten de« Vorstände« wurden ferner ernannt für All- stedt: W. Grumbach; Baden: F. Fromann, A. Dorwarth; Berlin: C. Greifenberg, Schaier; Broitzen: H Harm«, F. Funke; Frank- furt a. O.: Fleischer, Leonhard; Getsthacht: I. Freitag; Langen- bcrg: A. Kühnrich, L. KUHnrich; Neukirchen: A. Gruuert, K. Orgi«; Nevige«: F. Lehmann, F. Callenberg; Niederplanitz: E. Küchler, A. Seifert; PeterSwaldau: A. Spiclmann, W. Püschel; Sanger- Hausen: Hohenstedter; Senftenberg: E. Hamester, H. Lilie; Ton- neberg: I. A. Bischof; Stettin: I. Dnrist, H. Müller; Uelzen: H. Tiedemann; Wilster: P. Haselbach. Wir bitten, bei neuen Anmeldungen die genauen Adressen beider Agenten(beim Sekretariat) anzugeben. Hamburg, 13. September 1875. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A.: I. Auer, C. Derossi, gr. Rosenstraße 26, II. Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner Tischler-(Schreiner-) Verein. Kamönrg. 15. Sept. In der am heutigen Tage, in Hübuer'« Lokal, groß- Rosenstraße 37, tagenden Mitgliederversammlung de« Allgemeinen Tischler-(Schreiner-)BereinS wurde folgende Resolution angenommen: Die Mitgliedschaft de« Allgemeinen Tischlcr-lSchrei- ner-)vereinS zu Hamburg erklärt sich mit dem Vorgehen der Berliner Mitgliedschaft, resp. de« Herrn Schmitz(erster Borsttzen- der), in Betreff der Feier zu Ehren de« ic. Schweitzer nicht ein- verstanden; ersten«, weil diese« nicht Sache einer Korporation ist, zweiten«, weil diese« Vorgehen unbedingt Zwistigkeiten inner- halb de« Allgemeinen Tischler-(Schreiner-) Vereins geben wird. Im Auftrage der Mitgliedschaft zu Hamburg. Ferd. Weidemann, Bevollmächtigter. MetallarbeitergewerkSgenossenschaft. Kannover, 16. Sept. Den Mitgliedern zur Beachtung: Durch die Abreise zweier Mitglieder der Controlkommisston sahen wir un« genöthigt eiue ErgänzungSwahl vorzunehmen; e« wurden K. Ever« und E. Wille gewählt. Zum 2. Vorsitzenden wurde A. Jrrgang, Roscherstraße Nr. 4, gewählt. Alle Briefe zc., die Controlcommission betreffend, wolle man an unten stehende Adresse richten. Mit Gruß. F. Eichenberg, Lammstr. Nr. 3 B. Correspondenzen. ZSerkin, 10. September.(Bericht über den ersten deut- scheu Tapeziercr-Congreß, abgehalten am 29., 30. und 31. August in Leipzig.) Die Leipziger College» hatten am 23. August Abend« halb 9 Uhr eine öffentliche Vorversammlung anberaumt, welche sehr zahlreich besuckt war. Nachdem die bereit« eingetrof- fenen Delegirten vorgestellt und auf« Herzlichste begrüßt waren, hielt der Einberufer de« Congresses, Kaufmann au« Hannover, einen Vortrag über Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Be- wegung; dann sprach, ebenfalls in einem längeren Vortrag, der Delcgirte Landsmann au« Hamburg über den bevorstehenden Eon- greß. Beide Vorträge wurden von allen Seiten begeistert auf- genommen, welche Stimmung noch durch ein inzwischen aus Hamburg eingelaufene« Telegramm, welche« Grüße und Glückwünsche für da« Gedeihen de« in« Leben zu rufenden Verbände» brachte, gehoben wurde. Darauf sprach der Delegirte Nicola« au« Berlin, anschließend an die besprochenen Themata; seine Ausführungen wurden ebenfalls sehr beifällig aufgenommen. Zum Schluß er- mahnte der Vorsitzende zum festen Zusammenhalten und forderte zum zahlreichen Beitritt in den Leipziger Verein auf, was auch insofern Beachtung fand, als sich 15 neue Mitglieder aufnehmen ließen, worauf alsdann die Versammlung um halb le Uhr ge- schlössen wurde. Am 29. August, Vormittags 11 Uhr, eröffnete der Delegirte für Leipzig, College Rößiger, den Congreß mit einer Ansprache, worin derselbe der Freude gedenkt, die überall empfunden worden sei, al« die erste Kunde sich verbreitet habe, daß ein allgemeiner Verband der Tapezierer Deutschland« gegründet werden solle. Redner stattet dem Congreß- Comitä, welches mit aller Energie und jedenfalls zu Aller Zufriedenheit die Borarbeiten vollendet habe, seinen auftichtigsten Dank ab, und crtheilte dem bisherige« Vorsitzenden des Congreß- Comitä«, Kaufmann au« Hannover, al« Einberufer da« Wort. Kaufmann spricht im Namen des Comitä« den Delegirten für ibre rege Betheiligung an der Sache sowohl, al« auch für da« Erscheinen aus die Einladung des Comitä« seinen Dank au» und bittet, den Diskussionen die möglichste Aufmerk- samkeit zu schenken, damit der Gang der Verhandlungen möglichst kurz und dennoch korrekt sei. AlSdann wird zur Constituirung de« Bureau« geschritten, und werden Kaufmann au« Hannover zum ersten und Nicola« au« Berlin zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Der Vorsitzende theilt alsdann mit, daß Berlin beantragt hatte, die Protokolle stenographisch ausnehmen zu lassen, da« Comitä mußte jedoch au« finanziellen Gründen davon absehen und erlaubt sich, dem Congreß den College» Lohhöfner auS Berlin al« ersten Sckriftfübrer vorzuschlagen, welcher auch gewählt wurde. Al» zweiter Schriftführer wurde Delegirter Schubothe, Hannover, ge- wählt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Mandatprüfung, wurde eine Commisston, bestehend au« den Delegirten Wagenknecht- Carleruhe, Baumann-BreSlau und Aßmann- Frankfurt a. M. ge- wählt. Von 13 Delegirten wurden 22 Mandate mit einer Zahl von 808 Wählem abgegeben und sämmtlich für richtig befunden. Hierauf wurde eine vom Congreß- Comitä vorgelegte Geschäft«- ordnung mit einigen Aenderungen angenommen. Der dritte Punkt der Tagesordnung, Statutenberathung, hat den überaus größten Theil der Verhandlungen in Anspruch genommen, zu sehr inter- essanten Debatten Anlaß gegeben und schließlich ein sehr günstige« Resultat geliefert, indem sämmtlicke Delegirte für die soeben be- rathenen Statuten einzustehen versprachen, sowie die beste Unter- stützung für ferneren Ausbau unseres Verbände« zusicherten. Bei der Wahl wurde einstimmig Berlin al« Vorort und Kaufmann al« Borsitzender de« Ausschusses gewählt. Al« Organe wurden „Volksstaat« und„Neuer Social-Demokrat« gewählt, worauf jede Mitgliedschaft zu abonniren verpflichtet ist. Auf Antrag von Hannover wurde der Ausschuß beauftragt, sich mit dem Borstande de« Allgemeinen deutschen Sattlerverein« in Verbindung zu setzen, um ein HandinHand gehen an kleineren Orten zu ermöglichen. Ferner wurde der Ausschuß beauftragt, auf Antrag von Berlin ein Normalstatut und ans Antrag von Hamburg und Leipzig eine parlamentarische Geschäftsordnung für OrtSvereine in kürzester Zeit auszuarbeiten. Ferner wurde der Ausschuß auf Antrag Hamburg» angewiesen, sämmtliche Drucksachen nur in den Genossenschaft«- druckereien von Berlin oder Leipzig zu bestelle». Während der Verhandlungen liefen von Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M., Danzig und Hannover Begrüßung«- und Glückwunsch-Tclegramme, sowie mehrere dergleichen schriftlicbe Zustimmunze» von anderen Orten ein. Nach Verlauf der Tagesordnung wurde da« vom zweiten Schriftführer Schubothe inzwischen zusammengestellte Statut nochmal« verlesen und einstimmig angenommen, worauf der Bor- sitzende den dadurch entstandenen Verband der deutschen Tapezierer und Fachgenossen proklamirte. Der Vorsitzende legte den Dele- girten sowie allen Anwesenden in warmen Worten die Wichtigkeit der nun soeben beendeten Berhandluoaen an« Herz und mahnte zum festen Zusammenhalten bei allen Ereignissen, die die Zukunft auch bringe. Mit einem dreimaligen Hoch auf da« Gedeihen de« neubegründeten Verbände« w»rde der Congreß am 31. August Nachmittag« 4 Uhr geschlossen. Fr. Kaufmann, Vorsitzender. F. Lohhöfner, Schriftführer. KB. Alle Briefe an den AuSfchuß sind an die Adresse Fr. Kaufmann, Berlin 0, Stralauerstraße 44, 2. Hof l. 2 Tr., zu richten. Spandait, den 13. Sept. Nach einem 1'/« Jahr langem Zeit- räum de« Schweigen« wird e« wohl angemessen sein, auch von un« wieder etwa« hören zu lassen. Sonntag, den 12. d., hielte« wir hier eine Volksversammlung ab, in welcher tüchtig gekämpft wurde, da es unsere Gegner, die Hirsch-Duncker'schen OrtSvereine, welche in der Zeit, wo für die Socialdemokratie hier nicht« ge- than wurde, ziemlich festen Bode» gewonnen hatten, an einer starken Opposition nicht fehlen ließen. Herr Grieben wurde al« Borsitzender und Unterzeichneter al« Schriftführer gewählt. Ueber 'M den ersten Punkt der Tagesordnung(vie gegenwärtige Geschäfts- die Herrn Rohwer als erster, Kühn als zweiter Borsitzender und krisiS) referirte Herr Küster aus Berlin. Redner beleuchtete den Ursprung der heutigen KrisiS, hob besonders hervor, wie die Spo culation mitGrund undBoden einen großenTheilderSchuld daran trage und zeigte an Beispielen, wie durch den Kauf und Verkauf der neuerbauten Häuser der Kapitalist sein Kapital auf dem Wege der Speculation zu verdoppelu suche, so daß dadurch die Miethen uud Lebensmittel für den Arbeiter immer höhere Preise erreichen müssen. Dann kam Redner aus die Selbsthülfe zu sprechen; da- bei betonte er, daß dem Arbeiter jeder Weg zur Selbsthülfe ab- geschoitten würde, indem man seinen Verdienst den er nach Hause trage, wieder au» ihm herauSprcffe. Durch Aussparen der ver- dienten Groschen sei eine Selbsthlllfe unmöglich, und schließlich in besonder» bedauernSwerthen Fällen bleibe dem Arbeiter nur eine einzige Art der Selbsthilfe d. i. der Selbstmord. Hieraus erhielt Herr Gröbel aus Berlin(vom OrtSverein) da» Wort. Derselbe wollte beweisen, daß der Arbeiter nur durch Selbsthülfe empor kommen könne, und daß er mit seinen Ersparniffen ebenfalls spe- kuliren könne, um sich eine sichere Existenz dadurch zu verschaffen. Zugleich erklärte aber der Redner, ein Jeder könne nicht empor kommen, weil ihm die geistigen Mittel dazu fehlen, daß e» daher Schuldigkeit der Arbeiter wäre ihre Kinder in Schulen mit eigenen Mitteln bilden zu lassen— durch Staatshülfe, wie dieselbe von den Socialistcn gepredigt werde, sei nicht zu helfen, da der Staat dann nur für Findelhäuser zu sorgen hätte, und die Kinder da- durch den Eltern gänzlich entrissen würden. Hierauf erhielt Herr Keitcl auS Berlin das Wort.— Derselbe bewies, wie es dem Arbeiter unmöglich sei, seine Kinder auS eigenen Mitteln bilden zu lassen, weil ihm das Nöthigste dazu fehlt; daß sehr viele Kinder gute geistige Anlagen besitzen, dieselben aber nicht entwickeln können, sei Thatsache; die Behauptung, die Socialdemokratie wolle die Kinder in Findelhäusern unterbringen, widerlegte er als un wahr, es strebe dieselbe nur, wie im Programm gesagt ist, nach allgemeiner und gleicher VolkSerzichung durch den Staat, all gemeiner Schulpflicht und unentgeltlichem Unterricht in allen Bil dungSanstalten. Auch der zweite Punkt der Tagesordnung wurde erst nach längerer Debatte erledigt. Zum Schluß sei noch be- merkt, daß der überwachende Polizei-Sergeant Anstand genug be- saß, um während der Debatte in der Nähe des Büffet selbst Skandal zu veranstalten, indem er mit mehreren Gästen zu streiten anfing, welcher von den Rednern die Wahrheit spreche. DaS Re- sultat war für die Versaaimlnng ein günstiges, indem zum Schluß nach Aufforderung des Herrn Scheier eine größere Anzahl der focialistischen Arbeitelpartei Deutschlands beitrat. Trotz der langen Zeit, in der keine Versammlung stattfand, hatten die An- Hänger unserer Partei die weit überwiegende Majorität. Und nun Arbeiter Spandau's! Ich fordere Euch auf im Namen der Gestn- nungSgenossen, einzutreten in den Kampf für die Besserung der Arbeiterlage! Schreckt nicht zurück vor den Maßregelungen, welche Euch drohen, immer fester knüpft das Band, welches uns um- schließt. Ein Jeder, welcher unsere gerechten Forderungen kennt, agi- tire unter seinen Mitarbeitern um eine gleiche Gesinnung, ein gleiches Streben unter der Gesammtaibeiterschaft zu erzielen. Der Sieg bleibt nicht auS; immer fester und in dichter Phalanx dem Feinde entgegenmarschiren, keine Hindernisse scheuen, die uns ent- gezenstehen— nur dann können wir getrost in eine glückliche Zukunft blicken! Wilhelm Kubisch. Nächsten Sonntag wieder eine Versammlung. Tagesordnung: Staatshülfe und Selbsthülfe. Kalke, 17. Sept.(An die Abonnenten des„Neuen Sozial- demokrat" und„Volksstaat".) Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die Parteiorgane. Der Quartalswechsel verursachte uns noch immer Schwierigkeiten in Bezug auf Be- schaffung der nöthigen Geldmittel zum Post-Abonnement. Wir er suchen deshalb die Leser uns recht zahlreich durch Vorausbezahlung des Abonnementsbetrages, bis spätestens den 2S. September, zu unterstützen, damit wir unsere schwierige Aufgabe zum Besten der Sache und im Sinne aller Leser zu lösen im Stande sind. Neue Abonnenten mögen sich zahlreich melden und werden in jeder Ver sammlung aufgenommen. Blätter, die nicht bis zum 25. Sept. abbestellt sind, werden fortgeliefert. Die Zeitungskommission. I. A.: Hugo Rödiger. Holdkanter, 12. Sept. Für die abgebrannten Parteigenossen hier sind eingegangen: Arnstadt, vom Holzarbeiter-Stistungssest durch Sölle Mark 12,60. Durch Johann Kappler aus Coburg 4,12. Die hiesigen Parteigenossen sprechen dafür ihren Dank aus. Wei- tere Beiträge nimmt entgegen Chr. Weiß in Goldlauter Nr. 22, bei Suhl. Stuttgart, 13. Sept. Seit dem 22. v. M. befinden wir uns zum großen Verdruß der Nationalliberalen in angestrengter Wahl-Agitation. Der Wahlkreis umsaßt 32 größere und klei- nere Ortschaften, von denen die bedeutenderen wiederholt besucht werden müssen. In lobenSwerther Weise nnterstützen unS die Eß- linger Parteigenossen resp. Morlock und Mangold, ebenso ist auf Einladung Hackenberger auS Pforzheim thätig gewesen.— Jeden Sonntag Morgens und Mittag« ziehen die Parteigenossen in einzelnen Trupps zu den verschiedenen Thoren der Stadt hin aus nach ihren Bestimmungsorte» und finden bei der Landbe völkerung eine günstige Aufnahme. An einzelnen Orten haben einige National- miserable versucht, die Versammlungen zu stören, jedoch mußten sie sich jedesmal, moralisch geschlagen, beschämt zu- rückziehen. Sie haben offen eingestanden, einer solchen Agitation, wie die Sozialisten sie entfalten, nicht fähig zu sein. Und warum sind sie e» nicht? Weil sie sehr gut wissen, daß der Boden unter ihren Füßen schwankt! Aber sie verlassen sich aus ihre alten be- währten Freunde und Bundesgenossen, die Herren Schultheißen nebst deren Polizeidienern, welche in letzter Stunde, den Tag vor der Wahl» die Stimmzettel von Haus zu HauS tragen müssen. Wie verlautet, soll kurz vor Thorschluß die VoltSpartei, welche an- sänglich Passiv verbleiben wollte, sich entschlossen haben, auch einen eigenen Candidaten auszustellen. UnS kann dieS gleichgültig sein, denn über kurz oder lang geht die Volkspartei doch den Weg alles Fleisches. Unser mächtiger Gegner ist die national-liberale, die sog. reichsfreundliche Partei, welche aber trotzdem mit ihrer ganzen Reichsfreundlichkeit in der Agitation die nur denkbar schlechtesten Geschäfte macht. Von jetzt bis zum Tage der Wahl aber müssen wir unsere Anstrengungen noch verdoppeln. Die Parteigenossen, welche schon einmal eine ähnliche Campagne durchgemacht, werden wisse«, mit welchen Mühen und Opfern, zumal in gebirgiger Gegend, eine solche Agitation verbunden ist, und wir erwarten, daß dieselben uns wie bisher, so auch bis zu Ende treu zur Seite stehen werden. Alle Gelder sind zu senden an den Casstrer des Arbeiter- Wahl-Comit�S Herrn H. Leickhard», Büchsenstraße 40, l. Bremen, 6. Sept.(Volksversammlung.) Heute hielten wir hier eine Volksversammlung ab, worin Herr Bracke aus Braunschweig einen Vortrag halten wollte. DaS Lokal, worin die Versammlung stattfand, war überfüllt. In das Bureau wurden Unterzeichneter als Schristführer gewählt. Leider war jedoch der Referent verhindert worden, wie unS in einer Depesche auS Bremer Häven, welche vom Vorsitzenden verlesen wurde, angezeigt wurde. Herr Frick mußte deshalb die Lücke ausfüllen. Derselbe legte dann m seinem Vortrage über Kapital und Arbeit alle Pestbeulen der heutigen Gesellschaft bloS und entwickelte in klarer und verständ licher Weife die Vorschläge der Sozialdemokratie, die jetzige Ge sellschast in eine sozialistische umzugestalten. Der Redner erntete nach seinem Vortrage den ungethcilteu Beifall der Versammlung. Ein Antrag zur Tellersammlung wurde angenommen. Auch wur- den durch diese Versammlung wieder mehrere neue Mitglieder ge Wonnen, uud ein uns unbekannter Herr übergab dem Bureau 3 Mrk. zu BereinSzweckcu. Nach feinem Namen befragt, meinte er, der thue nicht» zur Sache. Dem Unbekannten hiermit uosem Dank. Mit Brudergruß. C. Lochte, Schriftführer Kamvurg, 5. Sept. Abrechnung über sämmtliche beim Comitö eingegangenen Gelder für die Copenhageuer und Achimer Cigarrcn arbeiter. Von Fabriken an das Comit6 abgeliefert 70.84, durch Sammelbogen eingegangen 163.55(von letzteren in Ottensen durch Hoffmann 19.12 gesammelt) zusammen 234.39. Ausgaben: An Kottkamp in 5 Raten abgeliesert 183.62. Nach Achim gesandt in 2 Raten 49, für Papier uud Porto 1.20, zusammen 233.32, bleibt Rest 57 Pf. Revidirt und sür richtig befunden durch die Revi- soren D. Schultz, W. Eisner, Meier. Mit Gruß.j W. Burmester.� Dortmund, den 10. Sept. Die Bewegung unter den Berg- arbeitern geht unaufhaltsam vorwärts. Der Achenbach'sche Erlaß — Reducirung der Löhne— hat den Anstoß zu einer regen Agi- tation gegeben. Hier und in der Umgegend wurden seil Monaten Bergarbeltcrvcrsammlungen abgehalten, Localcomttes gewählt zc. Am Sonntag, den 5. September, fand die seit längerer Zeit für hiesige Gegend bekannt gegebene Rheinisch-Westfälische Berg arbeiter- Conferenz statt, und zwar von Morgens 11 bis 2 Uhr und von Mittags 3 bis AbendS 6'/, Uhr. Die Conferenz hatte die Tages Ordnung zu lösen:„Feststellung eines Statuts sür den zu bildenden Allgemeinen Bergarbeitcr-Verein". Es waren zu der Conferenz Delcgirte erschienen auS den Kreisen Essen, Bo- chum, Dortmund, sowie ein Delcgirter aus dem Königreich Sachsen. Im Uebrigen war die Betheiligung von Seiten der Bergleute eine sehr rege, und ist daraus zu ersehen, daß sich die Bergarbeiter überzeugt haben, daß eine Vereinigung zu einem großen Ganzen nur im Interesse der Bergarbeiter liegt. Die Feststellung der Statuten rief im Anfange eine lebhaste Debatte über einzelne Paragraphen hervor und fand eine allseitige Betheiligung an der Debatte statt. Durch Feststellung der Statuten für einen Allgemeinen Berg- arbeiter-Verein ist nunmehr ein großes Hinderniß zu der Ver- einigung gefallen und muß eö eine Ehre für jeden Bergmann fei», sich dem Allgemeinen Bergarbeiter-Verein anzuschließen. Die Sta- tuten werden am nächsten Sonntag von einer dazu gewählten Commission redactionell corrigirt und alsdann dem Druck über- geben, dann geht es mit neuem Eifer in den Kamps zur Erreichung des Zieles. Der Delegirte aus Sachsen überbrachte die Grüße der dortigen Bergarbeiter und gab zugleich eine Schilderung der Zustände und Arbeiterverhältnisse der dortigen Kameraden, woraus zu ersehen, daß die Bergleute in Sachsen und Rheinland-Westfalen an ein und demselben Uebel leiden. Wir rufen den Bergarbeitern Rheinland-Westfalens zu: Er- kennt Eure traurige Lage und betheiligt Euch an dem großen EinigungS- und Befreiungswerke durch massenhaften Beitritt zum Allgemeinen Bergarbeiter-Verein. Wir wollen auf Erden schon glücklich sein, Wir wollen nicht wehr darben, Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, WaS fleißige Hände erwarben. Der Lohn für den Eifer, mit welchem das Bergarbeiter-Comitö sür die Rechte seiner Genossen eintritt, ist nicht ausgeblieben: die Mit- glieder sind überall gemaßregelt worden»nd erhalten nur auf einer einzigenGewerkschaft Arbeit und zwar aus einem englischenWerke. Sollten sie auch da abgelegt werden, so wollen sie auf der Straße oder sonst wo arbeiten, um das angefangene Vereinigungwerk zu voll- enden.— Die hier erscheinende„Westphälische freie Presse" soll Eigenthum des Bergardeiter-VeremS werden. Dieses Blatt wurde am 1. Juli sast ausschließlich von Bergarbeitern gegründet. es begann mit 600 Abonnenten und zählt jetzt gegen 1400 Abow nenten. Auch sonst herrscht hier regeS Leben. Jede Woche finden öffentliche Versammlungen statt, so z. B. war Montag, d. 6. Sept., Volksversammlung, in welcher Dreesbach über Leben und Wirken Lasialle's sprach. Dienstag, den 7. Sept., eine Zimmerer Versammlung; die hiesigen Zimmerer haben sich dem allgem. deutschen Zimmererverein angeschlossen, der hier ca. 150 Mitglie der zählt. Donnerstag, den 8.» hatten wir Maurer-Bersamm lung, in der ebenfalls Dreesbach ref:rirte. Zürich. Wie die Arbeiter anfangen, überall sich zufammenzu- finden, um gemeinschaftlich die Arbeilerjache fördern zu helfen, so haben auch wir hier in Zürich unS vor etwa 6 Monaten zu fammengefunden und einen Fachverein der Schlosser in's Leben gerufen, verbunden mit einem unentgeltlichen Arbeitsnach- wciS-Bureau, von dem aber bis auf den heutigen Tag ein Theil der hiesigen Meisterschaft(Meisterverein) durchaus nichts wissen will; dieser Verein hat nun ein eigenes ArbeitSnachweiS-Bureau gegründet, welches sich in der„Herberge zur Heimat" befindet, wo bis heute die Fremden sehr viel verkehren und dadurch der Mei- stern ArbeitSnachweis-Bureau benützen und sich folgedessen nicht an ihre College« wenden, die doch auch für ihre Besserstellung auftreten. Um diesem Uebelstande abzuhelfen und die Arbeiter mehr«nd mehr zu einem Ganzen zusammenzuführen, ersuchen wir alle Col legen, welche nach Zürich kommen, sich unseres Arbeitsnachweis BurcasS in ihrem eigenen Interesse zu bedienen; dasselbe befindet sich im Gasthof zum„goldenen Sternen" am Tonhalle platz, woselbst auch das Vereinslokal sich befindet; auch ist der Gasthof zum Uebernachten sehr geeignet. O. Wolter», Präsident NB. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Kopenhagen, d. 14. Sept. Wie die Leser deS„VolkSstaat" weht wlsseo, haben die Tabaksarbeiter hier in Kopenhagen nen- lich einen großen Sieg gewonnen. Es ist die allgemeine Mei- nunz der TabakSarbeiter, daß dieser Sieg wesentlich der groß- artigen Unterstützung, welche der Strike bei unfern deutschen Brü- dern gefunden hat, zu verdanken ist, und wir freuen unS darauf, unfern Dank einst auf ähnliche Weife abtragen zu können. Nachdem dieser Sieg durchgesetzt war, machten die Cigarrenarbeiter in Friedericia in Jütland ebenfalls Strike. Dieser dauerte nur 2 Tage und endigte auch mit einem Sieze für die Arbeiter. Em anderer Strike, nämlich der der Schiffszimmerer, wel- cher im Monat April ausbrach, scheint kein Ende finde« zu wollen. Die Direction der vereinigten Schiffswerften hat allerlei Kniffe ge- braucht, um die Einigkeit der Arbeiter zu brechen, aber e« ist nicht geglückt. Noch hat kein einziger Arbeiter seine Verpflichtungen den Kameraden gegenüber gebrochen. Es striken 270 Mann, aber der größte Theil hat andere Arbeit(nicht Schiffszimmerarbeit) er- halten. Dieser Strike hat keine Unterstützung im Auslände er- halten. Den 23. August wurde in AarhuS in Jütland ein Arbeiter- fest zu Ehren der auS dem Gesängmsse entlassenen Arbeiterführer Pio, Geleff und Brix abgehalten. Die beiden erstgenannten waren anwesend, Brix, der sich im Gesängniß eine lebeuSgefähr- liche Krankheit zugezogen hat, mußte auS diesem Grunde zu Hause bleiben. Wir zählten ungefähr 3000 Festtheiluehmer, und weil die Behörden allerlei Hindernisse in den Weg legten, muß dieS als ein großer Erfolg betrachtet werden. Seitdem die obengenannten Arbeitersührer wieder an die Spitze der Arbeiterbewegung getreten sind, hat diese einen neuen Auf- schwung erhalten. Ein Zeugniß davon ist, daß da» Tageblatt „Socialdemokraten" in dieser Zeit ungefähr 2000 neue Abou- nenten gewonnen hat. � In den letzten zwei Jahren ist eS uns unmöglich gewesen, Lo- kale zu unseren Versammlungen zu finden. Diejenigen, welche un» zu Gebote stehen, fassen nur einige hundert Menschen. Die Tanzsäle können wir nicht mehr miethen, weil unsere liebens- würdige Polizei die Besitzer am Kragen hat. Aus diesem Grunde haben wir be>chloffen uns ein eigenes Gebäude zu kaufen oder zu bauen. Da ein solches Borhaben eine bedeutende Geld- summe beansprucht, wird es wohl ein paar Jahre dauern, bevor wir unser Ziel erreichen. Hera, 9. Sept. Am 7. September fand hier eine allgemeine Versammlung der Zimmerer statt. Die TageS-Orvnung war: „die Lage des ArbeiterstanveS und die Organisation der deutschen Zimmerer", Referent B. Pfeifer auS Hamburg. Derselbe erledigte das Thema in einem 2 Stunden langen, gediegenen Vortrag; er wies auf den früheren Zusammenhalt der Zünfte hin, verglich diese mit der Jetztzeit, in ver wir immer mit vem freien Gewerbe- betrieb getröstet werden, und uns immer Sand in die Augen ge- streut wird. Jetzt sei der Arbeiter nicht besser gestellt als früher, sondern nur der Großbetrieb im Vortheil. Ferner wies Referent daraus hin, daß bloS durch Vereinigung unsere Lage gebessert wer- den könne, und daß die Organisation ver deutschen Zimmerer allein diesem Zwecke diene. Dana sorderle er die Zimmerer auf, ein- zutreten in den Verein. Dieser Aufforderung kamen auch circa 20 Mann nach. Und nun, Kameraden, die ihr noch nicht orga- sirt seid, tretet ein in den Verein der deutschen Zimmerer, trage ein Jeder sein Schärslein bei, damit die Wandernven und Striken- den unterstützt werden können, dann wird es unS auch ein Leichte» sein, unsere Gegner zu besiegen. Mit Gruß. Julius Martin, Bevollmächtigter. Briefkasten der Redaktion: Dem Verf. des GeoichtS„Eine Wählerversammlung": ist zu lokal für den„VolkSstaat"; die auswärtigen Leser würden unS Vorwürfe machen; erst wenn wir ein eigenes Lokalblatt haben, könnea wir den Leipziger Vorkommnissen gebührende Aufmerksamkeit schenken. Fr. Fllm. Bremen: Soll das, was Sie un« eingesandt haben, im Ramea oe« Allgem. Deutschen Schneiderverein» verössentlicht werden? W. in Hof und mehrere Andere' wollten wir über jeden Ort berichten, wo das' „Sedansest" in's Wasser gefallen ist und die MordSpatrioteu sich blamirt haben, so müßleu wir unser Format verzehnfachen; dagegen sind wir gern bereit über jeden Ort ausführlich zu berichten, wo die» nicht geschehen ist. Nur haben wir bis jetzt keinen gefunden. Von I H Mrf London Ab. 20,40. Knthrt B Gpnla Ab. 1,09. Pkrt Gohlis Schr. 3,00 Wahlcomttö hier Ann. 0,90. Azitations- comitö hier Ann. 1,60. Arb.- Part, hier Ann. 3,30. S Schltz Sorau Schr. 10,80. Mllr hier Ab. 36,00, Schr. 3,90.____ Donnerstag, den 23. September, Abends 8 Uhr, Sophienstraße 15: Versammlung der Abonnenten des„Neuen Sozial-Demokrat" und„Volksstaat". Ist es zweckmäßig, den Sozial- Demokrat sür Berlin täglich erscheinen zu lassen? Die Assoziations-Buchdruckerei in Berlin. Ref. Hasselmana. Dienstags-Nr. legüimirt_ Aug. Hcinsch.[70] Berlin O�thsilt„Slub 31" Freitag, den 24. September, Abends halb 9 Uhr, große Windmühlenstr. Nr. 7: Versammlung. NL. Zu diesem Abend ist eS nothwendig, daß Keiner fehlt! K.[40 Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Sonntag, den 26. September, Abends halb 7 Uhr, im Saale des Herrn Jaeobi, Rofenthalgasse: Gesellige Zusammenkunft, verbunden mit Tauz. Collegen und Gesinnungsgenossen sind freundlichst eingeladen. ____________(2a)_______ Da» Comite.[175] Qrttiitin Donnerstag, den 23. September, Abends halb 9 Uhr, im G' fenthal: Sszialisten-Versammlung. T.-O.: 1) Die orientalische Frage und der Aufstand in der Herzoge- wina. Res. Liebknecht. 2) Fragekasten. Die Parteigenossen werden ersucht, von nun an jedesmal die Lieder- bücher mitzubringen._ Der Agent.[70] Soeben ist erschienen: Ph. Becker: Stunden der Andacht. Lieferung 12. Preis 20 Pf.___ 0|»}«l2t