Nr. 112 Abonnements-Ktdingunzen: Vbonnement»-Prsi« pränumerando: Bierteliahrl. 3,30 MI, monalü 1,10 SKI., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau«. Ei», eine Nummer s Pfg. Sonntag«, Nummer mit tlluNrierler Sonntag«, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg> Poft- ?ll>o»nement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zetlungi- Preisliste sür lsoo unter Bc. 7971. Unter Nreuzband für Teutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Rusland s Marl pr» Monat. Erscheint läglich nutzer Zvonlng«, Vevliner Volksblakk. Centralorgan der soeialdemokratischen Parier Deutschlands. 17. Jahrs. Kit Insertion--Aebühr beträgt für die sechsgespaltene Nolone» »eile oder deren Raum«0 Pfg., für politisch« und gewerlschastlicheBereinS- und Berfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ziiileigeii" jedes Wort 0 Psg. (nur da« erste Wort fen). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« inderExpedttion abgegeben werden. Tie Erpedirion ist an Wochentagen di» 7 Uhr abendS, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Smi I, Bc. 1508. Telegramm-Adresse: »Sprialdemokrat Berlin" Redaktion: LW. 19, Veuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt 1. Str. 1508. Mittwoch, den 16, Mai 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Stratze 3. Fernsprecher: Amt l. Nr. 51S1. Die französischen Gemeinde- Stichwahlen. Paris, 14. Mai. ES ist geschehen: daS Pariser Kleinbürgertuin hat in den Stich wählen den Sieg der reaktionären klerikal-chauvinistischcn antisemitischen Demagogie vervollständigt. Die Hauptstadt der Republik erlebt zum erstenmal die Schmach einer antirepublikanischcn Gcmcinderats Mehrheit. In den 3V Stichwahlen sind 19 Nationalisten und Klerikal-Monarchisten, 6 Socialiste» und 5 Radikale bezichitiigsweise Linksradikale gcivählt ivorden. Das Gesamt ergebnis ist eine n a t i o n a l i st i s ch e Mehrheit, die von den 80 Gcmeindcratssitzen etwas mehr als 40 innehat. Die Angaben der verschiedenen Zeitungen schwanken zwischen 41 gegen 39 und SV gegen 30. Innerhalb der Minderheit ist nur die ParteistcNung der 19 Socialislcn und der 10 bis 12 Linksliberalen absolut sicher. Bei einem Dutzend radikaler und republikanischer GemcindcratS- mitglicdcr findet man in verschiedenen Zeitungen entgegengesetzte Parteibczeichnungen. DaS ist das traurigste Zeugnis für die Des- organisation der bürgerlich- republikanischen Parlcicit.— die nicht einmal im stände sind, mit Sicherheit zwischen Feind und Freund zu unterscheiden!... Der Ausfall der Stichwahlen hat die republikanischen Par teicn noch schmerzlicher getroffen als der erste Wahlgang. Die Einigung der Pariser republikanischen Zeitungen, die eine gemein- same Kandidatenliste empfohlen haben, hat also so gnt wic gnrnichtS gefruchtet. Die nationalistischen Hoffnungen auf die Stichivnhl sind iveit übertroffen worden. In einigen Wahlbezirken haben die bürgcr lich-republikauischen Kandidaten den Nationalisten in die Hände gc spielt. in einem Wahlbezirk hat leider sogar der socialistische Kandidat, sei nein Wahlkomitee zum Trotz, durch die Altfrechterhaltung seiner gänzlich ans- sichtSloscn Kandidatur(er hatte in der Hmiptwalst blas 323 von ca. 4000 abgegebenen Stimmen erhalten) den Sieg eines nationalistischen Führers über den linkSradilalcn Vorsitzenden de früheren GcmeinderatS, Lneipia, erleichtert. In der Hauptsache aber ivarc» eS die Wähler, die kleinbürgerlichen Wähler, die den rmtiona- listischen Triumph gesichert haben. . Die Socialisten haben in den Stichwahlen 4 Sitze an die Nationalisten verloren und 4 Sitze gewonnen, Ivornnter drei auf Koste» der Linksradikalen und nur einen auf Kosten der Nationalisten. Insgesamt ziehen unsre Genossen in den Gcniciuderat in der früheren Stärke ein. Die ganze Wucht der Niederlage haben die Radikalen zu ertragen. Ihre kleinbürgerlichen Truppen sind in Maffe ins nationalistische Lager übergelaufen. Daß die nationalistische Gemeinderats-Mchrheit in Wirklichkeit, wie schon berichtet, eine Minderheit der in der Hauptivahl abge- gcbencn Stimmen vertritt, ändert ja zunächst an dem Wahlergebnis nichts. Dessen Eindruck ist desto gewaltiger, als unter den Siegern die bc- nud verrufeustcu nationalistischen Rainen prangen. Da ist Dausset. der Generalsekretär der Batcrlandsliga i» Person, der in der Stichwahl den linksradikalen Vorsitzenden des Gemeinderats, Lneipia, mit 2113 gegen 1764 Stimmen geschlagen hat. Da sind: der Metzger B a r i l l i e r, die linke oder die rechte Hand Dorouledes; Ballivre, ein zum Renegaten gewordener Kommunard, der Adjutant des Generals Boulangcr und Deroril�des; Dubuc, ein hervorragender Rnüppel-Antifeniit, der seinen Kumpanen die Inden mit bleigefüllten Stöcken zu.enthinien" ldeeerveler) empfahl— die letzieren drei obendrein frei- gesprochene.Opfer" dc-5 KomplottprozcsjcS Deronlöde und Komorten. Da sind ferner: Le Meunet und Galli, LorstandSmitglieder der Döronlödeschcn Patriotenliga; G a st o n Möry, Redacteur des antisemitischen HanptorganS.Libre Parole". Adjutant Drumonls und Hohepriester der berüchtigten.Seherin" von der Paradiesstrafe. die mit den, Erzengel Gabriel seit Jahren im intimen Berlehr sieht; Lapelletier, Rcdactcnr des General- stabs-Hauptorgans.Echo de Paris" und ebenfalls(ivic Balliöre) Renegat der Pariser Äommnnc, und endlich A u f f r o y, ein klerikal- nionarchisiischer Advokat, der sich in der Drcyfus-Affaire einen patriotischen Namen gen, acht har... Man begreift nun, da« die nationalistische Presse das Wahl ergebnis als einen zieibelvnhten Protest der„Lichtstadt"(Ville I-umiöre!) gegen di« Drehfusards, gegen das Ministerium, gegen die „freimanrerische" und.sektiererische" sivill sagen: konfessionslose weltliche) Republik ausschlachtet. Ii, Wirklichkeit aber habe» ziel- beivutzt mir die klerilal-monarchistischei, u»d staatsstreichlerischen Drahtzieher der Wahlhctze nebst ihren von jeher reaktionären Wählern gehandelt und gestimmt. Die Masse des Kleinbürgenums ist ebenso blind und stumpf ous de» nationalistischen Leim gegangen, Ivie vor 12 Jahre» aus den bonlangistischen. ES ist der bewußtlose Restex einer verfallenden Gcsclljchaftsschicht. die die Ursachen mit den Symptomen ihres Elends verwechsell. die nach einen, Retter um jeden Preis sucht und der Macht des marktschreierischen meist- versprechenden Quacksalbers verfällt. Die Pariser Demagogen habe», wie alle Demagogen, unter einer fremden Fahne gesiegt. Sie waren gezwungen, ihren Feinden die republikanische Fahne zu stehle ii. eine republikanische Maske an- zulegen, um mit günstigen Aussichten in den Wahlkanips zu ziehen. „Wir sind die wahren Republikaner!"—»Unsre Gegner sind die wahren Klerikalen!"—.Die Freimaurerei ist der wahrhaft undnld» same KlerikaliSinus!"— Dies die Losmig-worte der nationalistischen Wahlhetze, die in den zahllosen Plakaten der„VaterkandSliga" und andrer StaatSstreichSligucn wiederkehrten. Nun find zwar selbst die blödesten Pariser Kleinbürger nicht so blöd, um die Staatsstreichler sür„wahre Republikaner", die notorischen klerikalen Kandidaten für Apostel der Toleranz zu halten. Wemr und Transportwesen konunu allgemeinen lveitigcr i»S Politik fällt Gcivicht. als der die sie aber trotzdem ihnen zum Sieg vcrholfen haben, so nur des- halb, weil sie erstens dadurch ihrer Unzufriedenheit den drastischesten Ausdruck geben konnten und weil sie zweitens von den „neuen Männern" unmittelbare R e t t u n g s t h a t e n er- hoffen. Haben doch die Demagogen den kleinbürgerlichen Gintpeln hoch und heilig versprochen, vom Gcmeinderat aus, der dazu gar nicht befugt ist, die g r o ßZe n W a r e u h äu s e r und Universal- b a z a rs im Handumdrehen ans der Welt zu schaffen nnd ferner die proletarische» Konsumgenossenschaften, die in den Pariser Arbeitervierteln immer fühlbarere Konkurrenz den llcincn Krämern machen, durch Patcntstcucrn zu�unieren!.. Nun mögen die Gimpel zusehen, wie ihre Vcrtrancnslcute aus versprochene RettimgSwerk gehe». Tie ualionalistische Mehrheit ist selbstverständlich zugleich— vielleicht mit wenigen Ausnahme»— kapitalistisch bis auf die Knochen. DaS um die nationalistische Verblödung der Pariser Bevölkerung hochverdiente Blatt„Patric (Vaterland) ist das Organ von Jolnzot, dem Eigentümer deS großen Warenhauses„PrinteinpS"; ebenso nationalistisch sind die Eigentümer der andren Warenhäuser und BazarS, die nicht ein- mal Juden sind... Noch wichtiger aber ist daS intime Verhältnis der nationalistischen Führer zu den Beleuchtungs- und Tra ii s p o rt- E o m p a g n i e n, deren Monopol gerade vom neuen Gcmeinderat zu verlängern oder abzuschaffen ist. Uebcr diese Monopole, die der Pariser Bevölkerung nud spccicll dem Klein bürgert»«(Gasbeleuchtung) teuer zu stehen kommen, haben die nationalistischen Kandidaten mit seltenen Ansnahme» wohlweislich geschwiegen, wie über alle andren Hochwichligen Kommunalfragen. Man darf ruhig annehmen, daß auch die Monopok-Compagnien für die ungeheueren Wahlkosten der Nationalisten viel Geld spendeten. Deiiu die frühere socialistische und radikale GenicindcralS-Mchrhcit hätte unfehlbar daS BeleuchtiingS' nalisiert. Unter dem Gesichtspunkt der imtionälistische Sieg in Paris desto P r ovi« z auch in den Stichwahlen eine citlschiedc» republikanische nnd der Politik des Ministeriums frcnndlicbe Haltung bewahrt hat. Lyon, die zweitgrößte Stadt, har einen»linijtcrfrcundlichen. anti nationalistischen Gcineindcrat gewählt. Lille bleibt socialistisch (24 Socialisten und 12 Radikale). Marseille hat fast dnrchiveg die Kandidatenliste deS Genossen FlaissiörcS wiedergewählt, in Bordeaux sind die Nationalisten schon im ersten Wahlgnng anfS Haupt geschlagen worden. Das sind die Pier größten Provinz städte, denen noch St. Eticnne mit einem autinationalistischcn Gcmeinderat hinzuzufügen ist. Ferner haben die Listen der„repnblikaitischci! Einigung" oder der«Verteidigung der Republik" in zahlreichen mittleren nud kleinen Provinzstädten gesiegt. lieber die socialistische» Stichivahlergebnisie in der Provinz fehlen noch vollständige Nachrichten. Zu dem oben gemeldete» sei noch folgendes hinzugefügt: in, neugeivonuencii Gemeinderat vo» St. OueNtin sind sämtliche Sitze de» Socialisten zugefallen; in Lyon und Saiiit-Etienne haben wir mehrere Mandate geivonuei, Jury(bei Paris) bleibt socialistisch, trotz der nationalistische» Wahlhetze. Hingegen haben wir den Verlust von Calais zu bellagcn, ein desto schmerzlicherer Verlust, als er einzig der Uneinigkeit der ocialistei, zur Last fällt. Das Gencralkomitce hatte nach Calais zwei Delegierte entsandt, n», die socialistische Einigimg in der Stich- wähl herbeizuführen. Die socialistische Mehrheit mit dem bis- herige» Bürgermeister. Genossen S a I e n, b i e r. an der Spitze fügte ich den, Spruch des GeneraikomitccS. während Delcluze seinen per- sönlichen Groll über alles andre stellte. Nun ist Delcluze mit Hilft der Ordmingsparteien als einziger Socialist in den Gemeinderat eingezogen und der Gcmeinderat ist den Socialisten verloren gegangen._ politische Ltebevtrchk. Berlin, den 15. Mai. Der Reichstag nahm in der Dienstags-Sitzung nach dcbatteloser Erledigung — in zweiter Lesung— des Gesetzes über militärische Straf- rechtspflege in Äiautschon das zweitletzte der Unfallversicherungs- Gesetze, das Sec-Unfall-Gesetz, in Beratung, die auch bis zu Ende geführt ward. DaS alte Spiel und Schauspiel wiederholte sich: die kapitalistische Majorität bemüht, den Arbeitern(Matrosen usw.) möglichst wenig das ihnen rechtlich Zustehende zu geben, die Socialisten für die Rechte der Ar- beiter kämpfend. Und erfolglos kämpfend— erfolglos, so weit der Reichstag in Betracht kommt. Wir können hier nicht in die Einzelheiten eingehen. Die Hauptpunkte, um die es sich handelte, sind folgende. Zunächst erstrebten wir eine Ausdehnung der Versicherung auch auf klimatische Krankheiten und solche Todesfälle, die nicht nachweislich außerhalb des Berufs liegende Ursachen haben. Die Zahl derarttger Krankheiten und Todesfälle ist sehr groß; sie von der Versichemng ansschließen, ein schweres Unrecht, das jedoch die Mehrheit nicht abzustellen für gut fand. Die Höhe der Unterstützung bildete natürlich auch einen Gegenstand des Kampfs. Der wichtigste Punkt waren aber auch hier die Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen. Feste Bestimmungen über die Stärke der Schiffsbemannung, über die Größe der Ladung(die„Ladelinie") und was sonst zur Sicherheit des Schiffs und der Mannschaft gehört. Molkenbuhr und Stadthagen, die unermüdlich den hoffnungslosen Kampf immer von neuem begannen und deren Worte draußen im Volk sicher den Widerhall finden werden, den sie im Reichstag nicht gefunden haben, konnten die Mehrheit nicht für unsren diesbezüg lichcn Antrag gewinnen, obgleich derselbe nur fordert, was in dem viel geschmähten England bereits Gesetz ist, seit Plinrsoll seine berühmte Rede über die„Sargschiffe" ge- halten und eine Untersuchung veranlaßt hat. die geradezu haarsträubende Dinge an den Tag brachte. In Tcntschlaud soll natürlich alles in bester Ordnung sein. Es ist die alte Geschichte. Als Marx anfangs der sechsziger Jahre im „Kapital" schrieb, wenn Deutschland eine genügende Statistik hätte, würden noch greulichere Zustände aufgedeckt werden, als sie in England bestehen, da schrie unsre bürgerliche Presse Zeter. Nun— für die industrielle und die landwirtschaftliche Bevölkefung hat sich seitdem daS Marxsche Wort vollauf bewahrheitet. Mit dem Seewesen ist es nicht anders: eine ernsthafte Untersuchung würde nicht minder grauliche Zustände aufdecken, wie seiner Zeit in England die Plinisoll-Enquete. Vergebens blieb auch unser Versuch, den See- leuten die ihnen rechtlich zustehenden Renten für den Fall zu sichern, daß sie aufhören, im deutschen Dienst zu sein oder in Deutschland zu wohnen. Bei der Juter- Nationalität der Schiffahrt kommt das sehr häufig vor. Die Mehrheit war aber nicht zu überzeugen, daß sie nicht bloß gegen das Recht, sondern auch gegen das heilige Eigen- t u m sich vergeht, indem sie sür jenen Fall den Rcntenbezug ganz oder zeitweilig aufhören läßt. Erwähnt sei noch, daß Graf Posadowsky gesetzliche Bc- stimmungen über die sogenannte Ladclinie und die Be- mannung in Aussicht stellte— freilich in wenig präcisen Ausdrücken. Bei Festsetzung der Tagesordnung für die nächste Sitzung beantragte Herr Rickert, das Münzgesetz zu berücksichtigen, was dann auch vom Präsidenten zugesagt ward, nachdem die� agrarische Rechte durch lebhafte nnd elementare Zeichen des� RlißfallenS ihre o b st ru k ti o n ist i s ch e n Absichten süri dieses Gesetz bekundet hatte. i Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Dritte Lesung des MilitärgesctzcS für Kiautschon, Reichshaushalts- Nachtrag (Palästinareise, Afrikanisches) und Unfallgesetz sür Ge- faugene.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat am Dienstag seine Sitzungen wieder aufgenommen nnd sich zunächst mit der Juterpellatton der Freisinnigen über die Versandung d e L M e m e l e r H a s e n ä und dem denselben Gegenstand betreffenden kon- servativen Antrag besaßt. Da der Minister eine zufrieden- stellende Erklärung abgab und für die nächste Session eine Vorlage zur Verhütung weiterer Schäden in Aussicht stellte, sah das Haus von einer Besprechung der Interpellation ab. Die Debatte über den Antrag, der schließlich der Budget- Kommission überwiesen wurde, gestaltete sich zu einer Aus- einandersetzung zwischen den Freisinnigen und den Konservativen über die Frage, welcher von beiden Parteien das Verdienst gebührt, die Mrmeler Zustände zur Sprache gebracht zu haben. ES scheint, als ob es allen beiden weniger auf die Sache selbst, als ans die Wirkung ihrer Reden nach außen hin ankommt. Hierauf setzte das Haus die kürzlich abgebrochene Beratung der die Bcssetstelluug verschiedener Kategorien von Eis e nba hn- Beamten betreffenden Anträge fort. Die Bndgetkoinmission hatte beantragt, die Anträge abzulehnen. Das Plenum trat jedoch dem Vorschlage seiner Kommission nicht bei, sondern nahm alle Anträge an. Nur die Konservativen nnd vor- einzelte Mitglieder andrer Parteien stimmten dagegen. Herr v. Thielen, der neulich so sehr gegen die Begehrlichkeit und die Tiseiplinlosigkeit der Beamten gewettert hatte, saß heute still ans seinem Platz, ohne in die Debatte einzugreifen; er begnügte sich, durch einen seiner Kommissare die ablehnende Haltung der Regierung begründen zu lassen. An: Mittwoch steht die Beratung des Antrags von M endcl- Neufels lk.) betreffend Bestrafung des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter auf der Tagesordnung.— Aeutjches Aeich. Für die parlamentarische Ohrcnbcichte, die Herr v. B a l l e st r e m in den Reichstag eingeführt hat, gicbt es einen Präcedenzfall, an den die„Bosssiche Zeitung" in einer Korrektur der gestrige» Erzählung der„Volks-Zcitung" erinnert. Herr v. Ballestrcn, hat sich bekanntlich nicht etwa mit cinigcii Parteien deS Hauses verabredet, sondern nur sich das geheime sündhafte Be- gehrcn von Mitgliedern des Hauses ans seinen, Präsidenteiibcichtstnhl ins Ohr flüstern lassen— soweit es sich um Gläubige konservativer, klerikaler und nationaler Konfession handelt. Genau dasselbe hat der Präsident Forckcnbeck seiner Zeit gcthan, auf den sich Herr v. Ballestrc», also mit Recht berief. Aber der Humor der Sache ist, daß Herr v. Forckcnbeck damals auf Kosten des— Ccittrums seine Präsideiiteupflichte» dem Parteimann opferte. Es war an, 13. April 1874. Zur Beratung stand eine Militär- Vorlage, über die die„nationale»" Parteien hinter dem Rücken der andren— a la Müller-Fulda—»iE der Regierung konipromisseltcu. Darüber war das damalige Eentrum, das noch nicht in solchen nationalen Schachergeschäftcu seine höchste Ehre sah. außerordentlich entrüstet. Windthorst schalt: Es seien Verhandlungen hinter dem Rücken des Parlaments gepflogen worden; es sei' zu bcanslandcn, „daß M o mc„ t e auf die Entschließungen dieses Hanfes wirken, die nicht z u r K e n n t n i S aller kommen". Diese Bemerkniigcn richteten sich gegen Herrn v. Bennigsen. Dann fuhr Windthorst fort: . Ich m»h i» dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter gehen, Audi der Herr Präsident unsreS HauseS hat Kpnfercnzcn gehabt. Das ist in offiziellen und offiziösen Blättern gemeldet, und es ist gesagt worden, diese Konferenzen beziehen sich auf den Militär-Etat hier im Hanse. Wenn der Präsident des Haufes als solcher offizielle Konferenzen hat, dann,»reine ich, ist es an der .-',cit. daß uns der Inhalt mitgeteilt wird. Der.Speaker of the Coramons in England würde, glaube ich, solche Konferenzen ab- lehnen; wenn er sie aber abhielte, würde er dem Parlament mit- teilen. lvaS er gehört hat." Auf Windthorst's Bcinerknngcn erwiderte dann Präsident b. Forckenbeck: „Der Herr Abgeordnete Windthorst hat Konferenzen erwähnt, denen ich beigewohnt habe oder beigewohnt haben soll. Ich er- widere dein Hcrril Ltvgeordneten Wiiidlhorst darauf, das; ich mir und meinen Nachfolgern im Amte des Präsidenten das Recht wahren ninsj, nach ihrem eignen Gewissen und mit ihrer eignen Berantlvortiing zn bestimmen, welchen Konferenzen sie beiwohnen wollen, wie sie sich darin auslassen wollen nnd was sie daraus mitteilen wollen. Ich erkenne in dieser Beziehung keinen Richter über mir an." Herr v. Ballestrem hat in der That dasselbe gcthan und schloß, wie Herr v. Forckenbeck. Das Eentrnm scheint Getvicht darauf zu legen, in allen Stücken dem einst Vergötterten untren zn iverdcn. ES ist national geworden, schwelgt in Wasser- nnd Land-Byzan- iiniSinns. giebt� die Rechte des Reichstags preis, erhebt die Partei- lichkeit des Präsidenten zum Princip und verrät in geheimen Per- Handlungen mit der Regiernng das Parlament. Man ist hübsch hernntergekommeu!— Eine Bekehrung._ Die„Münchcner Allg. Ztg." hatte kürzlich in einer Berliner Korrespondenz unwürdige Anschuldigungen gegen daS Verhalten der socialdemokratischen Abgeordneten in der Unfall- v ersichx rungS- Kommission des Reichstags, besonders gegen den Abgeordneten Stadthagen, gerichtet. Das Blatt hatte dafür von uns eine heitere Abfertigung erfahren. Das scheint ge- nützt zu haben. Die„Münch. Allg. Ztg." läßt sich jetzt aus Berlin also berichten: ..... Eine gewisse Neigung zu letztcrem lznr übereiligen Fcriigstcllnng von Gesetzen) ist soeben bei der Beratung der U n f a l l v c r s i ch c r n n g S- N o v e l l e bemerkbar gewesen. Gerade hier aber ist'die w e n i g st e Berechtigung dazu. ES ist allerdings nicht zn bestreiten, daß den in derselben znsannnengesatz'ten verschiedenen Gesetzentwürfen, wie sie anS der Kommissionsberatnng hervorgegangen sind, eine Mehrheit im voraus gesichert war. und man muß annehmen, daß die Kom- Mission sich ihrer Aufgabe mit Gründlichkeit und einem erstaun- lichcn Flciße entledigt hat. Aber das umfangreiche Werk nun im Plenum in einer Weise zu behandeln, die sich von der E n b l o c- A n n ä h m e nicht Ivesentlich unterschieden haben würde, wäre selbst dann ein schlimmer Fehler gewesen, wenn Man die. Macht gehabt hätte, den Socialdemo- kratcn durch Schlußanträgc'das Wort abzuschneiden. Schluß- nnträge zn stellen, urnc die Mehrheit niemals weniger in der Lage, denn die Besetzung des Hauses war kläglicher als je. Nnd dabei läßt sich nicht einmal behaupten, daß die Socialdeniokraten mit dieser Debatte einen tendenziösen Mißbrauch getrieben hätten. Man kann sich über ihre Methode ärgern, aus- gesprochen arbciterfrenndliche Gesetzentwürfe durch Bcrbesserungs- antrüge zu übertrumpfen, über deren Aussichtslosigkeit sie nicht' in Zweifel sind; aber wer ihre Lage gerecht beurteilt— und das kann schließlich auch ihr unversöhnlicher Gegner thun— muß zu- geben, daß sie ihrer Gefolgschaft gegenüber nicht anders können. Statt ihnen also Vorwürfe zu machen, daß sie mit ihren Anträgen den Fortgang der Geschäfte gehindert hätten, sollte man lieber froh sein. daß sie dem hohen Hause einen gründlichen Schiffbruch erspart haben. An verschiedenen Punkten hätten sie von ihrem Standpunkt aus eine nameiitliche Abstimmung sachlich recht wohl rechtfertige» können. Alsdann iväre die glänzende Bcschluhunfähigkcit anitlich konstatiert und der Reichs- tag lahmgelegt gewesen. C— 7 Sitzungen für die Specialberatnng des mehr ais lOO Paragraphen umfassenden Gcwerbe-Uiifall- versichcrungS-GefctzcS Pezeichnen übrigens einen nichts weniger als unaligeinessenen Zeitaufwand; man hätte im Gegenteil noch ein paar S i tz n n g e» zugeben können, wenn da- durch die Vedenken, die a n S den Kreisen d e r F n d u st r i e gegen manche Bcftimmnngcn dcS KommissionSentlvurfs laut gc- worden sind, zn eingehenderer Erörterung gelangt wären..." Nun sollen es also die Interessen der Industrie erfordern, daß sich die socialdcinokratischeu Abgeordneten noch einige Tage länger ans Berliner Pflaster vergnügen solle».— Eine dunkle Afsaire. Aus B?e m e n schreibt man uns unterm 15. Mai: In einer merkwürdigen Sache, die im vorigen Jahre die d i s c i p l i n a r i s ch e B e s e i t i g u ii g des e r st e n B e a m t e n der bremischen B a u v e r w a l t u n g nach sich zog, sickerte dieser Tage wieder etwas durch. Dem Baurat Flügel wurde zur Last gelegt, er habe DcsieitS, für die verfassungsmäßig nur durch bürgerschastliche Ngchbcwilligung Deckung zu verschaffen war, durch falsche Verrechnungen' vertuscht ünd daS seinen Unter- gebeucn gegenüber als eiwas ganz Harmloses, als„Westen- taschenrcchnerci" hingestellt. Jetzt hat Flügel eine Erklärung veröffentlicht, in der er dem Discipliiiargericht vorwirst. einen Justizirrtum begangen zu haben. Jene Fonds- vcrschiebmigen seien ohne sein Wissen vorgenommen worden. Untcrbcamte hätten mit Unternehmern unter einer Decke gespielt, ein Mitglied der Baudeputation, das selbst rückständige Rechnungen hatte und als Revisor der Bau- dcputation fungierte, habe' von der Zurückhaltung von Rechnungen leine Anzeige gemacht. Nach dieser Erklärung wäre also Flügel das Opfer deS in Bremen mächtigen Klüngels der Bauunternehmer geworden. 'Die„Bremer Bürgerzeitmig" wirft die Frage auf, ob man Flügel zum Opfer gebracht habe, um der Notwendigkeit aus dem Weg. zu geh», einer starken Schicht der Mittelklasse, deren politische Unter- fliitzung die den Staar beherrschende und ausbeutende Großreedcr- fchaft braucht, auf den Leib zu rücken nnd ein duftendes Stück bremischer Korruption aufzndeckc». Die bürgerliche Presse Bremens hüllt sich in Schweigen.-» Naviyare neceise est, vivere uan«st. Eine erschütternde Illustration erhält diese Flottcnparole durch folgende Notiz der „Danziger Ztg.": So i>t es denn, was voransgeichcn war. wieder pafsiert: vier Kutter sind bei dem ersten kräfiigen Wind, der eingetreten ist. dicht vor dem Hasen gekentert; 11 blühende Menschenleben sind dahingerafft, 24 in wenigen Wochen, die vielleicht alle lebten, bestände bei Leba ein guter Hafen. Es spielte sich dasselbe Schauspiel wie vor wenigen Moiiaten ab; es wird schlimmer und schlimmer wiederkehren wenn nicht ein guter Fischerhafcn gebaut wird. Im Angesicht des erschütternden Ereignisses, welches vor allen Einwohnern von Leba am Dienstagabend und Mittwoch wiederum passierte, um der Thtänen wegen, die seefahrende Männer, schmerzbewegte Frauen und Kinder am Strande geweint haben, bittet die Bürgerschaft von Leba um bcffcrcn Ausbau des Fischerhafens, damit bei öhnlickiein Wetter nicht drei rote Fahnen aufgezogen werden, als Zeichen:„Ter Hafen ist nicht passierbar; von hier ist beim Unglücksfall keine Hilfe zu erwarten." In M e ni e l versckndet der Hafen, in Leba gar ertrinken Fischer dutzendweise, weil es an Geld fehlt, um die Hafeneinfahrt bei stür- mischem Wetter in passierbaren Zustand zu versetzen. Für den Be- trag, den ein einziges Panzerschiff kostet, würde den Mcmekeru, den Lebacrn und noch einigen andren in ähnlichen Per- hältniffen befindlichen Hafenorten geholfen lverden. Jndcß: Nävi- jgare necesse est..,' Gegen die lex Heiiize verbreitet der Goethebund erneut einen Au fruf, in dem cS heißt:„In ganz Deutschland herrschte die Erwärtlmg. daß die Mehrhcitsparteien des RcithstagS angesichts der Entrüftnng, die gegenüber den Kunstparagraphcti der sogenannten lex Heinze weite Kreise der Nation, vor allein in' noch nie erlebter Einmütigkeit die Künstler- und Schriftstellerwelt ergriffen hat, von der Weiterberatung dcS Gesetzes abstehen würden. Diese Erwartiing hat sich nicht erfüllt. Tic Mehrhcitspartcicn sehen vielniehr in dem Widerspruch, der gegen ihr Beginnen> laut geworden ist, nur einen Antrieb mehr. Deutschlands intellektuelle» und künstlerischen Kräften zum Trotz unbeirrt selbst durch den Mangel an fachlichen Motiven, der Nation ihren Willen anfznzwiiigen. Wir wenden uns an alle, welche daS bildnerische nnd geistige Schaffen, den höchsten Stolz. die edelste Frucht eines blühenden nationalen Lebens vor erdrückenden Maßregelungen bewahrt wissen wollen, mit der Ailssorderniig, sich zu sammeln, sicki unsren Organisa- tionen anzugliedern und, mit uns vereint, diese und ähnliche Angriffe auf unser Kulturleben von Deutschland abzuwehren." lieber sittliche Entartung zetert das Berliner Orgän des Herrn Dasbach, dem links und rechts ein Paar herunterzuhauen sich sein Parteifreund Rörcn einst sehnte. Die von uns miigcteiltcii Proben klerikaler LüsternhcitS-Mystik haben Dasbachs Blatt schwer verdrosicn und eS behauptet, misre Bemertimgen seien „io widerlicher und gotteslästerlicher Art",„daß man sich fragen muß, wie solches möglich sei, und wie ein menschliches G c m ü t bis zn solcher Niedrigkeit herabsinken könne. Und solche Gesellen finden dann noch den Mut, nachdem sie das dem Christen Heiligste in den Kot gezogen haben, zu versichern daß die Religion ihnen„Privatsache" sei, daß sie niemandes lieber- zcugung antästeteii! Man weiß nicht, was dabei größer ist: die Heuchelei und Verlogenheit, oder die siiilickie Entartung." Jene verderbten Schwärmereien, die wir für eine Schändung religiösen Empfindens und eine Gefahr für die Sittlichkeit halten. sind also für die Dasbach-Christcn das Heiligsie. Ein sehr iutcr- effantes Geständnis! Rlir hätte das fromme Blatt nicht vergessen sollen, misre Citate und nnsrc Bemerkungen abzudrucken. So wissen seine Leser gar nicht, wie das„Heiligste", das wir in unserm niedrigen Gemüt nicht zu würdigen verstehen, aussieht.— Zur Reform des Kolonialrats, an dessen Znsainmensetziing in der letzten Zeit anläßlich der Frage der Landlonzessionen Kritik geübt worden ist, glaubt die„Deutsche Tageszeitung" versichern zu dürfen, daß bereits in Kürze eine Reorgänisation dieses Instituts eintreten werde. Der Äolonialdireltor v. B u ch k a werde wahrscbein- sich verschwinden und mit ihm das bisherige System der Interessen- Vertretung im Äolonialrät. Aach der Verfügung des Reichskanzlers vom 10. Oktober 1S0V wurde der Kolonialrat bisher auf Vorschlag der durch größere Unternehmungen engagierten Kolonialgesellschasten gewählt. In Zukunft werde derselbe eine wesentlich andre Zusammen- setzimg erfahren, die verhüte, daß der Kolonialrat fernerhin eine Jiiter'esscnvcrtretimg darstelle.— Ein neues Flottcntclegramm. Ans eine telegraphische Flotteiiopakion dcS Großherzogs von Hessen antwortete der Kaiser mit folgendem Telegramm: Ich danke Eurer königlichen Hoheit von Hetzen für den warmen patriotischen Empfang, ivelchen das Hessenland unter höchst Ihrer persönlichen Beteiligung der Rhein- Torpedoboots- Division bereitet hat. Wie dieselbe trotz aller Hindernisse immer weiter in daS Innere Deutschlands vordringt, so wird auch. davon bin ich überzeugt, d i e n a t i o n a l c B e g e i st e r il u g, d a s V e r st ä n d n i s n n d das Interesse für u n s r e Aufgaben ans dem Wasser im deutschen Volk unter Führung seiner Fürsten i ni m c r weitere Fortschritte machen zum Wohle des zu Wasser wie zu Lande Achtung gebietenden Vaterlands. Wilhelm. Schade, daß der Flottenschachcr des Centruins eine Auflösung des Reichstags und damit den Appell an das Volk überflüssig ge- macht hat.— Mutostopischcr Segen. In der Wiener Zeitschrift„Die Fackel" liest man: In der Wiener Rotheiithuriiistraße ist vor kurzer Zeit eine AuS- stellmig von Mutoskopen eröffnet worden, die— gegen Einwurf von 10 Kreuzern— bei Drehung einer kleinen Kurbel die verschiedenen „lebciidcii Bilder" zeigen. Je nach Wunsch kann man dort die Be- wegmigcn eines„Modells für Mieder",„Dmnine Streiche in Mädchens Schlafkaminer".„MädcbeuS Bocksprünge" und ähnliches sehen. Auch der Frage.„Warum Maria das Licht ausblies", könncii hier weit- abgewandte Betrachter nachsinnen, nnd wer es bis zu diesem Tage nicht wußte, kann hier staunend erfahren,„Was in einem Pensionat für Mädchen vorkommen kann". Wer aber an dem „Pariser Akrobatinnen-Tanz", am„Ehambre scparee", an den„Verbotenen Früchten" und an der„Entführung" vorbeigegangen ist, gelaugt in ein Ehambre scparee, wo er sofort dcS Segens Seiner Heiligkeit teilhaftig wird, wofern er mir in den Automaten 10 Kreuzer einwirft nnd die' kleine Kurbel— langsam!— nach rechts dreht. Er sieht dann im lebenden Bilde, wie der Papst den Segen erteilt nnd liest ein über dem Automaten hängendes Plakat, das wörtlich folgendes besagt: „Kardinal Sebastian Martinelli, apostolischer Delegierter, sagte bezüglich dieser hier im Bilde erscheinenden Segenspeiidiiiig:„ES ist der ausdrückliche Wunsch Seiner Heiligkeit, daß diejenigen, welche seinen Segen in diesem Bilde sehen und ihn gläubigen Herzens aufnehmen. dcS Glücks, der Seligkeit nnd des Nutzens desselben teilhaftig werden sollen, gerade so. als wenn er ihnen persönlich ge- spendet ivordeii Iväre." . Es wäre empfehlenswert, wenn nach Annahme der lex Heinze sämtliche Mutoskopen in den Dienst der segcnspeiidenden Kirche oder wenigstens des Ceiitrmiis gestellt würde. Eine Darstellung der intinien Sccne, wie Herr Roren seinem Freund Dasbach Ohrfeigen anbietet, würde sich ebenfalls nicht übel im Mutoskop ausnehmen. LandtagSwahl in Sachse»-Mciuinge,t. DaS amtliche ResnIIat der LnndtagSnahwahl im 2. Meiniiiger Kreis ist: Wehner lSoc.) 480. Krug Polizeiliches, Gerlchklichrs nstv. — Wegen Vergehens gegen das auhaltischc VercinSgesct» war am 6. April d. I. der Genosse Schilling vom Schöffengericht m Harzgerode bestraft worden. Er hatte eine Versammlung an- gemeldet, die KrciSdirektion Ballenstedt hatte ihm aber die Anmelde- bcscheimgnng veriveigert, iveil er nicht den Namen des Referenten angegeben hatte. Da Schilling die vorschriftsmäßig angemeldete Versmnmluiig dennoch abzuhalten versuchte, wurde er vor Gericht gestellt und wie gesagt, verurteilt. Das Schöffen- gericht stellte sich ans den merkwürdigen Standpunkt, daß es nicht seine Sache wäre, zu prüfen, ob die VersammIungS- anzeige den gesetzlichen Erfordernissen entsprach und ob die Verweigerung der Anmcldebeschcinigung rechtmäßig oder unrechtmäßig erfolgt sei. ES habe sich vielmehr an die Thatsache zu halten, daß die Polizei die Bescheinigung veriveigert habe und d a rnm. wäre die Abhaltung der Versammlung eine strafbare Handlung. Diese das Gericht zum Handlanger der Polizei degradierende Auffassung fand jedoch selbstverständlich nicht die Zu- stnnmniig der Strafkammer. Diese, die jetzt auf Schillings Berufung über die'Sache zn entscheiden hatte, sprach den Angeklagten kosten- los frei._. Gemevk�chÄftltches. Berlin und Ilmgcgend. Die Lohnbewegung der Straßenbahner. Angesichts des drohenden Streiks der Straßenbnhn-Angcstcllien ist die.'.Große Berliner" bemüht, durch geringe Zugeständnisse die Angestellten von der Durchsetzung ihrer Förderungen abzuhalten. Am Dienstag tvarc» von jedem Depot ein Schaffner mid ciy Fahper in das Dire'ktionSbnrcau beschieden tvorden, wo Direktor Köhler persönlich mit den Betreffenden Rücksprache nahm. Der Herr Direktor verhandelte mit den Erschienenen in einun Tone, der wegen der ungewöhnlichen Höflichkeit ausfiel, denn die Angestellten der „Großen Berliner" waren seither gewohnt, von den Boraesetztcn in minder freundlicher Weise behandelt zu werden. Bekanntlich fordern die Angestellten auch die Entlassung deS Ober-Bctriebs- Inspektors S t a v e n o w, weil dieser die ihm llntcrftelltc» in besonders rücksichtsloser Art behandelte, und auf dic Bcschwcrdcn.dcrsclben aar keine Antivort erfolgte. Direktor Köhler erklärte� daß er das ihm geschilderte Verhalten Stavenows nicht billige, und Beschwerde» über denselben bis jetzt nicht zu seiner KctlntnlK gclommetr seien, woraus also hervorgeht, daß der Ober-Betricbsinspcktor Stabcnow die ihm übergebencn Bcschlvcrden der Angestellten nicht an die Direktion gelangen ließ. LLaS den wichtigsten Punkt/ die Gehalts- erhöhnng betrifft, so bemerkte Direktor Köhler, eS solle Schaffnern und Führern gleichmäßig ein Aiifangsgehalt von 85 M. bewilligt werden, welches in 10 Jahren nach und nach auf 110 M. steigen würde. Die Angestellten fordern bekanntlich ein Slnfangsgehqlt von 100 M., von Jahr zu Jahr um je 10 M. bis zur Höhe von 150 M. steigend. Ein Resnlat. oder irgend einen Einfluß ans die Lohn» bcwcgung hat diese Unterredung nicht gehabt. Die. Angestellten, welche zn derselben beschiedcn' waren, erklärten dem Direktor, daß sie keinerlei Abmachungen treffen könnten, da sie der ge- tvählicn K ommission nicht angehören, und nur diese b eftigt sei, in betreff der Lohnbewegung mit der Direktion zu unterhandeln und eventuell Bcreinbarimgcii zn treffen. Der Direktor hätte wohl mich Vis Mit- glieder der Konnnission zn der Besprechung hcrangczogon, aber mit Rücksicht ans frühere unangenehme Erfahrtmgeti hatten die An- gestellten sich wohlweislich gehütet, die Namen der Konnnissions- Mitglieder der Direktion bekannt zu geben. Der Zusammiciihalt unter dem Personal der Straßenbahn ist ein über Erwarten guter. Von de» etiva 4500 Angestellten gehöre» zur Zeit mehr als 3000 der Organisation an. Aber mich die noch nicht Organisierte» treten fast ausnahmslos fiir die aufgestellten Forderungen ein, so daß mmt schon jetzt ans einen für die Angestellten günstigen Ausgang bcr Be- wegnng rechnen kann. lieber den Verlans der Versammlung, welche vergangene Nacht stattfand, können wir zwar noch nichts mitteilen, da dieselbe, wie cS die Arbeitsverhältnisse der Straßenbahn-Angesiellten mit sich bringen, erst um Mitternacht begann. Für diejenigen,- deren Dienst erst zu später Nachtstunde beendet ist, waren seitens der Organisation Kremser in der Nähe der Depots bereit- gehalten, nni auch diesen Personen ein möglichst zeitiges Er- scheinen im Vcrfannnlnngslokal zu ermöglichen. Der Zweck bcr Versammlung war. zn bestimmen, wann die Konnmisiolr'5er Direktion die Forderungen vorzulegen hat. lim die Kommissions- mitglicdcr in die Lage zu setze», daß sie persönlich bei der Direktion vorstellig»verde» können, habe» sich eine Anzahl solcher An'gestcllfhi. die zu der betreffenden Zeit dienstfrei sind, bereit erklärt, für ihre Kollege» einzuspringen. lo daß also eine Behinderüng der Komimsslon mit Stücksicht ans den Dienst nicht eintreten kann.'Bekanntlich will ja die Direktion nach hergebrachter Nnternehmersitte nur Mit „ihren" Leuten, nicht aber mit Vertretern der Organisation unterhandeln. Nun ist aber die Orgmüsatioii(der' Central- Verband der Handels-, Transport- und 35erkehrsarbciter) die feste Stütze, ivelche hinter de» Angestellten steht, und es ist nur natürlich, daß sie auch in der Äomniission, ivelche Mit der Direktion zu verhandeln hat, durch zwei ihrer Mitglieder vertreten ist. Man nimmt nut Recht an. daß die Direktion der„Großen Berliner" nach bekannter Praxis diese beiden als nicht zu ihrem Personal gehörend, znrückivciscii wird. Auch ans diese» Fall ist Rücksicht genommen. fjfle Mbcn VerbandZmitglieder sind nämlich Besitzer von Altien der„Groben Berliner" und können sich somit lu ihrer Eigenschaft als Aktionäre mit Fug und Recht für legitimiert halten, in dieser U n g e l e g e n h e i t ein Wvrtchen mitzureden. Wie man sieht, ist die Bewegung auf das beste vorbereitet. Angesichts dieses Umstandes und des vortrefflichen Geistes. der die Angestellten beseelt und sie mit seltener Einmütigkeit für die Wah- rang ihrer Interessen erfüllt, läßt sich erwarten, daß eS der Suabenbahn- Gesellschaft nicht gelingen wird, die berechtigten Forderungen der Angestellten unberücksichtigt zu lassen. Deutsches gleich. Ein größerer Ausstand der Tischler ist in Breslau im Entstehen begriffen und dürften 2000 Arbeiter in Mitleidenschaft gc- �st�llt werden. Die Arbeiter haben folgende Forderungen a'uff 1. Eine tägliche Arbeitszeit von 9 Stunden. 2. 20 Proz. Zu- schlag zu den bestehenden Löhnen, Kostgeldern und Accordpreiien. Unverkürzte Weiterzahlung des Kostgeldes bis zur Fertigstellung der Arbeit. 3. Sicherstellimg eines Minimallohns von 18 M. 4. Ab- ziige für Maschinenarbeit sind unzulässig. S. Abschaffung der Ucber- stunden und Sonntagsarbeit. 6. Aufstellung eines Lohntarifs für Spccialarbeite» und 10 Pf. Zuschlag pro Stunde für Stadt- Montage. � Einige Unternehmer haben bereits ihre Zustimmung zu den Forderungen gegeben, während sich die Innung noch zögernd ver- halten hat. Wahrscheinlich kommt es aber auch hier zu Üntcrhand- Inngen. Die Holzarbeiter in Halle haben die von den Unternehmern nach dem 1. Mai verfügte zehntägige Aussperrung mit einer Lohn- fordernng beantlvortet. Die Aussperruiigsfrist ivar jetzt abgelaufen und waren die Unternehmer auch bereit,' ihre Werkstätten zu öffnen. Der freundlichen Einladung sind aber die Arbeiter nicht gefolgt, sie bestehen auf ihre Lohnforderung. Die Meister glauben nun durch eine schwarze Lifte, die 154 Namen enthält, den Arbeitern das Auf- suchen einer andern Arbeitsgelegenheit zu erschweren. Die Schließung der Zahlstelle des Holzarbeiter-VerbandS in Schönebeck bei Magdeburg ist durch Urteil der Magdeburger Strafkammer aufgehoben. Der Verein sollte politische Gegenstände erörtert haben und war ihm deshalb die Aufnahme weiblicher Mitglieder untersagt. Der Beweis, den die Staatsanwaltschaft antrat, war ein sehr dürftiger und beschränkte sich schließlich darauf, daß vom Verein die Bibliothek aus der Buchhandlung unsres Partei- geschäfts entnommen wurde. Das schien dem Gericht doch als kein vollgültiger Beweis für die politische Thätigkcit der Vereinigung. Er will Herr im Hause sein. Der Direktor der Bierbrauerei „Tivoli" in Krefeld, ein Herr Burkhard, entließ die organisierten Brauer, weil er keine„Hetzer" in der Brauerei dulde. Als er keine Arbeitswilligen fand, wollte er die Küfer zwingen, die Arbeit der Brauer in der Kellerei zu verrichten. Diese lveiaerten sich und teilten dann sofort das Schickial der Brauer. Nun sollten einige Garten- und Hilfsarbeiter die Arbeit niache», aber auch diese weigerten sich und bekameir sofort ihre Entlassung. Die Entrüstung über dieses Vorgehen des Direktors ist allgemein, und haben schön verschiedene Wirte, Ivelche Bier von der Brauerei bezogen, ihre Beziehungen zu derselben abgebrochen, ohne daß die Arbeiterschaft Krefelds bis jetzt Gelegenheit hatte, in einer Versammlung Stellung zu nehmen. Aus der J�runenbetuegung. Untersuchung weiblicher Gefangener. Die anfsehenerregen- den Mitteilungen der Genossin L. Zietz über die schmachvolle Be- Handlung, die ihr im Gefängnis in Fuhlsbiittel-Hamburg zu Teil geworden, haben bekanntlich die Verwaltung dieses Gefängnisses zu der Erklärung veranlaßt, daß sie Vorsorge getroffen habe zur Ver- meidung solcher Borkommnisse. Aus dieser Erklärung ging aber auch zugleich hervor, daß den inhaftierten Prostituirten gegenüber nam wie vor Matzregeln zulässig bleiben, die durchaus verurteilenswert sind und weder durch den Strafzweck noch durch Rücksichten auf eine Hausordnung zu rechtfertigen sind. Dies hat den Verein.Frauenwohl" veranlaßt, an den Senat der Stadt Hamburg das Gesuch zu richten,„alsbald die Haus- ordnungen der Hamburgischen Strafanstalten einer gründlichen Revision z» unterziehen, bannt in Zukunft eine Inhaftierte iticht einem so unwürdigen und entehrenden Verfahren unterworfen und ihre Gesundheit nicht einer so schweren Gefährdung ausgesetzt werden könne, wie beides der Frau Zietz gegenüber gc- schehen ist." Es ivird beantragt, folgende Bestimmungen zn treffen:„a) daß Personen,' welche wegen politischer und Preßvergehen inhaftiert sind, einer körperlichen Zwangs- Untersuchung überhaupt nicht unterworfen werden; b) daß man weibliche Personen, welche wegen andrer Vergehen oder Verbrechen inhaftiert und einer körperlicben Untersuchung unterworfen werden, mit der nötigen hygienischen Vorsicht behandelt, daß man ihnen ins- besondere nicht zumutet, mit andren eventuell infcktieus erkrankten Personen zusammen Waschgcrätc und Handtücher zu benutzen; o) daß die über Frauen verhängte Untersuchung von einem weiblichen Arzt ausgeführt werde."'_ Socinles. Fabrikinspektor und Arbeiter. Die Handhabung der Fabrikaufsicht in Sachsen wird durch zwei markante Vorkommnisse gekennzeichnet. In einer Textilarbeiter- Versammlung in Kirchbcrg in Sachsen wurden, wie das„Sächsische Volksblatt" berichtet, verschiedene Mißstände in Fabriken zur Sprache gebracht. Auf diese Beschwerden nun erschien kurz darauf der Gciverdeinspektor von Zwickau in dortigen Fabriken, um diese Zustande zu untersuchen. Aber was mußte man erleben? Der Gewerbeinspektor Ivußie nämlich ganz genau, welche Arbeiter in dieser Versammlung über Mißstände gesprochen hatten, und er ließ nun diese in jeder Fabrik inS C o m p t o i r k o ni ni c n,-um sie in Gegenwart d e S Herrn Fabrikbesitzers auszuforschen, was sie in der Versammlung gesagt haben sollen. Einige Arbeiter ver- weigerten die Antwort mit der Bemerkung, daß sie nur mit ihm allein sprechen wollten. Diesem Wunsche entsprach der Herr Gewerbe-Jnspektor nicht. Das Resultat ist nun. daß ein Arbeiter, der etliche 20 Jahre bei der Firma I. G. Wolf beschäftigt ist, am 3. Osterfeiertag sofort � entlassen wurde, weil er de» Herrn Gewerbe-Jnspektor in der Fabrik herum- geführt und denselben auf einige Uebelstände aufmerksam ge- macht hat. Den andren Fall schildert ein Leser der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" in einer Znschrist an diese wie folgt: „Vor einiger Zeit niachte ich den Freiberger Fabrik- inspektor auf die sanitären Verhältniffe in der Druckerei des dortigen Amtsblattes aufmerksam. Nach dem ersten höflichen Brief rührte sich niebts, auch eine Postkarte mit der höslickien aber dringenden Bitte, doch einmal früh 8 Uhr in der Druckerei zu erscheinen, hatte keinen Erfolg, der Fabrikinspektor kam nicht; erst ein drittes Schreiben brachte den Herrn zu einer Revision, aber unter welchen Umständen ging diese vor sich? Statt, wie gebeten, um 8 Uhr. Ivo die bestehenden Mißstände am empfindlichsten bemerkbar sind, erschien der Herr glücklich gegen 10 Uhr. Die angegebenen Mißstände schienen den Herrn gleichfalls nicht besonders zu interessieren, desto mehr Eifer legte er an den Tag. den Schreiber des Briefes zu erfahren. Seine ersten Worte waren, nachdem er in den Arbeitssaal getreten war: W e r v o n Ihnen hat die Anzeige geschrieben? Ich war von dieser Art der Pflichterfüllung überrascht, zog es aber vor, zu schweigen, um der sicher zu erwartenden Maßregelung zu' entgehen....... Schließlich hatte die Revision doch die Folge, daß für ennge Tage beffere Luft wurde, aber schon kurze Zeit danach zog der gefährliche Rauch aus der Stereotypie wieder in den Saal und verbreitete sich über Maschinen- und Setzerraum. Nach mehr- maligen Schreiben erschien der Fabrikinspektor wieder, diesmal um 9 Uhr— die Luft war zufällig rein. Da ließ sich der Herr Fabrik- inspektor die Einschreibebücher'der Setzer geben, um den Briefschreiber fest st eilen zu könn e'n. Der Liebe Mühe war vergeblich. Aber noch heute werden in der Druckerei des„Freiberger Anzeiger" die Setzer durch die Dämpfe aus der Stereotypie belästigt. Wenn diese Vorgänge die Maß- regelung des betreffenden Beschwerdeführers nicht zur direkten Folge hatte, so ist das nur darauf zurückzuführen, daß die Schriftenverglcichung deS Fabrikinspektors resultatlos verlief." Dieses Verfahren ist am besten zu charakterisieren, wenn man ihm gegenüberstellt, wie die badische Fabrikinspektion mit den Ar- beitern verkehrt und was sie darüber zu sagen hat. So teilt der Berilbt für 1899 mit, daß auf Verlangen desÄrbeiter-Konsnmvereins Furtwangen an seiner Generalversammlung ein Beamter der Fabrik- inspektion teilnahm. Ueber die dabei gemachten Erfahrungen heißt es in dem Bericht unter anderm: „Dem Beamten, der an der Generalversammlung teil- genommen hat, gaben die empfangenen Eindrücke zu der Be- merkung Anlaß, daß der so notwendige und nützliche mündliche Verkehr der Aufsichtsbeamten mit den Arbeitern leichter und besser als durch die früher in größerem Umfange versuchten Sprech- stunden durch öftere Beteiligung von AufsichtSbcamten an ge- eigneten Versammlungen von Arbeitervereinen thnnlichst jeder Richtung ermöglicht und gefördert werde. Die Teilnahme der Ar- beiter an solchen Vereinsversammlungen falle niemand auf. Infolge davon werde cS dem Arbeiter leichter, seine Anliegen offen und frei vorzutragen, da c r. n i ch t befürchten müsse, ver- raten zu werde n." Das ist eine Auffassung von den Aufgaben der Fabrikiuspekrion, wie sie allein geeignet ist, diese zu einer für die Arbeiter segens- reichen Einrichtung zu gestalten. In Sachsen dagegen sind die ge- schilderten Fälle nicht nur vereinzelte zufällige Erscheinungen: schon vor einer Reihe von Jahren hat sich im Bezirk der Dresdner Fabrik- inspektion Aehnliches ereignet. Man kann demnach sagen, daß es in Sachsen System ist, die beschwerdeführenden Arbeiter blotzzu st eilen. Kein geeigneteres Verfahren, die Fabrikinspektion zur Unfruchtbarkeit zu verdammen, wie dieses. DaS Znckerkartcll ist abgeschloffen. DaS deutsche Zucker- shndikat und das Syndikat deutscher Zuckerrasfinerien zeigen an, daß i« sich nunmehr zu einem Kartell vereinigt haben, das am 1. Juni 1900 in Kraft tritt. Da die kartellierten Unternehmer fast die ge- amte deutsche Zuckerproduktion repräsentieren, kann ja nun die Schröpfung des Publikums losgehen. Urber die Entwicklung der ländlichen Genossenschaften Naiffeisenscher Organisation brachte die vor einigen Tagen in Straßburg abgehaltene Generalversammlung des Verbands Unter- e l s a tz eine Reihe beachtenswerter Mitteilungen. Nach dem Ge- chäftsbericht der Verbandsleitung bestehen zur Zeit im Bezirk Unterelsaß. der insgesamt 500 Gemeinden mit rund 000 000 Ein- wohnern zählt. nicht weniger als 130 Vereine mit nahezu 25 000 Mitgliedern, verteilt auf 10 Unterverbände. Das Betriebskapital beträgt etwa 15 Millionen Mark; einzelne Vereine verfügen allein über 100 000 bis 400 000 Mark. Der Gesamt- Jahresumsatz wird auf annähernd 100 Millionen Mark beziffert. Die rasche Entwicklung des Verbands spiegelt sich in der Thätigkcit der Central st elle Straßburg wieder, deren jährlicher Waren- verkehr von 32 000 M. im Jahre 1895 auf 3 337 000 M. im Jahre 1899 gestiegen ist. während in demselben Zeitraum der Geldverkehr sich von rund 3 Millionen auf über 32 Millionen Mark gehoben hat. Diese ländlichen Genossenschaften sichern der klerikalen Landespartei, da ihre Leitung fast durchweg in den Händen der katholischen Geistlichkeit liegt, einen weitgehenden Einfluß auf die kleinbäuerliche Bevölkenmg Elsaß-Lothringe'ns und entbehren infolge dessen nicht einer gewissen politischen Bedeutung. Wozu die ärztliche» Zwaugsinnnngrn gut sind.„Der ärztliche Bezirksverein DreSden-Land verhandelte in seiner letzten Sitzung über ärztliche Reklame. Auf Vorschlag des StandeSauS- schuffcS wurde beschlossen, jedem Arzte solle nur gestattet sein, an dem von ihm bewohnten Grundstück ein Schild anzubringen. Dasselbe darf nur den Namen und die üblichen Zusätze„praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer, approbierter Arzt oder praktischer Arzt" enthalten. Eine Angabe über Ausübung eines Spccialfachs ist von besondcni Vorschriften abhängig. Die Bezeichnung„Frauenarzt" ist überhaupt nicht mehr gestattet. Nebereinc etwaige iibcnnäßigeGröße derSchildcrs!) wird der Bezirksvcrein von Fall zu Fall entscheiden. Die Vornahme von Privatinipfungen darf nicht mehr öffentlich angezeigt werden. Reisen und Rückkehr von einer solchen, ebenso wie Anzeigen über Fernsprechanschlutz und ähnliches dürfen nur einmal, die Niederlassung an einem Orte dagegen dreimal in den daselbst gelesenen Blättern bekannt gegeben werden." Diese Beschlüsse würden der Schildacr Schusterinnung alle Ehre machen. Berichtigung. In der Notiz„Ein Monopolbetrieb" in Nr. 109 wird die Summe des Fördernngswerts versehentlich als Reingewinn bezeichnet, was hiermit richtig gestellt sei. VevlantnUnttgen. Zwei Betsammlunge» der KoufektiouSarbeitcr und Arbeiterinnen tagten am Montag, in denen über die wirtschaftliche Lage der Konfektionsarbeiter und die Stellungnahme der Konfektionäre zum Z 137a der neuen Gewerbeordnungs-Novelle verhandelt wurde. In der Versammlung für den Südosten und Osten referierte der Vertrauensmann A.Ritter, der in eingehender Weise die traurigen Zustände schilderte, unter denen die Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen zu leiden haben. Der Redner erläuterte sodann die Vor- schlage der Kommission für Arbeiterstatislik zu den gesetzlichen Maß- nahmen für die Konfektionsindustrie, die den Arbeiten! im Verhältnis zu den derzeitigen großen Versprechungen nur geringe Vorteile bieten, die aber trotzdem von dem Unternehmertum auf das heftigste bekämpft werden. Insbesondere wenden sich die Konfektionäre, denen das Zwischenmeistertnni und auch ein Teil der Kleinmeister Vorspann- dicnste leistet, gegcu den geplanten Z 137a, durch welchen sie eine minimale Beschränkung der Heimarbeit und ihrer bisher schranken- losen AuSbcutungSfrciheit befürchten. Um diesen Paragraphen zn Fall zu bringen ist seitens der Konfektionäre eine Petition an den Reichstag in. Umlauf gesetzt worden, in der die widersinnigsten und den Thatsachcn keineswegs entsprechenden Behauptungen als Be- gründung gegen den§ 137a aufgestellt sind. Die Unternehmer scheuen sich aber auch gar nicht, diese famose Petition den Arbeitern und Arbeiterinnen vorzulegen und sie zur Unterschrift derselben geradezu zu zwingen. In längerer Diskussion wurde das Vorgehen der Unternehmer einer lebhaften Kritik unterzogen und zur Erruignng besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen zum festen Zusammenschluß in der Organisation aufgefordert. In der Versammlung für den Norden und Wcdding, die im Concordia-Variete. Brnnnenstraße, tagte, referierte C h. B o h n über daS gleiche Thema. Sowohl von dem Referenten als auch von den Diskussionsrednern wurden hierbei die durchaus ungesunden Ver- Hältnisse in der Konfektionsindustrie beleuchtet und das Verhalten der Unternehmer,. die jedweden Arbeiterschntz mit allen Mitteln zu verhindern suchen, einer herben Kritik unterzogen. In beiden Versammlungen gelangte einstimmig folgende Re- solution zur Annahme:„Die versammelten Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen erklären nach Anhörung und im Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten, daß die Stellungnahme der Konfektionäre und Zwischenmeister gegen den§ 137a der neuen Gewerbe-Ordnungs-Novelle nur als eine ihren egoistischen Zwecken dienende aufzufassen ist. Die Versammelten protestieren deshalb energisch dagegen. daß man die in derKonfektionthätigeArbeiterschaftalS Dekorationsmittel für die angeblich gefährdeten Interessen, die indes nur die Interessen der Unternehmer sind, benutzen will. Die Versammelten erblicken in der Beschränkung der Heimarbeit, sei eS durch gesetzgeberische Maßnahmen oder durch die gewerkschaftliche Organisation das einzige Mttcl, um die Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen auf ein geistig wie wirtschaftlich höheres Niveau zu heben. Um diesen Bestrebungen den gebührenden Nachdruck zu verleihen, ist es Auf- gäbe aller in der Konfektion thätigen Personen, sich der bestehenden Organisation, dem Verbände Deutscher Schneider und Schneiderinnen anzuschließen." Britz. Am 11. Mai sprach im Volksbildungsverein für Britz und Umgegend Rechtsanwalt Victor Fränkl über„Justizmorde". Dem Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an. Unter Verschiedenem wurden Vorschläge zur besseren Agitation für den Verein gemacht. Charlotteuburg. Die hiesige Zahlstelle der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen beschloß nach bem_ Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Firmen Schramm und Zimmermann u. Sohn die Differenzen als erledigt zu betrachten. Von einem Streik wurde abgesehen, da einige Aufbesserungen in dem Arbeitsverhältnis erfolgten. Eentralverband der Konditoren. Heute, abends pünktlich 9 Uhr, bei Schiller, Rosentbalerstr. 57: Mitglieder-Versaminlimg. Bereiu der Kohleuhändler der westliche» Bororte. Nächste Sieung am Tonnerstag, den 17. d. M. abends 9 Uhr, in Wilmersdorf, WilhelmSaue 114, Victoriagarten, mit folgender Tagesordnung: Bericht der Kontrollkommission für den Siebenuhr-GeschäftSschluß. Besprechnng der seitens des Verbands Berliner Kohlengroßhändier für das diesjährige Prioatgelchäst festgesetzten Preise. Becchlußfassung betr. Herstellung neuer Plakate sür den Tetailverkaus. Zutritt hat jeder in den westlichen Vororten ansässige Kohlenhändler. Arbeiter Radfahrerverein Berlin. Doiinerstag, dm 17. d. M. bei Raab«, Kolbergerstr. 23: Vereinsversammlung. Vortrag deS Sportgenossm Max Eichler:„Das Rennen und die Arbeiter-Rad- fahrer." Psychologische Gesellschaft zu Berlin. Donnerstag, den 17. Mai, abends 7 Uhr, im Hörmal 26 der Universität, spricht Professor Karl Frey über: Aniold Böcklin als Schilderer seelischer Vorgänge. Gäste wollen sich vor Beginn beim Borstand melden. Der Krieg. Es läßt sich nicht verkeimen, daß durch das gleichzeitige Vor« rücken Lord Roberts und B u I l e r s die Lage für die Boeren nunmehr eine äußerst kritische geworden ist. Durch daS Ueber- schreiten der B i g g a r S b e r g e, die so lange ein unüberwindliches Bollwerk für Bull er gewesen waren, ist diesem nunmehr die Mög- lichkeit gegeben, seine überlegenen Streitkräfte serner zu entfalten und die Boeren weiter zurückzudrängen. Der wichtigste Er- folg für die Engländer wird darin bestehen, daß ihre Truppenabteilungen bei K r o o n st a d t und D u n d e e miteinander Fühlung gewinnen und gemeinsam operieren können. Und bei der m i n d e sl e n S fünffachen Ueberlegenheit der Engländer wird cS diesen möglich sein, die Boeren immer weiter zurückzudrängen und schließlich derart zu stellen, daß ihnen nichts übrig bleibt, als cnt- weder unter Preisgebung ihres ganzen Landes ihre Reste in die Lagdenburger Gebirgsregion zu werfen oder sich ergeben. Was freilich nicht ousschließt, daß der Kampf sich noch längere Zeit in Form eines Guerillakriegs hinziehen kann. Näheres über seinen Vormarsch meldet General Bnllcr in folgendem Telegramm: London, 15. Mai. General Buller teilt in einem ans» führlicheren Bericht über seinen Vomrarsch durch die BiggarS- berge mit. daß, während er durch den Weg von Hclpmakaar vorrückte, Oberst Bcthune von Greytown und General Hildyard von Elandslaagte vorging. Die Operationen erstreckten sich auf die Zeit vom 11. bis 14. Mai. Der Feind räumte stark befestigte Stellungen, nachdem er geringen Widerstand geleistet hatte. General Dundonald umging am' 14. Mai die 3000 Mann starke Hauptmacht der Boeren, welche jenseits Helpmakaars eine starke Stellung inne hatte. Hierauf zogen sich die Boeren zurück. Es verlautet, daß die Boeren nach Laingsnek gehen. Die Kohleiibergiverke in Dundee sind zerstört. Ans Kroonstad wird unterm 13. gemeldet: Die Boeren konzentrieren gegenwärtig alle ihre Streitkräfte am Vaalflusse. Sie haben ihre Stellnngen an den BiggarSbergcn und an der Süd- und Ostgrenze geräumt. Man nimmt an. daß nicht mehr als 200 Freistaatboeren am Baal mit- kämpfen werden. Die Reparatnrarbeiten an der Bahnstrecke bis Kroonstad werden voraussichtlich am Donnerstag beendet sein. Der Verpflcgungsdienst fiintlioniert regelmäßig, die Mannschaften und Pferde empfangen volle Rationen, der Gesundheitszustand der Truppen ist vollkommen gut. In Mafeking dagegen scheint die Kapitulation bevorzustehen, wenn es den Eng- ländeni nicht noch in elfter Stunde gelingt, der ausgehungerten Stadt Ersatz zu bringen. Nach den letzten Nachrichten reicht der Proviant höchstens noch bis zum 19. Mai. Außerdem meldet das „Rcutersche Bureau" vom 12. Mai ans Pretoria: Die Boeren griffen Mafeking heute lebhaft nnt Geschütz- und Gewchrfcuer an. Das Eingeborncn-Viertcl wurde durch Feuer, daS durch eine Granate verursacht war, zerstört.— Das Verbot der Ein- fuhr von Lebensmitteln über Delagoa wird in erster Reihe die gc- fangeneu Engländer treffen. Zuerst ivird man den Bnrghcrs Lebens- mittel verabfolgen, dann den Angehörigen der neutralen Mächte und zuletzt erst den' Gefangenen. Letzte Meldungen. Liffabon, 15. Mai. lMelduug der„Ageuce HavaS".) Gerücht- weife vcrlnnret, Präsident Krüger habe den portugiesischen Konsul angewiesen, das Gebiet von Transvaal zn verlassen. Lanrenco MarqneS, 15 Mai.(Telegramm des„Rcntcrschen Bureaus".) Nach Meldungen, welche hier ans Boercnqnellen eingegangen sind. nahmen die Boeren am vergangenen Sonn abend die '„Kaffernstadt" von Mafeking. Während der Nacht wurden sie jedoch angegriffen und sahen sich am Soiiniog ihrerseits schloffen. Sie verloren sieben Tote und siebzehn Verwundete. Die Verluste der Engländer sollen schwer sein. Uvtzte NKchvichken und Depvschv»,. Frankfurt a. M., 15. Mai.(B. H.) Die„Frkf. Ztg." meldet aus New Dork: Tie Boerendelegatio» ist heute nachmittag hier eingetroffen. Das Komitee des Stadtrats, sowie die Bürgcrdepn- tatiouen holten die Gesandtschaft vom Dampfer ab. Windau, 13. Mai.(W. T. B) Vom Lkiierorter Leuchtturm wird gemeldet, daß bei der Insel Oese! das Schiff„Johannes" ver- nnglückr ist. Von der aus 29 Mann bestehenden Besatzung sind 12 gerettet worden. Paris. 15. Mai.(B. H.) Das deutsche Hans aus der An?- stellmig wurde heute nachmittag feierlich eröffnet. Zahlreiche Mitglieder der Botschaft und der deutschen Kolonie wohnten dem Festakte bei. Paris, 15. Mai.(W.T.B.) Das deutsche Hans in der Welt- ausstelluiig ist heute nachmittag in festlicher Weise eröffnet worden. Rom, 15. Mai.« Ml» Vvichskag. IN.«Sitzung. Dienstag, den 1?. Mai 1000, t Uhr. Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky, Tirprtz. . Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung de» -BcictzeS betr. die militärische S t r a fr c ch t s p f l c g e in niautschou. § 1 bestimmt, daß für die Militärpcrsonen in Kiautschou die in der MilitärstrafqerichtLordnung von, 1. Dezember 18S8 für das Verhältnis an Bord gegebenen Vorschriften Anwendung finden. Der Paragraph ivird debnttrlos angrnommc». § 2 lautet: Dieses Gesetz tritt zugleich mit der Militärstrafgerichtsordmmg t>om 1. Dezember 1898 in Äraft. .Die Abgg. Basse rma un snatl.). Eickhoff lfrs. Vp.), R, ck e r t lfts. Bg.). 5t i r s ch((S.) beantragen folgenden Znsatz: und hat bis zum 1. Januar 1906 Gültigkeit. Abg. Bafscrmann snatl.) bittet um Annahme des bereits bei der ersten Lesnng begründeten Antrags. ES ist denkbar, daß nach Jahren viel mehr Truppen in Kiautschou stationiert sind und die Errichtung einer militärgerichtlichcn Instanz dort wünschenswert wird. Der Antrag wird angenommen; ebenso Einleitung und lieber- lchrift des Gesetzes. ES folgt die zweite Beratung des Tce-llnfallbersichc- rungS-Gesctzcs. Kl behandelt den Umfang der Versicherung. Hier beantragen die Abgg. M o l k c n b u h r und Fischer-«achscn sSoc.). de», Ab> 1 zuzufügen;„Klimatische Krankheiten und diejenigen odeSsalle auf See oder im Auslände, tvclche nicht nachweislich auf außerhalb des Betriebs liegende Ursachen zurückzuführen find, sind »lS Unfälle im Sinne dieses Gesetzes zu erachten." Abc�. Molkcnbuhr sSoc.): .. Unser Slntrag ist wesentlich HSrvorgcrufc» durch eine Eingabe, ow die Scc-BcrufSgenossenschaft vor mehr als fünf Jahren ein- gereicht hat. Damals wurde von ihr geplant, eine Witiven- und Änisenversorgung einzurichten, und die tteute haben damals in richtiger Erkenntnis der Sachlage, wie sie auf Seeschiffe» ist, die Mißstände vorgetragen, die bisher weder beseitigt sind noch durch die vorliegende Vorlage beseitigt werden. Die See-BerufSgcnossenschaft drängte darauf, die Versicherung insofern auszudehnen, als sie auch Krankheiten mit in den Bereich der Un- fälle hineinziehen wollte. In einer Eingabe vom 12. März 1891 an das Rcichsanit de» Innern sagt die BerüfLgenossenschaft folgendes:„An da» Krankenlager auch des ärmsten Landarbeiters tritt ein wissenschaftlich gebildeter Arzt Der Seemann ist oft monatelang aus die medizinischen 5teuiitmssc des Schiffers und des Handbuchs angewiesen. Der Arbeiter am Lande ist in der Wahl seine» Aufenhali» nicht beschränkt, der See- mann muß mit dem Schiffe, dessen Bestimmung unsicher ist, in jede, auch die ungesund cstc Gegend hinausgehen. Für SO 000 unfrer LandSlcute, die unter solchen Ausiiahmeverhältniffeii arbeiten, ist e» nicht unbillig, eine Ausnahme zu machen in dem Maß der gesetzlichen Fürsorge." Dieser vernünftigen Eingabe hätte längst entsprochen werden sollen. Herr V. Böttichcr hat auch seiner Zeit ein entsprechendes Versprechen gemacht: bei der Vorlegung der lInfallvcrsicherungS-Gesetze wollte er auf die Sache zurückkommen.' Als aber vor 2 Jahren die Reform hier vorbcratcn wurde, war von einer solchen Fürsorge nicht mehr die Rede. Der Plan war schon aufgegeben, den K 1 de» See- UnfallgcsctzeS entsprechend zu gestalten, und es wurde damals schon vorgeschlagen, dazu überzugehen, die Invaliden- gcldcr der See- BcrnsSgenossenschast zuf iibcrwciscu. damit sie mit diesen Geldern eine Witwen- und Waise»-Versicherung eintreten lasse und auch die Witiven der an Gelbfieber und ähnlichen klimatischen Krankheiten verstorbenen Seeleute mit versorge. Ob das ein glücklicher Ausweg ist. iveiß ich nicht. Ich will nur erinnern, daß vor 2 Jahren der natiotiallibcrale Abg. Kruse entschiede» dafür eintrat, daß diese klimatischen Krankheiten als Seeunfälle behandelt lverdc» sollen. Er wies darauf hin. daß häufig eine Folge des Gelbfiebers vollständige Invalidität fei. Nun würde sich aber, auch wenn mau die Witwen- und Waisenversorgung durch das JnvaliditätSgesetz für die Seelente ordnen wollte, doch die Frage erheben, ob die Sache damit vollständig geregelt ist..Zunächst steht ja noch nicht fest, ob die Witwen- und Waisenversorgung in Wirklichkeit konnnen wird, und man weiß auch nicht, ob, wem, sie kommt, die Reute so beschaffen ist, daß die Witwe davon' leben kann. Die lleberwälznua aus die Jnvalidcnvcrsichernng würde eine gewisse Nngercchtigkclt mit sich bringen. Thalsache ist. daß' bestimmte Reedereien, die ihre Schiffe vorwiegend nach Gelbfieberhäfe» fahren lasse», die Versicherung höher belasten iverdcn, als die Reeder, die»ach Ostseehäfen fahren. Es müssen daher verschiedene Grsahrcnklassc» vorgesehen werden können. Leute nach vcr- schiedcuen Gefahrenklassen einzuschätzen ist zulässig bei der Iliisallvcrjichernng. Hier ist eine gewisse Ausgleichung möglich. Bei der Einführung der Witwen-, lind Waiscnvcrsichcrnng wäre es also für die an llimatischen Krankheiten Verstorbenen viel besser, wenn die Versorgung ans Grund des Unsallvcrsichcrnngs-Gcsctze» einträte, als auf Grund des JnvaliditätSversicheruiigs-Gesetzes. Im übrigen wird es ja keine so große Belastung werde», denn es sind ja in der Eingabe ganz genaue Details gegeben worden, durch die die See- Vcrnfsgenoffcnschaft nachwies, dafi die Bc- lastnng nicht sehr hoch sei. wen» sie die llimatischen Kraulen mit nbernehme. Es wurde nachgciviescn, daß das mit ganz geringen Suinmcu zu besueitcn ist. Dann sehe ich aber nicht ein, waruin man nicht den frjiheren Wunsch der Scc-BcrufSgenossenschaft erfüllen und die Frage so lösen soll, ivie es bereits vor fünf Iahren Herr v. Böttichcr vorgeschlagen hat.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Gcheimrat Caspar bittet um Ablchunng des Antrags. Tie beantragte Ausdehnung der Versicherung winde eine zu große Vclastung der Sce-BerufS- genoffcnschaft herbeiführen. Auch' un Gewerbe find die sogenannten Bcrufskranlheiten nicht in die Unfallversicherung aufgenommen. Ter Antrag wird hierauf abgelehnt, K 1 in der Kouimissionö- fassnng angenommen, ebenso KK 2—7. K 3 bestimmt als Gegenstand der Versicherung den Ersatz des Schaden», der durch jiörpcrverletznng oder Tötung entsteht. Die in demselben Paragraphen getroffene Bestimmung, daß bei vorsätz- Ilcher Herbeiführung des Unfalls dem Verletzten und seinen Hinter- bliebencn kein Anspruch auf die Rente zustehen soll, beantragen die Abgg. Albrecht und Genossen(Soc.j zu streichen. Abg. Molkenbuhr(Soc.j: Wir haben zwar beim Gewerbe-Unfall-Gesctz einen gleich- lautenden Paragraphen angenommen, hier liegen aber die Vcr- bältnisse doch anders. Es läßt sich auch hier öfters nicht feststellen. ob der Unfall vorsätzlich von dem Ver- letzten herbeigeführt wurde. Es handelt sich auf See häufig um sogenannte„Selbstmörder". Bci gewissen Kategorien der Schiffsbesatzung haben anscheinend die Selbstmorde außerordentlich znaeiiommen. In der That handelt eS sich aber hier um Leute, die gar nicht mehr Herreu ihres Willens sind. Der größte Prozent- satz von Selbstmorden kommt bei den Maschinisten und Kohlen- ziehcrn vor. Bei der Bauart einzelner Schiffe, z. B. der„Wcrra" und„Fulda", können cS die Heizer in den furchtbar heißen Räumen oft nicht inchr aushalten, sie ftürzen wie wahnsinnig an Deck und über Bord. Da» wird dann nachher als Selbstmord bezeichnet, während es doch nur an einem Fehler der Bauart liegt. Daher bitte ich Sie, den Begriff der Lorfätzlichkeit anSznfchalten. Gcheimrat Caspar bittet die Glcichartiglcit der linsall- vcrsichcrungS-Gesctze in dieser Beziehung aufrecht zu erhalten. Abg. Stadthagen sSoc.f: ES handelt sich hier um eine neue Verschlechternng auf dem Gebiete der Sec-Unsallvcrsichcrung und die Regierung hätte den Beweis liefern nnisse», daß diese Verschlechterung not- tvendig ist. Nur ist kein einziges praktisches Beispiel angeführt, Ivo jemand zu Unrecht eine Rente bekommen hätte, trotzdem er den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat. E» ist nicht gerecht, in da Gesetz lediglich deshalb, damit eS möglichst in Uebcreinstiminung steht mit andren Gesetzen, die sich ans ganz andre Verhältnisse be- ziehen, eine derartige Bestimmung aufzunehmen. Die Seeleute haben in ihren Vereinen dringend gebeten, diese Verschlechterung zu be seitigen. Der Antrag wird abgelehnt, K 8 unverändert angenommen. Nach§ 9a gilt als JahrcsarbeitSverdicnst der zur Schiffs- besatznng gehörenden Personen da? C'lsfache der vom Rcichslanzler festzusetzenden Durch schnittLheu er und nach K 9b als Jahres- arbeitsverdicnft der übrigen auf Grund dieses Gesetze» versicherten Personen das Z00 fache des durchschnittlichen täglichen Arbeits- Verdienstes. Die Abgg. Albrecht sSoc.) und Gen. beantragen, den K 0a, zu streiche» und im K 9 b das Wort„übrigen" gleichfall» zu streichen. Abg. Molkenbuhr sSoc.): Wenn Sie eine vollständige Gleichheit zwischen Gewcrbc-Unfall- und Scc-Unfallversicherlings-Gcsctz herbeiführen wollen, müssen Sie nnsren Antrag annehmen. Hier ist die Gleichniäßigkeit sehr gut durchführbar und durchaus notwendig, denn die gegenwärtige Bc- rechnung der Renten führt zu großen Härten für die Seeleute gegenüber den Landarbeitern. Der schlecht gelohntestc Arbeiter in Hamburg und Bremen erhält jetzt OVO M. Rente, während der Vollmatrose nnr 466 M. Rente erhält. Nach der Borlage erhöht sich ja diese Rente des Vollmatrosen ans 530 R5 bleibt aber doch noch unter der Rente des schlecht gelohntesten Arbeiters in Hamburg. Daher verlangen wir die Berechnung der Rente nach Jndividnallöhnen. Das ist sehr gut durchführbar, wenn auch die Scc-Bernfsgenosscnschast behauptet, daß e» nicht durch- führbar ist. Bei dem jetzige» Verfahren hat die See-Berufsgenosse»- schaft größere VerwaltnngSkosteii als andere Berufsgenossenschaften. Diese BerwaltungSkostcn würde» sich verringern, wenn auch sie die Lohnlisten den Berechnungen zu Grunde legen würde. Man sagt nun, die Berechnung nach' Jndividnallöhnen sei nicht angebracht, da es oft vorkomme, daß z. B. Stettiner Seeleute in Hamburg an- gemustert werden. Dies Herumziehen kommt jedoch auch beim Gewerbe, z. B. dem Baugewerbe sehr häufig vor. Wenn ein schlesischer Bauhandwcrker nach Berlin kommt und hier verunglückt. so wird die Reute nach dem hiesigen Loh» berechnet. Es wird oft darüber geklagt, daß die Ostseereedcreien bci der jetzigen Be- rechnung nach dem durchschnittlichen JahrcSarbeiisverdienst zu sehr bc- lastet siiid. In der That sind auch die Ostscerecdereicn in de» letzten Jahren immer mehr heruntergegangen. Das einzige Mittel, um sie zu schützen, wäre auch wieder die Einführung der Berechnung»ach Jndividnallöhnen, denn gerade sie sind es, die die kleinen Heuern zahlen. Die jetzige Berechnung liegt nur im Jntereffe der Groß- reedereien. Wie gute Geschäfte die machen, das wird uns ja bci der Denkschrift zur Marinevorlagc klar auseinandergesetzt. Da werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß das Aktienlapiläl im Nennwerte von 287 Millionen Mark einen Kurswert von 324 Millionen Mark habe. Diesen Leuten brauchen wir doch nicht einen Almosen anzubieten auf Kosten der Krüppel, der Witiven nnd Waise» der Seeleute. Was würde es der Hambnrg-Amerila-Linie, di» 18 Millionen Reingewinn, hat. aus- machen, wenn sie 10 OVO M, nichr für die Versicherung ausgeben müßte. Dazu kommt noch, daß die Scebcrnfsgcnossenschoftcn in der That viel weniger Lasten zu wagen haben, als im Jahre 1887 beim See-IInfollversichenmgs-Gcietz angenommen wurde. Man hatte sich damals in der Zahl der Witwen und Waisen, die bis 1893 zu er- Ivarten wären, sehr getäuscht. Daher können wir lvohl verlangen, daß die Benifsgenossenschaften nun auch eine kleine Mehrbelastung ans sich nehmen. Ihre Last wird dadurch doch noch nicht einmal so groß, als 1887 angenommen wurde. Besonders in der gegenwärtigen Periode, wo unsre Seegeltung weiter zur Ausbreitung kommen soll, wo man eine Handelsflotte haben will, die sich auf See scheu lassen kann, muß unsre Handelsflotte auch tüchtige Leute haben nnd tüchtige Leute bringen wir nur auf die Flotte, wenn die Seeleute anständig nnd nicht gewissermaßen als Aus- gestoßene, als Parias behandelt werden, die in der Unfallrcntc schlechter gestellt sind, als der geringste Arbeiter auf dein Lande, Schließlich ist es auch gar nicht zu' rechtfertigen, daß die kleinen Unternehmer bei der Binuenschiffahrl höher belastet werden, als die großen Reedereien, Die Witwe eines SchiffSkncchtS. der in der Binnenschiffahrt verunglückt, der an Lohn nicht einmal so viel wie ein Leichtmatrose cthält, bekommt eine viel höhere Rente als die Witwe eines Vollmatrosen auf See. Wir verlangen also nur, daß die Sce-BernfSgcnosscnschaft dasselbe thnit soll, Iva» alle gcwerb- lichen Berufsgenossenschaften leisten müsicn.(Bravo! bci den Social- demokratcn,) Direktor v. Wödtke: Ich glaube nicht, daß der Herr Borredner da? Recht hat. von den Seeleuten als Parias zu' sprechen, wenn gerade durch die RommissionSbeschlüsie der bisherige Zustand für die Seekeuie be- deutend verbessert ist, indem durch die» Gesetz als Jahresarbeit»- verdienst da» Elfsachc des DnrchschnitiSbctrags festgesetzt ist, während bisher nur das Neunfache angenommen wurde. Die Bercchnnng nach dem JndibiduaUohn ist ganz undurchführbar. Ich bitte Sie dringend, bci den Beschlüssen der Kommission zu bleibe». Damit ist die Diskussion geschlossen. Die Anträge der Social demokratcn werden ob- gelehnt, KK 9 a ,'ind 9 b in der K o m m i s s i o n s f a s j u n g an- genommen. K 9e enthält Bestimmungen über den Jahres- Arbeits- verdienst, welcher bei Berechmmg der Rente z» Grunde zu legen ist. Ist die Rente nach einem geringeren DurchschnittSbctrag be- messen, als dem drcihimdcrtfachcn des ortsüblichen TagclohnS, so soll nach der ÄommissionSfassung die Rente bci Scctcutc» vom vollendeten 18. Lebensjahre nach dem für Leicht-Matroscu. und vom vollendeten 20. Lebensjahre nach dem für Boll-Matroscn festgesetzten Durchschnittsbctrag erhöht werden. Die Abgg. A l d r e ch t u. Gen.'(Soc.) beantragen, statt„18. 17." und statt'„20."„19." zu setzen. Abg. Molkenbuhr(Soc.): Beim Gcwcrbc-llnfallversichcrnngs-Gcsctz haben Sie für die Be- rechnung der Rente für jugendliche Arbeiter gleich von vornherein den ortsüblichen Tagelohn' erwachsener Arbeiter zu Grunde gelcgr, hier aber soll der jugendliche Arbeiter, der verunglückt, bis zum 18. Lebensjahre die Zieme erhalten, die er als Schiffsjunge erhallen hätte. Ich bitte Sic. die Zahlen wenigstens nach unsrem Antrage herunterzusetzen. Der Antrag wird hierauf mit großer Mehrheit angenommen, ebenso§ 9c in der so veränderten Kommissiousfassimg. K 3k bestimmt, daß die Hinterbliebenen cinc» Ausländers, welche zur Zeit des Unfall» nicht im Inland oder an Bord eines deutschen Schiffes ihren gewöhnlickien Aufcuthalt hatte», keinen Anspruch ans die Rente habe». Diese Bestimmung kann durch BundeSratSbeschliiß in bc- stimmten Fällen aufgehoben werden. Die Abgg. Albrecht n. Gen.(Soc.) bcantragcn diesen Para- graphcn zu fircichen. Abg. Molkenbuhr(Soc.): Es kann leicht vorkommen, daß ein äusländischcr Seeman eine deutsche Frau heiratet und seine Wohnung mit ihr in Dcutsckstand nimmt. Nehmen Sie nun an. er verreist auf mehrere Jahre und seine Fron geht während dessen zu den Schwiegereltern ins Ausland. Bernnglückt'dann ihr Mann auf der Reise, so erhält die Frau keine Witwenrente, weil sie zur Zeit des Unfall» nicht im Inland ihren ständigen Aufenthalt hatte. Der Antrag der Socialdcniokraten wird abgelehnt. K 13 l unverändert angenommen. Ebenso die übrigen Paragraphen bis K 74. Dem§ 74a, der vom Ruhen der Rente handelt, bcantragt der Abg. Dr. S e ni l c r(natl.) folgende Fassung zu geben: „DaS Recht auf Bezug der Rente ruht: 1. So lange der Berechtigte eine die Dauer von einem Monat übersteigende Freiheitsstrafe verbüßt oder so lange er in einem ArbcitShause oder einer Besserungsanstalt untergebracht ist. 2. Wenn der Berechtigte vom Dienst desertiert ist oder eine fremde Staatsangehörigkeit' erworben hat. so lange er nicht wieder auf einem deutschen Schiffe angemustert ist oder int Jnkande seinen gewöhnlichen Aufenthalt genommen hat. 3 Wenn der Berechtigte in das Ausland verzogen ist, so lange sein Aufenthaltsort der Sceberufsgenosscnschast trotz von dieser an- gestellter Erinittclungen unbekannt bleibt. Hat in den Fallen der Ziffer 1 der Berechtigte im Inlands wohnende Angehörige, welche im Falle seines Tode» Anspruch auf Rente haben würden, so ist diesen die Rente bis zur Höhe jenes Anspruchs zu überweisen." Dr, Semler(natl.) begründet seinen Antrag. Daß in dein unter 1 angeführten Fall die Rente zu ruhen hat, ist wohl selbst- verständlich. Eine weitere Ausnahme muß aber auch eintreten, wenn ein Seemann desertiert, oder auf einem fremden Kriegsschiffe Dienste nimmt. Was den unter 3 angeführten Fall anlangt, so entsprickit dem Recht auf Rcntcnbezug auch die Pflicht, der Berufsgcnosscnschaft die Kontrolle nicht unmöglich zu machen. Abg. Rösicke-Dessaii(wildlib.) bcantragt, im Antrage Scmlcr Ziffer 2 zu streichen und dafür einzusetzen:„so lange der Berechtigte ans fremden Kriegsschiffen Dienste thut". Abg. Molkenbuhr(Soc,) t Der Antrag Seinlc'r will eine neue Strafe für die Desertion schaffen. Tie Strafen für die Desertion sind aber in den vcr- schicdencn deutschen Gesetzen bereits festgelegt, und ich sehe nicht ein, warum es nötig fein soll, Verschärfungen eintreten zu lassen. Ist eine Verschärfung der betreffenden Bestimmungen nötig, so soll man sie auch bci den Gesetzen vornehmen, m denen sie zu finden find. Es ist gewiß beklagenswert, daß auf deutschen Schiffen Desertionen, häufig vorkommen, lieber die Vcr- anlassung zu den Desertionen hat man sich schon"häufig unterhalten. Wenn z. B. die Seeleute von ihren Vorgesetzten schmählich miff- handelt werden, ist es da ein Wunder, wen» die Leute schließlich davon laufen? Aber es gicbt noch andre Ursachen. Ich habe selbst einen solchen Fall erlebt. Als ein Dampfer im Februar 1893 den Hasen von New Jork verlassen wollte, da kamen einige Leute vom Schiffe zu mir nnd erklärten, sie würden auf diesem Schiffe nicht wieder Dienste nehmen, da das Schiff nicht glücklich heimkehren werde. Ich glaubte, da» sei»ur eine Ausrede,' aber das Schiff ist thatsächlich bis zum heutigen Tag in die Heimat nicht zurückgekehrt und niemand weiß, was aus ihm geworden ist. Es war zwar ein neues Schiff, aber es war trotzdem so schlecht, daß es die Fahrt nicht aushalten konnte. Ich habe hier noch eine kleine Illustration von einem Dampfer der Südamerika- Linie. Der Direktor der Südamerika- Linie siebt zur See- Berufsgenossenschaft in engen Beziehungen. Auf den: Deck dcS Dampfer» werden Viehställe in mehreren Etagen ausgebaut und außer diesen Viehställcn wird auch Futter auf das Deck geladen. E» ist also für das Schiff cinc große FeuerSgefahr vorhanden. Die Unfallverhütung�-Vorschriften der See- Berufs- genojsenschaftstchcn für diesenDampfcr nuranf demPapier. Erstwcnn das Schiff nach Deutschland zurückkehrt, werden Vorrichtungen getroffen, die den Unfall-Vcrhütnngsvorschriftcn entsprechen und läuft dann das Schiff in die deutschen Gewässer ein, so entspricht es that- sächlich de» Unfall-Verhiitiiiigsvorschriftcli.(Hört, hört! links.) Kein Wunder, wenn bei solchen Verhältnissen die Seeleute schließlich auf den Gedanken kommen, zu desertieren, Besonders schlimm soll es»un sein, wenn die Leute auf aus- ländischen Kriegsschiffen Dienste nehmen. Da werden aber Krüppel niemals genommen werde». Die Zahl der hier in Betracht kommenden Seeleute ist so klein, daß sie Herr Seniler sämtlich ans den Tisch des HanscS niederlegen könnte.(Hcitcrleit links.) Der Antrag Scmlcr ist also in diesem Fall überflüssig. Sollte er über angenommen Iverdcn, so weiß man nicht, wie er einmal von der Sce-Berufsgcnossenschaft ausgenutzt werden kann. Ich bitte, de» Antrag Seniler abzulehnen.(Bravo! bei den Socialdcmokratett) Abg, Rösicke-Dcssau(wildlib.): Der Antrag Semler trifft nntcr Ziffer L nicht das, was Herr Dr. Seniler treffen möchte. Mein Antrag sagt dies genauer. Ich bitte, bci Ziffer 2 die von mir vor- geschlagene Fassung anzunehmen. Abg. Dr, Semler(natl.) wendet sich gegen die AuSführuilgcn des Abg. Molkenbuhr. Abg. Molkenbuhr(Soc.): Herr Dr. Scmlcr will zu der gesetzlichen Strafe für da» Desertieren noch eine Rcbcnstrafe cilfführcn, nnd das halte ich eben für falsch. Glaubt Tr. Semler, daß die Deserteure nicht scharf genug bestraft werden, dann mag er das bci der SeemaiuiS-Ordimng beantragen. Dann wird er aber hoffentlich auch die lvimderbare Art feiner Sctu- fticht nach Strafen erkennen, wenn er für verkrüppelte Dc- ferteiire schärfere Strafen festsetzen will, als für solche, die keinen Unfall erlitte» haben. Man will zweierlei Strafen für ei» und die- selbe strafbare Handlung einführen. Das bekämpfe ich, und deshalb bitte ich Sie, den Antrag Semler abziilchiicu.(Bravo! bei de» ocialdcmokratcn.) Direktor im Rcichsanit de» Innern v. Wödtke(auf der Tribüne schwer verständlich) äußert Bedenken gegen Ziffer 2 im Antrug Scuilcr. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Scmlcr wird in Ziffer 1 und 3 aiigciionuiie»; in Ziffer 2 wird die Fassung dcS Abg. Rösicke angenoininen. K 75 handelt von der Knpitnlabfindnng und bestimmt in sciiicm zweiten Absatz: „Ist der Enlschädigungsbcrechtigte ein Ausländer, so kann er. fall» er seinen Wohnsitz im Deutschen Reich aufgiebt,„auf femen Antrag" mit dem dreifachen Betrag der JahreSrente abgefunden lverdc». Der Stbg. Dr. Semler(natl.) beantragt, die Worte„auf seinen Äutrag" zu streichen. Abg. Dr. Semler(natlF begründet diesen Antrag. Auf der deutschen Handelsmarine sind eiiic groste Anzahl Ausländer angestellt. Es ist oft wünsch enS- wert, einen solchen Ausländer in der im Paragraphen angeführten Art auch ohne sciucn Antrag abfinden zu löiinen. Abg. Molkenbuhr(Soc.) wendet sich gegen diesen Antrag, Die Norweger, Schweden. Dänen ujiv,, die ans deutschen Schiffen arbeiten, müssen dasselbe Recht haben lvie die Ausländer, die in deutschen Fabriken arbeiten. Will die Sec-BernfSgeiivjscnschaft einen Neger abfinde», so wird sie ihn auch leicht besliumten könncli, ciiicn ciitsprcchcude» Antrag zu stellen. Damit schließt die Diskussion. D e r A n t r a g Semler wird abgelehnt, der Paragraph in der K o m in i s s i o n S j a s s u n g a n g e n o in m c iu Die g§ 77—91 werden debattcloö genehmigt. ß 92 giebt dem Vorstand der Beruf-Zgeiiossenschast nnd dem Seeniann§ämt die Befugnis, Geldstrafen zu verhängen wegen Nichtbcrechtigung der von ihnen erlassenen UnfallverhntnngZvorschrifen resp> wegen Nichteinrichtung oder Nichterhaltung vou Schutz Vorrichtungen. Die Abgg. Alb recht n»d Gen.(Soe) beantragen, diese Bc- fngniS auch auf dir Polizeibehörde auszudehnen. Abg. Molkenbnhr(Soc.): Wen» man die Kontrolle der See-Berufsgenossenschaft und den, Sccinannscnnt allein iiberlägt, wird es leicht vorkommen können, daß nicht alle Schiffe kontrolliert werden. Wir verlange» daher, daß auch den Polizeibehörden ein Strafrecht eingeräumt werde, durch das sie die Beachtung der Vorsichtsmaßregeln erzwingen können. Wir bitten Sie. diesen Antrag anzunehmen. In der Abstimmung wird der söeialdcmokratische Antrag ab- gelehnt, die Paragraphen der Kommissionösaffnng angenommen. Die gg 93- OH werden drbattelo» genehmigt. Die ß§ 90-06 behandeln die Unfallverhütung und Ueber- wachung durch die Genoffenschaft. Hier beantragen die Slbgg. üll brecht und Gen.(Soc.), folgenden§ 96a einzuschalten: „Der Bundesrat oder eine von diesem zu bezeichnende Behörde hat siir jedes Schiff eine Ticfladelinie und eine Pemanuungsskala festzusetzen. Ein Reeder, sowie ein Schifssführer, der gegen die dieserhalb ergangenen Festsetzungen verstößt, wird mit Geldstrafe von 500 bis 5000 M. bestraft. Neben der Geldstrafe kann auf Gc- fänguisftrafe bis zu zwei Jahren und ans Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte erkannt werde». Abg. Stadthagen(Soc.s: Die bisher von der See- BernfSgenosienschaft erlassenen Unfall- berhiituiigsvorschristen sind durchaus ungenügend. Sie sagt nur ganz allgemein, daß jedes Schiff in.seetüchtigem Zustande" u»d „gehörig" bemannt sei. Das sind aber sehr dehnbare Begriffe. Ueberhanpt kam, die Sec-Ber»fsgellosse»schaft gar keine durch- greifende UnfallverhütnngS-Vorschrifteu erlassen, dazu brauchen wir eine„ninteressierte Behörde. Von der Stelle, wo der Geld- bentel deS Reeders eine Rolle spielt, köimen solche Vorschristc», die wirklich wirksam sein sollen, nicht ausgehe». Daher haben wir »nsen, Antrag gestellt, daß eine sachverständige»„parteiische Behörde darüber entscheiden soll, wie tief ein Schiff beladen sein kam, nnd wie viel Mainischnften eS nötig hat. Abg. Raab(Antisemit): Alle Sachverständigen sind sich über die praktische Durchführbarkeit einer Festsetzung der Tiefladelinie einig. Staatssekretär Graf. Posadowsky Der Bundesrat ist nicht in der Lage, die Vcraniworiung für den Erlaß technisch so überaus schwer ausführbarer Bestimmungen zu übernehmen. Die Sce-Ber»fSge„osfci,schaften haben sich mit der Frage der Tiejladcliine und der Beniamiungsskala schon innner bc- schäftigt und werden jedenfalls in kurzem zu einem abschließenden Resultat kommen. Abg. Molkenbuhr(Soc.): Bei der Schwierigkeit, alle Fragen, deren Lösung notwendig wäre, mit einem Male zu lösen, haben wir „«s aus zwei Frage» beschränkt, die in dem größten sccfahrciidci, Laude längst gelöst sind. In England ist eine gesetzliche Tieflade- linie und BcinanumigSskala lange eingeführt, diesem Beispiele sollten wir endlich folgen. Der Antrag der Socialdcmolratcn wird hierauf gegen die Stimmen der Socialdemokratcn und Antisemiten abgelehnt. Die§§ 97—108 werden dcbattelos angenommen. § 109 trifft Bestimimmgei, über die Haftpflicht der Betriebs- Unternehmer n„d BetriebSbeamte». Abf. 1 giebt den durch das Gesetz versicherten Personen und den Hinterbliebenen, auch wem, sie einen Anspruch auf Ersatz deS infolge eines Unfalls erlittenen Schadens nicht haben, gegen den Betriebsunteriiehmer, gegen einen Mitreeder Lootscn, Bevollmächtigten oder Repräsei, tonten, Betriebs- oder Arbeiteranfscher, oder eine Person der Schiffsbesatzung desjenigen Fahrzeugs bczw. Betriebs, in luclchc», der Unfall sich ereignet hat. einei, Ersatzanspruch„nr, lvciin durch strafgerichtliches Urteil fest- gestellt worden ist, daß der in Anspruch Genommene den Unfall vor- sätzlich herbeigeführt hat. Die Abgg. Albrecht und Genossen(Soc.) beantragen im Schlußsatz nach„strafgerichtlickeö Urteil" fortzufahrcn:„oder durch Urteil eineS Sceamtö festgestellt worden ist. daß der i>, �Anspruch Genommene den Unfall vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt hat." Abg. Molkenbuhr iSoc.): Uusrc» Antrag haben wir schon bei», Gewerbe-UnfallversicherungS- Gesetz ähnlich gestellt. Wen» der Reeder fahrlässig daS Leben der Seelente anfs Spiel setzt, muß er auch hastbar sein. Durch Spruch deS Secamts kann nianchnial festgestellt werden, daß ein i'kapitäi, vorsätzlich de» Unfall herbeigeführt hat, während ein strafgcricht- lichcr Unfall nicht ergeben kam,. wenn der Schuldige dabei umS Leben gekommen ist. Ich bitte un, Annahme»nsrcS Antrags. Ter Antrag wird hieraus abgelehnt,§ 109 unverändert in der LioinniissioiiSfassuna angenommr«. Ebenso der Rest deS Gesetzes. Ferner liegt folgende Resolution der Korn« Mission vor: Die verbündeten Megierungen mögen in Erwägungen darüber eintreten, oh und in welcher Weise für die in den Schutzgebieten deS Deutschen Reichs oder sonst im Ausland in deutschen Betrieben beschäftigten deutschen Betriebsbeamten und Arbeiter eine Unfall- Versicherung einzuführen ist. Die Resolution lvird debattelos a na e n o m m e n. Hierauf vertagt sich das HanS. Nächste Sitzung. Mittwoch 1 Uhr. <3. Beratung des Gesetzes betr. die militärische Strafrechts- pflege in lUautscholi..Rechnungssachen, Nachtragsetat. Gesetz, betr. Nnfallfiirsorgc für Gefangene.) Abg. Rickcrt lfrs. Vi.)(zur Geschäftsordnung): Ich wollte nur nur die Frage erlauben,' wie es mit den Dispositionen in Bezug auf das Miinzgefetz steht. Meine Freunde sind der Meinung, daß die baldige Erledigung dieser äußerst wichtigen Vorlage dringend wünschenswert ist,' und da die Beratung derselben wohl nicht lange Zeit in Anspruch nehmen wird(lebhafter Widerspruch rechts), so würde ich bitten, auch das Münzgesetz morgen zur Beratung zu stellen. Präs. Graf Ballestrem: Die Rufe ans dem Hause werden den Herrn Vorredner sckioi, davon überzeugt haben, daß seine Auffassung, die Beratung des MünzgesetzeS werde schnell erledigt werde», eine irrtümliche ist. AnS diesen, Grunde ist es wohl nicht angebracht, auch diese Vorlage morgen„och zur Beratung zu stellen. Im übrigen bin auch ich von der Wichtigkeit dieser Vorlage über- zeugt und habe die Absicht, sie sobald sich ei» passeudcr Moment findet— und ich glaube, er wird sich finden— auf die Tages- ordnung zu setzen. Schluß der Sitzung SV« Uhr. BSItlermizSIibersicht vom 13. Mai 1900, morflciie SUBr. Statiolie« 11 13 7 Swine,»de HtMibiira FraiNf.M. AiNiicheu Wie» Wetter-Broanole für Mittwoch, de» 18. Mai 1990. Ein wenig war», er, zeitweise anftlamid, vorwiegend trübe mit geringen RtederschlSgen und frische» nördlichen Winden. Berliner W c t t e r b» r e a». teS : KS Mr de» Ynbalt der Inserate übernimmt die Redattio» dem Publik»!» gegenüber keinerlei Beraniwortiilig. DlzvÄtov. Mittwoch, d e» IS. M a i. rpernhani». Der Ring des Nibe- lungen. Götterdäunuernng. An- lang? Uhr. Echan spiel»ans. Die Tochter des EraSmus. Anfang'Vz Uhr. Deutsches. Untren."Vorher: Die Geschwister. Anfang 7'/, Mir. Lesstng. Der Pfarrer von Äirchfeld. Anfang?>/- Illir. Berliner. Berlin bei Nacht. An- sang 7>/z Mir. Neues. Das StifMilgSfest. Ansang 7V- Uhr. Residenz. Die Dame von Marl«. klnfaiig 7>/, UKr. Westen. Die Geisha. Anfang ?>/, Uhr. Echt>i er. Niobo. Hierauf: Der Diener zweier Herr». Anfang 15 Uhr. Thalia. Wie„»an Männer fesselt. Ansang?,/„ Uhr. Suise». Ihr Pathe. Anfang 8 Uhr. tzieutral. Berlin nach Elf. Ansang 8 Uhr. Belle Ztliianee. Geschlosiett. Victoria. An, Rande des Abgrunds. Anfang 8 Uhr. griedrich> Wllhelmstädtifche». Jockos Abenteuer. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Deutschlands Er- Hebung„»d Einiguiig im lv. Jahrhundert. Anfang?»/., Uhr. Mctropol. Spccialitälenvorfteslinig. Der Zauberer au, Nil. Anfang « Uhr. Apoll». Spccialiiälc»- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang 8 Uhr. Palast. Special», iie»- Vorstellnng. Eine alle Geschichte. Ansang 8 Uhr. ReichShallen. Sletiiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Pastage- Panopilkttltt. Spcclali- lälcu-Vorftellliilg. Nr,>ni». Jiivalideustr. 577«W. Säglich»bends von ü— II) Uhr: Liennvarie.. Tnnbensiraste 48/40. Abends 8 Uhr(im Theatersaal):„Bon den Alpen zun» Vesuv'. Ui'snis Im l'bsater»denäs 8 übr: „Von den Alpen zum Vesnv", InvallelciiMU-. 57/9*: Stern waifto. N»ohmHt«o» 6—10 Uli,'._ "Fassage-Panopticuni; Riesen und Zwerge. 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. Passage-Theater: VorataUung von 7—10'/. Uhr. ASTANS"" PANOPTICÜM fricdriohMtr. 165. Orösita Sehenswürdigkeit der Resideul Hau I illr. Bob ort s, der nCU. erste Zauberkünstl, und Illusionist der Welt! Hanf Die Bückeburger, ® U i humoristisches Sänger, und Konzert-Ensemble. Enlree SO Pf. Kinder u. Militär ohne Charge mr«5 er. im Hlßtropol-Iliiatfir. Dchrcnstr. 55/57. Direktion R. Schultz Telephon I Sßgr- Um 9 Uhr 10 Mm.!-P Der gi'U«Htn Operetten Erfolg der letzten* Jaiiro. DerZauteraini. Burleske AuSstattmigS-Operette sowie llgg neue ei'Ltls�igk IVIiii-LpklZisIilgtön-l'l'ogi'klmm Anfang täglich 8 Uhr(mich Sonntags). Rauchen Überall gestattet. LchillkrThtiittl' lWallucr-Tlheaier). Mittwoch, abends 8 Uhr: Ailode. Schwank ila-ii Harra u. E. A. Panlton in Z Aiifziigei, v. Oskar Blnmenthak Hieraus: Der Diener zweier Hes're» vustspiel i» Ö Akten v. Earlo Goldoni Donners tag, abends 8 Uhr Der zerbrochene Krng. Hieraus: Ainphitryon. Freitag, abends 8 Uh r: �llohe. Hierauf: Der Dlener zweier Herren. Erntral Dlivater Direklion: Joii Fsrenciy. Ächtisktilkr LchM! S®r Anfang S Uhr."WS Berlin na Elf. Gr. Posse in glänzender Ausstattung Tie s e n s a t i o n c l l e n Schlager: EUenbnUn- Quartett! Cordula! Lebeuslanf einer»ünstlcri»! jkafxiig der l'nrfnni». (Blendendes Ballett.) Morgen u. solgend« Tage: Perkß« «ach Elf. <«r. Fiautsnrterstraste lll*. Deiitslhlililds Erhebiiilg i!» 1!>. Jahrhilildert. Anfang 8 Uhr. Worzngsbillets habe» Gültigkeit. Vor und»ach der Vorstellung: DW- Erel.Zcoiizert."Wtzg Anfang 7 Uhr. Morgen: DieiAbe BorsteNiing. Sonntag: Ä»t Garten: _ Spreialitlite» und IM- Tliratrr-Borftcllnng."Mk Sonnt, nz:(>»! Theater: It ni» Ilten de Passe tu 4 Alien. Musik v. Picwr Roger. Hauptrollen: Aiune Dirlcns, Elise Kranu», Ioh. Iniiker-Zchai». Elten Roland, Rcinhoid SSellhok, Honuaim Haaek, Albert ttsthne. Anfang?>/, Ubr. Morgen uud folgende Tage: ZÄie man Männer fesselt. gelle-aillavee-sdeateP'. Heute geschlossen. Donnerstag, den 17. Mai: Gaslspiel:(ntemationele Urania, ijiim erstenmal: Bis mi tfiiHk Ar Sifit. Eni Schauspiel der Natur in la Bilder» und einem Prolog von Wilhelm Mcner. Kpollli-Itiestki'. Nur »och wellige Tage: Im keiclie stsz Indra. Kasselleröffnung 7 Uhr. Garten• Konzert 5V, Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf von 10—1 Uhr im Theater sowie im Jnvalidendank und Aünstlerdank. Vietoritt-Itieatei'. Aleranderplatz. Gastspiel- Enlciuble(Valden.Jordan. Ilm RlUlde des MgriM. Volkeschauspiel in 4 Akten o. R. Elcho. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Kurfm-sten- Damm. Jetzt geöffnet. I m grösste ScliausteHuDg der Erde. Nnr auf 26 Tage. Grossarliacs internationales Vergiiiigniiji- Ktabllssemeut In Anioriha begründet. 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Socialdemokratischer Wahlverem für den 6. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Zu der am Sonntag, den SO. Mai, mittags 1 Uhr. stattfindenden Torstellmiff in der„Urania" sind noch BtllctS bei Hcrfmann, Putbuserstr. 45. 247/8 Abendroth, Badstr. 4S, Bacbgänger, Swinemünderstr. 34 zu haben. Der Vorstand. Deutsch. IVIetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bnrcan: Engel-User 15, Zimmer!— 5. Fernsprechert Zlmt VII, 353. Mittwoch, den 4«. Mai 1000. abends«V- Uhr: Ve r s a m in I u n«x im Lokale des Herr» Bensei, Jnbalidenstr. 4a. Tagcs-Ördnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten A. Agster Wer:„Der Docialismus und die Kunst." 2. DtSkussion. 3. Neuwahl der Bezirksleitung. 4. Verbandsaugelegenheiten. 113/1 Zu dieser ffietfammtung sind speeiell eingeladen die Kollegen der Firmen: l.antenseI»lUger, Behllcb, F. F. A. Schnlze, Schwartz- kopff, Schmidt& Jttcdickc, Hoppe, Gebhardt. Am Himnielfahrtstag, den 24. Mai, machen die Kollegen des Nordens eine Hcrrenpartie. Abfahrt vom Stettiner Bahnhof 5 Uhr 33 Minuten. Für Nachzügler v Uhr 40 Mi». Trefspuntt„Elysinm" in Bernau. ZWf" Die Kollegen dcS Ostens machen am HimmelfahrtSiag. den 24. Mai, eine Herrenpartte nach Frkner. Treffpunlt: Morgens 7-/. Uhr, Schlesifcher Bahnhof. Eingang Madäistraßc. Für Nachzügler: Uhr, DaiupfeliAnlegestelle ErlneyRüderSdorfer Schleuse. Die Drtsverwaltung. Köpenick! Köpenick! Freitag, den 18. Mai 10OO. abends 8 Uhr: Orffe«!! GwerlisWtsverslimmlmg im Lokale des Herrn Klein(Ztadt-Theatcr). Tages- Ordnung: 1. Vortrag des ReschStags-Abgcordneten Fritz �nbeil über„Sociale Gefetzgcblmg". 2. DiSttlssion. 8. Stellungnahme zur Wahl deS Kartell- Obnianns. 4. Verschiedenes. 203/8 Der wichtige» Tagesordnung wegen, ist zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Einbcrnfer. Verein sotialdemokratischer Gas- und Schaukwirte Verliks und Umgegend. � Tersammlunsi: öl., nachmittag« SV, Uhr. beim Kollegen B Freitag. (tharlottenburg, Wallstr. 34. T a g e s- O r d n u n g: ez-e»', UlKarinttvni»nrK? Donnerstag, den 17. Mai er., abends WO Uhr, in der Gambrinus-Brauerei, Wallstr. 94: V e v s A m in l u n g des Socialdemokrattschen Mahlverelns für TeltSV- BeeskoV-StorkoV-Eharlottenburg. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen StrObcI übcrr„Das Liebäugeln der bürgerlichen Nationalvkonomen mit der Arbeiterbewegung." Korreferent: Guiossc Dr. Conrad Schmidt. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenbeite». 230/8 Zur Verteilung gelangt die Broschüre„An der Jahrhundertwende" für die Mitglieder, die dieselbe noch nicht erhielten. NichtMitglieder als Gäste sehr willkommen! Recht zahlreichen Besuch erwartet___ Der Vorstand. AMlttlg! Kixdorf. AchtlMg! Donnerstag, de» 17. Mai er., abends S'/z Uhr: Grotze öffentliche Proteft-Berf animlnng für Männer und, Frauen in liankners Festsälen, Bergstr. 131. 1034b Tagesordnung: 1. Die Ausweisung deS Cigarrenarbeiterö O s I a r W i h l e aus Rirdorf. Referent: Fritz Dempwolf. 2. Dislussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Der sSinderiiser. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Mittwoch, abends 8'/: Uhr, im Gewerkschaftshans, Gngel-Ufer Nr. IS: VmWllU SWlüelsös Ms««Wi»ies. Tages-Ordnung: Unsre Agitation in den Branchen. Die Forderungen der Bodenleger. Bericht über die Tarifverhandlungen der Einsetzer. Die Lohnbewegung der Stellmacher. Bericht vom Berbandstag. 89/12 Jede Werkstatt mujj vertreten sein. Vertranensmävnerkarte nebst Wer itimi giert. Die Ortsvcrwaltnng. Irandsbuch legitn Äcdinng, knrkeiidoäenieger! Donnerstag. den 17. d. M. haus, abends 8 Uhr, tu dem GewertsrhaftZ- Engel-Ufer 15: DM' Vevs-anttttlung."WZ T a g e s- O r d n u Ii g: � 1. Vortrag. 2. Die Belaimtgabe des LommisiioirsScschluiiiL. 3. Vu, schiedenes. Es ist Pflicht, daß sämtliche Parletibodenleger Berlins und Umgegend zur Stelle sind.___ Die Kommission. Achtung! Blgurer. Achtung! Donnerstag, den 17. Mai er., abends 8 Uhr: Ore! grosse Mitglieder-Versammlongen des Manrer-Uerdandes 1. für den Westen und Süden: in Goßmanns Festsälen, Krenzbergstraße 48, 2. für den Süd-Osten und Osten: im Uereinstzaus„Snd-Ost", Maldemarstr. 75, S. für den Norden und Nord-Osten: im Kokale Meyder, Schönhauser Allee 28. Tages-Ordnung: Bortrag, Dtsknsston und Gewerkschaftliches. 137/11 Um recht zahlreichen Besuch bittet_ Die Verbandsleltmig. Pf" Achtmig! We Donnerstag, den 17. d. Mtö., abends 8'/2 Uhr: im„Gewei�schaftshause", Engel-Ufer 1» Oeffentliche Bersammlnng Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht unires Delegierten von der Gewerlschafts- komniifsion und Neuwahl. 3. Bericht»nsres Gewerbegerichrs-Beisitzers. 4. Verschiedenes. 1�7/9 Um zahlreichen Besuch bittet Die Slaitationskommissio» der Provinz Brandenburg. 19. Mai. 4ö4SL« Wem zum Ausschank sehr geeignet! süss, rot, wie Portwein,* ausgezeichnet im Ccschmack, garantiert rein, lOLtr. M. 7,—, 100 Ltr. 05,—, Oxhoft M. liJO,— Eugen HenmannÄCo., Beriini�H�n�nnsS: Vorliinfige Anzeige! Hiermit die gest. Anzeige, das! ich am Eonnabend, den in meinem Hause Rixilorf, Hermannstrasse No. 40 eine Rind- und Schweine- Schlächterei eröffne. ES wird mein Bestreben fei», durch gute Ware zu soliden Preisen mir daS Vertrauen meiner geehrten Nachbarschaft zu erwerben. . Qustav Schmiedel, SchläWrmeister, _ Hermannstrasse Vo. 40.___ Ale$11 ImWMilhkeiten und Versammlungen zu vergeben. Scholz, 43421.» «r. Fraukkitrterstr. 74. Nililir- Haut-. Harn-«. Blasenleide»,! Frauen Krankheit., heilt sicher otme BeruiSstorung. s3978stsb R lVllllllpI' vfi! w est denstr.151/1 1 . HtUJIlCl,(fv-, Wallstrnize 23.) 9-2, 5-9, Sonntags 9-2. u Trinkt Goldklares Weissbier m I Vortrag nnficS Syndilns Dr. Schöp« über:„Die neuesten Polizei- besetze". 2. Disttisston. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes (Beschlnstsagung über unser Stislungssest.) 09/7 Um zahlrelches Erscheinen ersucht __ Der Vorstand. I. A.: k»«Iln»nä rwalä. �_ Arbeiter-lladfabrei*. Freitag, den 18. d. M., abendS 8 Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Engel-Nfer 15: AW- Oeffentliche Veefslnmlung. T a g e S- v r.d n u n g: 1. Vortrag des Reichötags-Abgeordnelen Zl. Baudert Über:„Sportübungen" und der Arbeiter-Radfahrer- Bund„Solidarität". 2. Diokussio». 3. Verschiedenes.>1/16 Recht zahlreichen Besuch erwartet Dor Vertrancnsmann. aus der Weiftbier-Brauervi„Friedrichstadt" »knlRn« Mevstierf, Meue Königsirasse No. WZ. ES ist das beste Weihbier.— Verfälschung«»möglich! Zlusschank-Lokale: biehalt»!«, Fränkfurtcrstr. 5. Haass, Fraillfurter SKlcc 10!). Pfaatsch, THaerftrabe 34. Schupp, Neue jlöiugsl raste 36. Schmidt, Am FrievrichsHain 3l. Bitipnick, Schillingstr. 30a. Hrdjrer,'Audreasstr. 44. IVeikisch, Alexanderstr. 24. Fwald, Schvnleüistr. 6. Knnz. 0>röbcn-Ufer I. Schul», Liibbenerstr. 16. Uroltkreat», Prinzenstr. 44. Dörpe«, Wallstr. 2. Dietrich. Jerllsalemersir. 11/12.<4ieboke, Alte Ialabstr. 55. Link, Wrangelstr. 96. 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N»i soCBilt«)! litt 03692 stall 93637. 19. Ziehung d. 4, Klasse 202.Kgl.Prellh.Lottme. Ziehu», vom IS. Mai 1900,»achmittaiis. Nur die Temkne über SSO Mark find den deiiestende» Diummetn in Klalnmera diigejüzt. (Ohne Gewähr.) 198 266 739 83 89 98 93« 58 1059 173 84 478 644 555 2147 209<67(300) 606 60 3116 65 239 320 94(3000) 720(500) 40 820 4061 79 82 167 73 251 371 95 622 57 5) 932-6618(3000) 355 «31 0005 330(500) 529 619 747 95 993 7323 511 629 58 863 923 «035 37(3)0) 106 55 92 96 553 713 822 917 52 88 89 005« 92 119 55 80 205 55 487 658 83 750 I 101-50[1000] 468 79 815 64(500) 82 11015 53 124 95 (500) 2-52 71(300) 415 527[3000]«17 65 738 890 946 72 12005 63 100 364 92 96 538 832 13(05 47 152 287 95 346<61 532 657 767 862 016 14224 339<09 21 572 80«57 985 15015 228 312<35 88 92 500 63 793 850 912 10)11 56 SM 445 91 727 838 1 7063 115 376 412 666 731 804«S 18010 35 70(300) 106 41 dOOO] 98 245 330 77 79 406 537 61 703 12 30 838 91 930 83 10075 160 75 97 258 420 62 612(10)0) 79 780 I 20013 287 349 79 88 406 68 530(506) 60« 803(IS OOO) 947 21033 34 60 62 322<23 505«40 903 23631[3000] 68 320 (10 OOO) 184 524 731 55(3000) 859 72 961 23073 94 205 71 «7 313 61 492 584 85 93 602 1300] 29 2 4056 123 292 313 20 486 853 943 25116 18 19 268 89<28 67 70 621 52 95 20168(»OOO] 73 201 749»7u1d 89 221 26 30<29 768 686 945 73 86(1000) 38074 279 446 619 824 900(300) 31 20030 186 219 387 539 .38 873 1 300(3 353«13 27 91 31027 29 135 840 32407 64(500) 537 80[30001 781 33X21 60 204 23 44(3000) 472 559 764 869 930 34106 6! 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Mi'Wv. IL MMtag des Celltralverbands llkd Berussgellosse». er Brauer Dresden. 11. Mm. Zur Verhandlung steht die Frage der T a r i f g e m e i n s ch a f t. Wählend der Referent Wiehls- Hannover dem Abschluß lokaler Tarife sympathisch gegenübersteht, lehnte der Korreferent S t ö ck e i n Leipzig solche Vereinbarungen ab. Er befürchtet, daß die Organi sniioii dann zum reinen Unterstützungsvercin herabsinke.' Ein Beschluß wurde nicht gefaßt und auch' von einer Diskussion ab gesehen. Ueber mehrere Anträge, den Namen des Verbands zu ändern, geht man zur Tagesordnung über. Ein Antrag, der eine lebhafte Debatte gezeitigt hatte, die iveiblichen Hilfsarbeiter jetzt auch in den Verband aufzunehmen, wird mit großer Majorität angenommen. Hierauf tritt der Verbandstag iii die Beratung der Beitrags- frage ein. Hierzu liegen ons 24 Orten Anträge vor, welche e'ine Beitragserhöhung fordern.(Jetziger Beitrag monatlich 1 Mark.) Bei Beginn der Debatte sind bereits 34 Redner eingezeichnet. Von ver- schiedenen Seiten wird konstatiert, daß der Verband � durch die Einführung der Unterstützung keinen Nutzen, sondern Schaden gehabt habe, da man bereits in zwei Jahren 2000 M. mehr ausgegeben habe, wie veranschlagt war. Die Frage, ob überhaupt die Beiträge erhöht werden sollen, wird nach Schluß der Debatte hierauf'in namentlichcr Abstimmung mit 28 gegen 15 Stimmen verneint. Ter Beitrag für lvcibliche Mitglieder wird nun auf 00 Pf. monatlich festgesetzt. Die zu zahlende Unterstüitziing beträgt die Hälfte der der niännlicheit Mitglieder. Darauf wird beschlostcn. daß wiederholt eintretende Mitglieder 3 M. Eintrittsgeld zu eut- richten haben. Eine mehr wie dreimalige Neuaufnahme ist nicht statthaft. Der nunmehr beginnenden Debatte über die UnterstützinigSfragc geht eine heftige Geschüflsoldnnngs-Disknssion voraus, die daniit endet, daß man in eine Specialdislussion eintritt, wo man zunächst die Karenzzeit derjenigen Mitglieder, welche von einem andern Verein übertreten, ans 3 Monate(anstatt« Monate) ermäßigt. Ferner sollen Wöchnerinnen keine Unterstützung erhalten. Die Unterstützung bleibt sodann laut Beschluß in der bisherigen Höhe bestehen. Dresden. 12. Mai 1000. Müller-Zwickau giebt den Bericht der Kommission über den Entwurf des Gaureglements. Letzterer bestimmt, daß zur Regelung der Agitation ein Ganvorstand bestehend ans fünf Personen, durch Urabstimmung der betresteudeii Zahlstellen gewählt wird, und daß dafür pro Mitglied und Woche ein Beitrag von 5 Pf. zu zahlen ist. Der Entwurf ivird mit großer Mehrheit angenommen. Zum Strcikrcglcmcut Ivird beantragt, daß, sobald ein Streik be- endet ist, den Betreffenden nur noch die einfache Arbeitslosen-Untcr- slützung zusteht; ferner, daß lcdige Streikende mindestens nach vier- zehn Tagen abzureisen haben, soivie daß keine Zahlstelle mehr Streit- Unterstützung zahlen dürfe, wie im Statut vorgesehen. Alle Anträge werden angenommen. Ein weiterer Antrag, Ivonach bei jeder Lohn- bewegung der Hauptvorstand sich an Ort und Stelle über die Durch- sührbarkeit persönlich zu erkundigen habe, wird ebenfalls angenonnnr». Ein Antrag Thierer-Stuttgart verlangt, daß die Wahlen zum Gewerkschaftskongreß stets durch die Urabstimmung zu erfolgen haben. Dem wird zugestimmt. Das so abgcäudcrte Statut tritt auf Beschluß am 1. Juli in Kraft. Damit sind die Anträge erledigt. Es wird darauf beschlossen, den Houptvorstand in Hannover, den Ausschuß in Berlin, die Rcchtsfchntzkomniission in Franlfnrt a. M. und die Preßkommiisio» in Hannover zu belassen.> Die bisherigen Verbandsbeamicu werden per Acclaniation wieder gewählt. Das Gehalt jedes Beamten wird um 200 M. erhöht. Ein weiterer Antrag verlangt, den Beamten jährlich einen Urlaub z» gewähren. Auch das wird bewilligt. Der nächste Verbandstag soll 1002 in Hamburg stattfinden. Hiermit sind die Arbeiten dcS Verbands- tags erledigt. Nomnruncrles. Auf der Tagesordnung für die Sitzung der Stadt- derorducteu-Versamnllnng um Donnerstag, den 17. Mai d. I.. stehen folgende Punkte: Antrag von Mitgliedern der Betsammlung. betr. die der G r o ß e n Berliner Straßenbahn behördlich bis 1940 erteilte Konzession.— Vorlagen, betreffend eine unvorhcr- gesehene Geldausgabe bei der Stadthaupikasse— den Ankauf zweier südwestlich von Schentendorf an der Chaussee von Rudow nach Schenkendorf belegenen Wcgcstreifen— die Bepflanzung und die Ilmwaiidlnng der sogenannten Wurzel- oder Rehbcrge imNorden Berlins in eine Parkanlage— die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über die Lage bczw.' Ncnregelnng des höheren und mittleren Schullv es enö in Berlin— und die erfolgte Bauabnahme dcS Neubaues des Kochschnl-Ge- bäudes auf dem Grundstück der IIS. und 186. Genicindeschulc. Gubenerstr. 51/52— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, schleunige Maßnahmen zur Vermnivernng der so überaus lästigen und auch ungesunden S l a n b e n l w i et- l u n g in den Straße» zu treffen— die Wahl des Stadtv. Heiniann von der ArbeitShaus-Verwaltung und der Stadtvv. Tr. Bülow und Schulze von der Waisenvcrwaltlnig in das Plenum der Armen- direktion— die Verlängerung der mit den Kreieansschüssen der Kreise Niederbarnnn und Teltow im Jahre 1L86 abgeschlossenen Ver- gleiche über die Veranlagung der in den genannten Kreisen be- iegenen städtischen Riesclgnter zur Kreis- Einkommensteuer— den Etat für die Verwaltung des städtischen A b l a d e w e s e n s für das Etatsjahr 1900._ Toknles. Ueber die beanstandete Wahl im fünften Berliner Reichstags-Wahlkrrise berichtet die.Freisinnige Zeitung- folgendes: „Die Socialdemokratie hat in ihrem Protest behanptet, daß im 412. Abslimmungobezirk der Wahlvorsteher. Herr Ehrenberg, die Wahlhandlung nicht eröffnet habe. Herr Ehrenberg erinnert sich aber auf das bestimmteste, daß er selbst die Wahl eröffnet hat. Sämtliche Beisitzer sind in der Lage, dies zu bestätigen. Ebenso bestätigt dies der stellvertretende Vorsitzende Franke. Un- wahr ist es auch, daß eine entgegengesetzte Bekundung des Wahl- Vorstehers und seines Stellvertreters.schriftlich" vorliege und daß in einer freisinnigen Versammlung im Schützcnhanse im Beisein deS Dr. Zwick ausdrücklich festgestellt sei, der Wahlvorsteher habe die Wahlhandlung nicht eröffnet." Demgegenüber können wir uns auf mehrere Zeugen, Teil- nehmer der Versammlung im Schützenhause, berufen, die nberein- stimmend bekunden, daß in jener Versammlung auf eine Anfrage die Antwort vom Vorstandstisch lautete: Tie beiden Wahlvorsteher können sich nicht erinnern, die Wahlhandlung eröffnet zu haben. Die eidliche Vernehmung des im Wahlprotest genannten Zeugen wird gleichfalls zur Klärung des Streitpnnlts beitragen, so daß wir ruhig die Erhebungen abwarten können. Die Erregung, mit der die.Freisinnige Zeitung" die Sache behandelt, steht im schlechten Verhältnis zu der Sicherheit ihrer Behauptung. Tie öffentlichen Lesehallen Berlins haben sich in den letzten Tagen wieder um zwei vermehrt. Am 10. bczw. am 14. Mai ist auf den.Gcmeiudejchul-Grmidsiückcn in der Wilms- bezw. in der Glogaucrstraße je eine städtische Lesehalle eröffnet worden. Beide befinden sich in zweckmäßig und behaglich ausgestatteten Räumen und bieten dem Besucher eine ziemlich reich-. «..n-....' Agu|| sowie eine Journale >WWWW>�W��>�WW�WWMWW>WausgewShlt. Mit beiden Hallen ist je eine der älteren Vollsbibliothcken vereinigt worden. Bei dieser Gelegenheit ist der Bücherbestand der betreffenden Bibliotheken erneuert und die Bcmitzuugszeit ausgedehnt worden. Städtische Lesehallen find nun bicr in Berlin vorhanden: außer den genannten noch zwei, die im Oktober 1896 bezw. im April 1898 in der Mohren- bczw. in der R a u e n ö st r a ß e eröffnet wurden. Daneben giebt es an unentgeltlich zu benutzenden, für Voll-- bildungszwccke in Betracht kommenden Lesehallen noch zwei, die aus privaten Mitteln errichtet sind: die Lesehalle der deutschen Gesell- schaft für e t h i s ch e Kultur in der N e u e n Schönhauser- st r a ß e seit Januar 1395 und die vom Stadtverordneten Hei« mann geschaffene in der Alexandrinenstraße seit Oktober 1899. Im ganzen sind also jetzt sechs öffentliche Lesehallen vorhanden. Das ist unendlich wenig für eine Stadt wie Berlin, aber wenn man sich erinnert, daß Berlin bis 1895 noch keine einzige Lesehalle dieser Art hatte, dann möchte man'S beinahe viel nennen. In der That, die Leschallcnsachc ist, nachdem erst einmal ein Anfang gemacht war, nach Berliner Begriffen überraschend schnell fortgeschritten. Die Forderung, die städtischen Volksbiblio- t h e k e n von Giimd auf zu reformieren und mit öffentlichen Lese- hallen zu verbinden, schien noch bis gegen die Mitte der 90 er Jahre recht ivcnig Aussicht auf Erfolg zu haben. Unsre Leser wissen, daß der.Vorwärts" diese Forderung immer und immer wieder erhoben hat. Der Beschluß der städtischen Behörden, eS mit einer ersten Lesehalle zu versuchen, kam dann ziemlich plötzlich. Ein ioefcntlicheZ Verdienst darum hat sich die Kommission für die Verwaltung der städtischen BolkSbibliolhckcn erworben und mit ihr der städtische Biblioihekar Dr. B n ch h o l tz. der unermüdlich für diesen Gedanken thätig gewesen ist und schon 1892 der Kommission eine bezügliche Denkschrift vorgelegt hat. Mitbestimmend für den Beschluß' der städtisckicii Behörden war auck, der llmsiand. daß der von der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" gemachte Versuch, wiewohl er mit durchaus un zureichen den Mitteln nntcrnomnicn wurde, den- noch gelungen war. weil man sich dabei von alten, längst Über- leblcn Grundsätzen losgemacht hatte. Hier war vor allem gezeigt worden, daß nicht gleich die Welt untergeht, wenn der Wunsch er- füllt wird, bei der Auswahl der Bücher, Journale und Zcittingcn sämtliche Richlnugcn— auch die s o c i a l i st i s ck c— zu berücksichtigen. Was damals bürgerlichen Kreisen nocki unerhört erfckncn— ein pädagogisches Fachblatl war uns nicht lange vorher noch mit der albernen Erwiderung gekommen, der„Vor- wärts" werde wohl erst dann mit den städlifchen VolkSbiblioihcken zufrieden fein, wenn sie iänitliche im Verlag de»„Vorwärts" er- Icheinenden Bücher cnthicltcu— das wurde bereits l�e Jahre später in der ersten städtischen Lesehalle in schüchternem Versuch und weitere l'/e Jahre später in der zweiten in größerem Umfange gewagt und gilt seitdem als selbstverständlich. Noch im Herbst dieses Jahres soll Berlin wiederum zwei neue städti s.chc Lei c ballen bekommen, und vier andre dcnkl man bis 1902 fertigzustellen, so daß wir dann bereits zehn städtische Lesehalle» hätten. Dieser erfreuliche äußere Fortsckiritt wird aber hoffentlich nicht vergessen niackien, daß auch an dem inneren Ausbau des städiifchcn Leschallcn-Wcicns wcilergcarbciiet werden muß. Die städtüchcn Lesehallen können in dieser Hinsicht noch manches von den privaten lernen, die beide ihre hejonderen Vorzüge haben. Die Halle der Dcntschcn Gesellschaft für ethische Kultur wird auch in den Mittagstunden offen gehalten, und die Hcimaunschc Halle, die' überhaupt in' vielen Punkten mniiergültig genannt zu werden verdient, zeichnet sich unter andcrm durch einen ganz aiißerordcuilichcn Reich« tum an I o n r n a l e u aller Art, sowie an G e w e r l s ch a f t s- blättern usw. au-. Gegenüber diesen Veraustaliungen von kommunaler wie von privater Seite Ivird sich manchem eine Frage aufdrängen, und wir bnttcn vor ein paar Tagen in der WiiinSstraße Gelegenheit, mit anzuhören, wie diele Frage zwischen zwei mir deö Schmie»» wegen gekommenen Bcsnckcrn der sogenannt«! besseren Stände allen Ernstes und mit niauchcm unmutigen Wort erörtert wurde. Werden denn diejenigen BcvölkcruugSkrcis«, an die bei der Errichiung von Lesehallen in erster Linie gedacht wird, nun endlich zufrieden sc!«? Wir glauben: u e i n. Wir glauben es, und wir wünschen cS! Wir wünschen, daß durch solche Pcrmistaltuiigcii die„Begehrlichkeit" der unbemittelten Bc- völkemug nur initiier mehr geweckt, daß das Verlangen der besitzlose» Klasse nach Bildung fort und fort ge« steigert werde. Wir würden niiS— im Vertrauen gciagr— sogar herzlich freuen, wenn das Wort, das der Arbeiterklasse von der bürgerlichen Klasse so oft mir Unrecht ins Gesicht geschleudert wird, mit Bezug ans die Lesehallen weiteste Berechtigung erlangte — das Wort:«Diese Leute kriegen nie genug!" Gcfangcncnbehandlmig. Im StrnfgcfängniS zu T e g e l verbüßt der Kimstnialer Professor Dvorak zur Zeit eine Strafe, zu der er wegen Unter- s ch l a g n n g, also wegen eines gemeinen, entehrenden Vergehens verurteilt worden ift DaS.Kleine Journal" veröffentlicht einiges über die Behandlung, die diesem Herrn in der sonst wegen ihrer Strenge bckanmcn Strafanstalt zu teil wird. ES heißt in der Mitteilung: „In„Klein-Dalldorf". demjenigen Gebäude der Tegeler Strafanstalt. in welchem das Lazarctl und die Jrvcustalioii nntergebracht sind, ist ein vollständiges Atelier für Professor Dvorak eingerichtet worden. Man hat zu diesem Zweck sogar einen Teil des Daches abgetragen und durch Glas er- setzt, um Oberlicht zu I ch a ff e n." Niemand wird dem Künstler ein Entgegenkommen, wie das hier geschilderte, mißgönnen. Es war durchaus korrekt gehandelt, daß man alles that, um Herrn Dvorak in einer Weife zu beschäftigen, die seinen Fähigkeiten entspricht, und die ihm in dein Berns, in dem er ehrlich fein Brot erwerben kann, auch nach der Entlassung das Fortkommen ermöglicht. Tie Herrn Dvorat zu teil gewordene Behandlung fordert aber doch zu einem Vergleich heraus. Sie kontrastiert zu sehr mit der Rücksichtslosigkeit, die an P r e ß s ü n d e r n und andern politischen Gefangenen geübt wird, also an Männern und auch Frauen, die sich nicht im geringsten der Handlungen, wegen der sie im Kerker schmachten, zu schämen haben, die ini Gegenteil auf die Strafe, die sie verbüßt, mit demselben Stolz blicken, wie der Soldat auf die Wunden, die er im Kriege erlitten. ES ist noch nicht bekannt geworden, daß diese Leute, die nach Anschauung weiter Kreise den Besten ihres Volkes zuzuzählen sind, anch nur entfernt so behandelt werden, wie der hier erwähnte Kunst- maler. In vielen Gefängnissen werden politische Gefangene zu Erbsen lese n. Korbflechten. Federreißen, Wolle- sortieren. Wergzupfen, Anfertigung von Vogel- b auern. Ta b ackripp en. Ka f f e e l e s'e n und andren, nicht allein mit ihrem Benif in keinerlei Zuiamnicnhang stehenden, sondeni auch zum Teil höchst unzuträglichen Arbeiten gezwungen. Ferner ist diesen Leinen, die es an Respekiabilität mit jedem preußischen Beamten aufnehmen können, zum Teil da» Tragen eigener Leibwäsche untersagt worden, ihnen wurde ferner in der Regel das Gesuch ab- geschlagen, Zeitungen ihrer oder einer andren Partei zu lesen und auf diese Weise sich für ihren schweren Beruf auch im Gefängnis auf dem Laufende» zu erhalten. Ja, als der ReichstagS-Abgcordnete Heine am 22. Februar vorigen Jahres eine Anzahl besonders schwerer Fälle von Gefangenenbehandlung im Reichstag aufzählte und u. a. erwähnte, daß einem Preßsünder das Gesuch, GoetheS Werke zu lesen, abgeschlagen worden sei, meinte der Staats- sekretär N ieb erd i'n g in seiner Entgegnung, daß es eine V er- spottnng der Gefängnisdirektion sei, wenn man ihr zumute, die Zelle in einen L e s e s a l o n zu berwandeln! So steht es in preußischen Gefängnissen um die Behandlung ehrenhafter Leute. Man vergleiche damit das Entgegen- kommen, das im Fall Dvorak einem' Mann zu teil wird, der wegen gemeiner Strafthatcn im Gefängnis sitzt. Ter anstößige Schwiiiimklub. In der Bade-Anstalt von Häseler an der R a t i b o rst r a ß e stvar seiUtoiehrereu Jahren der in Arbeiterkreisen wohlbekannte Schwimmklnb„Vorwärts" ständig zu Gast. Als der Vorstand des Klubs kürzlich wieder an Herrn Häseler herantrat, um mit ihm die Badcbcdingnugen zu ver- einbaren, erklärte der Besitzer, daß er bcdaure, den Klub in seiner Anstalt nicht mehr baden lassen zu können. Der Wimpel deS Klubs, der aus rotem, weiß eingefaßten Grunde den Namen „Vorwärts" trägt, habe Anstoß erregt, denn durch den Namen werde lnnd gcthan, daß die Klnbmiiglieder Socialdcmokraten seien. Ter Klub unterbreitete die seltsame Angelegenheit dem Vorstand des Arbeiter- Schwimmer b u n des. Herr Häseler wurde vom BuiidcSvorstand darauf aufmerksam ge- macht, daß etwa 95 Proz. seiner Badegäste ans Arbeiter- kreisen kommen. Dies gab der Besitzer anch zu, jedoch. erklärte er, am Bohkott des Schwimmklubs„Vorwärts" fest- halten müssen, denn ihm sei bedeutet worden, daß er andern- falls seine übrigen Gäste, die ans Schutzleuten und M i l i t ä r p e r s o ii e n vom Franz-Rcgiment bestehen, verlieren würde. Ohne Zweifel wird die Arbeiterschaft des Südostens nach diesem Vorgang Herrn Häseler gerne die Freude gönnen, mit den ihm genehmen Badegästen allein zu bleiden. Zur Frage der Müllabfuhr. Nach dem bestehenden Gemeinde- beschlnsse hat der MüNabfnhr-Untcrnehnier seine Ausgaben aus den Einnahmen zu decken, d. h. die Unkosten der Miill-Abladevlätze nebst Abfuhr von dort sollen in vollem Betrag von den Abfnhr-Unter- iichincrn bezahlt werden. In der gestrigen unter Vorsitz des Stadt- syndiknS Menbrink stattgehabten Sitzung der städtischen Straßen- reinigiingS-Depntation wurde nun festgestellt, daß bei den bisherige» Sätzen, ivelche die Untenichmcr zahlen, ein dauernder Zuschuß seitens der Stadt noiwendig ist, und es wurde beschlossen, die A b f n h r g e b ü h r von 2 M. auf 3 M. z u erhöhen. Vo»«den städtischen Gasanstalte». Der gestrige P riefe» verkauf in der Gasanstalt an der Danzigerstraße ging ohne schlimme Ueberraschuugen vor sich. Allerdings war nur uugcnügeiider Vorrat vorhanden; über ciucii Scheffel wurde nicht abgegeben,� und die zuletzt gekommenen Käufer mußten leer abziehen. Ferner siel cZ auf. daß das übliche Schutzmannsanfgebot fehlte und daß immer nur 10 bis 15 Leute zu gleicher Zeil durch die enge Gnadeupforte hindurchgelasicii wurden. Wie der„Berl. Ztg." berichtet wird, scheidet der Subdirektor der sindtischeii Gasaustaltcn. Herr Jahnke, am I.Juli an» dem Dienst der Stadt; an seine Stelle tritt Magistratsassessor Fürst. Herrn Jahnke ver- danlt cS die Bevölkeinng Berlins, daß die gesamte Eoaksprodnktion der Stadt den Großhändlern überlassen wird. Unter dieser unerhörten Maßnahme haben nicht nur die Verbraucher zu leiden, sondern anch zahlreiche Gewerbetreibende, speciell die Kohlenhändler und die Fuhr» leute, welche ihr Personal zum großen Teil entlassen müssen, da sie mangels Arbeitsgelcgeiihcil kaum noch das Futter für ihre Pferde verdienen. In einer an die Stadtvcrordneteii-Versaminlnng ge« richteten Petition sprechen die Beschwerdeführer die bestimmte Erwartung ans, daß Mittel und Wege gefunden werden, � solchen Mißständen für die Folge vorzubeugen. Der Petitionsausschuß soll sich demnächst mit dieser Angelegenheit beschäftigen; leider ist wenig Aussicht vorhanden. dem augenblicklichen Notstand abzuhelfen, denn die Großhändler werden ivie Shylock auf ihrcin Schein be- stehen. In der Konitier Mordsackie werden behördlicherseits neue Maßnahmen getroffen. Gestern erhielten die beiden Gerichtsphhsiei, Sanitätsrat Dr. Mitienzweig und Dr. Stürmer, die telegraphische Ansfordernng, so schleunigst als möglich nach Könitz abzureisen. lieber den Zweck der Ladung der beiden ärztlichen Sachverständigen ist in den Telegrammen nichts angegeben. Gegen das SlnSvcrkanfStveseu hat der Bund der Handel- und Gewerbetreibenden eine Resolution beschlossen, in der aus- geführt wird: DaS vom CeiitralanSschnß kansinännischer Vereine erstattete Gutachten, welches von einer Abnahme der Ansverkänfe spricht, sei nicht durch die Tbatsachen begründet. Die Versammelten wünschen zur Einschränkung des AiiSverkanfSnnwcsens und zum Schutz dcS reellen KaufmaimSstandes eine schleunige Acndcriing des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauicren Wettbewerbs. Tie Sicherheit in den hiesigen Herbergen läßt noch außer« ordentlich viel zu wünschen übrig. Es ist eine fast alltägliche Er- sÄeinnng, daß die reisenden Handwerker, die au solchen UnlerkniiftS- slätten einkehren, um das Letzte, was sie ans dem Körper lrngcn, de- stöhlen werden. Besonders schiver hatte der Wirker Karl Walter ans Apolda seine» Aufenthalt in der Bäckcrherbcrge Bergsir. 12 zu büßen. Ihm wurden in einer der letzten Nächte nicht allein samt« liche Papiere, sondern anch noch Hose und Weste gestohlen. Zum Glück hatte Walter ein paar Mark, die sein eigen waren, unter dem Kopslisjen versteckt; dies Geld ging natürlich durch den Ankauf von Kleidungsstücken zu Ende. Der Bcslohlcne bittet, die Papiere, wo sie vorgezeigt werden sollten, anzuhalten und sie entweder an die Polizeibehörde oder au Otto Onasl, Koppenstr. 65, einzusenden. Am 14., 15. und 10. Juli d. I findet in Ripdorf und Britz das I V. K r e i L- T n r n s e st d c s K r e i s e S I(Branden- b n r g) des A r b c i t e r- T u r n e r b n n d e s statt. Um da? Fest zn einem echt volkSiümlichen zu machen, ersucht der festgebcnde Verein, die„Freie Tnrncrschaft Rixdorf-Britz", die Arbeiterschaft Berlins und der Vororte um recht ausgiebige Unterstützimg. Da eine starke Beteiligimg der Turngenossen miS der Provinz zn er» ivnrien ist. so wird besonders an die Gasifrenndschnft der in den Festorten und dem Südosten Berlins wohnenden Genossen und Freunde der Tnnisache appelliert, um die nötige Zahl Nachtquartiere schaffen zn täimcn. Der für diesen Zweck eingesetzte WohnuiigSausscbnß ersucht daher alle die Freunde und Ge- Nossen, welche iii der Lage sind, auswärtige Turngenossen zu be- Herbergen, ihre entsprechenden Zusagen an die nachstehende Adresse senden zu wollen: Hugo Keil, lltixdorf, Hermann« straße 119, III. Außerdem liegen anch noch in vielen Arbeiter- verkehrslokalen Listen zum Einzeichnen aus. Als Opfer dcS NnteriichmcrterroriSmnS ist der Monteur E i S aus Berlin zu betrachten, über dessen Selbstmord die Blätter berichten: Eis war an einem Ausstände beteiligt gewesen und hatte vor einiger Zeit Berlin verlassen, um sich in Pillan Arbeit zu suchen, halte diese aber nicht eiiinial als Handlanger gefnnden. Aller Mittel entblößt. begab er sich zu Fuß nach Neuhäuser, wo er sich dem um 10 Uhr von Pillan abgegangenen Güterzuge entgcgenwarf. Er wurde überfahren und sein ganzer Unterkörper bis zur Brust hinauf entsetzlich verstümmelt. In seinem Uebcrzieher, den er kurz vor der That° abgelegt hatte, fand man einen Brief, in welchem der Bc- daucrnswcrte von seiner Mutter und seiner Braut Abschied nimmt. Mit Drillingen, einem Knaben und zwei Mädchen, ist der Lederarbeiter Arthur Zühlsdorf, Kastaiiien-Allee 29/30, von seiner Gattin beschenkt worden. Es war der erste Familienzuwachs. Das junge Paar lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen. Der Zustand der Mutter ist verhältnismäßig gut. Die Kinder sind ivohleullvickclt imd gesund. .. Die Leiche des Arbeiters Jordan, welcher. Wie gemeldet iiirdlgc eines in der Maschinenfabrik C. Hoppe, Gartenstr g— 12 erlittenen schweren Unfalls am letzten Freitag früh im Lazarus Krankenhanse gestorben ist, wurde auf Requisition der kgl. Staate anwaltschaft mir Beschlag belegt und nach dem Schauhause gebracht. Der Mann war in die Messer der von ihm bedienten Hobelmaschine geraten, wobei ihm die Bauchdecke buchstäblich in Stücke geschnitten und ein Hüftknochen herausgerissen wurde. Wem die Schuld an dem bbklageiistverten Unfall beizumessen ist. soll eine gerichtliche Unter suchiing klarstellen. Mit Cyankali vergiftete sich gestern abend der 25 Jahre alte Bankbeamte Hr. zur. Walter Schlesinger aus der Neuen Jakobstrahe lt. Der junge Mann, der aus einer reichen und an gesehenen, in Ocstreich ansässigen Familie stammt und in einem hiesigen Bankgeschäft angestellt war, wohnte in dem bezeichneten Hause mir ciiiein Kollegen zusamnicn. Gestern abend kam er NM 1>) Uhr nach Hause,. verlangte von der Wirtin Wasser und ging dann zu. Bett. Vlls sein Kollege einige Stunden später heimkehrte und ihn ansprach, crhictk er keine Antwort und fand ihn bei näherem Nach- lohen regungslos daliegen. Ein Arzt stellte fest, dah der junge Mann Chaickali geuommcn hatte und bereits tot war. Die Leiche wurde in das Schanhaus gebracht und der Nachlast des Verstorbenen bcschlag nahmr. Die Veranlassung zu dem Selbstmord ist noch nicht bekannt, Tr, Schlesinger soll sehr nervenkrank gewesen fein. Ctin Dpscr deck Coakökorbcs. Am CöakSofcn erstickt und verbrännt ist in der Nacht zu gestern der 53 Jahre alte Bauwächtcr Julius Timmler ans der Stcinmetzftr. 17. Ans dem Grundstück Hoheuzollernstr. 9/10 ist ein Neubau errichtet worden, zkl dessen Aus- trocküilng man Eoakskörbe verwendet. Die 5lältc der Nacht ver- anlastte nun de» Wächter, sich im Hintcrhaüse au eine» solchen Ofen zu setzeil. um sich zu wärmen. Dabei must er ciiigeschlafeii, betäubt iistS, erstickt sein. Gestern Morgen fanden ihn der Pfortner und Arbeiter leblos am Ofen liegen. An der linken Seite waren der Ober torper, der Arm und das Bein bereits stark angebrannt. Ein Arzt kontlte nur noch den Tod feststellcil. Mit dem Leben davonzukommen scheint der Amtsvorsteher £tto Snelhlage aus Woltersdorf, der, wie mitgeteilt wurde, am Sonnabend beim Probieren eines Revolvers eine» Schutz in den Iluterkiv erhielt. Die Kugel wurde noch am selbe» Abend im Kraukenhaus zu Britz durch eine» ärztlichen Eingriff aus der Wunde entfernt. Der Verletzte bcsiudet sich auf dem Wege der Besserung. Bei der Arbeit vcrnngliirkte gestern nachmittag auf einem Neubau in der Behrenstraste der 37 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Rothe aus der Berlinerstr. 120 zu Wilmersdorf. Er fiel über ein Breit und brach sich de» rechten Unterschenkel. Der Pcruiiglücktc wurde auf der Unfallstation XIII in der Kroneustraste verbunden ril>d dann mit einem Koppschen Rettungswagen nach sein ich Wohnung gebracht. Die Anfstellnng der Leinwaudzelte der Barnum-Gesellschaft halte gestern nachmittag eine große Menschenmenge nach dem Schauplatz am Knrfürstendaniin gelockt. Der Bau der luftige» Stadt durch die von Amerika herübergekommenen eignen Arbeiter des Instituts ging mit großer Schnelligkeit von statten; vorteilhast fiel die große Ruhe auf, mir der alle Arbeiten verrichtet wurden. Beim Schieben der beladcnen Wagen mid Heranschleppen der riiimeri erteil schlvcrcn Balken leisteten die großen Elefanten sehr gute Dienste. Theater. Jin Bietoria-Theater am Alcxanderplatz hat ein Gastspiel W a l d e n- J o r d a n begonnen. Die Gesellschaft diestr Herren soll offenbar von dem künstlerischen Btrmögen der Bühne preußischer Kreisstädte ein Bild gebe», und sie könnte dies auch, wenn sie ihre Unzulänglichkeiten mit mehr Unvefangenhcit als geschehen, vortrüge. So aber hat die Sache etivaS Peinliches an sich. Gegeben wurde ein altehrwiirdiger Schmarren„Am Rande des Ab gruiids". Möglicherweise ist es der Gesellschaft vergönnt, sich am Alexanderplatz' ettvas einzuleben und dem ja gerade nicht verlvöhntc» Publikum jener vom Unglück arg mitgenommenen Bühne in einem midreii Suick zu genügen. Vorgestern war das Ensemble leider nicht «uf der Höhe. Die beiden Planeten Venus und Jupiter beherrschen jetzt den Abendhiiuniel. Stock bevor die Venus, die am 31. Mai in einer Erd ent'eruung von V8 Millionen«ilmueteru ihren größten Glänz erreicht, im Westen untergeht, steigt Jupiter mit seinen Monden über den Ost-Honzont. l'lm 30. Beohachlmigsäliend des„Vereins von Freunden der Treptow- Sternwarte", Mittwoch, den 16. Mai, sollen beide Planeten mit dem Riesen- Fernrohr beobachtet werde». Um 8 Uhr abends spricht Direktor Archen- hold unter Voriührung zahlreicher Lichtbilder über„Die Oberflächen� Erfcheimmgen der Venns und des Jupiter". Internationale Urania. Infolge der außerordentlichen technischen Schwierigkeiten, welche sich während der Proben ergeben haben, kann die Erösslinng der..Internationalen Urania" im„ Belle- A lliance Theater" erst am Donnerstag, den 15.6.®?., erfolgen. Wie bereits milgeierlt. gelangt zur. AusfiiHrung„Bis ans Ende der Well", ein Schau- Ipicl der Ralur in 12 Bildern lipo einem Prolog von M. Wilhelm Meyer. Aus de» Nachbarorten. In Lichtenberg spricht ReichstagSabg. Klees heut im Wahl- Verein bei Höflich. Jriedrichsfelde. Im Wahlverein bei Schulz, Priiizenallee tz. spricht Domicrstagabcnd v'/s Uhr Genosse Grcmpe über technische Fortschritte. Adleröhof. Donnerstag im Socialdemokratischcn.Arbeiter- Bildüngsvorein beiSchmanser, Bismarcksir. 16, Bortrag des Gcüössen K o tz k c. Die Schönobeiger Stadtverordneten-Versammlung erklärte sich am Montag dafür, daß der städtische A r b e i l S n a ch rv e i S an Sonn- n n ö Feiertage n bis ans lociteres geschloffen bleibe, da er seit seinem Bestehen an den betreffenden Tagen noch nicht in Anspruch geuommcn worden sei.— Die Nachbewilligmig von 20 000 M. für Asphalticrmig der F e n r i g st r a ß c wurde mit er- hcblichcr Mehrheit bewilligt, nachdem der erste Bürgermeister kon- statiert hatte, daß die' zu einem Ring zusammengeschlossene» A s p h a It f i rm e n eS abgelehnt haben, die Straße mit G n ß a S p h a l t zu versehen. Aus diesem Grunde müsse daselbst S t a m p f a s p h a l t verwendet werden. Offiziell müsse er erklären, d a ß f so lange jener Ring nicht die alten Preise wieder elnführe. v o n j e n e» F i r m c n a u ch nicht e in Ou adra imet er Pf l a st e r u n g a u s g e f ü h r t w e r d e n d ü r f e. Ter städtische Heilknrsns für stotternde Kinder, der vor kurzem in Schsneverg eingerichtet worden ist. hat jetzt seine erste Prüfung abgehalten, der Bürgermeister Dr. Gerhardt, Kreisschnl- inspektor Dr.»lob. die Mitglieder der Schnldcvutation und die vier Schulärzte beiwohnten. Der erste Kursus, an dem 9 Kinder teil- genommen haben, hat 3 Monate gedauert und zwar ist au jedem 'Schultalst nur 1 Stunde unterrichtet worden. Die Schüler wurden im Sprechen nud Lesen sowie im freien Vortrag von Gedickten ge- prüft und belviesen durch fließende, von jedem Stottern fast freie Sprachweise, daß dieser zunächst nur versuchsweise eingerichtete Kursus ein recht gutes Ergebnis gehabt hat. Einen Geriisteinfturz, bei dem glücklicherweise niemand ver- Arbeiter kamen eben vom Frühstück, um wieder aus We.k zu gehen, als mit einem gewaltigen Krach das ganze Gerüst nach einer Seite zusammenbrach. Das Gerüst war ansgebant von der Vereinigten Geriiit-Bau- und Leihnnstalt Jnnck n. Eo. in Charloltcribnrg. Nach Ansicht der Arbeiter soll ein Unbekannter aus Bosheit die Bolzen, welche das Gerüst zusammenhielten, gelöst haben, so daß der Firma an dem Unglück keine Schuld beizumessen ist Gevi�ks-Äeikung» Eine Teene aus Berlin bei Nacht fand gestern vor der 9. Sträftämmcr des Landgerichts I ein zur Warnung dieiicndcs Nachspiel. Als der Buchhalter Hofsmann, ein junger Mann, dem allseitig das beste Zeugnis gegeben wird, in der Nacht zum 16. Oktober v. I. das Sicchenschc BierhanS verlassen hatte und sich mit einem Freund die Friedrichstraße hinauf begab/ befanden sie sich in der Nähe der Dorothecnstraße plötzlich mitten in einem Menschen- knäuel, der von Sekunde zu Sekunde anwuchs. Ein übermütiger junger Mann, der auf dem Damm eine Unterhose gefunden hatte, machte sich einen Ulk daraus, dieselbe mit seinem Spazicrstock fort und fort in die Höhe zu werfen und erregte damit die Radau- lust der nächtlichen Müßiggänger, die jedesmal,' wenn die Hofe durch die Luft sauste, diesen großen Akt mit Johlen, Schreien und Pfeifen begleiteten. Die Situation wurde bald bedenklich, denn es waren bald 9—10 Sckntzlcnte zur Stelle, die die etwa 500 Köpfe starke Menschenmenge vergeblich zu meistern, suchten. Als dann der Rädelsführer verhaftet und abgeführt werden sollte, wurde man gegen die Schutzleute aggressiv. Es ertönten drohende Rufe, wie:„Haut die Blauen' tot„Werft sie mit Steinen usw., der Arrestaur wurde_ mehrfach den Beamten entrissen, ein Steimvurf traf statt des Schutzmanns den Rädelsführer. Nun mehr ertönte die Notpfeife, von allen Seiten stürmten Schutzleute herbei und eS ertönte wiederholt die Aufforderung zum Anseinander- gehen an die Excedentcn. Der Angeklagte war von seinem Freunde getrennt worden; während letzterer nach vorn gedrängt worden ivar. war er selbst in die Mitte des Knäuels geraten. Ein Wachtmeister nahm plötzlich ihn und einen andern jungen Mann fest, indem er behauptete, daß beide in seiner nächsten Nähe noch iveiter gejohlt und geschrien hätte», anstatt sich zu entfernen. Der Behauptung. des Angeklagten, daß er nur den Vornamen des von ihm getrennten Freundes mit„Ernst"! ansgcrnscn habe, ividcrsprach der Beamte ganz entschieden. Das nächtliche Äbcntcncr hatte die böse Folge, daß gegen die beiden jungen Leute Anklage auf Grund der ZZ IIa und 116 oes Strafgesetzbuchs, ill u f r u h r:c. erhoben wurde. Der andre Fest- genommene hat es vorgezogen, nach der Schweiz zu entfliehen, gegen den anwcscnden Angeklagten beantragte der Staatsanwalt das gesetzlich niedrigste Strafmaß in Höhe von sechs Monaten Ge ' ä n g u i s, wobei er sein Bedauern darüber ausdrückte, daß die hauptsächlichsten Störenfriede nicht in die Hände der Beamten ge- fallen seien. RechtSaiilvalt Dr. Schwindt meinte dagegen, daß ebenso ivie der Angeklagte jedermann täglich wider seinen Willen ans den Berliner Straßen in einen Auflarif hineingeraten könnte. 8 115 setze voraus, daß jemand unter Kenntnis des Zwecks einer Zusammenrottung an derselben teil nehme, was hier nicht der Fall sei; 8 116 treffe nicht zu, weil nicht nachgewiesen sei. daß der LIngeklagte die drei- malige Aufsördcrung der Beamten gehört habe. Er beantrage daher Freisprechung, eventuell aber kleine Geldstrafe.— Der Gerichtshof hielt gleichfalls den 8 115 nicht für anwendbar, war aber überzeugt� daß der Angeklagte die dreimalige Aufforderung, der er hätte Folge leisten miisien, gehört habe. Er wurde deshalb wegen Erregung eines Auflaufs zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Ein Unglücksfall, bei dem der Metallgießermeister Grober ein Auge einbüßte, wurde auf die Fahrlässigkeit des Kauf- manns Mickaelis F r e u d e n h e i m sowie des bei ihm angestellten Arbeiters Oskar W e y p r a ch i tz k y zurückgeführt, ivelchc gester» vor der neunten Strafkammer des Landgerichts 1 standen. Im April v. I. bezog Gruber von der Firma Freudenhcim einen größeren Posten sortierter M e s i i n g a b f ä l l c. Sll Gruber einen Teil des Metalls in einem Tiegel schmolz erfolgte eine Explosion. etwas von der flüssigen Masse wurde hinausgesckleudert und traf Gniber ins linke Auge, das total zerstört wurde. Unter den Messingabfällen hatte, sich eine g e- füllte Pakrone befunden und beim Durchsuchen der noch nicht geschmolzenen Abfälle wurden darin nock sechs Patrone» gefmidcn. Der erste Arbeiter bei Freudenheim, der Mitangeklagte Weyprachitzky hatte die Sortierer zu beaufsichtigen, er soll seine Aufgabe nicht ge ivissenhaft erfüllt haben. Einer der Sortierer bekundete, daß F r e n d e n h e i in ihn von der Arbeit abberufen habe, weil sie ihm zu lange dauere. Der schverständige begul achtete, daß Patronen sehr häufig in den Messingabfällen gefnnden würden, es sei fast unmöglich, dieselben beim Sortieren zu entdecken. Ihm selbst sei es während feiner 10jährigen Praxis wohl 10— 12inal be- gcgegnet, daß eine Patrone im Tiegel explodierte, zum Glück ohne Schaden anzurichten. Auf Grund dieses Gutachtens plaidierte der Verteidiger, Rechtsanwalt Freudenthal, für Frciiprechung beider Slngcklagten, während der Staatsanwalt gegen Frendenheim 300, gegen Wey- prachitzky 30 M. Geldstrafe beantragt hatte. Der Gericktshof sprach den letzteren frei, vernrteilte Freudenheim, der für die von ihm gelieferte Ware verantwortlich fei, zu 200 M. Geldstrafe Dumme Jungen. Das Landgericht!» Hall sWüritembergs verurteilte die I7jöhrigcn Gymnasiasten Teufel aus Nürnberg und Knntz ans Heidelberg, die sich am 6. März in Hall regelrecht duellierten, wobei Kuntz einen Streifschuß in die Brust erhielt, zu 4 beziehungsweise 3'/» Monate» Festungshaft. Vielleicht wäre in diesem Fall Zwangserziehung besser angebracht gewesen als die FesUliigsstrase, schmeichelt fühlen. durch die sich die Beugel vielleicht nur ge- VermWzkvs« Schneefall und Kälte im Mai. Unter der gegenwärtigen abnormen Kälte hat fast ganz Deutschland schwer zu leiden. Daß infolge der letzten Nachtfröste in der Umgegend Berlins der O b st k u l t u r ein ungeheurer Schaden zugefügt worden ist, haben wir bereits berichtet. Schlimmer Hoch sieht es anderswo aus. Ein starker S ch n e e f a l l in dcrNacht zu gestern wird aus Chemnitz gemeldet. Auch in Leipzig fiel gestern früh viel Schnee bei einer Temperatur von 2 Grad über Null. Ferner wird aus Stuttgart berichtet: Seit Tagesanbruch herrscht hier und in den benachbarten Orten ein starker, anhaltender Schneefall. An Obst- bäumen und Feldern ist ein erheblicher Schaden angerichtet worden. Aus verschiedenen Gegenden OestreichS werden ebenfalls heftige Schneefälle berichtet. In Trornau fiel gestern dichter Schnee, der infolge der herrschenden Kälte liegen blieb. Die Stadt bietet ein vollständiges Winterbild. Auch in Lemberg trat ziemlich heftiger Schneefall ein.— In Posen ist bei ziemlich starkem Schneefall die Temperatur gestern mittag auf i Grad über Null gesunken. In Landsberg a. W. sank das Thermometer in der Nacht zu gestern bis auf 5 Grad unter dem Gefrierpunkt. Die Blüten der Obst- bäume, die Triebe des Nußbaumes und der Weinstöcke waren er- sroren, ebenfalls die Gemüsepflanzen. Der Schaden ist niiberechenbar. In Quedlinburg herrschte ebenfalls strenger Nachtfrost. Die Kälte wirkt überall um so verderblicher,, als die unverhältnismäßige Hitze zu Anfang der vorigen Woche den Pflanzenwuchs überaus (fort gefördert hatte. lieber eiu schweres Eiseul-ahnuugliick imrd aus Demmin am Dienstag berichtet: Die E i s e u b a h n b r ü ck c über die Peenc in der Strecke Stralsund— Demmin ist unter der Maschine des Personenzugs 214 heute früh Site Uhr bei den Reparatur- arbeiten eingebrochen. Maschine und Tender liegen im Wasser, der Postwagen und ein Personenwagen stehen auf der eingesunkene» Brücke über Wasser. 1 Schlosser ist tot. 2 Schlosser P a ck m o i st c r und 1 Heizer sind verletzt. Reisende find nicht beschädigt. Hebung der„Titania". Die Reedereifirma W. KmistmanN Swine münde hat die Bergung des im Haff gesunkenen Dampfers„Titania" sowie die Bergung der Ladung desselben über- nommen. Bon dem Dämpfer, der bekanntlich onr 12. Februar dieses Jahres im pommerschen Haff durch starke Eismasieu erdrückt und zum Sinken gebracht wurde, ragen jetzt nur noch die Mastspitzen hervor. Dampfer„Titania" hat seil ca. 23 Jahren den Personen- und Postverkehr zwischen Stettin_mid Kopenhagen versehen. Wie verlautet, befindet sich in dem Schine außer andren wertvollen Gütern ein Telegraphenkabcl im Wert von 125 000 M. Wandlungen eines Haares. Die„Straßb. Post" schreibt am 11. Mai:„Das Schicksal der konservativen Regierung hing, im llnterhanse bei der großen Debatte des 4. Mai über die Sünden der britischen Heeresleitung beim Spionskop Ende Januar und die angeblich durch � gefälschte Depeschen gewagte Täuschung der öst'ent- lichen Meinung ä n c i n e m einzige n Ha a r. Aber dieses eine Haar wurde mittels einer kurzen, äußerst klugen Rede von Balfonr so behutsam und glücklich massiert, daß es s ch iv o l l wie ein Elefant" und schließlich zu eitzer unzer- störbarcn Regierungsmehrheit von 99 Stimmen— 215 Konservative gxgen 116 Liberale— wurde."— Es ist jedenfalls die größte bisher erlebte Leistung der Massage, durch eine Rede ein Haar erst in einen Elefanten und dann in eine Regierungsmehrheit zu verwandeln. Marktpreise von Berlin am 14. Mai I9U0 nach Eruiittlimgeu des tgl. Polizeipräsidiums. Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering Roggen, gut mittel„ gering Gerste, gut mittel ,. gerüig.„ Haser, gut mittel .. gering Richtstroh Sei, Erbsen Jpeisedohnen Linsen Produkteuinarkt 1520 j 15,14 15.08 >4.00 14,82 14,74 14.60 13,90 13,30 15,10 14,50 14,- 5,50 7,90 40,— 45,- 70,— vom 15,17 15,11 15,05 14,86 14,78 14,70 14.- 13,40 12,80 14,60 14,10 13,60 4,82 5,- 25,- 25,— 30,- Kcnlolfeln.nene.D-Ctr, Rindfleisch, Keule 1 kg do, Bauch„ Schlveinefleisch Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsch« Schleie Blei- Krebse 60 Ltiick lüg per Schock Am Getrei'deurarlt S,- 1,60 1,20 1,60 1,60 ' 1,60 2;60 3,60 2,20 2,80 2,60 2,20 1,60. i',20: 12,- 1,20 1,- I,— 1,— 1,- 220 1.20 1,40 1,- 1,20 0,80 1.40 0,80 3- 15. Mai 1900. herrichte Festigkeit infolge der ungünstigen Witterung, welche eine grotze Schädigung der Saaten und zwar aller, der Winter- und Sonunersaaten, herbeigeführt hat. Aus Brandenburg, Sachsen und Westpreutzen.lagen Raäirichten über starke Schneefälle bei einer Teuiperalur von 2 bis 4 Grad Reaumur vor. Der scharfe Ostwind dauert au. Äntzerdem sandte Amerika feste Preisineldnugen. Besonders fest lag der Käufuiarkt sür effektive Ware, wie auch für Liefenmgen. Mittags gingen die Getreidevreise von ihrem höchsten Stande leicht zurück, da die Preise an den Märkten Lestreich-Ungarns nicht in der vorausgesevten Weife gestiegen sind. Dadurch wurden die Ab- geber aus ihrer ansänglrchen Reserve herausgelockt, und, die Lieferungsprersc für Weizen und Roggen, welche bis IV, M. über gestern einsetzten, gaben M. wieder nach, so daß sich die Preise 1 M. höher als gestern stellten. Mehl war durchschnittlich 0.15 M. höher gefragt. In Haser und Mais war lein nennenswertes Geschäft. Rüböl zog 0,20 M. an. Weitere Preis- sleigeruugerr dieses Artikels wurden durch billigere Rapsprcise in Budapest verhindert— Spiritus loco unverändert. Eingegangene Trnckschrifte». Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 33. Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Vorn Hurrapatriotismus.— Friedrich Zllbert Lange und die kritische Philosophie tu ihren Beziehungen zum SocialiSUius. Von Nikolai Berdiajew. i Fortsetzung.)— Klassen riud Parteien in Italien. Von Dr. Jvanp« Bonomi. I.— Zurück aus Adam Smitb! Bon Rosa Luxemburg.— Notizen: Die soeialistifchcn Gewerkschasten Spaniens.— Litterarische Rundichau: Ludwig Gabillon, Tagebuchblatier. Don D. Bach. Dr. Walther Franke, Die Krankenpflegerin. Von Oda Olberg.— Feuilleton: Dem neuen Jahrtausend entgegen. Eine natzmvtssenfchastliche Umschau'von Dr. Friedrich Knauer.-(Fortsetzung.) Briefkasten der Redaktion. � Tic juristische Sprechsinubc findet Montag, Dienstag nnb Freitag von 7—9»hr abends statt. Wettende. Der Belchlufl. die Maifeier betreffend, ist 1889 vom inter- nationalen Pariser Kongreß gefaxt worden. Talke, lins unbefanitt- I. 2. Akt-Moabit 10. R. B. Fragen Sie im Zollamt in der AlcrmidriNciistrahe nahe bei der Oranicnstraße nach. Erbe. 1. Nein, der Erblasser kannle mit seinem Vermögen machen, was er wollte. 2. Ja, die Recherche ist erfolgt, um Bericht darüber zu er- statten, ob der Kirche und der Stadt die lömgliche Genehmigung zur Annahme der Erbschaft bedingungslos oder unter Bedingungen oder überhaupt nicht merlt werden solle.— Wertführer. Sie mühten Klage aus Aus- stellung des Zeugnisses beim Gewerbegericht erbeben.— C.<£. V. 50. 1. und 2. Nein. 3. Es genügt, das mit der NöllstreckbarkeitZklansel ver- sehene Urteil dem Gerichtsvollzieher zu übergeben—>. M. Nein. A. 01. 39. Ripdorf. Nur der Kutscher, nicht der Fnhrherr hastet.— Grnnberg 100. Solcher Antrag wäre unzulässig— M. ÄK. Ja.— N. 91. 100. Sie mühten zunächst bei dem Schredsitiann. in deffen Bezirk der Beleidiger wohnt, Sübneiermin beantragen rind dann die Beleidigungs- klage beim Amtsgericht I(Alt-Moabit 11/12) in drei Exemplaren einreichen. — Tischler. Tilsiter straste. Nein.— S.. Watdemarstrasic. An die Schuldcputation.— T. 1878. Ja.— Itcbung 100. 1. Die Uebuug befreit nicht von der Steuer/ 2. Sie können nur AendermrgeN im Pah•beantragen. Socialdeniokralischer Walilverein des 4. Berliner Keiclisfass-Walilkr.(S.-O.). Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Maurer LieopoM Weidner, am Herzschlag verstorben ist. Die Beerdigung sindct am Donncrs- tag, den 17. ds. MtS., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofs aus statt. Um zahlreiche Beleiligrmg ersucht Ter Borstand. Am Sonuabeno, den 12. dS. Mis, verstarb unier treues Mitglied KiKtav Neumann. Ehre seinem Anden ke». 242/18]___ Tor Porstand. Am Montag, den 14. Mai, abends 87, Uhr, entschlief nach langem, schweren Leiden, im eben vollendeten 45. Lebensjahre, mein innig geliebter, guter Mann, Pflegevater. Bruder, chwager und Onfel, der Gastwirt Ernst Roeske Stralanerplatz 21. Dies zeigt tiesbetrübt an JrmiPaulirie Roeske. geb. Bethge. Die Beerdigung ftndet am Freitag, den 18. Mar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Georgen Kirch- Hofs. Landsberger Allee, aus statt. '1 Am 14. verschied sanft nach langem Leiden meine liebe Frari[1146 Marie Rudolpii gxborene Kotzmann. Die Beerdigung findet am Donners- tagnachm ötzü Uhr vom Tranerhause, Hennsdors o. d.N, Albrechtstr. 3/4, statt. Ter trauernde Gatte nebst Kindern. Somldeiuokratischer Walilverein f. den 6. Berlinei Reielistags-Wahlkreis. Bcrichtignne. Den Parteiaenofieu zur• Nachricht, dah unser Mitglied, der Sckloffer ReiniioSsi RnderSf Husstteustrahe 42, Ouerg. 3 Tl., nicht von der Leichenhalle deS Himmel- fahcts-Knchb.,. sondern vom Hedwigs- Krorrtenhaus, Groste Hauibnrgcr- straste. aus und zwar Donnerstag. nachmittags um 3 Uhr. beerdigt werden wird., Zahlreiche Betciligmrg erwünscht. 247/9 Ter Borstand. Am 14. d. M. verstarb nach langem, schwerem Leiden unser lieber Bruder, der Schriftsetzer im 51. Lebensjahre. 10306 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Mai. nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Eentral-Fried- Hofs in Friedrichsseide auS start. Paul nud Earl Rocnsch. Für die herzliche Teilnahme bei dem so überaus schmerzlichen Verlust meines innigst geliebten Mannes und VaterS, des'Schloffers Otto Kasper, sagen wir allen Verwaridten, Freunden und Bekannten, sowie den geehrten Ebefs und Kollegen der Finna Lintz u. Eckert, und den Vereinen Rauch klub„Weihe Rvie-, Klub„Schabernack" und Lott'erieveretn �Hoffnung", unser» innigsten Dank 1047b Franziska Kasper nud Sohn Verantwortlicher Redaclcur: Paul John in Berlin. Für den Znierateiueil verantwortlich: Tb. Glocke irr Berlin. Druck und Vertag von Mar Pading u> Berlin.