Nr. 113. Abamlkmtnts-Kedingvnzen: «bonnementZ- Preis pränumirando: SZierleljährl. ZL0 Ml., monall. I.loMl.. iröchexllich 2S Pfg. frei in? Hau». Stiuelne Nummer 5 PIg. Sonntag?« Nummer mit illunncvter Sonntag»« Beilage.Tie Neue Will- 10 Pfg. Post- Ndonuemenl: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen tn der Post- Zeitung», Preisliste für 1S0U unter Nr. 7071. Unter ftreuzban» für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sur da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 17. Jahrg. Erscheint I-iglich nutzer»onUg». Devlinev VolKsblÄtt. Die Inftrtions-Grliühr titragt sür die s-chsgespaltene ffiotonef» jetle oder deren Raum so Pfg., sür politische und gewerlschastliche Verein?- und Versammlung«-An, eigen 20 Psg. „Kleine Knieigen" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag« in derSxpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und� Festtagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1203. Telegramm-Adresse: „Socialdrmostrat Srrlin» Csntralorgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. tSv8. Donnerstag, den 17. Mai 1900. Expedition: 19, Beuttz- Straße 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. S1S1. Die Lohnbewegung der Straßenbahn- Zlngestellten. Eine eigenartige Lohnbewegung, die bisher in der Berliner Arbeiterbewegung einzig dasteht, ist in ruhiger planmähiger Weise in Angriff genommen, und wenn nicht alle Berechnungen täuschen. dürste» wir in einigen Tagen vor der Thatsache stehen, datz unser gesamter Strabenbahnbetrieb plötzlich still steht. Was das für eine Grotzstadt wie Berlin bedeutet, bedarf nicht der näheren Schilde- rung. Wird die Gesellschaft durch ein billiges Entgegenkommen diese Katastrophe vermeiden? Wir glauben es nicht, denn die Gesellschaft hat bisher einen so beharrlichen Widerstand allen An- sprüchen an eine sociale Besserstellung ihrer Angestellten entgegen� gesetzt, daß ihre jetzt zur Schau getragene herablassende Freundlich feit, wo bereits die Wogen der Bewegung aufs höchste gestiegen sind, nicht genügt, die Ruhe wiederherzustellen. Der Nebel sind zu viele und der Zündstoff ist zu groß. Die Angestellten stellen keine hohen Anforderungen, die reiche Gesellschaft ist unzweifelhaft in der Lage, sie zu bewilligen. Diese Auffassung wird sogar bis weit in bürgerliche Kreise'geteilt: die Gesellschaft ist im Publikum so wenig beliebt, dasz selbst bisher in der bürgerlichen Preffe keine Entrüstung über die Lohnbewegung der Auge- stellten der Straßenbahn laut ivird, die wir sonst bei keinem Streik ver- niisjen. Sicherlich werden einige Blätter noch das Bersänmte nach- holen, aber immerhin ist es für die Stininiung gegen die Gesellschaft charakteristisch und eine Mahnung für die Direktion, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurde im Fccnpalast von den Angcstclltcit endgültig beftinimt, in ivelchcr Weise die Forderungen der Direktion unterbreitet werden sollen. Wer gegen ll Uhr des Nachts in die Nahe des Fecnpalastcs kam, der sah von allen Seiten Schaffner und Führer der Straßenbahn in ihrer Dienst- kleidinm scharenweise hcrznströmcn. Vor den EingangSlhüren des Fcenpalastes staute sich die Menge zu einem dichten Haufen, und mir nach und nach gelang es den Angekommenen das Innere de» Lokals zu betreten. Wer sich nickt dtixck seine Dienst kleidnng als Angestellter der Straßenbahn- Gesellschaft ans weifen konnte, erhielt keinen Zutritt, denn es galt, über die Forderungen, welche die Angestellten der Direktion vorlege» wollen, endgültig Beschluß zu fassen, und die Anordnung. daß jeder VcrsammItingSbesncher in Uniform zu erscheinen habe, hatte die Leitung der Bewegung deshalb getroffen, um von vom- herein jeden Zweifel darüber auszuschließen, ob die Teilnehmer der Vcrsammlinig auch wirklich im Dienst der Stratzcnbahn-Gcscllsckaft stehen. Schon um 11 Uhr, dem angezeigten Beginn der Ver- sanmtlung, waren Saal und Galerien des Fecnpalastcs fast voll- ständig gefüllt und doch fehlte noch die Menge derjenigen, welche durch ihren Dienst im Straßenbahnverkehr bis in die späten Nackt- stunden gefesselt find. Mit der Zeit tamcii auch diese nach und nach beran. In Kremser« und Droschken waren sie von den entfernten Bahnhöfen herbeigeeilt, um tcilzuncbmcn an der Bcrsammlung, wo Beschlüsse gefaßt werden sollten, die für die Verhältnisse der Ver- kehrSbediensteten von weittragender Bedeutung find. Als die Ver- sainmlnng kurz nach 12 Uhr ihren Anfang nahm, da ivarcn die weiten Räume bis in den äußersten Winkel der oberen Galerie bc- setzt. Die Zahl der Anwesenden kann ans 4andS der Handels-, Transport- und BcrkebrSarbcitcr. Er sagte, er»nisse zunächst auf ein heule in Unilauf gesetztes Gerückt eingehen, wonach die Direktion der Straßenbahn den Vertretern des Ceiiiralverbnnds der Handels-, Transport- und VerlehrSarbeitcr SO 000 M. zugesichert haben soll, wenn aus dem Streik nichts wird. Also eine Beschnkdigtstia deS heimtückischen Verrats. ES sei wohl nickt nötig, erst zn sagen, daß derartige Vcrdächti- gungen in jedem Fall gegen die Leiter einer Arbeiter- bcwogung anSgestrent werden, rmi dieselben in den Auge» der Beteiligten als vertranensnnwürdig hinznstellen.— Znin Thema des Referats übergehend, führte der Redner ans: Diese Ver- fainmkung ist ei» erfreuliches Zeichen dafür, daß die Angestellten der Straßenbahn, welche sich jahrelang die Bedrücknngc» seitens ihrer Arbeitgeber ruhig gefallen ließen, endlich eingesehen haben: Es gicbt außer Dienstthun und blindem Geborsam noch etwas, was man Menschenwürde iieniit.— Nack der Bcbaiiptitng der Direktion soll diese Bcivcgniig künstlich erzeugt sein durck Agitatoren, welche die Angestellten systematisch verhetzt haben. Wenn derartige Agitationen in die Reihen der Angestellten hineingetragen sind, dann ist es seitens der Direktion „nd der höheren Angrslellteii geschehen, die de», Personal eine Bc- Handlung zu teil wxrdeil ließen, ivelche Unzufriedenheit erzeugen mußte. Vor allen gehört der Ober< Belriebsinspektor Stavenow zu den Beamten, die die unteren Angestellten durch schroffes Benehmen „verbetzt" haben. Sagie dock Herr Stavenow erst kürzlich:»Aus dem Streik wird nichts, beim die Pollacken siird ja viel zu dumm zum Streiken!- Wir haben es nicht zu bedaner», daß Direktion und höhere Beamte eine derartige Agitation getrieben haben. Um so eber sind die Angestellten der Straßenbahn aus ihrer Gleichgültig- keit erwacht. Wenn ivir uns die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft näher betrachten, dann müssen wir sagen, das; dieses Verkehrsinstitut in erster Linie bestrebt ivar, die Tasche» der Ailionäre zu füllen auf Kosten deS fahrenden Publikums und der unteren Angestellte». Jahr für Jahr vermehrt sich der Gewinn dieser Gesell- 'chaft. Im Jahre 1ö98 erzielte sie bei einer Einnahnie von 18 612 710 M. einen Ueberschuß von 3 617 890 M., und im Jahre 1899 betrug die Einnahme 20 348 094 M.. der Ueberschuß S 434 809 Mark. Trotzdem, daß die Gesellschaft im Jahre 1899 infolge der elektrischen Einrichtung und des starken Schneefalls bedeutende Mehr- kosten hatte, war der Gewinn des Jahres 1899 höher als der des Vorjahres. Bei 10 Proz. Dividende und hohen Abschreibnngen könnte die Gesellschaft ohne Zweifel mehr sür die untere» Angestellten thun. Die höheren Angestellten iverdcn ja recht gut bezahlt. So wurden beispielsweise im Jahre 1899 an die Direktion und die Gesellschastsbcamten— wozu die Schaffner, Führer ic. nicht gerechnet iverden— Tantiemen in Höhe von 267 151 M. gezahlt, während der Anfsichtsrnt 131 936 M. Tantiemen erhielt. A n Tantiemen und Dividende zusammen ist im Jahre 1899 die Summe von 5 367360 M. verwendet ivorden, während sür Gehälter nur 5 136908 M. ausgegeben wurden. Wir sehen also, daß die Gehälter der großen Zahl derjenigen, welche durch schwere anstrengende Arbeit den Gewinn der Gesellschaft erzengen, noch nicht die Summe dessen erreichen, Ivas die höheren Beamten als Tantieme nnd die Aktionäre als Dividende einstecken. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit! Es fragt sich nun, ivollen Sie, die Altgestellten. mit Ihren seitherigen Verhältnissen zufrieden sein, oder wollen Sie angesichts der äußerst günstigen Lage, in der sich Ihre Gesellschaft befindet, an die Direktion herantreten und sagen: Gebt uns auch eiueit kleincir Teil von dein Gelbe, ivelches ivir für Euch ver- dienen, damit unsre traurige Lage etwas aufgebessert werde! Niemand kann sagen, daß eine'Forderung nnberechtigt wäre. Was Sie jetzt für Ihre zwölsstündige aufreibende Thätigkeit erhalten, reicht nicht ans zu einem auch nur einigermaßen anständigen Leben. Ihre Vertreter habe» deshalb in voriger Woche die Forde- rungeii festgesetzt, die der Direktion vorgelegt werden sollen. Die Direktion hat ja schon versucht, die Bewegung zu hindern. Sie gab durch Anschlag bekannt, daß sie,»getreu ihren bisherigen Grund- sätzen-, die Wünsche der Angestellten berücksichtigen ivolle. Dieser Erlaß ist aber von den Angestellten mit Lachen aufgenommen worden, denn jeder von Ihnen weiß, daß nach den»bisherigen Grundsätzen- der Straßenbahn-Direktioii jeder gcmaßrcgelt worden ist, der es wagte, Wünsche zu äußern oder Forderungen zu stellen. So blieben denn auch die Bcrhandlimgen, welche die Direktion heilte mit Vertretern Ihrer Kollegen anzubahnen versitchte, ohne Resultat. Der Redner legte nun die von den VcrtrauenSmäuiiern der An- gestellten beschlossenen, von uns schon früher mitgeteilten Forderltngen vor und begründete dieselben. Dabei bemerkte er mitcr andern:: Der Direktor sagte heute, wenn die aufgestellten GchaltSfordcriingen bewilligt werden sollten, so würde das der Gesellschaft eine Mehransgabe von einer halben Million Mark verursachen. Wir sind der Meinung, daß eine Gesell- schaft, die jährlich 10 Millionen Ueberschuß erzielt, nicht mir eine halbe, sondern zivci Millionen für die Aufbesserung der Gehälter der Angestellten verwenden könnte. Wenn auch die Aktionäre statt 10 Proz. nur 3 Proz. Dividende bekommen, so ist das innner noch genug. Wir haben ja in unseren Reihen auch einige Besitzer von Aktien der»Großen Berliner", nnd ich kann versichern, daß wir nnS eine Herabsetzung der Dividende n»i 2 Proz. zu Gunsten der An- gestellten sehr gern gefallen lasse». Wir werden auch in der General- Versammlung der Gcsellsckafi cincil dahingehenden Antrag stellen. Mit einer Dividende von 8 Proz. sind ivir für unser Teil noch sehr zufrieden.— Die Direktion rechnet darauf, daß die Einigkeit, welche jetzt unter den Angestellten besteht, nur von kurzer Dauer sein werde. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, daß diese Rechnung der Direktion nicht stimmt. Sie sind es sich nnd Ihrer Familie schuldig, daß Sic znsamnienhalte» und so Ihre berechtigten Forderungen durchsetze». orgen Sie dafür, daß Sie io viel erlangen, wie zu einem menschen- würdigen Lehen gehört. Sie können es, wen» Sie einig sind. iStnrmischer. anhaltender Beifall.) In der Diskussion nahm zunächst ein Schaffner das Wort, der an der von der Direktion veranlaßten Besprechung teilgenommen hat. Die Direktion sei bei dieser Gelegenheit durch die Regierungs- rate Köhler und v. Kühlewein vertreten gewesen, die aver nicht »ach den Wünschen der Angestellten gefragt, sonder» nur gesagt haben, daß das geforderte Maximalgehalt von 130 M. nicht bewilligt Iverdcn könne. Weiter erzählte der Redner, wie er den Direktoren ruhig aber bestimmt erklärt hat, daß nur die Verstimm- Imig aller Angestellten über die bezüglich der Bewegung zu unter- nehmenden Schritte Beschluß fassen löniic. Mit großem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung des Redners auf, daß er den Dirckloren erklärt habe. auf der Versetzung des Oberinspektors Stavenow bestehe» die Angestellten»»bedingt. Hierauf nahm Stadtv. Singer, den die Versammlung mit stürmischem Händeklatschen begrüßre. das Wort. Er führte unter lebhaftem Beifall der Zuhörer aus. daß er als Mitglied der städtischen VerkehrSdepntation der Einladung zu dieser Versammlung gern ge- olgt sei und daß er den Angestellten der Straßenbahn aufridjtig Glück wünsche zn der von ihnen eingeleiteten Bewegung. Diese imposante Bersammlung sei ein Beweis dafür, daß die Bewegung zu einem für die Angestellten günstigen Resultat kommen tverde. Es sei»»1» ratsam, daß die Angestellte» durch ihre Kom- »rissio» mit der Direktion in Verhaiidlungen treten. Weiter rate er iRcdiicr), daß sich die Angestellten ivährend der Bewegung ruhig verhalten, dann werde ihnen die Sympathie der Bevölkerung 'ichcr sein. Redner besprach dann die Verzögerung, die bei Errichtung der Peiisionskassc eingetreten ist. Formell sei die Verzögerung in der Fertigstellung des Kasieiistatnls allerdings dem Magistrat zuzu- chreiben, sachlich aber trage hieran lediglich die Bahndirektion schuld, da diese zwei Bestimmungen in das Statut bringe» wolle, die die Stadtverwaltung nicht genehmige. Einmal wolle die Direktion den Angestellten bei ihrer Pensionierung die ihnen etwa zustehende gesetz- lichc Uufallrentc auf die Pension in Abzug bringen, und dann beanspruchte sie für sich allein die Befugnis, zn bestimmen, wer pensioniert werden solle, während die Stadtverwaltung daran fest- Halle, daß hierüber ein Kassenvorstand zu befinden haben solle. dcsien Mitglieder zur Hälfte von der Direktion, zur andern Hälfte von den Angestellten zu wählen seien. Falls diese beiden Differenzpunkte in nächster Zeit nicht ausgeglichen würden, werde der Magistrat ihre Regelnng durch ein Schiedsgericht beantragen. Was die Forderungen der Angestellten betreffe, so seien dieselben keines- ivcgs übertrieben. Erfolge über dieselben keine Verständigung, so empfehle er, daS Gewerbegericht anzurufen. Die Vertreter der Arbeiter im Roten Hause würden, so weit es in ihren Kräften steht, die Forderungen der Straßenbahn- Angestellten, die durchaus berechtigt seien, unterstützen, denn eS sei notwendig, daß wir ein VerkehrSinstitut bekommen, Ivo nicht nur die Aktionäre reiche Dividenden einstecken, sondern auch die Arbeiter so viel erhalten, wie sie zum anständigen Leben beanspruchen.(Großer Beifall.) Es sprachen nachdem noch eine ganze Reihe von Schaffnern und Wagenführern, die alle in ruhiger, sachlicher Weise die aufgestellten Fordeciingen vertraten. Unter anderm wurde darauf hingewiesen, daß die Gesellschaft ihre Angestellten schon seit� sechszehn Jahren auf die Gründung einer Penstonskasse vertröste, eine solche aber auch jetzt, nachdem der Gesellschaft die Pflichr zur Pciisionierung der Angestellten auferlegt ist, immer noch nickt ins Leben getreten ist. Einer der Redner schilderte des nähern, wie dürftig er, der lange Jahre im Dienst der Straßenbahn-Gesellschafr steht, mit seiner Familie leben iniisse, weil das Gehalt kaum ausreicht, daß eine Familie sich davon satt essen kann. Die Zn- stimmuiig, Ivelche dieser Redner fand, ließ erkennen, daß wohl� jeder unter den Tausenden im Saale dieselben Klagen mir Recht hätte erheben können.— Weiter verurteilte man es auf daS entschiedenste, daß die Direltioir bei der Bemessung der Gehälter Rücksicht nimmt auf die Mildthätigkeit des Publikums, die sich an den Angestellten i» Form der ent- würdigenden Trinkgelder offenbart.— Wieder ein andrer Redner wies auf den erfreulichen Fortschritt in der Gesinnung und dem Auftreten der Angestellten hin. Vor zehn Jahren sagte er— wagte es noch niemand, in Uniform � die Versammlung zn besuchen. Allerlei Verkleidungen, sogar falsche Bärt'e legten damals die VersammlnngSl'esucher an. nnt nicht erkannt zu werden, denn wer sich nur im geringsten muckste, der wurde kurzer Hand entlassen. Wie anders sieht es heute ans. Mit Stolz sehe ich auf dies e Ver- s a m m l u n g,>v o iv i r alle in Uniform erschienen s i u d. Heute sind wir einig und brauchen iniS deshalb nickt vor Angebern und vor Maßregelungen fürchten. Heute waren ivir in der Lage. Küfern Vorgesetzten zu sagen: Nicht wir verhandeln mir Ihnen, sondern die Versammlung beschließt, was geschehe» soll. Ich betone, daß wir friedliche Verhältnisse herbeiführen wollen. Nachdem wir hier misre Beschlüsse gefaßt haben, gehen wir tvicder pünktlich an die Arbeit, und an unstrn ver- gnügten Gesichtern sollen die Direktoren und daS Publikum merken, daß wir miS bewußt sind: Wir iverdcn etwas erreichen! Wir wollen irnsre Pflicht thun, aber ivir wollen auch als Menschen behandelt und bezahlt werden!(Zustimminig nnd Beifall.) Nach einem Schlußwort Schumanns beschloß die Ver- sammlnng. daß die bestehende, aus Vertretern der Angestellten aller Depots znsammeiigesetzte Kommission die Verhandlungen mit der Direktion zn führen hat. Die Fordermigen sollen der Direktion schart cingercichl iverden mit dem Ersuchen, daß fie sich bis Freitag darüber entscheidet. Am Freitag nachts 11 Uhr werden dann zwei Versammlungen gleichzeitig abgehalten, die über die weiteren Maß- nahmen Beschluß fassen sollen. Damit war die imposante Versanun» litng beendet. Die Anwesenden stimmten begeistert in das vom Vorsitzenden ausgebrachte Hoch auf die Organisatio» ein. Der Morgen graute bereits, als die VersainmluiigSbesticher auf die stille Straße hmaiiStraten. um alsbald ihrer gewohnten Thätig- keit iinchziigchen. Hoffen wir, daß die Beschlüsse, welche in dieser denkwürdigen Versammlung gefaßt ivorden sind, zum Nutzen der geplagten'VerlehrSarbeitcr Verwirklichung finden, es begleitet sie in ihrem Verlangen die Sympathie aller aufgeklärten Arbeiter. polikischv Mvbevfichk. Berlin, den 16. Mai. Die<5 anoffa-Flotte. Die„nationalen- Historiker des preußisch-dcntschen Reichs be« lehren iiiiS, daß seine Schöpfimg notwendig gewesen sein sollte. damit das»Land der Reformation und Geistesfreiheit- nicht unter „das Joch der katholischen Kirche- zurückgebracht und„nicht in pfäffische Finsternis versenkt" werde. So rechtfertigt man n. a. die LoStreimnng des deutschen Ocstrcich. Diese braven Historiker sind kläglich Lügen gestraft worden. Wo ist dieses Deutsche Reich, das uns schützen sollte vor dem Rückfall in die römische Priester- Herrschaft vor der Reformation? Der einzige wesentlich protestantische Großstaat des europäischen Festlands ist jetzt auf dem Punkt, feine .Knltnrmission" dem Katholizismus zu verschachern, und der„Marsch an der Spitze der Eivilisation- wird zu einem Marsch unter dem Joch des Centrums hindurch in den Schloßhof von Canoffa. Das Deutsche Reich— das Reich, dessen Gründung von nationalen Schwärmern als'„der Triumph der Reformation" gc- priesen ward, liefert sich, an Händen und Füßen gebunden, der Partei des KatholizisiimS ans, erkennt denintig die römische Kirche als oberste Macht, als die Schiedsrichtert» in deutsche» Angelegen- Heiken an. »Keine Isx H e i n z e, keine Flotte!- So kantet der Machtspnich der katholischen CciitriimSpartei. Und demütig unter« wirft sich das große, neue national-deutsche Reich,„der Hort deS Protestantismus-,»die ruhmreiche Erfüllung der Reformation!- Und dieser elende Eanoffagang um der Flotte Willen! Was ist die Flottcnvvrlage dem deutschen Volk? Ein paar Leute haben sich in de» Kopf gesetzt, teils ans Geschäftsinteresse, teils aus Liebhaberei für den Wassersport. Deutschland eine Flotte zn geben, stark genug, um der englischen die Spitze bieten zu könne». Und das deutsche Volk in seiner ungehenercn Mehrheit— da? ist von allen Parteien anerkannt worden will von der Flotten- vorläge nichts ivifsen. Das katholische Centnim weiß das. Es zeigte sich von Anfang an der Flottenvorlage sehr wenig sympathisch, ja zum Teil geradezu feindlich. Allein wir leben in der Zeit der Schacherpolitik. Tie schwache, in sich gespaltene, von der Hand in den Rund lebende 1 SHcidjäitaiminif hat, im Hin- und Herschwonlen des Zickzackkurses. kein politisches'Programm, lein einheitliches Ziel. Sie hat keine andre Politik als die, den Streit der Parteien zu kleinen Äugetkblicks- erfolgen miszimiitzem So kam es, dnh die Flottenvorlage, ivelche die Krönung Deutsch- lands zur Weltmacht bedeuten sollte, von vornherein der Gegenstand kkcinlichstcn Fcilschcns und Schachcrns geworden ist. DaS Centrum erkannte seine Gelegenheit. ES hatte mit emsigen Bemühen einen Gesetzentwurf, der ihm die Knechtung der Geister erinvglicht, bis aih Ivenige Reste im Reichstag durchgedrückt. Das deutsche Volk bäumte sich empört auf gegen dieses Schandgesetz. Die weitesten bürgerlichen Kreise, die Vertreter der Kunst und Wissenschaft protestierten, die Regierung selbst wurde stutzig— der Kaiser und verschiedene seiner Mitfiirsten äußerten Bedenken. Doch das Centrum war sich seiner gebietenden Stellung bewußt: „Ihr wollt die Flottenvorlage— unS ist sie nichts wert, desto mehr Euch, nun wohlan. Ihr sollt sie haben— gebt uns die lex Hcinze!" Umsonst sträubt sich die Regierung. Hilft nichts: „Keine lex Hcinze, leine Flottcnvorlagc I" heischt kühl und un- beweglich der Shhlock des Centrums. lind die Regierung hat eingeschlagen. Topp! Der Handel ist abgeschlossen. Das Tcuischland der Reformation soll der Partei dK Katholizismus ausgeliefert werden. Das Großjunkerblatt, die„Kreuz-Zeitnng", die aus der Flotten- Vorlage fette Brot- und Flcisch-Wucherprofite herauszuschlagen hofft, mnieit, wir SocialdeiNokrgten bekämpften die lex Hcinze deshalb so bcflig, weil sie uns„bedrohe". Da irrt sich die„Kreuz- Zeitung" gelvaliig. Wenn wir diese Ausgeburt pfäffischer Unduldsamkeit und junkerlicher Heuchelei bekämpfen, so geschieht es, weil wir Sociäl- dcmokrnten die bürgerliche Freiheit und die allgemein .mensch li che Kultur zu verteidigen die Pflicht haben. Weit entfernt, uns irgendwie zu bedrohen, ist die lex Heinzc im Gegen- tdil für u n S eine vorziigliche Waffe, Iveil sie den Massen die ganze Beschränktheit und Äultiirfeiudschafl der herrschenden Parteien enthüllt. Ter Reichstag unterbrach in seiner Mittwochsitzung die Eintönigkeit der DiS- kussion über die Unfallversichcrungs-Gesetzc durch zwei lebhafte politische Debatten von aktuellstem Interesse. Die erste wurde veranlaßt durch die„Uebcrsicht der ReichS-Ausgaben und-Ein .nahmen für das Jahr 1898", in welches Jahr bekanntlich die P a l ä st i ii a- R ei s e des deutschen Kaisers fällt. Diese Reise war eine Privat reise und hatte mit den politischen Pflichten des Kaisers gar nichts zu thnn. Trotzdem hat die Reichs- regiemng einen Teil dieser Reisekosten auf das Reich abzu- laden für gut befunden. Ist das zulässig? Wo hören die Ausgaben des Kaisers, dem ein sehr, sehr großes Jahresgehalt (15Va Millionen) ausgesetzt ist, auf, Privatansgaben zu sein, und wo werden sie ö f f e n t I i ch e jRcichsausgabcn? Die Antwort ist sehr einfach für jeden, der den Thatsachcn fest ins Auge sieht. Wenn der deutsche Kaiser kraft seines Amts irgend eine p o l i t i s ch e Haupt- und Staatsaktion zu machen hat. zu der die Minister, oder ein.Teil der Minister oder andren Beamten notwendig sind, müssen die Extraausgaben dieser Minister und Beamten aus der Reichskasse bezahlt werden. Das ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist auf der andern Seite, daß alle Ausgaben für Privat- reisen und Privatvergnügungen des Kaisers von dem Kaiser aus seinem persönlichen Gehalt, Einkommen oder Vermögen zu bestreiten sind. Daß Staatssekretär Bülolv die Palästina-Reise mitgemacht hat. war Bülowsche Privatsache und kaiserliche Privatsache. Für das Deutsche Reich und die öffentlichen Angelegenheiten war es ganz gleichgültig. ES gtebt aber Leute, die mit ihren Ideen noch in der Zeit Lud- wigS des Vierzehnten leben, der noch sagen konnte: Der Staat bin ich. Sie denken:„Das Reich ist der Kaiser, und der Kaiser das Reich." Aus diesem Geiste heraus ist ein Teil der kaiserlichen Privatausgaben als R e i ch sausgaben verrechnet worden. Hiergegen protestierte imNamen nnsrcrPartei Genosse Singer mit Nachdruck. Zu widerlegen war das nicht. Der Referent bewies durch Gereiztheit und Grobheit, daß er keine Grün d�e hatte. Für seine Grobheit wurde ihm von Singer gebührend heimgeleuchtet— das hinderte jedoch nicht, daß a l l c andren Parteien gegen uns für die Uebernahme eines Teils der kaiserlichen Privatansgaben auf das Reich stimmten.- Damit ist ein böses Präcedenz geschaffen. Die Regierung hat cS nun in der Hand, auch alle übrigen Reisen des Kaisers teilweise wenigstens von dem steucrzahlcnden Volk bezahlen zu lassen. Und was für die Reisen gilt, daS läßt sich auch, wie Singer mit Recht hervorhob, für Jagden und ähnliche Privatvcrgniigungen geltend machen. Tic zweite Debatte entbrannte über die unglückselige deutsche K o l o n i a l p o l i t i t. Nichts als'Schmutz und Blut wohin man blickt. Der Schwindel der Südkamcrum-Äesell- schaft, die' Strafexpeditiönen mit Sengen und Brennen im Stil des dreißigjährigen Kriegs, die gräulichen Mißhandlungen der eingeborenen„freien Arbeiter", deren Arbeitsverhältnis nur „Verkappte Sklaverei" ist. kurz die ganze Schandwirtschaft in uns reu sogenannten Kolonien wurde von Bebel an den Pranger gestellt. Die freisinnigen Abgeordneten Eickhoff und M ü l l e r- Sagau sekundierten. Der bedauernswerte Direktor des Kolonialamts, Herr v. B u ch k a, beschönigte nach Möglichkeit, war aber so zaghaft, verlegen und unentschlossen. daß man ihm anmerkte, er fühlt sich nicht mehr sicher in seiner Stellung.' Ein Bild größerer Verlegenheit und Unsicherheit hat der Reichstag noch niemals vor sich gehabt. Nach Beendigung dieser Debatte wurde das letzte der Unfall- V. e r s i ch e r n'n g s G c f e tz e— das für G c- s a n g e n e— binnen fünf Minuten erledigt. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. Hcinze. Agrarische Zuchthausvorlagc in Sicht. Die Lorbeeren, die sich Anhalt, Rcuß j. L. und andere Klein- siaaten im Kampf gegen die ländlichen Arbeiter erworben haben, lassen die Agrarier in Preußen nicht ruhen. Mit Neid blicken die Mendel-Steinfe� S.Wange u he im und Konsorten ans ihre BnndcSbrüder außerhalb Preußens, denen es geglückt ist, ein Knebel- gesetz für Landarbeiter durchzudrücken, wodurch sie die Landflucht beseitigen zu können hoffen. Daß sie dies Ziel nicht erreichen. steht allerdings für jeden Einsichtigen von vornherein fest. Seit wann kann man durch Gewaltmaßregcln einer natür- lichen Eutwickeluiig Einhalt thnn? Will man die Arbeiter auf dem Lande Halteitz dann sorge man dafür, daß sie dort mensch- sich behandelt werden, dann zahle man ihnen ausreichende Löhne, dann beseitige man vor allem die unwürdige Gesiiidc-Ordmmg, unter der die Landarbeiter frohnden, aber man füge nicht dein ölten Unrecht ein neues hinzu, wie es die Agrarier beabsichtigen. Es ist noch erinnerlich, wie sehr bei den Debatten über die Leutenot im Mai vorigen und im Januar dieses JahreS immer wieder die Forderimg nach einer kriminellen B e st r a f u n g des K o n t r a k t b r n ch s ländlicher Arbeiter betont wurde. Der Land- wirtschastsminister Frhr. v. H a in m e r st c i n hat denn mich endlich dem Verlangen der Agrarier nachgegeben und im Januar eine Borlage gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter und gegen die Verleitung zu demselben in Aussicht gestellt. Da das Gesetz bisher dem Landtag noch nicht zugegangen ist. hielten es die Agrarier für angebracht, die Regiernng in Form eines Antrags, der am Mittwoch zur Beratung kam, aufzufordern, noch in dieser Session ein solches Gesetz dem Landtag zu unterbreiten. Da. wo eS sich um die Lösung von Kulturaufgaben bandelt, haben die Jmilcr und Jimkergeiiossen es durchaus nicht eilig, im Gegenteil, da treiben sie Verschleppungspolitik: wenn es aber daraus ankonimt, die Arbeiter- schaft zu knebeln, dann können die Herren die Zeit nicht erwarten, dann sind sie sogar bereit, bis in den Spätstmimer hinein zu tagen. Angeblich wollen die Agrarier den Kontraktbruch der Arbeit- nchmer und Arbeitgeber in gleicher Weise ahnde», in der That aber würde ein solches Gesetz, wie sie es verlangen, keine» einzigen Arbeitgeber treffen, es würde lediglich ein neue S A« s nähme- gesetz gegen die ländlichen Arbeiter sein, ein Gesetz, das für die ländlichen Arbeiter genau dasselbe bedeutet. wie die zu Grave getragene Zuchthausborlage für die gesamte Arbeiterschaft bedeutet haben würde. ES tritt hier wieder einmal das zu Tage, was wir in der letzien Zeit wiederholt erlebt haben: Zeigt sich der Reichstag nicht gefügig genug zu rcatlioiiären Maßregeln, so sucht die Reaktion ihr Ziel au Ilmwegen zu erreichen, indem sie in den E i» z c l l a n d t a g e n ihren Willen zur Gcllmig bringt. Die Antragsteller haben ja auch gar keinen Zweifel darüber anfkoinmen lassen, daß sie für alle deutschen Bundesstaaten ähnliche Ausnahmegesetze wünschen, wie sie für Anhalt u. a. bereits bestehen. Ein Wunder nur, daß sie sich vorläufig noch mit dem Attentat ans die ländliche Arbeiter- klaffe begnügen und daß sie nicht, dem Beispiel Lübecks folgend, sofort auch auf die industriellen Arbeiter ihre volksfeindliche Thätigleit auszudehnen versuchen. Die Begründung deS Antrags war dem Oberagrarier v. M e n d c l- S t e i ii f e l s übertragen, der offenherzig genug war, die letzten Ziele der Agrarier, die völlige Knebelung und N echtlos- machung der Arbeiterklasse zn enthüllen. Trotz seiner pathetisch borgetragcnen Versicherung vom Gegenteil unterliegt es doch keinem Zweifel, daß es auf ein Attentat gegen die Landarbeiter abgesehen ist. Herr von Mendel fürchtet die Agitation der Svcialdcmokratcn ans dem Lande, er fürchtet, daß die Landarbeiter sich ihrer Menschenwürde bewußt und sich eines schöne» Tages weigern werden, weiterhin als Sklaven zu leben, und um dieses Erwachen der Menschenwürde im Keime zu ersticken, schreit er unter dem Beifall seiner Freunde nach einem Gesetz, das die Landarbeiter völlig rechtlos macht. lind die Regierung? Anstatt ihre Pflicht zu erfüllen und den agrarischen Hochmut einzudämmen, besorgt sie die Geschäfte des Junker- tums. Herr v. Ha m m e r st e i n versichert, daß die Regierung eifrig au der Arbeit ist, eine Vorlage, ähnlich dem in A n h a l t b e st e h e n d e ii Gesetze. rniSzuarbeiteu, und daß nur die Session zu weit vorgeschritten ist, als daß der Entwurf noch jetzt au den Landtag gelangen kann. Aber in der nächsten S e s s i o n soll ihm die Vorlage sofort als eine der ersten zugehen. Daß der Antrag Mendel mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte, versteht sich bei dcr Znsammcnsetziiiig deL Landtags von selbst. Mit Ausnahme der beiden freifimiigen Parteien waren alle Fraktionen auf Seiten des Antragstellers. Der einzige Untersckiied zwischen den einzelne» Rednern bestand in der Heftigkeit, mit der sie die Regierung antrieben, sobald als möglich ihren volkssciiidliche» Anschlag zu voll- ende». Die socialdcmok ratische Gefahr suchten alle Redner möglichst drohend hinzustellen; aber während die Freunde des Antrags gerade durch eine» Gesetzentwurf, lvie sie ihn verlangen, die Socialdemokratie auf dem Lande bekämpfen zu können hoffen, betonten die Gegner des Antrags, die Abgg. Dr. H tisch(stf. Vp.tz Dr. B a r t h (frf. Vg.) und Dr. Crüger lsts. Vp.), daß ein solches Gesetz gerade die Socialdemokratie ans dem Lande stärken werde. Wir verzichten darauf, unS in diesen Meinungsstreit einzumischen. Bisher haben noch alle Anschläge unsrcr Gegner ihr Ziel uerfehlt. Die Gegner haben ihre Karten aufgedeckt,»vir keimen ihre Pläne, wir tvcrden unsre Taktik danach einrichten und alles aufbieten, um die Land- bevölkernng von der ihr drohenden Gefahr in Keimteis zu setzen.— Aeulsches Weich. MchrheitSprincip»nd Obstruktion. Die„Berk. Pol. Nachr." leiten die erneute Heiiizebcratung mit eifrigen T ä u s ch n n g s v e r s u ch e» ein. Nachdem das offiziöse Organ Klage geführt hat,' daß der deutsche Staatsbürger durch Ab- Haltung von Protcstversammlmigen gegen ReichStagSbeschlüsse den Reichstag diskreditieren dürfe, geht cS mit der„ObstruktionS"- Minderheit des Reichstags also inS Gericht: .. Sicher ist, daß. wenn man die Mehrheit des aus gleichen und geheimen Wahlen hervorgegangenen Reichstags für so nnsähig zur Erkenmmg imd Wahrnchmmig der JMcrcssen des Gemeinwohls und des Volkes erachtet.' daß man sie durch inneren und äußeren Zwang von ihrer lleberzcugimg entsprechenden Beschlüssen ab- halten zn müssen glaubt, durch ein solches Vorgehen e i nve r- ii i ch t e n d e s Urteil über das Wahlrecht gefällt wird, ans welchem die Vertretung des deutschen Volks hervor- geht. Bezeichnenderweise aber sind die Urheber eines solchen vernichtendeil Urteils grade diejenigen Parteien, welche sonst jede selbst sachliche Kritik gegen das ReichStags-Wahlrccht als ein Attentat gegen die Volksreckitc zu bezeichnen belieben, Man hat den Konscruativci, öfter vorgeworfen, daß sie nach dem Spruche handeln: Der König absolut, wenn er unscrn Willen thnr, Unsre sociale»nid bürgerliche Demokratie liefert aber in der Gegenwart den schlagenden Beweis, daß sie die nötige Achtung vor den, Parlament und dem M e h r h e i t S p r i n'e i p nur solange besitzt, a l S d a s Parlament und seine Dt e h r h e i t i h r e n W ü n s ch c n sich fügt, daß sie aber vor einem eine scharfe Verurteilung des Reichs- Wahlrechts enthaltenen Vorgehen nicht zurückschreckt, sobald der Reichstag Beschlüsse faßt, welche ihren Wünschen nicht entsprechen." DaS alles ist aufgelegter Unsinn, Die Demokratie im Reichstag sich fortdauernd den ihr nicht genehmen Absichten und Beschlüssen der Mehrheit. Fast sämtliche Gesetze, die im Reiche zn stände kommen, kommen gegen die Linke des Reichstags zu stände. Das Verhakten der Minderheit beim Hei nze-Ge setz bcr- ößt keineswegs gegen das Mehrheitsprineip, denn es ist nur die Folge einer bösartigen Berge waltignng der Minder- heitsrechte, auf deren Respektierung' allerdings jeder Parka- meickarismilß, jedes praktische Zusammenwirken der Parteien beruht. Selbst der Präsident Graf Ballestreni mußte zu- gestehen, daß die Minderheit nur die von der Geschäfts- ordnung an die Hand gegebenen Mittel benutzt hat. Es ist das gute Recht der Minderheit, ein verabscheuenswertes Gesetz nach Kräften zu verbessern und sein Zustandclomnicn nicht .uzulassen, wenn nicht die bcfiirwortendcn Parteien in beschluß- fähiger Zahl zur Stelle sind. Die„B. P, N," sehen in dem Verhalten der Minderheit eine Schädigung des gleichen und geheimen Wahlrechts. Die Fürsorge für dieses Wahlrecht mag daS offiziöse Blatt mit den bekannten Neigungen für das Drciklaffeii-Wahlsystein getrost andern überlassen. Erinnert sei aber daran, daß das Rcichstags-Wahlrecht keineswegs ein gleiches ist. Hätten wir nicht' die Ungerechtigkeiten der Wahlkreis- Einteilung, so würde d a s C e nt ru in beispielsweise bei weitem nicht d i e st ä r kst e P a rt e i im Reichstage sein, würde nicht die ausschlaggebende Rolle in der Reichspolitik spielen, würde sich das Heinze-Ättental von vornherein nicht haben unterfangen könne n. Tie Mehrheit der deutschen Reichstags- Wähler steht hinter der Heinze- Minderheit.— Fort mit den menschliche Arbeitskraft sparenden Maschinen, das ist jetzt das Rezept gegen die Leutenor ans dem Lande. Da» Centrum hat in der Budgetlommiffion zur Beseitigung der Lentenot die Oeffnung der ReichSgrenzc» für ausländische Arbeiter bcaiilragi, allein selbst die„Köln. Volksztg." bezweifelt, daß dadurch ein gc- eignetcS Mittel gegen den Lcutcmaiigcl gegeben sei. Das Blatt weist daraus hin, daß diese ausländischen Arbeitskräfte nur als Saisonarbeiter Beschäftigung fänden und daß sie es deshalb bei eiiiem Fortfall der Aufcnlhaltsbeschräiikimg vorziehen würden, in den Jndnftriebezirkcn eine dauernde Arbeitsstelle zu suchen. Die Lentenot iviirdc deshalb vermutlich nach wie vor bestehen bleiben. Die„Miiuchencr Allg. Ztg." knüpfl an diese Aussührmigeu des rheinischen CentruinSoraaus an und empfiehlt den Landwirten nichts Geringeres, als die Abschaffung der Dreschmaschine n. Bereits ein so einivandSsteier Kenner der Landwirtschaft lvie Frei- Herr von der Goltz haben darauf hingewiesen, daß e» zur BP- seitigmig der Lentenot das rationellste sei. sich in der der Verwendung arbeitsparender Maschinen eine kluge Reserve anszuerlcgeii, damit für die ländlichen Tagelöhner auch im Winter Beschäftigung vorhanden sei. England habe wesentlich durch die Maschinen die Landarbeiter in die Städte gedrängt.. Ter Borschlag beweist aufs neue, wie k u l t u r w i d r i g unsre kapitalistische GcscllschastSardiiuiig ist. Die praktischere, die mensch- liche Arbeitskraft freisetzende Maschinenbetrieb soll eingeschränkt werden, damit cS dem ländlichen Großbetrieb im Sommer nicht an billigen Arbeitskräften fehlt. Während e» im Interesse der Kultur läge, den Maschinenbetrieb zur Sparung der nienschlichen Arbeits- kräft überall da einzuführen, wo eS irgend angängig wäre, bc- dingen die Jnteresscu des Kapitalismus vicifach gerade das Gegenteil.— Chile lex Hcinze keine Flotte. Die„Franks. Ztg." läßt sich ans Berlin iclegraphiercii, daß das Centrmn das Zustande- kommen des Knnstkncbcl-Gcsetzes allen Ernstes zur conditio sine qua neu der F l o t t e n b e w i l I i g u n g gemacht habe, da es in der lex Heinze seine Ehre engagiert glaube. Das kann ja heiter werden. Wie ciservoU das Centrum in den Heinzestreit eintritt, zeigt das Cirkular. das der Vorsitzende der Fraktion Graf Hompesch zur Zusammeutreibung der Cciltrmnsmannen an jedes einzelne Mitglied der Fraktion versendet hat. Nachdem das Cirknlar bedauernd daraus hingewiesen, daß„durch die Obstruktion der Linken und das Fehlen einer Anzahl auch nilfrer Mitglieder und die hierdurch herbeigeführte Beschlußunfähigkeit" die Bcrntnng über die lex Heinze habe abgebrochen werden müssen, wendet es sich an die säumigen Centriiinsmaiinen mit folgender BeschwönmgS- formel: „Da am Mittwoch, den 16. Mai, bei der Feststellimg der Tagesordnmig ciitschiedeii werden wird. ob am 17. Mai die lex Hcinze verhandelt werden soll, so ist die Anwesenheit am Mittwoch, den 16. Mai und die folgenden Tage nötig. Ich darf mit Zuversicht erwarten, daß kein V? i lg l i c d des C c n t r u m s ohne a l I e r s ch w e r st c E n t- s ch« i d i g u II g fehlen wird. Zweifelsohne wird eS bei der E ii t s ch e'i d u ii g ans wenige Stimmen ankommen und daher jeder Fehlende persönlich die Schuld trage» müssen, wenn das Gesetz wieder scheitert. ES kau» auch nicht fehlen, daß bei den zn crivartciiden vielen namentlichen A b st i m- m un gen die Namen der Abwesenden durch die Presse veröffentlicht werden." Ferner fordert das Cirkular, daß diejenigen, die Sonntag nicht in Berlin bleiben könnten, wenigstens am Montag wieder zur Stelle wären. Wenn trotz dieses schmetternden GencralmarscheS des Reichs- tag am Donnerstag nicht den �Eindruck eines KouzilS macht, so müßten die schwarzen Sittlichkeitsrcttcr schon ein übermenschliches Phlegma besitzen.— Tie wahren Absichten der Hcinzrmännrr verrät ein. lang- atmiger Artikel des„Reichsboten", der sich mit dem Anstuf deS GoethcbundeS befaßt und gar weinerlich darüber wehklagt, daß die „ehrenwerten Herren" des GocthebuiidcS so wenig Verständnis für die kiinftreinigenden Tendenzen der lex Hcinze verrieten, die Herren setzten sich aufs hohe Roß der angeblich zu verteidigende» wahren üiunst und verschlössen die Augen absichtlich gegen die Gefahren, die dem VollSgemüt anS der maffenhastcn Verbreitung solcherSchristen erwüchsen, die umcr dem Deckmantel der Kunst die„Schamlosigkeit mid Gemeinheit in Bildern und Romanen" verbreiteten. ES sei ein Skandal, daß Blätter, wie der„Satyr" und der„Simplicissi- mus". die„nichts an Humor, sondern nur cynische Lüsternheit in Wort und Bild" an den Mann zu bringen suchten, verbreitet werden dürften. Man töime an der N o t w c n d i g kci t der KZ 184» und b nicht zweifeln, wohl aber an der energischen An- w e ii d ii ii g d e r s e l b c n d u r ch unsre Richter. Daß eS die oft prächtige G c s c l l s ch a s t S s a t y r e deS „SimplicisfimuS" den prüden Freunden eines Hammer- jt e i n angethan hat. können wir begreifen. Aber glaubt denn der „Reickisbote" wirklich die„ehrenwerten Männer" des Goethebundes zu seinem Standpunkt de» christlichen Vcrschleicrns dadurch bekehren zu kömicii, daß er in täppischem Ingrimm ausplaudert, daß� nach der Absicht der Hcinze-Gesctzgeber sürder jede frische kecke Satire vcrfchint sein soll? Man pflegt aber seine Karten ärgerlich auf den Tisch zu lverfcn, wenn man das Spiel verloren giebt.— Eine.. Siedlungs-Genoffcnschaft" nach einem Cirkular gegründet iverdcn. daS dieser Tage an die Presse versendet worden ist. Der Plan für dies neue„Unternehmen auf dem Gebiete der inneren Kolonisation" ist etwa folgender: Ein Gut von— sagen wir— 800 Heitor wird iiinkränzt von kleinen Stellen, die je 2—4 Hektar umfassen. Auf diesen Parzellen hausen Pächter, die sich im JahreSkontrakt ver- pflichtet haben, eine Quote ihrer Arbeitszeit gegen ortsüblichen Lohn und Gewinnanteil dem Großgnt zur Berfügniig zu halten. DaS Großgnt niinmt aus den voii ihm erzielten Einnahmen nur soviel für sich vorweg, als Verzinsung des Anlagekapitals. Ab- schrei bung ee. erfordern:. der eigentliche Reingewinn fließt der Ge in ein de der Parzellen Pächter zu. denn diese sind sämtlich am Gewinn beteiligte Angestellte deS Großbetriebs. Die Arbeiter- Pächter, die ein festes Verhältnis zum Centralbctticd haben, sind unter einander wieder zu g e n o s s e n s ch a f t- lichen Zwecken(Konsumverein, Viehvcrficherung-c.) zu- a m m e n g e s ch l o s s e n. Und wer ist der Eigentümer de» Ganzen? Vorläufig die Ge- sellschasl, die zur Verwirklichimg des Unternehmens gebildet ivird. bczw. eine von ihr delegierte Einzelperson; die Krönung des Gc- bäudcs aber soll darin bestehen, daß die Genossenschaft der Ar- beitcr-Pächtcr stark genug ivcrde, das Eigentum am Gesamtgnt zu erwerben. Ucber die Gründung wird man noch früh genug in Erörterungen eintreten löniieu, wenn sie aus dein Stadium deS papiernen Projekts in das der Realisierung übergetreten sein wird.— Agrarier und Beamte. Unser hannoversches Brndcrorgan ist in der glücklichen Lage, ziffernmäßig feststellen zu können, wie innig die Verschwisterniig zwischen Agrariertum und Beamten- tum ist. Es ziihlt 60 Pusonen auf, die als Genossenschaftler der agrarischen„Hannoverschen Tageszeitung" ihre Finanztrast leihen. Allen voran gehen naliirlich adlige Rittergutsbesitzer, unter ihnen zwei mit Anteilen von 20 000 und 1Ö000M,': andre Agrarier haben 6000, 4000, 3000 und 1000 M. in das ihre Interessen vertretende Unternehmen gesteckt. Ferner figurieren als Genossenschaftler: Die zehn Laudräte v. Wotzna-Neustadt a. Nbg.(4000 M.); v- Berg-Gifhorn(4000 SD?.); v. Pestcl-Bruchc(3000 M.): Freiherr v. Lcdebour-Lübbccke(3000 M.); Äricheldorf-Northeim(3000 M.); Dr. Brockhost-Breniervordc(1000 M.j; v. Buschnrann-Nienburg (lOOO M.); Uckert-Hildrsheim(500 M.); Weycrsbcrg-Fallingbostel (500 M.); Tie Rcgierungsrätc Schneider-Hannover(2500 lvi.) und Heese- Hildesheim(1000 M.), der Rcgierungsassessor Dr. Suermondt-Har- bürg(500 Mo; der Forstmeister v. d. Hellen-Nienburg(ZOO M.l; der Direktor der Landarmen- Anstalt Dr. Schnell- Wunsdorfs (500 M.) Dazu verschiedene Offiziere z. D. und o. D., Domänen- Pachter, ein Amtsrichter zc. Tiefe agrarische A l l ra n c e erklärt, tvodurch die kleine aber machtige Partei ihren, enormen Einslutz erhäll, sie beweist auch die totale Absurdität der Vogclinann— Nanniannschen Utopie einer Hohenzollcrnschcu Social-Monarchie. Fiir die Ncichstagö- Ersatzwahl in Brandenburg- West- Havelland haben die Konservativen den ehemaligen Landrat v. Loebell, dessen Mandat für ungültig erklärt worden ist, iviedcr auszustellen beschlossen. Derselbe hat sich zur Annahme der Kandi- datur bereit erklärt. Für die Alltipathic der Masse gegen die 5lirchc hat im Siglschen„Saterlaub" ein katholischer Autor, vermutlich ejn Geist- lichcr, den. wahren Grund auszusprechen gewagt. Der ehrliche Kritiker schreibt it. a.: „Der berühmte Socialist Marx hat die Neforination als die Adoptieruug des Christentums für die Bourgeoisie bezeichnet. Der Ausspruch hat viel Wahres au sich. Dennoch ist es nicht minder gewitz, das; auch das katholische Kirchentum sich in den Dienst der Bourgeoisie hat stellen lassen und seine Aufgabe darin gesucht hat, für die Reiche n einzutreten. Für diese: Heilig- k e i t und ll n a n t a st a r k c i t d e S G e l d s a ck s: für die Arbeiter: S k l.a v c n st n nr p f s i n n mit der A n w e i s u n g aus das Himmelreich. Die Abneigung der Social- deinokratic gegen die bestehenden Kirchen ist also nicht zufällig, sondern mit einer Art Notwendigkeit gekommen, iveil die D i e n e r der Kirchen es in der rechten Zeit nicht verstanden, ihr Evangelium in den Dienst der Armen und Kleineu zu stellen. Die katholischen und protestantischen Geistlichen hielten es mit den Reichen, nur mit ihnen verkehrten sie, bei ihnen machten sie Besuche. Kamen sie je einmal in die Hütte» der Armut, so war es, wenn so ein armer- Proletarier im Sterben lag. Dieser Thatsache kann nicht widersprochen werden. Das Schutzbündnis der Kirche mit der herrschenden Klasse hat eS allerdings, neben der Popularisierung der Wissenschaft, zuwege gebracht, datz die Masse sich mehr und mehr von ihr abgewendet hat. Und wenn die Kirche, was aber gegen ihre innerste Natur wäre, sich»niimehr durch eine sociale Drapierung ihr verlorenes Ansehen zurückerobern wollte, so würde sie die gegen sie herrschende Antipathie doch nicht mehr zerstreue» können. Die' Absicht wäre zu durchsichtig. Ausland. Kaiser Franz Joseph gegen die Bergarbeiter. Man schreibt uns ans Wien, 15. Mai: Der ostreichische Kaiser verhält sich sonst in TagcSfragen sehr zurückhaltend. Mit Ausnahme hochpolitischer und militärischer Dinge scheint den alten Kaiser nichts- zu interessieren, wenigstens dringt nichts in die Oeffentlichkeit, was auf ein Interesse schlietzen lassen könnte. Was insbesondere Arbciterangelegenhciten bclrist't, so hat Franz Joseph>vohl noch niemals eine Aeutzcruug fallen gelassen, die andeuten würde, datz er sich über die Socialdemokralic Gedanken macht. Umso grötzere AiifmerksaMkeit verdient eine Aeutzcruug. die der Kaiser dieser Tage gemacht hat und die eine entschiedene Stellung« ah nie gegen dieBergarbeiter, nament- lich aber gegen ihre Forderung aus Berknrzung der Arbeitszeit bedeutet. Die offenbar gesuchte Gelegen- heit bot der Empfang der östrcichischcn Delegation. der am Sonntag in der Ofner Hofburg stattfand. Der Kaiser pflegt da, nachdem er die.sogenannte Thronrede verlesen hat. die einzelnen Delegierten anzusprechen, um mit ihnen einige zumeist sehr belanglose Worte zu wechseln. Unter den Delegierten befand sich dies- mal auch der Abg. Dr. v. D e in e l, der Abgeordnete für die czechische Stadt Tesche». Dieser Herr, schon von früher als ein berüchtigter Klopffechter der Kohlenbarone bekannt— ist er doch der Rechts- amvalt der Kameraldirektio». d. h. des Erzherzogs Friedrich— Halle am 28. Februar im Abgcorduetcnbause eine Rede gehalten, in der er die Forderung nach der Achtsinndenschicht fanatisch be- kämpfte, die Arbeiter in gemeinster Weise beschimpft« und die ÄnSbentcr in schmutzigster Art verherrlichte. Die Rede hatte damals die grötzte Entrüstung erregt; ein bürgerlicher Abgeordneter, der Abg Sioschmann von der deutschen Volksparlci. erklärte unter ihrem Eindruck, er schäme sich in tiefster Seele, datz eine derartige Verhöhnung der Arbeiter von einem Mitgliede der liberalen Partei verübt werden konnte; von allen Parteien, auch von der des Abg. Deine! selbst, wurde die Schmarotzerrede des geld- süchtigen Advokaten mit dem grötzten'Unmut zurückgewiesen.' Ter Kaiser sprach nun Sonntag Herrn v. Dcmel an und fragte ihn, ob es unter der Bcrgarbeiterschaft schon ruhig sei. Herr v. Deine! bejahte es und das Gespräch nahm nach einer beglaubigten Mit- tcilung sodann folgenden Fortgang: Der K a i s e r: S i e h a b e n damals eine a n S- gezeich neteRede gehalten; sie war sehr gut. und nlitcr den herrschenden Verhältnissen gehört M u t dazu, so zu spreche». ' Dr. v. Denicl: Ich danke Eurer Majestät crgebcnst. Es ist so viel Unrichtiges und Unwahres in de r Bergarbeiters rage verbreitet worden, datz dies einer Richtigstellniig bedurfte. Ter Kaiser: Ja, das ist Iva Hr. Es war sehr gut und notwendig, datz dem entgegengetreten wurde, das wird allgemein a n e r k a n n t. Aus diesen Aentzermigeu geht ivohl mit der wünschenswerten Klarheit hervor, datz sich Franz Joseph ans Seite des Herrn v. Demel, auf Seite der Unternehmer st e l l e u und seine Worte g e g c» b ie Bergarbeiter gesprochen haben wollte. Es ist nach der Natur der Sache ganz auSgcichlossen, datz der Monarch diese Worte etwa improvisiert hat. oder datz er, was man bei Herrschern leicht anuimint, sie gesprochen, ohne sich ihrer Trag- weile bewutzt zu werden. Ganz im Gegenteil: Kaiser Franz Joseph hatte das Bedürfnis, in dein Kamps zwischen Unternehmern und Arbeitern Stellung zu nehmen; und so unerwartet und wenig erfreulich es ist, datz er sich gegen die Arbeiter entschieden hat. so wäre es dow eine nilvernünstige Selbsttäuschung, wollte man sich den Sachverhalt irgendwie zu verschleiern suchen. Das Reckt des Kaisers, sich über die Sache der Bergarbeiter seine eigene Meinung zu bilden und sie ohne Rücksicht z» äntzern. ist unbestreitbar; die Soeialdeinokraten sind weit davon entfernt, es zu negieren. Eine'Verpflichtung zur socialpolitischen Fortgeschritten- heit besteht für die Menschen nicht; und wenn eS auch bedauerlich ist, datz sich der Monarch feine Jnforniationen von den Gewerkcn, dem Erzherzog Friedrich bis hinab zum Rothschild, holt und sie ohne Zögern als richtig annimmt, so müssen eben die Bergarbeiter mit der Thatsache rechnen und sich daraus gefatzt machen, auf-ihrem barten Wege ein Hindernis mehr überwinden zu niüsicn. Datz man sich in den Kreisen des AnSbentertums sehr lebhaft bemüht, alle entscheidenden Faktoren gegen das von der Regierung versprochene Neunstundengcsetz aufzuhetzen, zeigt die verbürgte Thatsache, datz die Gräsin L a r i s ch, die Frau des Massenmörders von Äarwin, seit Wochen bei allen Herreichansmitgliedcrn agitiert, um sie für die Ablehnung der van der Regierung vorgelegten, vom Abgeordneten- hause beschlossenen Reform zu gewinnen. Die Worte des Kaisers sind auch sonst sehr wertvoll und nütz- lich.. Sie sind geeignet, manche Illusionen zu beseitigen und manche falsche Vorstellungen richtig zu stellen, deren man sich bezüglich der Gesinnungen in den höchsten Kreisen hingab. Wir meinen, die Sanktionierung der Wiener Wahlreforin— die zweifellos der persönlichen Initiative des Kaisers entstammte— und die Stellung- nähme gegen ein nnerlählicheS Arbeiterschutz-Gesetz seien Dinge, die ihre Wirkungen zeitigen werden. Diese Mitteilungen nnsers Wiener Korrespondenten erhalten eine sehr bemerkenswerte Ergänzung durch folgende Nachricht der„Frank- furter Zeitung": „Wir erhalten von zuverlässiger Seite die Mitteilung. datz schon vor der Abreise des Kaisers Franz Joseph nach Berlin der Fürst von F ü r st e n b e r g gefragt worden ist, ob er bereit sei. n a ch d e m S ch e i t e r n d e s M i n i st c r i u in s K ö r b e r an die Spitze des Ministeriums zu trete», das dann mit Suspendieruug der Bcrfassung regieren soll. Ter Fürst habe dieses Anerbieten für jetzt und für alle Zukunft abgelehnt."_ Frankreich. Französische und englische Rivalität am Mittelmeer- Nach einem Telegramm des Madrider„Jmparcial" sind die Frau- zosen nunmehr bis O u l in e n i x in der Nähe der großen Oase T a f i I e t vorgedrungen. Tafilet besitzt einen Flächenraum von 1400 Quadratkilometer und 100 000 Einwohner, die aus Berbern und Arabern bestehen. Nach einem Telegramm der„Frankfuricr Ztg." verfolgt England höchst aufmerksam Frankreichs Vordringen gegen Marocco und hegt die Absicht, auf eine Annektio» Tafilcts mit der Besetzung Tangers zu antworten.— Tic Gemcindcratswahlen sind in der Provinz allgemein zu Gunsten der Republikaner, namentlich der Socialisten ausgefallen. Nutzer in Paris besitzen die Nationalisten in kaum einer großen Stadt die Majorität. Selbst in den kleineren Städten dürften sie nur in fi'iuf oder sechs Gemeinderätcn dominieren. Die Nationalisten thäten also gut. ihren Ucbermnt zu zügeln. Den grötzten Erfolg unter den republikanischen Parteien haben die S o ei a l i st e n zn verzeichnen, die in Paris das einzig feste Bollwerk gegen den Nalionalismns bildeten und in der Provinz erhebliche Fortschritte machten. Die„Frankfurter Ztg." knüpft an den Wahlausfall denn auch folgende Betrachtungen: In Paris wie in der Provinz tritt unzweideutig zu Tage, daß der Socjalismus seine Macht wie einen r o c-. h e r ck s d r o n ö s stabiliert hat. Am eifrigsten spähte die klerikale und kapitalistische Reaktion nach drei Städten aus, deren jede zum Kriegs- schauplatz für den Befreiungskampf des vierten Standes geworden ist. In Roubair, Lille und Carmaux haben die Arbeiter heiß um ihre Emancipation, mn ein menschenwürdiges Dasein, um die Fortentwicklung der staatlichen Schutzgesctzgebnng gerungen. In allen diesen Städten flattert jetzt vom Rathaus das rote Banner. Bewunderungswürdig ist die.Haltung der durch einen entbchrungS- reichen, materiell früchtlasen Streik erschöpfen Arbeiter von E a r- in a ii x, die in dem Principieiilampf alle Drohungen getrotzt haben und nicht um eines Schrittes Breite gewichen sind'. Es ist in der Thai eine bedeutsame Erscheinung, daß die Woge der Reaktion weder am Liberalismus iind NepiiblikaiiiSmuS, sondern am Socialismus auf einen festen Widcrslandsdamm gestoßen ist. Es ist ungefähr die gleiche Er- scheinnng wie in Belgien, wo zwischen ÄlcrikalisinnS und Socialis- mus der Liberalismus ebenfalls aufgerieben wird. Auch der Grund ist der gleiche. Der Liberalismus im monarchischen Belgien und im republikanischen Frankreich hat sich zur politischen und socialen Weitereiitwicklimg gleich uiffähig erwiesen und darum wird er zwischen seinen' Feinden von rechts und von links zerinalmt. In Frankreich ist es bereits so weit gekommen, datz die Socialisten die zuverlässigsten Stützen der Republik sind, in deren Regierung sie sitzen, und nun ist auch der Ruf der Stadt Paris als �ei ii er„ L i ch t st a d t" einzig der Hut einer s o c i a l i st i s ch c n Minderheit anvertraut.— Italien. Tic Kammer wurde durch ein Dekret des Königs vertagt. Die Anflösiiug soll in den nächsten Tagen folgen. Da nnt dein Juli das neue Wahlrecht in Kraft tritt, durch das die Zahl der Wähler bedeutend erhöht wird— wodurch sich die Chancen der äiihersten Linken beträchtlich verbessern—, will die Regierung die Neuwahlen noch aus Grund der alten Wählerlisten vollziehen lassen.— Spanien. Uebcr die Revolte in Spanien bringt der„Hamb. Korrcsp." nähere Details. Danach trugen die Rnhcstörnngcn inBarcelona einen sehr ernsten Charakter und arteten zum Teil zu einem wahren Straße n kämpf anS, namentlich dort, wo die Ronda de la UniversidaS und die Ronda de San Antonio ziisainincntreffen. und in den engen Seitengassen dieser Gegend. Schon in den letzten Tagen, als Herr Data die katalanische Hanplstadt durch seinen nnangebraa tc» Besuch in Aufregung versetzte, waren van dort aus die Wagen der Stratzenbahn, deren Verkehr man verhindern wollte, durch Scheibeiieinwerfen belästigr worden. Als die Gendarmerie aber gegen Abend diesen Stratzeiiziig säubern wollte, wurde sie mit Schüssen empfangen, die glücklicherweise keinen großen Schaden anrichteten. Sie erwiderte das Feuer und, wie e-Z scheint, nicht ohne Resultat, denn zahlreiche Bliitipnren deuten darauf hin, datz ihre Kugetii besser trafen als die der Aufruhrer. Letztere konnten indcS die Mehrzahl ihrer Verletzten zurückziehen und verbergen; mir ein Schwerverwnndcter fiel der Gendarmerie in die Hände, ebensa wie acht andre Tumultiiaiitcii. die wegen Widerstands gegen die bewaffnete Macht vor das Kriegsgericht kommen. Da die Gendannetie erhebliche Verstärkimgcn erliieit und schließlich auch Infanterie anrückte, konnte man des Aufruhrs endlich Herr werden. Ani lt. Mai Wurde ein Reserve-Offizier der Guardia Civil durch einen Dolchstoß schwer verletzt. Auch begann Schietzen von Dächern, das erst aufhörte. als Infanterie-' und Kavallcricpikcts die Ler- hängnng des großen Bclagcningsziiftands verkündeten. Die Dächer in dem aufrührerischen Stadtviertel wurden mit Soldaten besetzt, um daS Schietzen von dort ans zu verhindern. Recht ernst lauten auch die Berichte aus Valencia. Hier war es am 10. Mai namentlich die Gegend am Bahnhos. Ivo sich blutige Scencii abspielten. In der Ruzafastratze war eine Barrikade errichtet worden, die von der Guardia Civil angegriffen wurde. Sie erhielt sofort Feuer, wodurch zwei Gendarmen schwer verfftzl wurden. Sie machte daraus ebenfalls von der Schußwaffe Gebrauch, wobei ein junger Arbeiter tot zusammenbrach und viele andre verivnndet wurden. Der Kampf dauerte bis in die Nackt hinein. Am andern Morgen begann man damit, in der San Feriianda-.Flasaders-.Maudas-, Treiich-, Palaser-, Ramillct-, Magdalena- und Lonjastratze. d. h. in allen Siratzen, die zum Markplatz führen, Barrikaden zu bauen, wozu die Pflastersteine und die Tische der Blinnenverkäuferinncii benutzt wurden. Einige dieser Barrikaden erreichten eine Höhe von l�e Meter und wurden am Nachmittag, da die Polizei die Leute ruhig gewähren ließ, durch Latcrnenpfähle, Baumäste, die abgehauen wurden, Ziegelsteine usw. verstärkt. Unter solchen Umständen blieb nichts andres übrig, als auch über Valencia den Kriegszustand zu verhängen. Gegen � Abend wurde der Markt und überhaupt die Stadt militärisch besetzt und auf den flachen Dächern der strategisch wichtigen Gebäude Schildwachen ausgestellt. Ter Berichterstatter des„Hamb. Korresp." faßt sein Urteil über die Vorgänge schlietzlich wie folgt zusammen: Der allgemeine Eindruck, den diese Ereignisse hervor- rufen, ist der. datz eine große Erbitterung und Miß- ft i m m u n g in weiten Volksschichten gegen die Regierung herrscht und daß diese besser d ar a n t h ä t e, anstatt mit Aufhebung der versassnngsmätzigen Bürgschaften und andern S t r a f in i i t e l n zu droh e n. patrr peccavi zu sagen und endlich mit Einführung der seit Jahr und Tag versprochenen Reformen zu.be- ginnen, vorausgesetzt, daß die weitere Entwicklung der Ereignisse ihr Zeit dazu läßt, denn die Stellung des Ministeriums ist nach allem, was geschehen und vielleicht noch bevorsteht,- natürlich nicht fester, geworden.—.- Rustland. Uebcr den Notstand der bäuerlichen Bevölkerung kommen anö Siidrutzlcmd wieder ernste Nachrichten. Trotzdem die Aussaat sich gegenwärtig unter günstigen Bedingungen vollziehen i'öiinte, sehen die Landleute sich jeder Möglichkeit des Ackerbaues beraubt. DaS Getreide. daS das Verpflegungsamt für Saatzwrcke an die Bauern verteilt hat, haben diese aus Not an die kleineren Guts- besitzer vcrkanft. In Bessarabien ist das Ackerland um 2—4 Rubel pro Desjätin billiger geworden, doch selbst die Pacht für die billige Erde können die Bauern nicht erschwingen. Zudem macht sich der Mangel an Vieh und Pferden anfs cmpsindlichste bemerkbar. Man kann in Bessarbien öfters den Anblick haben, daß eine ganze Bauern- familie. Mann, Frau und Kinder aneinandergesp'annt. die Arbeit des Pfliigens auszuführen bemüht ist. Die heruntergegangene Landpacht machen sich dagegen die meistens b e g ü t e r t e n G e i st l i ch e n, die Lehrer und K a n f l e u t e zu nutze. Sie mieten und kaufen Landsirecken und wollen ans dem bisher als Lieb- haberei betriebenen Feld- und Gartenbau ein regelrechtes Gewerbe machen. Afrika. Ueber die Unruhen im Kongostaat veröffentlicht der„Mesiager de Brurelles" eine Unterhaltung seines Korrespondenten mit Reisenden des heute früh vom Kongo eingetroffenen Dampfers„Albert- ville" über die jüngst gemeldeten Ereignisse im Fort Shinkakassa bei Borna. Am Mittag des 17. April empörten sich beim Appell 150 unter dem Befehl des Hauptinanus Meeeteegh stehende Mannschaften und beschossen die Stadt Borna mit ihren Gewehren und drei Nordeiifeldt-Geschützen. Es gelang d?n Meuterern indessen nicht, die noch auf dem Fort vorhandenen zehn Kruppschen Kanonen in Thäligkeit zu setze». In der Nacht vom 18. zum 10. trafen auö dem Lager von Lnki 150 Mann unter Haupt- mann Tonglet ein und nahmen das Fort im Sturm, wobei auf beiden Seiten etwa 12 Mann fielen. Die Aufrührer entkamen in den Busch. 120 Senegalesen unter Hauptmann Silly nahmen alsbald die Verfolgung der Flüchtigen aus. Beim Abgang des Dampfers war daS Ergebnis der Verfolgung noch nicht bekannt. Die Lage der Stadt Borna war eine Zeitlang kritisch und die „Albertville" mutzte ihren Anlegeplatz ändem, um aus dem Bereich des Feuers zu kommen. Auf Weisimg deL Gouverneurs blieb der Dampfer 7 Tage lang in Boma. Die aufrührerischen Matabele- Soldaten sind rückfällige Meuterer, welche bei einem früheren Auf- stand am oberen Kongo gefangen genommen- und zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren.— Vsvlamenkavifches. In der Budgetkommifsio» des Reichstags wurde am Mittwoch die z w e i t e Beratung des Flotten- g e s e tz e s fortgesetzt. Vor Eintritt i» die Tagesordnung interpelliert Abg. Gröber (C.) de» Staatssekretär des Neicks-Marine-Amts. ob die Aentzerung des Oberwerftdirektors v. Ahlefeld,„die katholischen Arbeiter seien minder intelligent" thatsächlich, wie in der Presse berichtet worden. gefallen sei. Staatssekretär Tirpitz bezweifelt, datz die Worte in diesem Sinne gelautet haben. Abg. Mnller-Fnlda berichtet sodann über die Beratungen der Subkoimnission, der gestern die§§ 6 und 7 des FlottengesetzeS, betreffend die Fiiiaiizierung. überwiesen worden waren. Die S ii b k o m m i s s i o n beantragt folgende Fassung: Z 6. Insoweit vom Rcchnimgsfahr 1001 ab der Mehrbedarf an fortd'anernden und einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Mariueverwaltung den Mebrertrag der Reichsstempelabgabcn über die Summe von 53708000 M. hinaus übersteigt, und der Fehl- betrag nicht in den sonstigen Einnahmen des Reichs seine Deckung findet, darf der letztere nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indirekten, den Massenverbrauch belastenden Reichsabgaben auf- gebracht werden. § 7. Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Gesetz über Ab- änderuiig des Reichs-SiempelgesetzeS vom 27. April 1804 in Kraft.— Das Gesetz über die deutsche Flotte vom 10. April 1808 wird aufgehoben. In erster Lesung war ferner folgende Resolution angenommen worden: den Herrn Reichskanzler zu ersuche», dafür Sorge zu tragen. daß vom Rechnungsjahr 1001 ab im Etat für die Verwaltung der kaiserlichen Marine die vollen Kosten fiir Armininaen(statt bisher zwei Drittel) und von den Schiffsbaukosten sechs(statt bisher fünsj Procent des Wertes der Flotte auf de» ordentlichen Etat übernommen werden. Die Subkoimnission beantragt, dieser Resolution als Nr. 2 anzufügen: datz der aus der Aenderung des Reichs- Stempelgesetzes noch vcr- bleibende Uebersilmtz zur Verminderung der Rcichsschuld nach Matz- gäbe der hierüber im Etat zu treffenden Bestimmungen Verwendung finde. Abg. Müller-Fulda beantragte, in 8 7 zusagen: Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem„noch in dieser Session des Reichstags zu erlassenden" Gesetz, bc- treffend Abänderung des Stempelgesetzes, in Kraft. Abg. Dr. Paaschs(natl.) will vor den Worten„in Kraft" ein- fügen:„und dem Gesetz über Abänderung deS Zolltarifgesctzcs." Abgg. Bebel und Singer bemängeln- die von der Subköinmission vorgeschlagene Fassung. Abg. Gröber(C.) verteidigt die Vor- schlage. Es sei unmöglich, eine Fassung zu finden, mit der alle einverstanden seien, deshalb möge man mit dem Gebotenen zu- frieden sein Im Namen'des Centrums erkläre er zu Protokoll, datz seine Fraktionsgenossen, falls von der Mehrheit w e i t e r c E r m ä tz i g u n g e n d e S S tem p eist e n e r- Gesetzes beliebt würden, welche zur Deckung nicht ausreichten. die Deckungsfrage als nicht gelöst betrachten und alsdann die Zustimmung zur Fl o tt e n v o r l a g e v e r- sagen mützteu. Die 8s 8 und 7 des FlottengesetzeS werden darauf mit den Anträgen Müllxr-Fulda und Paasch- in der von der Subkoimnission vorgeschlagenen Fassung a n g e n o in m c n; ebenso die vorgeschlagene Nssolutioii. Damit ist das Flottengesctz erledigt. Eine Gesaintabstiininung findet nicht statt. Avg. Müller- Fulda erklärt sich bereit, den schriftlichen Bericht über das Flottciigcsetz schon bis morgen fertig- zustellen. Hierauf wird die Beratung der Novelle zum Reichs- S t e m p e l g e s c tz fortgesetzt, aber noch nicht vollendet. Fortsetzung Donnerstag._ DÄvter-AKrhviihken. Ein gespannter Richter. Genosse Groth, Redacteur der „Mecklenburgischen Bvlkszeituug", stand am Montag vor der Straf- kammer deS Landgericht» Schwerin, die er gegen ein Verurteileudes ErkciliitiiiS des Schöffengerichts augerufcii hatte. Den Vorsitz führte der Laudgerichts-Direktor Schmidt. Groth lehnte diesen Wege» Bc- fangeuheit ab und fragte darauf: Darf ich die Grüiide meines Ablehim'ngSgesuchs mitteilen? Vorsitzender: Das ist gar nicht nötig; die Grunds keime ich schon. Der erste Grund ist, datz ich den Holst aus Wismar wegen Meineids zu Zuchthaus verurteilt habe, und der zweite ist, daß ich Sie selbst verurteilte. Groth: Nein, meine Gründe sind ganz andre. Vorsitzender: Jh, da bin ich aber wirklich gespannt! G r o t h erörterte nun, daß ihm der Landgerichts-Direktor Schmidt als Vorsitzender in einer andern Verhandlung das Wort zur Verteidigung erst erteilt habe, nachdem er ihm mit sofortiger Wortentziehung gedroht habe für den Fall, dah er auch nur im ge- ringften von der Sache abwiche. Zu solcher Androhung habe nicht der geringste Grund vorgelegen, Schmidt habe gewußt, daß er schon -sehr oft vor Gericht gestanden habe, daß er also mit den Rechten und Pflichten eines Angeklagten wohl bekannt sei; noch niemals aber habe ein Vorsitzender Veranlassung gehabt, ihn zur Ordnung zu rufen. Er könne sich deshalb das Auftreten des Herr Schmidi nur aus dem Umstände erklären, daß er ihm gegenüber vor- eingenommen sei. Vorsitzender: Das haben wir ja alles schon rn der„Mecklenburgischen VolkSzeitung* gelesen; das ist nichts Neues für uns. G r o t h: Das bestreite ich nicht s aber das kann mich nicht hindern, es hier vorzubringen. Bestärkt werde ich in meiner Ueber zeugung davon, daß der Landgerichtsdirektor Schmidt gegen mich voreingenommen ist, durch die Art und Weise, wie der Herr Vorsitzende in der Hauptverhandlung vom 31. März jene Vor Haltungen vorbrachte. Vorsitzender: Auch das habe ich schon alles in der „Mecklenburgischen Volkszeitung" gelesen: nun kommt wohl die Geschichte mit dein Finger? G r o t h: Ja, nun kommt dieser Vorfall. Der Landgerichts Direktor Schmidt begleitete nämlich seine Ausführung damit, daß er den vorgestreckien Zeigefinger der gegen mich erhobenen rechten Hand fortwährend hin und her bewegte. In dieser ausfallenden Gesie konnte ich nur eine gegen mich gerichtete Drohung erblicken, die mir einem Richter nur unter der Voraussetzung erklärlich bei ist, daß derselbe persönlich gegen mich voreingenommen. Herr Landgerichts-Direktor Schmidt scheint sich selbst trotz seines bemerkenswerten Auftretens gegen Groth nicht für befangen gehalten zu haben. � Es war deshalb ein Gerichtsbeschluß notwendig und da die nur mit 3 Richtern besetzte Kammer— eS handelte sich um eine Privatklage— für diese Entscheidung nicht beschlußfähig war. mußte die höhere Instanz entscheiden. Es wurde deshalb, jedoch erst nach längerer Beratung des Gerichtshofs, die Vertagung der Verhandlung verkündet.— Herr Landgerichts-Direktor Schmidt'ist jedenfalls ein interessanter mecklenburgischer Richter. Parteiorganisation. In Krefeld beschloß eine Partei- Versammlung, daß die Parteigeschäfte für den Stadtkreis der Social- demokratische Volksvercin leiten solle. Für den Landkreis soll bis nach dem deutschen Parteitag das Vertrauensmännersystem bestehen bleiben. Im Waldenburger Wahlkreise, der infolge der Mandats- niederlegung des Genossen Sachse eine Nachwahl vorzunehmen hat, sind unsre Parteigenossen bereits in vollster Thätigkeit. Sie haben schon verschiedene Versammlungen veranstaltet, die außerordentlich zahlreich besucht waren und zu den besten Hoffnungen berechtigen. Die gegnerischen Parteien haben noch so gut wie nichts gethan. Prcßfreudcn. Unser böhmisches Partciblatt„Svoboda", daS in Kladno erscheint, wurde während des Bergarbeiterstreiks als Tageblatt herausgegeben. Es erschienen auf diese Weise im Ganzen 85 Nummern. Davon wurden 43 Nummern lonfisciert. In diesen 43 Nummern wurden 126 Artikel und 2 Bilder beanstandet, durch die 13S Strafthaten begangen worden sein sollen. Unter den Strafthaten befinden sich eine ganze Menge Majestäts- beleidigungen, Aufreizungen zu Haß nud Verachtung und zu Feindseligkeiten je. Merkwürdigerweise hat aber der Staats- anwalt wegen aller dieser Verbrechen keine Anklage erhoben. Nur wegen einiger Uebertretungcn ließ er den Redacteur durch den Bezirksrichter auf einige Tage einsperren. Die übrigen Strafthaten gehören in dem verrotteten Oestrcich zur Kompetenz der Schwur- geeichte und denen— traut der Staatsanwalt nicht. Um sich Blamagen zu ersparen, unterließ er die Anklage. Berlin und Umgegend. An die Parkettbodcnlegrr Berlins! Kollegen! Da wir in kürzester Zeit in den Lohnkampf eintreten müssen, so ist es Pflicht eines jeden Kollegen sich an den Holzarbeiter-Verband anzuschließen, um beim Ausbruch des Kampfs gerüstet dazustehen. Bei der jetzigen günstigen Baukonjunklur werden wir unsre gerechten Forderungen bald zur Durchführung bringen können, haben doch die Fabrikanten selbst durch Erhöhung ihrer Preise und Bildung eines Rings ihren Vorteil wahrgenommen Darum auf, Kollegen, tretet ein in den Holzarbeiter-Verband und erscheint alle Mann für Mann am Donnerstagabend und Sonntag früh zu dem in dem Gcwerkschafts- hause Engel-Ufer 15 stattfindenden Versammlungen. Der Streik der Brettschneider und Bretterträger ist am 16. Mai beendet. Gesperrt bleiben für Brettschneider die Geschäfte: Scligsohn, Urbanstraße; Schiffer u. Sohn. Wilmersdorf, und Sauer- land, Lohmühlenstraße. Für Bretterträger: Cohn, Knrfürstendamm. Die Lohnkommission der Brettschneider. Der Geschäftsgewinn der Radeberger Exportbraucrei ist lm vergangenen Jahre ein sehr mäßiger, die Gesellschaft verteilt 1 Proz. Dividende. Als Ursache des ungünstigen Abschlusses wird von der Gesellschaft angegeben, daß das Erträgnis des Vorjahrs durch die gestiegenen Preise von Gerste, Malz, Hopfen und Kohlen beeinträchtigt wurde, außerdem durch den im Vorjahre stattgehabten Streiks nachteilig beeinflußt worden sei, ein Zusammenhang, mit welchem der socialdcmokratische Teil der Kundschaft größtenteils ver- loren ging, und daß auch erhebliche Ausfälle in Außenständen zur Abschreibung gelangen mußten.— Vielleicht zieht die Gesellschaft daraus die Lehre, daß sie sich in Zukunft weniger ablehnend zu den Arbeiterfordcrungen verhält. Deutsche» Reich. Gegen die Streikposten war gelegentlich des Kistenmackier- streiks in Bremen seitens der Polizei mehrfach eingeschritten worden. Beschwerden bei der Polizeidirektion halfen so wenig wie die öffent- liche Beschwerde seitens der socialdeniokratischen Fraktion in der Bürgerschaft. Die Polizeidirrktion hat sich nur noch energischer zum Schutze der bremischen Kistcnfabrikanten aufgerafft. In acht Fällen hat sie nunmehr gegen Streikposten Strafvcrfügungen erlassen; sieben Holzarbeiter wurden in eine Geldstrafe von'lö'bczw. 26 M.. einer in eine Geldstrafe von 3 Wl. genommen und zwar auf Grund der Beschuldigung, daß sie„gemeinsam mit andern Arbeitern sich als'Streikposten am Holzhafen(resp. Buntenthorsteinweg) aufgehalten haben, wo bei der Firma Logcmann u. Wardenburg ein Streik besteht, und daß sie der zum Zweck der Erhaltung der dieserseitS auf der Straße an sie er- gangenen Aufforderung des Schutzmanns..., das Holzhafenareal zu verlassen, nicht unbedingt Folge geleistet haben". Gegen die Strafversüguugeii ist seitens der Betroffenen gericht- liche Entscheidung beantragt worden, in der die Polizei eine üble Position haben dürste. Denn die Streikenden sind der jeweiligen Aufforderung des Schutzmanns, den Ort. wo sie Posten standen, zu verlassen, nachgekommen; später übten sie das Amt des Posten- stehens wieder aus, weil das Strcikpostenstehen nach ihnen ge- wordener Mitteilung von der Polizeidirektion selbst als ein ihnen an sich zustehendes Recht bezeichnet worden war. Die Lorbeeren des lübiichcn Senats haben die hanseatische Seele der bremischen Behörden nicht ruhen lassen. Ob auch das Gericht von ähnlicher Ruhelosigkeit geplagt sein wird? Ob es einen Spruch zum Schutze der Freiheit des bremischen Großkapitals thun wird? Die bremischen Kistenfabrikanten sind in der Weser-Republik gar mächtige Leute. In Forst haben die Zimmerer die Arbeit niedergelegt. Sie fordern gleichen Lohn wie die Maurer. Sofort haben nach be- rühmten Mustern die Arbeitgeber schwarze Listen anfertigen lassen und an die Unternehmer in der Umgegend versandt. In Kottbus find seitens der Eisenbahnverwaltung die Beamten und Arbeiter aufgefordert worden, bis zum 1. Juli ihren Austritt aus dem Gewerkvereinskonsum zu bewerkstelligen, da derselbe unter socialdemokratischer Leitung stehe. Die Arbeiter wollen durch ihren Ausschuß gegen diese Maßregel vorstellig werden. Ter Ausstand der BrcSlauer Tischler zählt 1667 Streikende. Sechs Firmen haben die Forderungen der Streikenden bewilligt, eine große Anzahl der Ausständigen sind abgereist. Die Straßcnbahn-Angestelltcn in Magdeburg haben in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung beschlossen, der Direktion 18 spccialisierte Forderungen zu unterbreite». Die wichtigsten stnd die Forderung eines Minimallohns von 166 Mark pro Monat, jährlich 5 M. Erhöhung pro Monat bis zur Höchst grenze von 126 lvk., eine Dienstzeit von 8 Stunden, Bezahlung der ileberstunden und Errichtung einer Pensionskasse. Zu dem Ausstand der Perlmutterarbeiter in Franke« hausen wird uns vom Vorstand des deutschen Holzardeiter- Verbandes mitgeteilt. daß die Organisation die Unterstützung der Ausständigen vollständig übernommen hat, mithin eine Auf forderung zur Sammlung, wie sie in einer unS übermittelten Zu schrist am Dienstag im„Vorwärts" veröffentlicht wurde, unangebracht ist. Unterstützungsgelder sind nur an den Vorstand des Holzarbeiter Verbandes nach Siurtgart zu senden. Die Angst der Tcxtilindustriellen. Am Sonntag, den 26. Mai findet in M.-Gladbach eine Konferenz der Textilarbeiter Rheinlands und Westfalens statt. Die rheinischen Kapitalistenblätter, allen voran die„Kölnische Zeitung", geben ihrer Verwunderung über diese Konferenz in folgenden Zeilen Ausdruck: „Der Beschluß, diese Beratung stattfinden zu lassen, erregt in den Kreisen der Textilindustrie allgemeines Aufsehen, da erst im vorigen Monat ein allgemeiner Tertilarbeitrr- Kongreß, auf dem auch die rheinisch-westfalischen Textilarbeiter vertreten waren, ab- gehalten worden war. Es verlautet, daß die Versammlung in M.-Glad- dach die Einleitung zu einer umfassenden Bewegung der rheinisch- westfälischen Textilarbeiter bilden soll. Auch die Textilarbeiter Nord- bayerns hatten"am 29. April in Forchheim in einer außerordentlichen Versammlung über eine planmäßige Organisation unter den Textil- arbeitern Bayerns beraten. Wir können den Zeitungen verraten, daß e� sich thatsächlich um eine Einigung der Textilarbeiter handelt. Es sollen Mittel und Wege gesucht werden, die verschiedenen Organisatiönc» einander näher zu bringen. Die Textilarbeiter kommen zu der Einsicht, daß von ihrer Zersplitterung nur das Unternehmertum Vorteile hat. Tie Krefeldcr Polizeibehörde scheint sich sehr für die Namen derjenigen Arbeiter zu interessieren, die den 1. Mai gefeiert. Sie hat sich nämlich der Mühe unterzogen, bei den Unternehmern Nach- frage zu halten, wer von den Arbeitern gefeiert habe. Stets wird von der Verwaltung der Stadt Krefeld behauptet, der Polizei- beamten seien zu wenig, die obige Thatsache spricht aber nicht dafür. Der Ausstand der Textilarbeiter in L o g e I b a ch bei Colmar (Elsaß) ist bisher insofern günstig verlaufen, als zwei der beteiligten Firmen durch eine 16prozentige Lohnerhöhung und Herabsetzung der Arbeitszeit von 13 auf' 12 Stunden den Forderungen der Streikende» entgegengekommen sind. In diesen Betrieben ist darauf- hin die Arbeit wieder aufgenommen worden, während drei andre Firmen noch gesperrt sind'. Bei dem Ausstand wird besonders die Haltung der streikenden Arbeiterinnen gerühmt, die ihren männlichen Bcrufsgenossen durch zähes Festhalten an den aufgestellten Forderungen mit dem besten Beispiel vorangehen. Von den Lohn- Verhältnissen in der oberelsässischen Textilindustrie kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß Hungerlöhue von ieben Mark für 12 Arbeitstage nicht zn den Selten- zeitest gehören. Die anfänglich noch schwache Organisation der 'chwcr gedrückten Arbeiterschaft ist seit Ausbruch der letzten Streiks merklich im Erstarken begriffen. Geradezu kläglich muß bei diesen Lohnkämpfen die Haltung der klerikalen Presse genannt werden, die mit Lügen und Vcrleunrdungcn gegen die Ausständigen hetzt und offen die Partei der steinreichen Fabrikanten ergreift. Ausland. I« Stockholm haben die Bauunternehmer beschlossen, alle Arbeiter in ihrem Gewerbe auszusperren. Social es. einem Buche über Dr. v. Petersen die und Die Ursachen der Prostitntion. In Prostitution in Rußland von Professor Dr. v. Stürmer werden einige sehr beachtenswerte Zahlen mitgeteilt. Eine im Jahxe 1889 vorgenommene Zählung der Prostituierten Rußlands ergab, daß 87,4 Proz. der Gezählten vater- und mutterlose Waisen waren. Es stammten 6,9 Proz. aus reichen. 15,6 Proz. auS wohlhabenden und 8Z,ö Proz. aus armen Familien. Diese Zahlen beweisen, daß die Not die so gut tvic alleinige Ursache der Prostitution ist. Kindersrcnndliche CcntrnmShandwerkcr. Die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Äölix befaßte sich am Montag in ihrer zweiten Vollversammlung mit der Bcgut- achtung des Entwurfs einer Polizeiverordnung über die Beschäftigung von Kindern mit gewerblichen Arbeiten. Der von dem Regrernngspräsidentcn unterbreitete Entwurf sieht daS Verbot der Arbeit aller Kinder unter neun Jahren außerhalb der Wohnung und während der Schulunterrichtsstunden auch inner- halb der Wohnung vor; schulpflichtige Kinder zwischen neun und vierzehn Jahren dürfen während der Unterrichtsstunden weder außerhalb noch in der Wohnung zu gewerblichen Arbeiten verwendet werden; Kinder, die das neunte, aber noch nicht das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben, dürfen außerhalb ihrer Wohnung während der Zeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens zum Austrage» von Backwaren, Milch, Zeitungen oder andren Gegenständen, zum Kcgclaufsetzen oder zu sonstigen Verrichtungen i» Gast- und Schankwittschaften. zum Aufwarten, ziun Handel init Blumen oder andren Gegenständen nicht verwendet lverdeu. Ueber- tretungen sollen an Elter». Vormündern und denen, die die Kinder ungesetzlich beschäftigen, mit Geldstrafe bis zu 66 Mark geahndet werden. Diese ärmlichen Vorschläge gingen den JnnungSmännern noch zu weit. In allen Tonarten priesen sie den Segen der Kinderarbeit. Demgegenüber beantragte der Gescllenauöschuß, daß die Kammer das Gutachten in dem Sinne abgebe, daß die Kinderarbeit gänzlich verboten wird. Besonders der Schneidergeselle Fulfs trat der innungsmeistcrlichen Rückständigkcit entgegen': Die Polizei-Verordnung flehe noch lange nickt weit genug: das sei der Standpimkt des ge- amten Gesellenausschusses. Die Handwerksmeister ließen sich jedoch nicht von ihrer Kindcrfreundlichkeit abbringen. Die Kammer beschloß. daS Gutachten dahin zu beautwonen. daß eine Beschäftigung der Kinder von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, und im Winter' von 6'/? Uhr morgens zu gestatten sei; es möge eine Gewichtsgrenze bestimmt iverden, über die hinaus Kindern nicht Traglasten mitgegeben werden dürfen. Das wäre die erste socialpolitische Kundgebung der Kölnischen Handwerkskammer, die größtenteils aus Ceutrumsle'uteu besteht. Die Eisenbahnen der Erde. Das Eisenbahnnetz der Erde hat, wie der„Reichs-Anzeiger" dem Maiheft des„Archivs für Eisen- bahnwesen" entnimmt, am Ende des Jahres 1898 eine Länge von 752 472 Kilometer erreicht, eine Länge, die daS 18�'« fache des Erdumsaugs am Aequator(46 676 Kilometer) noch um mehr als 1666 Kilometer übertrifft und nahezu dem Doppelte» der mittleren Entfernung des Mondes von der Erde(384 426 Kilometer) gleich- kommt. Bei dieser Längenangabe sind nur die Bahnlängen gerechnet. die Gleislänge ist bei den vielen 2- und mehrgleisigen Eisenbahnen. die sich namentlich in Europa und in Nord-Amerika finden, eine noch bedeutend größere. Von der gesamten Bahnlänge der Erde kommt mehr als die Hälfte— 336 732 Kilometer— aus Amerika. Daun folgt von den Erdteilen das an Flächeninhalt nur etwa'/} von Amerika umfassende Europa mit 269 743 Kilometer, hiernach Asien mit der im Ver- hältnis zu der gewaltigen Flächengröße dieses Erdteils sehr geringen Länge von 55 665 Kilometer, Australien mit der verhältnismäßig wesentlich größeren Länge von 23 334 Kilometer und endlich Afrika mit der sowohl im ganzen als im Verhältnis zur Fläche kleinsten Zahl von 17 653 Kilometer Eisenbahnen. Wie Amerika unter den Erdteilen, so stehen die Vereinigten Staaten von Amerika unter den Staaten in Bezug auf die Eisenbahn- länge obenan; sie zählten am Schluß des Jahres 1898 299 911 Kilometer. Dann folgen das Deutsche Reich mit 49 566 Kilonieter, das europäische Rußland einschließlich Finnlands mit 42 535 Kilometer, Frankreich mit 41 763 Kilometer. Brilisch-Ostindien mit 35 384 Kilo- meter. Ocsrreich-Ungarn einschließlich von Bosnien und Herzegowina mit 35 113 Kilometer. Großbritannien und Irland mit 34 668 Kilo- meter. Im Verhältnis zur Flächengröße ist das Königreich Belgien, in dem 26.6 Kilometer Eisenbahnen auf je 166 Quadratkilometer Fläche kommen, das mit Eisenbahnen am besten ausgestattete Land. Nach diesem folgen das Königreich Sachsen mit 18,6 Kilometer, das Großherzogtum Baden mit 12,5. Elsaß- Lothringen mit 12,2, Großbritannien und Irland mit 16,9, das Deutsche Reich im Durchschnitt mit 9,2. die Schweiz mit 8.9, die Niederlande mit 8,8, Frankreich mit 7,9 Kilometer Eisenbahn auf je 166 Quadrat- kilometer Fläche. Die übrigen europäischen Länder sind mit Eisen- bahnen im Verhältnis zu ihrer Flächenausdehnung spärlicher aus- gerüstet, die kleinsten Zahlen haben Rußland mit 6,8 und Norwegen mit 6.6 Kilometer Eisenbahn auf 166 Quadratkilometer. Von den außereuropäischen Ländern stehen in Bezug auf dieses Verhältnis die Vereinigten Staaten von Amerika mit 3,8 Kilometer Eisenbahn auf 166 Quadratkilometer obenan, danach folgen Portugiesisch- Indien und die australische Kolonie Victoria mit je 2,2 Kilo- meter. alle übrigen Länder zeigen wesentlich kleinere Zahlen. Der Wert der gesamten Eisenbahnanlagen wird auf rund 149 Milliarden Mark berechnet. Eingegangene Druckschriften. „Archiv für sociale Gesetzgebung und Statistik." Da» neueste Doppelheft dieser nunmehr im 13. Jahrgang erscheinenden, von Dr. Heinrich Braun herausgegebenen Zeitschrist(Berlin, Karl Heymann's Verlag) hat u. a. folgenden Inhalt: Abhandlungen: Grundziige einer allgemeinen staatlichen Arbeitsvennittelnng für Oeftreich. Bon Dr. Ernst Milchler in Graz.— Die Berufs- und Gewerbezählnng tm Deutschen Reich vom 14 Juni 1895. Von Prof. Dr H. Rauchbcrg in Prag Schlnb des II. Teils. Bemssgliederung und sociale Schichwlig.— Landwirlfchastliche Manusaktur und elektrische Landwirtschast. Von Dr Otto Pringsheim in Breslau.— Das Grundeigentum in Belgien in dem Zeitraum von 1834 bis 1899. Von Prof. Emil Vandervelde. Mitglied der Deputiertenkammer in Brüsiel. Gesetzgebung: Preußen. Die Erweiterung der Zwangs- erziehung. Von Prof. Dr. Ferdinand TönnieS— Wortlaut des Entwurfs eines GeletzeS über Zwangserziehung Minderjähriger. Dem preußischen Herrenhaus am 8. Januar 1900 durch den Minister des Innern vorgelegt. Miscellen: Die Statistik der Unfall-, Alters- und Jnvalidttäts- versichernng im Deutschen Reich für das Jahr 1897. Von Dr. Ernst Lange in Berlin. Litteratur: Aschrott, Dr P F., Die Zwangserziehung Minderjähriger und der zur Zeit vorliegende preußische Gesetzentwurs. Bc- sprochen von Professor Dr Tönnies— Tugan- Äaranowsky, M., Ae> schichte der russischen Fabrik. Besprochen von Prosessor Dr. Boris MinzsS iu Sana._ Der Krieg. Noch einmal hat das KrieqSMck den Bocrcn gelächelt. Nach Telegrammen von Boerenseite ist endlich Mafeking gefallen. Der Berichterstatter der„Daily Mail" in Lourenyo Marques telegraphiert unter dem 15. Mai: I» Pretoria wurden folgende KriegsbnlleiinS veröffentlicht: Während des am Sonnabend in Mafeking stattgehabten Kampfes brannte das Kaffernviertel. Qbcrst Badcn-Powcll hat, nach- dem er um einen Waffenstillstand nachgesucht hatte, am Sonntag früh 7 Uhr kapituliert.— Das zweite, von General Sneemann unterzeichnete Telegramm lautet:„Ich hatte daS Glück, heute srüh den Oberst Baden-Powcll mit seine» Manu gefangen zu nehmen." Auf englischer Seite wird die Kapitulation Mafekings allerdings noch in Abrede g e st e l I t und als Manöver KrügerS bezeichnet, um die Boercilmannschasten mit neuem Mut zu beleben und zusammen zu halten. Auch liegt ein Telegramm vom 15. lvkai aus Loureuxo Marques vor, das behauptet, daß nach amtlicher portugiesischer Mitteilung bei Mafeking zivar ein heftiger Zusammenstoß stattgefunden habe, daß die Boercn aber mit schweren Verlusten zurück- geschlagen worden seien. Da die Boereumcldung jedoch mit so größer Besiinmitheit auftritt, darf man ihr größere Glaub- Würdigkeit beimessen, als den nichts weniger als zuverlässigen eng- lischen Meldungen. Lord Roberts meldet aus Kroonstad eine kleine Schlappe eines englischen RekognoScierungscorpS. Sein Telegramm lauter: London. 16 Mai. Zwei Offiziere und 6 Mann fouragierten gestern in der Nähe von Kroonstad. Als sie sich einer Farm näherten, auf welcher eine Weiße Fahne wehte, eröffneten etwa 15 Boere», die hinter Mauern Stellung genommen hatten, Feuer aus die Abteilung. Zwei Soldaten wurden getötet, der eine Offizier verwundet; der zweite Offizier sotvie zwei Soldaten wurden gefangen genommen. General Butter meldet aus D u n b e e voin 16. Mai: Wir besetzten gestern G l e n c o e. Die Transvaal- Bocren hoben jetzt die Biggarsberge geräumt. Tie Freistaotler auf den Drakcnsbergen sind an Zahl sehr vermindert. Tie Kommandos von Carolina, Lydeuburg und Pre- toria sind am�13. und 14. Mai von Hlaiiluln nördlich weitergezogen. Elf Geschütze wurden in Glcncoe in einen Eiscubahuzug geschafft; der letzte Zug mit den Ambulanzen verließ Glcncoe gestern bei Tagesanbruch. Die Zuge verlchreu jetzt nach der Station WesielSnek. Die englischen Verluste. Nach dem vorliegenden amtlichen Bericht betragen die Verluste deS britischen HcercS in Südafrika bis zum 2. Mai 48 799 Mann; doch sind hierin die jetzt in den britischen Hospi- tälern in Südafrika befindliche>» Kranken und Verivundeten nicht eingerechnet. Tetzke Llschvirszken und Depeschen. Auflösung der italienischen Kammer in Sicht. Rom, 16. Mai. Die Zeitungen glauben, daß dem Dekret über die Vertagung der Kammer ein Auflösnngsdekrct folgen werde. in welchem die Neuwahle» zur Kammer für den 16. Juni und die Stichwahlen für den 17. Juni festgesetzt werden.— In einer Ver- sammlung der Linken wurde ein aus den Deputierten Zanardelli. Giolitti und Coppiuo bestehendes Komitee damit beauftragt, eventuell die Wahlen zu leiten. In einer Versammlung der äußersten Linken wurde beschlossen, daß für den Fall von Neuwahlen die drei Gruppen der äußersten Linken, die Radikalen. Republikaner und Socialistcn gemeinsam vorgehen sollen. Bonn, 16. Mai. Dos DivisionSboot der TorpedobootSdiviston passierte heute abend 7 Uhr stromaufwärts die hiesig« Rheinbrückt. DaS Boot hatte von 2 bis S Uhr bei Godesberg angelegt. Verarnivorllicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und Nnterhaltnngsblatt. •>- ib. i». wr« i. KnlM ilts ,|ormirt6" Kerlmr UcksM«<»M»«.« I«. NeichskAg. IIS. Sitz un q. Mittwoch, den 16. Mai 1900, 1 Uhr. Am Bundcsratstisch: Graf Pofadowsky, Tirpitz. Zunächst wird das Gesetz detrcffend die militärische S t r a f r e ch t S p f l e q e in Ä i a u t s ch.o n nach den Beschlüssen zweiter Lesung in dritter Beratung angenommen. Ebenso in der Gcsamtabstimmung. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung der U e b e r- s i ch t der R e i ch s- A us g a b c>« und- E i n n a h in c n für 1898. Abg. Schwarzc-Lippstadt(E.) sBcrichtcrstattcr der Kommissions: In der Kommission hat lediglich der Titel 9 des Kapitels «Auswärtiges Amt" zu Debatten geführt, der eine Ausgabe Don ungefähr 40000 M. als Reisekosten fiir die Palästinareise dcS Staatssekretärs vorsieht. Dieser Titel war vom Abg. Singer beanstandet worden, tveil nach seiner Meinung diese Reise eine Privat- reife des Kaisers gewesen wäre und deshalb auch die Kosten dafür aus der PrivatjchatuIIe des Kaisers bestritten werden»mißten. Die Kommission ging dagegen von der Ansicht aus, daß ähnliche Forderungen schon früher wiederholt unbeanstandet seitens des Reichstags geblieben feien, daß der Kaiser, wo er auch sei, doch Kaiser bleibe und als solcher Gefolge brauche, daß überdies die Reise auch politische Erfolge gehabt habe. Sie beantragt daher die Decharge zu erteilen. Abg. Singer sSoc.): Ich muß zunächst anerkennen, daß der Herr Berichterstatter durchaus sachlich berichtet hat, und ich ivürde mich freuen, wenn ich dasselbe von den KominissionSberhandlungen sagen könnte. Nach den Berichten über diese hat der Berichterstatter dort Aeußerungen ge than, die, wenn er sie heute wiederholt hätte, mir Veranlassung gc geben hätte, mich ernsthaft dagegen zu verwahren. Was die Sache selbst anlangt, so kann ich mich mit der Auf fastuiig der Kommission nicht einverstanden erklären. Daß der deutsche Kaiser überall Kaiser ist, wo er sich auch aufhält, will ich nicht bestreiten, eine andre Frage aber ist es. ob bei Privat- reisen, die der Kaiser macht, die Kosten für die Mitnahme der Beamten, die der Kaiser einlädt, von ReichSwegcn getragen werden müsse». Wenn der Berichterstatter recht hätte,' so würde die Person des Kaisers überhaupt nicht zu trennen sein in ollen seinen Handlungen vom Deutschen Reich. Dann würde das Reich überhaupt alle Kosten zu tragen hoben, die auch z. B. mit Jagdrcise» des Kaisers und ähnlichen Anlässen zusammenhängen Das ist vielleicht ein Standpunkt, den ein Teil dieses Hauses ver- tritt, aber die bisherige Praxis steht damit durchaus im Widerspruch Mit Recht ist bisher an dem Grundsatz festgehalten, daß die Prwat reisen des Kaisers aus seiner Privatfchätulle zu zahlen seien. Dies ist der thatsächliche Zustand und eS kann sich hier mir um die Frage handeln, ob die Kosten sür die Pcgleitnug, die der Kaiser einlädt, von Reichs wegen getragen werden müssen. Man sagte in der Kommission, der Kaiser müsse fortwährend Konnex mit dem Reichskanzler durch hohe RcichSbcamte sein und... könnten auf solcher Reise Beschlüsse von höchster politischer Tragweite gesaßt werden. In der Kommission ist sogar behauptet worden, der Kaiser könnte auf solchen Reisen den Krieg erklären. VerfassungS rechtlich ist aber dieser Standpunkt nicht haltbar. Nach der Ver- mssung bedarf dcrKaiser zurErklärung deSKriegs der Zustimmung deS Bundesrats, es sei denn, daß ein Angriff auf das Bundesgebiet oder dessen Küsten erfolgt ist. Ist das richtig, so kann keine Rede davon sein. dnß auf einer solchen Reise eine Kriegserklärung ohne vorherige Be: fragung des Bundesrats erfolgt. Außerdem ist es unwahrscheinlich. daß in einem Augenblick, Ivo ein Angrisi auf das Bundesgebiet cr- folgt, der oberste Kriegsherr sich auf einer Vergnügungsreise bcsiudcn wird. Ich halte die Frage, ob die Kosten für die Reisebegleitung des Kaisers vom Reich bezahlt werden müsse», für«ine Frage voii höchster staatsrechtlicher Bedeutung, und cS ist durchaus ivünschcnSwert, eine Klärung derselbe» zu erhalten. Wenn, wie es den Anschein hat, das Haus dem Beschluß seiner Kommission folgt, jo wird das ein Beschluß von hoher principicller Bedeutung sein.' Auf einen Punkt möchte ich noch himveisen. In der Nachwcisung über die Ausgaben finden»vir Ausgaben, die ebenfalls auf das Reich übernommen sind, die aber meiner Meinung nach absolut nichts mit dem Reich zu thuu haben, sondern die sich durchaus als Ausfluß einer persönlichen Neigung des Kaisers kennzeichnen. Das find nämlich Ausgaben für ciu Geschenk, das auf dieser Reise an den türkische» Minister des AuSiuärtiqen gegeben ist, rmc Brillantdose im Werte von 5000 M. Wenn auch dies als berechtigt anerkannt wird, dann kann das Reich allerdings die' in Ausgaben gestürzt .......... werden, für cS gar keine Grenze giebt und für die eS unmöglich die Verantwortung übernehmen kann. Wenn diejenigen Geschenke, die die Monarchen untereinander oder an Bcaniic eines verbündeten Reichs oder gelegentlich des Besuchs in einem fremden Reich an dortige Beamte machen, daS Reich belasten sollten, dann müßten doch Vorkehrungen getroffen lvcrden, daß solche Tinge in dcu Vtat gebracht»verde». Wir können uns nicht begnügen, daß solche Angelegenheiten hier rein zufällig zur Erörterung koiiimc». ES müßte ein Etatstcil vorhanden fein, in dem diese Summen für Geschenke festgesetzt»Verden, und die etivaigcn Ucberschrcitungen eines solchen EtatS»nüßtcn ebenso uachgeivicscn»vcrdcn.»vie dies bei alle» Etatsiibcrschreituiigcii der Fall ist. Der Reichstag»miß Wert darauf legen, mit aller Energie darauf zu dringen, daß die Ausgaben, die für das Reich geuiacht werden, seiner etatörcchtlichen Genehmigung unterliegen. Ich kenne aber bisher keine» Titel, dessen Disposition lautet:„Betvilliginigcn für Geschenke", die seitens des Kaisers an andre Lcnte zu machen für uollvcndig erachtet werden. Da ein solcher Titel nicht besteht, können ivir uns über diese Frage beim Etat nicht auSsprcckicn, und das ist ein erheblicher Mangel. Ich muß also gegenüber der Köm nnssion an meiner früheren Auffassung feslhalicn und bitte Sie, für diese Ausgabe die Decharge zu verweigern.(Bravo! bei den Social dcnipkraten.) Staatssekretär Graf Posadotvskh: Ich glaiibe der Herr Vorredner faßt die ganze Frage zu sehr von einem, ich»nöchte fast sagen privatrcchtlichen Standpunkt auf. Wem» ein Beamter einen Erholungsurlaub antritt, so ist cS ihn» unter Umstände» möglich, sich von' allen Geschäften frei zu mache» »md die Vertretung ciiiein Dritten zu überlassen. Bei höheren Bc- «unten, die genötigt sind, in Fühlung mit ihrem Ressort zu bleiben, iit daS schon nicht der Fall. Es glebt ein Rcirfi und in Preußen Beamtenkategoricii, von denen man nie sagen kann, sie genieße» emen wirtlichen Urlaub. Wenn ich aber Kleines»nii Großen» ver- ksteichcii darf, so trifft dieser Gesichtspunkt sür den Monarchen und vor allem sür den Monarchen eines großen Reichs, eines Bundesstaats in» höchsten Maße zu. Seine Geschäfte nihen nie.»veil tagtäglich Entschließungen von allergrößter Wichtigkeit gefaßt»verde» müssen, die nur gefaßt»verde» köniien, nachdem ihn» Vortrag gehalten ist, .»achdem er in die Materie selbst cingedrimgei» ist. Solche Beschlüsse 'önneil nicht ohne sein Wissen gefaßt»verde», weil sonst der Monarch 'eine kaiserliche»md königliche Pcrantlvortung für solche Ent-- 'chließungen nicht tragen könnte. Daraus folgt ganz oon selbst, daß ein Monarch nie von seinen Ge- .chäften frei»vird, anch»venu er sich auf Reisen befindet. ES folgt daraus aber auch von selbst, daß er stets be- gleitet sei» muß von einen» militärischen und civilen Gcucralstab, >cr die ungeheure Menge der Eii»gäiige sichtet. Borträge vor- bereitet, die allerhöchstei» Entschließungen anhört und diese Ent- schlicßungen dem Ressort des Landes niitteilt. Daraus folgt .um»vciter mit imbediiigter Notwendigkeit. daß der Monarch, der auf diese Weise in der Führung seiner Re- gierüiig nie ruhen lind rasten darf, mich die amtlichen Organe militärischen lind civilen Charakters um fick» haben muß auf seinen Reisen, die er für notwendig hält,»im seine Regenten pflichten, atlch»veiin er außerhalb seines Landes ist, zu erfüllen. Ist diese Auffassling richtig, so ist es selbstverständlich, daß die Ans- gaben, die für diese Begleitung entstehen, nicht aus der Privatschatullc des Kaisers, sondern vom Reich getragen »verde». Ich glaube, die Mehrheit des Hauses wird auch diese Auffassung durchaus teile». Herr Singer ist dann noch auf ein Geschenk zu sprechen gekomincii, das Seine Majestät der Kaiser in» Alisland gemacht hat. Ich hätte dringend geivünscht. daß diese an sich außerordentlich uitbcdeutende Angelegenheit hier inr Hanse über Haupt nicht erörtert»vorden»väre. sondern daß»»an sich cms die Erörterung in der Kommission lieschrä>»kt hätte. Da aber die Frage angeregt»st.»nöchte ich bemerken, daß derartige Geschenke des Kaisers nicht den Charakter von Privatgesckicnken haben sondern den Charakter von öffentlich rechtlichen Auszeichnungen, die der Monarch einen» bcrdicntcn Mann dcS Auslands erteilt. Daraus folgt, daß solche Ausgaben auf Rcichskostr»»ibernonnnen werde» muffen. UebrigcilS sind solche Ausgaben früher häufig gemacht worden, ohne im Reichstag von irgend eincrSeitebcanstandet zu»verde». � Diese Ausgaben in den Etat ciiiznstcllcn, l»'ird sich praktisch schlvcr»nachcn lassen, da man sie vorher gar nicht übersehen kann. UebrigenS er innere ich daran, daß der König von Preußen cS für seine Ehre»» Pflicht hält, die Repräsentation des Reichs, die sehr erhebliche Kosten verursacht, aus seiner Schatulle zu bezahle»». Echo» allein darin sollte ein Grund liegen, nicht in dieser scharfen und ungerechte» Weise an derartige Ausgaben die Sonde anzulegci».(Bravo! rechts, im Eentrum und bei den Nationalliberalcn.s Abg. S6i»varzc-Lippstadt(C.) (als Abgeorductcr): Der Berichterstatter hat lediglich daS wieder zugeben, was in der Konrmission vorkonimt. DaS ist oft eine sehr schwierige Ausgabe. Meines ErachtcnS lvar es in diesem Fall Sache der socialdeinokratischcn Fraktion, durch ihre Mitglieder die Sache schon in der Koiilmission zur Sprache bringen zu lassen. DaS wäre ordinnigsgcmäß gclvescn. Der Abg. Singer hätte»och viel bessere Punkte finden köl»ncit. Seit 1870 sind eine ganze Reihe ähnlicher Fälle vorgekommen, ohne daß im Reichstag darüber gesprochen worden wäre. Ich könnte verschiedene Fälle vorbringen, Ivo die Kosten für Geschcnlc, die der Kaiser machte, vom Reichstage an standslos beivilligt»vorden sind. Ich möchte also den Kollegen Singer bitten, die Sache künftig immer beizeiten zur Sprache bringen zu lasse»». Abg. Singer(Soc.): Ich»vill dem Abg. Schwarze zu gute halten, daß er in einer anscheinend ctlvaS verärgerten Stimmung sich zun» Mentor und Rat gebcr über Dinge aufgelvorfen hat, die nnsrer Gepflogenheit»ach in misrer Fraktion von uns allein entschieden»vcrdcn. Was den Vor- lvurf anlangt, ich hätte schon seit 1870 die Sache verfolgen könne» so muß ich'crtvidem, daß ich diesen Borwurf nicht verdiene, dem» 1870 habe ich parlamentarisch»och nicht gelebt. Der Herr Kol- lege Schwarze hat doch die Aufgabe, die der Berichterstatter einer solchen Kommission hat. cttvas verkannt. Ich habe mich in der dainaligcn Sitzung nicht darüber beschivcrt, daß Herr Schivarze seine Pflicht als Berichterstatter nicht gethan habe, ich habe nur kritisiert, daß eine nach»iciircr Auffassung staatsrechtlich»vichtige Frage hier von» Hause entschieden»verde»» soll, ohne daß die Köm- Mission es für richtig hält, schriftlichen Bericht zu geben, und ohne daß der Berichtcrstatler es für nvtlvendig erachtet,»nündlichcn Bericht zu gebe«. DaS der Gegenstand»leiner Kritik, soweit die Köi», Mission formell dabei in Frage kam. Wenn der Herr Kollege Schwarze meine Be- »ncrknng sich aus den» Bedürfnis heraus klar«, acht, daß ich es liebe, Seirsation zu»nachcn, so muß ich. abgesehen davon, daß ich die Ans- fasiung für sehr geschmacklos halte(sehr gut! links) und abgeschci» davon, daß ich den Kollegen Schivarze gar nicht das Recht zuspreche. sich zmn Richter über meine Handlungen zu machen, doch sagen, daß es die unglücklichste Aeußernng»var. die er in dieser Debatte tbin» koiinlc.(Sehr gut! links.) Was geht inich als Person die Sache an? Darin hätte Herr Schwarze ganz Recht,»veiin man das Bedürfnis, sensationell hervorzutreten, hätte, dam» Ivürde er vielleicht selbst viel mehr Veranlassung geben, durch die Art, wie er es gethan hat. Mir ist die Frage von' der Kommtssion sachlich, staatSrcckitlich nicht richtig entschieden vorgelolmneu, und der Herr Kollege Schivarze»vird mir doch nicht zumuten, daß ich in persönlicher Schonung gegen ihn,»veil er erregt ist. in einer Sache, in der er zufällig Referent ist,»»eine fach lichc Ucbcrzeugung ilicht zun» Ausdruck bringe. Ich„»eine überhaupt, die Art,»vie Herr Kollege Schivarze ei» Mitglied dcS HauseS hier koramiert für Dinge, die er in Ausübung seiner Pflicht zu thu» für notiveudig hält, geht»veit über das Maß dessen hinaus, was einen» Kollege» ciucm Milgliede des HauseS gegenüber zusteht.(Sehr gut! links.) Und lveni» ich mit gleicher Münze zahlen wollte, bann»vürdc ich vielleicht Ausdrücke»vählen. die parla- mentarisch nicht zulässig sind, die ich aber aus Rücksicht aus den Kollegen Schivarze uiitcrlasse,»veil ich ihn nicht nocki mehr ärger» »vill, als ich es wohl schon gethan habe.(Große Heiterkeit.) Aber auch in seinen sachlichen AnSführnngcii scheint ,»»ir Kollege Schwarze höchst unglücklich opcricrt zu haben. Es ist ja charakteristisch, daß er als ein Mann, der lange Jahre in der RechnniigSkoniinission alS Referent fungiert, uns hier vorträgt, daß eigentlich in der Nach »vcisung viel mehr Stellen vorhanden sind, gegen die die Kritik ich richten dürfte.(Sehr gut! links.) Ich»veiß nicht, Herr Kollege, warum Sie dann Ihr Aint als Berichterstatter nicht so auffasien, daß Sie dein Hause die Stellen»nitteile», die nach Ihrer Aus- assling der Kritil bedürfen.(Sehr richtig! b. d. Soc.) Wem, der Herr Kollege Schwarze so gütig war. anznerlenncn. daß eS zivcifellos das Recht jedes Mitgliedes ist, die Zuriickver- »peisung an die Konimisfioi» zu beantragen, so laun ich ihn, verraten. daß ich auch ohne seine gütige Erlanbiiis mir das Recht„ehnic, im Wiederholungsfälle genau so zu verfahren. Wenn er ferner sagt, es wäre richtiger gcivese», lvcmi die Mitglieder»neiner Fraktion in der Koinmission dieses Monitum gezogen hätte», so möchte ich auch für die Kollegen in der Rechnuiigskommission das Recht in Anspruch nehinen, daS zu thun,»vas sie für richtig halten, und nicht ihre Arbeit von der Censur des Kollegen Schwarze abhängig z» machen. Wenn er nun aber ferner meint,»vir in der Fraktion hätten die Sache durchsehen niiissen und unsre Kollegen in der Kominission entsprechend bcanftragen müssen, so»veiß ich nicht, ob in seiner Fraktion ei» so »»»geheurer Fleiß prästiert»vird(Heiterkeit), daß diese Nachweisungeu i» den Fraktionsfitzungen Seite für Seite durchgearbeitet iverven. Ich glaube, daß diese Aktenstücke wohl in alle» Fraktionen gleich behandelt»Verden, d. h. so. daß die Mitglieder der Rechnüngs- kommission den Auftrag und die Verpflichtung haben, die Dinge an- zusehen und dasjenige zu thini,»vas sie im Interesse der Sache für notiveudig erachten. Ich glaube, dieses Zeugnis des Fleißes, das Kollege Schivarze seiner Fraktion daniit ausgestellt hat. daß er die Thätlgtcit einer aiideren Fraktioi» kritisiert,»var kaum gerechtfertigt. Die Vorhaltungen, die der Herr Kollege Schlvarze für nötig erachtet hat,»nir zu machen, sind also erstens nicht berechtigt und könne» außerdem in keiner Weise verhindern, daß,»veiii, sich ein solcher Fall wiederholt,»vir genau dasselbe thun»Verden,»vas»vir sür richtig erachtet haben. Kollege Schwarze»vird sich schon damit abfinden müssen, daß»vir incht dazu da sind, im» das zu thun,»vas seiner Censur und Kritik Stand hält, sondern das zu thun,»vas uns iiiisre Pflicht und Ueberzcugung gebietet. Daran»vird uns Herr Schivarze hoffentlich nicht hindern wollen, sollte er es aber»volle», so kann ich ihm keinen Erfolg davon versprechen.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Abg. Schwarze- Lippsiadt(C.): Es hat mir ferngelegen, dem Abg. Singer oder seiner Fraktion irgendivelche Vorschriften zu machen oder mich als Mentor oufzu- 'picken. Wen» aber der Abg. Singer gerade diesen delikaten Punkt herausgreift, dann hätte er bester'etwas andres vorbringen sollen. (Lachen links.) Wozu sind die Verhandlungen der Kömmission da'i Doch nur,»im die Sachen borznbcrciten. Die Köntniission hat die Gründe, die sür die Bewilligung des bctrcstcndcn Titels sprechen, für vollständig ausreichend erklärt. Wenn der Abg. Singer diese Frage sür so»vichtig hält, dann hätte er schon die social- demokratischen Mitglieder der Kommission darauf anfincrlsam»nachcn sollen. Er hätte doch schon oft Gelegenheit zu solchen Ausführnngcn gehabt. Ich erwähne nur, daß einmal 60000 M. für Geschenke an englische Unterthanen bei einer Reise des Kaisers nach Engla»ld�vom Reiche bezahlt»vorden smd, und damals hat der Kollege Singck nichts dagegen zu erinnern gehabt. Er sollte doch nicht seinem Sc»>sati»»>sbcdiirs»is folgen,(llmuhe links, Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstre»»: Sie haben kein Recht. einem Mitglied dcS Hauses andre als sachliche Motive unterzuschieben. Abg. Schivarze-Lippstadt(fortfahrend): Ich darf wohl darauf rechnen, daß das Hans in Zukunft derartige Anträge des Abg. Singer, auf Riickvcrivcisnng an die Kam- Mission, soweit sie nicht sachlicher Natur sind, ablehnen»vird. Abg. Gröber(C.): Die Auffassung dcS Abg. Singer steht in direktem Widerspruch zu dem klaren Wortlaut der Verfassung, nach der den» Präsidium des Deutschen Reichs die völkerrechtliche Vertretung dcS Reichs zusteht. Deshalb stellen alle Präsidialgcschäfte Geschäfte dar. deren Kosten das Reich zu tragen hat. Hier handelt es sich um ein Präsidial- geschäft, und deshalb hat das Reich die Kosten zu tragen. Sie(zu de» Socialdcmokratcn) von Ihrem Standpunkt kömitei» höchstens mit der Forderung kommen, daß der deutsche Kaiser überhaupt leine Reise nach dem Auslände mache, dmiüt solche Kosten nicht erwachsen, aber so»veit gehen Sie ja selbst nicht. Mir als Mitglied der Rechilniigskoi»»mission ist erinnerlich, daß die Frage schon»vicderholt in der Kolmnissioi» besprochen»vorden ist. Sic steht keineswegs zum erstenmal zur DiSlussion, iveim sie auch im Plenum»och nie mit solcher Ausführlichkeit behandelt»vordcu ist. Die Konlinission hat sich stets so entschieden»vie dicsinal. Geiviß steht cS jeden» Abgeordneten frei, die Sache Heiitc hier in» Plenum zur Sprache zu bringen. Wenn die Herren aber die Sache für so»uichtig halten, so hätten sie doch schoi» früher eine principiclle Entscheidung herbei- führen sollen. Ein geivisser Widerspruch in der Behandlung der Frage durch die socialdemolratische Partei liegt also zweifellos bor. Herr Singer bemängelt, daß ein Spccialtitcl für diesen Zweck nicht vorgesehen sei. Diese Ausgaben sind von jeher in dem Titel „Sonstige Ausgaben" in» Extraordiuarilim des Auswärtigen Amts aufgeführt. Jeder hatte also Gelegenheit, zu der Bemessung der Smmne in diesem Etattitel einen Antrag zu stelle». Ich Ivürde Herrn Singer anheim stellen, im nächsten Etat noch einen Spccialtitcl sür diesen Zlveck zu verlangen. Dann kann das HauS entscheiden.— Zu den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs möchte ich bemerken, eine»» Monarchen des Deutsche, t Reichs kennt die Verfassung nicht. Hier handelt es sich aber um Präsidialgcschäfte. Ich wollte aus diesen Punlt noch besonders aufmerksam machen und de» Ausdruck Monarch in diesem Zusammenhange zurückivciscn. Im übrigen halle ich es nicht für notwendig, die Sache hier besonders aufzubauschen. Allerdings liegt auch kein' Grund vor, weshalb dieser Titel daS Licht des Tags zu scheue»» hätte. Handelt es sich doch um eine Ausgabe, die im Interesse»msrcS großen deutschen Vaterlands für notwendig erscheint.(Bravo! im Eentrum.) Abg. Singer(Soc.): Ich habe überhaupt nicht behauptet, daß diese AuSgabe das Licht dcS TagS zu scheue» hätte. Dieser HiniveiS dcS Herrn Gröber»vor also überflüssig. Herr Gröber hat sich aber etwas znrccht gebaut, um dagegen polemisieren zu können. DaS ist eine Taktik, die öfters angewendet wird, wenn man zur Sache»ichtS zu sagen hat. Man substituiert einen Gegner und haut darauf los. Wenn Kollege Gröber der Meinung ist. daß es nicht notiveudig lvar. die Frage hier aufzubauschen, so kann ich ihm mir erwidern, daß dies von keiner Seite geschehen ist. Immerhin hat er zugegeben, daß über die Frage hier gesprochen»verde» muß. Aber seine Auffassting erscheint mir sachlich nicht richtig. Ich glaube, soweit cS sich um Reisen handelt, die im Interesse des Reichs für notiveudig erachtet werden, so hat das Reich die Kosten zu tragen. Aber»für diese lieber- nähme der Kosten hat der Reichstag eben sein EtatSrccht. Indem er die EtatStitcl der cinzelucn Restarts � hc- willigt, überkommt er daS Recht der Kritik an diesen Ausgaben. Alle Ausgaben, die in diesen Ressorts gemacht werden, imterlicgen der Nachprüfung und Kritik dcS Reichstags. Ganz anders steht es' mit den» Fall, uin den cS sich hier handelt. Hier»vcrdcn dem Reiche Kosten auferlegt, ohne daß der Reichstag mitgcivirkt hätte und ohne daß er die Notwendigkeit dieser Reise»nd die Richtigkeit dcssc».»vnS auf dieser Reise geschieht, kontrolliert hätte. Die Reise nach Palästina ist nicht erfolgt in Vertretung peli- tischer Aufgaben, sonder» hat sich als eine Privatrcise dcS Kaisers charakterisiert»md es kann sich nur darum handeln, ob die An- Wesenheit von RcichSbcamtcn auf solchen Reisen zu Laste» dcS Reichs gehen soll oder nicht. Ans diese Frage ist Herr Gröber gar nicht cingegängen. Was dann die letzten Worte des Herr» Schivarze anlangt, so möchte ich ihn doch bitten, sich ein andres Objekt s(ir seine Ecnsurgclüste auszusuchen. All' seine Ermahnungen tresten bei uns mlf volltonmien steinigen Boden. Uns stehen hier im Hause genau dieselben Rechte zu»vie allen andern Fraktionen,»vir crkcimcn nie« iuaud im Hause, abgesehen in gewisser Beziehung von dem Herrn Ptäii- deute», atS Richter über unsre Handlungen an und verbitten»»»S ein für alle Mal in dieser Weise behandelt zu»vcrdcn.(Bravo! bei den Socialdcmvlraten.) Abg. Frhr. t». Lebetzoiv(k): Die staatsrechtliche Frage, die Herr Singer aufgelvorfen hat, ist meines ErachtcnS längst entschieden, insofern, als ähnliche Ausgaben, ivie die in Rede stehende, seit einer Reihe von Jahren»viederhölt vorgekommen sind, ohne daß der Reichstag Eiiitvciidiingcl» dagegen erhoben hat.— Iii Bezug ans die Berechtigung solcher Ausgaben timmen meine politischen Freunde vollständig»nit dein Herr» Staats- ckrctär iiberci».— Wen» der Herr Staatssekretär von dem „Monarchen" gesprochen hat, so hat er damit natürlich nur einen andre» Ausdruck für„deutscher Kaiser" gebraucht.* Abg. Hasse(»mtl.):, ES ist nicht richtig, daß Ivir.»vie Herr Singer meinte, nur zu« ällig in die Lage gekonimen sind, diese Frage zu. erörtern. Diese Ausgaben sind dem Reichstag vorgelegt,»vie alle außcrctatsmäßigen Ausgabe».— Was die Frage anlangt, ob es sich hier um Privat- ousgabcn des Kaisers handelt, so stehen meine politischen Freunde ans dem Staiidpniilt der großen Mehrheit der Rechnungskommission, daß co sich hier um StaatSausgabel» handelt. Herr Singer meinte, dam» löiiiiten ja schließlich alle Privatreisen des Kaisers zu Lasten des Reichs gehen. Ich bin geneigt, diese Frage in der Thai zu bejahen(Lachen bei den Socialdcmokratcn.) Der Herr Staatssekretär hat weiter schon aus das cigci»tüi»»tliche Verhältnis hingewiesen, daß die Repräseutationskosten des Reichs von Preußen getragen»Verden, daher halten»vir es fiir eine Ehrenpflicht des Reichs,»veiin es auch einmal in die Lage kommt, ölche Repräsentationskosten zu bezahlen, dies ohne»vcitcrcs zu thim. (Bravo! bei den Aatioiialliberaleii.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag der Kommission wird gegen die Stimmen der Socialdcmokratcn angenommen. Es folgt die ztvcite Beratung des N a ch t r a a s c t a t S fiir 1900. Derselbe»vird dcbattelos erledigt. Es folgt die zivcite Beratung dcS N a ch t r a g S c t a t s für die Schutzgebiete. I" dem Etat fljr Kamc�mi tvixd eine Summe von ScXXZOD Matt für die Bermchrung der Schnytruppc gefordert. Alig. Bebel fSoe.): Tie Ausgaben für die Kolonie Kamerun haben sich um mehr als IVO Proz. gesteigert, während früher die Kolonie als die beste galt. Die RachtragSfordcruug bezieht sich ansschliestlich auf die Ver- mehrung der Schuhtruppc. In der Kominission ist diese Bcrinchrung nur mit ganz geringer Majorität angenoniinen ivorde». Es ist eine eigentümliche Erscheinung, dag eine gewaltige Steigerung in den Ausgaben einer Kolonie»otiveudig ist ans Grund von Ereignisse». die eigentlich überraschen müssen. Wir sind in Europa nnsern Kolonien gegenüber in einer ungünstigen Lage. Was dort passiert, erfahren wir hier nur in den allerwenigsten Fällen. Die angenehmen Sachen werden möglichst rasch und in möglichst günstigen, Lichte nntgeteilt und über alles, was unangenehm ist. ivird nach Möglich- tcit der Schleier des Geheimnisses gedeckt, damit es ja nicht in die Oessentlichkeit kommt. Zweifellos sind aber dort Mißstände vorhanden. Wie ist es eigentlich zn erklären, daß in dieser Kolonie ganz im Gegensatz zu früher es so oft zu Mfstäirden kommt, die sich allem Anschein nach immer iveiter ausgedehnt haben und schon so gefahrdrohender Natur geworden sind, daß man zeitweilig die ganze Kolonie für gefährdet erachtete«nd Störungen im Handels- verkehr an den Küslcnortcn verspürte. Das kann nicht von ungefähr kommen. Es ist nicht möglich, daß ein Stamm, um, ich»rächte sagen, seiner Naubtiernatnr Genüge zu thun, in unser Gebiet ein- bricht und dann die ganze übrige Bevölkerung, die schein- bar mit dem Znstand der Dinge zufrieden war, in dieser Weise aufzuregen vermag. Wenn' das möglich ist, müssen Miß- stände vorhanden sei», denn die Eingeborenen Wissel» ja nur zu gut, welche Machtmittel die Europäer haben, um solche Anfstäirde sofort niederzuschlagen. Hauptsächlich soll ja für die Bcrmehrung der Schritztrnppcn die sogenannte Arbeiterfrage in Betracht konimcii. Die Kolonie kann selbstverständlich ohne Arbeiter für die Plantagen nicht existieren. Werden diese Arbeiter aber durch äußerliche Macht- und Zwangsmittel zu de» Arbeiten herangezogen, so ist das der verkehrteste Weg, nnmentlich dann, wenn sie außerdem noch einer schlechteren Behandlung unterworfen werden. Ties scheint allerdings der Fall zu sein, nach allem, was man hört. Besonders wird geklagr, daß die Arbeiter unpassend und schlecht ernähtt werden, ivodnrch allerlei Krankheiten bei ihnen veranlaßt werden. Herr Engen Wolss hat im„Berliner Tageblatt" berichtet, daß der Tod des Hauptinanns Conran auf einen Borgang zurückzuführen ist, der allerdings auf die Behandlung der Arbeiter ein eigentümliches Licht wirft. Der Hauptniann Conran brachte durch Bcrmittelung eines Häuptlings eine größere Zahl Arbeiter auf die Plantagen. Bon diesen starb dann ei» großer Teil infolge schlechter Ernährung. Bei dem Versuch, neue Arbeiter zu holen, wurde Hauptmann Courau von dem Häuptling zur Rede gestellt und auf einem Flucht- versuch getötet. Wenn sich übrigens die Häuptlinge verpflichten, eine bestimmte Zahl von Arbeitern zu liefern, so ist daS doch nlchr oder weniger ein Sklavcreiverhältnis.— In ein eigentümliches Licht kommt diese Vermehrung der Schutztnippe auch noch deshalb, weil sie bedingt wird dadurch, daß sich der Herr Kolonialdirektor veranlaßt gesehen ljat,_ an zwei große Gesellschafte» ungeheure Ge- biete in Kamerun a»f dein Pachtwegc abzutreten. Diese Gesell- schaftcn haben natürlich ein großes Interesse an der Vennehning der Schutztnippe, damit sie in der Lage sind, die Kolonie so aus- znbenten, wie sie es in ihrem Interesse für notivcndig halten. Ein Hauptbcteiligter dabei ist ja der bekannte Herr Dr. Scharlach, der bereits den Beinamen des deutschen Cccil Rhodcs Hai. und diesen Ehrennamen vollauf verdient. Er hat es versiandni, Millionen in seine Tasche zu bringen, ohne sich um das Prospci" r der Kolonien viel zu lüinmern. Die Schutztruppe wird oft zu Strafexpeditionen benutzt. Dabei geht man aber doch zu hart und rücksichtslos vor. So wird berichtet, daß bei einer Strafexpcdition in der Südsee W) Eiugcborne getötet. eine kleine Anzahl gefangen genommen und zahlreiche Häuser ein- geäschert wurden. So werden solche Strasexpeditionen gchandhabt. Ich begreife eS ja, wenn Wilde gegen Europäer kämpfen, daß sie grausam dabei vorgehen und vor Mord n»d Raub nicht zurück- schrecken, aber das sollte doch nicht auch die Aricaführung von Europäer», von Ehristcu sein. Wir wollen doch Ewilisation unter den Wilden verbreiten, mir aus diesem Grunde ist ja nach seinen Erklärungen das Centnim für die Kolonialpolitik. Wenn die Leute aber auf der einen Seite von dem christliche» Gott der Liebe und Nachsicht hören»nd damit vergleichen. wie auf eine Grausamkeit von ihrer Seite gleich zwei oder drei von der andern Seite folgen, dann kann das nicht zur Berbreitnng des Christentums, wie sie gewünscht wird, beitragen. IlcbrigenS wird mich von verschiedenen Seiten behauptet, daß im Bimicnlandc auch ein schwuughafter Sklapnihandel betrieben werde. In einer ganzen Reihe von Ortschaften werden nach de» Berichten Sklaven als Zahlungsmittel verwandt. Nachdem die Kolonie nun bereits so lange Zeit unter deutscher Verwaltung steht, sollte man doch annehmen, daß wenigstens, so weit der deutsche Einfluß reicht, solche Zustände nicht mehr bestehe». Die Schutztrnppe soll nun dazu dienen, das Land zu„pacifiziercn". Ich habe aber gerade den Eindruck, daß je mehr wir kolonisieren, je weiter wir nnsre Machtsphäre ausdehnen, desto unruhiger die Zustände in den Kolonie» tverdcn.(Sehr richtig! bei den Soe.) Kolonialdirektor v. Buchka: Ich»niß mich gegen den Vorwurf des Abg. Bebel verwahren, daß die Berichte über die Kolonien gefärbt feien. Ich Habs mich nie gescheut, auch von ungiinstigei» Vorfällen in den Kolonien Mitteilung zu»lachen, um die' Bitte um Vorschläge zur Abhilfe daran zn knüpfen. UebrigeiiS würde mir eine solche Verschleierung auch gar nichts nützen, die Tbatsnchcn würden dann diirck unverantwortliche Berichterstatter doch bekannt iverdcn.— Die Unruhen im Hinterlnndc sind gerade entstanden. Iveil die Schutztrnppe zu klein und mit einer andren Aufgabe beschäftigt tvar. Die Eingeborene». welche aber eine Macht nur respektieren» so lange sie dieselbe vor Auge» haben, wurden durch diese Entfermmg der Schutztnippe veranlaßt, das deutsche Joch abziifchütteln. Herr Bebel ist dann auf die Arbeiterfrage eingegaiigen. Auch Ich bin der Meinung, daß diese Frage nur zu lösen ist. ivenn die Arbeiter gut behandelt werden, und der Gonvtpienr wird seinen Einfluß nach dieser Richtung hin geltend machen. Wenn die Hänpt- linge die Arbeiter liefern, so geschieht das in der Weise, daß in einer Ratsversammlung Angebot und Nachfrage durch den Hänpt- ling geregelt wird. Jeder Arbeiter tritt seine Arbeit auf Grund eines besonderen Kontrakts als freier Mann an. Bon einer Sllaverci kann also in keiner Weise die Rede sein. Im Binnen, lande besteht die Sklaverei nur, soweit wir nnsre Macht noch nicht ausgedehnt haben. Grade dieser Umstand aber spricht für die Notwendigkeit der Bcrmehrung der Schutztruppe. Herr Bebel hat dann als Beispiel für die Hätte der Straf- cxpeditionen auf eine Expedition in der Sndice verwiesen. Dort handelte es sich aber»m die Ermordung deutscher Händler durch Eingebonie. Um diese Ermordung zu rächen und vorzubeugen, daß derartige Schaiidthatcn sich wiederholten, war diese Expedition nötig. Ich weiß nicht, tvie die Sache anders gemacht tvcrden soll, wenn wir überhaupt unsere Autorität aufrecht erhalten wollen. Die Konzessionen an die Gesellschaften haben mit der Ver- mehrung der Schutztrnppe nichts zu ihn». Ich halte es für UN- billig, diese Konzessionen jetzt schon zu verurteile», bevor die Konzessionäre in der Lage gewesen sind, die Erfüllung der ihnen dort gestellten großen Aufgaben auch nur zu pegnmc».— Schließlich möchte ich nur noch darauf verweisen, daß die Engländer in viel kleineren Kolonien bedeutend größere Schutzlruppe» zur Verfügimg halten. Abg. Dr. Eickhoff(frs. Bp.): Ich stimme dein Kolonialdirektor darin bei, daß wir mit dem Urteil über die Landkonzessionen noch zurückhalten ninsien. Er hat uns immer mit Offenheit geantwortet, gher ich fürchte, daß er selber über vieles im Dinikeln gehalten wird. In der Koin,MM0>i ist uns von dem Gouverneur von Kamerun nähere Auskunft über die dortigen Verhältnisse gegeben worden. Aber wir sind nicht davon überzeugt �worden, daß eine Bermchrnng der Schutztnippe not- wendig ist. Wenn der Negerhäuptimg Rah'bs eine so große Gefahr für uns wäre, würde nnsre kleine Schntztruppc doch nicht genügen. Ich verweise aber auf die unwidersprochen gebliebene Meldung der Franzosen, daß die Macht des Rahbös im Schwinden begriffen ist. Wie gefahrvoll nnsre militärischen Expeditionen sind, geht aus dem authentischen Bericht der„Nordd. Allg. Ztg." über den Tod des Führers der Schutztruppe, des Lieutenant v. Queis, hervor. Er hatte feine Aufgabe zu einseitig militärisch aufgefaßt. Wir sind mit Bis- marck der Ansicht, daß der Kaufmann dem Soldaten vorangehe» muß. Ter Gouverneur, Herr v. Puttkamer, aber dreht diesen Spnlch geradezu um. Herr v. Puttkamer hat in der Kommission ausdrücklich zngestaiiden, daß es unmöglich ist, Arbeiter zum Plantagenbau auf friedlichem Wege zu erlangen. Was ist den» das anders als ver- steckte Sklaverei? Das ist doch keine christliche Auffassung. Der Neger scheint nnr überhaupt nicht zur Kulturarbeit geeignet zu sein. Ich wage die Behauptung, daß die ivildcn Völker uni so rascher zu Grunde gehen, je schneller sie mit Kulturarbeit betraut werden. Ich kann nur um Ablchiumg der neuen Forderungen bitten. sZu- stimiumig links.) Abg. Graf Arnim(91p.); Herr Bebel bewegt sich in einem Widerspruch. Einmal nimmt er sich der Eingeborenen an, und auf der andren Seite will er keine Ausdehlnmg der militärischen Macht, weil er den Militarisinus fürchtet. Gerade das Militär dient aber zum Schutz der Ein- geborenen. Den Herren ist es eben nicht recht zu machen. Ihr Grundsatz ist: Je iveniger Kolonien, desto besser. Da muß jede Debatte fruchtlos bleiben. Redner wendet sich gegen die Kamcruiier Landkonzessionen, denen Herr Scharlach das Mäntelchen natio- naler Begeisterung umzuhängen bersuchen. Unter vielen Schein- gründen tverden Votteile für das Reich geltend gemacht, die gar nicht vorhanden seien. Die Gesellschaft, der die Konzession erteilt sei. laufe Gefahr, ganz in belgische Hände zu geraten; sie kor- respondiere jetzt schon französisch. Kolonialdirektor v. Buchka: Ich halte es für sehr nnangebracht, wenn eine deutsche Kolonial- gcselljchaft französisch korrespondiert. Ich kann nur versichern, daß die Gesellschaft mit mir immer nur deutsch korrespondictt hat.(Heiterkeit!) Französische Briefe hatte ich mir höflich aber bestimmt verbeten. Der Sitz der Gesellschaft ist statutengemäß Hamburg. Internationale Tendenzen in ihr werde ich stets bekämpfen. Um unerwarteten Ereignissen vorzubeugen— der Aufstand der AschantiS an der Goldküste ist für die Engländer so ein mienvarteteS Ereignis,— müffen lvir eine starke Schutztrnppe haben. Der Neger glaubt nur dann an die Größe und Macht des deutschen llkeichs, wenn sie ihm in Gestalt einer statten Schutz- truppe entgegentritt. Sonst hält er den Moment für gekommen, da§ Joch der Weißen abzuschütteln. Unsre Ansicht, daß der Kolonie von Rahbö Gefahren drohen, beniht auf amtlichen Berichten. Es ist nicht richtig, daß der Handel getötet wird, wo die Schutztruvpe erscheint; sie hat jetzt schon eivilisatorisch gewirkt. Herr v. Queis hat der Schutztruppe nie ongehört; er stand im Eivildienst der Kolonie Kamerun und überschritt seinen Auftrag, eine Unvorsichtigkeit, die er mit dem Tode büßte. Abg. Müller-Sagan(frs. Vp.) widerspricht der Ansicht des Kolonialdirektors, daß die Vermehrung der Schutztrnppe die Leutenot lindern köiuile. Wo die Menschen höherer Kultur mit ticsstehenden Naturvölkern zusammen- stoßen, werdeii die letzter» dem Verderben preisgegeben. Keine Maßnahme der Verwaltung kann sie rctteir. Wie verheerend ist beispielsweise die Syphilis in Afrika, die hiermit ver- glichen in Europa harmlos ist. ES ist nicht richtig, daß>vir grund- lätzlich gegen.Koloiiien sind. Wir haben für die Niedcrlassnng in Kiautschöu gestimmt. Von den Tropenkolonien erwarten wir aller- dings kein Heil für die Gesamtheit. Denn Großkapitalisten ein Ver- giiügcu darin finden, in den Tropenkolonien UiiUniehmuiigen zu versuchen, so mögen sie cS auf ihr eignes Risiko, aber nicht auf Kosten der Gesamtheit der Steuerzahler thun. Wer Früchte sucht, muß auch Lasten trogen.(Sehr richtig! links). Wenn das Großkapital in die Tropen geht, brauchi man sich nicht zu wundern, wenn dabei etwas Französisch mit unterläuft(Heiterkeit). Abg. Bebel(Soe.): Die Aeußcning deS KolonialdircktorS war recht interessant. Er erklärte die Aufstande mit den, Bestreben der Neger, daS deutsche Joch abzuschütteln. Wir haben ihnen das Jocki auferlegt, und eS ist lranng. daß heute die Dinge in Kamerun io stehen, daß wir dort, wo wir keine Schntztruppc haben, oucb über keine Macht verfügen. DaS also ist daö Ergebnis nnsrer Kolontsationsmcthode. Nur dort hcrrsckien ivir, wo nnsre Macht und Geivalt Angst und Furcht unter den Negern verbreitet. Die Thatsache besteht, daß Zustände vorhanden sei» müssen, die der eingeborenen Bevölkerung nicht zusage», die ihr aufs ticffte verhaßt sind. Sonst»vären diese Aufslände unerklär- sich. Auch die Neger verspritzen nicht leichtfertig ihr Blut und schlage» ihr Leben in die Schanze; sie niüssen es schon der Mühe für ivert halten. Herr v. Buchka meint, die Aufstände an der Küste seien nur eine vorübergehende Erfcheimmg. Aber diese Gebiete sind seil 15 Jahren in unser»» Besitz, und noch ist nnsre Herrschast nicht gesichert. Da ist es traurig genug, daß»och immer Aufstände vorkommen. Es wird bestritten, daß die deutsche Kolonisasion Zmaiigsnsittel antoendet. Andre Aeuherniigen des KolonialdircktorS stehen aber damit in Widerspruch. Hat er nicht selbst die Planiagen- besitzer aufgefordert, die Leute gut zu behandeln, sonst könne er für nichts einstehen. Es scheine» doch Zwangsmittel gebräuchlich zu fein. Wer da weiß, wie die Arbeiter in manchen dunkeln Distrikten Deutschlands behandelt werden, der kann sich eine Vorstellung davon machen, wie es in nnsren Kolonien den schwarzen Arbeiter» geht. Dort heißt cS: Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit. Der Herr Kolonialdirektor konnte nicht begreifen, ivanim ich die Vorkommnisse in der Südscc angeführt habe. ES sei doch— meint er— erklärlich, daß wir cS niis nicht gefallen lassen, wenn Deutsche ermorder würden und Rachcmaßrcgeln an- wendeten. DaS ist sin Munde eines Kulturmenschen ein böses Wort. Ich begreife ja. wenn man nach Vergeltung siebt, daß man die Schuldigen anSfindig»lachen will, um sie zu bestrasen. Hier aber Ivird nicht erst gefragt: Wer war der Thätcr? Hier genügt eS. wenn man weiß, in welchem Ort»nd Bezir! die That vorgekommen ist, um den ganzen Bezirk zu verwüsten. Hier ivird nicht Bergeltimg. sondern Rache geübt, der Männer. Frauen n»d Kinder zuin Opfer fallen. DaS ist scheußlich und barbarisch. lBcifall bei den Socialdcmokraten.) DaS sind Maßregeln, die in ihrer Brutalität die Wilden tviedcr bnitalistercn. Gerade Sie, die Sie die Kolonialpolitir verfechten, die Sie in ihr ein großes, gutes und schönes Werk erblicken, sollten sich über solche Ungeheuerlich- leiten empöre», denn dadurch wird die Kolouialpolittk geschändet und gebrandmartt.(Zustimmung bei den Svcialdemokraten.) Herr V. Buchka meint, man solle die Südkamerun-GeseNschast erst Zeit lassen, bevor man über sie stirteile. Nim. die Herren haben schon Zeit gehabt, ein ausgezeichnetes Geschäft zu machen. Herr Scharlach bat die Laiidkonzcssion für 18 Millioiicii Frank an der Brüsieler Börse verhandelt»nd 11 Millionen Rein- geivinn dabei gemacht. Meint ina» etwa, daß Herr Scharlach das gewoniiene Geld dazu verwenden ivird, das gepachtete Gebiet zu ver- bessern? Nicht einen roten Heller wird er dafür ausgeben. Ich fürchte, der Herr tvird sich sobald in Brüssel nicht wieder sehen laise»: er würde Gefahr lansen, verprügelt zu werde». Es ist ja ganz undenkbar, daß sich das Geld der Altionäre in absehbarer Zeil verzinst. Die Leute, denen die Aktie» angedreht ivordcn sind, sind eben betrogen. lInsrer Koloiiialvenvaltung gereicht es zum Vor- imirf, daß sie sich nicht besser vorgesehen hat,'um solche Mögtichkeiteli zn verhiitcu. Dem Koloninldirettor ist die Sache ja gewiß sehr llnaugcnehm. Aber die Fordcnmg. daß das Deutsche Reich, nur damit es so aussiebt, daß etwas geschieht, im Interesse dieser Gesellschaft 865(><)t) M. mehr für die Schutztrnppe ausgiebt. ist das stärkste, was der Volisvertrclung zugcniuter werden kann. Herr v. Buchka glaubt, mteruatioiiale Tendenzen dieser Gesellschaft ver- hüten zu iomic». Dann kommt er zu spät. Sie ist schon in auswärtige» Händen. Tie Herren haben das mit Absicht gethan, um der näheren Kontrolle zu entgehen und für manche Dinge nicht vcrantwortlisk gemacht zu werden, für die man sie packen kölintc, wenn der Geschäftssitz in Hamburg bliebe. Wenn man hier auf ähnliche Dinge bei den Engländern verweist, dann erwidere ich� alle ttolonialpolitit ist eben Raubpolitik.(Bravo i bei den Social- demokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Nachtrag zum Kolonialctat wird gegen die Stimmen det Socialdemokraten und Freisinnige» bewilligt. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes, betr. die Unfall- fürsorge für Gefangene. Es liegen nur zwei Anträge des Abg. Röficke(wildlib.) vor, von denen der eine redattioneller Natur ist. der andre eine Konsequenz früherer Beschlüsse ist. Eine Debatte findet nicht statt. Der Gesetzentwurf Ivird mit den beiden vom Abg. Röficke bc> antragten Aenderungen angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf Ballestrem: Ich schlage Ihnen vor. die nächste Sitzung abzuhalten morgen, Donnerstag 1 Uhr mit folgender TageS- Ordnung: 1. Fortsetzung der dritten Beratung der I« Heinze in Verbindung mit den dazu gestellten Anträgeu. Die Beratung wird fortgesetzt mit der namentlichen Abstimmung über den Antrag Heine(der Grobe- Unfugsparagraph ist nicht anwendbar auf künstlettsche. litterattsche und Preßerzengnisse). 2. Fortsetzung der dritten Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung.(Heiterkeit links.) 3. Fottsetzung der dtttten Beratung des Fleischbeschau-Gcsetzes.(Große Heiter- kcit links.) Gegen diesen Vorschlag erhebt sich lein Widerspruch... die Tagesordimiig steht fest. Schluß 3 Uhr._ Mbgeordnekenhsus. 68. Sitzung vom 16. Mai, 1 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. H a m m e r st e i n. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Antrags der Abgg. v. M e n d e l- S t c infelS und Frhrn. v. Wangen- heimst.) betreffend den Kontraktbruch ländlicher Ar- b e i t e r. Abg. v. Mcndel-Stcinfels(k.): Seit der Beratung des Antrags Gamp hat sich die Leutenot »och erheblich verschliimnert, sie ist zu einer allgemeinen Kalamität für kleine und große Besitzer geworden. Man sagt, die Landwirtschaft solle die Löhne' erhöhen, dann werde die Leutenot abnehmen. Die Landwirtschaft hat das bereits gethan. Seit 40 Jahren sind die Löhne in steigender Progression begttffen. Sie haben sich in den Jahren von 1860— 1898 vervierfacht, in den letzten 10 Jahren verdreifacht. Die Industrie zahlt freilich noch höhere Löhne, sie kann das auch, weil sie besser prosperiert. Die Landwirtschaft läßt sich mit der Industrie überhaupt nicht ver- gleichen. Wenn es der Socialdemokrarie gelänge. einen Streik bei günstiger Ernte zu provozieren, so wäre die Arbeit eines ganzen Jahrs verloren. Die größte Gefahr ist der dolos« Kontrakibrucb. Ein Kontrakt tvird doch gemacht, um gehalten zu werden und im allgemeine» nennt man in der Welt den Kontraktbrecher ehrlos. Mein Antrag ivill ihn bestrasen. DerArbeiter. der kontraktbrüchig ivird. kann schon heute bestraft werden. Warum soll aber nicht der Arbeit- gebor, der Agent, der Arbeitsgenosie, der den vielleicht uuerfahrcncn Arbeiter zum Kontraltbrnch verleitet, bestrast werden? Die land- Ivirtichoftlichen Korporationen haben sich alle für eine landeS- gesetzliche Regelung der Kontraktbruckfroge ausgesprochen. In Anhalt. i. Renß Hai man die«linke der Gesetzgebung bereits ergttffen. auch in Braunschweig und Mecklenburg(Aha! links) macht man sich daran. Auch Preußen muß mibekümmett um das Schreien der Socialdcmo- traten vorgehen. Was will denn eigentlich die Sottaldemokratie mit ihrem Schutz für den Arbeitgeber? Sonst lädt sie dem Arbeit- geber alles Unrecht auf. das er gar nickt verdient, hier will sie ihn vor Bestrafung des Kontraltbnichs schützen. Die durch den Kontraktbrnch herbeigeführte sittliche Aerwirnnig sieht sie natürlich nicht. Machen wir den Gesetzentwurf nicht in diesem Jahre, so werden wir im nächsten Frühjahr wiederum einen Kampf aller gegen alle entbrennen sehen. Ich bitte deshalb den Minister, möglichst noch in dieser Session ein solches Gesetz vorzulegen. (Beifall rechts.) LandivittschaftSminister Frhr. v. Hammerstein: Die Regierung erkennt den Notstand an. Auf Grund der Bc« ratungen deS LandcSökonomie-KollcginmS ist das landwittfchaftliche Ministennm ebenfalls in eine Beratimg eingetreten, die aber noch nicht abgeschlossen ist. Ick selbst würde ja auch wünschen, daß noch möglichst in dicseni Jahre eine Vorlage über diesen Gegenstand gemacht iverdcn könnte. Indessen scheint mir wenig Aussicht dafür vorhanden zu sein. ES tverden zweifellos mehrere Wochen darüber vergehe», ehe die Verhandlungen abgeschlossc» find. Ob dann»och der Landtag bei- fainmcn sein wird oder zusammen zuhalte» sein wird, erscheint mir zweifelhaft. Bei der Schwiengkcit der Materie wird auch hier im Hause die Sache nicht so leicht zu verabschieden sein. Ich kann nur wiederholen, die Staatsregienmg erkennt die Bedeutsamkeit der Frage in vollem Umfange' an. Die beteiligten RcffottS arbeiten eifrig an der Lösung der schwierigen Materie. Die hier geäußerten Wütische werden möglichste B e'r ü ck s i ch't i g u» g finden.(Beifall rcchlS.) Abg. Fritze» iE.): Auch wir stehen der Frage wohlwollend gegenüber. Die Arbeiternot kann nicht gemindert werden, ivenn wir nicht ausländische Arbeiter zn uns hereinlassen. Die Regienmg sollte sich aus den Boden der Resolulio» stellen, worin der Reichstag die unbedingte Zulassung der fremdsprachigen Arbeiter fordert.(Beifall.) Abg. Gördeler(fk.): Meine Fraktion stellt sich ans den Boden deS Antrages von Mendel. Der grobe Unfug des Kontraktbrechens muß energisch eingedämmt werden. Abg. Dr. Hirsch(frs. Bp.): Glauben Sie doch nicht, daß Sie mit solchen Gesetzen das Ucbel aus der Welt schaffen, daS sie bekämpfen wollen. Je intensiver die Landwittschaft wird, umsomehr ArbeitSiröste braucht sie. Daher schreibt sich eine Ursache des Arbcitennangels. Warn»» hier diese Plötzlichkeit? Warum noch in dieser Session«in Gesetz? Wir sollten dock in Preußen auf die Lorgänge im Reich Rücksicht nehme». Dort ist die gleiche Frage schon behandelt worden. Haben Sie das Schicksal der Zuchthausvorlage schon vergessen, die ganz ähnliche Bestimmungen für die gelverblichen Arbeiter schaffen wollte. die Sie hier gegen die landwirtschaftlichen Arbeiter beantragen? Die Strasandrohimge» werden die Arbeiter�- Landflucht nur ver- stärken. Mit dem Gesetz arbeiten Sie der Social, d e m o I r a t i e nur in die Hände, denn es ver- größert die Erbitterung unter den Arbeitern. Wenn Sie ein solches Gesetz machen, müßte doch auch der«ontraktbrnch der Arbeitgeber bestraft werde».(Zuruf rechts: Geschieht ja). Wo steht das in dem Antrag? Wo ivird derArbeitgcber bestraft, der seinen Arbeiter unter Kontraktbruch ans die Straße setzt?(Unruhe rechts). Die tri- »t i n e l l e Bestrafung des K o n t r a k t b r u ch s iv i d e r- spricht unserm ganzen R e ch t ö s y st e in.(Unruhe rechts.) Wird sind gegen den Antrag. Wir bitten die Regierung» gründlich zu überlegen, ob sie doch' nicht lieber auf die Einbringung einer Vorlage verzichte» ivill, die sich als ein Ausnahmegesetz gegcu die Laudarbeitcr darstellt.(Beifall links.) Abg. Dippe(natl.) spricht sich für den Antrag au». Abg. Dr. Crügcr(frs. Vp.): Der Arbeiter, der den Kontrakt bricht, wird bestraft, der Arbeitgeber nicht. Da hilft alles Ableugnen nichts.(Unruhe rechts.) ES giebt Gutsbesitzer, die noch nie über Arbeiternot zu klagen gehabt haben. wieder andre, die sehr darunter leiden. Aber ich gebe zu, es herrscht ein gewiffcr Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande. Woran liegt aber die Landflucht? Man sagt, die Genußsucht führe die Land- arbeiter in die Stadt. Es mag sein. Uber ist denn das Begehren nach einem höheren Lebensgenuß absolut verwerflich? Bleiben denn die Gutsbesitzer das ganze Jahr auf ihrer Scholle? Amiisieren sich die Herren' nicht auch in den großen Städten?(Unruhe rechts.) Die Arbeiter machen es nur den Gutsbesitzern nach. Warum aber die große Landflucht? Weil der Landarbeiter keine Ausficht hat. auf dem Land weiter zu kommen und selbständig zu werden.(Widerspruch rechts.) Versuchen Sie es doch, den Arbeiter seßhaft zu machen. Beteiligen Sie sich an den SiedelungSgenossenschaften. Das Ivird mehr nützen, als solche Gesetze» die nur Wasser auf die Mühlen der Socialdemokratie sind. Bessern Sie die Verhältnisse der Arbeiter. Wir werden gegen den Antrag stimmen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Frhr. v. Wangcnheim(k.): Die Verhältnisse der ländlichen Arbeiter sind nicht schlecht. Sie wohnen mindestens so gut wie die industriellen und können mehr sparen als die städtischen. Richtig mag sein, daß ohne weitere Er- höhung der Ldhne der Arbeiter nicht zu halten sein wird. Es wird uns auch nichts übrig bleiben, als fremde slavische Arbeiter herein- zulassen. Aber nicht nur der Äontraktbruch, sondern auch der Versuch der Verleitung dazu muß bestrast werden. Wenn man sich auf das Notwendige beschränkt, so ließe sich ein solches Gesetz noch in dieser Session machew. Es scheinen sich aber auch hier wieder einige Schwierigkeiten innerhalb der Negierung geltend zu machen, sie ist ja auch hier Widder passiv. Wir möchten den Einwurf nicht für den großen Negieruvgspapicrkorb ausgearbeitet haben.(Lebhafter Beifall recht-.) Minister Frhr. v. Hammcrstein: Der Vorwurf der Passivität der Regierung ist ganz unbegründet. Aus eigner Initiative hat die Regierung Erleichterungen für die Zulassung fremder ländlicher Arbeiter getroffen. Es ist leicht, all- gemeine Warnrufe gegen die Regierung zu erheben, schwer aber, dieselben eingeheird zu begründen. Abg. Dr. Barth(frf. Vg.): Der Kontraltbruch ist gewiß moralisch verwerflich. Etwas andres ist es aber, ob man ihn strafrechtlich verfolgt, besonders wenn diese Verfolgung ein Ausnahmegesetz darstellt für die ländlichen Arbeiter.(Widerspruch rechts.) Die Arbeiter bleiben nicht auf dem Lande wegen der ganzen minderen socialen Stellung des Landarbeiters. Diese ober wird durch den Antrag noch verschlechtert. Lehnen Sie ihn deshalb ab. Abg. Tzmula(C.) erklärt sich für den Antrag. Hierauf wird die Diskussion geschlossen. Nach einem Schlußworr des Antragsteller- Abg. v. Mendel wird der Antrag gegen die Stimmen der freisinnigen Gruppen und einiger Nationalliberalen angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr.(Kleinere Vorlagen.) Schluß 4Vj Uhr._ Marktpreise von Berlin am>3. Mai 1900 nach Ermittlungen des kgl. Polizeipräsidmins. Weizen, gut D.-Ctr. mittel„ gering gut mittel„ gering Gerste, gut „ mittel .. gering Hafer, gut „»Nittel, ..' gering Richtstroh Scu„ rdsen„ Speiscbohnen„ Linsen Prodnktenniarkt vom Iii. Mai 1900. Getreide. Der Früh- »narlt lag fest aus Grund der bekannten stimulierenden Momente, denen sich noch neue Frostberichtc hinzugesellten. Es wurden Deckungen und Neukänfe vorgenommen, wobei für Weizen und Roggen je l M. biihcr bezahlt wurden, i Mittags notierten Lieferungen anfänglich für Weizen 0,75, für Roggen 0,o0 über gestrigen schwächeren--chluß, gaben aber bald wieder nach, da Amerika weniger fest kam und bedeutende russische Roggenoffertcn, welche zu größeren Abschlüssen führten, aus die Preise drückten. Die vorherigen Preisaus-. besserungen, namentlich für die lebhafter gebändelten Roggcnliescrungen,- gingen insolgedesscn allmählich wieder verloren. Weizen lag sehr still. Am Haftrmarkt hielten Abg-ber auf feste Preise, die jedoch von den Rehmer» nicht bewilligt wurden, so daß Umsätze nur in beschränktem Umsange zu stände kamen. Mais war im Preise etwa- fester. Rüböl zog 0,20 M. an. Spiritus loco unverändert. Die Schlußprcise für Brotgetreide»varen eher etwas»nattcr als gestern. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 16. Mar 1300. Amt, licher Bericht der Direktion. Zum Verlaus stände»: 298 Rinder, 2457 Kälber, 1110 Schase, 11 455 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) vollsleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwcrckes, höchstens 7 Jahre alt 00- 00, h) junge fleischige, mcht ausgemästele und ältere ausgemästete 00-00; o) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00-00; ck) gering genährte jeden Alters 00—00.— Bulle»: a) vollsleischige höchsten Schlacktwertes 00- 00: b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00; c) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollsleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahre» 00-00; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00-00; 6) mäßig genährte Kühe und Färse»» 45-47; e) gering genährte Kühe und Färsen 41—43.— Kälber: a) feinste Mast- kälbcr(Lollniilchmast) und beste Saugkälber 72-75, b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 02— 0V, e) geringe Saugkälber 50— 50, d) ältere, gering genährte lFresser) 42-40.— Schafe: a) Mastliimmer und jüngere Mast- Hammel 58-01, b) ältere Mastbammel 51-56, c) mäßig genährte Hammel und Schase(Merzschafe) 45-49, d) Holsteiner Niederungsschafe(Lebendgewicht) 00-00.- Schweine: a) vollsleischige der seiueren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IV« Jahren 44—00, b) Käser 00-00, c) fleischige 42- 43, d) gering entwickelte 40, e) Sauen 38- 39. Verlaus und Tendenz. Vom Rinderauftrieb blieben ungefähr 00 Stück unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig. Bei den Schasen fanden ca. 000 Stück Absatz. Der Schwcincmarkt verlief langsam und wird nicht ganz geräumt. Kür de» Inhalt der Inserate Kberuin»»»t die Redaltiou dem Publik»»» gegenüber keinerlei BerantN>«:tnng. Donnerstag, d e n 17. M a i. Opernhaus. König Drosselbart. Die roten Schuhe. Ansang 7'/. Uhr. Schauspielhaus. Jugend von heute. Ansang 7Vj Uhr. Deutsches. Onlel Toni. Anfang 7»/. Ubr. Leffing. Im weißen Röhl. Anfang 7V, Uhr. Berliner. Berlin bei Nacht. An- fang 71/2 Ubr. Neues. DaS Stiftungsfest. Anfang 7»/, Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Ansang 7»/. Uhr. Westen. Die Geisha. Ansang 7-/- Uhr. Schiller. Der zerbrzochcne Krug. Aniphitryo». Ansang 8 Uhr. Thalia. Wie man Männer fesselt. Anfang 7»/, Uhr. Luise». Ihr Palhe. Ansang 8 Uhr. Central. Berlin nach Elf. Anfang 8 Uhr. Victoria. Am Rande des Abgrunds. Ansang 8 Uhr. Friedrich- WllhelmfbädtischeS. FockaS Abenteuer Anfang 8 Uhr. Weift. Deutschlands Er Hebung und Einigung im 19. Jahr- hundert. Ansang 8 Uhr. Belle- ZUliance.(Internationale Urania.) Bis ans Ende der Welt. Anfang 7Vz Nhr. Metropol. Specialitätsnvorstellung. Der Zauberer am Nil. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Borstellung. In» Reiche des Jndra. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stetliwer Sänger. Ansang 8 Uhr. Passoge- Panoptikum. Special!- iäten-Borftelliing. ltrauia. Juvalidenstr. 57/62 ikägitch avendS vv» 5—10 Uhr Slernwarte. Taubeuftrafte«S/4S. Abend) 8 Uhr(im Theatersaal):»In den Alpen sonst und jetzt". Urania Tanbenatrauue 48/41». Im Theater abends 8 Uhr: „In den Alpen sonst u. jetzt". In validcnatr, 57/62; Sternwarte. Nachnilttaps 5—10 Uhr._ Passap-Faiioptn.' Riesen und Zwerge. 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. Passage-Tliealer: Vorstellung von 7— lOVa Uhr. gdjlllfi'-lljedter (Wall,, er. Theater). Donners tag, abends 8 Uhr: Her Kpug. Lustspiel tu 1 Akt von H. v. Klei st. Hierauf: Lustspiel nach Malier« m 3 Akten von H. v, Kleist. Freitag, abends 8 Uhr: Ztlokc. Hierauf: Der Diener aweier Herren. Sonnabend, abends 8 Uhfr: Brand._ CCcnfualdtcnfcv Zensationelltr LachMg; ifcH Ansang 8 Uhr.""WS Berlin nach Elf. i9r. Posse in glänzender Ausstattung. Die sensationellen Schlager: Eisenbahn- Quartett! Cordula! Lebenslauf einer Künstlerin! Aufzog der Darfums. (Blendendes Ballett.) Morgen u. folgende Tage: Berlin „ach Clf. 'Hmlia-'l'Kester. fei. Amt IV« 6440. Dreidenerstr. 79/73. Gastspiel Annle Dlrkens. Nie f ton« seßelt. Bandeville- Paffe in 4 Akten. Mufik v. Victor Roger. Hauptrollen:«»wie Dirkens. Elise Rratmn, Iah. Junker Schatz, Ellen Roland, Reinhold Welihos, Hermann Haack.«tb-rt Kühne. Anfang 71/2 Uhr. Morgei» und solaende Tage: Wie via» Männer feffelt. Ca pl W el ss-Iheater Gr. Frantfiirterstrafte 13*. TentschlaM Erhebung im lg. zahrhMbert. Anfang 8 Uhr. BorzngSbilletS haben Gültigkeit. Bor und nach der Vorstellung: DM- Frei. Konzort. Ailfana 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend: Der Mincukönig von Transvaal. Sonntag: Im Garten: Spcetalitäteu und Theater-Borstellung. TMZ Sonntag: Im Theater: Kttinpfende Arnmt. Schauspiel in 3 Akten von Körner. (Novität.) Montag:.Deutsche Volksbühne": _ Kap h<>. JITIIB z Kurfürsten- Damm. Jetzt geöffnet. Jjarmi& grösste Schausteüimg der Erde. Nur an! 26 Tage. Grosstrtiges internationale« Vergnügnnss- Etablissement In Amerika, begründet. Ein ausgewähltes Programm von 100 Nummern in 3 Mano» en, auf 9. Bühnen und 1 Rennbahn. s Menagi erieu s Billcts habon Gültigkeit für alle angezeigten Sehenswürdigkeiten und geben dem Inhaber Anrecht auf einen Sitzplatz. Keine Xachzahlnngcn, Täglich 3 Vonteilungen um 3 und um 8 Uhr. Eröffnung 1 Stunde vor Anlang der Vorstellung zur Bosiohtigung der Menagerien, der interessanten lebenden menschlichen Abnormitäten und einer ganzen Sammlung von Wunderdingen. Preise nach Lage der PI ätze: Botree inkl. Sitzplatz 1 n. 2 Mk. Sperrsitz..... 3„ Reservierter Platz.. 4„ Loge pro Platz... 6„ Kinder unter 10 Tahren zahlen die Hälfte für alle Plätze mit Ausnahme der 1 Mark- Plätze. Sämtliche Plätze sind numeriert mit Ausnahrae der 1 imd 2 Mark- Plätze. 4 und 6 Mark-Plätze im Vorverkauf bei Paul Grimm, Cigarren-Importhaus, Unter den Linden No. 47. Der Billotverkauf findet auch an der Kasse bei Eröffnung der Ausstellung statt. Arbeiter Berlins! Von den Finflerwalder Cigarreilfabrikanten haben die nachfolgenden die Lohnforderungen der Zlrbeiter be- willigt:>1. Sporn. Dietrich(Hanisch Nacht.). K. Weigel. R Klähre. W. Enlgk. 0. Wsssly. R. Relnike. C. Franz. F. König H. MOIler. A. Kurras. R. Bär. Tie«ommifstou der Berliner Tabakarbeiter. Bon jetzt ab steht dieses Inserat nnr Donnerstags und Sonntags im„Vorwärts". r „See-Terrasse", Lichtenberg, Röderstrasse 6., (Die breite Röderstrasse verbindet das Steuerhaus Landsberger Allee mit dem Dorfe Lichtenberg) Zu Fuss in 8 Min. v. den betr. Eiugbahnstationen u. 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(Internationale Urania,) IlM-Hcute»md folgende Tage: Bis slls kiide der Welt. Ein Schauspiel der Natur in 12 Bildern und einem Prolog von Dr. M. Wilhelm Meyer. Ansang 7»/z Uhr. Vietoria-I'Iiester. Atexanderplatz. Gastspiel- Ensemble»Valdea-Uordan. Arn Rulliie Ks Abgrillihs. Volksschauspiel m 4'Akten v. 31. Elcho. Morgen: Dieselbe Vorstellung. RslohstiallsQ. Täglich:«tettlner Sänger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. Bchrcnstr. 55/57. Direktion R. Schultz. Telephon I 2120._ ar- Um 9 Uhr 10 Min.:"VQ I>er grUnate Operetten- Erfolg der letzten S Jahre. DeMnNil. Burleske Ausstattungs-Operette sowie llas neue enstldassige Küai-Speoialifäten-Pi'ogi'amm Anfang täglich 8 Uhr(auch Sonntags). Rauchen überall gestattet. Apoho-Tkatai'. Nur «och uiruigt lei Keirlie ilee Mre. Kasfeneräffnung 7 Uhr. «arten- Konzert 6»/. Uhr. Ansang der Borstellung 8 Uhr. Vorverkauf von 10—1 Uhr im Theater sowie in» Jiwakidendank und Künstle, dank. 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M. verschied plötzlich am Herzschlag mein geliebter, guter ZNuim und sorgender Bater, der Maurer i-eopold Weidner.(10516 Die trauernde Gattin u. Sohn. Ceatral-Berbanh derMaarer DentschlanW. Vllinlc Berlin II. Den Mitglieder»» zur Nachricht, das) am 14. Mai unser Kollege Leopold Weidner im Alter von 47 Jahren verstorbeil ist. Die Beerdigung findet am Donners» tag, den 17. Mai, nachmittags 4 Uhr/ auf dein Einuiaus-Kirchhof statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/12 Die Bcrbandsleitung. Central-Krailktu- u. Sterbe- kaß'e der Tischler tu (Ortsverwaltung Berlin H.) Todes- Anzeige. Stn» Montag, den 14. d. 2)1., verschied das Mitglied unsrer Kaffe, der' Tischler Wilhelm Urbig, im Alter van 51 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nach- mittag 3 Uhr vom Urban aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 184/11 Die Ortsverioaliung. Danksagung. Für die liebevollen Beweise herz- licher Teilnahme und für die Herr- lichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines innig geliebten, unverg«ßlid,en Mannes, Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Hoblers Kranz Jordan sprechen wir allen Verwandten, Freunden, dem Chef der Firma C. Hoppe, allen seinen eheinaligen Mitarbeiler» unsern tiefgefühlten und innigsten Dank ans. 1000b Berlin, den 10. Mai 1900. Die trauernden Hinterbliebenen: I»onl»e Jordan geb. Engel, liebst Linden». « CASTANS■■ PANOPTICÜM Krledrlchotr. 165. Grösste Sehenswürdigkeit der Residenz! Upn f Mr. II o b e r t s, der I1CU. erste Zaubei'kunstl. und Illusionist der Welt! «p ii f Die Bückcburge»-, c u• humoristisches Sänger- und Konzart-Ensembl«. Enlree§0 Pf. Kindern. Militär ohne Charge MT«5 Pf.- Deuisclte Konzeit-Hien üitadtbahnhof BOrsc. Täglich: GrosseTheater- und Variete Vorstellung. Die Hnmoristen Hildach.«lrosch, Zimmcruiani». Gnrsch. Beuart. „Die Lnccll von Rixdorf" sowie Sergeai»tSch»eid»g«nd militärische Gindriiche. Beginn der ausländische» Orchester W vchent. 0 Uhr, der Thealcrabt. 8 Ulw lv. vooellZ sliooloi'. Brnunkilstraß« 10. Jede» Sonntag, Dienstag und Tonnerstag: Theater» Vorutellnng. Pill öeogAliseber liger. Lustspiel in 1 Zlkt von Otto Rondolf. List und Phlegma. Posse mit Gesang in 1 Akt von Angcly, Ii»» wunderschöne» Monat Mai. Liederspiel in l Akt von Stnckcnbruck, MÄ,«r«dkrM.?z SocialiMratiscIier Walthmin den dritten Berliner Reiclistap-Walilkreis. Tonncrstag, den 17. Mai, abends 8 Uhr, litt Lokal des Herrn Spirgclbcrg, Sebastianstraftc Nr. Z9: Zk Devlnultttluttg. Tagcs-Orduung: 1. Bortrag des Gcnosie» ReichstagS-Abgcoroneten VtoNenow über': »Junkertum. Industrie und Arbeiterklasse im biampfe um die .HandelSvertrags-Politik�. Diskussion, t!. Vereinsangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 210/10 »vn VoK-stsn«!. Achtung! Zimmerer. Achtung! Central-KranKen- n. Sterbekasse der Zimmerer OGGG>G?GOOOGGGa Künstliche Llhne. 3 M. an. von züglich, fetzt fchmerzl. ein Plombieren, schmerzl. Zahnziehen, Zahnschm. bes. Rep. sof. Goldstei». Oranienstr. 123. Celltrülvereili der Bildhaiier. Sonntag, de» JJO. Mai: Herrenpartie mit WM »ach Bcrnan-Licpnitzscc. Abfahrt früh 6.40 vom wtettiner Bahnhof(Vorort-Bahnh.) bis Bernau, .Fahrschein a0,40; ab Gcsimdbrunnen 6.46. Treffpunkt für Nackizügler bis 10 Uhr in Bernau(Schlltzenhans). Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Vergnügnngskomitec. j 4- Heilung-j»» \ aller Haut-, Haru-, Blasen- leiden ohne Bcnlfsstörung. 31jährtge Erfahrung. Rgrder senior, Sprechst. 9—1 u. 5—8'/., Sonnt. 9-2. 28/10« Scliultze, WasKcrthorstr. 1/3, I. Behandlnug aller Haut-, Harn- und Blasenleidc» ohne jegliche Berüfsstötülig. 3973D* Sprechstunden 9—2 u. 5—9. Donnerstagvormittag keine _ Sprechstunde. Bei Vorzeigung der VcrbandSkarte 10 Proz. I Natur- Heilverfthrtii. Haut-, Harn- u Blasenleidc». Franc» Krankheit., heilt sicher fe ohne Berüfsstäritttg.(39782* w RWnnnpp Jnvalidenstr. 151/1 fc . ndyiltJI, Wallstraße 23.) f 9-2, 5-9, Sonntags 9-2. D 20.Ziehungd.4.Klaffe202.KgI.Preuß.Lottene. Ziehimz vom is. Mai isao. lllur die Vcwiviie über SS« Marl nnd den belreffenden Auaiaern>i> Ulammern b-igfiüzt. lLhne S-währ.l 16 köODl 267 700 900 1198 270(1000) 319<4(10 000) 92 463 725 85 856 3148 61 81 436 57 3234(1000) 60 924 77 4541 51 952. 5106 306(500) 526 94 890 973«424 888 7093 534 66 71 87 720 8206 331>36 0199 506 728 90 1O061 200 33 530 939 11004(300] 372 723 55 12682 852 13412 535 757 84 92 907(500) 14018 49 240 85 344 447 83 736 1 6287 316 31 600 799 16013 212 73 419 707 1 7259 541 18169 298 317 569 748 870 19174 678(300) 758 76 957 59(500) 20015 126 244 21194 221 373 608(1000) 835 88 22075 (500) 432 536 736 2 3039 66 630 767 98.5 24183 223 52 347 648 25226 447 26180[500] 669 713 2 7257 362 93 551 624 26 817 28093(300) 175 433(300) 689 746 898 20131 549 765 827 75 84 30058 281 82 379 903 33(500) 31162 265 536 722 977 32088 257 663 761 86 938 3 3367 36100 435 3 6017 914 28 37118 27 350 411 566 38029 33 114(300) 84 264 354 924 30 (500) 39037 94(1000) 142 55 200 94 807 57 40233 303 39 403 34 81 41053 42324 540 718 800 977 43513(300) 637 46 738 44086 543 788 810 42 924 4 5068 361 406(1000) 90 506 715 822(500) 46310 429 69 531 648 4 7264 85 48384 526 52 687 855 49075(1000) 159 318(500) 413 SO 599 931 60 60126(1000) 236 305 424(3000) 528 60(500) 696 1300) 953 64 76 51113 25 71 401 509 84 637 724 884 944 5 2307(500) 490 713(3000) 45 816 63106 527 88 753 831 54218 699 815 961 55130 89 457 630 54 58 820 49 TD 56010 255 56 888 955 (300) 57017 100 53 596 651 68 771 920 5 8256 846 948(3000) 69003 133 45 285 574 628 47 812 ««018 71 89 171 80 464 676 99 783(500) 801 939«1084 481 592 888 976 6 2425 514 63138 67 91 214 457 638 708 64228 77 93 312 78 709 28 88 802(30001«5048 388 422 63 519 688 830 907««030(10001 140 604 734 981 67112 398(10001 732 81«8571 621 71? 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Könizlich Preußischen Klaffen> lloilirie findet sialt am 5., 6. und 7. Juli d. I. wy.?.r 5%v":± A fCleine AnzGiUGn, Wort fetf, Worte mit mehr als zDWW flL Jl ML ML JM MMtM ML ML ML D y jö Buchstaben zählen doppelt. JKMSm s» MM W b Anzeigen hl den AnnahmesteUen für Berlin :s2 Uhry für die Vororte bis/ Uhrs Inder Ifauptexped ition Beuthatr.3 bis 4- Uhr an genommen. täte � rden Lin M Restaurant, gangbares, billig zu verkaufen,«chnlz, Schiuartzkopff- ftraße 15. fl.'il'' Eckdestillation, gangbar, preis- weri, Stettinerstrabe 4Sa._ tllü' lSrünkramgeichäft mit Feucrnng sofort oerkäuslich. Miete 45. Mars. Graudenzerstraße 0.__ tlöO ~(ffiuöiiieu()«ii» Große Franksnrter- siraße 9, parterre._ tl50 Borj ahrige elegante«cireiT- xaletoio und Anzüge aus feinsten Etoffeu 25—40 Mark. Verlans Sonnabend und Somüag. Versandhaus Germania. Unter den Linden 21 II. Zurückgesetzte Damenwäsche, an- geichmutzte Reisemuster, sehr billig. 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Verantwortlicher Redacieur: Paul John in Berlin. Für den Juieralentetl verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Actitung, Tischler! Anläßlich der Maiseier sind die Tischler in der Baulischlerei von «tlebitie& Küpchen, Charlottenburg, entlasseu worden. Die Werkstatt ist solgedessen bis au- weiteres gesperrt. 88/1 vle Ortsverwaltung Charlottenburg i"- l»"■?»-,.» 2. KeilU iits Juraärts" Wim UMN»>»»» � W><« Ueber die Lage der Schlächteraesellen Berlins bat der a»f christlickiem Boden stehende Verband der Fleischergesellen Dentichlands eine Erhebung veranstaltet, deren Ergebnisse in einer Broschüre") veröffentlicht sind. Daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schlächtergesellen mit zu den allerelendesten gehören, ist ja be- rannt. Wie groß das May der Ansbentung ist, unter der die Arbeiter «n Flcischergewerbe— eines der wenigen, wo noch das sogenannte patriarchalische Verhältnis obwaltet— leiden, das erhellt ans den in der genannten Broschüre niedergelegten Thatsachcn, von denen wir im Nachfolgenden einiges anführen: Von 104 Gesellen bei E n g r o s s ch l ä ch t e rn haben eine wöchentliche Arbeitszeit: 3 bis zu 70. 13 bis zu 80, 24 bis zu 90. 30 bis zu 100, 23 bis zu 110, 8 bis zu 120 und 3 über 120 Stunden. Das macht durchschnittlich 99 Stunden pro Woche! Von 42S Gesellen bei Ladenschlächtern baben eine wöchentliche Arbeitszeit: S bis zu 70, 20 bis zu 80, 102 bis ZU 09.«S bis zu 100, 144 bis zu 110, 49 bis zu 120 und 16 über 120 Stunden. Das ergiebt durchschnittlich 10» Stunden pro Woche. Diese nngeheuer lange, jedes vernünftige Mah überschreitende vlrbeltszeit bezieht sich jedoch— sowohl bei den Engros- wie bei den Ladenschlächtern— nur auf die 6 Wochentage. Die fast regel- mäßlg und ansnahttlSloS zu leistende SonntagSarbeit ist hierbei nicht mitgerechnet. Ueber dieselbe erfahren wir auS der Broschüre, dah von 107 Engros-Schlächterge seilen 45 bis zu 5 Stunden. 26 bis zu 8 Stunden. 23 bis zu 10 Stunden iinb 13 über 10 Stunden Sonntagsarbeit zu leisten haben. Von 417 Laden-Schlächtergeseilen arbeiten des Sonntags: 147 bis 5 Stunden. 241 bis 8 Stunden. 28 bis 10 Stunden und 1 über 10 Stunden. Also, nachdem die Schlächtergesellen sich während de W o ch e im Durchschnitt t ä g l i ch!«>/, b e z w. 17 Stunden abgerackert haben, sind die Arbeitgeber so gütig, ihnen zur„Er holung" eine 5» b i s lOstündige SonntagSarbeit auf zuerlegcn! J®01' allen Befragten hatten nur 7 Ladenschlächtergesellen olle 14 Tage einen freien Sonntag, die übrigen, sowohl EngroS- wie Ladengcsellen, haben niemals einen freien Sonntag. Dieser«nnienschlichen Arbeitszeit steht nach dem Ergebnis der Statistik ein W o ch c n l o h n gegenüber, der bei den EngroS- schlächtern durchschnittlich 22 M. beträgt, wozu noch Neben- ciiinahmen in der durchschnittlichen Höhe'von 11 M. pro Woche koninien. Die Laden schlächtergesellen erhalten neben Kost und Logis einen durchschnittlichen Wochcnlohn von 13 M., davon liehen jedoch im Durchschnitt 1.50 M. wöchentlich für Waschgeld ab.— 3." benicrkcn ist, daß die Erhebungen ini Winter stattgefunden, wo die Löhne, namentlich die Ncbeneiiniahmcn der Engrosschlächtergeselleir höher sind als im Sommer. Von 400 Gesellen, die über die Beschaffenheit der Arbeits r ä u m e Angaben niachten. bezeichnen 165 ihre Arbcitsräume als so dunkel, dab beständig bei Licht gearbeitet werden muh. In zwei Fällen wird die Höhe des ArbeilSraums mit 1,60 bczw. 1,63 Meter angegeben.„Konnte bei der Arbeit nicht gerade stehen," bemerkt der eine Geselle dazu.— Pansen zuin Einiichincn der Mahl Zeiten gicbt eS in den meisten Fällen nicht. DaS Essen muh während der Arbeit und im Arbeitsraum selbst sgclegentlick hinnntergcwürgt werden. Auch in der D a r m s ch l e i m e r e i des st ädti scheu Schlachthofs, wo etwa 200 Leute beschäftigt werden, fehlt ein besonderer Ehra um. tHicrzu fei be- merkt, dah die Arbeit des Darnischleimens eine höchst unappetitliche ist, und der ekelerregende Geruch, der in der Dannschlcimerci natur- gcmäh herrscht, jeden, der nicht durch Gewohnheit abgestnnipft ist, unwiderstehlich zur Uebclkcit reizt. sNed. d.„Vorw.") Auch über die Mangelhaftigkeit der S ch l a f r ä u m e hat die Statistik krasse Mihstände zu Tage gefördert. Von 452 Gesellen schlafen 39 auf deni Boden, 92 ini Keller, und vier sogar im A r b e i t s r a u ni. Mitunter werden auch die Schlafränme noch zur Aufbewahrung von Holz und Kohlen, als Gcwürzkamnier, oder zuin Trocknen der Wurst benutzt. Häufig wird über Unsauberkeit der Betten geklagt und die Frage, wie oft die Bettwäsche gewechselt werde, nnt„alle Vierteljahr",„alle Halbjahr", ja sogar mit.nie- malS" beantwortet. Ein weiterer Ucbclftand, unter dein die Schlächtergesellen zu leiden haben, ist die Stellenvermittelung. Abgesehen von den Arbeitsnachweisen der Innung, die 1 M. Gebühr bcansprucheii, liegt die Stellenvermittelung zumeist in privaten Händen. Eine BerinittelnngSgebühr von 10—15 M. für eine bessere Stelle bildet die Regel. Dazu kommt, dah diese NachweiseburcanS in Kneipen etabliert sind, und der Arbeitsuchende erst auf eine Stelle rechnen kann, nachdem er längere Zeit in deni Lokal verkehrt hat. Der Verfasser der Broschüre erwartet von dem Einschreiten der Behörden die Erfüllung folgender Wünsche der Schlächter gesellen: 1. Angemessene Verkürzung der Arbeitszeit. Eine ackitstündige Nachtruhe nebst im ganzen vier Stunden zum Essen und zur Er- Holling sind keine unbescheidenen Forderungen. ES bleiben dann immer noch 12 Arbeitsstunden, wie nus dünkt, immer noch reichlich genug. Selbstverständlich versteifen sie sich nicht auf einen Normal-Arbeitstag von 12 Stundtn. Es genügt, wenn die Summe der wöchentlichen Arbeitsstunden nicht über 72 hinausgeht. 2. Abschaffung bezw. Einschränkung derSonntagsarbeit, wenigstens den Bestiniiiilingen der Gewerbc-Ordiumg entsprechend. Die Forderung ist mehr denn bescheiden, gegenüber so skanda- lösen Arbeitsverhältnissen rechtfertigt sich gcwih mehr als eine acht- ständige Ruhepause, giebt doch die Buiidcsratsverordnimg für die Bäckereien niehr als die christliche Organisation zu fordern ivagt. Aber die christliche Organisation respektiert die Socialpolitik ihrer Beschützer, des Centrniiis, die sich immer durch Halbheit aus- gezeichnet hat._ Uokktles. Tritter Wahlkreis. Heute Abend 8 Uhr spricht in der Ver- saniinlnng des Wnblvcreins bei Spicgclberg Sebastianstr. 39. ReichStagsabgeordncter Genosse Rosenow über:«Junkeriunl. Industrie und Arbeiterklasse im Kampf um die HaudelsvertragSpolitik." Auster- dem Diskussion und Vercinsangelegenheiten. Tie Versammlung wird pünktlich eröffnet. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. t?Ine öffentliche Versammlung im fünften Berliner Reichstags- Wahlkreis tagt heute, am DounerSlag, abends 8>/z Uhr. im„Alten Schützcnhaus", Linienstr. 5 mit der Tagesordnung: 1. Wahl eines Vertrauensmannes und LolalkominissionS-Mitglieds. 2. Vortrag des NeichStagsabgeorducten Richard Fischer über:„Wie die Frei- s i n n i g c n W a h l e n m a ch e n. 3. Diskussion. Tie Freie Volksbühne hat ihren VcrwaltungS- und Kassen- bericht für daS Jahr 1899/1900 vor einigen Tagen hcransgegeben. Der Eiat stellte sich für dicS Jahr höher als für irgend eines der vorhergehenden Jabre deS alten und neuen Vereins. Die Ein- nahnicn betrugen 54 438 M. 33 Pf.; dieser Summe am nächsten konimt die Einnahme des Jahres 1894'9S, also deS letzten vor dem Köllcrstreiche, wo sie 52867 M. 34 Pf. betrug. In den sechs Ab- ") Die Lage der Fleischerge seile n Berlins und der Vorort«. Zu haben bei J. Wiedeberg(Sekretariat des Vereins„Arbeiterschutz"). Berlin 0., Rüdersdorferstraste 45. Preis: 20 Pfennig. teilungen, aus denen die Freie Volksbühne zur Zeit besteht, sind etwa 6500 Mitglieder vereinigt. Die Ausgaben steigerten sich gegen das Jahr 1898/99 von 43 813 M. 4 Ps. auf 48 669 M. 76 Pf.' Die Vorstellungskosten betrugen bei 60 Vorstellungen im Jahre 1899/1900 durchschnittlich 709 M. pro Vorstellung; im Jahre 1898/99 771,50 M., 1897/98; 660 M.. 1891/92: 501 M.. 1892/93: 681 M.. 1893/94: 801 M. Ueber die künstlerische Wirksamkeit der Freien Volksbühne äußert sich der Jahresbericht: Vor allem aber ist es erfreulich, daß sich die künstlerischen Leistungen des Vereins gegen das Vorjahr sehr beträchtlich gehoben haben. Das Engagement eines eigenen Regisseurs hatte sich bereits im vorjährigen Winter, ais noch im Friedrich-Wilhelm- städtislben Theater gespielt wurde, entschieden bewährt. Aber erst unter den verändcrien Verhältnissen des letzten SpieljahrS, nachdem der Abschluß mit dem Carl Weiß-Theatcr gettoffen war, trat der volle Gewinn dieser neuen Einrichtung hervor. In diesem Theater hatte der Vorstand nur den Bühuenranm ohne Schauspielpersonal gemietet und die so erzielte Ersparnis machte cs dem Regisseur möglich, in ganz andrem Umfange als früher tüchtige, ja mitunter erst- klassige Kräfte(wie Klein vom Lessing-Thcater) zu den Auffühningen heranzuziehen. Unter solchen Umständen konnte der lauggehegte Plan einer ,F a u st"- A u f s n h r u n g in durchaus würdiger Form verwirklicht werden; und auf den„Faust" folgte ein Wagnis, das früher gleichfalls nicht hätte unternommen werden dürfen, nur wenige Monate später Shakespeares„H a m I e t". Die stärkste An- ziehu'ng bildeten natürlich nach wie vor die Vorstellungen im Lcssing Theater. Mit der berechtigten Hoffnung, feine Leistungen mehr und mehr zu steigern, tritt der Verein, von dem belebenden Interesse breitester Schichten getragen, in das neue Spieljahr ein. Der Vorfitzende der Freireligiösen Gemeinde Hierselbst hatte sich an den Magisttat mit dem Gesuch um Ueberlassung einer Aula zu religiösen Versammlungen gewendet. Die städtische Schul- deputation, welche sich heute mit dieser Angelegenheit beschäftigte hat beschlossen, dem Magistrat die Gewährung des Gesuchs zu empfehlen, jedoch mit der Einschränkung des Widerrufs. Die Frage der Beteiligung der Frauen an der öffentlichen Armenpflege ist ihrer Erledigung in der letzten Zeit um einen wichtigen Schritt näher gerückt. Der Entwurf der Grundsätze, nach denen die Hinzuziehung der Frauen erfolgen soll, ist bei der Armen- vcrwaltting jetzt fertiggestellt und hat auch bereits die Justimmniig der vom' Magistrat' niit der Prüfung de? Entwurfs betrauten Spccinlkommission gefunden. Wenn, ivie zu erwarten ist. das Magistratskollcgium gleichfalls zustimmt, so dürfte der Stadt verordneten-Vc'rsamnilüiig noch in diesem Jahre eine bezügliche Vor> läge zugehen. Bei den'Armeiikommissionen hat sich übrigens die Stimmung inzwischen sehr zu Gunsten der geplanten Neuerung go wandelt. Sic haben ihren aufäuglichen Widerstand zum großen Teil bereits aufgegeben. Tie socialdrmokratische Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung hat folgenden schleunigen Antrag eingebracht: Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, daß er schleunigst Vorkehrungen treffe, um der zum Schaden der kleinen Abnehmer seit längerer Zeit erfolgten Einschränkung der Abgabe von Coaks auS den städtische» Gasanstalten abzu helfen. Ein Laudwchr-Quartier. Am 26. April hatten eine Anzahl in Berlin wohnender Landwchrniänner zu einer Uebung einzurücken, die beim 47. Regiment in Posen abgemacht wurde. Als der Trupp der VaterlandSvcrteidiger nachts in Posen ankam, wurde den Landwehrleuten als Quartier der Exerzierschuppen der Adalbertkasenie angewiesen. Der Fußboden dieses Schuppens ist mit Ziegelsteinen gepflastert, das Gebäude selber aus Brettern aufgeführt. Unter der Decke klafft eine Itts Zoll breite Oeffnung, die sich um den ganzen Raum herumzieht, die Thüren sind un- dicht, aucki die Bretterwand zeigt an verschiedenen Stellen Löcher, so daß der Raum gegen Wind und Wetter sehr unvollkomniencii Schutz bietet. Als Lagerstätten wurden den Mannschaften Strohsäcke geboten, die auf Holzpritschcn lagen. Es gab zwar Bettlaken, aber die übrige Bettwäsche war so feucht, daß sie nicht benutzt werden konnte, und die Leute mußten deshalb nutcr nicht bezogenen Decken schlafen. Daß ein solches Nachtlager in einer der kalten Nächte, Ende April, der Gesundheit nicht sehr zuträglich war, läßt sich denken. Heiserkeit und Schnupfen waren daher auch nichts Seltenes in der Laudwehr-Compagnie. Man beschwerte sich beim Oberst über daS kalte, unbehagliche Quartier. Wenn es den Leuten zu kalt ist, dann sollen sie Freiübungen machen", sagte der Oberst. Am zweiten Tage war die Bettwäsche endlich soweit trocken, daß sie benutzt werden konnte, aber das Quartier in dem undichten Bretterschnppen blieb auch trotz der überzogenen Bettdecken recht ungemütlich, und die Klagen der Mannschaft nahmen kein Ende. Es hieß zwar, die Landwe'hrlente sollten- ausquartiert werden, aber daraus wurde nichts. Sie mußten während der ganzen vierzehntägigen Ilebnngszeit in deni genannten Raum ausharren. Pfähle mit eisernen Ringen versehen, lassen erkennen, daß der Schuppen vordem als P f e r d e st a l l gedient hat. Es ist auch unliebsani bemerkt worden, daß. entgegen der bcstchenden Vorschrift. nur ein Spind für je zwei Mann' vorhanden war. Weiter wird darüber geklagt, daß den Mannschaften auf dein Hin« und Rück- tranSport' Speisen zu verhältnisniäßig teueren Preisen verabfolgt wurden. So gab eS hier auf dem Kaiser Franz-Grenadier- Platz ein vom Kantinenwirt im Gebäude des Landwehr-BezirkS kommandoS geliefertes Frühstück, bestehend nus einem Paar Knobländer, zwei trockenen Schrippen und einem Topf„Kaffee". Für diese Mahlzeit, die allen Mannschaften geliefert wurde, mußten die Leute sich 30 Pf. von der Löhnung abziehen lassen. Auf der Rückreise gab cs in Bentschcn Brühkartoffeln zum Preise von 50 Pf. zum Mittagessen. Hiernach scheint es. als ob geschäftskundige Wirte es verstehen, aus dem knappen Sold der Landwehrleute einen guten Profit zu ziehen. Ein begcisterungsvoUer Empfang wurde gestern abermals einem fremde» Gast bereitet, der mit prächttgem Schau- g e p r ä n g e in die Mauern der Stadt einzog. In laugen Reihen hatten sich Männer und Frauen erwartungsvoll lind in festlicher Stimmung in den Straßen mifgeftellt, zahlreiche Schulkinder, von ihren' Lehrern geführt, verv'ollstäudiglcn das Bild inniger Teil- »ahme, und auf allen Gesichtern dieser unübersehbaren Zuschauer- chast gab sich dieselbe weihevolle Stimmung zn erkennen. auf die als Merkmal p a t r i o t i s ch c r B e g e i st e r u n g so oft und rühmend hingewiesen worden ist. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß der feierliche Empfang diesmal den Herren B a r n u m u n d B a i I y galt, die ihre Riesenschaustevung nach amerikanischem Brauch durch die Straßen spazieren führten. Es war anfangs die Absicht dieser Herren, die Hauprstraßen Berlins zu durchziehen, doch wollte dies die mir in patriotisch- dhnastiichen Angelegenheiten tolerante Polizei nicht recht dulden,' und so mußte sich der Umzug auf die Hauptstraßen von Charlottcnburg beschränken. Auch der öffentliche Parademarsch der Elefanten mußte wegen polizeilicher Bedenken unterbleiben. Aber bei alledem blieb das Schauspiel des Umzugs noch bedeutungsvoll genug, um ollen, die 'ich in den Straßen aufgestellt hatten, ein Gefühl vollster Be- ricdigung zn verschaffen. Um neun Uhr morgens rückten sie anS ihren weiß- chimmernden Zelten am Kurfürsten- Damm aus und eine halbe Stunde später bogen sie am Knie in der Berliner Straße ein. Schutzleute zu Pferde ritte» dem Zuge voraus, der durch einen Tnipp Reiter in der Uniforni der Kavallerie der Vereinigten Staaten eröffnet wurde. Daran schloß sich ein riesen- hafter, von 40 reichgeschirrtcn, zu je vier in einer Reihe gespannten Pferden gezogener Wagen an. Auf dem stark vergoldeten hohen Wagen saß eine Musikkapelle in roten Umformen mit goldenen Schnüren und schmetterte lustige Marschweisen in die frische Morgenlust. Unmittelbar dahinter folgten kleinere mit je sechs Pferden bespannte Käfigwagen. In dem ersten befanden sich ein paar prachtvolle Tiger mit ihrem Bändiger, in dem nächsten Löwen, in dem dritten Leoparden, in dem vierten Panther, in dem fünften Hyänen, und in jedem Wagen saß ein Bündiger in schmucker Tracht. Dann kam ein von sechs Pferden gezogener Prnnkwagen, der ein eigenartiges Glockenspiel beherbergte. Ihm folgte eine Schar von berittenen Damen und Herren, Hippodrom-Reiter und-Reiterinnen in bunten Gewändern, Jockeys, Cowboys mit möchtigen Schlapphüten auf dem Kopf und mexikanischen Pfundsporen an den hohen Stiefeln. Daran reihten sicki mehrere von Damen in phantastischen Kostüinen gefahrene römische Wagen und drei Quadrigen, gefahren von Herren in altrömischer Tracht. Wieder erschien ein Musikwagen mit einem Orchester, gezogen von zehn Pferden, und daran schlössen sich acht vergoldete'mit Reliefs bedeckte Prunkwcrgen. die allerhand Getier enthielten, und so ging es fast ins Endlose ivcitcr. Unter allen öffentlichen Festlichkeiten und Schaustellungen. die der Reichshaupt- stndt in den letzten Jahren geboten wurden, ragt der gestrige Umzug entschieden um Haupteslänge hervor. Die Berliner Arrangeure solcher Veranstaltungen können von den Amerikanern entschieden noch sehr viel profitieren. Der Nedactenr des Zeitschrift„Neues Leben", Vergoldcr Bruno Werner, der kürzlich von der Arbeit weg verhaftet wurde, ist gestern wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die elektrische Hochbahn. Der Magistrat von Schöneberg scheint entschlossen zu sein, die Hochbahn mit allen ihm zu Gebote stehen Mitteln zu bekämpfen. Wie wir erfahren, ist in der letzten geheimen Sitzung der Stadtverordneten der Vertrag mit der Finna Siemens u. Halske für ungültig erklärt worden, weil nach Ansicht der städtischen Körperschaften die Termine seitens der Finna nicht innegehalten worden sind. Ein Schiedsgericht soll im Falle eines Widerspnichs diese jedenfalls äußerst komplizierte Frage entscheiden. Bei einer aus Rußland zugereisten Dame, die bei Ver- wandten in der Linienstraße Wohnung genommen hatte, ist die Erkrankung an Pocken festgestellt worden. Die Patientin wurde nach einem hiesigen Krankenhause gebracht. Ob jedoch wirNich ein Fall der sogenannten echten, schwarzen Pocken vorliegt, ist bis- her nicht entschieden. Die polizeilich vorgeschriebenen Maßnahmen für Desinfektion der Wohnung und alle sonstigen vorgeschriebenen Sicherheitsmaßregeln wurden sofort getroffen. Tie leidige Unsitte mancher Radfahrer, im tollen Jagen die Lenkstange loszulassen, hat Dicnstagnachmittag über einen etwa 13jährigen Knaben schweres Unheil gebracht. Kurz nach 5 Uhr wollte ein beladener Bierwagen der vereinigten Grätzcr Brauereien(In- haber L. Bad) in langsamem Tempo aus der Steinmctzstratze in die Bülowstraße einbiegen. Im selben Augenblick kam ein Knabe auf einem Zweirade um die Ecke gesaust, der die Hände auf dem Iiücken getteuzt hatte und direkt zwischen die Pferde fuhr. Bevor es dem Kutscher gelang, das Gefäbrt zum Stehen zu bringen, waren die Räder bereits über den gestürzten Burschen hinweg gegangen und hatten ihm so schwere Verletzungen beigebracht, daß er einer nahe- belegenen Klinik übergeben werden mußte. Den Kutscher trifft keine Schuld. Toldaten-Telbstmord. Erschossen hat sich der Soldat Franz Sch. vom 14. Fuß-Arttllerie-Rcgiment zu Metz, gebürtig aus Ralter- dingen, gestern mittag im„Stendaler Hof" an der Jnvalidenstraße. Kurz vor 12 Uhr hatte die Tochter der Wirtin noch an seine Thür geklopft und ihn gefragt, ob er denn nicht aufstehen wolle, da sie daS Zimmer in Ordnung bringen müsse. Kaum fünf Minuten später fielen drei Schüsse, und als man das Zimmer gewaltsam öffnete, fand man ihn in den letzten Zügen. Eine Kugel war in die Wand gedrungen, die beiden andren hatten aber nur zu gut gettoffen, beide in der Nähe deS rechten Ohrs. Sch. war gestern abend nach dem Gaschof gekommen und halte dort erzählt, er sei nach dem Schießplätze bei Köln abkommandiert. Was ihn nach Berlin geführt hat, lieh sich nicht erniitteln. Auf dem Tisch seines Zimmers lag ein Schreiben an den Kaiser. Man fand auch mehrere, an junge Mädchen gerichtete Postkarten. Die Polizei hat alle Briefschaften' beschlagnahmt. Die Leiche wurde nach dem Schanhause des Garnisonlazaretts gebracht. LicbeSroma» einer Millionärin. Bor ungefähr acht Jahren starb hier ein bekannter Baumeister, der seiner Gattin ein Vermögen von einer Million Mark hinterließ. DaS Erbe bestand zum großen Teil aus wertvollen Grundstücken im Westen Berlins. Die Witwe suchte durch eine Zeitungsanzeige einen Verwalter für ihren Grund- besitz. Es meldete sich ein Mann, der sich unter einem adligen Namen vorstellte und sehr gewandt auftrat. Der Bewerber wurde angenommen und machte auf die reiche Witwe allmählich einen solche» Eindruck, daß sie zu ihm in nähere Beziehungen trat. Die Millionärin erlebte zwar die Enttäuschung, daß ihr Verwalter und Liebhaber in Wahrheit ein ehemaliger Gerichtsschreiber war, ging aber schließlich die Ehe mit ihm ein. Millionär geworden, lebte der Ehemann im�Wohlstand; seine Frau aber klagte aus mancherlei Gründen auf Scheidung. Ein Rechts- anwalt empfahl ihr, durch einen Privatdetektiv den Maim auf seine eheliche Treue überwachen zu lassen. Der Detektiv hatte mit seinen Beobachtungen keinen Erfolg. Dagegen entspannen sich aus seinem zunächst nur geschäftlichen Verkehr mit seiner Anftraggeberin so enge Bezichungen, daß ihre Ehe demnach geschieden und sie für den allein schuldigen Teil erklärt wurde. Der Ehemann erhielt eine Abfindung von 750 000 M. Seiner geschiedenen Frau blieben von der Million noch etwa 250 000 M. Mit Hilfe dieser Summe richtete sich ihr Geliebter ein Detcttivburean ein. Vor einiger Zeit geriet der Detektiv aus der Pferdebahn mit einem Herrn in Streit und gab ihm eine Ohrfeige. Um sich nnliebsamen Weitenmgen zu entziehen, ließ er seine Geliebte im Stich und ging ins Ausland. Die ehemalige Millionäriii konnte bald die Miete nicht mehr bezahlen. Der Hauswirt klagte daher auf Exmission. Gestern fand in der AnktionShalle in der Nciien Schön- hauserstraße die Versteigerung des Mobiliars statt. Die Frau aber, die für eine neue Wohnimg die verlangte Anzahlung von 30 Mark nicht mehr besaß, fand einstweilen ein Unterkommen bei einer Freundin in einem Vorort. Zur großen internationalen Hnndc-Ansstcllnng, veranstaltet von der Berliner Gesellschaft der Hundefreund« am 9. und 10. Juni d. I. in Pankow bei Berlin, ist daS Programm erschienen; eS um-- faßt 234 Klassen für Jagdhunde, 220 für LuxuShnnde und 30 für Schohhunde. Die Allgemeine Gartenbau- Anöstellnng de? Pankow- Schönhauscner GarteubauvereinS wird am kommenden Soiiiiabcnd, 19. Mai, vormittags 10 Uhr, im Liuderschen Garten in Pankow eröffnet werden. Fruerbericht. Die beiden letzten Tage brachten nur fünf Alarmierunge», die sich dnrchiveg auf belanglose Brände bezogen, Bcuthstr. 20 ging Dienstagabend eine kleine Partie Hüte und Federn in einer Hutfabrik in Flammen ans. Kurz vorher erfolgten Weiden- weg 62 und Gricbeiiowftr. 12 Fiißbodcnbrände. Jüdenhof 7 hatte ich Benzin entzündet, ohne indes iieimenSlvertcn Schaden zu ver- Ursachen. Ein Ausrücken der Wehr nach Friedrichstraße 123 und Prinzenstr. 47 war auf blinden Lärm zurückzuführen. Ans beu Nachbarorte». Accordarbeit— Mordarbeit. Ein B a u- U n g I u ck hat sich Dleustag auf cinein Neubau in der Herderstraße zu Charlotten- bürg ereignet. Die Maurer Runde, W o u t r a ck und Langer mis Berlin stürzten nachmittags aus einer Höhe von drei Metern mit dein Gerüst ab. Die Verunglückten wurden nach der Ilnfall- statio» in der Marchstraße gebracht, wo festgestellt werden konnte, daß ihre Verletzungen zum Glück nicht lebensgefährlich ivarcn. Wie uns weiter berichtet wird, ist auch dieser Ilnfall ans die schädigenden Wirkungen der Llccordarbeit im Maurcrgewerbe zurückzuführen. Bis vor kurzem waren die Maurer aich dem erwähnten Bau in« Accord Ihätig, unbekümmert darum, daß dies Arbeitssystcin Ivege» seiner Gemeingefährlichkctt von der Organisation energisch bekämpft wird. Nicht allein, daß die Güte der Arbeit in Accord verringert wird, unterläßt man es hierbei auch, die Haltbarkeit der Rüstung einer Prüfung zu unterziehen. Der Arbeiter hat eben kein Interesse am Wert seiner Arbeit, ja er läßt beim Accord in den meisten Fällen seine eigene Sicherheit außer acht. HoficNtlich lehrt auch dieser Fall die noch dem verderblichen Arbeitsstzstem anhängenden Maurer die bekannten Beschlüsse der Lrganisalion achten. Ein Licbcsdrauia hat sich gestern, ivie die„Neue Zeit" be- richtet, im Schloßpark zu Charlottenbnrg abgespielt. Mittags gegen 1 Uhr ertönten in den Anlagen in kurzer Aufeinanderfolge' vier Schusse. Spaziergänger und Parkarbeiter eilten zur' Stelle und fanden einen etwa 34 Jahre alten Mann und ein junges Mädchen blutüberströmt am Boden liegen. Tie sofort benach- richtigte Polizei ersuchte lclephonisch die Aerzte der Rettungswache um schleunige Hilfeleistung. Das Mädchen hatte, wie festgestellt würde, einen Schuß in den Mund und einen Schuß in der Herzgegend, der Mann ebenfalls einen Schuß in den Mund und. einen Schuß in die Stirn erhalten. Die Aerzte ordneten nach Anlegung von Notverbänden die Ueberführung der beiden Schwerverletzten nach dem Krankcnhansc an. Kurz stach der Ein- lieferntzg starb das Mädchen. Der Mann war gestern abend noch nicht vernchnumgsfähig. Nach den bei den beiden vorgefundenen Papieren handelt es sich unr den Maler Leopold v. Borowski aiis der Bcrgstr. öl und tun die fünfzehn Jahre alte Elisa- b e th. Feige ans der Bcrgstr. 4b zu Berlin. Dem Befund nach hat Borowski � zuerst dem Mädchen die beiden Schüsse bei- .gebracht und dann die Waffe auf sich selbst gerichtet/ Leopold v. Borowski lebte mit seiner Frau in kinderloser Che. Die Frau arbeitete für ein jlonfekrionsgeschüft. Da er in seinem Gewerbe während des Winters kcilie Arbeit hatte, fertigte er für dasselbe Geschäft Herrenmanschcttcu. Tie Else Feige, ein für ihr Alter sehr stark entwickeltes und schönes Mädchen, hatte er alS Gehülstn angenommen. Seit Sonnabendabend wurden beide vermißt. Bei Borowski wurde ein Schreiben der Feige vorgefunden, wonach sie gemeinschaftlich mit ihrem Geliebten sterben wollte. Wegen SittlichkeitsverbrechenS ist der 60 Jahre alte Rentier A. Wernecke in Potsdam verhaftet Ivorden. Ihm wird vorgeworfen, daß er eine junge Dame zu vcrgclvaltigcn! versucht habe. Ans den Spandancr Musterlverkstätte«. lieber die Lage der Arbeiter in den sogenannten T r o ck e n h ä u je rn der Pulver- : f a bt i k in Spandau geht uns folgende Zuschrift zu: Eine der gefährlichsten Beschäftigungen in der Pulverfabrik haben diejenigen Arbeiter auszuführen, welche in den„Trockenhänsern" das Trocknen des fertigen Pulvers zu besorgen haben: es sind dies etwa 0 Mann, welche abwechselnd bei Tag und Nacht und a n ch S o n n t a g S in jeneni Betriebszweige ihätig sind, durchweg Leute, die bereits zwischen 8 und 26 Jahren in staatlichen Werkstätten arbeiten. Diese Arbeiter haben auch bereits die höchste Stufe der vom KriegSmiinstcriuin festgesetzten Lohnskala erreicht, sie verdienen nämlich täglich bei zehnstündiger Arbeitszeit ganze vier Mark. Selbst die Sonntagsarbcit, zn welcher jene Arbeiter abwechselnd g c z w n» g c n sind, wird ihnen iinr mit 40 Pf. pro Stunde, dem gcwöhnlichrn Lohnsatz, und nicht, wie dies in jedem besseren Privatbetrieb üblich ist, höher bezahlt. Aber noch aus andre Weise lvird von unsrenr Militärstaat in dem bezeichneten Betrieb eine fast unbegreifliche Sparsamkeit gc- übt. Ein Teil jener Arbeiter hat nämlich die Aufgabe, die 14 Trocken- schränke, welche sich in zusammen 5 Trockenhänsern befinden, und worin das Trocknen des PnlverS vorgenommeu ivird, auf den Grad der Hitze im Jnnenrarnn zn prüfen. Dies geschieht durch Ablesen einer Uhr mid zweier Thermometer, welche an jedem dieser 14 Trocken- schränke angebracht sind. Hiernach muß von den kontrollierenden Arbeitern die Da m p f z n f ü h r u» g ganz genau reguliert werden. Diese Arbeit ist schon än und jür sich eine so außer- ordentlich gefährliche, daß sich kein Arbeiter gerne zn ihrer Aus- fuhrnng bestimmen läßt, und mancher Familienvater Nur mit Angst und Bangen am Morgen von seiner Familie scheidet, INN zur Arbeitsstelle zn gehen. Ein einziges geringes Versehen, ein Fehlgriff ist in jedem Fall von den verderblichsten Folgen begleitet. Zuweilen versagt auch eine oder die andre Koiilrollnhr, dann ist die Llrisnierlsainkeit um so mehr nolweiidig, und eine ziontrolle der Hitzegrade ist dann soviel schwerer, weil sie danirnur durch das Ablesen der beiden Thermometer, im Innen- ran m der Schränke möglich ist. Bei Tage wird diese lebensgefährliche Kontrollarbeit regelmäßig von fünf Arbeitern ausgeführt: diese haben hiermit auch hinreichend ziithnn. Bis vor kurzem wurde nun mit der gleichen Arbeit während der Nacht nur ein Arbeiter betraut! Dieser eine Mann war also gezwungen. eine Kontrolle Über vierzehn in fünf Häusern befindliche, mit Pulver gefüllte Trockciischränke während der Nacht auszuüben..Die Nachtzeil erfordert eine ungleich höhere Ausmerk- sanifeit als der Tag, da in den Trockenhänsern kein Li cht brennen darf und däs Licht, welches zum Ablesen der Uhren und Thermometer nötig ist, nur s c h r spärlich von außen durch Blcndscheibe» auf die Schränke geworfen wird. Auf energische Vorstellinigeii wurde. diesem einen Arbeiter vor kurzem noch ein zweiter Arbeiter beigegeben, aber auch diese zwei Arbeiter können Nur mit großer A-n st r c n g nn g eine Arbeit ausführen, mit der am Tage ü Arbeiter reichlich zu thnn haben. Tie Bitte dieser beiden Nachiarbciter. nm Beigabc eines dritten Arbeiters zu ihrer Ilnterftiitzniig wurde von einem Ingenieur mit den, klassischen Bescheide abgelehnt, dies wäre nicht nötig,„sonst ist der dritte M a n n z'n m Skat s c r l i g"! Gin Ritteigiitsbesitzer als Attentäter. Eine sensationelle Miitcilniig ist dem„Perl. Tgbl." ans Beeökow zugegangen: Ter Rittergutsbesitzer B n cki holz in Eossciiblatt schoß� gestern gegen 7 Uhr abends zwischen Giesensdorf und Cosienblalt auf kurze Distanz auf vier Personell, die in einer Gerichtsverhandlung zn Frankfurt u.€. als belastende Zeugen gegen ihn ansgetreteii waren. Zwei Personen, darimtcr der Gütsgärtner Ponath in Eoff'cnblatt, sind rödlich, zwei andre sowie der Kutscher leicht Verlvimdet. Die Unter- silchung ist cingeleilet. Ter Regicrnngsprästdkut zu Potsdam erläßt für die Kreise Teltow und Mi e d c r b a r n i m eine Polizeillerorduung betr. die Regelung der M ü l l a b f.u h r. Das Abladen darf nur auf de» von der Onspolizeibehörde genehmigten Abladeplätzen und zwar nur in den Machtstunden von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens statt- finden. Tic.Handelskammer zn Potsdam hat in ihrer letzien Sitzung ein Komitee zur Prüfung der Lage des Klei ich a n de l S eingesetzt. Dasselbe hat am 8. d. MtS. feine Arbeiieii ailfgcrrvnimcii und beschlossen, zunächst die Nahrungs- und Gcnilßmirtelvraiichc. insbesondere den Kolonial- und Material- ivarciihandcl zn vearbeiien. Es werden dnbcr in allen Orten des Haildelskanimcrbczirks die Angehörigen dieser Branche von den »omiteemitgliederii ersucht werden, Delegierte zn wählen, in Orten über 10 000 Einwohne in zwei, sonst einen. Außerdem sollen die kanfmäiniff'chcn Vereine das Recht haben, cinen Delegierten aus dieser Branche zn wählen. Ein Verzeichnis der in Frage kommenden Orte lvird demnächst veröffentlicht werden. Sollte versehentlich ein Verantwortlicher Redalteur: Paul John in Ort übergangen sein, so werden die Branchenangehörigcn dieser Orte gleichfalls gebeten,' einen Delegierten zu wählen und die erfolgte Wahl dem Bureau der Handelskammer zu Potsdam mitzuteilen. Schöneberg. Ein Regenschirm, sowie ein Sonnenschirm, die bei der hesigen Maifeier gefunden wurden, sind bei Nagel, Feurig- straße 4, 2. Quergebäude 3 Treppen abzuholen. Gevichcks �Zeitung« Eine umfangreiche Anklage wegen wiederholten Meineids bezw. A u st i s t u ii g beschäftigte am Dienstag mid Mittwocki da? Schwurgericht des Landgerichts I, welches unter Vorsitz des Land- gerichtsrats C. S ch u l tz e zu einer neuen Tagung znsammeiigetrctcn ist. Auf der Anklagebank saßen der Schnhmacherg'cselle Max A o a ck nnd der Hausdiener Fritz G l a b e, zwei gute Freunde, die nach der Bc- hanvtullg der Anklage in frivoler Weise die EidcSpflicht verletzt haben sollen. Glab'e hatte ein Dienstmädchen lemien gelernt und mit ihr ein Verhältnis angeknüpft, welches nach dem Wunsch des Mädchens und den Verficheriuigeli dcS Angeklagten zur Ehe führen sollte. Als das Mädchen einem Kinde das Leben geschenkt hatte, erhob der Vormund des Kindes Alimenten- Ansprüche an Glabe. dieser weigerte sich aber solche als berechtigt anzuerkennen und als er ans Zahlung verklagt wurde, machte er geltend, daß er nicht der einzige gewesen sei, dem das Mädchen seine Reigung geschenkt habe und berief sich auf seinen Freund Noack. Dieser wurde vor Gericht als Zeuge vernommen und obgleich das Mädchen mit voller Eni- rüftung die schmachvolle Unterstellung zurückwies, beschwör er that- sächlich, intime Beziehungen zn dem Mädchen gehabt zn haben. Letzteres war über diese Bekundung zunächst ganz trostlos, dann packte sie eine blinde Wut und einige Aeußernngcn, die sie zu Bekannten lhat. deuteten an, daß sie nicht übel Luft hätte, den Noack über den Haufen zu schießen. Die Staatsanwaltschaft kam nach den angestellten Ermittelungen zu der Ilebcrzengiing, daß die Angaben des Angeklagten Noack auf Unwahrheit beruhten nnd dieser seinem Freunde Glabe mir eincii Frcilndschaftsdienst habe erweisen wollen, indem er für ihn als Eidcshelfer auftrat. Schwer belastend für beide Angeklagte war die Beknnduna eines Ehepaares, dem gegenüber Noack nicht mißzuvcr- stehende Bemerkungen gemacht haben' soll. Er soll nämlich eines Tages den Eheleuten erzählt haben, daß der zweite Angeklagte ihn zu überreden suche, in seinem Alimentenprozeß als Zeuge gegen das Mädchen auszutreten, daß er aber gegen das letztere nichts aus- zusagen vermöge nnd sich hüten werde, sich in den Streit der beiden einziiinischen. Die ganze Behauptuiig der Zeugen hatte Noack als Erfindung bezeichnet und abermals nütcr seinem Eide bestritten, daß er solche Aeußerimgen gemacht habe. Auf Grund der nmfassende» Beweisaufnahme, die zum Teil unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit stattfand, gaben die Geschworenen einen Schuldig- spruch gegen beide Angeklagte ab. Staatsanwalt N ö l t i n g bc- antragte' mit Rücksicht auf die Frivolität, mit welcher hier der Meineid geleistet worden und mit fernerer Rücksicht darauf, daß durch denselben ein Mädchen in moralischer Beziehnng arg verunglinipst worden ist, je 4 Jahre 6 M o n a l e Zuchthaus und 6 Jahre Ehrverlust. Die Rechtsanwälte Dr. G o l d s ch I a g und Dr. David- so hu empfehlen ein geringeres Strafmaß.— Der Gerichtshof verurteilte Noack zu 6 Jahren Zuchthaus. Glabe zu 4 Fach reu Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust. Schwere Verfehlungen gegen einige seinen Laden besuchende Kinder hatte sich der 68jährige Materialwärenhäiidlcr Albert Meyer zu Schulden komme» lassen. der gestern wegen Sittlichkeitsvergehen vor der dritten Strafkommer des Landgerichts l staild. Wie aus der Urteilsverkiindigung hervorging. war der Angeklagte für über- führt erachtet worden, sich in drei Fällen gegen kleine Mädchen, die Einkäufe bei ihm zn machen hatten. vergangen zu haben. Mit Rücksicht ans den erschwerenden Umstand, daß die Eltern der Kinder genötigt seien, den Kaufleuten Vertrauen zu schciikcn, wurde gegen den Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten erkannt. Ein bestrafter Tenunziaut. Wegen Hazardspiels war der Gastwirt K l a h r in Friedenau von einem Konkurrenten de- uimziert worden. Tie Gerichtsverhandlung ergab dieser Tage, daß die Denunziation völlig haltlos war. ivorauf das �Schöffengericht nicht allein den angeklagten Gastwirt freisprach, sondern dem De- minziantcii auch die GcrichtSkostcn auferlegte. VevpÄMtnlungen. Eine stark besuchte Versammlung des Vereins deutscher Schuhmacher tagte am Montag. Die Delegierten Herr in a n n und C h r i st e n s c n berichteten eingehend über die Beschlüsse der in Magdeburg ftattgcfimdeiien Geiieralversammlniig. Nach langer, fast bis' Mittcriiachr währender Debatte, erklärte sich die Versammlmig durch Aimahme einer Resolution mit der Haltung der Delegierten auf der Generalversammliiiig gegen 8'Stimmen einverstanden. Als- dami wurde folgender Resolution zugestimint'„Die Berliner Kollegen protestieren gegen de» Beschluß der Geiicralvcrsammliiiig bezüglich der Wahlkreis- Einteilung, wonach größere Städte erst von Sdv Mitglieder»" einen Delegierten wählen dürfen, während die kleineren Orle schon von 3CHF Mitgliedern wählen können. In diesem Beschluß erblickt die Versammlung eine Mißachtung dcS Grundsatzes„gleiche Rechte, gleiche Pflichten", lieber den 2. Piiiilt der Tagesordnung: Anschluß an die Berliner GeWerl- schafts-Kommissioii resp. das Kartell referierte Herrnian». Obgleich viele Satzungen des Kartells ihm ldcn Redner) mehr konvenierten ivie das Regulativ der Berliner Gcwerlschafts- Kommission, so ließe die Form der Schlihmachev-Organisation es schon nicht zu. sich mit den Lokalorgaiiisierten zu kartellieren. Er empfehle namens der Ortsverwaltnng den Anschluß an die Berliner GewerkschastS- Kommiffioi». Nach kurzer Debatte wurde gegen einige Stimmen beschlosicn, sich der Berliner Gewerischafts-Koinniission wieder anzuschließen. Die Rammer hielten am 1ö. d. M. im Lotale Bergstr. 12 eine gutbesuchte Versammlung ab, um eventuell die Antwort der Steglitzer Steinietzer-Jiiiiung auf' die erneuten Versuche der Lohnkommissioii zu einer friedlichen Regelung der Lohnfrage entgegen zu nehmen. Es war gciinimter Innung»ahe gelegt worden, den Rammern dasjenige zuzugestehen, was denselben von der Berliner Juiuuig bewilligt worden ist. Bei einigem guten Willen ist dos möglich, da beide Jminngen ans genau denselben Gebieten arbeiten. Eine Antwort auf die erneute Anfrage lag nicht vor. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher die Versammlung ihr lebhaftes Bedauern über das ablehnende Verhalten genannter Jmmng und zugleich die Absicht ausspricht, an den aufgestellten Forderungen festzuhalten. Gleichzeitig wurde der Lohnkommissioii die Ermächtigung erteilt, alle Mäßnahnien zur Dnrchsübrung der aufgestellten Forderungen zu treffen. Die den Slreikeiiöcn eventuell zn zahlende Iliitersintznng wird festgesetzt für Unverheiratete aus 10 M., Verheiratete 12 M. und jedes Kind 1 M. pro Woche. Bezüglich der Vorkommnisse bei der Firma. Wickel in Rirdvrs lvird getadelt, daß die daselbst beschäftigten Rammer unter Ucbergchuiig der Lohnkommissioii mit dem Firmen- Inhaber eine Vereinbarung getroffen hätten. Allerdings hat Herr W. die Aiierkeiunuig des Berliner LohntarifS zugesagt, ebenfalls hat derselbe den Leuten, die auf i seine angeblich mißverstandenen Aeußerimgen hin am Montag vor dem 1. Mai gefeiert haben, je zwei Stunden bezahlt. Tie Einsetzer, organisiert im Deutschen Holzarbciter-Vcrband, nahmen am 13. Mai in einer von ca. 400 Mitgliedern besuchten Bersaminlnng den Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeit- gebern entgegen...... Kurkowsky führte ans: Daß die Vcrhandlimgen soweit zu Ende gediehen sind, daß nur noch drei Punkte zu erledigen sind, welche aber beiderseitig auf harten Widerstand stoßen und vor dem Gewerbe- gcricht als Einigungsamt erledigt werden müssen. Tie Bersammelten sprachen der Kommission ihr volles Ver- trauen aus und nahm eine demeiitsprechciide Resolution an. Berlin. Für den Jiiseratenteil veramwortlich: Tl>. Glocke in Berlin. Ti Deutscher Metallarbeitcr-Vcrband sVerwaltungsstelle Berlin). Am Montag fand im großen Saale des GewcrkschaftshauseS die sehr stark besuchte Generalversammlung für das erste Vierteljahr 1000 statt. Ans dem Bericht des Kassierers. P e tz o l d ist folgendes hei,'- vorznheben: Die Hanptkasse hatte am 31. Dezember 1800 einen Bestand von 6630,42 M., dazu kommt eine Einnahme von 52 747,20 M. Die Ausgabe betrug 40 701.31 M.. so däß am Schluß des Quartals ein Bestand von 18 586,34 M. vorhanden war.— Die Lokalkasse wies am 31. Dez. 1809 einen Bestand von 88 878,56 M. auf. die Einnahme betrug 46 449,40 M. die Ausgabe 24 353,25 M.. bleibt ein Bestand von 111074,71 M.— Am Gchlnß hcs vorigen Jahres hatte der Verband in Berlin 16342 männliche und 338 weibliche Mitglieder. Im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres ist die Zahl aus 20 236 männliche und 417 weibliche gestiegen.— Der Kassierer wurde entlastet._. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Die letzten-Streiks und Lohnbewegungen führte Räther aus: Die Beteiligung an der dies- jährigen Maifeier sei bedeutend stärker gewesen Ivie im Vorjahre..In 100 Weristäticn haben etwa 45y0Meiallarbeiter gefeiert. Zu Differenzen aus Anlaß der Maifeier sei es nicht gekommen. Rur einzelne Unternehmer, und zwar solche, die dem Verbände der Jndiisiriallen nicht angehören, hätten Maßregelungen vorgenommen. 28 Gemaßregclte wurden unterstützt, 12 hatten keinen Anspruch auf Unterstntzniig. Seitens.der Kühnemänner seien in diesem Jahre! keine Maßregelungen verfügt worden, ein Beweis, daß diese Unternehmer einzusehen beginne», es liege nicht, in ihrem Interesse, wenn sie wegen der Maifeier Differenzen herbeiführen. Weiter wies der Redner aus den Beschluß des Verbandes der Metall- industriellen hin, wonach die 10stündige Arbeitszeit in allen Betrieben, wo eine kürzere Arbeitszeit besteht, eingeführt werden soll. Hierzu nahm die Generalversammlung einen kürzlich von den VertraucnSmäitiiern gefaßten Beschluß an, welcher besagt: In jedem Falle, wo eine Verlängerung der Arbeitszeit verfügt wird, und eine Verständigung hierüber nicht erzielt werden kann, haben die Mitglieder die Pflicht, unter allen Umständen die Arbeit nieder- zulegen.■ Hierauf erledigte die Versammlung kleinere Anträge. Unter anderm wurde beschlossen, von dem Därlehn, welches der Holz- arbeiter-Vcrband für seinen Streik erhalten hat, 5000 M. als nackj- trägliche Streiknickcrstützimg zu erlassen. Einige von Liffin gestellte Anträge hatten den Zweck, ihn gc- wissermaß«» zn rehabilitieren. Litsin, der in einstündigcr Rede seine Anträge begründete, gab nnnmwnnden zu, daß er sich als Kassierer der Zahlstelle einer Unregelmäßigkeit schuldig gemacht habe, jedoch nicht in seinem Jntcreffe. sondern um einem Freunde mit Geld ans- zuHelsen. Er meint, fein Fehltritt könne ihm verfleben werden, da- mit ihm seine Thäugteit in der Arbeiterbewegung und sein Fort- kommen nicht unmöglich gemacht»verde. Nach fast dreistündiger Debatte, in der mehrere Redner gegen Litsin sprachen und dieser noch- mals sich selbst verteidigte, wobei die Versammellen teils für, teils gegen Litsin Partei nahmen, wurde die weitere Besprechung dieser Angelegenheit vertagt. Tie Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins mid Umgegend hielt am 13. Mai ihre Mitgliedervcrsaininliiiig ab. in der das Mitglied Krüger über die diesjährige Lohnfrage sprach. An der Diskussion beteiligten sich Böttcher, M i e l e n z nnd Sack, die im allgeiiieincii zum Referat sich zustimmend äußerten. Hieraus fand die Wahl der Delegierten zum Gewerkschaftskongreß statt: es wurden Emil Kicckeber nnd Oskar Böttcher einstimmig gewählt. Alle Beschwerden wegen Nichtznstelliing der Zeitung sind an den Expedienten Hermann Lemke, Graunstr. 5, Qncrgcb. 2 Tr.. zu richten. Berichtigung. In Nr. Ill des„Vorwärts" wird von einem Herrn R. A r e n d s e e behauptet, der Redgeteur des„Korrespondent" sei nacheinander oberbayrischer s o c i a l d e m o k r a t i s ch e r Bauer nagitat.or. konservativer Am tSblatt-Nedacteür und Lehrer des NaturheilverfahreiiS gewesen. Diese B e- h a n p t u n g e n s i ii d a ii s der Luft gegriffen. L. Rexhäuser. Rcdacteur dcS„Korrespondent".' Verein der amtlich gcpriifien.Heilgchilscn.?Slasle»re beiderlei Geschlechts. Sitzung am Donnerstag, den 17. d. M., abends VzlO Uhr, bei Pohl, Roieiithaleistr. 11/12: UebunzSabcnd. Verbände, Kollegen als Gäste willkommen. Vevmipchkes- Waldbrand. Ans Magdeburg wird gemeldet: Nach zuver- lässigen Nachrichten sind bei' dem gestrigen Brande im Bezirke der Oberförsterei Jaevenitz rund 400 Morgen Waldbestand ver- n i ch t c t worden. Ter„Magdcbiirgischen Zeitung" zufolge ist die auf der Brandstelle gefiiiidcnc Leiche die eines juiigen Mannes aus Jaevenitz, der bei den Löscharbeiten venniglückte. Eine solgcm'chlverc Explosion erfolgte gestern i» E I b e r f el d in der chemischen Fabrik von Karl v. Bauer durch Unvorsichtigkeit cineS Arbeiters, der schadhaste Stellen der GaSleitnng mit breniiendem Lichte iliitcrslichte. Durch die Explosion wurde das ganze Fabrik- ctablissement bis aus einzelne Nebeliaebände in.einen Trümmer- Hausen verwandelt. Ein Mitinhaber der Firma sowie acht Arbeiter wurden schwer verletzt. Ter Schaden ist ungiheiier und der Betrieb ans Monate hinaus unterbrochen. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstimdc findet Montag. TienStag nnd Freitag von 7—0 Uhr abends statt. Rbouncnt Wicnerstr. Es ist siir die volle Woche zu zahlen— A. H. Soweit ersichtlich, steht der Betrestenden ein Anspruch aus Loh» und Kost zu— W. Sz. Sie mtisien beim Magistrat rcllamicren.— C.?. 24. Die Adwciimia entspricht leider dem Gesetz.— Rixdorf. 1. Tic Vcraulagung entspricht dem Gesetz. 2. 36 Ps. Marke ist zu Neben. G. V. 100. Erkundigen Sie sich darüber bei dem Stationsvorsteher eines hiesigen Bahnhofs oder auch bei einem Lokomotivführer. Zürich, l. Arbeiterstimme: daS genügt. 2. Sie können den ganze» ilincreli und äustercu Adam..buchen", beziehungsweise nur den äußeren oder den iiincreu.' Wie Sic wollen, es kommt dabei nichts Heraus. — EHkl-p. Damit dys voreheliche, von Ihne» nicht gezeugte Kind Ihrer Ehefrau Ihren' Namen erhalte, ist folgender Weg erforderlich. Sie erklären schristlich, daß Sie dem Kind Ihren Namen erteilen. Unter diesem Schrtst- stück erklärt Ihre Ehefrau und der Vomiund, daß sie mit der NayienS- erieiluug citwerstande» sind. Alle drei Namen sind durch einen Notar, durch ein Amtsgericht oder durch den Staiidesbeamten, in dessen Bezirk die Geburt des KiiideS eingetragen ist, zu beglaubigen. Dies Schriftstück über- icichcu Sie daim dem Standesbeamten, in dessen Bezirk die Geburt des Kindes eingetragen ist: und beantragen, den Namen des Kiudeö umziischreiben. Die Kosten betragen etwa 10 bis 20 Mark I." W. 33. I Sie sind zur Rückgabe verpflichtet, lünncn ober die Ihrerseits wialge der Verlobung gemachten Aufwendungen in Gegenrcchuuug bringen. 2. Ja.— P. S. Ein Anspruch Ihrerseits aus Rückerstattung der Beiträge besteht nickn.■ H. G. 08. 1. Nein. 2. n, 3. Sie lönnen Anzeige bei der Staatsanwallschast erstatte».— Ii. P. 33. Schrift- liche Nnlwort zu erteilen lchne» wir ab. l. Nein. 2. 70 Jahre. 3. Solcher Fall ist unmöglich. Der Anspruch verjährt in zwei Jahren. TilllierungStzberstcht vom I«. Mai lilOO. morgen» S Uhr. Wetter Prognose für Tounerstag. den 1?- Mai lilOO. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen .und ziemlich frischen' nordwestlichen Winden: nachher aufklarend und ctwaS kühler. Berliner W e l l e r o u rr» n. ack und Verlag von Max Babing in Berlin.