Nr. 5 Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia" Fernsprecher Nr. 1081. Herausgeber: Ernst Sattler, Karlsbad. Verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn. Karlsbad. Druck:„Graphia", Karlsbad. Sozialdemokratisches Wochenblatt SONNTAG 16. Juli 1933 Bezugspreis für die CSR.: Einzel-Nummer. Kc 1.40 Monatlich..„ 6.— Vierteljährlich.„ 18.— Bezugspreis für das Ausland Einzel-Nummer. Ke 2.— Monatlich...„ 8.— Vierteljährlich. 24.— zum srufunC Jischen ■gangs* . Toren Jschlie' m. Vier m daf Hohl- / a und Was vor einer Woche quälende Sorge war, Ist heute furchtbare Gewißheit: Johannes Stelling Ist tot, zu Tode ge- martert, von den Landsknechten Adoli Hitlers hingeschlachtet in einer Weise, wie man sonst kein Tier töten darf, ohne bestraft zu werden. Johannes Stelling war eine der untade- ligsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Kein Stäubchen haftete an ihm, selbst die Verleumdung wagte sich an ihn nicht heran. Im politischen Kampf kannte er nur sachliche Meinungsverschiedenbei- fen, keinen persönlichen Haß. Stets war er bereit, auch dem politischen Gegner die Hand zu reichen. Aber die Burschen, die ihn zu Tode schlugen, verdienen den Ehrentitel politischer Gegner nicht. Es sind Entartete, die am Ersinnen raffinierter Grausamkeiten ihre Lust finden und sich an dem Todes. schrei ihrer Opfer berauschen. Sie haben ihn geholt wie das Raubtier sein Opfer holt. Stelling war krank, schwach, völlig wehrlos. Ihn zu ermorden war ganz ungefährlich. Bestien in Menschengestalt gibt es überall. In zivilisierten Ländern hält man sie in Gefängnissen und Irrenanstalten. In Deutschland regieren sie. Verantwortlich für die grausame Ermordung Johannes Stellings und der Un- wzählten, die das gleiche Schicksal erlit- ten. ist Adolf Hitler. Er ist der Apostel der Bestialität, der intellektuelle Urheber der unzähligen furchtbaren Verbrechen, die zum Zweck der Konterrevo- JnUon begangen wurden und täglich neu begangen werden. Er hat das Wort gesprochen von den Köpfen, die rollen wer- üen, er hat, als er schon an der Macht war, in einer öffentlichen Versammlung unter heulendem Beifall seiner Anhänger arklärt, daß eigentlich Zehntausende von Marxisten totgeschlagen werden müßten. Er hat einen Manfred Kill Inger zum -andpfleger über Sachsen gesetzt, er hat den Fememörder Heines zum Polizeipräsidenten ernannt. Er hat den Mörder Erzbergers aus Ungarn nach Deutschland zurückgeholt, er hat an den Gräbern der Mörder Walter Rathenaus Kränze niederlegen lassen. Meuchelmord, Dynamitattentate, Brandstiftung, Raub, Diebstahl, Erpressung, begleiteten die Nationalsozialistische Partei auf ihrem Weg zur Macht Von Berlin werden die Revolver und Bomben dirigiert, die sich gegen den Bestand der deutschen Republik Oesterreich richten. Mörder regieren in Deutsch- I a n d! Wir Sozialdemokraten haben in Deutschland jahrzehntelang unsere politischen Kämpfe geführt, ohne einen einzigen Tropfen Blut zu vergießen. Wir haben uns stets auf die Kraft der Idee, niemals auf die brutale Gewalt verlassen. Wir haben den individuellen Terror verworfen und selbst Mördern gegenüber Menschlichkeit walten lassen, indem wir die Todesstrafe bekämpften. Diese Haltung gereicht uns zur Ehre. Aber sie wurde uns zum Verderben. Während wir an das Gute und Edle im Menschen appellierten, riefen die anderen die niedrigsten Urt riebe wach. Während wir Menschen erzogen, dressierten die anderen ihre Bestien. Ein Apostel reiner Menschlichkeit fiel mit Jobannes Stelling. Bestien töteten ihn. Wir betrauern den Freund— und wir erheben Anklage, Anklage gegen Adolf Hitler und seine Morde r- sc hären: Es kommt der Tag des Gerichts« Die Regierung lügi! Wir wir erfahren, hat die Berliner Regierung ausländischen Berichterstattern auf Anfrage erklärt, Ihr sei von der Ermordung Stellings nichts bekannt. Stelling sei verschollen, vielleicht sei es ihm gelungen, ins Ausland zu entkommen. Die Berliner Regierung lügt mit frecher Stirne. Stelling ist von ihren Schergen ermordet worden. Sie weiß es! Ein Leben für das Volk Johannes Stelling, der mittwegs zwischen den 50 und 60 den braunen Mördern zum Opfer fiel, hatte im Augenblick seines Todes mehr als ein Menschenalter hingebungsvollster Arbeit für das Volk hinter sich. Als blutjunger Handlungsgehilfe in Hamburg hatte er sich der Arbeiterbewegung angeschlossen. Bald wurde er wegen seines ruhigen und bestimmten Auftretens und der überzeugenden Klarheit seiner Ausführungen an der Wasserkante in Oldenburg, Lübeck und Mecklenburg in den Versammlungen der Partei wie der Gewerkschaften einer der beliebtesten Redner. Ganz besonders nahm er sich der Organisierung der schwer organisierbaren ungelernten Arbeiter an. Die Entstehung des Deutschen T T a n s p o r t a r b e i t e r v e r b a n d e s, aus dem später die Riesenorganisation des Gesamtverbandes emponvuehs, ist mit sein Werk. Stelling hatte zunächst als gelegentlicher Berichterstatter des„Hamburger Echo" eine höchst kümmerliche Existenz, bis ihn die Lübecker Genossen zum leitenden Redakteur ihres Blattes beriefen. Zugleich wirkte er als Bevollmächtigter und Beiratsmitglied des Transportarbeiterverbandes, als Reichstagskandidat für das Fürstentum Birkenfeld und als Lübecker Bürgerschaftsmitglied mit unermüdlichem Eifer. Ueberall erschlossen sich ihm die Herzen der Arbeiter. Sie erkannten in ihm einen wahren Idealisten, der in sich selbst die' aufstrebende Arbeiterklasse verkörperte. Lernend und lehrend, kämpfend und schlichtend, ging er seinen Weg, der Arbeitstag hatte für ihn keine Grenze, und so kam es, daß er im Jahre 1920 auf dem Parteitag in Kassel in den Parteivorstand berufen wurde. Nach einem halben Jahre jedoch schon traten die Mecklenburger Genossen an den Partei; vorstand heran;„Ihr müßt uns den Hannes wiedergeben, wir brauchen ihn, er 9Hannes9 du bist nicht tot!6 Berlin. 13. Juli(Eig. Bericht.) Die Einäscherung des ermordeten sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Johannes Stelling fand am Dienstag um Vc6 Uhr im Krematorium in Berlin statt. Als der Sarg mit der Leiche Stellings zur Verbrennung in die Gruft gesenkt wurde, rief jemand von der Galerie: „Hannes, Du bist nicht tot!" Darauf erhoben sich die übrigen zahlreichen Teilnehmer und streckten den rechten Arm mit geballter Faust in die Höhe und riefen: „Freiheit!" Die Polizei schritt nicht ein. Die Zahl der Teilnehmer an der Beerdigung war überaus groß. Die Räume des Krematoriums und der Zugang waren dicht gefüllt. Die Nachricht von der schändlichen Ermordung des hochangesehenen und beliebten Arbeiterführers ist dank der behördlichen Maßnahmen nur langsam in die Massen durchgesickert. Um so größer ist jetzt die Erregung. Die Szene im Krematorium ist Stadtgespräch. muß bei uns Ministerpräsident werden". So übernahm Stelling in den schwersten Zeiten des Aufbaues und des Zusammenbruchs durch die Inflation die Regierung von Mecklenburg. Er gewann sich in seiner rastlosen Tätigkeit als Ministerpräsident nicht nur das Vertrauen aller Republikaner, sondern auch die Achtung konservativer Gegner. Später kehrte er in den Parteivorstand wieder zurück. Und wie er jedem einzelnen Menschen ein Freund war, so schlug sein Herz auch für das ganze Volk, für die großen Ideale der Freiheit für die Republik. Jahrelang stand er an der Spitze der Reichsbanner-Organisation von Groß- Berlin. Wenn man bedenkt, daß Stelling außen- dem zu den führenden Kommunalpot- Ii ti kern der Partii: gehörte,' für de« Parteivorstand die' B e a m t e n o r g a n i- s a t i o n e n betreute, daß er darüber' hinaus, kleines und großes miteinander verbindend, jahrlang auch Mitglied der Exekutive der Sozialistisc he n Arbeiter-Internationale war, so fragt man sich heute erstaunt, woher dieser schwerkranke Mann zu alledem die Kraft genommen haben mag. Sic könnt« nur dem reinen sittlichen Wollen eines •kämpfenden Sozialisten entspringen. So wird Johannes' Stelling, der. grausam Hingemordete, als eine. der edelsten Gestalten der deutschen Arbeiterbewegung in die Unsterblichkeit der Geschichte eingehen. Versiegelte Särge Aus der Hölle von Dachau... i In Dachau, dem berüchtigten Konzentrationslager bei München, wird gefoltert und geschunden, gehenkt und, erschossen, wie vielleicht(nirgends sonst in Deutschland. So wurde auch der 30jährige Rechtsanwalt; O. Strauß„auf»der Flucht erschossen."'! Man criuhr aus unwidersprochenen Zeitungsnachrichten, die Leiche wäre den Eltern in v e r- siegeltcm Sarg übergeben worden..Die Eltern haben sich verpflichten müssen, über die Todesumstände ihres Sohnes zu schweigen. Das Gleiche ereignete sich mit dem jugendlichen Funktionär der Eisernen Front, dem Wilhelm A r o n(Justizratssohn, 22 Jahre alt, Referendar). Er wurde bestialisch ermordet. In einem verlöteten Zinksarg erhielten die unglücklichen Eltern die Ueberreste der Leiche zurück, mußten ebenfalls die Zusicherung geben, daß sie den Toten nicht sehen wollten. Aron wurde in seinem Heimatsort Bamberg begraben. Er war Jude. Dem Begräbnis wohnten viele angesehene Kathollken bei. Der dortige Rabbiner hielt eine ergreifende Totenpredigt und das Blatt der Bayrischen Volkspartei, das„Bamberger Volksblatt" brachte einige Stellen dieser Predigt. Es wurde sofort verboten. Die Münchener Zeitungen haben bis jetzt 41(einundvierzig) Tote, d. h. Ermordete aus dem Konzentrationslager Dachau gemeldet. Die Blutnadit Ton Kopenidc Ein uns seit Jahren wohlbekannter, zuverlässiger Genosse, dem es durch geistesgegenwärtige Ausnutzung eines glücklichen Zufalles gelungen ist, der Ermordung zu entgehen, übermittelt uns folgende Schilderung der Blutnacht von Köpenick. Ich wohnte mit meiner Frau in einem kleinen Holzhaus bei Köpenick. Am 22. Juni, 4 Uhr morgens, wurden wir durch heftige Schläge ans Fenster geweckt. Das Haus war von SA.- Leuten umstellt, die ihre Revolver in der Hand hielten. Als ich im Nachthemd herauskam, wurde ich sofort mit dem Erschießen bedroht und auigefordert, mitzukommen. Schließlich gestattete man mir, mich anzukleiden. Ich erkannte unter den SA.-Leuten einen gewissen Kankelwitz. In einem bereitstehenden Auto saß mein Genosse Franz Kaiser aus Köpenick, den man ebenfalls geholt hatte. Das Auto brachte uns zum Köpenicker Gerichtsge- längnis. Der Platz vor dem Amtsgericht war voll von SA.rLeuten, die sich sofort auf uns stürzen wollten. Der Sturraführer brüllte jedoch: „Halt, auf der Straße nicht schlagen!** Kaum hatten wir jedoch das Gebäude betreten, so ging es los. Wir wurden die Treppe hinauf und einen langen Gang entlang getrieben. In einer großen Zelle standen 10 Genossen mit dem Gesicht zur Wand. Fußboden und Wände waren mit Blut beileckt. Eine alte Frau, blutend aus Mund und Nase, mit blutbeilecktem Kleide mußte den Fußboden scheuern. Der SA.-Mann Lohse fragte mich: „Kennst Du diese Hure?** Ich sah genauer hin und erkannte mit Entsetzen die Mutter meiner Frau. Nun wurde Genosse Kaiser von Lohse aufgefordert, einen anderen Genossen mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Ais Kaiser zögerte, erhielt er selber von Lohse einen Faustschlag. so daß er mit dem Kopf an die Wand flog. Dann wurden die Genossen mit Stöcken angetrieben, sich gegenseitig zu schlagen bis sie bluteten. Ich wurde von Lohse mit den Worten empfangen:„Endlich haben wir dich, du Marxlstenschwein." Darauf schlug er mich ins Gesicht und seine Kumpane folgten seinem Beispiel. Allen wurden Haare und Bart abgeschnitten, mir wurde ein Hakenkreuz zurecht- geschnitten. Einem Kommunisten schnitt man absichtlich mit der Schere in die Nase, wobei der Führer brüHte:„Schadet nichts, wenn Haut mitgeht, wir haben Verbandszeug.** Danach mußten wir etwa zehn Mal durch Spaliere von SA.-Leuten, die mit Stöcken und Knüppeln be- waifnet waren, Spießruten laufen. Einige ältere Leute brachen dabei zusammen. Inzwischen war unter ungeheuerem Siegesgeheul der SSlährlse Genosse Paul von Essen herbeigeschleppt worden. Er war seit langer Zeit erwerbslos, eben erst ans dem Krankenbaus gekommen und auf einem Auge blind, VatervonvicrKIndernundKriegs- teilnehmcr. Man schlug ihn erst ins Gesicht, dann riß man ihm die Hosen herunter und schlug ihn mit geradezu rasender Wut mit Stöcken und Knütteln auf den entblößten Körper, bis er die Besinnung verlor. Ein SA.-Füh- rer sagte dann:„So, das Schwein wäre fertig!" Von Essen ist inzwischen den furchtbaren Verletzungen, die ihm seine Peiniger zufügten, erlegen. Die blutige Orgie wurde jedoch durch diesen Zwischenfall keineswegs gestört. Gefangene, die noch stehen konnten, mußten unter Kommando Lobscs stundenlang miteinander boxen. Erlahmten sie dabei, so wurden sie mit Gummiknüppeln und Stöcken zu größerem Eifer angetrieben. Ich wurde dabei einem Mann zum Boxen gegenübergestellt, denich nichterkennen konnte, well sein Gesicht eine geschwollene, blutige Masse war. Dann wurden wir jeder einzeln in eine Zelle geprügelt. Auch dort wiederholten sich mit stündlicher Regelmäßigkeit die körperlichen Mißhandlungen. Schließlich wurde ich dem Sturmbannführer G e r i c k e vorgeführt. In meiner Verzweiflung bestritt ich, ein Marxist zu sein. Gerlcke ordnete darauf an. daß Ich einstwellen weiter nicht zu schlagen sei, hätte ich aber die Unwahrheit gesagt, so würde Ich erschossen werden. Nach kurzer Zelt wurde die Tür meiner Zelle aufgerissen, der Sturmführer Kobold aus Köpenick, Dahlwitzer- platz wohnhait, stürzte mit einigen SA.-Leuten herein, schlug auf mich los und brüllte:„Du Lump wirst heute fertiggemacht.** Man zerrte mich den Gang entlang zur Zelle meiner Schwiegermutter, WährendmichzweiSA.- Leute festhielten, wurde die 5 3- jährlgeFrauvonKoboldund anderen mit Stöcken geschlagen bis sie am Boden lag. Sie ist jetzt geistesgestört und befindet sich in Behandlung. Ich sah auch noch, wie die mir bekannten Brüder Hasche, zwei ganz junge Leute, grauenhaft geschlagen wurden. Diese Mißhandlungen dauerten den ganzen Tag. Zur Ablösung kamen immer wieder neue Schlägerkolonnen. Um 4 Uhr nachmittags wurde Ich aus der Zelle geholt mit dem Befehl, sofort nach Hause zu gehen. Der Tnippführer Kobold fuhr mit drei SA.-Leuten auf Motorrädern voran. Ein SA.-Mann, der mit mir Mitleid hatte, raunte mir zu, ich sollte ermordet werden. Mein Weg führte durch den Waid, dort gelang es mir, zu entkommen. Den Genossen Johannes Stelling habe ich im Amtsgericht Köpenick nicht gesehen. Meines Wissens war er schon am Vormittag des 21. Juni aus seiner Wohnung geholt worden, die er gerade an jenem Tage unglücklicherweise wieder aufgesucht hatte. Es ist möglich, daß Ich nicht alle Gefangenen, ich glaube es waren vierzig, zu sehen bekommen habe. Manche waren, wie schon gesagt, auch nicht mehr wiederzuerkennen, da ihr Gesieht völlig entstellt war. Möglicherweise ist Stelling schon bei der Gefangennahme am Vormittag getötet worden. In welcher Weise die Ermordung erfolgte, darüber kann nach meinen eigenen Erlebnissen leider nicht der geringste ZweHel bestehen. Was an Johannes Stelling, an Paul von Essen und den anderen getan wurde, wird für alle Zeiten ein Schandfleck der deutschen Geschichte bleiben, Hindenburg. Weit verbreitet ist die Ansicht, H i n- d e n b u r g sei nicht mehr imstande, die Rolle, die er spielt, zu begreifen, zumal der Schurke Meißner ihm alles falsch darstelle. Ueber Meißner steht das Urteil fest, aber kann das über Hindenburg noch schwanken? Kann Altersschwäche jede Treulosigkeit und jeden Verrat entschuldigen? Zugegeben, daß Hindenburg komplizierte politische Zusammenhänge nicht begreift— das hat er nie!— so gibt es doch Tatbestände, die so e i n f a c h sind, daß jedes vierjährige Kind und jeder hundertjährige Greis sie verstehen muß und die so beschaffen sind, daß ein anständiger Mensch sie nicht stillschweigend hinnehmen könnte. Beispielsweise kannte Hindenburg seinen Amtsvorgänger E b e r t, er kannte dessen Familie, er weiß, daß alle vier Söhne im Felde waren und zwei von ihnen gefallen sind. Er kennt das herbe Los der Witwe des ersten Reichspräsidenten, Luise E b e r t. Als bei Beginn des moralischen Zusammenbruchs, den man in Deutschland„die nationale Erhebung" nennen muß. ein paar braune Burschen in die Wohnung der Frau Ebert eindrangen und sich unanständig aufführten, hatte Hindenburg immer noch Anstand genug, der beleidigten Frau durch seinen Meißner ein Wort des Bedauerns zukommen zu lassen. Jetzt aber hat die Regierung des Herrn von Hindenburg den ältesten Sohn des ersten Reichspräsidenten, wie so viele Tausende sonst auch, gefangen genommen und in ein Konzentrationslager gesperrt. Wenn Hindenburg sonst nichts mehr begreift, so müßte er doch an diesem ihm leicht verständlichen Fall begreifen, wie im neunten■Juhr'setner Regierung in Deutschland mit Verfassung und Gesetz, Recht und Menschlichkeit Schindluder getrieben wird. Aber offenbar stört ihn auch der Gedanke nicht, daß der Witwe Luise Ebert, die zwei Söhne im Felde verlor, in verbrecherischer Weise noch ein dritter genommen wird. Wenn Hindenburg jetzt noch immer nicht begreift, welche Rolle er im Dritten Reiche spielt, daim w i 1 1 er eben nicht begreifen. Sicherem Vernehmen nach hat er sich kürzlich mit unbestrittenem Erfolg für die Großgrundbesitzer eingesetzt, als das unwahrscheinliche Gerücht umging, die Hitlerregienmg wollte' sie an ihrem Vennögen kränken. Es ist merkwürdig, wie leicht der Gutsherr von Neudeck aufwacht, wenn seine Kollegen ein# unbegründete Beschwerde vorbringen, und wie ruhig der Reichspräsident schläft, wenn die Schreie unschuldig gemarterter deutscher Volksgenossen— seiner Wähler vom vorigen Jahr— um den ganzen Erdball gellen. Es ist. also nicht so, daß es beim Verstände liegt. Man muß schon sagen: Dieser alte Mann hat ein goldenes Gemüt! SA-Leute im Konzentrationslager Die Fälle häufen sich, in denen rebellierende SA.-Leute ins Konzentrationslager gesteckt werden. Zweihundert SA.-Leute aus München sind in das Konzentrationslager nach Dachau gebracht worden. Man wirft ihnen vor, Gewaltakte ohne Befeh) ihrer Vorgesetzten begangen zu haben- Würden Gewaltakte m i t Befehl der Vorgesetzten ebenfalls mit Internierung im Konzentrationslager bestraft werden, so gäbe es nur ein einziges Konzentrationslager: ganz Deutschland. Deutschlands Treue auf bayrisch Der Schwindel vom Hochverrat der bayrischen Volkspartei. Die bayerische Volkspartei ist aufzelös-. ihre Führer sind verhaftet. Mit Ricscnletterr schrie die gleichgeschaltete Presse in die Weh Bei Haussuchungen seien Dokumente gefunde# die den Nachweis hochverräterischer Beziehuf gen zwischen der bayerischen Volkspartei un: den Christlichsozialen Oesterreichs crbracli hätten. Wir sind heute In der Lage, authentisch t# zuteilen, daß allerdings Beziehungen zwisch<: den beiden Parteien bestanden haben. Aber v# diesen Beziehungen hat die jetzige bayeris� Regierung Kenntnis gehabt. Sic wußte, jene Dokumente entstanden sind. Sic kannte s: so gut und ebenso lange wie der Vorstand de bayerischen Volkspartei. Im Auftrage der bayrischen Regieruni war der Vorsitzende der bayrischen Volkspartei Staatsrat Scbäiicr mit einem anderen maßgebenden Mitglied dieser Organisation in Wien. Ihre Aufgabe war, im ausdrücklichen Einv': nehmen mit dem Innenminister Wagner bei � österreichischen Regierung ausgleichend zu ken. Ueber das Ergebnis dieser Besprechung und den folgenden Briefwechsel war die baysf sehe Regierung in allen Einzelheiten Info miert. Das ist der bayerischen Volkspaf1 zum Verhängnis geworden. Man setzte d große Aktion ein, um Materialien zu„b1 s c h 1 a g n a h ra e n", die der bayerischen l'1 gicrung offiziell bekannt waren. Aus dieser 9 schlagnahra« wurde dann das Recht konstruk' die Führer der bayerischen Volkspartei wel Hochverrates zu verhaften. Da die Wabrl'' in Deutschland gegenwärtig nicht gesagt den dari, konnte die Oeffentlichkeit mit* Nachricht alarmiert werden, daß die Führer � bayrischen Volkspartei allen Ernstes ein V brechen begangen hätten. Es zeigt sich$ wieder einmal: Die Verbrecher sitzen in& Regierung. Freiwillig! Wenn alle Führer einer Partei verhaftet werden und einKesperrt, mißhandelt und vor den Kadi gezerrt, wenn mancher der braunen Polizei nur als Krüppel entrinnet oder als Leiche, so nennt man das Ganze im Dritten Reiche, dessen Presse nie gegen den Takt verstößt, „die Partei hat sich freiwillig aufgelöst." Wenn die SA. einen Menschen hetzt. ihm täglich dreimal den Tod verheißt, ihm Stinkbomben in die Wohnung schmeißt, ihm solange Leben und Nerven zerfetzt, bis er sich an die Behörde wendet, bittend, daß die seine Qual beendet, so pflegt man amtlich hervorzuheben: „Er hat sich freiwillig in Haft begeben." „Freiwillig" schaltet sich alles gleich, „f r e i w i 1 1 i g" opfert sich jeder dem Staat, „freiwillig" hungert das Proletariat, „freiwillig" verzichten im Dritten Reich die Arbeitslosen auf Arbeit und Rente, „f r e i w i 1 1 i g" gibt jedermann Spende auf Spende, doch wer sich weigert, verliert Lohn und Brot, wer nicht„freiwillig" zahlt, wird gejagt und bedroht. Arbeiter] Rmiet euch für den Tag, Da Herr Hitler— freiwillig— vom Throne fällt, da sein Führerstab sich euch— freiwillig— stellt, um jeden heimtückischen Knüppelschlag, um jeden Mord, den die Braunen begangen, ohne Abstrich— freiwillig— zurück- zuempfangen. Dann wird die Freiheit aus Ketten brechen und ihren' Henkern das Urteil sprechen. Kara. Karl Bröger mißhandelt. Durch die Blätter geht die Meldung, daß mit anderen ehemaligen Redakteuren der„Fränkischen Tagespost" nunmehr auch Karl Bröger in Schutzhaft genommen, ins Konzentrationslager Dachau gesperrt und mißhandelt wurde. Bröger ist der Dichter jenes Liedes aus den Augusttagen 1914, dessen letzter Vers lautet: Immer schon haben wir eine Liebe zu Dir gekannt, bloß wir haben sie nie mit einem Namen genannt. Herrlich offenbarte es erst Deine größte Gefahr, Daß Dein ärmster Sohn auch Dein ge- treuester war. Denk es, o Deutschland. Wenn Nationalisten in Schwulitäten waren, wurde dieser Vers mißbraucht. Beth- mann-Hollweg rezitierte ihn 1914 im Reichstag ebenso wie die Völkischen in neuerer Zeit. Ungewollt bescheinigten sie dem Arbeiterdichter mehr Deutschtum, als er je für sich reklamiert hatte. Und da gegenwärtig nun einmal die besten Deutschen mißhandelt werden, fielen die braunen Sadisten über denselben Dichter her, der für sein Land„Denk es, o Deutschland"— im Felde stand, verwundet wurde und das auch menschlich stärkste nationale Poem der neueren deutschen Lyrik schuf. Aber sie würden ja auch Goethe und Schiller prügeln, wenn die heute noch zu greifen wären. Am deutschen Rundfunk. Abcndstimmuns am Deatsclüandscnder, die deutsche Seele wird erweckt mit Volksliedern im österreichischen Alpenland. Die einen schmeißen Bomben, die anderen funken eelühlvoile Volkslieder. Man nennt das Arbeitsteilung. Schlußpointc:... und nun, deutsche Funkhörer und-hörerinnen, das unvergeßliche Lied des deutschesten Mannes, der den deutschesten Tod für unser Volkstum gestorben ist: Zu Manlua in Banden Andreas Hof er lag!" Pardon! Dieser deutsche Mann kämpfte doch wohl für die Freiheit Tirols? Steht nicht im vergewaltigten Meran sein Denkmal. Und ist nicht die Freiheit Tirols von Hitler an Mussolini elend verschachert worden? Den deutschesten" Tod? Gibt es auch einen .polnischsten, tschechoslowakischsten, englischsten oder französischsten" Tod? Wenn Lächerlichkeit töten könnte, dann wären die Idioten am Deutschland sender längst den lächerlichsten Tod gestorben. Armer Ehhendorlf! Ort der Handlang; ein Buchladen in lau. Eintritt ein langes Mädchen, verlangt 1 was zögernd das Buch„Aus dem Leben& Taugenichts". Der Stift, die ersten Wort*' Ohr. stürzt dienstbeflissen zum Regal, und* erhält sie?— Hitler:.Mein Kampf!" Opfer einer VerweAsluflf In einer scMesischen Stadt wurde kärzüch' berühmte Novelte Mörikes.Mozarts Reise& Prag" zum Feuertod verurteilt. Der betraf Buchhändler legte Revision ein, diesmal � raschendcr Welse mit Erlolg. Es stellte 9 nämlich heraus, daß man Mörikc mit � Mehring verwechselt hatte. Affe mit Gewehr In einem Dresdener Bericht des..Pf" Tagblatt" schreibt Heinz Hermann: J* Kinder tragen Uniform. Hitlerlugend. � Mädchen. Und im Kinder zoo führt ein j, Mann, ein Lehrer vielleicht, in voller U� die Autsicht. Der Spielplatz ist mit H*. kreuzwimpeln geschmückt. Sogar ein stopf ter M en sehen off ec, der hinter Glas, naturgeschichtlichen Beiehrung aafbewaM*. hat ein Gewehr über die Schulter, einen& an der Hüfte." Fort mit Lehar! Die parteiofiiziöse Korrespondent. nationalsozialistischen preußischen LafiP fraktion setzt sich dafür ein. daß die � Franz Lehar s auf deutschen Bühnen' mehr gespielt werden sollen.— Ol' bach ist schon verboten! Hitler ohne Maske � errat am Sozialismus.— Fortführung der Revolution ist Staatsverbrechen. Die letzten Kundgebungen der Hitlcr-Regierung haben in den Schichten, die in der Hauptsache den Kampf für die Machtergreifung der Hakenkreuzler geführt haben, also im deklassierten Mittelstand, bei den landhungrigen Kleinbauern und im nationalistisch betäubten Proletariat, helles Entsetzen wachgerufen. Besonders die Formulierung des Innenministers Dr. Frick, daft jeder, der jetzt noch von einer zweiten Revolution oder auch nur von einer Fortsetzung der Revolution rede, ein Staatsverbrecher sei, hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Die jetzt kommende Phase der Hitlerdiktatur wird im Zeichen blutiger Auseinandersetzungen mit diesen pro- letarisierten Schichten stehen. Der Klassenkampf, die marxistische Erfindung, existiert nicht mehr. Der Arbeiter ist ein Glied der Volks- Kemeinschaft, hat Hitler verkündet. Der deutsche Arbeiter muß zu einem Herrenmenschen werden, lallte der Trunkenbold Ley... Der totgesagte Klassenkampf wird mit aller Energie geführt— innerhalb der nationalsozialistischen Partei. Aber er ist ein verfälschter, denaturierter, unvollständiger Klassenkampf. Die Arbeiterschaft ist von vornherein geknebelt, ihrer Organisationen beraubt, ihre Wortführer tot, verjagt im Gefängnis und an ihre Stelle sind die Exekutoren der Klassenfeinde getreten. Die Organisationen der Unternehmer, die Organisationen des Mittelstandes, der Bauern, der Händler, sind nicht nur geblieben, sie sind durch Staats- Sanierung verstärkt; in ihre Leitung sind die rücksichtslosesten unid ungehemmtesten Vertreter ihrer Interessen eingesetzt. Während alle ehrlichen Wortführer und Sachwalter der Arbeiterschaft restlos be- seitigt sind, ist nicht nur r. B. Herr von Krupp an der SpHze der U nternehmerorganisation geblieben, sondern der beriichtigste der deutschen Scharfmacher, der Feind jeder gewerkschaftlichen Organisation, der erbittertste Bekämpfer der Arbeitslosenversicherung und des Tarifwesens, der konsequenteste Vertreter des Untefneh- merabsolutismus, der.- Dr. Fritz Thyssen. Ist soeben zum „Führer** der westdeutschen Industrie, zum Vorsitzenden der Gruppe Nordwest und des— Langnamvereins gewählt worden. Das Ist eine offensichtliche„Gleichschaltung" der neuen Staatsmacht mit den Interessen des rücksichtslosesten großkapitalistischen Unternehmertums. Unterdrückung jeder Bewegungsfreiheit und jedes Selbstbestimmungsrechtes der Arbeiterklasse einerseits, Stärkung aller Organisationen der Unternehmer andererseits— diese Situation muß man sich klar machen. Dann wird man über das Ergebnis der Klassenkämpfe, die augenblicklich in der nationalsozialistischen Partei ausgefoch- ten werden, kaum einen Zweifel hegen können. In zwei Reden, in Reichenhall vor den Naziführern, und in Berlin vor den Reichsstatthaltern hat Hitler In den Klassenkampf eingegriffen. Zum ersten Mal in seinem politischen Leben hat er seine Ansichten nicht verdunkelt, verhüllt, in einen vieldeutigen Phrasenbrei eingewickelt, sondern klar und deutlich ausgesprochen. Und was Hitler sprach, war Kampf gegen den Sozialismus, war schrankenlose« Bekenntnis zum Kapitalismus! Die„Revolution" ist abgeschlossen, eine zweite Revolution darf es nicht geben. Denn eine zweite Revolution, weiß Hitler, das wäre die Erfüllung der sozialistischen Versprechungen, das wäre die Durchsetzung der Erwartungen der proletarischen und proletarisierten Schichten, die den Versprechungen Glauben geschenkt haben, und davon will Hitler nichts wissen. Er und seine Kumpane haben den Staat als Beute genommen und damit genug. Jetzt Schluß! „Die Revolution ist kein pennaaenter Zustand, sie darf nicht nu einem Dauerzustand sich ausbilden. Man muß den frei gewordenen Strom der Revolution In das sichere Bett der Revolution hinüberleiten." Deshalb droht Hitler, die„zweite Revolution" zu zerschmettern,. Es ist fürwahr keine leere Drohung. Das beweisen die Erschießungen von SA.-Rebellen durch SS.-Kameraden. die sich häufenden Auf-i iösungen von SA.-Formationen, die Fül-1 lung von Konzentrationslagern mit ihren Angehörigen, kurz die Niederwerfung aller sozialistisch rebellischen Elemente innerhalb des Nationalsozialismus. !hr bildet Euch ein, wir müssen auch den sozialistischen Teil des Programms durchführen? Nein, sagt Hitler,„es kommt jetzt nicht auf Programme und Ideen(!) an". Die Erziehung der Menschen ist das Wichtigste und dazu kann sich Hitler Zeit gönnen, denn;„Wir müssen unser Handeln auf viele Jahre einstellen und in ganz großen Zeiträumen rechnen.'" Hitler hält seine Macht für gesichert, er kann auf den Schwindel mit dem Vier ja h- r e s p 1 a n jetzt ruhig verzichten. Große Zeiträume sieht er vor sich und der Prolet mag sich in Geduld fassen, bis seine „Erziehung" beendet ist. Der Unternehmer aber muß vor allen Eingriffen bewahrt werden. Er darf nicht abgesetzt werden, weil er kein Nationalsozialist ist.„Die Wirtschaft ist ein lebendiger Organismus, den man nicht mit einem Schlage verwandeln kann. Die Wirtschaft baut sich nach primitiven Gesetzen auf, die in der menschlichen Natur verankert sind." Nein, nicht Verwandlung der Wirtschaft, sondern Erhaltung, des Kapitalismus, seine Stärkung durch Aufhebung jeder Bewegungsfreiheit der Arbeiterklasse, das ist die Erfüllung des Nationalsozialismus. „Einhaltung der wirtschaftlichen Gesetze, die auf der menschlichen Natur benrhett"', — das ist eben die Erhaltung der kapitalistischen Ausbeutung, die als notwendiges Naturgesetz von den Manchesterliberalen einer vergangenen Zeit proklamiert worden war. Hitlers Stellungnahme kann nicht überraschen. War er doch von jeher ein Gelber! Feind, nicht nur des Sozialismus, sondern aucli der Gewerkschaften, hat er sich sogar im Anfang gegen die Aufahme des Wortes„Sozialismus" in den Namen seiner Partei gewandt. Er hat eigentlich nie ein Hehl daraus gemacht. daß die Massen, die in der Politik von einigen wenigen Führern beherrscht werden, auch in der Wirtschaft von„freien Unternehmerpersönlichkeiten" ausgebeutet werden müssen. Für ihn ist die Vorspie gelung des Sozialismus ein Mittel zur Eroberung der Macht gewesen, neben Mord, Totschlag, Terror und Betrug. Die betro genen Betrüger erfahren jetzt nur, was wir ihnen stets vorausgesagt haben. Staatssekretär Gottfried Feder, hat sich mit seinem Vorgesetzten, dem Wirtschaftsminister Dr. Schmitt und mit seinem Führer gleichgeschaltet. In den programmatischen Ausführungen— den wievielsten?— in denen er seine Pläne im neuen Amt erläutert, erklärte er feierlich, daß er„jeden S o z i a 1 i s i e rungs versuch ablehne, weil jedes Sozialisierungs-Experiment die Gefahr in sich birgt, das schöpferische Element, das ist die Persönlichkeit, aus dem Wirtschaftsprozeß auszuschalten. Die freie Persönlichkeit sei aber die Grundlage des gesamten Wirtschaftssystems", womit auch Herr Feder, der Theoretiker, seine Gleichschaltung mit den ältesten und abgestandesten Theorien des Manchester-Liberalismus vollzogen. hf t..„Der Sozialismus_des Feder-Programms ist verflogen, es bleib' nur— die Inflation. Die Entscheidung Hitlers im Klassen kämpf ist aber nicht nur eine Entscheidung für das Großkapital und gegen die Arbeiterklasse, sie ist auch eine Entscheidung für das Großkapital gegen den Mittelstand und gegen die Bauern. Der Herr Dr. Darre, der Nachfolger Hilgenbergs im Ernährungsministerium, Deutsches Tischgebet muß seine Pflöcke zurückstecken. Schon erklärt er, daß er die Maßnahmen Hugen- bergs nicht mehr grundsätzlich ablehne. Schon wird die Notwendigkeit wenigstens einer teilweisen Erhaltung des ostpreußischen Großgrundbesitzes proklamiert. In diesem Punkte scheinen die Bitten Hindenburgs bei Hitler weitgehendes Verständnis gefunden zu haben, das um so leichter, da Herr Hitler schon längst den Großgrundbesitzern senr bestimmte und beruhigende Zusicherungen gemacht hatte. Aber die Arbeiter und Bauern, die werden nicht die allein Betrogenen sein, auch der Mittelstand erfährt seine Enttäuschungen. Es war ja schon bisher bezeichnend, daß die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik, ja selbst der Antisemitismus an eine bestimmte Sehranke gestoßen war, an das Bank-Kapital. Das Bank-Kapital ist nicht gleichgeschaltet worden, und während der kleine jüdische Händler mißhandelt und-bedroht wurde, bleiben die reichen Bankjuden unangefochten und unberührt in ihren mächtigen Wirtschaftspositionen. Jetzt wird der nationalsozialistische Schutz noch ausgedehnt. Der Kampf gegen die Warenhäuser ist eingestellt worden. Die Schädigung der Warenhäuser bedeutete nicht nur Bedrohung ihrer zahlreichen Lieferanten und ihrer Angestellten, sondern vor allen Dingen auch der Kredite, die sie bei den Banken in reichlichem Maße haben. Der schöne Elan, mit dem sich die nationalsozialistischen Einzelhändler und ihr nationalsozialistischer Kampfbund auf die Warenhäuser gestürzt haben, wird jetzt gebrochen. Auch der kapitalistische Großhandel wird für den Hitlersozialismus ein „Kräutlein Rührmichnichtan". Es wird für den Mitteistand nur ein geringer Trost sein, daß ihm statt dessen wohl die Ar- beiterkonsum vereine ausgeliefert werden. So sieht der Klassenkampf im Dritten Reich aus und das sind seine Resultate! Anders waren die Versprechungen vor der Eroberung der Staatsmacht und anders ist ihre Erfüllung. Die Nationalsozialisten hatten Versprechungen gemacht dem Großgrundbesitz und dem Großkapital, dem Mittelstand und den Arbeitern. Die Versprechungen an die Arbeiter sind gebrochen, die Kraft der Arbeiterschaft erlahmt, die Proletarier ihren Klassenfeinden ausgeliefert. Die Versprechungen an das Großkapital und den Großgrundbesitz werden restlos erfüllt und die Versprechen an den Mittelstand soweit gehalten, als sie mit den Interessen des Großkapitals vereinbar sind. Aber der Klassenkampf geht weiter. Die Enttäuschung der betrogenen, ausgebeuteten, entrechteten Masse wird wachsen. Die nächsten Entscheidungen in diesen Klassenkämpfen werden ganz anders aussehen als die, die heute gefallen sind! Dr. Richard Kern. Konkordat mit Hitler! Während sich alle Staaten der Welt von Hitlerdeutschland entrüstet abwenden, und selbst das' faschistische Italien Zeichen des Unbehagens über den aufdringlichen neuen Freund nicht unterdrücken kann, hat sich der Papst beeilt, mit den neuen Herren Deutschlands einen Vertrag zu vereinbaren, der kürzlich in Rom paraphiert worden ist und in einigen Wochen unterschrieben werden soll. Es ist klar, daß sich der Papst für die äußere Machtstellung der katholischen Kirche in Deutschland die größten Vorteile erwarten muß, wenn er sich dazu entschließen konnte, mit einem solchen nicht mehr zweifelhaften Vertragspartner zu paktieren. Die moralische Einbuße jedoch, die die katholische Kirche durch diesen Vertragsabschluß erleiden wird, dürfte tausendmal schwerer wiegen, als alle äußeren Vorteile, die Herr von Papen als erfahrener Schieber in allen dunklen Geschäften dabei der Kirche zugeschoben haben mag. Vielleicht wird den Herren in Rom nichts daran liegen, wenn jene breiten, uicht- katholrschen Bevölkerungskreise Deutschlands, die bisher der katholischen Kirche wegen ihrer menschlichen Haltung in vielen politischen und sozialen Fragen Achtung und Sympathie entgegenbrachten, ihre Auffassung revidieren. Aber es wird auch gute Katholiken geben, die dasselbe tun werden! England gegen Hakenkreuz Das Parlament in schärfster Verurteilung des Hitlerismus einig.— Am 5. Juli debattierte das englische Parlament über auswärtige Politik V. Sch., London, Mitte Juli. Vor drei Wochen stellte ich hier fest, daß die Stimmung, die sich in den ersten Wochen des Hitler-KegimeS in England gebildet hatte, nicht wie ein Strohfeuer abbrennen, sondern anhalten und sich verschärfen würde. Daran wird auch keine Propaganda des Dr. Goebbels etwas ändern können, besonders wenn sie so blöde ist, wie die Sondernummer, die der gleichgeschaltete„S i m p 1 i c i s s i m u s" soeben in vier Sprachen herausgegeben hat, die der Weltwirtschaftskonferenz gewidmet ist und die unter den Delegierten und Pressevertretern verteilt wurde. Indessen, so dankbar die Welt auch dafür ist, wenn das. Dritte Reich ab und zu für Erheiterung sorgt, so ist sie keineswegs geneigt, es als eine komische Angelegenheit zu betrachten. Das hat die außenpolitische Debatte im Unterhaus am vergangenen Mittwoch abermals bewiesen. Das Budget des Auswärtigen Amtes stand zur Beratung und, . obwohl es an Diskussionsstoff nicht fehlte, drehte sich die Debatte zum allergrößten Teil um die Zustände in Deutschland und ihre Rückwirkungen auf den Frieden der Welt. Es war der alte Georges Lans- b u r y, der allseitig verehrte 73jährige Führer der Arbeiterfraktion, der die Debatte im Namen der Opposition eröffnete und dessen Anklagerede, von tiefster Menschlichkeit erfüllt, den Weg zu den Herzen aller Zuhörer fand. Der frühere konservative Außenminister Sir Austen Chamberlain, dessen stark verblaßtes Prestige wieder völlig hergestellt ist, seitdem er in der ersten großen Deutschland-Debatte am 14. April zum Sprachrohr der Entrüstung des gesamten englischen Volkes über das Hitler-Regime wurde, wiederholte in noch schärferen Worten als drei Monate zuvor seine Anklagen gegen diese dauernde Bedrohung des Friedens und der Zivilisation, als die man hier das Dritte Reich empfindet. . Das junge liberale Mitglied Dr. B e r- n a y s, der kürzlich in Deutschland weilte und sogar unter Führung des Fememörders Heines(dessen blutbefleckte Vergangenheit er allergings zu seinem Entsetzen erst nach seiner Rückkehr erfuhr) das Breslauer Konzentrationslager besuchen durfte, ließ als Gesamteindruck seiner Reise durchblicken, daß der heutige Geist, mit dem die deutsche Jugend erfüllt werde, unvermeidlich zu einem neuen Krieg führen müsse. Ein Londoner liberaler Abgeordneter, Mr. Janner, der das berühmte Londoner Judenviertel Whitechapel vertritt, trug erschütterndes Material über die systematische wirtsdhaftsliche Aushungerung der deutschen Juden vor. Uebrigens lügt die Berliner Presse, wenn sie diese Debatte damit zu erklären versucht, daß hauptsächlich Juden daran teilgenommen hätten. Der liberale Janner war der einzige Jude, der in diesen acht Stunden gesprochen hat. Und der Außenminister selber, S i r John Simon, zeigte in seiner Antwort, was er sich aus dem offiziellen Protest der Reichsregierung gegen seine letzte Unterhausrede vom 14. April macht und betonte, daß die Debatte„mit vollem Recht" sich zum großen Teil um die sehr ernste Lage gedreht hätte, die die gegenwärtigen Zustände in Deutschland für den Frieden in Europa geschaffen haben. Ausdrücklich unterstrich er, daß er bei der Behandlung der Minderheiten in Deutschland keineswegs nur die jüdische Minderheit im Auge habe. Ob der stolze Reichskanzler einen neuen Protest für den Papierkorb des englischen Außenministers unterschreiben wird? Es scheint nicht— denn bisher ist nur eine verlegene Witz-Schimpferei erfolgt, und dabei wird es wohl bleiben. * Zum Schluß sprach unter allgemeiner großer Spannung der Außenminister John Simon: Vieles in der Debatte— sagte er— bezog sich mit Recht auf die jetzt so überaus ernste Lage in Europa, die gegenwärtige Haltung und den Zustand Deutschlands, seine Wirkungen auf die Abrüstungskonferenz, ihre Aussichten usw. Das war allgemeiner Mißmut unter Hinweis auf die Lage, besonders auf die Lage, in der sich gewisse Minderheiten in Deutschland befinden. Er sei überzeugt, daß das was gesagt worden ist, nicht vorgebracht wurde aus dem Geist einer engen Kritik oder Sek- fiererei heraus. Es war der wirkliche Ausdruck einer Aul- lehnung des britischen Volkes in seiner Gesamtheit, das von den Ereignissen in seinen Prinzipien der Toleranz getroffen worden ist.. In unserem Land, fuhr der Minister fort, war in den vergangenen Jahren die öffentliche Meinung keineswegs blind für die Ansprüche des großen Deutschen Volkes und für eine sympathische Betrachtung seiner Lage nach dem Krieg. Die Tragik liegt darin, daß die jetzigen Ereignisse so viel dazu beigetragen haben, die Sympathie für Deutschland zu mindern. (Zustimmung.) —— ///-�� Die verratene Ostgrenze Der Danziger Naziführer gibt die Stadt und den Korridor preis. Es gibt keine Partei, die außenpolitisch je soviel Nachgiebigkeit und so unbegrenzte Wandlungsfähigkeit gezeigt hätte, wie die NSDAP. Daneben erscheint nachträglich die ehemalige Volkspartei, die Erbin der alten-liberalen Fraktion Drehscheibe, geradezu von Zement. Auf den Verrat an Südtirol, auf die Preisgabe Elsaß-Lothringens und den Verzicht auf Widerruf der sogenannten Schuldlüge, folgt jetzt die A n- erkennung des polnischen Korridors. Noch im Februar erklärten Naziagitatoren weitaufgeri&senen Maules die Polen als„Erbfeinde", solange Danzig und der Korridor nicht wieder zu Deutschland gehörten. Diese Maulaufreißerei war einmal. Am 3. Juli stattete der nationalsozialistische Präsident des Danziger Senats Dr. R a u s c h n i n g mit seinem Nazistabe der polnischen Regierung in Warschau einen Besuch ab, bat in zwei offiziösen Reden um Verständnis für die nationalsozialistische Umwälzung, trug den Polen die Freundschaft Hitlerdeutschlands an und sagte: Der Warschauer Besuch solle gleichsam eine allgemeine Vorbereitung der Atmosphäre für die Verhandlungen sein, die nach einem Gegenbesuch der polnischen Regierungsvertreter in Danzig in kürzester Zeit aufgenommen werden würden, um dadurch eine neue Epoche in den Beziehungen zwischen Danzig und Polen einzuleiten. Bei ernstem Willen beider Parteien, und wenn beide Teile vom Boden der bestehenden Vcrträgeausbereit seien, gegenseitig die Rechte und Pllich- ten zum gemeinsamen Besten zu achten, sei die Möglichkeit zur baldigen Verständigung vorhanden. Die„bestehenden Verträge" trennen Danzig durch den Korridor von Deutschland. Die Danziger Nazis unterstehen dem Führer Hitler, Rauschning sprach also im Namen des deutschen Kanzlers, der mithin auf die Wiedervereinigung der beiden deutschen Gebiete mit dem Mutterland verzichtet. So freigebig hat seit 1918 kein deutscher Minister deutsches Land verschenkt! Pose den Wiedereinzug in das andere Deutschland mitmachen wollen. Ebenso wie jene, die vierzehn Jahre lang in der deutschen Republik nicht das nationalistische Unkraut mit Stumpf und Stiel ausgerottet haben, sondern alles in Grund und Boden„regierten". Es ist, anläßlich der SPD.-Aktion in Prag, das Grundthema erörtert worden: Hat ein Führer, auch wenn er im Diktatur-Land zu Kreuze kriechen muß, bei den Geführten zu bleiben— oder dari er, aus Selbsterhaltungstrieb und um der Sache willen, sich in Sicherheit bringen? Welch' Thema für künftige Doktoranden moderner Geschichte! Wir nicht so verschnörkelte Menschen sagen; Wo der„Führer" eine Wirkungsmöglich- lichkeit ausnützen kann, hat er zu sein! Lenin hat im Exil gelebt, hat sich in den reifenden Wochen vor der Oktober-Revolution versteckt gehalten: War er deshalb ein Deserteur? * Sie aber werden alle mit unverwüstlicher preußischer Pünktlichkeit zur Stelle sein, wenn man wieder„umlernen" muß. Bei Lloyds in London kann man schon heute Wetten auflegen. daß es wie 1918 sein wird-- wenn nicht beizeiten Dämme gegen diese Schlammflut vorbereitet werden! ihr von der Barbarei wahrhaft Vertriebenen, geht an diese Arbeit! Seid nicht so phantasielos. Euch mit Hilfe von Statistiken und arithmetischen Exempeln auszurechnen, daß Hitlers Reich bald zusammenbrechen müsse! Bringt endlich die Phantasie auf. Euch von Ziffern zu emanzipieren! Ihr könnt nur Vorarbeit leisten für den Fall, daß der Fall Hitlers sich aus dem Gesetz, nach dem er angetreten, ergibt. Aber diese Vorarbeit könnt Ihr sehr gründlich verrichten; Bildet einen(verzeiht das preußisch harte Wort) Generalstäb, der Umschau halten kann nach den Menschen, die dann wirken sollen, wenn das. Nachher kommt! Und wenn Ihr schon mit deutscher Gründlichkeit Euch betätigen wollt, dann i ü h r t genau Buch über alle Abgewirtschafteten und über alle Gesinnungsjongleure, die mit artistischer Gewandtheit auf jedem Boden der Tatsachen immer wieder auf die Füße fallen! Lernt vom Todfeind, der sich jahrelang auf„den" Tag mit einer Schwarzen Liste vorbereitet hat. Hütet Euch davor, auf den Humanitätsleim zu kriechen! Schenkt ihnen nichts, auch wenn sie sich— ebenfalls als Rückversicherung für die Zukunft— hinter allerlei Pseudonymen und sonstigen Drapierungen verkrochen haben! Wer von Hitler gefressen hat, muß daran zugrunde gehen! Seid aber auch nicht»u nüchtern und zu zimperlich, aus den für unsere Sache Gefolterten und Gemordeten die Helden unserer Tage zu machen! Verschmäht nicht den Kult, der in diesen dafür doppelt empfänglichen Zeiten unentbehrlich ist. Die Verbrecher, in deren Fäusten sich heute Deutschland windet, haben den Zuhälter Horst Wessel zum heldischen Symbol erklärt. Und Ihr? Habt Ihr schon die Namen reinster Kämpfer für freies Menschentum, die gemordet wurden oder in Kerkern dahinsiechen, in Eure Herzen eingehämmert als Racheschwur? Jawohl, predigt und nährt allerorts den einzigen und gesunden Haß gegen alle und gegen alles ringsherum, was in dieser Zeit an sich und den anderen Verrat geübt hat! Faselt nicht von Demokratie, die nicht mitzuhaßen, sondern mitzulieben da sei; sondern setzt schon heute hart und unverrückbar als ersten Paragraphen des neuen Staatsgrundgesetzes einer neuen Republik fest: W i r w e r- den Euch nichts vergessen! Theodor Glocke, der langjährige Vcrlags- direktor des„Vorwärts" ist anfangs der vergangenen Woche gestorben. Einer der Treuesten und Besten ist mit ihm hingegangen. Als sich am vergangenen Donnerstag im Krematorium in Berlin eine stattliche Zahl von Genossen zusammenfand, um Theodor Glocke die letzte Ehre zu erweisen, da gedachte man des jungen Holzarbeiters, der in der Zeit des Sozialistengesetzes seinen Mann gestanden hatte. Auch damals war eine Leichenfeier für Sozialdemokraten die einzig erlaubte Form der Zusammenkunft. Genosse Glocke hatte den„Vorwärts" fast auf seinem ganzen Wege— vom Fall des Sozialistengesetzes bis kaum ein Jahr vor seiner Unterdrückung begleitet und betreut-. Wir handeln im Geiste Theodor Glockes, wenn wir den Kampf aufnehmen und die Auferstehung vorbereiten. Immer daran denken- \idit« vergessen! Von einem Republikaner Es ist immerhin denkbar, daß dennoch eines eines Tages im Lande der neuen Romantik das Wunder geschieht: daß Hitlers Kartenhaus auf deutschem Grunde zusammenbricht! Was bliebe dann übrig? Mit welchem Menschen könnte man sich an die Arbeit begeben, den Trümmerhaufen aufzuräumen? Man könnte sagen, es sei müßiges Geschwätz, schon heute, da noch das Mitgliedsbuch der NSDAP, die alleingültige Freifahrtskarte ins Dritte Reich» der Herrlichkeit ist, eine solche Frage auszuwerfen. Denn bis zum wirklichen Erwachen Deutschlands werde noch so mancher aus der heutigen Grundstellung aufrechter Haltung um die Ecke gehen. Wer, so-wird man weiter flöten, könnte überhaupt gerechtes Urteil fällen über diejenigen, die anders sprechen mußten, als es in der Stahlkammer ihrer Gesinnung aussah! * So verteidigt man sie schon jetzt und so werden sie sich selbst verteidigen: Wenn der Tag wieder kommen wird, an dem jenes„Land voll Lust und Leben" kein Zuchthaus mehr ist! Dann werden sie alle, alle in unwandelbarer Treue den Boden der Tatsachen wieder einmal erreichen: das ganze Geschmeiß wird sich an die Befreier von Hitler mit der gleichen Vehemenz heranwerfen, mit der es jetzt die„nationale Erhebung" mitgemacht hat. Wie werden die Barthcl, Benns, Sinsheimers. die großen und kleinen Götter im Tempel des Wo- tan-Kult, aus ihren Füllfedern Ströme neuen Geistes vergießen; aus dem„nationalen Umbruch". Das Brechen wird keine Ende nehmen ... Und sämtliche deutschen Professoren werden, wie gehabt, die akademische Würde wahren, indem sie durch flammende Aufrufe und zündende Ansprachen die Reinigung Deutschlands von der„nationalen Schmach der Diktatur eines landfremden und undeutschen Man- nes" fordern und im übrigen das neue Regime ihrer stets loyalen Mitarbeit versichern werden. Die deutschen Richter, Gipfel unantastbaren Gewissens, werden in einer„von hohem sittlichen Ernst getragenen Entschließung" den Allerhöchsten Richter als Zeugen dafür anrufen, daß sie nie und nimmer, auch nicht unter dem Zwange einer undeutschen Diktatur, das Recht parteiisch gebeugt und- gegen die ewiggültigen Gesetze der Gerechtigkeit verstoßen hätten. Jedes Verbrechen, aueh wenn es sich„national" verbrämt habe,»sei von ihnen streng geahndet worden, sie hätten keinem anderen Befehl als dem ihres Gewissens gehorcht. Und am Abend dieses Tages wird— nach dem Pausen-Glockenspiel„Ueb' immer Treu' und Redhchkcit"— der hochverehrte Herr Reichspräsident von Hindenburg über alle deutschen Sender aus Neudeck ein„Manifest an das neuerwachte Deutschland" verkünden:„D:e Treue ist das Mark der Ehre..." » Jawohl, deutsche Menschen außerhalb des braunen Kerker-Gemäuers, so wird es sein und nicht anders: Wenn nicht schon jetzt dem vorgebeugt wird! Brüllt allen, die für charakterlose Halunken auch nur ein Wörtchen der Entschuldigung sagen, in die Ohren:„Es ist nicht wahr, daß sie es tun mußten!" Sie haben es nur getan, weil sie verlumpt waren, weil sie das Einkommen höher bewerteten als die Gesinnung, weil sie dienstbeflissene Kreaturen des Zeilenhonorars sind! Plötzlich entdeckten sie ihre Pflichten als„Familienväter", plötzlich fielen ihnen die Schuppen von den Augen, daß sie„bisher geirrt", plötzlich stellte sich bei ihnen die„sittliche Notwendigkeit" ein, im Interesse der Allgemeinheit sich der„Mitarbeit am neuen Werden" nicht versagen zu dürfen! Welch ein Kunststück, welch eine heroische Haltung: Einer Gesinnung solange anzuhängen, wie man mit ihr gute Ge- schätte machen kann! Doch welch eine Zumutung, für die Ueberzeugung das Opfer der Stellungs- und Einkommenslosigkeit bringen zu sollen! Das, Edelste der Nation, ist das Privileg der Proleten, der einfachen Klassenkämpfer, die sich für ihre Gesinnung hinschlachten, foltern oder einsperren lassen durften, die millionenweise schon seit Jahren stempeln gehen und hungern. Das kann man doch nicht von einem deutschen Professor, Richter, Dichter oder Zeitungsschreiber verlangen! Denn sie haben ja ein verbrieftes Anrecht darauf, daß es ihnen immer besser gehen muß als den Proleten. • Man freut sich uneingeschränkt jedes Menschen, dem es gelungen ist und noch gelingt, aus Hitler Masscnkorrektions-Anstalt zu entschlüpfen. Aber seht Euch diese Emigranten an, diese Auch-Emigranten! Wieviele von ihnen sind nicht aus Gesinnuugstreue, sondern aus Mammon-Anhänglichkeit über die rettenden Grenzen gekommen. Und wieviele hätten drüben gerne in einer jüdischen Sektion der NSDAP. mitgetan, wenn ihre Nase es ihnen gestattet hätte. Aber sie alle werden auch in Märtyrer- fäeiiage des„Thum lloaoäcls'' Tic. 5 Heep and Hakenkreuz Wehrpolltisdie Gedanken Von S y ni m a c h o s. Vorbemerkung der Redaktion: Wir geben i diese Zuschrift wieder, ohne uns mit ihr in allen Einzelheiten zu identifizieren.' Pie Abrüstungskonferenz ist also bis zuift Oktober vertagt worden, nachdem der Gesandte Hitlers, Herr N a d o 1 n y, mit seinem Vorschlag, weiterzutagen, auf weiter Flur allein geblieben ist. Wer da glaubt, die Konferenz werde sich im Oktober wieder friedlich zusammenfinden und etwas wie eine Abrüstung beschließen, zahlt einen Taler. Herr Nadolny hat in Genf nichts anderes gesagt, als was er und alle seine Vorgänger auf diesem Gebiet schon früher unter anderen Bedingungen auch gesagt haben. Der Unterschied ist nur, daß man früher immerhin etwas davon geglaubt hat und daß man jetzt gar nichts mehr glaubt. Auch Hitler hat nichts anderes gesagt als was Hermann Müller und Stresemann auch schon gesagt haben:„Deutschland braucht Frieden". Leider fügte er hinzu:„Noch zehn Jahr e". Das wird nun von der ganzen Welt so aufgefaßt, daß Hitler nur noch zehn Jahre Frieden will und daß er diese Zeit benützen will, um den neuen Krieg vorzubereiten. Hin Müller-Stresemann-Ausspruch ohne Hitler-Zusatz wäre der deutschen Sache uützlicher gewesen. Vielleicht hat es Hitler gar nicht so gemeint. Aber ein Staatsmann muß die Wirkung seiner Worte berechnen können. Das Friedensbekenntnis ist für jede deutsche Regierung eine Selbstverständlichkeit. Seine Begrenzung auf zehn Jahre war eine Dummheit. Leider ist diese Dummheit nur eine von vielen, die auf dem Gebiete der Außenpolitik gcnwclü werden, Es hieße,. d.i e i ü h- renden MännerderRei.chs w e h r unterschätzen, wollte man annehmen, sie wären blind für die Gefahren, die dadurch gerade für die Wehrmacht heraufbeschworen werden. Daß das österreichische Bundesheer in diesen Tagen seine reichswehrähnliche Uniform ablegt und zu altösterreichischen Modellen zurückkehrt, ist für die deutsche Wehrmacht gerade kein Kompliment. Es ist aber auch leider das Symptom eines allgemeinen Zustandes der Abneigung und des Mißtrauens Deutschland gegenüber, das Symptom einer Isolierung, wie sie selbst während des Weltkrieges nicht bestanden hat. Im Weltkrieg stellte die deutsche Außenpolitik die deutsche Wehrmacht— damals die stärkste der Welt— vor ein Problem, das nicht zu lösen war. Das war, militärpolitisch betrachtet, der tiefste Sinn und der tiefste Grund der deutschen Niederlage. Eine Wiederholung des„Hinein- schlitterns" in einen Krieg aller gegen Einen hieße die deutsche Wehrmacht in einem sinnlosen Abenteuer aufreiben. Ganz abgesehen davon, was dieses Abenteuer für das deutsche Volk bedeuten würde, glauben wir nicht, daß die Führer der Reichswehr geneigt sind, jede Tölperhaf- tigkeit der Außenpolitik mitzumachen, um dann für den Rest ihres Lebens als geschlagene Generäle herumzulaufen. Ist also der deutsche Faschismus mit seiner Ungeschicklichkeit nach außen für die W e h r in a c h t, e i n e Gefahr, so ist er es mit seiner Brutalität nach innen nicht minder. Ein System, das darauf beruht, daß die Mehrheit des Volkes von einer Minderheit tyrannisiert wird, ist völlig ungeeignet, für eine moderne Wehrmacht die Grundlage zu bilden. Unvergessen bleibt die große Lehre des Weltkrieges, wie die absolutistisch regierten Staaten— das zarische Rußland zuerst— �iner nach dem anderen zusammenbrachen, während die Demokratien mit ihren inneren Schwierigkeiten fertig wurden und schließlich auch militärisch sitgten. Gilt diese Lehre nur für die Vergangenheit? Im Gegenteil, sie wird mit jedem Tage richtiger! Man braucht nur die italienische und dic� französische Wehrmacht untereinander zu vergleichen, um zu diesem Schluß zu gelangen. ; Kein Fachmann zweifelt an der ungeheueren Ueberlegenheit Frankreichs, keiner zweifelt daran, daß im Falle eines Zusammenstoßes der Niederbruch Italiens in kürzester Frist eine Selbstverständlichkeit wäre. Warum? Weil die Despotie den Verteidigungs willen des Volkes lähmt! Der Faschismus nennt sich zwar national, in seiner Wirkung ist er aber a n t i- national. Und die Dienste, die er mit übertriebener Beflissenheit der Wehrmacht anbietet, sind in Wirklichkeit Bärendienste. Seine Behauptung, er habe das deutsche Volk zusammengeschweißt, ist doch nur Selbstbetrug: dasdeutscheVolkist heute zerrissener denn je. Der vergewaltigte Teil hat nicht dadurch zu existieren aufgehört, daß man ihn zum Schweigen zwingt, er besteht als gährende Masse weiter und verzehrt sich in Rachegedanken. Ein. Volk, das sich in einem sol- Sdiweyer sagt die Wahrheit Und muß dafür vor Gericht. Der sehr weit rechts stehende frühere bayrische Innenminister Dr. S ch weyer hat an den ehemaligen Ministerpräsidenten H e 1 d einen Brief geschrieben, in dem es heißt: «Entartete Menschen geben vor, die sittlichen Erneuerer des deutschen Volks zu sein, während sie doch nur den Menschen mit Gewalt ihren Willen aufzwingen und wie Raubtiere ihre egoistischen Instinkte befriedigen. Empörend ist dabei besonders, daß Lüge, Verdrehung und H e u- cheleibisindieoberstenStel- len hinein herrscht. Es müßte einem das Herz bluten, wenn man sieht, wie heute unsere Jugend systematisch verdorben und zur Ungesetzlichkeit ermuntert wird." Der Brief fiel in die Hände der Staatspolizei und Schweyer wurde verhaftet. Bei einer Vernehmung nahm er nicht nur nichts zurück, sondern fügte auch noch über Hitler einige treffende Bemerkungen hinzu. Der mutige alte Mann— er ist über 65— soll angeblich vor ein Gericht gestellt werden. Wahrscheinlich wird man sich das aber noch einmal überlegen und ihn ohne gerichtliches Verfahren gefangen halten, wie das auch Zehn- tausenden anderen auch geschieht. In Schutzhaft genommen wurde auch der ffühere bayrische Kultusminister Dr. Goldenberge r. Ein\arr mit dem F eldherrnstab Ludendorff läßt einen konfusen Brief verbreiten, den er an F r i c k geschrieben hat. Darin heißt es: Juda und Rom haben den Hort der Deutschen Freiheit, das Deutsche Heer, zerschlagen, für das i c h im Frieden gesorgt und das ich im Kriege geführt habe. Heute zerschlagen meine Deutsche Frei- heitbewegung Deutsche, mit denen ich einst in einer Front stand. In dieser Front waren Gewehre auf mich gerichtet. Ich durchschritt aufrecht die auf mich feuernden Schützen, wie ich in Lüt- tich dem auf mich feuernden Feind aufrecht entgegenging. Aufrecht werde ich auch jetzt weitergehen und mit mir die freien Deutschen, die heute am Kampf für Deutsche Volks- und Staatsschöpfung verhindert werden sollen. Der Kaiser wollte sich mit Hilfe der Sozialdemokratie ein neues Reich errichten. Sic wollen mit Hilfe der Kirchen den neuen Staat gründen. Die Sozialdemokratie nahm dem Kaiser die Macht. Wie sich die Verhältnisse dien Zustand befindet, ist außenpolitisch und militärpolitisch nicht stark, sondern schwach. Als„Volk in Waffen" würde es die Waffen nur benützen, um einer über den anderen herzufallen. Auf keinen Fall kann der Fanatismus einer Parteigruppe den Wehrwillen einer ganzen Nation ersetzen, der nur in Freiheit gedeihen kann. Deutschland ist jetzt nach außen schwach, schwächer als vor dem 30. Januar 1933, und wird es bleiben, bis das grauenhafte Unrecht, das an dem deutschen Arbeiter begangen wurde, wieder gutgemacht worden ist. Nur der S t u r z d e r D e s p o t i e, die Deutschland heute gefangen hält, kann die Vorbedingungen für den Bestand einer ihrem Zweck genügenden Wehrmacht herstellen. Treiben die Dinge weiter wie bisher, dann stürzt über kurz oder lang Deutschland kopfüber in den Abgrund— d i e R e i c h s- w e h r v o r a n! bei uns entwickeln werden, werden Sie erleben. Auch diesen Narren hat der deutsche Spießbürger einmal, wie später H i n d e n- b u r g und noch später Hitler in kindischem Aberglauben als„Retter" gefeiert! Klassenunterschiede abgesdiafft l>as Ufitul allein macht es Die Naziführer haben den Unternehmern bekanntlich versprochen, die Klassenkämpfe ein für allemal abzuschaffen. Wie sie das machen, zeigt folgender Bericht aus Berlin: Hin RunderlaB des Reichspropagandaministers Dr. G ö b b c 1 s verbietet den deutschen Zeitungen eine„reaktionäre Berichterstattung". In dem Runderlaß wird erklärt, daß in der letzten Zeit die deutschen Blätter über Veranstaltungen der Rcichsregierung, an denen führende Personen der NSDAP, oder nationaler Verbände teilgenommen haben, in Ausdrücken,„die in einer vergangenen Zeit angebracht waren", berichteten. Es wird künftighin verboten, dauernd von„Spitzen der Gesellschaft" oder von„Persönlichkeiten der ersten Kreise" usw. zu sprechen. In der jetzigen Zeit gebe es k e i n c K 1 a s s e n- n n d Kastenunterschiede. Die deutsche Presse wird also darauf aufmerksam gemacht, ihre Berichte genau zu überprüfen, damit kein Anlaß zu Beanstandungen in der erwähnten Art vorliegt. Weise und Gelehrte haben Jahrzehnte hindurch mit rauchenden Köpfen am größten sozialen Problem gearbeitet, haben lebenslänglich die Frage durchdacht, wie d i e Wirtschaftsordnung beschaffen sein müssen, die endlich jegliche Klassengegensätze aus der Welt schafft. Welch armselige Tröpfe, diese Forscher von Aristoteles bis Karl Marx! Goebbels löst solche Mensch- heifsfragen im Maulumdrehen. Nicht staatliches Erbrecht oder Sozialisierung und Expropriation sind nötig, sondern nur ein Federstrich braucht es: man verbiete es, von den herrschenden Schichten oder obersten Kreisen zu sprechen— und schon„gibt es keine Klassenunterschiede mehr". Denn diese Gegensätze sind keine ökonomischen Tatsachen, sondern mir bedauerliche Folgen der falschen Ausdrucksweise einer„vergangenen Zeit". Wenn das keine Reformatoren sind! Fremde Im Räuberstaat Vor kurzem fuhr ein Prager Kaufmann mit seinem Auto nach Leipzig. Er war kaum ausgestiegen und gerade dabei, seinen Wagen abzuschließen, als er plötzlich eine volle Ladung Spucke ins Gesicht bekam. Ein uniformierter SA.-Mann hatte an der Autonumniern- tafel das Herkunftsland, die Tschechoslowakei erkannt und darauf so reagiert. Der Kaufmann wischte sich das Gesicht ab, erledigte in möglichster Kürze seine Angelegenheiten und fuhr heim. Vermutlich auf längere Zeit Irgend ein Rechtsmittel gegen solche Behandlung war ihm nicht bekannt. Wir wissen auch keines. Ein anderer Fall betrifft einen seit Jahrzehnten in einer anderen reichsdeutschen Großstadt lebenden Geschäftsmannes, der' gleichfalls Staatsbürger ist. Ihm führte einfach ein SA.- Mann. der sich auf einen Staffelbefehl berief, das Auto weg. Der Besitzer geht auf die Polizei und verlangt, daß man ihm seinen Wagen wiedergebe.„W i r haben Ihnen doch das Auto nicht weggenommen. Wenden Sic sich doch an die zuständige Befehlsstelle!" Der Mann kennt sie nicht und hat auch kein Bedürfnis danach. Als er sein Begehren unterstreicht, wird er gefragt, ob er denn etwa dem SA.-Mann Diebstahl vorwerfen wolle. Nun erklärt der Kaufmann, er sei Tschccho- slowake und stehe unter dem Schutz seines Konsulats. Das wird ihm als Drohung gegen die Polizei ausgelegt. Weil er aber schon solange dort lebt, wird ihm erklärt, dann gebe es das mit Konsulat überhaupt nicht mehr und er habe nach„unseren Gesetzen" zu leben. Weil er dies nicht einsehen, aber sein Auto wieder haben wollte, wird er„wegen frechen Benehmens" gleich da behalten. ]\idit lümmeln! Sonst wird„an Ort und Stelle abgestellt." Der„Mainzer Anzeiger" veröfientiieht nachstehende Erklärung: „Das Benehmen eines Teiles der Bewohner der Stadt gibt mir Veranlassung zu folgender Bekanntmachung; Es fällt allgemein unangenehm auf, daß sich Leute mit den Händen in den Hosentaschen in den Straßen h e r u m 1 ü m m e 1 n und den enthüllten Fahnen von Verbänden und Vereinen nicht die gebührende Ehrung zollen. Dieser undenkbare Zustand muß sofort abgestellt werden. Die Fahnen sowie die Feldzeichen der SA. sind sofort mit der nötigen Ehrerbietung zu behandeln. Bei Märschen von Wchrverbänden sind die entrollten Fahnen zu grüßen. Achtungsverletzungen, d. h. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung, werden an Ort und Stelle abgestellt. Ich hoffe, daß dieser Hinweis genügt, diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu machen. Mainz, den 19. Juni. (gez.) Lötz, Sonderkommissar des Kreises Mainz." Die deutschen Machthaber von heute haben ihre Sorgen. Wir erinnern uns übrigens, schon auf der Schulbank etwas ähnliches gelesen zu haben, nämlich in einem Drama Wilhelm Teil von einem sicheren Friedrich Schiller. In diesem Stück war der Hut des Landvogts Geßler auf der Stange„mit der nötigen Ehrerbietung zu behandeln" und die Zuwiderhandlung des„herumlümmelnden" Mannes Wlihelm Teil wurde von Geßler„an Ort und Stelle abgestellt". Die Sache ging jedoch, wen wir uns des Dramas richtig entsinnen, für den Landvogt Geßler recht ungünstig aus und die herumlümmelnden freien Schweizer bhieltcn recht nach dem Worte Schillers:„Denn eine Grenze hat Tyrannenmacht!" Sie lügen wie die Teufel Fridc und Göbbels über die zweite Revolution Oöbbels am 36. Juni: Man soll nur ja nicht denken, daß die nationalsozialistische Revolution zu Ende sei. Sie geht erst zu Ende, wenn die NSDAP, den ganzen Staat besitzt!_ (Conti-Bericht.) Da wird ja wohl Frick bald den Goebbels verhaften müssen. Denn zu einer Revolution, die den ganzen Staat besitzen will, gehört ja wohl die Hntmach- tung des Großkapitals. Herr Goebbels wird sich revidieren müssen. Fridc am 11. Juli: Die Revolution ist in das Stadium der Evolution getreten. Jeder Versuch einer Fortsetzung der Revolution oder einer zweiten Revolution muß mit den schärf-, sten Mitteln, mindestens mit Schutzhalt, geahndet werden.(Wolff-Bericht.) Narren und Yerbredier regieren ein Volk i Her entfesselte Ankläger Justiz im Dritten Reich Von Jnstinian. Hurra— er ist wieder da!— Er zoz zu- deich mit dem braunen Frühline in die deutschen Gerichtssäle ein; der Jupiter mit der zerhauenen Visage, der durch sein Monokel den Blitz, der im vollendetem Pathos seiner Stimme den Donner auf den Frevler niedersausen läßt, während die emporgewichsten Schnurrbartspitzen in sittlicher Empörung erzittern. Der unerbittliche, der eherne Staatsanwalt stellt wieder in preußischer Strammheit vor dem Forum. Kein psychologischer, forschender Zweifler mehr, wie in schlapper, republikanischer Zeit, sondern der unbedingte, hemmungslos draufhauende Ankläger, wie ihn das Herz aller Großtanten ersehnt hat! Ja, es ist eine Lust, die Gcrichtsspalte der gleichgeschalteten Mosse-Uilstein-Hugenberg- Presse zu durchfliegen. Der Erste Herr Staatsanwalt:„M. H. Geschworenen... die Angeklagte... eine Bestie, niedrigster Abschaum des großstädtischen Untermenschentums... Geschwür ausbrennen...verwirklichende Humanität... eiserne Strenge des Gesetzes... zermalmen... lebenslängliches Zuchthaus." Und der Verteidiger? Ach so, gibt's den noch? In den Berichten der Lügen-Presse ver- kriecht er sich in drei dürftige Petitzeilen. Der Verteidiger ist dem Staatsanwalt gleichgeschaltet. Er hat nur um Enschuldignug zu stammeln. Entschuldigung dafür, daß er da ist. Daß er diese Bestie, wie der Herr Erste Staatsanwalt die Angeklagte mit Recht nannte, überhaupt verteidigt.„Aber so lange das Gesetz"— Augen- aufschlag nach oben,—„leider auch iür solche Unwürdigen einen Verteidiger vorschreibt..." Immerhin bitte er zu erwägen, was der Herr medizinische Sachverständige über den Geisteszustand der Angeklagten... Der medizinische Sachrverständige, richtig, was sagte der vorhin?—„Die Angeklagte ist zweifellos eine degenerierte, erblich schwer belastete, vpsychopafhische Persönlichkeit mit stark vermindertem sittlichen Urteilsvermögen, deren Sensibilität sich periodisch zu krankhaften Erregungszuständen steigert Dennoch ist ein Fehlen der freien Willensbestimmung gemäß § 51 St.-G.-B. bei der Angeklagten nicht zu konstatieren. Sic hätte mit eiserner Energie ihre Veranlagung niederkämpfen, und durch straffe Disziplin ihre Erregung meistern müssen. Diese Energie hat die Angeklagte nicht aufgebracht. Statt dessen.. Statt dessen... Ja. das hören wir wieder am besten aus dem Munde des Herrn Ersten Staatsanwalts:„... ein feiges, schlappes, haltloses Frauenzimmer... hätte sehr wohl sich bemeistern können.., zog bequemen Weg vor ... volle Einsicht in ihr Tun..." Die volle Einsicht in das Tun dieser Minderwertigen, die hat eben der Herr Staatsanwalt: ein Mensch kann halb oder dreiviertel verrückt sein, das ist seine Sache;— aber er muß sich beherrschen, basta! Natürlich kann sich jeder Mensch beherrschen, der Geistesschwache genau so wie der Gesunde,— wozu leben wir im Preußen des Morphinisten Göring?! Ob er's glaubt?— Was glaubt ihr?— Ich glaube folgendes; Jeder Staatsanwalt weiß, wie der Wind von oben weht. Kein Verteidiger möchte wegen„Unzuverlässigkeit" seiner Zulassung bei Gericht verlustig gehen. Und was die Herren Richter anbetrifft, so hat sich auch bei ihnen schon herumgesprochen, daß die richterliche, Unabhängigkeit und Un- absetzbarkeit nicht mehr bestehen. Das Publikum?— Freut sich größtenteils, daß es jetzt ordentlich gegen die Verbrecher geht. Recht so, die Kerle verdienen kein Mitleid.„Mitleid— ja, meine Herren Richter,— Mitleid allein mit den Opfern!" Allen Spießern aus der Seele geredet, Herr Erster Staatsanwalt! Aber, was der Spießer nicht weiß, freilich, was der Herr Staatsanwalt wissen sollte: Nach dieser Maxime haben Generationen jahrhundertelang die Stratjustiz gehandhabt und sind des Verbrechens nicht Herr geworden. Je mitleidloser sie vorgingen, desto fester schlössen sich auf der anderen Seite die hoffnungslos aus- gestoßenen Asozialen gegen die Gesellschaft zusammen. Der Kriminalist Heindl hat berechnet, daß ein einziger Berufsverbrecher meist soviel Straftaten begeht und so großen Schaden anrichtet, wie hunderte Gelegenheitssünder zusammengenommen. Welche Strafpolitik ist also besser; die hundert Schwache unbarmherzig ins Berufsverbrechertum stößt, oder die auch nur einen Teil von ihnen wieder zur Gesellschaft zurückführt und bessert? Aber— das sind keine Erwägungen, die in die Aera des Dritten Reiches, ins Zeltalter des Glaubens an die alleinseligmachende Brutalität passen. Dieses System stellt hoch über das Recht die Staatsraison. seine Staats- raison. Das geht so vor sidu Zeitungsnotiz:Alle deutschen Rechtsanwälte haben es abgelehnt, die Reichs- tagsbrandstiftcr zu verteidigen.— Recht so! Wo die Staatsraison das Urteil schon vor dem Prozesse fällt, lasse ein vorsichtiger juristischer Brotverdiencr— etwas anders ist ein Rechtsanwalt nämlich nicht die Finger davon. Er bedecke seine Feigheit, wie das heute große Mode in Deutschland ist, mit dem Feigenblatt der Tugend; er lasse von vornherein seine sittliche Entrüstung überkochen über dem Verbrecher, dessen Schuld doch erst in der kommenden Verhandlung festgestellt werden soll. Wer es nämlich noch nicht gewußt hat, der erfährt jetzt, worin die wahre Ihre Schande „100.000 Gerichtsvollzieher werden arbeitslos, wenn Hitler an die Macht kommt", diese Worte plakatierte der große Reklame-Anreißer Goebbels auf blauen, den Pfändungssiegeln nachgebildteten Klebezetteln bei einer der letzten Wahlen. Es hat zwar niemals 100.000, noch nicht einmal 10.000 Gerichtsvollzieher in Deutschland gegeben. Aber ganz sicher ist: kein einziger Gerichtsvollzieher hat bisher durch Hitlers Machtergreifung Arbeit oder Arbeitsgebiet verloren. Im Gegenteil, seitdem die Hitlerrcgierung aus brennender Finanznot dazu übergegangen ist, wegen rückständiger Steuern ohne vorangegangene Mahnung sofort zu pfänden, blüht der Weizen der Gerichts- vollzicherzunft mehr denn je. Dagegen können wir immerhin von einem Arbeitslosen erzählen, der durch Hitler positiv wieder Arbeit bekam: das ist der Scharfrichter. Nachdem in den letzten Jahren nur ganz selten Hinrichtungen in Preußen stattgefunden hatten— zwischen der Hinrichtung des Sexualmördcrs Schumann und der des Massenmörders Kürten lag eine Pause von mehreren Jahren— geht jetzt der Betrieb des Henkers wieder äußerst üott von statten; keine. Woche ohne Hinrichtung, und mitunter zwei am gleichen Tag. Herr Groppler aus Magdeburg, der und W. das Metier des staatlich zugelassenen Kopfabschneiders auch heute noch betreibt, kann sich über das neue Regime nicht beklagen, er ist„angekurbelt" wie selbst die Rüstungsindustrie nicht angekurbelt ist. Sein Bedarf an Wetzsteinen für das Henkerbeil hat sich verzehnfacht; die weißen Handschuhe, unter denen es ein preußischer Henker bekanntlich nicht tut, kommen gar nicht mehr von der Wäscheleine. Auch die chemische Reinigungsindustrie und das Schneidergewerbe haben zu tun: Herr Groppler braucht jetzt mehrere Hin- richtnngsfräcke, da ein oder zwei davon dauernd bei Spindlcr sind, um von den Blutflecken der letzten Prozedur gesäubert zu werden. „Keine Woche ohne Blutfleck", laufet das Leitmotiv des tüchtigen Fachmannes. Henker sein, ist ein lukratives Geschäft. Für Tugend des Verteidigers liegt: Er hat all das bedingungslos zu glauben, was eine interessierte Regierung über die Angeklagten im voraus in der Presse publiziert. Sagt die Regierung„Diese hier sind die Brandstifter", so hat die Verteidigung nicht etwa die Aufgabe nachzuforschen, wo die wahren Brand- und Anstifter sitzen. Nein, schaudernd vor aller Entrüstung wendet sie ihr Antlitz von den obrigkeitlich zur Verurteilung bestimmten Sündern ab und überläßt sie kalt ihrem Schicksal. O schwerer Beruf, Anwalt des Rechtes zu sein! Entfesselte Staatsanwälte— bibbernde Verteidiger, welch edles Bild ritterlicher Erneuerung eines Volkes! unsere Ehre! jede Hinrichtung gibt es ein paar blaue Lappen Honorar, weswegen der Andrang zu dem Gewerbe stets äußerst stark war. Herr Groppler mag sich gratulieren, daß er den Posten noch zu einer Zeit erhielt, wo die Konkurrenz nicht allzu scharf war. Heute, wo dank Hitlers herrlicher SA mehr als hunderttausend Deutsche fachmäßig zu Henkersknechten ausgebildet sind, hätte Herr Groppler den Posten nicht so leicht erhalten. Aber auch zur Zeit des alten Königstums hatte er eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz zu überwinden. In den verruchten republikanischen Zeiten, wo man nicht unbedingt des Henkers als Staatsstütze bedurfte, hat sich ein sozialistischer Abgeordneter einmal der Mühe unterzogen, die Akten des Justizministeriums betreffend Schartrichteramt zu durchblättern. Er stieß dabei auf ein Bündel Bewerbungsschreiben von der letzten Ausschreibung der Scharirichtcrstelle her und konnte folgende Blüten zur Kenntnis nehmen; Ein Bewerber pries sich an mit der Begründung;„Ich eigne mich besonders zum Scharfrichteramt. weil ich jedes menschlichen Gefühls bar bin." Ein anderer, Fleischcrgeselle von Beruf, empfahl sich mit den Worten:„Es würde mir nicht mehr Skrupel verursachen, einen Menschen als einen Ochsen abzuschlachten." Den Vogel unter den Bewerbern aber schoß ein verbummelter ehemaliger Student der T h e o 1 o g i e ab. Dieser Gemütsmensch meinte: „Durch mein früheres Studium bin ich imstande, jedem Deliqucnten erst geistlichen Trost zuzusprechen, bevor ich ihm dann den Kopf a b s c h 1 a g e." Freuen wir uns, daß für Männer dieser kernhaften Art in Deutschland jetzt reichliche Arbeitsmöglichkeit, sei es legaler, sei es auch illegaler Art besteht! Unnütz zu sagen, daß diese Naturen sich mit Begeisterung der Gleichschaltung unterworfen haben: unter dem Vorsitz des Ehrenmannes Ley formieren sie die einheitliche deutsche Henkersfront. Joe. Zudithaus für Sprengstoff! Wenn es sich um Kommunisten handelt. Offiziös wird aus Berlin gemeldet: In einer gegen acht kommunistische Funktionäre geführten Verhandlung vor dem scblcswig- holsteinscben Sondergericht in Altona wurde einer amtlichen Nachricht zufolge festgestellt, daß bei der kommunistischen Partei der Plan bestand, die wichtige Hochbrücke, die bei Hoch- donn über den Kaiser-Wilhlem-Kanal führt, in die Luft zu sprengen. Die Betreffenden hätten bereits zwei Koffer mit Sprengstoff bereitgehalten und auch durch Messungen und Zeichnungen die beste Art der Ausführung vorbereitet. Der eigentliche geistige Urheber dieses Planes soll bisher noch nicht ermittelt worden sein. Der Hauptangeklagte wurde zu acht Jahren Zuchthaus, die übrigen Angeklagten wurden zu Zuchthausstrafen in der Dauer von eineinhalb bis zu sechs Jahren verurteilt. Sprengsfoffverbrechen waren neben Mordanschlägen die hauptsächlichtsen Kamptaaß- nahmen des Nationalsozialismus auf seinem Wege zur Macht. In Oesterreich werden auch heute noch fleißig Brücken und Bahnübergänge gesprengt. Wenn in Altona Kommunisten ins Zuchthaus müssen, weil sie daran gedacht hatte, das nationalsozialistische Vorbild zu kopieren, so geht es dabei offensichtlich nach dem Grundsatz neudeutscher Rechte, nach dem nicht mehr die Tat bestraft wird ohne Ansehen der Person, sondern umgekehrt, die Person wegen ihrer Gesinnung ohne Ansehen der T a t! Denunziert gefälligst Arbeiter! Laut Meldung deutscher Zeitungen hat Hitler in einem Brief an den Reichsstatthalter Loeger in Braunschweig erklärt, die Denunziationen gegen Unternehmer müßten aufhören, die Wirtschaftsführer fühlten sich sonst vogelfrei. Dafür dürfen oppositionelle Arbeiter nach wie vor denunziert werden, ja, für dieses Geschäft werden sogar Prämien gezahlt. Die Arbeiter fühlen sich nicht vogelfrci, sondern sie sind es! „Dass" und„wie"! Goebbels dichtet wieder.- 1*» Wenn die Nazis mit akrobatenhafter Hurtigkeit alle ihre außenpolitischen Forderungen abbauen, wenn Nazi-Rauschning sogar auf die „Befreiung von Danzig" mitsamt dem Korridor verzichtet, muß der Propagandachef schließlich auch eine Begründung für so viel Verrat dichten, Wozu hat er sich schließlich als mießer Romancier bewährt?! Und so stürzte sich denn der dichterische Josef Goebbels in einer Rede beim Gebictsaufmarsch der schlesischen Hitlerjugend in Breslau folgendermaßen auf die verdutzten Zuhörer: „Nicht d a B die alten Parteien den Krieg verloren, sondern w i e sie ihn verloren, nicht d a ß sie Reparationen zahlten, sondern wie sie Reparationen zahlten; nicht daß sie Gebictsverluste hinnahmen, sondern w i c sie diese Gebictsverluste trugen— das verbittert uns...." Wenn's keine Continachricht wäre, könnte man es für eine Greuelmeldung halten, denn der Schwatz besagt: Wir Nazis werden auch zahlen, werden die Gebictsverluste hinnehmen, werden noch weniger mucksen als die„Marxisten",— aber wir tragen es schwerer. Was man ja auch an den vielen Festen erkennt, die sie feiern und daran, daß sie wehrlose Marxisten quälen, während die Führer der„alten Parteien", die Kriegsverlierer und Kriegsver- dienler, heute zu Hitlers Hofe gehören. Die hungernden und verzweifelten Massen jedoch haben das alles vor Tisch anders gehört Ihnen kommts auf das versprochene „W a s" an, und der Tag naht, da auf Goebbels Dreh nur eine Antwort bleibt: Nicht allein, wie ihr alle Versprechungen und Forderungen zertreten habt, sondern d a B ihr sie zertreten habt; nicht allein wie ihr deutsches Land verraten, sondern daß ihr es verraten habt; nicht wie ihr jede Sozialisierung, sondern daß ihr versprochene Sozialisierung schuldig bliebt; nicht wie ihr keinen Vieriahresplan hattet, sondern daß Ihr keinen Vieriahresplan hattet; nicht allein wie ihr uns dauernd belogen, sondern daß ihr uns belogen habt,— das verbittert uns! Hinweg mit euch, ihr Gauner und Betrüger! Morgenstern ist arisdi. Der Münchener Verlaz Piper, der ehemals sein Hauptgeschäft mit den, J:ul turboische wi• stischen" Bächern von Dostofewski machte, versucht die Gedichte Christian Morgensterns auf den Markt zu werfen. Der Verlag betont in seiner Vcrlagsrekfame. Morgenstern sei durchaus arischer Abstammung gewesen. Eine neue Märtyrerliste aus dem Dritten Reich. Der in Holland geborene und auch dort ansässige Arbeiter Wilhelm D r e n t h soll am 23. Mal d. J. in einer an der holländischen Grenze gelegenen Ortschaft behauptet haben, was alle Welt glaubt, nämlich, daß der Reichsminister Göring den Reichstagsbrand herbeigeführt habe. Drenth, der angab, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, wurde nach Hannover geschleppt und dort vor ein Sondergericht gestellt. Man verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis. Der Schriftsetzer Henry Pinkepank aus Wolfenbüttel wird beschuldigt, in einem kleinen privaten Kreise über die SA. und über den Kampfflieger Richtholen abfällige Bemerkungen gemacht zu haben. Der Staatsanwalt des Sondergerichtes, vor dem sich Pinkepank zu verantworten hatte, bedauerte in seinem Plädoyer ausdrücklich, daß der Angeklagte seine Aeußerungen nicht in der Oeflentiichkeit gemacht habe, so daß er leider keine höhere Strafe beantragen könne als zwei Jahre Gefängnis. Das Urteil lautete entsprechend dem Antrage des sauberen Staatsanwalts. Bei dem Rohrleger Alfred S t ö t e r aus Wolfenbüttel war ein Gewehr und ein Sprengkörper gefunden worden, wie man ihn zum Wurzelroden benutzt. Er wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Der neunzehnjährige Tischler Franz Dill aus Braunschweig hatte ein einzelnes Exemplar einer„Maizeitung" in den Briefkasten eines anderen Arbeiters gesteckt. Er bekam dafür die Strafe von einem Jahr und einem Monat Gefängnis, Der 25 Jahre alte Kupferschmied Hans Rode hat mehrere Exemplare einer verbotenen Zeitung weitergegeben. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr und sechs Mo- Der Mann, nate Gefängnis. Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis. Die 39jährige Witwe T. aus Kassel beschuldigte am 20. Januar(!) den später zum Staatssekretär ernannten Dr. Roland Fr eisler, er habe versucht, in einem Prozesse Zeugen zu beeinflussen. Diese Aeußerung muß die Frau mit acht Monaten Gefängnis büßen. Die Angeklagten Oskar Schmitt und Friedrich Weber wurden wegen Verbreitung einer verbotenen Druckschrift zu je einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Geschäftsreisende Anton Meier aus Wernigerode hat fünf Exemplare einer verbotenen Zeitung weitergegeben. Er erhielt dafür eine GelängnlsstraSe von eineinhalb Jahren. In Hamborg wurde ein Schlächter zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil man bei ihm ein gegen die Hitlerdiktatur gerichtetes Flugblatt fand, das in Kopenhagen gedruckt war. Die große Strafkammer in Dessau verurteilte drei Arbeiter, die Schmährufe gegen die Nationalsozialisten ausgebracht hatten, zu Zuchthausstrafen von einem Jahr und sechs Monaten bis zu zwei Jahren und einem Monat. Der Gespannführer Richard Ewers, seine Frau und die Landarbeiterin Elsa Koch au« Beierstedt sollen am 18. April während der Frühstückspause auf dem Felde gesagt haben; die Nationalsozialisten hätten mehrere Leute grausam mißhandelt. Sie wurde zu je anderthalb Jahren Gefägnis verurteilt. Solche Urteile fällen die Gerichte im heutigen Deutschland täglich zu Dutzenden— ohne daß man es überhaupt erfährt! Arbelt beka „Veppiidctep Mapstsmus9' Was ein Nazi nicht zu wissen brancht lieber der Roheit und Flegelhaftigkeit der Nazis vergißt man bisweilen ihre bodenlose Un wissenhcit So ist bei der allgermetaen Empörung, die die Schimpfkanonade des„Arbeiter- vertreters" Ley in Genf auslöste, ein Sätzchen übersehen worden, das hier noch nachträglich aufgespießt werden soll, weil es die grenzenlose Unbildung dieses Nazi-Gehims widerspiegelt. Das Sätzchen lautet: Und so was(die von Ley so titulierten „Idioten von Südamerikanern'* sind gemeint), soll die gleichen Rechte haben wie wir. Das ist doch Marxismus in Reinkultur, diese verrückte Phrase, daß alles, was Menschenantlitz trägt, gleich sei! ■ Das muß immer wieder gebrandmarkt werden in der Presse. Wissen die Nazis, von wem die„verrückte Phrase", über die Ley sich so erbost, herrührt? Wir wollen ihnen den„Marxisten in Reinkultur", der sie geprägt hat, denunzieren; es war der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte(1762— 1814), und die„verrückte Phrase" von der Gleichheit all dessen, was Menschenantlitz trägt, findet sich— am Schluß seiner berühmten„Reden an die deutsche Nation". Dies sind die Reden, mit denen Fichte nach der Niederlage Preußens bei Jena i. d. Jahren 1807/1808 die Berliner Studentenschaft zu den Freiheitskriegen entflammte. Diese Reden schließen wirklich und wahrhaftig mit der Aufforderung Fichtcs an die freiheitsdurstige Jugend, ein Reich entstehen zu lassen, wie es die Welt noch nicht gesehen, ein Reich ohne Unterdrückung der Mehrzahl der Menschen als Sklaven, ein„Reich der Freiheit, gegründet auf Gleichheit all dessen, was Menschenantlitz trägt." Wenn das„Marxismus in Reinkultur" ist, so wären tatsächlich die Freiheitskriege von 1813- 1815 im Zeichen des Marxismus geschlagen worden! Das wäre umso wunderbarer, als der Vertreter des Marxismus. Karl Marx, erst 1818 das Licht der Welt erblickt hat! Wir schließen mit Ley:„Das muß immer wieder gebrandmarkt werden in der Presse." 9 von 10 adelig! Laut Berliner Wolfhneldung wurden folgende kommieurische Regierungspräsidenten endgültig ernannt: Prinz Philipp von Hessen(Kas> sei), Freiherr von Lünink(Westfalen), Freiherr Hermann von Lünlnck(Rheinprovinz), Dr. zur Bonsen(Köln-Rb.), von Menbart(Kassel), Freiherr von Oeynhausen(Minden), Dr. von Stockhausen, Zschlntzsck(in Wiesbaden), von Pfeiler(Kassel), Dr. von Bethke(Königsberg). Von zehn neuen Regierungspräsidenten sind also neun Adelige. Ernannt vom Führer der nationalsozialistischen„Arbeiterpartei". Sein Weg zum Ständestaat führt direkt znm Feudalismus zurück. Brief einer Apbeitep- frau aus dem Jahre 1932 Berlin, den 3. 7. 1932. • Liebe Hanna! Nun ist auch der Junge arbeitslos geworden. Kaum aus der Lehre entlassen, es ist eine große Sorge. Nur eins hilft uns durch die schwere Zeit: die beiden Kleinen sind im Kindcrhehn wenigstens tagsüber gut aufgehoben, sie bekommen dort auch besseres Essen. Gestern habe ich mir das Heim einmal angesehen, es ist noch nicht lange eröffnet. Du, die schönen hellen Zimmer und der Garten— das kann einen richtig froh machen. Wie die Kinder im Freien turnen und spielen und Farbe kriegen! Wie vergnügt sie sind. Weißt du, wenn sie immer ruhaus hocken, müssen sie ja verkümmern, auch seelisch, denn wie in einer arbeitslosen Familie oft die Stimmung ist, das weißt du ja selbst Gelacht wird kaum mal, und das ganze Leben sieht grau aus. Ich meine, es ist ein großer Segen, daß es wenigstens für die Kinder ein zweites Heim gibt, wo sie nicht in der engen Stube oder im schmutzigen Hof zu spielen brauchen und wo sie vor allem mal munter sein dürfen... und eine Verfügung von 1933... Die letzte Berliner Stadtvesordnetcnver- sammlung hat auf Antrag des nationalsozialistischen Staatskommissars Lippcrt beschlossen, sämtliche Kinderheime und Erziehungsanstalten der Stadt Berlin mit sofortiger Wirkung zu schließen. Konzentriert ohne Lager Der nationalsozialistische Kommissar von Pirmasens hat den„politisch Verdächtigen" verboten, ihre Wohnungen nach sechs Uhr abends und vor neun Uhr morgens zu verlassen. Klarheit bei Messe Letzte Nachricht: Der Verlag Rudolf Mosse hat die Zahlungen eingestellt. Herrn Karl Vetter, einst Reklamechef der Berliner Gastwirtsmcssen und verwandter Branchen, heute Generaldirektor der dem Juden Hans Lachmann-Mossc abgepreßten Rudolf Mosse-Stiftung G. m. b. H., besagtem Vetter ist durch das raehrzöllige Fett etwas an die Nieren gegangen. Er hatte es sich so schön gedacht! Mit den behenden Füßen, die so schnell den Boden der Tatsachen fanden, im direktorialen Zimmer auf und abgehend, aus gewichtiger Zigarre den blauen Dunst hervorstoßend, den er jahrelang mit erprobter deutscher Treue allen Freunden vorgemacht hat, so also überlegte er: „Diese undankbaren Banditen, von jüdischen Lesern bestellen haufenweise das„Berliner Tageblatt" ab, trotzdem ich daraus eine braune Zeitung gemacht habe, neben der doch sogar der„Völkische Beobachter" erröten muß. Halt. ich hab's, ich muß diesen Judenschweinen noch deutlicher zeigen, wie ich mich für sie geopfert habe, um ihnen das„Tageblatt" zu erhalten! Ich werde dem Zeiz sagen, er solle in der „Brücke" über das Thema„Die Juden in Deutschland" schreiben lassen! Also Zeiz soll mal kommen"! Und A. H. Zeiz kam, denn er kommt immer. Er kommt, wenn feanz Rot die Modecouleur Ist und Spartacus das Messehaus besetzt und man sich dabei im Zimmer Wolfis, des„Tageblatt- Chefredakteurs", einige Tage lang als journalistischer Berater des Besatzungschefs aufspielen und großmächtig Ausweise unterschreiben kann. Er kommt, wenn, im Spiel der Farben, die sogenannte Demokratie sich rosa schminkt. Er kommt, wenn nach langer Nacht Deutschland erwacht und allen, die das noch nicht gewußt haben sollten, zum Zeichen der nationalen Erhebung die Augen blau und die Rücken braun geschlagen werden. Dann marschiert A. H. Zeiz wieder Titelseite an Titelseite mit den neuen Kameraden und befolgt jedes Klingelzeichen. Zeiz ließ sich's von seinem Vetter nicht zweimal sagen, setzte sich auf den verläßlichen Hintern und diktierte Schreibcbriefe an alle, die da berufen sind, den jüdischen Lesern des „Tageblattes" mit der ganzen Aufrichtigkeit ihres deutschen Gemüts zu versichern, daß mau es eigentlich mit den„lieben Juden" gar nicht so schlecht meine. Da hat der Zeiz das nun so fein gefingert und mit dem Köder dicker und ausnahmsweise sofort zu bezahlender Honorare die trefflichsten Zeugen für den Opferdank des„Tageblatt" für das deutsche Judentum herangeholt.— Dennoch sind die unersättlich-jüdischen Leser undankbar genug, erst recht in hellen Haufen auf das bedruckte Kloscttpapier zu verzichten. Und jene Menschen, die unverschämt genug waren, den Aufenthalt im Ausland dem in Hitlers Zuchthaus-Deutschland vorzuziehen, diese Aufsässigen hatten gar die Unverschämtheit, zersetzende Kritik an dieser Kulturgroßtat zu üben. Das ist, wie gesagt, unserem lieben Vetter durch die ausgiebigen Fettpolster an die Nieren gegangen. Was tut man da? Man kommandiert den willfähigen Auslandskorrespondenten des Blattes, sofort aus den sie beherbergenden Ländern zu schreiben, welch gewaltigen Widerhall dort die„Diskussion"- in dem„deutschen Weltblatt" gefunden habe. So war es dann schwarz auf weiß zu lesen, daß man in London, Paris, Warschau, Prag. Budapest und Stockholm tagelang die eigenen Sorgen vollkommen vergessen und von nichts anderem als der Publikation im„Tageblatt" gesprochen hat Aber jerfen„gewissenlosen Grüppchen, namentlich In Wien und Prag", wird es„in vollstem Einverständnis auch mit unseren jüdischen Redaktionskollegen" von der„Gesamtredaktion des Berliner Tageblafts" folgendermaßen und ordentlich gegeben:„Die, Kaffeehaus-Literaten und Schmocks, die bei ihrem vorübergehenden Gastspiel in Deutschland nur Durchfälle erleben konnten oder ihre Scheinerfolge lediglich dem Zusammenhalten ihrer Clique zu verdanken hatten, haben zu keiner Zeit etwas mit uns gemein gehabt. Sic spielen sich jetzt auf Kosten derer, die würdig ihr oft schweres Schicksal tragen, als Märtyrer auf und fühlen sich vollkommen zu Unrecht berufen, aus ihren sicheren Winkeln Schmutz und Unrat über unsere ernsten und aufrichtig gemeinten Bemühungen auszugießen." Also haben»ich die Pinners, Sinsheimers und sonstigen Konzessions- Juden wieder einmal für einige Wochen das Wohlwollen Ihres Göbbels' erkauft. Und Ihr Vetter wird weiter das ihm gebührende Vertrauen seiner neuen(wievielten?) Gesinnungsgenossen genießen, als ihr junger Mann in den Gesamträumen der jüdischen Ausgabe des„Völkischen Beobachters" schalten können. Allerdings wenn-- —— wenn nicht inzwischen selbst Nazi- Behörden Bedenken kommen, neben ihrem Obersten Hauptmann von Köpenick noch einen zweiten Köpenicker zu dulden. Denn mittlerweile ist die Methode ruchbar geworden, mit deren Hilfe des Vetters Karl das Unternehmen Rudolf Mosse-Haus in seine braunen Händchen zu bringen verstand. Zuckmayer hätte Stoff zu einer noch aktuelleren Komödie, also: Wenn man in den Tagen der„nationalen Revolution" durch das Mosse-Haus in der Jcrusalemerstraße ging, sah man allerorten und aller Oertchen stündlich sich vermehrende Tagesbefehle plakatiert, die in den größten Lettern unterzeichnet waren„Ohst, Staatskommissar". Ein Herr Ohst war nämlich eines Tages bei dem„reichsten Lehrling von Berlin", genannt Lachmann-Mosse, in der schönen, in der neuen braunen Nazi- Uniform erschienen, hatte statt jeder besonderen Legitimation zwei Pistolen auf den Tisch gelegt, bestellte sich als„Staatskommissar für das Rudolf Mosse-Haus" und streckte dann seine deutschen Beine unter den Tisch im Zimmer des Tagblatt-Chefredakteurs. Wie war er ins Haus gekommen, wer hatte ihn geschickt? Jetzt ist es heraus: Zwischen Vetter und Ohst bestanden schon lange vor dem 5. März recht herzliche Beziehungen, er war die Rückversicherung des strammen Republikaners und lieferte für Gutes, dem jüdischen Mosse-Vcrlage entnommenes Geld verläßliche Nachrichten aus der Hitlerpartei. Als nun die„nationale Erhebung" kam. ohne den unermeßlich macht- und herschsüchtigen Vetter in den Rang eines Chefs des gesamten Hauses erhoben zu haben, war der Plan zwischen zwei Edelmännern schnell beschlossen:„Du, lieber Ohst, kommst einfach als„Staatskommissar", mistest den Laden aus und machst mit dem Juden Lachmann ganz kurzen Prozeß. Jetzt muß er raus, und wenn ich erst den Laden in der Hand habe, dann sollst Du mal sehen!" So beschlossen, so geschehen. Ein Greuelmärchen? Nun, dann lest gefälligst die hier folgende amtliche Erklärung des Berliner Polizeipräsidiums: „Polizeipräsidium der Stadt Berlin Abteilung 1. An...... Auf Ihr gefälliges Schreiben vom.... teile ich-Ihnen ergebenst mit, daß weder vom Polizeipräsidium noch von einer anderen amtlichen Stelle ein Kommissar beim Verlage Rudolf Mosse eingesetzt worden ist. Ebenso ■wenig Ist von mir eine Anregung über Per- sonalentiassungen oder Kürzungen von Gehaltszahlungen ergangen. Die Aufnahme des Herrn Ohst in dem Verlag beruht auf freien Vereinbarungen zwischen dem Verlage und Herrn Ohst Die Vereinbarungen sind ohne Mitwirkung und Wunsch einer behördlichen Stelle getroffen worden. Die von dem Vertreter des Verlages Rudolf Mosse vor dem Arbeitsgericht gemachten Angaben sind daher nicht zutreffend. Es ist selbstverständlich, daß der Verlag seinen tariflichen und sonstigen Verpflichtungen nachzukommen hat gez. Reinke. Sicher hätten die beiden munteren Knaben noch lange an der Quelle sitzen können und Ihr Krug wäre weiter zum Brunnen gegangen, wenn nicht der peinliche Zwischenfall mit Hanussen gekommen wäre. Jedenfalls: Karlchens Köpenickiadc ist entlarvt. Sein Osaf von Köpenick hat ausgespielt Glaubt nur, Ihr„gewissenlose Grüppchen, namentlich in Wien und Prag", Ihr Kaffehaus- Literaten und Schmocks", der Generaldirektor der Rudolf Mosse-Stiftung G. m. b. H, würde Jetzt sehr gerne mit Euch tauschen! Aber, wer möchte es! Als er damals, in den Frühlingstagen der„nationalen Revolution", mit beiden Plattfüßen den Boden der Tatsachen betrat eröffnete er seine fröhliche Reise ins Dritte Reich mit dem Imperativ„Klarheit!" Nun, man hat vollste Klarheit über ihn. Den Tattiestand kann selbst ein Tintenfisch des„Berliner Tageblatt" nicht mehr verdunkeln. Waldemar Grimm. Moskau freut sich über Hitlers Regierungskunst. riPOBHblM UUAP m-n m .«wot. uhemnc r-iM nrouErr» Arbelterspriidie Hitler gib uns Brotl Sonst werden wir rot! • Lieber Gott, oh mach mich stumm, Daß ich nicht nach Dachau kumm. • Hakenkreuz ist Hungerkreuz. ♦ Pg— sind wenige Pj= sind viele.' An die Futterkrippe wollen sie alle. SA— Siehste Adolf SS— So en Saustall Audi die Börse wird arisdt Am 30. September erlöschen sämtliche fidr- senzulassitngen der Berliner Makler. Ausgc- schallel werden sollen, laut offiziöser Meldung„Elemente, die nach Herkunft, Gesinnung und Betätigung nicht an die Börse gehören." Wie die tollhäuslerische Kolonialdenkschrift der deutschen Regierung, die der Weltwirtschaftskonferenz vorgelegt wurde und die man dann vergeblich Herrn Hilgenberg allein aufzubürden versuchte, in Rußland gewirkt hat, zeigt die obenstehende Zeichnung aus der Moskauer „Iswestja". Die Stimmung gegen Deutschland hat sich in Rußland aber noch weiter verschärft, als bekannt wurde, daß Berlin mit Tokio über einen Vertrag verhandelt, der sich naturgemäß nur gegen Sowjetrußland richten könnte und der ja auch ganz in der Richtung des Planes liegen würde, den die Denkschrift entwickelt, nämlich Teile des russischen Reiches von Deutschland aus zu kolonisieren. Das tolle Treiben der Hitlerregierung wurde so für Rußland ein letzter Anlaß zum Abschluß von Verträgen, die es schon seit längerer Zeit vorbereitet hatte. Zu seinem Nichtangriffspakt mit Polen hat es einen neuen mit der kleinen Entente hinzugestellt, Karl R a d e k erschien als Friedens- und Freundschaftsbote in Warschau und auch der Streit mit Rumänien wegen Bessara- bien wurde begraben. Inzwischen schloß Rußland einen neuen Frieden mit England, indem es den in einem Schädlings- prozeß verurteilten englischen Ingenieuren die Freiheit zurückgab und dafür die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen anstrebte. Auch in Paris und in Washington arbeitet Moskau mit sichtbarem Erfolg an der Verbesserung seiner Lage. Man kann zusammenfassend sagen, daß Hitlerdeutschland dem bolschewistischen Rußland denselben Dienst geleistet hat, wie dem französische«„Erbfeind". Seit Hitler in Deutschland am Ruder ist, steigt das Prestige dieser beiden Staaten von Tag zu Tag, während das Ansehen Deutschlands in dem gleichen Tempo sinkt. Herr G ö m b ö s, der ungarische Ministerpräsident, der vorwitzig eine Sympathiereise nach Berlin unternommen hatte, mußte gleich darauf nach Wien fahren, um sich deswegen zu entschuldigen. Aushalten, Brüder! Der große Wahlsieg in Finnland. Auch in Finnland wütete einmal der weiße Terror und mordete tausende unserer Brüder. Jetzt ist die faschistische Welle in diesem Land vorbei, wie die letzten Wahlen zeigten, die der Sozialdemokratie einen gewaltigen Aufschwung brachten. Da wir annehmen, daß die gleichgeschaltete Presse in Deutschland sich still um diese Tatsache herumdrücken wird, bringen wir nachstehend das Ergebnis: Sozialdemokraten 88 66+22 Faschisten 32 42—10 Konservative 54 59— 5 Fortschrittler 11 11— Schweden 21 21— Kleinbauern 4 3+1 Das ist die Katastrophe der Faschisten, die 25 Prozent ihres Besitzstandes verloren. Die Sozialdemokratie hat mit 88 Mandaten von 210 insgesamt 43 Prozent aller Wähler hinter sich. M DIE HISTORISCHE AUFGABE DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATIE v � w w �— w——"• preis Kö 1.— REVOIIIIION cccen MITUR Was sagt man in Holland? Amsterdam, Mitte Juli. In Holland gibt es zwar mehrere faschistische Parteigrüppchen, von denen die eine mehr zu Mussolini, die andere mehr zu Hitler neigt, aber die Holländer sind ein ziemlich antimilitaristisches Volk; und so gerne sie auch am Straßenrand Spalier bilden, um einen Zug von Reklamefahrzeugen oder eine Propagandafahrt jugendlicher Radfahrer auf blumengeschmückten„Fietsen" anzustaunen, — einem uniformierten Aufmarsch in Viererreihen und Gruppenkolonnen begegnet der Fremdling hier kaum. Damit soll nicht gesagt sein, daß es im holländischen Bürgertum an latenten Sympathien für den faschistischen Gedanken fehlt. Aber ein allzustarkes Aufkommen irgendwelcher Sympathien für den deutschen Hitler- Nationalismus wird durch eine sehr geschickt und betriebsame Agitation gegen Deutschland verhindert, die freilich nicht ausgeht von irgendwelchen landesverräterischen Marxisten oder Juden, sondern von der deutschen Regierung selber durch die ununterbrochene Kette ihrer provokatorischen Maßnahmen. Die holländische Regierung hat jetzt eine Anweisung an die Polizeibehörden herausgegeben, die politische Tätigkeit der Ausländer schärfstens zu unterbinden. Diese Verordnung richtet sich weniger gegen die deutschen Emigranten, die in dem teuren Lande nicht eben zahlreich sind, als gegen die Agenten von jenseits der Grenze, die sich namentlich in der Provinz Limburg unangenehm bemerkbar machen. In Limburg arbeiten 25.000 deutsche Bergarbeiter, die, man jetzt „gleichzuschalten" versucht, indem man ihnen androht, sie würden andernfalls bei ihrer Rückkehr nach Deutschland die schlimmsten Erfahrungen machen. Daneben wird auch für den Anschluß der Provinz Limburg an das Dritte Reich Propaganda getrieben, Leiter dejr Bewegimg ist ein gewisset Conrad Tykow, der vor kurzer Zeit als Angestellter in das deutsche Konsulat der Provinz berufen wurde. Das schlug dem Faß den Boden aus, und es kam die neue Verordnung. Aber auch die wirtschaftlichen Maßnahmen der Hitlerregierung reizen die Holländer bis aufs Blut Erst waren es die Autarkiemaßnahmen Deutschlands, die Schließung der Grenzen, die dazu führten, daß den holländischen Gemüsebauern die Ernte auf den Aeckern verfaulte. Nun wird durch Schachts neues Transfermoratorium die Existenzfrage für unzählige städtische Bürgerfamilien gestellt. Eine Enquete der Niederländischen Bank hat ergeben, daß 47.500 in Holland ansässige Personen oder Firmen Forderungen nach Deutschland, und zwar in einer Gesamthöhe von 1044 Millionen Gulden(nahe an zwei Milliarden Reichsmark) haben, d. h., der größte Teil der niederländischen Bourgeoisie ist an den deutschen Zahlungen unmittelbar oder mittelbar interessiert Nach dem bislang bestehenden Transfer-Moratorium bekamen die Gläubiger zwar nicht ihr Kapital, wohl aber ihre Zinsen aus Deutschland heraus. Wenn sie jetzt auf Grund der einseitigen Maßnahmen Deutschlands auch keine Zinsen mehr bekommen, so bedeutet das für Zehntausende von niederländischen Rentnerfamilien das Nichts! Daß sich diese aufgeregten Leute mit dem bloßen„Wir können nicht zahlen" Schachts nicht begnügen, liegt auf der Hand. Zumal sich nach einigen Verhandlungen und angedrohten Repressalien der- betroffenen Länder bereits gezeigt hat, daß Deutschland selbst zugab, mindestens 50 Prozent seiner Zinsverpflichtungen in Valuten zahlen zu können. Man betrachtet Schachts Vorgehen als ein reines Erpres- sungsmanöver, und auch die angekündigte Transferierung des halben Zinsbetrages hat keine Beruhigung geschaffen, denn noch ist die Frage ungelöst, wer das Valutenrisiko für die in Deutschland verbleibende andere Hälfte trägt. Diese Frage ist besonders auch deswegen dringlich, weil eine Reihe deutscher Großschuldner— unter offensichtlicher Begünstigung der Hitler-Regierung— jetzt das Sinken des Dollars auszunutzen suchen, um ihre ausdrücklich auf G o 1 ddollar lautenden Schuldbeträge zum weit tieferen Kurse des Papier- dollars zurückzuzahlen.< i .Die holländische Regierung hat nun ein Clearing-Gesetz erlassen, das sie ermächtigt, direkte Zahlungen an Länder, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, zu verbieten und diese Zahlungen an eine niederländische Clearingstelle zu dirigieren. Das Gesetz nennt keinen Namen, aber jedermann weiß, daß es sich gegen Deutschland richtet. Holland dreht den Spieß um und sagt: „Zahlt ihr nicht, so zahlen wir auch nicht." Und das ist sehr bitter, denn immer noch sind die Niederlande eines der bedeutendsten Einfuhrländer für die deutsche Industrie. Diese kann jetzt zwar weiter nach Holland liefern, aber Zahlung in Gulden soll sie nicht mehr erhalten. Die Zahlungen sollen vielmehr zurückgehalten und zur Befriedigung der Holländer verwendet werden, die ihre Zinsen aus Deutschland nicht herausbekomemn. Mit anderen Worten, von Holland kommen keine Devisen mehr nach Deutschland herein. Man behauptet hierzulande, daß die niederländische Regierung mit ihrem Vorgehen nicht alleinsteht, sondern daß auch andere Länder, vor allem die Schweiz, die sich Deutschland gegenüber in einer ähnlichen Lage befindet wie Holland, zu gleichen Maßnahmen zu greifen entschlossen sei. Die Zukunft wird lehren, wie lange das Kartenhaus der gänzlich ungedeckten deutschen Reichsmark solche Erschütterungen ertragen kann... Internationale Planwirtsdiaft Forderung des Internationalen Gewerkschafts- bundes. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat an die an der Weltwirtschaftskonferenz beteiligten Mächte ein Manifest gerichtet, dessen Forderungen auch nach dem ruhmlosen Ende der Konferenz ihre Bedeutung behalten. Die Forderungen gipfeln in dem Verlangen nach Arbeitszeitverkürzung. Durch eine internationale Konvention soll zunächst die 40"Stunden-, bezw. S-Tage-Woche als Höchstdauer der Arbeitszeit in allen Ländern und allen Betrieben ausnahmslos gesetzlich eingeführt werden. Ferner soll ein umfassendes Programm öffentlicher internationaler Arbeiten zur Durchführung gelangen. Da die private Initiative versagt, muß der Ausfall durch Aufträge des Staates und der Betriebe der öfentlichen Hand ausgeglichen werden. Die Finanzierung wäre wesentlich erleichtert, wenn die unsinnigen Rüstungen eingestellt und die freiwerdenden Mittel produktiv angelegt würden. Der Internationale Cewerkschaftsbund hält ferner den Abschluß eines Zollfriedens als international verpflichtendes Abkommen, dem ein systematischer Abbau der Zollmauern folgen muß, für dringend erforderlich. Ebenso wie der Handelskrieg muß auch der Währungskrieg beseitigt und In Zukunft vermieden werden. Der Internationale Cewerkschaftsbund Ist mit den Sachverständigen der Meinung, daß Teilmaßnahmen zu keinem dauernden Erfolg führen werden. Er bleibt der Auffassung, daß nur Ine grundsätzlicher Umbau der Wirtschaft und eine grundsätzlich neue Wirtschaftsführung, die allein in der Richtung der Planwirtschaft liegen kann, das Wohlergehen der ganzen Menschheit zu sichern vermag. Bei gleichzeitiger Stärkung der Konsumkraft der Völker würden folgende Forderungen dem Wirtschaitschaos ein Ende bereiten und der allein menschenwürdigen Form der Be- darfsdeckungswirtschaft den Boden ebnen: planmäßige Rohstofiwirtschaft, Produktionsregelung und plän- mäßige Güter Verteilung mit dem Ziele erhöhten eVrbrauchs durch Konsumsteigerung; insbesondere Errichtung einer internationalen Produktfons- und Verteilungsplanstelle, Schaffung international verpflichtender Produktionsabkommen; planmäßige Kapitalpolitik, ausgerichtet auf ein großzügiges internationales Arbeits- beschaffungsprogramm; u. a.: Schaffung eines internationalen Finanzierungsinstituts; planmäßige Kreditpolitik, der die Streichung der Kriegsschulden und die Liquidierung der kommerziellen internationalen Clearing- und Amortisationsbank,— Bankenkontrolle; Errichtung eines internationalen Wirt- scbaltsamtes und eines internationalen wirtschaftllchcnSchiedsgerichts h o f e s, deren Aufgaben es sind, unter entscheidender Mitwirkung der organisierten Arbeiterklasse diese irtschaltlichen Planmaßnah- men einzuleiten und zu kontrollieren und die Durchführung insbesondere der handelspolitischen Abkommen und Vertrage zu überwachen. Abnahme der Arbeitslosigkeit? Potemkinsche Dörfer! Vor sechs Monaten hat Hitler die Beseitigung der Arbeitslosigkeit angekündigt. Aber die Arbeitslosen haben noch nichts verspürt, daß dieses Versprechen erfüllt wird. Noch immer weist selbst die amtliche Statistik rund fünf Millionen unterstütze Arbeitslose nach. Gew iß ist in den günstigen Monaten des Sommers die Arbeitslosigkeit um etwa 600.000 geringer als in den ungünstigen Wintermonaten. Aber die Abnahme der Arbeitslosenzahl um 1,200.000, die Hitler vor 14 Tagen behauptete und von zwei Millionen Arbeitslosen, wie er vor einer Woche sagte, besteht nur in seiner Phantasie. Abgesehen von der natürlichen Abnahme der Arbeitslosen hat sich die Lage am Arbeitsmarkt in keiner Weise gebessert. Alles was die amtliche Statistik darüber zu erzählen weiß, ist trügerisch oder Schwindel. Viele hunderttausende von Arbeitslosen erscheinen jetzt nicht mehr in der Statistik, weil man ihnen die Unterstützung genommen hat. Andere Arbeitslose werden nicht mehr gezählt, weil der Staat sie als Landhelfer vermietet, in den Arbeitsdienstgesteckt oder zu Hilfspolizisten gemacht hat. Auf diese Weise kommen die günstigeren Zahlen zustande, die allerdings nur auf dem Papier eine Besserung der Wirtschaftlage ankündigen. Deutschlands Wirtschaftslage ist nach wie vor trostlos. Irgendwelche ernsten Anzeichen einer natürlichen Belebung sind nicht festzustellen; im Gegenteil, der Außenhandel schrumpft weiter zusammen, die Konsumkraft im Innern nimmt ab, die kümmerlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Hitlers sind, soweit sie nicht überhaupt potemkinsche Dörfer darstellen, wie der Bau des Tunnels vom Anhalter zum Stettiner Bahnhof in Berlin, zwar sehr kostspielig, aber doch nicht umfassend genug, um eine große Zahl von Arbeitslosen in Beschäftigung zu bringen. Von allen Schichten des Volkes, die Hitler bewußt betrogen hat, sind die A r- bcitslosen am schlechtesten dran. Arbeit wird Hitler ihnen nicht verschaffen, aber die Unterstützung wird er ihnen kürzen. Die Lebensmittel hat er ilmen schon verteuert und dadurch ihre Lebenshaltung verschlechtert. Nun kommt aber auch noch die Zeit, wo die Unterstützung durch die Inflation völlig in nichts zerrinnt. Hitler schwingt den Bettelsack. Trotzdem 300 Millionen neue Steuern. Es muß schlecht um Hitlers Kasse und um die Kasse des Reiches stehen. Man schwingt schon den B e 1 1 e 1 s a c k, um Geld zu beschaffen. Das neueste ist eine„freiwillige" Arbeitsspende. Einstweilen ist das Ergebnis dieses Appells sehr dürftig. Aus einem Aufruf des Staatssekretärs im Rcichsfinanzministerinm, Reinhardt, ersieht man, daß der Druck mit der Hungerpeitsche und die Gefahr der Intcrnierung im Konzentrationslager zwar ausgereicht hat, um einige Beamte, Angestellte und Arbeiter zu zwingen, einen Teil ihTes Lohnes als Spende zu entrichten. Aber von Unternehmern wird etwas derartiges noch nicht einmal mitgeteilt. Ueberhaupt hütet man sich, Zahlen über den Ertrag dieser Spende anzugeben. Die„Spende" ist natürlich nichts anderes, als ein gewöhnlicher Abzug an Lohn oder Gehalt. Im Dritten Reich müssen nur Arbeiter, Angestellte und Beamte zahlen. Das hat die ,.E h e s t a n d s h i 1 f e" bewiesen, die von der Hitlerregierung eingeführt worden ist. Sic ersetzt die alte Ledigensteuer, die nur 1 Prozent betrug, während die Ehestandshilfe mindestens 2 Prozent ausmacht. Außerdem wird diese Steuer In erster Linie von den kleinen Leuten erhoben. Sie muß bereits bei dem Einkommen von 76 Mark mit 2 Prozent entrichtet werden. Bei einem Einkommen von 150 Malrk beträgt sie 3 Prozent, bei 300 Mark 4 Prozent, bei 500 Mark 5 Prozent. Eine weitere Steigerung findet nicht statt. Dort also, wo die Steuer erst beginnen sollte, hört die Erhöhung bereits auf. Die Steuer ist also wesentlich unsozialer gestaltet als die Einkommensteuer. Sie ist eine brutale Belastung der kleihen Leute, dagegen ist eine sehr wesentliche Entlastung der hohen Einkommen. Selbst in rein kapitalistischen Staaten werden die kleinen Einkommen viel besser behandelt. So hat vor kurzem der Kanton B a- s e 1 eine Sozialsteuer eingeführt, bei der alle Einkommen unter 2000 Franken steuerfrei sind, während Einkommen von 50.000 Franken einen Zuschlag von 15 Prozent zu zahlen haben. Allein durch Ehestand sbeihilfe und F e 1 1 s t e u e r, die beiden einzigen Steuererhöhungen, die das Hitler-Regime gemacht hat, werden den unteren Schichte n des Volkes dreihundert Millionen Mark, gestohlen. Jede Familie verdankt also Hitler auf diesem Weg eine Einkommensminderung von 30 Mark. Sie wird zu Geschenken an die Reichen benutzt! VDH. Augen rechts! , flach dem Liede„Volk ans Gewehr.'" trug ein Jmsan gestellt er einige Stellen aus dem Jmperium teutonicum" Wilhelm Stapels vor. Nach dem Kommando:.Stillgestanden! Augen rechts!", wurde die Verbands/ahne des DHV eingeholt und an ihrer Stelle die Hakenkreuz- lohne gehißt"(.Jiannov. Kurier,,) Siegheil „Mit zusammengeschlagenen Hacken klang dann aus jungen kehlen als Ausdruck ehrlichen Bekenntnisses zum neuen Werk ein dreifaches Siegheil und das darauf von der Musik angesetzte Schlußlied Horst Wessels."(Aus einem Bericht der„Kölnischen Volkszeitung".) Süßheil .Der Präsident des deutschen Konditoren- bundes. Funke-Kaiser, rühmte die Verdienste der Dresdner Innung und des sächsischen Verbandes. Er brachte auf sie ein dreifaches Süß• H eil aus."(Bericht der.Dresdener Nachrichten".) Ileberall Juden! Streichers Zeitschrift, der„Stürmer" in Nürnberg„enthüllt", daß der gegenwärtige Papst das uneheliche Kind einer holländischen Jüdin namens Lippmann sei. Nach derselben Quelle stammen die Habsburger von einem getauften Juden namens Petrus leonis(Löwensteini). 17. Kind— 20 RM. Offiziös wird gemeldet: Dem Arbeiter Karl Seidl in Kreuz wurde das 17. Kind geboren und dem Reichskanzler Hitler die Ehrenpaienstelle angeboten. Der Reichskanzler hat die Patenschaft angenommen und den Eltern in einem Schreiben seine besten Glückwünsche zu dem Kinde ausgesprochen. Dazu hat der Reichskanzler eine Ehrengabe von 2 0 RM. den Eltern überweisen lassen. ..AuRermusikalisdic Gründe** Das 63. deutsche Tonkünstlerfcst hat Enttäuschung hervorgerufen. Große Zeitungen stellen seine Uncrgiebigkeit unumwunden fest. Die.frankfurter Zeitung" bemerkt, daß„aus außermusikalischen Gründen in letzter Stunde noch einige Werke ausgewechselt worden waren". Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" charakterisiert einige der aufgeführten Stütke als Stücke„völliger Einfallslosigkeit". Das Ergebnis ist gleich null. Zeitungstarif bcw. m. P. D. ZI. 159.334/VII.1933. Haben Sie schon die Broschüre: Revolution Segen Hitler die historische Aufgabe der eutschen Sozialdemokratie bestellt? Es lohnt sich, dieses erste Dokument nach dem„Verbot" der Deutschen Sozlnldemokrotle Soffort zu lesen. Preis d. Schrift Kö!•-. Umfang 16 Seiten mit Umschlag. Bestellungen an: '„NeuerVorwärts", Verwaltung Karlsbad Haus Graphia.