S e 12 " e 3. Nr.6 Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Fernsprecher Nr. 1081. Herausgeber: Ernst Sattler, Karlsbad. Verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn, Karlsbad. Druck:„ Graphia", Karlsbad. Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Die Mörderregierung den. schweigt! Stellings Tod in ganz Deutschland totgeschwiegen Johannes Stelling ist in der vori- den ist. Sie kennt die furchtbare Schläch- Ehrung von MinisterUeber Deutschland aber liegt tiefes Schweigen. mördern. um SONNTAG 23. Juli 1933 Bezugspreis für die CSR.: Einzel- Nummer. Kč 1.40 Monatlich Vierteljährlich 99 6.• 99 18.Bezugspreis für das Ausland Einzel- Nummer Monatlich Vierteljährlich • Kč 2.99 8.• 24.99 Amtliche Blutrache Ich begreife nicht, wie ein ehrliebender Mann, wie ein gerechtes Herz in einem Lande wohnen kann, das von Affen bewohnt wird, die sich in Tiger verwandelt haben.... Glauben Sie mir, es ist notwendig, daß die vernünftigen Männer der Menschheit gegen diese wahnsinnige Barbarei zusammenhalten. Voltaire i. J. 1766 an Didrot. Die Blutrache besteht so glauben wir nur noch in ein paar vergessenen Winkeln Europas, in Korsika, in Albanien. Nur dort hat sich dies nahm die Welt wenigstens Man hat sich geirrt. Das wiedererwachte zum System der gen Woche bestattet worden. Die Presse terei, die sich damals in Köpenick abspielte der ganzen Welt hat von seiner schmach- und die nach einem Bericht der„, Arbeitervollen Ermordung und den Vorgängen bei zeitung" nicht weniger als zwanzig Auf der Burg Saaleck ist jetzt eine Geseiner Einäscherung berichtet. Sozialisti- unschuldigen Menschen das Le- denktafel für die Rathenau- Mörder Kern an der schauerliche Grundsatz ältester Barsche und bürgerliche Blätter haben Artikel ben gekostet haben soll. Sie weiß, daß und Fischer unter großen Feierlichkei- barei erhalten, daß für die Tat eines Menschen veröffentlicht, die das Werk und das rei- Anton Schmaus nur in Notwehr ten enthüllt worden. Die beiden hatten vor seine gesamte Familie haftbar ist. ne Wesen des Ermordeten nach Verdienst schoß, daß dafür nicht nur er, sondern 10 Jahren den Außenminister Walter Rawürdigten. Trauerfeiern haben stattgefun- auch sein Vater abgeschlachtet, die un- thenau meuchlings erschossen und danach Deutschland des Jahres 1933 hat sich glückliche Mutter blutig geschlagen und in ihr Heil in der Flucht versucht. Sie wur- neben einer Reihe anderer mittelalterlicher den Wahnsinn getrieben wurde. den aber nach aufregender Jagd auf der Prinzipien auch wieder Die Hitlerregierung kennt diese Taten. Burg Saaleck gestellt und erschossen sich Blutrache bekannt. Dies ist der eindeuWer in Deutschland nur reichsdeutsche Sie deckt sie. Sie weiß, daß sie für sie selbst, als sie keinen Ausweg mehr sahen. tige Sinn der amtlichen Verlautbarung zum Jetzt behauptet die Gedenktafel, die Falle Scheidemann, die besagt, daß weBlätter sieht und wie schwer ist es, die Verantwortung trägt. Sie schützt die beiden seien den Heldentod gen eines angeblichen Artikels Scheidemanns andere zu bekommen der erfuhr nichts Mörder, indem sie jedes Wort der Anklage Deutschland" gestorben und der in der„ New York Times"- der in Wirkvon den grauenvollen Vorgängen in Köpe- gegen sie mit allen Mitteln der Gewalt er- Stabschef Röhm erklärte feierlich:„ Euer lichkeit ganz wo anders erschienen war und nick, nichts von dem Tode Johannes Stel- stickt. Sie ist mit den Mördern solidarisch, Geist, Kern und Fischer, ist der Geist der einen ganz anderen Sinn hatte, als man in lings. Keine Zeitung durite diese Dinge denn sie ist selber des Mordes schuldig, SS., der schwarzen Soldaten Hitlers". Berlin feststellte fünf in Deutschland leDie Sozialdemokratische Partei hat bende nahe Verwandte Scheidemanns Strengstes Schweigen war allen anbefoh- hundertfach und tausendfach! stets den individuellen Terror abgelehnt. verhaftet und in ein KonzentrationsDie Hitlerregierung hat den Fememör- Es ist wichtig festzustellen, daß die jetzt lager gebracht worden sind, anstatt des der Heines zum Polizeipräsidenten ge- in Deutschland allein regierende Natio- Verfassers, dessen man nicht habhaft werden Dieses Schweigen ist das macht. Sie hat den Mördern Rathe- nalsozialistische Partei ihn feierlich sank- konnte. Dies Exempel solle allen VerleumSchweigen des schlechten Ge- nau's eine Gedenktafel gestiftet. wissens. Welche Belohnung, welche Ehrung hat offiziell auf den Standpunkt gestellt, daß tioniert hat. Die Hitlerregierung hat sich dern Deutschlands" zur Warnung dienen. Gehört man, so fragen wir zu den„, VerDie Hitlerregierung, die den ausländi- sie für die Mörder unseres Johannes die Tötung amtierender Minister eine im leumdern", wenn man diese amtliche Darstelschen Korrespondenten vorzulügen ver- Stelling? Interesse des Volkes notwendige, nütz- lung festnagelt als Bruch aller Rechtssuchte, Stelling sei ,, wahrscheinlich" ins Das Gebot, über Stelling zu schweigen, liche und rühmenswerte Tat sein kann. grundsätze, die länger als ein JahrtauAusland entkommen, weiß, daß dieser un- ist das Geständnis der Schuld. Es Welche Konsequenzen sich daraus erge- send für die gesamte Kulturmenschheit Geltadelige Mann von ihren Anhängern in kommt der Tag, an dem das Urteil ge- ben, das hat sie wohl nicht bis zu Ende tung hatten, vor allem als Bruch des Rechtsviehischer Weise zu Tode gefoltert wor- fällt und vollstreckt wird! überlegt. auch nur mit einem Worte berühren. len. Im braunen Räuberstaat Die Geheime Staatspolizei in Berlin hat, 1932, große Aufwendungen für die Opfer des grundsatzes, daß der Staat für eine Tat ausschließlich die Menschen bestrafen darf, die sie verschuldet haben?! Nicht mit einem dung sie niemand Rechenschaft Wort behauptet nämlich die amtliche Darstelablegen. kürzlich mitgeteilt, es selen große Teile des Kampfes gegen den Faschismus hatten die Diktator Thyssen 99 lung, daß die fünf ihrer Freiheit beraubten Verwandten Scheidemanns irgendeine Mitschuld an dem Artikel träfe, daß sie ihn früheren sozialdemokratischen Vermögens teils Leistungsfähigkeit der Kassen erschöpft. Es mitverfaßt, verbreitet, ja nur gekannt hätten. Eine sensationelle Meldung: Hitler hat Alles das ist auch völlig ausgeschlossen, denn ins Ausland, teils ins Inland verschoben, um es bestand also gar nicht die Möglichkeit, Mil- den Scharfmacher Fritz Thyssen, Gene- Gen. Scheidemann lebt im Auslande, seine dem staatlichen Zugriff zu entziehen. Dazu teilt lionen zu verschieben". Die Angabe der Gehei- raldirektor des rheinisch- westfälischen Verwandten in Deutschland sind seit Monamen Staatspolizei, daß sozialdemokratisches Schwerindustrie- Konzerns, zum Diktator ten ohne Fühlung mit ihm! Vermögen versteckt und verschoben sel, soll nur der Ruhr- Wirtschaft ernannt. Hätte die Sozialdemokratie ihr Vermögen vertuschen, daß sich die Nationalsozialisten beNein, eine Mittäterschaft der Verwandten Der Pseudo- Sozialismus hat ausge- wird von amtlicher deutscher Seite auch gar dem Zugriff der Nationalsozialisten entzogen, reits in den Besitz von mehr als vierzig Mil- spielt. An seine Stelle tritt die schranken- nicht behauptet. Als ihr einziges Verbreso wäre das berechtigte Notwehr. Nie- Honen Mark fremden Eigentums gesetzt haben, lose Diktatur des Hochkapitalismus über chen, für das diese fünf Personen ins Konmand ist verpflichtet, einem Räuber freiwillig über dessen Verbleib und Verwen- das Dritte Reich. der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sitz Prag, mit: sein Eigentum auszuliefern. Leider aber ist es der Sozialdemokratie nicht gelungen, ihr Vermögen dem gewaltsamen Zugriff zu entziehen, da ihre Organisationen und Ihre Unternehmungen den wenig elastischen Erfordernissen des Rechtsstaates angepaẞt waren. Bei der Beschlagnahme des Vermögens der Sozialdemokratischen Partei allein- ohne Reichsbanner, Gewerkschaften, Sportorganisationen, Kulturorganisationen usw. sind den Nationalsozialisten mehr als 40 Millionen Mark in die Hände gefallen. Die Sozialdemokratische Partel besaß nämlich 160 Zeitungen, die in 102 eigenen Druckereien und Gebäuden hergestellt wurden. Die Unternehmungen repräsentierten einen Wert von etwa 40 Millionen Mark. Bei der Beschlagnahme sind auch erhebliche Barbeträge weggenommen worden. Festgestellt ist, daß allein in 12 Unternehmungen eine Million Mark in bar beschlagnahmt wurde. Der Gesamtbetrag Ist viel höher. In den 33 Bezirksorganisationen sind, soweit bisher festgestellt werden konnte, weitere 300.000 Mark beschlagnahmt worden. Auch hier sind die wirklichen Beträge wesentlich höher. Dasselbe gilt von den örtlichen Organisationen. In der Zentralkasse war allerdings die Ausbeute geringer. Auf 6 Konten konnte man nur 2600 Mark beschlagnahmen. Jahrelange Arbeitslosigkeit der opferwilligtrapp sten Anhänger, vierzehn Wahlkämpfe im Jahre, Und damit, meine Herrschaften, ist die Revolution beendet! zentrationslager müssen, gibt die deutsche amtliche Verlautbarung nur das eine an, daß sle mit Philipp Scheldemann nahe verwandt sind! Dafür also kann man in Deutschland heute seiner Freiheit beraubt werden! Wir schwelgen ganz davon, daß die Tat Scheidemanns in den Augen aller anständigen Menschen nicht die Spur von etwas Verbrecherischem enthält, daß die Veröffentlichung eines Artikels gegen die Regierung in allen Kulturländern zu den durchaus erlaubten Handlungen zählt. Sehen wir selbst einmal die Sache mit den Augen der heutigen Machthaber an, wonach jeder Angriff auf ihre geheiligten Personen ein Angriff gegen Deutschland und damit ein totwürdiges Verbrechen sein soll: selbst dann war doch der Angreifer nur Philipp Scheidemann, nur er konnte nach den elementarsten Grundsätzen des Rechtes für den Artikel zur Verantwortung gezogen werden. Mit einem Zynismus, der das Blut erstarren läßt, erklären die Machthaber Deutschlands: können wir den Verfasser des Artikels nicht belangen, so bestrafen wir seine in unserem Machtbereich weilenden unbeteiligten Verwandten. Blutrache im zwanzigsten Jahrhundert! Man sinnt nach, ob und wo schon einmal ähnliches gewesen ist. Nein, in den letzten hundertundfünfzig, Bankrott der Kultur Von Thekla Merwin | ,, Dieser Trotz zweihundert, dreihundert Jahren deutscher Geschichte gibt es nichts ähnliches. Gewiß hat ehrt euch!" die Reaktion eines Metternich, eines Manteuffel, eines Bismarck unzählige Unschuldige eingesperrt, aber doch immer wenigstens unter Zu den Illusionen, die der Mensch des ches Nachbarland, unter dem diplomatischen Sie winseln um Arbeiterleser In Berlin hat man das Aushängeschild zwanzigsten Jahrhunderts auf der Walstatt Schweigen der Völker geführt werden kann, daß dem Vorwand, daß sie Schuldige wären. seiner Irrtümer begraben hat, gehört der die Kultur, der wir den Glauben einer Religion des nationalen Sozialismus“ längst schon Gewiß, man hat oft genug in den Reaktions- Glaube der Vorkriegszeit an die Macht der dargebracht haben, ihre Schändung schweigend wieder abgehängt. In der Provinz wird es zeiten, um untadeligen Freiheitskämpfern an Kultur. Niemals hätte der in der Zivili- hinnimmt. Auf sie haben wir tief in unserem Inden Leib zu können, das Recht verbogen, sation dieses Jahrhunderts großgewordene nern vertraut, wenn wir in ahnungsvollem zum Zweck des Arbeiterfangs noch immer Europäer es für möglich gehalten, daß Grauen die Schatten der apokalyptischen Rei- gebraucht. Vor uns liegt ein Flugblatt falsche Zeugen gedungen, Ausnahmegesetze geein Volk wie die Deutschen, nicht ein- ter sahen, die jetzt über die einst so blühen- aus Kiel vom 23. Juni, in dem die Leser schaffen, die Gerichte beeinflußt. Aber immer mal mehr die leere Form programmatischer den Felder Deutschlands dahinjagen, und unser der früheren sozialdemokratischen„ Volkswurde wenigstens die Form aufrechterhalten, Forderungen wahrend, zu dem Niveau eines letzter Trost war es zu denken: Die zivilidaß die Verurteilten sich gegen das Gesetz Wildenstammes herabsinken könnte, der die sierte Welt kann das Schlimmste nicht dulden. zeitung" aufgefordert werden, ein gleichzu abonnieren, vergangen hätten. Dem System des wieder- besiegten Gegner mit asiatischer Grausamkeit Sie duldet es. In dieser an Schlagworten so geschaltetes Schundblatt für den vertilgt: Niemals es für möglich gehalten, daß reichen Zeit hat sie sich ein Schlagwort zu- das pompös als„, Kampforgan erwachten Deutschlands war es vorbehalten, mitten im Herzen Europas entmenschte Horden rechtgelegt, mit dem sie ruhigen Auges den deutschen Sozialismus“ bezeichnet wird. zum ersten Male in der deutschen Geschichte ihre sadistischen Triebe ungehindert austoben Nachbarn im eigenen Hause verbrennen sieht: Unschuldige einzusperren mit der bloßen Be- dürfen, daß der Blutrausch im Lande eines Das Wort von den„ inneren Angelegenheiten In dem Waschzettel heißt es unter andeKant und eines Goethe seine Orgien feiert, eines Landes, in die sich zu mischen ihr ver- rem: Die vergangenen Wochen dürften Euch und daß die Phantasien krankhaft veranlagter boten ist. Mögen Recht- und Gesetzlosigkeit Führer, die reif für die Zwangsjacke sind, als triumphieren, mag die Gewalttat ihre Scheuß- darüber Klarheit gegeben haben, daß es uns Halt, wenigstens ein Fall ähnlicher Art ,, nationale Erhebung" zu einer Wirklichkeit lichkeiten vollbringen, dieser billige, bequeme wirklich ernst und heilig ist mit der existiert. Freilich aus grauer Vorzeit. In werden konnten, die alle Bilder der dantesch- Grundsatz ist zu einem Primat des Gesetzes Schillers„ Wilhelm Tell" in der berühm- schen Hölle verblassen läßt: Daß ein Land mit erhoben worden, gegen den alles geflossene Durchführung des deutschen Sozialismus ten Melchthal- Szene wird er erzählt: Weil der schen sich widerstandslos in einen Blocksberg 66 Millionen schreibenden und lesenden Men- Blut, alle geschlagenen Wunden, alle vernich- und daß dieser deutsche Sozialismus tatsächgrausame Landvogt des flüchtig gewordenen verwandeln läßt, wo Satan seinen Sabbath teten Existenzen, alle geschändeten Rechte lich marschiert.... die Ereignisse haben nicht aufkommen. Wenn es der deutschen Euch gezeigt, daß wir aufrechte deutjungen Melchthal nicht habhaft werden konnte, feiert: Daß der Einzelmensch nur hat er dem Vater die Augen ausstechen las- einem Mannequin der Uniform herabgedrückt Regierung, die wie in einem Blutrausch wan- sche Sozialisten sind. So wie wir niewurde und der gemarterte Individualgeist sein delt, beifallen sollte, die„ Marxistenfrage mals daran gedacht haben, Eure Gewerksen. Das ist das Beispiel, an dem Schiller Hakenkreuz stöhnend auf das Golgatha der durch Abschlachten einiger Hunderttausend das sittliche Recht der Schweizer zum Auf- Menschheit schleppt: Daß der Schrecken des Arbeiter und Juden zu lösen, würde in dieser schaften zu zerschlagen(!), so wenig haben stand und zur Selbstbefreiung vom roten Gespenstes, vor dem die Völker Europas Welt des Opportunismus außer einigen Ver- wir je daran gedacht, Eure„ Volkszeitung", Joche der Tyrannen demonstriert.„ Denn eine in Angst gejagt wurden, abgelöst wurde von zweiflungsschreien des noch nicht erschlage- die auch mit Euren Groschen erbaut wurde, einem Gegner, dem braunen, der in seiner nen Fortschrittsgeistes nicht mehr geschehen, zu enteignen. Gebäude und Betrieb der einGrenze hat Tyrannenmacht". Furchtbarkeit alles übertrifft, was abzuwenden als heute geschehen ist, nicht ein Bankdirekgründung, daß sie mit jemand verwandt seien! Wie lange soll es noch dauern, bis auch in Deutschland diese Grenze erreicht ist? Die Nichtenteigneten noch zu er sich vermaß: Daß die Vergewaltigung der tor würde auf seine deutschen Spekulations- gegangenen Volkszeitung sind heute StaatsFreiheit auf öffentlichem Markte zu einer täg- gewinne verzichten und keine Grenze auf ihren und damit nach wie vor Euer Eigentum.(!!) Um den Hohn voll zu machen, wird lichen Volksbelustigung geworden ist, die der Zollgewinn aus Deutschland. Mob mit seinem Siegesgeheul begleitet: Daß Dem ethischen Optimismus ist die dann weiter immer von„ Ehrlichkeit" geDeutschland das geworden ist, was es heute schwerste Wunde geschlagen worden. Als der redet und versichert, jeder ehrliche" Soist: Ein Volk von Henkern und Delinquenten. Krieg ausbrach, hat er seine erste Niederlage zialist müsse sofort die ehrliche„, NordiWo ist sie, die Stimme der Welt", die in diesem Jahrhundert erlebt: Ein Krieg in ser Welt, die aufgebaut wurde in tausenden unserem Zeitalter, so folgerte er, ist eine Epi- sche Rundschau" abonnieren. Jahren gegenseitiger Arbeit, die einen Sokra- sode. Sie hat vier Jahre gedauert, sie dauert Ob die Kieler Arbeiter auf diesen Jeden Tag wird in Deutschland enteignet, tes, Plato, Spinoza hervorgebracht hat, wo die noch. Der Sammlung der Irrtümer, die sich Schwindel hereinfallen werden? Der Veraber nur das Eigentum der Arbeiter, ihrer Autorität der Mächte, die einen Völkerbund in der Entwicklung des fühlenden und denken- fasser des Lügenblattes scheint das selber Führer oder ihrer Organisationen. Auch Juden schuf, wo der siegreiche Geist des mensch- den Menschen anhäuft, müssen wir längst jenes müssen daran glauben, soweit. sie als Ange- lichen Genius, der uns das völkerverbindende falsche Ideal beifügen, das in uns den Glauben nicht zu glauben, wendet er sich doch an Mittel das Radio in die Hände gelegt hat? Wo stellte, Gewerbetreibende, Aerzte, Rechtsan- ist sie, die Organisation der Kirche, einst an die Macht der Kultur geboren hat. Die die Arbeiter mit folgenden Worten: Kultur- sie ist nur ein oberflächlicher Fir- Seit dem Tage, an welchem die Schleswigwälte, Gelehrte usw. eine unbequeme Konkur- weltumspannend, jetzt, wo es gilt, den christ- nis, den die schaffende Menschheit über die holsteinische Volkszeitung, Euer Organ, Ihr Errenz der Nazis darstellen. Vor der Gefahr der lichen Geist vor Verfolgung zu retten? Und Triebe, die Leidenschaften, die Instinkte des Enteignung geschützt sind die großen Kapita- Kategorien eines abgewirtschafteten Kapitalis- bedroht sind, regt sich der Egoismus der Welt Euch ohne Zeitung. Diese Treue wo sind sie, die Staaten der Welt, in den Urmenschen legt. Nur wo materielle Güter scheinen einstellte, sind die meisten von listen. Deutschland hat 2300 Menschen, die mus denkend, wo die Macht ihrer Börse, ihrer zur Verteidigung. Für höhere Zwecke als für und dieser Trotz ehren Euch. über ein Vermögen von mehr als je 1 Million Zölle, ihrer Handelsverträge und ihrer Boy- Industrie und Handel wird kein Schwert ge- Der Flugblattverfasser gesteht also, Mark verfügen. Die reichsten sind: kotte, ihrer toten Armeen von Ziffern und zogen und das Blut tausender Unschuldiger sozialistische Arbeiterschaft Millionen Mark Statistiken? Sie sind beschäftigt, den erschöpf- wiegt nicht die Handbreit Erde auf, vor dem daß die ten Adern ihrer Geldwirtschaft durch groß sie mit Kanonen ihre Wacht halten. Und noch Schleswigholsteins der Sache der Sozialangelegte Währungsmanöver neues Blut zu- immer wissen sie es nicht, die das Leben ihrer demokratie die Treue hält und der natiozuführen, während ein imposantes Werk der Teuern auf den Schlachtfeldern geopfert haKultur von barbarischen Horden zerstampit ben und noch immer findet die neue Lockung nalsozialistischen Despotie gegenüber in wird. Von keiner Seite der Welt, wenn nicht nach dem Kampfe um die heiligsten Güter trotziger Ablehnung verharrt. An dieser der innere Prozeß in Deutschland eine entTreue und an diesem Trotz werden seine scheidende Wendung nimmt, scheint es.. Hilfe zu geben für die Unglücklichen, die in ihrer In diesem Chaos ringend, das die blutige Lügenkünste nichts ändern. T eigenen Heimat abgewürgt werden, und der Phrase aufs neue entfesselt hat, würde die moralische Weltuntergang scheint beschlos- weltanschauliche Gesinnung des einzelnen mit Wilhelm II, mit Fürst Albert von Thurn- Taxis die Familie Krupp • 700 • . 240 200 120 9 110 O 60 Großindustrieller Fritz Thyssen Elsenindustrieller Otto Wolf, Köln sein Kompagnon Ottomar Strauß Fürst Joh. zu Hohenlohe- Oehringen 120 Bankier Mendelssohn 120 • Fürst Fürstenberg 100 • Fürst Henckel von Donnermarck 100 9 Graf von Henckel 65 35 35 . 30 • 15 15 willige Ohren. sene Sache. Hie und da ertönt ein Aufschrei dem Bankrott der Kultur unweigerlich Schiff Die Revolution der der Empörung aber er verhallt ungehört bruch erleiden, wüßte er nicht sein Streben in dieser Welt eigensüchtiger Interessen. Mit und die Zukunft der Menschheit an ein höhedem noch blutigen Dolch in der Hand durften res Ziel zu knüpfen, als die Gesamtbilanz undie, die heute Deutschland regieren, sich an seres gesellschaftlichen Lebens es aufzuweisen die Beratungstische der Nationen setzen und hat: Das ist die über allen Formen der menschin der urbanen Form internationaler Höflich- lichen Entwicklung stehende Idee der Gerechkeit werden die Verantwortlichen dieses ge- tigkeit, der der Sozialismus dient, die Idee waltigen Dramas von den Kulturstaaten emp- der Freiheit und Gleichheit, die der Seele des gesunden Menschen als ein von der Natur mitfangen. Großherzog von Sachsen- Weimar Herzog Albrecht von Württemberg Fürst Ernst von Hohenzollern Geheimrat Dr. Karl Bosch Karl Friedrich von Siemens Bei aller Konzession an den Opportunismus, gegebenes Bewußtseinsgut eingeboren ist, für Die meisten dieser Herren haben sich als ohne den nun einmal nicht regiert werden die wir leben und sterben wollen als für die gebefreudige Finanziers von Adoli kann, vermag es das Gemüt eines ethisch reine Religion des Geistes, die unverrückbar, Hitler erwiesen. Zum Dank dafür garantiert fühlenden Menschen doch nicht zu erfassen, ein Axiom des menschlichen Willens, über alle Ihnen Hitler den ungestörten Besitz ihrer daß solche Schuld einfach ignoriert wird, daß Schwächen und Krämpfe der Zeit hinweg ein Guerillakrieg gegen ein wehrloses, schwa- lihren Weg der Vollendung geht, Riesenvermögen. Plebiszitschwindel in Sicht Unter den 30 so genannten Gesetzen, die das Hitlerkabinet am 15. Juli in 14stündiger Sitzung erledigt hat, befindet Wahrheit! Die neudeutschen Herren fürchten nicht das Blut, das an ihren Fäusten klebt, sich eines, das eine Aenderung der beste- daunade nicht des Volkes armes, zerschlag'nes Gesicht, henden Reichsverfassung vorsieht. In Zukunft soll es nämlich der Regierung möglich sein, Gesetze, auch solche verfassungsändernder Art zur Volksabstimmung zu bringen und eine einfache Mehrheit der Abstimmenden soll genügen, um den Vorschlag der Regierung Gesetz werden zu lassen. Daß die Hitlerregierung jetzt schon unter Ausschaltung aller verfassungsmäßigen Faktoren, des Reichspräsidenten, des Reichstages, des Reichsrates und des deutschen Gesamtvolkes überhaupt sogenannte Gesetze fabriziert, wie es ihr gefällt, zeigt ja schon der vorstehende Fall selbst. Man will nur noch den Schwindel auf die Spitze treiben, indem man den Anschein zu erwecken versucht, als geschähen alle Verbrechen, die man verübt, unter Zustimmung des Volkes. Heute gibt es keine Maßnahme der Regierung, sie sei noch so schmutzig irrsinnig und niederträchtig, die nicht bei einer sogenannten Volksabstimmung eine Mehrheit finden würde. Denn in einem Lande, in dem jede, auch die zahmste Kritik an den Handlungen der Regierung mit dem Verlust des Lebens und der Freiheit bedroht ist, wird jede Volksabstimmung zu einer elenden Komödie. Man kann nur fragen: welche neuen Verbrechen hat die Hitlerregierung vor, die sie sich zum Schein vom Volke sanktionieren lassen will? nicht das Schrelen, das aus den Kerkern bricht, nicht den Haẞ, der die wehrlosen Opfer durchbebt. Und dennoch sind sie von Aengsten geplagt, sie zittern vor jedem Fetzen Papler, den der Sturmwind über die Grenze jagt, vor jedem Mund, der zu sprechen wagt, sie schnüffeln umher wie scheues Getler. sonst nichts auf der Welt, Sie fürchten die Wahrheit die aber fürchten sie um so mehr, drum haben sie Wachen aufgestellt, und wo ein Wörtlein Wahrheit fällt, sind hundert Schergen hinterher. Lieb Vaterland magst ruhig sein! Die Wahrheit schaltet keln Goebbels gleich, sie fließt durch tausend Kanäle ein, sie schlägt sich Bahn durch Eisen und Stein, sie kennt die Wege ins Dritte Reich. Die Wahrheit dringt selbst dem SA.- Mann ins Ohr, dem Hungernden folgt sie bei jedem Schritt, Im Takt der Maschinen hämmert sie mit, hinter mageren Lohntüten springt sie hervor, und wenn Herr Hitler ans Rednerpult tritt... Dann lügt er. Doch Wahrheit steht blutigrot neben dem Kanzler in flammendem Licht, beschwört des gemarterten Volkes Not, verkündet den Tod, der den Peinigern droht und mahnt die Geknechteten: Dulov Haltet Gericht!" Hugin. Herrenreiter Franz von Papen, deutscher Vizekanzler, sagte neulich in Dresden: Unsere Revolution darf nicht angesehen werden als ein Aufstand der Massen gegen die Oberschicht. Papen sagt diesmal die Wahrheit. Die Revolution", die dieser ultrareaktionäre Aristokrat ,, die unsere" nennt, war wahrhaftig nicht ein Aufstand der Massen gegen die Oberschicht, sondern sie war ein Sieg der Oberschicht über die Massen. Zum Zeichen dafür will sich Papen am 6. August in Karlshorst als Herrenreiter an einem Rennen beteiligen. Die eleganten Herren sitzen wieder fest im Sattel. Der Gaul aber, der zu Tode geritten wird, heißt Volk! Schäfer ermordet Frankfurt a. M., 17. Jull. Der aus der Boxheimer Dokumentenaffäre bekannte ehemalige Landtagsabgeordnete Schaefer ist auf einer über einen Eisenbahnkörper führenden Brücke im Frankfurter Stadtwald erschossen worden. Die unbekannten Täter haben die Leiche dann über das Brückengeländer auf den Bahnkörper geworfen, wo sie heute früh von der Polizei gefunden wurde. Die Leiche wies drei Schußwunden auf. Jetzt haben sie ihn also endlich zur Strecke gebracht, den ehemaligen nationalsoialistischen Landtagsabgeordneten Schaefer, den Enthüller jenes bluttriefenden Boxheimer Dokuments, dessen sadistische Theo rie allerdings durch die nationalsozialistische Schreckenspraxis längst in den Schatten gestellt worden ist. Herr Best aber, der Autor des Blutdokuments, ist inzwischen zum Leiter der Ge heimen hessischen Staatspolizei avanciert. SA bespuckt Oldenburg- Januschan In Königsberg wurde kürzlich der Kammer herr von Oldenburg- Janouschau von SA- Leuten geschlagen und bespuckt. Der Freund Hindenburgs wurde von Polizei geschützt und per Auto nach seinem Schloß zurückgebracht. Gefängnis für Sozialismus! Kein ZweHel konnte je daran bestehen, daß Hitlers Machteroberung politisch die schlimmste und gefährlichste Gegen* revolution bedeutete. Die unausgesetzte Aufpeitsch ung der schlechtesten Instinkte, der unausgesetzte Appell an den Neid, die Gewalt, die Grausamkeit, die Mordlust: die Verhöhnung der Humanität, des Rechts, der Freiheit und der Menschenwürde mußte zu jener Häufung von viehischen Grausamkeiten führen, die den Weg der nationalsozialistischen Machtergreifung kennzeichnen. Aber es gab naive Leute, die sich auf dem sozialen Felde einigen Erwartungen hingaben, die nicht verstanden, daß die politische Unterdrückung der Arbeiterklasse, die zugleich der Todesstoß gegen den Sozialismus gewesen ist, dessen einzig richtige Trägerin nur die Arbeiterklasse in ihrem freien und ungehemmten welbstbestimmungsrecht sein kann. . Hitler hat restlose Klarheit geschaffen. Seit seinen Reden gegen die„zweite Revolution" ist kein Tag vergangen, an dem nicht er selbst, sein Wirtschahsminister Generaldirektor Schmitt, und seine Unterführer, die Frick und Goebbels ein Bekenntnis zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus, ein Gelöbnis zu den ab- gestandesten Prinzipien des Wirtschaftsliberalismus abgelegt hätten. Und die Herren Nationalk a p i t a 1 i- sten, die sich so rasch aus Deklassierten in die glücklich im Besitz und in der Macht Wohnenden umgewandelt haben, gehen aufs Ganze. In seinem Rundschreiben an die Reichsstatthalter verkündet der Reichsinnenminister Frick: „Wer letzt noch von der zweiten Revolution redet, muß sich darüber klar ein, daß er »ich damit gegen den Führer selbst auflehnt und dementsprechend behandelt wird. Solche Aeußerungen stellen eine glatte Sabotage der nationalen Revolution dar.., Jeder solche Versuch, wie er namentlich in unbefugten Eingriffen in die Wirtschaft und in Mißachtimg von Anordnungen der Träger der Staatsautorität zu erblicken ist, muß daher auf Grund der Verordnung zum Schutz von Volk..und Staat mit den schärfsten Maßnahmen(mindestens Schutzhaft) gegen wen immer geahndet werden." Ins Konzentratlonslagen mit jedem, der noch nach Sozialismus strebt, ganz gleich, ob es sich um„marxistischen" oder um den„deutschen" Sozialismus handelt! Aber damit nicht genug. Herr Schmitt hat mit einem Federstrich alle nationalsozialistischen Kommissare für die Wirtschaft beseitigt Was Hugenberg vergeblich anstrebte, die Wirtschaftsdiktatur, das hat Schmitt Kapitalist von reinstem Wasser, ohne weiteres von Hitler erhalten. Und eine seiner ersten Maßnahmen ist von weittragender Bedeutung: Der ständische Aufbau wird abgestoppt. Bekanntlich sollten In diesen„Ständen" alle an der Wirtschaft Beteiligten, Unternehmer, Gewerbetreibende, Händler und Arbeiter, vereinigt werden, um gemeinsam und gleichberechtigt die Wirtschaftsfragen zu lösen, den„Eigennutz",„Gemeinnutz" unterzuordnen und die Ausbeutung und Profitgier zu eliminieren. Kurz, die„Stände" sollten die Träger des wahren, deutschen Sozialismus sein. So lächeriich die Illusionen, daß Ausbeuter und Ausgebeutete, Kapitalisten und Lohnarbeiter gemeinsam die wirtschaftliche Harmonie verwirklichen könnten, daß die Nutznießer und die Opfer der kapitalistischen Klassengesellschaft in gleicher Weise Uue Ueberwindung anstreben würden, die Leute von der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation oder von dem Kampfbund des Mittelstandes hofften, in diesen Ständeorganisationen ihre antikapitalistischen Ziele verfolgen und durchsetzen zu können. Dieser Hoffnung wird nun radikal der Garaus gemacht Die Unternehmeror- kanisationen, der Reichsverband der Industrie, der Industrle- und Handelstag wollen ihre Selbständigkeit nicht antasten lassen. �nd deshalb verkündet Herr Schmitt mit ausdrücklicher Berufung auf den Willen des„Führers", daß auch dieses Kernstück des Programms zurückgestellt werden müßte, weil die Gefahr besteht daß unberufene Elemente versuchten, auf diesem Gebiet Experimente zu machen." Die„unberufenen Elemente" sind die Arbeiter und Mittclständlcr. Man hatte sie gerufen, so lange man sie zur Machterobe- j rang brauchte, jetzt werden sie als„Unberufene" geächtet Während man aber den Unternehmern in Wirklichkeit von Anfang an volle Organisationsfreiheit unter der Führung Ihrer Vertrauensmänner, der Krupp. Thyssen etc. gelassen hat hat man nicht nur die Gewerkschaften ihrer Vertrauensmänner beraubt und nationalsozialistische Nichtskönner und Wirrköpfe an deren Stelle gesetzt, sondern man beraubt selbst die so umgeschalteten. unter nationalsozialistisches Kommando gestellten Organisationen aller Funktionen. Die Arbeiter werden nicht nur um den Sozialismus geprellt, sie verlieren jede Möglichkeit, in der aufrecht erhaltenen kapitalistischen Gesellschaft nur eine Verbesserung ihrer Lebenshaltung, ja auch nur um eine Verteidigung der bisherigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Das Amt für Sozialpolitik in der Deutschen Arbeitsfront weist darauf hin. daß nur die von Hitler ernannten Treuhänder der Arbeit Tarifverträge abschließen dürfen. Keine andere Stelle darf in die Gestaltung der Arbeitsbedingungen eingreifen, weder die NSBO. noch die Berufsverbände. Der Staatskommissar Engel, Treuhänder für Berlin und Brandenburg, hat bei einem Presseempfang diese völlige Entmachtung der Gewerkschaften noch verdeutlicht: Der Treuhänder habe gewissermaßen den Artikel 48 auf wirtschaftlichem Gebiet für sich. Er sei Diktator. Er werde Streiks oder Aussperrungen auf jeden Fall verlündern. Er werde der Wirtschaft Frieden gewährleisten. Der Staat schalte durch die Treuhänder die Willkür profitgieriger Unternehmer aus(in Wirklichkeit wird der ungestärkte Fortgang der kapi- tahstischen Profitwirtschaft durch die Hitlermacht garantiert) und lege denen das Handwerk, die aus eigennützigen Zwecken oder aus politischen Gründen die Belegschaften der Betriebe aufhetzten! Was wird aber aas den Gewerkschaften, die sich nicht mehr um die Arbeitsbedingungen kümmern dürfen? Auch darüber spricht der Hitler-Engel sehr offen: Es sei ein Mißverständnis an- zu nehmen, daß die Deutsche Arbeitsfront die Aufgaben der alten Gewerkschaften übernehme. Die Deutsche Arbeitsfront habe ihre Aufgabe auf volkserzieherischem Gebiet!! Die Arbeiter sollen also ihre Beiträge zahlen, um sich von den nationalsozialistischen Bonzen zwangserziehen zu lassen! Aus Kampforganisationen für die Lebensinteressen der Arbeiterschaft werden die Gewerkschaften in nationalsozialistische Dressuranstalten mit gut bezahlten Posten für sonst unbrauchbare Pg. und Pj. verwandelt! Und dafür raubt man den Arbeitern Ihr Geld! Die fortschreitende Entrechtung der Arbeiter wird von einer lortschrel. tenden Begünstigung des Kapitals begleitet. In einer einzigen Sitzung hat das Reichs- Kabinett einige Dutzend Gesetze erledigt— das heißt die Vorschläge der jetzt selbstherrlicher als je arbeitenden Bürokratie kritiklos akzeptiert— und fast alle bedeuten Geschenke an das Kapital. Da sind Steuererleichterungen für Instandsetzung und Erneuerung von Betriebsgebäuden, Sleuerb e f r e i u n g für neue Unternehmungen, sowie für neuerrichtete Wohngebäude, Zinserleichterung auf Kosten des Reichs für landwirtschaftlichen Auslandskredit usw. Aber charakteristisch sind namentlich zwei Gesetze. Das eine gibt dem Reichswirtschaftsminister das Recht, Unternehmungen zu Kartellen zu vereinigen oder bisherige Außenseiter in bestehende Kartelle hlneinzuzwingen. Er kann die Errichtung neuer Unternehmungen oder die Erweiterung des Geschäftsbetriebes oder der Leistungsfähigkeit bestehender für eine bestimmte Zeit untersagen, kurz zwangsweise das kapitalistische Privatmonopol einführen. Die Ausdehnung und Verewigung des Monopolkapitalismus in seiner gefährlichsten, volkswirtschaftlich schädlichsten und ausbeuterischsten Form enveist sich so wieder als letztes Wort des angeblichen Nationalsozialismus. Und das andere Gesetz setzt die Aufbringungsanlage der Industrie mit 100 Millionen jährlich fest, wovon 80 Millionen zur Entschuldung Ostpreußens dienen. Das heißt, daß die Erhaltung und Entschuldung des adeligen Großgrandbesitzes in der gleichen Weise fortgesetzt, daß jeder Kampf gegen den Großgrundbesitz eingestellt, daß eine schnelle und wirksame Siedlung gar nicht in Angriff genommen wird. Dafür hat allerdings Herr Dr. Darre ein eigenes Kommissariat für „bäuerliches Brauchtum, für Sitte und Ge- sittung" geschaffen. Außer den Arbeitern. müssen eben auch die Bauern„erzogen" werden. Das Tüpfelchen auf dem I aber würde fehlen, wäre die Nachricht nicht da, daß die Akzeptbank, die ganz unter Reichs- l�mfluß steht, dem-------- Warenhauskonzern Hermann Uetz tV/z Millionen gemeinsam mit den anderen Reichsbanken als neue Betriebsmittel zur Verfügung stellt! Den Kampf gegen den Kapitalismus schließt Hitler ab mit der Aechtung des Sozialismus und der Verhinderung jedes Versuches, die Arbeitsbedingungen zu verbessern; den Kampf gegen den Großgrundbesitz mit der Verewigung des Osthilfe- skandals und der Sabotage der Siedlung und den Kampf gegen die Warenhäuser mit der Bereitstellung neuen Kapitals durch die dem Reich gehörenden Banken. Das ist der„Sozialismus" der nationalsozialistischen Partei! Dem Kapital gute Unterstützung. Und Gelächter über alle Betrogenen, die an den Sozialismus des Hakenkreuzes glaubten! Torgier ohne Anwalt! Alto wissen, dal er aaschaidlg tot— keiner wagt, Mm za vertehügea! Die Frau des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Ernst Torgier. Margarete Torgier, hat aus Karlshorst bei Beriin an den„Manchester Guardian" einen Brief gerichtet, in dem sie schreibt: „Ich habe nüt einer großen Anzahl von Rechtsanwälten Ober die Verteidigung meines Mannes verhandelt. Sie waren zumeist zweifellos von seiner Unschuld vollkommen überzeugt, aber sie weigerten sich, seine Verteidigung zu übernehmen. Einige schienen bereit zusein, nachdem sie verschiedene Bedingun- gen gestellt hatten. Schließlich lehnten aber auch sie ab. Die letzte Ablehnung, die ich erhielt, kam von einem hervorragenden Berliner Anwalt, der mir am 19. Juni folgendes schrieb:.Was die Rechtsangelegenheit Ihres Gatten betrifft, so bedaure ich. nicht in der Lage zu sein, seine Verteidigung übernehmen zu können.' Es scheint also, das ist die einzige Erklärung, daß In ganz Deutschland kein Rechtsanwalt übrig geblieben ist, der bereit Ist, seine Pflicht zu erfüllen, Indem er ein mensch liches Wesen rettet, von dessen Unschuld die ganze Welt Oberzeugt ist. Meine Erfahrung beweist, daß es einfach ganz unmög- \ich ist, einen Rechtsbeistand nach eigener Wahl zu erhalten und daß mein Mann auf diese Weise seines elementaren Rechtes beraubt ist" Das englische liberale Blatt behandelt den Brief der Margarete Torgier in einem besonderen Artikel, in dem es ausführt „Warum will die Dlktetorregierung Hitlers eine Verteidigung nicht gestatten. Der Grund ist ganz klar. Die Diktaturregierung weiß, daß Torgier unschuldig Ist und sie weiß, daß jeder Anwalt, der nur eine Spur von Intelligenz und rechtlichen Sinn besitzt die ganze Anklage in Stocke schlagen und der Verachtung Obcrlie- fern würde." „Manchester Guardian" beschäftigt sich dann weiter mit dem Schicksal der drei unglücklichen Bulgaren, die rein zufällig willkürlicherweise mit Torgier zusammen auf die Anklagebank kommen sollen. Er stellt fest, daß die Behauptung der Göring-Pollzel, die drei Bulgaren hätten etwas mit dem Attentat in der Kathedrale von Sofia zu tun gehabt, von den bulgarischen Behörden selbst widerlegt worden ist, und er fordert die bulgarische Regierung auf, sich der unschuldig verfolgten Landsleute anzunehmen. Generaldirektoren des Dritten Reidies Jeder Tag liefert neue Beweise, daß Hitlers Kurs rein kapitalistisch Ist. Zur Unterstützung der Reichsregierung in allen wirtschaftlichen Fragen hat Hitler einen„Gencralrat der Wirt- schaft" berufen. Seine Zusammensetzung zeigt, daß im Dritten Reiche mir noch Großkapitalisten etwas zu sagen haben. Dem Generalrat gehören an; Herbert Backe(Domänenpachter), Dr. Carl Bosch, Ing. Eugen Böhringer(Direktor der Maximlllanbü(te), Generaldirektor Aug. Die hm,(Kalisyndikat), Bankier August von Finck, Dr. Otto Chr. Fischer(Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Banklergewerbes), Dr. Albert H a c h e 1 s- b erger(Fabriksbesitzer), Bürgermeister Krogmann(Hamburg), Dr. G. Krupp von Bohlen und Halbach, Dr. Robert L e y (Führer der Deutschen Arbeitsfront), Dr. Carl Euer(Handelskammerpräsident, Treuhänder der Arbeit), Friedrich R e i n h a r t(Bankdirektor), Dr. Hermann Reisctale(Führer des Landhandels und der landwirtschaftlichen Ge- nossensebaiten), Karl Freiherr von S c b r o e- der(Handelskammerpräsident), Karl Friedrich von Siemens, Dr. Fritz T y s s c n, Generaldirektor Dr. Albert Vogler. Weder ein Arbeiter noch ein Angestellter ist Mitglied dieses Generalrats. Nicht einmal ein Gewerbetreibender oder ein Kleinkaufmann oder ein Angehöriger des Bauernstandes. Hitler hat die Maske fallen gelassen, er regiert nur noch mit und von der Gnade der oberen Zehntausend. Als Nachfolger für den bisherigen Reichswirtschaftskommissar Dr. Wagener. den Hitler wegen seiner angeblich sozialistischen Gesinnung abgesetzt und auch aus dem Wirtschaftspolitischen Amt der NSDAP, hinausgeworfen hat, ist der Reichstagsabgeordnetc Wilhelm K e p p- 1 e r berufen worden. Der Oeftentlichkeit ist Keppler völlig unbekannt, bekannt ist er nur den Unternehmern, in deren Diensten er bisher ärgste Scharfmacherei betrieben hat. Kampf um Sdiadit SA. wollte ihn fangen! Hitlers wiederholte Reden gegen die Fortsetzung der Revolution und gegen jede Art von Sozialismus bilden nach einem Bericht des „Daily Herald" nur einen Teil eines erbitterten Kampfes, der hinter den Kulissen um die Person des Relchsbankpräsldenten Dr. Schacht geführt wird. Revolutionär gesinnte Elemente in der SA hatten bereits beschlossen, Schacht, in dem sie den Hauptschuldigen des Verrats am Sozialismus erblicken, gefangen zu nehmen. Schacht ist ein Gegner der Inflation. Gottfried Feder aber als Apostel der Binnenmark, Ist Ihr Vorkämpfer. Er wird auch von dem neuen Landwirtschaftsminister D a r r< unterstützt, der die Inflation will, damit die Grundbesitzer wieder, wie vor 10 Jahren, ihre Schulden billig los werden können. In enger Verbindung mit Feder und Darrä hatten die Extremen die Festnahm« Schachts beschlossen. Ihr Plan ist aber gerade noch rechtzeitig entdeckt worden, daraufhin hat Hitler gegen die Fortsetzung der Revolution seine bekannten Drohreden gehalten und Frick seinen Droherlaß herausgegeben. So das englische Arbeiterblatt. Aul alle Fälle Ist Herr Schacht In Sicherheit. Als der Repräsentant des Hochkapitalismus ist er im Dritten Reich unverletzlich. Lassalle's Grab gesdiandet! Das Grab Lassalle's ist nun auch geschändet worden! Die Reste des großen sozialistischen Kämpfers ruhen, wie man weiß, auf dem Jüdischen Friedhof in Breslau unter einem Stein, der diese Inschrift trägt: „Hier ruhen die sterblichen Reste Ferdinand Lassalle's, des Denkers, des Kamp- lere". Die Nazi haben diese Inschrift ausmeißeln lassen, ebenso wie diejenige, die sich am Geburtshaus des Begründers der deutschen sozialistischen Bewegung befand. Paris AbonnementsbesteUungen In Paris für den „Neuen Vorwärts" werden durch die Redaktion„Conrrier Sooiallste", 12, rue Feydeau, Paris 2, entgegengenommen. Sprechstunden von 10 bis 12 Uhr. Und dazu schweigt Europa Bestohlen und geächtet wehre von selber losgehen können. Oesterreich| Gru B. Er stammt zwar aus Italien aber würde im Fall der Fälle, die ganze Welt, schon die römischen Sklaven mußten ihn vor ihren Herren exerzieren aber auch in der Italien voran, zum Bundesgenossen haben. Das ist das bisherige Resultat der national- Nachäfferei ausländischer Moden konkurrieren sozialistischen Außenpolitik. Es ist bei gleich- die Hitlerianer mit den kleinen deutschen Der nationalsozialistische Raubzug ge- werden. Ob also drin oder draußen zeitiger Friedensbeteuerung von allen Seiten ge- Despoten des 17. und 18. Jahrhunderts. 2191 gen das Eigentum der Arbeiterschaft und jeder Gegner des deutschen Faschismus steigerte Kriegsgefahr, moralische, politische ihrer Führer soll nunmehr vollendet wer- ist geächtet und vogelfrei. Wo ist hier und militärische Totalisolierung Deutschlands, den durch ein Gesetz, das vom Hitler- ein Unterschied? Er besteht nur in der kurz Irrenhaus in dritter Potenz. kabinett verabschiedet wurde, unbeque- verlogenen Phraseologie, mit der das men Gegnern die Staatsangehö- neudeutsche Gaunertum die drinnen und rigkeit absprechen kann und die die draußen verfolgt. Beschlagnahme ihres Eigentums vorsieht. Wer dem großen deutschen Konzentrationslager entkommen ist, soll sich seinen Die anderen mögen verhungern Der Bürgermeister von Schmalkalden hat Französischer Der Arbeitersängerbund löst sich auf Der Deutsche Arbeitersängerbund in Berlin ( DAS) mit seinen 130.000 Mitgliedern und einer Parteitag vierzigjährigen, großzügigen und erfolgreichen Der Parteitag der sozialistischen Partei Kulturarbeit hat zu bestehen aufgehört. Das Frankreichs hat nach lebhaften Debatten eine Kultusministerium hatte dem DAS die Gleichdas Aufgehen in die Entschließung angenommen, die das Verhalten schaltung angetragen, der Kammerfraktion scharf tadelt, doch ist es staatliche Sängerbewegung, die natürlich nur Folterknechten stellen oder enteignet werden. Belohnungen werden ausgesetzt für alle, die etwas über das Vermögen angeordnet, daß Arbeitslose, die mar- glücklicherweise zu der vielfach befürchteten hakenkreuzlerischer Prägung sein darf. Wähder Sozialdemokratie oder marxistischer xistischer Gesinnung verdächtig sind, keine Spaltung der Partei nicht gekommen. rend der Deutsche Sängerbund mit fliegenden Das Verdienst daran ist dem Vorsitzenden der Fahnen übergegangen ist, hat es der DAS einInternationale, Vandervelde, und dem stimmig abgelehnt, sich gleichParteivorsitzenden Leon Blum, die an Einig- schalten zu lassen. Da aber ein weiteres keit leidenschaftlich appellierten, ganz besonders Arbeiten im Interesse des Kulturlebens der Arbeiter im Deutschland der Konzentrationslager zuzuschreiben. In der Debatte hat der Vormarsch des Fa- und Kerker nicht mehr möglich ist. wurde haben einer deutschen Kulturvorläufig, bis auf weiund anderer staatsfeindlicher Elemente Unterstützung mehr erhalten. Dasselbe auszusagen wissen. Eingebürgerte Juden wird aus anderen deutschen Städten berichtet. sollen wieder ausgebürgert werden, und In Bayern probiert man eine andere Mewer es unternimmt, eine neue Partei zu thode der Aushungerung durch. Der Präsibilden, wird als Hochverräter bestraft. dent des bayrischen Landesarbeitsamtes forDamit werden die Weidegebiete der dert Bevorzugung der SS. und SA. bei allen Denunzianten entsprechend vergrößert Stellenbesetzungen. Gegen Arbeitgeber, die schismus in Europa, ganz besonders in Deutsch- gleichzeitig die Liquidation des DAS beschlosund die moralische Verlumpung hat wie- Angehörige der aufgelösten Parteien und Or- land, naturgemäß eine sehr große Rolle ge- sen. Damit hat dieser den in dieser Situation der Terrain erobert. Die Kapitalisten be- ganisationen einstellen und damit die Unterspielt. Während Redner der Rechten aus den für Sozialisten einzig gangbaren Weg gewählt halten ihr raffendes Kapital, behalten ihre bringung der braunen Prätorianer zu sabotie- deutschen Ereignissen die Folgerung zogen, daß und ist in Ehren gestorben. Villen und Paläste, dafür dürfen sich die ren versuchen, werde ,, mit den allerschärfsten die Partei in Frankreich sich möglichst dicht Wenige Wochen Hitlerismus großen und kleinen Bonzen der NSDAP. Mitteln vorgegangen" werden. an der politischen Macht halten müsse, und daß glänzenden Bewegung im an dem Eigentum armer Teufel schadlos Tönend verhieẞ Hitler einst allen Arbei- Frankreich jetzt auch nicht abrüsten dürfe, leben ein Ziel gesetzt halten. tern Freiheit, Arbeit, Brot. Da es eine Lüge sahen die Redner der Linken in der Gewinnung teres. In der Begründung des neuen gesetz- war, muß er jetzt seine Parteianhänger der Massen durch eine kompromiẞlose Politik lichen Monstrums wird von„ Aechtung versorgen, sonst knüpfen sie ihn auf. Also die Hauptaufgabe. An der Abrüstung wollen sie Kulturleben wiedererobern, nicht nur in ihrem der Flüchtlinge" gesprochen, womit na- mögen die anderen Deutschen verhungern. Wer trotz alledem festhalten. Einen Höhepunkt er- Interesse, sondern in dem für die gesamte türlich nur die Gegner Hitlers gemeint im Wege steht, ist einfach ,, marxistischer Ge- reichte die Parteitagsdebatte in einem rednesind. Der ehemalige Oberausreißer sinnung verdächtig..." Noch nie hat es in der rischem Zweikampf durch Marquet und Leon Goering sitzt in einer Prachtvilla, die neueren Geschichte eine Bewegung gegeben, Blum, in der Marquet dazu aufforderte, die nach Deutschland ausgerissenen öster- die so heuchlerich mit Idealen protzte und so Ideale des Sozialismus mit denen der Ordnung reichischen Nazibonzen bekleiden parteimaterialistisch war wie die des und der Staatsautorität zu vereinigen, was Leon in der NSDAP. bereits führende Stellen. Hakenkreuzes. Für die Gegner des Hitlerregimes ergibt sich also folgende Lage: die im Gute Gelegenheit Blum als gefährliche Anleihe beim Faschismus leidenschaftlich bekämpfte. Eröffnet wurde der Parteitag mit einer Rede, Die Arbeiter werden sich in ihr eigenes Menschheit. Tagung der SängerInternationale Am 16. Juli fand in Karlsbad eine Konferenz der Vertreter der Internationale der Arbeitersänger statt. Die Tagung war notwendig geworden, weil infolge der Liquidierung des Lande bleiben, werden in Konzentrations- ,, Durch das Ausscheiden jüdischer Aerzte ist lager gesperrt, mißhandelt, erschlagen, ihr in günstiger Lage Neuköllns gute Niederlas- in der Vandervelde in tiefbewegten Worten DAS in Berlin, dessen Exekutive gleichzeitig die Eigentum wird gestohlen die ins sungsmöglichkeit für deutschen Arzt gegeben. unseres Johannes Stelling und der Geschäfte der IDAS besorgt hatte, diese ohne Ausland gehen, werden geächtet, und ihr Anfragen unter...( Groß- Berliner Aerzte- anderen zahllosen Opfer des Dritten Reiches ge- Führung war und weil schließlich Berlin indachte. Der Parteitag ehrte sie durch einen folge der politischen Verhältnisse der IDAS Eigentum soll ebenfalls gestohlen blatt", 20. 1933.) Augenblick stummen Gedenkens. nicht mehr in Frage kommen konnte. Hitler unterschreibt Versailles Der Sklavengruß Durch das Ausscheiden des DAS hat die IDAS eine Verminderung der Mitgliederzahl von 200.000 auf 60.000 erfahren. Um den Beabe Pflichtgruß. stand trotzdem sicherzustellen, wurden die notAm 15. Juli ist in Rom der Viererpakt unter- im Kanzleramt. Einstweilen hat der franzöwendigen Maßnahmen getroffen zeichnet worden, durch den die Hitlerregierung siche Ministerpräsident der Unterzeichnung des Reichsinnenminister Frick, der Frontkämp- Mit Zweidrittelmehrheit wurde dann die Sitzden Friedensvertrag von Versailles, die Völ- 10jährigen Friedenspaktes eine ziemlich mas- fer von Pirmasens, hat angeordnet, daß der verlegung in die Tschechoslowakei nach Tepkerbundakte, den Locarnovertrag, den Kellogg- sive Kriegsdrohung folgen lassen für den Hitlergruß beim Singen des Deutschlandliedes litz- Schönau beschlossen, und die Exekutive des pakt und was noch alles dazu gehört feierlich Fall, daß Deutschland in irgendeiner Form den und Horst- Wessel- Liedes von jedem zu er- IDAS in der Tschechoslowakei mit der Führung und freiwillig noch einmal anerkennt. In den Anschluß Oesterreichs durchzuführen versu- weisen ist. Ebenso wird befohlen, daß sämt- der IDAS- Geschäfte betraut. nächsten 10 Jahren darf unter keinen Umstän- chen wollte. An der Grenze zwischen Deutsch- liche Arbeiter und Beamte von Behörden sich Vor Abschluß der Tagung gedachte noch der den mit Gewalt vorgegangen werden. Aende- land und Deutsch- Oesterreich ist es inzwischen im Dienst durch Armerheben zu grüßen ha- Vorsitzende, Genosse Wondrejz- Bodenbach, der rungen des bestehenden Zustandes sind nur auf so brenzlig geworden, daß jeden Tag die Ge- ben. Frick nennt das den ,, deutschen reichsdeutschen Sangesgenossen. dem Wege friedlicher Verständigung aller Beteiligten zulässig. Das bedeutet nicht nur den Verzicht auf alle abgetretenen Gebiete einschließlich des polnischen Korridors, sondern auch auf den Anschluß Oesterreichs und auch den Verzicht auf jede Aufrüstung über die Bestimmungen des Vertrages von Versailles hinaus. Scheidemann, der Gehetzte, hat leber auf das Amt des Reichskanzlers verzichtet, als daß er den Vertrag von Versailles unterschrieben hätte. Rathenau, dessen Mörder amtlich gefeiert werden, hat gegen den Vertrag von Versailles zur bewaffneten Massenerhebung aufgerufen. Adolf Hitler unterschreibt den Vertrag von Versailles noch einmal ohne jede Not kaltlächeln aus bloßer Eitelkeit, weil er seinen Namen mit den Daladiers, Macdonalds und Mussolinis auf dem selben Papier sehen will. Die dressierten Hunde, die jetzt an Stelle wirklicher Journalisten die deutschen Zeitungen machen, müssen zu dem feierlichen Akt freudig mit dem Schwanz wedeln. In der Welt der Wirklichkeit jenseits des gedruckten Papiers, das heute reichsdeutsche Presse heißt, weiß jedermann, daß die Bedeutung des Viererpakts in der Annäherung Italiens an Frankreich besteht. Mit der Unterzeichnung des Viererpaktes wird der nationalsozialistische Kindertraum von der Bundesgenossenschaft Italiens zu Grabe getragen, und in Anerkennung der gegebenen Machtverhältnisse sucht jetzt Hitler- Deutschland durch Vermittlung des Herrn von Papen auch die Verständigung mit Frankreich. Dics also ist der Kreislauf der Dinge! Dazu mußte Rathenau ermordet werden, dazu mußte es eine sogenannte ,, nationale Revolution" geben, mußte die Bestie im Menschen entfesselt, mußte die Arbeiterbewegung zerschlagen, mußten tausende zu Tode gemartert und in Konzentrationslager gesperrt werden, damit Adolf Hitler noch einmal den Vertrag von Versailles unterschreiben und die Verständigung mit Frankreich suchen kann! Die nächste Zeit wird ja zeigen, ob Adolf Hitler das Ziel der Verständigung leichter erreichen wird als seine rechtmäßigen Vorgänger Gleich wird sie hin sein! A biss'l zappelts no, die Mark, aber glei wird ers ganz derschlag'n hab'n! tolton ob DOLLAR lists ball PFUND MARK FRANK 40 57 ⑤ allad aw Unter allgemeinem Beifall konnte er zum Ausdruck bringen, daß der DAS von der faschistischen Diktatur zwar niedergetrampelt worden ist, daß aber der frühere Geist die Sängerscharen noch beseelt und daß alle der IDAS angeschlossenen Verbände sehnsüchtig auf den Tag warten, an dem mit dem Wiederaufbau in Deutschland begonnen werden wird. Welche Angst! Der amtliche Schwadroneur Göbbels verkündet in allen Blättern, daß der Vorwärts" als Schmugglergut sogar bis in eine sächsische Papierfabrik gekommen sei, in großen Mengen gelagert zwischen Holzstämmen, die aus der Tschechoslowakei gekommen seien. Aber die Stampfer und Wels befänden sich auf dem Holzweg, wenn sie glaubten, auf diese Weise das deutsche Volk beeinflussen zu können. Aber warum dann diese Angst? Warum gibt man dann den Vorwärts" nicht einfach fret? Die Hitler und Göbbels würden dann heute schon an den Riesenauflageziffern merken, wie stark unser Einfluß auf das Volk ist. Wir werden im Kampf um die Freiheit den Holzköpfen an der Spitze Deutschlands mit noch ganz anderen Mitteln als mit Baumstämmen" kommen. Achtung! Billige Radioapparate. Die Kieler Nazizeitung schreibt: ,, Hier wurden bei ehemaligen Marxisten eine Reihe von Durchsuchungen durchgeführt, in deren Verlauf die Hilfspolizei eine Anzahl Radio: apparate beschlagnahmte. Es handelt sich bel den beschlagnahmten Appara ten um Vierröhren empfänger, die zum Empfang ausländischer Statlonen benutzt wurden. Eine Reihe von Besitzern solcher Apparate wurden in Halt genommen." Vlerröhrenempfänger sind verboten. Natür lich nur für Marxisten. Wer ausländische Sendungen empfängt, ist ein Landesverräter. Und man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: man verhindert die Wahrheit und kommt zu einem billigen und guten Apparat. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. �Beilage des Stimm Votwäds Tic. 6 Revolution gegen Hitler- und was dann? Dieser Diskussionsbeitrag ist eine Fortsetzung des Artikels„Der Apparat ist tot— es lebe die Bewegung" und behandelt die zukünftige Taktik der Partei. Nein, es ist keine überflüssige Frage, die hier aufgeworfen wird, wie jene behaupten, die zwar gewillt sind, revolutionär zu kämpfen, weil das auf barbarischer Gewalt aufgebaute Hitlerregiment nicht anders als in revolutionärer Aktion zu werfen ist, die aber den Konsequenzen dieser Revolution nach dem Sieg aus dem Wege gehen möchten. Es ist auch keine unzeitgemäße Frage, wie die Taktiker sagen, die noch im Rahmen des von Hitler gesprengten demokratischen Staates denken und Rücksicht nehmen wollen auf etwaige bürgerliche Bundesgenossen im Kampf gegen Hitler, wobei sie bedeutungsvoll hinzufügen, wenn man erst wieder an der Macht sei, werde sich das alles schon finden und die Fehler von 1918 würden gewiß nicht noch einmal gemacht. Man täusche sich doch nicht Die Frage, was am Tag nach dem Sturz Hitlers geschehen muß, ist nicht nur hochaktuell, weil ihre Lösung uns ein ganzes Arsenal von Waffen zum Sturz Hitlers verschafft, sie ist auch das K e r n p r o b 1 e m, das uns über den Sturz Hitlers hinausführt und das Fundament baut, auf dem der neue Staat aufgerichtet werden muß. Und schließlich noch eine kleine, aber bedeutsame Tatsache; wir mögen aus taktischen Gründen die Auseinandersetzung über dieses Thema hinausschieben, weil wir uns scheuen, das heiße Eisen anzufassen, in D e u t s c.h fa n d schmiedet man es schon, wenn auch in ungefüger Form. Die, Diskussionen, die jetzt noch mit äußerster Vorsicht geführt werden, aber bei dem katastrophalen Versagen des Faschismus bald das gesamte Denken und Fühlen der Massen m ihren Bann zwingen werden, stehen von Anfang bis Ende unter dieser Schicksalsfrage: Was tun wir, wenn der Faschismus gestürzt ist, wassetzenwiran seine Stelle? Gewiß: Revolutionen können ohne den großen heiligen Haß der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker nicht zum Sieg gelangen. Der Zorn gegen das Unrecht ist der unentbehrlichste Antriebsfaktor der menschlichen Entwicklung. Diesen Haß zu schüren, ihm immer wieder Nahrung zu geben durch die Anprangerung des faschistischen Systems, die Menschheit mit Ekel zu erfüllen vor der Scheußlichkeit dieses Regimes, ist eine wichtige Aufgabe in der 'ersten Phase der revolutionären Vorbereitung. So nur wird die kompakte Masse geschaffen, die eines Tages zum Sturz der Bastille ansetzt, vor diesem primitiv- revolutionären Instinkt haben alle Mächtigen der Erde gezittert, aber— mit diesem Haß allein, sofern er sich nicht mit dem Geist paarte und also blind blieb, sind auch alle Revolutionen nach dem ersten siegreichen Anlauf verloren worden. Aufstände macht man allenfalls mit dem Haß, Revolutionen entstehen aus dem Bewußtsein. Nur die Spannung zwischen dem revolutionären Massenbewußtsein und den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen erzeugt jenen dauernden, sich immer mehr verschärfenden Druck, der schließlich den Rahmen der unhaltbar gewordenen Verhältnisse sprengt und Raum schafft für den Durchbruch neuer Ideen. ♦ ♦ ♦ Die revolutionäre Vorbereitung kann also nicht stehen bleiben bei dem Appell an den Haß, so sehr sie auch diesen Haß nötig hat Der Revolutionierung der Herzen muß die Revolutionierung der Köpfe unmittelbar folgen. Das Paradoxe des politischen Umsturzes in Deutschland ist ja, daß eine Konterrevolution gesiegt hat mit revolutionären Vorzeichen. Der Hitlerfaschismus hat bis zur Machtergreifung den Mantel eines primitiven Sozialismus getragen, hat sich als Feind des großkapitalistischen Systems gebärdet, hat den „feinen Leuten" den Kampf angesagt und in dieser Maskierung große Massen des indilferenien Proletariats in seine Kaders gelo'ckt-Den Millionen deklassierter Kleinbürger, in deren Unterbewußtsein die Angst vor der mit rasender Eile vor sich gehenden Konzentration der Großbetriebe saß, versprach er die Niederlegung der monopolisierten und vertrusteten Zwingburgen und Wiederherstellung der früheren Zustände eines freien Ständewesens, wo der Innungsminister das tragende Glied der Gesellschaft war— und Millionen dieser Kleinbürger, deren Weltbild in Stücke gegangen war, ohne daß sie Zeit hatten, zur Erkenntnis eines neuen Weltbildes zu kommen, liefen ihm in hysterischer Existenzangst nach. Einer verelendeten Jugend, die sich sowohl zusammensetzte aus proletarischen Elementen wie aus den erwerblosen Söhnen des Bürgertums, spiegelt er die Fata Morgana einer baldigen nationalen Erhebung vor, die Deutschland an die Spitze aller Völker bringen würde. In den braunen Uniformen der SA. vergaß diese proletarische Jugend ihre Klassenlage und machte sich zum Büttel des Faschismus. Die Kleinbauern hypnotisierte er mit der Losung der Aufteilung des Großgrundbesitzes und brachte sie so hinter seine Fahnen. Nichts verschmähte er, was gegen die bestehenden Verhältnisse revoltierte, selbst die asozialen Elemente des Verbrechertums, die bereits in den Untiefen der kapitalistischen Gesellschaft untergegangen waren, zog er an die Oberfläche, von der an sich richtigen Erkenntnis ausgehend, daß das Lumpenproletariat bei jedem Umsturz eine wichtige Rolle spielt, weil es am wenigsten zu verlieren hat Und mit dieser bunt gemischten Gesellschaft machte Hitler dann seine Konterrevolution. Aber indem Hitler den Ausbruch einer Rebellion, die sich im Unterbewußtsein gegen die kapitalistische Ordnung selbst wendete, umfälschte in eine Bewegung zur Verewigung der kapitalistischen Verhältnisse, ist er die Rebellion dieser Schichten nicht losgeworden. Er mag den Kleinbürgern die Juden zum Fraß vorschmeißen, er mag die blinden Massen mit„Bonzen" füttern, er mag den Hunger der Jugend nach Romantik mit Nachtfelddienstübungen und Festen befriedigen, er mag eine Schutzfrist verordnen, die auf einige Monate den Gerichtsvollzieher vom Stall des Kleinbauern abhält, ja, er mag sogar Verbrechern, die früher Freiwild für die Polizei waren, den amtlichen Gummiknüppel in die Hand geben— er wird nie und nimmer die jetzt folgende Entwicklung unterbinden können, die einen Klassenscheidungsprozeß riesigsten Ausmaßes in sich birgt Die scheinsozialistischen Konzessionen Hitlers an die revolutierenden Lager der Kleinbürger, Bauern, Arbeitslosen und Jugendlichen waren ja im Grunde doch Konzessionen an den erwachenden Geist des Sozialismus. Wäre er den aufgewühlten Massen als der Fronvogt des Hochkapitalismus erschienen, nie hätte er sie lünter seine Fahne bekommen. Deshalb ging er jenes politische Mimikry ein, stahl er die rote Farbe des Sozialismus, ließ er seine gemischte Garde revolutionäre Melodien mit konterrevolutionärem Text singen, übernahm er das sozialistische Ehrenwort „Parteigenosse",— kurz, stellte er sich mit dem Habitus der Bewegung auf die erwachende sozialistische Umwelt ein. Aber indem er nun den dumpfen Willen dieser Massen schroff mißachtet, die erste Revolution für vollendet und die zweite Revolution für Hochverrat erklärt, hat er die Millionen seiner Anhänger auf die Suche nach neuen Erkenntnissen getrieben. Und hier liegt jetzt der psychologische Moment, wo in jedem einzelnen dieser Menschen unter Schmerz, Wut, Enttäuschung und Haß eine Welt zusammenbricht und neue Dinge geboren wer- den. Dieser schwierige Prozeß der qualvollen Loslösung von alten Vorstellungen, an dessen Ende das Erwachen des proletarischen Klassenbewußtseins stehen wird, kann wesentlich beschleunigt werden durch die absolute Zielklarheit der sozialistischen Bewegung. Nur wenn hier schon die geistige Aufnahmestellung für die in Bewegung geratenen, von furchtbarer Enttäuschung vorwärts getriebenen Massen geschaffen ist, können die oppositionellen Kräfte bis zur revolutionären Aktion gesteigert werden. Den negativen Haßtrieb dieser Massen zu befriedigen, wäre leicht. So unerbittlich streng die Abrechnung auch einmal.sein wird, mit Ausweisungen, Konzentrationslagern und Hinrichtungen ist Positives noch nicht geschaffen. Wir können nicht Hitler mit Hitler erschlagen, wir müssen mehr tun. Wir müssen mit Hitler die gesellschaftlichen Zustände erschlagen, die ihn auf den Schild erhoben. Um diese gewaltige Aufgabe aber vollbringen zu können, muß sie im Bewußtsein der in der Revolution stehenden Massen bereits geklärt sein. Nur Hitler mit dem Revanche- und Haßbedürfnis verzweifelter Menschen zu schlagen, ohne den Boden zu verändern, auf dem der Faschismus gewachsen ist, den Boden der wirtschaftlichen Anarchie, der permanenten Krise, der kapitalistischen Ausbeutung, hieße morgen einem zweiten Hitler zum Opfer fallen. *** Wenn 1918 die Revolution in Watte stieß, weil kein Gegner vorhanden war, nun, der Kampf gegen den braunen Faschismus wird schreckliche Blutopfer fordern. Jetzt schon reiht sich Grab an Grab, tragen zehntausende Arbeiter die Narben körperlicher Mißhandlung, sind hunderttausende durch den Massenterror der Hitlerumzüge seelisch geschändet worden. Und immer härter wird die Diktatur, immer brutaler der Terror, je mehr unten im Volk die Basis zusammenschmilzt, auf der das Regiment steht. Die revolutionäre Explosion wird dementspre- Nein, wenn ins Exil auch die Eldlesten schritten, Wenn müde der Willkür, die endlos sie Utten, Sich andre im Kerker die Adern aufschnitten— Doch lebt noch die Freiheit und mit Ihr das Recht, Die Freiheit, das Recht! F r e 1 1 i g r at h. Das mlßbraudite Lied Von Agnes Abel Herr Dr. Josef Goebbels, Propagandaminister des dritten Reiches, lag im Bett und schickte sich soeben an, die Mitternacht zu verschlafen, als es zaghaft an seine Tür klopfte. Der Propagandaminister hatte kaum Zeit, sich den Schlaf aus den Augen zu reiben, da stand der nächtliche Ruhestörer schon neben ihm, schmächtig, blaß, in die Tracht eines Theologiestudenten aus dem 18. Jahrhundert gekleidet. Bescheiden und sanft hub er also an: „Entschuldigen Sie gütigst, daß ich zu so ungewöhnlicher Stunde.. „Was ist los? Sind Sie verrückt?" Dr. Goebbels schnarrte die Frage ägerlich zwischen Kopfkissen und Steppdecke hervor. «Nein. Eben weil ichs nicht bin, möchte ich Sie ergebenst darauf aufmerksam machen, daß ich es anders gemeint habe!" „W a s haben Sie anders gemeint, Herr... Herr— wie war der Name?" „Hölty! Ludwig, Heinrich, Christof Hölty! Mitglied des Göttinger Dichterbundes und Verfasser des Liedes— Hier unterbrach ein heiserer Husten die Vorstellung. Der Minister setzte sich auf und rieb sich ärgerlich den Kopf. Hölty— er erinnerte sich dunkel seiner Schulzeit. Der Kerl mußte lange tot sein.„Hören Sie auf zu husten und reden Sie endlich! Was haben Sie nicht so gemeint und was geht mich Ihr albernes Lied an?" Der Gast besiegte den Anfall und erwiderte traurigen Tones:„Verzeihen Sie, das macht die Schwindsucht Ja, was sagte ich gerade? Ich habe es nicht so gemeint— das Lied." „Welches Lied, zum Teufel?" „Sie sind doch für den deutschen Rundfunk verantwortlich?" „Ja, Na und? Herr, kommen Sie zur Sache!" „Nur noch eine Frage:„Ihre SA. hat doch Menschen gemeuchelt Volkshäuser besetzt, Volksbuchhandlungen in Brand gesteckt die Zeitungen und Sportplätze der Arbeiterschaft an sich gerissen, das ganze Vermögen der Sozialdemokraten und Kommunisten gestohlen.." „Gestohlen? Was erlauben Sie sich?" „Na ja, jetzt heißt das wohl gleichgeschaltet oder so ähnlich— aber es stimmt doch, nicht wahr?" „Hhnmel ja", der Minister wurde immer nervöser,„hören Sie auf, in Rätseln zu sprechen! Was hat das alles mit dem Liede zu tun— und was für ein Lied haben Sic überhaupt verfaßt?" „Ueb immer Treu und Redlichkeit"— so heißt mein Lied!" erwiderte voll bescheidenen Stolzes der Dichter. Dr. Goebbels kratzte sich hinter dem Ohr, ihm war etwas dösig zumute— so mitten in der Nacht.„Treu und Redlichkeit? Mann, Sie waren sicher ein Romantiker!" Mit herabgezogenen Mundwinkeln warf er die Worte geringschätzig hin,„und was geht u n s Ihr kindisches Lied an?" „Ja, sehen Sie", der Gast richtete sich empor,„das wollte ich eben Sie fragen. Wenn Sie schon morden, stehlen und brandschatzen, wie kommen Sie dazu, auch noch mein Lied zu mißbrauchen, es über die Maßen lächerlich zu machen? Lächerlich vor der ganzen Welt?" In diesem Augenblick klingelte es verschlafen vom Lautsprecher herüber:„Ueb immer Treu und Red-Llchkeit!" ,.Donnerwetter!" der Minister besann sich, „das ist doch unser Pausenzeichen!" Jetzt war der Gast sehr zornig geworden. Zitternd schrie er:„Ihr Pausenzeichen! Mein Lied! Sic haben mein Lied gestohlen— und die ganze Welt hält sich, wenn es ertönt, den Bauch vor Lachen! Herr Doktor, wie konnten Sie es wagen?" Plötzlich gab es eraen\ Knall und der Minister erwachte. Er sann lange nach und mußte sich endlich gestehen, daß dieses Erwachen ein großes Glück für ihn war. Denn er hätte— zum ersten Mal in seinem Leben— auf eine unangenehme Frage keine Antwort gewußt. Neudeutsdie Sprichworte Alter schützt vor Schutzhaft nicht. Wenns dem Esel zu wohl wird, geht er ins Dritte Reich tanzen. Was ein Häkchen werden will, denunziert bei Zeiten. Kein Feuer, keine Kohle, kann brennen so beiß, wie ein Reichstagsbrand, von dem Göring nur weiß. Willst Du den Dichter ganz verstehen, mußt Do sein Buch erst brennen sehen. Selbst die Blinden! Der Reichsverband deutscher Blinden hat sich gleichgeschaltet; nur noch Blinde mit arischen Großeltern und nationaler U eher Zeugung werden offiziell als Blinde deutscher Zunge anerkannt. Nur sie werden in die Institute aufgenommen, nur sie werden von Staats wegen in der Blindenschrift unterrichtet. chend von ungeheuren Ausmaßen sein. Sollen wir bei der Entfesselung dieser Kräfte vor einem geistigen Vakuum stehen, wie es 1918 war? Oder muß nicht mit diesen Kräften versucht werden, die kapitalistische Welt zu sprengen, um so mehr, als wahrscheinlich in dieser wirtschaftlich sterbenden Welt sich dann eine Reihe solcher Explosionen ereignen werden? Jetzt schon, heute schon ist die Stunde, wo die sozialistischen Theoretiker zusammentreten müssen, um die Ziele abzustecken, die erstens eine Revolutionierung des Massenbewußtseins im Gefolge haben und dann den Rahmen für die politische und soziale Revolution selbst ergeben. Wer heute in Deutschland vor Arbeitern noch über Demokratie spricht, begegnet mitleidigem Lächeln. Das ist vorbei, kein Gott kann die Weimarer Verfassung wieder herstellen. Nicht als ob diese von einem hingebenden Glauben an die demokratische Freiheit erfüllt gewesenen Massen nun einer bodenlosen Dikta- turtheorie venallen wären. Aber sie haben eine furchtbare Lehre erhalten, was es heißt die politische Freiheit hineinsetzen in ein Urafassungsgemäuer agra- rächer und kapitalistischer Zwingburgen; •was es bedeutet einigen tausend Großgrundbesitzern durch die Herrschaft über ein Drittel der Bodenfläche mehr politische Macht zu geben als zwei Millionen Landarbeiter und Deputatbauern zusam men haben; was demokratisches Wahlrecht wert ist wenn der kapitalistische Geldsack Tausende von Zeitungen, Zehn tausende von Kanzeln und Lehrstühlen, Hunderttausende von Existenzen in seiner Gewalt hat. Das werden die Hauptpfeiler des neuen sozialistischen Prograrames werden; Auf teilung des Großgrundbesitzes in Verbifr dung mit dem Siedhmgs- und Wohnungs Problem; Sozialisierung der Schlüsselindustrie und Banken in Verbindung mit der Schaffung von Staatsmonopolen; Stabilisierung der politischen Herrschaft der Arbeiterklasse durch eine Diktatur mit dem Ziel des freien demokratischen Staates, wenn durch die gesellschaftliche und ökonomische Entmachtung der herrschenden Klasse die Voraussetzungen für diesen Staat geschaffen sind. Heer und Polizei, Justiz und Staatsapparat, Schule und Wirtschaft, alle diese Faktoren müssen zu absolut sicheren Bürgen eines demokratischen Staates gemacht werden, eher wird die diktatorische Aufgabe der zweiten Revolution nicht beendet sein können. Wer aber fragt, wo die Garantie dafür liege, daß aus dieser Diktatur einmal die Demokratie wachse, weil bekanntlich alle Diktaturen in sich die Voraussetzung für die endlose Fortsetzung tragen, dem antworten wir, daß alle diese Diktaturen von Mussolini bis Hitler ja entwicklungs- geschichtlich das Rad der Zeit zurückdrehen und dadurch in einem immer stärker werdenden Gegensatz zu den vorwärtsdringenden Kräften im Volk geraten, während die Diktatur in einem hochentwickelten Industriestaat mit sozialistischer Bevölkerung immer mehr an Spannung verliert, je näher sie ihren Zielen kommt, Wir schleifen auch nicht, eben wegen unserer hochkapitalistischen Struktur, wie Rußland das Bleigewicht von 110 Millionen rückständigen Bauern mit, die die 10 Mil- lionen Industrieproletarier erdrücken würden, wenn sie zur Macht gelangten. Wenn es wahr ist, was Strasser einmal sagte, daß 95 Prozent des deutschen Volkes von antikapitalistischer Sehnsucht erfüllt sind, nun, dann wird die ungeheure Mehrheit des Volkes hinter dieser Diktatur als Uebergangssystem stehen. Deutscher und itallenisdier Fas di Ismus Lehren der Gesdilchte Ja, es sind umstürzende Fragen, die sich in nächster Zukunft aufrollen werden. Wir sollten nicht zögern, an sie heranzugehen, sie zu prüfen im kameradschaftlichen Geist und in engster Verbindung mit der sozialistischen Internationale. Und wir sollten versuchen, das konservativste aller Dinge, das menschliche Gehirn, baldigst von allen Illusionen zu befreien. Diese weitgespannte revolutionäre Plattform wird dann auch das schaffen, von dem jetzt alles in Deutschland abhängt und was unbedingt als sicherste Bürgschaft für den Sieg aus diesem Zusammenbruch herauswachsen muß: Die Einigung der deutschen Arbeiterklasse unter den Fahnen der Sozialdemokratie! Müssen wir aus der Tatsache, daß der deutsche Faschismus als ein genauer, auch die kleinsten Einzelheiten nachbildender Abklatsch des italienischen auftritt, zu dem trostlosen Schluß kommen, er werde sich gleich diesem konsolidieren und über ein Jahrzehnt halten? Ueber diese Frage darf man nicht mit Redensarten weggleiten, wie etwa die, daß die Kopie weniger dauerhaft ist als das Original. Der völlige, verblüffende Mangel an Originalität, den wir beim Nationalsozialismus finden, braucht durchaus nicht ein Zeichen geringer Behauptungsfähigkeit zu sein. Im Gegenteil. Als typisches Produkt unserer Zeit und der internationalen Krise ihrer Wirtschaft und Kultur ist der Faschismus nicht an ein Land und nicht an ein Volk gebunden, ist so wenig bodenständig, wie die Krise, so wenig mit dem Wesen eines Stammes oder einer Nation verbunden, wie der Kapitalismus. Es ist sicher kein Zufall, daß als Träger und Symbol des Italienischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus Männer wie Mussolini und Hitler auftreten, die beide in ihrer körperlichen Erscheinung und in ihrem Wesen ganz aus dem Rahmen dessen herausfallen, was man jenseits der Alpen als lateinisch, diesseits als germanisch ansieht und preist und auch dessen, was wirklich italienisch und deutsch ist. Ihre Stärke Ist gerade ihre Wesensfremdheit, die ihnen die Masse ihres Volkes als Objekt, als bildsamen Ton gegenüberstellt. Was brauchten sie als Eroberer in Feindesland unter dem eigenen Volk zu hausen und Ihr Lager aufzuschlagen, wenn sie sich eins wüßten mit dem bessern Selbst ihres Volkes? Das Nachäffen des italieni- schenFaschismus ist, so grotesk es._ o auch wirkt, nicht bloß der Ausdruck der i Antikapitalismus des Kleinbürgertums. So Von Oda Olberg. Terror gehört zum Faschismus als die praktische Folge seiner Wesensfremdheit in dem von ihm beherrschten Lande. Die öde Gleichartigkeit in dem vielgestaltigen Schrecknis ist aber nicht Nachahmung, sondern sie quillt aus dem Begriff des Terrors. Ein Volk muß seinen Bedrük- kern alles zutrauen, jede Infamie, jede Schandtat, die Nichtachtung des geschriebenen und des ungeschriebenen Rechtes, Ruchlosigkeiten, die man von keinem äußeren Feinde je erwartet— dann ist die seelische Umwelt gegeben, in der der Faschismus sich durchsetzt, indem er Hand an alies legt, was dem Volk sein Land zum Rechtsstaat und damit zum Vaterland machte. Die Gleichförmigkeit über alle Grenzpfähle hinweg folgt aus dem gleichen Grundproblem, das nur eine Lösung durch Terror zuläßt. Wer zeitlich nachkommt, erscheint als Nachahmer, aber auch der„genialste Vorläufer" hätte nie eine andere Lösung des Exempels zu finden vermocht ••• Daraus folgt aber nicht notwendig, daß man mit dem gleichen Terror überall gleich weit kommt Daß der Antisemitismus, der in Italien ganz fehlt, für den deutschen Faschismus die Prognose entscheidend ändert, möchte ich bezweifeln.„Das bricht ihm den Hals!" hört man oft sagen, aber von einer streitbaren Solidarität der internationalen jüdi- senen Hochfinanz, die das allein vermöchte, ist bisher nichts zu merken. So bleibt von der Judenverfolgung nur die Kulturschande und der wirtschaftliche Schaden, Dinge, die jeder Faschismus in großen Dosen verträgt Im übrigen gehört der Antisemitismus gar nicht zum Wesen des Faschismus, sondern ist nur eine demagogisch höchst brauchbare Formel für den Lahmheit an Phantasie und Gestaltungskraft. Man löst dasselbe Problem auf dieselbe Weise. Es gilt den Kapitalismus und die auf ihn gegründeten Herrschaftsverhältnisse zu erhalten, und die als Folge und Entwicklungsbedingimg der kapitalistischen Welt entstandenen Forderungen und Möglichkeiten der Freiheit und Gerechtigkeit zu zerstören. Daher hüben und drüben die gleichen Parolen; Zurück zur Scholle, zurück zu Gott zurück zu ständischen Bindungen. Und um einer müden Welt plausibel zu machen, daß sie geführt werden muß, um die vielen mit den Ihnen zugunsten der wenigen auferlegten Entbehrungen zu versöhnen, spricht man von der weltbcherrschenden Mission des eigenen Landes, vom Neid der andern Staaten, von der Bereitschaft, das Vaterland mit Preisgabe des Lebens zu verteidigen. Dabei schließt der Faschismus die Eintragungen der Nationen, die ihren Weltherrschaftsanspruch anmelden, nie. Daß Mussolini die Weltherrschaft für Italien, Hitler für Deutschland beansprucht, stört keinen der beiden. Ein französischer, britischer, nordamerikanischer Faschismus mit entsprechenden Ansprüchen ist hochwillkommen. Der Weltherrschaftsanspruch wirkt wie die Wurst, die an die Deichsel des Hundewagens gebunden ist: da läuft der Hund freudig, aber die Wurst bekommt er nie. Neben dieser„Ideologie" sind die praktischen Probleme aller Faschismen dieselben. Ein Faschist bat im vorigen Jahr eine Technik des Staatsstreiches geschrieben, aber für deren Ratschläge hat man in Deutschland keine Verwendung gehabt.aus dem einfachen Grunde, weil ja der Staatsapparat dem Faschismus legal übergeben wird.„Die Seufzer und die Thränen, die kommen hintennach." Für den nachfolgenden Abbau des Rechtsstaates hat sich Hitler alle Erfahrungen Mussolinis zunutze gemacht: Uebergabe der Polizei an die eigenen bewaffneten Formationen. Beseitigung aller Parteien, systematische Vernichtung und Ausplünderung der Gegner. Aufhebung der Rechtsgleichheit. Abwürgen der Presse usw. All diese Dinge tragen sichtbar den Vermerk: „M ade- i n 1 1 a 1 y". Es sind technisch erprobte Behelfe, aber sie sind nur Abwandlungen eines geschichtlich vorgeschriebenen Themas, das Terror heißt. bald er Ihn als Obergroße Belastung empfindet. wird der Nationalsozialismus ihn bereitwillig fallen lassen; schon heute erblüht In seinem Herzen große Toleranz für reiche Juden. Der entscheidende Unterschied liegt in Dingen, die er nicht fallen lassen kann. Einmal haben wir heute die italienischen Erfahrungen, aus denen sich wenigstens lernen läßt, wie es nicht gemacht werden soll. Dann ist das deutsche Reich umgeben von Gebieten deutscher Kultur, die das, was der Nationalsozialismus tut, miterleben als etwas, das ihrem eigenen Leibe geschieht. Weiter ist die faschistische Gefolgschaft in Deutschland anders zusammengesetzt als sie in Italien war; unter ihr sind auch proletarische Massen. Hitler hat seine Umwälzung auch mit Proletariern. Mussolini die seine gegen das Proletariat durchgeführt. Unter der verblüffenden Wucht des Ueberfalls hat man in Italien gemeint, daß der Faschismus sich au den eigenen Exzessen totrennen würde, auf einen Druck des sittlich entrüsteten Auslandes hat man gerechnet, auf den Papst, der die Verfolgung der Katholiken nicht dulden könnte. Der Faschismus hat sich nicht totgerannt, das Ausland hat sich sehr schnell beruhigt, der Papst hat über die Körper mißhandelter und ermordeter Priester und über die Asche verbrannter katholischer Vereinshäuser hinweg Mussolini die Hand geboten. Die Reaktion besitzt einen sehr feinen Instinkt für das, was ihr frommt. Wem an der Erhaltung der heutigen wirtschaftlichen Uebermacht einer Klasse gelegen ist, der kann den Faschismus nicht bekämpfen, er mag sich noch so sehr über seine Methoden sittlich entrüsten. I n 1 1 a- lien haben die Sozialisten mit dem lähmenden Hoffen auf andere viel Zeit verloren. Wir glauben, die Internationale Entrüstung über die deutschen Ereignisse wird sich bald darüber einigen, daß schließlich die deutschen Greuel eine deutsche Angelegenheit sind. Hat nicht die diplomatische Vertretung der Sowjets in Rom Mussolini ein Festessen gegeben, wenige Tage nach der Ermordung Matteottis! Noch sind die Länder einander fremd, als daß es eine nachhaltige, lebendige Solidarität geben könnte, die die Völker den Regierungen autzwingen. Aber die Länder deutscher Zunge, die wie ein Kranz das Reich umgeben, die sind nicht fremd, die können nUhf zur Tagesordnung übergehen über aeatsches Schicksal, weil die kulturelle Verwandschaft sie dazu zwingt es seelisch mitzuerleben. Als die Faschisten in Italien sengten und mordeten, ermüdete die Teilnahme des Auslandes schnell— des fremden Volkes Erleben übersetzte sich nicht von selbst in die eigenen Gefühlswerte Es ist kein Zufall, wenn gerade Oesteneich den italienischen Massen eine lebendigere Solidarität geboten hat als irgend ein anderes Land: seine kulturellen Beziehungen zu Italien waren inniger gewesen. Die Scheidewand zwischen Filmkunst im Braunhemd. Aeh, gestatte Um die deutsche Kunst ist es still geworden in diesen Monaten, vergebens wartete die Welt darauf, daß aus der Asche verbrannten Geistesgutes ein noch so winziger Vogel Phönix steige. Jetzt endlich will es Frühling werden. Durch den gleichgeschalteten, arg gelichteten deutschen Blätterwahl schreitet mit einigen Schmissen auf der rechten Backe, von Polizel- kolonncn geleitet, von SA. gefolgt, von fechtenden Korpsstudenten umtanzt, von Hanns Heinz Ewers persönlich an der Hand geführt, die Junge arische Muse in brtutlicher Pracht. Nein, Im Ernst, das ist kein Märchen. Die Aufnahmen zum Horst-Wessel-Monumentalfihn haben begonnen, und schon wissen die Blätter des dritten Reiches reklamehalber Erstaun- llches zu berichten. Daß die gesamte SA tfon Berbn-Branden- burg mit dem Horst-Wessel-Sturm an der Spitze sich brüllend auf die Leinwand stürzen würde, war Ja vorauszusehen. Was aber die Meister der Braunkunst in ihren Hexenkcsrcln sonst noch zusammenbrauen, riecht komisch genug, und der erste Vorbericht könnte fast Wr einen guten Witz gehalten werden, wenn das braune Deutschland nicht allem Humor so weltenfern stünde. Das Korps Normannia, dem Horst Wessel angehörte, wird— so versichern die Haken- kreurkorrespondenzen— seinen Schönheitssinn auf eigene Art ausleben, es wird„durch seine ersten Korpsfechter eine scharfe Originalmensur vorführen lassen.'* Also scharfe Kunst aus Blut und Paukboden, auf Jodoform- flaschen gezogen, mit abgehackter Nase serviert. Und nicht genug damit; Hanns Heinz Ewers, Autor des Horst-Wessel-Romans, gedenkt eigenhändig mitzuspielen, zwar nicht als mannia", der er wirklich ist. mit eine Halbe, prost, prost!" Wer hat eben gesagt:„Höher gehts nini' merl"? Es geht höher, es geht bis hinauf flfj die amtlichsten Amtsstellen. Unter ihrem Führer Pollzcloberstleutnant Wecke stellen sich die Berliner Schupo und die Abteilung ,.zuf besonderen Verwendung" in den Dienst def kulturfördernden Sache. Sogar ihre Panzerwagen und„sonstigen technischen Einrichtungen geben sie her, um eine„möglichst getreu« Wiedergabe der Straßenkämpfe und Absperrungen anläßlich des nationalsozialistischen Kampfes um das rote Berlin zu gewährleisten." So viel verrät die gleichgeschaltete Prcsse> und mehr wollen wir auch gar nicht wissen« sonst geht Ja die ganze Spannung zum Teufel- Gespannt sind wir zum Beispiel darauf. Oh aeben der SA auch die Berliner Zuhälterorf2' nisatfon aufmarschieren wird, zu der Hors' Wessel doch die besten Beziehungen unterhielt. Daß diese Organisation schon vollkoin- men in der SA. aufgegangen Ist, wollen wl( doch nicht hoffen, es wäre schade um de" Ruf des Gewerbes.— Die Kinobesucher brafl* chen übrigens keine Angst zu haben, auf d** Publikum von den Zweimark-Plätzen aufwär# darf angeblich nicht geschossen werden. Daß dieser ganze Horst- Wessel-Zirkus nü' Kunst nicht viel zu tun haben dürfte, ist wob* inzwichen auch dem Harmlosesten aufgegaO' gen. Mit scharfen Säbelmensuren pflegt rrs" Schmarren zu erzeugen, aber keine Kulturfil' nie. SA.-Paraden, Polizei-Uebungen, Hanfl5 Heinz Ewers als Konkueipant... das ist kein« Kunst, das sind Kunststücke. Der neudeutsche Kulturstaat ist nicht üb«'" Das Hindernis Kunst wurde im Sturm üb