Redaktion und Verlag; Karlsbad Haus sGraphla«- Tri. tOM Preis der Einzelnummer T/~ v z. i /~\ Im Ausland Kc 2-—) JS.C 1 4U Auslandspreise Einzelnomm. Tlertcljährl. Argentinien Pes. 0.30 Belgien Frs. 2.— Bulgarien Lew. 8.— Dänemark Kr. 0.40 Danzig Guld. 0.30 Deutschland Mk. 0.25 Estland E. Kr. 0.22 Finnland Fmk. 4.— Frankreich Frs. 1.50 Großbritannien d. 4.— Holland Gld. 0.15 Italien Lir. 1.10 Jugoslawien Din. 4.50 Lettland Lat. 0.30 Pes. 3.60 Frs. 24.— Lew 96.— Kr. 4.80 Guld. 3.60 Mk. 3.— E. Kr. 2.64 Fmk. 48.— Frs. 18— sh. 4.85 Gld. 1.80 Llr 13.20 Dln. 54— Lat. 3.60 Ittttr \r. 9— Sonntag den 13. 4ugust 1933 Bezugspreis im Quartal 17 X'J Q* (Im Ausland Kö M*«—) iVC/ X O* Aiislandspreise Einzelnaram. vierteljähr 1. Sozialdemokratisches Wochenblatt Litauen Lit. Luxemb. B. Frs. Norwegen Kr. Oesterreich Sch. Palästina Müs Polen Zloty Portugal Escud. Rumänien Lei Saargebiet F.Fr. Schweden Kr. Schweiz Frs. Spanien Pes. Ungarn Pengö USA. 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Mittlerweile ist fast ein halbes Jahr vergangen und die Welt wartet immer noch auf die Bereinigung dieses ungeheueren Volksbetrugcs. .Wenige Wochen nach dem Reichstagsbrand, Ende April, hat der„Manchester Guardian" eine aus deutschnationalen Kreisen stammende Denkschrift veröffentlicht, die den Nachweis erbrachte, daß das Reichstagsgebäude nicht von den Kommunisten, sondern auf Befehl führender Nationalsozialisten, wie G ö- r i n g und Goebbels, in Brand gesteckt worden ist. Jetzt teilt der„Manchester Guardian" mit, daß diese Denkschrift, die bereits damals großes Aufsehen erregte, auf W e i s u n g des Vorsitzenden der deutbdinationalen Relcbstag&iraktion, des Abgeordneten Dr. Oberfohren, ver faßt worden ist. Solange Oberfohren lebte, mußte sein Anteil an der Denkschrift geheim gehalten werden. Seit seinem Tode besteht kein Grund mehr, das Geheimnis zu wahren. Es war sein Wunsch, die Denkschrift zu veröffentlichen. Er betrachtete den Reichstagsbrand und das Einverständnis der nationalsozialistischen Führer Göring und Goebbels als ein Verbrechen, das nicht ungesühnt bleiben dürfte. Da man bei der Haus- suchung bei Dr. Oberfohren diese Denkschrift fand und ihm androhte, er würde die Konsequenzen zu tragen haben, beging er Selbstmord. Der Inhalt der Denkschrift hat dadurch nur an Bedeutung gewonnen. Sie sprach aus, was die damaligen deutsch- nationalen Teilhaber an der Regierung über die Vorgänge des Reichstagsbrandes wissen. Die Denkschrift beschreibt z. B. eine Kabinettssitzung, in der die deutschnationalen Minister den nationalsozialistischen Ministern Vorwürfe machten, weil sie ein Verbrechen wie die Brandstiftung des Reichstags begangen und Deutschland in den Augen der ganzen Welt In Verruf gebracht hätten. Der „Manchester Guardian" schließt seinen Artikel vom 2. August mit dem Satz: »Wenn audi gewisse Einzelhelten geheimnisvoll bleiben— z. B. die Rolle, die der Agent ' he, spielt t wirkun der Hitlerregierung an der An zündung ihres eigenen Parlamentsgebäudes als eine bewiesene Tatsache zu verzeichnen." Dieses UrteD wird auch durch das bisherige Ergebnis der Voruntersuchung bestätigt. Besonders die Tatsache, daß man offiziell trotz mo- uateianger üeberhafter Arbelt von mehreren Dutzenden Kriminalbeamten, die zu uiner besonderen„Reichstagsbrandkom- mission" zusammengefaßt waren, nichts Belastendes gegen die Angeklagten veröffentlicht hat, spricht für die Dürftig- J�'t der Anklage selbst. Zweierlei aber ,st sicher: Erstens, die Brandstiftung kann nur In einem Zeltraum von höchstens einer Viertelstunde von einer Gruppe von mindestens 12 gut zusammenarbel- §>' der Nazis, van der Lübbe, spielte — so ist doch die Mitwirkung tender Menschen vorgenommen worden sein. Zweitens, sie können auch nur durch den unterirdischen Gang iq den Reichstag gelangt sein, der vom Gebäude des Relcbstagspräsiden- ten Göring in das eigentliche Reichs. tagsgebäude führt. Da das Präsidentenhaus dauernd von einer Wache, bestehend aus mehreren Dutzenden SA.-Leuten bewacht war, so ist es völlig ausgeschlossen, daß nicht mit der SA. im Bunde Befindliche diesen Zugang haben benutzen können. • Die Voruntersuchung hat den Nazis keinen Weg gezeigt, um an diesen beiden für sie vernichtenden Feststellungen vorbeizukommen. Nie ist deshalb Macht- habern ein Prozeß so unbequem gewesen wie dieser. Findet er statt und wird er von der öffentlichen Meinung der gan zen Welt kontrolliert, dann wird die Auffassung, daß der Reichstagsbrand das schlimmste nationalsozialistische Verbrechen ist, eine vieltausendfache Bestätigung finden. Fedienbadi ermordet Die Mörder sagen: Auf der Fludit ersdiossen! Der ehemalige Redakteur des„Voiksbiatt" in Detmold und frühere Privatsekretär des im Jahre 1919 in München erschossenen bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, Felix Fechenbach, sollte in einem Kraftwagen nach einem bayrischen Konzentrationslager gebracht werden. Unterwegs unternahm Fechenbach angeblich, wie die amtliche Korrespondenz behauptet, einen Fluchtversuch. Als er auf mehrmaligen Halt-Ruf nicht stehen blieb, feuerte die Begleitung hinter dem Fliehenden her. Eine Kugel traf Fechenbach tödlich. ••• nommen hätte, Ist ganz ausgeschlossen. Er kannte die Methode der Konterrevolution viel zu gut, um sich auf diese billige Art abschießen zu lassen. Wie sagen die Naziministcr: Noch nie ist eine Revolution so unblutig verlaufen...1 Wollte man Fechenbach ungefährdet von Detmold in das Konzentrationslager von Dachau bringen, dann wäre der Transport mit der Eisenbahn, begleitet von Gefängnisbeamten, der einfachste und sicherste Weg gewesen. Man hat statt dessen auf der 600 km weiten Entfernung den Transport in Kraftwagen mit SA-Begleitmannschaften gewählt Wer diese Anordnung traf, trägt die volle Verantwortung für die Ermordung Fechenbach s. Wer das ist, geht aus dem folgenden Briefe hervor, den Fechenbach Mitte Juli seiner Frau schrieb: „Heute wurde Ich dem Herrn Staatsminister vorgeführt Ich wurde an Eisner und an meinen Prozeß erinnert und habe manches hören müssen, was mir nicht angenehm war. Aber ich dachte an Dich und an die Kinder und habe geschwiegen. Das Entscheidende, was Dich besonders Interessiert und weshalb ich Dir heute schreibe, Ist dies: Der Herr Staatsminister hat mir eröffnet, er habe In Bayern den Antrag gestellt, mich in ein bayrisches Konzentrationslager zu übernehmen." Seine Frau, Mutter von drei kleinen Kindern, versuchte alles, um Fechenbach vor der Auslieferung an Bayern zu bewahren. Da Jede Veröffentlichung aber das Schicksal Ihres Mannes noch verschlechtern könnte, sah sie davon ab, der Weltöffentlichkeit ihre Befürchtung zu unterbreiten, daß ihr Mann auf dem Wege oder in Dachau ein furchtbares Schicksal bereitet werden sollte. Nun ist es trotzdem geschehen. Mit Felix Fechenbach ist wieder einer unserer Besten der braunen Mordbestie zum Opfer gefallen. Er stand seit 1918 In der Bewegung und trat besonders bei dem Umsturz in Bayern im November 1918 hervor. Der damalige Ministerpräsident Kurt Eisner machte den Jungen, mutigen Kämpfer zu seinem politischen Sekretär und vertraute Ihm wichtigste Aufgaben an. Später wurde Fechenbach zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, well er einen Papstbrief, der sich Ober den Kriegsausbruch zugunsten Deutschlands äußerte und der seit langem der ganzen Welt bekannt war, Inhaltlich einem(ranzöslscbeo Journalisten mitteilte. Von dieser ungeheuerlichen Strafe hat Fechenbach 5 Jahre abgesessen, bis ihn die Reichsamnestie befreite. Am 5. März wurde er von SA.-Leuten überfallen und schwer mißhandelt. Jetzt hat ihn die tödliche Kugel getroffen. Daß Fechenbach beim Transport einen Fluchtversuch unter- Frieden durdi Wahrheit! Die Pflicht der Völker und der Regierungen Es gibt nur ein Mittel, den bedrohten Frieden Europas zu retten: man muß dem deutschen Volk die Wahrheit sagen! Der Krieg wäre 1914 nicht ausgebrochen, wenn man rechtzeitig die Wahrheit gesagt hätte. Niemand in Deutschland wußte damals, wie vollständig die moralische Isolierung war, in der man sich befand. Niemand wußte, wie einmütig die ganze Welt war In ihrem Urteil über den verrückten Kaiser und seine aberwitzige Außenpolitik. Volk und Regierung gaben sich törichten Illusionen hin. Hätten sie gewußt, daß England und Italien an Frankreichs Seite(echten würden, sie hätten es mit den Kriegserklärungen weniger eilig gehabt und der Friede wäre erhalten geblieben. Die verdammte diplomatische Korrektheit bat die Welt 1914 In die Katastrophe gestürzt. Heute ist es noch schlimmer. Heute lebt das ganze deutsche Volk In einem Keller ohne Licht. Es weiß nicht einmal, wie es Im eigenen Lande aussiebt, geschweige denn, was draußen vorgeht Alle seine Informationen bezieht es aus Zeitungen, iür die das Wort geschaffen scheint:„Gelogen wie gedruckt!" Aus diesen Zeltungen erfahren die Deutschen, daß in der Welt die größten Sympathien für Hitler besteben, außer bei den Marxisten und bei den Juden, die gegen Deutschland hetzen. Kommt es zu Verwicklungen, so hat nicht die brutale Dummheit der Berliner Regierung die Schuld, sondern eben die„Jüdisch-marxistische Hetze", die man bekämpft, Indem man Juden und Marxisten in Konzentrationslager steckt oder an die Wand stellt. Die Denkwelse des deutschen Volkes, zum mindesten seiner führenden Schichten, entfernt sich mit zunehmender Geschwindigkeit von Jener der übrigen Weit. Daraus ergibt sich nicht bloß eine Kriegsgefahr, die zur Not mit den normalen Mitteln der Diplomatie bekämpft werden könnte, sondern eine Entwicklung, an deren Ende mit mathematischer Gewißheit der Krieg steht Ihr begegnen und damit den Frieden retten, kann man nur, wenn man die ausgefahrenen Gleise der üblichen Diplomatenkunst entschlossen verläßt und dem Deutschland von heute— Regierung und Regierten— die Wahrheit sagt. Reichsdeutsche Flieger haben über österreichischen Städten Scbimpfblätter gegen Doll- fuß abgeworfen. Deswegen haben Italien, Frankreich und England In Berlin„ireund- schaftlicbe Vorstellungen" erhoben. Nach bewährter Methode hat die Hitlerregierung zwar in rüdem Ton geantwortet, von der wichtigen Voraussetzung ausgebend, daß ihre deutsche Anhängerschaft Kraftmeierei mit Kraft verwechsein würde, In der Sache aber bat sie gekuscht. Sie bat Mussolini Ihre Unterwerfung angeboten, weil sie sich diesmal In völlige Isolierung befand. Aber glaubt Jemand, daß damit die internationale Atmosphäre gereinigt und der Frieden gesichert sein wird? Hinter der österreichischen Frage lauern unzählige andere. Aber keine einzige von ihnen — selbst die der Abrüstung nicht— ist so wichtig, daß mit ihr zugleich auch das Gesamtproblem gelöst werden könnte. Das Gesamtproblem, das Ist der Bestand eines faschistischen Deutsch- lands und sein Verhältnis zu der übrigen Welt Nur wenn dieses Gesamtproblem international mit aller Aufrichtigkeit und Klarheit zur Diskussion gestellt wird, kann der Zusammenstoß vermieden werden, der sonst rniver- meldilch Ist. Wer den Frieden retten will, der muß die Mauer durchstoßen, hinter der die Hitlerregierung das ganze deutsche Volk gefangen hält Er muß diesem Volk sagen, daß es In der ganzen Welt keinen ehrenbaiten Menschen gibt, der sich nicht von seiner jetzigen Regierung voller Abscheu abwendet Er muß ihm sagen, daß dieses allgemeine Welturtetl In Jenen zahllosen Verbrechen begründet ist, die die Hitier- regierung begangen hat, und die vor ihm bisher verborgen gehalten wurden. Er muß ihm sagen, daß niemand den Friedensbeteuerungen Hitlers glaubt, daß vielmehr alle Weit in dei fieberhaften Aufrüstung Deutschlands die Vorbereitung zum Revanchekrieg erblickt. Wer den Frieden retten will, der muß dem deutschen Volke sagen, daß es im Falle eines solchen Revanchekriegs nirgends Freunde, überall nur Feinde finden würde, und daß am Ende dieses Krieges das Ende Deutschlands steht. Wir deutschen Sozialdemokraten sehen mit Entsetzen, wie das deutsche Volk mit verbundenen Augen zur Schlachtbank geführt wird. Wir bleiben In unserem Willen, den Frieden zu erhalten, unerschütterlich. Wir sehen aber auch, daß die diplomatisch korrekte Methode, Deutschland in eine Reihe internationaler Bagatellprozesse zu verwickeln, dem Ziel der Friedens- Sicherung In keiner Weise dient. Das deutsche Volk aufzuklfireu über die Lage, In der es sich befindet, ist für uns nationale Pflicht, es ist aber auch allgemeine Menschenpllicbt Und wir meinen, daß bei der Erfüllung dieser Menschenpllicbt die Regierungen zivilisierter Staaten nicht zurück-, sondern voranstehen sollten. Das Prinzip der Nichteinmischung wird zum Widerspruch In sich selbst, wenn seine strikte Befolgung zwangsläufig zu der brutalsten Form der Einmischung führt, der mit den Waffen in der Hand! Das Wort Goethes„Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist!" muß beute dahin abgewandelt werden, daß man die Deutschen belügt, wenn man gegen sie böfllcb ist Nicht Höflichkeit kann nützen, sondern nur Aufrichtigkeit. Wir möchten, daß das deutsche Volk die Wahrheit erführt, nicht wenn es schon zu spät ist, sondern, solange noch Zeit ist. Aus der Lüge wüchst der Krieg, aus der Wahrheit der Frieden. Darum lordern wir die große Offensive der Wahrheit nach Deutschian hinein nicht gegen Deutschland, sondern für Deutschland! Eine beispiellose Freehheit Der Brandstifier-Keidiskanzler lügt die Welt an Im gleichen Augenblick, wo der Welt durch die Denkschrift Oberfohrens bekannt wird, daß Göring den Reichstag tatsächlich hat anzünden lassen, gibt der Peußische Pressedienst ein Interview Hitlers mit dem Korrespondenten eines New Yorker Blattes wieder, dem wir folgendes entnehmen: Als wir in Jener Nacht des Brandes im Reichstag und Im Berliner Schloß Hilfeschreie per Telephon, Draht und Funkspruch aus ganz Deutschland über die bevorstehende bolschewistische Verschwörung und Umwölzung erhielten, entschloß Ich mich, rücksichtslos alle mir zur Verfügung stehende Gewalt, alle Sturmkrifte sofort einzusetzen.„Biegen oder brechen" war für mich die Parole. Die Enthüllungen, die zwei Stunden später gemacht waren, haben mir recht gegeben. Allein In Berlin fand man bei der sofortigen Besetzung öffentlicher Gebäude, einschließlich der Universität, der Bibliotheken und zahlreicher Berliner Bezirksrathäuser und der Brandherde Zündschnüre, mit Benzin durchtränkte ZUndwolle und Explosivstoffe. Hätte ich nicht in Jener entscheidenden Stunde für Ordnung und Frieden der bolschewistischen Inbrandsetzung Deutschlands entgegengehandelt, wären nicht nur der Reichstag und das Schloß (das Schloß ist überhaupt nicht angezündet worden. D. Red.), sondern sämtliche öüentlichen Gebäude Deutschlands und wer weiß, vielleicht das gesamte Abendland, heute ein Schutthaufen. Die komipenden Gerichtsverfahren werden der Welt die Augen öffnen über die Sensationen der Nacht, die aus dem gefundenen Material hervorgehen, das bisher wegen der Untersuchung nicht enthüllt werden konnte. Das Beweismaterial garantiert die Aufdeckung eines bolschewistischen Weltkomplotts. Alles war zum Losschlagen fertig. In Deutschland wurden In den letzten Monaten 3000 Zentner Sprengstoff von den Kommunismen aufgestapelt. Dann wandte sich dieser einzigartige Kanzler eines Volkes von 65 Millionen Menschen der Judenfrage zu und sagte: Weshalb beweint die Welt mit Krokodiltränen das hundertfach verdiente Ver- brecberschicksai einer kleinen Minderheit? Ich frage den Präsidenten Roose- veit, ich frage das amerikanische Volk: Seid ihr bereit, diese Brunnenvergifter der deutschen wie der christlichen Weltseele bei euch aulzunehmen? Bei der nationalsozialistischen Revolution sind noch keine 20 Menschen ums Leben gekommen. Wie war es bei der französischen, wie war es bei der amerikanischen Revolution? Wie war es in Rußland, wo 11 Millionen vom jüdischen Kommunismus hingeschlachtet wurden? Soll ich Tausende deutschblütiger Menschen vernichten lassen, damit alle Juden geschützt arbeiten, leben und prassen können, während ein Miilionenvolk verhungert und verzweifelt dem Bolschewismus zum Opfer fällt? Nur weil Amerika, England und Frankreich nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, obwohl sie im eigenen Land die Juden diskriminieren, Soli ich aufhören, deutsche Mädchen, Greise, Mütter und Kinder gegen das Gift zu schützen? Ich sage noch einmal, wir zahlen Fracht und Spesen und geben ein kleines Bankkonto dazu, wenn ihr sie haben wollt! Kein Wort der Polemik gegen diesen Wahn- sinnsausbruch eines„Staatsmannes". Man muß ihn in seiner entsetzlich barbarischen Primitivität ohne Kommentar wirken lassen. „Volkskanzlers Sommerfrlsdie" Durch Dachau zum 3. Reich Bekenntnisse einer schönen Seele In der Hölle von Dachau schmachten Tausende ehrenhafter und untadeliger Männer aller Parteien, die sich bei den gegenwärtigen Macht- iiabern Deutschlands irgendwie mißliebig gemacht haben. Mißhandlungen bis zur Tötung und sogenannte Erschießung auf der Flucht sind an der Tagesordnung. Den Nationalsozialisten genügt es aber nicht, ihre unschuldigen OpfeY zu martern, sie fügen auch noch die öffentliche Verhöhnung hiezu. In der„Coburger Zeitung" veröffentlicht der Abg. Hans Dietrich, Schulmeister seines Zeichens, folgende witzig sein wollende Plauderei: In etwas mehr als einer Viertelstunde hat uns der 100- PS-Wagen des Bayerischen Kultus minlsterlums nach Dachau gebracht, Es gießt in Strömen, das richtige Sträf.Ings- wetter! Fast alles— Wachmannschaften wie Bewachte— befindet sich daher In den Baracken... In einer... Halle warsn mit Röcksient auf den strömenden Regen etwa 1000 Sträflinge (also die Hälfte der etwa 2000 Mann betragenden Sträfllngsbclegschaft des Dachauer Lagers) zum Appell angetreten, um Singen mit Treten auf der Stelle zu üben. „Liebe Lina, laß das Weinen!" donnerte es, als wir eintrafen, so frisch und kräftig durch die Halle, daß wir der festen Ueberzeugtmg sein durften, sie wird es tafsächlich sein lassen. Als es allerdings dann ebenso zuver- Mchtlich weiter im Text durch die Halle schallte;„Uebers Jahr, wenn die Rosen blßh'n, werd' Ich wieder bei dir sein!" konnten wir ein kleines skeptisches Lächeln nicht unterdrücken. Im Ernst gesagt; Was man hier an Menschenmaterial sieht, dem steht zum allergrößten Teile schon deutlich lesbar im Gesicht geschrieben, warum es in Dachau sitzt. 80 bis 00 Prozent dieser 2000 Sträflinge — dieser erschütternde Eindruck muß bei Jedem in rassischen Dingen klar sehenden Besucher unabweisbar entstehen— sind verbastardierle Promenadenmischungen mit IQdiachem, negerischem, mongoütchem oder— der Teufel mag es wissen— sonst welchem Bluteinschlag. Bei manchen werden— um an das bei unserem Eintritt in die Halle gesungene schöne Soldatenlied wieder anzuknßpfen— noch einige Maie„die Rosen btßhen müssen, bis sie wieder bei uns sind", bis der Dachauer Kuraufenthalt sie einigermaßen geheilt und lu halbwegs nützlichen Gliedern der deutschen Volksgemeinschaft wieder gemacht bat. Und wiederum bei manchen wird auch die geradezu fabelhafte Dachauer Kur nicht bellcti. Wohl hat unsere wackere SS. im Dachauer Lager auch ihnen— wie allen anderen— Sinn Iflr Zucht und Ordnung, Sauberkeit und Kameradschaft beigebracht— die Eßnäple, fein sauber ausgerichtet, funkeln wie nagelneu, es werden die Knochen zusammengerissen und dl# Hände Iiiegen an die Hosennaht des Drlllicbanzugas und keine Wltnper zuckt(mit Ausnth.iie der vorichrlftsmüßig mitgehenden Augen), wenn nur ein Scharführer vorübergeht. Bei diesem Teil der Dachauer Gesamtbelegscbalt wird wie gesagt Hopfen und Malz verloren sein wird das fremde, zwiespältige Blut ta Imen zwangsläufig sofort wieder rebeitleren, wenn dieser hellsame und läuternde Zwang tu Ende ist. Und diese hoffentlich wenigen sind es, die geradezu zwingen das Probien der Unlruchtbamachung, der zwangsweisen Verhinderung iegtlcher wel- tercr Fortpflanzung aufrollen. Sic brauchen nicht zu sterben, aber aussterben sollen sie! Wenn dieser kranke, well fromde Tel! unseres deutschen Blutes einst spurlos ausgetilgt und verschwunden sein wird, erst dann wird die Zukunft unseres Volkes endgültig gesichert sein! ...Nur zwei sogenannte Arbeiter der Stirn sind...ln der Hauptverwaltung beschäftigt Alle übrigen logenannten Intelligenten Sünder— und diese werden ganz mH Recht alt die schlimmeren bezeichnet— werde., mit Vorliebe bei Erdbewegungsarbeiten verwendet. Es untersteht auch fatulcl.Iich keinem Zweifel, daß das Aullockern von Erd- massen bei gewiseen„Intalllgeftten" Zeitgenossen auch gewisse Gedankengänge auf lockert und ebenso wie die dunkle Erde Dachaus dem Tageslicht ihre dunkle Crdan- kenweit dem Lichte des Nationalsozialismus erschließt. So wird zur Zelt ein allen Anforderungen entsprechendes einfaches Schw'mnl- bad geschaffen, desgleichen ein Sportpia'.u und endlich ist die Errichtung eines das ganze Lager beherrschenden Wachttunns geplant, der mit schweren MG.s bestückt werden solL Es fehlt nämlich nicht an Versuchen, das sogenannte innere Lager, welches die Sträflinge nur nachts bewohnen und das neben dem das Gesamtlager umziehenden Stacheldrahtnetz noch mit einer hochgespannten elek- triseben Drahtleitung umgeben Ist, zu durchbrechen! All dies weist eindeutig darauf hin, daß das Lager Dachau eine ständige Einrichtung wird, eine Erziehungsanstalt für all« dlejenlgao, gleich welcher Rasse, welchen Glaubens und welchen Standes, die nicht begreHen wollen daß das Rritte Reich endgültig und unabweisbar angebrochen Ist. Alles in allem, Dachau ist heute nicht mehr eine Episode, es ist ein Programm und eine Parole für alle, die weder guten Glaubens noch guten Willens sind:„Durch Dachau zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich!" Das Geiselsystem deutsch? Eine Lektion aus Amerika. Das große amerikanische Blatt„New York Herald Tribüne" beschäftigt sich In einem ausführlichen Artikel mit dem deutschen Geiselsystem. Sonst nicht gewohnt, starke Worte zu gebrauchen, nennt es dieses System„unwürdig und gemein". Und an dieses Werturteil knüpft es dann folgenden historischen Exkurs: Das Geiselsystem hat seinen Ursprung im Orient und nahm von dort seinen Weg nach dem Rom der Verfallszeit Vor dem war es in Indien, China und Persien stets das letzte Hilfsmittel rettungslos tugrundegehen- der Dynastien gewesen. Die alten Germanen aber hätten dieses niederträchtige System stets bekämpft und von der gotischen Krim bis zum skandinavischen Eisland hätte du Gesetz gegolten, daß für die Taten des Feindes niemals an wehrlosen Frauen und Kindern Vergeltung geübt werden dürfe. Mit Germanentum und nordische Rasse haben darnach solche Schändlichkeiten nichts zu tun. Nicht minder tcharf als„New York Herald Tribüne" urteilt ein anderes großee Btstt, „New York Times", über die deutschen Zustände. Sie seien, so wird dort gesagt, eine Mischung von Irrsinn und Gewalttätigkeit, sie entspringen jener Art von Selbstüberhebung, die die Griechen Hybris nannten und der die Götter stets die bitterste Strafe folgen ließen. Ilm Fedienbadh Zu seiner Ermordung durch Hakenkreuzbanditen. Immer wieder das alte Wort, Sie haben Ihn auf der Flucht erschoseen— Und immer wieder der gleiche Mord, Sie morden und lügen! MerkEt Euch Genosse« l Immer wieder: ielg und gemein— Erst haben sie einen Menschen erschlagen, Dann wollen sie'« nicht gewesen sein, Aul der Flucht erschossen? Hat nichts zu sagen! Immer wieder: Vergeßt sie nicht, Die endlose Kette der Kameraden, Es kommt die Sühne! Es kommt das Gertckti Für ieden Genossen, den sie zertraten. Da liegt wieder einer, den sie getlllt, Er Ist als ein Opler der Freibell getallen. Er Hei als Saat einer kommenden Welt— Er starb— und lebt fort, fort In uoe eilen! Honec. 1 1 i Die Herren Jaden freundlldiei eingeladen „ f"1 Leip*l",r Mounmt trklirt all» G* rUchtt, üuä nichtarische Kautleute von der Läß' ilttr Messe ausgeschlossen werden sotten, W anbegrUndet Auch den deutschen Juden toll auf der Reise nach Letpslg kein HlndernU in den Weg gelegt werden.(Höchstens werden 1,1. Straßl ha,b,ot teprügelt. wie Ende Juh anl dem Brühl der Amerikaner Zucker man.) Helnrldi Heine *n Göring« Bluigeseixen* ''D.eT[romme Bürger soll hinlOro ruhiger schlalen dürfen- das will die Regierung mtt miichem Etler bewirken. Aber warum sotten , nlcht etwas weniger schlalen?— besser* wie müssen heul wachend die Nächte vef Waten. Und dann, haben sie nicht den lieben '.üm ste,*u'�hülsen, sie. die Frommen? Oder zwelleln sie an diesem Schuh, sie— die Prommenr,-1 Lobe bei Heines! Das Konzentrationslager von Breslau Die Presse der janzen Welt hat mit Ent- »etzen und Entrüstun« die Nachricht verzeichnet, daß der ehemalige Reichstagspräsldent Paul Löhe aus dem Spandauer Gefängnis In das berüchtigte Breslauer Konzentrationslager, das dem Fememörder Heines untersteht, gebracht worden ist. Der Politiker Paul Löbe ist umstritten. Den Mann, dessen lautere Gesinnung niemand bestreitet und der als Reichstagspräsident ein vorbildliches Gerechtigkeitsgefühl an den Tag gelegt hat, kennt und achtet die ganze Welt. Darum hat gerade der Fall Löbe wie eine Bombe eingeschlagen, obwohl er an sich nichts Außergewöhnliches darstellt; denn viele zelmtausende ehrenhafter Männer und Frauen die ebensowenig Schuld auf sich geladen haben wie Löbe, erleiden dasselbe Schicksal wie er. Es ist gemeldet worden, die Ueberführung nach Breslau sei erfolgt, weil sich Löbe über die Zustände In den Konzentrationslagern ungünstig geäußert habe. Nach den Gesetzen des Dritten Reiches würden natürlich solche Aeuße- rungen ohne weiteres mit einer Verschärfung der schon verhängten Freiheftsberaubung zu i bestrafen sein. Indes hat Löbe keineswegs derartige Aeußerungen getan. Offenbar handelt es sich hier im eine Verwechslung mit] Ein amerikanischer Journalist, Sonderkorrespondent des„Sunday Referee", besuchte kürzlich Berlin und nahm dde Gelegenheit wahr, den Propagandaminister des Dritten Reiches, Josef Goebbels, su sprechen. Hindruck und Erlebnis schildert er nun in seinem Blatt folgenderweise: Galgen und was dann? Eine neue amtliche Greuelmeldung aus Deutschland ließ in diesen Tagen die Welt aufhorchen: „In Zusamenhen« mit den neuen Bestimmungen ßber den Strafvollsng wird man die Hinrlcbtnagen ene Gründen der Ab- scbreckungswlrkung einem breiteren Publlknm angängllcb machen... Durch die Inszenierung einer iroBen Sehen, die dem breiten Teil der BevöUteruna Gelegenheit geben soll, der tödtieben Strafvo!!- Streckung beizuwohnen, holft msn In starkem MaBe ebechreckend und erzieherisch wirken zu können. Der abschreckende Eindruck toll der gleichzeitig nach Breslau eingelieferten Frau des ehemaligen Oberpräsidenten Lüdemann. Frau Lüdemann, die sich bis dahin in sogenannter„Freiheit" befunden hatte, lebte begreiflicherweise in schwerster Sorge um das Schicksal ihres Mannes, der bekanntlich von Heines im Triumph durch alle Straßen Breslaus geschleppt worden war. Aus dieser Sorge heraus kam Frau Lüdemann zu einigen Aeußerungen über die Konzentrationslager, die nicht übertrieben schmeichelhaft waren. Dafür wurde sie zugleich mit Löbe in das Konzentrationslager gebracht Warum aber Löbe dahin- kam, ist bisher ein Geheimnis geblieben. Möglicherweise hängt diese Ueberführung mit jener Meldung zusammen, nach der Hln- d e n b u r g der Frau Löbe versprochen haben soll, er werde bei Hitler.wegen der Freilassung ihres Gatten vorstellig werden. lieber das Breslauer Lager schreibt„Manchester Guardian1*, es sei eines der meist gefurchtesten von ganz Deutschland. I Tägliche Fronarbeit wechselt mit militärischem Drill, patriotischem Unterricht und Zwangslektüre von Hitlers„Mein Kampf". In der Nacht werden die Gefangenen immer wieder w•> In besonderen Fällen noch dadurch rerstärkt werden, daß der Galgen mit der Leiche des Gehenkten mehrere Tage auf dam Öilentllchen Platz, wo die Hinrichtung statt- iand, stehen bleibt." So melden die Blätter. Wenn also Gocrings sadistische Träume reifen— und wir wagen nicht, daran zu zweifeln— so werden die Raben bald mitten in Berlin um den Galgenstein kreisen. Dia Welt hat aufgehört, sich über das III. Reich zu wundem. Keine sadistische AbsCheullohkeit, keine mittelalterliche Roheit, die in dem großen Konzentrationslager DouUchland nicht denkbar wäre! Haben die herrschenden Henker einen Teil ihrer Einfälle zunächst aus demt alten Oesterreich bezogen— etwa die Statthalterschaften oder den Antisemitismus, den Pernerstorfer den„Sozialismus der dummen durch blinden Feueralarm herausgejagt, am häufigsten dann, wenn die Lagerkommandanten erst zu später Stunde aus der Stadt heimkehren. Am schlimmsten werden Gewerkschaftsfunktionäre, Sozialdemokraten und Reich sbannerleute behandelt. Ein beliebtes Vergnügen der Peiniger bestellt darin, schwarzrotgoldene Fahnen durch den Dreck zu ziehen und sie dann von den Gefangenen waschen zu lassen. Oder man zwingt auch die Gefangenen unter dem lauten Hallo der umstehenden Nazi-Garden Schweine an den Beinen anzufassen und sie als Genossen anzureden. In diesem Lager beiindet sich der frühere sozialdemokratische Bürgermeister von Breslau, Mache, und sein Sohn. Ein Reichbannerfülirer, der dort seit Monaten sitzt, wird immer wieder geschlagen. Er hat bisher 100 bis 200 Hiebe erhalten. Zahlreiche Gefangene liegen mit Knochenbrüchen darnieder.„Vor etwa 14 Tagen", so schließt das angesehene englische Blatt seinen Bericht, „wurden die Gefangenen durch die Straßen Breslaus geführt. Man zwang sie zu singen. Sie sahen so grau, so hohläugig, so elend aus, daß selbst ihre Freunde, die herbeigekommen waren, um sie vorbeiziehen zu sehen, sie kaum erkennen konnten." Kerle" nannte, oder die Hinrichtung durch den Galgen— so sind sie jetzt bei Khemal Pascha angelangt, der auch die„Leichen der Gehenkten" tagelang zur Schau hängen ließ. Doch die Geschichte der Despotien lehrt, daß Abschreckung sehr bald zur Abstumpfung führt. Wie Rauschgifte, sollen sie auf den Körper dauernd wirken, In immer stärkerer Dosis verabreicht werden müssen, so liegt es Im Wesen der Abschreckungsstrafe, daß sie ständiger Stelgerungen bedarf, wenn sie ihren Zweck erreichen»oll. Aber es ist dafür gesorgt, daß die Galgen nicht In den Himmel wachsen. Jede„Steigerung" findet einmal, wenn der Gipfel erreicht ist, ihren Stillstand. Wenn sich das gequälte deutsche Volk an Folter und Hinrichtung gewöhnt hat, wenn Judenverfolgungen und Geiselmorde nicht mehr zjelien, wenn die deutschen Menschen gegen des Mittelalter in jeder Gestalt, wenn sie selbst gegen das Zur-Schau- Hängen verwesender Delinquentenlelchen abgestumpft sind, und wenn die Stimmen des Hungen, der Verzweiflung, der Auflehnung doch nicht schwelgen-- was dann? Wenn die Goerine-Sadisten in schlaflosen Angstnächten erkennen müssen, daß sie ihre Straf- und Abschreckungsmittel allzu fasch verbraucht, daß sie in wenigen Monaten alle TrUmphe ausgespielt und Deutschland vollkommen bestiallslert haben— was dann? Respekt vor Ausländern Paul Goldmaniu wunderbare Rettung In Berlin ist vor einigen Tagen der angesehene Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse", Dr. Paul Goldmann, verhaltet worden. Eine Intervention der Vereines der ausländischen Presse hatte Jedoch die Wirkung, daß der Gefangene nach wenigen Stunden wieder freigelassen wurde. Dr. Paul Goldmann ist Reichsdeutscher. Es liegt also der ungewöhnliche Fall vor, daß ein Reichsdeutscher enthaftet wurde, weil einflußreiche Ausländer sich für ihn• einsetzten. Die Gefangennahme Paul Goldmanns als Geisel wegen der Verhaftung nationalsozialistischer Journalisten in Wien, war natürlich nichts anderes als ein Banditenstreich. Aber Banditenstreiche ähnlicher Art hat die Hltlerrcgiarung viele zehn- tausende begangen, und die unglücklichen Opfer sitzen fest, für unbestimmte Zeit verbrecherischer Willkür preisgegeben. Nur Paul Goldmann hatte das Glück, wieder freizukommen, weil er, obgleich Reichsdeutscher, doch der Kollege einflußreicher Ausländer ist. Hätte ein deutscher Journaliston- verein sich erfrecht, wegen der Gefangennahme Goldmanns Hinspruch zu erheben, so hätte das nichts nur nichts genützt, sondern die Fürsprecher wären selber auch noch eingesperrt worden. Wenn jAusländer kommen, öffnen sich ihnen nicht nur die Pforten des Auswärtigen Amtes, sondern auch ihrem Schützling die Tore des Gefängnisses. Seit Deutschland„national" regier! wird, ist der Deutsche In Deutschland ein Hund, der Ausländer aber ein großer Herr. Und darum ist das deutsche Volk heute das verachtetste der Welt.' Boykott! Beschluß des Internationalen Gewerkschaftskongresses Der Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Brüssel hat zum Kampf gegen den Faschismus folgende Entschließung angenommen: „Der in Brüssel vom 30. Juli bis zum 3. August 1933 tagende Kongreß des IGB. bekundet aufs neue seinen Willen, die Freiheit und die Demokratie aufs äußerste zu verteidigen und dem Faschismus und den Diktaturen in allen Ihren Erscheinungen Widerstand zu leisten. Er stimmt einmütig dem gemeinsamen Pariser Beschluß der Exekutive des IGB. und des Büros der SAI. vom Mai 1933 zu, der die Greuel und den Terror des Hitler-Faschismus brandmarkt. Die außergewöhnlichen Gefahren, die der deutsche Nationalsozialismus auslöst, fordern außerordentliche Maßnahmen. Deshalb verhängt der Kongreß gegen die deutschen Waren und Produkte den allgemeinen Boykott. Er begrUBt die Tätigkeit der Landeszentralen, die schon die hierzu notwendigen Maßnahmen getroffen haben. Er fordert nun alle angeschlossenen Organisationen auf, unverzüglich alle Maßnahmen, je nach den vorhandenen Möglichkelten, zu treffen, um den Boykott wirkungsvoll zu gestalten. Der Kongreß appelliert an die organisierte Arbefterschait und an alle Menschen, die guten Willens sind, sich dem Boykott anzuschließen und die Opfer des Kampfes gegen den Faschismus durch freigleblge Spenden für den Mattoottl- Fonds zu unterstützen. Der Kongreß appelliert auch an alle nach Freiheit und Recht strebenden Menschen, mit der Internationalen Arbeiterbewegung für die Verteidigung der Freiheit zu kämpfen, da ohne Freiheit keine Kultur bestehen kann." Hände hoch, sonst wird gesdiossenl Mit dieser Ueberschrlft soll keineswegs ein schundiger Slierlock-Holmes-Rotnan eingeleitet werden, sondern eine Tatsache wiedergegeben werden, die sich In der„nationalen Hochburg", In der Technischen Hochschule In Charlotten- burg abgespielt hat Morgens, so zirka um 9 Uhr herum, strömen die Studenten gewohnheitsmäßig zu den Hör- und Ucbungssälen der Techniachen Hochschule. Alle, bis auf einige Nachzügler, haben bereits daa Gebäude betreten, Da plötzlich öffnen sich verschlossene Türen, und Hilfspollzel In SA.- Uniform zwingt alle Studenten, die Hände hochzuheben, und revidiert sämtliche Taschen und Mappen. Die politische Polizei soll vermutet haben, daß erwachsene Studenten auch andere als nationalsozialistische Zeitungen und Zeitschri- ten lesen und sogar an andere weitergeben sollen. Und das ist bekanntlich im neuen Deutschland ein todwürdiges Verbrechen. Der otflzlöse Pollzeibericht meldet mit einigem Trtumph- gefühl über den gewaltigen Erfolg, daß vier Studenten in ihren Mappen eine verbotene Zeitung gehabt haben sollen. Selbitveritändlich wurden diese vier Schwerverbrtcher sofort verhaftet. Braune Posiränber Die tchweältche Presse stellt mit Eni- rästune fest, daß seit einiger tett kaum ein Brief aus Deutschland ungeöffnet ankommt. Aber nicht genug damit, auch Briefe aus Oesterreich und der Tschechoslowakei weisen Zeichen der Verleitung auf, und von drei aus Wien an eine große Stockholmer Zeitung gerichteten Briefen ist nur ein etmiger angekommen. Da die Postsache v«f siegelt durch Deutschland gehen, wundern sich die Schweden sehr. Als ob man im Dritten Reich vor Siegeln und Verträgen Respekt hdtte! Wilhelm IL hat sieben Autos Der iweitdltesti Sohn des Exkronprlnten, Louis Ferdinand, der bei Ford in Amerika beschäftigt ist, plaudert zu amerikanischen Journalisten über einen Besuch in Doorn:„Großpapa amüsierte steh köstlich über meinen Versuch, ihm einen Ford tu verkaufen. In Doorn hat er eine Menge hochwertiger Wagen und er sagte mir, ich würde nie ein guter amerikanischer Geschäftsmann werden, wenn es mir nicht gelänge, Ihn tu überzeugen, daß ein amerikanischer Wagen besser Ist als die von ihm benutzten. Er hat sieben und sie sind alle sehr teuer." Gobbel-Greuel Der Minister für Propaganda gegen Deutschland „Ich hatte große Mühe, ein Lächeln zu unterdrücken, als Ich mich Goebbels gegenüber fand. Ein kleiner Mensch, untermitte!- groß, von nicht übermäßig arischem/ sehen, mit zurückliegendem Kinn; der: also als der mächtigste Mann Deutschlai nächst Hitler) Ich habe viele berühmte Mä ner interviewt, Musaolini, dien Papat, Strlnd berg, Anatole France, Bemard Shaw, Rocke- feller, Morgan, eine gemischte Gesellschaft. Sie waren nicht alle sehr schön, aber ele hatten einen Kopf, ein Gesicht, einen Blick, es waren mächtige Männer, von entschlossenem Aussehen, während diese kleine Marionette... immerhin, man muß schon glauben, daß auch dieser Zwerg dem deutschen Volk etwas zu sagen hat; diese Winzigkeit die beinahe als unfehlbar angesehen wird und wie Jupiter Blitze um sich schleudert" Die Unterhaltung beginnt Der emerÜGt- nische Journalist erkundigt sich nach dem Schicksal der deutschen Gelehrten jüdischer Herkunft. ,Jch muß bemerken", antwortete Ooehbels, „daß Ihr In der neuen Welt Euch von unseren Schwierigkeiten keine rechte Voratel- lung macht. Amerika Ist ein Rasaengemlaclv, Bei uns sind die Verhältnlue andere. E» handelt sich nicht um Rassenhaß, sondern um ein neues Zeitalter. Der lüdlsche Strom muß aufgebalten werden. Man muß die Macht Israels zerschmettern. Juda verrecke, war unser Kampfschrei In den letzten 14 Jahren, Mag es also endlich verredten I Bei der Eröffnung der Ausstellung der deutschen Frau auf dem AdoH-HItler-PIatz habe Ich daa bezeichnende Wort gesprochen:„Von fetzt In kurzer Zelt wird es In Deutichland keine anderen Frauen mehr geben als christlich-deutsche." Die Juden müssen zum Teufel gejagt werden. Ich schätze«Ine elnfacb« anständige Prostituierte höher aU etat verheiratete Jüdin. Denn die erste ist wenigatens ein christliche« Mädchen dieses Lande«. Aber wa« Ist eine Jüdin?" In diesem Tone ging die Unterhaltung welter. Der AtnerHraner schließt seinen Bericht mit den Worten:„Ich zog es vor, die geistlose Diskussion zu beenden, indem ich mich verabschiedete, ich war glücklich, das Propagandaministerium verlassen und wieder Irische Luft atmen zu dürfen. Geiseln schreiben Briefe Kasseler Bürger für Scheidemann„in Schutzhaft44 Die Parlamentsfraktion der Deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei erhielt dieser Tage einen dicken Brief aus Kassel, dessen Absender ungenahnt blieb. Zweifellos handelt es sich um irgend eine Hilfspolizei- oder SA.-Stelle, die den Brief zur Post gegeben hat. Der Umschlag enthielt sechs Briefe von Kasseler Bürgern, die sich zur Zeit in Schutzhaft befinden, an den Genossen Philipp Scheidemann. Alle Briefe sind vom 17. oder 18. Juli datiert und verraten durch ihr Aeußeres, wie durch ihren Inhalt völlige Gleichschaltung. Offenbar sind die Gefangenen, die sämtlich als Geiseln für Scheidemann festgesetzt worden sind, durch die bekannten Mittel veranlaßt worden, die Briefe niederzuschreiben. Die Versendung besorgte dann liebenswürdigerweise die Erpresserstelle selbst, die, weil sie den Aufenthaltsort Scheidemanns nicht kannte, die gesamte Sendung an die deutsch-sozialdemokratische Parlamentsfraktion in Prag adressierte. Da schreibt beispielsweise ein Kasseler Großkaufmann; „Herrn Philipp Scheidemann. Hierdurch muß ich Ihnen mitteilen, daß ich Infolge Ihrer AeuBerungen über Deutschland in ausländischen Zeltungen auf Grund meiner Bekanntschalt mit Ihnen in Schutzhaft genommen bin. Außer der mir sehr unangenehmen Tatsache, mich in Schutzhaft zu befinden, ist dadurch auch mein Geschäft aufs Aeußerste geschädigt und steht v o r d e m R u i n. Ich muß Sie daher dringend bitten, in Zukunft jegliche Aeußerung politischer Art über Deutschland zu unterlassen. Hochachtungsvoll Unterschritt." Ein Rechtsanwalt schreibt: „Wie die Polizeiverwaltung Kassel mir mitteilt, haben Sie In ausländischen Zeitungen unrichtige Nachrichten über die Verhältnisse in Deutschland verbreitet, die geeignet sind, das Ansehen des deutschen Reiches und seiner Regierung, als auch die Interessen der deutschen Nation zu gefährden. Obwohl ich niemals zu Ihnen persönliche Beziehungen unterhalten habe und Sie auch persönlich nicht näher kenne, bin ich deshalb von der Geheimen Staatspolizei in der Annahme, daß ich zu Ihrem Freundesund Bekanntenkreis gehöre, in Schutzhaft genommen worden. Da Sie in Ihrem Fxil die Verhältnisse in Deutschland nicht beurteilen können... und ich auch keine Lust habe, unter Ihren privaten Ambitionen und Schreibereien zu leiden, ersuche ich Sie dringend, in Zukunft sich jeder Stellungnahme zu den Verhältnissen in Deutsch'and zu enthalten." Ein Dritter schreibt: „Am Sonnabend, den 15. Juli d. J., bin ich durch die Kriminalpolizei beim Po'izei- präsidium in Kassel in Schutzhaft genommen. Es wurde mir eröffnet, daß die Inhaftnahme erfolgt sei, weil Sie in der Auslandspresse das Ansehen des deutschen Reiches schädigende Artikel veröffentlicht haben." Auch dieser Bedauernswerte fleht zum Schluß den Genossen Scheidemann an, in Zukunft keine Artikel mehr zu schreiben, da er nicht wegen der Tätigkeit eines anderen leiden möchte. In dieser Art und Weise geht es weiter. Ein Oberstudiendirektor stellt sich sogar in pathetischen Ausdrücken als ein zum Dritten Reich Bekehrter vor. Ob er wirklich zur höheren Moral der G ö r i n g und Heines bekehrt ist oder ob er seinen Brief nur geschrieben hat, um nicht zu Tode geprügelt zu werden, läßt sich von hier aus nicht entscheiden, höchstens nur ahnen. Mit Erstaunen aber muß man f lagen, was die Helden des Dritten Reiches durch die Versendung solcher zu Erpresserzwecken erpreßter Briefe in das Ausland erreichen zu können glauben. Wollen sie durch sie die Welt davon überzeugen, daß es in Deutschland— keine Greuel gibt? „Diese wahrhaft miserable••.44 Die Presselakaien des Dritten Reiches führen ein bejammernswertes Dasein. Sie dürfen nur auf Juden, Nlchthltlerlaner(unter dem SammelbegriU„Marxisten" zu rubrizieren), auf Dollfuß und ganz gelegentlich ein bißchen auf Frankreich schimpfen, alle andern Dinge und Personen auf der Welt sind für sie tabu. Aber ihnen, den aUergehorsamsten Zeltungsmachcrn, darf jeder halbwegs Gleichgeschaltete dutzendweise Fußtrifte versetzen. Da blitzt und donnert es z. B. In der Augustnummer einer von Will Vesper herausgegebenen Lfteraturzeitschrfft: „Wann wird die wahrhaft miserable, von allen Göttern verlassene deutsche Presse endlich lernen, den Worten unsrer Wortgewaltigen, unsrer Dichter und Denker, wirklich den Widerhall im Volk und In der Welt zu geben, der zum Helle aller nötig fst?I Die Welt würde über Deutschland längst besser Bescheid wissen, wenn die Presse nicht in allen Dingen, die den Geist angehen und die auf das Ausland wirken können, fast ohne Ausnahme so jämerlich versagte." So! da hat die„ganz miserable, von allen Göttern verlassene deutsche Presse" wledcrmal ordentlich eins auf's Fell bekommen. Uns wUl's allerdings dünken, daß hier der Esel die Hiebe bezieht, die sein Herr verdient Was bleibt den armen Tlntenkleckserchen anders übrig, als In allen Dingen,„die den Geist angehen", zu ver- sagen? Sie dürfen noch nicht anders. Wer heut in Deutschland nicht auf Geist verzichtet, dem kann es leicht geschehen, daß er ihn aufgeben muß— und all die Blätterchen vom Miesbacher Anzeiger bis zur Krappitzer Lokalzeitung möchten doch so gern leben bleiben. „Die Welt würde über Deutschland längst besser Bescheid wissen, wenn die Presse.." behauptet Jene streitbare Zeitschrift Nun, die Welt weiß viel zu gut Bescheid, weiß besser Bescheid, als die trunkenen Hltlerbarden vom Schlage Will Vespers. Was aber weiß Deutschland, was wissen die deutschen Zeitungslescr von der Welt? Nichts, gar nichts, denn die Blätter müssen die Weltmeinung über das Dritte Reich verschweigen oder umlügen, wenn sie nicht verboten werden wollen. Daß die deutsche Presse„wahrhaft miserabel und von allen Göttern verlassen ist", stimmt haargenau. Schuld daran tragen aber die regierenden Zensoren, denn eine unfreie, geknebelte, knecht- sclige Lakeienpresse kann Ihre kulturellen Aufgaben nicht erfüllen, muß miserabel sein. Ist das für gleichgeschaltete Gehirne wirklich so schwer zu begreifen? Scheint so, denn Will Vesper fordert am Schluß seiner donnernden Philippika: „Man muß dringend verlangen, daß das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda die gesamte deutsche Presse endlich In eine ernste und strenge Zucht nimmt..." In n o c h strengere Zucht? Dann müssen die Blätter im Lande der Dichter und Denker weiß erscheinen. Blüten weiß! Und das wäre allerdings für den deutschen Geist noch am gesündesten. Wettrennen der Prinzen Sage mir, wer Dich lobt und ich will Dir sagen, wer Du bist Der deutsche Exkronprinz hat sich im„Evening Standard" für das neue Deutschland in die Heldenbrust geworfen. Die Weltgeschichte könne, so raeint der Ausreißer, kein anderes Beispiel einer Revolution liefern, die„so frei von Blutvergießen und Ungesetzlichkelten" sei, wie die hakenkreuzlerische. Daß Hunderte viehisch erschlagen. Tausende in Kon- zentrationslager gesperrt gefoltert und geschlagen wurden, daß Männer, wie Stelling in nicht- wiederzuerkennenderweise zu Tode geschunden, Frauen mißhandelt wurden— das alles Ist diesem prinzlichen Helden der Etappe nichts. Di« HohenzoIIernprinzen veranstalten seit längerem ein Wettrennen um die Gunst der neuen Herren. In ihren Vorzimmern stehen sie sozusagen als Pagenstaffage. Die Monarchie könnte plötzlich fällig werden! Wer am meisten schweifwedelt hat die meisten Chancen. Allgemeiner Anklang Im Relchsjustlzministerium kamen unlängst die Justizminister der deutschen Länder zusammen— nicht um über Recht oder Unrecht zu beraten. Beraten wird in Deutschland nicht mehr, nur pariert und ein Recht gibt es nicht mehr, die„Justiz minister" sind nur noch Sachwalter blutigen Unrechts, traurige Puppen, die mit den Köpfen zu nicken haben, wenn Herr Goering sich in sadistischen Krämpfen windet Und also geschah es. Die gleichgeschaltete Presse meldet triumphierend: „In der eigentlichen Ministerkonferenz fand der Gesetzentwurf der preußischen Regierung(„zur Sicherung des Rechtsfriedens") mit einigen aus den Kreisen der Ländervertreter ergangenen Anregungen allgemeinen Anklang..." Fand„allgemeinen Anklang"— wie ein Wettkegeln oder eine Kabarettnummer. Hängen, Erschießen, Enthaupten, mittelalterliche Strafen, an Unschuldigen eines freien Wortes wegen vollzogen, finden bei den sogenannten höheren Rechtsbeamten„allgemeinen Anklang"! Was kann man da von den kleinen braunen Schüftchen anderes erwarten, als daß sie in SA-Kasernen und Konzentrationslagern an wehrlosen Opfern ihren Blutrausch austoben? Internationale Kinderrepublik O s t e n d e, im August Es ist ietzt gerade ein Jahr her, da zogen 700 deutsche Kinder über den Rhein und bauten zusammen mit Belgiern, Franzosen und Schweizern die„Internationale Kinderrepublik Solidarität" in der Nähe von Paris auf. Für die Franzosen war es gleichzeitig die erste Kinderrepublik überhaupt Jetzt gibt es In Frankreich eine organisierte Kinderfreundebewegung von mehr als 1000 Kindern und 100 Helfern. Das ist nicht nur eine Frage der Zahl, sondern auch eine Qualitätsleistung, denn diese Franzosen sind ausgezeichnet ausgerüstet und vertraut mit der Lebensart und den Grundsätzen der sozialistischen Falkenbewegung. Auch die zweite internationale Kinder- republlk ist noch von deutschen Helfern mit vorbereitet worden. Aber außer einigen Emigranten und Emigrantenkindern gibt es hier keine deutschen Falken, denn das Dritte Reich erlaubt ihnen nicht, mit den Arbeiterkindern anderer Länder zusammenzukommen. Dabei Ist es so herrlich hier an schönsten Stellen der belgischen Nordseekflste! Es gibt 270 Franzosen in diesem Lager, und dazu Belgier und Holländer, Schweizer und Oesterreicher und rote Falken aus der Tschechoslowakei. Am 2. August wurde die Kinderrepublik er- öfinet, mitten In den Dünen. Auf einem Hügel Wenn Sie ein Haus oder ein Geschäft irgendwo in England so schnell wie möglich Kaufen oder verkaufen wollen, schreiben Sie an Thomas& Francis Häuser- und Güteragenten, 42, Grove Road, South Woodford London, E. 18. flatterte die große rote Fahne und um sie Berum die Fahnen der einzelnen Länder. Nur Deutschland war nicht vertreten. Wie sollte es auch im Zeichen des Hakenkreuzes dort vertreten sein, wo man in Freiheit und für den Soziallsmus lebt!— Es gibt heute keine sozialistische Veranstaltung in Europa, auf die nicht der Schrecken des Faschismus seine schwarzen Schatten wirft Unsere roten Falken in Deutschland aber werden die schönen Zeiten praktischer Solidarität und sozialistischen Ferienaufbaus nicht vergessen. Sie werden den Freiheitskampf des Proletariats führen, denn sie sind schon heute— und bleiben es auch im Hakenkreuz-Deutschland— junge, begeisterte Soziallsten. fcscr Hormrnl«? Ich bestelle den.Jleuen Vorwärts" und erwarte regelmäßige Lieferung von nächster Nummer an. Name und Vorname Wohnort und Posianstalt Straße and Hausnummer Diesen Bestellschein bitte ausfällen, ausschneiden und an: Verwaltung /.Neuer Vorwärts/', Karlsbad, CSR., Haus „Graphi a", senden. Aerfludit! Der gleichgeschaltete Dichter Rudolf B i n- d i n g hat in einer Polemik gegen Romain Rolland, der verbanntes deutsches Geistesgut zu verteidigen wagte, den Satz ausgespien: „Goethe, den Sie(Romain Rolland) auch hier als einen der großen Weltbürger anführen... Ist so verflucht deutsch, wie Goering oder Goebbels oder Goering oder der SA-Mann Müller oder Ich". Deutsch— ganz gewiß! Aber so verflucht wie Goering oder Goebbels oder der SA-Mann Müller oder Blnding? Wenn Tote sich wehren könnten, würde aus der Fürstengrutt zu Weimar ein„Nein!" empordonnern, das selbst die wattierten Wände der neudeutschen Dichterakademie erzittern ließe. Brüdtner frißt Polen und Tsdiedien Hellmuth Brückner, der sogenannte Ober- Präsident von Schlesien, rühmte sich neulich in einer Versammlungsrede, eine Propagandareise nach Polen gemacht zu haben, lieber das Schicksal Oberschlesiens werde das deutsche Volk allein entscheiden. Dann werde aber auch der Tag anbrechen, an dem der Tschechenstaat in Trümmer ginge. Die Breslauer.Neuesten Nachrichten" wurden zur Strafe für die Veröffentlichung eines wahrheitsgetreuen Berichtes über diesen gefährlichen Redeschwulst für drei Tage verboten. H. G. Wells Uber Iiitier Der berühmte englische Schriftsteller H.< Wells hat ein Buch über das kommende Jah hundert geschrieben und von da aus einen Blii zurück auf unsere Zeit geworfen. Da nennt Adolf Hitler ,£ine der unwahrscheinlichsten E scheinungen der ganzen Weltgeschichte". Hi ler habe sich wohl Mussolini zum Vorbild g nommen, aber geistig tief unter ihm gestände und vom Faschismus nur das allerschlechtes entlehnt..J)as war", schreibt H. G. Wells,„eh traurige und erbärmliche Zeit. Es war eh Geisteskrankheit eines großen Volkes." -III- G. B. Shaw gegen Rassensdiwind« In einem Brief an den„Rassen! or scher" L f ranz Holser, den englische Blätter veröltet liehen, hat sich der wandelbare Komödiendlc ter zur Abwechslung Ober die Nazis gründll lustig gemacht. An nordische Rasse glaubt höchstens bei Drahlhaarterriers, aber nicht t Menschen. Die meisten Hänse und Fritze n Blau- Augen and Flachshaar stammten vi HetiVm und Philistern ab und kämen also nie vom Norden, sondern vom Toten Meer. Was d Bücher des Dr. Halser betreffe, so kenne> ihre 7 Itel and hätte davon genug. Keine Mac der Erde könne Ihn zwingen, sie zu lesen. Herauageber: Ernst Sattler, Karlsbad. Ver wörtlicher Redakteur: Wenzel Horn, Karls Druck:„Graphia". Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-l tBeiCage des Heuen Vocwäcts Tic. 9 Kritik nnd Selbstkritik Lehren der deutschen Katastrophe Der„Kampf", die Wiener sozialdemokratische Monatsschrift, hat aus Anlaß der bevorstehenden Pariser Konferenz der Sozialistischen Arbeiter-Internationale ein Doppelheft herausgebracht, das sich mit dem voraussichtlichen Hauptthema der Konferenz, mit der deutschen Katastrophe beschäftigt. Otto Bauer schreibt über den„Deutschen Faschismus und die Internationale", Emil Vandervelde über die nächsten Aussichten der S.A.I., Friedrich Stampfer liefert einen„Beitrag zur Selbstkritik", Germanicus beschäftigt sich mit der Außenpolitik Deutschlands. Es folgen Artikel von Karl Kautjky,„Die blutige Revolution", Theodor Dan„Die kleinbürgerliche Rebellion und das Proletariat" und Max Ad ler„Wandlung der Arbeiterklasse". Wir geben aus dem inhaltsreichen Heft einiges des Interessantesten wieder. Otto Bauer: „Man liebt es, die Niederlage der deutschen Sozialdemokratie aus den Fehlern, die sie begangen halbe, zu erklären. Daß verhängnisvolle Fehler begangen worden sind, unterliegt keinem Zweifel Aber wer ein Weltereignis, wie den Sieg des Faschismus in dem größten und wirtschaftlich vorgeschrittensten Industriestaat Europas nicht anders als aus den Fehlern zu erklären weiß, die E b e r t und Scheidemann, Hermann Müller und Wels begangen hätten, der überschätzt sehr unmarxistisch die Macht führender Personen über die Geschichte. Er verschließt sich selbst damit den Weg zu tieferer Erkenntnis der deutschen Gegenrevolution und der Lehren, die aus ihr zu ziehen sind." Von diesen Sätzen ausgehend beschäftigt sich Otto Bauer mit den objektiven Ursachen der deutschen Niederlage. Im Weltkrieg, so führt er aus, siegte die bürgerliche Demokratie Englands, Frankreichs und Amerikas. Ihrem Druck muß sich die sozialdemokratische Regierung, die das Erbe des Kaiserreiches übernommen hatte, beugen. Diktatur der Arbeiterklasse 1918 hätte Einmarsrh der fremden Armeen und Zertrümmerung des Reiches bedeutet Die Sozialdemokratie wagte es nicht, Kohle und Stahl zu s.ozia- 1 i s i e r e n, weil sie der französische Imperialismus dann zu Reparationzswecken wegnehmen konnte. Sie wagte nicht, den Großgrundbesitz zu enteignen, um nicht die Hungersnot noch zu vermehren. Die große französische Revolution und die große russische Revolution haben sich in großen Nationalkriegen befestigt und stabilisiert Die deutsche Revolution mußte Versailles hinnehmen. Trotzdem behauptete sich die Republik, bis 1929 die Weltkrise des Kapitalismus kam. Damals war Hermann Müller Reichskanzler, Otto Braun Ministerpräsident. Sozialdemokraten standen an der Spitze, aber die Wirtschalt war kapitalistisch. So erschienen die Sozialdemokraten In breiten Massen als verantwortlich für das Elend, das der Kapitalismus über sie verhängte." „An dieser tragischen Lage", sagt Otto Bauer wörtlich weiter,„Ist die deutsche Sozialdemokratie und mit ihr die deutsche Republik zugrunde gegangen. Der Sozialismus kann sich in der Regierung nicht behaupten, wenn er nicht die Wirtschaft zu sozialisieren vermag: das Proletariat kann nicht dauernd eine kapitalistische Gesellschaft beherrschen. Die Freiheit im Innern ist nicht zu behaupten, wenn sie die Freiheit nach außen nicht zu erringen vermag; die Demokratie Ist untrennbar verbunden mit der nationalen Unabhängigkel t." Otto Bauer beschäftigt sich weiter mit dem Wesen des Faschismus.„Aus den Klassenkämpfen der Bourgeoisie gegen das Proletariat Ist eine despotische, beide Klassen als rechtlose Untertanen beherrschende Staatsgewalt hervorgegangen. Aber indem diese Staatsgewalt das Kapita) gegen die Arbeiter schützt, gewinnt es seine Unterstützung. Die deutsche Bourgcosiie, die niemals selber regiert hät, hat sich letzt dem Faschismus unterworfen, wie früher den Hohenzollern. In der Zwischenzeit aber hat der Staat eine ungeheure Macht über das Wirtschaftsleben gewonnen, über Preise und Löhne, über Verkaufsbedingungen und Arbeitsbedingungen. So ist eine Staatsmacht entstanden, die noch viel furchtbarer drückt als der politische Absolutismus früherer Zeiten. «Das ganze deutsche Volk versinkt so In einen Zustand unerträglicher Staatssklaverei. Wenn es sich gegen sie erheben wird, wird es sich gegen sie erheben mit dem Schrei nach Freiheit." Kann, so fragt Otto Bauer weiter, die D i k- tatur des Proletariats die Parole im Kampf gegen den deutschen Faschismus sein? Bei diesem Wort denkt jeder an Rußland. Würden die deutschen Sozialdemokraten die Diktatur des Proletariats als Kampfziel verkünden, so würden breite Massen denken, dies bedeute nur den Terror der G. P. U. statt des Terrors der SA. Es gilt aber die Mittelklassen gegen den Faschismus zu mobilisieren. Die Kampfparole der Diktatur würde die Arbeiter isolieren und die deutschen Mittelklassen beim Faschismus halten. Der Kampf gegen die despotische Staatsgewalt wird nicht anders zu führen sein als ein Kampf um die Demokratie, die nur als sozialistische Demokratie wahr und dauerhaft sein kann. Der Faschismus muß entwaffnet werden, das Kommando des Großkapitals und der Junker über die Arbeitsstätten und den Boden muß beseitigt werden, dann aber muß unsere revolutionäre Macht die freie demokratische Selbstbestimmung des deutschen Volkes verwirklichen— „ein wahrhaftes Reich des Rechtes: für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt." Zu diesem Zweck müssen alle Kräfte des Proletariats zusammengefaßt werden. Aber auch die Mittelklassen gilt es zum gemeinsamen Kampf zu gewinnen. Was ergibt sich daraus für unsere grundsätzliche Stellung ge- Als höchst gefährlich bezeichnet Otto Bauer den Gedanken eines Präventivkrieges gegen Hitler-Deutschland. Ein solcher Krieg würde von kapitalistischen Regierungen geführt werden, denen sich der Sozialismus niemals als Organ der Kriegsführung zur Verfügung stellen darf. Er muß in unversöhnlicher Feindschaft gegen den Krieg verharren. In einem Schlußkapitel beschäftigt sich Otto Bauer mit der Internationale und ihrem Verhältnis zu Deutschland. Viele, sagt er, lieben jetzt die deutsche Sozialdemokratie zu schmähen, und dabei werden selbst von Wortführern ausländischer Arbeiterorganisationen Worte gebraucht, in denen der Deutschenhaß der Kriegszeit neu aufflammt. Gewiß hat die deutsche Sozialdemokratie schwere Fehler begangen, aber die entscheidenden Ursachen der Niederlage liegen in den Tatsachen von 1918, im Gewaltfrieden von Versailles und der Weltwirtschaftskrise. Die Tardleus haben am wenigsten ein Recht, sich als Ankläger aufzuspielen. „Gewiß, geschlagene Generale sind nicht geeignete Führer im neuen großen Kampf. Die illegale,. die revolutionäre Arbeit erfordert andere Führer als die, die zu der legalen Arbeit der deutschen Sozialdemokratie berufen gewesen sind. Aber dieses neue Führergeschlecht wird erst aus der illegalen Arbeit in Deutschland selbst erstehen müssen. Die Aufgabe der alten Füh- Du hast doch irgendwo In der Welt einen Deutschen als Freund oder besitzt im Ausland Verwandte und Bekannte, die gern etwas über Deutschland erfahren möchten. Bitte teile uns deren Adressen mit, damit wir ihnen den.J/euen Vorwärts" anbieten und einige Probeexemplare zuschicken können. An den Verlag des„Neuen Vorwärts?', KARLSBAD. HAUS„GRAPHIA" Ich nenne folgende Adressen von mir bekannten Deutschen, denen der„Neue Vorwärts" zuzuschicken ist. genüber dem Bolschewismus? Der Bolschewismus, antwortet Bauer, hat immer grundsätzlich anerkannt, daß seine Diktatur nur eine vorübergehende Staatsform ist. Lenin hat das Absterben der Gewaltherrschaft verheißen, was freilich Verheißung einer fernen Zukunft geblieben ist. Rußland kann nicht von heute auf morgen die Demokratie einführen, ohne der weißen Gegenrevolution zum Sieg zu verhelfen. Aber die Kommunisten müssen dort, wo sie herrschen, den Beweis erbringen, daß auch ihr Ziel die Freiheit ist, und daß sie bereit sind, die Diktatur abzubauen, soweit das ohne Gefährdung der sozialistischen Resultate der Revolution geschehen kann, an deren Erhaltung auch wir Sozialdemokraten das stärkste Interesse haben. Auf diese Welse, meint Otto Bauer, könnte Sowjetrußland der Arbeiterklasse Europas im Kampf gegen den Faschismus den größten Dienst erweisen und die geistige Einheitsfront des Proletariats ermöglichen. rer in der Emigration muß es bis dahin bleiben, die illegale Arbeit in Deutschland zu fördern, solange, bis sie ihre Mission in die Hände der neuen, aus der illegalen Arbeit auf deutschem Boden hervorgegangenen Führer wird übergeben können." Emil Vandervelde: Der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiter-Internationale gibt einen raschen Ueber- blick über die Lage der sozialistischen Parteien in der ganzen Welt. Zur Zeit des Wiener Kongresses 1931 war Labour in England an der Macht, die deutsche Sozialdemokratie ist vernichtet, die englische Arbeiterpartei geschwächt. Aber die französische Sozialistenpartei macht trotz ernster innerer Gegensätze unaufhörliche Fortschritte, die spanische stützt sich auf Millionen von Organisierten, was auch auf Südamerika stark zurückwirkt In Schweden, Dänemark, Holland, Belgien und der Schweiz hat der Sozialismus seine starke Position gehalten und ausgebaut. In Deutschland aber ist der Faschismus siegreich.„Die Bemühungen einiger unserer Parteigenossen, Duldung zu erreichen, schlössen mit einem kläglichen Mißerfolg." Die bürgerlichen Parteien in der Welt hätten freilich kein Recht, sich als Kritiker aufzuspielen, da ja auch die bürgerlichen Parteien Deutschlands vernichtet worden sind. Der totale Staat Hitlers führt zu denselben Konsequenzen wie jener Stalins oder Mussolinis. In zwei Dritteln Europas gibt es nur mehr eine Partei an der Macht, für die anderen nur Gefängnis, Deportation oder Exil. Wenn es freilieh keine andere Wahl gäbe als zwischen der Diktatur Stalins und einem„weißen" Regime, wären wir trotzdem für die russische Revolution. Am Steigen der nationalistischen Welle trägt Deutschland nicht allein Schuld. Die Internationale hat 1922 in Frankfurt, 1923 in Hamburg die Ueber- elnstimmung der Sozialisten zustandegebracht für Revision von Versailles, Räumung des besetzten Gebietes, Gleichheit der Abrüstung und Beschränkung der Kriegsschulden auf Wiedergutmachung direkter Schäden."Es stünde heute besser um die Welt, wenn man sie gehört hätte. Wenn aber die Gegner glauben, der Rückschlag, den der Sozialismus jetzt erleidet, sei endgültig, so folgen sie einer Illusion. Im Jahre 1848 brach die Revolutioi). zusammen. Die 1864 gegründete Erste Internationale spaltete sich und löste sich nach der Niederlage der Kommune auf. Als Ma'rx 1883 starb, gab es in Europa eine einzige sozialistische Partei, die deutsche Sozialdemokratie, und auch diese lebte unter dem Sozialistengesetz illegal. Erst 1889 begann der Wiederaufstieg. In fast allen Ländern organisierten sich die Sozjialisten nach deutschem Vorbild. Aber schon seit 1903 stand die Kriegsgefahr im Vordergrund aller Erwägungen. In diesem Zusammenhang zitiert Vandervelde folgende ergreifende Prophezeiung von Jean Jauräs: „Aus einem Europäischen Krieg kann die Revolution hervorgehen, und die herrschenden Klassen mögen gut tun, daran zu denken. Aber es können auch für lange Perioden Krisen der Konterrevolution und wütender Reaktion entstehen. Krisen des Nationalismus, der erstik- kenden Diktatur, des furchtbaren Militarismus, eine lange Kette rückschrittlicher Gewalttätigkeit und niedrigen-Hasses der Unterdrückung und der Knechtschaft." Dieser Zustand wird nicht ewig dauern, aber er kann lange dauern. Inzwischen stellt sich gebieterisch für die Internationale die Frage der Revision ihrer Strategie und Taktik. Der.große Kampf zwischen Internationalismus und Nationalismus hat begonnen. Wenn der zweite die Ueberhand erhält, werden noch mehr Diktaturen entstehen. Krieg, Katastrophe des Kapitalismus, Revolution über Blut und Trümmern werden dann die Folgen sein. Der Sieg des Internationalismus dagegen kann Zusammenstöße und Gewalttätigkeiten auf ein Minimum reduzieren. Friedrich Stampfer: findet den Wunsch nach einer gründlichen Untersuchung der Ursachen des deutschen Zusammenbruchs durchaus begründet. Auf Empfindlichkeit einzelner Personen darf keine Rücksicht genommen werden. Das Schicksal eines Einzelnen spielt keine Rolle. Eine systematische und gründliche Untersuchung ist nützlicher als eine systemlose sich In Einzelheiten verlierende Kritik. Sicher aber wird man die Ursache der Katastrophe nicht darin suchen dürfen, daß nicht genug Selbstkritik geübt worden ist. In keiner Sektion der Internationale ist mehr und freiere Selbstkritik geübt worden wie In der Deutschen Sozialdemokratie. Vielleicht war auch die Selbstkritik schon das Symptom einer Schwäche, die aber dann nicht durch Verschärfung der Perteidisziptln, sondern durch mitreißemle Aktionen der Führung hätte behoben werden müssen. Eine systematische Untersuchung muß bei den theoretischen Grundlagen beginnen und feststellen, wie weit der wissenschaftliche Sozialismus seiner Aufgabe gewachsen ist, den Bewegungen der verschiedenen Länder als Richtschnur zu dienen. Dabei wird man sofort auf die Frage stoßen, ob die Partei zu viel oder zu wenig„Arbeiter- politikgetrieben hat. Arbeiterklasse und Proletariat oder gar„proletarislerte Masse" sind heute nicht mehr identisch. Die letztere reicht über die Arbeiterklasse weit hinaus. Während sich die Arbeiterklasse in der Hauptsache in zwei Teile spaltete, Sozialdemokraten und Kommunisten, zerfiel die„proletarisierte Masse" in drei Teile, von denen der nationalsozialistische schließlloh stärker wurde als die beiden anderen zusammen. Karl Marx bat mit genialer Klarheit die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft vorausgesehen, aber nur bis zu dem Punkt, an dem es mit ihr zu Ende geht, und an diesem Punkt stehen wir heute. Ueber das, was danach kommt, konnten Marx und Engels von ihrem Standpunkt aus nichts näheres aussagen, ohne den wissenschaftlichen Charakter ihrer Arbeit preiszugeben. Heute aber stehen wir vor der Frage, wie sozialistische Wirtschaftspolitik im nationalen und im internationalen Rahmen möglich ist. Hier fehlt noch die Zuversicht, daß ein zielbewußter Versuch sozialistischer Wirtschaftspolitik immittelbar eine fühlbare Besserung in der Lage der Massen herbeizuführen imstande ist Demokratischer Sozialismus ist aber nur dann möglich, wenn eine sozialistische Partei anf dem Gebiet der sozialistischen Wirtschaftspolitik überzeugende Proben ihres Könnens ablegt Die deutsche Sozialdemokratie hat zur Hebung der Lage der Arbeiter Außerordentliches geleistet, sich aber dabei in der Hauptsache auf die sozialpolitische Arbeit beschränkt, die ihr von ihrer Jugend an geläutig war, während sie erst viel später tastende Ansätze einer sozialistischen Wirtschaftspolitik entwickelt hat. Eine gewissenhafte Untersuchung wird mindestens bis 1914 zurückgehen müssen. Damals gab es zwei Möglichkeiten. Entweder versuchte die sozialistische Arbeiterbewegung den Staat für sich zu erobern, indem sie ihn nach außen verteidigte, oder sie war bereit, zu revolutionären Zwecken auch die Niederlage des eigenen Landes hinzunehmen. Die Entwicklung der letzten Zeit hat den Anhängern der zweiten Auffassung starke Argumente in die Hand gespielt Denn wo ist den sozialdemokratischen Frontkämpfern gegenüber der„Dank des Vaterlandes" geblieben? Dieses Gerede hat den brutalen Tatsachen des Klassenkampfes nicht standgehalten. Nach der Meinung der meisten Sozialdemokraten war damals aber eine andere Haltung überhaupt gar nicht möglich, und aus ihr ergab sich die Notwendigkeit weiterer Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Partelen. Durch sie wurde die Umwandlung Deutschlands in eine demokratische Republik und ein gewaltiger Aufstieg der Arbeiterklasse erreicht, aber diese Erfolge ließen sich nicht halten. Die Spaltung wurde stabilisiert und zwang die Sozialdemokratie zu einem aufreibenden Zweifrontenkrieg. Sie schuf dem Faschismus Bundesgenossen im Rücken der Sozialdemokratie. Versuche, diesen katastrophalen Zustand zu beseitigen, sind von sozialdemokratischer Seite besonders in der letzten Zelt vor dem Zusammenbruch unternommen worden. Sie sind ohne Ergebnis geblieben, da die Kommunisten unter der Einheitsfront nur eine Kommunistenfront verstanden, m der die Sozialdemokraten unter Preisgabe ihrer Ueberzeugungen aufzugeben hatten. Innerhalb einer Gesamtbewegung hätte ein kräftiger linker Flügel dafür sorgen können, daß in dem Gewir# taktischer Schach- züge der Sozialrevolutionäre Sinn siebtbar blieb. Er konnte einer gewissen Verbürgerlichung entgegenwirken. Außerhalb stehend kannte die Kommunistische Partei kein anderes Ziel als die Vernichtung der Sozialdemokratie. Diese hatte wohl auf sozialpolitischem Gebiet große Erfolge erzielt. Aber unter dem Einfluß der Krise schwanden sie zum großen Teil wieder dahin. Im sozialpolitischen Abschnitt gab es nur noch eine Defensive. Die Verlegung des Angriff- kampfes auf die wirtsebaftspoli tische Linie wurde wohl versucht, aber kam zu spät. Das ewige Verhandelnmüssen zwischen den verschiedenen Zweigen der Arbeiterbewegung war schädlich. Viele Kräfte wurden durch Ueberorganisation verzettelt. Für die Zukunft der Arbeiterbewegung muß stärkste Zusammenfassung unter einer Führung die Losung sein. An klugen Menschen hat es der Sozialdemokratie nicht gefehlt, wohl aber an ihrer Zusammenfassung zu einer kraftvollen Gesamtpolitik. Jetzt ist die alte FQh- rerorganisation im Absterben, die neue wird aus den Massen herauswachsen, die gegen die Gewaltherrschaft kämpfen. Unter den Tausenden der alten Funktionäre hat es neben ausgezeichneten Kräften auch einzelne gegeben, die den Namen Bonzen verdienten und die ungeheuren Schaden anrichteten. „Durch den Kern unserer wieder erwachenden Bewegung aber geht ein Zug zum Heroismus. Noch können die Bücher des neuen Heldentums nicht geschrieben werden, sie wären ein zu wertvolles Material für die Geheime Staatspolizei. Die Zeit für sie wird kommen. Dietenlgen von der alten Generation, die ihre Freiheit und ihre AktionsUhigkelt bewahrt haben, können sich nur dadurch nützlich machen, daß sie nach Kräften der jungen Generation helfen, ihre Kämpfe zu führen." Karl Kau�ky s Der Altmeister der sozialistischen Theorie behandelt in tiefschürfenden historischen Untersuchungen das Thema der Revolution und des Bürgerkrieges. Er bekämpft die Auffassung, daß das Proletariat im Falle seines revolutionären Sieges einen blutigen Charakter bekunden müsse.„Nicht die proletarischen Revolutionäre, sondern deren Gegner und ihre bewaffneten Horden wüten aufs Grausamste, wo sie über das Proletariat siegen, ob durch die Gewalt der Waffen oder durch tük- kische Demagogie. Wir haben die kapitalistische Welt nicht einfach zu zerstören, sondern eine höhere an ihre Stelle zu setzen." Wo Kräfte am Werke sind, die den Kapitalismus zerstören wollen, um barbarische Arbeitsmethoden an seine Stelle zu setzen, haben wir diese abgelehnt. Wir kämpfen gegen alle die Freiheit der Arbeiter bedrohenden Tendenzen, nicht bloß gegen solche, die von Kapitalisten, sondern auch gegen solche, die von Antika- pltalisten ausgehen. Wenn die deutsche Sozialdemokratie im Kampfe um die Demokratie unterlag, so waren daran nicht zum wenigsten Jene schuld, die jetzt Vorwürfe gegen sie erheben, vor allem die Kommunisten. Will man aber der Sozialdemokratie zum Vorwurf machen,(}aß sie nach dem November 1918 kein Schreckensregiment einrichtete, so vergessen die Ankläger, daß bei der damaligen Haltung der Parteien sich ein solcher Terror in erster Linie gegen Kommunisten hätte richten müssen. Ein Schreckensregiment 1918 hätte Deutschland von neuem In der Welt Isoliert und das Proletariat in einen Abgrund von Elend und Schmutz gestürzt Es ist verkehrt eine Diktatur anzustreben zu dem Zweck, die Diktatur der Gegner zu bekämpfen und die Demokratie herbeizuführen.„Ein wahrhaft sozialistisches Gemeinwesen ist ohne Menschlichkeit unmöglich. Es soll die Verwirklichung sein der Parole der französischen Revolution; Freibelt, Gleichheit, Brüderlichkeit 1- „Wlr bleiben unter allen Umständen Verfechter der Demokratie und der Menschlichkeit Wir weisen als ebenso sinnlos wie grausam und für unsere Sache wie unser Volk gleich verderblich die Zumutung zurück, zur Humanität gelangen zu wollen durch Bestlalltä t" Breitsdieid an N cur a f h Ein Brief an den deutsdien Außenminister Dr. Rudolf Breiteeheld bat am 4. August aus Zürich folgenden Brief an den Reichsminister Dr. Neurath gerichtet: Daß es mich einige Ueberwlndnng kostet, an Sie zu schreiben, werden Sie verstehen. Unmittelbare Veranlassung gibt mir der am 29. Juli Im„Völkischen Beobachter" erschienene Artikel, der über die ganze Seite die iette Ueberschrllt trug;„Brettscbeld, der Spion Frankreichs", und der nn- ter anderen Verdächtigungen die schon früher einmal von demselben Blatt aufgestellte Behauptung enthielt, Ich hätte mich um einen Posten Im französischen Auswärtigen Dienst beworben. Inzwischen hat der Qual d'Orsay die Infame Andeutung des„Völkischen Beobachters", In deren Folge mich die„Kreuz- zeitung" bereits mit dem Tode bedroht, von sich aus als Jeder Grundlage entbehrend zurückgewiesen. Ich habe diese Erklärung bisher nur an versteckter Stelle In der„Frankfurter Zeitung" gefunden und bin Uberzeugt, daß die Hetze trotzdem weiter geben wird. Sie, Herr Relcbsmlnlster, konnten wissen oder hätten ohne besondere Mühe feststellen können, daß die Behauptung des„Völkischen Beobachters" eine niederträchtige Lüge ist, und wenn Ihnen schon meine persönliche Ehre gleichgültig war, so hätte es meiner Ansteht nach die Ehre des von Ihnen verwalteten Atmes erfordert, dieser Infamie entgegenzutreten. Sie kennen, Herr Relcbsndnister, auch ebenso gut wie Ich, die Gründe, die Jenen Artikel veranlaßt haben. Er soll als V o r b e- reltanglOr die Entziehung meiner deutschen Staatsbflrg erschaft dienen. Schon hat man es abgelehnt, den Paß meiner Freu ebenso wie die Pisse verschiedener politischer Freunde zu verlängern. Man schickt sich an, uns unsere Staetsbflr- gerschait zu stehlen, wie man uns den geringen Besitz gestohlen hat, der In Deutschland vorbanden war. Man sucht nach einer Rechtfertigung für dieses wklerrecbtllcbe Vorgehen. Man findet sie bei mir in der erlogenen Behauptung, ich sei ein Spion. Man wird für andere andere Verleumdungen bereit haben. Dabei wird Immer wieder die InsimMtlon eine Rolle spielen, wir seien ins Ausland gegangen, um gegen Deutschland zu wirken und die übrigen Nationen durch Greuelpropaganda gegen Deutschland aulzubringen. Wir wirken nicht gegen Deutschland und das deutsche Volk, aber Ich stehe nicht an, zuzugeben, daß wir gegen die gegenwärtigen deutschen Machthaber und gegen die Taten Ihrer Anbänger auftreten. Wir haben die Opposition, die wir In Jedem Rechtsstaat sinnerhalb der Grenzen des Landes treiben könnten, Ins Ausland getragen, da In Deutschland die Gegner des Regimes darauf geiaßt sein müssen, nicht nur nach Wlilkürgesetzen bestraft zu werden, sondern auch Mißhandlungen und den Tod zu erleiden. Wir brauchen keine Greuelpropaganda zu treiben, denn die tatsächlich verübten Greuel treiben Ihre Propaganda selber. Ist es richtig oder nicht, Herr Minister, daß, ganz abgesehen von den Judenverfolgungen zahlreiche marxistische Führer, an der Spitze der frühere Reichstagspräsident Löhe, in Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachten, obwohl Ihnen kein anderer Vorwori gemacht werden kann, als der, daß sie, dem Beispiel weniger aui- rechter Männer folgend, sich nicht gleichgeschaltet haben? bt ee richtig oder nicht, daß der frühere Abgeordnete und mecklenburgische Ministerpräsident Stelling auf bestialische Welse ermordet wurde? Ist es richtig oder nicht, daß zahllosen anderen vielleicht weniger bekanntes deutschen Menseben dasselbe Schicksal bereitet worden(st? Daß Frauen mißhandelt werden, daß Anverwandte von politischen Flüchtlingen als Gelsein festgenommen werden ns w.? Sie, Herr Reichsminister, werden am wenigsten behaupten wollen und behaupten können, daß die Stimmung, die allenthalben im Ausland gegen Deutschland herrscht, durch eine Greuelpropaganda der Emigranten großgezogen worden sei. Ihnen Ut bekannt, daß die Debatten Im englischen Unterhans, daß die Behandlung des Herrn Rosenberg, daß die zahlreichen für die deutsche Regierung ungünstigen Aeußcrungen der Presse wie sehr hervorragender Persönlichkeiten nicht auf die Agitation politischer Flüchtlinge zurückzulflb- reo sind. Ihnen Ist bekannt, daßslch des herrschende System, durch seine Worte und durch seine Tuten sulbur isoliert hat Ich nehme an. daß Sie mutig und ehrlich genug sind, um von diesen Tatsachen Ihren Kollegen im Kabinett Kenntnis zu geben. Aber es würde der deutschen Sache Im Ausland ein größerer Dienst erwiesen werden, wenn Sie sich entschließen könnten, das Gewicht Ihrer Person und Ihres Amtes sowohl gegen die Untaten, die In Deutschland geschehen, wie gegen die niedrigen Verleumdungen derer, die Deutschland verlassen mußten, einzusetzen. Die Geschichte wird einmal ein vernlehteo- des Urteil nicht nur Uber diejenigen fällen, die Unrecht getan haben, sondern auch über die, die dem Unrecht stillschweigend zusahen. Dr. Rudolf Breitscheid. Der Kampf von draußen Die gleichgeschaltete„Frankfurter Zeitung" läßt sich von ihrem Pariser Korrespondenten berichten, man verstünde im Auslande bald nicht mehr, wie Deutsche von draußen her das eigene Land beschimpfen könnten. Den gleichen heuchlerischen Refrain plärrt auch die Hitlerpresse in gewissen Zeitabständen. Zu diesem Spiel möchten wir einiges einmal numeriert sagen. Vielleicht haftets dann in gewissen Köpfen besser. 1. Die antifaschistischen Auslandsdeutschen haben sich nie und nirgends gegen Deutschland gewendet, sondern immer nur gegen die Vergewaltigung unserer Nation durch eine verbrecherische verlogene Minderheit. 2. Die sozialistischen und demokratischen Auslanddeutschen sind sofort bereit, ihre Angriffe auf Hitlerdeutschland von draußen her einzustellen, sobald im Reiche wieder Recht und Gesetz gelten und jeder Deutsche seine Meinung nach Recht und Gesetz vertreten kann. 3. Zu allen Zeiten hat man den Exilierten, deren Meinung daheim verboten war, im freien Gastland als selbstverständlich zu sagen erlaubt, was sie litten. Das galt nicht nur für die Auswanderer von ehedem, das galt nicht nur für die Börne, Heine, Herweg h, Marx etc. des Vormärz, sondern vor allem auch für die russischen Revolutionäre. 4 Dieselben braunen Blätter hatten nie etwas dagegen, daß die russischen W e i B g a r• d i s t e n in der Emigration ihr bolschewistisches Vaterland befeindeten! Im Gegenteil: für sie wurde in Berlin eine Art Ehrenieglon gebildet. 5. Ehe die Hitlerianer an die Macht kamen, verging sich ihr oberster Führer gegen die deutsche Volksmehrheit, indem er und seine Paliadine in ausländischen Blättern das Vertrauen zur Mehrheitsregierung Brüning untergruben und die Kredite gefährdeten. Und dabei hatten die Braunen damals daheim volle Rede- und Schreibfreiheit! 6. Die geflohenen österreichischen Nazibonzen betreiben gegenwärtig in Deutschland die wüsteste Hetze gegen ihr österreichisches Heimatsland und werden dazu von der NSDAP, finanziert. So— und nun mögen diese Burschen weiter auf die vaterlandlosen Emigranten schimpfen. doppelzüngig, zwiespältig, heuchlerisch und verlogen, wie sie es immer sind! 780 davongejagte Professoren In England hat sich ein akademisches Hilfskomitee gebildet, das sich besonders der aus dem Dritten Reich davongejagten Hochschullehrer annimmt. Das Komitee schätzt die Zahl der Entlassenen auf 750 und gibt folgende Statistik: Baukunst und Musik...... 45 Literatur und Philologie.... 47 Philosophie und Theologie... 48 Rechtswissenschaften..... 55 Volkswirtschaft und Staatsrecht.. 115 Physik und Mathematik..... 105 Maschinenbau und Technologie,. 15 Chemie........... 85 Medizin und Biologie...... 235 An der Spitze de« Hllfakomitees steht der berühmte Physiker Lord Rutherford. •'' SaJbm bewährt sich Der Berliner Oberbürgermeister Ist sicher ein wendiger Mann. Gestern war er noch Führer für die Hlndcnburgwahl gegen Hitler. Heute Ist er„strammer" Nationalsozialist Darum darf er auch Oberbürgermeister von Berlin bleiben. obwohl er einstmals von Marxisten gewählt wurde. Noch zu seiner Amtszeit wurden Gedenktafeln für Karl Marx und Ferdinand Lassalle an den Häusern angebracht& denen diese beiden sozialistischen Arbeiterführer einstmals in Berlin gewohnt hatten, und Vertreter des Magistrats hatten im Auftrag* des Oberbürgermeisters die Verdienste dieser Marxisten gefeiert Es wird nmunehr bekannt daß der Oberbürgermeister diese Tafeln herunterreißen ließ, aber dafür Berlin mit ein*f großen Horst- Wessel- Gedenktafel beglückt hat.— Es geht doch nicht* über Charakterstärke! Ein Lied für Adolf Als die Arbeiterschaft Dortmunds am vergangenen Montag xu Ihren Arbeitsstätten eUtt» entdeckten sie an mehr als 1000 Haasern In dl* verschiedensten Stadtteilen Plakate mit folgen' dem Text; „Gibt ans Adolf Ms Weihnachten kein Bro<> Dann werden wir wieder rot Und sehlagen Hitler tot." ••••und Gereditigkeli gegen jedermann! Hlndenburgs Yer fassungseid und seine Erfüllung Reichspräsident von Hindenburg hat Im Frühjahr 1925 bei der Ucbernahmc seines Amtes in die Hand des Reichstagspräsidenten und Jetzigen Gefangenen im Konzentrationslager von Breslau, Paul Löbe, den folgenden Eid geleistet: „Ich schwöre, daß Ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von Ihm wenden, die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen ledermann üben werde." Als frommer Mann, der er Ist, fügte Paul von Hindenburg dieser Eidesformel die religiöse Beteuerung hinzu:„So wahr mir Gott helfe 1" Hindenburg war am 5. April 1932 mit 19,360.000 Stimmen zum Reichspräsidenten wiedergewählt worden gegen Hit- 1 e r, der nur 13,419.000 Stimmen erhielt. Das deutsche Volk hatte bei jener Wahl unzweideutig seinen Willen bekundet, in den nächsten sieben Jahren— solange dauert die Amtsperlode des Reichspräsidenten— nicht nationalsozialistisch regiert zu werden. Diese Entscheidung hat das deutsche Volk niemals widerrufen. Selbst durch den Reichstagsbrand und seine terroristische Ausnutzung hat Hitler für sich und seine Partei allein niemals die Mehrheit erobern können. Auch am 5. März 1933 blieb seine Stimmenzahl hinter der Hlndenburgs um mehr als zwei Millionen zurück, nur 44 Prozent der Wähler stimmte nationalsozialistisch, 56 Prozent stimmte für Parteien, die seitdem von der deutschen Erdoberfläche verschwunden sind. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war schon zuvor am 30. Januar erfolgt, zu einem Zeitpunkt, an dem die nationalsozialistische Partei bereits eine rückläufige Bewegung zeigte. Niemand konnte Hindenburg zur Ernennung Hitlers zwingen. Die Ernennung geschah aus des Reichspräsidenten freiem Entschluß. Hindenburg mußte bei gewissenhafter Erfüllung seiner Pflichten unterrichtet genug sein um zu wissen, daß Hitler das Amt des Reichskanzlers in der Absicht übernahm, die von ihm wie vom Reichspräsidenten selbst feierlich beschworene Verfassung zu brechen. Hindenburg wußte auch, daß Hitler auf Gewalttaten ausging. Hitler selbst hatte in einer Unterredung mit Hindenburg die mutmaßliche Zahl der Toten Im Falle der Machtergreifung durch Ihn mit 3000.angegeben. Als ein Teilnehmer Jenes Ge�rächs entsetzt einwandte, Mussolini habe es doch nur bei dem einen Matteotti bewenden lassen, da hatte der nationalsozialistische Kanzlerkandidat überlegen lächelnd geantwortet, das sei ganz falsch; auch der Sieg des italienischen Faschismus habe sehr zahlreiche Menschenleben gekostet. Seit jener Unterhaltung im Herbst vergangenen Jahres, die damals das Tagesgespräch aller politisch interessierten Kreise bildete, galt die Kandidatur Hitlers als erledigt. Bei einem Diplomatenessen, das kurz darauf stattfand, äußerte eine dem Reichspräsidenten damals nächst stehende Persönlichkeit: „Der Anstreicher wird es nicht!" Wenige Wochen darnach erfolgte die Ernennung. Hindenburg war von den Gegnern Hitlers gewählt. Er war von jenen gewählt, die gegen Hitler die Reichsverfassung und den Rechtsstaat erhalten wollten. Hindenburg hatte, wenn er Hitler die Relchskanzlerschaft verweigerte, vom Volk den Auftrag dazu und die Mehrheit des Volkes hinter sich. Er war Oberbefehlshaber der bewaffneten Macht. Niemand konnte ihn zwingen; was er tat, tat er aus freien Stücken. Die Verfassung von Weimar stellte die Staatsmacht auf zwei starke Säulen, den Reichstag und den Reichspräsidenten. Wurde der Reichstag funktionsunfähig— und er war es längst— so stieg damit automatisch die Macht, aber auch die Verantwortung des Reichspräsidenten. Hindenburg konnte unter den gegebenen Umständen eine Regierung aus eigenem Vertrauen ernennen und sie beauftragen, im Rahmen der Gesetze die Staatsgeschäfte weiterzuführen bis eine parlamentarische Regierung wieder möglich war. Er hätte durch ein solches Handeln den Ruhm erworben, sein Land in der Zeit schlimmster Not vor den furchtbarsten Erschütterungen bewahrt zu haben. Hindenburg war nicht geschlagen, als er die weiße Fahne hochzog. Freiwillig hatte er seine Autorität weggeworfen, so daß man heute fragen muß, ob es überhaupt noch einen Reichspräsidenten gibt, der die Reichsbeamten ernennt und entläßt. Gibt es einen solchen Reichspräsidenten noch, dann hatte er schon hundertmal die Pflicht— er hat sie an jedem Tage wieder— Adolf Hitler aus dem Kanzleramt zu entfernen und die Aera des Verbrechens zu beenden. Gibt es aber einen solchen Reichspräsidenten nicht mehr, so ist das Verbleiben Hlndenburgs In einem nicht mehr existierenden, innerlich ausgehöhlten Amt eine Täuschung des deutschen Volkes. Die Frage muß heute wieder aufgeworfen werden: Wie war es möglich, daß dieser Mann Präsident der Deutschen Republik werden konnte? Hlndenburgs achtjährige Reichspräsidentenschaft ist eine Folge der Zerrissenheit des deutschen Proletariats. Die Kommunisten haben im Jahre 1925 durch die sinnlose Zählkandidatur Thähnanns dem deutschen Volk Hindenburg als Reichspräsidenten aufgezwungen. Sie haben im Jahre 1932 durch die Wiederholung dieser Sinnlosigkeit die Aufstellung eines aussichtsreichen republikanischen Bewerbers verhindert. Die Kommunisten sind also die letzten, die uns einen Vorwurf machen dürfen, denn sie hatten die Situation geschaffen, in der ein anderer Gegenkandidat gegen Hitler als Hindenburg unmöglich war. Selbst wenn die Sozialdemokraten ihre Stimmen für Thälmann abgegeben hätten, wäre nicht Thälmann gewählt worden, sondern Hitler. So hatten die Kommunisten 1925 Hindenburg zum Sieg verholten und 1932 die Sozialdemokratie gezwungen— weil sonst nichts übrig blieb— das Experiment mit Hindenburg zu wagen. Das Experiment wurde gewagt. Es ist mißglückt. Paul von Hindenburg hat Im Frühjahr 1933 zugelassen, daß diejenigen zu Tode gemartert, in die Kerker geworfen, rechtlos gemacht und aus dem Lande gejagt wurden, die ihm noch im Jahre zuvor im Glauben, daß er die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren werde, ihre Stimmen gegeben hatten. Das ist ein Vorgang, der in der Weltgeschichte ohne Beispiel ist. Künftige Historiker werden ihr Urteil über ihn fällen. Sie mögen dabei nicht vergessen, daß der Mann, der als erster im Kreise von Sozialdemokraten die Wiederwahl Hindcnburgs vorschlug— das geschah an einem Januarabend des Jahres 1932 im Palais des Reichstagspräsidenten— Paul Löbe hieß! Die Lektion war furchtbar, aber die Niederlage ist nicht endgültig. Die Sozialdemokratie, Trägerin unzerstörbaren menschlichen Gedankenguts läßt sich nicht vernichten. Sie wird eines Tages wieder schlagen und siegen, Abgeschlossen aber ist das Kapitel Hindenburg. Aus Beamten-Briefen Man schreibt uns aus Deutsctiiand: Sie schreiben In der Nr. 4 der Wochenzeitung„Neuer Vorwärts" In dem Artikel„Hitler hat Angst vor der Revolution" u. a.; „Der anständige Beamte schämt sich, Verbrechern gehorchen zu müssen und ersehnt eine neue Aenderung der Dinge." Das ist nur zu richtig. Schon in den Monaten März und April sagten mir Schupobeamte, denen die grünen Jungens der sogenannten Hilfspollzel zur Begleitung aufgezwungen worden waren:„Es Ist schrecklich mit diesen Kerls, die verstehen nichts vom Pollzeldienst, quatschen aber in aües großschnäuzig hinein und wollen kommandieren. Wenn ich so könnte, wie leb wollte, Ich schösse so einen Halunken über den Hauten, aber!"-- und dann kam das resignierende Achselzucken--„ich habe Familie und wenn Ich erledigt bin, gehe sie zu Grunde nnd das will Ich nicht. Bei einer großen Behörde Uelen anständige mittlere und höhere Beamte wie vor den Kopf geschlagen umher und, wenn sie in irgend einem Wnlkcl des Dienstgebäudes sich unbeachtet glaubten, dann machten sie einander das Geständnis:„Das kann doch so nicht weitergehen, das muß doch endlich einmal anders werden, alles, was wir hier machen, Ist Ja Rechts- und Verfassungsbruch, und reines Irrenhaus dazu. Warnt die Dtkatnr Hitler abgelöst wird, dann können lw«]a die Minner von morgen mit Recht ohne weiteres an die Wand stellen." Es flößte diesen Beamten besonderen Schrecken ein, daß sie nicht nur in Protokollen alles, was die Opfer der SA. und SS. über deren Schandtaten aktenmäßig festgelegt haben wollten, einlach weglassen mußten, sondern daß aul die Aktenstücke selbst auf höhere Anordnung stets der Vermerk gesetzt werden mußte:„Im Zuge der nationalen Revolution erledigt" und daß die Nazibanditen einfach straffrei ausgingen. In einem anderen Briefe heißt es: „Bedenkt, daß hier In Deutschland auch das harmloseste Schal mit einem Bein Im Konzentrationslager steht... Man kann heute wirklich mit Begeisterung singen: „Deutschland, Deutschland über alles!" Es Ist Jetzt allen Beamten zur Pflicht gemacht, dieses Lied und auch das Horst-Wessel-Lled mit der erhobenen Hand zu singen. Wer nicht mitmacht, fliegt! Schon morgens und auch tagsüber baben alle Beamten sich mit dem Hltlergruß zu grüßen.— Wer nicht mitmacht, fliegt! Alle Beamten und Angestellten müssen In der NSBO, der NSLO oder einer gleichgeschalteten Organisation organisiert sein. Wer nicht mitmacht, fliegt!... Ja, es ist In der Tat so, die anständigen Beamten— und darunter nicht etwa nur die sozialistischen, sehnen sich nach einer Aen- r*»*• Blonder Kitsch Von Robert. Laut erschallte Im Dritten Reich der Ruf nach der deutachen Kunst, aber die rührt sich nicht. Darum wird In den Kreisen der Gleichgeschalteten vorläufig darüber diskutiert, wie deutsche Kunst aussieht, wobei es ziemlich durcheinander gebt Die einen wollen den„Be- griif der Raase" mehr betont haben, während andere die Rasse für eine politische und ketne ästhetische Angelegenheit erklären. Die einen A 1 1 hakenkreuzlerischen erklären die Nach- krfegskunst als dne„Kunst der Dekadenz und des Asphalts", die anderen N e u hakenkreuzlerischen möchten Ihre Vergangenheit nicht zu sehr ohrfeigen und suchen von der modernen Kunst tu retten, was zu retten ist So hielt der kommissarische Leiter der National-Galerie, Pro! Dr. Schürdt vor Nazistudenten einen Vortrag über das„Wesen der deutschen Kunst", Indem er sagte: „In dem Spiel von voUtheltBcher Selbstbehauptung und Ueberfremdung durch griechisch-romanische Einflüsse haben dann später bereits von Klassizismus und Naturalismus C. D. Friedrich, Marces und heute Barlach, dessen Kunst nicht bolschewistisch, sondern gläubig sei, ferner Nolde, Marc und Fe in Inger dem Unendllchkeltswillen des nordischen Menschen reinsten Ausdruck verliehen." Nun, was den„Willen des nordischen Menschen" anlangt so haben kürzlich erst verschiedene Körperschaften der Nordischsten, der skandinavischen Stämme, mit aller Deutlichkeit das Banausentum, den Despotismus und die Brutalität Hitlerdeutschlands In scharfen Erklärungen abgelehnt Nolde, Marc und Feininger aber sind Vertreter und Ausläufer expressionistischer Kunstrichtung. Von den national- sozlaßatischen Scharfrichtern wurde der Expressionismus und alles, was In dieser Gegend herum stand, als„Jüdisch-marxistische Asphaltkunst" erklärt Jetzt aber versucht man, einige Gleichgeschaltete zu retten, well sonst In der Kunstg&lerle des Dritten Reiches die Durchschnittler, Dilettanten und Kitschlsten zu sehr alle Wände beherrschten. Denn das Wesen aller echten Kunst Ist Freiheit, Gedanken- und Formfreiheit darum hat der Kampf aller echten Kunst von Dürer bis Barlach, von Arlstophanes bis Goethe und Schiller sich bisher gegen Despotismus und Gleichschaltung des Geistes wenden müssen, wenn die Kunst nicht das Beste Ihres Wesens aufgeben wollte. Und das Beste der Kunst war stets Ihr Drang, zu sagen, was wir leiden, zu gestalten, was wir erleben. Dies aber frei zu sagen, Ist unter Jeder Diktatur verboten. Auch die Kunst des bolschewistischen Rußland bedeutet nur dort etwas, wo sie auf Ihrem revolutionären Urgrund zurückgeht, wo sie etwa In großen Filmen den Kampf gegen den Zarismus und zaristische Finsternis gestaltet, wo sie an freies Menschentum appelliert. Wenn ledoch Irgendwelcher Kunst vorgeschrieben wird, chauvinistisch zu sein oder gar zu verherrlichen, was reaktionäre Bluthunde und Ihre feile Bonzerle träumen und ersehnen, so sinkt sie zur Dirne herab, so stirbt das menschlich Große und Erhabene in ihr, so entsteht u. a. Jener Schlageter-und Fride- r 1 c u s m i s t, wie er sich gegenwärtig auf deutschen Bühnen breitmacht. Auf diesem Gebiete ist der neue Kisch bereits so dominierend, daß sich ab und zu selbst Nazi-Prominente, wie Jüngst Hanns Heinz Ewers, eines Stöhnens nicht erwehren können. Denkt man sich außerdem manche Künstler weg— die sich nicht gleichschalten ließen oder die noch weniger arisch sind als Hitler mit seiner verdächtigen Großmutter— und denkt man sich die neuen uniformierten Spielwarte hinzu, die dort jetzt zum Reglcführen kommandiert sind, dann ergibt sich das grotesk Bild von ehemaligen Kunstinstitutionen, die zu lächerlichen Hakenkreuzsinekuren herabgewürdigt wurden. Die älteren erfahrenen Schauspieler bekommen Bauchgrimmen, wenn sie auf der Probe täglich erleben müssen, wie wenig Hitlers Spielwarte von den Gesetzen der Bühnenwelt wissen, wie hilflos das oben steht, wie das durch Kommandos zu ersetzen sucht, was an Können fehlt, und unter Deutschtum eine blonde Perrücke versteht. Wie diese blonde Schmiere aussieht, das erzählte kürzlich Im Prager„Sozialdemokrat" eine deutsche Schauspielerin aus ihrer Praxis. Das Ensemble, zu dem sie gehört, geht auf Tournee. Spielplan: Frlderlcusmlst. Im Mittelpunkt immer der„blonde deutsche Typ". Und nun eine Aufführung:„Die Mühle von Sanssouci— ein deutsches Spiel von Hans Heinrich von Grleselmeler." Frldericus stapft über dfe Bühne, daß die Bretter krachen. Der Schauspieler macht sich einen glmmlgen Ulk daraus, übetrelbt mit rollenden Rrrs— niemand von den Honoratioren und Stahlhelmern merkt was. Aber weit hinten, die abkommandierten Landarbeiter— grienen die nicht? Die Schauspielerin erzählt: „Und so kommen wir bis zum Ende des dritten— und Gott sei dank letzten— Akts. Die beiden heldischen Garde-Leutnants haben ihre treudeutschen, blondbezopften Müllerstöchter erobert; ihr Vater, der„knorrige Alte", hat seinen Prozeß gewonnen und darf die Mühle behalten: Frldericus— erst grimmig gegen die Heiratsgelüste seiner„Kerls" wetternd— ist gerührt und segnet im Vordergrund der Bühne die Pärchen;„Da gibt's nichts, das meinem königlichen Auge verborgen bleibt", sagt er laut Textbuch,„und nun tu' In Dreiteufelsnamen jeder das, was richtige Brautleut' tun. Küß' er sein Mädel I Aber herzhaft, Kerls!" Und laut Regicanwei- sung fährt er„mit kernigem Humor" fort: „Ich, der alte Fritz, werd' meine beiden Augen zudrücken." „Mit diesen Worten wendet sich der König ab"— heißt es weiter im deutschen Spiel des Herrn von Grieselmeier—„und begibt sich mit majestätischem Schritt auf den Balkon hinaus, winkt mit königlicher Gebärde dankend seiner siegreichen Garde zu, die unter den Klängen des Frldencus-Rex-Marsches hinter der Szene vorbeldeflllert. Indessen sich Im Vordergrund die beiden Paare züchtig küs- ttn und sich der alte Müller mit dem Handrücken eine Träne aus dem Auge wischt, fällt langsam der Vorhang." Das ist aus der nationalen Theaterkunst des Dritten ReMies ein typischer Ausschnitt, denn, wenn es sich hier auch um Provinz handelt, so zur Provinz Ist jetzt das ganze deutsche Theater degradiert. Die Kritik? Du lieber Himmel, wei wagt denn Im gegenwärtigen Deutschland ernsthaft zu kr tisleren?! Für solche Leute'Ind doch Konzentrationslager dal Aber diese; S-hlageter- und Horst-Wessel- Kitsch hinterläßt Kassen und das hat vielleicht etwas Heilendes. Denn Dutzende Theater gehen entweder ein oder man muß auf den reaktionären Heldenkohl verzichten und sich auf den Spielplan von ehedem besinnen. Was also wird von dem hakenkreuzlerischen Geschrei nach nationaler Kunst, nach deutsche Dichtung übrigbleiben? Felle Streber in fetten Pfründen, ein Haufen dramatischer Mist, leere Kassen, Pleiten und abgedroschene, große, unerfüllte, hohle Worte— wie von allen Versprechungen der Hltlerdemagogle! --- Ä TersAIeditepte Finanzen- Versdileditepte Wirtsdiafi Noch Immer muß die gleichgeschaltete Presse ihre Anstrengungen' fortsetzen, aus den manipulierten Ziffern der Arbeitslosenstatistik eine Besserung der Wirtschaftslage herauszuschwindeln. Unterdessen aber künden andere, nicht zu verheimlichende Tatsachen dann doch die Wahrheit über das fortschreitende .deutsche Wirtschaftselend.— Da ist zu- . nächst das Ergebnis der Steuereinnahmen im ersten Vierteljahr des neuen Etats. Es bleibt um 71.15 Millionen noch hinter dem Ertrag von April bis Juni 1932 zurück. Seit dem Etat 1929/30, in dem das Steueraufkommen 9026 Millionen betrug, sank es beständig. 1932/33 waren die Steuereinnahmen um nicht weniger als 2380 Millionen zurückgegangen und betrugen 6647 Millionen. Um den neuen, völlig unkontrollierten, der Oeffentlichkeit nur zum Teil bekannten Etat formell ins Gleichgewicht zu bringen, hat das Finanzministerium— zweifellos gegen besseres ■Wissen—■ die Einnahmen auf 6870.4 Millionen, also um 233 Millionen höher angesetzt, mit der Begründung, die zu erwartende Besserung der Wirtschaftslage rechtfertige eine solche Höherstützung. Die Lüge hat kurze Beine gehabt, die Steuereinnahmen sind trotz der Verschärfung der Steuereintreibung, trotz der Steueramnestie und des„Volksverratsgesetzes", das das geflüchtete Auslandskapital zurückbringen und der Besteuerung unterziehen soll, nicht nur nicht gestiegen, sondern zurückgegangen; Bei Bier beträgt der Ausfall 14.7, bei Zucker 2.3, bei Tabak 7.8 Millionen. Die Zölle haben 18.4, die Besitz- und Verkehrs- Steuern 58.4 Millionen weniger gebracht. Die erhöhte Umsatzsteuer hat einen Mehrertrag von 25.6 Millionen ergeben, die Salzsteuer Papens hat 10.8 und Hitlers Fettsteuer, die seit 1. Mai erhoben wird, 19.2 Millionen geliefert Diese Zahlen zeigen jedenfalls das Eine: die Schätzung des Finanzministeriums, dieses Etatjahr werde 223 Millionen mehr erbringen, ist nicht nur durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt, sondern es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß das Jahresergebnis um etwa 250 Millionen hinter dem Vorjahr zurückbleiben wird. Das bedeutet aber, daß auf der Einnahme seite mit einem Ausfall von ekier halben Milliarde zu rechnen ist Die Ausgaben seite ist aber erst recht gefälscht in welchem Ausmaß weiß man vorläufig allerdings poch nicht. Vor allem aber: Am 1. Oktober hören die Steuergutscheine auf, durch die bekanntlich den Steuerpflichtigen ein erheblicher Teil der Steuern ersetzt wurde. Wird das Hitler-Regime es wagen, die Steuern, deren Ermäßigung Ja die Wirtschaft ankurbeln, die kapitalistische Unternehmungslust anfeuern sollte, in alter Höhe zu erheben, den Mittelstand unter den„Steuerdruck des alten Systems" zu setzen? Nach dem Bruch aller anderen Versprechungen wäre das ja zu erwarten. Aber es wird ein verfluchtes Wagnis werden. Wird es aber unterlassen, dann ist an einen anderen Ausweg als an den Rückgriff auf die Notenpfesse, d. h. die Inflation, schon gar nicht zu denken. Unterdessen aber hat die Hitler-Diktatur die von Papen begonnene Steuerpolitik der Begünstigung der Kapitalisten fortgesetzt und eine ihrer Blüten ist die Steuerfreiheit für den Ersatz von Maschinen und anderen Arbeitsgegenständen. Der Preis für eine Maschine kann darnach vollständig von dem Jahresgewinn abgesetzt werden, dieser Teil des Einkommens bleibt also steuerfrei. Aus der Begründung des Gesetzes erfährt man überraschenderweise wieder ein Stück Wahrheit über die Lage der deutschen Wirtschaft und sogar über einen ihrer wichtigsten, für die Beurteilung der Konjunktur ausschlaggebenden Zweige, näm-| lieh über die deutsche Maschinenindustrie. Ihre Umsätze betrugen im Jahre 1928 rund 3505 Millionen.(Dabei sind die Preise auf den Stand von 1933' reduziert, so daß die Veränderungen die Mengen angeben; wertmäßig ist der Rückgang noch bedeutsamer.) Die Umstze waren 1928 sogar noch etwas höher als 1913. wo sie 3455 Millionen ausmachten. Im Jahre 1932 waren sie auf 1440 Millionen gesunken, um mehr als die Hälfte! 1928 betrug der Inlandsumsatz 2480 Millionen, er sank in den folgenden drei Jahren auf 2290, 1740 und 1200 Millionen und 1932 war die Katastrophe da, der Inlandsabsatz betrug nurmehr 720 Millionen, nicht viel mehr als ein Viertel des Umsatzes von 1928! Gleichzeitig sank die Ausfuhr von 1025 auf 720 Millionen. Sie hatte sich immerhin weit besser gehalten als der binnenländische Absatz. Aber nun 1933, das erste Halbjahr der Hitlerregierung, hat das die Wendung gebracht? Eine weitere Verschlechterung ist eingetreten. Zwar sind die Inlandsaufträge gegenüber der z w e i- ten Hälfte 1932 um 11 Prozent gestiegen (den Vergleich mit der ersten Hälfte, der natürlich beweisender wäre, zu ziehen, unterläßt des Offiziosus Höflichkeit), aber die Auslandsaufträge sind um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, so daß der Auftragseingang insgesamt einen Rückgang um 13 Prozent aufweist. Wie wirkte diese Entrichtung auf den Arbeitsmark t? Der Maschinenbau beschäftigte 1913 rund 600.000 Arbeiter, 1928 sogar 660.000; im Juni 1933 war die Zahl auf 250.000 Mann abgestürzt! Dazu muß man nun noch den Ausfall an Arbeitskräften in den Hilfs- und Vorindustrien des Maschinenbaus rechnen; diese beschäftigten 198.000 Arbeiter im Jahre 1928, im Juni 1933 nur noch 75.000. Dazu kommt der Ausfall im Güterverkehr und im Handel, der sich aus dem verminderten Absatz ergibt. Und so erweist die Darstellung des Reichsfinanzministeriums selbst, daß die allein in diesem Zweig der deutschen Wirtschaft entstandene Arbeitslosigkeit auf 550.000 Menschen zu errechnen ist. Den Minderertrag an Steuern und Sozialbeiträgen beziffert das Ministerium auf 400 Millionen Mark gegen 1928, den Unterstützungsbedarf infolge der Arbeitslosigkeit auf 275 Millionen, die gesamte finanzielle Verschlechterung der öffentlichen Haushalte auf 675- Millionen! Das Finanzministerium berichtet von einer Steigerung der Inlandsaufträge um 11 Prozent gegenüber dem 2. Halbjahr 1932. Da der Inlandsabsatz im ganzen Jahr 1932 nur mehr 720 Millionen ausmachte, so kann es sich bei der Besserung höchstens um 35— 40 Millionen gehandelt haben, trotz der Steigerung im Motorenbau für die steuerfrei gemachten neuen Automobile, für die Luftfahrzeuge Görings und die sonstigen Aufträge für die Rüstungsindustrie! Dabei beziffert der Verein deutscher Masdiineiibauanstalten den Wert des normalen Ersatzbedarfes der deutschen Wirtschaft— auch von den Umsätzen an Maschinen entfallen rund 70 Prozent auf Ersatz— auf jährlich 1.9 Milliarden Mark! Im Jahre 1932 betrug aber der Wert der Ersatzbeschaffungen nur noch 535 Millionen. Es läßt sich also schließen, daß der Inlandsabsatz der Maschinenindustrie in der Tat auf ein kaum mehr zu verringerndes Minimum gesunken ist. Dagegen geht der Export in erschreckender Weise zurück. Das ist aber nicht mehr allein die Folge der Weltwirtschaftskrise, sondern die Wirkung der Hitlerschen Wirtschaftspolitik. Zu der völligen Absperrung der Einfuhr agrarischer Produkte— der S c h m a 1 z z o 1 1 z. B. ist in diesem Jahre bereits zum dritten Mal erhöht worden von anfangs 10 auf 100 Reichsmark!— werden gerade in letzter Zeit auch die ausschweifendsten Schutzzollwünsche'der Industrie restlos erfüllt. So sind die Zölle auf sämtliche Garnpositionen mehr als verdoppelt worden. Die Maßnahme richtet sich hauptsächlich gegen die englische Einfuhr und wird natürlich zu Gegenmaßnahmen gegen den deutschen Export führen. Zugleich bedeutet diese Zollbelastung des Garns, eines Halbfabrikats, daß die Produktionskosten der deutschen Weberei und Wirkerei, sowie der Eand- industrie erhöht, ihr Export erschwert wird. Dagegen haben die Kartellierungs- bestrebungen der Spinnerei durch den Ausschluß der ausländischen Konkurrenz eine mächtige Förderung erfahren. Hitler unterstützt eben auf jede Weise den Monopolkapitalismus. Auf der anderen Seite verstärkt sich die Boykottbewegung, die von den industriellen Konkurrenten Deutschlands mit allen Mitteln ausgenützt wird. So macht das„befreundete" Italien augenblicklich alle Anstrengungen, um Deutschland auf den Märkten der Mittelmeerländer und des nahen Ostens, wo der Boykott große Ausdehnung genommen hat, den Absatz zu entreißen, und in einem Bericht über die Wirtschaftslage der Tschechoslowakei heißt es:„Der Eindruck verstärkt sich, daß die Tschechoslowakei zu den Ländern gehört, die aus der internationalen Boykottbewegung im Exportgeschäft Nutzen ziehen." Das ist das Bild der deutschen Wirtschaft, das sich aus amtlichen Zahlen und objektiven Berichten ergibt: Der Nationalsozialismus verschärft die Versklavung der deutschen Arbeiter durch ihre fortschreitende wirtschaftliche Verelendung. Dr. Richard Kern. Göring will abschrecken Der neue Strafvollzug In Preußen Während der preußische Justizminister K e r r 1 auf Ferienurlaub war, hat das Justizministerium das Strafvollstreckung- und Gnadenrecht neu geregelt. Warum nicht? Herr Kerrl, ehemaliger Rentamtssekretär, verstellt ohnehin von Dingen der Rechtspflege soviel, wie die Kuh von Einsteins Relativitätstheorie; er hat auch nie versucht, dies Gebiet kennen zu lernen. Kerrl hat in den fünf Jahren seiner Tätigkeit als preußischer Landtagsabge.ordne- ter(von 1928 bis jetzt)— was bezeichnend ist für diesen Justizminister— nicht einmal zu einer Rechtsfrage das Wort ergriffen, nicht einer Sitzung des' Rechtsausschusses beigewohnt Ein aufgeblasener und bequemer Subalternbeamter ohne jedes Wissen, läßt er sich völlig von seinem Staatssekretär Dr. Roland F r e i s 1 e r lenken, einem pathologischen Ma- niaken mit deutlich sadistischen Charakterzügen. Die neue Strafvollzugsordnung zeigt denn auch die Züge dieses Ihres geistigen Urhebers. Bekanntlich hat noch nie ein Sadist zur Befriedigung seiner Wollust gefoltert sondern immer nur zur Läuterung, Besserung und Bekehrung seiner Opfer. Das Charakteristikum bleibt für ihn, daß er die Folterung eines Menschen als das einzige oder beste Mittel zu seiner Besserung ansieht, während Einsichtige längst erkannt haben, daß ein haltloser und schwacher Charakter— das sind 99 Prozent aller StraffäUigcn— durch solche Prozeduren nur verhärtet und verstockt wird. Es lohnt sich sehr wenig, auf die Einzelhelten des Entwurfes einzugehen. Wie in der Politik, wie auf allen übrigen Gebieten des Lebens, so kennen die Nationalsozialisten auch im Strafvollzug nur ein Allheilmittel für alle Uebel: barbarische Grausamkeit Die in der Republik geschaffenen Strafvollzugsämter erstmals Oberflüssig wieder abgebaut, und die Aufsicht über den Strafvollzug in die Hand der Staatsanwaltschaft zurückgelegt die nun wieder Anklägerin und Vollstrek- kerin zugleich ist. Das Beschwerderecht der Gefangenen wird„als eine Quelle dauernden Aergers" praktisch beseitigt. In den Zuchthäusern, wo es künftig besonders barbarisch zugehen soll, wird der Strafvollzug in Stufen gänzlich abgeschafft, in den Gefängnissen wird er zwar theoretisch belassen, aber in so geringem Umfang, daß auch hier von einer besonderen und erzieherischen Behandlung der Gefangenen kaum noch die Rede sein kann. In der demokratischen Republik war das Ziel des Strafvollzuges, den straffällig gewordenen Gefangenen in die Gemeinschaft zurückzuführen und zu einem sozialen Individuum zu erziehen. Die neue Verordnung des Dritten Reiches aber setzt dem Strafvollzug nur den einen Zweck,„die Scheu vor dem Uebel der Strafe durch die A r t des Strafvollzuges in dem Verbrecher lebendig zu erhalte n". Also — Je grausamer, desto besser! Ob man den straffällig Gewordenen durch die Art des Strafvollzuges geradezu zwingt, wieder rückfällig zu werden, diese Frage legen sich die Feldwebelgehirne der Hitler- Justiz selbstverständlich nicht vor. Alles, was Hunderte der besten Volkspsychologen und Volkserzieher darüber geschrieben haben, ist in den Wind gepredigt,— haben diese schneidigen Hohlköpfe doch nie eine Zelle davon gelesen. So begreift man es, wenn sie ganz naiv die Handarbeit(Tütenkleben, Wollezupfen, Netzeflicken u. dergl.) wieder als Hauptbeschäftigung In die Strafanstalten einführen. Das „verruchte marxistische System" hatte mit der Aufstellung moderner Maschinen In den Arbeits- sälen der Strafanstalten gute Anfänge gemacht Die Strafgefangenen übten an diesen eine Arbeit aus, die sie nach ihrer Entlassung in der Freiheit fortsetzen konnten. Dagegen ist bekannt daß ein Mensch, der fünf Jahre lang Wolle gezupft oder Tüten geklebt hat für keine praktische Berufsarbeit mehr zu brauchen ist Und nun rechne sich der Von Justinlan. Laie selber aus; Was wird den Strafentlassenen j wirksamer vor Rückfall schützen, die Möglich- 1 keit, wieder in das Arbeltsleben eingegliedert f zu werden, oder die Angst vor den Schrecknis- 1 sen des Zuchthauses bei gleichzeitiger Unmög- 1 lichkeit ehrlicher Berufsarbeit?! Wir können den Verfassern des neuen dra- f konischen Strafvollzuges eines mit Sicherheit f prophezeien; den völligen Mißerfolg, i der die Volksgemeinschaft Hunderte von Millio- 1 nen durch ein Anwachsen des allerschlimmsten I Berufsverbrechertums kosten wird. Wenn der| Justizministcr Kerrl aus seinem durch keinerlei i Fachkenntnisse beschwerten Gemüte heraus 1 meint daß die Bestraften„in Zukunft nicht 1 mehr Lusl verspüren würden, straffällig zu wer- I den", so kann ihm jeder erfahrene Kriminalist f etwas andres sagen: Durch diesen barbarischen Strafvollzug wird j das genaue Gegenteil erreicht Es wird{ erreicht daß der Mensch, der auch nur e 1 n- 1 mal als Gelegenheitsverbrecher mit dem Ge-| fängnis Bekanntschaft macht es verläßt als ein; geschworener Feind der menschlichen Gesell- 1 schaft als ein Ausgestoßener, der sich von nun j ab in ständigem Kriegszustand mit dieser befinden wird. Und da durch den gleichzeitigen; Abbau des Gnadenrechtes— die amt- I liehen Gnadenstellen werden auch beseitigt!— die Zahl derer noch beträchtlich■: wachsen wird, die auf Grund einmaliger Ver-| fehlungen mit der Strafanstalt In Berührung kommen, so läuft das ganze System darauf| hinaus, mit Hilfe des„abschreckenden" Straf- J Vollzuges dem Berufsverbrechertum I ungeahnten Zuzug zu verschaffen. Dagegen wird selbst der große Fortschritt i auf dem Gebiete des Köpfungsverfahrens nichts| helfen: Herr Freisler will nämlich die„volks-| fremde" Guillotine französischen Ursprungs| allenthalben durch das treudeutsche Henkersbeil I ersetzen. Geschieht nun aus Gründen der Rasse-| Politik oder ist auch dieses als Förderung der i Handarbeit anzusehen?....