Redaktion und Yerlag: Karlsbad, Haus„Graphia** TeL 105« Preis der Einzelnammer Jf v j j s\ (Im Acsland Kc 2.-) JVC 1•4IU Auslandspreise Einzclnomm. viertel jährl. Argentinien.. Belgien.... Bulgarien... Danzig.... Deutschland.. Estl. nd.... Finnland... Frankreich.. Großbritannien Holland.... Italien..... Jugoslawien.. Lettland..• . Pes. . Frs. . Lew. . Quid. . Mk. E.Kr. . Fmk, . Frs. d. , Gld. . Lir. Din. . Lat. 0.30 2.— 8.— 0.30 0.25 0.22 4.— 1.50 4.— 0.15 1.10 4.50 0.30 Pes. 3.60 Frs. 24.— Lew. 96.— Quid. 8.60 Mk. 3.- E. Kr. 2.64 Fmk. 48.— Frs. 18.— sh. Gld. Llr. 4.- 1.80 13.20 Dln. 54.— Lat, 3.60 liitf ♦♦ Sozialdemokratisches Wochenblatt Nr.«0 Sonntag, 20. August 1933 Bezugspreis Im Quartal 17 X � Q (Im Ausland Kd 24�) JVC J.O*"' Ein Forum von Weltruf stellt fests Goring— ein Brandstifter und Borphinist! Der Trick des Oberreichsanwaltes- er fordert Zeugen you Dr. Branting und Rolland Unter dem Vorsit? von Lord Marley, dem Vizepräsidenten des englisdhen Oberhauses und unter der Beteiligung von weltberühmten Männern wie Professor Einstein, Nitti, dem ehemaligen Ministerpräsidenten in Italien, Branting, dem führenden schwedischen Sozialdemokraten, ist eine Untersuchung über den Reichstagsbrand geführt worden, deren Resultat nunmehr als„Braunbuch" vorliegt. Das Buch enthält erschütternde Dokumente, aus denen mit Sicherheit hervorgeht, daß der Reichstagsbrand von Göring und Konsorten angestiftet worden ist. Die Dokumente befinden sich unter notariellem Verschluß in einer ausländischen Hauptstadt. Die Sensation des Tages ist, daß der deutsche Oberreichsanwalt auf Grund dieser veröffentlichten Dokumente an Romain Rolland und Branting je einen Brief geschrieben hat, worin er um Angabe von Zeugen ersucht, während Göring mit einer Klage in Basel droht. An dem Material des Braunbuchs ist monatelang gearbeitet und gesichtet worden. Die besten Juristen der Welt haben aus dem Berg von Dokumenten diejenigen herausgesucht, die jeder sachlichen Nach- Prüfung standhalten. Sämtliche Dokumente sind photographiert und sichergestellt worden. Sie bilden eine furchtbare Anklageschrift gegen das HltlerSystem. Da ans nur Auszüge vorliegen, können wir nur die wichtigsten Dinge registrieren. Da ergibt sich, daB die Liste der Relchstagsbrandstlfter von Goebbels über Göring, Gral Heil dort, den Fememörder S c h u I z bis zu Marians van der Lübbe rächt. Es ist von ungeheuerer Wichtigkeit, daB van der Lübbe ferner auf jener berüchtigten Liste steht, auf der Hauptmann Röhm die Namen seiner „Lieblinge" verzeichnet hat Jahrelang hat van der Lnbbe in engen Beziehungen zum Münchner Braunen Hans gestanden. Von ebenso atembeengender Wirkung ist der zweite Teil des Braunbuches, der sich mit den sadistischen Folgerungen der Gegner des Regimes Hitler in den SA-Kasernen beschäftigt Die objektiven Berichte aus den Lagern, die ergreifenden Briefe die Gefolterten, die Krankenhausatteste und ärztlichen Bescheinigungen— eine Welt von Grauen türmt sich hier auf, vor der die Nachwelt einmal fassungslos stehen wird. Die menschliche Sprache versagt fast, um die Dinge auch nur beim richtigen Namen zu nennen, wenn man erfährt, daß vertierte Sadisten einem Gefangenen eine Spiralfeder in den Mastdarm gedreht haben, um seine Eingeweide zu zerreißen. Die Antragen an Branting und Rolland Das Buch ist von so ungeheuerlicher Wirkung, daß selbst der deutsche Oberreichsanwalt— ein gewagtes Stück— an zwei prominente Mitglieder des Komitees Briefe geschrieben bat In dem Schreiben an den Dr. Bran- t i n g wird Bezug genommen auf einen im Kopenhagener„Sozialdemokraten" erschienenen Artikel mit der Ueberschrift: „Die Wahrheil über den Reichstagsbrand". Aus diesem Artikel gehe hervor, daß B. einem Berichterstatter dieser Zeitung er- klärt habe, Mitglied einer Kommission anerkannter Juristen zu sein, die demnächst 'm Haag ein Gutachten darüber abgeben würde, was in der Sache des Reichstags. brandes für„Recht und richtig" erachtet werden solle. Aus dieser Aeußerung gehe hervor, daß B. über Material verfüge, das den deutschen Behörden und Gerichten nicht bekannt sei. Es habe sich weder beim Oberreichsanwalt noch bei den anderen Untersuchungsbehörden trotz wiederholter Aulforderungen ein Zeuge gemeldet, der andere als die in den Akten befindlichen Angaben gemacht hat Das Reichsgericht wolle jedoch alle Umstände kennen lernen, die zur Aufklärung des Sachverhaltes dienlich sind und der Ober- relchsanwalt bitte deshalb den Rechtsanwalt Branting, ihm das im Besitz der Kommission befindliche Beweismaterial zur Verfügung zu steUen, insbesondere jedoch die Anschriften von Zeugen, die bereit wären, vor dem Reichsgericht zu erscheinen. In dem Brief an Romain Rolland beißt es, daß der Dichter in einem Schreiben an den deutschen Botschafter in Paris seine Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht habe, daß die der Brandstiftung beschuldigten Bulgaren unschuldig sind. Der Oberreichsanwalt nimmt an, daß Rolland für diese Annahme Beweise habe und, da die deutschen Untersuchungsbehörden den Sachverhalt nach jeder Richtung hin aufklären wollten, bittet der Oberreichsanwalt den Dichter, die Beweise zur Verfügung zu stellen. Diese beiden Briefe sind Dokumente, die in der ganzen Welt das allergrößte Aufsehen erregen werden. Die Geschichte kennt kein Beispiel, daß das höchste deutsche Gericht Ausländer um Nennung von Zeugen ersucht. Der Reichsanwalt weiß, daß sich die Zeugen nicht nach Deutschland wagen könnten, aber er will den A n- schein der Objektivität erwecken. Der deutschen Justiz wird allmählich vor der Empörung der Weltöffentlichkeit bange. Das Vorleben des Psychopathen Das Braunbuch veröffentlicht aber auch Angaben über Görings Vorleben. Es' handelt sich dabei vor altem um die Behauptung, daß Göring ein schwerer Morphinist sei, der unter Erregungszuständen leide, und wegen der damit verbundenen Gefahren für die Umwelt mehrfach zwangsinterniert worden ist. Besonders schlimm ist dieser exzessive Morphinismus bei Göring aufgetreten während seines Aufenthalts in Schweden in den Jahren 1925 und 1926. Damals wurde er gegen seinen Willen in verschiedene schwedische Irrenanstalten (z. B. Konradsberg bei Stockholm und schließlich in der Irrenanstalt Langbro) eingeliefert. Das Braunbuch bringt zum Beweise die Kartothekkarte der Aufnahme Görings in Langbro, Abteilung Tobsüchtige. Ferner wird faksimiliert ein Brief des schwedischen Gerichtsarztes Lundbcrg wiedergegeben, der bescheinigt, daß Göring an Morphiumsucht leidet. Zu diesen Dokumenten können wir aus eigener Kenntnis mitteilen: Im Schweden können die Gesundheits. akten öffentlich eingesehen werden. Die im März von der schwedischen Presse gebrachten Abschriften aus den Gesundheitsakten Görings sind niemals in ihrer Echtheit angezweifelt worden. Der deutsche Gesandte in Stockholm hat sich zwar mehr als zwei Dutzend Mal bei der schwedischen Re- Ermordete Ozeanflieger Litauer über Soldin von SA abgeschossen Nachrichten von Kowno bestätigen das bereits vor Wochen in Berlin zirkulierende Gerficht, daß die beiden litauischen Ozeanflieger Starlus und Glrenas nicht das Opfer eines Unfalls geworden sind, sondern kurz vor ihrem Ziel ain 17. Juli von Deutschen abgeschossen wurden. Nachdem die litauische Regierung eine Untersuchung angeordnet hatte, wurden die Leichen der beiden Flieger exhumiert; hierbei wurde festgestellt, daß einer von ihnen von drei Kugeln getroffen worden war und daß in einem der Särge sich drei Hände befanden! Diese Feststellungen deckten sich mit den Mittellungen, die unmittelbar nach dem 17. Juli über den„Unfall" der litauischen Flieger in die Oeffentlicbkeit drangen. Danach war den Fliegern, die nach ihrem Start in New York 39 Stunden unterwegs waren, das Benzin ausgegangen. Sie suchten deshalb einen geeigneten Landungsplatz und überflogen gegen Mitternacht in einer Höhe von etwa 100 Meter das Arbeitsdienstlager bei Soldin. Die Lagerwache, die aus strammen SA-Leuten besteht, glaubte ein mit staatsfeindlichen" Flugblättern beladenes Flugzeug vor sich zu haben und überschüttete es mit einem Hagel von Maschinengewehrschüssen. Die ersten Meldungen aus Soldin gaben diesen Tatbestand wahrheitsgemäß wieder. Der amtliche Bericht jedoch, der erst in den Morgenstunden herauskam, fälschte den Mord an den Fliegern in einen„Unfall" um. Alle beteiligten Kreise, einschließlich der Aerzte, die die Leichen besichtigten, waren eifrig bemüht, die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Als trotzdem die Gerüchte nicht verstummten, wurde Jenes famose„Dementi" der Regierung losgelassen, wonach es eine ungeheuerliche Verleumdung sei, daß die litauischen Flieger durch„deutsche Todesstrahlen" heruntergeholt worden seien. Daß nicht- die geheimnisvollen„Todesstrahlen" sondern deutsche Maschinengewehrkugeln die Ursache des„Absturzes" waren, wurde von der deutschen Regierung vorsichtigerweise nicht dementiert Nun hat die Untersuchung der litauischen Regierung den Schwindel aufgedeckt und das Verbrechen der Hitler-Regierung vor- aller Welt geoffenbart. Kein Hinwels auf„Irrtum" oder„Versehen" kann ihre Schuld mildern, denn sie war es, die durch ihren Schwindel über„feindliche Flugzeuge über Berlin" sowie durch Ihre ständige Luftschutzpropaganda ihre Anhänger in eine wahre Psychose versetzte; sie war es,. die durch raffinierte Vertuschungsmethoden die Wahrheit zu verbergen suchte und der litauischen Regierung gegenüber bewußt an einer lügnerischen Darstellung der Vorgänge festhielt. Nun regt sich der Unmut und die Empörung in Litauen so stark, daß die Presse den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland fordern darf. Auch in diesem letzten Oststaat, in dem Deutschland noch einige Anknüpfungspunkte für sein diplomatisches Spiel hat, bricht die Empörung gegen Nazi-Deutschland spontan durch. Denn zu kraß ist die Lehre, die man hier aus dem Mord an den Ozeanfliegern zieht; Man kann zwar ungefährdet den Ozean überfliegen, man läuft aber Gefahr von den Schergen Hitlers ermordet zu werden, wenn man die deutschen Grenzen überfliegt!! gierung über die Angriffe der schwedi-] Und diesem Manne ist die summe in der deutschen Volkswirtschaft schen Presse gegen Göring beschwert. Herrschaft über 65 Millionen sinkt also von Monat zu Monat trotz der Abnahme der Arbeitslosigkeit auf dem Aber er hat nicht ein einziges Mal die Deutsche anvertraut! fentlicht worden sind. Echtheit der veröffentlichten Dokumente Das Reichsgericht hat es abgelehnt, Papier. Der beste Beweis dafür liegt in angezweifelt, im Gegenteil, er hat sich dem Ersuchen auf Zulassung von unabhän- dem Ertrag der Lohnsteuer. Jeder Pfenbeschwert, daß echte Dokumente veröf- gigen ausländischen Verteidigern zu ent- nig Lohneinkommen wird von ihr erfaßt. sprechen. Die Antwort der Kulturwelt war In dem Aufkommen der Lohnsteuer spieDas„ Recht" zur Klage dürfte niemand die Bildung jenes Gerichtshofes in Haag, gelt sich daher automatisch die WirtGöring streitig machen. Aber mit einer der aus dem angesehensten Gericht der schaftskonjunktur wider. formalen Klage schafft man Tatsachen Welt besteht und der in voller Oeffentnicht aus der Welt. Und Tatsachen sind: lichkeit verhandeln wird. An diesem GeGöring ist Urheber des Reichstags- richtshof können selbst die grimmigsten brandes! Göring war in schwedischen Verächter von Wahrheit, Recht und GeIrrenhäusern, interniert! rechtigkeit nicht vorübergehen. In den Monaten April bis Juni hat die Lohnsteuer 182.3 Millionen erbracht gegenüber 196.8 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rückgang beträgt also 14.5 Millionen, Nationalsozialismus als durchführen, sondern es kommt darauf an, wie er durchgeführt wird. Wenn wir uns anheischig machen, jetzt den Charakter der Zeit für das kommende Jahrtausend zu bestimmen, dann müssen Sie sich klar darüber sein, daß Sie unser Programm und unsere Ideen nicht in einem Jahrhundert durchführen können, sondern daß darüber vielleicht 200 oder 300 Jahre vergehen müssen. Ehe Hitler zur Macht kam, versprach er sofortige Beseitigung aller Uebel, in seiner ersten Kanzlerrede jedoch vertagte er die Sache auf vier Jahre, dann versprachen seine Palladine das goldene Zeitalter in zehn Jahren und jetzt verWären im Durchschnitt der Monate April tagen sie die großen Reformen auf dreiJuni auch nur eine Million Arbeits- hundert( 300) Jahre. Warum haben also fast 8 Prozent. Entlarvtes Wirtschaftswundert zu den durchschnittlichen Löhnen sie das alles nicht während der letzten Abnahme der Arbeitslosigkeit? Nein, Abnahme des Arbeitseinkommens! und übergegangen wären! Verbrecher und Homosexuelle..." Fragen über Fragen. neu eingestellt worden, dann müßte die Reichstagswahl gesagt? Weil dann selbst Lohnsteuer statt eines Minderertrages dem dümmsten Wähler die Augen aufvon 15 Millionen einen Meh rertrag von 15 Millionen erbracht haben. Die rapide Würde der Erfolg im Kampfe gegen| del, die Warenhäuser und die Konsum- Abnahme des Ertrages der Lohnsteuer ist die Arbeitslosigkeit nur von Propa- vereine aber berichten von einem dauern- die beste Widerlegung des Schwindels abhängen, so den Rückgang der Umsätze. Zwei von der Abnahme der Arbeitslosigkeit. gandameldungen wäre die Arbeitslosigkeit in Deutschland Millionen Arbeitslose weniger, zwei Mil- Die Abnahme der Arbeitslosigkeit steht bereits verschwunden. Aber leider ist lionen Lohnbezieher mehr, und doch wird auf dem Papier, die Abnahme des Ar- Der aus Oesterreich ausgewiesene natiodas nicht der Fall. Die Enttäuschung hat weniger gekauft als bisher! Wie reimt beitseinkommens und die weitere Ver- nalsozialistische Journalist Hönig hielt schlechterung bereits zu amtlichen Warnungen vor dem sich das zusammen? der allgemeinen Wirt- im bayrischen Rundfunk einen Vortrag über Die Lösung des Rätsels ist gar nicht schaftslage ist die Wirklichkeit. Optimismus geführt. Höhnisch weist der seine ,, Erlebnisse in österreichischen Gefängniswürttembergische Innenmini- so schwierig. Wir haben bereits früher sen" und klagte: ster zu der Meldung, Ostpreußen sei frei nachgewiesen, daß die Abnahme der Arvon Arbeitslosen, darauf hin, es handele beitslosigkeit ausschließlich in denjenigen ,, Er sel mit Verbrechern und sich hier um rein ländliche Bezirke, Wirtschaftszweigen erfolgt ist, die dafür Der Tausendjahres Homosexuellen in eine Zelle gesperrt deren Arbeitslose sich in der Erntezeit öffentliche Mittel erhalten haben. In dem mit einigem Geschick leicht nicht subventionierten Sektor der Privatunterbringen ließen. Es frage sich aber, wirtschaft aber sind etwa 400.000 Menwann aus den Industriebezirken Preu- schen weniger beschäftigt als im Vorjahr. Bens die Mitteilung komme, daß auch Die Insassen der Arbeitsdienstlager, die dort der letzte Arbeitslose untergebracht Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, sei. Noch kritischer hat sich auf der Ta- beim Straßenbau usw. erhalten aber kaum gung der Arbeitsfront in Köln der Reichs- mehr an Lohn als bisher an Unterstützung. wirtschaftsminister Dr. Schmitt ge- Die 400.000 neuen Arbeitslosen aus der Privatwirtschaft erhalten aber weniger an Unterstützung als sie früher an Lohn erhalten haben. Die allgemeine Lohnäußert: plan Auf dem deutschen Tag in Friedrichsdorf setzte sich Reichsstatthalter Soukkel für die freie Wirtschaft ein und lieferte den verdutzten Zuhörern folgenden Lehrsatz: worden..." Ein Nazi beklagt sich über das Beisammensein mit Homosexuellen? In welcher Welt lebt der Mann eigentlich? Und was sagen die Röhm, Hitler, Heines und andere Römlinge zu dieser Klage?! Setzt Hönig die Homosexellen mit Verbrechern gleich, weil er seine Partel zu gut kennt, oder well er sie zu wenig kennt? Und das alles im bayrischen Rundfunk? Seit wann ist das ein Schimpfsender gegen das Dritte Seien Sie der Ueberzeugung, daß es nicht Reich geworden? Wann fliegt der Funkleiter? darauf ankommt, in welchem Tempo wir den Tagelang könnte man fragen. Sie müssen diese Anordnungen in Bezug auf die Freiheit der Wirtschaft unbedingt restlos befolgen. Rettet den Frieden! Kongreß der Sozialistischen- Arbeiter- Internationale ,, Wir dürfen nicht glauben, daß wir durch gewaltsame Eingriffe, durch Sieges meldungen über Beseitigung der örtlichen Arbeitslosigkeit das große Problem der wirklichen Beseitigug der Arbeitslosigkeit lösen können. Arbeitsbeschaffungsprogramme werden immer nur eine Zündung bedeuten, sie können nur dazu dienen, den bisherigen Zustand des Darnlederliegens aufzulockern und die Voraussetzungen zu schaffen, die allgemeine Die Konferenz der Sozialistischen Arbeiter- an der bayrischen Grenze geht es zu wie an geschlagenen Landes dle Früchte des Sozia Wirtschaft zu beleben. Jeder falsche Internationale, die am 21. August in Paris be- der albanischen damals als Albanien noch lismus gedeihen, wissen wir deutschen Sozial Optimismus ist der Anfang eines ginnt, wird sich mit zwei Gegenständen von ein wildes Land war. Ausländische Blätter be- demokraten aus eigener Erfahrung. Und war Rückschlages." großer Tragweite beschäftigen: Mit den Kon- richten, daß Deutschland in rasendem Tempo es nicht die ständige Entschuldigung des russi Deutlicher brauchte von amtlicher sequenzen, die aus dem Sieg des deutschen aufrüstet, Winston Churchill feiert in schen Bolschewismus für alle seine Fehlschläge Seite der Schwindel von dem Erfolg im Faschismus zu ziehen sind und mit dem öffentlichen Reden, über die kein deutsches und Sünden, daß er seinen Aufbau über den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nicht Streit, der in der französischen Sozia- Blatt berichten darf, die französische Armee als Trümmern beginnen mußte, die der furchtbar enthüllt zu werden. Das hat jedoch Hit- listenpartei ausgebrochen ist. Beide Din- den stärksten Friedensgaranten der Welt, Schon ste aller Kriege zurückgelassen hatte? In den ler nicht gehindert, von dem großen ge hängen sehr eng miteinander zusammen. erhebt sich da und dort der Ruf nach dem Siegerländern mögen die materiellen Voraus ,, Generalangriff gegen die Arbeitslosig- Sie sind zwei Seiten ein und desselben Pro- Präventivkrieg.„ Losschlagen, bevor es setzungen für eine sozialistische Aufbauarbeit keit" zu sprechen, der bereits in seiner blems, des Problems der Machtergreifung und zu spät ist". Das war die Parole von 1914. vielleicht etwas günstiger gewesen sein, die po Diese Parole hört man auch heute wieder. litischen waren dafür umso ungünstiger. In ersten Welle zwei Millionen Arbeitslose der Machterhaltung. Die Zerstörung der deutschen Bricht in den Ministerien des Auswärtigen, in England hat die Arbeiterpartei die Macht nicht von der Straße geschafft habe. Die zweite Welle, die ab September beginne, solle Arbeiterbewegung trifft die Arbeiter den Gesandtschaften, den Generalstäben die behalten können, in Frankreich hat die Soziswer kann das Unhell dann noch listenpartel sle bisher noch nicht gewonnen. dazu dienen, die im Sommer erreichten klasse und den Sozialismus in der ganzen Welt Panik aus in Amerika ist die sozialistische Arbeiterbew Erfolge zahlenmäßig auch im Winter zu Nicht überall ist die Bourgeoisie so töricat, abwenden? All diese innen- und außenpolitischen Gå- gung von einem entscheldenden Kampf um die halten. Die dritte Welle werde im näch- sich aus Furcht vor dem roten Teufel den sten Frühjahr beginnen und die Arbeits- braunen Belzebu zu verschreiben. Aber inter- rungen und Spannungen sind erwachsen auf Macht noch viel welter entfernt, national verbreitet ist ihre satte Zufriedenheit dem Boden der furchtbaren Wirt. In Deutschland wurde der Rückschlag losigkeit entscheidend zurückdrängen. Statistisch wird dieses Ziel zwei- mit dem Schicksal der deutschen Arbelter- schaftskrise, die seit mehr als 4 Jahren deshalb so furchtbar, well dort eine politische fellos erreicht werden. Man hat jetzt das bewegung, der stärksten der Welt. Von der die ganze Welt erschüttert und bedroht. Die Kultur, geschaffen durch ein frelheitlich geInstitut für Konjunkturforschung Herrn Krise begünstigt, die die sozialistischen Partel- Aerzte der kapitalistischen Gesellschaft suchen sinntes Bürgertum, überhaupt noch niemals unterstellt. Es wäre ein en und die Gewerkschaften in die Defensive vergeblich nach Heilmitteln. Die sozialistischen existiert hatte. Vielleicht hat zu seiner Stärke Wunder, wenn künftig über die Arbeits- trieb, marschiert die soziale Reaktion weiter. Parteien sind aber weder so stark, noch ist aber auch der Umstand mit beigetragen, daß losigkeit noch eine richtige Zahl aus dem Sie denkt nicht daran, den plumpen Hitleris- das Vertrauen der Massen zu ihnen so groß, die sozialistische Arbeiterbewegung für die Institut herauskäme. Aber ob die Zahlen mus zu kopieren, aber, sie fruktifiziert seinen daß sie an eine entscheidende Reform der Kapitalistenklasse schon ein zu gefährlicher Wirtschaft in sozialistischem Sinne unmittelbar Gegner geworden war. Man soll nicht verges über die Arbeitslosigkeit gefälscht werden Erfolg überall. Mit der Verschärfung der Klassengegen- heranzugehen vermöchten. So drängt sich das sen, daß die deutsche Sozialdemokratie und die oder nicht, ist künftig ganz bedeutungslos. sätze der Zuspitzung der Parteikämpfe wächst Problem der Machtgewinnung und der Macht- deutschen Gewerkschaften, die jetzt eine so Da man automatisch die Kriegsgefahr. Aehnlich ergreifung allen sozialistischen Parteien der furchtbare Niederlage erlitten, zuvor auf dem wie 1914 nur noch viel einheitlicher schließt Welt von selber auf. Von einem neuen Krieg ist nichts anderes errungen hatten, die für viele Länder der Welt Geblet des sozialen Arbeltrechts Erfolg sich die ganze Welt gegen Deutschland zusammungen darauf Anspruch haben, da man men, während Italien wieder wie 1914 eine zu erwarten als neues Elend, neue Zer- vorbildlich waren, die dem Unternehmertum weitere Hunderttausende mit Zuschüs- höchst zweideutige Rolle spielt. Rund um das störungen, neue Vergewaltigungen. aber deshalb destomehr auf die Nerven gingen. sen aus öffentlichen Mitteln 3. Reich mehren sich die Zwischenfälle, und Wie kärglich auf dem Boden eines im Kriege beschäftigt, da man Hunderttausende in die Arbeitsdienstlager gebracht hat, so gibt es überhaupt keinen richtigen Vergleich mehr auf Grund der Zahlen für die unterstützten Arbeitslosen. Wenn man außerdem den Plan verwirklicht, bisher Beschäftigte, die als Arbeitslose keinen Unterstützungsanspruch haben, zu entlassen und dafür unterstützte Erwerbslose einzustellen, so kann man natürlich nach Potemkinschen Muster die Arbeitslosigkeit leicht verschwinden lassen, ohne daß sich in der Wirtschaft die geringste Belebung zeigt. Goebbels Hunderttausenden die Arbeitslosenunterstützung einfach verweigert, obwohl sie nach den formellen BestimJe mehr Deutschland vom Weltmarkt abgeschnitten wird, und diese Tendenz wird von Monat zu Monat stärker, desto mehr ist jede Belebung abhängig von der Entwicklung der Massenkaufkraft, also von der Höhe der Löhne und der Gehälter. In keiner Meldung über die Abnahme der Arbeitslosigkeit wird etwas über die Höhe der Löhne gesagt. Der EinzelhanBERT Körperliche Ertüchtigung.. ... von Wissenschaft und Kunst. Elner gründlichen Untersuchung der Ursachen Ihrer Niederlage wird sich die deutsche Sozialdemokratie nicht entziehen. Sie muß sie vielmehr selber wünschen und for dern. Eine gründliche Untersuchung kann aber von einer Konferenz, die wenige Tage dauert, nicht geleistet, sondern höchstens vorbereitet werden -I zumal sich die Konferenz ja auch mit anderen wichtigen Dingen zu beschäftigen haben wird. Der Streit, der in der französischen Sozialistenpartel ausgebrochen ist, Innert uns deutsche Sozialdemokraten an Kon flikte ähnlicher Art, die in früherer Zelt auf deutschem Boden ausgetragen wurden, an den Strelt mit den süddeutschen Budgetbewilligers vor dem Kriege und an den sächsischen Par telstreit nach dem Kriege, der zur Abspaltung der ASP führte. Es ist das alte Problem, wle zwischen dem selbständigen Handeln einer Parlamentsfraktion und dem andersgerichteten Wollen einer organisatorisch übergeordneten Instanz ein Ausgleich erzielt werden kann. Die deutschen Sozialdemokraten können nur den nic St or Ge se SC Ar Zu au Pa na St ZL se na au ge la st je du he fe se ke W nu ja te ge P si lic de a fe ne he d Z ei de re h A 11 Ö li t C S d U 1 V S Z 11 h S Der Parteistaat Eine Fehlgeburt der Demokratie- Yom Junkerstaat zum Konzentrationslager Hitler hat den Parteienstaat vernichtet und den Parteistaat an seine Stelle gesetzt Urkund dessen hat er verordnet wie folgt: Gesetz gegen die Neubildung von Parteien. Vom 14. Juli 1933. Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird; § 1. In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. § 2. Wer es unternimmt, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei aufrechtzuerhalten oder eine neue politische Partei zu bilden, wird, sofern nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer höheren Strafe bedroht ist, mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder mit Gefängnis von sechs Monaten bis drei Jahren bestraft. Berlin, den 14. Juli 1933. Der Reichskanzler Adolf Hitler. Der Reichsminister des Innern: F r I c k. Der Reichsministcr der Justiz Dr. G ü r t n e r. Mit diesem staunenswerten Dokument naiver Unverschämtheit schließt sich bis auf weiteres der Kreis einer hundertjährigen Entwicklung. Vor hundert Jahren gab es in Deutschland noch keine Parteien, ihre Bildung war streng verboten. In Preußen z. B. war Jeder Versuch einer politischen Parteibildung mit Zuchthausstrafe bedroht Es herrschte unumschränkt, durch keine öffentliche Kritik gestört, der Krieg mit seinen Generälen, Bürokraten und Junkern. Diese Her renklasse bildete in Wlrkfichkeit eine Partei, sie hatte es nur nicht nötig, sich so zu nennen, weil Ja andere Parteien neben ihr nicht existierten. Kaum hatte die Revolution das Eis gebrochen und die Bildung auch anderer Parteien möglich gemacht, da konstituierte sich die alte Herrenkaste auch schon als „Konservative Partei". Die Konservative Partei war nun freilich nicht mehr allein. Sie mußte mit anderen Parteien, bürgerlichen und später auch proletarischen, um die Macht kämpfen. Das hat ihr niemals gepaßt, und innerlich hat sie den Anspruch auf Alleinherrschaft auch niemals preisgegeben. Das Geschimpfe auf den„Parteienstaat", das allen Spießbürgern so angenehm in den Ohren klang, war nichts als der Ausdruck der Sehnsucht zurück zur„guten alten Zeit". Keine Parteien mehr, sondern nur «ine prlvllegierto Herrenpartei! Fort mit dem liberalen Partelenstaat, her mit dem reaktionären Parteistaat! Dieses Ziel ist jetzt erreicht. Der Kreis hat sich anscheinend wieder geschlossen. Aber zwischen dem Parteistaat von 1833 und dem von 1933 liegt eine stürmische ökonomische und politische Entwicklung, liegen Klassenkämpfe, Revolutionen, Putsche, Staatsstreiche und Kriege. Die soziale Struktur sowohl der herrschenden Klassen wie die der beherrschten, änderte sich gründlich. Und darum ist auch der Parteistaat von 1933 anders als der Parteistaat von 1833. Die alte Herrenkaste sitzt wieder im Sattel, sie genießt mit vollen Zügen ihren Triumph. Aber neben ihr sitzt das Geld- sackbürgertum und manche Figur, die ihr noch weniger behagt Da muß man eben mit den Wölfen heulen, und so ist man heute auch nicht mehr„konservativ", sondern„nationalsozialistisch". In der neuen Führerschicht wimmelt es von Prinzen, Fürsten, Grafen, Baronen und ordinären Landjunkern— auf einen bürgerlichen Regierungspräsidenten kommen schon wieder neun Adlige— aber man ist doch sehr „fürs Volk", und statt vor einer Majestät von Gottesgnaden in Ehrfurcht zu ersterben, tut man das vor einem Anstreichergesellen, den die Vorsehung zum neuen Heiland, Führer und Retter Deutschlands bestellt hat. Der konservative Parteistaat von 1833 war ein organisch gewachsenes Gebilde von unbegrenzter Borniertheit, aber auch von vollkommener innerer Geschlossenheit. Der nationalsozialistische Parteistaat von 1933 ist vulkanisches Produkt, entstanden aus einem geglückten Staatsstreich, den man fälschlich Revolution nennt, und voll innerer Widersprüche. Er ist nicht mehr nur Herrenstaat, er ist auch Karikatur eines Volksstaates, wobei der zum Alleinherrscher emporgestiegene Schwätzer Adolf Hitler eine Karikatur des Aufstiegs der Arbeiterklasse darstellt— die hohnvollste, die man sich ungefähr vorstellen kann! Und an die Stelle einer einheitlichen konservativen Weltanschauung ist eine gärende Mischung konservativer Ideen, faulender demokratischer oder sozialistischer Gedankenreste und konfuser Rassentheorien getreten, deren Geruch Bewußtseinsstörungen und Erbrechen hervorruft. Läßt sich auf solches Gedankengut ein neuer Staat gründen? Oft schon ist gesagt worden, daß das Sozialistengesetz im Verhältnis zu den heutigen Verfolgungsmethoden das reine Kinderspiel gewesen ist. So war es in der Tat. An Adolf Hitler gemessen war Bismarck ein Liberaler. Bismarck hat das allgemeine Wahlrecht eingeführt, das Hitler jetzt wieder beseitigt hat. Bismarck hat den Deutschen Reichstag geschaffen, der 66 Jahre lang— 51 in der Monarchie, 15 in der Republik— bestand, bis Hitler ihn zerstörte. Bismarck regierte abwechselnd mit Konservativen, Zentrum und Liberalen. Hitler gedenkt nur mit einer Partei zu regieren, der Hitlerpartei. Besieht man die Dinge recht, so ist der nationalsozialistische Parteistaat ein Nebeneinander von alt und neu. Zum einen Teil ist er. wie schon gesagt, Wiederkehr des alten vormärzlichen konservaten Parteistaats, soweit er aber etwas von jenem Abweichendes, Neues darstellt, ist es eine Fehlgeburt der demokratischen Entwicklung. Er mag sich noch so sehr bemühen, alle Spuren des„Märzverbrechens" von 1848 und des„Novemberverbrechens" von 1918 zu vertilgen, einige von ihnen haften ihm selber unauslöschlich an. Der Anstreichergeselle an der Spitze des Staates, die ewigen Berufungen auf einen angeblichen Auftrag des deutschen Volkes, die pseudosozialistische Demagogie— das sind alles Dinge, die der alten Herrenkaste arg wider den Strich gehen, und alles Zeichen dafür, daß selbst die brutalste und dümmste Reaktion auf gewisse scheindemokratische und scheinsozialistische Allüren nicht mehr verzichten kann, Die Welt hat sich in den letzten hundert Jahren ganz gewaltig geändert, und es wird bestimmt keine weiteren hundert Jahre dauern, bis sie sich abermals gründlich ändern wird. Der Weg der Revolution. 1848 begonnen, 1918 fortgesetzt, ist noch nicht beendet. Er führt über die Trümmer des despotischen Parteistaates, des letzten Herrenstaates der Junker und Kapitalisten zum freien sozialisti- schenVolksstaat! F. St. »Idi großer Lump« Aber es war nur ein kleiner. Die„Flensburger Nachrichten" melden aus Itzehoe: Wie die„Schleswig-Holst Tagesztg." meldet, wurde von SA-Männern mit großem Glockengeläut der frühere Hillspolizist Otto L I H e n t h a 1 durch die Straßen von Lock- stedter Lager geführt Er trug ein Schild mit der Aufschrift; „Ich großer Lump habe das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse zu Unrecht getragen." Ebenfalls hatte er sich unberechtigt Titel und Rani- beigelegt und dadurch Behörden-und- Vorgesetzte nicht nur getäuscht sondern sogar veranlaßt daß ihm etliche Ehrungen erwiesen wurden. Lilienthal ist eine Reihe von Jahren Mitglied der NSDAP, gewesen. Trotzdem wird diese gefürchtete Volksiustiz jeden treffen, der sich in so schamloser Weise an der Allgemeinheit vergangen hat Nachdem durch die Polizei die Schwindeleien des L. festgestellt waren, wurde er aus der SA ausgeschlossen und ihm die Uniform und die Abzeichen abgenommen- So, so, also diese geiürchtcte Volksjustiz(!) wird jeden treffen, der sich in so schamloser Weise usw. Wann ist denn da der Herr Reichsstatthalter Kauilmann in Hamburg an der Reihe? Der hat sich doch ebenfalls unberechtigter Weise mit dem E.-K. I. Klasse geschmückt und sich durch eine kleine Urkundenfälschung älter gemacht als er wirklich war, um so verschiedene Ehrungen entgegenzunehmen. Diese Verfehlungen Kaulfmanns sind nicht nur durch die Polizei, sondern durch die Gerichte, ja sogar durch den Untersuchungs- und Schlichtungsausschuß der Nationalsozialisten selber festgestellt worden. Nach der Machtübernahme aber bekam Herr Kauffmann nicht ein Schild mit einer bösartigen Aufschrift umgehängt, sondern einen sehr fetten Reichsstatthalterposten. Der Hilfspolizist Lilienthal in Itzehoe war ja doch nur ein kleiner Lump. Wäre er wirklich ein großer gewesen,, wäre er längst Minister, Statthalter oder wer weiß was sonst! Mensdiemsdimder als J us tizm inisier Unter dem Titel„Hakenkreuz- Terror in Braunschweig" ver- öffentlicht die„Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen", die von der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in Zürich eingesetzt ist, eine Broschüre, der wir das folgende grausige Kapitel über den Fall Theissen entnehmen: „Matthias Theissen, ein alter Frontsoldat, ein überaus kräftiger und tatfreudi- Wunscb aussprechen, daß nichts geschehen möge, was die Schlagkraft des französischen Sozialismus In dieser gefahrenschwangeren Zeit vermindern könnte. Und daß Mißverständnisse vermieden werden, die sich der Feind zu Nutze machen kann. Mag Leon Blum hundertmal Recht haben, wenn er davor warnt, dem Teufel des Faschismus auch nur den kleinen Finger zu reichen, Renandel hat nicht weniger recht, wenn er sich und seine Freunde dagegen verwahrt, mit den Faschisten aui eine Stufe gestellt zu werden, wie das Jetzt in der bürgerlichen Presse täglich geschieht, Untersuchungen begangener Fehler, Erörte- nmgen Innerer Streitfragen, haben nur dann «Inen Sinn, wenn sie geeignet sind, unsere Rüstungen im Kampfe gegen den Feind zu verstärken und unsere Pläne zu verbessern. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale wird, des sind wir gewiß, den deutschen Sozialdemokraten, die noch kämpfen wollen und kämpien können, auch künitig jede mögliche HUfe zuteil werden lassen. Es handelt sich dabei nicht um das Schicksal dieser oder Jener Ffihrergaruitur, sondern es handelt sich um die taptern Genossendrinnen im Lande, die unter Lebensgelahr den Kampf aufgenommen haben, und von deren Erlolg oder Nichterlolg das Schicksal der ganzen zivilisierten Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten abhängt Es Ist die wichtigste Anigabe dar Pariser Sozialisten-Konferenz, Klarheit darüber zu schalten, wie— bei sorg- filtlger Abgrenzung von allen kricgrlschen, militaristischen und kapitalistischen Tendenzen— die sozialistisch und Irelbeitlicb gesinnten Menschen der ganzen Welt, zu einer einheitlichen Aktion zusammengefaßt werden können, deren Ziel es sein muß: Sturz des Verbrecherregimes In Deutschland! Rettnng des Weltfrledens! Vormarsch des Soziallsmus in Deutschland und überall! ger Mann, war Geschäftsführer der Zahlstelle Braunschweig des Baugewerkbundes. Nachts drangen SA-Leute in seine Wohnung in der Schubertstraße ein. Sie fielen über ihn her. Seine Frau sprang hinzu und erhielt gleichfalls Schläge. Dann wurde der halbbewußtlose Theissen in das„Volksfreund"-Gebäu- de geschleppt. Man schlug ihn mit Knüppeln und Stahlruten in das Gesicht, auf den Kopf, auf den Mund und in die Augen. Dann zog man ihn über den Tisch und bearbeitete ihn stundenlang mit Fahrerpeitschen. Als die Schläger, von ihrer Arbeit ermüdet, eine Pause machten, fragten sie Theissen, ob er seinen Austritt aus der Partei und seinen Mandatsverzicht er- klären wolle. Er antwortete:„Nein!" Nun rissen die Folterknechte ihm das Zeug vom Leibe und peitschten ihn, bis ihm das Fleisch in Fetzen vom Leibe hing. Sie fragten ihn wieder, ob er die Erklärung abgeben wolle. Wieder antwortete er:„Nein!" Sie gössen Salzwasser aufden zer- schundenen Körper, in das blutige Fleisch. Darauf peitschten sie weiter. Theissen schrie auf:„Ihr Hunde, wenn Ihr mich totschlagen wollt, so gebt mir eine Pistole, damit Ich mich selber erschießen kann." Wieherndes Gelächter antwortete. Dann brachte man einen Revolver. Theissen setzte ihn an die Stirn und drückte ab. Die Waffe knackte. Sie war leer. Unter viehischem Gejohle geht nach diesem Zwischenspiel die Auspeitschung weiter. Nur aus der ungewöhnlich kräftigen Konstitution Theissens erklärt sich, daß er nicht das Bewußtsein verlor. Plötzlich erschien der SS-Führer und Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Alpers aus Braunschweig. Er war mit Theissen aus gelegentlichen Verhandlungen bekannt und sprach ihn an;„Mensch, Matthies, was machst Du denn hier? Hast Du ein bißchen Schläge bekommen?" Darauf sagte Theissen:„Können Sie das verantworten, daß man hier totgeschlagen wird?" Alpers antwortete;„Na, Matthies, Du kannst aber ruhig Du zu mir sagen, wir sind doch Volksgenossen!" Schließlich fuhr Alpers den Schwerverletzten in die Nähe seiner Wohnung, warf ihn dort heraus und sagte:„So, Matthies, diesmal bist Du noch davongekommen. Sagst Du jemand, daß Du geschlagen worden bist, gehst Du zum Arzt oder in das Krankenhaus, so holen wir Dich wieder! Also hüte Dich!" Am 8. Mai wurde dieser Alpers braun- schwelgsicher Finanz- und Justizminister. Am anderen Tage war Theissens Körper eine einzige schwarzbraune, zerschundene, aufgedunsene, klebrige, blutige-« Masse. Er wurde in das Katholische Krankenhaus zu Braunschweig gebracht Als er sein Ende nahen fühlte, gab er seinen Angehörigen und Freunden die vorstehende Schilderung. Und er fügte hinzu:„Ich habe im„Volks- freund"-Hause die Genossen Wilhelm Ricke, Heinrich Simon. Fritz Trute, Wilhelm Warnecke und andere auf Strohhaufen liegen sehen. Nur an ihrem Stöhnen konnte ich erkennen, daß noch Leben In ihnen war." Zwei Wochen lang wälzte sich Matthias Theissen auf dem Krankenlager. Dann starb er. Frau Theissen und der Zentralvorstand des Baugewerkbundes in Berlin erstattete Strafanzeige. Daraufhin beschlagnahmte der Staatsanwalt die Leiche. Nun mußte— ein seltener Fall— doch amtlich zugegeben werden, daß der Tod infolge von Mißhandlungen eingetreten war. Einen Tag vor der Bestattung ihres Mannes wurde Frau Theissen verhaftet. Sie sollte die Photographien herausgeben, die angeblich von ihrem Manne hergestellt waren und den Hersteller nennen... Als der Fall Theissen bekannt geworden war, flüchtete der Rest der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Stadträte. Alpers aber ist Justizminister in Braunschweig! England urteilt nüchtern Die Londoner Finanzrevue„The Econo- misf veröffentlicht folgende Charakteristik des Hitlerregimes:„Der Hitlerismus besitzt viele Masken und Mundstücke: in einerund derselben Woche predigt der Führer selbst internationalen Frieden, während Herr Heines erklärt, daß der Krieg noch nicht beendet sei, und Herr Papen einen Berserker-Militarismus an den Tag legt. Man katin gleichzeitig von Herrn Hitler hören, daß die Revolution abgeschlossen ist, während ein Parteirandschreiben erklärt, daß unsere Feinde nicht ruhen etc. In diesem Stimmenbabel können wir nicht angeben, welche Stimme die wirkliche Nazi-Politik verkündet— soferne eine solche Oberhaupt existiert— und inmitten dieser widersprechenden Drohungen der Aktionen. die bloß das Crescendo der Grausamkeit gemeinsam haben, können wir nicht erkennen, welchen Kars der Steuermann— soferne ein solcher überhaupt vorhanden ist— 2« nehmen beabsichtigt. Betrogener Mittelstand Sie stehlen weiter! Die Geheime Staatspolizei teilt mit, daß sie das Vermögen der„ Vorwärts"-Buchdruckerei und VerlagsanDer stillgelegte ,, Kampfbund"- Vertagter ,, ständischer Aufbau" stalt Paul Singer& Co. und die Geschäftsanteile der„ Vorwärts"-Verlags- G. m. b. In dem ,, Kampfbund für den gebildet hat, sich vor dem Großkapital| noch himmelweit davon entfernt seien, die gei- H. für den preußischen Staat einbezogen gewerblichen Mittelstand" hat- und seiner Konkurrenz, den Wirkungen stigen, seelischen und moralischen Vorausset- und auf die vom preußischen Staat bereits ten sich die Nationalsozialisten eine außer- der kapitalistischen Krise retten zu kön- zungen für den berufständischen Aufbau zu er- gestohlene Konzentrations- A.-G. ordentlich wirksame Propagandaorganisa- nen durch Kurieren an Symptomen statt füllen. Viele glaubten, daß bei der Neuordnung übertragen hat. Das Gleiche sei erfolgt tion geschaffen, die den Krieg gegen die durch die Aufhebung der kapitalistischen der Wirtschaft jeder Konkurrenzkampf ausge- hinsichtlich der Grundstücke und des VerWarenhäuser, gegen die Einheitspreis- Gesellschaft selbst, die vermeint hat, es schaltet werden würde. Aber der frele mögens der Volksfunk- G. m. b. H. geschäfte, den großkapitalistischen Han- genüge, den Demagogen die Staatsmacht Wettkampf der Besseren gegen die Die Bezugnahme auf eine angebliche del überhaupt mit besonderer Wucht auszuliefern, um im Dritten Reich das Schlechteren dürfe in der Wirtschaft gesetzliche Grundlage für diesen Diebführte. Seit dem Staatsstreich war der mittelständlerische Paradies zu verwirk- niemals überwunden werden." stahl wird weder von uns noch von Kampfbund zum Bekenntnis zum Manchesterliberalis- irgend einem rechtdenkenden Menschen mus wie es im Buche steht, das ist das anerkannt werden. Unternehmungen, abschließende Wort des nationalsozialisti- Grundstücke und Maschinen aber haben provozierende Feststellung, daß der nor- Den Geist, der die sozialdemokratischen schen Mittelstandsführers! Und dazu die erst Wert, wenn Menschengeist sie zu dische, deutsche Edelmensch, der doch Unternehmungen groß und lebensfähig gesonst alles überragt, für den versproche- macht hat, haben die Nazis nicht mit reif ist! nen ständischen Aufbau noch lange nicht stehlen können. Er wird dafür sorgen, daß sie sich nicht lange des Besitzes an geraubtem Gut erfreuen können. Durchführungsorgan der Mittelstandsforderungen lichen. Jetzt haben die Kleinbürger ihre Revolution gemacht und nun müssen sie erleben, wie die neuen Herren sich wie den Verbänden und Innungen, bei den stand wenden, ihn um die Früchte seiner geworden, der die Gleichschaltung“ bei gegen die Arbeiter so gegen den MittelGewerbe- und Handelskammern erzwang, blinden Anhänglichkeit prellen und wie den offiziellen und stillen Judenboykott stärker als je gegründet ist die Herrdurchführte, den Kampf gegen Warenhäuser und Konsumvereine bis zu ihrer Und aus dem Munde des stellvertretenschaft des Großkapitals. Vernichtung forderte, für das Verbot der den Reichsführers ihres Kampfbundes, Errichtung neuer Handelsgeschäfte ein- des Stableiter Sohns, können sie jetzt trat und das Handwerk gegen neuen den Hohn vernehmen: Zuzug absperren wollte. Die Nationalsozialisten haben bis vor kurzem die ,, Man müsse mit Beschämung feststellen, Tätigkeit gerade dieser Organisation gar daß die Wirtschaft und er deutsche Mensch nicht genug rühmen und preisen können Aerger ist wohl noch nie von Führern Schindluder mit ihren vertrauensseligen Anhängern getrieben worden! Der braune Kinokitsch und jetzt haben sie ihm mit einem Federstrich den Garaus gemacht. Damit ist zur größten Befriedigung der eigentlich kapitalistischen Schicht unter die Rebellion des Mittelstandes Ab und zu dämmert so etwas wie gegen das Großkapital von der Selbsterkenntnis in irgendeinem gleichgenationalkapitalistischen Regierung der Schlußstrich geschalteten Blatte auf. Dann wird es gesetzt worden! wöhnlich binnen Kürze verboten. Wir Alle Maßnahmen gegen die Warenhäu- prophezeien der ,, Literarischen Welt", die ser und die Konsumvereine, aber auch zu Berlin erscheint, kein langes Leben, die Einführung der Handwerkskarte und denn sie wagt, die Frage aufzuwerfen: der Handelskarte, die Kleinhändler und Handwerker vor dem Eindringen neuer ,, SA.- Mann Brand ein nationalKonkurrenten bewahren sollten, müssen sozialistischer Film?" Und läßt jetzt, so verkündete kürzlich einer der ,, Mittelstandsführer", zurückgestellt werden sie seien jetzt nicht aktuell. Verrat, völliger, grenzenloser Verrat am Mittelstand, Bruch aller feierlichen Versprechungen Hitlers allerdings. Und die Enttäuschung der Betrogenen wird nicht ausbleiben. Aber daß dieser Verrat so schnell und schrankenlos vollzogen wird, zeigt doch neben der demagogischen Skrupellosigkeit der Verräter noch ein anderes auf: die Undurchführbarkeit der! Mittelstandsforderungen in der kapitalistischen Gesellschaft, die Utopie der kleinbürgerlichen Rebellion, die sich einEine unbequeme Frage und eine dürftige Antwort Zwischen zwei Prager Linksblättern folgende Antwort auf dem Fuße folgen: ,, Unmittelbar nach dem Siege der nationalen Revolution glaubte der Film.... eine Konjunktur ausnützen zu müssen. Die Herstellungsfirmen kauften wahllos alle Stoffe auf, die national und patriotisch erschienen, engagierten die Darsteller und sahen ein großes Geschäft gesichert... einem sinnvollen Tun zusammenfassen. ... ohne Dank zu 990.. fordern" Der Nazidichter Schauwecker wirbt in einem Aufsatz der ,, Breslauer Neuesten Nachrichten" für ein ,, beispielhaftes Leben", das jedoch mit Opfern und Entsagung verbunden sei. Er führt Fälle solch vorbildlichen Lebens an, findet jedoch unter der Nazibonzerie kein Beispiel, weshalb er sich an den unbekannten Soldaten hält: ,, Beispielhaft war der heroische Kampf der deutschen Soldaten im Weltkrieg, die in Dreck und Feuer fürs Vaterland aushielten, ohne Dank zu fordern 99 stisch, sentimental, komisch. Besser konnte die Mischung nicht sein. Aber das Empfinden des Publikums hat sich als recht gesund herausgestellt. Trotz des Fehlens von neuen Filmen hat der ,, SA.- Mann Brand" kaum einen Durchschnittserfolg gehabt. In vielen Städten ist er überhaupt abgelehnt worden... Und die heute zum Dank für ihr Ausharren in Dreck und Feuer zu Millionen verfolgt, geEs ist eine Geschmacklosigkeit, ist ächtet, rechtlos und brotlos gemacht, in Konnationaler Kitsch, wenn mit den Sieg zentrationslager gesperrt, mißhandelt und erder nationalen Revolution am 30. Ja- schlagen werden! Alles im Auftrage eines nuar der Erfolg eines Ehemanns über Nazi- Halunkentums, das in fetten Aemtern und seine Pantoffel schwingende Frau in Made im Speck! Von dieser beispiellosen GePosten ein beispielhaftes Leben lebt, wie die Beziehung gebracht wird. Es ist unsin- meinheit darf kein Schauwecker berichten, nig, die kommunistische Gefahr durch weil das III. Reich nur Kreaturen duldet. plumpe Schwarz- Weiß- Zeichnung ins Komische zu ziehen. Geschäftsrisiko Verlumpte Nazijustiz. Wir haben dem vernichtenden Urteil nichts hinzuzufügen. Neugierig sind wir Der„ SA.- Mann Brand" mußte nach nur darauf, wie lange die deutschen Licht- Schadenersatzklage Ein jüdischer Geschäftsmann erhob der üblichen Rechnung ein Bomben- spielhäuser solche und ähnliche patrio- Staat, weil sein Unternehmen durch SA.beim preußischen erfolg werden: aktuell, nationalsoziali- tische Pleiten noch aushalten. An unsere Leser Banden unter wohlwollender Duldung der Polizei völlig zerstört worden war. Das Landgericht Berlin wies die Klage kostenpflichtig ab mit der Begründung, ein jüdischer Unternehmer, der in Deutschland ein Geschäft betreibe, müsse sich darüber klar sein, daß dies eine außerIn Hitlerdeutschland kann man es verbreitet. Für jede Weitergabe wagen ordentliche Provokation gegenüber der ist eine Polemik über die Aufgaben Sow- heute erleben, daß plötzlich auf allen unsere Tapfersten alles: Freiheit, Fa- überwältigenden Mehrheit des deutschen jetrußlands im Kampfe gegen die Hitler- Straßen und Plätzen einer Staat die milie, Leib und Leben. Volkes bedeute. Er müsse daher von Diktatur entstanden. Die„ Neue Welt- Passanten von braunen Söldnern durchvornherein mit der Möglichkeit einer ZerMannigfache ideelle und materielle störung seines Geschäftes rechnen; diese bühne" fragte: sucht werden. Man fahndet nach Opfer fordert dieser Kampf. Darum ist Gefahr sei ein Teil des Unternehmerrisi,, Warum hat Sowjetrußland 1920 alle staatlichen Mittel versucht und verwen- verbotenen Schriften" der Neue Vorwärts" teurer als andere kos, das jeder Jude in Deutschland zu Blätter, darum ist sein Preis höher. Zei- tragen habe. volutionäre aus den Zuchthäusern zu holen nach kritischer Literatur. Die ,, nationale tungen für sozialistische Revolutionen Aber welches Geschrei stimmt die und warum ist die konsolidierte Sow- Erneuerung" kann keine Wahrheit ver- werden nicht aus kapitalistischen Kas- die Hafenarbeiter anderer Staaten sich nationalsozialistische Regierung an, wenn letunion 1930„ gezwungen" selbst den tragen, so geistig und moralisch schwach senschränken finanziert, sie müssen weigern, hakenkreuzbeflaggte Schiffe zu sind die Grundfesten dieses Schand- schon an den Idealismus ihrer Leser, an entladen, wenn irgendeinem deutschen Die Antwort des kommunistischen systems! ,, Gegenangriff" lautete: Konsulat die Fensterscheiben eingeworfen a) ,, 1920 gab es auf dem Gebiet der Sowjetunion Darum fordert Göring den Tod für Opferwillen der freiwerden, wenn führende Politiker des Dritnoch hunderte ungarische Aristokraten als jeden, der eine oppositionelle Meinung heitlichen Menschen ten Reiches wie Rosenberg- im AusKriegsgefangene. Aus ihnen Austauschge- laut werden läßt! Darum schauen die land weidliche Grobheiten zu hören beHeute müßte man den deutschen Bot- Nazidiktatoren bereits zu Kema Pascha" ppellieren. Was der ,, N. V." abwirit, kommen. Entweder oder! Entweder mehrt jenen Fonds, ohne den. ein Kampf das neue Deutschland schafft im eigenen oder die deut- und seinen asiatischen Methoden empor! schen Techniker und Ingenieure, So bangen sie vor dem gedruckten unmöglich ist. Für jede Mark Ueber- Machtbereich dem menschlichen Recht schuß gehen revolutionäre Blätter ins eine Stätte oder es erkennt wie es in III. Reich. Welcher unserer Leser möch- Wahrheit geschiehtrohestes Faustrecht det, die gefangenen ungarischen ReVersuch zu unterlassen?" fangene zu machen, schafter verhaften war nicht schwer. die am Sowjetaufbau mitarbeiten." b) ,, 1919 war die Sowjetunion noch mit allen chen." Wort der anderen! nen. Durch tausend Kanäle muß die Sehr realpolitisch, aber staatsmännisch Wahrheit von allen Seiten in das verknechtete Land dringen. gedacht! Aber ,, revolutionär"? den Staaten im Kriege. Heute lebt sie mit allen Asiatisches Henkertum jedoch kann te um Heller feilschen, wenn mit diesen an. Dann darf es sich nicht wundern, Staaten in Frieden. Würde sie zum Boykott die steigende Welle der Empörung wohl Hellern tausenden Tapferen drüben der wenn es von der Welt entsprechend begreifen, so würde sie den Frieden bre- hemmen, auf die Dauer aber nicht ban- schwere, opfervolle Kampf erleichtert handelt wird. Dann muß es seinerseits wird? alle ihm zugefügten Fußtritte auf ,, Geschäftsrisiko" buchen. Oder glauben die Wer im Trocknen sitzt, soll doppelt braunen Raubritter wirklich, sie seien den gern opfern! Wer freie Luft atmet, soll zivilisierten Staaten wenigstens mit materieller Gabe denen ihnen selbst die Juden sind? Haben sie angenehmer, als danken, die an der Front der Freiheit noch immer nicht kapiert, daß ihr sadifaschistische Barbarei haßt, soll die ihr Leben einsetzen. Wer Bestialität und stischer Tyrannenwahn- um die Worte des oben wiedergegebenen Gerichtsurteils zu gebrauchen- ,, für die überwältigende Italien nicht judenrein! ,, In Deutschland hat infolge der nationalsozialistischen Revolution eine ganze SchriftSeit Mitte Juni erscheint der ,, Neue Vorwärts" müssen. Die faschistische Revolution hatte kei- deutschen Sozialdemokratie. Der Verstellergeneration vom Schauplatz abtreten als antifaschistisches Kampfblatt der nen derartigen Umbruch zur Folge. So wun- kauf im Ausland wie die Nachfrage in Klingen der revolutionären Kämpfer Mehrheit der übrigen Weltbürger eine von Deutschland nach Italien kommt, in den Hitlerdeutschland bezeugen das wach- Schärfen helfen, indem er das Kampf- außerordentliche Provokation bedeutet?" dert sich denn auch der Neuling, der frisch Schaufenstern der Buchläden zahlreiche Ueber- sende Interesse, das man unserem Wosetzungen von Werken solcher Schriftsteller| chenblatt entgegenbringt. Jede Nummer ( Zweig, Wassermann, Emil Ludwig u. a.) zu wurde von unseren Anhängern drüben blatt der deutschen Sozialdemokratie Was Ihr anderen tut, das wird euch anunterstützt und für den getan werden! finden, deren Bücher in Deutschland auf den begrüßt, wurde von tausenden Tapferen Neuen Vorwärts" wirbt. wortlicher Redakteur: Wenzel Horn, Karlsbad. symbolischen Scheiterhaufen verbrannt worden waren."( ,, Vossische Zeitung".) Herausgeber: Ernst Sattler, Karlsbad. VerantDruck: Graphia". Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P.D. ZI. 159.334/ VII- 1933. Büiaqe xks Jkum Vomäcts 7h. 10 Thyssen bestiehlt das Reich Enteignung des Reidies durdi das Sdiwerkapital— Ist das„deutscher Sozialismus'*? Der berühmte ständische Aufbau, den der Nationalsozialismus versprochen hat, ist verschoben— wohl auf den St. Nimmerleinstag. Das hindert aber nicht, daß unterdessen sehr weitgehende Aenderun- gen in den wirtschaftlichen Organisationen vorgenommen worden sind, die eine grundstürzende und dauernde A e n d e- rung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse bedeuten. Und diese Machtverschiebung ist sehr eindeutig. Völlig tot ist die Organisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Lahmgelegt sind auch die Organisationen des Mittelstandes. Unverändert in ihrem Aufbau, ungehindert in ihrem Wirken, aber unendlich gestärkt durch die Zerschlagung aller anderen Organisationen stehen die Verbände der Kapitalisten da, die jetzt unumschränkter als je in allen Wirtschaftsfragen über die totalitäre Staatsmacht verfügen. Und das zeigt seine Wirkungen nicht nur in den Fragen der öffentlichen Wirtschaftspolitik, sondern auch in den privaten Interes- senangelegenheiten der einzelnen mächtigen Kapitalistengruppen. Und wieder ist bezeichnend, daß Hitler, der „Sozialist", in wirtschaftlichen Fragen den Mann zum einflußreichsten und mächtigsten gemacht hat, der wegen seiner sozialpolitischen Rückständigkeit und kapitalistischen Engstirnigkeit im „alten System" als berüchtigt galt, den Thyssen. Der hat als Staatsrat, als Mitglied des Obersten Wirtschaftsrats, als Wirtschaftsführer von Rheinland-Westfalen aber nicht nur den entscheidenden Einfluß auf alle allgemein sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen. Thyssen ist auch Privatmann und als solcher einer der Herren des Stahlvereins. Man weiß, daß unter Brüning der Finanz- minister Dietrich unter großen Opfern für das Reich die Majorität von Gelsenkirchen erworben hat und damit die Mehrheit über den Stahlverein. Die beherrschende Stellung, die das Reich durch die „kalte Sozialisierung" in der Montanindustrie überhaupt erlangt hatte, war der Schwerindustrie als unerträglicher Eingriff erschienen. Es war das nicht zuletzt der Grund, aus dem sich die Montanindustrie gegen Brüning wandte und den„Sozialisten" Hitler mit allen Mitteln unterstützte. Schon unter Papen verlangte Thyssen die Reprivatisierung, die Expropriation des Reichs— die entschädigungslose, denn über flüssiges Kapital zum Rückkauf verfügten die Herren ia nicht. Aber die Forderung scheiterte an dem Widerstand Schleichers, der sich die Verfügung über die Grundlagen der Rüstungsindustrie nicht nehmen lassen wollte. Thyssen mußte also warten. Und er wartete nicht ohne Erfolg. Hitler, sein Hitler kam. Und jetzt kann das Geschäft gemacht werden — die entschädigungslose Expropriation des Reichs, der Sozialismus mit dem umgekehrten„Vorzeichen". Der von je überkapitalisierte Stahlverein bedarf dringend der Reorganisation. Bisher war sie immer verschoben worden. Jetzt— im Dritten Reich— ist die Zeit erfüllt. Der Stahlverein soll mit seinen ehemaligen Gründergesellschaften, Gelsenkirchen, Phönix und Zypen- Wissen fusioniert werden. Aufnehmende Gesellschaft soll Gelsenkirchen werden; bei Gelsenkirchen lag bisher die M e h r- h e i t über den Stahlverein. Das Reich hatte rund die Hälfte des Aktienkapitals von Gelsenkirchen, 125 Millionen Mark und damit zugleich die Herrschaft über den Stahlverein. Thyssens Plan besteht nun darin, das Kapital von Gelsenkirchen für die Aufnahme des Stahlvereins, des Phönix und Zypens auf etwa 500 Millionen festzusetzen. Der Majoritäts- und Herrschaftsanteil des Reichs wird so im Handumdrehen und ohne daß es die Stahlvereinsherren einen Pfennig kostet, in eine bedeutungslose Minorität verwandelt; die Reprivatisierung ist vollzogen, der beherrschende Einfluß Thyssens ist wiederhergestellt und dazu die 125 Millionen des Reichs als Sanierungskapital annektiert. Es ist der unverschämteste Raubzug. den je eine Kapitalistenclique in neuerer Zeit in Europa geplant hat! Versteht man jetzt die wahre Natur der nationalsozialistischen Revolution? Begreift man, warum Hitler die Revolution für beendet erklärt hat? Versteht man aber auch, warum die Presse nicht nur in politischen, sondern auch in wirtschaftlichen Fragen in Deutschland so völlig geknebelt ist? Nichts bezeichnender als daß kein deutsches Blatt es wagen kann, diese freche kapitalistische Annek- tion von Gemeingut zu kritisieren, diesen Feldzug des Eigennutzes gegen den Gemeinnutzen auch nur deutlich zu beschreiben. Thyssen hat mit Hunderttausenden den Hitler subventioniert; das Geschäft hat sich gelohnt; er bekommt für jeden Tausender eine Million zurück. Fürwahr: das„Heil Hitler" kommt diesem Mann aus dem Herzen! Aber die Geschichte vollzieht sich im dialektischen Prozeß. Diese kapitalistische Expropriation ist nur ermöglicht' durch die politische Expropriation der deutschen Arbeiterklasse, durch den Raub ihrer po- litischen und organisatorischen Freiheit; mit der Wiedereroberung der Freiheit wird verbunden sein die entschädigungslose Enteignung der Expropriateure von heute als erster Schritt zum Aufbau der sozialiEtischen Gesellschaft. Dr. Richard Kern. Gering und Hitler Wer wird Hindenburgs IVachfolger? In asiatischen Despotien vollzieht sich das Regieren stets in den innersten Gemächern des Palastes, Und erst, wenn die Palatsrevolution vollendet ist, pflegen die Untertanen zu erfahren, was sich mittlerweile zugetragen hat Ganz läßt es sich aber doch nicht verhindern, daß Gerüchte entstehen, in denen ein Körnchen Wahrheit steckt, und daß das Geflüster der Sklaven aus den Gängen hinaus auf die Straße getragen wird. Es muß schon etwas sein an dem Gerücht von den Gegensätzen zwischen Hitler undGöring! Von den Spannungen an der Spitze der nationalsozialistischen Partei, die vielleicht eines Tages zu explosiven Lösungen führen könnten! Hat nicht vor einigen Wochen Göring als preußischer Ministerpräsident vor aller Welt mit der Faust auf den Tisch geschlagen und vom Reich, d. h. von Hitler, ein neues Köpf- und Hänge-Gesetz gegen die Unzufriedenen im Lande verlangt? Und hat nicht ein langes peinliches Schweigen Hitlers auf dieses öffentliche Verlangen geantwortet? Wie wird sich die Eitelkeit des Mannes mit den 40 Uniformen— an einem Tage bei der Schlageterfeier allein hat er sich in sieben verschiedenen Monturen gezeigt— mit dieser öffentlichen Demütigung abfinden? Göring will, so heißt es jetzt allgemein, nach dem Tode Hindenburgs Hitler in das völlig entmachtete Reichspräsidium abschieben und sich selber zum Reichskanzler ernennen lassen. Hitler aber, so wird weiter versichert, soll nicht so dumm sein, die Absicht nicht zu merken, und er soll keine Lust verspüren, die Rolle eines zweiten Hindenburg zu spielen. Hitler will Kanzler bleiben und an den Platz des Reichspräsidenten einen Hohenzollern als Reichsverweser setzen. Nimmt man dazu, daß zwischen Preußen und dem Reich, d. h. also, wieder zwischen Göring und Hitler, ein Streit über eine neue Prcsse-Ordon- n a n z ausgebrochen ist, über die Frage, wer verbieten darf, nur das Reich oder auch Preußen, so wird man finden, daß der Konfliktstoff stark angehäuft ist. Für den Staatsrechtler aber ist es ein Schauspiel für Götter: nach der glorreichen „Vereinheitlichung des Reiches", die im ersten Augenblick sogar manchem Gegner imponiert hat. die aber genau so Schwindel gewesen ist, wie alles, was diese Gaukle rregierung tut, bricht der alte Gegensatz zwischen dem Reich und seinem größten Gliedstaat mit einer Heftigkeit aus, wie man sie in den verruchten 14 Jahren zuvor niemals erlebt hat. Gründlich verkehrt wäre es, sich der Hoffnung hinzugeben, die nationalsozialistische Blutherrschaft werde eines Tages an ihren inneren Spannungen zugrundegehen und einfach zusammenkrachen. So bequem wird es uns ganz gewiß nicht gemacht werden. Aber je deutlicher sich zeigt, wie hohl und innerlich morsch dieses System ist, desto zuversichtlicher dürfen wir an seiner Beseitigung arbeiten, die unser Werk sein wird. So sprach der greise Präsident••• Auf einer Massenkundgebung wurde kürzlich eine Botschaft des greisen Präsidenten der Republik verlesen. Darin hieß es: Wir werden Nachdruck darauf legen, daß das Christentum im Geist seines Begründers die Religion wirksamer Liebe zum Nächsten ist. In der Zeit der Uebergänge und der Unfertigkeit auf allen Gebieten werden unsere Kirchen auf die Sittlichkeit größeres Gewicht legen und übertriebenes Parteiwesen verhindern; es darf niemand, der sich zum Christentum meldet, Haß verkünden. Und wenn gerade jetzt außerhalb unserer Grenzen gefordert wird, daß die Kirchen Kampfkirchen werden, darf es in der Republik keinen einzigen Geistlichen geben, der das Christentum und seine Mission so auffaßt. Die Zeit erfordert den Zusammenschluß ehrbarer Menschen und solcher Menschen, die sich zu gemeinsamer Arbeit zur Republik und Demokratie, allerdings zu einer tatsächlichen Demokratie, bekennen, d. I. zu Taten politischer und sozialer Gerechtigkeit. Unnötig zu sagen, daß dieser Präsident nicht Hindenburg heißt. Er heißt M a s a r y k. Die Ahnfrau Er spukt bei der deutschen Straßenbahn. Weh dir, daß du ein Enkel bist! Goethe. In einer mitteldeutschen Stadt fuhrwerkt e'n rrambahntührer herum, mit dem es ein Un- s'ück geben wird, wenn nicht ein Wunder ge- ■Khieht. Es ist mein Vetter Oskar. Vor kurzem "at seine Direktion folgendes verkünden lassen: -Jeder unserer Beamten ist verpflichtet, Zeugnis nichtiüdischer Abstammung, erstrek- kend auf Großeltern und ihre Namen, von Ortsbehörde beizubringen, und hat selbiges binnen zwei Wochen zu geschehen." Oskar freut sich, daß er seinen Vater kennt, '1uch der Name des Großvaters ist Ihm geläu- ''ß. Alle heißen Lauterbach. Gut deutscher Na- rne> wie man zugeben wird. Aber die Großmutter, was die für eine Geborene ist— wer vpn uns hat das im Kopfe? Hilft ihm alle» "i-hts, er muß eine Tagereise in sein Heimats- a!t sausen, muß die behördliche Beglaubigung e'nholen. Oer Bürgermeister schlägt im Kirchenbuch �ach. Da steht: Karoline Lauterbach, geborene r|edemann, ev. luth. Der Bürgermeister schaut Durchdringend auf Oskar, dann füllt er die Be- �'"tigung aus.„Wollen Sie bitte dazu bemer- en> daß meine Voreltern nichtjüdisch sind", meint Oskar. Der Bürgermeister legt das bschblatt drüber:„Bei der Friedemannschen an" ich das nicht." Jarauf Oskar;„Aber es steht doch dort— Vangelisch-luthcrisch..." Der Bürgermeister blickt wesenlos ins Weite. Er ist ein Märzgewinnler, die Hitlerwelle schwemmte ihn ins Amt Er weiß, was er dem Hakenkreuz schuldig ist„Haben Sie eine Ahnung, mein Lieber," legt er die Feder zur Seite,„geborene Friedemann... merken Sie was? Ich kenne Juden namens Friedmann. Das eee"— er dehnts wie Gummi—„haben sie bei ihrer Großmutter reingepolkt... Und die Getauften sind die Schlimmsten! Bringen Sie den Vater bei von der Friedemannschen, ich flnd'n nich..." Oskar steht da, wie mit einer Hand voll Fliegen. Macht man sie auf, sind sie fort. Die nächsten Tage fährt Oskar auf seiner Trambahn wie ein Betrunkener. Er prasselt durch die Weichen, daß sich die Schaffner bekreuzigen. Der Geist der Ahnfrau verfolgt ihn. „Friedemann", denkt er,„warum gerade Friedemann?" Er hat im Kirchenbuch nach dem Vater der Großmutter geforscht aber der war nicht aufzufinden. Vielleicht ein uneheliches Kind jüdischer Abstammung, denn ein Unglück kommt selten allein! Die Direktion aber besteht auf ihrem Schein. Der Dezernent ist ein Obernazi und will avancieren. Da kann er sich, wie jeder zugeben wird, keine jüdische Großmutter in den Pelz setzen lassen. Wenn Oskar abends seinen Führerstand verläßt weiß er kaum noch, welche Strecke er gefahren ist Wenn er am nächsten Morgen wieder draufklettert, ist ihm zum Umfallen. Will er nachts einschlafen, erscheint ihm die Fricdemannsche drohend im Traume, bald mit grader, bald mit krummer Nase— wupp ist er munter. Er schließt die Augen wieder und denkt nach altem Schlafrezept an wogende Kornfelder. Kaum hat er das Bild komplett da wächst aus den Aehren ein geschnörkeltes Etwas hervor. Es ist der Arierparagraph— und aus seinen Haken wird die krumme Nase der Ahnfrau. Mit einem Schreck fährt er empor. Seinen Wagen dirigiert er tagsüber im Halbschlaf wie ein Verrückter. Immer hat ihn die Großmutter beim Wickel. Kein Auto, kein Verkehrshindernis ist vor ihm sicher. Ab und zu muß er so plötzlich bremsen, daß die Fahrgäste durcheinanderfliegen und die Schaffner fluchen. Die können gut reden und kritisieren, die haben ihre Großmutter beieinander. Nur manchmal begegnet er Kollegen mit ähnlich irrem Blick und fahrigem Wesen. Was ist es bei denen?— sinnt er. Auch bei denen die Großmutter? Oder der Großvater? Man redet darüber nicht, überall machen Denunzianten lange Ohren. Es geht um die Stellung. Um sich herum hört er tüchtige Streber mit den germanischen Namen ihrer Ahnen protzen. Grün vor Neid möchte man werden! Vor vierzehn Tagen traf ich ihn. Die Uniform hing ihm schlotternd am Leibe; er hat in wenigen Wochen zwanzig Pfund abgenommen. An den Schläfen dieses Dreißigers graute das Haar. Als er auf seinen Führerstand kletterte, reichte er mir eine fiebrige Hand und sagte: „Mensch, vergiften könnt' ich sie alle und meine Großmutter dazu..." Weh dir, Oskar, daß du ein Enkel bist! Er führ selbstverständlich los, ehe der Schaffner das Signal gegeben hatte. Zwei alte Frauen hingen halb auf dem Trittbrett. Ein Wunder, daß nichts passierte. Und so prasseln wahrscheinlich Tausende, vom Arierparagraphen verfolgt, vom Geist ihrer Ahnfrau geschreckt, durch Deutschlands Weichen. Wenn ich daran denke, daß auch Lokomotivführer nachts wegen der Oma nicht schlafen, gruselt's mich. Auf einer Strecke nach Berlin wurde jüngst ein Haltesignal Oberfahren. Der Lokomotivführer hat sicher Oskars Krankheit. Jedoch das alles muß wohl so sein. Es muß verschiedene Völker geben, solche und solche. Jedes Volk muß sein Wesen nach eigenen Gesetzen und Paragraphen vollenden. Mögen sich die andern um Kunst und Wissenschaft und alle Welträtsel kümmern— die neuen Deutschen haben andere Sorgen. Wir leben zwar im Zeitalter der technischen Wunder, wir überfliegen Europa in wenigen Stunden, der ganze Erdteil wird eine Familie, die Welt wird klein vor lauter Entwicklung ringsum und unaufhaltbar international, demnächst wird jeder sein Weltentelefon in der Tasche haben— aber wichtiger als all das ist es für Deutsche, die Papiere der Großmutter in Ordnung zu haben. An diesem Wesen soll die Welt genesen... Und der Schluß der Geschichte? Sie hat noch keinen. Ueber das Ende werde ich euch noch berichten. Aber wenn ihr von einem Trambahn-Unglück in meiner Heimat hört— das ist Oskar. Gregor. Wo wohnt Goring? Der Luxussarg des Morphinisten In einem Mietshaus, wie einstens die „korrupten Systemminister"? Nein! Das entspräche nicht jener spartanischen Einfachheit, deren die Herren des Dritten Reiches sich zu rühmen pflegen. Also in einem Fliegerzelt mit Feldbett? Auch nicht. Wo wohnt Göring? Die„Neue Linie", ein mondänes Modenblatt, das in Berlin erscheint und mit Vorliebe aus der Führerschule plaudert, enthüllt der staunenden Mitwelt die spartanische Einfachheit der Goeringschen Häuslichkeit. Ueber vier Seiten hinweg bringt diese Zeitschrift in ihrer Augustnummer Bilder aus dem bescheidenen Heim des Herrn Ministerpräsidenten. Und was für Bilder! Es zeigt sich, daß der ungekrönte Nero von Deutschland sich mit einem unerhörten Luxus umgibt, mit einem Luxus, von dem die geschmähten„Bonzen" des zweiten Reiches sich niemals hätten träumen lassen. Das Palais des Reichstagspräsidenten, das ihm zur Verfügung steht, genügte ihm nicht — er mußte höher hinaus! Eine Architektin erhielt den Auftrag, die„bisher fehlende Amtswohnung" zu schaffen.„Bisher fehlend". Otto Braun begnügte sich mit einem kleinen Siedlungshaus in Zehlendorf, Fürst Goering aber braucht nicht nur e i n Grundstück, er braucht deren zwei. Eine„sehr geräumige" Villa wurde zum Schloß um- und ausgebaut, eine Zwischenmauer wurde niedergelegt, um„das angrenzende Raumgrundstück in einen weiten sonnigen Garten zu verwandeln." Die Räume selbst beweisen zweierlei: erstens, daß der Hausherr ein bedenkenloser Verschwender, zweitens, daß er geistig nicht normal ist. Neben der Kostbarkeit des Mobiliars, neben der Ueberfüllo an teuren Stoffen, Wandbe- je die Behausungen der Tyrannen, der Philipp von Spanien, Torquemada, Scar- pia, ayl die Bühne gestellt, genau so denkt fnan sich das traute Heim eines Großinquisitors, eines bluttriefenden köqiglichen Wüterichs— oder eines gefährlich Verrückten. fcn großen Arbeitszimmer, dessen Wände rings durch dunkle, bewegliche Vorhänge verdeckt sind, hängt ein mächtiger schmiedeeiserner Leuchter mit 66 Wachskerzen— elektrisches Licht wäre zu nüchtern, flackernde Kerzen müssen's schnitt— Spitzbögen überall. Ueber dem Renaissance-Schreibtisch aus Nußbaum mit dem Familienwappen Goerings hängt ein Schwert, daneben ein weibliches Aktbild, das Licht fällt durch verbleite, in kleine Quadrate geteilte Scheiben ein. Und der Hauptschlager— ein„Gc- dächtnisraum für die verstorbene Gattin". Neu eingezogene Gewölbebogen, Kerzen, schwarze Vorhänge. Es gehört wirklich ein für normale Gehirne schwer vorstellbares Maß von Eitelkeit, Geschmacklosigkeit und D u m m- Audienzraum.— Die Inschrift auf der Landkarte ist dem Dritten Reich gewidmet. h e i t dazu, die Photographie eines solchen Raumes in einer mondänen Zeitschrift abdrucken zu lassen, der Welt gleichsam ins Gesicht zu brüllen:„Da, schaut alle her, wie zart ich Edeling im stillen Kämmerlein zu trauern weiß!" Das ist Görings Wohnung— das ist er selber! Ein größenwahnsinniger Narr mit überreizter Phantasie und anormalem Triebleben. Und dem ist im 20. Jahrhundert ein Volk ausgeliefert, das vordem die freie Luft eines demokratischen, modernen Staatswesens atmen durfte! Sein Privatarbeitszimmer. hängen, Teppichen, Kunstwerken. Schnitzereien fällt vor allem eines auf— die gespenstische Düsterkeit der schloßartigen Gebäudes, die mittelalterliche, bedrückende. beinahe drohende Feierlichkeit der Säle und Hallen. Genau so haben geschickte Theaterdekorateure von sein— über dem Kamin der Bibliothek ist ein großes Mosaik-Hakenkreuz eingelassen,„das in seiner erstaunlichen Leuchtkraft an die Gemälde ungegenständlicher Malerei erinnert", der Durchblick aus den Privaträumen in das Arbeitszimmer gleicht einem Kirchenaus- Kerrl dpessiept Rachtep Zum Hittergruß gezwungen! Der Justizobersekretär K e r r 1, der jetzt in Preußen Minister spielt, hat den Richtern befohlen, im Gerichtssaal mit dem Hltlcrgruß zu grüßen. Die deutschen Richter sind zwar zum größeren Teil stark rechts eingestellt, aber doch eher dcutschnational als Nazi, In katholischen Gegenden sind sie vielfach Zentrums- anhänger, in den Großstädten stehen manche wohl auch noch weiter links. Sicher aber hat die große Mehrheit bis zum Staatsstrelch par- teimäßlg-nationalsozlalistischen Bestrebungen ferngestanden. Nun werden alle diese Männer gezwungen, durch Anwendung einer bestimmten Grußforra eine Gesinnung zu äußern, die sie in Wirklichkeit gar nicht haben und die die besseren Elemente unter ihnen aus tiefster Seele verabscheuen. Indes, wenn jetzt in Dcutschlaixi alle Menschen nach Methoden erzogen werden, nach denen man in Kulturländern kaum noch Hunde dressiert, warum sollten allein die Richter frei sein? Ist nicht der Zwang zum Parteigruß Im Gerichtssaal geradezu ein Symbol für die Vernichtung der Rechtspflege? Indem der Richter zum Publikum den rechten Arm erhebt, bekundet er, daß er kein freier Mann Ist, und daß es eine unabhängige Justiz nicht mehr gibt Marxisten, Juden und überhaupt alle, die sich Irgendwie unbeliebt gemacht haben, wissen da gleich, wo sie sind: an einer Stätte, an der nicht mehr das Gesetz gilt sondern der Partelbcfehl und die den Namen eine* Gerichts nur noch mit Unrecht führt Ley an dep Strippe Schmitt zieht sie Jede Rede des Wintschaftsmlnisters Schmitt Ist nicht nur eine Absage an den Schwindelsozialismus der Nazis, sondern auch ein oMenes und unzweideutiges Bekenntnis zu den geheiligten Grundsätzen des K a p i t a- 1 i s ra u s. Und mögen die Hitler, Goebbels, Göring und Ley auch ab und zu noch von„Gemeinnutz vor Eigennutz" reden, so wird derweil unter der strengen Führung von Herrn Schmitt an der Restauration des Kapitalismus gearbeitet Daß Herr Schmitt bei seinem Regierungsantritt die Forderung gestellt hatte, daß alle Sozialisierungsabsichten aufgegeben werden und alle Sozialisieningsmaßnahmen unterbleiben, war bereits bekannt Weniger bekannt Ist daß die Deutsche Arbeitsfront dieses angebliche Instrument zur Befreiung des deutschen Arbeiters auch dem kapitalistisch gesinnten Wirtschaftsminlstcr unterstellt wurde. Dem R ei c h s wl r t s c h a f t S- minister ist gegenüber der Arbeitsfront dieselbe autoritäre Führung zugestanden worden, wie sie Hitler gegenüber den militärischen Formationen und der NSDAP. besitzt Herr Ley ist nunmehr nur noch Untergebener des Herrn Schmitt Seit seiner Rückkehr von der Genfer Arbeitskonferenz hat er daher das Haus des ADGB» In dem die Arbeitsfront untergebracht ist, nicht wieder betreten. Das Pikanteste aber Ist daß Herr Dr. Schmitt erst mit seiner Amtsübernahme als Reichswirtschaftsminister die Mitgliedschaft bei den Nazis erworben hat Sehen Sie, das ist ein Geschäft! Die Nazibonzerie hat es verstanden, sich in allen Staatsstellen recht erkleckliche Bezüge zu schaffen, die in vielen Fällen weit über die früheren Sätze hinausgehen. Darob düstere Mißstimmung im proletarischen Lager der Pgs. Eine Musterlelstung ist nun ein Artikel der Nachrichtenstelle der Sächsischen Staatskanzlei, der die hohen Bezüge rechtfertigen soll und von der Nazipresse nachgedruckt wird. Es heißt darin; „.... Bei dem einfachen Leben, das diese Spitzen des Staates führen, würde ihnen natürlich auch ein geringeres Einkommen al* das vorgeschriebene genügen. Es würden dann aber auch viele karitative und kulturelle Aufgaben unerfüllt bleiben, die sie dank ihres Einkommens erfüllen können end jetzt gern erfüllen. Außerdem müssen sie f» einen ganz beträchtlichen Teil Ihres Einkommens dem Staat als Steuern wieder zurückgeben. Im übrigen benutzen sie ihre EinküoH* nicht zur Kapitalaufspeicherung, sondern führen sie in Mieten und sonstigen, die Wirtschaft befruchtenden Ausgabe« dieser w ieder voll zu. So haben r. B. mehrere durch Anschaffung von Kraftwage« aus privaten Miltein dem Staate die öffentliche Verpflichtung abgenoranjen, für ihre Beförderung auf den gerade jetzt unumgänglich notwendigen zahlreichen Dienstreisen aus Staatsmitteln zu sorgen. Ein objektiv denkender Volksgenosse wird- nach alledem eine Kritik der Besoldung der führenden Staatsmänner als kleinlich und unberechtigt weit von sich weise«- Kein echter Nationalsozialist wird begebreib daß seine Führer ein Ihrer Leistung und Ihrer insbesondere nach außen hin zu zeigende« Würde nicht entsprechendes Einkotnoe« haben sollen," Frech, dreist und dumm! Die Nazibonze« sind an die Macht gekommen, nachdem ri® jahrelang gegen die hohen„Bonzengehälter" des Systems, gegen diese„Verschleuderung von Steuergroschen und Staatsgeldern** da» Mau] aufgerissen haben. Die Bezüge sozialdemokratischer Ministerialräte waren für die braunen Demagogen schon Korruption. Und Jetzt? Erhöhte Dotationen für Hitlers Würdenträger wegen Wohltätigkeit. Steuern, Mieten, eigenen Autos,„Würde*" und„Leistung�' Und eigene Villen, Luxuswagen, eigene« Chauffeur, eigene Leibgarde der Oberbooze« zum Schutz gegen die Liebe jener VolksnU*' sen. die dieses korrupte Treiben mit ansehe« müssen. AB OKTOBER ERSCHEINT s SOZIAUSTISCHE REVOLETION! Felix Fedienbadi Ein Blatt ans dem Buch der Märtyrer. Stunden der geistigen Gesundung und Ueberiegung kommen stets, wie den Individuen, so auch den mensch liehen Gemeinschaften, Stunden, in denen die Wahrheit erkannt wird und die Märtyrer gerechtfertigt werden. Ralph Waldo Emerson. Wenn einmal die Geschichte unserer Märtyrer geschrieben wird, dann muß sich allein daran schon die ganze Stumpfheit und politische Inferiorität der neudeutschen Reaktion offenbaren, die mit dem bornier testen Haß ausgerechnet jene verfolgte, die am wenigsten mit Verschwörertum oder aufreizendem Radikalismus zu tun hatten. Es zeigt sich daran ein ausgesprochen krankes Denken, eine irre Seelenverfassung. Die neudeutsche Reaktion— dieses gemischte Lager von stellungslosen Prinzen, bankrotten Junkern, hasardierenden Industriellen, gescheiterten Existenzen und Ihren kleinbürgerlich verzweifelten, antisemitischen Mitläufern— dieses abnorme Rückwärtstum hatte immer viel von dieser Irrenhauspsyche und die junge Republik würdigte diesen gemeingefährlichen Zustand nicht genügend. Wer diesem reaktionären Mischmasch als Gegner gerade auffiel— und sei es durch besonders gesunden Menschenverstand— den bewahrte man den Haß des Stumpfsinns in allen Lebenslagen, bis zum Lebensende. So haßte sie wahllos Liebknecht, Eisner, Mühsam, Toller, Erzberger, Rathenau, Hinstein, Ebert, Stresemann usw. So haßte sie Pazifisten wie Männer der nationalen Verteidigung, Demokraten wie Sozialisten, Dichter wie Politiker, Gelehrte wie Künstler. Wer gerade„auffiel", war dran. So dumpf haßte sie auch Felix F e- chenbach. Blind und borniert verfolgte sie schon den Jüngling. Weil er der Sekretär Eisners gewesen, weil er neben Ihm ausgeharrt hatte, weil er aufgefallen war. Voll stumpfen Hasses war jener Landesverratsprozeß vor dem Münchner „Volksgericht", das nach dem gescheiterten Räteputsch ein bequemes Werkzeug der Reaktion wurde. Was Fechenbach französischen Journalisten mitgeteilt hatte, .wußte die gesamte Entente seit Jahren. Voll bornierten Hasses war das Zuchthausurteil, war der Strafvollzug, war die Hetze der reaktionären Presse gegen die spätere Amnestierung des unschuldig Verurteilten. Dabei durfte Fechenbach sich oft im heiteren Kreise als Gegenteil eines dunklen, düsteren Fanatikers ironisieren. Als er das Zuchthaus verließ, befreite er sich durch ein Buch dichterischer Art von den Krauen Eindrücken, die dem jungen Idealisten hinter Kerkermauern widerfuhren. Ohne Verbitterung und Gemütsverdüste- Tung ging er seinen Lebensweg weiter, und der war für einen freien Schriftsteh ler nicht leicht Mit klaren Augen sah er vorwärts, ließ die radikalen Illusionen seiner Jugend hinter sich. Ein lebendiger, gutgewachsener, begabter Mensch voll Humor, mit viel Neigung zum Lachen und su süddeutscher Art, voll Liebe zu Kindern. Einer jener sachlichen Kämpfer, die keinerlei TaJent zum Hassen haben. In seinen Gegnern sah er Opfer der menschlichen Dummheit und er �"ar mit dieser tieferen Auffassung ein zu Kuter Sozialdemokrat Schon seine bayrischen Verfolger erschienen ihm, wie in seinem Buch nachzulesen ist, als arme, verwirrte, verbiesterte Narren. Haß hätte er wohl nicht einmal für seine Mörder aufgebracht Höchstens jenes Mitleid, das ein harmonischer Mensch auch für die elendesten Kreaturen fühlt, weil ja gerade sie für das Uebel ihres Daseins allein nicht verantwortlich sind. Als ihn die Detmolder Sozialdemokraten um 1930 zum Redakteur ihres Blattes Wählten, wurde seiner Frau und seinen gleichen Wald erschossen Aus W a r b u r g meldet die„Frankfurter Geltung", daß Im KJeinenberger Wald der ••Adjutant" des KPD.-Fiihrers Hesse, der n ein Konzentrationslager geschafft w®rden sollte,„auf der Flucht erschossen" forden sei... Der Klelnenberger Wald hegt � Warburg, eine Autostunde von Detmold �tfernt An der gleichen Stelle wurde Felix öchenbach„auf der Flucht erschossen", als er m Auto von Detmoid In das Konzentrations- azer Dachau transportiert werden sollte. Die P' a nmäßlgkelt, mit der hier in beiden allen von den Nazibestien vorgegangen wor- en'st, ist ganz oHenstehtächl Kindern nach langen Jahren der Entbeh rungen endlich eine sichere Existenzgrund läge. Den Nazibanditen von Lippe aber war Fechenbach mehr als das rote Tuch Den irren Haß der süddeutschen Reaktion gegen den„landesverräterischen Juden", der nie einen Landesverrat beging, über nahmen sie blindlings, wie die Hitlers ja den Stumpfsinn a 1 1 er Rückwärtserei erbten. Der Mann, der unschuldig im Zuchthaus saß, während Hitler trotz blutigen Putschverbrechens in gemütlicherem Gewahrsam weilte, gehörte um den 5. März zu den ersten Mißhandelten, bis er schließlich auf dem Transport ins bayrische Konzentrationslager ermordet wurde. Nichts lag Fechenbach ferner, als Flucht Hätte er das gewollt, so war vor her Gelegenheit. Es flieht sich nicht leicht, wenn man unerwachsene Kinder daheim hat. Was aber wußten die braunen Sadisten von diesem Menschen mit den heite ren Augen? Nichts, als daß er auch so einer war, dessen Name von der völkischen Hetzpresse mit Geifer genannt wurde. Dem verfinsterten Hirn der neudeutschen Bestialität war er einst aufgefallen, er wurde die Aufmerksamkeit nationalsozialistischen Irrsinns nie wieder los. Und die diesen Irrsinn großgezogen, die ihn mit Lüge und Demagogie genährt, die ihn als Werkzeug benützt haben, sitzen fett und satt in ergaunerten Regierungssesseln, sehen den täglichen Mördereien ihrer Banden billigend zu, wagen nicht zu ihrem Tun zu stehen, lassen amtlich veriaut- baren;„Auf der Flucht erschossen"— und lügen dem Ausland feige vor, durch die faschistische Konterrevolution seien noch keine 20 Menschen ums Leben gekommen! Aber wenn Lügen auch nicht immer kurze Beine haben— auf die Dauer ist mit Gehirnvemebelung kein Staat zu machen. Aus Millionen Hirnen wird der Nebel weichen, je mehr die braunen Bonzen schuldig bleiben, aus den Wunden der Mißhandelten und Gefolterten, aus den Gräbern unserer Märtyrer wird die Wahrheit sprechen. Und dann wird ihnen, die den dumpfen, irren Haß predigten, der helle, wissende, rächende H a ß der Betrogenen, Erwachten und Entrechteten lichterloh, brennend und vernichtend cntgegenschlagen. FreSslep und Friesland Wo ist der Unterschied? Auf Grund ihres neugeschaffenen Beamten- „rechtes" bat die nationalsoziaHstische Regierung den Oberbürgermeister Reuter von Magdebung, einen der hervorragendsten sozialdemokratischen Kommunalpolitiker, aus dem Amte entfernt, und zwar auf Grund der verschärften Bestimmungen, die gegen Kommunisten gelten. Als Vorwand diente ihr, daß Reuter vor 13 oder 14 Jahren in Rußland, wohin er durch Kriegsgefangenschaft geraten war, unter dem Namen Friesland für die bolschewistische Regierung als Kommissar tätig genesen war. Wir würden an sich die Frage für schnurzegal halten, ob Reuter als gegenwärtiger Sozialdemokrat oder als gewesener Kommunist gemaßregelt wurde. Aber diese Begründung mit Reuters lang zurückliegender Tätigkeit als russischer Kommissar zwingt doch zu einer Erinnerung; es ist kaum länger als ein Jahr her, da wurde im„Völkischen Beobachter" ein nationalsozialistischer Versammlungsrcdner ungemein gepriesen, weil er es den kommunistischen Diskussionsrednern, die Sowjet-Rußland verherrlichten, so gut gegeben habe. Der Redner sei freilich, so schrieb der„Völkische Beobachter" weiter, hierzu besonders geeignet gewesen: habe er doch als bolschewistischer Lebensmittel-Kommissar vor Jahren die russischen Zustände aus eigener Anschauung genauestens kennengelernt. Und wer Ist dieser Bolschewistisch® Lebensmittelkommissar a. D., dessen ehemalige Sowjetkarriere, da sie der„Völkische Beobachter" uns versichert, außer Zweifel steht?— Es ist Dr. Roland F r e i s- 1 e r, jetzt durch Hitler-Göring Staatssekretär im Preußischen Justizministerium. Man sieht also: ehemalige Tätigkeit im Dienste des Bolschewismus machen den Betreffenden nicht unbedingt ungeignet für hohe und höchste Posten im Dritten Reich. Allerdings darf man dann nicht, wie Reuter, ein erstklassiger Verwaltungsfachmann sein, sondern man muß beweisen, daß man ein tobsüchtiger kreischender Fakir, ohne Sach- und Fachkenntnisse geblieben Ist— wie F r e i s 1 e r 1 »Enthüllungen« Der»Yöikisdie Beobaditcr« entdeckt Prag Der„Völkische Beobachter" stiftet der Prager„Hetzzentrale" eine fette, rot unterstrichene Ueberschrift auf der ersten Seite und einen mehrere Spalten füllenden„Ent- Imllungsartikel", verfaßt von einem eigens ins „Feindesland" entsandten Kundschafter. Mit der Tatsache, daß die Tschechoslowakei in Hitlers offiziellem Reichsorgan mehrfach als„Feindesland" bezeichnet wird, mögen sich die sudetendeutschen Nazis auseinandersetzen, die hier alle Rechte der Minderheit genießen und sehnsüchtig darauf hoffen, mit dem nationalistischen tschechischen Bürgertum recht bald in einer Koalition zu sitzen. Uns interessieren mehr die„Enthüllungen" des„Völkischen Beobachters". Der hat sich's was kosten lassen, hat einen Sonderspitzel hergeschickt— u. zw. einen selten dämlichen. Trotzdem diesem Mann hier ein ganzes Heer reichsdeutscher Polizeiagenten und Spione zur Verfügung stand, mit denen Prag seit langem verseucht Ist, trotzdem er also nur'sein Notizbuch zu zücken und die Kcntnissc der anderen hfnelnzupacken brauchte, hat er weiter nichts„entdecken" können, als ein paar Tatsachen, die aller Welt bekannt sind und darüber hinaus Ist er auch noch einigen falschen Informationen aufgesessen, die von den Eingeweihten vergnüglich bcschmunzeit werden. Daß die antifaschistische deutsche Emigration Zeitungen und Zeltschrif- t e n herausgibt, insbesondere daß ein„N e u- er Vorwärts" erscheint, der der Welt die Wahrheit über das Dritte Reich berichtet, weiß im Ausland und In Deutschland jedes Kind. Der„Völkische" aber braucht einen Sonderberichterstatter, um dahinterzukommen. Ja, dieser Berichterstatter hat sogar entdeckt, daß ein paar Hilfskomitees sich der vertriebenen mittellosen deutschen Kopf- und Handarbeiter annehmen. Der Teufelskerl merkt alles! Er bemerkt auch voll Entrüstung, mit welchem Ekel die gesamte zivilisierte Welt sich von Görings Sadistenreich abwendet, um sich dem deutschen Geist zur Seite zu stellen, der zwar in Deutschland seübst geschändet und bespien wird, der aber dennoch weiterlebt. KUnstleHsdie Leistung Die„Breslauer Neuesten Nachrichten'" berichten bewundernd; „Im Prinzregententheater fand im Rahmen der Münchner Festspiele eine Aufführung des„Fliegenden Holländer" statt, der auch Reichskanzler Adolf Hitler beiwohnte. Die musikalisch hervorragende Aufführung war getragen von der Leistung Wilhelm Rodes, dervom DienslalsSA-Mann zur Aufführung kam und die Titelrolle sang." In der Tat eine Leistung, von der die Aufführung da getragen war. Runter vom Exerzierplatz, rein in den Fliegenden Holländermantel, rauf auf die Bühne und geschmettert: „Voll Ueberdruß wirft mich das Meer ans Land", Was kein Mensch dem Meer verdenken kann! Nur die gleichgeschaltete Musikkritik darf sich nichts merken lassen, denn wer einen SA-Mann angreift, wird erschossen. Die Dummheit regiert! Durch einen neuen preußischen Erlaß werden sämtliche„marxistischen und antinational eingestellten Studenten vom Studium ausgeschlossen. Damit die Futterkrippen für das geistig zurückgebliebenste Hakenkreuzlertum frei werden! Erhebungen des preußischen Innemniniste- riums haben ergeben, daß In Preußen von 1919 bis 1931 nur 5000 Juden eingebürgert wurden, so daß also fürs ganze Reich keine 6000 in Frage kommen. Im Wahlkampf aber logen die braunen Betrüger, als sei die..Judenrepublik" seit 1918 mit„galizischen Einwanderern" geradezu überschwemmt worden. Um die unzufriedene SA auf andere Gedanken zu bringen, haben die Führer ihrer braunen Knüppelgarde eine neue, hochwichtige Aufgabe übertragen: Sturmangriff gegen— nun, gegen was wohl? Gegen die Arbeitslosig- All die deutsdien Arbeitersportler! Folgender Aufruf geht uns zu: Der Faschismus hat mit brutaler Gewalt die deutschen Arbeitersportverbände vernichtet. Das gesamte Vermögen der Organisationen im Werte.von über 50 Millionen Mark ist gestohlen worden. In mühevoller Arbeit habt Ihr Turnhallen, Spielplätze, Schwimmhallen und Unterkunftshäuser geschaffen. Alles ist geraubt worden. Unsere stolze Schule, die nur durch Eure Opferwilligkeit gebaut werden konnte, Ist SA-Kaserne. In wenigen Tagen nach der Besetzung waren bereits die meisten Gebrauchsgegenstände gestohlen. Eure Führer hat man in Schutzhaft gesetzt, persönliches Eigentum bat man ihnen gestohlen. Euch verbietet man Leibesübungen zu betreiben, weil Ihr Marxisten seid. Marxist sein heißt Mensch sein, Faschist sein heißt Unter- menschcntum. Zwischen beiden Welten zu wählen, dürfte Euch nicht schwer fallen. In einigen Städten versucht man mit jJilfe unserer Funktionäre unsere Vereine gleichzuschalten. Wir bedauern diesen Verrat am. Arbeitersport. Gleichschaltung bedeutet; Uebcr- führung der Arbcitersporticr in das Lager der Faschisten. Gleichschaltung bedeutet Verrat am Arbeitersport. Wir müssen deshalb mit allen Mitteln den Versuch der Gleichschaltung bekämpfen. So wie wir bei unseren sportlichen Uebungen den Kampf geliebt haben, so Heben wir auch den Kampf gegen unsere Unterdrücker. Wir begrüßen, daß sich die Arbeitersportler von Danzig und aus dem Saargebiet selbständig gemacht und den Kampf mit uns aufgenommen haben. Wir begrüßen sie als unsere Kampfgenossen. Deutsche Arbeitersportler! Nicht Sport Ist letzt die Hauptsache, sondern Organisierung des| Widerstandes gegen die Vernichter unserer Organisationen. Um diesem Kampf siegreich führen zu können, haben wir die Zentrale des deutschen Arbeitersportes nach Aussig an der Elbe, Bahnhofsplatz 1, verlegt Wir begrüßen Euch von dieser neuen Kampfstelle und rufen Euch zu: Es lebe der deutsche Arbeitersport! Es lebe die Arbeiter-Sport- Internationaie! Zentrale des deutschen Arbeitersportes, K. Bühren. keit. Nein, es geht um ernstere Dinge: Sturmangriff gegen mißliebige Bettenl In verschiedenen Städten notieren die Helden des III. Reiches die Namen und Adressen jener christlichen Mädchen, die es noch immer wagen, mit einem Juden befreundet zu sein. Pervers schnüffeln die ritterlichen Germanenjünglinge in Kammern und Betten umher. Die Bettwäsche zu diesem Zweck liefert die Berliner Wäschefabrik A. G.. in deren Aufsichtsrat jüngst der Hofpoet des Hitlerstaates Hanns Heinz Ewers seinen feierlichen Einzug hielt Dieser pornographische Schreiberling ist bei seinen Leisten geblieben, denn Bettfragen(unnatürlichster Art) waren schon immer sein Lieblingsthema. Vermutlich wird das nächste Nachthemdmustcr mit der Marke„Alraune"' versehen werden. Bisher ist aber noch nichts davon zu hören gewesen, daß die„Berliner Wäschefabrik" etwa an Juden nicht zu liefern gedächte. Die Geheime Staatspolizei hat sich unter dem Druck der öüentlichen Meinung der zivilisierten Welt gezwungen gesehen, die wegen Scheidemann In Schutzhaft genommenen Gel sein freizulassen. Natürlich tut sie das nicht ohne eine neue Lüge gegen Scheidemann In die Welt zu setzen. OOOOOOOGOOOGXüOOGOOOOOOOOOOOOOO Itaur /cTi bestelle den„Neuen Vorwärts" und erwarte regelmäßige Lieferung von nächster Hummer an. Nsmi mg rornani« Wohnort mit rortuutnh Slnfi and Hnusrnrnnw Diesen Bestellschein bitte ausfüllen, ausschneiden und an: Verwaltung ,N euer Vorwärts", Karlsbad. CSR., Haus „G raphi a", senden. Szenerie im III. Reich Aus Deutschland wird uns geschrieben: Der große Aufmarsch der SA. in Berlin am 6. August ist vielfach als eine Geste gegen Hitler gedeutet worden, besonders da Göring demonstrativ einen großen Teil seiner 1. Jänner eine Million Arbeitslose beschäftigt werden sollten, ist infolgedessen längst aufgeVielleicht wird auf diese Weise etwas von der geben. Der dafür eingestellte große Stab beim Konjunktur gerochen, die man sonst noch nicht Arbeitsministerium ist schon wieder gekündigt oder bereits entlassen. Grau, lieber Freund, ist alle Theorie. zu erblicken vermag. Wie der Wirtschaftskommissar D. Wagner abgesägt wurde, ist wegen der Begleitumstände Schlimmer als Horthy Stabswache hinbeorderte, die auf 1000 Mann recht interessant. Wagner war von Hitler zu erhöht wird. In militärischen Kreisen, die nach einer Rücksprache befohlen. Plötzlich stürmte wie vor gute Beziehungen zu Röhm unter- Göring herein, die Aktenmappe unter dem Arm. halten, wird jedoch unterstrichen, daß die SA Er beachtete W. nicht und sagte zu Hitler: von Röhm noch einmal ausdrücklich auf Hitler„ Ich muß verlangen, daß dieser Mann sofort vereidigt worden ist, und daß Hitler daran verhaftet wird." Auf die Frage: Warum? holte aus der Mappe denke, die SS aufzulösen, die eine ge- Göring Schallplatten fährliche Waffe in der Hand des größenwahn- hervor, die die Telefongespräche von ihm entsinnigen Göring sei. Man spricht daher auch hielten. Trotzdem wurde Wagner nicht vervon Veränderungen im Kabinett. haftet, sondern nur die beiden Offiziere, mit Göring und Goebbels sollen ausgeschifft wer- denen er telefoniert hat. den. Hitler wolle Georg Strasser wieder heranziehen, mit dem er sich inzwischen ausgesöhnt habe. Die Absicht von Dr. Ley, die Deutsche Arbeitsfront zu einer Behörde mit weitgestecktem Aufgabenkreis( Sozialversicherung, Arbeitslosenfürsorge, Arbeitsvermittlung, Arbeiterschutz usw.) auszubauen, ist vollkommen gescheitert. Die Dinta ist von der Arbeitsfront übernommen worden. Es besteht die Absicht, die Arbeitsfront zu einer Einrichtung sozialpädagogischer" Art zu machen. Die Stellung von Ley ist infolgedessen sehr erschüttert, zumal er auch als Nachfolger von Strasser in der Leitung des Organisationsamts der NSDAP. völlig versagt hat. Auch der frühere Demokrat Dr. Diehls, Leiter der Geheimen Staatspolizei, hat große Sorgen. Seine Stellung ist sehr unsicher geworden. Die zahlreichen und umfangreichen Maßnahmen der Staatspolizei, von denen keine einzige einen nennenswerten Erfolg gehabt hat, sind aus der Sorge von Diehls um sein weiteres Schicksal zu erklären. Er weiß, daß seine Amtsenthebung in jeder Beziehung sein ,, Ende" bedeutet. Göring kann keinen Mann dulden, der weiß, wer den Reichstag angezündet, wer Hannussen ermordet und hundert andere Schandtaten begangen hat. Als der beste Witz in der letzten Zeit wird es bezeichnet, daß das Institut für Konjunkturforschung Goebbels unterstellt worden ist. Man sagt, das sel geschehen, weil er die längste Nase und den feinsten Riecher habe. Versprechen aber nicht halten noch nicht bestimmt." Die sagenhaft schönen Autos In einem Bericht der Baseler Nationalzeitung" über die Reichsführer- Tagung der NaIn Nürnberg, Eine Mahnung aus Ungarn. Zum Schluß eines süß- sauren Artikels über die Ereignisse in Deutschland schreibt Geh.-R. Bela Böldes im ,, Pester Lloyd": Jedes System hat seine Mitläufer, die die Vorteile desselben genießen wollen. Aber die deutsche Regierung möge sich dessen erinnern, was Macaulay von den gelegentlichen Mitläufern der Puritaner erzählt. Diese verließen zu allererst die Reihen und wurden durch ihre Narrheiten zum Gegenstand des Gelächters. Will die deutsche Regierung sich ähnlichen wo der Parteitag der Nazis stattfinden wird, unangenehmen Eventualitäten nicht aussetzen, herrscht große Empörung, wagt aber trotzdem so darf sie nicht mit den Errungenschaften der niemand Widerstand. Der Luitpoldhain ist Humanität in Konflikt geraten. Aufmarschplatz für die SA geworden. Der In Ugarn hat man einiges erlebt. Aber schöne Park, den die Bevölkerung sehr liebt, was in Deutschland passiert, kann man ist verwüstet, und zu einem Exerzierplatz ge- auch im Lande Horthy nur mit Kopfmacht worden. Täglich werden Verhaft un- schütteln betrachten! gen von diskutierenden Gruppen vorgenommen, weil sie sich darüber mißhellig ausspre- Zahnklinik chen. Für den Parteitag der NSDAP. wird Quartier gemacht wie im Feindesland. Uniformierte gehen in die Häuser, sehen sich die Räume an und bestimmen, wieviel Einquartierung aufzunehmen ist. Beim Turnfest in Stuttgart kam es zu heftigen Schlägereien zwischen SA und SS. Die Polizei hat 73 SA- Leute und 11 SS- Leute mit Handschellen auf Lastwagen abgeführt. Bei der Eröffnung des Turnfestes prangte in einer Straße sehr sichtbar ein 6X10- Meter großes Plakat mit den Initialen der Deutschen Turnerschaft: D. T. Sie waren so verschnörkelt, daß angenommen wurde, es handle sich um das Abzeichen der SPD. mit neuem Geist Parteioffiziell verkünden die„, Flensburger Nachrichten": Die Stadtkreisleitung der NSDAP. ist in die Allgemeine Ortskrankenkasse umgezogen und befindet sich dort in der ehemaligen Apothekenabteilung. Der Fernruf hat die Nr. 2554 behalten. Auch die Ortsgruppe ist in die Räume der Ortskrankenkasse übergesiedelt und durch Fernruf über Nr. 2554 zu erreichen. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß sich der Sturmbann 1/215 in den Räumen der ehemaligen Zahnklinik in der AOK. befindet. Telephon 833. Darauf Alarmierung der Feuerwehr, die die Verschnörkelung abkratzen mußte. Schlußakt: Mit dieser Uebersiedlung der verschiedenen Verwaltungsstellen der NSDAP. ist ein neuZwei Stuttgarter Architekten wandern wegen gröblicher Verletzung der Bauvorschriften inser Geist in die Räume der AOK. eingezogen, der wohl endgültig den Gedanken an die ehemalige marxistische Hochburg verwischen wird. Konzentrationslager. Wüst ist das Treiben in den Arbeitsdienstlagern. Neuer Geist, ei freilich. Früher hat Oft hört man: Wenn wir hier herauskommen, man dort Zähne plombiert. Jetzt werden sind wir alle Kommunisten. Der Plan der Zähne ausgeschlagen! Heldenlied der Mütter Geschichten vom braunen Alltag Bitte... itte... verlangen Sie überall vor, in den Gaststätten und Cafés den Neuen Vor= wärts". Er gehört dorthin, wo Deutsche verkehren und deutschsprachige Zeitungen aufliegen. Finden Sie den „ Neuen Vorwärts" irgendwo nicht dann bemühen Sie sich dort bitte darum, daß er doch abonniert wird. Oder teilen Sie uns bitte den Namen und die Adresse des Lokals mit, wir werden dann vom Verlage aus die Werbung en vornehmen. ,, Ach, lassen Sie mich doch einmal zu meinem Jungen, ich bin deswegen hergefahren und hab meine letzten Groschen fürs Fahrgeld ausgegeben, bitte"." Die nächste ran, los, los", damit ist für den Diensthabenden der Fall erledigt. 02 Die beiden müssen wieder zurück, die Junge führt und stützt die Alte. Der rollen die Tränen über die durchfurchten Wangen, am ganzen Leib zitternd setzt sie einen Schritt um den ch hod anderen über den Hof. Die Frauen in der langen Reihe schüttelt trotz ihres eigenen Schmerzes Mitleid mit der alten Mutter. Die SS- Leute läßt das alles kalt. Und die nächste hat wieder Zigaretten im Paketchen gehabt, die sie wieder mitnehmen muß. Geld kann sie dalassen, von dem sich die Gefangenen im Lager Nazizigaretten kaufen müssen. Denn nur solche dürfen sie rauchen. Aber sie hat Glück und darf zu ihrem Manne. Jetzt ist Mutter Müller an der Reihe. Auch sie hat zwei kleine Päckchen, eines für den Mann und das andere für den Sohn. In jedes Das Reichsgesetz verspricht der minderhat sie ein Stück von den Kuchen hineingepackt, bemittelten Bevölkerung Bedarfsdeckungsscheine zum unentgeltlichen Erwerb von Klei- Aus Blut und Schmerzen war es geboren, auf dem Hof richten SS- Leute eine Anzahl den beide so gern essen.„ Lebensmittel dürfen dern, Wäsche und Haushaltungsgegenständen. das einzige Kind. Ein Knabe. Als der große Tische hin. Vier SS- Leute postieren sich da- an die Gefangenen nicht abgegeben werden". Jetzt hat der Nazi- Staatssekretär Reinhardt Krieg ausbrach, war er 12 Jahre alt. Und als hinter, und ein Gefangener muß die Schreib- Der Kuchen fliegt aus dem Paket heraus auf den Ländern in einem Rundschreiben mitge- die Mutter die Tränen verschluckte beim Ab- arbeit verrichten. Eine Frau um die andere den schmutzigen Tisch. Dann wird Mutter Mülmußte, wird abgefertigt. Es dauert eine ewige Zeit, bis ler weitergeführt. Erst darf sie fünf Minuten teilt: Wann und in welcher Höhe Be- schied vom Vater, der mit hinaus darisdeckungsscheine ausgegeben werden, ist fühlte sich der Knabe als Schützer und Tröster die lange Reihe abgefertigt ist. Mutter Müller mit ihrem Manne sprechen, dann fünf Minuten der Mutter. Vater kam wieder heim, der Kna- steht schon eine halbe Stunde und noch länger. mit ihrem Sohn. Ach, was sag ich, sprechen? be war zum Burschen herangereift und mit Jetzt sind es nur noch fünf vor ihr, dann ist Nein. Denn was zwischen ihnen gesprochen seinem Vater widmete er sich dem Dienst der sie an der Reihe. Sie kann jetzt gut hören, sie werden möchte, das dürfen sie nicht, da ja ein sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. steht ja ganz in der Nähe, was die SS- Leute SS- Posten daneben zur Bewachung steht! Sie Diese Bilder tauchten vor den Augen der zu jeder Frau sagen.„ Warum haben sie die Mutter auf, die jetzt allein im Hause war. Vor Adresse nicht drauf geschrieben", schnauzt der grüßen sich stumm, sie bleiben in den fünf Miviezehn Tagen waren sie dagewesen, hatten Diensthabende eine Frau an, die für ihren nuten stumm, und stumm drücken sie sich Haussuchung gemacht und Mann und Sohn hin- Sohn ein Päckchen mitgebracht hatte.„ Ent- beim Abschied die Hände. Ihre Blicke sagen al,, Mit scheuer Bewunderung zeigt man sich weggeführt. Nach Tagen erfuhr es die Mutter, schuldigen Sie vielmals, das hab ich verges- les, und sie verstehen sich. die im Rathaushof aufgestellten sagen haft daß sie sich im Konzentrationslager befinden. sen", antwortet die Frau. ,, Ach was, vergessen, Mutter Müller schreitet gefaßt wieder über schönen mit prima Lederkoffern bepackten Sie ging zur Behörde, ging in das braune nehmt eure Gedanken zusammen, ihr Weiber. den Vorhof zurück, durch das Tor hinaus. Autos, darin die Herren des neuen Reiches Haus, sie wollte ihre beiden Lieben sehen und Zwei Minuten darf die bloß hin, dann raus mit Erst daheim, in der Stille, läßt sie sich von aus allen Teilen Deutschlands herangefahren sprechen. Doch überall ward sie abgewiesen. ihr", befiehlt er einem SS- Mann. ihrem Schmerz schütteln. Und dann, als sie sich ,, Zigarren und Zigaretten nehmen sie gefäl- ausgeweint, ist sie wieder die Alte. Ist sie wiesind. Ab und zu besteigt dann eine hoch ge- Dort bedauerte man mit faden Reden, daß man Iwachsene und in hyperelegante Montur keinen Einfluß habe, und an jener Stelle wie- ligst wieder mit. Geld können sie da lassen", der die furchtlose Mutter Müller, die allen gezwängte gestiefelte und gespornte Figur ihr der wies man sie zynisch hinaus mit den Wor- herrscht er die nächste an. ,, Geld?" spricht die Schmerz in ihrer Herzenskammer eingeschlosAuto, der Wagen rollt langsam unter dem Tor- ten: fragend und kramt in ihrer Geldtasche herum. bogen hindurch auf den Platz, Heil, Heil!" ,, Eine deutsche Mutter hat keine Angst". ,, Da ist ein Funfziger, es ist mein letztes", und sen hat, die Kämpferin. ruft die Menge, und der Begrüßte antwortet, in- Angst? Nein, vor diesen braunen Bestien sie legt ihn auf den Tisch und steckt die aus- Eine der Ungezählten, Ungenannten, von dem er überlegen lässig den Arm hatte die Mutter keine Angst. Aber Sorge trug gestellte Bescheinigung dafür in die Tasche. Sie denen das Heldenlied der Freiheit doch singen sie im Herzen um das Schicksal ihres Mannes darf zehn Minuten lang ihren Mann besuchen. und sagen wird bis in die fernste Zeit. und Sohnes. Und diese Sorge fraẞ und zehrte Und jetzt stehen gleich zwei Frauen vor dem am Herzen. Sie machte wieder den Weg, sich Tisch, eine jüngere und eine ältere. ,, Allemal nur Erlaubnis zum Besuche zu erzwingen. Nach eine vortreten, zurück mit Ihnen", damit will zis in München lesen wir: reckt." Rotspon und steifer Grog Auf dem Tag der deutschen Seefahrt"' in S k a 伍 g H g C h ゴ a C D S A b ta A g A d S la g g h m Z ti R d D k A $ 1 in B k N a Lux. S SC d B he A b n n ge W K Bremerhaven, der dieser Tage abgehalten vierzehn Tagen endlich wurde sie ihr gnädig der Aufsichtführende die alte Frau zurück- Deutscher Arzt drängen.„ Wir gehören zusammen, Herr" mit Auslandskapital gewährt. wurde, sprach u. a. der Führer der Deutschen Jetzt steht sie mit in der langen Schlange stammelt das alte Mütterchen. Der AufsichtfühArbeitsfront Dr. Ley. Zeitungsberichten zufolge erklärte er:„, In sechs Monaten ist mehr er- der Frauen und Mütter, die ihre Männer, Söhne rende blättert in der Liste nach( in Namen im Konzentrationslager besuchen des Häftlings. ,, Was wollen Sie denn, der Meier reicht worden als in sechs Jahrhunderten. Der und Väter volle Sieg ist erreicht", etc. etc. ,, Von der na- wollten. Das große Tor ist noch versperrt, es ist doch erst seit zehn Tagen hier, da köntionalsozialistischen Revolution wird die Zu- öffnet sich erst mit dem Schlage 15 Uhr. Sind nen Sie noch nicht Besuch machen. Die nächste kunft einst sagen: sie war die größte Tat, es zweihundert oder gar dreihundert Frauen, ran, aber bißchen dallie", damit will er die Offerten unter„ Kombi" Kopenhagen, die je die Welt erlebt hat, und ihr Führer war die jetzt in den weiten Vorhof drängen? Sie belden abfertigen. Doch die alte Mutter bettelt: Rosenornsallee 12. der größte Mann aller Zeiten." werden alle angeschnauzt von jungenhaften SSLeuten, die da stehen mit dem Gummiknüppel und Revolver an dem Riemen, gerade so, als Justiz wird gleichgeschaltet gälte es Schwerverbrecher zu bewachen.„, HinIm Juli sind in der preußischen Justizver- tereinander antreten", befiehlt ein Bursche, und Werbt waltung aus politischen Gründen 30 Entlassun- die Frauen müssen sich sputen, recht rasch gen, wegen ihrer nicht arischen Abstammung sich hintereinander zu ordnen, denn bei wem 159 Entlassungen vorgenommen worden. In der es zu lange dauert, der wird gleich wieder zum Liste der Rechtsanwälte wurden 185 Löschun- Tor hinausgewiesen. gen vorgenommen, davon waren 47 auch Notare. Mutter Müller steht auch mit in der Reihe, sie mag wohl die dreißigste sein. Weit vorne für den. Neuen Vorwärts! sucht Verbindung und Vorschläge für neue Existenz. Die ALLIANCE FRANCAISE, 101, Bd. Raspail, Paris( 6) Die praktische Schule für die französische Sprache veranstaltet in den Monaten September und Oktober einen Vorbereitungskurs für die Universität wie auch Lehrgänge für Anfänger, und zwar 15 Stunden in der Woche für praktische Uebungen in der französischen Sprache, 30 Vorträge im Monat. 10 Vorträge im Monat mit Führungen in Paris und Umgebung. Preis 180 Frs. für 1 Monat, 275 Frs. für 2 Monate. Nähere Auskunft erteilt der Direktor ROBERT DUPOUEY, 101, Bd. Raspail, Paris( 6) Z St le F