Redaktion und Verlags Karlsbad, Haus„Graphia" TeL olk losgelassenl W i n k 1 e r wegen gemeinschaftlichen Mordes z u m T o d e verurteilt Oer lieber- fall auf Nationalsozialisten, den sie verübt haben sollen und wobei der Dentist Krebeck erschossen worden ist hat am 4. August vorigen Jahres stattgefunden, Am 23. Juli verurteilte das Schwurgericht Köln sechs Kommunisten zum Tode. Der Ueberfall auf die von einer Versammlung heimkehrenden SA.- Männer, dessen sie bezichtigt wurden, hat bereits am 24. Februar 1933 stattgefunden. Vor wenigen Tagen erst wurden in Düsseldorf gegen Kommunisten neun Todesurteile gefällt Die Straftat soll am 21. Juni 1932 begangen worden sein, liegt also bereits Jahre zurück. In den meisten der Fälle, in denen Todesurteile verhängt worden sind, handelt es sich um Schlägereien, wie sie damals an der Tagesordnung gewesen sind. Die Betroffenen sind meist junge Menschen und es ist mehr als zweifelhaft, ob sie bei den Ueberfällen die Angreifer gewesen sind, oder ob sie nicht in Notwehr gehandelt haben. Und nun für hundert Gegenstücke eines: Am 9. August 1932 wurde der Landarbeiter Pietrzuch in P o t e m b a von fünf SA.-Leuten in viehischer Welse umgebracht. Sie wurden zürn Tode verurteilt, aber nach dem 5. März freigelassen und bekamen bei einer Siegesfeier einen Ehrenplatz eingeräumt. Deutschland ist aber nicht nur ein Paradies für heimische Nazimörder, sondern auch ein Asyl für ausländische. Der österreichische Nazi Hofer aus Innsbruck ist, aus dem Zuchthaus entkommen, nach Deutschland geflohen, und ihm ist die höchste Ehre zuteil geworden, die das Dritte Reich zu vergeben hat: er durfte das Feuerwerk von Nürnberg Seite an SeitemitHitler bewundern. Theodor L e s s i n g s Mörder werden nicht weit davon zu finden sein. In Deutschland laufen heute Zehntausende herum, die in jedem Kulturlande längst wegen ihrer schweren Verbrechen hinter Schloß und Riegel säßen. Das Gesetz, das die Todesstrafe auf politische Vergehen ausdehnt, verdient den Namen Gesetz nicht, es ist eine Anweisung zum Mord. Es schafft nicht Recht, sondern erhebt die Rechtlosigkeit des politischen Gegners zum Regierungssystem. Was man im Dritten Reich Hinrichtungen nennt, das sind von der Regierung angeordnete und mit Hilfe gefälliger Richter ausgeführte Morde. Sie müssen ihre Sühne finden, wenn Deutschland wieder ein Rechtsstaat wird! Labour für Demokratie Der Gewerkschaftskongroß von Brigthon V. Sch.: London, Mitte September. Die Britische Arbeiterbewegunt stellt, be sonders seit der deutschen Katastrophe, das stärkste Bollwerk des demokratischen Soziaiismus in der Welt dar. Sie ist sich ihrer zestelgerten Verantwortung vor der eigenen und vor der internationalen Arbeiterbewegung voll bewußt. Sie unterschätzt die faschistische Gefahr keineswegs und betont sogar mit auf fallendem Nachdruck, daß sie sich auch in England In dieser oder jener Form entwickeln könnte, wenn man es unterließe, den Anfängen su wehren. Aber sie wendet sich mit Recht äegen lene Tendenz zum demokratischen Defaitismus, der sich seit Hitlers Sieg in manchen Arbeiterkreisen des Kontinents und sogar des Inselrelches breitmacht Besonders scharf hatte schon Hugh Datton auf der Pariser Sozialistenkonferenz als Spre eher der politischen Labour Party hervorge' hoben, daß das Diktatorprinzip nur in solchen Ländern triumphiert hatte, in denen es keine festfundierte Demokratie vor dem Weltkrieg gegeben hatte. Auch der Gewerkschaftskongreß In B r i g h- fon hat sich eindeutig zur polltischen Demokratie bekannt, und gerade aus diesem Bekenntnis die Kraft zu einer besonders ent- schlossenen Kampfansage gegen jede Form dar Diktatur zeschöpft In dem Bericht des Generalrats und in den Reden der führenden Köpfe der Bewe- namentlich des Jahresvorsitzenden � a I k d e n und des Generalsekretärs Citri- n e nahmen die Ereignisse In Deutschland einen breiten Raum ein. In der Aufzeigung der Ge- fahr, die sich aus dem deutschen Zusammen- hruch fflr die Idee der Demokratie und. darüber hinaus, für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens ergibt, stehen diese Reden hinter andern nicht zurück. Man kennt begangene Feh- l«r, wenn man auch in der Kritik Zurückbai- ♦ung übt, und man bat ein ofienea Auge auch für die Schuld der Kommunisten. Der maßlos gehässige Kampf, den die Kommunisten gerade am Vorabend des Brlghtoner Kongresses bei der Nachwahl inClayCroos £e8en Arthur Henderson ml» ihrem cigo- nen Führer Harry Pollitt als ZählkandWaten geführt haben, bat vielen Schwankenden die Augen geöffnet. Denn, wenn auch Pollitt nur weniger als ein Achtel der Gcsamtstimmen- erhielt, so könnte diese Aufstellung von Züilkandidaten bei allgemeinen Neuwahlen, aul das ganze Land Obertragen. Infolge der Be- «timmungen des englischen Wahlrechts, ver- oerende Wirkungen zugunsten der Reaktion haben. Da könnten tatsächlich zwei Dutzend kommunistischer Zähikandldaten die Verhinde- rung einer Arbeitenrehrheit bewirken. A»f eine Mehrheit im Parlament arbeitet d'e Labour-Bewegung bewußt und zuver- sichtlich Hin. "•o greift die sogenannte nationale Koaiitions- �gierung Macdonalds, die vor zwei Jahren als Ergebnis einer Wahlpanik und eines Wahl- Parolenschwindels an die Macht gelangte, aui 1 en Gebieten entschlosen an. Diesem Zweck 'oute auch der Kongreß von Brlghtnn, auf dem *02'a'Polltische und wjrschaftliche Versa- i n d'eser eigentlich konservativen Regierung Lichte ihrer hochstrebenden Wahlversprechungen aufgezeigt wurde. Die faschistischen Tendenzen, oder zumindest die fasohlsten- freundlichen Symtome, die sich z. B. auf dem Gebiet der Polizei unter Führung des Lord Trenchard seit einigen Monaten bemerkbar machen, sind auch von den Gewerkschaften scharf gebrandmarkt worden. Ein zahlenmäßig schwacher linker Flügel kritisierte an den Bericht Citrines die angebliche Gleichstellung der nationalsozialistischen mit der bolschewistischen Diktatur. Der Generalsekretär der Gewerkschaften, der zugleich der Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes ist, stellte diese Mißdeutungen richtig: Was für Rußland möglicherweise das beste Regiemngssystem sein mag, ist noch lange kein Muster für ein Land mit der poli- tischen und wirtschaflichen Struktur von Großbritannien. Die bürgerliche Presse hatte sich im voraus ein Fest aus den Auseinandersetzungen gemacht, die sie zwischen der offiziellen Führung des Gewerkschaftsbundes und jener Richtung voraussagte, die nm die„Sozialistische Liga" konzentriert ist Diese Liga, die in wesentlichen aus früheren Mitgliedern der unabhängigen Arbeiterpartei besteht welche den halb- kommunistischen Kurs der ILP.-Mehrbcit nicht mitmachen wollten und sich selbständig als Labourtreue Gruppe etablierten, bat im Frühjahr einiges Aufsehen erregt weil sie unter Führung von Sir Stafford Gripps, dem früheren Justizminister der Arbeiterregierung, diktatorische Maßnahmen, vor allem finanzpolitischer Art als notwendig für eine künftige Arbeiterregierung bezeichnete. Demgegenüber hatte damals Citrine jede Konzession an die Ideologie der Diktatur scharf zurückgewiesen. Obgleich die Sozialistische Liga" auf dem Gewerkschaftskongreß unter den nahezu 600 Delegierten sicherlich vertreten war. ist es zu einer solchen Auseinandersetzung schon deshalb nicht gekommen. well Gripps am Vorabend des Kongresses klargestellt hatte, daß er und seine Freunde keineswegs eine antidemokratische Diktatur erstreben, sondern nur nach Mitteln und Wegen suchen, um die erwarteten Widerstände und S a b o tag e v e r s uc h e des Finanzkapitals gegen eine künftige Labour-Regierung mit Hilfe parlamentarischer Vollmachten zu brechen. Warum sollte das, was beim Bürgerlichen Franklin D. Rooseveit recht ist, bei einer Labour-Regierung nicht billig sein? Gerade das amerikanische Experiment findet in englischen Gewerkschaftskreisen großes Interesse und genießt sogar starke Sympathien. Es machten sich zwar aus den Reihen der Delegierten heraas Stimmen bemerkbar, die davor warnten, Roosevelts Vorgehen als vorbildlich für Großbritannien zu betrachten. Sicher ist aber, daß in den Massen der engtischen Arbeiterschaft die Vorgänge Jenseits des Ozeans mit ebenso großem und wohlwollendem Interesse verfolgt werden, wie sie bei den konservativen Kapitalisten Unbehagen erzeugen. Daß im Rahmen seiner überaus kräftigen Kampfansage gegen den Hitlerismus der Kongreß von Brighton den internationalen Boykottbeschluß gegen das Dritte Reich gutgeheißen hat, versteht sich von selbst. Bemerkenswert ist es aber auch, daß bei dieser Gelegenheit besonders großer Nachdruck auf die Wiederaufnahme der seit dem Frühjahr nahezu unterbrochenen offiziellen Handelsbeziehungen mit S o w j e t r u ß 1 a n d gelegt wurde. Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich wird sich die Barbarei des Dritten Reiches furchtbar rächen, bis das deutsche Volk selbst an den Früchten des Regimes erkennt, welches Verbrechen seine Machthaber an ihm begangen haben. Die Lehrer und der Krieg Die internationale Lehrerschaft für den Frieden I Nationalhymne Aul die Melodie des Horst-Wessel- Uedes zu lingen. w 1 Wir brauchen Brot,{hr geht ans Wachnaradtn and laßt den braunen Rundfunk auf uns los, für unser Geld spielt ihr die Herrn von Gottes Gnaden, kein Feuerwerk, kein Fest Ist euch tu groß. Der Winter kommt, wir haben keine Kohlen, der Arbeitsdienst zieht uns den Rücken krumm. und unsre Kinder laufen auf zerrissnen Sohlen in eurem Gottesgnadenreich herum. Denkt ihr, weil ihr dem Volk den Hund vernietet, wird et In Zukunft auch vom Schweigen satt? Es nützt euch nichts, daß ihr das freie Wort verbietet, der Hunger spricht sehr laut in Land und Stadt. Es kommt der Tag, da wird sich ans verbünden, wer Freiheit liebt und Todesfurcht nicht kennt, da werden wir ein rotes Feuerwerk entzünden, in dem das ganze dritte Reich verbrennt. H"gin Zwei bedeutsame Lehrerorganisationen nahmen Stellung zu der drohenden Kriegsgefahr. . Das französische Syndikat der Lehrer, In dem der größte Teil der französischen Volksschullehrer organisiert ist, faßte in seiner letzten Generalversammlung in Paris den Beschluß, In verstärktem Maße in den Kindern den Geist des Friedens zu erziehen und sie gegen den Krieg mit allen Mitteln einzunehmen. Sie beschlossen, wenn trotz alledem der Krieg aus brechen sollte, mit den organisierten Ar beitem zusammen seine sofortige Beendigung durch den Generalstreik zu erzwingen. Es ist selbstverständlich, daß die reaktionäre Presse, insbesondere das „Journal' und der„Tetnps" den Lehrern Mangel an vaterländischer Gesinnung vorwerfen und daß sie von der Regierung verlangen, die Lehrer zu maßregeln. In diesem Zusammenhang weist der„Temps" auch auf die 150.000 Lehrer des„Deutschen Lehrervercins" hin, der sich ohne jeden Widerstand dem Nationalsozialismus angepaßt hätte, Auch Herr Wolf, der Führer des Deutschen Lehrervereins, hat einmal mit L a p 1 i r r e, dem Führer des französischen Syndikats, der Lehrer sich für den Weltfrieden und für eine Erziehung im Sinne des Weltfrledens eingesetzt. Herr Wolf ist heute der Lakai des Herrn S c h e m m, des Apostels des Hasses und der Untermenschlichkeit. Aber der französische Sozialist Lapi�rre ist trotz aller Anfeindung und. aller Schmähung nicht nur der Vertrauensmann der französischen Lehrerschaft, sondern zu gleicher Zeit der tapfere Kämpfer für Freiheit und Weltfrieden geblieben. Im gleichen Sinne eines aktiven Kampfes für den Frieden sprach sich die bedeutsame Internationale Vereinigung der Lehrer(Fßddration Internationale des assoclations d'lnstltuteurs) In Santander in Spanien aus. Diese Tagung war durch 22 europäische, 7 amerikanische und durch die afrikanischen und australischen Lehrerorganisationen beschickt. Der Deutsche Lehrerverein, der unter der Rclchsfflhrung von Herrn Schemm steht, wollte zwar auch an der Tagung teilnehmen, aber die Versammlung hat es einstimmig abgelehnt, eine nationalsozial i- Itotr Hormarfs Ich bestelle den J/eaen Vorwärts" und erwarte regelmäßige Lieferang von nächster Nummer an. Nm md V, Wahnorl mi Poümttlt Strafe und Hm Diesen Bestellschein bitte ausfüllen, ausschneiden und an; Verwaltung.Heuer V or wärt s", Karlsbad, CSR., Haus „Graphia", senden. stische Zwangsorganisation auf der Tagung zuzulassen. Die Engländer zeigten Herrn Rosenberg die kalte Schulter, die Internationale der Lehrer weist Herrn Schemm die Tür. Was sollten auch Herr Schemm und seine Freunde auf einer Tagung machen, die dem Sinn nach folgende Resolution beschlossen hat: Die Konferenz von Santander stellt fest, daß trotz des feierlichen Versprechens während des Krieges, keine positive Maßnahme einer allgemeinen Entwaffnung getroffen worden ist und keinerlei wirksame Friedensgarantien geschaffen wurden. Nach wie vor können die Regierungen noch den Krieg als Hilfsmittel ihrer Politik benutzen. Angesichts der drohenden Kriegsgefahr erklären die angeschlossenen Lehrerorganisation eu ihren Willen zum Frieden und ihre aktive Propagierung der Entwaffnung. Sie verlangen, daß die angeschlossenen Organisationen ihren Kampf für den Frieden zusammen mit allen Arbeiter- und Friedensorganisationen zu führen haben und daß sie sowohl mit den politischen Parteien als mit den Regierungen für eine gleichzeitige, fortschreitende und kontrollierte allgemeine Entwaffnimg kämpfen sollen. Sie verlangen das Verbot der privaten Herstellung von Waffen und fordern das obiigatorfsch e internationale Schiedsgericht tmd die Anwendung des moralischen und wirtschaftlichen Boykotts gegen alle die Länder, die sich den Entscheidungen des internationalen Schiedsgerichtes nicht fügen. Jedermann wird zugeben, daß auf einer Konferenz, die solche Beschlüsse faßt, eine Gesellschaft wie der gleichgeschaltete Deutsche Lehrerverein nichts zu tun hat Italiens Absage In einem römischen Verlag erschien G. Giovanuccls Buch: Hitlers Deutschland und Italien. Nach Schilderung der Geschichte der Entstehung und des Aufschwunges der nationalsozialistischen Partei fährt der Autor fort: Es kann kein Zweifel bestehen, daß hier eine erfolgreiche Bewegung, erstanden ist, die unserem Beispiel folgte. Wir dürfen stolz darauf sein, dürfen uns aber dadurch nicht verblenden lassen. Das Programm des Zusammenschlusses aller Deutschen tangiert nicht nur die Unabhängigkeit Oesterreichs und die Einigkeit Frankreichs, der Tschechoslowakei, Polens, sondern auch die Einheitlichkeit Italiens. Das faschistische Italien konnte es sich gestatten, die herzlichsten Beziehungen zu einer oppositionellen nationalsozialistischen Partei zu unterhalten, aber diese Beziehungen müssen sich ändern, sobald die Nationalsozialisten Herren von Deutschland geworden sind. Wir müssen unser Vorgehen logisch anpassen. Uebrigens hat bis hf Italien gegeben und Deutschland genommen. Es wird nötig sein, auch von Ihm etwas zu fordern... Der Anschluß ist für Italien eine Lebensfrage. Das vereinsamte Oesterreich vermag nicht zu widerstehen, wenn es, von Deutschland andauernd bedrängt wird... Der Anscbhiß würde für uns Krieg bedeuten — Schutzkrieg. Krieg auf Leben und Tod. Das Buch ist Mussolini gewidmet, der die Widmung angenommen und damit seine Uebereinstimmung mit dem Verfasser manifestiert hat Gleidischaltung Gottes! „Geschöpfe, die eigentlich keine sind". Die Natur treibt Obstruktion gegen das Dritte Reich und hat sich soeben einen strengen Verweis des gleichgeschalteten„Sonntag Morgen sugezogen. Dort heißt es in einem Aufsatz: „Das ist nordisch", der einen Mann mit Doktor titel zum Verfasser hat: Rassen können ihr Blut vermischen. Aber das Ergebnis ist nicht eine neue Rasse, In der die Stille der Elternrassen sich nun zu einem neuen, in sich geschlossenen GezQge verbänden. In den Abkömmlingen mischten sich die Züge der Elternrassen bald so, bald so: es entstehen„Geschöpfe", die eigentlich keine sind; denn im Plan der Schöpfung, die nur stilreine Formen schafft, sind sie nicht vorgesehen. In ihrer Gestalt widerstreiten sich verschiedene Stilgesetze. Sie gehen einher wie ein Windhund mit Dackelbeinen und wissen nicht, wie sie sich bewegen sollen. Für den„Windhund mit Dackelbeinen" wird sich das Blatt wohl vor dem Propagandaminister Goebbels zu verantworten haben, die übrigen Vorwürfe aber richten sich geradenwegs an den lieben Gott. Hat Gott denn noch immer nicht begriffen, daß die jahrtausendlange Mißwirtschaft ein Ende haben muß? Er, der laut Nazistatut nur „stilreine Formen" zu schaffen hat, kreuzt unentwegt weiter, duldet es, daß durch Aufpfropfung neue Blumenarten, neue Obstsorten entstehen, läßt Hunde schamlos durcheinander heiraten, schmeißt Rassekatzen mit gewöhnlichen Hauskatern in einem Topf, haucht Mischlingen aller Rassen und Völker unbekümmert seinen Odem ein, schafW Geschöpfe, die eigentlich keine sind", nur um den deutschen Zuchtwart zu provozieren. Denn wozu sonst? Ja, er besitzt sogar die Kühnheit, Hitler dem Juden Charlie Chaplin, Röhm einem unterwertigen Rundschädel, Goebbels Oberhaupt keinen Menschen ähnlich zu machen und dafür blondhaarige, blauäugige Judenkinder in die Welt zu setzen. Wann, so fragen wir die totale deutsche Regierung, wird diesem schamlosen Treiben ein Ende gemacht— wann wird Gott endlich gleichgeschaltet? Auf* und abhängen Mißbrauchte Aetherwellen. im demokratischen Deutschland blieb der Rundfunk eine heißumstrittene Institution. Demokratisch— sozialistische Strömungen kämpften in ihm mit reaktionären, und wenn die Aetherweller auch nicht gerade eine Mittlerin freien, Vorwärts weisenden Geistes war, so zeigte sich im Radio doch wenigstens das Ringen gegensätzlicher Ideen und Gedanken. Wer wollte, konnte Kritik und Gegen- krltlk hören. Göbbels hat den deutschen Aether gleichgeschaltet. Eine Meinung herrscht: die haken- kreuzlerische. Lüge und Unwahrhaftigkeit triumphieren. Will man die Geistverlassenheit des braunen Funks ermessen, braucht man nur in neudeutschen Radioschriften zu blättern. Hier einige Stichproben aus dem amtlichen Organ der nationalsozialistischen Rundfunkkammer. Programm vom 3. bis 9. September. Da wird ein„Lehrstück" des Deutschlandsenders also angepriesen: „Erbkrank— ErbgesandM Ein Hörspiel von Konrad Düne, das der Verfasser im Einvernehmen mit dem Propa- gandaministerium geschrieben hat. Er greift die marxistische Irrlehre von der Gleichheit aller Menschen, Wohlfahrtsamt und andere Brutstätten erblicher Minderwertigkeit an, berührt das Problem der Sterilisierung und der Förderung kinderreicher Familien. Konrad Dürre gibt In gedrängter Form den Sinn seines rassenhygienischen Schauspiels„Am Erbstrom des Volkes" wieder und führt den Trennungsstrich zwischen Minderwertigkeit und Leistung. Der rassehygienische Kitsch dieses Pg. Dürre ist ein Schreckenskind der Theater, jetzt wird er auch auf die Funkbörer losgelassen. Die Wohlfahrtsämter des freien Deutschlands waren Hilfsämter für die Aermsten, für kranke Kinder und gefährdete Jugendliche. Tausende sozialistischer Männer und Frauen betätigten sich im Fürsorgewesen freiwillig und ehrenamtlich. Gerade in proletarischen Nazi kreisen saßen die meisten Sorgenkinder der Wohlfahrtspflege. Für das neue Hörspiel sind diese Wohlfahrtsämter nichts als„Brutstätten erblicher Minderwertigkeit". Der dege- serierte Klumpfuß Göbbels aber bleibt Protektor dieses Funkirrsinns und ist immer noch nicht sterilisiert * Man blättert welter, wühlt sich durch Hit- lerquark, Militärkonzerte und Landsknechtslie- Deufsdte Christen Hm— können Sie nachweisen, daß Sie keine jüdische Großmutter haben? der und stößt auf folgende famose Ankündigung: Bellseher und Marxisten- audh ein Kapitel Yolksbetrug Das Kapitel Hellseherei und Kriminalistik wird immer wieder durch neue„Fälle" bereichert Einer der bekanntesten in den letzten Jahren war der des Hellsehers H a- nussen, den Kriminalkommissar a. D. E Pelz-Berlin 1932 als Pseudohcllscher entlarvte. Peiz, der in den Jahren der marxistischen Herrschaft Gelegenheit hatte, die skrupellose Bauernfängerei der berufsmäßigen Hellseher kennenzulernen und zu verfolgen, spricht am 8. September, 18.30 Uhr, im Mitteldeutschen Rundfunk über deren Tricks und Geheimsysteme sowie in Verbindung damit über die durch den Marxismus geförderte Ausbreitung derartiger Volksverführer und Volksausbeuter. Wieder steht die Wahrheit Kopf; Die marxistische Presse hat Hellseherei und Sterndeu- terei immer scharf und klar abgelehnt, weshalb uns die Mystiker auch nie grün gewesen sind. Dagegen waren ein Dutzend Hellseherblätter erklärte Freunde und Gönner der Hitler e i, und das Hakenkreuz ließ sich ihre Dienste gern gefallen. Hanussen und H u- t e r standen als Champions der braunen Astrologie an der Spitze dieser Schwindlerbande. Hanussen avancierte sehr bald zu einem In- Lmen des Pg. Grafen H e 1 1 d o r f und wurde schließlich ein Opfer hakenkrcuzlerischen F e- memordes. Doch in diesem Lager schlägt immer ein Unsinn den anderen tot So ist im Septemberheft der gleichgeschalteten Zeitschrift„Literatur"(Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart) ein Artikel zu lesen, in dem der Völkische Rudolf von Scholtz für Astrologie und Hellseherei schwulstig schwärmt: „Wieviel Fragen, die uns Menschcnbe- schreiber oft quälen... werden hier ganz sinnvolle und ganz natürliche Vernunft... Diese Betrachtung aller Menschen ans einer Höhe, gibt einen großen klärenden Reichtum." Der Mann bekennt sich ausdrücklich als Verehrer Hitlers und des 3. Reiches, womit er die Tradition des Pg. Hanussen würdig weiterführt Der N.-S.-Frmk- jedoch fälscht die Hellseherei zu„marxistischem Volksbetrug". So wild nnd verlogen gehts im braunen Lager durcheinander. Aktenzeldien F 412 Otto StraBburgs arische Herkanft. Es ist ein ausgesprochenes Pech, wenn In Deutschland jemand einen Stadtnamen als Familiennamen führt weil er dann leicht In Verdacht gerät Jude zu sein. Es Ist aber ein ausgesprochenes Glück, Otto StraBbnrg zu heißen,„alleiniger Gründer des seit dem Jahre 1887 bestehenden und im ausschließlichen Familienbesitz befindlichen Textil-Kauf- und Versandhauses gleichen Namens" und dabei rein arisch zu sein. Denn dann läßt sich damit eine Reklame machen, so schlagkräftig, daß nicht nur die jüdischen, sondern auch die bis dahin unverdächtig arischen Kleiderhändler von blassem Neid erfüllt werden müssen. In einem großen Inserat In der Zittauer Morgenzeitung erläßt Herr Otto StraBbnrg aus Görlitz eine Warnung, die folgenden Wortlaut hat: Seit Monaten werden von mißgünstigen SOZIALISTISCHE REVOLUTION MONATSSCHRIFT FÜR DIE PROBLEME DES SOZIALISMUS Erscheint ab Oktober 1933. Umfang 32 Seiten. Preis Kc4a-,(Ausland KS 5*-) Auslieferung durch„Graphla", Karlsbad Kantstraße. , and an meiner geschäftlichen Schädigung interessierten Personen in teils leichtfertiger, teils gewissenloser Weise unwahr e Gerüchte über meine Abstammung verbreitet. Da diese versteckten Angriffe verstärkt andauern, sehe Ich mich durch dl* Notwendigkeit der Abwehr schweren Schadens von meiner Firma und meiner zahlreichen Milarbeiterschaft gezwungen, mich mit folgender Erklärung an die Gel- tenilichkeit zu wenden. Um den Gerüchten am schnellsten und sichersten entgegentreten zu können, habe ich durch die hiesige Kreisleitung der NSDAP, dem Sachverständigen für Rassel or schan g beim Reichsministerium des Innern sämtliche Urkunden aus den amtlichen Quellen meiner thüringischen Heimat, die meine arische Herkunft 300 Jahre zurück beweisen, eingereicht und um Erstattung eines Gutachtens durch diese hierfür allein zuständige Stelle gebeten. Das unter dem 5. August 1933 und dem Aktenzeichen F 412 ausgefertigte Gutachten erklärt, „daß idi rein arisdher Herkunft bin44. Ich bringe dieses mit Nachdruck zur öffentlichen Kenntnis. Otto Straßburg und„rein arisch", wer hätte das für möglich gehalten? Aber wo der Sachverständige für Rassenforschung gesprochen hat, da ist die reine Wahrheit festgestellt. Es bleibt nur noch übrig, sich vor ihr— und der Weisheit, die hente Deutschland regiert— schweigend zu verneigen. NazlfUme fürs Ausland Hakenkreuz-Kinos für London und Paris. Die Hitlerregierung weiß, daß sie außerhalb Deutschlands auf kein anderes Gefühl stößt, als auf Mißtrauen und Verachtung. Um diesen Wall der Feindschaft zu durchbrechen, verfällt sie auf abenteuerliche MitteL Wie die französische Fachzeitschrift„Cine- ma" mitteilt, ist kürzlich ein großes Pariser Kino von der Berliner Ufa erworben worden. Das soll jedoch, nach der gleichen Quelle, nur ein Anfang sein. Agenten der Naziregierung sind nach allen Großstädten Europas entsandt worden, um den Kinoraarkt zu studieren mit d.m Ziel, geeignete Objekte anzukaufen. Für England allein ist die Anlage eines Kapitals von 5 Millionen Pfund vorgesehen, von dem man eine Sprozentige Verzinsung als angemessenes Ergebnis erwartet Englische Blätter erinnern in diesem Zusammenhang daran, daß Deutschland seinen ausländischen Gläubigern ungeheure Summen schuldet. Die Gläubiger, meinen sie,, würden wenig erbaut davon sein, wenn i h r Geld nun dazu verwendet werden sollte, die Filmpropaganda der Hitlerregierung im Ausland zu bezahlen. Traute Heimat In der Rubrik.Aus der schlesischen Heimat' melden die.Jireslauer Neuesten Nachrichten" an einem einzigen Tage(am 7. September 1993) folgende Ereignisse: Brieg: In ein Konzentrationslager über- führt wurden nach Verbüßung einer längeren Freiheitsstrale drei entlassene Gefangene der hiesigen Strafanstalt wegen tortgesetzten staatsfeindlichen Verhaltens. H ayn au; Bei verdächtigen Personen wurden Haussuchungen vorgenommen. Fahnen, Mitgliedskarten und Schriften der SPD. wurden beschlagnahmt B unzlau: Hier ist man einer verbotenen politischen Vereinigung aal die Spar gekommen, die sich hinter dem Namen.JSkatklab" verbarg. Die nötigen Maßnahmen wurden ergriffen. M arklissa; Der am 18. August in Schuir- halt genommene Zahnarzt Dr. Scheitza mußt* nach IStägigem Hungerstreik Ins Krankenhaas überfährt werden. Landeshai: Der zweite Bürgermeister von Landeshut, F ec h ner, ist auf Grund de* Gesetzes zur Wiederherstellung des Beruf sbe- amtentums aas dem Dienst entlassen worden. Görlitz; Der Direktor der Ruscheweyh- AG., Langenöls, Karl Fischer, wurde in seiner Görlitzer Wohnung mit seiner Gellebten festgenommen und in Schutzhaft Oberführt. Ratibor: In Wellendorf wurde der 24- jährige Maurer Franz Wochnik von einem unbekannten Täter erschossen. OOOOOGOOOOOOOOCiX3OO0