Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia" TeL IOSI Prell der Elnzelnimuner T/' v j ,4 (im Ausland kd 2*) Iv C 1•*T' v/ Aoslandspreise tinzclnomm. rierteljühi� Arjtntlnlen,,. Pe$. 030 Po. iM Beigten..... Frs. 2.— Fn. 24— Bulgarien.... Lew, 8.— Lew. 96.— Danzlg..... Quid. 0.30 Quid. 3.60 Deutschland... Mk. 0.25 Mk. 3.- Esü.nd..... E.Kr 0.22 E. Kr. 2M Finnland.... Fmk 4.— Fmk. 48.— Frankreich... Frs. ISO Fn. 18.— QroBbrltannien.. d. 4.— sh. 4— Holland..... Gld. 0.15 Qld. 1.80 Italien...... LIr. 1.10 Ur. 13.20 Jugoslawien.,, Din. 4.50 Dln. 54— Lettland.... Lat 0.30 Lat, 3.60 Sozialdemokratisches Wochenblatt Nr. 16 Sonntag, 1. Oktober 1933 Besngmprei» im Quartal 17 X 4 Q (Im Auaiand Kfc 24�-) J\.C> XO.,,,* Aoalandspreise Litauen.... Luxemburg.. Norwegen... Oesterreich.,, Palästina..• Polen..... Portugal,.. Rumänien•• Saargebiet•• Schweden,,. Schweiz... Spanien••• l/ngara---- USA..•••• Unsdinldige in Leipzig Zug um Zug enthüllt sich in Leipzig das Bild einer Verbrecherregierung, wie sie die Welt bisher noch nicht gesehen hat Hrfolganbeter, die es in jedem Lager gibt, sind dabei, dieser Regierung, die durch Betrug und Gewalt zur Macht gekommen ist alle möglichen Geschicklichkeiten anzudichten. Eine spätere Zeit wird über die Plumpheit staunen, mit der das imfamste Verbrechen aller Zeiten ins Werk gesetzt worden ist Wie phantastisch dumm war doch der Versuch, einen Van der Lübbe als die Hauptperson einer sozialdemokratisch- kommunistischen Verschwörung hinzustellen, die mit Brand und Aufruhr auf Hochverrat ausging! Wie altern, sich gerade T o r g 1 e r zu holen, (ler als Mensch in allen politischen Lagern üie größten Sympathien genießt und von (lern alle Welt weiß, daß er mit dem aber- �tzigen Treiben des blöden Holländers uichts zu tun haben kann! Welcher Teufel ''at die Regierung geritten, daß sie diesen Mann, der freiwillig zu ihr kam, um seine Unschuld zu erhärten, in Ketten schlagen und in einem großen Schau- Prozeß als personifizierten Bolschewisten- schreck auftreten ließ? Sie hätten sich keinen besseren aussuchen können, wenn es i h r darauf angekommen wäre zu zelten, daß die Verbrecher nicht auf der Anklagebank sitzen, sondern ganz wo anders. Und der Schluß? Flucht vor der Oef- fentlichkeit? Abbruch der Verhandlung? Schuldspruch? Freispruch?— Gleichviel! Dieser Prozeß kann ja gar nicht anders enden als mit einem moralischen Todes- "rteil gegen das System! Indes fährt G ö b b e 1 s vergnügt nach Genf und genießt in vollen Zügen seinen ei8entümlichen Ruhm. Der Reichslügenminister als Diplomat! Ja wahrhaftig, wenn man heute fragt, Reiche außenpolitischen Ziele Hit- er und Konsorten verfolgten, als sie Tau- ?,ende deutscher Volksgenossen ermorden 'eßen, Zehntausende einkerkerten. Hunderttausende zum Hungertod verurteilten "Pd allen die Lebensluft der persönlichen Freiheit stahlen, so erhält man darauf die Antwort, daß dies nur geschehen sei, um den Frieden Europas zu sichern. lrotz Erzberger und Rathenan, trotz Hermann Müller und Stresemann hat es noch "■e eine deutsche Regierung gegeben, die 0 oft und so laut ihre unbedingt f r l e d- ertige Gesinnung betont hätte. Freilich hat es auch keine so n o t- �endig gehabt! Denn wie soll die Welt Klauben, daß Hitler, der ungerührt zusieht �etm deutsches Blut fließt plötzlich D'utscheu wird, wenn es sich um franzö- �sches oder sonstiges rassisch mlnder- ertiges Blut handelt? Wie soll die Welt glauben, daß Torgler Reichstag angezündet hat. und wie iL sie glauben, daß Hitler die Flammen fik wil1. die als Folge seines Wirkens erai]]n gur0pa aufzüngeln? Wie soll soki glauben, daß er die Pazifisten ab- Fri j hten'äßt' um selbst als deutscher leaenskanzler in die Weltgeschichte ein- �ugehen. HitJer, Göring, Göbels spielen Komödie. r sie spielen sie schiecht! Sdmldige in Genf „Erst wenn dies in Deutschland begriffen sein wird, so daß man den Lebenswillen der deutschen Nation nicht mehr in bloß passiver Abwehr verkümmern läßt, sondern zu einer endgültigen aktiven Auseinandersetzung mit Frankreich zusammenrafft und in einen letzten Entscheidungskamp f mit deutscherseits größten Schlußzielen hineinwirft: erst dann wird man imstande sein, das ewige und an sich unfruchtbare Ringen zwischen uns und Freunde, unsere Eltern, unsere Kinder als Geiseln festgesetzt! Und was will jetzt Hitler! Was verkündet jetzt Göbbels? Den Frieden! • Ja, warum sollen sie nicht ihre Friedensliebe beteuern, wo sie doch auch d i e Verfassung beschworen haben und noch dazu die Schamlosigkeit besitzen, für andere Todesstrafe zu verlangen, Frankreich zum Abschluß zu bringen; allerdings unter der Voraussetzung, daß Deutschland in der Vernichtung Frankreichs wirklich nur ein Mittel sieht, um danach unserem Volk endlich an anderer Stelle die mögliche Ausdehnung geben zu können." „Endgültige aktive Auseinandersetzung mit Frankreich**.„Letzter Entscheidungskampf'.„Vernichtung Frankreichs"*.— Steht das oder steht das nicht in der neuen Bibel aller Deutschen, in Hitlers„Mein Kamp f"? Wenn das nun nicht mehr wahr sein soll, warum wird dann dieses Buch nicht— wie so viele geistvollere vor ihm— auf dem Scheiterhaufen verbrannt? Wenn das nicht mehr wahr sein soll, warum hat Hitler nicht den Mut, seinen Irrtum zu bekennen? Um was ging denn alle die Jahre in Deutschland der Kampf? Er ging darum, daß wir den Frieden wollten und Hitler zum Kriege hetzte! Weil wir den Frieden wollten, waren wir Verräter! Weil wir den Frieden wollten, hat man die Meuchelmörder hinter uns hergeschickt! Weil wir den Frieden wollten, hat man uns für landlos, rechtlos, vogelfrei erklärt! Weil wir den Frieden wollten, bat man unsere weil s i e versucht haben sollen, die Verfassung gewaltsam zu ändern? Brennt der Reichstag, dann war es die „sozialdemokratisch-kommunistische Einheitsfront", die sich malerisch um Van der Lübbe gruppiert hat Brennt Europa, dann waren es die Juden und die Marxisten. die das wehrlose deutsche Volk(sagte Hitler in Nürnberg) vor die feindlichen Kartätschen treiben. Wie gemeinverbrecherisch doch das alles ist! Und w i e d u m m dazu, wie entsetzlich dumm! Weil ein Teil des deutschen Volkes, politisch ungebildet und von Not und Verzweiflung getrieben, diesen Bauernfängerkünsten aufgesessen ist glauben sie nun die ganze Welt belügen zu können und fangen es so ungeschickt an, daß schließlich auch den von ihnen Betrogenen— trotz Schutzhaft Terror und Reichsgericht, ja vielleicht gerade deswegen, erst recht— die Augen aufgehen müssen! Dies aber ist die Frage an das Schicksal: Wird das Erwachen des deutschen Volkes aus diesem furchtbaren Bluttraum noch rechtzeitig geschehen und ehe die Katastrophe unvermeidlich geworden ist? Wird es in Genf Staatsmänner geben, die demdeutsctaenVolkedieWahr- heit sagen, so laut daß sie auch über die Grenze dringt, und so erbarmungslos eindeutig, daß sie jeder verstehen muß? Wieder und wieder! Es gibt nur einMittel, den Frieden Europas zu retten, man muß dem deutschen Volke die Wahrheit sagen. Die Wahrheit sagen, das ist Dienst am Frieden und das ist auch ein Freundschaftsdienst am deutschen Volke selbst, das einer unvorstellbaren Katastrophe entgegengeht, wenn es nicht noch rechtzeitig die Wahrheit erkennt. Die Wahrheit aber ist, daß Deutschland heute nicht von Politikern irgendwelcher Art regiert wird, sondern von Verbrechern, die von der Welt der anständigen Menschen durch einen unüberbrückbaren Abgrund getrennt sind. Die Wahrheit ist, daß diese Verbrecher nicht nur im höchsten Grade gewissenlos, sondern letzten Endes dumm sind und daß diese Dummheit ihnen eines Tages den Hals kosten wird. Das deutsche Volk hat in der Welt nur einen gefährlichen Feind. Das ist seine jetzige Regierung! Schreit ihm in die Ohren, daß es sich von ihr befreien muß, wenn es nicht für Jahrhunderte verloren sein will! Göbbels einst und jetzt Der Reichslügenminister über den Völkerbund. Im Oktober 1929, kurz nach dem Tode Stresemanns, sagte Göbbels in einer Versammlung im Berliner Kriegervereinshaus: „Jetzt haben sie Stresemann In einer Weise begraben, wie wenn er der Retter Deutschlands gewesen wäre. Was aber hat dieser Mann in Wirklichkeit getan? Er ist einige Male im Jahre nach Genf gefahren und hat dort in der großen Schwatzbude, die sich V'ö 1- kerbund nennt mit Vertretern des raub- lüsternen Frankreich, mit Agenten verjudeter Länder und sogar mit Delegierten von Negerstaaten über Lebensbciange des deutschen Volkes verhandelt. Wie viele von diesen sogenannten Völkerbundsdelegierten nach gutem deutschen Volksrecht eigentlich als gewöhnliche Verbrecher zu bezeichnen wären, wissen wir gar nicht. Wenn ich Euch nur sage, daß viele der Staaten, die heute im Völkerbund das große Wort führen, ehemalige Verbrecherkolonien sind, dann wißt Ihr ja, mit welchen feinen Herrschaften man es In Genf zu tun hat. Ein Bismarck hätte sich nie und ilmmer mit solchen Leuten an einen Tisch gesetzt, aber ein Stresemann hat sich zu ihnen gesetzt und sogar sie deinreden lassen, wenn es um Deutschland ging!" Nach dem Tode Briands, Im Jahre 1932, schrieb Göbbels in seinem eigenen Blatte„Angriff":„Es Ist nun überall in der Judenpresse großes Wehklagen, daß dieser Mann durch den Tod endgültig unschädlich gemacht worden ist, und daß die jämmerlichen deutschen Pazifisten keinen Franzosen mehr haben, vor dem sie auf dem Bauche rutschen können. Wir deutschen Nationalsozialisten haben gar keine Ursache, in dieses Wehklagen mit einzustimmen. Denn der sogenannte Europäer und Deutschenfreund Briand war in Wirklichkeit nichts anderes als ein ganz ausgekochter und raffinierter Verfechter französischer Raubinteressen. Er war gerissen genug, seinen„Freund" Stresemann mehr als einmal auf Kosten Deutsch- laiJs übers Ohr zu hauen und hauptsächlich ihm hat es Deutschland zu verdanken, daß über die Geschicke des deutschen Volkes ein sogenannter Völkerbund mitzuentscheiden sich erfrechen darf. Ein Völkerbund, besser gesagt: „Völkerhund, In dem Vertreter von ehemaligen Ve r b r ech e r kolon ien und Negerstaaten neben Abgesandten des Weltjudentums die größte Rolle spielen. Wir Deutschen halten es noch immer mit dem Wort: „Sage mir, mit wem Du umgehst, und Ich werde Dir sagen, wer Du bist!- Der sogenannte Völkerbund war das Instrument des Herrn Briand; wenn er also seinen Lieblingsumgang mit Vertretern von minderwertigen Rassen und Völkern dritter Klasse hatte, dann wissen wir, wie er selber einzuschätzen war." Das ist nur eine kleine Blütenlese. Man könnte noch unzählige gleichartige Acuße- rungen dieser schönen Seele hinzufügen. So, daß er einmal— es war noch im vorigen Jahre in einer Versammlungsrede im Berliner Lustgarten— stolz verkündete;„Wenn wir Nationalsozialisten erst die Regierung unseres deutschen Vaterlandes bilden, dann wird auch der Genfer Spuk bald aufgehört haben. Vorbei wird es sein mit diesem ganzen widerlichen Brei von Ratssitzungen, Kommissionsberatungen und Abrüstungskopferenzen. Wir Nationalsozialisten werden dort auftreten, wie es sich für deutsche Männer gehört: Wir werden unser einfaches gutes Recht fordern und es uns nehmen! Ich sehe schon, wie die Handlanger der französischen Erpresserpolitik, die Krämer und Feilscher, diese Geschäftemacher Alljudas schreckensbleich zusammenfahren werden, wenn erst wieder eine harte deutsche Faust auf den Tisch schlägt und diesen Abgesandten von Schibcria und sonstigen Verbrecher-Negerkolonien zeigt, daß das deutsche Volk wieder erwacht ist und jetzt einen Führer hat, der nicht mehr mit sich spassen läßt!" Nun ist er selber zu den„Verbrecherkolo- nien" gefahren, in die er gehörte, wenn sie es wirklich wären. Aber keiner, der an das Wort denkt,„Sage mir mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist", wird sich mit einem Göbbels abgeben wollen. Peinltdier Start Propagandaminister Göbbels Ist keine Propaganda. Die Weltpresse in Genf hat den Teutonen Göbbels unter die Lupe genommen. Sie ist erstaunt-- und lächelt Ironisch. Der Jda- tin" gibt dem allgemeinen Empfinden wie folgt Ausdruck: „Er Ist gar nicht schön, der Herr Göbbels, und dieser Propagandamlnister macht mit seiner Person gewiß keine Propaganda für die arische Rasse, zu deren reinsten er gehören wilL Schwächlich, mit abstehenden Obren, hat er das armselige Aussehen mißratener Geschöpfe. Dazu war sein Kommen und Geben wirklich nicht triumphal. Fürchtete er Zwischenfälle? Das ist wahrscheinlich, denn er lief im Laufschritt durch die Vorhalle, umgeben von einem halben Dutzend, Leibgarde, die Ihn bis zum Delegierteneingang begleitete. Geschwind begab er sich auf seinen Sitz, wo er das Unglück hatte, den australischen Groß- rabbiner, den einzigen jüdischen Geistlichen, der der Versammlung angehört, zum unmittelbaren Vordermann zu haben. Nach der Sitzung blieb er, nachdem alle Delegierten den Saal verlassen hatten, noch gute zehn Minuten sitzen, ofienbar in der Hoffnung, daß das Publikum des Wartens müde werden und Ihn unbehelligt gehen lassen werde.- Die itranne Mordbestie rast weiter Genosse Solmitz tot! Ein Opfer der braunen Mordregierung. Ejper amtlichen Nachricht zufolge bat sich der Redakteur des Lübecker„Volksboten", Gen. Dr. Solmitz, in einem unbewachten Augenblick in seiner Gefängniszelle erhängt Da für den lebensfrohen jungen Kämpfer an sich nicht der geringste Grund vorlag, sich das Leben zu nehmen, ist diese amtliche Nachricht eine furchtbare Selbstanklage. Wie muß Solmitz mi Behandelt worden sein, wenn er sich ans Verzweiflung das Leben nahm! Jedoch spricht efne viel größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß auch hier, wie in vielen anderen Fällen, Setostmord nur vorgetäuscht wurde, um einen im Gefängnis an einem wehrlosen Gefangenen verübten Mord vor den Augen der Welt zu verbergen. Gen. Dr. Solmitz gehörte zum besten Nachwuchs der deutschen sozialdemokratischen Journalistik. Daß er auch in gefährlicher Zeit zu seiner Ueherzengung stand, mehrte nur den Haß seiner Verfolger. Sehr bald folgte er seinem Kollegen Dr. Leber in das Gefängnis und grauenvolle Nachrichten über die Behandlung, die sie dort erfuhren, wurden kolportiert. Diese Nachrichten haben jetzt durch die amtliche Meldung ihre traurige Bestätigung gefunden. Die Zahl der Opfer wächst Aber es kommt noch einmal anders— und Solmitz soll nicht vergessen sein! In Dresden starb plötzlich der frühere Geschäftsführer unseres Parteiorgans, der„Voiks- zeitung", Genosse Lorenz, ein treuer, um den Aufstieg der Parteipresse verdienter Genosse. Ein Herzschlag, die Folge der aufregenden Verfolgungen, denen er und seine Familie ausgesetzt waren, hat dem Leben des bis dahin kerngesunden Fünfzigers ein Ende bereitet Audi Eugen Fritsdi ermordet Vor etwa 14 Tagen kam die Meldung, daß unser Partelredakteur und Parteivorsitzender von Plauen, Eugen Frltsch, im Konzentrationslager Burg Hohnstein ermordet worden sei. Die nationalsozialistischen Zeitungen brachten dann Berichte, In denen behauptet wurde, daß Fritsch in dem Lager Hohnstein aus beträchtlicher Höhe abgesprungen sei, in der olfenkundigen Absicht— nach der Tschechoslowakei zu fliehen! Bei dem Sprunge hätte er sich aber Verietznn- gen zugezogen und habe sich daraufhin in schwerverletztem Zustande den Polizeibehörden gestellt Die Polizei habe Fritsch dann wieder dem Konzentrationslager Hohnstein zugeführt, wo er an den Folgen der Verletzungen, die er bei dem Absprunge erlitten habe, verschieden sei. Ein bürgerliches Organ, die„Obererzgebirgische Zeitung" schreibt nun, daß Fritsch an einem„Schiaganfaii" gestorben sei. Die Wahrheit ist, daß die braunen Mordbestien Eugen Fritsch kaltblütig abgeschlachtet haben. Man hat ihn so zerschiagen, daß er schwere innere Verletzungen erlitt, dann hat man ihn von der Umfassungsmauer der Burg Hohnstein heruntergestürzt, um so einen Fluchtversuch vorzutäuschen und eine Erklärung für die inneren Verletzungen zu haben. Man denke: Die Polizei gibt selbst zu, daß die Verletzungen Fritschs sehr schwer gewesen seien, als man ihn angeblich auffand oder er sich selber gestellt hatte. Anstatt den Todkranken nun aber sofort in ein K�nkenhaus zu überführen, hat man ihn— eine tolle Roheit— wieder ins Konzentrationslager geschafft, wo weder Aerzte noch Operationseinrichtungen vorhanden sind. Dort Ist er dann gestorben. Hitlers Banditen haben ihn, den tapferen Sozialisten, zur Strecke gebracht. Die vogtiändischen Arbeiter, wo Fritsch große Verehrung genoß, werden mit zusammengebissenen Zähnen an ihn denken. Und anseineMörder! 5 Jahre Gefängnis wegen Beleidigung des Nürnberger Parteitags Das Chemnitzer Naziblatt teilt„in aDer Kürze" mit: Vor einem Berliner Schnellgericht wurde der 54jähr!ge Packer Johannes Gom- raert wegen Beschimpfung des Nürnberger Reichsparteitages zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Wunder von Ostpreußen Wie Kodi die Arbeitslosigkeit weghext Es hat Leute gegeben, die bei der Durchführung der Arbeitsbeschaffungsak- tion in Ostpreußen erstaunt aufgehorcht haben. Nach dem Rezept des Gauleiters der NSDAP, und Oberpräsidenten der Provinz, Herrn Koch, müßte es möglich sein, überall Hunderttausende in Arbeit zu bringen. Was hat Herr Koch getan? Ostpreußen mit seinen unbebauten Landflächen, unkultivierten Mooren, nicht entwässerten Wäldern und krummen Bächlein gibt vielen weitgehendste Beschäftigungsmöglichkeiten. Herr Koch hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht Auf seinen Befehl mußte das Arbeitsamt in einer bestimmten Zeit derartige Arbeits- projekte ausfindig machen, Arbeitskolonnen zusammenstellen und diese in die entferntesten Winkel Ostpreußens verschik- kern Diese Arbeiten haben fast gar keinen oder nur geringen produktiven Wert Es ist für die Bodenkultur völlig gleichbleibend, ob ein unbedeutender Bach krumm oder gerade durch die Landschaft fließt. Man kann hier nicht von Flußregulierungen sprechen, weil diese„Flüsse" weder schiffbar noch sonst industriell verwertbar sind, Auch die Arbeit in den Forsten ist völlig überflüssig und dient wirklich nur zur Beschäftigung der Arbeitslosen. Alles das wäre erträglich, wenn durch diese Arbeitsbeschaffung ein Weg gefunden wäre, den Arbeitslosen ausreichende Löhne zu zahlen und ihnen dadurch eine Existenzmöglichkeit zu schaffen. Das ist aber keineswegs der Fall. Die Finanzierung der Arbeitsprojekte geht in folgendei Weise vor sich. Die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung zahlt auf dem Wege des verstärkten Förderungsschutzes 3,50. Die Gemeinden oder Forstverwaltungen, in deren Bereich das Arbeitsprojekt durchgeführt wird, sind verpflichtet, RM. 1.— zuzuzahlen. Die Arbeit wird an bestimmte Firmen vergeben, die für diese RM. 4.50 die Entlohnung der Arbei- der Aufseher und die Beschaffung der Arbeitsmaterialien übernehmen muß. Grundsätzlich erhält der verheiratete Arbeitslose 40 Pfg. die Stunde, der Unverheiratete 36 Pfg. die Stunde. Alle bestehenden Tiefbauarbeiter-Tarife sind durch eine Verfügung des Treuhänders für Ostpreußen außer Kraft gesetzt worden. in der Regel soll 40 Stunden die Woche gearbeitet werden. In dieser Grundregelung gibt es Variationen, bei der Festsetzung der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes. Teilweise wird die Arbeitszeit bis auf 48 Stunden und der Arbeitslohn bis auf 45 Pfg. die Stunde überschritten. Der Arbeiter kann bestenfalls 19.20 RM. die Woche verdienen. Außerdem erhält die Familie pro Kopf eine Sonderzulage von RM. 1.50 pro Woche. Es hat den Anschein, als ob diese Entlohnung dem üblichen Einkommen eines schlecht bezahlten Arbeiters entspricht Tatsächlich liegen die Dinge noch wesentlich anders. Der Arbeiter ist in jedem Falle gezwungen, einen doppelten Haushalt zu führen. Die Arbeitenden sind in der Provinz in Arbeitslagern zusammengefaßt Die Beköstigung übernimmt das Lager. In einzelnen, Fällen wird für die Beköstigung ein Zuschuß von 3.— RM. die Woche an Verheiratete gewährt Die Unverheirateten haben die gesamte Beköstigung selbst zu tragen. Sie entspricht pro Woche einem Aufwand von etwa 5 bis 6 RM. Dann werden dem Arbeiter etwa 2 RM. pro Woche für Sozialabgaben abgezogen. Verweigert er diese Arbeit, ist er von jeder Arbeitslosenunterstützung, Wohlfahrtsunterstützung und Arbeitsvermittlung ausgeschlossen. Nur über sechzigjährige Arbeiter sind von dieser Arbeit befreit Eins muß bei der Entlohnung noch besonders hervorgehoben werden. Bisher völlig ungeklärt ist die Bezahlung von Regentagen. In verschiedenen Lagern werden die Regentage ganz vom Lohne abgezogen, in andern zu 50 Prozent und in weiteren hat man sie wieder völlig bezahlt Dafür sollen die Regentage entweder nachgearbeitet werden oder es wird eine Beschäftigung gefunden, die dem Arbeiter die Möglichkeit untätig zu sein, nimmt Es ist vorgekommen, daß unverheiratete Arbeiter mit einem Pfennig Bar- verdienst nach Hause gekommen sind. Interessant sind die Auswirkungen dieser Arbeitsbeschaffung nicht nur für die Hauswirte; auch das Kleingewerbe und der kleine Handel hat seine helle Freude dran. Aus Königsberg sind etwa 25.000 Arbeitslose in die Provinz vermittelt worden. Es ist nur zu erklärlich, daß Bäcker, Schuster, Fleischer und andere„lebenswichtige" Betriebe diesen Bevölkerungsschwund empfindUch in ihrem Warenumsatz merken. Sisyphusarbeit als Lebensinhalt ist auch für einen Menschen mit Stahltrossen statt Nerven eine seelische Belastung, die für die Dauer unerträglich ist. Verstärkt wird diese Qual durch das Arbeitsmilieu, die Art der Unterbringung und durch die Arbeitsmethoden. Die Unterbringung der Arbeltenden ist je nach den Möglichkeiten verschieden. Teilweise wohnen sie in Baracken, in Scheunen, leerstehenden Insthäusern, Eisenbahnwag- gons und in den leerstehenden Tanzsälen der Gasthäuser. Betten gibt es nirgends. Ueberall dienen entweder einfache Strohlager oder Bretterverschläge mit Strohsäcken als Lagerstätten. Die Regentage und zunehmende Wetterverschlechterung machen sich heute bereits außerordentlich bemerkbar. Selbst Menschen, die kul- tureü wenig Ansprüche zu stellen gewohnt waren, sind über die Primitivität dieser Zustände erschreckt Die Arbeit kann in den meisten FäUen erst in ein- bis zweistündiger Marschzeit erreicht werden. Bei schlechtem Wetter werden die Arbeiter mehrmals naß und wieder trocken, ehe sie die Arbeitsstelle erreicht haben. Der Arbeitsweg wird im übrigen nicht als Arbeitszeit gerechnet Zur Aufheiterung der Stimmung dürfen diese Proleten morgens vor Beginn des Marsches zur Fahnenparade antreten. Dasselbe Schauspiel wiederholt sich abends beim Fahneneinholen. Es gibt nur wenige Aengstliche, die der Fahne des Wiederaufbaus noch den schuldigen Respekt durch Handaufheben entgegenbringen. Auch das Absingen nationaler Lieder hebt in keiner Weise die vorhandene Resignation. Resignation ist z. Zt das Hervorstechendste Merkmal der Lagerstimmung. Jedes Rebellieren wird noch niedergehalten mit dem Hinweis auf Konzentrationslager und andere nationale Volkserziehungsstätten- Ohne Rücksicht auf Beruf und Alter ist der Versuch unternommen, d i e Frauen in ein Arbeitsverhältnis zü bringen. Dabei hat man zwei Wege eingeschlagen. Die Frauen werden entweder als Landhelfer an bäuerliche Betriebe vermittelt oder sie werden durch den Frauenvolksdienst zusammengefaßt und mit Näb- und Flickarbeiten für die Freiwilligen der Arbeitsdienstlager beschäftigt Die Landhelfer müssen sechsmonatige Verträge abschließen. Sie erhalten 12 bis 15 RM. den Monat und das Essen und müssen dafür alle vorkommenden Landarbeiten erledigen. Aus den einzelnen Dörfern ebenfalls zu Arbeitslagern zusammengefaßt erleben sie dasselbe Schicksal wie ihre männlichen Kollegen- Die im Frauenvolksdienst Beschäftigten erhalten das Frühstück und Mittagessen und 90 Pfg. pro Tag. Von diesem Geld haben sie Wohnung und sonstigen Lebensunterhalt zu bezahlen. In schwierige0 Fällen zahlt das Wohlfahrtsamt einen Wohnungszuschuß. Alle Erfahrungen beweisen, daß das Arbeitsbeschaffungsprogramm nach jeder Richtung hin eine verfehlte und unüberlegte Sache ist Rohm verwarnt die Astlodhgndker Das Muckeptum feiert Orgien— Frauen werden mißhandelt (Qe an den Pranger gestellten„Jaden- llebchen" wagt Röhm sich z. B. n i c h t einzusetzen, von Jener Nürnberger Greueltat, die eine Junge, aufs schändlichste mißhandelte Frau in den Wahnsinn trieb, wagt er nicht abzurücken. Und das schmierige Blatt des Pg. Streicher, — der„Stürmer", der von Sexualskandalen lebt, erscheint in Nürnberg, in Röhms engster Heimat, lustig weiter. Vielleicht hat der Stabschef sich mit seinem Antimuckererlaß schon unbeliebt genug gemacht Wenn's der braunen Regierung beliebt von seinen Worten abzurücken, dann wird schon in wenigen Wochen mit Gefängnis nicht unter einem Jahr bestraft werden: a) wer behauptet, es seien in Hitler-Deutschland jemals Frauen belästigt, beschimpft mißhandelt worden, b) wer das Gerücht verbreitet Röhm habe gegen die„Orgien des Muckertums" Front gemacht Wer aber kommandiert die Polizeipräsidenten? Der Schluß des Röhra'schen Erlasses lautet wörtlich: Ich verbiete daher sämtlichen Führern und Männern der SA. und SS, ihre Aktivität auf diesem Boden einzusetzen und sich zu Handlangern verschrobener Moralästheten herzugeben. Dies gilt vor allem anch für diejenigen SA.- und SS,-Führcr, die von mir als Prolizeipräsidenten oder für sonstige Stellen zur Verfügung gestellt sind. Was bedeutet das? Was ist in Deutschland los? Sagte Göring nicht in einer seiner jüngsten Reden, die Autorität gehe von oben nach unten? Also müßte die letzte Autorität in Hitlers Händen ruhen. Das Ist nicht der Fall denn Göring macht, was er will und intrigiert, so gut er kann. Nun erfährt man mit einemmal, daß Röhm auch ein kleiner Pascha ist, daß er seinerseits dem Göring ins Gehege fährt, daß er nicht nur seine SA. befehligt sondern auch den Polizeipräsidenten etwas zu sagen hat die eigentlich Göring unterstehen. Wer regiert in Deutschland? Jeder gegen jeden! Hitler gegen Göring, Göring gegen Goebbels, Röhm gegen Göring, die SS. gegen SA, SS und SA. vereint gegen das wehrlose Volk, auf dessen Rücken sich der ganze Wirrwarr austobt Ringkampf um den„Vorwärts" Ein falscher„Vorwärts'4 von Göring geplant, von Hitler verboten Der Stabschef der SA, Röhm, hat einen geharnischfon Erlaß gegen das Muckertum herausgegeben. Die„sittliche Erneuerung" hat im Dritten Reiche nachgerade so überhand genommen, daß kein Bettzipfel ungelüftet bleibt und da die höheren Führer selbst nicht gerade Sa- vonarolas sind, beginnt die Sache brenzlig zu werden. Es ist— so steht es In dem Röhm- schen Ukas zu lesen— in jüngster Zeit wiederholt vorgekommen,„daß auch SA.- und SS.-Führer und-Männer sich öffentlich zu Moralrichtern aufgeworfen und weibliche Personen in Badeanstalten, Gaststätten oder auf der Straße belästigt beschimpft ja sogar mißhandelt haben." — Ein sehr beachtliches Eingeständnis! Wenn wir das gleiche behaupten, waren wir G r e u e 1- melder und Landesverräter. Röhm gibt sogar zu, daß das„Muckertum in letzter Zeit große Orgien feiert", daß die„sittliche Erneuerung" zum„Sport" geworden ist der mit Vorliebe„unter Berufung auf staatliche oder Parteiamtliche Befugnisse" ausgeübt wird.„So werden zum Beispiel für den Anzug und das Verhalten an den Badeanstalten die unsinnigsten Bestimmungen gefordert Der deutschen Frau ist verboten, sich zu pudern oder tb Lokalen zu rauchen. In den Großstädten sollen alle irgendwie aus dem Spießerrahroen fallenden Vergnügungsstätten ausgerottet werden. Gegen die sogenannte Prostitution wird ein Kampf geführt der ebenso heuchlerisch in seinem Wesen wie brutal In seiner Durchführung Ist und von Standpunkt der Volksgesundheit aus unheilvoll In seinen Auswirkungen sein kann". Das Schriftstück wimmelt von Erstaunlichkeiten. Alle hier angeführten Bestimmungen— einige von ihnen haben bereits in ganz Deutschland Geltung— gingen von amtlichen Stellen aus und wurden bisher nötigenfalls mit dem Gummiknüttel unterstrichen. Entweder waren die Hakenkreuzbehörden mit ihrer sittlichen Erneuerung im Recht und bandelten befehlsgemäß — dann fällt Röhm der nationalen Aufbauarbeit in den Rücken, oder Röhm hat mit seiner Abwehr recht— dann müssen die zahllosen Stadtbehörden sich einer„wilden Aktion" schuldig gemacht haben und der Beweis wäre wieder einmal erbracht, daß für nichts und wieder nichts in Deutschland geprügelt, an den Pranger gestellt und gequält werden darf. Röhm stellt des weiteren lest, die deutsche Revolution sei nicht von„Spießern, Muckern nnd Sittlichkeitsaposteln gewonnen worden". Nein, wahrhaftig nicht! Eher schon von Homosexuellen, Morphinisten und Betrügern, die sich der Mucker und Spießer bedienten "nd mit Ihrer Hilfe die Schlacht gewannen. Von Röhm selbst ist bekannt, daß er nicht nur homosexuell ist(das wäre eine Privatsache), sondern auch Jugendliche mißbraucht und mehrfach in Briefen, die später durch die Weltpresse gingen, zynischste und übelste Auffassungen über sexuelle Fragen geäußert hat •Vielleicht drohen die losgelassenen Reiniger letzt auch sein Privatleben anzutasten, jeden- falls versucht er energisch zu bremsen.„Dfe Aufgabe der SA. besteht nicht darin, über An- mig. Gesichtspflege und Keuschheit anderer zu Wachen", so verfügt er. Röhm spricht von„geradezu lächerlichen Auswüchsen von Prüderie und Schlimmerem". — Schlimm ja, lächerlich nein! Im Gegenteil! Diese Auswüchse sind leider typisch für die kommandierenden und kommandierten Kreise <108 Dritten Reiches, und wenn der Stabschef rtchtlg erkennt daß sich bei den Astloch- ttickem in Wahrheit um„seit Jahrhunderten Immer geübte Befriedigungsversuche von Heuchlern, Muckern und Trägern verdrängter Romplexe" handelt so mag er einmal die Nase ans den Badeanstalten wegdrehen und seine eigene SA. In den Konzentrationslagern beobachten. Die Mißhandlungen. Folterungen. Wenschenschändungen, die sich da vollziehen, sind von den gleichen„verdrängten Komplexen" diktiert wie die Sittlichkeitserlasse, entspringen den gleichen Befriedigungswünschen wie die unsinnigen Bestimmungen über weiblichen An- stand. Wie wlr's, wenn der SA.-Stabschel mich da einmal dazwischenführe? Er wird sich büten, denn Irgendwo müssen sich die mißlel- �ten Triebe seiner sadistischen Garde ja �hließiich anstoben! Aus diesem Grunde werden den Braunen auch bnmer neue Opfer vorgeworfen. Für Seit Monaten wurden in Berlin Gerüchte verbreitet, der„Vorwärts" erscheine wieder. Diese Gerüchte hatten einen realen Hintergrund. Man plante die Wie- 'd'erhcfausgabe"des„Vorwärts", all ereil ngs nicht als Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, sondern als ein Naziblatt unter falscher Flagge. Der Raub des Eigentums der deutschen Arbeiter sollte gewissermaßen gekrönt werden durch die Herausgabe eines Nazi-Vorwärts. Vor 14 Tagen war alles fertig, um das neue Blatt am I. Oktober steigen zu lassen. Unter der Chefredaktion des Kommissars der Vorwärtsbetriebe, eines Herrn Fikentscher, sollte ein„Vorwärts" herausgegeben werden, der unter den Berliner Arbeitern für die„Ideen" des Dritten Reiches werben sollte. Man wollte die alten Kolportcure des„Vorwärts" in den Vertrieb einspannen, und sie sollten die Leser des alten „Vorwärts" für das neue Organ gewinnen. Um den Lesern die Sache schmackhafter zu machen, sollte das neue Organ sogar eine gewisse Freiheit der Kritk,— was man so Freiheit im Dritten Reich nennt— erhalten. Der Plan war nicht schlecht ausgedacht; aber er wird nun doch nur ein Plan bleiben. Nicht etwa weil die Führer der„Arbeiterpartei" zu der Ueberzeugung gekommen wären, daß man Berliner Arbeiter nicht dadurch für ein Naziblatt gewinnen kann, daß man ihnen das braune Eintopfgericht in einem roten Gefäß vorsetzt, sondern, weil auch in diesem Fall persönlicher Ehrgeiz und persönliche Intrigen zwischen den Mächtigen dieses Reiches die eigentlichen Triebkräfte der Pläne waren. Der„Vorwärts" sollte das persön- & IS GEHT UM liehe Organ des doppelten Generals Göring werden. Göring ist ein mächtiger Mann. Er wird ernannt und er ernennt sich selbst zu den höchsten Aemtern des Dritten Reichs. In'dieser Beziehung hat er seinen Herrn und Meister sogar um einige Pferdelängen geschlagen. Aber in einem Punkt ist er bisher nicht auf der Höhe. Hitler hat sein Blatt, den„Völkischen Beobachter", Göbbels hat seine Zeitung, den„Angriff", und selbst Herr Ley verfügt über ein eigenes Organ, das„Ar- beitertum". Nur Göring besitzt bisher keine eigene Zeltung. die unter Umständen den lebhaften Cliquenkrieg auch öffentlich unterstützen könnte. Der„Vorwärts" sollte die Lücke schließen, Göring wollte selbst zu den Berlinern sprechen. Diesmal Ist Herr Göring unterlegen. Nach wochenlangen Kämpfen hinter den Kulissen hat der„Führer" entschieden: der„Vorwärts" erscheint nicht Göbbels hat fleißig an dem Scheitern dieses Planes mitgeholfen, denn den fetten Happen durfte der„Preuße" auf keinen Fall bekommen. Den Berliner Arbeitern bleibt somit der braune„Vorwärts" und den Nazihäuptlingen eine neue sichere Pleite in ihrem Kampf um die„Seele der Arbeiter" erspart Denn es waren auch wirtschaftliche Erwägungen, die Hitler zu seiner Entscheidung veranlaßten. Die Auflagen des„Völkischen Beobachter" und des„Angriff gehen ständig zurück. Sie können keine Konkurrenz mehr ertragen. Der Versuch, mit der„Welt am Abend" an kommunistische Leser heranzukommen, ist kläglich gescheitert Man hat die Welt am Abend verboten, weil sie sonst am 1. Oktober aus Mangel an Beziehern ihr Er- DIE WURST scheinen hätte e i n s l e 1 1 e n müssen. Ein« Zeitungspleite im Nazilager kann man aber inmitten der„berauschenden" Erfolge der Arbeitsschlacht keinesfalls gebrauchen. So ist der Kampf um die Wurst zunächst gegen den General entschieden. Der Name des„Vorwärts" wird nicht mit dem Namen eines Göring als Herausgeber geschändet werden. Er bleibt was er war: ein Symbol des Befreiungskampfes der deutschen Arbeiterschaft Pleiiegeier über dem Blätterwald Die gleichgeschaltete deutsche Presse führt einen schweren Kampf um ihre Existenz. Die Masse der Bevölkerung liest keine Zeitungen mehr, denn sie berichten nichts über die wahre Situation im In- und Ausland. Sie sind herabgesunken zu amtlichen Publikationsorganen ohne jede eigene Meinungsäußerung, Die Nazi-Bräune hat jede selbständige geistige Regung erstickt Wir haben an anderer Stelle berichtet, daß die Leseunlust selbst vor den Nazi-Organen nicht Halt macht Die Auflagen der aational- sozialistischen Tageszeitungen und Zeitschriften gehen ständig zurück. Wir haben dafür noch zwei konkrete Beweise:„Der Deutsche", das frühere Organ der christlichen Gewerkschaften, ist jetzt die offizielle Tageszeitung der NSBO. Seine Auflage beträgt zur Zeit 60.000. Diese Höhe ist aber nur zu erzielen durch ein Pflicht-Abonnement das allen Amtswaltern der NSBO. auferlegt wurde. Die Zahl dieser Abonnenten ist auf 50.000 zu• schätzen, so daß an freien Abonnenten nur rund 10.000 übrig bleiben. In einer ganz ähnlichen Situation befindet sich die Zeitschrift:„Das Arbeiter tum". Diese Zeitschrift wurde bisher in einer Auflage von 3.8 Millionen allen gewerkschaftlich Organisierten obligatorisch zugestellt. Mit dieser Freilieferung soll jetzt gebrochen werden. Die Zeitschrift muß abonniert werden. Der Erfolg dieser Umstellung ist, daß nach den bisher vorliegenden Bestellungen die Auflage auf 150.000 zurückgeben wird. Die katastrophale Lage der gleichgeschalteten bürgerlichen Blätter ist bekannt Das .3erliner Tageblat t", das sich noch immer stolz das„deutsche Weltblatt" nennt, hat noch eine Auflage von 30.000. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Mosseverla- ges sind außerordentlich groß, es ist auch hier mit Zeitungseinsteliungen zu rechnen. Lauter Siebenmonatskinder im Dritten Reidi Der Berliner Korrespondent der„Times" zitiert aas dem„Völkischen Beobachter" die Heidorn, daß dank der wirtschaftlichen Maßnahmen der Hitler-Regierang und dank der besseren Lebensbedingungen, die sie geschaffen hat. bereits ein starker Anstieg der Geburtenziffer in Württemberg zu verzeichnen sei. Boshafter Weise— das Ausland versteht „ans" eben rückt— fügt er hinzu, daß zur Zeit lener Feststellung die Hitlerregierang erst sieben Monate im Amte war. Lösung des Rätsels? Sehr einfacht Seit Hitler regiert, ist die Welt so schön geworden, daß die Kinder es gar nicht erwarten können, auf sie zu kommen! Sdintzhaft für Zuhören Im Dritten Reich ist nicht nur das Reden, sondern auch das Hören verboten. Der Polizeipräsident in Frankfurt a. M. läßt kundtun, daß er jeden, der am Rundfunk Moskau hört and wenn er dabei erwischt wird, ins Lager bringen lassen wird-- als Teilnehmer einer geheimen kommunistischen Versammlung! Man sdmenzt sldh in Hitler „Ob Sofakissen oder Mundtücher— kein Ding, das nicht geeignet erscheint, durch die nationalen Symbole modernisiert zu werden. Selbst auf dem Bild eines Landschaftsmalers taucht In den Wolken das Hakenkreuz auf. In einem Laden fand Ich eine Weckuhr vor, die das Hoheitszeichen trug, den Gipfel der Geschmacklosigkeit dürfte jedoch wohl das H ttler1- Bild auf dem Schnupftuch bedeuten."(„Vossische Zeitung" J Kleine Bosheit Mussolinis Bei den Reichswehrmanövern in Sachsen war Italien außer durch einen MiütärattaeM noch durch einen Oberleutnant vertreten. Dieser Oberleutnant trug den Namen— Levy. »An die Herren Juden in Paulen!" Aal Ladendorfis Sparen wandelt laut ,Jfasx Przeglad" In Warschau der Rabbiner Hildesheimer aas Berlin. Als Beauftragter der Hitler- regierung versuchte er, seine Giauhensbrüder zur Aufgabe der Boykotts zu bewegen. Der Erfolg soll nicht überwältigend gewesen sein. \ en hcj Die folgenden Ausführungen bilden das Schlußkapitel der hier schon angezeigten Schrift„Neu beginnen"(Heft 2 der Sozialdemokratischen Schriftenreihe), die durch die Verlagsanstalt„Graphia" In Karlsbad zu beziehen ist. Mit ihrem Inhalt gedenken wir uns noch kritisch auseinander zu setzen. Red. d.„N. Vorwärts". Man muß schon auf die großen Religionsstifter zurückgehen, um eine Persönlichkeit zu finden, an deren Wirken sich solche Kämpfe knüpfen, wie an die Arbeit Karl Marx'. Mehr als ein halbes Jahrhundert ruht dieser Kämpfer nun schon auf dem stillen Friedhof von Highgate. Aber trotzdem wühlt sein Andenken heute noch viel mehr die Geister auf als zu seinen Lebzeiten. Im Namen des Marxismus wird im Osten Europas ein großes Volk von 150 Millionen Menschen regiert. Im Namen des Antimarxismus werden in zwei anderen großen Ländern die Staatsformen bis zu den Fundamenten umgewälzt, Zehntausende eingekerkert, gefoltert, gemordet. Im Namen des Marxismus formierten sich Hunderttausende, Millionen Unterdrückter in allen Ländern des Erdballes, um im Elend der Gegenwart für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Im Namen des Antimarxismus bilden sich schon in verschiedenen Ländern jene Organisationen, die nur darauf brennen, unter ihrer Diktatur die sozialistischen Bataillone auszurotten. Diese Gegenwartsnähe des Marxschen Wirkens erklärt sich daraus, daß dieser große Forscher und Seher als einziger die Problematik des kapitalistischen Systems, seine historische Vergänglichkeit nicht nur erkannt, sondern auch wissenschaftlich begründet, daß er als einziger aus diesen Erkenntnissen aktive revolutionäre Folgerungen gezogen, die im sozialistisch orientierten Emanzipationskampf des Proletariats ihren Ausdruck fanden. Heute ist diese„Problematik" der bestehenden Gesellschaftsordnung bereits ein Allgemeinplatz geworden. Heute gestehen bereits selbst die Nutznießer des kapitalistischen Systems seinen historischen Bankrott und seine Ausweglosigkeit ein. Aber hinter den Lamentationen der bürgerlichen Quacksalber taucht drohend das Quo vadis der kapitalistischen Gesellschaft auf, jene Schicksalsfrage, die zuerst Karl Marx aufgeworfen. Karl Marx und Friedrich Engels hatten aus ihren Forschungen, Beobachtungen und Erkenntnissen ein grandioses und erschütterndes Bild der kommenden gesellschaftlichen Entwicklung entworfen: Die widerspruchsvolle Anatomie der kapitalistischen Gesellschaft mußte mit ihrer Entwicklung ihren Antagonismus immer mehr verschärfen. Immer gewaltigere Kapitalkonzentrationen, nur von den Pro- fitinteressen ihrer Beherrscher geleitet. mußten aufeinanderstoßen und schließlich zu gewaltigen, vernichtenden Explosionen der entfesselten Produktivkräfte gegen die kapitalistische Aneignungsweise führen. Das zu Millionenmassen angeschwollene Proletariat, in gigantische Städte und Riesenfabriken zusammengeballt, mußte zuerst von den Auswirkungen dieser gesellschaftlichen Katastrophen betroffen werden, die auch die arbeitenden Mittelschichten schließlich in ihr Bereich zogen. Die ganze werktätige Bevölkerung, insbesondere das Proletariat, schon in der vergangenen Zeit durch den Mechanismus des Klassenkampfes sozialistisch geschult und organisiert, wird von den gesellschaftlichen Kräften radikali- siert und in revolutionäre Bewegung gesetzt, es ergreift schließlich die Staatsmacht, enteignet die entscheidenden Produktionsmittel, um sie statt im Profitinteresse der einzelnen zum Wohle der Gesamtheit zu gebrauchen. Diese Voraussage ist in fast allen Punkten eingetroffen. Es tut aber dem Verdienst der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus keinen Abbruch, es macht im Gegenteil die ganze Schwierigkeit und die ungeheure Leistung ihrer historischen Prognose erst voll bewußt, wenn wir zugeben, daß sie in einer wichtigen Annahme von 4er geschichtlichen Wirklichkeit widerlegt worden sind: Marx und Engels waren fest davon überzeugt, daß die gesellschaftliche Entwicklung zum Sozialismus führen müsse, daß die proletarische Erhebung und die sozialistische Revolution ebenso eine histo- rinnen! rische Zwangsläufigkeit darstellen wie die bürgerliche Revolution. Sie nahmen an, daß der immer mehr zutage tretende Bankrott des Kapitalismus im Verein mit der Agitation der sozialistischen Parteien das Proletariat zwangsläufig zu sozialistischer Gesinnung und politischer Gestaltung der neuen Gesellschaft führen werde. In dieser Annahme hatten sie aber geirrt In allen anderen Voraussagen aber haben sie vor der Geschichte recht behalten: Der Weltkapitalismus hat tatsächlich seinen furchtbaren Bankrott erlebt. Seine Zusammenhänge sind endgültig aus den Fugen. Die Auswirkungen für alle Nationen sind schreckenerregend und drohen zu einer völligen Vernichtung der modernen Kulturwelt in barbarischen Kriegen und Wirtschaftskatastrophen zu führen. Die arbeitenden Massen leiden unerhört. werktätige Mittelschichten und das Proletariat werden geradezu pauperisierL Diese Schichten geraten in Bewegung, sie werden radikalisiert. Aber— hier liegt der entscheidende Unterschied zur Marx- Engels-Voraussage— zwar radikalisiert, aber nicht im Sinne des Sozialismus. Die Tatsache, daß das Proletariat als Teil der bürgerlichen Gesellschaft auch deren Geisteshaltung und Vorstellungen unterliegt, also die Tendenz der bürgerlichen Ideologienbildung, der auch die Arbeiterklasse in vollem Maße unterworfen ist, schaffen eine geschichtliche Lage, die nicht unbeträchtlich unterschieden ist von der Marx-Engelsschen Annahme, die heute noch für die meisten Sozialisten als ein unantastbares Dogma gilt. Die werktätigen Massen werden von der Krise des Kapitalismus in Bewegung gesetzt und radikalisiert Von den Auswirkungen der gesellschaftlichen Katastrophe gepeinigt und gejagt, beginnen sie nach neuen Wegen und Zielen zu suchen und zu tasten. Aber in dem Bannkreis bürgerlicher Vorstellungen gefesselt, können sich alle ihre gesellschaftlichen Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen auch nur im Rahmen der gesellschaftlichen Gegenwart bewegen. Volksgemeinshaft, Nation. gerechter Lohn, Konjunkturbesserung, eigener Wohlstand, persönlicher Aufstieg — das sind die Grenzen, in denen sich die Hoffnungen und der Glaube der Massen bewegen. Das ist auch die ideologische und politische Linie der faschisti- schen Revolution. Unter diesem Aspekt gewinnt ihre Erscheinung ein ganz neues Antlitz. Es kann nicht geleugnet werden, daß sie in der katastrophalen Zuspitzung der kapitalistischen Widersprüche der Niedergangsperiode ihre Wurzeln hat, es kann nicht bestritten werden, daß spontane, aus dem kapitalistischen Niedergang geborene gesellschaftliche Kräfte ihre Antriebe bilden. Die faschistische Revolution ist gewissermaßen eine durch die bürgerliche Ideologienbildung ins Reaktionäre umgebogene proletarische Revolution, ihr negatives Spiegelbild: sie ist der spontane, automatische(unbewußte)„Ausweg" der Gesellschaft aus den vernichtenden Widersprüchen der kapitalistischen Untergangsepoche. Darum ist es gewiß kein Zufall, daß der einzige bisher bestehende sozialistische Staat, die Sowjetunion, und die beiden faschistischen Staaten, Deutschland und Italien— bei entgegengesetztem gesellschaftlichem Inhalt— in zahllosen äußeren Formen ihres staatlichen Lebens übereinstimmen und daß der deutsche Faschismus in seinem Wappenschild das Wort„Sozialismus" trägt. Entgegengesetzt ist der historische Wille ihrer jeweiligen Staatsparteien, den Sozialismus erstrebend bei den Bolschewiki, den Kapitalismus erhaltend bei den Nationalsozialisten und Faschisten. Und daher die U. d. S. S. R. trotz ihren Fehlern und Mängeln ein Element neuer menschlicher Ordnung und gesellschaftlichen Aufstieges; die faschistischen Staaten dagegen Motoren des kapitalistischen Niederganges, die Menschheit weiterstoßend auf dem Wege zur Barbarei, auf dem Wege des Versinkens ins Chaos. Die aus den gesellschaftlichen Beziehungen des Kapitalismus resultierenden geistigen und ideologischen Schranken bannen die Menschen der bürgerlichen Gesellschaft in den engen Kreis bürgerlicher Einsichten, verlegen damit auch den werktätigen Massen den Weg zur s p o n- tanen Herausarbeitung von Vorstellungen. Zielsetzungen, die über die gegenwärtige Gesellschaft hinausführen und damit auch den Weg zu spontaner politischer Entwicklung zum Sozialismus. Damit verwandeln sich aber die aus den kapitalistischen Widersprüchen geborenen revolutionären gesellschaftlichen Triebkräfte in blinde vernichtende Naturgewalten, die anstatt fortschrittlich, also zum Sozialismus führend, reaktionär wirken; sie werden faschistische Triebkräfte, die selber Ergebnis der geschichtlichen Spontaneität, die historische Automatik des kapitalistischen Niederganges darstellen und sie vorwärtstreiben. Der Weg zum Sozialismus dagegen muß entgegen diesen automatischen Niedergangstendenzen von solchen Menschen bewußt beschritten und gestaltet werden. die die Einsicht in die Gesetze und Tendenzen der Geschichte haben. Sozialistische Politik ist die Aktion revolutionärer sozialistischer Organisationen, ist bewußte Geschichtsgestaltung durch d:e marxistische, klassenkämpferische, sozialistische Arbeiterpartei, die ein klares Bewußtsein ihres Weges und ihres Zieles hat Sind die Parteien der Sozialistischen Arbeiterinternationale zu solcher Politik fähig? Niemand wird das behaupten. Gerade gegenwärtig zeigt sich sogar in verschiedenen sozialistischen Arbeiterparteien ein gewisses Bestreben, den faschi- Elsa Brandström enteignet! Deutscher Dank vom Dritten Reich. Ais im Jahre 1914 der Krieg ausbrach, lebte Elsa Brandström in Petersburg. Ihr Vater war der schwedische Gesandte in Rußland. Es ging ihr gut, sie hatte, persönlich, um nichts zu sorgen, um nichts zu fürchten. Aber das Leid des Krieges packte sie. Der Schrecken der Zeit griff ihr ans Herz. So kam ihr die Idee, die Not der deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien zu lindern. Ein Hilfswerk riesenhaften Umlangs, von Elsa Brandström überlegen organisiert, wuchs aus dem zerwühlten, blutdurchströmten Boden Europas. Hunderte von Eisenbahnzügen mit Lebensmitteln und Medikamenten rollten über die schwedische Grenze nach Rußland. Das Leben in den Gefangenenlagern wurde humaner— Elsa Brandström sorgte dafür. Kranke fanden in gut geleiteten Lazaretten Aufnahrae— Elsa Brandström wachte darüber. Manchen Sterbenden tröstete sie. Versprach ihm, für seine Kinder zu sorgen. Und hielt Wort Es mögen jetzt ungefähr fünf Jahre her sein— da stieg ich an einem trüben Herbsttag im rieselnden Regen nach Schloß Neusorge empor: nach Schloß Neusorge bei Mittwclda im blühenden raittelsächsischen Hügelland. Man hatte mir erzählt daß aus dem alten Ritterschloß ein Kinderheim geworden sei, das von Elsa Brandström geleitet werde; aber daß die große, schöne, blonde und überhaupt urarisch aussehende Dame, die inmitten des Burghofes stand und Kohlen schippte, Elsa Braudström sei, hätte ich nicht geglaubt, wenn sie mir's nicht zweimal fest versichert hätte —: Gesandtentöchter stellt man sich nun einmal nicht so leicht beim Kohlenschippen vor. Itattr Hormmlg Ich bestelle den.fleuen Vorwärts" und erwarte regelmäßige Lieferung von nächster Nummer an. Nmu und Vomtm» Wohnori und PodmätU Sb-uit und Bt Diesen Bestellschein bitte auslüllen, ausschneiden und an: Verwaltung euer Vorwärts', Karlsbad, CSR., Haus „Graphia". senden. stischen Tendenzen Konzessionen zu machen, in der Illusion, die faschistische Entwicklung dadurch aufzuhalten. Solche Tendenzen legen Zeugnis ab von der ungeheuren Stärke der ideologishen Verbürgerlichungskräfte, denen auch die Arbeiterparteien unterliegen, Sie zeigen, wie sehr auch die sozialistischen Parteien Objekt und Opfer der geschichtlichen Entwicklung zu werden drohen. Sie weisen hin auf die Gefahr einer völligen Vernichtung der sozialistischen Bewegung. In dieser Situation rufen die revolutionären Sozialisten Deutschlands ihre Kameraden in allen Ländern zur Besinnung und Umkehr. Schwer und schmerzlich sind die Schläge, die uns getroffen. Die Geschichte schreibt mit Blut und Tränen die Lehren des sozialistischen Freiheitskampfes. Wenn die Arbeiterklassen der noch demokratischen Länder es verstehen werden sie zu lesen, werden sie ihren Völkern faschistische Diktaturen und neue Kriege ersparen. Vor uns aber steht heute die Aufgabe, unter der terroristischen Herrschaft der deutschen faschistischen Reaktion die Fahne des marxistischen Sozialismus hochzuhalten, unablässig an dem Sturze der Barbarenherrschaft zu arbeiten, um den werktätigen Massen in Deutschland den Weg zum Sozialismus fieizumachen. Wir wissen, daß jeder Schritt vorwärts auf diesem Wege auch einen Anstoß für das internationale sozialistische Proletariat bedeutet, die Zeit der Verwirrung zu überwinden und mit neuen Kräften dem sozialistischen Freiheitsziel zuzustreben. In diesem Bewußtsein werden wir kämpfen. Dann zeigte sie mir vollen Stolzes ihr Heim, das die Begeisterung geschaffen hat und der unermüdliche Eifer auf geldbringenden Vortragsreisen quer durch Amerika. Hundert Kinder führten hier in Neusorge bei Spiel und Sport und maßlos viel Milch ein frisches Leben des Friedens und der Freude. Sie alle waren Kriegswaisen, ihren Vätern hatte Elsa Brandström im fernen Sibirien die Augen zugedrückt. Als ich ging, klein neben so viel Kraft und Güte, erzählte Elsa Brandström nebenbei, daß sie auch in der Nähe der ostsächsischen Stadt Kamenz ein Erholungsheim für ehemalige Kriegsgefangene geschaffen habe. Es hieß Marienborn oder so ähnlich. Ein Leben für Deutschland— das war die Tat der reinrassigen Arierin Elsa Brandström. Jetzt haben die Nationalsozialisten ihr Vermögen, wahrscheinlicher noch ihr Lebenswerk, das ihnen wohl ohnedies viel zu pazifistisch war, beschlagnahmt, well sie mit einem Sozialdemokraten verheiratet ist, einem ehemaligen Beamten im Sächsischen Wohlfahrtsministerium. Sie ist Mutter eines kleinen Kindes und erlebt jetzt, daß Deutschland ihr und ihrem Kinde das letzte Stück Brot nimmt Es gibt ein Kapitel von der deutschen Treue im Dritten Reich. Und es gibt auch ein Kapitel von deutscher Dankbarkeit! Ergo. Emigrantenpässe Eine Aufgabe für den Völkerbund. Das in Genf erscheinende„Journal des Nations" beschäftigt sich in einem bemerkenswerten Artikel mit den internationalen Schwierigkeiten, die durch den Ausbruch des Dritten Reiches in Deutschland entstanden«ind. Das Blatt erinnert daran, daß die Kommission des Völkerbundes für Flüchtlingswesen sich bereits im Jahre 1927 mit der Eraigrantenfrage beschäftigt hat Damals hatte die Kommission vorgeschlagen, daß den Regierungen der Zufluchtsländer gestattet werden sollte, Pässe oder Identitätskarten auszustellen, die dann dieselbe Geltung besitzen sollten, wie ordentliche nationale Pässe. Das„Journal des Nations" setzt sich lebhaft für diesen Vorschlag ein, der damals an dem Widerstand Italiens gescheitert ist Das Problem war bereits in diesem Jahre Gegenstand der Debatte in der 17. Session der Internationalen Arbeitskonferenz, die einer Anregung der Arbeitnch- mergruppe folgend, eine Resolution zugunsten einer internationalen Regelung der Existenzbedingungen der deutschen Flüchtlinge annahm. CheraiKfa�pharaMzrotudm[jboratorinn, rochl erfahrenen Chemiker'SStaSJ«� Bei Aoffeboteu frühere Arbeitsstellen angeben.— Grlnleld' Fnrmacon KUdilnew, Bessarablen, Rumänien Herausgeber; Ernst Saftler, Karlsbad. Verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn, Karlsbad. Druck;„Graphia" Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P.D. ZI. 159.334WII-1931 fädlaqe des Thum. Votwäds Tic. 16 Lehren der Niederlage Antwort an Oda Olberg Die Veränderungen in den Voraussetzungen für den Kampf der Arbeiterklasse, die der Sieg des Faschismus verursacht hat, sind so ungeheuer, daß wir bisher noch nicht eine annähernde Vorstellung über ihr Ausmaß haben. So glaubt die Genossin Oda Olberg(in ihrem Beitrag zur Parteidiskussion Kritik der Kritik im „N. V." Nr. 14), unsere Niederlage mit dem Maßstab einer wenn auch vernichtenden Wahlschlappe messen zu können. »Diese Niederlage schafft wohl neue Machtsituationen, aber durchaus kein neues Problem, keine neue Aufgabe." Nichts wäre für die sozialistische Bewegung verhängnisvoller, als sich über den Charakter der erlittenen Niederlage zu täuschen und daraus falsche Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Eine Niederlage der Arbeiterschaft im Rahmen der demokratischen Republik, etwa in der Art der Niederlage vom Mai 1924, schafft nur eine neue Machtsituation, d. h. ein verändertes Kräfteverhältnis. Sie erhält jedoch den Kampfboden, auf dem frühere Siege erkämpft und die augenblickliche Niederlage erlitten Vurden und zerstört nicht die Organisationen der Arbeiterklasse. Die jetzt erlittene Niederlage hat jedoch nicht eine Machtposition geschaffen, sondern den Boden, auf dem der Kampf ausgetragen, samt den Kräften, mit denen er geführt wurde, vernichtet. Das erst macht die erlittene Niederlage zur Katastrophe. Der Kampf um den Sozialismus tritt in eine neue Phase ein, da er in Zukunft auf einer von der bisherigen im Wesen verschiedenen Basis geführt werden wird. Darum wirft diese Niederlage die Problematik des zukünftigen Kampfes grundsätzlich auf. In Deutschland selbst und in weiten Kreisen der sozialistischen Emigration ist nian sich— im Gegensatz zur Genossin Olberg— darüber einig und glaubt, daß nian„neu beginnen" muß. Sowohl die Kielsetzung, wie die Taktik und die Or- ganisationsforraen der sozialistischen Bewegung müssen vom neuen geformt werben. Gewiß, die klassenlose sozialistische Gesellschaftsordnung war und bleibt das Endziel. Entscheidend für den politischen Kampf ist jedoch nicht das Endziel, sondern die unmittelbare politische Kielsetzung. Hier liegt indessen zwischen der Zielsetzung des alten und des neuen„Vorwärts" ein wesentlicher Unterschied. Die bisherige Konzeption der Sozialdemokratie läßt sich in die �orte fassen: Verteidigung der demokra- dschen Republik und ihr Ausbau zum "Sozialen Volksstaat". Sie war politisch konservativ und wirtschaftlich revolutio- när. Die konkrete Zielsetzung der deutschen Arbeiterbewegung kann jetzt nur Machteroberung und soziale Umwälzung heißen; sie ist damit sowohl politisch wie Wirtschaftlich revolutionär. Die veränderte Zielsetzung bringt eine Aenderung der Taktik mit sich; beide sind die notwendige Folge des Sieges des Paschismus. Die Tätigkeit der deutschen Sozialdemokratie erschöpfte sich im wesentlichen im parlamentarischen Tageskampf. ihre Taktik baute sich nicht auf einer bestimmten Perspektive auf und War im wesentlichen von den augenblick- hchen Nöten der Arbeiterschaft bestimmt: 'hre Ergebnisse lagen auf dem Gebiete der Sozialpolitik. Fast alle großen Kämpfe Wurden uns durch den Gegner aufgezwun- �en(Kampf um das Sozialistengesetz, kiottentottenwahlen) oder durch äußere Efeignisse verursacht(Wahlrechtskämpfe 115 Preußen als Folge der russischen Resolution von 1905, Novemberrevolution Folge des militärischen Zusammen- bruchs im Weltkrieg). Diese Taktik war reformistisch, da ihr Sinn Erreichung von Reformen und nicht Vorbereitung eines Eadkampfes war. Es fällt außerhalb des Gahmens dieses Aufsatzes zu untersuchen, '"wieweit diese Taktik von der ökono- ""schen Entwicklung bedingt war. . Per totale faschistische Staat raubt er I aktik im alten Sinne überhaupt jeden Boden: gegen den totalen Staat— totale Revolution. An Stelle der Erkämpfung von Tagesforderungen tritt die Vorbereitung des entscheidenden Kampfes. Vor der Arbeiterschaft steht eine reale Perspektive; die Eroberung der politischen Macht, der jede Aktton untergeordnet ist Träger dieser Taktik werden andere Organisationen sein, als die durch jahrzehntelange Arbeit geschmiedeten und in wenigen Wochen vernichteten Organisationsgebilde des deutschen Proletariats. Arbeiterbewegung und Massenorganisationen waren bisher identische Begriffe. Der illegale Kampf schließt Massenorganisationen aus. Im Gegensatz zur jüngsten Vergangenheit werden alle Kampforganisationen in Deutschland auf einen geringen Bruchteil der Arbeiterschaft beschränkt sein. An Stelle des bisherigen Strebens nach der organisatorischen Erfassung möglichst weiter Schichten tritt jetzt die Aufgabe der ideologischen Beeinflussung der durch die faschistische Diktatur revolutionierten Massen. Während bisher die Macht der Arbeiterklasse geradezu eine Funktion ihrer Organisiertheit war, wird im Augenblick. wo die sozialistische Bewegung im entscheidenden Kampfe wieder an die Oberfläche kommen wird, die ideologische Klarheit und moralische Festigkeit der durch den illegalen Kampf geschmiedeten Kaders ihre Stärke entscheiden. Vom Bewußtsein dieses Kernes wird es abhängen, ob die deutsche Arbeiterbewegung in diesem Augenblick ihrer geschichtlichen Aufgabe gerecht werden wird- Diese Faktoren Obersieht Genossin Olberg, wenn sie schreibt:„Dieselbe Aufgabe, vermehrt um all die ungetane Arbeit, wie sie unsere Niederlage enthüllt". Die erlittene Niederlage hat nicht nur unsere Schwächen und Fehler enthüllt sondern auch die Voraussetzungen vernichtet, unter denen sie gemacht wurden und unter denen das Versäumte nachgeholt werden könnte. Die deutsche Arbeiterklasse wird wahrscheinlich nie mehr auf dem Boden einer demokratischen Republik gegen rebellierende Mittelklassen und Bauernschaft die Staatsform und sozialpolitische Errungenschaften zu verteidigen haben— und auf diesem Gebiete lagen unsere Fehler. Insoweit hat die Kritik der Vergangenheit nur einen relativen Wert; sie kann uns nicht lehren, wie etwas, was„falsch" gemacht werde, in der entsprechenden Lage„richtig" zu machen ist: dieselben Voraussetzungen werden, wie gesagt, in Deutschland nicht mehr eintreten. Lehren dafür, wie im Kampfe mit dem totalen faschistischen Staatsapparat die Macht zu erobern ist und wie, um sie zu sichern, durch die Enteignung bestimmter Teile der kapitalistischen Klassen und des Großgrundbesitzes der Weg der sozialen Revolution zu beschreiten ist, werden aus der Praxis der Sozialdemokratie vor 1918 bis 1933 nicht geschöpft werden können. Eine Analyse der Vergangenheit ist mehr als Selbstkritik und ist notwendig. Sie wird uns zeigen, was an der Taktik beider Arbeiterparteien und damit an der Spaltung geschichtlich bedingt war und mit dem Untergang der beiden Parteien in die Vergangenheit übergehen muß. Sie wird damit das größte Werk vorbereiten, das die demoralisierte, hoffnungslose, passive Arbeiterklasse zum Siege befähigen kann: die E i n h e i t G. Peter. Juristen zum Reichstagsbrand Der Internationale Bund sozialistischer Juristen hat zum Leipziger Prozeß einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Der Reichstagsbrand vom 28. Februar 1933 war der unmittelbare Anlaß für die Zerstörung der Kommunisten und der Sozialdemokratischen Partei, der Beginn einer Schreckensherrschaft ohne Vorbild, er brachte die Auflösung des Rechtsstaates, führte schließlich zur Vernichtung aller nicht-nationalsozialistischen Partelen und zur Alleinherrschaft der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Noch am Abend des 28. Februar 1933 ver- kündte der amtliche preußische Pressedienst, daß die„Brandstiftung der bisher ungeheuerlichste Terrorakt des Bolschewismus in Deutschland sei" und daß„der Brandstifter aus dem Reichstag in seinem Geständnis die Verbindung mit der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zugegeben" habe. Obwohl der Untersuchungsrichter des Reichsgerichtes am 22. März 1933 öfientllch erklärte, daß für die Beteiligung anderer Partelen als der kommunistischen nicht der geringste Anhaltspunkt gegeben sei, ist keine der Maßnahmen, die auf dem angeblichen Geständnis des Angeklagten Van der Lübbe beruhten und die gegen die Sozialdemokratie und ihre Presse gerichtet waren, rückgängig gemacht worden. Am Morgen nach dem 28. Februar 1933 beseitigte die Verordnung des Reichspräsidenten die Grundlagen des Rechtsstaates, die Freiheit der Person, der Presse, der Meinung, des Vereins- und Versammlungsrechtes und des Eigentums- Die Willkür unkontrollierter Staatsorgane verbunden mit dem Terror der braunen Privatarmee wurde an diesem Abend des 28. Februar zum leitenden deutschen Rechtsprinzip erhoben. Eine Fülle von Umständen spricht dafür, daß der Reichstag von Nationalsozialisten unter Billigung maßgeblicher Partei- und Staats- ftihrer angezündet worden Ist, um die Widerstände des Reichspräsidenten und der Reichswehr gegen die Verleihung der Diktaturgewalt an Hitler zu brechen. Es handelt sich daher in diesem Prozeß nicht allein darum, festzustellen, ob die Ange klagten schuldig sind oder nicht, sondern auch und entscheidend um die Ermittlung der wahren Täter und damit um die Aufklärung über die rechtlichen und moralischen Grundlagen der Hitlerdiktatur, Der Aufruf zeigt weiter, daß die deut sehe Justiz in ihrem gegenwärtigen Bestand zur Lösung dieser Aufgabe ganz unfähig ist und fordert noch einmal die Zulassung ausländischer Rechtsanwälte. Der Aufruf trägt die Unterschriften von Emile Vandervelde(Brüssel), Jean Longuet(Paris), Löon Blum(Paris), Mau rice Delepine(Paris), Dr. Karl Renner (Wien), Dr. Franz Soukup(Prag), Dr. Carl Heller(Prag) und andere bekannter Persönlichkeiten der internationalen Juristenwelt. Kaltgestellte „Führer" Die„Nationalsozialistische Korrespondenz" gibt eine Verfügung wieder, die„der Chef des Stabes" erlassen hat In diesem neuesten Ukas wird eine sorgfältige Unterscheidung zwischen aktiven, zugeteilten, zur Verfügung gestellten und verabschiedeten SA.-Führern getroffen. Die einen dürfen Tressen tragen, die anderen nicht, die einen dürfen ihren Dienstanzug täglich, die anderen dürfen ihn nur„bei festlichen Gelegenheiten" anziehen und was so der Kommlsvorschriften mehr sind. Auf diese Weise erfährt der staunende Nicht- SArier, was es im Bereich des braunen Drills alles gibt.„Verabschiedete SA-Führer sind nicht mehr Angehörige der SA.". Wieviel Kaltgestellte dieser Art muß es geben, wenn sie in eine eigene Gruppe eingereiht werden, wieviel Stunk und Krach mag einer solchen „Verabschiedung" jedesmal vorangehen?! Schon letzt würden die SS.- und SA.-Af{ären ganze Bände füllen. Wie wird das erst in Zukunft werden, wenn die Enttäuschung wächst und die Begeisterung weiter sinkt? Einstein gegen Diktatur Ein Brief und eine Unterredung. Professor Albert Einstein, der sich zur Zeit als Gast des englischen Abgeordneten Locker Lampson in dessen Blockhaus an der englischen Westküste befindet, hat von dort an die Redaktion des„Manchester Guardian" am 15. September folgenden Brief gerichtet: „Die von der Labour Party veröffentlichte Enthüllungsschrift:„Das kommunistische Sonnensystem" habe ich erhalten und mit Interesse gelesen. Wie andere Intellektuelle, die es als ihre Pflicht empfinden, nach besten Kräften der Sache der Humanität zu dienen, bin auch ich ein Opfer eines Mißverständnisses geworden über die wahren Ziele gewisser Organisationen, die in Wirklichkeit nichts anderes als getarnte Propagandaorganisationen des russischen Despotismus sind. In Unkenntnis ihrer wirklichen Absichten habe ich nichts getan, um den Gebrauch meines Namens durch die „Internationale Arbeiterhilfe" und die„Anti- kriegsbewegung" oder ähnliche Organisationen zu verhindern; doch möchte ich jetzt feststellen, daß ich niemals den Kommunismus begünstigt habe und dies auch jetzt nicht tue. Die Gefährlichkeit dieser Organisationen liegt darin, daß sie aufrichtige Freunde des menschlichen Fortschritts und der wirklichen Freiheit irreführen. Nach meiner Ueberzeugung ist jede Macht, die das menschliche Individuum durch Terror und Gewalt versklavt, eine Feindin der Menschheit— gleichviel, ob sie unter faschistischen oder kommunistischen Fahnen marschiert. Alles, was wertvoll ist in der menschlichen Gesellschaft hängt von den Möglichkeiten ab, die dem Individuum für seine Entwicklung gegeben sind. Ich habe die Ehre, zu bleiben Ihr ergebener Albert Einstei n." Die scharfe Wendung des berühmten Gelehrten gegen den Bolschewismus hat allenthalben das größte Aufsehen hervorgerufen. Nicht minder interessant als der Brief an den„Manchester Guardian" ist ein Gespräch Einsteins mit einem Mitarbeiter des„Daily Herald", dem wir folgende Stellen entnehmen; Als ich über die etwas schäbige Summe von 20.000 Mark sprach, die von den Nazis auf seinen Kopf gesetzt wurde— vielleicht einen der wertvollsten Köpfe der Welt— lachte Einstein. „Diese Leute sind wirklich sehr dumm", sagte er,„ich glaube nicht, daß sie ihre Drohung wirklich ernst meinen. Aber der Mord an Lessing zeigt, daß es immer fanatische junge Leute gibt, die ihre Führer ernst nehmen. Sie möchten Helden werden; und sie wissen, daß der Mörder der wahre Held des Dritten Reiches ist Jeden Tag ereignen sich Gewalttaten in Oesterreich, Luxemburg und anderwärts, und sie benützen die Gelegenheit, ohne viel Risiko große Helden zu werden. Ganz Deutschland ist heute in einem Zustand barbarischer Hysterie, der grausamste Abscheulichkeiten erzeugt. Die Nazis respektieren nur ein Land— England. Sie glauben noch immer, daß in naher Zukunft die britische öffentliche Meinung sich wandeln werde. Rosenberg und Hitler vertrauen darauf, daß England Deutschlands Bundesgenosse werden müsse, deshalb beachten die Nazis die öffentliche Meinung Großbritanniens mehr als die irgend eines anderen Landes. Eine Gewalttat, in England verübt, würde die Hitler-Regierung sehr in Verlegenheit setzen. Sie würde nie einen Streit mit Großbritannien riskieren." Einstein ist ein überzeugter Demokrat. «i „Deshalb war ich trotz dringlicher Einladungen nicht In Rußland", erklärte er,„mein Besuch in Moskau wäre sicher von der Sowjetregierung zu ihrem eigenen politischen Vorteil ausgenützt worden. Ich bin ebenso gegen den Bolschewismus wie gegen den Faschismus. Ich bin gegen jede Diktatur. Ich könnte weder in dem vom Faschismus überschatteten Italien leben noch in Rußland unter' r Aegide der GPU; und noch weniger natürlich in Deutschland, auch wenn es mir möglich wäre, mich dort aufzuhalten. Mit Deutschland m seinem gegenwärtigen Zustand habe Ich keinerlei Sympathie." „Hitlers Aussichten? Es gibt etwas, das mir den nahen und unvermeidlichen FaH des Hitler- regimes anzuzeigen scheint Es stod nicht die Gegner des Regimes, auf die ich zähle. Es Ist die Dummheit der Nazis selbst. Es ist gesagt worden, daß der größte Dummkopf regieren kann, das ist nicht war; ohne einen Funken Intelligenz kann nicht einmal ein Diktator, der von Bajonetten flankiert ist fortdauernd regieren. Hitler und seine Mannen besitzen eben nicht einmal das unbedingt nötige Körnchen Intelligenz. Ich kann nicht begreifen, warum sich nicht die ganze zivilisierte Welt vereint um diesem modernen Barbarismus ein Ende zu machen." Dann kam Frau Einstein herein. Andre Besucher warteten. Mörderasyl Italien Die Internationale des Nationalismus. Wenn man die KPD. eine russische Partei genannt hat, so kann man mit noch größerem Recht die NSDAP als die italienische Partei Deutschlands bezeichnen. Die Geschichte des italienishen Einflusses in der innenpolitischen Entwicklung anderer Ländern— in Oesterreich ist er neuerdings ganz offenkundig— wird hoffentlich noch einmal geschrieben werden. Einen bemerkenswerten Beitrag zu ihr liefert die Königsberger„Preußische Zertung". Am Morgen des 1. August, nach den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932, war Ostpreußen der Schauplatz einer von den Nazis inszenierten Schlächterei. Planmäßig drang SA in die Wohnungen nicht gleichgeschalteter Politiker ein, um sie zu ermorden oder zu verwunden. Ein der Volkspartei nahestehender Regierungspräsident a. D. wurde vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder niedergeschossen. Der Chefredakteur der sozialdemokratischen„Volkszeitung" Wyrgatsch wurde im Bett überfallen und schwer verletzt Der Kommunist S a u f f wurde erschossen. Eine ganze Reihe anderer Personen wurde mehr oder weniger schwer verwundet. Diese Vorgänge sind vor kurzem in der „Preußischen Zeitung" verherrlicht worden. In einem Lande, in dem Mörder mit vorschriftsmäßiger Gesinnung offiziell die höchsten Ehrungen erfahren, ist das an sich weiter kein Wunder. Aber nun höre man, wie die Geschichte weitergeht. Nach vollzogenen Morden und Mordversuchen war natürlich— echt nationalsozialistisch!— Ausreißen der nächste Gedanke. Vier der Verbrecher wurden gefaßt. Die anderen flüchteten über Oesterreich nach Italien. Wie es ihnen dort ging, darüber berichtet nun das Königsberger Hakenkreuzorgan das folgende: Hier hatten sie zunächst mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden und hauptsächlich das Mißtrauen der maßgeblichen Partcistellcn in Mailand aus dem Wege zu räumen. Aber dann wurde ihnen in größtem Maße die Hllie und Unterstützung der italienischen Faschisten zuteil Im Laufe des Oktober hatten die SS-Kamera- den sich in Italien wieder alle zusammenge- fpunden und zu Weihnachten kamen auch die vier Linzer Kameraden in Italien an. Die Faschisten hatten den an sich zur Tatenlosigkeit verurteilten deutschen Nationalsozialisten einen Sportplatz zur Verfügung gestellt, damit sich die jungen Männer körperlcih ausarbeiten und stählen konnten, um das traurige Los etwas leichter zu ertragen. Dann hatten die Faschisten die SS-Kameraden zu einem Ausflug nach Vennedig eingeladen und sie durch einen deutschsprechend«! Offizier durch die Stadt und vielen Sehenswürdigkeiten führen lassen. Auch sonst gab man den Deutschen viel Gelegenheit, die faschistischen Einrichtungen kennen zu lernen. Im März 1933 traten die ostpreußischen Mordgesellen die Rückreise an. Hitler hatte seinen Staatsstreich gemacht, Gericht und Polizei waren, wo es um nationalsozialistische Verbrecher ging, nicht mehr vorhanden. Das Dritte Reich öffnete weit die Arme, seine Mörder zu empfangen. Italien aber konnte seine blutigen Emigranten wieder entlassen. Sie brauchten es nicht mehr und es brauchte sie nicht mehr. Italien hatte in Deutschland gesiegt! Eintopf-Lyrik In der deutschen Mlsemeincn Zeitung" Nr. 416—417 dichtet Frakun: „Wer über Hammeltleisch mit Unsen Nur weiß verachtungsvoll zu grinsen, Der hat vermutlich unterdessen Den Winter siebzehn schon vergessen." Finanzen treiben ins Chaos Rauh«ii den Landarbeitern Die letzte Woche hat unter Verübung des gewohnten Tamtams eine ganze Reihe finanzieller und wirtschaftlicher Gesetze und Pläne gebracht. Es ist die übliche Mischung von Arbeiterfeindlichkeit, agrarischer Hochschutzpolitik und finanziellem Dilettantismus, Nachdem schon vor kurzem die Hausgehilfen aus der Arbeitslosenversicherung herausgenommen und wieder im Falle der Arbeitslosigkeit der Armenpflege überantwortet werden, wird jetzt ein zweiter härterer Schlag geführt Alle Beschäftigten der Land- und Forstwirtschaft, des Gartenbaues und der Binnenfischerei, einschließlich der Teichwirtschaft und der Küstenfischerei, werden aus der Versicherung herausgenommen. Damit wird eine alte, von der Arbeiterschaft stets leidenschaftlich und mit Erfolg bekämpfte Forderung der Großgrundbesitzer und Großbauern restlos erfüllt Die Arbeitslosen auf dem Lande fallen künftig ohne jeden Rechtsanspruch der elenden Armenpflege der bankrotten Landgemeinden anheim, auf deren Verwaltung ihnen die Diktatur jeden Einfluß geraubt hat Bankrott der Gemeinden Die kommunale Gesamtverschuldung beträgt 11.3 Milliarden RM; davon sind etwa 2 Milliarden kurzfristig: die langfristigen Inlandsschulden betragen(ohne 21/2 Milliarden Altschulden) über 5 Milliarden. Der Rest entfällt auf mittelfristige und Auslandsschulden. Die Zinslast wird auf ca. 750 Millionen geschätzt; die Durchschnittsverzinsung beträgt zwischen 6 und 7 Prozent. Die steigende Verwirrung auf dem Kapitalsmarkt, die den gesamten öffentlichen Kredit in Mitleidenschaft zog und die Kurse aller festverzinslichen Papiere immer tiefer drückte, zwang endlich die Regierung zum Eingreifen. Die längst fällige Sanierung der Gemeinden soll nun in der Hauptsache auf zweierlei Weise erfolgen. Einmal durch die Umschuldung der kurz- und mittelfristigen Schulden in einem Betrag von 2— 3 Milliarden RM. Die Gemeinden können einem Umschuldungs verband beitreten und dann ihren Gläubigern die Umwandlung ihrer kurzfristigen Forderungen in langfristige Schuldverschreibungen anbieten. Diese werden mit 4 Prozent verzinst und vom 1, Oktober 1936 ab mit 3 Prozent jährlich getilgt Natürlich wird der Gläubiger von dem Angebot sein Kapital statt sofort erst nach 21% Jahren— solange dauert es bis zur vollständigen Tilgung der Schuldverschreibungen— zurückzuerhalten und statt 6 oder 7 Prozent nur 4 zu bekommen, nicht entzückt sein. Nimmt er aber das wenig lockende Anerbieten nicht an, so wird er gezwungen. Denn er darf dann innerhalb der nächsten 5 Jahre weder Kapital noch Zinsen zurückverlangen. Man sieht, es handelt sich um einen Zwangsausgleich auf Kosten der Gläubiger. Diese sind aber, wie oben bemerkt die öffentlichen Kreditinstitute. Entfallen doch von den eigentlich kurzfristigen Kommunalkrediten nicht weniger als 60 Prozent auf die Giroverbände. Es wird von deren Lage abhängen, ob diese Institute diesen teilweisen Bankrott ihrer Schuldner aus eigener Kraft überstehen oder schließlich nicht mit Reichsmitteln gestützt werden müssen. Da die langfristigen Schulden zunächst nicht berührt werden, dürfte sich die Entlastung aus der Umschuldung auf 40 bis höchstens 60 Millionen belaufen— ein Tropfen auf einen heißen Stein. Infolgedessen mußte nach einer anderen Maßnahme, die ebenfalls schon längst, besonders von der Sozialdemokratie, verlangt worden war, gegriffen werden: nach der Entlastung der Gemeinden von den W ohllahr tsausgaben. Die Wohlfahrtsunterstützungen betrugen 1932 rund 1 Milliarde; 1933 wurden die Reichszuschüsse zunächst erhöht und die Unterstützungen zum Teil gekürzt Man schätzte deshalb die Ausgabenlast für 1933 auf 620 bis 650 Millionen, unter der Voraussetzung, daß der Reichszuschuß. der zuletzt im Monat 65 Millionen betrug, weiterbezahlt würde. Jetzt werden die Gemeinden von den Kosten der Krisenfürsorge befreit zu denen sie bisher ein Fünftel beisteuern mußten; dieses Fünftel wird von der Reichsanstalt übernommen. Es beläuft sich auf ungefähr 180 Millionen im Jahr, durch die die Reichsanstalt also belastet wird. Da aber die Herabsetzung der Reichszuschüsse wiederholt angekündigt worden ist, bleibt die endgültige Entlastung der Kommunen in ihrer Höhe durchaus fraglich. Der finanzielle Druck bleibt und pflanzt sich fort auf die Aermsten der Armen, auf die Wohlfahrtserwerbslosen. Hochhaltung der Getreideprelse. Die Sorge der Nationalsozialisten gilt in erster Linie den Agrariern, in zweiter den Hausbesitzern. Zunächst werden den Getreideverkäufern die jetzigen Roggen- und Weizenpreise, die das Vielfache der Weltmarktpreise betragen, als Mindestpreise garantiert, der Handel unter dem Preis verboten und die in ein Zwangskartell vereinigten Mühlen zum Abnehmen verpflichtet DadieHochhaltungder Getreidepreise, die hauptsächlich wieder den Großgrundbesitzern und Großbauern zugute kommt, eine weitere Ausdehnung der Getreideflächen, die zur Versorgung des Inlandsmarktes bereits heute ausreichen, mit sich zu bringen droht, werden die Besitzer vor einer solchen gewarnt. Da die Mahnung nichts nutzen wird, werden wohl im nächsten Jahre Zwangsmaßnahmen, die eine weitere Ausdehnung verhindern, fällig werden. Eine neue Zwangsbewirtschaftung, die immer weitere Kreise der Agrarproduktion in sich schließen wird, kündigt sich an. Steuern und Steuergeschenke. Der L Oktober ist ein entscheidender Termin. Die Umsatz-, Grund- und Gewerbesteuern, die bis jetzt zu 40 Prozent in der Form der Steuergutscheine zurückvergütet worden sind, müssen jetzt wieder voll gezahlt werden. Rapens leichtsinnige Spekulation auf eine Hochkonjunktur hat sich als völliger Fehlschlag erwiesen. Jetzt sollen die Steuern wieder in derselben Höhe wie im„ver- ruchten alten System" gezahlt werden und SOZIALISTISCHE REVOLUTION MONATSSCHRIFT FÜR DIE PROBLEME DES SOZIALISMUS Erscheint ab Oktober 1933. Umfang 32 Seiten. Preis Kl 4a-.(Ausland Kc 5*-) Auslieferung durch„Graphia", Karlsbad Kantstraße. auch das feierliche Versprechen, die Hauszinssteuer aufzuheben, bleibt natürlich uneingelöst. Dagegen wird die landwirtschaftliche Umsatzsteuer auf 1 Prozent gesenkt, und ebenso die landwirtschaftliche Grundvermögenssteuer ab 1. Oktober um einen Jahresbetrag von 100. Millionen herabgesetzt Schließlich ist den landwirtschaftlichen Schnapsbrennern noch besondere Gunst widerfahren; das Brennrecht wird von 85 auf 100 Prozent erhöht, trotzdem sich das Spiritusmonopol vor seinen unverkäuflichen Vorräten nicht mehr retten kann. Schließlich wird der sonst von den neuen Machthabern so begünstigte Automobilverkehr durch erhöhten Beimischungszwang von Alkohol noch die Kosten tragen müssen. Eine neue Subvention soll dem Haus- besitz zufließen. Zu Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten werden 500 Millionen neu bereitgestellt nachdem schon bisher 200 Millionen für diese Zwecke verwandt worden sind. Der Eigentümer muß das Vierfache des ihm aus den Reichsmitteln geschenkten Betrages aus eigenen oder geliehenen Mitteln aufbringen. Bei Wohnungsteilungen erhält er sogar die Hälfte aus Reichs- raitteln als Geschenk. Neu wird jetzt bestimmt daß ihm 4 Prozent des aufgewendeten Kapitalbetrages auf die Hauszinssteuer angerechnet werden. Natürlich verfügt das Reich nicht über die Möglichkeit eine halbe Milliarde aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen. Es werden also wieder Wechsel fabriziert werden, für deren Einlösung die Notenpresse zur Verfügung steht Dagegen werden aus Haushaltsmitteln 50 Millionen bewilligt zur Senkung der Grundsteuer des älteren Neuhausbesitzes. Sie werden bedingungslos gegeben, so daß eine Mietsenkung— auch diese früher von den Nationalsozialisten so stürmisch vertretene Forderung ist in der Versenkung verschwunden— damit nicht verbunden ist Der Reichsetat aber erfährt eine neue Belastung. 100 Millionen für die landwirtschaftliche Grundsteuer, die das Reich den Ländern ersetzt: 50 für die Grundsteuer des Hausbesitzes; 40—60 Millionen, für die landwirtschaftliche Umsatzsteuer: zu diesen 200 Millionen kommt die Belastung der Reichsanstalt, deren Etat ja nur formal von dem des Reiches getrennt ist: Uebernahme des Krisenfünftels der Gemeinden: 160—180 Millionen; Ausfall an Beiträgen der Land- und Forstwirtschaft: ca. 35— 45 Milionen. Insgesamt ergibt sich eine unmittelbare Neubelastung des Etats von über 400 Millionen, für die keine Dek- kung zur Verfügung steht. Nimmt man dazu die ständig abnehmenden Steuereinnahmen, die hinter den willkürlich erhöhten Schätzungen des Finanzffli' nisteriums um mindestens eine halb6 Milliarde zurückbleiben werden, so wird es zweifellos, daß ohne Berücksichtigung der ganz unkontrollierten Ausgaben für Rüstungen und anderes, das Defizit dj6 Milliarde erreichen wird, während di6 neuen Etats mit Milliarden beträgen für Einlösung der Steuergutscheine, Schatz* scheine und Arbeitsbeschaffungswechsel belastet sind. Immer deutlicher zeigt es sich, daß di6 nationalsozialistische Diktatur unfähig is� eine ordentliche Finanzwirtschaft zu füh* ren- Dr. Richard Kern- 4udi die Bauern•.•• Die Pressestelle des deutschen Reichs- baueraführers Darr6 teilt mit: „Bis zmn ersten Oktober des Jahres habe® laut Verfügung des Führers sämtliche Landes* bauernführer zu melden, welche Mengen v0® Lebensmitteln In ihren Landesbauernständ6® aufgebracht sind, um das Winterhilfswerk der Bewegung durchzuführen... In jedem Kr®'5 ist eine besondere Liste über die P*' sitzer zu führen, die sich weigern, für 00 leidende Volksgenossen Spenden m gebe0* Die Bauern werden sich freuen, die Winterhilfsschnüffler durch ihre Stä»® und Scheuern schleichen. So haben sl® sich das Dritte Reich nicht vorgesteß1- Die Mißstimmung in der LandbevölkertiO* wähst von Monat zu Monat— nur Junker sind zufrieden, denn sie bekoimb6® zugeschanzt, was den kleinen Bauern 3 Steuern und Abgaben aus der Tasche ie' zogen wird. Ein Toter klagt an! Felix Fedienbadts Briefe aus dem Gefängnis Wilde Tiere in Menschengestalt ermordeten am tDittwodi, dem 7. August, den reinen, selbstlosen Kämpfer Felix Fechenbach. Der Ermordete sollte aus dem Gerichtsgefängnis in Detmold nach Dachau gebracht werden, wurde jedoch„auf der Flucht erschossen". Die folgenden Auszüge aus Briefen des Ermordeten an seine Frau sind erschütternde menschliche Dokumente. Gegen Adolf Hitler und die ganze Kameraderie des flleuchelmordes, die heute Deutschland regiert, sind sie eine furchtbare Anklage. Detmold, 5. April 1933. Landzerichtsgefänznis. Deine Dispositionen halte ich für richtiz. Es 'sf besser. Du bist bei den Kindern, hier würdest Du doch mir allein herumsitzen. Heute hatte ich eine große Ueberraschung. Vater besuchte mich. Er ist die ganze Nacht dnrchzefahren und fährt heute Nacht wieder zurück. Er ist jetzt 74 Jahre und die ganze Sadie war für ihn recht anstrengend, ganz abgesehen von der seelischen Erregung, die die Kanze Affäre für ihn bedeutet. Sein Leben lang hat er sich redlich geplagt und gemüht und nicht viel gute Tage gesehen, viel Sorge und Kummer gehabt, und letzt muß ihm auch auf seinen alten Tagen noch durch meine Verhaftung Sorge bereitet werden. Ich kann leider nichts ändern. Wie die Dinge liegen, läßt sich letzt auch gar nicht absehen, wie lange die Haft dauern wird. Die Nachrichten von Dir und von den Kindern freuen mich immer am meisten. Es wird woh! eine ganze Weile dauern, ehe wir Nieder friedlich beisammen sein können. Nur die Gedanken können hinauswandern, zu Dir, zu den Kindern, zu der iungfrischen, neuerwachenden Natur--. Aber, was man nicht zu ändern vermag, darein muß man sich schik- l�n, hoffentlich erträgst Du die für Dich recht schwere Zeit mit zuversichtlichem Mut und läßt Dich nicht unterkriegen. Um mich brauchst Du Dich nicht zu sorgen. Kopf hochl Detmold, den 8. April 1933. Dein Brief bringt mir einen Frühlingsgruß 'n meine Zelle, Schlüsselblumen. In unserem harten werden Jetzt auch die ersten Blumen flöhen, die Ich im vorigen Frühjahr gepflanzt �be. Im Gefängnishof, den mir jeden Tag e:ne Stunde umschrciten, wird es auch langsam Frühling. Die Kirschbäume blühen, ein Paar Veilchen stecken schüchtern Ihre Köpften heraus, und Singvögel versuchen ihr er- stfs Konzert. 50 Schritte in die Runde und wieder 50 und so fort marschleren wir im �rels, bis die Stunde um Ist und sich die Lunsen voll gesogen haben mit frischer Luft die "Ugen sich sattgesehen am Blau des Himmels �er an grauen Wolken. Schreibe mir recht siel von Dir und den Kludern. Detmold, den 2L April 1933. Heute bekam Ich vier Briefe von Dir auf J-uinral. Das war ein rechter Festtag. Sorgen babeieb mich nur um Dich gemacht "n