Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia" Tel. MSI Preis der Klnzelnummer j 4Q �Im Ausland Kd 2�) Auslandspreise Argentinien.. Belgien.... Bulgarien.,. Danzi�.... Deutschland.. Estl nd.... Finnland... Frankreich.. Großbritannien, Holland.... Italien..... Jugoslawien.. Lettland.., lltltf Nr. IS Sonntag, IS. Oktober 1933 Bexugtprei. Ina({iiartal 1/ v i Q (Im Amland Kd 24.-i IV C L O." AasUndspreise tinzeinumin rierteljäbrl. Litauen... Luxemburg, Norwegen.. Oesterreich. Palästina., Polen.... Portugal.. RuraSnlen. Saar gebiet, Schweden.. Schweiz.. Spanien.. Ungarn.., USA....• . L1L .B. Frs. .Kr . S.h . Mir» . Zloty . Esc. . Lei . F.Ft. . Kr . Frs. . Pes. . Pengd . Dollar 055 2.- 0.35 0.40 18.- 0.50 2.- 10.- 1.50 0.55 0.30 0.70 0.35 0.08 LH. 6.60 B.Ft. 24.- Kr. 4 20 Schill. 4.80 Müs 216.— Zloty 6.— Esc 24— Lei 120.— F. Fr 18.— Kr» 4 20 Frs 3.60 Pes. 8.4t» PengB 4.20 Dollar 0.90 Sozialdemokratisches Wochenblatt Blnlgesetz in Kraft! Aus Mördern werden Minister— aus Ministern Mörder! Die Blutphantasien G ö r i n g s, in Morphiumräuschen und heißen Julinächten gezeugt, sind im Oktober„Gesetz" geworden. Das Reichskabinett hat beschlossen, daß getötet oder für unabsehbare Zeit ins Zuchthaus gesperrt werden soll, wer hochverräterische Schriften im Ausland herstellt oder im Ausland hergestellte im Inland verbreitet. Als hochverräterisch wird aber jede Schrift betrachtet werden, die über deutsche Zustände die Wahrheit sagt. Richter, denen ihre Partei oder die Sorge um die eigene Haut über die Pflicht ihres Amtes geht, werden Bluturteile sprechen, Urteile des Fanatismus oder der Angst Aber wenn diese Gesellen schon Angst haben, so sollen sie sie haben nicht nur vor dem, was jetzt ist sondern auch vor dem. was nachher kommt! Mögen sie wissen, daß nichts vergessen wird! Mögen sie wissen, daß ihnen nichts geschenkt werden wird! Was man jetzt im Dritten Reich Gesetz nennt, ist nichts anderes als ein Befehl zum Mord, Verantwortlich für ihn sind nicht nur die alten Nationalsozialisten hn Kabinett wie Göring, Hitler, Frick und Göbbels, sondern auch die Neuzugezogenen wie Neurath, Blomberg, Schwerin-Krosigk, Schmitt, Seldte, Gürtner und E 1 1 z- R fl- b e n a c h. Die alten Nationalsozialisten bleiben, wenn sie weiter morden lassen. Wenigstens In einem Fhinkt ihrem Programm treu. Die Neuzugezogenen haben alle verleugnet und verraten, was sie früher einmal mit dem zivilisierten und anständig denkenden Teil der Menschheit verbunden hat S 1 e sind weder Fanatiker "och Geisteskranke, sie sind nur„deutsche Männer**, daß Gott erbarm! Man kann als Gefangener die Latrinen im Konzcntra- tionslager reinigen und dabei sauber sein. Man kann auch täglich in Marmorwannen baden und dreckig bleiben von oben bis unten und von innen bis außen. Diese feige, entwürdigte, entmannte Gesellschaft der Neuzugezogenen, sie bleibt trotz allem dieschlimmste Schande, die über das deutsche Volk gekommen istl Was ist denn In Deutschland Recht? Was ist in Deutschland Verfassung? Bei dem Juristenaufmarsch in Leipzig hat der ytaatsgelehrte des Dritten Reiches, Pro- 'essor Carl Schmitt, die Lehre verkündet, vorläufige Verfassung des Deutschen Meiches sei das Ermäcbtigungsge- setz vom 24. März. Diese„vorläufige Verfassung" besteht aus fünf Artikeln, von 1 denen der kürzeste vier, der längste sechs i feilen lang ist. und legt das Recht zur Gesetzgebung, auch zur verfassungsän- 1 dernden, in die Hand der Reichsregierung. �'e tritt„außer Kraft, wenn die gegenwärtige Reichsregierung durch eine andere abgelöst wird." Schöne„Verfassung", die nur solange 'ebt wie die Regierung, der sie als Rechts- �•"undlage dient! Aber was Recht und was Jorfassung!„Recht ist was dem putschen Volke nützt!" ver- �'oherte Frick auf demselben Juristen- Da die Hitlerregierung sich anmaßt. deutsche Volk in sich zu verkörpern, hätte Frick ebensogut, nur noch um einen �ad aufrichtiger, sagen können:„Recht lsf' was uns nützt!" Und so ist es in der Tat! Es gibt in Deutschland kein Recht mehr. Maßgebend ist einzig und allein das Interesseder augenblicklichen Machthaber, die Befriedigung ihrer Despotenlüste, der ungestörte Genuß des Futters. aus den Hunderttausenden von Futterkrippen, die Herrschaft zu festigen, ist der Mordbefehl der lex Göring erlassen worden. Recht ist, was uns nützt! Gesetz ist, was uns gefällt! •• In Genf, wo die deutschen Vertreter für hungrige Parteibuchbeamte und Angestellte errichtet worden sind- Um diese Herrschaft zu festigen, werden Zehntausende ehrlicher, recht- und vaterlandliebender Menschen ihrer Freiheit beraubt, aus dem Lande gejagt, für rechtlos erklärt, werden wehrlose Gefangene in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefoltert und ermordet Um diese sitzen, wie Pestkranke oder Aussätzige gemieden und isoliert in Genf bat man auf Umwegen, zu denen deutscher Widerspruch zwang, die Einrichtung eines F 1 ü c h 1 1 i n g s k o m m i s s a r s für deutsche Flüchtlinge in Aussicht genommen. Der Flüchtlingskommissar soll nicht nur die Ausgestoßenen und Vertriebenen des Dritten Reiches schützen, sondern auch die Interessen der Staaten wahrnehmen, die durch den Ausbruch der braunen Barbarenherrschaft in Mitleidenschaft gezogen sind. Arbeitslos gewordene, ihrer Habe und ihrer Unterstützungsansprüche beraubte Arbeiter und Angestellte, gewaltsam ruinierte und bis aufs Hemd ausgeplünderte Geschäftsleute überschreiten auf den verschiedensten Wegen unter den abenteuerlichsten Umständen die Grenze und schreien im fremden Lande nach Arbeit und Brot! Fremde Regierungen sollen durch Menschlichkeit wieder gut machen, was die eigene Regierung an ihren Staatsbürgern grausam gefrevelt hat! Es ist schön, wenn diese fremden Regierungen der Pflicht der Menschlichkeit genügen, aber es ist auch nur recht, wenn sie die Frage aufwerfen, wer für diese Belastung und Beunruhigung, unter der sie leiden, verantwortlich ist Die Theorie, daß keine Regierung das angeht, was die andere treibt läßt sich nicht mehr aufrecht erhalten, wenn die eine Regierung den Schaden bezahlen soll, den die andere anrichtet! Es gibt aber noch eine andere Frage, die in Genf aufgeworfen zu werden verdient Das ist die Frage nach dem Schicksal der Menschen, die in Deutschland selbst als Juden oder Marxisten nach einem kaltausgeklügelten System planmäßig ausgerottet werden. Was geschieht mit den Frauen und den Kindern, denen durch Mord oder Freiheitsberaubung der Ernährer genommen worden ist? Was geschieht, um die Ernährung in den Gefängnissen und in den Konzentrationslagern zu sichern, In denen der Winter ein qualvolles Sterben Ungezähl- t e r bringen wird, wenn die rettende Tat ausbleibt? Alles Gerede von menschlicher Solidarität ist ohne Sinn, wenn die Welt tatenlos bleibt angesichts des Furchtbaren, das in Deutschland geschieht! • Man will In Genf über Abrüstung verhandeln, während niemand an etwas anderes als Aufrüstung denkt Man will ein positives Ergebnis der Abrüstungskonferenz erzwingen, aber ein solches„positives Ergebnis" kann erhandelt, beschworen und besiegelt werden— es wird Betrug und Lüge bleiben, solange nicht die geistige Abrüstung vollzogen ist! Ohne radikale Aenderung der Zustände in Deutschland schlittert Europa In ein neues Völkermorden. kein Viererpakt und kein Abrüstungsabkommen kann das verhindern. Das deutsche Volk hat auf allen Gebieten, auch auf dem der Rüstungen Anspruch auf gleiches Recht, aber jetzt hat das deutsche Volk weder ein gleiches noch ein ungleiches Recht sondern überhaupt keines. An seiner Stelle präsentiert sich eine Verbrechergesellschaft, die dem deutschen Volk jedes Recht genommen hat. um es für sich allein in Anspruch zu nehmen. Keine Regierung der Welt denkt daran, die Hitlerbande als etwas ihr Gleichberechtigtes und Gleichwertiges zu betrachten, von keiner kann verlangt werden, daß sie das tut Vielmehr muß man von den Staatsmännern, denen es ehrlich um den Frieden geht, verlangen, daß sie sich nicht hinter leere Redensarten verkriechen, sondern ganz offen sagen, warum sie jetzt nicht abrüsten können. Denn nurdieWahrheitkanndenFrie- den retten, die Lüge führt zum Krieg. Juristen marsdileren auf Gerechtigkeit marschiert ab Der Deutsche Juristentag hat sich in genau den gleichen Formen abgespielt, wie all die ungeistigen Veranstaltungen des Dritten Reiches: als ein leeres Schaugepräge, oder— genauer gesagt— als ein militärischer Auf marsch. Das ist nicht die abfällige Kritik eines grundsätzlichen Gegners des Hider- systems, es ist vielmehr das eigene Urteil der Nationalsozialisten. Wörtlich schreibt der„Völkische Beobachter" vom 4. Oktober: Das war das grandioseste am diesjährigen Deutschen Juristentag: daß er•.. Gelegenheit bot, die zu Zebntausenden anwesenden deutschen Juristen„a n f- mafsebieren zu lassen"... Der soldatische Charakter des diesjährigen Jurislenauimarsches ist. der äußerliche Ausdruck der neuen inneren Haltung der deutschen Juristen. Auf früheren Juristentagen wurde das Für und Wider der großen brennenden Streitfragen, wurden die wissenschaftlichen und sozialen Probleme des Rechtsgebietes von erlesenen Geistern diskutiert. Damit Ist es nun aus. Leipzig zeigt die deutsche Juristenschaft als militärisch gedrillte, exerzierende und gehorsam einschwenkende Masse. Wahrlich, den angeblichen Bekämpfern der„Vermassung" de* Volkes ist es geglückt, mit geradezu beängstigender Geschwindigkeit einen geistigen Beruf zu entindividualisieren! Von der wissenschaftlichen Tiefe und Gründlichkeit früherer Juristentage, von dem Feuer der Debatten zwischen rückschrittlich-starrer und modern humanitärer Rechtsauffassung ist uichts geblieben. Referenten, bar jeder juristischen Sach- und Fachkenntnis, hielten vor Zuhörern, nnter denen so mancher saß, von dem der Sprecher unendlich viel hätte lernen können, anmaßende Vorträge darüber, wie die Justiz sich künftig zu verhalten hätte. Diskussionen durften selbstverständlich nicht stattfinden. Hitler und seine jungen Leute verstehen, wie von allem, so natürlich auch von der Rechtswissenschaft viel mehr als jeder ergraute Universitätsprofessor. In einer Reihe von Referaten, deren Inhalte in tödlicher M onotonie auf den gleichen Grundgedanken zugeschnitten waren, kommandierteo sie, daß fortab des Recht sich der Rassenlehre unterzuordnen habe. Da die Rassenlehre wie feststeht, ein unwissenschaftlicher Nonsens ist so heißt das, daß die gesamte Rechtsentwicklung fortab Im Zeichen eines Unsinns vor sich geben soll. Aus der Rechtswissenschaft wird Rechtswahnsinn, aus dem Recht schreiendes Unrecht , So Ist während die Juristen aufmarschierten, die Gerechtigkeit abmarschiert. Wir geben dabei ohne weiteres die Wahrscheinlichkeit zn, daß von den zwölf- bls dreizehntansend in Leipzig konzentrierten Juristen nur zwei- bis dreitausend dies bemerkt und nur einige hundert darüber Wehmut empfunden haben dürften. Denn bei der großen Masse der Talarträger hat der nationalistische Fanatismus längst jedes Streben nach Gerechtigkeit getilgt und der blinde Haß gegen den Emanzipationskampf der Arbeiterklasse längst die„anfma Candida judi- eis", die spiegelblanke Seele des Richters erblinden lassen. Ihr innerer Drang zur Ungerechtigkeit treibt sie einer Lehre in die Arme — mag diese noch so unwissensdiaftUch, noch 10 barbarisch-oberflächlich sein,— die Ihnen ihre bisher nur mit schlechtem Gewissen und unter kläglichen Ausreden begangenen Rechtsverletzungen jetzt biastellt als das eigentliche früher verkannte Volksrecht. So werden diese Richter auch nicht protestieren gegen jene barbarische Gesctztebung, die sich jetzt an den„Aufmarsch der Juristen" ähnlich anschließt wie der Raub des Gewerk- schaftsvermögens an den Aufmarsch vom 1. Mai. Genau wie damals die zu Feuerwerk.und Luftakrobatik aufs Tempelhofcr Feld kommandierten Massen nicht ahnten, was unter dem Deckmantel dieses Schauspiels geplant war, genau so wenig wußten wohl die in Leipzig zusammengetrommelten Juristen, daß der wahre Abschluß ihrer sogenannten Tagung ein jeder Zivilisation hohnsprechendes Gesetz sein würde: die Verwirklichung der sadistischen Blutphantasien eines Morphinisten, der schon vor drei Monaten im Juli die Todesstrafe gegen Worte und Gedanken verlangt hatte. Dieses Gesetz zum„Schutz des Rechts- Iriedeos" — sadistischer Hohn selbst noch In der Ueber- schritt— ist.nun da) Um den„Rechtsfrieden", — o welche Pari listen sind doch Hitler, Görlng und Konsorten,— um den stillen, lieblichen Rechtsfrieden des Dritten Reiches nicht in holdem Schlummer erschrecken zu lassen, sollen alle Menschen hingerichtet werden, die andere Ansichten äußern, als sie der Propagandachef Göbbels seiner gleichgeschalteten Presse gestattet. Auf„hochverräterische Druckschriften'' wird die Todesstrafe gesetzt, was etwa der Gesetzgebimg der von Cäsarenwahn befallenen römischen Despoten, der Gesetzgebung eines Nero und Caligula entspricht die jode Anfeindung oder Verspottung ihrer geheiligten Person als„crimen lae- sae majestatis" mit der Auslöschung von Menschenleben ahndeten. Der Aberwitz eines sich für sakrosankt erklärenden Systems enthüllt sich in schauerlicher Rechtsschändong, ein Gemisch von Größenwahn und feiger Tyrannen- angst, von Biutsadismus und schlechtem Gewissen tut sich hier als Afterrecht, als Antirecht kund! Aber, keine Sorge; die in Leipzig einexerzierte Juristenschaft wird auch diese Blutverordnung als„gehendes Recht" gelassen hinnehmen und kein Gefühl in ihren Reihen aufkommen lassen, daß sie Morde begeht wenn sie diese Tyrannengebote handhabt Und jener verschrobene Universitätsprofessor, der vor anderthalb Jahrhunderten das große Wort aussprach, daß dort wo es keine Gerechtigkeit gibt, das Leben seinen Zweck verloren hat auch er würde heute in Deutschland keine Lebensluk mehr finden, obwohl man ihn den Philosoph des Prenßentums genannt hat. Denn es ist das Zeitalter des Oswald Spengler in Deutschland und längst nicht mehr das der Immanuel Kant! Jusfinian. Ali der Schwelle der Freiheit ermordet Der Redakteur des Lübecker„Volks. boten", Genosse Dr. S o I m i t z, beendete an einem der letzten Septembertage in geheimnisvoller Weise sein Leben. Amtlich wurde gemeidet, er habe sich In seiner Zelle erhängt. Heute wissen wir, daß dies gelogen war. Dr. Solmitz ist im Gefängnis ermordet worden, und zwar vollzog sich die Bluttat unter so ungeheuerlichen Umständen, daß man trotz aller Abhärtung, die diese Zeit mit sich bringt, nur mit Erschütterung davon sprechen kann. Solmitz sollte aus dem Gelang- nis entlassen werden. Seine Frau hatte bereits von der Gefängnisverwaltung die Mitteilung, daß die Entlassung am nächsten Tage zu erwarten sei. Sie hatte zum Empfang ihres Mannes die Wohnung festlich mit Blumen geschmückt An Stelle des Erwarteten kam die Nachricht vqm seinem angeblichen Selbstmord. Offenbar hat gegenüber der Instanz, die die Entlassung beschlossen hatte, eine höhere eingegriffen: der braune Mord, der durch Gefängniskorridore und Lagerbaracken schleicht, um sich die Besten zum Opfer zu holen. Er hat Solmitz geholt wie wenige Wochen zuvor F e- chenbach. Und Hans Alexander! Unter den Schutzhaftgefangenen, die bei der Auflösung des Breslauer Konzentrationslagers in das neue Konzentrationslager bei Osnabrück gebracht wurden, befand sich auch der Breslauer Ortssekretär des Reichsbanners, Genosse Hans Alexander. Jetzt ist Hans Alexander ebenfalls den braunen Mordbanditen zum Opfer gefallen. Die näheren Umstände seines Todes sind uns noch nicht bekannt Es steht jedoch fest daß es etwa Mitte September in dem Osnabrücker Konzentrationslager zu einer schweren Schlägerei zwischen schlesischer und rheinischer SA kam. Diese Gelegenheit haben anscheinend schlesische SA-Banditen, die sich an dem Genossen Alexander noch für seine Breslauer Tätigkeit rächen wollten, benutzt, um den„Marxisten" auf neudeutsche Weise zu erledigen. Die Angehörigen erhielten aus dem Lager die Leiche in einem verlöteten Sarg, so daß die unmittelbare Ursache seines Todes vielleicht niemals genau festgestellt werden kann. Genosse Alexander war ein aktiver, begeisterter Kämpfer für die Sache der Freiheit und des Sozialismus. Er hat jetzt seine Treue zur Bewegung mit dem Leben bezahlt Mit ihm ist wieder einer der Besten dahingezogen, ein Mann, der im Krieg sein Leben für Deutschland einsetzte— er besaß mehrere Kriegsauszeichnungen— und dessen politisches Wirken nach dem Krieg kein anderes Ziel hatte als die Wohlfahrt und die Freiheit seiner Volksgenossen. Die Breslauer Arbeiter ehrten das Andenken dieses Kämpfers trotz Terror und Verfolgung. 2000 Mann standen an seinem Grabe, und viele Tausende werden an dem Tag bereitstehen, wenn es gilt den Tod des Genossen Alexander und der vielen, die vor ihm unter den Händen der braunen Mordbanditen verbluteten, zu rächen. Yerfaaftmig im Reithswehrminlsierium Im Reichswehrministerium wurde ein Abteilungsleiter, der bereits 10 Jahre angestellt war, verhaftet angeblich well er sich abfällig über das jetzige Regime geäußert habe. Proletarische Heldinnen Man schreibt uns aus Deutschland: Die gesamte SA.- und SS-Mannschaft einer süddeutschen Stadt wurde aufgeboten, um eine große Razzia nach Marxisten dnrchzn- iühren. Das Ergebnis der Razzia war die Verhaftung von 300 Arbeitern. Sie wurden in die SA.-Kaserne geschleppt und dort eingesperrt. Den SA.-Maoaen trat jedoch sehr bald ein Gegner entgegen, von dem sie sich bis Jetzt nichts hatten träumen lassen. Mit Windeseile durchflog die Nachricht von der schmählichen Inhaftierung ehrlicher und unbescholtener Arbeiter die Stadt Mit Windeseile machten die Frauen der Gefangenen mobil. Mütter, Ehefrauen und Bräute der verhafteten Marxisten sogen In geschlossenem Zuge vor die SA.- Kasernc, schickten sich an, das Tor aufzubrechen und riefen ohne Unterbrechung im Sprechchor:.Tieraus mit unseren Männern! Wir wollen unsere Männer wieder haben!" Gegen die aufgebrachten Frauen wagten die rauhen Kämpfer keinen Ausfall, sie verbarrikadierten die Tore der Kaserne und teiephonierten um schleunigste Hilfe in eine benachbarte Großstadt Erat als die Verstärkung in sechs Lastantos eingetroffen war, wurde mit Gummiknüppeln und anderen Schlag- Werkzeugen der Angriff gegen die mutigen Frauen eröffnet Eine Stunde währte der ungleiche Kampf. Eine Stande stand die Front der Frauen für ihre Männer und Söhne gegen die BrutaUtät der Hitler- Soldaten. Liebe, Angst und Verzweiflung ließ sie ihr eigenes Schicksal vergessen. Noch während draußen die Frauen mit ihrem Leben für die Männer stritten, transportierten ortsfremde SA. die gefangenen Arbeiter durch ein rückwärtiges Tor ab und entführten sie in die benachbarte Großstadt Aber die rautigen Frauen ruhten nicht und gaben nicht nach. Eine Abordnung erschien bei dem Polizeipräsidenten der Großstadt, in welche die Männer entführt worden waren. Die Abordnung verlangte die Herausgabe der zu Unrecht verhafteten Männer. Der Polizeipräsident war ein human denkender Mensch.(Inzwischen ist er eben des- wegen entlassen worden.) Die 300 gefangenen Marxisten wurden auf seine Anordnung der Gewalt der braunen Miliz entzogen und nach kurzer Inhaftierung alle auf freien Fuß gesetzt Rldkter Ladimund Ein Mörder im Talar„ Am zehnten Februar dieses Jahres, mitten im Wahlkampf, hielt die NSDAP in Braunschweig eine ihrer damals üblichen Hetzversammlungen ab. Nach dieser Versammlung zogen die aufgepeitschten SA- Leute, wie es damals ebenfalls üblich geworden war, in einige Arbeiterstraßen, um Strafexpeditionen vorzunehmen. Man nannte das damals:„die Kommune ausräuchern." Als die braune Abteilung nachts in die Straße einrückte, gab es richtig einen Zusammenstoß, bei dem zwei SA-Leute verletzt wurden. Dieser Fall wurde jetzt vor dem Brauu- schweigischen Sondergericht abgeurteilt. Es wurden verurteilt: Der Angeklagte Arbeiter Heinrich Wolf zum Tode, der Angeklagte Arbeiter Hagemann zu sechs Jahren Zuchthaus und die Angeklagten Flentge, Holzmann und Donath zu je fünf Jahren Gefängnis. Der Richter Lachmund war den Anträgen des Staatsanwalts A h r e n s gefolgt. Er gab eine Urteilsbegründung von so abgrundtiefer Bestialität, daß man ihren Inhalt in alle Welt hinausschreien muß: „Wenn das Gericht gegen Wolf die Todesstrafe Terhängt hat, so braucht sich niemand, am allerwenigsten der Angeklagte seihst darüber auiznregen. Wer so mit dem Leben seiner Mitmenschen spiele wie der Angeklagte, der soll sich nicht wundern, wenn man auch mit ihm wenig Federlesens macht Die Verhängung der Todesstrafe ist aber auch deshalb erforderlich, damit die Volksgenossen die Gewißheit haben, daß die Justiz, nachdem der Gesetzgeber Ihr die nötigen Gesetze gegeben hat mit den schärfsten Mitteln gegen alle vorgeht die es wagen, ihre Hand gegen irgendeinen Kämpfer der nationalen Bewegung zn erheben. Die heute ergangenen Verurteilungen sind eine Warnung für alle, die es angeht Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Bestehen des Sondergerichts und seine Urteile überaus erzieherisch und abschreckend gewirkt haben. Wenn trotzdem noch kommunistische Wühler hier und da in allernächster Zeit versuchen, ihre volksfeindlichen Treibereien fortzusetzen, so sei ihnen in aller Deutlichkeit gesagt daß das Sondergericbt in allen diesen Fällen rücksichtslos die Höchststrafen gegen diese Verbrecher festsetzen und da, wo es das Gesetz überhaupt zuläßt, auf die To* desstrafe erkennen wird, um diese SchädlUS* ani gesetzlichem Wege für immer auszumerzen." Der Richter Lachmnnd weiß, daß die Ermordung politischer Gegner zu den Grundsätzen des Systems gehört, dem C dient Der Richter Lachmund weiß, daß dieses System Mörder belohnt oder bestraft, je nachdem zu wessen Gunsten der Mord geschah. Der Richter Lachmund hat zugunsten dieses Systems die Tötung eines Menschen angeordnet Der Richter Lachmund ist ein Mörder im Talar. Es wird die Zeit kommen. sich dieses Namens zu erinnern. Vergeßt ihn nicht! Dur di Druckfehler entlarTlJ • Vor einigen Tagen berichtete das braun« �-Uhr-Abendblatt" Ober eine„grundsätzlich« und programmatische Rede" des Relchslög«11' ministen. Und es geschab in diesem Bericbf etwas Fürchterliches, well die Setzmaschin« offenbar sich geweigert haben maß, alle Lüg«0 und Verdrehungen widerspruchslos zu wiederholen, Denn zwei Tage darauf war im„8-Ukr* Abendblatt" folgende Berichtigung dick and fett in angsterfüllt großen Lettern zu leseh* «Ja unserem Bericht in der Sonasbeu�' Ausgabe über die große Rede des Reick*' mlnlsters Dr. Göbbels hat sich bedaaerlicher- wetse ein sinnentstellender DruckieUer•k1' geschlichen. Relcbsminlster Dr. Göbbels b*' in seiner Rede nicht(wie es in unssre0' Bericht fälschlich hieß) gesagt:• 10 Deutschland Ist es für Immer mit dem K«' P 1 1 a 1 1 s m u s vorbei.. sondern die«» Stelle hatte selbstverständlich richtig ri* feuten:„...für immer mit dem Parlk* meatarismas vorbei.-." Das Blatt hätte nur noch hI�zuzafüg«,l brauchen;„Unsere Leser werden ohnedies kann: haben, daß es sich um einen Druckfehl� gehandelt hat" Denn es bedurfte, weiß Wotau- flicht erst der Entlarvung durch diese Berich�' gung. Von des„Arbeiter-Führer"„unabänder- lichen Programm" ist nicht mehr als eine Be* richtlgung übrig geblieben. Aber die spricht Bände! 1 »»Sieg und Jlnclil" iu»l«ü Der JahreskongTeß der Britisdieu Arbeiierpariel V. Sch. Hastings, 7. Oktober. Optimismus und Siegeszuversicht erfüllen seit Monaten die britische Arbeiterbewegimg. Nach der Wahlkatastrophe vorn Herbst 1931. die noch durch das ganze . 1932 WrKhuxh lähmend wirkt, hat man letzt allgemein das Gefühl: Es geht wieder aufwärts! Mag auch die Arbeiterpartei im jetzigen Parlament nur über etwa ein Zwölftel der Man- verfügen, diese Fraktion leistet hervorragende Arbeit tmd erzwingt die allgemeine Ainmerksamkelt. Das Volk empfindet selbst, daß diese gegenwärtige Vertretung in einem schreienden Vcr- baltms zu der wirklichen Stärke der Arbeiterbewegung im Lande steht Und die Ulstungen— oder Unterlassungen— der »nationalen" Regierung sind auf vielen Gebie- ten nicht dazu angetan, ihr Prestige zu erhöben. Die regierende Koalition Ist in dem AngenWick einer von Bankiers tmd Indnstriel- '«n erzeugten Panik zustandegekommen, aber sie wird nur noch künstlich am Leben erhalten. 160 der Liberalen Ist schon von ihr abge- sprnngen, ein Teil der Konservativen steht offener Front gegen sie, und Macdonald K iu V<>n seinen Koalitionspartnern nur des- balb noch eine Weile geduldet weil seine Ausbootung Neuwahlen zur Folge hätte, die a'e Konservativen gegenwärtig scheuen. Aber diese Wahlen können jederzeit aus- teschrieben werden, eben weil die Koalition innerlich morsch und brüchig ist Und die Arbeiterpartei rüstet für diesen Kampf, poii- «soh. organisatorisch tmd finanziell Sie hat 'ören Parteitag bewußt in dem Sinne abge- «Itea. als wäre er der letzte vor der neuen o�sbefragung. während Ja theoretisch Neu- _ aWM erst 1936 sUttfinden müßten. Sie hat * dle Rollen im künftigen Un- £i au* mlt den Konservativen zu vertauschen. T11 dieseni Zweck soll ein großer Massenfcid- unter dem Motto:.�ieg und Macht" 'uisetzen, für den 5000 Pfund aufgebracht wer- en sollen. Dabei soll auch das dache Land systematischer als bisher bearbeitet und auf- c lärt werden, das bisher den Konservativen r L'ebergewicht sicherte. 'm Sinne dieser Zuversicht und Errtscblos� mieit hat der Parteitag die Problemstellung 1 äeradezu suggestiver Kraft auf die rormei gebracht: Pofitlscbe Richtlinien für die Partei and • Minister Im kommenden Labour- Kabinett, � das Wort„wenn" bewußt ausgeschaltet fde. Es galt dabei vor ajlom, die Lehren p dcm letzten Regieningsexperimcnt der t ei tutzbringend für die kommende Arbei- � Gerung anzuwenden: Wie verhindern wir e Sabotage unserer Arbeft durch die Hoch- n a n 1? Wie brechen wir die erwarteten ' erstä«le des Oberhauses? Wie be- � leunljen wir die parlamentarische a s c h 1 n e r I e, mn unsere sozialistischen es®tze schnell unter Dach und Fach zu brln- �en;' Wie sichern wir eine Zusamraen- ct*ung des Kabinetts, die die Erwar- n8en der Mitgliedschaft nicht enttäuscht t'äich mit dem letzten Punkt zu be- Der Schock des Herbstes 1931 wirkt jh in jg,. parte| �Ver erie5t bat wie äcdonaid sein Kabinett selbstborrlicb nach �ersöniichen Gesichtspunkten bildete, sich von r Partei, und vor alleni voo den Gewerk- j)�|i.a"en'önniieh abkapselte, die Regierungs- �"'k immer mehr diktatorisch festlegte, mit . Gegnern heimlich verhandelte, unter fc'blich.aristokratlsche Einflüsse geriet und zum Feind überlief, der möchte t'0'3eeTeifllcherweise gegen Jede derartige VentuaJität sichern. Kampf der Generationen macht sich n auch so der englischen Partei bemerk- �Ie Jugend drängt sie hat den Eindruck, yg. die Probleme der Zeit m schwierig, zu Vo"r|ich ond anch zu kraftranbend sind, um vjMt einer Führerschaft gelöst zu werden, die "ach das 6a, Ja sogar das 70. Lebensjahr Schritten hat. ***»Sturm- und Drang"-Richtung wird tret*Ilem a. Jene Mannheimer Meuterei, von der Im vorigen Brief die Rede Ist „... Herr Dr. Göbbels erklärte auf einer Konferenz der deutschen Zeitungsverlcger, er schlag zu befördern war. Obwohl das „Schwarze Kabinett" des Kaiserreichs nicht davor zurückscheute, Postsendungen zu erbrechen, gelangten derart jede Woche Tausende von„Laternen" in die Hände der Bezieher. Der Portoerspamis halber schickte man die Briefe sogar in Paketen über die Grenze, um sie an der ersten französischen Station aufzuliefern. Als dieser Weg versperrt wurde, bediente man sich, ohne daß er davon wußte, eines Sekretärs der französischen Gesandtschaft in Brüssel, der in seinem der Zollkontrolle nicht unterworfenen, diplomatischen Gepäck für einen belgischen Tabakgroßhändler Zigarren nach Frankreich zu schmuggeln pflegte; der Auftraggeber, ein Freund Victor Hugos, erteilte gern seine Zustimmung, daß stets ein Koffer mit„Laternen" vollgepackt wurde. Da sich auch dieser Kanal verstopfte, verfielen Rochefort und seine. Mitarbeiter auf eine wahrhaft geniale Idee. In Brüssel entdeckten sie einen italienischen Gipsfigurenfabrikanten, der billige Büsten Napoleons III. für den Versand nach Frankreich anfertigte. Mit ihm setzten sie sich ins Benehmen, daß er jedesmal vor Vollendung des Gusses eine größere Anzahl„Laternen" in den Hohlraum der Büsten einschloß. Stolz trugen die Vertrauensleute Roche- f o r t s diese Gips-Napoleons an den fran- tösischen Zöllnern vorüber, die beim An- wünsche keine Uniformierung der Presse. In der Praxis siehts anders aus. Die Werber der Nazipresse begnügen sich nicht damit, die minderwertigen braunen Blätter anzupreisen, sie bedrohen vielmehr die Nichtabonnenten, sie verheißen ihnen allerlei schlimme Dinge und haben mit ihren Erpressermethoden natürlich guten Erfolg. Das spüren die zwar gleichgeschalteten, aber nicht parteiamtlichen Zeitungen gewaltig, ihre Abonnenten schwinden mehr und mehr. Als kürzlich das altangesehene„Heidelberger Tageblatt" gegen diese Methoden protestierte, wurde es sofort auf 14 Tage verboten. Damit nicht genug, hielt der Nazi-Bürgermeister Wetzel auf dem Heidelberger Marktplatz einen SA-Apell ab, bei dem er u. a. verkündete, jeder, der künftig noch das„Heidelberger Tageblatt" lese, werde als Staatsfeind betrachtet werden. Vor einigen Tagen wurden in Altlußheim, einem größeren Dorf im Amtsbezirk Mannheim mehrere Anhänger und örtliche Führer der nationalsozialistischen Partei verhaftet In Speyer wurde vor kurzem ein Sturmführer der Pfälzer SA von einigen seiner Untergebenen jämmerlich verprügelt als er sie wegen Insubordination zur Rede stellte, und in Mannheim nahm man über 40 SA-Leute fest, weil sie angeblich in Opposition zur Parteiführung stehen. Wahrscheinlich haben sie den Schwindel von der beseitigten Arbeitslosigkeit satt bekommen. Mannheim hat noch immer über 40.000 Erwerbslose, offiziell wird aber behauptet. es sei„frei von Erwerbslosigkeit". Gleichfalls in Mannheim wurden vor einiger Zeit von SA-Leuten Flugblätter verteilt, in denen an die Parteileitung die Frage gestellt wurde, was eigentlich die nach dem 30. Januar in die Partei Eingetretenen zu erwarten hätten. Bis jetzt war nämlich bei der Arbeitsbeschaffung immer nur von den„alten Pgs." die Rede, und die neuen fühlen sich geprellt. Auch unter den Bauern wächst die Enttäuschung. Im Schwarzwald erzählt man sich folgendes: Die Naziregierung, die sich auf ihre Tierfreundlichkeit viel zugute tut, hat verboten, zwei Ochsen in ein Joch zu spannen. Die Bauern, die von dieser Bestimmung nicht erbaut sind, pflegen einander zuzuflüstern:„Was ist das für eine Regierung? Zwei Ochsen sollen nicht in einem Joche gehen, aber ein ganzes Volk wird in ein Joch gespannt— und wehe, wer dagegen aufmuckt!" Die„Gezeidmeten" Einem Brief vom Rhein entnehmen wir einige Stellen: ... Arbeit bekomme ich, solange dies System herrscht, nicht mehr, und die Unterstützung reicht nicht zum Nötigsten. Niemand wagt es, uns verfemte zu beschäftigen. Ich habs als Agent versucht, da ist es das Gleiche. Jeder hat Angst, einem Gezeichneten einen Auftrag zu geben, ihm etwas abzukaufen. In den Kinderhirnen richten die Kriegsfanatiker grauenhafte Verwirrung an. Die Hosenmätze von S— 10 Jahren hängen sich schon das Messer der Hitlerjugend— einen richtigen kleinen Dolch— ans Koppel, die Klinge trägt die Aufschrift; ,31ut und Ehre". Die Lehrer anterrichtcn die Kinder in wissenschaftlichen blick ihres Souveräns keinerlei Argwohn schöpften, zumal sie erfuhren, daß die Büsten zum Aufstellen in Bürgermeistereien bestimmt seien. Da Frankreich 36.000 Gemeinden zählte, trug diese Schmuggelart die Gewähr der Dauer in sich, bis einmal einem der Träger eine Büste gerade vor dem Zollposten entglitt; sie fiel zur Erde, zerbrach und enthüllte, einen Blutstrom roter„Laternen" ausschüttend, daß der gipserne Kaiser im Gegensatz zu dem lebenden etwas Vernünftiges im Kopf hatte. Aber neue Schleichwege zur Ein- schmuggelung des über alle Maßen wirksamen Pamphlets fanden sich; in Zehntausenden von Exemplaren gedruckt, erreichte„Die Laterne" trotz aller Büttel und Spitzel die Abonnenten in Frankreich, deren Zahl von Woche zu Woche wuchs. Die Saat von Haß und Hohn gegen das bonapartistische Banditenregime, die sie ausstreute, ging anno 1870 nach den Nie- derlagefl von Metz und Sedan auf; die Republik wurde ausgerufen, in deren Provisorischer Regierung von Rechts wegen auch R o c h e f o r t saß, und vom Kaiserreich blieb in der Geschichte Frankreichs nicht mehr als das, was von der Hitlerei in der Geschichte Deutschlands bleiben wird, ein nicht auszutilgender Blut- und Schmutzfleck. Fächern höchst mangelhaft, mit desto größerer Sorgfalt bringen sie ihnen den Gebrauch von allerlei Waffen bei. Du kannst Dir denken, wie wir Eltern unter dieser Kindervcrglf- tung leiden, der wir tatenlos zusehen müssen. Doch stehen wir alle fest Im ganzen Bezirk ist keiner, den wir als Sozialdemokraten anerkannten, umgefallen- Viel Erbärmlichkeit findet man in den Kreisen der„Sympathisierenden". Die Konjunkturritter, die uns Brei um den Bart schmierten, solange wir„etwas zu sagen hatten", können jetzt die Arme gar nicht hoch genug zum Himmel recken. Die alte Liebe des deutschen Michel zur Uniform feiert gegenwärtig Orgien. Sogar die Wohlfahrtsempfänger, die Pflichtarbeit leisten müssen, sind uniformiert. Um 7 Uhr ist Antreten, Abzählen, in Kolonnen rechts schwenkt, marsch, dann gehts im Gleichschritt und mit Gesang zur Arbeit Für diesen Spaß wird pro Woche eine Mehrleistung von— zwei Mark gezahlt! Die Stimmung ist gedrückt Die Geschäftsleute klagen, sie wissen sich vor Sammlungen und„freiwilligen" Spenden nicht mehr zu retten. Man stöhnt und jammert, hinter verschlossenen Türen wird auch schon Ausrottung der Juden Systematische Fortsetzung des kalten Pogroms. Vor uns liegt dieses Schriftstück, das wir in vollem Wortlaut wiedergeben: Deutscher Landhandels-Bund e. V. Berlin NW. 7. Mittelstr. 2—4. Berlin, den 31. August 1933. An sämtliche Weinhandel treibende Verbände und damit in Verbindung stehenden Firmen; Das Amt für Agrarpolitik beauftragt uns, auf dem schnellsten Wege sämtliche arischen Weinhändler des gesamten deutschen Weinhandels, soweit er im Rclchs- verband des Deutschen Weinhandels organisiert ist, und darüber hinaus auch die arischen Weinhändler, die noch nicht organisatorisch irgendwie eingegliedert sind, in dem Deutschen Landhandels-Bund zusammenzufassen und in die Fachgruppe„Deutscher Weln- handel" einzugliedern. Das Ziel unserer Fachgruppe Deutscher Weinhandel ist Vereinheitlichung sämtlicher am Weinabsatz beteiligten Handelskreise mit dem Endzweck, den Aufbau eines in sich geschlossenen und einheitlich geführten Wcin- handels herbeizuführen, damit wieder. Treue und Glauben die Grundlage einer unlösbaren Zusammenarbeit zwischen Weinbau und Weinhandel bildet Ein solcher Zusammenschluß fördert die Durchschlagskraft der Interessen des Wclnhan- dels auf Stärkste. Von dieser Tatsache ausgehend, ergeht nun an Sie und Alle der Ruf zur Mitarbeit Die Grundbedingung ist, daß die Mitgliedschaft nur diejenigen erringen, die Inhaber bezw. Geschäftsführer der aufzunehmenden Firmen arischer Abkunft sind und keiner gleichartigen Organisation angehören. einmal geflucht und geschimpft— aber In der! Oeffentlichkeit wagt niemand, den Mund auf- j zutun... Wir haben Briefe und Briefstellen so ausgewählt, daß sie zur Darstellung brin- j gen, was heute in Deutschland nicht das Außerordentliche, sondern das G e w ö h n- liehe ist Postenjägerei und Verwirrung auf allen Gebieten, Brutahtät ohne Grenzen gegen wehrlose Gegner, militaristische Begeisterung bei einem großen Teil der Jugend, viel Unzufriedenheit aber noch mehr Furcht bei Bauern und Mittelstand. Unschlüssigkeit beim politischen Treibholz, ungebrochene Festigkeit und Treue zum Gedankengut des demokrati-; sehen Sozialismus bei den altorga-( nisierten Arbeitern und Angestellten—[ aus vielen hunderten von Briefen ergibt sich stets dasselbe Bild. Das Ausland aber soll wissen, daß es in Deutschland heute nicht nur mehr Dummheit und Schurkerei gibt als in irgend einem anderen Lande der Welt, sondern auch noch Heide n- t u m- Manches erzählen die Briefe uns davon, was später einmal in den Büchern der Geschichte zu lesen sein wird. Wir müssen noch schweigen. Der MitgHedsbedtrag für das 2. Halbjahr 1933 beträgt Rra. 12.—, außerdem ist ein damaliger Werbebeitrag von RM. 5.— zu zahlen.[ Der D. L B. Ist dazu berufen, das Wohl des Vaterlandes an die erste Stelle seiner Betätigung zu stellen und von diesem Grundsatz ausgehend, ist er besonders darauf bedacht seinen Mitgliedern In ihrem Kampf um die Existenz, die durch feste, zielbewußte Mitarbeit am ehesten gesichert werden kann, hei- j fend zur Seite zu stehen. Wir hoffen von Ihnen, daß Sic den Auf-; nahmeantrag, den Sie anbei finden, baldmög-; liehst an uns zurücksenden werden. Die Mitgliedskarte geht Ihnen nach Ueber- i Weisung des Betrages zu. Fachgruppe VII: Mit deutschem Gruß: Deutscher Weinhandel Hell Hitler! ge.: Dünges Deutscher Landhandels- Bund e. V. gez. Elchinger. P. S. Haben Sie sich schon zum D. L. B.-Ta2 in München, in derZeit vom 21.9.— 24.9- 1933 angemeldet? Wenn nicht tun Säe dies sofort bei der Landesgruppe Süd, München. Lenbach platz 6/11. Dem Schreiben ist ein Aufnahmeschei" hinzugefügt mit folgender Erklärung: Ich erkläre hiermit, daß Ich rein arischer Abstammung bin und in meinem Betriebe nnf nlcbtjfldtsches Personal besebäitig« und auch beschäftigen werde. Der Deutsche Landhandels-Bund umfaßt in 16 Gruppen, angefangen von Mehl und Mühlenfabrikaten bis zu Eiern, die landwirtschaftlichen Produkte und den landwirtschaftlichen Bedarf wie Kohle und Düngemittel In all diesen Zweigen des Handels soll den Juden die Existen« nicht nur als Firmenträger, sondern auch als bescheidenste Angestellte unmöglich gemacht werden! Das ist der grausamste Aushungerungskrieg, der jemals gegen eine wehrlose Minderheit geführt worden ist! HopsG W esselfilm- Skandal! Der braune Filmbetrieb hat sich eine neue Blamage geholt Seit Monaten rummelte dl« Nazipresse für den kommenden großen Horst- Wessel-Film„Das nationale Heldenlied". Jetzt muß das halbamtliche Contibüro gestehen, daß der braune Heldenfilm vom Propagandaministerium verboten werden mußte und„dafür Sorge getragen wird, daß dieser Film In seiner gegenwärtigen Form nicht In der deutschen Oeffentlichkeit erscheint". Die Handlung und die Leistungen der Hauptdarsteller seien„äußerst dürftig." Es stehe zur Zeit noch nicht fest ob der Film umgeändert oder völlig in der Versenkung verschwinden müsse. Er sei„die Arbelt einer ziemlich obskuren ad hoc gegründeten FthngescIIschaft", die die nationalsozialistische Konjunktur ausnützen wollte, klagt das halbamtliche Büro. Dieser Konjunkturrummel wird niemanden verwundern, der das Geschäft der„nationalen Erneuerung" kennt Aber wer sind denn die Konjunkturritter In diesem Falle? Als künstlerischer Oberlciter figuriert Hitlers alter intimer Freund Hanfstaenge 1, das Manuskript mit der„äußerst dürftigen Handlung' fabrizierte der fingerfertige, wandlungsreiche H. H. Ewers. Diese obskure Firma durfte von SA.-Banden ganze Proletarierviertel terrorisieren lassen, um richtige blutige Zusammenstöße vor die Kurbel zu kriegen; Ihr wurde eine Saalschlacht geliefert bei der es dnei Toten und Schwerverletzten gab; Juden wurden aus Ihren Häusern geschleppt und geschlagen, bis sie die Rolle„verschlagener, krumm- näsiger Kommunisten" und hinterlistige Dachüberfälle" auf die brave SA. nach dem Wunsche Ihrer Peiniger spielten. Diese und andere Greuel durfte die„obskure FilmJ®" sellschaft" unter offizieller Mitwirkun« ganzer SA.-Stürme und mit freundlich er Unterstützung der Behörden verüben. Im Auslände wurde entrüstet über dl«*® Kulturschande berichtet aber' tische Schandwerk der Weltöffentlichkeit 10 bieten- Die Schuld wird mutig, wie imnier auf obskure Andere abgewälzt und von den Hundertausenden, die wieder einmal sinnlo* verpulvert wurden, erfährt das Volk nichts-