Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia" TeL 1081 Crc>der tlnielnamraer 1/� v, ACl l*n Auslaad Kr 3.-) L\.C 1«T"'/ AaiUodsprcisi- binzclnnmm rierteljühr) Argentinien... Pes 0J0 Pes ABO Belgien..... Frs. 2,— Fr». 24— Bulgarien.... Lew 8.— Lew. 96.— Danzlg..... Quid 0.30 Quid 3.60 Deutschland... Mk. 0.25 Mk. S.— Est! nd..... E.Ki 0.22 E. Kt. 2.64 Elnnland.... Fmk 4.— Fmk 48.— Frankreich... Frs. 1.50 Frs. 18.— OroBbritanhien.. d. 4.—$h. 4.— Holland.... Qld 0.1.1 GId 1.80 Italien...... Llt 1.10 Llr. 18.20 ■Ingoslawien... Din. 4.50 Dln 54__ Lettland.... Lat OJO UL 3Ä> Nr. 19 Sonntag, 32.0ktober 193S Bezugspreis Im Quartal 17 v J Q Qm Ausland Kt 24�1 IV C I O.- Anslaudsprcise Linzelnumm vierteljährl. Litauen.... Luxemburg,. Norwegen... Oesterteich.. Palästina.,. Polen..... Portugal... Rumänien.. Saargebiet., Schweden.,. Schweiz... Spanien... Ungarn.... USA...... , Llt 0.55 . B. Frs. 2.- . Kr 0.35 Sch 0.40 Müs 18.- . Zloty OSO , Esc." 2- , Lei F.Fi. .Kr . Frs. Pes Peng6 0.35 Dollar 0.08 10.- 1.50 0.55 0.30 0.70 Llt 6.60 B.Fi, 24.- Kr. 4 20 Schill. 4.80 Mlls 216.— Zloty 6.— Esc. 24- Lei 120.— F. Ft. 18.- Kr 4 20 Frs 3,60 Pes. 8.40 PengS 4.20, Dollar 0.90 Sozialdemokratisches Wochenblatt Dentsdilands tiefste Erniedrigung Die Yolksabstimmungs-'Koiiiödle am 12* Xovember 12. November 1933: Deutsahland in Seiner tiefsten Erniedrigung! 45 Millionen Männer und Frauen werden an die Urne getrieben, um eine Tat gutzuheißen, die nichts anderes als das Vorspiel eines neuen Weltkrieges ist. Nachdem man sie neun Monate lang in der unerhörtesten Weise betrogen und ihnen die Möglichkeit genommen hat, sich über die Weltlage wahrheitsgemäß zu unterrichten, fordert nian ihr Urteil und schreibt ihnen zugleich vor, wie es auszufallen hat! Eine„Wahl" wird ausgeschrieben, aber den Wählern wird keine Wahl gelassen, da nur eine einzige Partei kandidieren darf, und jeder �ersuch, neben ihr eine andere zu schaffen, mit schwerer Zuchthausstrafe bedroht ist! Und nach dieser niederträchtigen |chmierenkomödie, diesem schändlichen �chindluderspiel mit dem deutschen Vol- «e wird Adolf H 1 1 1 e r in die Welt treten '"'d deklamieren:„Deutschland steht hin- JeL mir!" Man wird ihm ins Gesicht lachen 1 Hitler und seine Spießgesellen haben "en Austritt aus dem Völkerbund vollzo- Xen, sie haben die Abrüstungskonfereni �erlassen, weil sie die drohende Rüstungskontrolle scheuten und weil sie über die Abänderung des Mac-Donald-Planes, die Von Frankreich, den Vereinigten Staaten Ond Italien gebilligt wurde, gekränkt waren. Sie versichern Ehrenmänner sein und nicht zu verstehen, warum Jonen die Welt nicht traut. Aber da eben 'iegt der Hund begraben. Sie sind nicht, J�as sie zu sein vorgeben, und niemand "ält sie dafür, niemand traut ihnen! Es gab vor Ausbruch.des Dritten Reichs keinen Menschen mehr, der die grundsätz- üche Gleichberechtigung Deutschlands auf a'len Gebieten, auch auf dem der Bewaff- long, zu bestreiten versuchte. Heute gibt es außerhalb der schwarzweißroten Gren- niemand, der Deutschland auch nur e'n Maschinengewehr mehr als bisher be- �'iligen möchte. Warum? Weil man K i n- oern, Narren und Verbrechern i�in Messer in die Hand gibt! Wenn Hitler heute das„vernegerte" Efankreich mit Locktönen umwirbt, wenn Uf sich selber für wahnsinnig erklärt durch "'s Versicherung, nur ein Wahnsinniger könnte einen neuön Krieg wünschen— will er damit täuschen? Wer soll ihm Rauben, daß an der Isolierung Deutsch- Jjuids, an der wachsenden Kriegsgefahr Emigration Schuld trage und nicht j!ie Unfähigkeit und Gewissenlosigkeit des "orliner nationalsozialistischen Regimes? 0 ''S Millionen Menschen sollen am 12. No- Veniber an die Urnen getrieben werden, J101 einem stupiden Fanatiker mit zerrütten Moralbegriffen zu bestätigen, daß er er berufene Führer des Volkes sei. Wie *teht die Rechnung? Am 5. März gingen Millionen zur Wahl und von diesen 40 •Millionen wählten 17 Millionen nationalso- �'älistisch, aber 23 Millionen n i c h«L Rund Millionen stimmten sozialdemokratisch, , kommunistisch, 5 für Zentrum und Bay- �sche Volkspartei. Die. Roten und die J�hwarzen hatten— trotz Reichstags- 0rand un8handlung ausersehen, wurden mit Gewdirkolben geschlagen und mißhandelt, bis ihre Gesichter mit Blut bedeckt waren. Gleichzeitig wurde Ebert gezwungen, wiederholt zu ruien:„Mein Vater war der Volksverführer." Heilmann hatte fast noch grausamer zu leiden. Weiters besagt die Information, daß, trotzdem er mehr als einmal ohnmächtig wurde, Herr Ebert keine Zeichen der Bnschöchterung zeigt oder bis vor ganz kurzer Zeit zeigte. eine Tapferkeit, die ohne Zweifel seine Peiniger außerordentlich reizte. Wie lange ein Mensch solch organisierter Brutalität standhalten kann, ist angewi"'. Es ist angeregt worden, daß entweder durch den Völkerbund oder durch unser Land ein Prüfungskoraitee entsandt werden möchte, das über diese Konzentrationslager berichten soll. Ich persönlich würde es vorziehen, wenn die Angelegenheit von der großen Masse rechtschaffener Deutscher aufgenommen würde, auf die ich immer vertraut habe." Die Auslandstiramen, die der Welt bekanntgeben. Ebert und Heilman seien aufs schwerste mißhandelt worden, mehren sich derart, daß von der deutschen Regierung unbedingt eine Auskunft über den Verbleib und den Gesundheitszustand dieser Gefangenen gefordert werden muß. Lahusen finanziert die IVazis Der Reichstagsbrand hat das Interesse an einem anderen Prozeß zurückgedrängt, der schon seit Wochen läuft und der nicht weniger interessante Aufschlüsse Ober die politische Moral und die Kampfesraetho- den der heute in Deutschland Regierenden vermittelt: der Lahusen-Pro- z e ß. Lahusen hat schon vor einigen Wochen, als ihm das Gericht sein Vergehen der Steuerhinterziehung vorhielt, erklärt, er sei sich als Nationalsozialist keiner Schuld bewußt, denn er habe nur im Sinne Görings gehandelt, der wiederholt die Verweigerung der Steuerzahlung als ein durchaus erlaubtes Mittel im Kampf gegen das„alte System" bezeichnet habe. In der vorigen Woche ist es nun zu einer Auseinandersetzung über die Verwendung der sogenannten Direktionsbeiträge gekommen, die den Brüdern Lahusen ausgezahlt wurden. Deif Brüdern Lahusen standen pro Jahr 50.000 RM. zur Verfügung, mit denen sie politische Beiträge zahlen sollten, damit die Firma nicht direkt als Geldgeber in Erscheinung trat Karl Lahusen behauptete, daß die Summe keineswegs gereicht habe, er habe erheblich mehr für politische Zwecke ausgegeben. Als der Staatsanwalt nach Einzelheiten der Verwendung fragte, wich Lahusen mit der Bemerkung aus, die Angelegenheit sei zu d e 1 1 k a t. Es kam zu einem Wortwechsel. in dem Lahusen die Zahlung von 50 000 RM. an die Deutschnationale Volksparlei in Oldenburg zugab. Als er dann von Zahlungen nach München sprach, fragte der erste Staatsanwalt: „Aber doch nicht an die NSDAP.- Karl Lahusen antwortete: „Doch, gerade an diese!" So hat die„Arbeiterpartei" ihren Kampf gegen das System von echten Betrügern und ersten Schädlingen des deutschen Volkes finanzieren lassen. Jetzt aber kämpfen sie für deutsche Ehre und Sauberkeit Achtung! Verlagsanstalten! Wir übernehmen Allemvertpleb für Polen für ausländische Zeitungen, Zeitschriften, Modejournale u. Bücher. Seit Jahren größtes Unternehmen am hiesigen Platze. Erstklassige Referenzen.— Angebote erbeten unter Chriffre„19" an die Verwaltung des„Neuen Vorwärts". Herausgeber; Ernst Sattler. Karlsbad. Verantwortlicher Redakteur; Wenzel Horn, Karlsbad. Druck:„Graphia" Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P D. ZI. 159,334�11-1933 Kümposnon Fachmann, Organisator, Kaufmann, für gesundes 20jähriges Unternehmen(Konstruktionsund Kunstschlosserei) bei Prag(10 km vom Stadtzentrum), gesucht. Eigene Werkstatt, Haus- und Grundbesitz vorhanden. Anfragen unter„25—30 Mille RM." an die Verw. d. Bl. znlinarzt S. APATCH EWS KY Erstklassige Ausführung— Spricht deutsch und englisch 24, Av. Friedeland Paria(8e) Fernsprecher: Carnot 38-13— Mötro; Etoile ZUiront Erstklassige Ausführung Sprechstunde nachm. Spricht dentsefa 36, nie Doudenuville Paria(18e) Metro(Untergrundbahn): Chäteau• Ronge im Winter kommen Sie nach Paris. Sie werden die größte Wohnlichkeit in diesen zwei Hotels finden Hotel de Castille (Madelaine) 37— Rue Cambon • Zim. u. Mab. von 55 fr. Fr. Restaurant— Garten Hotel Cambon (Champs-Elysöes) 3— Rue Cambon Zim. n. Mah. von 45 fr. Fr. Familienleben— Billig und behaglich Wenn Sie ein Haus oder ein6eschäft irgendwo in England kaufen oder verkaufen wollen „so schnell wie möglich" schreiben Sie an Thomas& Francis Häuser-undGüteragenteM�eroveRoad, South Woodford London, E. 18. Groß-Britannien �Beiiage des Tleuen Vomäcts" Tic. 19 Wege zur Klarheit Parteikritische Literatur:„IVeu beginnen66 „Die Sozialistische Revolution66 In allen Kreisen der sozialistischen Bewegung Deutschlands, im Inlande wie im Auslande, ist der Wille lebendig, durch starke Selbstkritik und Ueberprüfung der bisher gültigen Anschauungen die geistige Krise der Gegenwart zu überwinden und feste Grundlagen zu schaffen für den Aufstieg unserer Bewegung. Diesem Zweck dienen neben den Tageszeitungen und Zeitschriften die sozialistischen Broschüren, die den organisatorischen und taktischen Problemen des Sozialismus gewidmet sind. In der Schriftenreihe„Probleme des Sozialismu s", die im Verlag Graphia, Karlsbad herausgegeben wird, ist jetzt die Schrift von M i I e s,„Neu beginnen!" erschienen, die als„Diskussionsgrundlage der Sozialisten Deutschlands" dienen soll Die Herausgeber betonen ausdrücklich, daß sie die Verantwortung für die in der Schriftenreihe vorgetragenen Auffassungen nicht übernehmen, sondern sie den Autoren der einzelnen Hefte überlassen müssen. Auch der Autor der vorliegenden Schrift macht in der Vorrede den Vorbehalt, daß sie,„in Eile und unter dem schweren Druck der faschistischen Illegalität geschrieben", ihrer Form und ihrem Umfang nach nur die Resultate von Untersuchungen und Diskussionen geben könne. Dennoch will die Schrift den deutschen kämpferischen Sozialisten„die geistige und politische Grundlage für die Neuformierung ihrer Reihen geben; sie will Zeugnis ablegen„von dem ungebrochenen Geist der deutschen Sozialisten, von ihrer Zuversicht und von ihrem festen Hillen, die große Aufgabe des sozialistischen Freiheitskampfes, die uns von der vergangenen Generation der sozialistischen Bewegung ungelöst hinterlassen �vurde, mit neuen Kräften und auf neuen .�egen anzupacken und zu lösen." Die Absicht ist löblich. Ist sie aber verwirklicht? Diese Frage kann nicht be- läht werden. Die Schrift enthält gute Stel- 'en und manche annehmbare Formulierung, sie bleibt aber vielfach in den Anläufen zur Analyse stecken, kommt zu keiner abgerundeten Konzeption, gibt Hypothesen als feststehende Theorien aus und verbindet dies alles mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit und allgemeine Anerkennung. Man hat das Gefühl, daß der Ver- msser der Schrift zu viel in die Darlegungen hineinpressen wollte. Dadurch entstand eine klaffende Diskrepanz zwischen der theoretischen Begründung, die stellenweise unvollkommen, verworren und widerspruchsvoll ist, und den praktischen Vorschlägen, die, soweit sie sich auf politischem Boden bewegen und die Umwelt im faschistischen Deutschland berücksichtigen, zu einem großen Teil durchaus diskutabel wären. Unklar bleibt allerdings, worauf sich die Prätension des Verfassers stützt, daß seine Darlegung als Grundlage für ein neues grundsätzliches und politisches Programm der erneuerten sozialistischen Bewegung in Deutschland angesehen werden soll. Ob und inwieweit dies möglich ist, kann sich nur aus den Ergebnissen der Diskussion zeigen. für die die vorliegende Schrift sowohl in ihren positiven, wie in ihren negativen Seiten allerdings eine recht brauchbare Grundlage bilden kann. * Der Diskussion dient auch die Monatsschrift„Sozialistische Revolution"(Verlag Graphia, Karlsbad), deren erstes Heft soeben erschienen ist In dem einleitenden programmatischen Artikel „Die Zeit und die Aufgabe" wird der Charakter der Zeitschrift umrissen:„Sie wird ein Organ freiester Kritik sein, einer Kritik, die aus der Bloßlegung der Fehler an der Vergangenheit lernt und durch Analyse der Gegenwart die Gestaltung der Zukunft vorbereitet. Es wird ein revolutionäres Organ sein, revolutionär nicht nur in der Bekämpfung des Gegners, sondern revolutionär auch in der Rücksichtslosigkeit gegen die eigene Bewegung, ihre Mängel und Rückständigkeit In freier Diskussion sollen die großen Probleme des Sozialismus und seiner Verwirklichung erörtert, die Konsequenzen gezogen werden." Wie weit entspricht das erste Heft der Zeitschrift diesem Programm? In dem Aufsatz„Ein Wort der Mahnung" von H. J. L a s k i-London wird zunächst auf das Versagen der sozialistischen Parlamentarier hingewiesen, die die feindlichen Kräfte nicht richtig eingeschätzt und keine entsprechenden Maßnahmen gegen sie ergriffen haben. Die Führer der deutschen Sozialdemokratie und der Gewerkschaften hätten noch immer nicht zu erklären vermocht,„wie es möglich war, daß sie sich ohne den geringsten Widerstand ergaben und daß sie so gar kein Verständnis für das schöne Wort von Pe- rikles bewiesen, das Geheimnis der Freiheit sei der Mut." Daran anschließend weist Laski auf eine Reihe fundamentaler Tatsachen der politischen Taktik hin. die in den nächsten Jahren berücksichtigt werden müßten. Die wichtigsten von ihnen sind: Stärkere Berücksichtigung der Forderungen der Jugend, keine Anbetung der Legalität, stärkere Herausarbeitung des Machtwillens der Sozialisten. Umfassend und ungemein lehrreich ist die Konzeption der gegenwärtigen machtpolitischen Probleme in der Abhandlung von M. Klinger,„Der Rückfall in den Machtstaat". Wir kennen in der bisher erschienenen kritischen Literatur über den Aufstieg des Hitlerismus und den Zusammenbruch der Arbeiterbewegung keine Schrift, die in so eindringlicher Weise die Wurzeln des nationalsozialistischen Aufstieges in der deutschen politischen Geschichte seit 1918 bloßgelegt hätte, wie es in der Abhandlung von Klinger geschieht, Dabei bleibt seine Kritik keineswegs im Negativen stecken, sondern weist Wege, um aus der Niederlage zu lernen. Von ainem anderen Gesichtspunkte geht G. Decker in seinem Aufsatz „Nicht radikal genug!" an die Kritik der Vergangenheit heran. Er sieht unseren grundlegenden methodologischen Fehler darin, daß unsere Analyse viel zu abstrakt war, und daß wir uns die Menschen, mit denen wir zu tun hatten, selber oft aus unseren Wünschen konstruierten, wodurch uns die konkrete Wirklichkeit häufig verschlossen wurde. Der zweite Fehler war der, daß es uns arji täglichen kompromißlosen Kampf um die Werte fehlte,„die als höhere Werte empfunden werden müssen, damit ein Volk sich zu einem freiheitlichen, ja sogar Ober- haupt zu einem politischen Volke entwik- „Tim ßeqiimett!" ... das ist der Titel der neuen Streitschrift, die als zweites Heft der sozialdemokratischen Schriftenreihe soeben erschienen ist. kein könnte." Das Schwergewicht unserer Arbeit müsse deshalb darin liegen, die materielle Unzufriedenheit in einen„revolutionären, politischen Willen" umzugestalten. Eine umfassende Darstellung der außenpolitischen Lage Deutschlands gibt A. S c h i f r i n in seinem Aufsatz„Hitler- Deutschland und Europ a".„Der deutsch-faschistische Imperialismus", schreibt er,„ist ein entstellter und entarteter Imperialismus, in dem die Hülle des schmarotzenden Machtapparates sich über die eigene Oekonomie hinwegzusetzen versucht Es ist ein Imperialismus, der wirtschaftlich auf tönernen Füßen steht, und politisch nicht in Kontinenten und Exportzahlen denkt, sondern in der Mythologie der Blutgemeinschaft, 4er trotz seiner sterbenden Wirtschaft nach Oesterreich, nach dem Baltikum, und noch nach vielen anderen Richtungen hin greifen will." Gegenüber diesem neudeutschen Imperialismus, der jetzt den Kampf um die Aufrüstung führt und die Welt vor neue Kriegsgefaliren stellt, müßten die Mittel und Methoden der sozialistischen Friedenspolitik revidiert werden.„Wer heute die vormärzlichen Parolen der Friedenspolitik mechanisch wiederholt, läuft Gefahr, nicht pazifistisch, sondern profaschistisch zu handeln." Den Abschluß der politischen Artikel in der Zeitschrift bildet der Aufsatz eines führenden katholischen Publizisten„Ende des politischen Katholizis- m u s", der außerordentlich interessantes Material über die Strömungen in führenden katholischen Kreisen Deutschlands vor und nach der Machtergreifung Hitlers enthält Auch auf.die Haltung der obersten Leitung der katholischen Kirche, die ihren Frieden mit Hitler gemacht hat, fallen grelle Schlaglichter. Die Schlußfolgerungen des Verfassers bewegen sich in der Richtung zu einem kämpferischen Sozialismus, der auch die wertvollsten Elemente der Zentrumsparteü der katholischen Vereine und der christlichen Gewerkschaften auffangen könnte.„Es wird— so schließt der anonyme Verfasser— die Zeit kommen, da man in katholischen Kreisen Deutschlands von einer Selbstbesinnung reden wird. Für den Sozialisten ergibt sich die Aufgabe, dieser Stunde nicht teilnahmslos und nicht ohne eine Parole entgegenzusehen, die auch bei enttäuschten Katholiken Verständnis finden kann." V i a t o r. AUSLIEFERUNG durch„Graphia", Karlsbad, Kantstraße.— Preis: 4 Kö. bezw. österr. Schilling—.85, Schweizer Franken—.60, Holl. Gulden—30, Französ. Francs 3—, Dollar—20, engl. Pfund—.10.— Umfang 64 Seiten und kartonierter Umschlag. Völkerbund als Mausefalle Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist von uns von der ersten bis zur letzten Sekunde bekämpft worden. Er war der Einlriti in eine M aase lalle.— Lokalanzeiger, 14. Oktober. Deutsches Drama Tod an der Schwelle. Das folgende Drama wird gegenwärtig in Deutschland in verschiedenen Variationen gespielt Handlung und Hintergrund spiegeln e'n typisches, entsetzlich typisches Stück A 1 1 ta g aus dem Dritten Reiche wieder. Das Pfama ist allen jenen gewidmet, die noch "nmer an die„moralische Erneuerung" Hit- '«rdeutschlands glauben. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Redakteur. Nach dem 5. März wird er verhaftet Und ins Gefängnis geschleppt Grund: er ist Marxist Auch er war an seinem Platze ge- hlieben, wollte nicht fliehen. War sein Ge- w'ssen nicht rein? Nichts hatte er getan, das m't den Gesetzen in Widerspruch stand. Nichts, dessen er sich zu schämen hätte. Er j�Üe für Menschenrecht, Freiheit Brüderlicb- eit, Frieden gekämpft die höchsten christ- ''chen Gebote standen auch ihm am höchsten. D'e ihn jetzt bewachten, die ihn beleidigten und demütigten— auch für deren Freiheit und fechte war er eingetreten. Dieses Bewußt- stein macht ihn stark, läßt ihn die Peinigungen der braunen Gefängnisse aufrecht ertragen. Nt manchmal, in dunkler Einsamkeit nach �"nden hundsföttischer Quälereien. um- �leicht ihn die Melancholie, zweifelt er am pinn dieses Daseins und fühlt, daß der Tod "icht das Schlimmste wäre. Aber er hat eine rau, die auf ihn wartet es gibt Menschen, die ihm hängen, seine Befreiung fordern. Der a2 muß ja kommen! Ausharren! Daheim wartet seine Frau. Grau in grau verrinnen die Tage zwischen Hoffen und Verzweifeln. Von einem Morgen zum andern lauert sie au! den Brief, der seine Befreiung kündet Sie ist Sozialistin; sie weiß und hat es von ihrem Manne oft gehört, welche geschichtliche Bedeutung dieser Zeit sozialistischen Martyriums zukommt, aber es ist schwer, historisch zu denken, wenn man ringsum barbarischen Wahnsinn siegen sieht Und es ist schwer, daheim zu sitzen, wenn über den Mann im Kerker dunkle Quälereien verhängt sind. Sie schreibt an die Mächtigen des Dritten Reichs, sie klagt an, sie rennt von Pontius zu Pilatus, sie fordert Freilassung des Schuldlosen. Man schickt sie mit beleidigenden oder leeren Redensarten nach Hause. Rechtsanwälte zucken die Achseln. Das Recht gilt in aiesem Staate der„neuen nationalen Ordnung" nicht mehr. Wer wagt es da, die Rechte eines Marxisten wahrzunehmen? Der Trübsinn greift nach ihr; den Gashahn aufdrehen—— und alles ist aus, Sie hört dunkle Gerüchte von ermordeten Führern der Freiheit; sie sträubt sich, daran zu glauben und liest in gleichgeschalteten Blättern, daß alle solche Nachrichten gewissenlose Greuelmärchen seien. Keine zwanzig seien bei der„nationalen Revolution" ums Leben gekommen— versichert des Reiches Kanzler dem Ausland. Kann so etwas, darf so etwas gelogen sein? Vor aller Welt? Sie klammert sich mit aller Kraft an den Glauben, daß es ein Weltgewisen geben müsse, das Rechenschaft heischt Nur die Nächte... die Nächte sind schwer und quälend. Bangnis läßt sie nicht schlafen, und wenn die Augen schon einmal vor Ueber- müdung zufallen, schrickt sie auf, weil ihr ist, als stürzte sie ins Bodenlose. Dann starrt sie ins Dunkle und denkt mit aller Kraft an das eine; Es muß der Tag kommen, da dieser Angsttraum vorüber ist... Und der Tag kommt. Monatelang hat sie ihn ersehnt Nun liegt der Brief, der die Freilassung kündet, in ihren zitternden Händen. Schon morgen soll er kommen! Immer wieder starrt sie auf die Schrift, denn nichts ist schwerer zu erfassen als das, was man am inbrünstigsten ersehnt hat Dann stürzt eine fiebernde Geschäftigkeit über die Frau. Sie muß, was sie kann, zur Heimkehr des monatelang Gequälten rüsten, muß Eltern, muß seine Freunde benachrichtigen. So viele warten auf ihn und andre Märtyrer der Freiheit Auch seine Seele hat Flügel, seitdem er weiß, daß er wieder hinaus ins Leben darf. Das Graue liegt hinter ihm, und er weiß jetzt erst daß er nur gelebt hat, um die Seinen wiederzusehen. Die letzte Nacht geht er vor seinem Lager auf und ab, fiebernd nach dem Licht da draußen... Die letzte Nacht... In dieser Nacht Hegt der Mordwahn Hitler'scher Prätorianer auf der Lauer. Hat man sie nicht jahrelang gelehrt, daß alle Marxisten rote Verbrecher, Schädlinge und Volksverderber seien? Haben die Hitler und Göring nicht ewigen Haß gegen die Andersdenkenden gepredigt und die Ausrottung der„roten Untermenschen" gefordert? Und dieser Wortführer„demokratischer Volks- verwirrung" soll frei kommen?! Oh, sie verstehen den obersten Führer richtig, er hat die Mörder von Potempa seine Freunde genannt. Was gibt's da noch zu fackeln? Die Behörden? Du lieber Himmel, genug rote Hunde wurden„auf der Flucht erschossen" oder endeten durch„Selbstmord"— weshalb ausgerechnet dieser Bonze nicht?? Sobald der Morgen graut... Als das Tageslicht dämmert, wandelt die Frau des Gefangenen schon draußen unter der jungen Sonne. Blumen will sie haben, viel Blumen. Das Zimmer schmückt sie wie zu einem Fest. Bebende Erwartung, freudevolle Unruhe treiben sie ans Fenster, zur Tür, ans Fenster... Wann wird er kommen? Vormittag oder nachmittag? Wenn draußen Schritte gehen, öffnet sie die Tür. Der Nachmittag sinkt Ihre Hände beginnen zu zittern. Und dann jener Bote mit dem entsetzlichen, trockenen Bescheid der Gefängnis- Verwaltung: ihr Mann... ihr Mann habe Selbstmord verübt.,. Erst dreht sich das Zimmer. Dann lächelt sie irr. Nein, nein, unmöglich. Am letzten Tage Selbstmord... Ausgeschlossen... Das tut er schon ihretwegen nicht, das haben sie einander geschworen... Es muß ein Irrtum sein... es muß eine Verwechslung vorliegen... Sie wartet, wartet, wartet Ihr Lächeln erstarrt... Wie Solvejg, die ein Leben lang des Geliebten harrte, sitzt sie und starrt zur Tür, immer zur Tür... Die Blumen leuchten ringsum, verströmen Bildende Kunst Im Dritten Reldi Ton Toblas noft Die eleiche große Unredlichkeit, die Hitler und seine Leute als Sprungbrett für ihren Einbruch in' die Politik Deutschlands genommen haben nutzten sie, um die deutsche Kultur, wie sie bis dahin Geltung hatte, dem deutschen Volke als Lebensgefahr zu denunzieren und mit allen Mitteln der Zerstörung zu berennen. Ein Begriff wurde erfunden und durch unermüdliche Propaganda zu einem tressenden Götzen ausgeweitet: Kulturbolschewismus. Was der Nationalsozialist nicht kennt, das frißt er nicht; was seine Dummheit, sein Stumpfsinn und seine monomane Enge nicht begreifen, das wird als Nafionalverrat, als Pazifismus, als Niggertanz, als Jüdisch, kurz als Kulturbolschewismus gestäupt Die ganze Lächerlichkeit solchen Systems zeigt ein Beispiel, das gleich von den ersten Tagen der Hitlersohen Kulturstflfmerei an, mit unfaßbarer Wut, immer wieder dem aufgepeitschten Volke vor die entsetzten Augen gestellt worden ist: das flache Dach! Das flache Land, das sachliche Ergebnis technischer. Berechnung, zugleich das Aus- drucksmittel zweckmäßiger Baulogik, wurde als Attentat aof das Gemüt des deutschen Volkes, auf die Verträuratheit der deutschen Seele, wie sie im hohen Schrägdach des westfälischen oder lüneburgischen Bauernhauses nistet, verschrien. Es wurde als orientalisch und als Rache der Freimaurer an deutscher Mystik gebrandmarkt. Architekten, die flache Dächer gebaut hatten, wurden zu Volksverfübrern erklärt. ihre Ateliers oder gar ihre Schulen wurden geschlossen. Es gibt In der gesamten Baugeschichte kaum etwas Sinnloseres als diesen nationalsozialistischen Kampf gegen das flache Dach, das niemals von denen, die es angewandt haben, als Symbol einer Weltanschauung ausgegeben worden Ist und das von einem unzweifelhaft deutschen Baumeister, von Schinkel, schon vor beinahe hundert Jahren oft genug* benutzt wurde. So unsinnig die hohle Vokabel vom Kultur- bolschewisraus auch sein mochte, sie wurde den Miffionen der Ahnungslosen, der Denk- trägen und der Blindgläubigen In den Schädel gehämmert. Nach der gleichen Methode, nach der der Nationalsozialismus seine politischen Exzesse betrieb, verfuhr er gegen die Knltur, dfe er vorfand. Alle Subalternen gingen In Front; der Haß der Unbegabten nnd bis dahin Erfolglosen schäumte auf. Endlich konnte Talent dnreh Brutalität, Charakter durch Intrige, Gedanke durch Geschwätz, Innerlichkeit durch falschen Pathos, Wissen durch Unbildung, sittlicher Ernst durch Frechheit er- setzt werden. Auch hierfür ist Adolf Hitler das Vorbild; In seinem Koran der Stupidität„Mein Kampf" schüttet er ungezählte unkontrollierbare Einzelheiten, die er wild durcheinander sich angelesen, deren keine n verdaut bat, auf einen Haufen, besessen von der Tendenz, die Gefahr des Kulturbolschewismus aufzuspüren und ihn zu vernichten. Es wird zu den unsterblichen Paradoxien gehören, daß Hitlers dreistes Banausentum, das die Welt von der Willkür des Bolschewismus befreien wollte, in Wirklichkeit ein Chaos aller moralischen Werte bedeutet und einen unerträglichen Wirrwarr im Geistesleben anrichtet. Nicht die geringste Ursache lag vor, gegen die bildenden Künste Deutschlands, wie sie sich nach dem Kriege entwickelt hatten, den mordenden Bannstrab! zu schleudern. Alles in Allem waren da gesunde Natur und klares Wollen am schweren, keineswegs erfolglosen Werk. Absurditäten, an denen es gewiß nicht fehlte, bewiesen nur, daß Most da war nnd daß er gärte. Der Lärm, den einige turbulente Spitzen machten, zeigte nur an, daß die Meister ritten. Blind wütend beschimpften Hitler und dar Nationalsozialismus die Architektur, die Malerei, die Plastik und das Kunstgewerbe eines revolutionär strebenden aber zugleich besinnlichen Deutschlands, ohne anch nur einen Hauch zu spüren von der Gelstcsbrücke, deren Bau schon vor Jahrzehnten begonnen worden war, längst bevor Herr Hitler auch nur ahnte, daß es neben der Anstreicherei und dem Pinseln dummer Ornamente noch etwas Anderes gab, nämlich Kunst als Ausdruck des innersten Wesens von PersönMchkdt nnd Volk. Zwar wählte der Nationalsozialismus solche Formel(für ihm war Formel, was der deutschen Kunst Lebensinhalt gab) zum Kampfsgeschrei, aber er wußte nichts von den Etappen, in denen Deutschland vom bourgeoisen Zerfall der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, von deren pompösen Markarterie und kindischen Gojdschnltt- lyrik aufgestiegen war zur sachlich disziplinierten, ehrliche, das Wesen der Zeit ausschöpfenden Gestaltung. Der Nationalsozialismus wußte nichts von dem Aufstand der deutschen Kunst gegen die französischen Ludwigstile, gegen jegliche Verfälschung geschichtliche Vergangenhit und deren Mißbrauch zu verstaubter Romantik. Oer Nationalsozialismus wußte nichts von der Stufenfolge der Ausstellungen in Darmstadt. Dresden. Brüssel, die Deutschland aus fauler Nachahmung zum neuen deutschen Stil geführt hatte. Und so spreizte sich dieser Nationalsozialismus mit angeblich neuen 'Entdeckungen und neuen Forderungen, von denen jeder halbwegs normale Kenner deutscher Kunst wußte, daß sie seit langem erkannt •waren und verwirklicht wurden. Nicht einen neuen Gedanken hat der Nationalsozialismus zu den wesenhaften Problemen der deutschen Kunst beigetragen, wohl aber hat er alle klaren Entscheidungen, begonnen bei der simplen Zweckmäßigkeit, endend in der nationalen Gefühlskraft Jeder wahrhaft produktiven Leidenschaft künstlerischer Persönlichkeit, verwässert, durch hemmungslose Phrasen verblödet und aus einer selbstverständlichen Tugend in ein widernatürliches Laster verwandelt. Der Nationalsozialismus in der Kunst Ist nichts anderes als die Rebellion der Mittelmäßigkeit gegen die gesunde Entwicklung und gegen die überragende Leistung. Gegen die nüchterne Zweckform, die bewußt des tauben Scbmuck«s entbehrt, rebellleren die Ornamentenmacher, die Fabrikanten gedankenloser Dekorationen, die Quetschfal- tentapezlerer, die Kleinkrauter des verstorbenen Ueberflusses. Das wird durch die Mittclstands- poütik, wie sie sich in Hitlers Schwachkopi zu einer Karikatur verzerrt, bedingt Man braucht hier nur daran zu erinnern, daß Hitler für den von ihm gewoDten„gigantischen Kunstpalast" mit dem er München segnen möchte, aus der Mottenkiste Herrn Trost, herausholt, den schwächlichen längst vergessenen Versüßer einer barocken Abirrung modernen Ausdrucks. Anzumerken wäre hier auch, daß Hitler sich von Leuten porträtieren läßt die er für Maler halten mag, die in Wirklichkeit nichts anderes sind als bunt auigewichste Photographen der guten Stube. Gewiß, ein(Verzeihung) Staatsmann braucht nichts von Kunst rv verstehen. er kann künstlerischen Erscheinungen gegenüber blind und taub sein, aber dann muß er entsprechende Zurückhaltung wahren und darf nicht wie Hitler und sein Nationalsozialismus, sich zum Kunstpräzeptor eines großen Volkes aufwerfen. Ein Trümmerfeld hat der Nationalsozialismus aus der deutschen Kunst gemacht er hat sie gelähmt und verwirrt er hat sie Ihrer besten Männer beraubt Er bat sie durch die hündische Mode der Gleichschaltung um die Voraussetzung aller künstlerischen Schöpfung, um die Freiheit betrogen. Statt dessen hat er ihr die ekelhafteste Streberei, die Verwirrung, ein hin und her der Instanzen, ein unerträgliches Raufen um die Futterkrippe beschert. Herr Schulze-Naumburg, ein längst Begrabener, einst ein netter kleiner Kunstpauker, inzwischen ein greinender Rechthaber geworden, ist wieder aufgetaucht, und wurde zum Machthaber befördert Das gleiche geschah mit Herrn Schmitthenner, einem harmlosen Durchschnittsarchitekten, der nur, well er plötzlich seine französische Tradition mit konjunkturellem Teutonismus vertauschte, zum Führer ernannt worden ist Solche kleinen Abseitigkelten traten Im Zeichen des Hakenkreuzes in den Vordergrund, während Künstler, die Weltruf besitzen, und deren Werk das Reifen einer neuen deutschen, europäisch gebundenen Form bedeutet, entfernt worden sind. Wo blieben Hofer, Kokoschka, Käthe Koll- wltz, wo Poelzig, Croplus. Mies van der Rohe, Wagner, der Berliner Stadtbaumeister? Sie wurden an die Wand gequetscht und mit ihnen alle, die etwas Wirkliches können, die ihre eigene Sprache sprechen, die nicht Willens sind, sich wie stumme Tiere an die Kette legen zu lassen. Um nur noch zwei Beispiele zu nennen: Bruno Paul, der Direktor der Vereinigten Kunstschulen In Berlin, sin Künstler, der zumlndestens den Ruf deutscher Innenarchitektur und deutschen Kunstgewerbes gefestigt hat, wurde durch Herrn Kutschmann, einen völlig belanglosen, früh vergreisten De- korationspinsier, verdrängt; der Direktor der staatl. Kunstbibliothek, Dr. Curt Glaser, ein hervorragender Kenner der einschlägigen Literatur, von allen europäischen und amerikanischen Fachleuten, auch von den Japanischen Kollegen geschätzt, bekam als Nachfolger einen notorischen Lärmmacher, den halb- verrückten Querulanten Hermann Schmitz, nur weil dieser sich rechtzeitig bei den Nazis angeschmiert hatte. Die Personalpoli- tik Hitlerstst auch im Bereich der Künste eine ebenso schmutzige wie widersinnige Angelegenheit Sie wird verschlimmert durch die Entartung der bereits erwähnten Gleichschaltung. Die organisatorische Vernichtung des Künstlerischen nnd all Jener Künstler, die dem eigenen Gesetz mehr gehorchen als dem Diktat der Willkür, nähert sich dem Höhepunkt Alle Verbände der ausübenden Künstler, der Bund der deutschen Architekten, der Werkbund, die großen Ausstellungsvereinigungen, der Wirtschaftsverband, sind gleichgeschaltet sie alle unterstchen dem Arierparagraphen und dem ganzen übrigen Humbug des Nationalsozialismus. N ur, wer einer dieser Vereinigungen angehört darf künftighin In Deutschland noch Häuser bauen, Steine meißeln und Bilder malen. Wer könnte sich da nicht vorstellen, welcher Korruptheit, welcher Minderwertigkeit welchem Charaktermangel, welcher Schablone, welcher Blutarmut, welchem erbärmlichen Jode die deutsche Kunst im Dritten Reiche verfallen ist!? lUotr Uorarärts Ich bestelle den Jleuen Vorwärts" und erwarte regelmäßige Lieferung von nächster Nummer an. Nun» und fonumt Wohnort und Podunäult SlraSe und Uauanummtt Diesen Bestellschein bitte ausfüllen, ausschneiden und an: Verwaltung„Neuer V orw ärtsr, Karlsbad. CSR., Haas „GraphiaT. senden. groß und stii) ihr Bunt und ihren Duft ins festliche Zimmer... Welcher Greueldichter hat das erfunden? Welche teuflische Phantasie hat dieses sadistische Drama ersonnen? Es ging nie Ober die Bretter, es ist ein Stück der grauenhaften Wirklichkeit des Dritten Reiches, ist die blutige Leidensgeschichte unseres Genossen Dr. Solmitz, ehemals Redakteur unseres Lübecker Blattes, ermordet im Kerker am angekündigten Tage der Freilassung... Eine Tragödie unter vielen... So haben viele auf die Befreiung gehofft, so wurden viele gemeuchelt, so haben hunderte Frauen geharrt, so harren Tansende und Abertausende. Das Leben aber gehl weiter wie bisher. Die Mörder sind den Behörden bekannt, man wird nichts von ihrer Verurteilung hören. Hiller drückt Hindenburg weiter die Hand, Görlng hat ein Staatsgut, Auslandsjournalisten lassen sich weiter von Lügen-Göbbels Informieren und finden in den Konzentrationslagern „alles in bester Ordnung", Staatsmänner zivilisierter Völker setzen sich mit den blutigen Häuptlingen brauner Mörderbanden an einen Tisch, im deutschen Rundfunk wird" weiter die „neue höhere Moral" Hunnendeufschlands verkündet. Wir aber wissen, daß Menschenrecht und Gerechtigkeit zwar niedergetrampelf und geschändet, aber nicht getötet werden können. Die Menschheit hat erlebt, daß die Gerechtigkeit mitunter lange, allzu lange auf sich warten läßt, doch je länger sie geknechtet wird. um so stärker muß sie sich erheben, um so unerbittlicher muß sie Rechenschaft fordern, Auge am Auge, Zahn um Zahn! Br. Brandy. Mystik als Tendenz Der NobeNKandldat des Dritten Reicfis Deutschland präsentiert In diesem Jahre als Anwärter für den Literatur-Nobelpreis den Epiker Hermann Stehr. Die Kuntsgewaltl- gen des Dritten Reiches sind damit einer grundsätzlichen Entscheidung geschickt ausgewichen: sie haben keinen nationalistischen Tendenzschrefer aufs Schild erhoben, keinen der Vielen Allzuvlelen, die beute konjunktur- beflissen mit Hell- und Haßgesängen voll chauvinistisch-rassistischer Ueberhebllchkelt die deutsche Leserschaft zn betäuben suchen. Die na- tionalsoziaHsflsche Regierung läßt zwar diesen literarischen Morphium-Fabrikanten Jede För- derung angedelhcn, fühlt aber richtig, daß schwarzweißrote AHerkunst vor der Welt nicht zu bestehen vermag, und hütet sich, die Probe aufs Exempel zu wagen. Wie sieht nun der Schriftsteller aus, der als Repräsentant neudeutscher Literatur In den Scheinwerfer der Kritik geiückt wird? Hermann Stehr ist— wir sagten es schon— kel» hurrapatriotischer Federträger, kein haken- kreuzlerlscher Tendenzbold. Aber er ist den neuen Herren dennoch über die Massen genehm. Zum Ankläger der gegenwärtigen Welt- und Gesellschaftsordnung: zum Anwalt der Entrechteten fühlt er sich nicht berufen. Herr Thyssen darf seine Werke mit denselben Ge* fühlen lesen, wie der Arbeitslose Schulze vom Wedding. Er Ist kein Kläger und kein Stürmer— er ist ein Mystiker, ein Mystiker reinster und unbedingtester Art Nicht ohne schöpferische Qualitäten nicht ohne Buntheit, nicht ohne Eigenart des Stils und der Gestaltung. Aber wer sich nicht mit dem Schriftsteller Stehr, sondern mit dem Nobelpreisanwärter des Dritten Reiches auseinandersetzt, wird unschwer erkennen, warum gerade er wie kein anderer den Hitleristen als Paradedichter geeignet scheint, warum gerade seine Kunst, so fern aller Tendenz sie gewachsen scheint, dennoch fendenzvoll, dennoch für die blutigen Gewaltdiktatoren als Feigenblatt brauchbar ist. „Und jedes Ding Ist doppelt Und während ich lebe, lebe ich zugleich hier und wie hinter fernen Büschen." Diese Worte, die Stehr in seinem Roman..Heiligenhof" dem Sintiinger- Bauern in den Mund legt, könnten als Motto Jedem seiner Werke vorangestellt werden.„Wie hinter fernen Büschen"— das ist es; Auf dem Wege zu sich selbst verirren sich die Stehr- schen Gestalfen zu tausend Malen Im verästelten Doryengesfrüpp Ihres Herzens, laufen sie Im Labyrinth Ihrer empfindsamen Seele tausendmal auf falschem Pfad zu falschem Ziel. Das Schicksal, das sie Im Alltag erleiden, wird Nebensache, verblaßt Dafflr zerfasert Stehr mit dem Seziermesser Jede seelische Regung, und In den hellen Tag drängen sich, Zwielicht verbreitend, dl« nebelhaften Gestalten einer mystischen, nur mit dem Ueberslnn crahnbaren Weit Der darbende Arbeiter In einem Stehr- schen Märchen wird satt und froh, so bald er auf geheimnisvolle Welse die ganze Welt In sich eingesogen hat ein Schieber wirft sein Geld von sich, weil er Gesichte hat und well Ihn plötzHch von'nnen her das Gutsein packt Immer Ist es die„Sclbsthelllgung", die aus aller Trübsal emporführt. Ist diese Kunst wirklich so fern aller Tendenz? Vielleicht— von ihrem Schöpfer aus gesehen. Wenn aber das Dritte Reich sie aufs Schild hebt, wenn Stehr In Schulen und Volks» bfbliotheken zum Natlonaldlchtcr emporgeprie- sen wird, dann ist in diesem Tun durchaus Tet{denz. Den Hungernden von der Außenwelt fort hinter„ferne Büsche" zu führen, ihn den knurrenden Magen durch seelische Läuterung vergessen zu machen, ist ohnehin das Streben der neudentschen Tyrannen. Und Stehr selbst? Er hat sich mit Pauken und Trompeten gleichgeschaltet Was nützt der Welt was nützt den Leidenden die seelische Verfeinerung dieses Mystikers, wenn er«Ich mitten in dem blutigen Hakenkreuzsumpf so«vohl fflhh wie noch nie? Zum Teufel nrlt seiner Zartnervlgkelt und mit der Hellhörigkeit les Herzens auf dfe er sich soviel zugute tut wenn er gegen die Schreie der Gefolterten um ihn her taub bleibt wenn ihm die Schatten der schuldlos Hingemordeten keine Stunde seines gesegneten Nachtschlafes rauben können. Den Nobelpreis für Literatur wird er nicht bekommen— selbst wenn kdno bedeutenderen Anwärter da wären, würden sich ailzn viele Stimmer in der Wolf gegen einen gielchgeschaltetea Dichter erheben— aber sein Werk wird für nun und alle Zeit befleckt sein. Kara. Da hori die Wehgesdndito auf! Aal dem.Deutschen Kulturtag am Rhelri' hielt der Leiter des Außenpolitischen Amte5 der NSDAP, Altred Rosenberg, eine Rede, l" der er a. a. sagte: „Wir sind", so fuhr er fort. Mute i* Ueber zeugung. daß es keine geschtchtllch* Weltgeschichte gibt, sondern nur eine Russen- und VOlkergeschichte. Die Harnä' ntsterung der Menschheit, dl* man lange als das Ziel der Gf schichte ansah, ist überwunde' ner Gedanke." Glaube und Der Krieg wider den Geist Ijüge In den faschistischen Gazetten aller Länder tobt der Kampf gegen den Geist. Das Bürgertum, dessen Vorkämpfer einst die Vernunft auf den Thron erhoben und damit die schärfsten Waffen gegen den Feudalismus schmiedeten, will zurück zum starren Glauben. Das drückt sich nirgends so deutlich aus, wie auf politischem Gebiet, äußert sich am schärfsten dort. wo die Oberschichten in den Faschismus flüchten. Die ökonomischen Wurzeln dieser hilflosen Geisteshaltung liegen offen zutage. Die Bourgeoisie steht vor Problemen, die sie nicht zu meistern weiß; sie kann wirtschaftlich nicht mehr weiter. Ihre große Lebenslüge, daß die privatwirtschauliche Ordnung gleichzeitig die beste aller Welten bedeute, zerbrach am eltkrieg und an der Weltkrise. Wirtschaftliche Vernunft gebietet eine sozialistische Neuordnung— also weg mit der Vernunft! Kritisches, logisches Denken führt natumot- wendig zu Forderungen wie: Umwälzung der kapitalistischen Wirtschaft, Planwirtschaft, beseitigung der bürgerlichen Besitzverhältnisse, übernationale Neuordnung der Kontinente, kurz Umwälzungen, die das Ende der bourgoisen Klassenherrschaft bedeuten— also weg mit dem Denken! Weg mit der freien Wissenschaft! Weg mit der freien Forschung! Sie haben dem neuen„totalen Staate" zu dienen! Dieser t o t a 1 e S t a a t Ist von früher her genügend bekannt, man nannte ihn bisher den absolutistischen; an der Spitze der„Führer", der jeweilige Despot, rings um ihn die mitherrschende Kamarilla, darunter die Stände. Ganz unten die arbeitende Masse. Zu diesem Ständestaat will der Faschismus zurück; er soll das letzte Bollwerk des Monopolkapitalismus sein. Da sich aber freies Denken mit der Mu- miflzierung überlebter Dinge nicht abfin- det, muß der heutige wie der damalige Absolutismus auch die Gedankenfreiheit verfemen. Daher die Bücherverbrennungen, die schwarzen Listen gegen den Geist, der faschistische Haß gegen die Intelligenz, die Hetze eegen die Asphaltintellektuellen. An Stelle des Wissens soll der Glaube helfen. Alte absolutistische Glaubenssätze, auf neu gewendet. schießen aus dem faschistischen Bo- den hervor:„Nicht fragen, sonder n d e m F 0 h re r v c r t r a u e n!— -AuchdieWissenschafthatdeni! Staate zu dienen!-— Nämlich dem Staate der totalen Rechtlosigkeit, in dem| der Schwerindustrielle Thyssen totaler Wirtschaftsdiktator ist Doch wo sich der Glaube mit dem Denken nicht verträgt, muß er zur L ü g e greifen, zur Lüge werden. Man vergleiche die bisherigen Ergebnisse faschistischer Regierungskunst mit der verstiegenen Phraseologie vor der Machtübernahme und die Lügnerei tritt Oberlebensgroß hervor. Sie führt auf den Weg des Verderbens. Wie kein Einzelner in seinem privaten Dasein die Lüge zum herrschenden P r i n- zip machen darf, wenn er sich nicht schwer schädigen will, so muß es Volkern zum Verhängnis werden, wenn eine Bewegung groß wird, die die Verlogenheit zum Programm erhebt. Das aber hat der Faschismus in Italien �ie in Deutschland verübt. Hier wie dort ist sein Weg mit konsequenter Lügnerei gepflastert Mussolini wartete noch 1920 mit einem Programm auf, das allgemeines Wahlrecht, Frauenwahlrecht Republik, Demokratie und So- ziaiisierung verhieß. Aus dem internationalen Sozialisten, Republikaner und Atheisten wurde in der Nähe von Mailand noch in jener Nacht, in der seine Schwarzhemden den Marsch auf Rom antraten. ein Nationalsozialist, Monarchist und from- tner Katholik. Seitdem fordert er G 1 a u- hen. nichts als Glauben. Die Grundsatz- losigkeit und Unwahrhaftlgkeit siegte wieder einmal- ein herrliches Vorbild für die Welt und aUe, die„vorwärts kom- nten1* wollen. Hatte Hitler dieses demoralisierende Beispiel im Auge, als er seinen Memoiren den Satz einverleibte: Je größer eine Lüge, desto fester werde sie vom Volke geglaubt?! Jedenfalls stümperte der braune Bandenführer dem Duce getreulich nach. tmd so darf man sagen, daß beide die Weltbesten in politischer Charakterlosigkeit wurden. Das überrumpelte Volk aber hat zu glauben. Daher auch die dick aufgetragene Scheinchristlichkeit des Faschismus. Auf diese brüchige, entgeistete Plattform suchen heute beträchtliche Teile der besitzenden Schichten zu flüchten. Seitdem die Bourgeoisie die liberaiistische Illusion, wonach die freie Wirtschaft gleichzeitig Freiheit und Glück aller verbürge, einsargen mußte— seitdem sucht sie krankhaft nach einer neuen Lebenslüge. Der Faschismus soll sie zaubern, der Ständestaat soll es sein. Aber das alles war in Mitteleuropa schon vor 60 Jahren überlebt, und darum wird Ibsens Wort daß eine Wahrheit zehn Jahre, eine gutgebaute Lüge Jedoch fünfzig hält, in diesem Falle nicht gelten. Dank der rasenden technischen Umwälzungen haben soziale Lügen heute kürzere Beine denn ehedem. Und wer die historische Entwicklung durch Verfemung des Geistes, Aech- tung der Intelligenz, Herrschaft dumpfen Glaubens und Despotie der Unwahrhaftig- keit hemmen will, verstopft die Wege der Evolution, begünstigt katastrophalen Geschichtsablauf, wird mitschuldig an kommenden furchtbaren Explosionen. Wer die Wirklichkeit fälscht, kommt an dieser Fälschung um! Wie groß, wie unbesiegbar, wie zukunftssicher aber muß auf die Dauer eine Idee wirken, die wie der S o z i a 1 i s m u s in erster Linie an die Ratio, ans Denken, an Vernunft und Logik appe! liert! Wie unerschütterlich muß ein Gedankengebäude sein, dessen Realisierung nur durch die Herrschaft des Denkens und der Vernunft möglich ist! Es scheint das Schicksal aller jeweils herrschenden Klassen zu sein, daß sie im Kampfe gegen die Denkfreiheit untergehen, wie es das Wiegengeschenk aller neuen Gesellschaftsformen ist, im Kampfe für die Freiheit des Geistes zum Siege zu gelangen. Gregor. Spuk in Genf zu hettfgr, Kollege, sonst kommen nodb mehr!" Mir bangt «in Die folgenden Zitate sind der Einleitung von Oswald Spengler zu seiner neuen Schrift:„Jahre der Entscheidung" entnommen. Das Buch ist im Verlag C. H. Beck in München erschienen, Das Vorwort ist im Juli 193 3 geschrieben. „Diese Machtergreifung hat sich In einem Wirbel von Stärke und Schwäche vollzogen. Ich sehe mit Bedenken, daß sie täglich mit so viel Lärm gefeiert wird. Es wäre richtiger, wir sparten das für einen Tag wirklicher und endgültiger Erfolge auf, das heißt außenpolitischer. Es gibt keine andern." • „Dem Rausch der ersten Tage, der oft schon kommende Möglichkeiten verdarb, folgt in der Regel eine Ernüchterung und die Unsicherheit über den„nächsten Schritt". Es gelangen Ele- i mente zur Macht, weiche den Genuß der Macht als Ergebnis betrachten und den Zustand verewigen möchten, der nur für Augenblicke tragbar ist. Richtige Gedanken werden von Fanatikern bis zur Selbstaufhebung übersteigert Was als Anfang Großes versprach, endet in Tra-j gödle oder Komödie." Ileuisdiland stehen vielleicht schon dicht vor dem zweiten Weltkrieg mit unbekannter Verteilung der Mächte and nicht vorauszu sehenden— militärischen, wirtschaftlichen, revolutionären— Mitteln und Zielen.. Wir haben keine Zeit uns auf inner- politische Angelegenheiten zu beschränken. Wir müssen für jedes denkbare Ereignis„in Form" sein. Deutschland ist keine Insel. Wenn wir nicht unser Verhältnis zur Welt als das wichtigste Problem gerade für uns sehen, gebt das Schicksal— und was für ein Schick- saf!— erbarm uagsios über ins faiaweg." Qpriag und Gööbeis vor Gorloht. „Deutschland ist in Gefahr. MelneJ I Angst um Deutschland ist nicht kleiner? geworden. Der Sieg vom März war zu leicht, um den Siegern über den Umfang� der Gefahr, ihren Ursprung und ihre Dauer die Augen zu öffnen." „Niemand kann wissen, zu was für Formen, Lagen und Persönlichkeiten diese Umwälzung führt und was für Gegenwir kungen sie von außen zur Folge hat. Jedej Revolution verschlechtert die außenpolN tische Lage eines Landes, und allein um dem gewachsen zu sein, sind Staatsmän ner vom Range Bismarcks nötig. Wir �eudeutsdie Justiz Die Diktatur der Angst Das Sondsrgericiit in Brauasch weig tot den Arbeiter Heiarieb Wolf nun Tode verurteilt Wolf soll mit der Waffe in der Hfand im Februar 1933 an einem Ueberfall auf BA.-Männcr t e i Igenointnen haben, und aliein Kiese Tatsache hat dem Gericht genügt, am in Todesurteil anszusprechen. Das sächsische Sonde reerichl verurteilt« einen Gewerbetreibenden zu vier Monaten Gefängnis, weil er dffentlid] festgestellt hatte, daß sich der sächsische Staatskommissar für das Cesandheitswesen, Dr. Wegner, ein Jahreseinkommen von 72.000 RM zugelegt hat Das Sondergericht sah von einer Nachprüfung dieser Behauptung ab und verzichtete auf die beantragte Vernehmung des Staatskommissars. Die Verurteilung wurde lediglich damit begründet daß endlich mit der Unsitte, öffentlich über das Einkommen der Beamten des neuen Deutschland zu sprechen, Schluß gemacht werden mßsse. Das gleiche Sondergericht verurteilte einen sozialdemokratischen Arbeiter egen Vertriebs des„Neuen Vorwärts" und wegen Beitragskassierung sn achtsehn Monaten Gefängnis. Im Verlaufe der Ver- liandiung teilte der Staatsanwalt mit, daß die illegale Arbeit der Sozialdemokratie in Sachsen an Umfang zugenommen habe. i- rj wi Kampfansage an die Emigrantenzeitschrifiten Im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" veröffentlicht die Cobbels'sche..Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums" einen Kampfruf gegen die literarischen Emigrantenzeitscbriften, die angeblich durch ihre„verleumderischen Schilderungen" dem deutschen Volke„unermeßlichen Schaden" zufügen. Genannt werden hier die„Neuen deutschen Blätter"(Prag), der„Wiener Bücherwurm" und die„Sammlung"(Amsterdam). Die„Reichsstelle" zetert; „Es wäre verhängnisvoll, über diese Dinge mit einem Achselzucken hinwegzugehen. Sie sind nicht so harmlos� wie sie sich vom Inland aus anseher, und eine nathläs- sige Vogelstraußbelracjjlung dieses Probien« der literarischen' Eoiigrante#zeitun- gen könnte sich eines Tages bitter rächen. Diese Emigrantenzeitungee versuchen ganz bewußt, eine L,Qgenblocka- de um das neue Deulgschlaud zu errichten, Wir wissen vom WeÄkrie« her, welche entsetzliche Wirkaingen eine derartige Blockade eines schänea Tages haben kann. Wir wissen, daß das Ausland heute noch zum großen Teil so verblendet und so ununterrichtet ist über das wahre Gesicht des neuen Deutschland, daß die lügenhaften Darstellungun, wie sie durch die genannten und anderem Emigrantenzeitungen verbreitet werden, draufien allenthalben Gehör finden." Merkwürdig, wie blind doefa das Ausland ist! Es schenkt weder Herrn Rosenberc, noch Herrn G ö b b e 1 s, die sich b&chsUaersön- lich nach dem Ausland beatben haben, Gehör. Es traut auch nicht den bezahlten Schmier- tinken, die in einzelnen ausläkidtschen Organen ihres gleichgeschalteten Mist abzuladen suchen, sondern glaubt viel eher den wirklichen Vertretern des deutschen Geistes, die in der Emigraatenpresse ebenso wie in den angesehensten Organen der Auslandspresse zu Worte kommen. Sollte hierbei nicht der von des Nazis eingeleitete Kreuzzug gegen die Freiheit des Geistes, die Bücherverbrennungen, die„schwarzen Listen", die Verfolgung der Künstler. Schriftsteller tmd Gcfehrten, die„Gleichschaltung" der Presse und Lfteratur eine entscheidende Rofle mitgespielt haben? Die Gßbbelsctie„RefchsStdle" darf das nicht zugeben. Sit fordert vielmehr zum Boykott aller Mitarbeiter der literarischen Emigrantenzeft- schrlften auf; „Wir fordern alle die, die als Träger und Mittler des geistigen Lebens in Deötschfand tätig sind, im Hinbiick auf die fiterarischen EmigrantenzeitschrlfteB, insbesondere den deutschen Verlag und den deutschen Buchhandel auf, sich tu die Abwehrfront gegen den getsti- gen Krieg, der draußen gegen uns entfesselt wird, einzureihen. Es müßte für jeden deutschen Verleger eine Selbstverständlrch- keit sein, daß er keine Bücher verlegt von Autoren, die sich zur Mitaibeit an den charakterisierten Zeitschriften be- kennen. Es müßte für jeden deutschen Buchhändler eine Selbstverständlichkeit sein, daß er keine Bücher verbreitet von Autoren, die im Ausland geistige Kriegshetze gegen Deutschland betreiben." Dieser Boykott-Aufruf findet selbstverständlich bei den gleichgeschalteten Vertagen Anklang, Schon veröftentlicht der Verlag AI- bert-Langen-Ceorg Müller in München, der sich bereits vor einigen Monaten darch betonte Liebedienerei den derzeitigen Machthabern aneubiedern suchte, im„Börsenblatt"«ine Mitteilung, daß er die Auslieferung der Bücher von Andersen-Ncxö„wegen deutschfeindlicher Betätigung" des Autors eingestellt dabe, da Andersen-Neaö— Mitarbeiter einer Emigranteiueitschiltt sei! Was tuts, daß eine solche Ankündigung einen bewußten V e r- tr a gs b r u ch, einen Raub am Eigentum des betreffenden Autort darstellt! Raub und Wort- brueb gehören zu den beliebtesten Kampfmitteln im„erneuerten" Deutschland, sie dflt- fen deshalb bei dem Erpresserfeldzug nicht fehlen, den das Dritte Reich gegen die nicht gleichgeschalteten Repräsentanten des deutschen Geistes eingeleitet bat. Aditunff« Redaktions- Zuschriften! mm Zuschriften für die Redaktion nur nach Prag«Karlfn, Palaekeho tKda 34. Das amerikanlsdie Experiment Kapitalistische Planwirtschaft— ein Widerspruch in sich! bracht werden sollen, für öffentliche Arbeitsbeschaffung zur Verfügung gestellt worden. Durch Sanierung der Banken und weitgehende Krediterleichterungen mit öffentlichen Mitteln sucht man die Unternehmungslust anzuregen. Den Baum- wollfarmern und den Bauern wird eine beträchtliche Einschränkung ihrer Produktion durch Verringerung der Anbauflächen ermöglicht, indem man die dadurch entstehenden Verluste zu einem großen Teil aus öffentlichen Mitteln deckt Der Verlauf dieses großen Experimentes ist sicher durch seine Verbindung mit der Inflation außerordentlich kompliziert worden. Diese Inflation, zu der die Vereinigten Staaten nicht aus ökonomischem Zwang, sondern aus freiem politischen Entschluß geschritten sind, ist ein Faktor von größter Unsicherheit geworden. Zunächst hat die Geldentwertung eine stürmische Preissteigerung auf den Rohstoffmärkten hervorgerufen und die Spekulation hat die Preise weit über das Maß der Entwertung hinaus getrieben. Viel langsamer aber folgten die Löhne und gerade deshalb sollte durch die Codes eine zwangsweise Erhöhung der Kaufkraft der Arbeiter erfolgen. Die Lohnerhöhungen, zum Teil auch die Verkürzung der Arbeitszeit haben eine Steigerung der Gestehungskosten bewirkt und drängen zur Steigerung auch der Konsumwaren. In der Tat sind die Lebenshaltungskosten von 116 im Mal 1933 auf 122 im Juli 1933, die Kosten der Nahrung von 92 auf 104 gestiegen. Auch die erhöhten Löhne drohen hinter der Preissteigerung, die bei anderen Fertigwaren zum Teil viel rascher erfolgt ist als bei den Lebenshaltungskosten, zurückzubleiben. Eine Welle von Streiks, die sich auch zugleich gegen die Nichteinhaltung der Cod-Bestimmungen durch die Unternehmer und namentlich gegen die Nichtanerkennung der Gewerkschaften richten, geht durch das Land. Die Gewerkschaften erhalten außerordentlich starken Zuwachs. Die Arbeiterbewegung ist im Aufstieg und der proletarische Antikapitalismus, eindrucksvoll belehrt durch das Experiment kapitalistischer Planwirtschaft, löst sich von dem vagen und reaktionären Antikapitalismus der Mittelschichten. Die sozialistische Idee ist im Fortschreiten. Dr. Richard Kern. Der Hunger wächst Löhne sinken— Preise steigen In der„Klinischen Wochenschau" veröffentlicht Professor Dr. v. T y s z k a erschütternde Zahlen über die Ernährungslage der deutschen Arbeiter und Erwerbslosen. Der Verbrauch an Fleisch und Fleischwaren betrug im Winter 1932/33 nur noch ein Drittel der Menge von 1927/28. Der Verbrauch an Eiern ist auf ein Viertel, der Verbrauch an Milch auf die Hälfte, der Verbrauch von Gemüse auf etwa ein Drittel zurückgegangen. Dagegen hat sich der Kartoffel- kon�um verdoppelt Welte Volksschichten in Deutschland sind als dauernd unterernährt zu betrachten. Im Dritten Reich hat sich diese dauernde Unterernährung noch erhöht Das Arbeitseinkommen ist um 20 Prozent gesunken. Die Preise sind aber gestiegen, für Schweine von Januar bis September um 36 v. H„ für Kühe um 10 v. H. Die Preise für Fleisch'waren sind noch stärker gestiegen. Die Preise für Butter sind 50 Prozent höher als im Vorjahre, bei Margarine ist der Preis mehr als verdoppelt Die Eierpreise liegen ebenfalls über Vorjahrsstand. Die Ldpziger Kreisleitung der NSDAP, veröffentlicht einen vom Präsidenten des Sächsischen Landtages Walter D ö n i c k e unterzeichneten Aufruf, worin es heißt; „Wir wissen, daß jetzt die Mehrzahl der deutschen Arbeiter fürkärglichsteEnt- 1 o h n u n g arbeitet und kaum noch den Unterhalt für sich und die ihren verdient Es laufen jetzt aber Meldungen ein, daß die Preise für die NahningsmUtel und Gebrauchsgegenstände in den letzten Tagen im Ansteigen begriffen sind." Die Steigerung der Preise ist die Folge der Wirtschaftspolitik Hitlers. Das werktätige Volk wird zugunsten der Junker und Großkapitalisten der völligen Verelendung preisgegeben. Zählt mit! In den Vereinigten Staaten hat die antikapitalistische Bewegung mit der Wahl Roosevelts einen vollen Erfolg erzielt Waren die Staaten vorher das klassische Land einer unbeschränkten, rein kapitalistischen Politik, die von den Interessen der Großindustrie und des Bankkapitals ausschließlich beherrscht wurde, und selbst die einfachste sozialpolitische Maßnahme unbekannt war— galt doch das Verbot der Kinderarbeit und die obligatorische Krankenversicherung schon als Sozialismus— so hat jetzt die antikapitalistische Rebellion einen vollständigen Umschwung bewirkt Im Gegensatz aber zu Deutschland, wo die kapitalistischen Mittelschichten sich zugleich gegen die starke Arbeiterbewegung gewandt haben und schließlich zum Werkzeug der großagrarischen und großkapitalistischen Reaktion geworden sind, hat in den Vereinigten Staaten, wo es eine selbständige politische Arbeiterbewegung von nennenswertem Ausmaß nicht gibt und auch die Gewerkschaften nur schwachen Einfluß, und auch diesen nur in bestimmten Wirtschaftszweigen, ausüben, ein Zusammenfluß der antikapitalistischen Bewegungen der Farmer und Kleinbürger mit den durch die Krise erst lebendig gewordenen antikapitalistischen Tendenzen der amerikanischen Arbeiterschaft stattgefunden. Daher die eigentümliche Mischung: mit der Forderung der Farmer nach Abwertung ihrer Schulden durch Herabsetzung des Dollarwertes, nach Preissteigerung ihrer Produkte und gesetzlicher Einschränkung der Ueberpro- duktion, verbinden sich eine Reihe sozialpolitischer Maßnahmen zugunsten der Arbeiterschaft. Der die bisherige Tradition umstürzende Grundgedanke ist aber der, daß an Stelle der kapitalistischen freien Konkurrenz eine vom Staat kontrollierte Planwirtschaft treten soll. Deshalb werden alle Bestimmungen, die den Zusammenschluß von Industrien zur Beseitigung der Konkurrenz untersagt haben, aufgehoben. Im Gegenteil, dieser Zusammenschluß wird jetzt vom Staate gefordert. Es sollen Vereinbarungen getroffen werden, um ungesunden Wettbewerb und gegenseitigen Preisdruck zu vermeiden. Eine Art Zwangs- kartellierung, bisher streng verpönt, wird jetzt vom Staate erzwungen. Denn wenn der Zusammenschluß nicht freiwillig erfolgt, so kann er von der neu eingesetzten obersten Wirtschaftsbehörde, der National Industrial Recovery Corporation(die Behörde zur Wiederbelebung der Wirtschaft, an deren Spitze General Hugh Johnson steht) angeordnet werden. Dafür müssen den Arbeitern wichtige Rechte eingeräumt werden. Das Wichtigste ist die Anerkennung der Gewerkschalten and ihres Rechts, Kollektivverträge abzuschließen. Es ist zugleich jene Bestimmung, welche auf den stärksten und zum Teil auch erfolgreichen Widerstand der Unternehmer, z. B. Fords, gestoßen ist, die sich nach wie vor weigern, mit den Gewerkschaften zu verhandeln und unabhängige Gewerkschaften in ihren Betrieben zuzulassen. Ferner müssen sich die Industrien zu M i- nimallöhnen und zu einer M a x i- malarbeitszeit, die 40 Stunden nicht überschreiten soll, verpflichten. Kommen Verträge freiwillig nicht zustande, so werden sie verordnet Bestimmend für den Inhalt dieser Codes, wie diese Regelungen heißen, ist der sogenannte Mantelcode mit seinen 14 Besthnmungien, die die Beschäftigung von Kindern verbieten, die wöchentliche Arbeitszeit au! 40 Stunden beschränken, einen wöchentlichen Minimallohn festsetzen, der in den Großstädten 15 Dollar und in Städten von 2500—250.000 Einwohnern 14 Dollars beträgt; in den kleineren Städten und Dörfern sollen die Löhne um mindestens 20 Prozent erhöht werden, sofern dadurch der Minimallohn nicht über 12 Dollar hinaus gesteigert wird. Die Unternehmer verpflichten sich feierlich, diese Bestimmungen einzuhalten. Zugleich mit dieser Neuregelung in der Industrie Ist eine Summe von 3.3 Milliarden Dollar, die durch Anleihen aufge- Statistisch nachgewiesen ist's, Daß Deutschlands Arbeitslose sich verringern, Das muß auch stimmen, denn das Reich Saugt sich die Zahlen nicht aus seinen Fingern. Zählt mit!— Hier stehn der Arbeitslosen drei. Schieß einen tot, dann bleiben doch nur zwei! Am Geldbeutel des Staats Könnt Ihr es auch genau ermessen, Da wird genommen und gebucht, Und nicht ein Kupferpfennig wird vergessen. Zählt mit!— Hier fressen letzt noch drei, Gib einem einfach nlcbts, dann bleiben zwei! Hier wohnten Leute unlängst noch, Die hatten rote Blumen, rote Wimpel, Die wollten essen, trinken, schlafen, | Was dachten sich die Menschengimpei? 1 Zählt mit! Man rief SS und auch SA herbe), Der eine wollte fliehen, da blieben zwei Der deutsche Mann kriegt welter seinen Lohn, Vorausgesetzt, daß blond er und ein Christ, Doch Ist er dunkel, braucht er nichts zum Essen. Erst recht nicht, wenn er Jode Ist. Zählt mit! Hier schafften jüngst noch drei, Den Joden schmiß man raus, da blieben zwei. Dies Reebenspiel Ist lustig fortzusetzen. Es ist recht unterhaltsam und scharmant, Man lernt dabei Bilanzen aulzustellen Und auch vom Sozialismus allerband. Zählt mit!— Laßt Euch die Zeit vertreiben. Die Rechnung stimmt:— Nor Nullen werden bleiben! Marga Reta. Scrips-Betrug Den Auslandsgläubigern Deutschlands ist die freie Verfügung über ihr Eigentum entzogen. Nur 50 Prozent der Forderung darf in ausländisener Währung überwiesen werden. die andere Hälfte bekommen sie In Form von Gutscheinen, sogenannten S c r i p s. Sic dürfen nur in Deutschland verwendet werden. Der Ankauf und die Veräußerung Ist an die behördliche Genehmigung gebunden. Sie dürfen aber nur zum Ankauf von Waren verwendet werden, die für lie Ausfuhr bestimmt sind. Die begrenzte Verwendungsmöglichkeit der Scrips hat zur Folge, daß ihr Veräußerungswert auf etwa 50 Prozent des Nennwertes gesunken ist Die AuslandsgläuHger werden also um ein Viertel ihrer Forderungen geprellt. Die Reichsbank dagegen nimmt die Scrips zum vollen Nennwert in Zahlt. ig Das„Prager Tag- blatt" vom 13. Oktober schreibl darüber; „Beträge, die dem deutschen Auslandsgläubiger von seiner Forderung abgeknappt wurden, verwendet die Reichsregierung in voller Höhe zur Niederkonkurrierung der Ausfuhrwirtschaft anderer Staaten, darunter auch jener, deren Ansprüche sie in so radikaler Weise gekürzt hat. Damit hat es Deutschland durchzusetzc verstanden, daß aus den deutschen Leistungen an das Ausbnd riesige Auslandslelstnngcn an Deutschland geworden sind. Was heute In Deutschland als Außenhandelspolitik betrieben wird, ist mit abendländischem Rechtsemptinden nicht mehr zu dek- ken." Das betrogene und geschädigte Ausland sucht sich natürlich gegen«olche Methoden zu wehren. Die Folge»st weitere Absperrung gegen die deutsche Ausfuhr. Es werden also letzten Endes die Werktätigen in Deutschland sein, die die Kosten dieser Schmutzkonkurrenz zu tragen haben. �ftTeu beginnen44 ist verboten! In der„Sozialdemokratischen Schriftenreihe", die vom Sozialdemokratischen Parteivorstand herausgegeben wird, erschien als zweites Heft die Broschüre:„Neu beginnen. Faschismus oder Sozialismus". Der Verlag erhielt jetzt von der Post- und Telegraphendirektion In Prag die Mitteilung, daß die Verbreitung dieser Drucksache in Deutschland verboten ist Dem Bescheid ist handschriftlich noch die Bemerkung hinzugefügt worden:.J) i s auf weiteres." Es war zu erwarten, daß lür Hitler-Deutschland allein schon ein so aufreizender Titel;„Neu beginnen" hier ein Verbot genügen würde. Der Faschismus hat wirklich mit einem Neubeginnen nichts gemein. Die deutschen Arbeiter aber werden trotz des Verbots Mittel und Wege finden, In den Besitz dieser Broschüre zu kommen. und sie werden dafüi sorgen, daß die „Hitlerherrschaft bis auf weiteres" ein schnelleres Ende findet, ab die Herrscher heute ahnen. Krupp hat gratuliert! Aus Anlaß des Austrittes Deutschlands aus dem Völkerbund und aus der Abrüstungskonferenz hat der Erbe des deubchen Kanonenkönigs von Krupp ein herzlich gehaltenes Glückwunschtelegramm an Adolf Hitler gerichtet Niemand wird bezweifeln, daß dieser Glückwunsch aus dem Herzen kommt! Hat doch Herr von Krupp, bevor er ihn losließ, sich selber kräftig die Hand geschüttelt! Beifall aus Doorn Der deutsche Exkaber gibt in einer Erklärung seine Zustimmung zu Hitlers außenpolitischen Maßnahmen. Er sagt er sei nur erstaunt gewesen, daß Deutschland überhaupt so lang® im Völkerbund geblieben sei. Marxisten Die Wahlen zum norwegischen S tortbin g haben der Arbeiterpartei eine" großen Sieg gebracht Skandinavien schalt®! sich gleich, aber nicht mit den braunen Hunnen, sondern mit den Marxbten. Norwegen geh1, wie Dänemark und Schweden, vor ihm, den �eg zum Marxismus. Nach einer Mlfteilung des Kopenhagen®! „Socialdemokraten" hat kürzlich das Berlin®r Auswärtige Amt den jungen Diplomaten di® Verehelichung mit Skandinavierinnen empfohlen, weil dies die reinsten Germaninnen sei®0- Und so weit Rasseforschung überhaupt ein®0 Sinn hat, steht fest daß dk Bewohner Deutschlands ein Gemisch von Kelten, Slawen, R0* manen, Juden und Germanen darstellen, während in den nordischen Ländern das Germanenblut rein erha'ten geblieben Ist Un� nun stellt sich mit iedem Tag deutlich heraus« daß die richtigen Germanen den ganzen hitlef' deubchen Rassenschwindel ablehnen und ihr®0 Weg zu Marx nehmen! Haben Sie die Monatsschrift: Sozialistische Revolution" bereits abonniert? Umlang 32 Textseiten, Preis pro Einzelheit Tschechoslowakei Ki 4.—/ Oesterreich; ö. Sc/t—.80— Polen; ZI. I.—/ Schweiz; Franken—.70/ Frankreich: Fr es. 350/ Holland: hfl—35' USA. Doli.—.20' England; Pfand St.—,l.—/ Ddnemark: dän. Kr.—90/ Rumänien: Lei 24.—/ Abonnement Ermäßigung. Ich bestelle 7 Exemplar der Monatschrilt.Sozialistische Revolution" ab Hr. 1 zur lautenden Lieferung. Der Betrag liegt bei/ wird per Seheck oder Postscheck überwiesen I in internationalen Postwertscheinen gesandt. Name and genaue Adresse Germanen sind