«r. 115. Adomumntts-ftblnpngt«: «bonnemenl»-Pret« pränumerando: vterteljährl. S�o Ml., monall. l.ioMl., wöchentlich LS PIg. frei int Hau». Simelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. Nummer mU Mustrlerler Sonntag». Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Singilrogen in der Post> Zettung«, Prettlifte für IS 00 unter Bt. 7071. Unter streu» band für»eutfchland und Oesterreich. Ungarn»Marl, für da» übrig,«lutland s Marl pro Monat. «rfcheint«glich«uster Monleg», W* 6n der KommissionS- fassmig. Mehr Gewicht als auf 8 1 scheint die Regiernng auf S 6 der Vorlage zu legen. Dieser Paragraph bestimmt in seiner ursprüng- lichen Fassung, daß die Steuer höchstens 20Proz. des gcwerbesteucr- Pflichtigen Ertrages atiSmachen dürfe. Die Kommission hat die Bestimmung gestrichen, also überhaupt keine Höchstgrenze fest- gesetzt. Hier mm erklärte Minister Miguel kurz und bündig, daß der Kounnissionsbcschlnß für die Regierung unannehmbar sei. Aber inzwischen war bereits seitens deS Abg. Schande(fk.) ein Antrag vorbereitet, die Regicrmigsvorlagc mit der Aenderung tviedcrherzu- stelle», daß die Warenhanssteuer, die 20 Pro/p de? Ertrags deS Unternehmens übersteigen würde, keinesfalls weiter als bis ans die Hälfte des nach 8 2 sich ergebenden StenerbetragS herabgesetzt werden darf. I» dieser Fassung, der höchstwahrscheinlich die Regierung bei- treten wird, wurde 8 2 angenommen. Die weitere Beratung wurde auf Sonnabend vertagt.— • Weltpolitische Projekteumacher. Eine„Konferenz für Auswanderungsfragen" tagte während der letzten Tage in Hannover. Daß diese harmlos klingende Benennung der Zusammenkunft nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß wir es hier mit einem Kongreß von Welt- Politikern zu thun haben, beweist schon die B e- s ch i ck u n g der Konferenz. Es beteiligten sich an derselben Vertreter der Deutschen Kolonial-Gesellschast, desAlldeutschenVerbands.des Allgemeinen deutschen Schulvereins, des Evangelischen Hauptvereins zum Schutze deutscher Auswanderer, des Deuts chenFlottenvereins, des Paraguay-Komitees in Hannover, der Kilimandscharo-Handels- und Landwirtschaftsgesellschaft in Berlin, des Hannoverschen Hauptvereins zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene, der Hanseatischen Koloni- sations-Gcsellschaft in Hamburg usw. Die wahren Absichten der Konferenz ließ auch deutlich genug das einleitende Referat des Professors Kettler- Hannover erkennen. Dieser Redner führte u. a. aus: Die Auswanderung sei im vorigen Jahre schon wieder gegen- über 1898 un, einige tausend Personen gestiegen. Die Statistik der AiiSwandening zeige von jeher ein Auf- und Absteige». Der Wechsel hänge im ivesentlichcn mit der wirtschaftlichen Loge der Vereinigten Staaten zusammen, die den größten Teil der Ans» Wanderung miftiehmc». Wenn auch die Bereinigten Staaten noch ans lange Zeit das Hauptziel sein werde», so dürfte sich in weiteren Kreisen des Volks doch allmählich die Ansicht geltend machen, daß das südliche Südamerika, einzelne Teile von Südafrika und von Queensland günstige AnSioandermigS- gebiete sind. Ein Volt, das mit einer jährlichen Zu- »ahme von 800 000 Seelen zu rechnen hat, werde stets an Answandcrungspolitik denken müssen. Gerade jetzt, wo die wirtschaftliche Teilung der Erde rapid vor sich sivreitet, müsse. so lange es noch Zeit ist. zugcgriffc» werden. Die Konferenz ivolle durch Belehrung und Anregung den A u s w a n d e r u» g s» st rw m und seine Z u s a ni m e n s e tz u u g beeinflussen. Die Beteiligling von 14 Vereinen an der hcnttgc» Konferenz be- weise, daß die Bestrebungen auf den verschiedensten Gebieten Interesse erregen. Dieser programmatische Herzenserguß beweist aufs neue, worin die Beteiligten das Ideal der Auswanderungspolitik jgblicken; in der Erwerbung von Siedclungs- Kolonien, m die sich der breite Strom der deutschen Auswanderung der Zukunft ergießen kann. Kiautschou eignet sich zu derartigen Siedelungskolonien, aber— und das wurde auch von der Konferenz zugestanden— ebenso wenig wie unser afrikanischer Besitz. Die Blicke unfrer Kolonialphantasten können deshalb in erster Linie nur mit aller Begehrlichkeit auf Süd- a m e r i k a haften. Haben wir erst die angestrebte Flotte, so wird man schon deutlich genug mit der Sprache heraus- rücken.— •» « Deutsches Weich. Herr Gröber, der württembergische Centrumsmann, dessen Seelenheil sich durch die nackte Kunst bedroht fühlt, kann neben Herrn Rören als Haupt« interessent der lex Heinze gelten. Dieser selbe Herr Gröber hat nun, wie die„Frankfurter Zeitung" urkundlich nachweist, seine juristische Pfiffigkeit dazu benutzt, um einen geistlichen Sittlichleitsverbrecher seiner Strafe zu entziehen. Durch Haftbefehl de? Untersuchungsrichters beim wllrttem- bergischen Landgericht Nottweil vom 17. Mai 1893 wird der katholische Pfarrer Fridolin Knittel von Wachen- dorf beschuldigt, er habe im Sommer und Herbst 1892 zu Wackendorf, Oberamt Horb, als Geistlicher mit einer noch nicht 14 Jahre alten Schülerin wiederholt unzüchtige Handlungen vorgenommen.(Verbrechen gemäß ßZ 176 Nr. 3, 174 Nr. 1, 78 des deutschen NeichSstrafgesetzbuchS). Gestützt auf diesen Strasbefehl. stellte das württembergische Ministerium beim schweizeri- scheu Bundesrat das Gesuch um Auslieferung des sich in HergiSwyl(Nidwalden) aufhaltenden Knittel. Der Requirierte erhob gegen die Auslieferung Einsprache. In zwei Eingaben an das Bundcsgericht, denen ein Rechtsgntachten des RcichStagS- Abgeordneten Gröber in Berlin beigefügt war, führte der Requirierte auS. daß die im Haft- befehl enthaltenen Anschuldigungen nicht solche SittlichkeitSdclikte betreffe», auf die fich der Auslieferungsvertrag beziehe(Notzucht und Kuppelei mit minderjährigen Personen) sondern Verbrechen im Sinne des§ 176 Absatz 3(Vornahme unzüchtiger Handwagen mit Personen unter 14 Jahren oder Verleitung derselben zur VerÜbung oder Duldung solcher Handlungen), und§ 174 Nr. 1(Vornahme unzüchtiger Handlungen seitens Vorntünder, Geistlicher usw. mit Pflegebefohlenen und minderjährigen Schülern), des deutschen Reichs- strafgesctzbuchs bezeichnet. Von dem die Notzucht treffenden Para- graphen(Z 177) des Reichsstrafgesetzbuchs schweigt der Haftbefehl. Die auf Grund des Auslieferungsvertrags nachgesuchte AuS- lieferung wurde denn auch verweigert. Herr Gröber hat feinen Schutzbefohlenen gerettet. Die.Frkf. Ztg." bemerkt dazu: «Derselbe Mann, der jetzt eifrigst Strafparagraphen gegen die- jenigen befürwortet, die durch die Darstellung des Nackten angeblich die Sittlichkeit gefährden, derselbe Man» hat seinen juristische» Scharf- sinn angewandt, um eine» schauiloscn Pfaffen vor der drohenden AnSlieferung und der nachfolgenden Strafe ?u retten! Herr Gröber entsetzt sich vor dem Schau- enster, in dem ein Paar unbekleidete Figuren stehen, und will den Schausteller bestraft wissen, aber dem geistlichen Wüstling, der sich an einem unschuldigen Kind vcr- greift, dem hat er freundschaftlich geholfen, sich der Verfolgung zu entziehenl Zu alledem kommt, daß Herr Gröber nicht etwa in der Rolle eines Rechtsbeistandes auftreten konnte, sondern daß er— Herr Gröber war damals Landrichter in Heilbronn— seine Schritte that in seiner Eigenschaft als Richter, und zwar als Richter in Dien st en des requirierenden Staats." Das Centrum hält eben nur Gemaltes und Geschriebenes für bedenklich. Darum verzichtete es auf den Arbeitgeber- Paragraphen. Konservative Obstruktion. Die„Post" der Herren Stumm und Zedlitz rettet die Ehre des Parlainentarismus. Die Bemühungen der Riinorität, mit den Mitteln der Geschästsordnung die lex Heinze zu verbessern, finden nicht die Anerkennung deS Blatts, während auf der andern Seite die Mehrheit keineswegs getadelt ivird. obwohl sie nicht nur die Ge- schäftsordnung zu fortwährenden Schlußanträgen benutzt, sonder» auch leichten Herzens die Geschäftsordnung vergewaltigt. Die„Post" schreibt: „Die Ehre des Reichstags ist seine Fähigkeit und sein Wille. Positives zn schaffen. Sobald aber, sei der Anlaß, welcher immer er wolle, eine Minderheit in die Lage kommt, durch formal zu- lässige, aber sachlich unnötige Arbeitsvermehrung den Reichstag am Fortgange seiner Arbeiten zu hindern, so ist das eine Gefährdung semes Ansehens, denn hier zeigt sich die unproduktive Mitarbeit des Volks an der Regierung, die Unfähigkeit, sein Ge- schick mit zu bestimmen. Die Linke freilich vermag sich in den Gedanken der Gefährlichkeit ihres Beginnens nicht zu vertiefen. weil ihre Arbeitskraft sich in der Negation bewegt und erschöpft." So zu lesen in derselben„Post", in der vor einem Jahre Herr b. Zedlitz— in zahllosen Artikeln zu LS M. und 12.S0 M.— die Obstrnktlon der Jlinker gegen die preußische Kanalvorlage, die Re- gierung und Wilhelm II. organisierte. Uebcr unsre Versuche, die lex Heinze zu eriveitern und zu reinigen, entrüstet sich dasselbe Blatt, dessen Hinterm cmn m der Kommission der Kanalvorlage dieses Gesetz so mit„K o m p e n s a t i o n e n" bepackte, daß es im eignen Fett erstickte. Die Konservativen haben im vorigen Jahre eindringlich gelehrt, wie man durch Erweitcrungs- und Verbcsserungsanträge eine Vorlage ver- schleppt. Erst als die Verschleppungstaktik ihnen nicht mehr wirksam genug schien, brachen sie damals dem Gesetz mit schnellem brutalem Griff das Genick. Und diese ObskrtiktionSpolitiker von 1899, die im Dunkel von Kouliffenintriguen perfid arbeiteten— der„Vorwärts" hat ja da» Spiel damals entlarvt— entrüsten sich heute. Flora Gaß. des edlen Hammerstein Geliebte, kannte ihre Leute, als sie zu ihrem Buhlen sprach:„Kommödianten seid ihr ja alle." Auch Nationalliberale für die Obstruktion. Die Partei. die nicht nur den Besitz, sondern auch die Bildung zu repräsentieren behauptet, scheint zu befürchten, daß ihre schlappe Passivität in der parlamentarischen lex Heinze-Kampagne ihr An- sehen in den ihr bisher angehörenden Kreisen der Goethebündler mindern könnte. In München hat wenigstens die dort tagende Hauptversammlung der Partei folgende Resolution angenommen und der Fraktion tclegrnphisch übermittelt: „In Anbetracht der Thatsache, daß die ultramontane und kon- servative Mehrheit im Deutschen Reichstag trotz deS EntrüstungS- sturmS aller Gebildeten des Volks die lox Heinze durchzusetzen bestrebt ist, erwartet die nationallibcrale Partei in München, daß die liberale Fraktion im Reichstag auch ferner geschlossen gegen die Isx Heinze stimmt und daß sie kein Mittel scheut, daS Gesetz zu Fall zu bringen." Ausland. Oeftreich-Ungar«. Neue Kanone»! Die„Neue Freie Presse" meldet aus Buda- Pest: Im HcereSauSschuß der ungrischcn Delegation bezifferte der Kriegsminister v. Kricghammer die Herstellungskosten für die neuen Geschütze auf 120 bis 130 Millionen Kronen. Dieser Betrag soll auf mehrere Jahre verteilt werden. Die Entscheidung darüber, ob die neuen Kanonen auS Bronzestahl oder aus Gußstahl hergestellt werden sollen, ist noch nicht getroffen worden. England. Gegen den JtngoiSmuS hat John Born« in ein» ver- sammlung im Battersea-Park mannhaste Worte gefunden. Johii Bums machte zunächst auf die„hysterischen Anwandlungen" im englischen Charakter aufmerksam. Die Leute seien„khakigeklerdet, khakitoll und khakischlecht". Nicht daS Parlament regiere, sondern daS Kabinett, der Soldat und der Polizist. Die Imperialisten wollten die ganze Karte der Welt rot anpinseln. Was England habe, wolle es behalten, und was es noch nicht habe, hinzu stehlen. Dieser brutale und ge- meine Boerenkrieg habe dem Land bereits 100 Millionen Pfund ge- kostet, nnd dabei' sei eS ein Krieg, den»organisierte Schuftigkeit" heraufbeschworen habe. Bravo!— Spanien. Daß die revolutionäre Bewegung in Spanien eine wesent- lich bürgerliche ist und namentlich in Handelskreisen ihre treibenden Kräfte besitzt, beweist ein Erlaß de« Handelsministers G a s s e t, der die Handelskammern mit Auflösung bedroht, sofern sie nicht davon abließen, den Kampf gegen die Regierung zu orga- nisiercn. Nachdem der Minister darauf hingewiesen, daß � die Handelskammern sich um Politik nicht zu kümmern hätten. Wirft er denselben ihre revolutionären Umtriebe vor. Anstatt der Regierung nützliche Daten zn unterbreiten, gäben sich viele von ihnen der Arbeit hin, Nekrute» anzuwerben, um die öffentliche Ordnung zu stören: anstatt Handelsberichte abzufassen, schreibe man nutzlose Aufrufe; anstatt die Handels- und Industrieschulen zu fördern, unterrichtet man die Gewerbetreibenden darin, Tumulte in Scenc zu setzen; ja, eS liege sogar der Verdacht vor, daß man die ein- gebenden Beiträge, anstatt sie zum Besten des Handelsstandes zu verwerten, als Handgeld unter die anftührerische» Massen verteile, die das normale Leben der Nation störten. Es wird dann unter Betonung des Umstandcs, daß die auf der ersten Versammlung in Saragossa zutage getretenen Tendenzen größtenteils mit den Ab- sichten des Ministerpräsidenten übercinstimmten. zum hundertsteinnal versprochen, daß die Regierung, sobald die Finanzen vor dem Bankerott gerettet seien, mit cillem Eifer das Reformwerk, dessen einzelne Prinkte von neuem aufgezählt werden, in Angriff nehmen werde. Wenn die Handelskammer» nichtsdestoweniger zum Schaden des wicdererivachsenden Staatskredits in ibyem jetzigen Beginnen fortfahren sollten, so sei die Regierung nicht geneigt, das länger zu dulden, vielmehr fest entschlossen, zu ihrer Auflösung zu schreiten. Die oppositionelle Presse scheint sich durch diese Drohung nicht einschüchtern lassen zn wollen. Sie nieint, daß die bis heute amt- lichen Kammern sich im Fall der Auflösung in f r e i e Kammern verwandeln und ruhig ihren Weg fortsetzen würden. Auch seien eS ja nicht die Handelskammern allein, die sich gegen die jetzige Regierung und die alten politikchen Syndikate erklärt bätte», sondern noch eine Menge andrer Körperschaften ähnlicher Art. Die letzte Hoffnung auf Wieder- Herstellung des Friedens fei nach dieser K u n d-- g e b u n g a u'f z u g e b e n. Nach den neuesten Meldungen scheint auch der Widerstand noch keineswegs gebrochen zu fein. Neue Unruhen find zu befürchten, so- bald am' 10. Juni die Frist für die freilvillige Steuerzahlung ab« läuft nnd die Anwendung von Zwangsmitteln beginnt. Die Madrider Innung der Kauflente beschloß, sämtliche Läden auf unbestimnite Zeit zuschließen, sobald gegen irgend eins ihrer Mitglieder zivangslveise vorgegangen werde. In den höchsten Kreisen soll große Besorgnis herrschen.— Afrika. Zu den Grenzstreitigkciteu zwischen Deutschland und dem Kongostaat läßt sich die„Franksurler Zeitung" ans Brüssel melden: Ani 10. April ist hier zwischen dem deutschen Gesandten Grafen v. Alvcnsleben und dem Exiniuister Beernacrt namens des Kongo- stnats vorläufig ein Vertrag betreffend das»mstntteue Gebiet aiu Kivn-Sce abgeschlossen worden. Die Souveränität des Gebiets ivird darin unerörlerl gelassen. Der Kongostnat verpfticvtet sicti, sich vor- läufig einer Einmilchung in die politischen Angelegenheiten jenes Gebiets zu entbaUe» und nicht mehr Soldoten daselbst zu unter- Halle» als Deutschland. Die Instruktionen in diesem Sinne sind mit der Post vom 1. Moi nach At'rila abgegangen nnd. damit sie schneller ankommen, noch telegraphisch über die afrikanische Ostküste vermittelt worden. Der König halte eine lange Konferenz mit den, Staatssekretär deS Kongostaates nnd man folgert ans alledem, daß eS eine» unangenehme n Zwischenfall zivische» Deutschen und Belgiern im Innern Afrikas gegeben hat, der durch eine diplomatische Einigung möglichst vertuscht werden soll. Protest Marokko» gegen Frankreichs Eroberungs- Politik. Der Sultan von Marokko hat einen Protest gegen die Bejetznng von Tuat-Oasen sommliert und den früheren Gouverneur von T»at nach Paris entsandt, um dort de» Protest zu überreichen. Sein Abgesandter sollte aber sein Ende finden, ehe er noch den Boden Marokkos verlassen hatte. Sid el Arbi el Mnihi, dieser Ge« sandte, ist in Tanger an Kohlendämpfen erstickt. Tanger» 18. Mai. Der Großvezier ist am letzten Sonntag ge- starben. Amerika. Niederlage der columbischcn Insurgenten. New gork, 18. Mai. Hier ist folgende Depesche aus Colon eingetroffen: Wie gemeldet wird, haben' die Truppen der Regierung von Columbien die Aufständischen nach einem 70jiündigen Kampf, der am 11. Mai begann, geschlagen. Dabei sind viele Mannschaften und auch die Generale Lcal nnd Hcrrcra gefallen. 1200 Insurgenten wurden mit vielen Geschützen und Gewehren gefangen genommen. Veichskag. (Schluß aus der 1. Beilage.) Abg. Heine(Soc.): Herr v. Kardorff spricht jetzt von Auslegung der Geschäfts- ordnung. Ich bin ein junger Parlamentarier, aber ein nicht mehr ganz junger Jurist und als solcher habe ich erfahren,>vas das Wort . Auslegung" bei Gesetzen zu bedeute» hat. Solche Anslegungcn, das es heißt: Wir beschließen jetzt, daß weiß schwarz ist, sind mir schon häufig vorgekommen. Daß Herr Liebennann sehr laut schreien kann, ist ja richtig. Das wissen wir von seiner berühmten„Belvsdere-Rede" (Große Heiterkeit), das weiß ich ans der ersten Begegnung, die ich mit ihm im politischen Leben gehabt habe. Das war damals, als er in einer öffentlichen Bersammlung auf den deutschen Reichstag ein dreimaliges Psui Teufel! ausbrachte. Wenn er aber heute von einem Narrenhanse gesprochen hat und damit sagen wollte, daß wir auf der Linken uns wie Starren betrügen, so rufe ich ihm diese öffentliche Versammlung inS Gedächtnis zurück und frage ihn, wo ist daS Rarrenhaus.(Bravo I links.) Abg. Richter(frs. Vp.): Ich konstatiere, daß der erregte Ton erst durch die Exploflon deS Herrn v. Kardorff in daSHauS hineingebracht worden ist. Herr v. Kardorff beklagte uiisre Obstruktion. Hat er, obwohl seine Partei fast die kleinste im Hause ist, nicht ebensolkbe Obstniktion beim Münzgesetz getrieben, hat nicht die Reckte beim Bürgerlichen Gesetzbuch, ais es sich um den Ersatz deS Hasenschadens handelte, damit gedroht, das Bürgerliche Gesetzbuch scheitern zu lasten? Unsre Obstruktion wäre gar nicht möglich, wenn sie sich nicht auf die öffentliche Meinung stützen könnte.(Lebhaftes Oho! rechts und im Centrnm'; sehr richtig! links.) Jawohl, die Stimnumg ist für uns und wenn Herr von Kardorff die Frage aufgeworfen hat, daß man mit der Obstruktion nicht regieren könne, so weiß ich nicht, was der Regierung lieber ist: daß die lex Heinze zu stände kommt oder nicht.' Was Herr v. Kardorff gesagt hat, das war die offene Drohung mit dem Staatsstreich. Er rief förmlich der Regierung zu:„Brecht die Verfassung!"... Präsident Graf v. Ballestrem t Herr Abg. Richter, Sie dürfen dem Abg. v. Kardorff nicht Motive unterschieben, die er selbst geleugnet hat, noch dazu, daß er die Regiennrg zum Verfassungsbruch hat auffordern wollen. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Abg. Richter(frs. Vp.) sfortfahrend): Ich will von der Person deS Abg. v. Kardorff absehen, aber Tbatsache ist, daß sein politischer Freund Freiherr v. Mirbach im Herrenhause die Regierung aufgefordert hat, gleich Ivi« Alexander der Große den gordischen Knoten zu durchhauen. Das war die offene Aussorderimg zum Staatsstreich. Was nun unsre An- träge betrifft, so beschäftigen sie sich mit Spielern, lüder- lichen Personen, die genau in das eigentliche Gebiet der lex Heinze pasien. Gerade weil Sie über das Gebiet des Geffudels hinaus Bestimmungen getroffen haben, welche Kunst und Wissenschaft gefährden, haben wir zn dem Mittel der Obstruktion gegriffen. Die Mehrheit der lex Heinze ist auch heute nicht präsent. Daruin ärgern Sie die Nationallibrralen hier nicht, denn wenn diese hinausgehen, dann liegen Sie auf dem Trocknen wie Fische, die zappeln, wenn sie aus dem Wasser genommen werden.(Große Heiterkeit und Beifall links.) Abg. Dr. Spahn(T.): Ich bedaure die ganze Geschäftsordnnngs-Debatte. Ich halte es für selbstverständlich, daß die Anträge Heine, die noch nicht zur Diskuision gestellt sind, späterhin zur Berhandlnng kommen. Daß wir uns den Ausspruch des Abg. v. Kardorff, die Majorität ist j Herr über die Geschäftsordnung, nicht zn eigen machen, dafür bürgt' unser ganzes bisheriges Verhalten. Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich bestreike dem Abg. Richter gegenüber, daß meine Partei jemals eine solche Obstruktion wie diese hier getrieben hat. Wir haben die Erledigung von Vorlagen bei nicht vollbesetztem Hause schon oft verhindert, aber noch' niemals dazu geholfen, tünstlich eine Vcschl»d»i>fähigleit herbeizuführen. Abg. Stadthagen(Soc.): Ich muß noch konstatieren, daß derselbe Abgeordnete, der hier das Wort„Maul ballen" in den Parlamentarismus eingeführt hat, in. einer Versammlung präsidiert hat. in welcher er direkt zum Brechen der Versassnng aufgefordert hat. Der Jdeengang dieses Herrn(Rufe: Kropaticheck!> entspricht ganz dem des Herrn o. Kar- dorff als er sagte, daß die Reichsverfasstmg nicht durch den Eid der Beamten gedeckt sei. llebrigens, Herr v. Kardorff, nennen Sie das keine Obstruktion, wenn Sie Ihren Kopf den ganzen Tag außerhalb des Sitzungssaales spazieren tragen und nur mit den Füßen arbeiten, um hier abzustimmen? Sie lassen uns hier reden, ohne un« zu antworten. Damit würdigen Sie die Debatte zu einer Farce herab. Präsident Graf Ballestrem: Wegen dieser letzten Aeußerung rufe ich den Herrn Abg. Stadt» Hägen zur Ordnung. Abg. Stadthagen(fortfahrend): Aber nicht nur die Debatte, sondern auch der ganze Parka« mentarismu« wird von Ihnen mit voller Absicht herabgewürdigt. (Bravo I links.) Abg. Liebermann von Tonnenberg(Ant.): Der Abg. Stadthagen hat die deutsche Sprache mit einer neuen Wendung bereichert. Er Iprach von einer Abstimmung mit den Füßen. Ich habe wohl schon gehört, daß man mit den Füßen mauscheln kann sGroßc Heiterkeit.), aber daß man damit auch ab- stimmen kann, war mir neu. Wenn Sie die Geschäfte hier nicht ordnungsniäßig fortführen, sondern Sie fortgesetzt stören. so drängen Sie ja gcivikse Leute geradezu dazu, eine neue Fonn für die Gejchäftserledigung zu suchen.(Aha I links.) Dem Abg. Heine erwidere ich, daß es ein einfacher lapsus iinguae war. als ich vom Apolle Belvsdere gesprochen habe. Die Ber- samiiilnngSgeschichte von dem dreimaligen Pfui Teufel hat er anck»ich: ganz richtig erzählt. Das war die Versammlung auf „Tivoli", in welcher der Volkseiitrüstung über die Ablehnung deS durch Bismarck geforderten dritten Direktors durch den Reichstag Ausdruck gegeben ivurde. Ich erzählte damals, daß Abgeordneter Richter hier im Reichstag Pfui, Teufel! gerufen habe und stellte es der Versanimlung anheim, od sie nicht nach diesem Vorgang einen gleichen Ruf über die Reichstags-Majorität ergehe» lassen wollte, die den für die Schonung der Gesundheit des Fürsten Bismarck so nötigen dritten Direktor verweigert habe. Das drciinoliae Pfui Teufel! lvurde tadellos exekutiert.(Große Heitcrkcil.) Ich frage Herrn Heine, ob er auf der damalige» Per- sammlung als Mitglied des Vereins deutscher Studenten oder als Socialdemokrat anwesend gewesen ist. Abg. Heine(Soc.): WaS ist denn eigentlich an unfrer Obstruktion schuld? Doch nur, daß die lex Heinze gestern und heute auf unsre Tagesordnung gesetzt ivorden ist. Hätte man das mm schon seit acht Jahren in den Windeln liegende Kind noch länger darin gelassen, eS wäre zu unfrer Obstruktion nie gekommen.(Sehr richtig I link«.) Herr Spahn sagt jetzt, die ganze GeschäftSordnungS-Debatte sei überflüssig gewesen. Ja. hätte er nur aus die vorhin vom Abg. Singer erbetene Erklärung eine unzweideutige Antwort gegeben. AuS seinem beharrlichen Schweigen mußten wir entnehmen, daß daS Centrum gewillt sei, die Geschäf'tsoldmmg so auszulegen, daß auch die noch nicht zur Diskussion gestellten Anträge durch den Schlnßantrag erledigt sein sollen. Ans dem Geist der Zimperlichkeit heraus ist die ganze Isx Heinze geboren. In einer öffentlichen Schaustellung der Rechten ist ja auch der de- kannte Ausspruch gefallen: Dia Mnistcr können uns—-- Was sie iöimeil, will ich hier nicht weiter ausführen. Aber daseist doch sicher, wenn die lex Heinze Gesetz wäre, würde diese Aeußermig, die. ohne unzüchtig zu sein, das Schamgsühl gröblich verletzt, darunter fallen.(Große Heiterkeit.) Herr v. Liebermann scheint sich viel darauf zu gute zu thnn, daß er in so vielen Jahren nicht einen Schritt vorwärts gegangen ist. Ich bin sehr froh darüber, daß ich jetzt ein ganz gut Teil gescheuter bin als ich damals war.(Sehr gut I bei den Socialdcniokraten.) Abg. v. Kardorf(Rpt.) Herr Stadthagcn sagte, ich hätte behauptet, der Beamteneid bezöge sich nicht auf die Verfassung. Es ist mir nicht eingefallen, einen solchen Unsinn zu bchaiipten, ich habe mir gesagt, daß die BnndeSfürsten und der Kaiser nicht auf die deutsche Verfassung� de» Eid leisten, während der König von Preußen auf die Verfassung den Eid leistet. Abg. Miillcr-Meiilingen: Ich habe meinen Antrag zu Z 882 aus demselben Mißtrauen wie der Abg. Heine heraus gestellt. Herrn Liebermann v. Sonnenbcrg erinnere ich an den Goetheschen Vers, der mit der Mahnung schließt: Nimm nur den Mund nicht zu voll!(Große Heiterkeit.) Abg. Richter(fts. Vp.): Den Ruf Pfui Teufel habe nicht ich gebraucht, aber eS war ein andrer Abgeordneter, der diesen Ausdruck im Reichstag gebraucht hat mit Namen Ballestrem.(Große Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: Ich habe nicht Pfui Teufel! gesagt, sondern nur Pfui! (Heiterkeit.) Hätte ich damals an dieser Stelle gestanden, so hätte ich den Ausdruck sofort für unparlainentarisch erklärt.(Stürmische Heiterkeit,) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.): Herr Mnllcr-Meiiiingen hat auf meine Qualität als Dichter an- gespielt. Mcinr Gedichte werden niemals unter die lex Heinze fallen. sLachen bei den Soc.) Ich habe niemals die Berechtigung des Nackten und des erotischen Elements in der Kunst geleugnet: „Denn von der Liebe feucht verklärtem Glanz borgt alles Licht, was strahlt im Dichterkranz I"(Stürmische Heiterkeit.) Meine Stellung- nähme zu der IsxHeinze entspricht lediglich meiner hohen Auffassung von der Kunst,j das; sie nämlich unter solche Paragraphen gar nicht fallen kann. Herrn Richter gegenüber will ich bemerken, daß ich mich genau er- innere, datz damals in den Zeitungen ein AuSruf„Pfui Teufel 1" festgestellt wurde. «bg. Richter(frs. BP.): Wenn man solche Behauptungen aufstellt, muh man sich auf den stenographischen Bericht beziehen können und nicht allgemein von Zeiwngen sprechen. Es werden jedenfalls antisemitische Zeitungen gewesen sein; da kommt ja der Ausdruck„Pfui Teufel" nicht selten vor.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.): Herr Richter weih doch ganz genau, dah Zwischenrufe nicht im Wortlaut im amtlichen Bericht wiedergegeben Iverden. Herr Richter hat übrigens schon öfter versucht abzuleugnen, was er hier thatsäch- lich gesagt hat.(Oho! Rufe, andauernde Unruhe links.) Präsident Graf Ballestrem: Gestatten Sie mir nun auch noch ein Wort zur Geschäfts- ordnuug.(Heiterkeit.) Als ich die Debatte über den§ 362 eröffnete, lagen vor die Amendements 672, 623 und 862, auherdem zwei damals handschriftliche Anträge des Herrn Abg. Heine, die ich zur Verlesung brachte und mit zur Diskussion stellte.'Andres lag nicht vor. Ich erteilte Herrn Frohme das Wort und überlieh den Vorsitz meinem Herrn Stellvertreter. Als ich wiederkam— sprach Herr Frohme noch (Heiterkeit). In der Zwischenzeit waren einige handschriftliche Anträge eingegangen, die mein Herr Stellvertreter in die Druckerei befördert hatte und die noch nicht alle da waren, als ich wiederkam Dies und die Anträge 813—17, 822, 823—24. Nun ist es richtig. daß es nach der Geschäftsordnung zulässig ist, daß Abänderungs- antrage jederzeit vor Schluß der Verhandlung gestellt werden. Also diese Anträge sind rits gestellt, sie sind verteilt und würden bei der Abstimmung mit zur Abstinimung komme» müssen. So liegt die Sache. Es liegt uns nunmehr ein Antrag auf Vertagung vor, den ich vor dem Antrag auf Schluß der Debatte zur Abstimmung zu bringen habe. Die Abstimmung über den Antrag auf Vertagung bleibt zwcifel baft, da die Nationalliberalen und einige Freikonservativc dafür stimmen. Bei der dadurch nötig werdenden Auszählung bleibt die gesamte Linke einschließlich der Nationalliberalen niit Aus- nähme weniger Abgeordneter jeder Fraktion außerhalb deS Saales. Der Hammelsprung ergicbt 183 Stimmen gegen die Vertagung. 10 Stimmen für dieselbe. Präsident Graf Ballestrem enthält sich der Stimme. Da nur 1V4 Abgeordnete gestimmt haben, ist da» Haus be fchluhunfähig. (Lebhaftes Bravo auf der Linken, die den Saal wieder bei treten hat.) Der Präsident Graf Ballestrem vertagt die Sitzung auf Sonnabend 1 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Berahing.) Schluß 8 Uhr._ Z�crrlamenkcrrislszc�» In der Budgetkommission des Reichstag» wurde heute die Beratung der Novelle zum Reichs st empel- steuer-Gesetz fortgesetzt. Bei dem Antrag Müllcr-Fulda(5.), dt« Anleihen der Städte mit einer Steuer von 2 vom Tausend zu belegen, entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Abg. Singer verweist auf die hohen Anforderungen, welche jetzt an die Städte herantreten. besonders für hygienische und socialpolitische Zwecke. Man dürfe doch nicht noch diese Städte, weil sie diese hohen Lasten zu tragen haben und Anleihen aufnehmen müssen, noch besonders belasten. Abg. vraf StolbergkaimZ— ans Gründeit. dte nicht in der Sache, sondern i» der Form liegen, und die heute nur darum angewandt werden, weil cS sich darum handelt, eine Vorlage zu erledigen, deren Verabschiedung da? Eentrum sehnlichst wünscht.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Wenn«S nicht zulässig ist. irgend einem Mitglied de? Reichstaas Mötive vnterzuschiebrn, die«S selbst nicht gehabt hat. so dürsts sich da- auch auf den Präsidenten beziehen, und ich muß es mir ernstlich verbitten, daß der Abg. Singer mir Motive unierschiebt bei meinem geschästsordnungsmäßigen, pflichtgemäßen Borgehen. die ich nie gehabt habe und nie haben werde.(Lebhafte? Bravo l recht» und im Centrum, Zischen und laute» Ohorusen bei den Socialiemokralen.) Abg. Singer(Soc.j fsortfahrendf: Ich habe nicht ein Wort von dem Herrn Präfidenten ge- sprochen. ich habe immer nur vom Centrum gesprochen, und ich habe das Recht, in diesem Fall vom Centruin zu sprechen, weil meine Aeußerungen geschöpft wurden au» Erörterungen, die in der CentrumSpresse, in Organen, mit denen das Centrnm sich identifiziert. gestanden haben. Ich möchte an den Herrn Präsidenten die'Litte richten, die Ausfassung, als ob mit jedem Wort, da» hier gegen seine Ansicht gesprochen wird, ein Mißtrauen in seine persönliche Integrität als Präsident gestellt wird, doch aufzugeben. Wir ivissen, daß wir innerhalb dieses Hauses unter der DiSeipltn des Herrn Präsidenten stehen. Wir wissen aber auch. Herr Präsident, daß hier kein» Schule ist.(Großer Lärm, lebhaftes Bravo i bei den Social- demolraten.) Präsident Graf Ballestrem: Da? ist ein ganz ungehöriger Ausdruck.(Großer Länu.) Abg. Singer(Soc.) sfortfahreiids: lieber die Geschäftsordnung hinaus können wir auch dem Herrn Präsidenten kein Disciplinarrecht einränn.en.(Lebhafte Zustimmung links.) Präsident Graf Ballestrem: Ich habe nie ein Recht in Anspruch genommen, daS sich nicht innerhalb deS Rahmens der Geschäftsordnung rechtfertigen ließe. Aber man hat mir vorgeworfen, daß ich diese Anträge bemängelt hätte, um dem Ceutrum eine Gcsälligkrit zu erweisen(Abg. Singer: Nein! nein!), und dcShald habe ich den Herrn Redner unterbrochen, weil ich es nicht dulden kann, daß dem Präsidenten des Hauses derartige Motive untergeschoben werden können.(Bravo im Centrum und rechts, große Unruhe links.) Abg. Singer(Soc.): Herr Präsident, aus dem Stenogramm werden Sie ersehen, daß e? mir nicht eingefallen ist, Ihnen persönlich gegenüberzuireten. Ich habe meine Worte nur an das Centrum gerichtet.(Sehr richtig I bei den Soeialdemolraten.) Ich kann nur bedauern, daß der Herr' Präsident mich mißverstanden hat. und ich hoffe, daß. wenn er sich ans Grund des Stenogramms davon überzeugt hat. er seine Angriffe zurücknehmen wird. Was den Antrag selbst anbetrifft, so habe ich schon darauf hingewiesen, daß ich der Ansicht bin. die Anträge des Abgeordneten Städthagen stehen in engstem Zusammenhang mit der Materie schon insofeni, als ihr« Annahme für sehr viele Mitglieder des Hause» die Boraussetzting sei» muß. um der Uonumssionsvorlage zu- stimmen zu löunen. Ich möchte dringend bitten, diesem Antrage Ihre Zuslimninng nicht zu versagen und beantrage namentliche Abstimmung darüber.(Bravo! bei den Soe.) Präsident Graf v. Ballestrem: ES ist noch von niemand im Hause ein Antrag gestellt worden. Abg. Singer(Soe.): Ich bitte um Entschnldiginig und stelle nunmehr meinen Antrag dahin, daß die vom Abg. Stadthagen eingebrachten Anträge zu- gelassen werden. Abg. Dr. Spahn(C.): Ich bitte Sie, diesem Antrag Ihre Zustimmung zu derweiger«. Herr Singer hätte sich seine ganzen Aiisführnngen ersparen kömien, ivenn er die Geschäftsordnung nachgesehen hätte. Wir befinden uns nicht in der zweiten Lesung. sondern in der dritten Lesung, und in dieser dürfen' Abändeningsanträge mir zu den einzelnen Artikeln der Vorlage gestellt werden. Es ist absolut»mznlässig, daß während der dritten Beratung andre Anträge gestellt werden als solche, die mit den einzelnen Artileln der Borlage in unmittelbarem Zusanimenbang stehen. Herr Singer sagte vont Centrmn. daß eS alles für sich für erlaubt halte. Er hätte diesen Vorwurf lieber an seine Adresse richten solle».(Sehr richtig! im Centrum: Lachen links.) Die Arbeiten der Flotten« konimissioit haben mit dieser Vorlage nichts zu thun. Dort handelte es sich um Initiativanträge des Hanse?, die der Kommission zur zweiten Beratung überwiesen worden sind. Abg. Stadthagc»(Soe.) führt-bei großer llrnuhe des Hanse?, die seine Worte ans der Tribüne fast ganzl linverständlich macht, ans. daß seine Anträge geschästSordimugsuiasiig durchaus znliissig feien. Seine Anträge enthielten zunächst das Verlangen, daß in der llederschrift etwa? zugesetzt werde. Schon durch das Wort „zugesetzt" werde der Zusanimenhang klar. � Des weiteren steht dte StrasvoNslreckting mit dem Strafgesetz im engsten Znsamntciihang. Gerade mit der Sittlichkeit habe es sebr viel zu thun, ob eine paffende und zivcckcntsprechcnde Strasbestimmnng Platz greife. Wir wollen den Angellagte» schützen, die Kunst soll geschützt werten— ich verstehe nicht', wie man bei diesen Anträgen den Zu- sanimenhaikg leugnen kann. Wenn aber die Ansicht dcö Herrit Spahit reckt behalten sollte, so würde ich mich gezwungen sehen, den for- Mellen Cinwendmigeii de-Z Kollegen Spahn zu folgen und die An- träge dann so fornmlteren, daß ich sage, der letzte Artikel soll durch folgende Bestimmuiigen ergäuzk iverden. Ich meine aber, die Mehrheit Ivird sich nicht ans den Standptmtt deS Herrn Kollege» Spahn stellen, ttitd bitte Sie. meine Anttäge zuzulassen. Sie verkürze» ja dadurch auch nur die Verhandlungen. Präsident Graf Ballestrem: Der Herr Abg. Singer hat sich vorhin auf sein Stenogramm berufen. Ick habe jetzt'daS Stenogramm vor mir. Bevor ich es verlese, ivtll ick beuierken, daß niemand ander» ans dem Hause zu der Angelegenheit gesprochen hat. sondern daß ich«l» Präsident allein meine geschäst- ordnungsmäßigen Bedeuten gegen die Anträge Stadthagen vorgcbrackt habe.' Ich will aber des weiteren bemerlen. daß ick jetzt nickt mehr der Meinung bin. daß He» Singer mir andre Motive tmterstelleii wollte, als ick ausgesprochen habe. Aus seinen Worten kannte ich das aber nicht entnehmen. Diese Worte lauteten:„Wenn es dem Reickötage verwehrt iverden seil, in Vor- lagen der Regierung oder der Kommission Bestimmungen, sei e? ai'.ck ans andren Gesetzen, hineinznbnnge», so verhindern sie damit, meine Herren, daß. was allgemein als Mangel gefühlt ivird. beseitigt werde» laun aus Gründen, die nicht in der Sache, sondern in der Form liegen und die heute mir darum angewandt werden, weil es sich darum handelt, eine Vorlage zu erledigen, deren Verabschiedung das Centrum sehnlichst wünscht". Tiefe Worte mnßtr ich ans mich beziehen, denn vom Ccntrnm hatte überhaupt niemand ge- sprachen. Abg. Singer(Soc.): Ich verweise nochmals darauf, das; schon die Anrede»meine Herren" eS ausschließt, daß ich meine Worte auf den Herrn Präsi- deuten geniiinzt hatte.(Lachen recht» und im Centrum.) Ich habe dann weiter ausdrücklich das Ccntruu, apostrophiert und ich kann nicht zugeben, daß auS meinen Worten der Herr Präsident schließen mußte, ich hätte ihm persönlich andre Motive zuschieben wollen als diejenigen, die er ausgesprochen hat. Ich kann also nur das Mißverständnis sauf selten de? Herrn Präsidenten bedauern.-»» Was nun die Frage de? JneinanderarbeitenS von zwei ver- schiedenen Gesetzentwürsen anlangt. so kann ich hier auf einen Präcedenzsall aus den allerletzten Tagen verweisen. Sie haben in dem§ 123 des See-Unsallversicherungs-Gesetzes eine Bestimmung des JnvalidcnversichenmgS-Gesetzes hineingearbeitet. Sie sehen also, daß Sie erst ganz t'ürzlich anders verfahren sind, als Sie heute verfahren wollen.' Auch die Berufung des Kollegen Spahn auf die Geschäftsordnung kann ich nicht als richtig an- erkennen. Nach der Geschäftsordnung erfahren die Anträge, die zur zweiten Beratung gestellt sind, keine andre Behandlung als die zur dritten Beratung gestellten. Die 8Z 19 und 22 der Geschäftsordnung haben denselben Wortlaut, nur daß für Anträge zur zweiten Beratung leine Unterstützung notwendig ist, während für solche zur dritten Beratung 30 Unterschriften ver- langt iverden. Der Paragraph, der hier in Betracht kommt, ist der 8 49, den der Herr Präsident citicrt hat, der die Bedingung stellt. daß die Anträge in wesentlicher Verbindung mit dem betr. Gesetz stehen müssen. Ich sowohl wie mein Kollege Stadthagen haben die Verbindung nachgewiesen, und Iwenn Sie das heute nicht anerkennen wollen, so setze» Sie sich in direkten Wider- spruch mit den von Ihnen einige Dutzend Male eingebrachten Anträgen. Wir bernsen unS auf die Geschäftsordnung, weil die Geschäftsordnung dazu da ist» daS Recht der Minorität zu schützen. Ich möchte Sie an den verstorbciicn Abg. Windthorft erinnern, der mit großem Mut und auch vielem Erfolg sich so häufig auf die ihm durch die Geschästsordnnng gegebenen Rechte berufen hat. Die Zeiten, wo Sie wieder mal in der Minorität sind, können ja tvieder kommen. Vernageln Sie sich doch nicht selbst die Rechte, auf die Sie sich dann berufen können.(Bravo! links.) Abg. Richter(frs. VP.): Ich bin der Meinung, daß Abändeningsanträge zur dritten Lesung in derselben Weife behandelt werden müssen, wie bei der zweiten Lesung. Was die Frage des Jneinanderarbeitens ver- Ichiedener Gesetze anbetrifft, so muß ich gestehen, daß der Reichstag in letzter Zeit darin sehr weit gegangen ist und zwar gerade auf die Initiative dcS Centrnms hin.(Sehr richtig! links und Heiter- keit.) Ick erinnere nur daran, daß in einen Paragraphen der Gewerbe-Ordnung eine Bestimmung des Krankenversicherungs- Gesetze? hineingearbeitet worden ist auf Antrag de» Centrums. Allerdings ließ man die Sache dann fallen Ivegen des Widerspruchs der Regierung. An und für sich erscheint mir die hier in Rede stehende GeschäftsordnungSfrage sehr zweifelhaft, und ich meine, wir können vorläufig nichts andres thun. als diese Frage der Geschäfts- ordnungS-Komnnssion zur Vorprüfung zu überweisen.(Sehr gut l bei den Freis., Oho! rechts.) M. H. Sie brauchen sich nicht aufzuregen, es liegt darin absowt keine Verschleppung. Unsre Beratimg braucht durch diese Neberweisung an die Kommission durchaus nicht aufgehalten zu werden. ES ist ja doch nicht anzunehmen, daß diese Beratung heute schon fertig wird. Die Kommission kann die Frage morgen ganz gut entscheiden, und dann bald hier Bericht erstatten.(Bravo i links.) Abg. Hnustmann-Böbkingen(siidd. Vp.): Da ich nicht weiß, ob der Antrag Richter acccptiert Iverden wird, so möchte ich hier noch einige Worte sagen. ES ist etwas andres, ob man im einzelnen einem Antrage zustimmt oder ob man hier a. limine seine Besprechung verhindern will. An sich mag eS ja richtig sein, daß in das Strafgesetzbuch nur strafrechtliche, gerichtlich zu unterstellende Fragen gehörcit, aber unser Strafgesetzbuch hat sich selbst an diesen Grundsatz nicht gehalten. In mehreren Paragraphen sind Bestimmungen entHallen, die nichts mit der Urteilsfindung zn thun haben, sondern sich nur ans den Strasvollzng beziehen. Wenn Sic die Anträge Stadthagcn hier nicht zur Diskussion zulassen, so erwecken Sie den Eindruck, als ob Sie nach dein Grundsatz handeln: alles, ivns wir verlangen, wenn ivir in der Minderheit sind, ver- sagen wir der Minderheil, wenn wir in der Mehrheit sind.(Bravo! links.) Die Diskussion wird geschlossen. Der Antrag Richter: Die Frage, ob die Anträge Stadlhagen geschäftsordnuilgsmäßig zulässig find, ist der Geschäftsorduungskommission zn überweisen, wird gegen die Stimmen der Frcisimtigen, Socialdemolraten und eine? Teils der Natioualliberaleii abgelehnt. lieber den Antrag Singer: Die Anträge Stadthagen zur Die- lnsstoit ziizulaffen, findet eine namentliche Abstimmung statt, an welcher sich 3V4 Mitglieder beteiligen. Der Antrag Singer wird mit 2Ä6 gegen 77 Stimmen und ein? Stimmenthaltung abgelehnt. Die Anträge Stadthagcn werden also für geschästSardnuugS- mäßig unzulässig erklärt. Abg. Dr. Spahn(C.)(zur Geschäftsordnung): Ich beantrage, jetzt zunächst die Verhandlung mit dem§ 362 zu beginnen. Er steht in unmittelbarer Verbindung mit der Materie, die wir gestern behandelt haben, während die Anträge Haußmann zu§ 361 und' der 8 361a ganz andre Dinge betreffen. Ich will bemerlen. daß wir geschäftSordüungSmäßig gegen die Verhandlung der Anträge Haußmann nichts einzniveiide» haben, nur wollen wir nicht, daß durch dieselben der Zusaminenhaiig mit der gestern behandelten Materie zerrissen wird. Abg. Singer(Soc.): Die Befürchtung, die der Abg. Spahn ausgesprochen hat, scheint mir nicht zuzutreffen, ich kann aber im Augenblick die Tragweite des Antrags Spahn nicht übersehen. Wir sind gewohnt, vom Ceutrum mit Anträgen überrascht zu werden, und ich meine, es wäre richtig, erst den 8 361 ganz zu behandeln. Abg. Spahn(C.): Ich bitte nochmals, die Beratung der Anträge Haußmann auszusetzen, da e? sich bei diesen um ganz fremde Materien handelt. Abg. Stadthagcn(Soc.) erklärt sich gegen den Antrag Spahn. Abg. Singer(Soe.): Ich bitte doch zu berücksichtigen, daß der Antrag des Abg. Spahn verlangt, daß wir mit der Verhandlung eine-? Paragraphen aufhören. die noch nicht abgeschlossen ist. Ich kann mir jetzt ungefähr denken, was die Herren mit ihrem Antrag bezwecken. Wir halten es nicht für ausgeschlossen, daß die Herren, wenn erst§ 362 verhandelt ist, erllären: Jetzt ist die ganze Materie zum Abschluß gelangt, und die Anträge Haußmann behandeln eine fremde Maleric, gehören also nicht mehr zur Sache. Nur wenn Herr Abgcardncter Spahn gewillt ist, die formelle Erklärung abzugeben. daß er und seine Freunde sich der Verhandlung von fach- lichcn Anträgen, die von nnsrer Seite eingebracht werden, nicht eiitgegeiistelleii wollen, können wir ans seinen Wunsch eingehen. Ich hoffe.' daß Kollege Spahn unS mit dieser Erklärung in ciiicn Zustand der Beruhignug versetzen wird.(Heiterkeit links.) Abg. Hanßmann-Böblingen(siidd. Vp.) (auf der Tribüne unverständlich) vertritt den Standpunkt, daß sein Antrag zu§ 36! ganz analoge Bcslimmnngeii zu den gestern verhandelten enthalte und deshalb zuerst an die Reihe loinnten müsse. Abg. Stadthagc»(Soe.): Die GeschäftLordmnig schreibt vor. daß die Artikel der Reihe nach verhandelt werden müssen. Wir können doch daS Pferd nickt am Scktvanz aufzäumen, wie es der Abg. Spahn machen ivill. Der§ 361 enthält noch dazu materielle Voraussicht,"9"! für den§ 362, denn dieser beginnt mit den Worten:„Die»ach 8 3. Ballestrem: Wir kommen nunmehr zur Abstinimitiig über den Antrag Spahn. Abg. Singer hat uamentliche Abstimmung beantragt. Dieser An- trag bedarf der Unterstütz, mg.(Zur Unterstützung des Antrags Singer auf namentliche Abstimmung erheben sich die Soeialdemo- kraten, die freisinnigen Grümpen und ein großer Teil der National- liberalen). Die Unterstützuim genügt. An der Abstimmung beteiligen sich 302 Mitglieder. Der Antrag Spahn(E.). den§ 362 vor den Anträgen Haußmann zu-§ 361 zu beratet!, wird mit Stimmen gegen HS Stimmen äuge- n o m in e n. § 362 lautet: Die nach Vorschrift deS§ 361 Nr. 3—8 Verurteilte» können zu Arbeiten, welche ihren Fähigkeiten und Verhält- niffen angemessen sind, innerhalb inid sofern sie von andern freien Arbeitern' getrennt gehalten werden, auch außerhalb der Strafanstalt angehalten werden. Bei der Beiirteilmig zur Haft kann zugleich erkannt werden, daß die verurteilte Person nach verbüßter Strafe der Landespolizei- behörde zu überweisen sei. Im Falle deS§ 361,4 ist. dieses jedoch nur dann zulässig, wenn der Verurteilte in den letzten drei Jahren wegen dieser Ucbertretung mehrmals rechtskräftig verurteilt worden ist oder wenii derselbe unter Drohungen oder mit Waffen gebettelt hat. Durch die Ueberweisung erhält die LaudeS-Polizcibehörde die Befugnis, die verurteilte Person bis zu zwei Jahren entweder in ei» Arbeitshaus uutcrzubringcu oder zu gcineiiinützigen Arbeiten zu ver- wenden. Im Falle des 8 361,6 komi die Laudespolizeibehörde die verur- teilte Person statt in ein Arbeitshaus in eine Bessermigs- oder Er- ziehuugsaustalt oder in ein Asyl miterbritigeu; die Unterbringung in ein Arbeitshaus ist unzulässig, falls die verurteilte Person zur Zeit der Ver- urtcilung das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Ist gegen einen Ausländer auf Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde erkannt, so kann neben oder an Stelle der Unter- bringuiig Verweisung anS dem Bundesgebiet eintreten. Hierzu liegen folgende Abändernngsanträge vor: Abg. B e ck h- Kobnrg(frs. Vp.) beantragt, in 8 362 Absatz 2 statt der Worte„der Verurteilte" und„derselbe" zu setzen: die„ver- urteilte Person" und„dieselbe". DicAbgg. Wibrecht(Soe.) und Genossen beantragen: Absatz 2 und 3 zu streichen, eventuell Absatz 3 Satz 1 zu fassen wie folgt: „Durch die Ueberweisung erhält die Lmidcs.-Polizeibehörde die Befugnis, die verurteilte Person bis zu der im Urteil bestimmten Zeit,' die sich auf keinen längeren Zeitraum als zwei Jahre nach Rechtskraft des Urteils erstrecken darf, in ein Arbeitshans unter- zubringen oder zu gemeiiinützigeii Arbeiten zu verwenden." Schließlich beantragt Abg. Heine(Soc.) zu 8 362 des Straf- gesetzbuchs folgenden Zusatz:' „Personen,-welche ans Grund des 8362 von der LandeS-Polizei- behörde in ein Arbeitshaus, eine BesierungS- oder Erziehungsanstalt untergebracht worden sind, niüsscn in diesen getrennt gehalten werden von jugendlichen Personen, die auf Grund des 8 63 des Strafgesetzbuchs einer ErziehnngS- oder Befscruiigsanstalt über- wiesen sind oder gegen welche auf Grund landcsgcsctzlicher Vor- schristcil die Zwaiigserzichnng verhängt ivorden ist. Diese Be- stiiiimmig gilt nicht für Personell, welche der Laiidcspolizcibehördc lediglich deshalb überwiesen sind, weil sie, ohne einer sittenpolizei- lichen Aufsicht unterstellt gewesen zn sein, gewerbsmäßige Unzucht getrieben baden und deshalb nach 8 361 Nr. 6 bestraft ivorden sind." Abg. Heine(Soc.) beantragt zn§ 362 des Strafgesetzbuchs ferner folgenden Absatz: „Die Bestimulililgeil der Absätze 2—4 finden auch Amvendimg auf Personen, die ivcge» Vergehens gegen§ 284 des Strafgesetzbuchs zu Gefängnis verurteilt ivorden sind." Dieser 8 284 des Strasgejetzbuchs lautet:„Wer aus dem Glücks- spiel ein Geiverbe macht, ivird mit Gefängnis bis zn 2 Jahren bestraft, neben tvelchein ans Geldstrafe von 300— 6000 M., soivie ans Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann. Ist der Verurteilte ein Ausländer, so ist die Landesbehörde befugt, den- selben anS dem Bundesgebiet ait-Zzttweiscn." Abg. Dr. Spahnsich nui die idealen Juteressrn. lLachen rechiZ und im Centrum.) Huste Presse, miste Buchhandlungen werdeil durch die Bestintmunge» der lex Heinze an, wenigsten getroffen, aber dies Gesetz bedroht das g>.sai»te deutsche Geistesleben.(Sehr richtkg! linls. Lachen im Centrum und rechts.) ES handelt sich hier darum, däst dem deutsche» GcistcS- leben der Psaffenfust ans den Nacken gesetzt werden soll.(Lärm im Ccntnmi, lebhafte Zustimmung links.) Daher folgen wir nur einer sittlichen Pflicht, wenn wir' die Geschäftsordnung so benutzen, wie wir es gethan haben.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Haustin aitu-Böblingeii(südd. Vp.): Es ist ganz zweifellos, daß her Schlußantrag sich nicht guf hie nicht diskutierten Anträge Heine beziehen kanil, denn der Antrag- stellcr muß stets das Recht haben, seine Anträge z» begründen. DaS ist bisher nicht geschehen. Herr v. Kardorff hat mit seiner Aenßc- rung der Mehrheit einen schlechten Dienst geleistet. Draußen im Lande wird man die Worte nicht anders auffassen, als daß die Mehrheit das Recht habe, auch abgesehen von der Geschäftsordnung und gegen dieselbe ihren Willen durchzusetzen. Daß sie dies thnn will, haben wir ja heute schon deutlich genug gesehen.(Lärm rechts, Bravo! liiils.) Abg. Bassermaun(natk.): Meine politischen Freunde sind der Meinung, daß die nachträglich eingereichten Abäuderungsanträge zur Diskussion zugclaffen werden müssen(Bravo! links) und zwar auf Gruud des K 20 der Geschäftsordnung.— Ich muß mich dann auch meinerseits gegen die Acußcruug' des Herrn v. Kardorff wenden, daß die Mehrheit Herr über die Geschäftsordnung sei. DaS würde in der That eine Vergewaltigung der Minorität bedeuten, die wir in keiner W e i s e li i l l i g e»-k ö n n c u.(Bravo! links.) Die Geschäftsordnung ist das Gesetz dieses Hauses und jede einzige Partei muß ein Interesse daran haben, daß das Gesetz dieses Hauses nicht verletzt wird. Wenn die Geschäftsordimng thatsächlich unzureichend ist, dann möge man den Mut haben, mit Anträgen zur Abänderung der Geschäftsordnung hervorzutreten. Diese Anträge iverden dann geprüft werden, und es wird die Beschlußfassung erfolgen, die die Majorität für richtig hält. Wir haben uns an der Obstruktion in keiner Weife beteiligt, tvir habe» auch die Diskussion nicht aufgehalten, weil wir dies Gewaltmittel für ein unrichtiges halten und auch unsrerseits der Ansicht sind, daß, wenn dies Mittel wiederholt werden sollte bei andren Fragen, eine Gefährdung dcS ganzen parla- mcntariicheu Systems herbeigeführt werden mich.- Aber andrerseits ist die Voranssetzimg unsrer Beteiligung an den Verhandlungen und Abstimmimgen die, daß auch dieses Haus in keiner Weise verletzt wird. Die gestellten Anträge sind zulässig nach ß 20 der Geschäftsordnung,' sie sind rechtzeitig eingebracht ivährend des Laufs der Verhandlung. Ucber diese Anträge mnst die Tis- kussson eröffnet werden. Lch bitte dringend die Majorität des Hauses, daß sie in dieseni Sinne entscheidet. Geschieht dies nicht, so werden tvir unsrerseits daraus die nötigen KonsetzUenzc» ziehen.(Lebhafter Beifall, links.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Seit 24 Fahren bin ich Mitglied des Hauses und kenne die GesckiästSbrdiiung. Es ist ein«»bedingtes Recht des HauscS, die Geschäftsordnung auszulegen.(Stürmisches Oho! links.) In zlveisclhaflestcn Fällen, wo es sich darum handelt, ob Anträge noch zugelassen werden dürfen.Zkann die Majorität das Reebt, darüber zu entscheiden, nie aus der Hand geben.(Widerspruch links! Bravo! rechts.)...... Abg. Stnger(Soc.): Ich nehme an, daß der Präsident die Anträge 813 und 817 zur Verhandlung stellen wird, ebenso den Antrag 822, der vor Schluß der Diskussion gestellt ivordcn ist. Was den Antrag auf Schluß der Diskussion anlangt, so hat Herr von Kardorff be- hauptet, daß die Majorität die Herrin über die GcschästS- ordmmg ist. Das bedeutet in seiner Konsequenz den parla, iirntarischeu Staatsstreich(Lebhafte Zustimmung links). die BergstvalngnnK bit Minorität(Lebhafte Znstimninng links). Das ist eine Handlung, die mit dem Begriff des Parlamentarismus gar nicht zu verbinden ist.(Sehr richtig! links.) Es ist lediglich das Bestreben gegen die Bestimmungen der Geschäftsordnung, gegen die parlamentarische Regel-eine Anslegung vorznnehmeii, wie sie der Majorität paßt. Und das sagt ein Mitglied der Partei, die öffent- »ich Obstruktion angekündigt hat gegen das Münzgesctz. (Unruhe rechts.) Herr v. Kardorff wird das nicht bestreiten ivollen. Die Rufe, die vor einigen Tagen rechts laut wurden, als Herr Rickert den Präsidenten bat, das Mnnzgcsctz ans die Tagesordnung zu setzen, haben bewiesen, Ivos Sie vorhaben. Die Majorität soll Herrin der Geschäftsordnung sein? Das ist eine Auffassung, die nicht ins Parlament paßt. In einen Aufsichtsrat, meinetwegen in den Ansfichtsrat der Lanrahütte(Große Heiterkeit links, Unruhe rechts) mag sie hingehören...(Glocke des Präsideiiten.) Präs. Graf Ballcstrem: Ich bitte, nicht Privatvcrhältnisse heranzuziehen.(Heiterkeit links.) Abg. Singer(fortfahrend): Darin hat Herr v. Kardorff recht, daß er Anhänger des Parlamen- tariSmns ist. Er ist so sehr Anhänger, daß er sogar Gründungen gemacht, um sciiicn parkmnciitnrischcii Pflichten nachkommen zu können. (Heiterkeit links.) Die Herren von der Rechten überspannen den Bogen. Sic wollen die Minorität mundtot machen.(Sehr richtig! links.) Noch ein Wort über die Obstrultion. Die Herren lesen doch wahrscheinlich auch Zeitungen und keiinen die Vorgänge in andern Parlamenten. Dann werden Sie wissen, daß das, was wir hier im Interesse deS Nichtzustandekommens eines kulturfeindlichen Gesetzes thnn, nicht im entferntesten heranreicht an das, was in andern Parlamenten geschieht. Wenn Lärm entstanden ist, dann hat. wie ich konstatiere, der Präsident seine Mahnungen um Ruhe an die Rechte zu richten gehabt.(Unruhe rechts, Zustimmung lintS)... Glocke des Präsidenten. Präsident Graf Ballestrem: Ich richte meine Mahnungen an alle Seiten dcS HauscS, die Lärm machen.(Heiterkeit.) Abg. Singer(fortfahrend): Und welchen Ton bringen die Herren rechts in unsre Ver- haiidlungeii hinein. Ich erinnere nur an die Zwischenrufe, deren Urheber Herr Dr. Kropatschek ist, Rufe wie: Maul halten! Das sind Rede», die die Herren vielleicht in den Ställen unter Stall- kiicchteii führen mögen(Bravo I links); ins Parlament gehören sie nicht. Aber eins vergessen die Herren. Die Art, wie Sie hier Ihre Sache führen.' verurteilt mehr als alles andre Ihre Stellung. Wenn Sie nichts andres mehr wissen, als Schimpfworte, dann lassen Sie sich nur mitsamt Ihrer lex Heinze begraben!(Leb- hnfter Beifall links I Unruhe rechts.) Präsident Graf Ballcstrem: Ausdrücke wie Maul halten I sind nie an niein Ohr gedrungen.(Rufe bei den Socialdemokraten: Er hat es aber gerufen. Abg. Stadthagen: Zur Geschäftsordnung.) Abg. Licbcrmann von Sonnenberg(Antis.): Herr Heine hat vom Geist der Geschäftsordnnng gesvrochen. Der Geist der Geschäftsordnung ist, eine geordnete Führung der Geschäfte zu ermöglichen. Sämtliche Anträge und Reden der Herren da(nach links) gehen aber daraus hinaus, Unruhe in uiisre Geschäfte zu bringen.(Sehr richtig! rechts.) Wenn Herr Singer behauptet, der Präsident müsse seine' Mahnniigen um Ruhe an die Rechte richten, so will ich ihn nur an ciiiS erinnern. Es war in einer der letzten Sitzung über die lex Heinze vor den Ferien. Ich war in der un- glücklichen Lage, immittelbar nachdem ein Antrag der Herren linls abgelehnt ivar, sprechen zu müssen. Sie machten während meiner Rede eine halbe Stunde lang Lärm, ohne daß der Herr Präsident. Graf Ballcstrem war es nicht, eingriff, wahrscheinlich weil er Zu- trauen zu niciner geistigen und Liingenkraft hatte.(Lautes Lachen lind Oho! links.) Herr Heine sprach vom Tone antisemitischer Nadaiivcrfamnilnngcn. Das traf insofern zu. als der Antisemit sprach und Inden und Jndengenosien Lärm machten.(Große Heiterkeit rechts.) DaS Haus muß den Mut haben, seine Geschäftsorvnung so zu gestalten, daß der deutsche Reichstag nicht als NarrenhauS dasteht.(Bravo I rechts.) Präsident Graf Ballestrem: Ich konstatiere, daß mein Herr Stellvertreter während der da« nialigcil Rede des Herrn Liebern, ann v. Sonnenberg mehrmals kräflig nm Ruhe gebeten hat.(Hört! hört l) Abg. Liebermann v. Sonnenberg: Ich bitte nm Entschuldigung, es war ein Versehen.(Rufe links: Ein Versehen?) Präsident Graf Ballcstrem: Herr v. Liebcrmann giebt die Wahrheit meiner Behauptung zu. (Schluß stehe Hauptblatt.) Allen Kollegen und Freunden die traurige Nachricht, daß incin Bruder, der Former Wilhelm Späth am 14. Mo, von der Spindlers- felder Bah» überfahren wurde. Im Auftrag der trauernden Hinterbliebenen: Gustav Späth. Die Beerdigung findet am Sonntag, 20. Mai, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Fakobi-Kirchhofs aus statt. lrodvst-iliiiecijxe. Allen Bekannten und Frenndeii die traurige Nachricht, daß mein lieber Mau», nilser guter Vater «Julius Springwald am 17. Mai, abends 9 Uhr, sanft ent- lchlafen ist. Die Beerdiguiig findet am Sonntag, nachmitlags 4 Uyr, von der Halle des sttireligiöfen Friedhofs aus stalt. Die trauernde» Hinterbliebenen. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis unsreS lieben Bruders sagen allen Kollegen, Freunden und Bekannten lim Namen der Hinterbliebenen besten Dank. Berlin, 18. Mai 1900. 108öb Paal und Karl Koensch. Wverem der Mlislkilistrumenten- Arbeiter. Todcs-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß der Klaviaturarbeitcr August Sorg am 17. d. MtS verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. d. Mts.. nachm. 4 Uhr. von der Halle des Central- Friedhofs in Friedrichsfclde statt. Treffpliiikt der Kollegen Schlesifcher Bahnhof. Abfahrt des Zuges 2 Uhr 20 Minuten. 141/18] Der Vorstand Central Kranken-»üb Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Mitglied 1000b («aal Kothe am 16. d. M. verstorben ist. Die Be- crdigung findet am 19. d. M., nach- lnittaas 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmauö-Kirchhoss in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Di» OrtSverwalnnig Berlin IV. S !! W. wt.fi! M. Z«. Albrcclif* Kilokercl Wrangelftr v. Kraiitstr 1» Falikeusteiiistr. 28. Laufitzerstr. 2 Wo? ist der schönste Aufenthalt für Zliisstügc und Land- Partien? Auf der Fnscl Plchelttwcrdor[* beim alten Freu ml. „Tettfelssee"®Äi:�8eif>„Marieulnst". Jnh.; C. Mtrcichlmhn, Besitzer des Kaiserhofs, Köpenick. Empfehle beide Lokale mit groben Sälen und Gärten, jedes circa 3000 Perionen fassend, mit Dampferbrücke». 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Ich weiß wohl, daß durch dergleichen tönende, aber keineswegs über- zeugende Redewendungen in der Sache nicht das geringste entschieden wird, aber ich bin zunächst auf diese Form des Protestes augewiesen, nachdem der Vorstand und der Ausschuß der Freien Volksbühne für ihren Angriff auf die Freiheit der Kritik innerhalb der Parteipresse die gleiche Form gewählt haben. In der»Neuen Zeit" werde ich demnächst aus der Kenntnis, die ich mir als mehrjähriger Vorsitzender der„Freien Volksbühne" erworben habe, sachlich nachweisen, daß Schlaikjers im„Vorwärts" an ihr geübte Kritik ebenso wohl erwogen, wie wohlwollend war, und alles andre eher verdient hätte, als persönliche Verdächtigungen, deren mangelnder Beweis durch die ausgiebigsten»Solidaritätserklärungen" uicht ersetzt werden kann. Stcglitz-Bcrlin, 18. Mai 1900. F. Mehring. Berliner Partei-Angelegenheiten. Den Partcigenoffcn zur Kenntnis, daß die socialdemokratischen Parteigenossen des sechsten ReichStags-WahlkreiseS ihr diesjähriges S o m m e r f e st am 22. Juli im„Schloß Weißensee" abhalten. Niederschöuewetde- Johannisthal. Montagabend 8V* Uhr spricht in einer bei Senstleben stattfindenden öffentlichen Versamm- lung für Männer und Frauen Genosse W. Liebknecht über die poltische Lage. Steglth-Friedenau. Die nächste Versammlung des„Arb ei ter- Bildungsvereins" findet am Dienstag bei Schellhase, Steglitz, statt. Knöfel spricht über:„Die erste Hilfe bei Unglücksfällen." _ In Weifiensge ist Sonntag Flugblatt-Verbreitung. Sammelpunkt früh 8 Uhr hei Gartz, Ecke der Lehder- und Friedrich- straße. In FricdrichSfeldc ist im Restaurant Loffe, Luisenstraße, eine Zahlstelle des Wahlvereins errichtet. Sonnabends von 8—10 Uhr werden Beiträge und Anmeldungen zum Beitritt eutgegengenonunen. In StranSbera ist die bisherige Part ei-Organisation geändert worden. An Stelle des Vertrauensmanns besorgt nunmehr der Wahlverein die Geschäfte der Partei. Zum Vorsitzenden lvurde Genosse Röhring gewählt. der Sachlage heraus es mit sich, daß man gegen die hat. bei Ueberwcisuug IToltnle-s. Bon ihrer noblen Seite hat sich die Stadt Berlin einem Schuhmachergesellen gegenüber gezeigt, der vor kurzem bei einem hiesigen Meister sein fünfzigjähriges Gesellen- j u b i l ä u m feierte. Es war zur Zett, als das Geld der Stadt mit vollen Händen für den Empfang des öftre ichischen Kaisers hergegeben wurde. Da gedachte der Magistrat in einer Anwandlung von Edelmut auch des alten Handwerksgeselle». In einem formvollendet abgefaßten Schreiben, das den Wunsch enthielt, der Schnhniachcr möge auch für die Zukunft noch recht lange seinen Berufsgeschäften nachgehen können, war die Mitteilung enthalten, daß dem Jubilar zur Feier des Tages fünfzehn Mark bar und portofrei übersandt seien. Am Schluß des Schreibens war den, Be- dauern Ausdruck gegeben, daß wegen Mangels an Mitteln eine Erhöhiiiig des bei solchen Gelegenheiten üblichen Geschenksatzes in diesem Fall nicht eintreten konnte. Bon cigentünilichcn Tücken dcS Schicksals werden etliche freisinnige FraltionShäuptlinge im sRathause verfolgt. Die Stadt verordiieteii-Bcrsammlnng hat beschlossen, daß die Ueberrcichung des Ehrenbürgcrbriess an den Stadlverordneten- Vorsteher Herrn Dr. Langerhäns dmch den Vorstand der erwähnten Körperschaft erfolgen soll. Dieser Beschluß, der aus ja durchaus angebracht ist, bringt just d i e Fraktion, in deren Mitte Ehrung des Herrn Langerhans gestimmt der Urkunde vertreten sein wrrd, während, nebenher bemerkt von der socialdemokratischen Fraktion, der man absichtlich im Vorstand keinen Platz überläßt, ,in der Deputation nichts zu erblicken ist, obgleich ihre Mitglieder einhellig für die Verleihung des Ehren bürgerrcchtS an Hern, Dr. Langerhans eingetreten sind. In der nächsten Woche hält die Stadtverordneten-Versamm- lung keine Sitzung ab. Auf dem Friedhof der Märzgefallenen ist mit den gärtnerischen Arberten, nachdem der von der Parkverwnltnng auf gestellte Entwurf die Genehmigung des Magistrats und der Stadt verordneten-Versammlung erhalten hat, nun begonnen worden. Die Hecke aus Lebensbäumen, die zur Verdickung des Staketenzauns dienen soll, ist bereits gepflanzt; auch hat der Zaun jetzt einen grünen Anstrich erhalten. Gegenwärtig wird das Mittelstück, das die große Linde trägt, gleichfalls mit immergrünen Gewächsen und außerdem mit blühenden Sträuchern besetzt. Der Epheu auf den Gräbern, der an vielen Stellen eingegangen ist, ivird durch Neupflanzungen vervollständigt werden. Die gärtnerische AuS schmücknug soll in etwa 8 Tagen beendet sein. Es sind dann nur noch die Wege durch Unterbettung von Steinen zu befestigen und die Böschungen der Gräber durch schmale Granitschwellen gegen die Wege abzugrenzen. Bis zur Bollendung der Arbeiten bleibt der Friedhof gesperrt. Zu der Aushebung der beiden Hehlernester, über die wir gestern berichteten, erfahren wir»och. daß die beiden beschuldigten Geschäftsmänner gestern vormittag nach Moabit gebracht und dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden sind. Das unsaubere Treiben, das mit der Festnahme der beiden Hehler aufgedeckt worden ist, hat einen noch größeren Umfang, als die Affaire Lüttgens, die nach dem großen' Seidendiebstahl bei Feibusch u. Preuß' ans Tages- licht kam. Bedenkliche Zustände scheinen abends vor den Zelten im Tier- garten zu herrschen. Der Polizeibericht selbst meldet darüber: An- gelockt durch hie am Abeird in de» Zelten stattfindenden Musik- oufführungen rotteten sich dort gestern etwa 300 junge Leute, an- scheinend meist arbeitsscheue Personen, zusammen und trieben allerlei Unfug. Als zwei Schutzleute dagegen einschritten und den Rädelsführer festnahm, wurden die Beamten durch den Tier- garten verfolgt und mit Steinen beworfen. Obwohl einzelne der Würfe trafen, sind ernstliche Verletzungen doch nicht vorgekommen. Unglücksfall beim Kirchenbau. Durch einen Sturz vom Gerüst oerunglückte gestern in dem Neubau der Johannes-Evangelist- kirche in der Auguststr. 90 der Maler Birkle aus der Knesebeckstr. 90 zu Charlottenburg. Birkle war mit der Ausschmückung des Altar- raumes beschäftigt und malte an einem Christusbilde. Um den Ton der Farben besser sehen zu können, lehnte er sich zurück, ohne daran zu denken, daß er auf einenr Leitergerüst stand, und stürzte rücklings in den Slltarraum hinab. Hier schlug er auf einen Hausen von Steinen und Holz auf und zog sich einen Bruch des rechten Armes und schwere Verletzungen am Kreuze zu. Ein Arzt ließ den Per- unglückten mit einem Koppschen Rettungswagen nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße bringen. Zu der Pockenerkrankung, über welche wir gestern berichteten, ist in der Charitö, wohin die aus Kowno hierher gekommene Frau A. sich begeben hat. festgestellt worden, daß es im vorliegen- den Falle sich nicht um die gesährlichen schwarzen Pocken, sondern nur um die Windpocken handelt, welche bei Fron L. allerdings in schwerer Form zum Ausbruch gekommen sind. Das Befinden der Patientin ist durchaus befriedigend, so daß ihre Entlassung aus dem Krankeuhause nahe bevorsteht. Eine eigenartige DiebstahlSaffairc beschäftigt seit einigen Tage» die hiesige Kriminalpolizei. Eine bekannte Schokoladen- fa'brik, die ihre Fabrikate vielfach mittels Automaten verkauft. giebt auch Reklamebilder heraus, die ein eifriges Sammel- objekt bilden. U. a. giebt es auch hierbei photographische Aufnahmen von den Mitgliedern unsres Herrscherhauses und der Hamburger Gartenbau-Ausstelluug von 1397. die, außerordentlich selten, per Serie l6 Stück) mit 7,50 M. bis 10 M. gehandelt werden. Die Bilder sind von einem photographischen Atelier in Friedenau aus- geführt worden und ein großer Posten derselben, der von der Fabrik nicht abgenommen worden war, lagerte ig dem Atelier ver- sehentlich, ohne vernichtet zu werden. Ein Arbeiter B. fand Gelegen- heit, sich die Bilder anzueignen und verkaufte sie zu einem billigen Preise an einen Studenten, der sie an einen hiesigen Händler in-der Königstraße weiter veräußerte. Nachdem der Diebstahl entdeckt war. wurde die Kriminalpolizei von demselben verständigt, und diese er- mittelte den einen Perkaufswert von über 2000 M. repräsentierenden Posten Bilder. Der Arbeiter wurde»vegen Diebstahls, der. Student wegen Hehlerei in Hast genommen. Die Internationale Urania. Sonderbar. Jene beiden Wissen schaften, die durchaus ans nüchterne Zahlen und Thatsachen ange wiesen sind, Astronomie und Biologie, sie müssen, ivenn sie in einer der Oeffentlichkeit und wohl auch ihnen bequeme» Weise verständlich werden wollen, die glühende Phantasie»in Beistand anflehen. DaS hat, wie nur einer, der durch seine populär« Wissenschaft lichen Vorträge rühmlich bekannte Herr Dr. M. Wilhelm Meyer erkannt und mit einer Kühnheit. die auch dem trockenen Philister Respekt abnötigen muß, seine Konsequenzen daraus gezogen. In der Internationalen Urania, die sich unter dieses Gelehrten Leitung im Bellealliance-Theater aufgethan hat, rollt nicht mehr und nickt weniger als Anfang und Ende der Welt im Drama an uns vorüber. Im wirklichen Drama, lieber das schwer fällige Dozieren abseits von einer Kanzel herab, während tote Pa noramen aus der Bühne entlangrutschcu, sind wir hinaus. Handelnde Menschen erlebe» auf offener Sccue Werden und Vergehen eines Sonnensystems, lassen die Jahresmillionen an sich vorüber- gehen, wie wir die Minuten. Was ist denn auch Großes dabei? Wenn das Licht in einer Sekunde im stände ist, so und so viele Billionen Schwingungen zu machen, ivarum soll nicht auch der Menschengeist in 2Vs' Stunden ungezählte Aeonen durchschreiten können?' Soll die Krone der Schöpfung sich von lumpigen Aether- wellen blamieren lassen? Vorab sind wir aber, nachdem Frau Urania in etwelche» Stanzen uns den. Zweck des Meherschcn Schöpfungsdramas„Bis ans Ende der Welt" angedeutet hat, noch auf unsrer lieben Erde und rechnen, träger Lstigewöhnuitg voll, nach Stunden und Minuten. Die Bühne stellt das Dach einer Sternwarte dar. Zu ihren Füßen liegt Paris, trotz allem imnier noch die Hauptstadt der Welt. Der Doktor, Typus des ernsten Denkers, wird in seineu Arbeiten vom Professor gestört. Ein sammelwütiger, von plattem Ehrgeiz besessener Gelehrter der alten Schule. Diesmal hat er endlich einen Clou, der ihn auf Kosten einer ganzen Welt berühmt machen muß. Ihm ist die Entdeckung gelungen, daß ein kleiner Planet von jener neuen fabelhaften Sorte, die sich zwischen unser» Weltkörpern und dem Mars umhcrtreibt, geradeswcgs auf die Erde losmarschiert. Während der Doktor die Rechnung dcS Professors ungläubig nachprüft, stürzt tcitungsreporter Publikns, ein einigermaßen sauber gewaschener chmock, herein, nni im Auftrage seines Blattes zu hören, ob denn diesmal endlich die Prophezeiung vom Weltuntergang wahr wird. Bald genug ist das Trifolium aller Zweifel überhoben. Querfeldein trottet der fremde Planet auf uns los, ein kleiner Krach, waS im Bellealliance-Theater ja nichts seltenes ist, und die Erde ist gewesen Daß durch solchen Schicksalsschlag nunmehr untrennbar vereinte Dreimänncr-Kollegiuni schwebt im zweiten Akt irgendwo im Welten räum umher, an der linken Häuserfront der Milchstraße, etliche hundert Lichtjahre von jener Gegend entfernt, wo ehedem das Staubkörnchen Erde sein gleichgiltiges Wesen trieb. Myriaden Sterne glitzern. Welten nebel ballen sich zusammen, rotieren, verdickten sich, und bums, steht wie frischgebackener Kartoffelpuffer eine neue Sonne ani Firmament. In einer Viertelstunde spielt sich ein Prozeß ab, der sonst etliche Millionen Jahre währt. Die drei Reisenden betreten den jungen Weltkörper. Wer einen Weltuntergang überstanden, der kann auch die Temperatur flüssigen Metalls aushalten, die jene terra mooAnita fürs Erste noch ausstrahlt. Allmählich aber kommt Leben und Ord nung in die Bude. Zuerst fristen Algen ihr Dasein, dann durch wandeln wir mit den Dreien Saurier-, Kreide- und Jnrazeit. und lächeln darüber, daß der Doktor mit einem schwedischen Streichholz, das ihm als Erdenrest zu tragen peinlich blieb, sich in der ncueii Welt vor dem ersten Menschenpaar der Eiszeit als Prometheus aufspielt. Frage- und Antwortspiel der drei Wandrer macht alles neue Werden dem Publikum erklärlich. Dem Werden folgt das Vergehen. Die drei Unzertrennlichen sind von ungefähr auf den gmsenhafte» Mars hinaufgeratcn. Am Ende aller Tage wird dieser Planet von Ueber menschen bewohnt, nicht genau desinierbare Wesen. Die Seele schwinget sich bei ihnen in die Höh', sie nähren stck von Plankton, was von Plasmon wohl zu unterscheiden ist, und der Wandertrieb ist bei ihnen so ausgebildet, daß sie ihre Ferienreisen aus die Sonne und die benachbarten Planeten ausdehnen, lieber die Flegelhaftig keit irdischen Uebenneuschentums sind sie längst hinaus und gern erhören sie daher die Bitte der drei Berscklagciien, fie noch einmal auf die geliebte Erde zu tragen. Hier ist längst alles Leben erstorben und sehnsüchtig erwarten die Drei im Zeichen des Todes auch ihre Auflösung. Wir wollen auf Herrn Meyer nichts kommen lasten. Er ist Poet, und wenn feine Dichtung sich kühn über alle bisher gekannten Grenzen hinausschwingt, so geschieht dies in edler, löblicher Absicht. Und bei ollem Lächeln ob einzelner Naivetäten, die weniger der Dichtung als der Darstellung zur Last fallen, müssen wir wohl oder übel gestehen, daß ivir aus dem„Schöpf, nigsdrama" ein gut Teil bequem erworbener wissensckastlichcr Erkemitnis heimtragen. Ueberschauen wir das Ganze, so will uns fast scheinen, daß Herr Meyer wirklich nicht nötig hatte, dem platten Verstand dadurch eine Konzession zu machen, daß er am Schluß des Stücks die weite Fülle der Geschichte für einen Traum erklärte. Feuerbertcht. Die Berliner Wehr hat Freitag den ganzen Tag über noch Löschhilfe auf dem vom Brand heimgesuchten Holzplatz in Schöneberg leisten müssen. Früh 3 Ullr. als das Gros der Lösch- züge bereits abgerückt war. hatte der Wind' das glimmende Feuer an mehreren Stellen derart wieder angefacht, daß die an der Mühlenstraße belegenen Häuser durch Klugfeuer gefährdet waren. Gegen 8 Uhr wurde die Berliner Wehr nochmals um Hilfe gebeten, die' den» auch sofort zwei Löschzüge entsandte. vis gegen Abend waren noch etwa 2E Schlauchleitungen in Thätigkeis, darunter 10, die von Dampffpritzcn gespeist wurden. Die großen verbrannten oder verkohlten Holzstapel müssen durch- weg bis auf den Grund auscinandergerissen werden, wodurch ich das Ablöschen verzögert. Der anfänglich vermißte Knabe hat ich nachträglich noch eingefunden.— I« den letzten Tagen waren onst nur unbedeutende Brände zu beseitigen. Oranienburgerstr. 57 und Kleine Andreasstr. 11 hatten Fußboden und Balkenlage Feuer tefangen, während Große Frankfurterstr. III und 145 Gardienen in Flammen aufgingen. UebergekochteS Fett verursachte einen Alarm nach Buttmannftr. 20. Aus den Nachbarorten. Das Betreten deS Döberitzer Truppenübungsplatzes ist jetzt durch einen Befehl des Lagerkommandanten Generalmajors v. Warendorff den Civilpersonen verboten worden. � Bisher war den Civilisten. die besonders Sonntags in großer Zahl, auch zum Besuch von Militärmannschaften,' sich einsairden, der Zutritt zum Lager zur Besichtiguiig der Baracken und der sonstigen Ein- richtnngen und Anlagen in Begleitung von Militärpcrsonen ohne Be- sckränkung gestattet: angeblich zur Wahrung des Militärdienstgeheim- nisses und wegen des zu großen Andrangs erfolgte indessen das erwähnte Verbot. Ein eigentümliches Familienbrama hat sich in Charlotten- bürg abgespielt. Der Steinträger Lange ans der Schillerstraße 72 kam am Sonnabend vergangener Woche zwischen 9 und 10 Uhr abends angetrunken nach Hause und geriet mit seiner Frau in Streit. Das Ende war, daß die Frau ihn mit einem Stiefel über die Stirn schlug, so daß er umfiel. Frau Lange glaubte, ihren Mann er- schlagen zu habe», verschloß ihre Wohming und lief, nur mit dem Hemd, � einem Unterrock und Pantoffeln bekleidet, aus Furcht vor Strafe davon, um sich im Griinewald zu erhängen. Dort angekommen, knüpfte sie sich noch in der Nacht an einem Baum auf. Der Strick riß jedoch, und nun irrte die Frau, von ständiger Angst gequält, bis zum Donnerstag Tag und Nacht im Wald»mher.' Wenn sie jemanden sah, ergriff sie die Flucht und suchte ein Versteck im Dickicht. Zur Nahrung hatte sie nur das, was sie eßbares im Walde fand. Am Donnerstag' wurde sie endlich auf- gegriffen. Sie war bereits so abgemagert- und herunter gekommen, daß'ihr Mann, der sie vom Amtshause der Kolonie Grunelvald ab- holte,' sie zunächst nach der Sanitätswache in der Wilmersdorfer- straße und von dort nach dem Charlottenburger Krankcnhause bringen mußte. Die Ttadtverordueten-Bersammlung in Rixdorf hatte vor. gestern nach Erledigung einiger Stratzensachcii über die Erweiterung des Feuerivehrde'pots und den damit verluuidenen Neubau des Str a ß en r einig» ngs-Jn st ituts zu beraten. Die Ver- ivaltniig beider Institute soll nach Fertigstellung der Bauteil auf den Grinidstücken Erkstr. 23/26 vereinigt werden. Am 1. Dezember d. I. ivird der Bau voraussichtlich vollendet sein. Bei Aufttellnng des Projekts .ist auf die Benutzuiig der Räume und Anlagen für eine etwa später einzuführende Berufs feuerwehr nach Art der Berliner Feuerwachen Rücksicht genommen worden. Der Magistrat bereitet. aych die Auf- ftellung von Feuermeldern nach Berliner Muster vor. Die Versamm- lung stimmte der Magistratsvorlage zu. Der Magistrat und die V'e r k e h r s d e p u ta ti o n beantragen, zu genebmigen, daß die Straßenoahnliine Moabit— Cannerstraße abweichend vom be« stehenden Vertrag nur auf dem Wege von Rixdorf nach Berlin die eingleisige Strecke in der schmalen Nichardstraße durchläust, daß sie dagegen auf dem Nückivege dutch die Bergstraße über den Hohenzollern- und Richardsplntz geführt wird und dann wieder in die zweigleisige Strecke in der Richardstraße und Canner- straße einläuft. Nack sehr langer Debatte ivnrde der Antrag abgc- lehnt.— Eine Vorlage, den Ankauf eines S ch u I g r u n d st ü cks betreffend, wurde an die zuständige Deputation zurückverwiesen, nachdem die Höhe des Preises bemängelt worden ivar. Das betr. .Grrmdstück liegt an der Kaiser-Friedrickstraße und gehört den Stadt- räten Niemctz und Lcyke und dem Eigentümer Dnschek.— Zu dem Entwurf einer Polizeiverordnuiig, welche die Beleuchtung der Flure und Treppen regelt, wurde» verschiedene Wünsche vorgebracht. Stadtrat B ü rckn'e r versprach namens des Magistrats, dieser werde bei der Polizcidirektion auf Bcrücksichtigiliig der Abäuderuiigsvorschläge hiinvirken.— Die Rixdorfer Schreibivareuhäudler ernlche» die Stadt- Verwaltung in einer Petition, daß sie ihre» Bedarf im Orte decken möge. Biirgcmeistcr Voigt versprach dies für den Fall,.daß die Händler nicht viel tenrer seien, wie Berliner Firmen. Am Donnerstag brach in Mariendorf gegen 9 Uhr vor-- niittags ein größerer Brand auf dem Grundstück dc§ Bäcker- nicifterö W. Koscharcck. Kochstraße, unweit der Kirche ans, das»ur dank des schnellen Eiutreffons u»d kräftigen Vorgehens der Marien- dorfer und Tcnipelhpfer Ortsfeuerwehren auf das Grundstück be- schränkt blieb. Verbrannt sind große Vorräte an Heu uüd Stroh, sowie Taube» und Hühner. Der Besitzer befanp sich lytthreud des FeuerS in Berlin. Die Entstehung konnte nicht ermittelt werden. Kaum hqrte nian das Feuer gelöscht, als schon wieder ein neuer Alarm aus Schöneberg erfolgte..... Urania-Säule» ivird jetzt auch Charlottenburg erhalten. Der Magistrat hat beschlossen, dem Pächter der Uraiiia-Säulen in Berlin zu gestatte», im Laufe dieses Sommers 5 Uraniasäulen in Charlottcn- burg aufzustellen. Diese sollen ihren Standort auf dein Wittenberg- platz, am Kuic, an der Schloßstraße, in der Berlinerftraße und auf dem Stuttgarter Platz erhalten. Die Vermehrung der iveitigen öffentlichen' Uhren a»t dem alisgedehnten Gebiete der Stadt Char- lottenburg thut besonders not. Auch ein ländliches Kulturbild. Z» der unglückseligen Thai des Nittergiitsbcsitzers B n ch h o l z in Cosseublatt wird»och be- richtet: Es ivar ollgemein bekannt,, daß B. sich schon seit einiger Zeit in Zahlniigsschwierigkeiten befand, und aus diesem Grunde auch hatte er seine Untergebene»� zur Brand- st i f t u n g z» vcraiilasicn versucht, um sich durch die V e r- s i ck e r u n g s s u in m e noch etivaS über Wasser halten zu können. Infolge der Zahlinigsschlvierigkeiten ivar ihm dam« auch die Verivaltiing des Guts abgenommen und einem Sequester übertragen ivorden. Außer der gegen ihn Ivegen Verleitung zur Braiidstiftung erhobenen Autlage schwebte» in letzter Zeit noch gegen ihn Untersuchungen ivegen' Meineids, Betrugs iisiv. Er befand sich aus diesem Grimde in he» letzten Wochen in.hochgradig nervöser Erregung. Als er vom Termin aus Frankfurt a..£h zurückgekehrt war,»ahm er zwei nnt groben Schrot- pätraiien geladene Gewehre und lauerte an der Chaussee zivischeu Coffenblatt und Giesensdorf i» einem Gebüsche versteckt, den Zenaeu Mif, die i» Frankfurt a. O. in der BrandftiftuiigS-Angelcgcnhcit gegen ihn außgjsagt hatten. Ahnungslos kauicu diese alle auf einem Wagen aiigcsahren, als plötzlich vier Schüsse hintereinander iualltci» und fünf Personen b l u t ü d e r st r ö in t z n s a ni nr e u- sanken.. Der Thäter begab sich darauf nach Hause. Die ganze Nacht verbrachte er dann in seinem Park und früh W Uhr e r- schoß er sich auf dem Grab seiner Frau, die im Park beerdigt liegt. Erst nach einiger Zeit ivnrde die Leiche, der der Kopf völlig zerschmettert. war, dort vorgefunden. Die Konitzer Mordaffaire. Die Nachsektton der Leichenteile de« ermordeten Winter wurden Doiinerstagabend unter Beteiliginig der Berliner Gerichtsphysiker beendet. Die beteiligten Aerzte kamen zu dem Resultat, daß in dem Augenblick, in dem der tödtliche Schnitt durch die Gurgel des Ermordeten geführt ivnrde, dessen Bewußtsein und Widerstandsfähigkeit durch den vorangegaiigeiien E r st i ck» u g s- versuch geschwächt waren. Der Kreisphysiküs Dr. Müller- Könitz hat übrigens schon früher auf die Wahrscheinlichkeit hiiigciviescn, daß die Athminig Winters im Augenblick der Ermordiing durch einen Knebel oder ein um de» Mund gelegtes Tnck behindert war. Einige Organe der Leiche werden noch zu milroskopischer Unter-süchlmg nach Berlin gesandf'■' lieber das entsetzliche Blutbad auf dem D.ampss.chiff „Prinz Karl" während der Fahrt von Arboga»ach Stockholm, dessen Verlauf wir bereits geschildert haben, wird aus E s k i l st u ng, wo der Mörder 3t o r d I u n d ergriffen wurde, noch folgendes ge- meldet: Ans dem Gestäiidnis des Mörders 3iordlu»d geht weiter hervor, daß er völlig mit Ueberlegung gehandelt hat. Er hatte in Oerebro einen Revolver gekauft und wollte zuerst dort einen Dampfer plündern und dl« dort an Bord befindlichen Leute töten. Auf einem Dampfer in Ocrebro stahl er 24 Kronen auS der Kajüte des Steuermanns. Nachdem er in Arboga die Dampfer untersucht hatte, ging er an Bord des«Prinz Karl". Nach seiner eignen Aussage tötete er zuerst den Kapitän dieses Schisfes durch einen Dolchstich, dann schloß er den Nauchsalon und Hinterdecksalon ab. BIS er einen Dampfer herannahen sah, erschrak er, ging zu dem Maschinisten und ver« laugte, daß er mit Volldanips fahre. Er bedauert, daß er sich von den Polizisten habe überraschen lassen und diese nicht niedergeschossen, ebenso daß er nicht all« an Bord des „Prinz Karl" befindlichen Leute getötet habe. Er sei durchaus nicht wahnsinnig und habe die That begangen, um sich an den Menschen zu rächen. Ein Familtendrama. In D r« Sd e n hat sich Freitagmorgen der dort in der Stresenerstraße wohnhafte Tischlermeister Boldammer infolge finanzieller Schwierigkeiten erhängt und seine 50 jährige Frau und seine 18jährige Tochter veranlaßt, sich mittels des Nasiermessers die Kehle durchzuschneiden. Mutter und Tochter liegen im Kranken- Hause in den letzten Zügen. Die Pest. DaS Quarantäne-Amt in Bremen hat wegen des erneuten Vorkommens von Pestfällen in Port Said und Alexandrien genindheitspolizeiliche Kontrolle für Schiffe angeordnet, weiche aus Km Suezkanal und den ägyptischen Häfen am Mittelmeer kommen. — In Smbrncr wurde ein P e st f a l l milden Charakters konstatiert; derselbe soll von Alexandria eingeschleppt sein. Da gegen- wärtig keine große Hitze herrscht, dürfte eine Weiterverbreitung, nach Ansicht der Ouaranläne-Aerzte, ausgeschlossen sein. Eisenbahnunglück. Der Breat-Northern-Expreßzug von London entgleist« bei Bradford und fiel den Damm herab. Soweit bekannt, sind acht Personen schwer verletzt. VootSkatastrophe. Bei einer von Schülern in I« k a t e ri- no« law veranstalteten Bootsfahrt auf dem Dnjepr schlug da« Boot um. Fünf Schüler ertranken. Freireligtis««emelnde. Sonntag, den».Mal, vorm.«V, Uhr, im oberen Saal de««Englischen Batten»", Slexanderstr. Z7o: Versammlung.«yreireligiise Vorlesung."- Nm lOV. Uhr vormittags ebendaselbst: Dortrag des Herrn S. Vogtherr-Stettw:«Der religlbse Einfluß der Frauen" Aaste, Damen und Herreu, sehr willlommcn.- Montag, den 21. Mai, abends 8»/, Uhr, pltnttlich, ebendaselbst: Beschließende Versammlung. Weiße Quittung legitimiert. Allgemeine Kranken, und Sterbekasse der Metallarbeiter. Filiale Rixdors. Sonnabend, den IS. Mai, abendö S>/, Uhr, hei Filicke, Sirchhos straße 41: Versammlung. Deutsche Besellschast für ethische Kultur. Abteilung Berlin Sonnabend, den Ig. Mai, abend» 8»/, Uhr,«m Bürgcrsaal deS Rathauses, KSnigstraße: Monatssitzung. Bottrag de» Landtagsabgeorbntten Pfarrer C. Saenger:«Da» Trachten nach Geld". Diskussion. Büste willkommen Allgem. Kranken- und Tterbekafse der Metallarbetter(E. H. 2v Hamburg). Filiale Berlin 4. Tonnabend, den 19. Mai, abends 8>/, Uhr, Mitgliederversammlung bei ytttz Wilke, AndreaSstr. 2». Tages- Ordnung 1. Kaffenbettcht. 2. Verschiedene». Tischlrrverein. Heute abend 8V, Uhr, Melchtorstr. 15: Versammlung. Allgem. Kranken, und Strrdekafie der Metallarbeiter(9. H 29, Hamburg). Filiale Berlin b. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 19. d. M., abends 9 Uhr, bei Koplin, Lothrtngerstr. 68. Allgemeine«ranken- und Sterbekaste der Metallardeiter, Filiale Berlin 3: Mitgliederversammlung an, Sonnabend, den 19. Mai, abends 8'/, Uhr, bei Bergcner, Reichenbergerstr. tö?. Marktpreise von Berlin am 17. Mai IVOS »ach Ermiltliiiigen des tgl. Polizeiprüsidiiims. Welzen, gut D-Ctr. 15.20— Kartossel», neue, D-Etr. mittel gering «oggen, gut . mittel gering Berste, gut « mittel , gering Hafer, gut . mittel .. gering Richlstroh Heu Erbsen Spetsebohn« Linse» Produktenmarkt 15,-. 14,98 14,96 14,60 13,90 13,30 18,20 14,60 14,10 14,99 14,97 14,96 14,- 13,40 12,80 14,70 14,20 13,70 Rindfleisch, Krnlc 1 ig do. Bauch Schweinesleisch Kalbfleisch Hamnielfleisch Butter Eier KarpsM Aale Zander H«»t« Barsch, Schlei» Blei« Krebse SO Slüct Ii« 3,— 1,60 1,20 1.60 1,60 1,00 2,60 3,60 2,20 2,80 2,60 2,20 1,60 1,20 12,— 6,— 120 I- 1,10 1- 1,- 2.- 2,20 1,20 1,40 1,- 1,20 0,80 1,40 0,80 3,- ®« Ire 16«. Am Früh- 40_ 35—_______ 4b'- 26'- Krebse per Schock 70,- 30- vom 18. Mai 1900. WWW.....„ JP markt befleißigte die Spekulation flch wieber einer abwartenden Haltung. Trotz der für die Saaten günstigeren senchtwarmen Witterung und er- müßlgter PreiSnotierungm tn Amerika und Ocstretch-Ungarn schraubt das Inland die Preise für esselttve Ware in die Höh«, während hingegen Rußland sich mit feinen Offerten dem Neiidement nähert. Auch daS Lieserungs- geschäst»ahm am Mittagsmarlte einen schleppenden Sharalter an. Tic Preise stellten sich für Wetzen und Roggeil eine Sieinigkcit billiger alS gestern! russische Osterten drückien. Nur Septemberrogaen»lle» gut»e- haupttt. Hafer und Mai» lagen fest bei stillem«efchSst und nominell unverändetten Preisen. Mehl einen Schnitt schwächer. RübSl wenig per. ändert. Späterhin ging Brotgetreide für alle Sichten im Preife weiter zurück. Spiritus war unverändert.■ Weizen per 1000 Kilogramm: Märkischer 152,— M. ab Bahn, do. feiner(770 Gr.) 156.50 M. frei Wagen. Havelländer(760 Gr.)—,— M. ab Bahn, polnischer weißbunt(760 Br.) 156,50 M. frei Wagen. Normal- gewicht(755 Gramm) Abnahme im laufenden Monat—, do. per Juli 153,50—153,75 M., do. per September 156,50— 156,75— 156,50 M. mit 2 M. Mehr- oder Minderwert. Tendenz still.— Roggen per 1000 Kiligoramm: Schlestscher klamm u»d mit Geruch— Märkischer(715 Gramm) 148,-, ab Babn, Posener— ,— ab Boden. Normalgewicht 712 Gramm 151— 151, SO biö 151 Abnahme im lausenden Monat, do. 147,25—146,50—147 Abnahme im Juli. do. 146,25- 145, bO— 146 M. Abnahme im September, do. 146 bis 145,50—145,75 M. Abnahme im Oltober mit 1,50 M. Mehr- oder Mmderwert. Tendenz: im Verlauf ermattend.- Mais: Ameril. mixed loco 112,50-114 frei Wagen. Abnahme im laufenden Monat Abnahme im Mai 108-107,75, Abnahme im September Tendenz: behauptet.- Weizenmehl: 00 19,10-21,50 M. Teudenz: still.- Roggenmehl: 0 und 1: 19,40- 2080 M. Abnahme im September Vi. Tendenz: behauptet.- R ü b ö l für lOOKilogramm mit Faß in Marl, loco— M. Abnahme im lausenden Monat 59,80— 59,50 bis 59,70 M. Abnahme im Oliober. Tendenz: unverändert.- Spiritus mit 70 M. Verdrauchsabgabe ohne Faß 49,80 M. frei Haus. KV«tter>in,SN»erstch« vom IS. Mai 1900. morgen» S Nh». Stationen Swineinde Hamburg Berlin Franlf.M. Miinchen Wien 756 WS© 757 W 767 WNW 759 NO 759 O 7öS still Wetter öS : � .ilt k 3 wollig »bedeckt 2 bedeckt 1 wolkig 3wolkenl -heiter Stationen SE ZE & Haparanda Petersburg dort Aberdee» Paris Äe-I| II- 7600 8 Wetter öS c< »» St» 767,31 765NW 761,31 «etter.Prognose snr Sonnabend, den IV. T-------- RachiS lühler. am Tage ein wenig wärmer, vielfach g-Uer, aber noch veränderlich mit geringen NiederfchlSgeu und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r e a u. 4heite» 4 wolkig ii�.voUenl al 1900. 3 Ullr de« Inhalt der Insrraie »dernlmnit dt« Redaktion dein Publiknm gegenüber keiuerlci Verantwortung. tT lientev. Sonnabend, den 19. Mai. Opernhaus. Kain. Di« roten schuhe. An lang 7V, Uhr. Schansptelhaus. Wie die Anfang 71/, Uhr. Harlekin. Alten An- fungen. Deutsches. König fang 7>/, Uhr. Lefftng. vaisz.(A nmaway girl), > Anfang V/t Uhr. lverlincr. Berlin bei Nacht. Anfang V/, Uhr. NeneS. Das Stiftungsfest. Anfang 7-/. Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Ansang 7»/, Ubr. Westen. Die Geisha. Anfang V/t Ubr. Schiller. Brand. Ansang 8 Uhr. Thalia. Wie man Männer feffelt. Anfang V/t Uhr. Luisen. Ihr Pathe. Ansang 8 Uhr. Eentral. Berlin nach Elf. Anfang 8 Ubr. i>»«Blei>cIi«. Montag, abends 8 Uhr: Hlnrlch I.ornnen. Urania Taabenatmaae 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesnv". Invalldcnatr. 57/68: Stern pt arte. Wschmlttsg» 8—10 Ulir._ ■Passage-PaoopticüBi.' Riesen und Zwerge. 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr»bds. Passage-Thealer: VorsteUunjt von 7— IG/, Uhr. Ipanopticüm Friedrtchatr. 105. Grösste Sohenswürdigkeit der Residenz! Upn f �kr. Roberts, der nCU. erste Zauberkünstl. und Illusionist der Welt! Np Ii I Die Bückeburger, ®"• humoristisches Sänger- und Konzert-Enssmble. Entree 50 Pf. Kinderu. Militär ohne Charge np- 85 er. dentvn l Tlzrntev Sechtisnelltr Lacherfolg! Anfang 8 Uhr."Mg Berlin nach Elf. Gr. Posse in glänzender Ausstattung. Die fensattonellen Schlager: Llsendskui- yusrtett l Cordula I Lebenslauf einer Künstlerin k Anraiig der Parfama. (Blendendes Ballett.) Morgen u. folgende Tage: Berlin ü'dalis-l'deater. fel.Amt IVa 6440. Oresdenerttr. 72/78. Gastspiel Annle Dlrkens. Wie mm Imneu fesselt. Baudeville- Posse in 4 Akten. Musik v. Victor Roger. Hauptrollen: Annie Dirlens, Elise Kramm, Joh. Junker-Schatz, Ellen i Roland, Reinhold Wellhof, Hermann Haack, Albert Kühne. Anfang 7>/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Wie man Männer fesselt. IMropol-Theater. Behrenftr. 55/57. Direktion R. Schultz Telephon I 2126. SM- Um 9 Uhr l0 Min.:"WE I»er grSeat« epvr«tt«i»- Erfolgder letztens Jahre. DarUararami. Burleske AusstattungS-Operetie sowie das neue erstklassige Mai-Specialitäten-Programm Anfang täglich 8 Uhr(auch Sonntag») Rauchen überall gestattet. „See-Terrasse", Lichtenberg, — RSderslrasse 0.■ (Dt» breite Röderstrasse verbindet das Steuerhaus Landsberger Alice mit dem Dorfe Lichtanberg) Zu Fuss in 8 Min. v. den betr. Bingbahnstationen u. Haltestoll. der eloktr. Bahn erreichbar. Vergnügungs-Etablissement I. Ranges 20 0t°?8fnT0Iiea Täglich; Konzert der Käiser Bersaglier). Täglich vorrügl Ulte-Progranini Im Varl£td-Tkvater. Novität:„Lichtenbera auf Stelzen'4 lÄÄ gQT Tanz: Sonntag, Montag und Donnerstag.-Wg GroKev Nrvgttttqungspttrk. Illppeilrom.£ Kegelbabnon, LB Rufferboote, Stallungen, Schatzhilazer für IOO tat» 1 Atter. UgK- Familien können Maffec kochen. Eintrittspreis: 10 Pf., Kinder frei. »BS«» P s« CarlWeisüs-Theater Gr Frniitiiiricrflrntfe>18. Der WneMnig von Transvaal. CHm Krüger- Direktor carl U'-I-z. BorzugSbilletS baden Gültigkeit. Anfang 3 Uhr. Vor und nach der Vorstellung: DM- Frei»Konzert."HM Sonntag: Zum 1. Male: Kilmpfemie Armnt. (Novität.) Sociales Schauspiel in 3?lkt. v. Körner. Sonntag: Im Gatten: Tpecidtitittcn. Borftellung. DM- Theater nnv Konzert."WS Ansang 4 Uhr. Montag:«Deutsche Volksbühne": 8appko. Apollo-Ilteatei'. Nur noch Wenige Im Kelche dee Indra. Koffeneröftnung 7 Uhr. Garten- Konsert SV, Uhr. Ansang der Borstelluna 8 Uhr. Vorverkauf von 10— I Uhr im Theater sowie im Jnvalidendant und KünstlerdanL_ Fieichsballen. Täglich: Stettiner SttHger. «»fang; Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 60 Pfennig, Voroerlaus 40 Pf. Jetzt geöffnet. Kurfürsten- Damm. jjarniiin S Ri g;rftsste Schaustellung der Erde. Nnr bis 10. Juni. Tttglich nachnilttags 3 nnd abends 8 Thr. Die Sehenswürdigkeiten sind um 1 und 61/, Uhr zu besichtigen. Billetverkauf um dieselbe Zeit an der Kasse. Die Nachmittags-Vorstellnngen sind garantiert dieselben wie am Abend. Die Abnormitäten sind in dem Menagerie- Pavillon ron 1 bis 4V, Uhr und von•'/, bis ö'/j Uhr ausgestellt. Das die Nachmittags» Vorstellungen besuchende Publikum wird hbflichst gebeten, die Zelte um 6 Uhr zu verlassen, damit die Abend-Vorstellungen vorbereitet werden können. Entree für lümtUohe Sehens- Würdigkeiten and Sitiplati für dl« Olrkns-Torstsllnog 1 Mk. Bessere Plitss 2 Hk., reservierte o. numerierte Plitsa 3, 4 n. 6 Mk. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte für alle Plätze mit Ausnahme der l Mark- Plätze. Sämtliche Plätze sind numeriert mit Ausnahme der 1 und 3 Mark- Plätze. 4 und 6 Mark-Plätze im Vorverkauf bei Paul Grimm, Cigarren-lmporthaus, Unter den Linden No. 47. SchWeizer Garten Am Könlflsthor.— Haltestelle der Ringbahn.- Am Frledrlchihaln. NM" Sonntag, den 20. Mal Garten- Konzert am! Eztra-Vorstellung. Volksbewstignngen| �* *m Wh'Mzttt uiili Vorstt!l!lNi|. Zo-PfV Hauptsaison. to%T Beginn der tägl. Vorstellunge» vonnccntag,«loa 84. Zlai: LM- Extrg. MMi Konzert-Bailen Bf« JÄIS"- (vornehmstes u großartigste»- Sommer- Etablissement der Residenz) VarI4t4-7Iicater vornehmsten Oenees. Weltbekannte Illumination. B- Sensationelle Neuheit: MBS Btektrische Zaiiberbäiime. TstZ Anfang 6 Uhr. Eintritt 75 Pf. 8. ZailnaW Wh. Paster) Gesellschaft«- Säle. Jnselstr. 10. empfiehlt Vereinszimmer und Saal zu öffentlichen Versammlungen. Jeden Sonntag: Ball! 451 KL" Btadtbalmhof BUrse. Täglich: GrosseTheater- und Variete Vorstellung. Die Humoristen Hitdach, Wrosch, Zimmermann. Gursch. Benari. „Ae 8«tti! von Rixdors" sowie Sergeant Schneidig und militärische Eindrücke. Beginn der ansländischen Orchester Wochent. 6 Uhr, der Theaterabt. 8 Uhr Vieloria-Tlieater. Alexanderplatz. Gastspiel- Ensemble IVaiden-lerdan. Am Rllilde des Abgrunds. BolkSschauspiel in 4 Alten v. R. Elcho Morgen: Dieselbe Borstellung. W. Noacks Theater, Briiiinenstraße 10. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater- Vorstellang. Ein Bengaiiscber Tiger. Lustspiel in 1 Akt von Otto Raudols. Eis! und Phlegma. Posse mit Gesang in 1 Zllt von Angely. Im wtinderschönen Monat Mai. Liederlpiel m 1 Att von Stuckenbruck. Ball.�W Etadlissemenl„Biidosl" « aiaei»ar«tr.75. l4475D» Mehrere Sonnabend« u. Sonntage im Mai, Juni, Juli zu vergeben. Restaurant Jägerbänschen in Saatwinkel emp stehlt für vereine und Gewert- schasten.?lbb Wllh. Schamann. Ttland-Reslilurnilt»Äfce zwisch. Müggetschloß u. Aussichlölurm En Viehle gadrilen, Bereinen und Korooratiouen für Sommervergnügen u. Ausflüge mein großartig gelegenes LotaL Saal für ca. 3000 Personen, Hallen, genügend« Nrbenrämne. Delustigungen alle- Art. Ceulante Preise. M. Degebrodt. 45SOL'j«Strandfchlob", Köpenick. 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Hai 1900, vormittags 10 Uhr Grosse Versammlung im Gewerkschaftshanse(Saal 1), Engel-Ufer 15. Tagts-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Böske. 2. An welchem Tag soll die Forderung gestellt werden? 3. Verschiedenes. ES ist Pflicht aller Parlettbodenleger, üt dieser Versammlung zu erscheinen. Nchkung!"WW Wff" Achkung! kiiM- UN kinzklmse�s köllm o. «vivie»lle m dieser Lrsnelie lieselitiktiAieii Liikssi'deiter villi Arbeiterinnen, Montag, den 21. Mai. abends 8V« Nhr im GemerkfilzAstshsius. Cngel-Ufer IS Braiichev-Bcrslimmliiug. Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen K. Die». 2. Dislusston. 3. Verbands- Angelegensteiten. Kollege«! Wir erwarten von Euch, daß Ihr alle tn dieser Versammlung erscheint und für dieselbe agitiert. � � MF"" Aufnahm« neuer Mitglieder und Entgegennahme der BettrSg« findet statt. Drechsler und verw. Bernfsgen. Mittwoch, de» SS. Mai ISV». abends 8 Uhr im GemerkslszKftshttus, Enael-Ufer lS Branchen- Versammlmig. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Bcnossen Robert Schmidt über„Tarifgemeinschaften". 2. Dislusston. 3. Bericht des Gesellen-Ausschustes. 4. Verbands- und Branchcn-Angelegenheiten. Der hochbedeutsame Bortrag erfordert daS pünktliche Erscheinen fSmt- licher Kollegen. i» weiteste Verbreitung wird ersucht."W Branche der Stellmacher. Sonntag, den 20. Mai, vormittags«»/- Nhr_ Versammlung"MZ in VUmannsFestsülen, Bmnnenslrafle 188. 89/7 Tages-Ordnnng: X, Bericht üb» unsren Streit. 2. Dislusston. 3. Verschiedenes. MF* In dieser Versammlung werden die Tarife ausgegeben, darum ist«S Pflicht eines jeden Kollegen, in derselben pünlillch zu erscheinen. Achtung! Achtung! Kistenmacher! Montag, den 21. Mai, abends 8Vz Uhr, Engel-Us« 16 im GewerkschaftShanse gf Oeneral- Versammlung, Tages-Ordnung:(94/16 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Wahl deS gesamten Borslands. 3. Bericht der Gewerbcgerichts-Beisitzcr. 4. Vereinsangelegenheitcn. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dies» Versammlung zu erscheinen. MST* Mitgliedsbuch legitimiert."TSsgl Neue Mitglieder werden nur vor der Versammlung aufgenommen. Der Vorstand. I. A.: Karl I u ck e l, Frtedrichsberg, Parallelweg 1. nö. Donnersiag, den 24. Mai(Himmelfabristag) Herren-Parti« nach Straustberg. Zahlreiche Beteiligung erwartet 1». O. Achtung, Glasschleifer! Verband der Glasarbeiter Sonntag, den 29. Mai, vormittags 9 Uhr_ Mitglieder-Verfalnmlttng im Gewerkfchaftslzttufe» Engel-UferlS Tages- Ordnung: 1. Die EinigungS-Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Berichterstatter Kollege Weikisch. 2. Stellungnahme der Kollegen dazu. 3. Verschiedenes Kollegen! Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht, daß feder in dieser Versammlung erscheint. 10946 Die Orts Verwaltung. Achkung! Achkung! Freie Vereinigung der Ciiil-Berufsmusiker Berlins und Umgegend. Um Ticustag. de» 22. Mai er., vormittags lOV, Uhr. flndet bei Buslre, Grenadicrstr 33, eine 60/1 Mitglieder- Versammlung statt, wozu die Kollegen ersucht werden, pünlliich und zahlreich zu erscheinen. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Es empfiehlt sich die Freie Vereinigiiiig der Eivil-Verufsmiisiker Berlins»»d llmqcgend ferner Musik zu allen Privat- und Ncretns-Fest- ltchkettcn vom Klavier bis zum größten Orchester zu stellen. Prompt« Ausführung. Bestellungen werden taglich, mündlich vormittags von 10>/,— 1 Uhr und abends von 7—9 Uhr sowie schriftlich»nd durch Telephon Amt III 1298 Noseuthalerstr. 67, tm Restaurant Schiller, entgegengenommen. I>cr Vorstand. Btrbinld ber in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galauteriewaren-Judustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am DlenStag, den SS. Mai, abends 8l/2 Uhr, In Feuersteins Festsälcn, Alte Jakobstraste 75: Mitglieder- Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Cnrt Joill über:»Wissenschaft und Weltuntergang-, 2. Abrechnung vom Stistungsfest. 3. Lerbandsangelegen- hcitcn und Vttschtedenes. 24/6 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Montag, den 4. Jnni(S. Pfingstfeiertag): KiiM isseli flenwiiel am Daiaritz-See. —— Absahrr morgcuS 8,21 und 7,26 Ubr vom Schlesischen Bahnhof.-- Valirt bis Äen-Rahnsdorf. Von dort zu Fuß nach dem herrlich gelegenen„Oesellsehaftsbans .DSmcrlts-See" in Heffenwinkel.— Tanz.— Spiels Im Walde usw. «SF" Mittagstiich a 1 M. Kaffee 1 Str. 0,80 M.'WS Karten a 25 Pf., welche zum Tanz und zur Teilnahme an den Spielen berechtigen, werden nach Ankunft tn Heffenwinkel ausgegeben. Mos Niihere stehe nSchste Nummer der»Buchbtnder-ZetMng", Brettertriiger\i Brettschneider! Am Sonntag, den 20. Mal 1S00. nachmittags 3 Uhr, findet in Charlottenburg im Lokale der Gambrinus-Braucrei, Wallstr. 94,->»e Große öffentliche Nersannnlnng ( 10996] Tie Lohukommission. Yerein der Maschinisten, Heizer und fierufsgen. Berlins und Umgegend. Am Conntag, den 20. Mai, nachmittags 5 Uhr, tut Lokal deS Herr» Cohn, Beuthstrastr Nr. SO: WW Vevssrsnnilnng."TW Tages-Ordnung: 1. Vortrag über Elektricitätszähler mit Demonstra- tionen. 2. Verschiedenes. 3, Fragekosten. 138/10 Ber Vorstand. _______________ y ui SKtiiit. Textilarbeiter-Verband. WUT ,, sTckatcnre.) Am Sonntag, dcu 20. Mai. vormittags 1t Nhr, im Lokal dos Herrn Feind, Weinstraste 11: Ausseronjentliciie Eeneralversammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Sohnkommission. 2. Eventuelle Vorflands-Ersatzwahk. S. Vereinsangclegenheiten. 197/6 Pünktliches, allseitiges Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. ______ Der Vorstand. lElektromonteure. Am Sonnabend, den 10. Mai» Sophieustraste 5(Hummel): NM° V-rs«i«mlnng.-MU TageS-Ordnuna: ffollcc 1. Bericht des Gewerkschaslsdelegierten Kollegen V Abraham. 2. Äer- baudsangelegmheitc». 3. Verschiedenes.— Kollegen willkommen. 267/13 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Otto Wetzet& C Mechanische Schuhfabrik mit Dampfbetrieb. o. Herren- Zugstiefel, starke Ware, von M. 3, 90 tn. Damen- Spangenschuhe, braun u, schwarz, vonM. 2, 80 Kinder-«c Schuhe v. 00 Pf-««■ Kinder- i30 Stiefel von«, Unsre Verkaufssiellen in Berlin befinden sich: 33. Liandsberger-Strasse 3Ä. «. Dresdener-Strass© 6. SÄ. Wllsnacker-Strasse SS. Unars Preise sind deutlich auf der Sohle ausgestempelt."ZSfZ Direliter Verkauf ohne jeden Zwischenhandel.— MP" John* Restaurant �WU Obor-SohUneweide, Wilheluiineuhosstr. Nr. 18. Empfehle allen Freunden, Genossen und Bereinen bei Zlussliigen met» Lokal. 2 BereiilSzimmer, gr. Garten direkt im Walde mit Eingang vom Walde, Kegelbahn, Kaffeelüche. Fcrnspr. Nr. 94. Gr. Weihe 20 Pf., Seidel'/w 10 Pf._ 4661g*_ Otto John. Ort»-Krankenl»asse b.HttwtlNr,Htttsbmittlre!t rnii) Ulzwarett-Bersertiger zu Berlin. Sonntag, den 27. Mai, vorm. 10 Uhr, im Restaurant A. Feind, Weinstr. II: KliistrrordentUche General- Versammlung der Slrbeitnehmtr. Tages-Ordnung: Ersatzwahl von 18 Delegierten der Arbeitnehmer. Eintritt nur gegeu Vorzeigung des Mitgliedsbuchs. Hieran asischlfeßend flndet in dem- selben Lokal und an demselben Tage vormittags 11 llhr eine auher- ordentliche Generalversammlung der Delegierten(Arbeitgeber »nd Arbeitnehmer) statt. Tages-Ordnung: 4) tn getrennter Versammlung: 1. Neuwahl etncö VorstalidSmltgliedS der Arbeitnehmer(Amtsdauer bis 1. Januar 1901). h) in gemeinschaftl. Versammlung: 2. Autrag des Vorstands auf Ab- äuderuiig der Hz II. 12, 18, 26 und 27 des Siatuts. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen TageS- ordNung ist ein zahlreiches Erscheinen der Herren Delegierten(Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer) wünschenswert. Einladungskarte legitimiert. Der Vorstand. Karl Kümmert, Vorsitzender, Pankow, Florastr. 48. Arbeittr-Rnhslthrcr-Vttettt „�srlln". 11/17 Morgen: Familie» Ausflug noch Finken trug. 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