Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphla" Tel.<081 Preis der Einzelnummer 17" v 4 A C\ (Im Ausland kc 2.-) J\.C 1 oTfVJ Auslandspreise LinzeLnumm. ricrteljähr] Argentinien... Pes. 0J0 Pes. ÄÄ) Belgien..... Frs. 2.— Frs. 24.— Bulgarien.... Lew. 8.— Lew. 96.— Danzlg..... Guld. 0.30 Quid. 3.60 Deutschland... Mk. 0.25 Mk. 3.- EsV nd..... E.Ki 0.22 E. Kr. 2.64 Finnland.... Fmk 4.- Fmk. 48.— Frankreich... Frs. 1.50 Frs. 18.— Großbritannien.. d. 4.— sh. 4.— Holland..... Old. 0.15 Gld. 1.80 Italien...... Lir 1.10 Lir. 13.20 Jugoslawien... Din. 4.50 Din. 54.— Lettland.... Lat 0.30 LaL 3.60 Nr. 24 Sonntag, 26. Not. 1933 Bczogiprel» Im Quartal 1/ v, o (Im Auiland K£ 24�) IV C iO." Aosl&ncUpreue Litauen.... Luxemburg,. Norwegen.,. Oesterreich.. Pallstina... Polen..... Portugal.,, Rumänien.. Saargebiet.. Schweden... Schweiz.,. Spanien... Ungarn.... USA....•. Sozialdemokratisches Wochenblatt liiiiiünmffe mi„Docroarb Ein hessischer Bluterlaß: Wer den„Vorwärts" verbreitet, wird erschossen Am Dienstag vor dem 12. November wurde in Darmstadt folgendes amtlich bekannt gemacht: »Wie das Staatspresseamt mitteilt, wurden am Montagabend in Friedberg einige Exemplare des in Prag gedruckten »Neuen Vorwärts", herausgegeben von der im Ausland belindiichen SPD- Leitung, gefunden. Da vermutet wird, daß frühere Angehörige der SPD und KPD als Verbreiter in Frage kommen, wurde eine Krößere. Anzahl SPD- und KPD-Funktionäre— darunter auch eine Frau festgenommen und nach Osthofen 1 n d a s Konzentrationslager gebracht. Auch in Gießen sind ähnliche Drucksachen gefunden worden, die von der SPD herausgegeben worden sind. Die Bevölkerung Qnd besonders ehemalige Angehörige der SPD und KPD werden bei dieser Angelegenheit aufgefordert, beim Auftauchen derartiger Flugblätter oder, wenn solche finen mit der Post oder sonstwie zuge schickt werden, diese sofort bei der Po lizeibehörde zwecks Meidung schwerer Strafen abzuliefern. Die Polizeibehörden haben die Anweisung, gegen Flugblattver feiler der SPD und KPD mit den schärf- sten Maßnahmen, auch mit Schuß Waffe, vorzugehen." • Die Verhaftungen im ehemaligen Freistaat Hessen sind durch den presseamt- "chen Bericht selbst als G e i s e 1 v e r Haftungen gekennzeichnet. Die Polizei konnte der wirtclichen„Missetäter", die jkn„Vorwärts" verbreitet hatten, nicht habhaft werden— also verhaftete sie jvahllos und zum Zwecke der Abschrek kung ehemalige Funktionäre der Sozial demokratischen, sowie auch der Kommu- "istischen Partei Daß im Dritten Reich �vegen Verbreitung des„Vorwärts" sogar dich Kommunisten als Geiseln verhaftet werden, ist kennzeichnend für jenen pundsätzlichen Verzicht auf jede �ogik, der das Wesen des herrschenden Systems ausmacht. Bei all seinen Taten hegen Grauen und Gelächter eng neben- einand€r. Unschuldige werden für die Verbre- chen des„Neuen Vorwärts" durch Verlust 'hrer Freiheit für unbestimmte Zeit be- sfraft. Gegen die sozusagen„Schuldigen" aber wird ein generelles Todesur- ' e i 1 erlassen, das ohne weiteres Anklagend Prozeßverfahren sofort zu vollstrek- ken ist Die Polizeibehörden haben die Anweisung, gegen die Verbreitung der- n�Ser Druckschriften mit den schärfsten "aßnahmen, auch mit der Schußwaffe vorzugehen. . Verbreitung des„Neuen Vorwärts" Wkd in Hessen mit dem Erschießen be- ?|raft. Das wird fünf Tage vor dem 12. �vember amtlich bekanntgegeben! „Trotzdem stimmen 64.000 hessische Wähler gegen das Regime! • Hessen ist nicht Ostpreußen oder Pom- !llern. Es ist ein Land mit alter politischer Jn'fur. Wie Bayern, Württemberg und •~aden ist es ein bewußt und betont un- vr e u ß j s c h e s Land. Sinn für Freiheit fpört zu den Stammeseigentümlichkeiten; ln allen Bevölkerungsschichten gemetn- a,1ies Volksbewußtsein mildert die Schärfen zwischen Höheren und Niederen, zwischen Herrschern und Beherrschten. Das war einmal! Heute ist der„demokratische Süden" dem militaristischen Norden gleichgeschaltet, und das Darmstadt von 1933 ist nichts anderes als das Potsdam von 1733. Barbarische Gleichmacherei vereinigt alle Stämme der deutschen Nation auf demselben Niveau der Bestialität. Der politische Gegner ist nicht mehr der wir zahlreich aus allen Gegenden des Reiches erhalten, wissen sehr wenig von Freilassungen, desto mehr aber von Massenverhaftungen an allen Ecken und Enden, von Brutalitäten ohne Maß und Ziel. Die bürgerliche Welt ist müde geworden, von diesen Dingen zu reden oder zu hören. Sie nimmt sie bestenfalls mit höflichem Bedauern als unabänderliche Tatsachen hin. Gäbe es nicht das internatio- »Audi mit Schußwaffe vorzugehen« Volksgenosse, der gleichberechtigte Mitmensch, den man mit geistigen Waffen bekämpft, er ist Freiwild, das sich in Höhlen verkriechen muß, um leben zu können, und das man, wo es sich zeigt, mit wohlgezielten Schüssen erledigt « Die französische„Havas'-Agentur hat neulich dem Regime den Gefallen getan, von einer bevorstehenden„Amnestie" zu reden. Seitdem wird diese Phrase von der Weltpresse gedankenlos nachgebetet, Amnestie von wem, für wen, für was? Ist es eine„Amnestie", wenn eine Verbrecherbande von einigen zehntausend unschuldigen Menschen, die sie widerrechtlich gefangenhält, ein paar Hundert laufen läßt, um sie bei der nächsten Gelegenheit wieder zu holen? Und wen hat man überhaupt freigelassen? Die Berichte, die nale sozialistische Proletariat, so fände der Schrei der getretenen Kreatur bald kein Echo mehr. Mag es so sein— aber man widerstehe wenigstens der Versuchung, die Taten des Regimes gefällig zu verschönen, indem man von„Amnestie" redet! Amnestie heißt soviel wie Vergessen— aber was hätten die heutigen Machthaber Deutschlands sonst zu vergessen als die Verbrechen, die sie s e 1 b e r begangen haben und die sie mit jedem Tage neu begehen!? Für diese Verbrechen darf es kein Vergessen geben und wird es keines geben! • Tod durch Erschießen für Verbreitung oppositioneller Druckschriften fünf Tage vor einer Volksabstimmung und Reichstagswahl— auch der Todfeind des heutigen Systems hätte das nicht erfinden können! Keine Phantasie reicht dazu aus. Es ist das System selbst, das seine Greuelnachrichten produziert. Und nur dort, wo es von E r- sc hießen, Erhängen und Köpfen spricht, gibt es sich, wie es ist, nur dort lügt es nicht, nur dort verstellt es sich nicht. Vor etwa zwei Jahren wurde die Welt durch jene„Boxheimer Dokumente" überrascht, in denen sich der Geist des Dritten Reiches offenbarte. Auch sie kamen aus Hessen. Damals leugnete man die Echtheit— man war ja damals so „legal" wie man heute„pazifistisch" ist— aber heute sind die Greuel, die in der „Privatarbeit des Dr. Best" angekündigt worden waren, durch die Wirklichkeit tausendfach überholt. Wie groß muß aber die Angst der Machthaber sein, welche entsetzliche Furcht müssen sie vor der Wahrheit haben, wenn sie sich gegen sie nicht anders zur Wehr zu setzen wissen, als durch die tückischen Waffen der legalisierten Meuchelmorde! „Ideen sind am Ende immer stärker als Kanonen", sagte schon Napoleon. Und so sind Zeitungen, die den Mut zur Wahrheit haben am Ende immer starker als alle Karabiner und alle Revolver der SA. Darum erst recht und trotz alledem: „V o rwärts"! Sadisenburg gegen Hitler Sensationelles Wahlergebnis in einem Konzentrationslager. Das Lager Sachsenburg hat unter den Konzentrationslagern des Dritten Reichs schon immer eine Sonderstellung eingenommen. Die Behandlung der Gefangenen war dort weniger brutal als in anderen Lagern. Menschenwürde und Menschenrecht der Gefangenen wurden dort nicht so barbarisch mit Füßen getreten wie sonst fast überall. So konnte sich auch das Unwahrscheinliche ereignen, daß es am 12. November in Sachsenburg eine richtig geheime Wahlhandlung gab, die von den Häftlingen kontrolliert wurde. Das Ergebnis war 516 Nein und 460 Ja. Zu diesen 460 Ja-Stimmen gehören offenbar die meisten Stimmen der Lagerwache, die eine Stärke von ungefähr 300 Mann hat. Die Belegschaft des Lagers zählte 750 Mann, wovon etwa 100 unter 20 Jahre alt, alsu nicht wahlberechtigt waren. Daß das Wahlergfebnis mit seiner klaren Mehrheit gegen Hitler wie ein Donnerschlag wirkte, versteht sich von selbst. Augenblicklich setzte ein strengeres Regime ein, ein Rauchverbot und ein Spielverbot waren die ersten Strafen, die über die Gefangenen verhängt wurden, weil sie es mit ihren Staatsbürgerrechten ernst genommen hatten. Heute ist ganz Deutschland ein Konzentrationslager. Aber ein Konzentrationslager nicht wie Sachsenburg, sondern wie Dachau und Börgermoor. Wie die Abstimmung ausgefallen wäre, wenn die Deutschen noch ein freies Volk wären, zeigt trotz alledem Sachsenburg. Illegale Literatur der Sdiwarz�W eifi�Roten In Deutschland zirkulieren seit einiger Zelt hektographierte Briefe, die weder von Sozialdemokraten, noch von Kommunisten stammen. Sie sind unzweideutig schwarz- weiß-roter Herkunft, im Geiste des noch nicht gleichgeschalteten Stahlhelms gehalten und machen für eine„soziale Monarchie" Propaganda. Wir geben aus einem dieser Briefe eine der wesentlichsten Stellen wieder, um zu zeigen, wie scharf selbst von ganz rechts gerichteten Kreisen das heute herrschende System des Verbrechertums erkannt und beurteilt wird. ... Seldte hat, indem er seine Diktatur über den Stahlhelm erklärte und ihn dem Führer des Nationaisozialismus unterordnete, sein eigenes Geschöpf verleugnet und eine nie mehr zu überbrückende Kluft zwischen sich und dem Stahlhelm aufgeris sen. Stahlhelmgclst und Diktatur sind ebenso unaufhebbare Widersprüche wie sittliche Freiheit und äußerer Zwang Da aber von der großen Masse der Stahlhelmer diese Diktatur innerlich nicht anerkannt und Seldte als Verräter nicht nur Düsterbergs, sondern des Stahlhelms überhaupt, abgelehnt, Ja verachtet wird, lebt heute seine Schöpfung in der Gefolgschaft der im Stahlhelmgeist erzogenen Führer der unteren Einheiten fort Und nichts spricht mehr für die tiefe sittliche" Kraft, dte im Stahlhelm lebendig ist, als daß dieser Stahlhelmgeist die ununterbrochene Kette von Krisen, die kaum mehr erträglichen" Demütigungen, la selbst' die letzte Katastrophe, die Unterstellung des Wehrstahlhelms unter die SA. und damit die Auflösung und Zetrelssung des Stahlhelms, also Dinge überstanden hat, an denen jeder andere Verband zugrunde gegangen wäre. Seit dem März haben die Unterführer des Stahlhelms keinen ruhigen Tag gehabt. Die hinterhältige Taktik des National- Sozialismus— bei dem alles Taktik, Technik, Mechanik, Agitation, Reklame� Propaganda, Massenwahnpolitik ist — der Zermflrbungs- und Bntnervungskrieg hat sie fast täglich vor neuen Lagen und damit vor innere Entscheidungen gesteilt, sie von einer inneren Aufregung in die andere geworfen. Die Nächte mußten immer aufs neue tu Führerbesprechungen herhalten, heute hier, morgen dort An den Abenden mußten sie sich ihren Gefolgschaften stellen, um sie aufzuklären, zu beruhigen, sie hilfzuhalten und Immer wieder zu überzeugen, daß der Weg Ihrer Führer der Richtige Ist. Am Tago war der Beruf zu erfüllen— denn hn Stahlhelm gibt es keine bezahlten, berufsmäßigen Funk- tfonäre. Sie haben alle Schwierigkeiten zum Trotz Ihre Linie durchgehalten und Haben sich als Männer von innerer Wahrhaftigkeit und von Charakter so entschieden, daß nichts von dem WeaentHchen,- nicht von dorn, waa Stahlhelmgeist ausmacht, preisgegeben wurde. Der Stahlhelm und Stahlhelmgelit leisen|1ch nicht vernichten,»le lassen sich nicht zerstören, well sie exislteren einzig und altein aus der sittlichen Entscheidung der Männer, die sie bilden und verkörpern-- und nicht aus Agl- tetion, aus mystischer VergoHnng eines Menschen aus Zwang und nur äußerer Diszipllnicrung. Alle vom Nationalsozialismus geschaffenen Einrrchtungen beruhen dagegen auf Zwang und fordern Unterwürfigkeit und Selbstaufgabe der freien sittlichen Persönflchkeit, Ihnen fehlt jedes deutsch-genossenschaftliches Element, Ihre Grundlage Ist das Gegenteil von Gemeinschaftsgeist und echter Selbstverwaltung. Methodon und Formen nationalsozialistischer Gesellschaftsgestaltung sind dem bolschewistischen Rußland und dem faschistischen Italien entlehnt. Beide sind extremste Gegensät« eu dem, was deutschen Geistes, was deutscher Seele, deutschen Volkstums ist. Die schäbigsten Mittel der Denunziation, der wirtschaftlichen Benachteiligung, der Aus- »chiteßuug von der freien Mitwirkung am Staatsaufbau nnd an iegltchcr öffentlicher Betätigung, kommen zur Anwendung, die gleichen schäbigen Mittel, dfe der Politik gegen das deutsche Brudervolk Oesterreich das traurfge Gepräge geben. Schutzhaft und Konzentrationslager lind die bereits alltäglich gewordenen Mittel gegenüber allen— gleichgültig aus welchem Lager, die es wagen, auch nur im geringsten ariderer Meinung zu sein, als die natlonal- soziallsfischen Machthaber. Der Tscheka des Bolschewismus entspricht fri Deutschland die geheime Staatspolizei, wohl das unwürdigste Instrument, dessen sich die Politik und gar erst ein Staat bedienen kann. Gegen diese sehen, des Konrehtrationslagers, der Geheimen Staatspolizei, die barbarisch und unwürdig sind, muß sich echtes deutsches Empflu- den auflehnen. Es ist der Gipfel der Gemeinheit, Männer nur darum in das Konzentrationslager zu sperren, weil sie politische Gegner sind und nach ihrer Ueberzeugung(die man gewiß als falsch, ja verderblich ablehnen kann, aber darum längst nicht als Anlaß zur Bestrafung wie gemeine Verbrecher zu nehmen braucht), Politik getrieben nnd gehandelt haben(wie man es mit Führern det SeziaidemSkratie ünn tariflicher Angelegenheit sind an sich nld� unstatthaft, Sölten aber tunlichst nicht ohne Kenntnis der Bezirksleitet der Deutsche" Arbeitsfront vorgenommen werden. Es l*1 In keinem Fall gestattet, daß Verbände unter Umgehung der Bezirksleiter der D. A direkte Fühtimg mit del" Treuhänder der Arbeit aufncbmeiu Diesc Richtlinien stnd unbedingt zn be- folgefl. Hell Hltlert Folgt Stempel und Unterschrilt de' Verbandsleiters-" Wir selbst würden dieses Dokum«*', für eine sozlalpolitisehe„GrettölmeMun� halten, wenn wir ans nicht von seWe� Echtheit überzeugt hätten.„Es i s verboten, von LohBerböbüfl* gen zu reden— HeilHltlet' Das ist in neun Worten alles, was vo" den versprochenen sozialen HerrHcbkeiteJ1 des Dritten Reiches übrig geblieben „Der politische Gegner'V von dem trotz alfer Ausrottung immer noch fürch' terHche Angst zu haben scheint, wird das notieren. FrS c k e r(NSBO) begrüßte besonders Leipart sehr freundschaftlich als seinen „alten Bekannten14 und1 eröffnete darauf die Sitzung mit etwa folgenden Worten: Wir wollen sehen, ob es Möglichkeiten für ein« Verständigung fn der GewerkSchaftsfrag« gibt Die NSBO. ist Im starken Anwachsen Begriffen. Dfe Mitglieder des ADGB. zahlen nicht mehr, es besteht die Gefahr des Zu- samnrenbrechens der alten- Gewerkschaften. Daran haben' wir als Natfonalsorialiston kein Interesse. Wir wollen Im Gegenteil die Einheitsgewerkschaft schaffen. Wir müssen allerdings schnell arbeiten, da sonst die Massen drängen und mancherlei zerstören könnten, das durch Verständigung erhalten bleiben würde. Leipart erwiderte darauf, daß er zunächst einmal fragen müsse, ob die anwesenden Herren der NSBO. auch Arbeiter urfd Gewerkschafter seien, da er Wert darauf lege, mit seinen Ausführungen verstanden zu werden. Bruck er: Die Herren sind alle Gruppenleiter in der NSBO. und sind über die Gewerkschaftsfrage hn Bilde. Leipart: Sie wissen, daß wir alle Sozfafdemokraten sfnd, die ein Lehen lang gekämpft und gelitten haben. Wir stehen zu unseren settherfgen Auffassungen. Ihre Partei hat In der letzten Zeit ehrliche Kämpfer aus unseren Reihen öffentlich herabgewürdigt und diffamiert. Welche Gewähr können Sie uns außer Ihrem ehrlichen Gesicht für eine absolut saubere Behandlung der Besprechung geben? Bruck er: Eine Veröffentlichung wird nur nach gemeinsamer Verständigung erfolgen. Di« Besprechung soll aufrichtig und vertraulich geführt werden. Leipart: Meine Herren, als Deutscher spreche Ich zu Urnen; Sorgen Sie dafür, daß nun endlich die zahlreichen U e b e r- fälle auf unsere Mitglieder unterbleiben, die drangsaliert, mißhandelt, Ja zu Tode geprügelt werden, obwohl sie bisher nur den Arbeitern geholfen haben. Sie haben unser Eigentum zentört. Noch heute sind 43 Gewerkschaftshäuser besetzt, und damit die Gewerkschaften an der Ausübung ihrer sozialpolitischen Arbeiten gebindert. Sie haben die Absicht, nun auch noch die Gewerkschaften zu zerschlagen(Alle NSOB.-Leute: Nein, wir wollen es nicht, Hugenberg will es). Wenn Adolf Hitler seine erste Rede an das deutsche Volk nach der Regierungsübernahme«1» Reichskanzler und nicht als Partefmann gehalten hätte und wenn die nationalsozialfstl- schen Minister, besonders Herr Göring, weniger zur Gewalt aufgefordert hätten, dann hätten die Gewerkschaften auch zu dieser Regierung wie zu jeder vorausgegangenen Regierung gestanden. Wir müssen es ablehnen, Verräter an unserer Sache zu sein, denn es ist unser Lebenswerk. Ueber das hier Gesprochene müssen wir mit unseren Verbänden reden, da wir ein auf treiwilligcf Grundlage zusammengeschlossener Bund sind. Im übri gen bitte tch noch zu erläutern, wie Sie sich ein Zusammengeben denken, wie die Einheits- organisatiou aussehen und wer die Führer sein sollen. Brucker: Wir werden mit den Gewerkschaftsführern zusammenarbeiten, allerdings werden einzelne Führer ausgeschaltet werden müssen aus Gründen, gegen die wir machtlos sind. Mit Weltanschauungsfragen dürfen sie sich nicht mehr beschäftigen. Unter keinen Umständen kann geduldet werden, daß sie noch eine politische Richtung vertreten. Hirsch-Dunckersche und Christliche Gewerkschaften spielen bei uns keine Rolle mehr, wir gliedern sie In die Freien Gewerkschaften ein. Die NSBO. muß die maßgebliche Führung haben. Schuhmann beansprucht die Führung des ADGB. Wir müssen daher Herrn Leipart bitten, zurückzutreten. Das kann alles in Formen geschehen, die keine Verletzung der Person zu bedeuten braucht. Eventuell kann Schuhmann bis auf weiteres als provisorischer Kommissar neben Leipart tätig sein. Wir werden die alten Kämpen nicht auf die Straße werfen. Für die älteren Führer wird gesorgt werden. Wer sich aber etwas zuschulden kommen ließ, insbesondere Korruption begangen hat, muß raus. Es werden nicht alle Handlungen als Verrat aufgefaßt werden. Es kann für den zukünftigen Stand der Gewerkschaften nicht nützlich sein, wenn sie erobert werden. Unsere Leute aber wollen erobern. Es war für uns nicht leicht, die drängenden Massen zurückzuhalten. Adolf Hitler hat aber selbst verlangt, daß die Gewerkschaften nicht zerstört werden dürfen. Wir sind keine Alltagsmenschen der Agitation, wir wollen keine Absplitterung, sondern den Stamm erhalten. Jeder Arbeiter muß organisiert sein, Vielleicht kommt auch der Koalitionszwang. Wir wollen die Seele des Arbeiters erobern und ihn einbauen fn den neuen Staat. Leipart; Haben Sie einen Auftrag von Ihrem Führer? Wagener sagte, daß er von Hitler den Auftrag habe, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Wird Hitler nicht ein Gewerkschaftsgesetz erlassen und damit unsere Verhandlungen von selbst erledigen? Bruck er; Direkten Auftrag haben wir nicht, aber der Führer erwartet von uns, daß alles von uns im Sinne der neuen Staatsidee erledigt wird. Für die Gewerkschaftsfragen sind wir allein zuständig. Wagener ist nur der Verbindungsmann. Das Gewerkschaftsgesetz kommt. Die Verhandlungen müssen aber trotzdem zu Ende geführt werden. Ein Gewerkschaftskommissar wäre längst eingesetzt worden, wenn nicht das Reich s- arbeitsministerittm In den Händen des Herrn Beldte und des Stahl- h e 1 m s w ä r ei Es ist ein unmögliches Ver- hähnfs, daß die Stshlhelmsethsthilfe mit ihren jetzt höchstens 100.000 Mitgliedern einen so entscheidenden Einfluß hat. Wir, die NSBO., wachsen ms Gigantische. Vor kurzem hatten wir noch 400.000 Mitglieder,- innerhalb 14 Tagen sind wir auf eine MiUion angewachsen. Wir werden überall Länderkommissare einsetzen, vor allem um Uebergrifle gegen die Gewerkschaften zu verhindern, aber auch um den zukünftigen berufsständischen Aufbau vorzubereiten. Wenn wir uns mit dem ADGB. geeinigt haben werden, dann wird uberall sofort wieder die Ordnung hergestellt sein. Es ist noch nicht überall abgebremst worden, weil unsere Leute noch aktiv sein müssen. Leipart: Wie wollen Sie die Führung übernehmen? Wollen Sie einfach einen Unbekannten von oben her einsetzen? Glauben Sie, daß die organisierte Arbeiterschaft sich das so einfach gefallen läßt? Wir haben alle als Beitragskassierer und Zeitungsverteller jahrelang ehrenamtlich Funktionen ausgeübt, uns langsam hinaufgearbei- t e t und in schweren Kämpfen bewähren müssen. Wir werden von unseren Mitgliedern von Tagung zu Tagung gewählt Brucker: Was? Die Führer der Gewerkschaften wählen? Nein! Massenwahl Ist Augenblickssache. Der Führer muß bestimmt werden. Die seitherigen Führer können in den Gewerkschaften auch durchaus weiterhin Führer aein. Wer tüchtig ist wird von uns gebraucht Z. B. beim Krankenkassenverband mußte ich allen kündigen, aber nicht alle werden entlassen werden. Ich brauche sie Ja, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Daß die Gewerkschaftsführer aus den Gewerkschaften und aus demselben Beruf kommen müssen, erkennen wir nicht an. Vorsitzender einer Gewerkschaft kann beispielsweise auch ein Arzt sein. Lohnverhandlungen mit den Arbeltgebern gibt es für die Zukunft nicht mehr. Tarifverträge: nein! Tarife: a I Der Staat regelt zukünftig Lohn und Preis. Leipart: Wenn die Gewerkachaften die Löhne und Lebentbedingungen nicht mehr regulieren werden, dann haben sie ihre wichtigste Funktion verloren. Sie tagen, daß die derzeitigen Gewerkschaften verschwinden mußten, weil sie die Erwartungen nicht erfüllt und nichts geleistet hätten. Wissen Sie, wie et vor SO Jahren ausgesehen hat? Wissen Sie, daß die Arbeiter 14 Stunden schufteten, keine Ferien, kaum einen Sonntag hatten? Wissen Sie, daß ihre Löhne schlecirt, daß sie in Elendshütten hausten, von den Kulturgütern überhaupt ausgeschlossen waren? Da kamen wir und haben die Arbeitet herausgehoben zu dem, was sie heute bedeuten. Graßmann: Wir haben zu einer Zeit gekämpft, wo es nicht ungefährlich war, für die Interessen der Arbeiter einzutreten. Der Arbeiterführer muß aus der gleichen sozialen Schicht kommen, wenn er verstanden sein will. Wir haben die gleiche Kinderstube und empfinden den gleichen Druck. Wenn auch der Arbeiter einmal auf den Führer schimpft, er weiß, daß es sein Mann ist, der zu ihn» redet, der letztlich doch das Richtige geraten hat, Fikenseber(NSBO): In unseren Betriebszellen sind alle Beschäftigten gleichberechtigt und gleichverpflichtet: der Redakteur, der Ingenieur und der Arzt neben dem Arbeiter. Eggert: Wir sprechen in unseren Gewerkschaften unsere eigene Sprache, die uns mit den Arbeitern denken und fühlen läßt Wenn sie von außen her an den Arbeiter herangeben wollen, dann werden sie Ihn innerlich nie erfassen können. Der Stamm der geschulte» Arbeiter wird immer zu uns stehen. Leuscbner: An Ihrem Vorschlag fn- teressiert uns die Einheitsgewerkschaft und Ihre Erklärung, die Gewerkschafteif nicht zerschlagen zu wollen. Ob daraus etwas wird, hängt davon ab. ob Sie großzügig sein werden. Jede Unduldsamkeit und Jeder Zwang müßte das Gegenteil erreichen, Wir haben die kommunistischen Betriebszellen als Gewerksehaftsschädtinge bekämpft und waren verpflichtet, die naftonat- sozialistischcn Betriebszellen nicht anders zu bebandeln. Die Mitglieder Ihrer NSBO. sind zum Teil noch unsere Mitglieder. • Nach weiteren kurzen Erklärungen Leiparts und Bruckers wurde die Besprechung abgebrochen. Wettere Verhandlungen waren auch zwecklos, denn sohiießlicb war es die brutale Gewalt, die entschied..• Yolksverräter oder Yolksheld? Die in Bayreuth erscheinende„Bayrische Ortswachf bringt aus dem Orte Beidl folgende Korrespondenz; Ein Volksverräter! Unglaublich ist's, Jedoch leider zu wahr, daß der Gütier und Zimmermann Gerber, aus Leichau, des Volksverrats sich selber angeklagt. Er erklärte öffentlich: Er habe sich in der Wahlliste mit einem„N e i nT eingezeichnet; angeblich, weil er sich einfach nicht umstellen könne. Vielleicht erkundigt sich einmal ein ausländischer Korrespondent darnach, wie es dem tollkühnen Zimmermann Gerber aus Beidl weiter gegangen ist. Wir wissen nicht. welcher Partei er angehört und fragen auch nicht darnach. Schmutzige Schreiber nennen ihn einen Volksverräter. Die Geschichte wird ihn einen Helden nennen, der die Ehre des Volkes retten half. Lehmanns üpgpoßvatep Ein Feuilleton der JZuvtt» Del Pepolo44, Die Italiener tun dem Völkerbund an, was sie Hitler von den Augen absehen können— aber vor dem Rassefimmel der deutschen Erneuerer macht ihr faschistisches Solidaritätsgefnhl halt. Die „Gazetta Del Popolo", Mussolinis Leibblatt, veröHentUcht in seinem Feuilleton folgende dramatische Szene: Die Bierstube, in der wir uns befinden, hat an diesem Abend mehr Gäste als während der ganzen übrigen Woche. Als loh eintrete, finde ich Herrn Dr. Lehmann schlecht gelaunt vor emem Schoppen Dortmunder und einem Paar WOrstehen mit Kartoffelsalat am Tische sitzen. Kurz darauf kommt Schulze mit einem gelben Paket unter dem Arm. Er bestellt sein Abend- essen, nimmt seine Brille ab und beginnt, sie sehr sorgfältig zu putzen. Auch er sieht verstimmt aus. Lehmann sagt: „Heute ist mir eine nette Geschichte passiert. Stellen Sie sich vor— ich habe ant- deckt, daß mein Urgroßvater väterlicherseits Jude war." „Waas?" „Bs ist nicht daran zu zweifeln, die Dokumente sind vorhanden. Bin hundertprozentiger Jude. Ich, der ich meinen Antisemitismus so laut proklamiert habe... Da bhi ich schön bereingef alten> Wae soll Ich fetzt machen?" „Aber canz einfach... etwas weniger Lärm!" antwortete ich ihm sanft. „Ach, diese Italiener!" fährt Schulze auf, ein gläubiger Nazi, der seinem Freund zu Hilfe eilt..... Versuchen Sie doch, ihnen das Rasseproblem zu erklären!" Jetzt bin ich an der Reihe; ,Die Rasse", sage ich,„interessiert uns Italiener nur sehr schwach. Was bei tms zählt, ist das Volk, aus dem wir nun endlich eine Nation gemacht haben. Die Körpermaße der zwanzig oder dreißig Rassen, die wahrscheinlich die ethnische Zusammensetzung des italienischen Volkes bilden, vielleicht auch die des Ihren..." „Was, waas!?" heulen zu gleicher• Zeit Schulze und Lehmann. „...interessieren mich nicht im geringsten. Langschädel oder Rundschädel, Etrusker oder Lateiner, Kelten oder Dlnarier bilden bei uns einen eineigen geschlossenen und mächtigen Granitblock, ein einziges Volk, eine einzige Nation; Itaiienl Hut ab!" „Sie sprechen nicht im Ernst", unferbrleht Schulze, wenn Sie behaupten, das deutsche Volk sei keine einzige, einheitliche, bestimmbare und leicht erkennbare Rasse, eine Rasse..." „Daß ich nicht lache!" schrie ich Ihn an, „daß ich nicht lache über so viel Dummheit! Die deutsche Rasse eilte einheitliche Rasse! ...Das ist ja kindisch. Wenn es nicht einmal eine israelitische Rasse gibt!" „Wie sagen Sie?... Die Juden?" „Die Juden sind ein Volk, das aus mindesten« zwei Rassen gebildet ist, den Sefardim und den Askenazi, aus awtl Rassen, welche sich Ihrerseits so vermischt haben..." „Aber immerhin so erkennbar, so einheitlich..." „Durchaus nicht einheitlich. Bei den Sefar- djm, die aus dem Süden kommen, finden Sie verschiedene Mischungen, orientalische, chami- tische und selbst nordische..." „Nordische! Bei den Juden? Sie phantasieren Ja!" „Sie selbst phantasieren! Sie, der..." In diesem Augenblick einigen wir uns alle darauf, noch eine Halbe zu bestellen. „Auf Ihr Wohl!"... „Prosit, Herr Doktor!" Schulze, der bei alledem ein guter Junge ist, öffnet Jetzt das geheimnisvolle gelbe Pa- ket, das eine Abhandlung über europäische Anthropologie von Günther enthält. Zwischen anderen Photographien sehe Ich ein Bild von Puccini, der als mittelländischer Mensch mit ganz kleinem dinarischen und nordischen Einschlag klassifiziert ist.(Der Ver- fassar setzt hinter diese Behauptung immerhin ein Fragezeichen.) „An Hand eines solchen Steckbriefformulars über Schädel- und Backenknochen, Knopf- und Adlernasen, annektieren Sie mit der größten Drefstigkoit— Seite 261«•» Galilei, Ljo- nardo, Tizian und Savonarola als nordische Menschen- Behalten Sie Savonarola, wenn Sie auf seine Reformideen Wert legen, aber von den anderen— Finger weg!" „Also, Sie leugnen die Jde« der Rasse, den Begriff.. „Ich leugne überhaupt nichts. Da» ist ein sehr respektabler, vielleicht ein nützlicher Begriff, aber man darf nicht vergessen: der Bergbewohner aus dem Tal von Aosta, der kelti- «cher Rasse Ist, und der alzilianische Bauer, der viallclcht normannisches Blut hat, habe11 gemeinsam— die Nation, das heißt, die Sprache, die Gebräuche, die Tradition. Beide5 sind hundertprozentige Italiener. Ich leugn« nicht daß Ihnen dieser Rassebegriff bei ihrer nationalen Einigung nützlich ist, aber glauben St« mir, gewisse Uebertrelbnngen, z. B. die Verfügungen dos Innenministers Frlck über tü® Schutbttcber, können Ihnen nur schaden!" „Welche Uebertreibungen?" „Etwa die Behauptung, daß der größte Ted der Italienischen Bevölkerung Abkömmling« orientalischer Sklaven seien. Beurteilen Si« selbst ob solche Einfälle dazu beitragen, di« Freundschaftsbande zwischen Deutschland«n1* Italien zu festigen. Aber Schluß damit! B«* enden wir die Diskussion, ehe uns die Lust a"* kommt, uns die Biergläser an den Kopf werfen, anstatt das ausgezeichnete Dortmunder darauf zu trinken.— Nordischer Langschädel, Prosit auf I�r Wohlf" SA, SS, Indianer, Tiere u»�' Aus einem Inserat m der.Süddeutsche'1 Sonntagspost* Nr. 45: ... Mit unseren Gießformen kann sich te' der seine Bleisoldaten, SA- und SS-M0nner> Indianer, Tiere usw. selbst gießen,.. Indianer und Tiere würden sich, wenn von dem Angebot erführen, mit Recht g«ten diese Nachbarschaft wehren. Sozialismus ist Kapitalismus Nationalsozialistische W irtschaf tstheocien Die Nationalsozialisten versuchen Jetzt, Ihren politischen und wirtschaftlichen Vor- «tellungen auch eine theoretische Grundlage zu geben. Kürzlich hat der Lei ter der Kommission für Wirtschaftspolitik der Reichsleitung der NSDAP., Bernhard Köhler, einen Vortrag über die Stellung des Nationalsozialismus zur Wirtschaft in Frankfurt a. M. gehalten. Der Vortrag wird jetzt in der gleichgeschalteten Gewerkschaftspresse auszugsweise veröffentlicht, und er ist auch als Broschüre unter dem Titel„Das Dritte Reich und der Kapitalismus" erschienen. Die Schrift, die in einer Massenauflage verbreitet wird, gilt als grundlegende Veröffentlichung über die wirtschaftspolitischen Auffassungen des Nationalsozialismus, und sie gewährt auch tatsächlich einen tiefen Einblick In die nationalsozialistischen Vorstellungen über Wirtschaftsführung. In der Broschüre wendet sich Köhler zunächst an die Arbeitgeber und beginnt mit der Feststellungr „Das deutsche Volk ist das erst» Volk auf der Erde, das sich zum Soziallsmus durchgerrnigen und bekannt hat, zu einem Sozialismus ohne Einschränkung, zu einem Sozialismus von grundlegender Bedeutung und Kraft." Nach dieser Behauptung setzt Köhler den Arbeitgebern auseinander, daß der Sozialismus der Nationalsozialisten aber auf keinen Fall etwas zu tun hat mit den hisherigen landläufigen Vorstellungen vom Sozialismus. Vor allem zerstört er etwaige Befürchtungen der Arbeitgeber: „Sie haben gefragt: wird es mir denn möglich sein, mein« Wirtschaft nach den Grundsätzen, die bis letzt gegolten haben, weiterzufahren, bleiben mein# Forderungen bestehen, werde ich du Recht heben, meine Forderungen geltend zu machen? Du war ja ihre erste Sorge, ob die Nationalsozialisten nicht doch so ein biBchen enteignen und verstaatltchen würde n." Diese Sorge beseitigt Köhler gründlich; „Zuerst muß das Recht gesichert sein, ehe Wirtschaft getrieben werden kann, wir werden es deshalb nicht dulden, daß durch dialektische Versuche du Eigentum als eine Sünde und als Diebstahl hingestellt wird. Wir sind längst über den jüdischen Dreh hinaus, der versucht hat, schon vor 2000 Jahren das Eigentum als einen Diebstahl an der Atlgemein- heit zu bezeichnen.1 Für die Besitzenden ist damit noch einmal unterstrichen, was sie durch die bisherige Praxis der Nationalsozialisten schon eriahren haben; Ihre wirtschaftlich eMachtstellungwirddurch den Nationalsozialismus nicht gefährdet werden! Für den denkenden Menschen bleibt dann freilich die Frage, mit welchem Recht die National- sozlaliuen diese Wirtschaftspolitik als • Soz'aüsmus" bezeichnen, Köhler geht auch auf diese Frage ein, und er setzt nun seinen Lesern auseinander, daß sie bisher den Kampf für den Sozialismus völlig falsch verstanden haben. Der Kampf uni den Sozialismus richte sich nicht gegen Eigentum und Unternehmerschaft: „Sie haben fleh einreden lassen, daß sie ihr Eigentum und ihr Recht auf Eigentum gegen den Sozialismus verteidigen müßten. Aber in diesen Dingen besteht der Kapitalismus nicht Kapitalismus bedeutet nicht, daß es ein Kapital gibt, daß mit Kapital gerechnet wird, daß die Grundsätze beachtet werden müssen, die au* der Tatsache Kapital für die Wirtschaftsrechnung sich ergeben. Das ist nur die selbstverständliche und nüchterne Wirtschaftsrechnung. Hier ist ein Kapital im Geschäft und der Wert dieses Kapitals maß richtig eingesetzt werden und zur Auswirkung gelangen." So beweist Köhler den Unternehmern, daß sie gar keine Kapitalisten»ind, und daß sich daher der sozialistische Kampf der NationalsozialsUen niemals gegen sie Menden könne. Für ihn bedeutet Sozialis- ftius die Sicherung des Eigentumsanspruches der Unternehmer. Selbstverständlich sollen„gewisse Auswüchse" beseitigt werden, z. B. sollen in Zukunft die Unlcrneh- •her davor geschützt werden, daß ihnen von ihrem Vermögen etwas verloren geht: „Wir sind oft und«ntschieden fßr das Recht des Unternehmers eingetreten. Und zwar gerade deshalb, meine Voiksgenossen. weil wir Soziallsten sind." Nach dieser gründlichen und eindeutigen Beruhigung der Unternehmer vor„sozialistischen Experimenten" bleibt für Köh ler die Aufgabe übrig, auseimmderzts setzen, wie der Sozialismus der National Sozialisten vom Standpunkt der Arbeiter aussieht, wte die Nationalsozialisten es fertig bringen wollen, die Forderungen der Arbeiter nach menschenwürdigen Lebensbedingungen und nach Arbeit zu erfailen, wenn sie den Uoternehmera die völlige Freiheit ihres Wirkens als Sozialismus garantieren. Auch damit wird Köhler fertig. Auf den letzten fünf Seiten der dreißigseitigen Broschüre beschäftigt er sich mit dem Sozialismus der Arbeiter. Zunächst stellt er fest: „Der Soziaiismus besteht nicht einzig und allein in der Lösung der Arbeiterfrage, die seit mehr als einem Jahrhundert lebendig i*t>" Die Arbeiterfrage besteht aber für Köhler nicht in dem Verlangen der Arbeiter nach Existenzsicherheit und nach menschenwürdigen Lebensbedingungen. Nach seiner Meinung handelt es sich im Kampf dar Arbeiter nicht um Wohlleben oder Einschränkung, um großen oder geringen Verdienst, sondern es handelt sich um den Anspruch auf gleiche Ehre, gleiches sittliches Recht und gleichen Wert für die Volksgemeinschaft. „Daß der eine viel verdient und der andere wenig, daß kann ertragen werden. Ntcht das kann den Arbeiter zum Feind der anderen Volksgenossen machen, daß er härter arbeiten muß als ein anderer, auch nicht die Tatsache, daß der Sohn des einen schon mit einem Eigentum anfangen kann, während der Sohn des anderen von Grund auf anfangen muß, sondern das Gefühl, daß er ausgeschlossen sein soll, muß ihn zum Feinde derer machen, die bevorzugt sind. Dies ist die Sünde des Kapifaiismus, daß er deutsche Volksgenossen zu Feinden anderer Voiksgenossen, daß er deutsehe Volksgenossen zu heimatlosen Prorefariern im deutschen Vaterland gemacht hat, daß er sie entwurzelt hat, so daß sie nicht mehr wissen, was Arbeft heiß t." Die Ausführungen Köhlers sind sozusagen die theoretische Begründung des Diktats, mit dem Hitler die Revolution abge- blasen hat. Die deutschen Arbeiter sind freilich, ohne daß sie es merken bereit« vom Kapitalismus befreit, für sie besteht der Sozialismus der Nazis darin, daß sie jetzt das Recht haben sollen, sich nur von deutschen Unternehmern ausbeuten oder aushungern zu lassen. Sozialpolitik Dritten Reidi Sdiiebermethoden der Deutschen Arbeitsfront Ebie Entscheidung von cruodsitz Lieber Bedeutung Ist vor kurzem vom Lsndesarheitagertcbt Frankfurt e. M. gefällt worden: Ein Gewerksdiaftssekretär in Frankfurt klagte gegen den Deutschen Arfceitmer- band der öffentlichen Betriebe in Berlin, weil er am 29. Junt fristlos gekündigt wurde. Kläger bat zwei Monate nach Ueber- nahme des Verbandes durch die NSBQ. unter der neuen Leitung ohue Beanstandung gearbeitet und ist dann vom Deutsche» Arbeiter- verband, dem Nachfolger des„Gesamtver- bandes" grundlos entlassen worden. Gegenstand der Klage ist die Gehaltszeblun« während der KündigiHigsfrist. In erster Instanz wurde die Klage vom Arbeitsgericht Frankfurt a. M. abgelehnt, Auch die Berufungsinstanz hat sich am lg. Oktober dieses Urteil zu eigen gemacht(Landesarbeitsgericht Frankfurt 6, 1. S. 67IS3 4. A.C. 543/33). Interessant sind die Gründe der Ablehnung. Di« Erklärungen der NSBO.-Leitung seien für die Deutsche Arbeitsfront und damit auch für den beklagten Verband unverbindlich, da sie nicht Rechtsnachfolger des �1»■iiinlirrnt'l f* m»eäi imiih f>— �— I PXf CTroTTTaTrgvTI,, VjrCon 1 1 rt v v i uci ii\m� j Svi. wvr- tere Begründung muß man im Wortlaut genießen: „Der Zweck des Gesamtvcrband«» war seiner geschichtlichen Entstehung nach auf der marxistischen Klsesen- kampftheorle aufgebaut und erschöpfte sl