Redaktion und Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia" Tel. tOSI PreU der L'inzelanmmer I/' A A f\ Im AusIanJ Wi 2.') i\-C X Auslandspreise t-inzelnuinm neiteljähri Argentinien... Pes. 0.30 Pes. 5.60 Belgien..... Frs. 2.— Fr«. 24.— Bulgarien.... Lew 8.— Lew. 96.— Panzip..... Quid 0.30 Quid. 3.60 Ueutschland... Mk. 0.25 Mk. 3.- Bstl nd..... E.Ki 0.22 E. Kr. 2.64 Finnland.... Fmk 4.— Fmk 48.— Frankreich... Frs. 1.50 Frs. 18.— Grottfitiunnien.. d. 4.— sh. 4__ Holland..... GId 0.15 Old. 1.80 Italien...... Lir 1.10 Lir. 13.20 ■lugoilauieti... Din. 4.50 Din. 54— Lettland.... Lat 0.30 LaL 3.60 \r. 28 Sonnabend, 23. Dez. 1933 Rezagiprcli im Quartal 17 v 4 Q (Im Ausland kc 24.- i\-C 1 O."" Auslandspreise Linzelnumm vicrteljähri. 6.60 24.- 420 4.80 0216 6.— 24- 120.— 18— 420 3J50 BM 4.20 0.90 Sozialdemokratisches Wochenblatt Mlen l/ufefyUn! Welhnaditsbotsdiaft des Freiheitskampfes Den Witwen und Waisen der Ermordeten, den Gefangenen und ihren Angehörixen, den Vertriebenen, ins Elend Gejagten gilt unser Gruß. Vier Jahre lang haben wir die fröhliche, selige Zeit im Gebrüll der Geschütze verlebt, aber noch nie haben die Worte„Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" uns so als Wütiger Hohn geklungen wie diesmal. Von Jen Männern, die in den Unterkünften der Konzentrationslager ihren„heiligen Abend" Erbringen, haben Tausende zu gleicher Zeit vergangener Jahre in den Schützengräben gelegen. Sie und ihre Familien '•aben nun den Dank des Vaterlandes. ♦ Das Leipziger Urteil ist in dem Augenblick, in dem dieses Blatt m die Welt geht, noch nicht gefällt, doch längst weiß iedermann, wie es ausfallen muß, wenn es gerecht sein soll. Nicht nur für die Bnlgarem, auch für T o r g l e r ist nur Frei- spruch möglich, alles andere wäre bewußter Rechtsbruch, gewollter Justizmord. Geber den Holländer darf kein Todesurteil gefällt werden, denn seine idiotische Tat nat kein Menschenleben zerstört und als sie begangen wurde, gab es für Brandstif- teng noch nicht den Tod- Die Hinrichtung van der Lübbes wäre bür eine der unsäglichen Scheußlichkeiten Wehr, die im Dritten Reiche gang und gäbe sjnd, sie könnte nichts daran ändern, daß sich die Regierung Hitler vor dem Reichsgericht eine vernichtende moralische Niederlage geholt hat Der Hysteriker Hitler liebt es, sich twf Kosten des Morphinisten Gö ring als Jer Bessere und Klügere herausstreichen lassen. Im Reichstagsbrandprozeß haben beiden aneinander nichts vorzuwer- ten. Hat der Morphinist vor Gericht tobend Jen Galgen für notorisch Unschuldige ver- 'atigt, so hatte der Hysteriker schon zu- S'0r inj Reichstag ihre öffentliche Hinrich- wng gefordert Beide hatten bei diesen Gelegenheiten einen Anblick geboten, der w Irrenhäusern häufig ist Reichskanzler Ministerpräsidenten hatte man aber bisher in solchem Zustand noch nie amtie- ren gesehen- Ist also der große Prozeß die denkbar �gste Bloßstellung für das braune System, So bedeutet er für den Kommunismus einen Uri geheuren Propaganda- e r t o 1 g. Was dem Agitprop der Kommu- Wsten in Jahren angestrengten Nachden- ■eus nicht gelungen ist das hat die Regie bes Dritten Reiches spielend erreicht: sie nat Jer kommunistischen Internationale zu fweth moralischen Triumph ver- bolferi. , Schon längste Zeit war offenkundig, (,a[i in der Urne des Reichsgerichtes für Bolschewismus nur Haupttreffer lagen. 'acr Freispruch mußte seiner Propaganda Jnen gewaltigen Auftrieb geben, aber die erurteilung erst recht! ,Noch nie zuvor war es der kommuni- ■ctien Internationale gelungen, einen der "ren zu wahrer Weltpopularität empor- -"teben. Erst W e r n e r, der Oberanwalt dS Britten Reiches, hat Dimitroff aus i r Dunkelheit seines Emigrantendaseins .�ausgeholt und ihm Gelegenheit gege- � sich überall Respekt und Sympathie zu erwerben. Erst Göring hat alle anständigen Menschen gezwungen, für diesen Kommunisten Partei zu ergreifen. D i- mitroff ist heute der populär- steMannderWelt: HeilHitler! • Hitler lügt der Welt vor, er habe sie durch seine blutige Schmierenkomödie vor dem Bolschewismus gerettet. In Wirklichkeit kann man sagen: wenn der Bolschewismus keine Aussicht hat, die ganze Welt zu erobern, so ist das nicht wegen Hitler, sondern trotz Hitler. Der Bolschewismus selbst hat jetzt vor einem Jahr auf dem Standpunkt gestanden, daß er auf lange Sicht durch den Faschismus nichts zu ver- \v\ lli/z/ lieren, aber alles zu gewinnen habe. Man muß zugeben, daß die ersten Erfolge der Hitlerherrschaft die Moskauer These zu bestätigen scheinen, nach der eines Tages Stalin ernten wird, wo Hitler gesät hat. Jedenfalls hat die Dritte Internationale allen Grund, sich beim Dritten Reich für den Reichstagsbrandprozeß zu bedanken. Die Welt aber sieht mit Staunen, wie im heutigen Deutschland der Kampf gegen den Bolschewismus geführt wird. Viehische Brutalität ohne einen Funken Verstand. Köpfe fallen. Aber der Kampf der Ideen wird nicht vom Scharfrichter entschieden werden. Indessen genießen die Sieger, unbeschwert von Gewissensbedenken, taub für den Schmerzensschrei der mißhandelten Opfer, ihre Beute. Für sie ists wahrlich eine gnadenbringende Zeit! Wir aber denken an das Sozialistengesetz und an jene berüchtigte Weihnachten von 1880, als die Hamburger Polizei rechtschaffene Arbeiter von der Seite ihrer Lieben riß, um sie zu verhaften und des Landes zu verweisen. Schien nicht auch damals alles zerschlagen und verloren? Und doch— w e 1 c h e K r a f t hat die Arbeiterbewegung aus jenen Verfolgungen geschöpft! Im Höllenieuer dieser Zeit wird der Sozialismus nicht verbrennen; gestählt wird er aus ihm hervorgehen, siegreich und unbesiegbar. Laßt andere feiern und schmiedetWaffen! lOO.OOOTypaimen Das Ende der Selbstverwaltung Die preußische Regierung hat eme n eu e G e m ein de ve r f ass u n g dekretiert. Der Grundzug ist die völlige Zerschlagung aller Wahlkörperschaften, die Errichtung der Dikatur der Gemeindeleiter. Die Bürgermeister, Gemeindeschulzen und Dorfschulzen werden in Zukunft selbstherrlich entscheiden und regieren. Sie können zur Hilfeleistung Schöffen und Stadträte zuziehen, die ihnen jedoch unbedingt untergeordnet sind. Alle Vertretungskörperschaften der Gemeinde- mitglieder fallen fort. Dafür beruft der Minister des Innern für Gemeinden und Städte Gemeihdeleiter mit b e r a te n d e r Stimme, denen die örtlichen obersten Leiter der SA und der NSDAP anzugehören haben. Jede Stadt erhält durch den Minister des Innern einen ,3 1 a d t b r i e f" über die Berufung der Gemeinderäte. Städte, die sich besonderer Gunst erfreuen, können das Vorrecht erhalten, für die Berufung des Bürgermeisters Vorschläge zu machen. Dasselbe Prinzip wird auf die P r o- vinzialverfassung angewandt. Der Oberpräsident kommandiert die Provinz, der Regierungspräsident den Regierungsbezirk, der Landrat den Kreis. Alle Wahlvertretungen werden abgeschafft. Das ist das Ende der Selbstverwaltung! Die Durchführung dieses Prinzips schlägt der deutschen Geschichte und dem deutschen Recht vor Briefe aus Schlesien üntep der IVaztheprschai'i— Hungerlöhne—\azls untereinander aHem Anbeginn an ins Gesicht! Die Nationalsozialisten, die sich als Vertreter, des deutschen Rechts gegen das römische Recht aufspielen, haben damit den wichtigsten und ursprünglichsten Teil des deutschen Rechts, das Selbstverwaltungsrecht, zerschlagen! Ist es nicht abgrundtiefe Heuchelei, daß diese Leute sich dauernd auf den Freiherrn von Stein berufen? Vor Jahrhunderten erhielten deutsche Städte Stadtbriefe, die ihnen Rechte und Freiheiten, das Recht der eigenen Regierung sicherten. Die nationalsozialistische Diktatur hat die romantisierende Bezeichnung„Stadtbrief" übernommen— aber diese Stadtbriefe sind heute Urkunden der Unfreiheit der Versklavung, der Unterwerfung der Gemeindebewohner unter die Willkür eines Tyrannen und seiner Werkzeuge! Es ist ein wahnwitziger Zustand, der damit herbeigeführt wird! Göring. der Obertyrann, ernennt seine Spießgesellen zu Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten. Landräten, Bürgermeister, Dorfschulzen, Gemeindeschulzen. Sie handeln alle in seinem Auftrag und sind nur ihm verantwortlich! Göring ernennt die Beiräte der Bürgermeister und Gemeindeleiter. Göring erteilt die Stadtbriefe. G ö- rings Willkür entscheidet, ob eine Stadt Vorschläge machen darf! Fort ist alles, was an Anregung, Kritik, Kontrolle auf dem Boden der Selbstverwaltung erwachsen ist. Der letzte Rest von Bürgerschaft und Recht des Bürgers ist zertrümmert. Eine Hammelherde, die sich um öffentliche Dinge nicht zu kümmern hat— das ist das deutsche Volk. Es ist kaum denkbar, daß ein Eroberer ein tiefstehendes Kolonialvolk so vollständig von allem Anteil am öffentlichen Leben ausschließen könnte, wie dem deutschen Volke durch die natio- nalsozialistischen Eroberer geschieht! Unter einem Tyrannen, dessen freche Willkür keine Grenzen kennt, ergießt sich ata Heuschreckenschwarm von kleinen Stadt- und Dorftyrannen über die deutschen Gemeinden. Der Kampf gegen die Tyrannen in Stadt und Dorf ist eine wesentliche Erscheinung auf dem Wege des deutschen Volkes zur Freiheit gewesen. Das ganze 19. Jahrhundert ist ausgefüllt vom Kampf gegen Willkür und Korruption in den nichtstädtischen Gemeinden, weil Willkür und Korruption die notwendigen Begleiterscheinungen der Gemeindetyrannen, des Fehlens alles Selbstbestimmungsrechtes und aller öffentlichen Kontrolle waren. Die Zerschlagung dieser Selbstverwaltung ist eine der reaktionärsten Maßnahmen, die die Despotie bisher getroffen hat Willkür und Korruption werden wieder ins deutsche Gemeindeleben einziehen! Die Mittel der Gemeinden und ihre Verwaltung geraten in die Hand von Kreaturen der Tyrannen. Das ist für die Despotie eines der wesentlichsten Momente mit: sie sichern sich Zugriff und Verwendungsmöglichkeit für alle öffentlichen Mittel! Wozu überhaupt dies reaktionäre Dekret, diese Maßnahme, die der besten deutschen Tradition und dem deutschen Recht ins Gesicht schlägt? Die Tyrannen fürchten sich! Sie fürchten, daß in Gemeindevertretungen der Widerstand gegen ihre Ausplünderung des Volkes sich erheben könnte! Sie müssen die Fesseln der Tyrannei immer noch fester ziehen, damit das gefesselte Volk sich nicht losringt, Der geistige Tiefstand dieses Regimes konnte nicht besser gekennzeichnet werden als mit der Einsetzung der Stadt- und Dorftyrannen! Macht und Gewalt, das sind die einzigen Worte, die sie kennen. Gegenüber der Freiheit, die in Jahrhunderten deutschen Geschichte erwachsen ist, gegenüber dem Reichtum und dem blühenden Leben der Selbstverwaltung, gegenüber den Leistungen der Selbstverwaltung für Kultur und menschlichen Fortschritt, haben sie nur Verachtung. Die Tyrannen sehen im deutsche Volke nur ein Objekt der Ausplünderung und Unterdrük- kung, eine Menschenherde, der sie den letzten Rest von Freiheit austreiben wollen, damit sie sie umso leichter auf die Schlachtfelder treiben können— zur höheren Ehre ihrer wahnwitzige Machtträume! Die deutsche Gegenrevolution hat mit der völligen Zerschlagung der Selbstverwaltung einen Gipfel erklommen. Wir erhielten eine Reihe von Briefen über die Festrede in Schlesien. Wir geben im folgenden das Wichtigste daraus wieder. Die politische Kirchhofsruhe. Jegliche freie Meinungsäußerung oder Kritik in politischer, oder wirtschaftlicher Hinsicht wird brutal unterdrückt. Wagt es dennoch der eine oder andere, an den bestehenden Verhältnissen etwas auszusetzen und dies gelangt zur Kenntnis der Behörden, so ist es gewiß, daß er durch die Staatspolizei verhaftet und von den Sondergerichten zu den schwersten Strafen verurteilt wird. Es wird hierbei keine Rücksicht darauf genommen, ob die Kritik berechtigt oder unberechtigt war. Ebenso werden Aeußerungen über die Einrichtungen der NSDAP oder ihrer Organe, auch wenn sie nur im Scherz fallen, mit sofortiger Verhaftung und nachfolgender gerichtlicher Bestrafung geahndet. Typisch hiefür ist folgender Fall: zwei Arbeiter, von denen der eine ein wenig beschränkt war, standen vor einem Plakat der NSBO. Nur diese Abkürzung machte das Plakat als solches dieser Organisation erkenntlich. Der be» schränkte Arbeiter fragte nun seinen Kollegen nach der Bedeutung dieser Abkürzung, da sie ihm unbekannt war. Letzterer erwiderte darauf im Scherz, daß diese Abkürzung„Nun sitzen Bonzen oben" bedeutet Ein neben diesen Arbeitern stehender Passant erstattete Anzeige und der Arbeiter wurde darauf sofort verhaftet. Bis letzt müssen sich noch eine ganze Anzahl Genossen täglich bei der Polizei melden. Ein Genosse, der schwer krank ist, muß alle Tage kilometerweit von seiner Wohnung zur Polizei laufen. Ein anderer Genosse, der noch im Betriebe ist, muß täglich in der Mittagspause zur Polizei. Wenn er kein Fahrrad hätte, käme er nicht zum Mittagessen. Sagen dürfen wir nichts, nur horchen und alles gut merken! Lebensmittel teurer— Löhne niedriger! Die Lebensverhältnisse im Dritten Reich haben sich seit Uebernahme der Macht durch die NSDAP für die Schaffenden und die Arbeitslosen sehr ver�chTeclrtert. Der Speck, welcher 50 Pfg. das Pfund kostete, stieg auf 90 Pfg., die Butter von Mk. 1.10 auf Mk. 1.60 bis Mk. 1.70, ebenso sind alle anderen Artikel, insbesondere Textilwaren, im Preise gestiegen, so daß es dem Arbeiter oder Arbeitslosen nicht möglich ist, notwendige Anschaffungen für den Winter zu machen. Während alle Preise in die Höhe gingen, ist der Verdienst der Arbeiter durch Ein- legung von Feierschicfaten, bezw. durch Arbeitsstreckung zurückgegangen, während die Unterstützungssätze der Arbeitslosen dieselben geblieben sind. Es liegt also klar auf der Hand, daß sich die Situation der Schaffenden und erwerbslosen Arbeiter verschlechtert, nicht aber gebessert hat. Die Propaganda der NSDAP, nach der sich seit der Machtöbernahme 2V« Millionen früher arbeitslos gewesener„Volksgenossen" wieder in Arbelt und Brot befinden, ist ein großer Bluff. Bei näherem Hinsehen wird es einem sofort klar, daß die Bewegung der Arbeitsmarktlage nur auf die saisonmäßige Arbeitsgelegenheit zurückzuführen ist Der Verdienst des Arbeiters, soweit er eine Arbeit hat, beträgt wöchentlich höchstens Mk. 1&—, wobei auf eine größere Familie keine Rücksicht genommen wird. Da unser Lohn so niedrig Ist, haben wir uns an dem Amtswalter unserer Organisation gewandt Im Laufe der Besprechung erklärten wir Ihm, daß wir früher anders vertreten worden seien. Wir wurden angeschnauzt wir seien Kommunisten und gehörten ins Kon» zentrationslager. Wir lassen uns trotz allem nicht klein kriegen! Kriegsberichte von der Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit Die Zahl der wirklich neu in Arbeit gebrachten Erwerbslosen ist sicher weiter geringer, als sie von der Regierung angegeben wird. Alle möglichen Mitel wurden augewandt. um die Zahl der Arbeitslosen herabzudrücken. Einem großen Teil der Arbeitslosen wurde die Unterstützung entzogen mit der Begründung, daß deren Familienangehörige ein Hinkommen haben, das über dem gesetzlichen Existenzmininum läge. In einem Betriebe der „Vereinigten oberschlesischen Hüttenwerke" in Gleiwitz waren vor der Bekanntgabe des sogenannten Arbeitsbeschaffungsplanes in Mann beschäftigt. Und um die..Bestrenmgcn der Rcichsregierung zu unterstützen" siud in die-' sem Betrieb 5 Mann neu eingestellt worden. Nun wird man sagen, nun also, da ist doch etwas geschafft worden. Dem ist aber nicht so. Diese 15 Mann verdienen heute im Monat weniger als vorber die 10 Mann! Dies ist nur ein Fall, der sich beliebig erweitern läßt. Alle diese Erwerbslosen sind aus den Statistiken gestrichen und erscheinen nun unter den berühmten 21/» Millionen neu eingestellter Arbeiter. Durch schlesische Zeitungen geht die Meldung, daß die Faltis-Spinnerei in L i e b a u, die längere Zeit stillgelegt war, jetzt mit einer Belegschaft von 250 Mann wieder eröffnet sei. Tatsache ist, daß bisher 6 bis 8 Mann Aufräumungsarbeiten machten und die Belegschaft heute genau gezählt 22 Mann beträgt Die Neueinstellung von 14 Arbeitern war der Anlaß zur Verbreitung der vorerwähnten Siegesmeldung. Kriegsberichterstattung! SA verprügelt SA-Führer In Neustadt O. S. fand eine Führertagung der Nazis statt. Die NS.eFührer kamen in den elegantesten Autos. Auf der Tagung kam es zu Auseinandersetzungen, weil Neulinge gute Posten bekamen, während ältere Pg. bis jetzt leer ausgingen. Nach der eigentlichen Tagung kam es aus diesem Grunde in verschiedenen Lokalen der Stadt zu Prügeleien zwischen SA und SS. Dann kehrten die SA-Männer in den Volksgarten zurück und verprügelten die dort anwesenden SA-Führer. Scharführer J o k i s c h, der seinen Leute Ruhe gebot, wurde schwer mißhandelt und übers Auto geworfen. Ein ehemaliger Schüler des Lehrers Göbel zog diesen bei den Haaren und verprügelte ihn mit der Begründung:„Früher hast Du mich verdroschen, jetzt verhaue ich Dich!" Herbeigeholte Polizei war zu schwach und wurde von der SA zurückgeschlagen. Darauf rückte Reichswehr an, die blank zog und Ordnung machte. Diese Unterhaltung im Volksgarten hat mit einer Anzahl von Verletz t c n und Verhaftungen geendet. Verprügelt wurden alle anwesenden Führer, auch verschiedene Polizisten haben sehr schlecht abgeschnitten, Ein NazI-Zungenmeister Ebenso im Zeichen der Erneuerung stand die Einführung des neuen Bürgermeisters in Neustadt. Nach der amtlichen Einführung unternahmen die Stadtverordneten un- Mörder Reidisgeridit! Eli Köpfe sollen rollen! ter Leitung ihres neuen Oberhauptes eine Blee reise. In den frühen Morgenstunden gröhlte unl johlte diese Gesellschaft im„Kaffeestübel", einem Lokal, das sich nicht des besten Rufs erfreut Der diensthabende Polizist Win» der, der bei seinem Rundgang die Herren zur Ruhe mahnte, wurde entwaffnet und derart v e r p r ü g e 1 1 daß er längere Zeit dienstunfähig war. Darnach war er noch mit verbundenem Kopf in der Stadt zu sehen. Hier wundert man sich über diesen Vorfall nicht man betrachtet ihn nur als Auftakt zur Amtsführung des neuen Bürgermeisters. Der neue Mann schaffte sich sofort einen Kraftwa- g e n an mit eigenem Chauffeur. Seine Vorgänger haben nicht gewußt, daß die kleine Stadt nur mit einem Auto zu regieren ist! Der neue Bürgermeister wußte gleich, wo es in der Verwaltung fehlt Er hat seinen Wagen und jetzt ist alles In Ordnung. Keine Begeisterung. In Kauffun g, Kreis Schönau, fand eine von 400 bis 500 Arbeitern besuchte NSBO- Versammlung statt Der Kreisleiter der NSBO Koschein aus Petersdorf schloß seine Rede mit „Heil Hitler". Die Arbeiter saßen stumm wie die Fische, sie stimmten nicht in den Ruf ein und spendeten keinen Beifall. Der Herr Kreisleiter ist darüber so untröstlich, daß er sich in anderen Versammlungen über das rote Gesindel beschwert Die Arbeiter nahmen diese Mitteilung mit Schmunzeln und Genugtuung entgegen. Aehnliches passierte in einer Versammlung des Konsumvereins Ende November in Hirscbberg. Auch hier sollten die Anwesenden in das„Heil HHIcr" einstimmen. Kaum ein Dutzend Arme wurden hochgereckt dagegen war im ganzen Saal mürrisches Gemurmel zu hören. Betretene Gesichter bei den Kommissaren und raschester Schluß der Versammlung. Es stinkt! Korruption tu den NaziorganisatioDen. Das Breslauer Oberpräsidium hat den Kreis- betriebszellenleHer Neugebauer und den Rechtsschutzberater der NSBO Breslau»Stadt Z a I e w s k i in Schutzhaft nehmen lassen. Die beiden werden in der Nazfpresse als unsaubere Elemente bezeichnet In Hirscbberg ist der Kreisleiter der NSDAP mit allen seinen Stabswaltcrn beurlaubt eine Untersuchung gegen Ihn eingeleitet worden. Es stinkt nach Korruption! konterrevolutionärer Massenmord! Die Männer, die ihn anordnen, sind nicht Richter, sondern Mörder! Im Sommer 1932 war in Deutschland Bürgerkrieg. Nationalsozialisten überfielen Kommunisten und töteten sie. Kommunisten verteidigten sich oder gingen zu Vergeltungsaktionen über. Es brannte überall. Am 20. Juni brannte es in Erkrath bei Düsseldorf. Bei einer Schießerei zwischen Nazis und Kommunisten kam ein SA-Mann ums Leben. Ein zweiter wurde schwer verletzt, Das Düsseldorfer Schwurgericht hat wegen dieses Scharmützels zehn Kommunisten zum Tode verurteilt, und das Reichsgericht hat am letzen Montag alle zehn Todesurteile bestätigt Einen elften, dem das Düsseldorfer Gericht 15 Jahre Zuchthaus zuerkannt hatte, hat das Reichsgericht aus eigenem zum Tode verurteilt. Das Recht zur Begnadigung liegt in der Hand G ö r i n g s, dessen Blutgesinnung dem Reichsgericht bekannt ist. Die Abschlachtung der elf Opfer von Erkrath wird vielleicht In den Augenblick, in dem dieses Blatt erscheint, schon vollzogen sein. Im Sommer 1932 standen Bewaffnete gegen Bewaffnete, es wurde von beiden Seiten geschossen. Aber keine Tötung, die von Nationalsozialisten begangen wurde, Ist bestraft worden. Seitdem sind Hunderte von Sozialdemokraten. Kommunisten und Pazifisten als wehrlose Gefangene ermordet worden. Keiner dieser Morde wurde bestraft! Jetzt läßt das Reichsgericht für einen Nationalsozialisten, der im Bürgerkrieg getötet wurde, elf Kotnmun'sten abschlachten, Das ist nicht Justiz so'ndern Otto Schweizer toi Ein Opfer der Hitlerdespotle In den ersten Tagen des Dezember hat der langjährige Führer des Bundes der Technischen Angestellten und Beamten, unser prächtige!" Genosse Otto Schweizer mit 46 Jahren seinem Leben ein Ende bereitet. Es war nicht die materielle Not zu der heute in Deutschland alle Marxisten verurteilt werden, die Otto Schweitzer lebensmüde gemacht hätte, ah«r dieser aufrechte Kämpfer konnte das Ausmaß an Demütigungen und die ständigen Diffamie* rungen, denen die besten der deutschen Gewerkschaftsführer im Hitlerdeutschland ausgesetzt sind, nicht länger ertragen. Otto Schweitzer war als Junger Maschinenbauingenieur kurz nach der Gründung der Technikergewerkschaft durch Hermann Löde- mann In die hauptamtliche Gewerkschaitsarbeit berufen worden. Hier war Schweitzer mit der Aufwärtsentwicklung seines Bundes nach wenigen Jahren der anerkannte Führer der technischen Bewegung geworden. Noch in den letzten Jahren wußte ScweiUer mit rastlosem Schaffen und mit größter Gi"' sieht die von der Erwerbslosennot hart he- drängte Organisation durch die Klippen der Krise hindurchzusteuern, bis die Hitlerkatastrophe auch diese Gewerkschaft geraubt u0® vernichtet hatte. Die brutale Zerschlagung eines in fast Jahren mühsam aufgebauten Werkes gewerkschaftlicher Selsbstverwaltung durch die Brau' nen Landsknechte hat Schweitzer nicht überwinden können. Für Männer mit der echt s02'3? listischen Gesinnung, dem Bekennermut � dem Freiheitsdurst eines Otto Schweitzer sollt* Im Dritten Reich der Knechtschaft kein RauII, mehr sein. Amerika erwartet Krieg Vielleicht schon in ein paar Monaten— sicher in zwei Jahren Der großen amerikanischen Tageszeitung„New York American" schreibt ihr Londoner Korrespondent William Hill- man am 4. Dezember: Weihnachten kommt in den nächsten Ta- £en:„Friede aui Erden und den Menschen ein Wohlgefallen"— Der nächste K r i eg, der neue Konflikt der Großmächte, vielleicht der neue Weltkrieg, kann eine Angelegenheit der n ä c fasten Monate werden. Für Europa ist der Krieg wieder nah! Die Staatskanzleien verhehlen nicht ihre Furcht, daß der Krieg, den sie erwarten, nahe bevorsteht; in privaten Unterhaltungen schätzen sie das Datum seines Ausbruchs. Eine fieberhafte Atmosphäre liegt über den europäischen Hauptstädten, erschreckend in ihrer Aehnlichkeit mit der elektrischen Spannung des Frühjahrs 1914. Nüchternes Urteil mag sagen, daß die großen Völker, die vor ungeheueren wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen zum Krieg nicht bereit sind. Aber dem nüchternen Urteil kann man kein Vertrauen schenken... Ganz offenbar ist Deutschland, um das sich die Sturmwolken sammeln, 2um Schlagen nicht bereit. Wenn es zum Schlag ausholt, wie Frankreich, England, Bel- kien und die kleine Entente erwarten, so wird es das erst tun, wenn es sich stark genug fühlt, den Spruch von 1919 umzustürzen. Ihm fehlen die wichtigsten Angriffswaifen, die ihm durch den Vertrag von Versailles genommen sind, doch wer kann sagen, ob der nächste Krieg mit denselben Waffen ausgefochten werden wird, wie man sie vor anderthalb Jahrzehnten brauchte. Der wissenschaftliche geschulte Erfindergeist ist nicht unfruchtbar geblieben. Man spricht geheimnisvoll von neuen Waffen und Wegen der Kriegführung, die das gegenwärtige Verhältnis von Materialstärke und Militärkraft vollständig verändern könnten. Es trifft sich nicht zufällig, daß die Zivilbevölkerung Deutschlands, Englands, Frankreichs, und der anderen Länder jetzt im Schutz gegen Luftangriffe geübt wird. Niemand kann sagen, wann der neue Brand ausbrechen wird. Ein einziger, vereinzelter Akt eines Verrückten, der mit größerer Genauigkeit schießt, als jener junger Bursch, der seine Pistole gegen Dollfuß allzu eilfertig abfeuerte, kann den Kontinent ebenso schnell und sicher in den Krieg stürzen, wie der Schuß von Sarajewo im Jahre 1914. Die erhöhte Tätigkeit der Spione widerspiegelt sich in immer neuen Verhaftungen. Könige halten in entlegenen Schlössern des Balkans Konferenzen, Botschafter und Spezial- gesandte versuchen die magische Formel zu finden, um zu verhindern, daß sich, um ein Wort Stanley Baldwius zu brauchen, Europa wieder in einen Schlächterladen verwandelt, Sir Austen Chamberlain, der von Natur nicht dazu neigt, grundlos Lärm zu schlagen, erklärte im Unterhaus: „Ich betrachte die gegenwärtige Situation mit schwerer Besorgnis. Ich meine, die Lage in Europa, der Stand der öffentlichen Meinung und die Handlungen der Regieruns gen, sind heute kritischer und bedrohen den Frieden unmittelbarer, als irgend etwas, was wir seit dem Ende des großen Krieges erlebt haben." In Frankreich und Belgien(mit einigen seltenen Ausnahmen aui belgischer Seite) erwarten die Minister und hohen Beamten den Krieg spätestens bis 1936. Mussolini hat. wie ein belgischer Staatsmann erklärt, seine Meinung dabin offenbart, daß der Krieg in den nächsten zwei Jahren ausbrechen werde. In allen verantwortlichen Kreisen ist man der Ueberzeugung, daß das Bersten der Todeswolke ganz plötzlich einsetzen und der angreitende Staat rasch zuschlagen wird. Die furchtbare Kraft der Waffen, wie sie seit 1914 entwickelt worden ist, ermöglicht und verlangt das._;_ Hitleragenten in USA. Spanknöbels sei. Erben New York, Anfang Dezember. Bekanntlich ist vor kurzem die ausländische �azipropaganda von dem neuen Friedensmes- s'Zs in Berlin aus offensichtlichen Gründen ab- Xeblasen worden. Heinz SpanknöbeL der Hauptkünder der Nazilehre in den Ver- e'oigten Staaten und auch der Hauptterrorist üer Naziregierung war, hat sich seiner drohen- � Verhaftung rechtzeitig durch die Flucht e ntzogen. Er soll jetzt In Kanada, von dem sicheren Boden der dortigen deutschen Bot- schaft aus, recht tätig sein. Als zweiter Hitlerreisender reist jetzt Professor Eugen K Ohnemann, der In Amerika gekannt ist und früher schöne Reden auf die �'Publik und die deutsche Demokratie halten sonnte, im Lande herum. Auf wessen Kosten? jtn, die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Seine Werbetöne sind mit dem üblichen aka- detnisch schön-geistelndcn Schmus verziert, � diese Art deutscher Wissenschaftler den a't®D Weibern beiden Geschlechtes überall �«rtvoll macht Immerhin kam es nach einem Pttrage in Boston z n U n r u h c n, die in schweren Zusammenstößen zwischen der Poli- und den zu Recht erregten hitlerfeindlichen Demonstranten gipfelten. Die Veranstalter des 0rtrages nahmen die Gelegenheit wahr, von akademischen Hitlertrommler abzuschrek- «en. b'er dritte und komischste im Bunde ist ein ails dem Rheinland stammender Hauptmann "ore S c h m 1 1 1 Er kündigte sich ursprüng als J"-3 ein mit offiziellen Beglaubigungen ver- er Vertreter des Stahlhelms und der Pro- andastetlen des Dritten Reiches an. entfal- .e'm Luxus-Hotel Waldorf-Astroria eine Tätigkeit und Heß sich sogar zu lang- J itn■Presseinterviews herab. Nach Konfe- |Zen zm' den Nazidrahtziehern und dem Kon- n e zoi er aber später vor, kleinlaut zu wer- zznd von sich nur noch als harmlosem zzrelsenden nnd Touristen zu spre- ea. Di eser Wechsel hatte seine guten Gründe. tj r Schmitt von Deutschland abfuhr, hatte , er die Propaganda im Auslande noch nicht 'chüdlich abgestempelt. Schmitt kam also � n Willens hier an und gestand fröhlich n Unver{roren ein, daß er nach Amerika ge- jm en sei, um(jjg bier lebenden 2500 Stahl- Ch�r den Nazis gleichzuschalten. Ein r schwierig seine Aufgabe angesichts ah'i ache kt' d"8 ober 35 Pro2ent der w"'"zlbute bereits amerikanische Bürger m rde,>»ind, ging ihm erst später auf. Seit- :h| h 65 Uni ihn ruhiE seworden, was aber h d SaEen will, daß er sich jetzt ausschließ- Verkaufe deutscher Weine und der idi" t S amerikanischer Naturschönheiten �■.'ra Gegenteil, seine Verhandlungen mit 'reu(|P|''en der ectarnten Naziorganisation "erile des Neuen Deutschland" und ihren e alu"'�1611 Helfershelfern beweisen, daß 11 Pläne zur Vergiftung der amerikani- f sehen Oeffentlichkeit unentwegt verfolgt werden. Der Fafl Schmitt macht auch den amerikanischen Behörden Kopfschmerzen. Versucht er offiziell aufzutreten, so wird man ihn sehr schnell und sehr unzeremoniell an die Luft setzen. Macht er auf eigene Faust Propaganda, so kann man nur aufpassen und ihm rechtzeitig auf die Finger klopfen. Immerhin ist in Regierungskreisen zu verstehen gegeben worden, daß man vorerst prüfen will, unter welchen Vorspiegelungen Schmitt sein amerikanisches Besuchsvisum erhalten hat Die amerikanische Besuchsreise des Hauptmanns Schmitt ist wahrlich kein Rosenbett. Bleibt nur noch Fritz Gisslbl zu erwätr- nen, der an Stelle des verschwundenen Spank- nöbcl an die Spitze der„Freunde des Neuen Deutschland" getreten ist. Giessibl, der seit 1928 amerikanischer Bürger ist, gründete schon 1924 die ersten Nazizweigstellen in Chicago. Er ging später nach New York, wurde Arzt in einem Harlemer städtischen Hospital, mußte aber jetzt unter dem Druck der aufgebrachten öffentlichen Meinung von seinem Posten zurücktreten. Sein letztes öffentliches Auftreten war bei dem neulichen Eckener-Luchcr-Emp- fang in Chicago. Als der Botschafter Luther seinen Nazigeiühlen Ausdruck gegeben hatte, fuhr Gissibl wie ein Ochse im Porzellanladen in die mühsam zusammengekleisterte gute Stimmung und forderte von den anwesenden Amerikanern mit Stentorstimme die Würdigung der Hakenkreuzfahne als des Symbols der deutschen„Erneuerung". Ueberflüssig zu sagen, was sich die Amerikaner von diesem Vertreter des neuen deutschen Menschen dachten! Sitzung oder in irgend einem anderen Zusammenhang eine Rede gehalten, die mit dem Text des gefälschten Berichts auch nur entlernt oder sinngemäß übereinstimmt. Das Sekretariat der SAI. bittet äße Zeitungen, die den Artikel des Naziblattes ganz oder teilweise übernommen haben, diese Richtigstellung zu bringen. Ein Dokument der IViedertracht Ein gefälsditer Bcridhi Das Sekretariat der Sozialistischen Arbeiterinternationale nimmt in einer Erklärung scharf Stellung gegen die nationalsozialistische„Saar- brücker Zeitung", die in ihrer Nr. 328 vom 10. Dezember einen angeblichen„geheimen Sitzungsbericht"' von der Pariser Konferenz der Internationale unter der Ueberschrift„Ein Dokument der Niederträchtigkeit" gebracht hatte. Darin war behauptet worden, daß unter dem Vorsitz von Otto Bauer eine Geheimsitzung abgehalten worden sei, fn der deutsche Teilnehmer hetzerische Kriegsrcdcn gegen Deutschland gehalten hätten. Diese angeblichen Reden werden in dem Bericht im Wortlaut veröffentlicht. Das Sekretariat der SAI. stellt dazu an Hand der Stenogramme, Protokolle und Teilnehmerlisten fest, daß der Bericht des Naziblattes in allen Teilen glatt aus den Fingern gesogen ist: Es werden Teilnehmer benannt, die überhaupt nicht delegiert und auch nicht auf der Konferenz waren- Otto Bauer hat weder auf der Konferenz noch in einer Kommission Jemals den Vorsitz geführt. Kein einziger deutscher oder sonstiger Redner hat bei dieser Konferenz oder in einer Kommissionss Was tut Frankreich? Benesch' Besuch und die neue auBenpoiitische Aktivität R. B. Paris, 2a Dezember. .-JDas oüizielle„Frankreich ist, Monat�, hindurch außenpolitisch stark behindert gewesen. Jetzt, da das Kabinett Cbautemps sein Finanzprogramm durchgesetzt hat, ist die Bahn für die Außenpolitik wieder frei geworden. Die Acmter können sich regen, und die Presse der Rechten findet mit ihrer unzufrie» denen Frage, ob es überhaupt noch ein Außenministerium gebe, und ob dieses Außenmini- sterimn eine Linie und ein Ziel habe, in der Oeffentlichkeit nicht mehr denselben Widerhall wie noch vor wenigen Wochen. Die neue Aktivität ist sehr wirkungsvoll eingeleitet worden mit dem Besuch des tschechoslowakischen Ministers Benesch, der nach Paris kam nicht nur als der Vertreter seines Landes, sondern auch als Wortführer der Kleinen Entente. Aber worüber ist man sich einig? Zunächst über die Abwehr des von Mussolini eingeleiteten, von Hitler-Deutschland begeistert begrüßten und von Großbritannien nicht ganz ungern gesehenen Angriffs auf die Grandlagen des Völkerbundes. Reformen in den Methoden der Genfer Organisation— ja, doch keine Erschütterung ihrer Fundamente. Sie soll nicht zu einem Instrument der Mächte werden, die die Karte Europas zu verändern bestrebt sind. Sie soll nicht dt« Kleinen zu Gunsten der Großen benachteiligen. Ebenso ist die Saarfrage erörtert worden, und der tschechische Minister hat sicher mit Befriedigung von den Erklärungen seines Partners Kenntnis genommen, daß Frankreich nicht daran denkt, Sonderverliandlungen über die Saar zu führen und gar Hitler dieses Gebiet ohne Vornahme eines Plebiszits auszuliefern. Der Völkerbundrat wird im Januar einen Ausschuß einsetzen, der sich mit der Vorbereitung der Saarabstimmung beschäftigen wird und der sich vor allen Dingen über die Mittel schlüssig zu werden hat, die gegen die Terrorisierung der Abstimmungsberechtigten durch die Nationalsozialisten in Anwendung zu bringen sind. Bleiben endlich die Abrüstungskonferenz und die deutschen Rüstungen. Die Annahme ist berechtigt, daß dieser Komplex den größten Raum in den Unterhandlungen eingenommen hat. Auch hier ist Einigkeit erzielt oder bestätigt worden, aber ob auch vollständige Klarheit— das ist eine andere Frage. Immer wieder steht man vor der Tatsache, daß Deutschland rüstet und daß njcht zuletzt angesichts der Haltung Großbritanniens an die Durchführung der im Versailler Vertrag vorgesehenen„Investigation" mit der etwaigen Folge von Sanktionen nicht zu denken ist Eben deshalb gibt es keinen andern Weg als den Versuch, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse doch noch zu einer internationalen Abrüstungskonvention zu kommen, an deren Vorbereitung sich Deutschland beteiligt, oder der es zustimmt wenn sie ohne seine Mitwirkung angenommen worden ist. Toter In Dadhau Nach einer polizeilichen Meldung aus dem Lager von Dachau hat der Sdmtzhaitgefangene Fritz B ü r k aus Memmingen den ihn begleitenden Posten tätlich angegriffsn.„Er sprang den Posten vollkommen unerwartet an und versuchte ihn zu erwürgen. Der Posten gab mehrere Schüsse ab, wodurch Bürk getötet wurde. Burk hat sich schon wiederholt gegen die Wachmannschaft aufgelehnt und gegen die Lagerordnung verstoßen. So der PoKzeibericht. Der Getötete stand völlig unbewaffnet einem schwer bewaffneten Mann gegenüber, der wenn nötig, noch hundert andere Bewaffnete heranholen konnte. Wer soll da glauben, daß der Posten in Notwehr gehandelt hatte? Ganz offenbar handelte es sich um einen neuen vorsätzlichen Mord an einem Gefangenen. #■■- Ein ehemaliger Insasse des Lagers Brandenburg berichtet in den Informationen der Roten Hilfe. Am 2. Oktober hieß es plötzlich, daß sich die Arbeiterin Gertrud Pieter in ihrer Zelle erhängt habe. Sie hat noch kurz vor ihrer Verhaftung gesprächsweise geäußert, daß sie niemals freiwillig ihrem Leben ein Ende machen würde. Und in ganz Brandenburg glaubt auch niemand an diesen„Selbstmord". Die Wahrheit ist, daß die Frau zu Tode geprügelt und nachträglich aufgehängt worden ist. In den letzten Tagen des September kam aus dem Bunicer herauigeiührt, der ehemalige Reicbstagsabgeordnete Theo Neubau c r zu uns. Er machte zunächst einen vollkommen verstörten Eindruck. Eines Tages hörte ich, wie der SS-Mann, der der Schließer im Bunker ist, zu Dr. Neubauer sagte:„Na, Neubauer, liier ist es wolil besser als unten." Von den übrigen Gefangenen will ich nur noch Dr. Bend ix und Erich Mühsam nennen, die beide besonders mißhandelt wurden. Mühsam befindet sich im Krankenhaus. Erklärung Am 14. Dezember hat der Propaganda. minister des Dritten Reiches, G Ö b b e i s, in einer Rede im Berliner Sportpalast aus. geführt: „Wenn beispielsweise aui dem Kon* grell der Zweiten Internationale Herr Wels offen zum Krieg gegen Dentschland aufruft, wenn Ben Breitscheid die YtHkerim Na. men der Humanität auffor- l dert, in Deutschland einzurücken. was ist das denn anderes als schmählichster Verrat an Deutschland, am eigenen Volk, am eigenen Biut?" Wir stellen dazu fest, daß keines der beiden genannten Parteimitglieder auf einem Internationalen Kongreß oder bei irgend einer anderen Gelegenheit eine Aeußerung getan hat, die mit den von GöbbeU wiedergegebenen auch n n r die entfernteste Aehnlichkeit hätte. Wie die Lüge von der kommunU stisch-sozialdemokratischen Einheitsfront zur Anstiftung des Reichstagsbrandes als Vorwand für den nationalsozialistischen Staatsstreich dienen mußte, so wird jetzt die Verleumdung von einer angeb* liehen Kriegshetze deutscher Sozialdemo. kraten verbreitet um die Schuld der Hitlerregierung an der drohenden Kriegsgefahr zu verbergen und für neue verbrecherische Gewalttaten gegen Andersgesinnte neue Vorwände zu schaffen. Das deutsche Volk soll nicht merken, daß diejenigen, die sich heute als die allein berufenen Hüter deutscher Volks- Interessen aufspielen, in Wahrheit die gefährlichsten Feinde derNa- t i o n sind. Behauptungen eines Göbbeis haben in der Welt keine Beweiskraft Sie kennzeichnen nur das System des Verbrechens, das er verkörpert. Prag, 18. Dezember 1933. DerVorstand der Soziaidemokratischen Partei Deutschlands Herren und Knechte Nationalsozialistisches Arbeitsrecht Der sittliche Wert einer Staatsverfassung wird nicht zuletzt am Arbeitsrecht und an der Masse von Arbeitsschutz gemessen, das ein Staat den schaffenden Menschen gewährleistet. In der Weimarer Verfassung stand die Arbeit unter dem besonderen Schutz der Repu- blick. Die formale Vertragsgleichheil für Unternehmer und, Arbeitnehmer wurde für nicht ausreichend gehalten, um die wirtschaftliche Vormachtstellung des Unternehmers auszugleichen. Besonderer Schutz hieß in diesem Falle erhöhter Schutz des wirtschaftlich Schwächeren gegen den wirtschaftlich Stärkeren. Der Kern der arbeitsrechtlichen Gesetzgebung war die Anerkennung des Kollektivismus, um die organisatorischen Kräfte der Arbeiter und Angestellten zur Entfaltung kommen zu lassen. Die volle Koalitionsfreiheit ist deshalb der Gradmesser für die Wertschätzung der Arbeit im Staate. Da das Schicksal des einzelnen Arbeiters und Angestellten gleichzeitig das Schicksal seiner Klasse in der kapitalistischen Wirtschaft ist, so kennzeichnet es die soziale Heuchelei der neuen deutschen Staatsführung, daß sie vom Adel der werktätigen Arbeit redet und gleichzeitig durch Zerschlagung der Koalitionsfreiheit die Arbeiter und Angestellten zu Knechten der kapitaiistb sehen Unternehmer herabwürdigt! Die Einzelheiten des faschistischen Arbeitsrechts sind noch nicht bekannt gegeben worden, doch läßt die jetzt herausgebrachte Denkschrift des Preuß. Justizministeriums über „Nationalsozialistisches Strafrecht" den neuen sozialen Kurs allmählich erkennen. Schon die Eingliederung des Arbeitsrechts in das neue Strairecht zeigt- daß der Weg der republikanischen Sozialgesetzgebung, wonach ein autonomes Arbeitsrecht geschaffen werden sollte, verlassen worden ist Im republikanischen Deutschland war in bewußter Abweichung vom alt-römischen Recht der Schutz der menschlichen Arbeitskraft vom Schutz der toten Ware getrennt worden. Auch die besondere Arbeitsgerichtsbarkeit ließ den Gedanken eines besonderen Schutzes der Arbeitskraft erkennen. In der preußischen Denkschrift ist nicht etwa von einem Gesetz über Arbeitsschutz die Rede, sondern im Strairecht sollen zwei Sachgebiete mit einbezogen werden; 1. Angriffe auf die nationale Arbeitstraft, 2. Schutz der Arbeitskraft. Tst schon der Verzicht auf ein eigenes Gesetz der Arbeit auffallend, so geht aus den weiteren Einzelheiten erst deutlich hervor, daß der Arbeiter und Angestellte gegenüber Unterdrückung und Ausbeutung durch den Unternehmer schutzlos sein wird. Was ist zu I.„die nationale Arbeitskraft?" Lesen wir die Denkschrift; „Unter Arbeitskraft versteht man die natürliche Fähigkeit des einzelnen Volksgenossen, Arbeit zu leisten. Die Gesamtheit dieser Arbeit leistenden Volksgenossen bildet die Nation. Nationale Arbeitskraft ist also die der Gesamtheit aller Volksgenossen innewohnende Fähigkeit zur Arbeitsleistung." Der kommende strafrechtliche Schutz der nationalen Arbeitskraft ist also nicht für die Träger der nationalen Arbeit, nämlich die Arbeiter tmd Angestellten bestimmt, sondern was geschützt werden soll, ist die kapitalistische nationale Wirtschaft Im einzelnen wird dann aufgezählt was unter Strafe gestellt werden soll. „Verbotene Förderung der Auswanderung, verbotene Beschäftigung von Ausländern, Stillegung lebenswichtiger Betriebe, Bette- 1 e i(die sozialen Ursachen des Bettels sind straffrei, aber die bettelnden Opfer kapitalistischer Mißwirtschaft werden bestraft) Land- streichen, Arbeitsverweigerung arbeitsscheuer Unterstützungsempfänger, Verletzung der Arbeitsdienstpflicht und Selbstverstümmelung, insbesondere um in den Genuß öffentlicher Unterstützung zu gelangen oder um die Mildtätigkeit der Oeffontlichkeit in Anspruch zu nehmen." Das also sind die Recbtsgüter, die im neuen Strairecht unter einen besonderen Schulz gestellt werden sollen. Das Ganze nennt sich „Schutz der nationalen Arbeitskraft"! Auch die zweite Gruppe, in der wörtlich vom Schutz der Arbeitskraft gesprochen wird, bringt nicht den Schutz für die Träger der Arbeit gegen ihre Arbeitgeber, sondern bringt vielmehr die völlige Zerstörung der seit 1918 gewonnenen Rechtsgrundlage und führt zurück in patriarchalische Verhältnisse. So heißt es in der Denkschrift unter Anknüpfung an altgermanische Hcrrschaftsverhält- r.isse: „Mit dem Dienstantritt übernahm aber auch der Herr eine besondere Treuepflicht gegenüber dem Manne. Es galt der Grundsatz„Treue um Treue". Ein solches Treueverhältnis, das angeblich den einseitigen Arbeiterschutz überflüssig machen soll, bedeutet im Zeichen des Monopol« kapitalismus ein ausgesprochenes soziales Gewaltverhältnis. Die faschistische Diktatur wird auf den Betrieb übertragen. So schreibt auch Ludwig Brucker über den Wiederaufbau der Wirtschaft: „Es handelt sich beim Arbeitsvertrag mithin nicht um eine Urkunde über Kauf und Verkauf der Arbeitskraft, sondern im weitaus höheren Maße um die Schaffung eines persönlichen materiell zunächst nicht bewert« baren Verhältnisses der in gemeinsamer(?) Arbeit verbundenen Menschen. Es handelt sich darüber hinaus um die Dienstbarmachung aller Deutschen, Unternehmer und Arbeiter, am Volksganzen." Soviel Worte, soviel Unwahrheiten! Solange der kapitalistische Unternehmer im Uesrtz der Produktionsmittel ist, der Arbeiter aber, von ihnen getrennt, gezwungen wird, seine Arbeitskraft dem Besitzer der Produktionsmittel zu verkaufen, er also in der Verwertung seiner Arbeitskraft vom Unternehmer abhängig bleibt, ist die Verweigerung des staatlichen Schutzes für den Lohn- und Gehaltsempfänger gleichbedeutend mit seiner Auslieferung an den Unternehmer. Die angebliche Dienstbarmachung der Arbeit für das Volksganze ist nichts anderes als einseitigste Berel« cherung der Reichen auf Kosten der Annen. In den folgenden Einzelvorschlägen wird zwar vom strafrechtlichen Schutz bei Verletzung der Kinderarbeit, der Gefährdung der Schwangerschaft, der Gefährdung der Betriebssicherheit und bei Lohnwucher gesprochen. Das alles bleibt ein soziales Täuschungsmanöver. wenn die Voraussetzung jeder Sozialpolitik, nämlich die Freiheit der Arbeit nicht gewährleistet ist und die Verkäufer der Arbeitskraft mangels jeder Koalitionsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt völlig entwaffnet dem Unternehmer ausgeliefert werden. Der Schwindel wird auf die Spitze getrieben indem auch die„Verfemung von Arbeit- nehmern durch schwarze Listen" unter Strafe gestellt werden soll. Dabei ist die staatliche Arbeitsmarktppltiik heute schon auf schwarzen Listen aufgebaut Oder Ist es keine Verfemung von Hunderttausenden von Arbeitern und Angestellten, wenn ihnen der Arbeitspaß verweigert wird, well sie nicht anerkannte Parteigänger Adolf Hitlers sind? Hier wird im ganzen unter dem falschen Kennwort„Arbeitsschutz im neuen Staat" die kapitalistische Lohnarbeit durch die faschistische Gesetzgebung noch besonders verankert Das nationalsozialistische Ideal hat zwar staatspolitisch den Liberalismus abgelöst, aber mit dem Ziel, den liberalistischen Pr o f i t« gedanken, der anfing unrentabel zu werden, wieder für die Unternehmer lohnend zu machen! S. A. Fort mit der Sozialpolitik! Auflösung des Amtes für Sozialpolitik. Die Umorganisation der Arbeitsfront wird im stürmischen Tempo weiter durchgeführt Nachdem das Eigenleben der einzelnen Gewerkschaften abgedrosselt ist, wird mm mehr auch die verbleibende Spitze der Arbeitsfront vom letzten sozialpolitischen Ballast befreit In den Erlassen, die jetzt am laufenden Band veröffentlicht werden, verkündet der Leiter des Organisationsamtes: „Mit sofortiger Wirkung wird das Amt für Sozialpolitik in der Deutschen Arbeitsfront in„Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront" umbenannt und in vier Abteilungen gegliedert. "" gez. Claus Sclzncr M.d. R." Die harmlose„Umbenennung" ist in Wirklichkeit die Auflösung des Amtes für Sozialpolitik, denn wie die Presse der Arbeitsfront weiter erläutert, soll nach dem Willen des Führers die Arbeitsfront„nicht die Stätte sein, auf der die materiellen Fragen des Arbeitslebens" entschieden werden. Das Amt für Sozialpolitik habe seine Arbeiten schon vor dieser Erklärung im Sinne der Entscheidung des Führers geführt.(Was wir nicht bestreiten möchten. D. Red.) Dann aber heißt es über die Aufgaben des Amtes;(Aus„Der Deutsche Holzarberter", Nr. 50) „Sein Zweck ist nicht, Sozialpolitik zu treiben oder sozialpolitische Maßnahmen zu ergreifen, sondern die(?) sozialen Aufgaben zu erfüllen, die sich aus den Funktionen der Arbeitsfront ergeben." Diese dunkle Ankündigung wird im weiteren Text erhellt durch die Offenbarung, daß es sich um die Schulung der Menschen handelt Also endlich wird die Wurst erkenntlich! Die Arbeitsfront wird faschistisches Erziehungsinstitut für Arbeitsmenschen. Und schließlich übernimmt das umgetaufte Sozialamt die Verbindung zwischen Arbeitsfront und den beteiligten Ministerien. Nun war im Aufruf des Leiters der Arbeitsfront als Ersatz für die Entgewcrkschaftung der Verbände versprochen worden, daß in den kommenden Wochen ein umfassendes Arbcits- und Sozialgesetzgebungswerk durch das Kabinett verabschiedet werden würde. Aber schon werden wiederum Neugierige durch einen weiteren Erlaß des Pg. Claus Selzner gewarnt Er befiehlt: ,.Bl8 zu diesem Zeitpunkt(dem Erlaß des neuen Sozialgesetzes DR) ist allen Dienststellen der NSBO und damit der Deutschen Arbeitsfront u nt e rs a g t, von sich aus Veröffentlichungen Ober diesen Fragenkomplex zu erlassen." Es ist der Arbeitsfront also nicht nur verboten, Sozialpolitik zu treiben, sondern auch über Sozialpolitik zu reden oder zu schreiben. Damit der Wirrwarr seine Krönung findet, erklärt Claus Selzner schließlich; „Wenn zu diesem Gesetzgebungswerk vor Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt etwas zu veröffentlichen ist, darf es nur durch das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront geschehen". Da aber, so fügen wir als gelehrige Leser des vorher erwähnten Erlasses von Claus Selzner hinzu, das umgetaufte Sozialamt(früher Amt für Sozialpolitik) nicht den Zweck hat Sozialpolitik zu treiben, sondern eine„soziale Auf« gäbe" zu erfüllen hat, die in der parteipolitischen Schulung der Menschen besteht, so dürfte eine Veröffentlichung über das kommende neue Sozialgesetzgebungswerk kraft Erlasses nur durch das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront geschehen, wenn eine solche Ver- öfientlichung dem Sozialamt nicht durch den anderen Erlaß des Pg. Claus Selzner verboten worden wäre. Aus 1000 maditlO.OOO! Wie die Nazis schwindeln. Die Leuna-Werke haben kürzlich mitgeteilt, daß sie ihre Benzin-Produktion durch Hydrierung von Braunkohle steigern wollen. Dadurch würden mehr als 1000(eintausend) Arbeitskräfte mehr beschäftigt Die Nazipresse macht aus 1000 flugs 10.0000(zehntausend). Selbstverständlich lachen darüber nicht nur die Arbeiter und Angestellten im Leuna-Werk, sondern alle Menschen, die wissen, daß im Leuna-Werk seit Jahr und Tag überhaupt nicht nlehr als zehntausend Menschen beschäftigt werden. Der allergrößte Teil ist mit der Produktion von Stickstoff, beschäftigt Wollte man bei der Hydrierung von Benzin 10.000 Menschen neu beschäftigen, so müßten die gegenwärtigen Anlagen mit einem Schlage um ein Vielfaches erweitert, werden. Noch stärker als in den meisten chemischen Prozessen ist nämlich bei der Hydrierung von Kohle zu Benzin die menschliche Arbeitskraft weitgehend durch die Tätigkeit von Apparaten ersetzt Schicksal der Gewerkschaften In Nr. 280 des„Oberpfälzischen Kurier" vom 10. Dezember liest man folgende Berichtigung Die in Nummer 272 des„Oberpfälzischer Kurier" vom Mittwoch, den 29. November 1933, gebraenre ueDerscnrui: „Die Gewerkschaften verschwinden" ist unrichtig. Richtig ist daß die Verbände einstweilen.in ihrer bisherigen Art bestehen bleiben und erst wenn der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, es für notwendig hält, liquidiert werden. Weiterhin wurde in oben bezeichnetem Artikel die Feststellung gemacht, wonach die Aufnahmegebühr zur DAF. RM. 0.30 betrage. Richtig ist daß die Aufnahmegebühr zur Deutschen Arbeitsfront für alle Einzeimit- glieder RM. 0.50 beträgt Heil Hitler! H o r e t b. Gaubetriebszellenobmann. stellv. Bezirksleiter der DAF Gau„Bayerische Ostmark". Das Schicksal der Gewerkschaften in den Händen eines Ley! Mein Nutz geht vor dein Nutz! In der guten alten Zeit der Monarchie, in der das Volk nur dazu da war den Monarchen ein angenehmes Leben zu ermöglichen, standen den Monarchen selbstverständlich auch alle Einrichtungen des Staates unentgeltlich zur Verfügung. Die Republik hat diese Vorrechte abgeschafft. Im Dritten Räch aber werden sie wieder eingeführt. Zunächst hat der Verwaltungsrat der Reichspost beschlossen, daß für Fernsprechanschlüsse, Gespräche and Telegramme des Reichspräsidenten and des Reichskanzler s von jetzt ab keine Gebühren mehr erhoben werden. In kurzer Zeit wird man einen Beschlaß auf völlige Portofreiheit folgen lassen. Dann bleibt nur noch übrig, daß auch dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler das lästige Steuerzahlen durch völlige Steuerfreiheit abgenommen wird. Der Anfang dazu ist ja bei Herrn Hindenburg schon gemacht worden! Haben Sie schon Ihre Abonnementsgebühren überwiesen? Unsere Postscheck-Konten lauten: Tschechoslowakei: Zetadmft JJ. v-, Karlsbad. Prag 46.149 Österreich:„Neuer Vorwärts", Karlsbad. Wien B- 190.504 Polen:„Neuer Vorwärts", Karlebad, Warschau 190.163 Schweiz:„Neuer Vorwärts", Karlebad Zürich Nr. VIH 14�97 Ungarn: Aoglo-Cechoslovakis * < Q. o a D UJ DIE BÜCHER DES TAGES Wilhelm Herzog: Der Kampf einer Republik 160 Abbildungen Leinen Fr. 9.50 Ignazio Silone: Der Fascismus Kartoniert Fr. 5. Leinen Fr. 7.— Konrad Heiden: Geburt des Dritten Reiches Kartoniert Fr. B.— Leinen Fr. 7.— EUROPA-VERLAG ZÜRICH Lothar Frey: Deutschland wohin? Kartoniert Fr. 3.— Walther Rode: Deutschland ist Caliban Kartoniert Fr.3.— Leinen Fr. 4.— Charlot Strasser: Geschmeiß um die Blendlaterne Roman Leinen Fr. 7.60 EUROPA-VERLAG ZÜRICH Michael Scholochow Neuland unter dem Pflug Roman Leinen Fr. 6.50 Kristmann Gudmundsson: Die blaue Küste Roman Leinen Fr. 6.—' Die Bücher Europa-Verlages muß man lesen! EUROPA-VERLAG ZÜRICH m c X o ■ö > I < m x > o N C X n tßeiiage des bleuen Vocwäcts" Tic. 28 ■■igggg--»JSS5=s�--»i��»_,>,_»»aas=5a=�=-— ag-ssas�-_—-—-j Für ein neues Programm Bemerkungen zu einer Broschüre von Karl Kauisky Mit einer Broschüre„Neue Pro- Kramtne"(Verlag E Prager, Wien) greift Karl Kautsky in die Diskussion über die Aufstellung einer neuen programmatischen Plattform für den sozialistischen Kampf ein. Er setzt sich darin insbesondere mit dem Wirtschaftsprogramm der sozialistischen Revolution, der Idee der Diktatur und dem Problem der Sicherung der Demokratie nach der revolutionären Umwälzung auseinander. In Nummer 6 des„Neuen Vorwärts" war in dem Aufsatz„Revolution xegen Hitler und was dann?" die Forderung erhoben worden, daß die Haupt- pfeiler des neuen sozialistischen Programms die Aufteilung des Großgrundbesitzes und die Sozialisierung der Schlüsselindustrien und der Banken sein müßten. Kautsky wendet dagegen ein, daß dies kein neues sozialistisches Programm sei, sondern daß dieselben Forderungen in besserer Formulierung schon im Erfurter Programm von 1891 gestanden hätten. Zugleich setzt er auseinander, warum "ach dem Umsturz von 1918 die Enteignung des Großgrundbesitzes und der Schlüsselindustrien nicht durchgeführt Werden konnte. Es ist sehr nützlich, die ungelieuren Schwierigkeiten wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, mit denen die Volksbeauf- tragten �IS�W zu kämpfen hatten: die Demobilisierung, die Umstellung der gesamten Produktion vom Kriegs- auf den Eriedensbedarf, die Fortdauer der Blok- kade, die entsetzliche Lebensmittelnot, die inneren Kämpfe der Arbeiterschaft, die "nsägliche Müdigkeit des ganzen Volkes — das alles waren Schwierigkeiten von SO gewaltigem Ausmaß, daß es fast übermenschlicher Anstrengungen bedurfte, um sie zu meistern. Und dennoch— so gerne sich auch �ie Jungen über diese Schwierigkeiten be- 'ehren lassen wollen, wir fragen uns doch, �b man damals schon die volle p o 1 i- Gsche Tragweite des Verzichts aut die Enteignung des Großbesitzes ®rkannt hat Hat uns nicht erst die 'urchtbare Erfahrung der letzten Jahre ?ie ganze Bedeutung der Enteignung 'ür die Sicherung der Demokratie und Jes sozialistischen Aufbaues enthüllt? wir wollen uns gerne belehren lassen, daß diese Forderung altes sozia- bstisches Gedankengut ist, aber wir haben sie in ihrer grundlegenden politischen Bedeutung neu erlebt und— wie wir glauben— tiefer erlebt als es vordem mög- '■Ch war. Wir haben aus einer grausamen Fr fahrung gelernt wo die Aelteren räher nur aus einer, wenn auch noch so klaren Erkenntnis lernen konnten— und das ist schon ein Unterschied. Diese Erfahrung aber sagt uns: Wenn Wir wieder an die Macht kommen, müssen wir die Enteignung des Großgrund- esitzes, der Schwerindustrie und der Silken durchführen, auch wenn sich da- �Ken dieselben Schwierigkeiten auftür- men wie 1918. Denn wir müssen mit ähn- "chen Schwierigkeiten rechnen. Kautsky ''llerdings ist optimistisch und erwartet, ••daß unsere Kraft diesmal größer sein �lrd und die Bedingungen günstiger für rle Durchführung einer weitgehenden so- 'brtigen Sozialisierung." Wir alle wün- vCben, daß es so wäre. Aber werden wir lrklich damit rechnen können? Vieles wicht dafür, daß wir die Macht v,eder erst nach einem neuen Krieg über- "enttien werden. Aber selbst, wenn es "jcm zum Kriege käme— müssen wir cbt damit rechnen, daß der Faschismus j,Ur in einer furchtbaren Krise seiner gestürzt werden und daß seine Herr- r�aft ungeheuerliche wirtschaftliche, gei- und moralische Verwüstungen hin- n/ en wird? Und weil wir damit rech- ■pH, müssen, wieder auf einem l r" m m e r f e I d die sozialistische Auf- h"arbeit zu beginnen, müssen wir schon IPi unseren Willen stählen mit unerbttt- mV»r �0'serichtigkeit das zu tun, was 1918 glaubte, nicht tun zu können. Denn dies ist das Entscheidende: Wir brauchen mehr willensmäßige und mehr geistige Vorbereitung auf unsere Aufgabe als vor 1918. Erziehung zum sozialistischen Wollen ist eine unserer Hauptaufgaben. Kautsky meint, der Erfolg der Sozialisierung„wird ein Ergebnis der neuen Situation sein und nicht ein Ergebnis eines neuen Programms..." und um das wirtschaftliche Programm jenes Artikels im „Neuen Vorwärts" durchzuführen, brauchten wir„nur der Gesinnung treu, zu bleiben, die unsere Partei seit den Tagen des Kommunistischen Manifests stets beseelt habe— nein, wir wehren uns dagegen, daß der sozialistische Aufbau mehr das Ergebnis der neuen Situation als das Ergebnis unseres W o 1 1 e n s sein wird. Wir wissen, daß wir heute nur versprengte Häuflein eines schwer geschlagenen Heeres sind und daß erst eine große Wende eintreten muß, ehe wir wieder erfolgreich voranmarschieren können. Aber wir vertrauen auf unseren Willen und unsere Kraft, daß wir dann— gestützt auf unsere bitteren Erfahrungen— diese Wende mit mehr Erfolg ausnutzen können. Diesen Glauben an die eigene Kraft und den eigenen Willen zu stärken, ist unsere Aufgabe, und das erreichen wir nur. wenn wir uns immer aufs neue sagen: Wir müssen es besser machen, als es nach 1918 gemacht worden ist, wie es auch kommen mag, sonst ist alles vergeblich. Denn es gibt schädliche und nützliche Selbstkri- t i k. Ungerechte und oberflächliche Selbstkritik führt zur Selbsttäuschung und Selbstüberhebung, ehrliche und gründliche aber festigt das Selbstvertrauen und den Glauben an die Idee. Und die geistige Vorbereitung? Kautsky nimmt die Sozialdemokratie gegen den Vorwurf in Schutz, daß sie 1918 für ihre Aufgabe nicht genügend geistig Irrsinn vergiftet Kindergehirne „Den SA-Männern der Volksbildung" vrie Herr Rust seine Schulmeister offenherzig nannte, ist Heü widerfahren. Nachdem sie den militärischen Drill und das Hitlergrüßen so ziemlich intus hatten, so daß die Geschichte für den Alltags- und Festtagsbedarf klappte, machte sich eine geistige Oede im Schulbetrieb bemerkbar. Die Lücke durch eigenes Denken auszufüllen, widerspricht dem„Führerprinzip" des Nationalsozialismus und ist gefährlich. Doch wozu gibt es einen Nationalsozialistischen Lehrerbund? Dieser ist letzt tatsächlich in die Bresche gesprungen und hat der geistigen Verödung durch Herausgabe von Schulschriften zu Deutschlands Erneuerung autoritär abgeholfen, 16 Nummern, jedes Heft zu 16 Seiten, sind als deutsche Schulbücher im Zeichen des Hakenkreuzes in mehr oder weniger Zwangsvertrieb gebracht Nummer 1 dieser Hefte, wie kann es anders sein, hat den selbstverständlichen Titel.Adolf Hitler, der Retter" und außerdem bereits eine Auflage von 200.000. Was diese, als Lektüre für die Schüler gedachten Hefte an nackter Geschichtsfälschung, an grenzenlosen Byzantinismus, an krankhaftem Chauvinismus, an Kriegsund Revanchegeist enthalten, übertrifft alles, was man bislang überhaupt an vergifteter Schulliteratur gekannt hat Schon die Titel sind charakteristisch: 1 Adolf Hitler. 2 Die Schmach von Versailles. 3 Unsere blutenden Grenzen. 4 Unsere Kolonien in Vergangenheit und Zukunft. 5 Paul v. Hindenburg. 6 Albert Leo Schlageter. 7 Gedichtbände völkischer Freiheit �| Liederbuch für die deutsche Jugend. 10 Vom Zusammenbruch und Aufbruch der Nation. gerüstet gewesen sei. Er verweist auf seine eigenen Arbeiten über unsere Aufgaben nach der Machtergreifung und auf die Einsetzung der Sozialisierungskommis- sion, die bereits im November 1918 erfolgte. Auch in diesem Punkte wollen wir uns gerne darüber belehren lassen, daß es 1918 an der wissenschaftlich-theoretischen Vorbereitung der Sozialisierung nicht gefehlt hat. Wir wollen auch nicht darüber streiten, ob die Macht, die der Sozialdemokratie 1918 zugefallen war, ausreiöhte, um die Sozialisierung sofort in voller Breite durchzuführen. Aber genügt es andererseits, zu sagen: unsere Macht reichte eben nicht aus und deshalb mußten wir auf die Verwirklichung unserer Pläne verzichten? Hängt nicht die Größe der Macht einer politischen Bewegung gerade davon ab, in welchem Maße und in welcher Art sie ihre Macht ausnutzt? Die Macht der Nationalsozialisten stand in ihren Anfängen keineswegs auf völlig sicherer Grundlage. Aber durch rücksichtslose und geschickte Ausnützung ihrer Macht verstanden sie es, sie fortgesetzt zu steigern und erst richtig zu festigen. Bei allem Vorbehalt gegen die Methoden, die die National- sozialalisten dabei angew-endet haben— wir werden daraus eins lernen müssen: den Kampf um die Macht gewinnen wir nur, wenn wir auch den Einsatz unseres Gedankenguts wagen und das Gewicht unseres grundsätzlichen Wollens im günstigen Augenblick in die Waagschale werfen. Diese Erkenntnis zum Allgemeingut aller Sozialisten zu machen, ist auch ein Stück geistiger Vorbereitung. Um für diese geistige und. willensfähige Vorbereitung eine Plattform zu schaffen, dazu brauchen wir ein neues Programm; nicht, weil wir glauben, daß wir in dnem sollt Von Bismarck zu Hitler. 12 Horst Wessel. 13 Das Auslandsdeutschtum. 14 1 j5 1 Die nationale Revolution. 16 Theodor Körner. Zu dieser sogenannten Schulliteratur schreibt die„Neue Deutsche Lehrerzeitung": Diese Bogen hätten wir schon längst haben müssen; jetzt erkennen wir, was in Unserer Jugenderziehung seit 1919 versäumt worden ist! Lebendig und klar geschrieben, gut geeignet als Klassenlektüre." 1 Um den ganzen Geist dieser Hefte zu kennzeichnen, wollen wir einige Proben wörtlich zitieren. Im Heft 1 wird auf Seite 5 den Kindern die Legende aufgezwungen, daß Hitler allein im Felde einen französischen Offizier und 15 Mann gefangen genommen hätte. Früher sprach man von englischen Gefangenen, aber das war zur Zeit der Herausgabe nicht opportun. Auf Seite 6, 9 und 14 wird die göttliche Berufung Hitlers geschildert Das muß man wörtlich genießen: „Und während er schuf, erfuhr er es wieder und immer wieder, daß ein Höherer ihm sagte, was er zu tun hätte. Als einer, der wirklich berufen ist trägt er Weisung und Kräfte in sich, die ihm kein Mensch jemals hätte geben können."(Seite 6.) „Er sagt mit fast prophetischer Sehergabe auch die unaufhaltsame Entwicklung der kommenden Jahre voraus".(Seite 9.) „Der Wille Gottes hat ihn zu einem lebendigen Ausdruck einer geschichtlichen Tat gemacht"(Seite 14.) Auf Seite 15 schließt dann der gottbeflies- sende Scribifax mdt einer besonders frommen Geschichtslüge. Dort heißt es: „Noch imijicr dachten die sozialde- mokratischen und kommunisti- sehen Wortführer und Landesverräter, sie könnten Adolf Hitlers Werk unterhöhlen und zum Sturz bringen— sie behaupteten, in Deutschland würden alle Feinde der Regierun« grausam behandelt und eben Programm absolut Neues sagen könnten, nicht, weil wir voraussehen können, wie es kommen wird. Wir brauchen ein neues Programm, weil die Jugend die alten nicht mehr kennt und weil sie erst wieder Denken lernen muß— mühselig von vorne anfangend. Kautsky spricht in anderem Zusamenhang(S. 56) von Anführung einer Bevölkerung, die gelernt hat. selbst zu denken und zu handeln, was bei den Deutschen doch der Fall ist." Machen wir uns nichts vor; Die Millionenmasse„denkender Arbeiter" und„klassenbewußter Proletarier", mit denen wir zu rechnen gewohnt waren, gibt es nicht mehr. Tausende und aber Tausende sind in diesen Monaten zu Hitler übergelaufen, und die Zahl, derjenigen, die sich dem Druck der Propaganda, der Massenstimmung, den Begeisterungsformeln entziehen können, wird wahrscheinlich in den nächsten Monaten noch weiter zusammenschrumpfen. Und vollends die jungen Menschen! Diese Jugend hat seit dem Krieg in wachsendem Maße das Denken verlernt, und jeden Tag unter faschistischer Herrschaft verlernt sie es weiter. Die deutsche Jugend denkt nicht mehr, sie marschiert— und weiß nicht wohin! Der Faschismus hat die Beine in Bewegung gesetzt, unsere Aufgabe ist es, die Gehirne in Bewegung zu setzen. Vieles ist zutreffend, was Kautsky sagt, und man wird in anderem Zusammenhang noch näher auf seine beachtlichen Ausführungen über die Sicherung der Demokratie eingehen müssen. Aber wenn man seine Broschüre liest, hat man das Gefühl, daß er die Voraussetzungen nicht richtig einschätzt, unter denen wir heute in Deutschland und für Deutschland die Arbeit für den Sozialismus heu beginnen müssen. Ernst Anders. meuchlerisch ermordet: man verfolge die Juden und jage sie aus dem Lande. Da forderte die Regierung alle Deutschen auf, an einem Tage alle jüdischen Geschäfte zu meiden; das verfehlte seine Wirkung nicht Die Greuelmärchen verstummten, die Lügen sanken in sich zusammen-" Diese Dinge müssen viele Hunderttausende von Kindern lesen und vielleicht sogar auswendig lernen. Und wie viele sind unter Ihnen, die dieses bestialische Regime zu Waisen gemacht hat, oder deren Väter in Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachten? Im Heft 5 lesen wir folgende IndianerKeschicbte von Hindenburg: „Em Breslauer Schulmann, der m Mexiko ein besonderer Freund der Indianer wurde, kam mit den deutschen Jungen einer Auslandsschule in eine weltentlegene, wasserarme Gegend der mexikanischen Hochebene. In einer Indianerhütte bat er um einen Trunk, seine Bitte wurde von der Indianerin schroff abgelehnt. Da sah er an der Wand das Bild der Mutter Gottes und daneben zu seinem freudigen Erstaunen das Bild Hinden- burgs über der ewigen Lampe. Folgendes Gespräch entwickelte sich: „Wer ist das?" „Ein großer deutscher Marschall!" „Weißt Du auch, wie er heißt?" „EI mariscal Chindenburg!" „Siehst Du, Hindenburg ist unser Landsmann und Du willst uns nichts zu trinken geben?" Im Handumdrehen brachte die Frau Wasser, Kaffee, Limonade und sogar Bier. Unter weltabgeschiedenen Indianern, die weder lesen noch schreiben können, erfährt das Bild unseres Hindenburgs dieselben Ehren, wie das Bild der Mutter Gottes. Auch in der weitesten Ferne konnte Hindenburg für seine Landeskinder wirken." Als Nummer 17 und 18 sind Friedrich der Große und Königin Luise vorgesehen. Bei solchem Massenverbrauch werden selbst dfl* j�eudeutsdie Sdiulbüdier größten Lager an byrantinlsdiem Schmalz und legendärer Geschichtjklittening einmal aufgebraucht. Daß die Nummer 6 aus Schlageter einen NationalheldeD macht, ihm eine Standhaitigkelt andichtet, die er nicht besessen hat, und den Verrat, den er selbst durch sein Geständnis der Mitschuld seiner Kameraden begangen hat, In einen marxistischen Verrat umdeutet, versteht sich ebenso von selbst, wie, daß in Nummer 12 Horst Wessel, der durch einen alltäglichen Liebesstreit in Zuhälterkreisen zugrunde ging, selbstverständlich den Heldentod für Deutschlands Erneuerung starb. Herr Göb- bels und die Seinigen brauchen halt„idealisti sehen" Schwung. Die Nummern 7 und 8 streuen uns auf den dornenvollen Weg des Neuaufbaues die Blumen neuvölkischer Poesie. „Die nationale Revolution will den Frieden", so sagt Hitler für das Ausland. Darum müssen die Kinder des Dritten Reiches lesen und lernen, was Herr Bogislav v. Selchow, der nordische Barde, weniger schön als deutlich singt: Und haben die Götter uns alle verlassen und sind in ihr himmlisches Reich entilohn und sind wir zertreten von feindlichen Massen, steht gegen uns der Erde Hassen, sprüht gegen uns der Hölle Hohn, ob wir zerstampft, zermalmt, zerrieben, ob uns die Menschheit von sich wies, es ist uns einer doch geblieben: der Gott, der Eisen wachsen ließ. Denselben Willen zur friedlichen Verständigung atmet ein Gedicht, von Ernst K 1 o n k e r, „Versailles": „Deutschland muß nachtdunkle Wege gehn, Deutschtand muß leiden, um aufzuerstehn, Deutschland lebt ewig, Versailles heißt der Ruf, der Deutschlands Knaben zu Männern schuf." Und ein Erguß des Herrn v. M u t i u s: Am Schloß in Marienburg steht einer der Deutschherren und späht, Hände ums Kreuz am Schwert, still und gefaßt in Geduld, wann ihr einst löscht eure Schuld tmd den Raub zurückbegehrt" Bevor diese Erziehung zum internationalen Pazifismus in schlechten Reimen mit dem Aufruf„Volk, ans Gewehr" schließt muß selbstverständlich die Kindesseele durch eine poetische Judenhetze veredelt werden. Man lasse folgende Verse auf sich wirken: Es zog ein Wüstenvolk nach Norden, hat bettelnd sich uns zugesellt wir duldeten die dunklen Horden da sind sie uns zum Fluch geworden, da ward zur Wüste unsere Welt! Nach weiteren drei Versen schließt das Gedicht folgendermaßen ab: dem goldenen Kalb, dem finstren Heiden dem ewigen Juden gilt der Krieg wir kämpfen, opfern, dulden, leiden. Gott aber wird den Kampf entscheiden und ihm gehört zuletzt der Sieg." Der Erzbischof von Canterbury wußte schon, was er meinte, als er sagte, daß von allen Opfern der deutschen Katastrophe die Kinder am meisten zu bedauern sind! Haß Von Heinrich Mann Aus dem Buch„Der Haß", Deutsche Zeitgeschichte, erschienen im Ouerido- Verlag, Amsterdam. Wer den Geist nicht verträgt, beruft sich auf das Blut. Das haben starke und fruchtbare Geschlechter nie für nötig gehalten, nnd einer „nordischen Rasse" bedurften sie nicht Die wird frei erfunden, wenn es schon bald zum Zeugen, jedenfalls aber znm richtigen Denken nicht mehr langt. Dann kommt die Blutmystik dran. Die Nation soll eine„Blutgemeinschaft" sein;— als ob sie nicht offenkundig zu einer Interessengemeinschaft geworden wäre, mit Beteiligten, die in sehr verschiedenem Maße interessiert sind, mit Betrügern und Betrogenen, wie üblich. Geschichtliche Willkür hat die meisten Nationen zusammengebracht und die„Btatgemein- schaft" besteht überall hauptsächlich darin, daß hnmer ein Teil den andern Wütig gezwun- hat mitzumachen. Betrachtet diese Siege, diese paar Diktatoren, die für sich allein selbstherrlich verfügen über eine ganze Nation! Zu den öffentlichen Aemtern lassen sie niemand zu außer ihren Kreaturen, und auch das Alleinrecht auf Propaganda haben sie sich angeeignet Presse, Rundfunk, FBm. Sie haben sich mit Vollmachten ausgestattet, wie kein Bismarck sie besaß. Für sie gilt nichts mehr, weder Verfassung noch Gesetze. Die Massen marschieren braun gekleidet und mit erhobener Hand an ihnen vorbei. Sie führen sich sedbst das Scheinbild einer großen Militärmacht vor und halten damit das Volk zum Narren. Es läßt sich ja so gern die altbekannte Knechtschaft aufreden für einen neuen Ruhm. Jeder hat ihn gehört seit er über den Rund- fang verfügt Er beginnt mit einer ungepflegten Stimme und hfnterwäldlerischen Aussprache schleppend, aber drohend. Bald steigert sich sein Ton und wird der des schlechten Volks- stfleks, des pöbelhaften Klamauks, schreiend, vor Wut sich brechend. Endlich gibt er das letzte her: dann erscheint das nackte Unve- sen, die Venus entsteigt ihrer Schlammflut und stellt sich schamlos aus mitsamt ihren Schäden. die offenbar den Trieb der Menge noch mehr aufpeitschen. Man sieht eine bösartige Frau und sieht warum sie geliebt wird. Sie wendet sich schroff an die Leidenschaften, die niemand eingestehen würde, sie aber reißt ihnen die Maske ab. Vor allem wird sie nie vergessen, dazwischen weinerlich zu werden. wie wenn eine gemeine Komödiantin das arme Opfer spielt„Wir werden verfolgt!" Gegen Schluß seiner Reden fragen manche Hörer sich in tiefster Seele beleidigt ob denn niemand den Kranken, einen Epileptiker offenbar, abführt und zu Bett bringt Die Acrzte, vorausgesetzt, sie dürften ihre Diagnose stellen, ohne daß sie dafür eingesperrt werden. sprechen wohl von Verfolgungswahn. Ganz in Anspruch genommen von seiner eigenen, nunmehr berühmten Persönlichkeit. hatte der große Mann immer verschmäht, irgendetwas zu lernen. Dabei beharrt er. Er ist nach wie vor der eingefleischte Arbeitslose, der einst in den Weinen Münchner Kneipen auf Gelegenheiten paßte. Wie damals, drängt er sich vor, unbeschwert von Grundsätzen, Lehren und besonders von vertieften Studien. Man kann versichert sein, daß er Marx nie gelesen hat In Deutschland allerdings ist eine Minderheit zur Macht gelangt und erhält es dauernd im Bürgerkrieg. Andere unterdrücken und ihnen das Wort verbieten, das ist nicht In Frieidenszeiten üblich, es bedeutet Kriegszustand. Man füMt sich offenbar als Eroberer, wenn man Gegner einkerkert, andere Gegner zur Flucht ins Ausland oder in den Tod treibt; wenn man die meisten zu einer scheinbaren Haben Sie das Buch VOLK IN KETTEN bereits bestellt? Umfang 104 Seiten mit kart. färb. Umschlag. Preis Kc 12.— ö. Sch. 3.10/ schw. Frank. 1.85 1 f. Frcs. 9.—/ hfl.— 90/ Pfund Sterling 0/2/2 Dollar—.55' Zloty 3.10. An die Druck und Verlagsanstalt»Graphiac Karlsbad. Ich bestelle...Exemplar Max Klinger:„Volk in Ketten". Befrag ist per Nachnahme zu erheben, wird gleichzeitig auf Postscheckkonto„Neuer Vorwärts", Prag 4 6.1 4 9 überwiesen. Name und genaue Adresse Unterwerfung zwingt oder aber sie verrückt macht mit einer Propaganda, die System hat und dennoch ganz aus Rand nnd Band ist Gerade die Notwendigkeit einer solchen Propaganda beweist zweifellos den Kriegszustand des Landes. Die Wahrheiten des Regimes müssen auf schwachen Füßen stehen und äußerst strittig sein, wenn ein beispielloser Apparat In ihren Dienst gestellt wird. Die einfache Wahrheit der ein allgemeines Interesse entspricht hat noch nie eines solchen Aufwands an Lärm bedurft um durchzudringen. Seht sie euch an! Vergebens würdet ihr unter den Männern vom Tage einen einzigen suchen, dessen Art etwas aufweist von der vorhandenen Geistigkeit dieses Landes und seinen einstigen Errungenschaften in Philosophie und Moral. Unter der Republik standen Menschen, die dies vertraten an sichtbarer Stelle! Deutschland ermangelt ihrer nicht! Hier aber tragen die Gesichter nur die Spur übicr Leidenschaften und des Verbrechens. Gefühllosigkeit breitet Leere über die Züge der einen, und andere sind zerwühlt von der Hysterie. Man bekommt den Eindruck, daß doppelt starke Kinnladen zum Eintritt in das Rassenreich berechtigen, daß aber die tierische Fresse alle Symptome des Verfolgungswahns aufweisen muß, damit einer zn Ehren aufsteigt. Der Rassenstaat ist weiter nichts als die Auslese der Minderwertigen. Sechs hochbezahlte Posten auf einmal und dazu noch stehlen; in Palästen wohnen und das Land-, sinn- und zwecklos, ihrem Machtwahnsinn unterwerfen; das genügt ihrem erbärmlichen Ehrgeiz. Sie können für nichts Höheres arbeiten als für sich selbst. Es sind Leute, die nicht denken und die den Gedanken hassen, daher bleiben sie immer kleine verfehlte Wesen, trotz allen ihren großen Verbrechen. Sie hassen uns denkende Menschen mehr als alle anderen, unvergleichlich mehr als die Kommunisten und sogar noch heftiger als die Juden, die sie wahrhaftig genug hassen. Sic sind listig, wie die meisten Dummköpfe. Görfug glaubte die fremden Journalisten damit zu ködern, daß er sich als Retter der westlichen Zivilisation vom Kommunismus aufspielte. Die westliche Zivilisation neigt sehr wenig zum Kommunismus, dagegen befindet sie sich in einem Zustand, der sie zur Beute gewissenloser Giücksjäger machen kann. Die westiiehe Zivflfsation, das war in Deutschland die Republik, mag sie auch unzulänglich und schwach gewesen sein. Andererseits haben Glücksritter nur selten Glück bis znm Schluß, und einmal kehrt doch die Zivil I- sationzurück. Hitler an Sam Cohen Ein Kaufmann in Cardiii, der seit dem Ausbruch des Dritten Reiches aufgehört hat, in Deutschland zu kaufen, erhielt aus Berlin Nazipropagandamatcrial, darunter eine Rede Hitlers, in englischer Sprache zugeschickt. Der Kaufmann, ein Herr Sam Cohen, ließ sich le- doch nicht rühren, sondern übergab das Material der englischen Presse. Die Predigt Von Georg Robert. Der Pfarrer stand am Fenster und starrte suchend In die Dämmerung. Feine weiße Sterne stoben durch die Luft Starr waren sie, wie der Frost der sie gezeugt. Der Mann legte die Hände auf den Rücken und ging im Zimmer hin und her, immer hin und her. In einer Woche war die Weihuachtspredigt fälKg— was sollte man sagen? Er setzte sich an den Schreibtisch, kritzelte einige Zeilen, legte den Bleistift wieder weg, schritt auf und nieder. Das Fest der Menschenliebe— nein, so einfach ging es diesmal nicht Zuviel stand dagegen. Das müßte eine Strafpredigt werden... Einige katholische Kollegen saßen wegen ähnlichem im Konzentrationslager. Und die Nebenfrage: Warum wurde Weihnachten diesmal für viele ein Fest der Strafe? Das Hirn zauberte automatisch einige demagogische Sprünge, tönte wie auf Kommando: Jahrelang säten Staatsfeindc den Haß— sie haben Haß geerntet... Er blieb stehen, hörte ein Lachen. Wer hat Haß gesät? Die Sozialisten etwa, die Pazifisten und Demokraten, die den Frieden und die Meinungsfreiheit verteidigten? Gahs außerdem nicht auch Gläubige in seinem Sprengel, die jenseits alles Sozialismus standen und auch verfolgt wurden! Wie war's mit den zwei Jünglingen vom christilchen Jungdo, die man, hundert Meter vom Pfarrhause entfernt, in Ihrem Blute fand— niedergeschlagen von Braunhemden! Nein, das Thema Haß und Liebe war diesmal ohne Kollission mit den herrschenden Gewalten kaum zu variieren. Blieb; die Barmherzigkeit das Fest des Schenkens.„Gebt denen, die frieren und hungern..* Wieder sah er höhnische Gesichter, wurde nüchtern. „Juden und Marxisten mögen verhungern," war jüngst in einem Naziblatte zu lesen. Er wußte von hungernden Kindern, die er getauft hatte. Die Väter außer Arbeit gesetzt well sie Sozialdemokraten waren. Unterstützung gesperrt Beim Straßenbau wurden nur Hitieria ner eingestellt Im Flur schrillte die Klingel! Er überhörte es, wischte sich über die Stirn. Leichter Schweiß perlte auf der Haut Mau könnte, wie immer, die Botschaft„Friede auf Erden'' behandeln. Wie immer? Er sah die Wotaasgläubigen lächeln. Der pazifistische Christus! Hitier- buben trugen Dolche in der Schule. Kriegs- übungen überall im Lande. Selbst während des Weltkrieges war es leichter, von der Gnade des Friedens zu reden, als diesmal. Man könnte mir losdonnern— gegen alles und alle. Er fuhr auf und nahm staunend die Brille ab. Was? Dachte er schon sq kritisch, daß er die Feiertagspredigt nicht mehr zusammen brachte? Der große Antichrist der die Welt vor ihrer Enlösung heimsuchen sollte— war er schon da, schon am Ruder? Wieder schrillte die Klingel. Der Pfarrer wandte sich zur Türe. Ach so, seine Frau war in die Stadt gegangen... einkaufen... Er öffnete. Draußen, im Halbdunkel, stand ein dürrer Mensch. Ohne Mantel, angegraute Schläfen. schwarze Binde überm rechten Auge. Der Pfarrer hörte die übliche Bitte: seit triih nichts gegessen... Mechanisch griff er zur Geldbörse. Da sah er die blauroten Hände des Fremden. Der Frost sprang eisig aus seinen dünnen Kleidern.„Koramen Sie herein.. Auf dem Kflchenofcn dampfte warmer Kaffee. Der Pfarrer rückte dem Zerfrorenen ein Schemel zurecht schenkte Kaffee ein, legte Semmeln daneben. Die blauroten Hände griffen zu. „Wohin geht die Reise?"— Der Fremde kaute schon, zuckte die Achsein. „Woher kommen Sie?" Wieder Schweigen, ein Winken der zerfrorenen Hand gen Süden. „Geiängnis?"— Der Fremde wiegte den Kopf und sah den Frager aus einem großen Auge an. Wie verloren stand es in dem scharfen, schmalen Gesiebt „Was ist mit dem rechten Auge? Krank? — Wieder der volle Bück, in dem zu lesen stand: Du kannst lange fragen! Was weiß ich von Dir? Wenn ich ia's Reden käme! Besser ist Maulhalten.•. Da griff der Pfarrer behutsam nach der Binde, hob sie leicht empor und ließ den Lappen rasch wieder herab. Eine rote, leere Höhle "hatte ihn angegrinst Er trat einen Schritt zurück, war blaß geworden. So... ja, so kamen heute manche aus Konzentrationslagern. „Wie ist das gekommen?"— Schweigen. Kauen. Die Stimme des Pfarrers wurde heiser: „Mir dürfen Sie es sagen... alles.. Der Fremde nahm Anlauf, hob das eine Auge, der Blick wurde etwas heüer, ging gerade aus— dann senkte er sich zum knisternden Ofen, wurde wieder stumpf.„Nec, darf ich nich..." Stand auf, steckte eine Semmel ein, ging zur Tür„Darf ich nich... Dank für alles..." Draußen war er. Der Pfarrer starrte den leeren Schemel an. Um seine hölzernen Beine rann getauter Schnee, schwärzlich, von schweren Schuhen weither getragen..."„Darf ich nich.. Herrgott ist das ein Volk geworden! Jeder Verbrecher gestand Ihm bisher, von wannen er kam. Dieser wagte schon nicht mehr davon zu reden! Menschen werden mißhandelt, gemartert verstümmelt— und müssen den Henkern Schweigen geloben... Feig, feig war das alles. Windwärbel rüttelten am Fenster. Der Pfarrer schaltete das Licht ab. Dämmerung wollte er haben. Dieser zerfrorene Mensch, dieses eisige Schweigen— war das Deutschland? Lohende Flamme schlug um ihn hoch, wuchs, züngelte zur Decke. Jawohl, er wird predigen am Christabend. Ein Größerer soll aus ihm sprechen. Der Gekreuzigte sollte fragen: Wurde ich noch Immer umsonst geboren, gemartert gemordet? Mein Wort habt ihr getötet, ans Kreuz geschlagen! Wenn ich heute nach Deutschland käme, sagt: würde ich auf der Flucht erschossen oder im Konzentrationslager enden?! Pontius Pilatus war ein Heide. ihr aber, Ihr Christen--- Ein Schlüssel rasselte. Eine Frauenstimme vermischte sich mit Kinderlachen. Elektrisches Licht strahlte auf. Mit geröteten Wangen drang ein anderes Leben ins Zimmer.„Nanu. du memorierst im Finsteren? Da, jetzt weiß ich auch was Schönes für Peter; er hat lange vorm Schaufenster gestanden." Die Frau hebt sich vergnügt auf den Zehen, flüstert ihm etwas ins Ohr, damit der Bub draußen nichts hört, kichert leise, rauscht mit ihren Paketen wieder hinaus. Ernüchtert schaut der Pfarrer ins Leere. Zwischen feuriger Lohe hatte er gestanden— das ist weg, von Glühbirnen aufgefressen. Nebenan klingt Kinderlachen, eine Frau scherz* und singt... Was hatte er gesagt, vorhin. ehe sie kamen??„Mein Wort habt ihr getötet..." Nein, nein, er wird nicht predigen. Besser nicht, denn wenn er ins Reden käme.•• Seine Frau, sein Kind, was würde aus denen? Er wird den Amtsbruder anrufen. Mag der es machen, der ist elastischer. Ein Diener Gottes kann ja auch mal Schnupfen haben... Er erschrack. Feig? Der Fremde vorhin.•• auch der wollte nicht reden... Klopfte nicht eben jemand an die Scheiben? Leuchtete da Die denisdie Niederlage im Spiegel eines Budies Der Sieg der Republik über Antisemitismus und Nationalismus in Frankreich Im Europa- Vertag, Zürich, Ist erschienen: Wilhelm Herzog,„Der Kampf einer Republik". Die Affäre Dreyfus, Dokumente und Tatsachen. 983 Selten. Das Buch von Herzog schildert die soziale, Politische, geistige und kulturelle Bewegung in Frankreich um die Dreyius-Af f äre, die Periode der französischen Geschichte,„die ein Kampf um die Republik war und mit dem Siege der von aktiven Geistern geführten Republikanern über die Feinde der Republik endete."* Im Jahre 1889 wurde in Frankreäoh die Antisemiten-Liga gegründet 1892 stieg der Antisemitismus an. 1894 wurde Hauptmann Dreyfus unter der Beschuldigung der Spionage zugunsten von Deutschland verhaftet und zu lebenslänglicher Deportation verurteilt. 1896 wird der wahre Spion entdeckt Der französische Generalstab deckt ihn mit einem Gewebe von Lügen, Fälschungen, Verbrechen. An dieser Affäre entbrenn; der große Kampf gegen die Reaktion, deren Hort der Generalstab war. Im Januar 1898 schleuderte Zola sein „J'accuse'' in die Ooffcntlichkeit Im Sommer 1899 wird Dreyfus das Wiederaufnahmsverfahren zugestanden, die Regierung Waldeck- Rousseau säubert den Generalstab und die Verwaltung— aber die schuldigen Reaktionäre werden amnestiert Erst 1906 erfolgt die volle Rehabilitierung von Dreifus. Das ist der Rahmen, in dem sich der große Kampf abgespielt hat Herzog schildert ihn mit tiefer innerer Anteilnahme. Es ist ein großes Buch, das mit größter EindringMchkeit zum Leser spricht. Man kann es nicht ohne tiefste innere Bewegung lesen. Es ist ein pragmatisches Buch, es sollte es sein nach dem Willen des Verfassers, das Buch vom Kampf und Sieg einer Republik. W i r haben in Deutschland gekämpft und sind besiegt worden. Haben wir richtig gekämpft, warum sind wir unterlegen? Das Buch ist geradezu ein geistiger Zwang, Parallelen zu ziehen. Die Entstehung des Antisemitismus in Frankreich als Auflösungserscheinung und als Maske für alle reaktionären Tendenzen, der völlige Zerfall des Parteiwesens und des Parlaments— das alles ist für uns heute von besonderem Sinn. Aber nicht das ist das Entscheidende. Das Buch handelt vom geistigen KampL Wo war der geistige Kampf der Deutschon Republik in der Stunde der Gefahr, wo wareu die Geister? Im Mittelpunkt dieses Buches steht als Heid Zola. Das kennzeichnet das Programm des Buches. Es handelt vom Sieg einer Idee, Vom Kampf aktiver Geister, die getrieben wurden von der Leidenschaft für die Idee und den Geist, in dem die Gerechtigkeit gipfelt Es geht nicht um Politik, sondern um Gerechtigkeit Hinter der Schilderung des geistigen Kampfestritts die Beschreibung der praktisch- politischen Erledigung der Affäre so stark in den Hintergrund, daß man eine Lücke in dem Buch empfindet Der dramatische Höhepunkt und Wendepunkt in der Affäre ist für Herzog die Veröffentlichung von Zolas ,J'accuse". Vom Standpunkt der geistigen Politik aus durchaus richtig. Von Standpunkt der praktischen Politik aus wurden die opportunistischen Widerstände gegen die Revision hinweggeräumt durch die Kammerwahlen vom Mai 1898. Man vermißt in diesem Buch geradezu ein Kapitel: Regierungen, Parteien, Parlament Die Vorkämpfer der Idee haben heftige Vorwürfe erhoben gegen die praktische politische Erledigung der Affäre. Als das Kabinett Waldeck-Rousseau.Dreyfus begnadigte— aber auch die Fälscher und Verbrecher aus dem Generalstab, als es die Führer der reaktionären Staatsstreichhetze zu zehnjähriger Verbannung und zu zehnjährigem Gefängnis ver- urteilen ließ, als es den Generalstab nnd die Büros säuberte, war dies ein klarer Sieg der Republik gegen ihre Feinde— für Zola und Clemcnceau aber, für die Vor- kämpfer der Idee, war dies ein schädliches opportunistisches Kompromiß, nicht das Ausbrennen, sondern das Ersticken des großen Kampfes. Für Zola, der seine Stimme für die Gerechtigkeit erhoben hatte, fehlte die Zerschmetterung der Schuldigen durch die Gerechtigkeit selbst Die Un- bedlngtheit der ideellen Forderung hier, die Anpassung des Staatsmannes an die gegebenen Umstände da— es ist das alte Problem von Idee und Wirklichkeit in der Politik. Das ist kein literarisches oder rein theoretisches Problem! Der praktisch-politische Sieg der französischen Republikaner wurde erst möglich durch das Kartell der Sozialisten mit der bürgerlichen Linken, auf grund dessen Millerand in das Kabinett Waldeck-Rousseau eintrat! Wilhelm Herzog steht mit seinem ganzen Wesen bei den geistigen Vorkämpfern der Gerechtigkeit in der Dreyfnsaffäre, bei den Unbedingten. Als Historiker sieht er den Sieg der Republik:„Sie ging aus dieser schweren und viele Jahre dauernden Krankheit gereinigt, gestärkt und in sich gefestigter hervor. Ja, es ist keineswegs zu kühn, wenn man behauptet, daß die moralische Kraft die das französische Volk 1914 gegen den gewaltigen Ansturm der größten Militärmacht der Welt bewiesen hat in den siegreichen Kämpfen von 1898— 1906 wurzelte". Aber seine Helden waren mit dem nur politischen Erfolg tief unzufrieden. Er fühlt mit ihnen, und so schwankt sein Urteil. Es war der Sieg der Republik, aber:„Keine Rede davon, daß diese Kämpfe mit einem Sieg der Idee oder gar mit einem Sieg der sozialen Gerechtigkeit endeten." Daß der große Kampf nicht zu einer Erneuerung und moralisch-geistigen Umformung der Menschen führte, daß nicht die letzten Deutsche Presse i988 („Reynolds Ißustrated News") Konsequenzen der Gerechtigkeit im tiefsten Sinne gezogen wurden, das läßt Hm den Erfolg nur als relativ ansehen. Es spricht eindringlich daraus die tiefe innere Unzufriedenheit eines geistigen Menschen, dem die Idee der Gerechtigkeit Antrieb seines politischen Handelns gewesen ist Vor dem Kriege, in seinem Kleistbuch, war es die Gestalt von Michael Kohlhaas, die Herzog anzog. Nach dem Kriege vermißte er brennend die gerechte Vergeltung an den Schuldigen. Er suchte die Verbindung von In- tdlektuallsraus und revolutionärem Idealismus bei den Arbeiterparteien und fand sie nicht Er erfuhr, wie stark Idee und Organisation einander hemmten. Es ist ihm aus diesen Erfahrungen dasselbe geblieben wie aus der kritischen Betrachtung des großen Kampfes der dritten französischen Republik: das Wissen, daß um der Gerechtigkeit willen gekämpft worden ist und daß der Kampf um dJe Gerechtigkeit ewig ist Trotz aller Relativierung des Erfolges hat er für sich den Glauben an die Idee der Gerechtigkeit gerettet Das Bekenntnis zur Idee der Gerechtigkeit, das dieses Buch ablegt, ist für uns Deutsche von heute von noch höherem Werte als die pragmatische Schilderung des Kampfes der französischen Republik! Der Kampf von 1789 war um das Jahr 1900 in der französischen Republik noch nicht zu Ende.— Müssen wir nicht den Kampf um die Ideen von 1789 aufs neue aufnehmen? Indem alle Kampfkräfte der französischen Republikaner in der Drey- fusafifäre auf den Generalstab konzentriert wurden, trafen sie die gesamte Reaktion. An Gelegenheft, den Kampf gegen die Heeresleitung als den stärksten Hort aller reaktionären Kräfte, des Nationallsmus und der Machtstaatsidee zu führen, hat es in der Geschichte der deutschen Republikaner nicht gefehlt. Aber der Untersuchungsausschuß gegen Hindenburg und Ludendorff 1919 wurde zur Farce. Nach dem Kapp-Putsch folgte eine allgemeine Amnestie für die Offiziere— aber ohne die Säuberung, die Waldeck-Rousseau vorgenommen hatte! Als die Sozialdemokratie infolge ihrer Angriffe auf den Uebermut und die Nebenregierung der Heeresleitung unter Hladenburgs Präsidentschaft systematisch als regierungsunfähig angesehen wurde, fand sie weder Bundesgenossen noch den eigenen Entschluß, diesen Kampf bis zum Ende zu führen, so daß sie, als sie a%;h der Wahl von 1928 an die Regierung kam, deh Kampf nicht erneuerte, sondern den Panzerkreuzerbau duldete. Noch typischer: als im Anfang des Jahres 1926 die sozialdemokratische preußische Regierung die hochverräterischen Absichten der Hugenberg, Claß und Konsorten öffentlich denunzierte, als sie die Zusammenhänge mit der Reichs\whr klarstellte— da besaß ihre eigene Partei nicht die innere geistige Kraft, um das Volk eraporzureißen zum Kampf, ja nur um zu verhindern, daß der Schleier des Vergessens sich wieder über die Dinge ausbreitete! Aber wie kam es. daß die Deutsche Republik nicht gekämpft hat wie die dritte Republik in Frankreich? Das deutsche Bürgertum war in dieser Epoche nicht minder verfault wie das französische Bürgertum um 1900— aber draußen nicht ein blasses Gesicht mit dunkier Binde? Langsam, taumelig, als tauchte er aus �werer Arbeit auf, ging er zum Fenster. Die Straße draußen lag leer und verlassen. Wmterstarre sang ein frostiges Ued. Her Lump, der Sultan und das Müddhen Jüngst machte eine Straßburger Verkäu- ■erin auf unangenehmste Weise die Bekanntschaft des Dritten Reiches. Sie kam nicht gerade ins Konzentrationslager oder in die SA-Kaserne— aber in die gleichgeschaltete Fresse, und ob jemand in eine Nazizeitung oder hi die Jaucbegrube fällt, das kommt ungefähr acf eins heraus: Die kleine Verkäuferin aus dem großen Warenhaus dachte nicht im T räum an das Dritte Feich, sie dachte an den Sultan von Marokko, dem vorgestellt zu werden sie berechtigte Hoffnung glaubte. Da wohnte namlich auf dem gleichen Flur, auf dem ihr Möbliertes Stübchen liegt, ein Ehepaar, ein besseres Ehepaar sozusagen. Der Herr war jMnier sehr freundlich und machte auf das "'ädchen ekien so vertrauenerweckenden Ein- ■�ck, daß sie ihm ohne weiteres Glauben Schenkte, als er ihr eines Tages erzählte, der Sultan von Marokko werde demnächst das Elsaß bereisen, wünsche jedoch zuvor einen pweis dafür zu erhalten, wie freundlich seine Eandsleute in Frankreich aufgenommen wer- �n. Er, der Nachbar unsrer Verkäuferin sei auserwählt, ein solches Dokument zn beschaffen. Wenn sie sich das Wohlwollen des u'tans zu erwerben wünsche, so brauche sie s'ch nur mit einem farbigen Soldaten bbotographicrcn zu lassen— weiter nichts. Das Bild solle dann dem Sultan mit Flugzeug übersandt werden. Vor dem Mädchen tat sich im Handumdrehen eine leuchtende Filmkarriere auf. Nicht mehr mit müden Füßen hinterm Ladentisch stehen und ein freundliches Gesicht schneiden, wenn einen die nörgelnden, ewig unzufriedenen Kundinnen stundenlang plagen, um am Ende mit einem Bandrest oder einem Knopfdutzend abzuziehen! Nicht mehr vor der Entlassung bangen— das wäre ein Leben! Der Preis; eine Photographie! Was gabs da lange zu überlegen? Als«he Ehefrau des Nachbarn eines Sonntagmorgens erschien, um das Mädchen abzuholen, hing das beste Kleid schon frischgebügelt am Rechen. Der Photograph wartete, der farbige Schütze wartete, die Aufnahme wurde gemacht Und acht Tage später traf die kleine Verkäuferin einen Freund, der ihr stirnrunzelnd eine Zeitung entgegenhielt— die„Kölnische Illustrierte". Das Mädchen schlug sie auf, wurde sehr blaß. Mitten in einer Bildserie„Dokumente aus der schwarzen Armee", die den Text trug: „Und diese Menschen sollen gegen Weiße kämpfen", sah sie ihr eignes Bild, das an den Sultan geschickt werden sollte. Darunter stand;.Die Maftresse des Schwarzen". Diese Geschichte wurde nicht von uns erfunden, derart schmierige Lumpentricks können nur den gleichgeschalteten Hirnen deutscher Rasseschnüffler entspringen. Das Mädchen hat den Fall, der sich genau so zutrug, wie wir ihn hier erzählten, einem Anwalt übergeben. und die Gerichte werden sich demnächst damit befassen. Die öffentliche Meinung — das kommt in den außerdeutschen Blättern deutlich zum Ausdruck— hat schon vor der richterlichen Entscheidung ihr Urteil gefällt: die einst bochangesehcne deutsche Presse Ist nach der„nationalen Erhebung" auf das Niveau schmutzigster Skandal- und Erpresserblätter herabgesunken, zur Schürung des Rassewahns und Völkerhasses ist ihr jedes, auch das übelste Mittel recht. Saubere Journalisten verbitten es sich, von gleichgeschalteten Zeitungsschreibern mit„Kollege" angesprochen zu werden, ein neudeutscher Presseausweis ölfnet seinem Inhaber jede Tür— nach außen. Adolf Teil oder: Der gleichgeschaltete Schiller Friedrich Schiller hat sich einen strengen Verweis der nationalsozialistischen FI]jn- lierrschcr zugezogen, in kaum verbrämten Worten hat man ihm bedeutet, er sei©In schlapper Hund. Bei der Kurbelung des Terra- Tellfilmes. die soeben in der Schweiz beendet wurde, hat sich nämlich, wie das„Berliner Tageblatt" in seiner F 1 1 ra b e i 1 a g e berichtet, endgültig herausgestellt, daß Schiller „dramaturgisch gescheitert" ist, weil er„seinen Teil bescheiden als das Werkzeug der Bewegung, als den stillen Mann, der hn Rat der Führer keine Rolle spielt, gestaltet hat." Der Geist Schillers wurde also vor den Dichterfürsten Jobst zitiert, erhielt eine strenge Rüge und die Mitteilung, sein Werk werde erbarmungslos gleichgeschaltet. Das geschah auch. „Bewußt und zielbewußt gellt der Tellfllm der Terra von der Linie ab. Teil, der„Säumer" mit dem Weltblick geht als Unterhändler nach Luzern, um den Beistand dieser mächtigen Stadt für die Urkantone zu gewinnen. Und es ist eine andre Bescheidenheit wenn er nach vollbrachter Tat.. die Landsmannschaft ablehnt... Wie ihn das Volk ersehnt: der Beste von allen. Und doch einer ganz aus seinem Blut: der Volksheld, der Führer." Doch damit nicht genug. Wenn Teil schon die Züge des Oberosafs zugewiesen bekommt, dann darf die Weiblichkeit nicht zurückstehen, dann muß auch eine Heroine her, die sich in jeder Wagneroper sehen lassen könnte. Aber siehe da— gegen den Versuch, die Stauffacherin zu walkürisiercn, erhob sich ein unerwarteter Widerstand. Die Schweizer Assistenten, die schon lange in Mitleid für den mißhandelten Schiller erglüht waren, erhoben beschwörend die Hände. Hier müsse sich das Gastland verwahren.„Die Rücksicht aui die Charakteristik der Schweizer Frau" mache die Szene unmöglich. Die Menschen der Schweiz sind nämlich, wie das„Berliner Tageblatt" feststellt,„durch die geographische Situation und die geschichtliche Tradition im Weltblick, in der Weltanschauung begrenzt." Aber der in der Weltanschauung unbegrenzte Hanns Jobst fand einen Dreh, er schuf„die Rolle der Barbara, die als des jungen Melchtal Braut am Hof der Vögte ihrer Heimat wichtige Dienste leistet." Und somit wäre der„heroische Teil", wie ihn seine Umdeufer nennen, endlich komplett. Das heißt— ganz komplett doch nicht! Wie wär's, wenn Teils Hut auf die Stange gehängt würde und G e 8 1 e r das Grüßen vergäße? Auf diese Weise ließe sich seine Bestrafung vor einem deutschen Publikum viel leichter begründen. Der Film könnte gleichzeitig als Warnung und Abschreckung dienen, und Schillers Geist— nun, den sollte man, wenn er gar keine Ruhe gäbe, einfach in eia Konzentrationslager stecken. In Deutschland fehlte noch obendrein eine füfr rende breite intellektuelle Schicht, die sich mit gleichem Schwung der Sache der Republik angenommen hätte. Es fehlte ein deutscher Zola. der seine Stimme hätte erheben können, der mit gleicher Beredsamkeit dem Volke hätte sagen können, worum es geht. Aber wenn es ihn gegeben hätte— wäre seine Stimme gehört worden? Gegenüber der festen Geschlossenheit der in Deutschland miteinander kämpfenden Organisaticmskörper ist der In- teriektuellc niemals in ähnlicher Weise bewegende politische Kraft gewesen wie in Frankreich. i Und nicht nur das! Das Kräftemessen der Qrgantnsationskörper, die Massenpolitik, hat in Deutschland die Idee als wirksame Kraft in den Hintergrund gedrängt. Die materielle Macht und das materielle Ergebnis der Macht galt mehr als die Idee— sei es selbst als die Idee der Gerechtigkeit! Darum ist auch der Kampf zwischen der Republik und der reaktionären Justiz. deren Haltung ein einziger Hochverrat war, in Deutschland nie zu Ende gekämpft worden— weder zur Zeit des Magdeburger Prozesses noch damals,— als der Uebermut des rcaktlo- ren Richtertums besondere Ahndung aller Ju- sitzkritik und Urtellknitik als qualifizierte Richterbeleidigung forderte! Weder der Fall Fechcnbach noch die großen bayerischen Justizskandale um die Fememorde haben zu einem reinigenden Gewitter geführt Die Idee der Gerechtigkeit ist nicht stark gewesen, in Deutschland— auch nicht unter den Arbeitern. Wie wäre sonst die Vergewaltigung der Gerechtigkeit durch die Justiz möglich gewesen. ohne daß sich eine Sturmflut der Empörung und des beleidigten Gerechtigkeitsgefühls erhoben hätte! Wie wäre es sonst möglich gewesen, daß ein ganzes Volk, seine Arbeiter und seine Intelligenz, sich einer reaktionären Despotie unterwirft, die alle Gerechtigkeit mit Pflßen tritt? Die Erneuerung des Kampfes gegen die Despotie in Deutschland, gegen die Reaktion und den Nationalismus bedeutet des- halb Verpflichtung zum ideellen Kampf. Der Kampf gegen die deutsche Despotie ist ein Kampf ums Recht, ein Kampf um Gerechtigkeit Das ist es, was bei der Lektüre des Her- zogschen Buches so tief bewegt: die Erkenntnis, daß unser Kampf um die Republik viel stärker hätte getragen sein müssen von der Idee der Gerechtigkeit, daß er viel stärker geistiger Kampf hätte sein müssen! Der Verfasser des Buches„Der Kampf einer Republik" tröstet sich gegenüber der steten Erneuerung des Unrechts in der Welt mit der Erwägung:„daß sich immer wieder geistig unabhängige Menschen finden, die gegen das einem einzelnen oder einer Klasse zugefügte Unrecht aufstehen und gegen die Uebermacht eines Apparates kämpfen, und daß sich trotz allem der Kampf lohnt" Das ist ein Programm des intellektueHen Individualismus, und in diesem Sinne ist dies Buch ein Pro- grammbacb. Ein begrüßenswertes Programm- buoh! Denn wo' wäre der Kampf gegen die faschistische Barbarei ohne den revolutionären Idealismus, der seine Kraft aus der Idee zieht? Die deutschen Republikaner verfügen heute nicht mehr über die Parteien und Massenorga- ninsationen, an die sie gewöhnt waren, und deren Schwergewicht den Charakter ihres Kampfes bestimmt hatte. An die Stelle der Organisation tritt die geistige Strömung, damit wächst der Einfluß und das Gewicht geistig unabhängiger Menschen. In diesem Kampf wird jetzt nicht das Gewicht der Masse in die Waagschale geworfen, sondern die Idee! Die Despotie haßt und fürchtet die Stimme jedes einzelnen, der sich kämpfend gegen sie erhebt Sie fürchtet die Einstein, Feudi twanger, Heinrich Mann, sie verfolgt sie mit brutaler Gewalt und heißerfüHter Gemeinheit Die deutschen Parteien haben kein Verhältnis zu den Intellektuellen gehabt Auch die deutsche Sozialdemokratie nicht Neben vielem anderen hat Hochmut auf beiden Seiten sie auseinandergehalten. Jetzt wo Geist und Idee unsere einzige Waffen sind, sollten die Intellektuellen und die Parteimänner brüderlich miteinander gehen. Sic werden beide getragen von der gleichen Hoffnung. Parteien vergehen — aber der Schrei nach der Gerechtigkeit bleibt ewig! Max Klinger. Befristetes Manneswort Machtpolitik auf Hunde Kosten Ans Abstammungsgriinden: Folgende An- 2eige erschien im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel'* in Nummer 279:„Hiermit teile ich mit daß ich die altbestehende. 1893 gegründete Sortimentsbuchhandlung J. Puzich Nachf- mit Nebenzweig Papier- und Schreibwaren, käuflich erworben habe. Aus A b- stammungsgründen führe leb nun unter der Firma J. Puzich Nacht, Inhaber Elise Keller, welter." Mao muß den feindlichen Hunden den Schwanz stückweise abhacken— das ist die Regel, nach der jetzt nicht nur die neodeutsche Außenpolitik, sondern auch die Wirtschaftspolitik geführt wird. Und H e r r. S c h a c h t ist der gegebene Mann für ein solches Verfahren. Eben erst waren in mühsamen Verhandlungen die Gläubiger Deutschlands dabin gebracht worden, dem Moratorium zuzustimmen, das sie der Verfügung über die ausgeliehenen Summen beraubte und ihnen ein Viertel der Zinsen wegnahm, eben hatte Schacht ihre Vertreter zu neuen Verhandlungen in Berlin versammelt, da verkündet der Herr Reichsbankpräsident plötzlich, daß diese Verhandlungen eigentlich für die Katze gewesen seien. Er müsse sich das Recht der Beschlußfassung allein vorbehalten und werde in Zukunft den Zinsendienst noch weiter herabsetzen. Die Ankündigung hat einen richtigen Sturm in den verschiedenen Gläubigerländern erregt, vor allem in der Schweiz und in Holland, die noch vor ganz kurzer Zeit für sich eine Sonderbehandlung durchgesetzt hatten. Eben hatten die Schweizer Banken, deren Lage infolge der deutschen Engagements durchaus keine rosige ist, neue Zuversicht gefaßt, da ihnen die vollständige Bezahlung der Zinsen gegen die Einräumung von sogenannten Zusatzexporten zugesichert war, dn müssen sie in Basel selbst von Herrn Schacht hören, daß die Frist für die Einhaltung des deutschen Manneswortes eines ehrbaren Kaufmanns bereits am 1. Januar wieder abläuft Kein Wunder, daß sie alle Anstregungen machen, die Schweizer Regierimg in Bewegung zu setzen, um das Unheil abzuwenden. Und die Schweizer Regierung ist sehr deutlich geworden. Höflich in der Form, aber entschieden in der Sache kündigt sie Gegenmaßnahmen an. Da die Schweiz— und Holland ist in einer ähnlichen Lage— mn etwa eine halbe Milliarde Franken mehr Waren aus Deutschland bezieht als umgekehrt, da außerdem große deutsche Guthaben in Schweizer Banken liegen, könnte sie diese Stellung benützen, um die Zahlungsforderungen, die Deutschland aus dem Schweizer Handeisverkehr besitzt, zum Teil zurückzuhalten, um daraus die Schweizer Gläubiger zu befriedigen. Gerade diese starke Stellung der Schweiz war ja der Grund, der Herrn Schacht im Sommer zwang, der Schweiz die volle Befriedigung zuzusagen. Aber auch aus anderen Ländern kommen erregte Drohungen, und selbst die englische Regierung, die bisher das deutsche Moratorium als eine Privatangelegenheit zwischen Gläubigern und Schuldnern behandelte, scheint die Absicht zu haben, die Frage zu ihrer eigenen Angelegenheit zu machen, was eine in diesem Angen» blick nicht gerade angenehme neue Bclastnng für die deutsche Außenpolitik darstellt Aber wir wollen gerecht sein. Herr Schacht steckt in keiner guten Haut Zwar hat die Dollar- und Pfundentwertung der deutschen Wirtschaft eine Entlastung gebracht, die mit fünf Milliarden Go.ldmark eher unter- als überschätzt sein dürfte. Zu dieser Kapitalentlastung kommt noch die teils freiwillige, teils mehr oder weniger erzwungene Herabsetzung der Zinsen. Auf der anderen Seite aber bleibt die Entwicklung des deutschen Außenhandels und namentlich die Entwicklung des Ausfuhrüberschnsses, aus dem allein die Devisen herkommen, nach wie vor ungünstig. Die eben bekanntgegebenen Novemberziffern zeigen einen Ausfuhrüberschuß von nur 43 Millionen Mark gegen 98 Millionen im Oktober. Die Ausfuhr beträgt nur 394 Millionen Mk.(1929 betrug der Monatsdurchschritt 1124 Millionen) und ist gegenüber dem Oktober um 51 Millionen oder um 11.5 Prozent gesunken. Die Jahreszeit mag mitgespielt haben, aber die Abnahme geht weit über den durchschnittlichen Rückgang in den vergangenen Jahren hinaus. So betrug im Vorjahr der Ausfuhrrflckgang vom Oktober zum November nur rund 2 Prozent. Dabei entfällt der Hauptanteil des Rückganges mit 40 Millionen auf die Fertig Warenausfuhr. Die Einfuhr betrug im November 351 Millionen, um 4 Millionen oder um 1 Prozent mehr als im Vormonat Dabei ist die R o h- stoffeinfuhr unverändert geblieben, im Gegensatz zu den Vorjahren, was gerade niebt auf eine Belebung der deutschen Wirts schalt hinweist. Die Einfuhr von Baumwolle ist etwas gesunken, was mit den neuesten Be- ftchtcn übererastimmt die die Lage der deutschen Barnnwollindustrie ziemlich ungünstig darstellen Insgesamt ergibt sich für die elf Monate dieses Jahres ein Ausfuhrüberschuß von 576 Millionen. Während das Aktivum der Handelsbilanz 1931 2967 Millionen und 1932 noch 1073 Millionen betragen hatte, wird das Jahr 1933 nur wenig mehr als 600 Millionen anlweisen. Das ist nun allerdings ein Ergebnis, das es zweifelhaft macht, ob eine volle Befriedigung der Gläubiger überhaupt möglich ist Allerdings wird im Ausland mit inuner steigender Bestimmtheit behauptet, daß sowohl die deutsche Handelsstatistik, aber insbesondere ' die deutsche Verschuldungsstatistik nicht gerade besonders zuverlässig seien. Auf der anderen Seite aber muß berücksichtigt werden, daß ja der deutsche Export zu einem gewissen Teile heute gar nicht mit Devisen, sondern eben mit Scrips, Sperrmarks usw., also gegen Schuldenaufrechnung bezahlt wird. Nur ein Teil des ausgewiesenen Exportüberschusses stellt also echten Deviseneingang dar. Immerhin würde die Devisenlage allein Herrn Schacht wohl ein stärkeres Entgegenkommen ermöglichen, wenn er nicht den Wunsch iiätte, um jeden Preis den Goldschatz der Reichsbank zu stärken. Das Transfermoratorium, d. h. eben die Verringerung der Zinszahlungen, hat zwar seit dem Juni dieses Jahres den Goldbestand der Reichsbank um 130 Millionen vermehrt. Aber was sind die fünfhundert Millionen Gold, über die die Reichsbank heute verfügt, für die Zentralbank eines Landes, das eine abenteuerliche Außenpolitik verfolgt, die mit den schwersten Verwicklungen rechnen muß. Die Stärkung des Goldschatzes gehört mit zu den wichtigsten Maßnahmen der Kriegsrüstung, und daß Herrn Schacht diese mehr am Herzen Legt als die Kreditfähigkeit Deutschlands, an der ohnehin nichts mehr zu verderben ist, das können sich die auswärtigen Gläubiger schließlich selbst sagen. Es bleibt wahrscheinlich, daß ihnen ein neues Stückchen von dem Schwan* doch abgeschnitten wird. Die Entwicklung des deutschen Außenhan« dels aber ist nicht nur vom Devisenstandpunkt sondern auch vom Standpunkt der deutschen Wirtschaft überhaupt bedenklich und dies umso mehr, als sie den neuesten Entwick- lungstendenzen des Welthandels widerspricht Denn zum erstenmal seit Herbst 1929 weist der Weltaußenhandel keinen Rückgang mehr auf. Im dritten Ouar- fal 1933 ist sein Umfang derselbe wie 1932. Dieses Resultat ist um so bemerkenswerter, da ja seitdem die Entwertimg der wichtigsten Währungen weitere Fortschritte gemacht hat und die Preise zahlreicher Welthandelswaren, namentlich der Agrarprodukte, noch weiter gesunken sind, ganz abgesehen von den politischen Hemmungen, die dem Handelsverkehr Oberall bereitet worden sind. Das deutsche Novemberergebnis steht auch in auffallendem Gegensatz zu dem englischen. Denn die engtische Ausfuhr ist im November um rund 300.000 Pfund auf 34,4 Millionen gestiegen. An der Erhöhung ist gerade die Fertigindustrie, besonders die Metallindustrie, die chemische und die Baumwollmdustrie, beteiligt Seit November 1932 hat die Ausfuhr um 3.3 Millionen Pfund zugenommen. Aber auch die englische Einfuhr ist im Steigen. England führt mehr Rohstoffe ein, weil die Belebung seiner Wirtschaft, die sich auch in der echten Abnahme der Arbeitslosenziffern zeigt, einen größeren Bedarf an Rohmaterial im Ge'- folge hat In Deutschland haben wir dagegen einen katastrophalen Rückgang des Exports, während das Verharren der Einfuhr auf einem Stande, der erheblich hinter dem der Vor« jähre zurückbleibt den klaren Beweis liefert, daß von einer wirklichen bedeutsamen Belebung der Wirtschaft durch die angebliche Ausdehnung des Binnenmarkts keine Rede sein kann. R. K. Aus Deutschland Die Furcht vor der Wahrheit: Eine in der Schweiz geborene Ehefrau aus Dresden hatte am 23. September einen Brief an ihre Mutter in Brunnen(Schweiz) geschrieben. Der Brief wurde behördlich geöffnet er enthielt angeblich Greueinachrichten. Die Brief- schreiberin wurde vor Gericht gestellt und zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt Der skandalöse Vorfall hat in der Schweiz das größte Aufsehen erregt Gefährliche Clubs: Die Zeitung„Rote Erde" in Dortmund klagt über die Vereinsmeierei in gewissen Spießerkreisen. Sie nennt die zahlreichen Vereine, die in der letzten Zeit neu erstanden sind,„Brutstätten öden Spießertums und verkalkten Muckertums" und sie fordert, daß mit den in der letzten Zeit sich wieder allzubreit machenden Clubs restlos aufgeräumt werden müsse. Die Nationalsozialisten fürchten, daß in kleinen unpolitischen Vereinen drei Leute ohne Aufsicht miteinander reden könnten! Nur Nazis dürfen studieren! Der Reichs- innenminister wird demnächst eine gesetzliche Regelung treffen, wonach nur ein Teil der Abiturienten des nächsten Jahres zum Universitätsstudium zugelassen wird. Dieser Teil— das werden vorzugsweise die Abiturienten sein, die sich durch Gesinnungstüchtigkeit ausgezeichnet, und in der Zeit der sogenannten„nationalen Revolution" geschwänzt haben! Die Denunzianten-Pest! Die Ortspolizeibehörde in Hirschberg im Riesengebirge veröffentlicht folgende Bekanntmachung;„Bis in die letzte Zeit hinein haben Personen aus durchsichtigen Gründen Volksgenossen, mit denen sie irgendwie verfeindet sind, bei der Polizei angezeigt, und sie staatsfeindlicher Handlungen verdächtigt Die polizeilichen Ermittlungen ergaben fast durchwegs die völlige Haltlosigkeit dieser Bezichtigungen. Die Polizei wird in Zukunft gegen jeden Denunzianten energisch vorgehen und bei erwiesener Haltlosigkeit seiner Behauptung die Ueberweisung in ein Konzentrationslager veranlassen." Beschlagnahmt aus Konkurrenz-Neid: Die „Kölnische Zeitung" ist am 5. Dezember beschlagnahmt worden. Diese Ausgabe enthielt eine scharfe Erklärung des Besitzers und des Schriftleiters der Zeitung, wegen des„W estdeutschen Beobachter". der durch unlautere Konkurrenzmanöver die Leser der„Kölnischen Zeitung" für sich zu gewinnen versucht hatte. Die Polizeibehörde hat auf Wunsch des„Westdeutschen Beobachters" die unlauteren Konkurrenzmanö- ver prompt durch eine Beschlagnahme der „Kölnischen Zeitung" unterstützt. IVeue Interessante Yeröffent- Uthungen Die Gesellschaft„F r i e n d s o f E u r o p e" CLoodon St Stephens House Westmünster SW. 1) gibt zu billigstem Preis eine Reihe von Flugschriften über Deutschland heraus. Bisher sind sieben Schriften erschienen, darunter eine Flugschrift von Einstein, Europas Gefahr. Europas Hoffnung, so wie eine interessante Abhandlung über die Kriegsvorbereitungen in der deutschen Friedensindustrie. Der Verlag„Sozialistische Arbeiter- Internatlnale" hat eine Broschüre„Nach der Katastrophe" herausgegeben. Sfe enthält die Beschlüsse der Konferenz der S.A. I. in Paris, August 1933 und den Wortlaut der Rede Otto Bauers. Die Broschüre kostet 30 Schweizer Centimes. Das„Neue Tagebuch" Nr. 24 enthält einen interessanten Aufsatz von Konrad Heiden über den neuen Reichsnifnister Röhm unter der Ueberschrift:„Minister Röbm wünscht K r ie g!". In den Wiener Politischen Blättern Nr. 4 wird unter der Ueberschrift„Ein Brief an die bayerische politische Polizei" ein Beitrag geliefert, der zeigt, wie das neue System in Deutschland stiehlt Die Tschechoslowakei im Kriege ist das Thema eines mehr als spannenden Artikels des Genossen Emil F r a n z e 1 im Dezemberheft der„Tribun e", der Monatsschrift der deutschen Sozialdemokraten der Tschechoslowakei. Franzel fordert Organisierung der Verteidigung auf breitester Grundlage. Oesterreich darf nicht Bindeglied einer deutschitalienisch-organischen Gropping werden. Es neutral zu halten, ist Lebensfrage. In Nr. 38 der in Prag erscheinenden Wahrheit" veröffentlicht Walter Fschuppig die Grundzüge des Vortrags. den er über seine Erfahrungen in den Münchner Gefängnissen in Prag halten wollte, aber nicht halten durfte. ZEITSCHRIFT FÜR SOZIALISMUS Heft 3(Dezember 1933) ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt: A. Schif rin: „Revolutionäre Sozialdemokratie"— G. Decker:„Antikapitalismus".— M. K 1 i n ff e r:„Positive Kritik".— F. Anders;„Neu beffinnen— zu welchem Ziel?"— F. Wagner:..Korporativstaat".-K. H.:„Kreuz und Hakenkreuz". Preis pro Einzeiheft; Kc 4.— Pfund Sterling O'l'O I Dollar f ö. Sch.—.80' schw. Frk. —.20' hfl.—..35' Lei 24.—. -.70/ f. Frcs. 3.50