Nr. 33 SONNTAG, 28. Januar 1934 (SosialtemslraKfcfreg tttocfonfrto# Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"—» Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Die programmatische Stellung der Deutschen Sozialdemokratie Segers abenteuerliche Flucht aus der Hölle von Oranienburg Neue Sensation um Lübbe: Der Hingerichtete war begnadigt Hitlers Kosakenlegion gegen Rußland Kmtf iaiiäde, tei/ofätiokätek Somtisms Die Politik der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Bin Jahr lang lastet die nationalsozialistische Diktatur über Deutschland, über der Welt. Grundstürzend hat der Sieg der deutschen Gegenrevolution das Wesen und die Aufgaben der deutschen Arbeiterbewegung geändert. Der Knechtschaft und Gesetzlosigkeit preisgegeben ist das Volk im totalen faschistischen Staat Im revolutionären Kampf die Knechtschaft durch das Recht der Freiheit die Gesetzlosigkeit durch die Ordnung des Sozialismus zu Oberwinden, ist die Aufgabe der deutschen Arbeiter- bewegung. Die Bedingungen des revolutionären Kampfes. Im Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur gibt es kein Kompromiß, ist für Reformismus und Legalität keine Stätte. Die sozialdemokratische Taktik Ist allein bestimmt durch das Ziel der Eroberung der Staatsmacht, ihrer Festigung und Behauptung zur Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaft Die Taktik bedient sich zum Sturz der Diktatur aller diesem Zweck dienenden Mittel. Der revolutionäre Kampf erfordert die revolutionäre Organisation. Die alte Form, der alte Apparat ist nicht mehr, und Versuche zu seiner Wiederbelebung entsprechen nicht den neuen Kampfbedin- �ungen. Neue Organisationsformen mit opferbereiten Kämpfern müssen ent- stehen. In der Wahl dieser Formen sind �ir nicht frei. Noch legt der Gegner durch die Uebermacht seiner Mittel, durch die Brutalität ihrer Anwendung, noch legt uns der Zustand der deutschen Gesellschaft *®'bst, die unter dem furchtbarsten Druck d« ökonomischen, physischen und geizigen Terrors steht, das Gesetz des "andelns auf. Kleine Gruppen bilden sich, Sle müssen in teuer erkauften Erfahrun- 8tn die Technik ihrer Arbeit erwerben oine Elite von Revolutionären. Wenn die Gegensätze im Innern des baschismus, wenn die stets sich verschär- enden Klassengegensätze im Kapitalismus plch entfalten, wenn Unzufriedenheit und Enttäuschung die Massengrundlage der nationalsozialistischen Herrschaft er- Schüttern, wenn oppositionelle Strömun- �en entstehen, und spontane Massenbewegungen beginnen, dann wird es zur Aufgabe der revolutionären Elite, die Gegensätze im Bewußtsein der Massen zu Vertiefen, ihre Entwicklung zu lenken, |bre Zielsetzung zu beeinflussen, die Verbindungen auszudehnen und die revolutio- näre Organisation zur Massenorganisation 2u erweitern, In den Dienst der Förderung der Revolutionären Organisation hat sich von Anfang an die Leitung der deutschen So- �idemokratie im Ausland gestellt und für aie Erfüllung dieser Aufgabe ihre Kräfte Und Mittel eingesetzt. Der Druck desTer- |"0rs führt in Deutschland selbst zu weit- «ohender DezentraHsation der illegalen Arbeit Die in Deutschland selbst unausstehliche Teilung der Arbeit kann nur der Tätigkeit der Leitung ihre Zusam- P®nfassung finden. Unterstützung und Forderung erhält jede Gruppe, deren L�olutionärer Geist dafür bürgt, daß ihre '«bgkeit dem Sturz der nationalsoziallsti- j en Diktatur im Rahmen der Einigkeit er Arbeiterklasse dient Die Führung ist sich dabei bewußt daß sie der ständigen Mitwirkung und Beratung der Leiter der illegalen Gruppen bedarf. n. Die Ziele der Massenbewegung. Die Organisation ist das Werkzeug für den revolutionären Kampf. Welches sind seine Bedingungen, was ist sein Ziel? Bedingungen und Ziele des Kampfes lassen sich nicht willkürlich bestimmen, sie erwachsen aus den sich zuspitzenden Gegensätzen der kapitalistischen Gesellschaft und aus den Tatsachen der nationalsozialistischen Gegenrevolution. Wir fragen, wofür muß die Arbeiterklasse unter dem faschistischen System kämpfen, welche Kämpfe sind ihr aufgezwungen? Der Nationalsozialismus leugnet in seiner Theorie die Klassenkämpfe, seine Praxis verschärft sie auf das Grausamste. Seine Herrschaft bedeutet eine unerhörte Steigerung der sozialen Gegensätze, ein neues Erhitzen des Kessels bei gewaltsamer Verschließung aller Ventile. Die Unterdrückung aller Organisationen der Arbeiter und Angestellten, ihre völlige Entmachtung, überliefert sie der Willkür des Großkapitals, in dessen Interessen die Diktatur die Staatsmacht gestellt hat. Diese einseitige Verschiebung der Machtverhältnisse bedroht die Arbeiterschaft mit fortschreitender Verschlechterung ihrer Lebenshaltung. Ehe Gefahr wird gesteigert durch eine Wirtschaftspolitik, die die Kosten aller Bedürfnisse der breiten Massen erhöht, die Beschäftigung in den Exportindustrien immer mehr drosselt; sie wird vermehrt durch eine Finanzpolitik, die die Massen belastet und immer größere Teile des ihnen abgepreßten Tributs einzelnen vom Regime begünstigten Schichten zuschanzt. Das zwingt die Massen zum Kampf für die Sicherung und Hebung ihrer materiellen Existenz. Aber jede Lohnbewegung ist verboten, jeder Streik wird zur politischen Rebellion! Aus dieser Situation wird mit Notwendigkeit die Forderung nach Wiederherstellung der Koalitionsfreiheit und der Schaffung sozialer Kampforgamsationen als Vertreter der Arbeiterinteressen erwachsen. Ihre Koalitionsfreiheit ist nicht möglich ohne ihre Versatnmlungs-, Vereins- und Pressefreiheit Aus den unabweisbaren Bedürfnissen der Arbeiterschaft ergibt sich so die Forderung nach politischen Rechten, entspringt der Kampf um ihre demokratische Bewegungsfreiheit. Im Heer der Arbeitslosen wächst mit der Dauer der Arbeitslosigkeit die Rebellion gegen eine Gesellschaft, die ihnen das Recht auf Arbeit versagt verstärkt sich ihre Forderung nach Wiedereingliederung in den Produktionsprozeß, nach einer Ordnung der Wirtschaft die Arbeitende und Arbeitslose nicht mehr auseinanderreißt sondern die Arbeitsmöglichkeit gleichmäßig auf alle Arbeitsfähigen verteilt Diese Bewegung der von der Diktatur betrogenen Arbeitslosen richtet sich unmittelbar gegen die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft Die Kämpfe um die Sicherung der Lebenshaltung der Arbeitenden und um die Wiedereingliederung der Arbeftslosen in den Produktionsprozeß mit allen Kräften zu fördern, die Front der kämpfenden Arbeiter zu verbreitern, den notwendigen inneren Zusammenhang dieser Kämpfe mit dem Ziel des Sturzes der Diktatur den Kämpfenden zum Bewußtsein zu bringen, ist eine der ersten Aufgaben der revolutionären Arbeit Die Wiedereroberung demokratischer Rechte wird zur Notwendigkeit, um die Arbeiterbewegung als Massenbewegung wieder möglich zu machen und den sozialistischen Befreiungskampf wieder als bewußte Bewegung der Massen selbst zu führen. Jedes demokratische Recht wird aber zur Bedrohung des Fortbestandes der Diktatur. Der Kampf um die Demokratie erweitert sich so zum Kampf um die völlige Niederringung der nationalsozialistischen Staatsmacht Dieser Kampf ist nur revolutionäres Durchgangsstadium zur Eroberung der ganzen Staatsmacht Der Sturz der Despotie wird sich, wenn nicht äußere Katastrophen ihn herbeiführen, nur in der gewaltsamen Niederringung, nur durch den Sieg im revolutionären Kampfe vollziehen. Er wird sich ergeben, wenn die Bedingungen einer objektiv revolutionären Situation ausgenützt werden von einer entschlossenen, von radikalem Kampfgeist durchseelten, von einer erfahrenen Elite geführten Partei des revolutionären SoziaRsmus. Er kann nur erwachsen aus der Tat der Massen selbst. HI, Die Ausübung der Macht Diese Art der Eroberung der Macht bestimmt die Art ihrer Ausübung, Im schweren, opferreichen, leidenschaftlichen Ringen um den Sturz der Diktatur erfüllt sich die Arbeiterbewegung mit radikalem, kompromißlosem Geist Der politische Umschwung von 1918 vollzog sich am Abschluß einer konterrevolutionären Entwicklung, die durch den Krieg und die nationalistische Aufpeitschung der Volksmassen bedingt war, Nicht durch den organisierten, vorbereiteten, gewollten revolutionären Kampf der Arbeiterklasse, sondern durch die Niederlage auf den Schlachtfeldern wurde das kaiserRche Regime beseitigt Die Sozialdemokratie als einzig intakt gebliebene organisierte Macht übernahm ohne Widerstand die Staatsführung, in die sie sich von vornherein mit den bürgerlichen Parteien, mit der alten Bürokratie, Ja mit dem reorganisierten militärischen Apparat teilte. Daß sie den alten Staatsapparat fast unverändert übernahm, war der schwere historische Fehler, den die während des Krieges desorientierte deutsche Arbeiterbewegung beging. Die neue Situation schließt jede Wiederholung aus. Die Niederwerfung des nationalsozialistischen Feindes durch die revolutionären Massen schafft eine starke revolutionäre Regierung, getragen von der revolutionären Massenpartei der Arbeiterschaft, die sie kontrolliert. Die erste und oberste Aufgabe dieser Regierung ist es, die Staatsmacht für die siegreiche Revolution zu sichern, die Wurzeln jeder Widerstandsmöglichkeit auszureißen, den Staatsapparat in ein Herrschaftsinstrument der Volksmassen zu verwandeln, Der revolutionären Regierung obliegt deshalb die sofortige Durchführung einschneidender politischer und sozialer Maßnahmen zur dauerndes völliges Entmachtung des besiegten Gegners. Das erfordert: Einsetzung eines Revolutionstribunals, Aburteilung der Staatsverbrecher,.hrer Mitschuldigen und Helfer in der Politik, der Bürokratie und Justiz wegen Verfassungsbruches. Mordes und Freiheitsberaubung unter Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte. Aufhebung der Unabsetzbarkeit der Richter. Besetzung aller entscheidenden Stellen der Justiz durch Vertrauensmänner der revolutionären Regierung. Grundlegende Umgestaltung der Justiz durch Verstärkung des Laienelementes. Reinigung der Bürokratie, sofortige Umbesetzung aller leitenden Stellen. Organisierung einer zuverlässigen Militär- und Polizeimacht Völlige Erneuerung des Offizierkorps. Aufhebung aUer die Freiheit der Arbeiterschaft beschränkenden Gesetze und Verordnungen der nationalsozialistischen Despotie. Volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung ohne Unterschied der Rasse und Religion. Trennung der Kirche vom Staat. Unterbindung jeder konterrevolutionären Agitation, Sofortiger Erlaß der notwendigen sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Gesetze durch die revolutionäre Regierung. Die Zerschlagung des alten politischen Apparates muß gesichert werden gegen seine bisherigen gesellschaftlichen Träger. Das erfordert: Sofortige entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes, Ueber- führung der Forsten In Reichseigentum und Reichsverwaltung, Verwendung des Ackerlandes zur Schaffung lebensfähiger Bauern-Siedlungen und genossenschaftlicher Betriebe von Landarbeitern mit ausreichender Förderung durch Staatsmittel Sofortige entschädJgungslosc Enteignung der Schwerindustrie. Uebernahme der Reichsbank in den Besitz und die Verwaltung des Reiches. Vergesellschaftung und Uebernahme der Großbanken durch die vom Reich bestimmten Leitungen, Erst nach der Sicherung der revolutionären Macht und nach restloser Zerstörung der kapitalistisch-feudalen und politischen Machtpositionen der Gegenrevolution beginnt der Aufbau des freien Staatswesens mit der Einberufung einer Volksvertretung, gewählt nach allgemeinem, gleichem, direktem und geheimem Wahlrecht in Einzelwahlkreisen. Die erste Wahlkreiseinteilung erläßt die revolutionäre Regierung. Die Volksvertretung wählt mft absolutem Mehr(falls notwendig unter Vornahme einer Stichwahl) den Chef der Reichsregierung, der die Reichsminister ernennt Bis zum Zustandekommen der Wahl bleibt die Revolutionsregierung im Amt Das despotische System der zentralisierten Staatsallmacht wird durch die Herstellung einer echten freiheitlichen Selbstverwaltung innerhalb des gegliederten Einheitsstaates gebrochen. In den politischen Gemeinden werden für das Schul-, Wohlfahrts-, Gerichts- und Steuerwesen Selbstverwaltungskörper gebildet, denen die Beamten verantwortlich sind. rv. Die Revolution der Wirtschaft Aufgabe der Arbeiterschaft im neuen Staat Ist die Anwendung der errungenen Staatsmacht zur Durchführung der sozialistischen Organisation der Wirtschaft Die Vergesellschaftung der Schwerindustrie, der Banken und des Großgrundbesitzes ist kein Endpunkt, sondern nur der Ausgangspunkt für die Umwandlung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft Die sozialistische Wirtschaftsorganisation beseitigt die Anarchie der kapitalistischen Produktionsweise. Sie überwindet damit die Wirtschaftskrisen und die Arbeitslosigkeit. An die Stelle der planlosen kapitalistischen Wirtschaft tritt die sozialistische Planwirtschaft An die Stelle des kapitalistischen Profitstrebens tritt das Streben nach Deckung eines stets sich steigernden Bedarfes. An die Stelle der regellosen Rationalisierung zur Erhöhung des Profits durch Ersparung von Arbeitskräften, an die Stelle der regellosen Aufblähung des Produktionsapparates auf Kosten des Konsums tritt die planmäßige Steigerung der Produktionskräfte, die gleichmäßige Erweiterung von Erzeugung und Verbrauch. An die Stelle des zerstörenden Kampfes der einzelnen Produktionszweige gegeneinander tritt ihre auf einander abgestimmte Entwicklung. Die Leitung der Umorganisatlon obliegt der obersten sozialistischen Planstolle. Diese dient der Lenkung der gesamten Wirtschaft Sie hat insbesondere folgende Aufgaben: Aufstellung eines Wirtschaftsplanes für die Entwicklung der Gesamtwirt- schaft Schaffung einer Verwaltungsorgani- saüon für die Verstaatlichung der Wirtschaftszweige unter Mitwirkung der Produzenten, Konsumenten und des Staates. Vorbereitung weiterer Sozialisierung kapitalistisch beherrschter Wirtschaftszweige, Regulierung der Steigerung der Erzeugung und der Anwendung des technischen Fortschrittes durch Lenkung der Kapitalanlagen und der Betriebskredite. Regelung der Beziehungen zwischen dem vergesellschafteten Teil der Wirtschaft und der Marktwirtschaft. Für die Vergesellschaftung und einheitliche Leitung kommen zunächst folgende Wirtschaftszweige in Betracht: Das Kreditwesen unter Aufrechterhal- tung und Förderung der Selbstverwaltung der bäuerlichen und gewerblichen Genossenschaften. Das Versicherungswesen. Die Schwerindustrie. Die chemische Großindustrie. Der Güter- und Personenmasseuver- kehr. Die Kraftversorgung(Gas und Elektrizität). V. Die Revotution der Gesellschaft. Die sozialistische Gesellschaft beseitigt das Ausbeutungscigentum des Kapitals, sie schützt das Arbeitseigentum des Bauern und des Handwerkers. Sie bedeutet ständige Steigerung der Lebenshaltung, deshalb erleichterte Absatzmöglichkeit für die Produkte der bäuerlichen und handwerklichen Produktion. Sie befreit das Arbeitseigentum in Land und Stadt von dem Druck des agrarischen und industriellen Grofibesitzes und von der Uebermacht des Bankkapitals. Sie sorgt durch ihre Beherrschung des Kredit- Systems für die ausreichende und billige Versorgung des Mittelstandes mit den nötigen Betriebskrediten. Sie dehnt die Alters-, Invaliden- und Krankenversor- gung auf die ländlichen und städtischen Mittelschichten aus und erhöbt so deren Existenzsicherheit. Die Agrarpolitik, befreit von dem übermächtigen Einfluß des Großgrundbesitzes, tritt für die Förde- rung und ausreichende Verwertung der Verediungsproduktc der bäuerlichen Wirtschaft ein. sorgt durch staatliche Meliorationen für die Verbesserung ihres Grund und Bodens und durch Schaffung eines ausreichenden Bildungswesens für die ständige Hebung der Leistungsfähigkeit Die Neuordnung und Kontrolle der Produktion hebt die Bedeutung der Arbeit der technischen und leitenden Angestellten. Der Betrieb bedarf auch in der sozialistischen Wirtschaft einer gegliederten qualifizierten Leitung Die Loslösung dieser leitenden Organe aus der kapitalistischen Herrschaft ihre Verwandlung in Funktionäre der Gemeinschaft gibt ihrer Arbeit neuen Inhalt und neue Wörde. Das Bildungsprivileg wird zerbrochen. In der Einheitsschule wird das heranwachsende Geschlecht nicht nur für den künftigen Beruf, sondern auch für die Erfüllung seiner Aufgaben in dem freien sozialistischen Gemeinwesen herangebildet. Der Aufstieg zu den höheren Lehranstalten erfolgt ausschließlich auf Grund der Eignung und Begabung ohne Rücksicht auf das Herkommen. Unterricht und Lehrmittel sind auf allen Stufen unentgeltlich. Die sozialistische Gesellschaft stellt die Freiheit des Geistes und der Wissenschaft wieder her, sichert Kulturarbeit und Kunst vor den Eingriffen bürokratischer und kirchlicher Gewalten, gibt der Persönlichkeit ihr unveräußerliches Recht und ihre Menschenwürde wieder zurück. Die sozialistische Neuordnung der Wirtschaft ist mehr als eine materielle Angelegenheit. Sie ist selbst Mittel zum Endziel der Verwirklichung wahrer Frei heit und Gleichheit, der Menschenwürde und voller Entfaltung der Persönlichkeit Die Arbeit, bisher Quelle der persön liehen Bereicherung der einen und Ringen um die Fristung eines ärmlichen Lebens für die anderen, wird zum sozialen Dienst an der Mehrung des gesellschaft liehen Wohlstandes. Die Massen werden nicht mehr arbeiten, um den Monopol besitzem der Produktionsmittel einen dürftigen Lebensraum und ein allzeit von Krisen bedrohtes Dasein abzuringen, son dern sie werden arbeiten für die Gestal tung der'sozialistischen Zukunft unter glücklicheren Bedingungen zu höheren Zielen. Die planmäßige Lenkung des tech nlschen Fortschrittes wird die Produktivität der menschlichen Arbeit gewaltig steigern. Die Ausschaltung der Krisen wird den gesellschaftlichen Wohlstand ständig vermehren. Die dadurch ermöglichte Verkürzung der Arbeitszeit, vor allem aber die Befreiung des Menschen geschlechtes von den täglichen materiei len Sorgen der Lebensfristung und der Arbeitssuche ermöglicht allen Gliedern des sozialistischen Gemeinwesens die Anteilnahme an den Schätzen der Kultur, an den Erkenntnissen der Wissenschaft und an den Genüssen der Kunst. Ein neuer Gemeinsinn, eine neue Lebensauffassung, ein neuer Wetteifer um die Entfaltung aller Fähigkelten erwächst: Die sozialistische Gesinnung, in der die neue Gesellschaft unzerstörbar verankert sein wird. Je mehr sich der gesellschaftliche Umbau seiner Vollendung nähert, je mehr der Obrigkeitsstaat durch die Selbstverwaltung ersetzt wird, umso mehr wird der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Staat und Gesellschaft überwunden. An die Stelle des Machtstaates, der durch Militär, Bürokratie und Justiz seine Untertanen beherrscht, tritt die Selbstverwaltung der Gesellschaft, in der jeder zur Mitwirkung an den allgemeinen Aufgaben berufen ist An die Stelle des Führerprinzips und der Parteihierarchie, die WUlkflr und Verantwortungslosigkeit bedeuten. tritt die Verantwortung freier Menschen für die Erfüllung der gesellschaftlichen Aufgaben. Die Despotie wird abgelöst durch die freie Selbstbestimmung des Volkes, die Unterdrückung weicht der Gleichheit der gesellschaftlichen Rechte nnd Pflichten für alle Volksgenossen. Die Menschheit ist aus dem Reich der Not- wendigkeit in das Reich der Freiheft getreten. VI Abrüstung and Kriegsgefahr. Die natlonaJsozialtstlsche Diktatur hat Deutschland in Barbarel und Bestialität gestoßen das deutsche Volk mit üef- ster Schmach bedeckt Aber die Hitlerherrschaft ist nicht nur Schande und Gefahr für Deutschland, sie bedeutet die Gewaltdrohung gegen die Freiheit und Zivilisation aller anderen Völker. Die Diktatur bat in Rassenwahn und CroB- machtsucht den alldeutschen Nationalismus zur Siedehitze gesteigert Sie vergiftet die Jugend mit militaristischem Angriffsgeist, sie setzt alle geistigen und materiellen Mittel ein für eine fieberhafte Aufrüstung. Sie propagiert offen ihre Kriegsziele: eine neue Großraumpolitlk soll Neuland für die Siedlung im Osten schaffen, soll alle„deutschstämmigen" Gebiete dem faschistischen Reich einverleiben. Aber Schlimmeres noch als territoriale Einbuße droht den Völkern von der siegreichen Diktatur: am faschistischen deutschen Wesen soll die Welt genesen. Bedeutet ein neuer Krieg mit den unendlich vervollkommneten Zerstörungsmitteln eine Untergangsdrohung für die Zivilisation. so bedeutet ein Sieg der faschistischen Diktaturen eine Verewigung der Sklaverei und Bestialität im Innern und ihre Ausbreitung über die übrige Welt Die deutsche Demokratie hat die Forderung der Gleichberechtigung erhoben im Bunde mit den großen Demokratien des Westens als ein Mittel zur Organisation und Sicherung des Friedens. Die Diktatur bat diese Forderung verfälscht um sie für ihre kriegerischen Absichten zu mißbrauchen. Sie erhebt sie, um militärisch gestärkt neue militärische Stärkung zu ertrotzen. Sie erhebt sie, um als starker Bundesgenosse neue Koalitionen zur Erreichung ihrer machtpolitischen Ziele bilden zu können. Die auswärtige Politik der deutschen Diktatur bedeutet ständige Bedrohung des Friedens und damit den Zwang zum Wettrüsten. Die Diktatur, dje durch schamlosen Verfassungsbruch, durch Inszenierung des Reichstagsbrandes zur Macht gelangt ist die durch frevelhaften Terror und schamlose Vergewaltigung von Recht und Gesetz die Macht behauptet bietet erst recht keine Gewähr für die Innehaltung Internationaler Verträge. Sie wird sie brechen, sobald sie den Bruch für nützlich hält Es ist nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie, auf den Sturz der Despotie durch den Krieg zu hoffen. Es ist vielmehr ihre Aufgabe, den Krieg zu verhindern. Deshalb verwirft sie alle militärischen Konzessionen an Hitlerdeutschland. Sie warnt die Arbeiterparteien aller Länder, die Gefahr des deutschen Nationalismus zu unterschätzen. Gleichberechtigung der Demokratien, aber keinerlei Aufrüstung für eine kriegslüsterne Diktatur! Diesem System keinen Mann und keinen Groschen, das ist die Parole der deutschen Sozialdemokratie, das muß die Losung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale sein. Nicht militärische Zugeständnisse erfordert die Sicherung des Friedens und der Schutz der Freiheit der Nationen, sondern Wiederabrfistung, Entwaffnung und Auflösung der SA- und SS- Formationen. Sollte der Krieg, den Festigkeit und wachsame Entschlossenheit der Demokratien unter dem Hinfluß ihrer Arbeiterparteien heute noch verhindern können, trotzdem ausbrechen, so werden die deutschen Sozialdemokraten der Despotie in unveränderter, unversöhnlicher Feindschaft gegenüberstehen. Die Einheit und Freiheit der deutschen Nation kann nur gerettet werden durch die Ueberwindung des deutschen Faschismus. Die Sozialdemokratie wird sich mit Entschiedenheit gegen jeden Versuch von außen wenden, einen kriegerischen Zusammenbruch der Despotie In Deutsch- iand zu einer Zerstückelung Deutschlands auszunutzen. Sie wird keinen Frieden anerkennen, der zur Zerreissung Deutschlands führt und eine Hemmnng seiner freiheitlichen und wirtschaftlichen Ent- wfcklungsmöglichkeiten bedeutet VTl. Die Einheit des revolutionären Sozialismus. Mit dem Sieg des totalen Staates ist die Frage seiner Ueberwindung mit grausamer Eindeutigkeit gestellt. Die Antwort lautet: Totale Revolution, moralische, geistige, politische und soziale Revolution! In diesem Kampfe wird die Sozialdemokratische Partei eine Front aller antifaschistischen Schichten anstreben. Sie wird die Bauern, die Kleingewerbetreibenden, die Kaufleute, die durch die Versprechungen der Nationalsozialisten betrogen sind, sie wird die Intellektuellen, die unter dem gegenwärtigen Regime ein bisher unvorstellbares Maß der Unterdrückung und Entwürdigung erleiden, zum gemeinsamen Kampf mit der Arbeiterklasse aufrufen. Wir haben den Weg, wir haben das Ziel des Kampfes gezeigt Die Differenzen in der Arbeiterbewegung werden vom Gegner selbst ausgelöscht. Die Gründe der Spaltung werden nichtig. Der Kampf zum Sturz der Diktatur kann nicht anders als revolutionär geführt werden. Ob Sozialdemokrat, ob Kommunist ob Anhänger der zahlreichen Splittergruppen. der Feind der Diktatur wird im Kampf durch die Bedingungen des Kampfes selbst der gleiche sozialistische Revolutionär. Die Einigung der Arbeiterklasse wird zum Zwang, den die Geschichte selbst auferlegt Die Führung der deutschen Sozialdemokratie weiß sich deshalb frei von jeder sektenhaften Abschließung und i$i sich ihrer Mission bewußt, die Arbeiterklasse in einer politischen Partei des revolutionären Sozialismus zu vereinigen. Wie sie die illegale Arbeit aller Gruppen. die den Kampf gegen die Diktatur und nicht gegen andere Parteien der Arbeiterklasse führen, zu unterstützen bereit ist so öffnet sie ihre Zeitungen. Zeitschriften und Publikationen allen Diskussionen über die Probleme des revolutionären Sozialismus, der Machteroberung und Machtbehauptung in der Ueberzeugung, daß nur aus gemeinsamer geistiger Arbeit die Verwirklichung des einheitlichen revolutionären sozialistischen Bewußtseins der Arbeiterklasse erstehen kann. Aber sie lehnt es ab, die Selbstzerfleischung zuzulassen, die um der Frage der Ausnutzung noch nicht errungener Siege willen die Spaltung der Arbeiterklasse, den sicherstes Schutz der Diktatur, verewigen will Die nationalsozialistischen Machthaber rühmen sich, die revolutionäre sozialistische Arbeiterbewegung vernichtet, den Freiheitsgedanken ausgerottet zu haben, Sie sind die Sieger und Oben a« den Unterdrückten grausame Rache. Aber je größer ihr Sieg, der Sieg der kapitalistischen Mächte, desto schwerer wird ihre künftige Niederlage sein. Die kapitalistische Entwicklung schafft selbst ihre Totengräber und der Triumph von heute ist der Untergang von morgen. Gegen die faschistische Barbarei führen wir den Kampf für die großen und unvergänglichen Ideen der Menschheit Wir sind die Träger der großen geschichtlichen Entwicklung seit der Ueberwindung der mittelalterlichen Gebundenheit wir sind die Erben der unvergänglichen Ueberlieferungen der Renaissance und des Humanismus, der englischen und der französischen Revolution. Wir wollen nicht leben ohne Freiheit und wir werden sl* erobern, Freiheit ohne Klassenherrschaft Freiheit bis zur völligen Aufhebung aller Ausbeutung und aller Herrschaft von Menschen über Menschen! Das Blut der Opfer wird nicht vergebens geflossen sein! DeutMb« Arbeiter, Ihr habt nur die Ketten eurer KnedifsdiaH zu verUeren, aber die Welt der Freiheit nnd des Sozialismus«•» gewinnen! Deutscbe Arbeiter, einigt eadi im revolation&ren Kampf Verniditang der natlenalaoxlallstiuhen Diktatur! Dnrtfa Freiheit zum Sozialismus, durdi Sozialismus zur Freiheit Es lebe die deutsdae revolutionäre Sozialdemokratie, es leb® die Internatlenale! Jlcoty/ Z$. Johuac Du l/oesbutä äet Soabideimkeatistke» Doäei V&dssMßhds Hitler setzte sich über Hlndenburg hinweg Wir erfahren von unterrichteter Seite; Das vom Reichsgericht gelallte Todesurteil gegen van der Lübbe bedurfte der Bestätigung des Reichspräsidenten, dem nach der alten Verfassung und dem bisherigen Brauch auch das Begnadigungsrecht zustand, Der Reichspräsident hat das Urteil nicht bestätigt Hitler und Görlng erblickten darin eine Durchkreuzung ihrer Pläne und eine schwere Beeinträcf.tlgung ihres Prestiges gegenüber der nationalsoialistischen Partei nnd vor allem gegenüber der SA. Nach längeren Beratungen hat Hitler sich entschlossen, über das Begnadigungsrecht des Reichspräsidenten hinwegzugehen. Seine staatsrechtlichen Berater haben ihn, willfährig wie immer, belehrt daß der Rahmen der ihm durch das Ermächtigungsgeketz gegebenen Vollmachten so weit gezogen Ist daß er ohne weiteres eine Entscheidung darüber treffen könne, wem das Bestätigungsrecht und das Begnadigungsrecht gegenüber einem Urleil des Reichsgerichts zustehe. Damit Ist nun schon die zweite Lex Lübbe geschaffen worden! Hitler hat demnach zwei Spezialgesetze gebraucht, um den Kopi von van der Lübbe zu erhalten! Das Grab wird bewacht Bei der Beerdigung van der Lübbes haben sich seltsame Vorkommnisse ereignet Der Sarg, der die Leiche van der Lübbes enthalten sollte, kam schon zugeschraubt von der Anatomie zum Friedhof, was sonst nicht üblich ist Es wurde deshalb kurz vor der Beerdigung die Leiche eines anderen Hingerichteten, nämlich eines Mörders, aufgebahrt indem sie mit einem schwarzen Trikot überzogen wurde. Man gab diese Leiche für die van der Lübbes aus. Am Sonntagnachmlttag traf ein Beerdigungsauto mit holländischer Nummer auf dem Leipziger Südfriedhof ein, dem ein zweites Auto mit einigen Zivilpersonen folgte. Zugleich traf ein Ueberfallkommando ein. Die Zivilpersonen wollten die Leiche van der Lübbes abholen, sie wurde ihnen jedoch nicht ausgeliefert Bevor am Montagmorgen die Beerdigung stattfand, wurde der Friedhof und besonders die Umgebung des Crabplatzes von Kriminalbeamten abgesucht und abgesperrt. Ein amerikanischer Journalist, der die Beerdigung phqtographieren wollte, wurde verhaftet. Das Grab liegt Abteilung VIH, Gruppe 8. Der Platz der Anatomie ist sonst Abteilung XIV. Das Grab wird Tag und Nacht bewacht. Die Friedhofswärter haben Anweisung, ieden, der nach dem Grab fragt, dem Polizeipräsidium zuzuführen. Für Torgier und die Bulgaren! Ein Blick in die Weltpresse zeigt eine steigende Bewegung für die Freilassung Torglers und der Bulgaren. Immer wieder wird darauf hingewiesen, daß der reichsgerichtliche Spruch zwar in seinem verurteilenden Teil, durch die Tötung Lübbes, nicht aber in seinen freisprechendeu Teilen ausgeführt worden sei. Die Gestalt der alten Frau Dlmitroff. die um ihren Sohn kämpft, tritt immer mehr in den Vordergrund und erweckt allgemeine Teilnahme. Was Torgier betrifft, so hat man die Schamlosigkeit, zu behaupten, er werde im eigenen Interesse festgehalten, weil er sonst seines Lebens nicht sicher sei. Der nationalsozialistische Verteidiger Sack bekennt öffentlich, daß er selbst den Antrag auf Schutzhaft für Torgier gestellt hat Das heißt also, daß es vor dem Faustrecht der retderen- den Räuberbanden für oppositionelle Politiker keine Rettung gibt als die Flucht ins Gefängnis. Das sind die offiziell anerkannten Zustände im Dritten Reich am Ende des ersten Jahres seit seiner glorreichen Begründung. Jeder sein eigener Henker! „Der nationale Zweck Im Strafrecht" Im„Archiv für Strafrecht und Strafprozeß", Berlin,(Herausgeber; Prof. Dr. Klee. Senats- Präskient am Kammergericht) empfiehlt sich e'n Referendar namens Georg Matthias kür Beförderung. Wenn man's noch nicht wüßte, aus dem Artikel, den dieser angehende Richter oder Staatsanwalt des Dritten Reiches hier veröffentlicht könnte man erfahren, Wie heut da drüben Karriere gemacht wird. Der Artikel heißt„Oer nationale Zweck im Strafrech t" und beschäftigt slch mit der Bestrafung oder vielmehr Nicht- hestrakmg sogenannter Ueberzeogungstäter versteht sich mir der nationalen, denn ».marxistische Staatsfeind«" haben ja bekanntlich keine Ueberreugung, sie sterben mir dafür. Bisher wurde In juristischen Fachblättern gefordert— so In der„Deutschen Juristenzel- tung" vom September 1933— der nationale Zweck solle als Schuldausschließungsgrund für solche Taten gelten, die sich zwar„äußerlich" •i* strafbare Handlungen darstellen, aber eben Sur Erreichung dieses nationalen Zwecks begangen wurden.— Das geht dem Herrn Refc- kendar nicht weit genug. ..Freilich", so argumentiert er,„Ist die SohuW logisch abhängig von der Rechts- Widrlgkeit Es gibt rechtswidrige aber schuldlose, nicht indessen rechtmäßige, aber schuldhafte Taten. Bestimmt nun der nationale Zweck bspw. ein« Körperverletzung, Freiheitsberaubung oder Tötung, so müßte man mit Dietrich(In der deutschen Ju- ristenzeltung d. Red.) annehmen, daß die Handlung an sich zwar rechtswidrig sei, sber eben der nationale Zweck die Schuld ausschließe, ähnlich wie die häufigsten Schuldausschließungsgründe(Not- wehrexzeß... Notstand... Irrtum). Dies scheint mir fedoch der hervorragenden Be- deutung, die dem nationalen Zweck in künftigen Staats- und Strafrecht zukommen muß, nicht gerecht zu werden. �Bd waram nicht? Achtung, Herr Justlz- "doister, dieser Referendar verdient Ihre Gunst; Das Erfüllen eines strafbaren Tatbestandes, dessen Beweggrund der nationale Zweck Ist. darf schon deshalb nicht strafbar sein, weil es überhaupt an der Rechtswidrigkeit fehlt Sieht man so In dem nationalen Zweck einen Rechtferti- kungsgrund, dann kommt man auch tu dem befriedigenden Ergebnis, daß der Teilnehmer straflos und Notwehrgegen eine solche Tat nicht erlaubt Ist An- dernfaHs wäre zwar aoeh der Tellnehnier »traflos, Notwehr aber erlaubt Aha! Das also ist der langen Rede kurzer Dnsinn: Was bisher schon widerrechtlich der zugehiMigt wurde— der man aller paar Jochen einmal offiziell und ohne Erfolg die Poßzeibefugnlsse entzieht•— soll auch jedem nichtuniformierten aber nationalen Raufbold erlaubt sein: verdächtige Nichtnazls kraft dnes nicht vorhandenen Amtes festzunehmen, niederzuschlagen,„auf der Plucht zu erschießen". Wenn es nach dem Willen des eifrigen Rechtsjüngers ginge, müßte in Zukunft jeder Uber- tallene Jude oder Marxist im Driften Reiche. ehe er sich zur Wehr setzte, höflich fragen: „Entschuldigen Sie bitte, gedenken Sie mich vielleicht zu nationalem Zweck zu ermorden?" Verabsäumte er aber diese Frage, wehrt« er sich und würde er des Angreifers Herr, so müßte er strenge Strafe gewärtigen. Dieser Artikel Ist nur das Machwerk eines karrieresüchtigen Paragraphenlehrllngs— Immerhin, wenn die Matthiasse avanciert sind, kann es noch schöner werden a'ls es schon ist IVeue und aUe Reaktion Ein plumpes Ablenkungsmanöver. Die Propaganda des Dritten Reiches muß wieder einmal beweisen, daß die Hitlerdlkta- tur nicht reaktionär Ist. Sie hat es nötig— denn das neue„Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit'* enthüllt den reaktionären Charakter des Regimes stärker als es jade Auf- klärungspropaganda vermöchte. Der freche Versuch, mit„Dankkundgebungen'* noch vor der Veröffentlichung des Gesetzes seinen sozialreaktionären Charakter zu verdecken, erweist sich als völlig unwirksam. Das Regime will deshalb diesen Streich gegen die Arbeiterschaft hinter einer lärmenden Agitation gegen die„monarchistische Gefahr" verschwinden lassen. Dieses Ablenkungsmanöver ist plump und durchsichtig. Der Herr von Doorn muß herhalten, damit die Arbeiter von ihren Klassen- mteressen abgelenkt werden. Es Ist aber obendrein noch von besonderer Pikanterle: die neue Reaktion denunziert die alte Reaktion, damit ihr eigener reaktionärer Charakter nicht erkannt werde! Dabei war die alte Reaktion weniger sozialreaktionär als die neue— denn nicht einmal das sogenannte „Vaterländische Hilfsdienstgesetz" im Kriege hat die Arbeiterschaft so weit entrechtet nnd versklavt wie das Hltlersche Arbeitsgesetz! Für die Arbeiter geht es um ihre eigene Lage und ihre eigenen Klasseninteressen. Ihre Aufmerksamkeit muß auf die Erkenntnis Ihrer K'.assenlage gerichtet sein— nicht auf den Propagandakrawall zwischen alter und neuer Reaktionl■•'■■-U lfm kiukUdten fUkfsstkß&fdofa Die monardhisiisdie Gefahr— Greift Hindenbnrg ein?— Der Jugendfiihrerrat Im Kampfe gegen die kfrchllch« Opposition hat die braune Propagandamaschinerie einen neuen Trick erfunden: sie sucht die monarchl- stfschen Bestrebungen und den Widerstand der altgläubigen Pfarrer gegen den Rassenmumpitz miteinander zu vermanschen. So kann man in Naziblättern zwischen den Zeilen lesen, man wfese, welche„konservativer Kräfte der Vergangenheit" sich der Religion zu bedienen suchten, um wieder zur Geltung zu gelangen. Mit einigem Geschrei„gegen die Reaktion" denken die Meinungsmacher des Dritten Reiches darüber hinwegzutäuschen, daß das Hakenkreuz die Entwicklung weit, weit hinter das wilhelminische Kaiserreich zurückschrauben will, weil sich die braune Bonzcrle nur auf miU telalterllch-barbarische Welse halten kann und well ihr ein Machtstaaf vorschwebt, In dem der Untertan rechtlos-hörig ist wie in den Zelten der Leibeigenschaft Es heißt daß auch Hlndenbnrg In den Kirchenkonflikt eingegriffen habe, aber wer glaubt daß der Reichspräsident überhaupt noch in Irgend etwas eingreifen kann? Vorläufig führt Reichsbischof MüKer seinen Kampf gegen den Pfarrerpotbund weiter. Mehrere Pfarrer wurden wiederum verhaftet ebenso einige christliche Leute, die sich über diese Verhaftungen miBbiltigend äußerten. Zwölf evangelische Geistliche, die den Text der oppositionellen ProtestVundgebun g von Ihren Kanzeln verlasen, wurden von Ihren Aemtern suspendiert Vor der Kaiser- Wllbolm-Ge- dächtniskirche In Berlin kam es nach Verlesung des Protestes zu lebhaften Kundgebungen gegen den Reichsbischof, zumal die müller- treuen Landessyuoden von Schleswig, Sachsen und Braunschwelg bereits den Entwurf einer Verfassung für eine„deutsche Volkskirche" angononmien haben, der zwar das alte und neue Testament gelten läßt aber den Arterparagraphen und braunen Rassenmumpitz zur anderen Richtschnur macht Da aber die Landessynode und die Mitglieder zweierlei sind, steht dn beträchtlicher TeH der Angehörigen dieser Landeskirche hinter dem Protest des Pfarrerbundes. • In Stuttgart bat sich der Tübinger Theologieprofessor Adam scharf mit den neuen Christen auseinandergesetzt Dem Vortrag, dem gewichtige kirchliche Würdenträger beiwohnten, folgten Kundgebungen der katho- ßschen Jugend gegen Jedwede Hakenkrcuzler- rellgion. wie überhaupt an den Demonstrationen gegen den Reichsblschoi viel Jugend beider Konfessionen beteiligt ist Der evangelische Nachwuchs ist dem Kirchenminister schon deswegen feind, well er diese Bünde dem Kommando Baidur von Schlracht unterstellt hat Die katholische Jugend utrd vor solcher Vergewaltigung zwar durch das Konkordat geschützt das ihr die organisatorische Selbständigkeit sichert, aber sie fühlt sich dafür isoliert vom braunen Regime kaltgestellt Sie wird geflissentlich übergangen, wenn irgendwo etwas für die Jugend ,4os ist" Diese Jugend befürchtet daß sich aus dieser Ausschaltung im späteren Leben Nachteile ergeben könnten, daß späteres Fortkommen und Karrlere bedroht sind; sie sieht es an täglichen Beispielen, daß der Faschismus willige, meinungslose, feile Kreaturen bevorzugt braucht und züchtet Chrlstlldier Händedrude Der Ausgangspunkt der Rebeilion der evangelischen Pfarrer gegen die Tendenzen der nationalsozialistischen Kirchenorganisation „Deutsche Christen" und gegen den Reichsblschoi Müller war che Sportpalastkundgebung der„Deutschen Christen", in der der Referent Dr. Reinhold Krause aus Berlin-Pankow zum Kampf gegen die überlegten religiösen Dogmen und zur Ablehnung des Jüdischen alten Testamentes aufrief. Nach dieser Kundgebung wurde der Reichsbischof gezwungen, gegen die „Deutschen Christen" aufzutreten. Der Dr. Krause, der nicht von selber soweit vorgeprellt war. den man vielmehr vorgeschoben hatte, wollte sich nicht ohne weiteres desavouieren lassen. Er wandte sich in einem Brief an den Reichsbischof mit Behauptungen gegen andere höhere Kirehentührer, die der Reichsbischof In einer Antwort wiederum bestritt. Die beiden Briefe sind veröffentlicht worden. Damit ist der Streit noch nicht aus, es soll min eine Beleidigungsklage vor einem Amts ge rieht folgen. Inhalt der Beleidungsklage soll sein; Haben der Kirohenmdnistcr Dr. Werner und der Oberkon- sistorlalrat Freitag In der Sportpalastkundgebung den Rednern der„Deutschen Christen"' mit Dank die Hand gedrückt oder nicht? Die Briefe sind in der Zeitschrift„Junge Kirche" Nr. 20 abgedruckt Der Brief des Dr. Krause lautet; „Hocbzuverehrender Herr Reichsbischof! lu der Anlage sende ich Ihnen den Wortlaut meiner Rede, wie sie nach zwei übereinstimmenden Stenogrammen tatsächlich gehalten worden ist. Nach Prüfung des Tatbestandes bitte Ich Sie, eine Erklärung der Oeffentlich- keit zu übergeben, daß Ihre Entschließungen auf falschen Informationen beruhen. Auf diese Genugtuung glaube ich als Glied der christlichen Kirche und als Parteigenosse ein Recht zu haben. Ich fühle mich in tlester Seele verletzt Dies um so mehr, als mir Herr Präsident Werner im Anschlüsse an meine Rede die Hand geschüttelt und gedankt hat, daß ich ihm den Rücken gestärkt hätte gegen die Geistlichkeit In den obersten Kirchenbehörden. Daß er am Tage darauf sich der gegen mäch gerichteten Aktion angeschlossen hat Ist ein Verhalten, das mit der Würde der von Ihm bekleideten Acmter mir nicht vereinbar erscheint Auch Herr 0 b e r k o n- slstorlalrat Dr. Freitag hat Herrn Ahrendsee mk Händedruck seine Anerkennung zu unseren Ausführungen ausgesprochen, was auch ihn nicht abgehalten hat, am anderen Tage gegen uns öffentlich Stellung zu nehmen." Der Reichsbischof bat demgegenüber erklären lassen: „Die hinsichtlich des Verhaltens d-s Kirchenministers Dr. Werner in der Sport- palastversammlung gegebenen Sachdarstellung entspricht nicht den Tatsachen. Ebenso entspricht es nicht den Tatsachen, daß Ober- konsistorlalrat Freitag dem Herrn Ahrend- soe mit Händedruck seine Anerkennung ausgesprochen hätte". Das Ist gegenüber den sehr bestimmten Versicherungen des Bibelstürmers Dr. Krause von den„Deutschen Christen" eine sehr flügellahme Erklärung! Soviel(st klar, daß es sich bei dem Händedruck der beiden Oberchristen um einen echt christlichen Händedruck gehandelt hat Ehe der Hahn dreimal gekräht hat haben ein Kirchenministcr und ein Oberkonsistorialral den Mann, der zur Attacke vorgeschickt worden war, schmählich verraten und im Stich gelassen] Stahlmöbel erwachen! In der Jnnendekoratlon" Nr, I vom Janaar J934, die in Darmstadt erscheint, findet sich, fetigedrnckl, der folgende Sinnspruch"; Stahl m/ibei Im deutschen Heim..« machen der deutschen Frau die Arbeit leicht and das Dasein lebensnert. Sie strahlen Lust und Frohsinn aas. Als deutsches Gedankengut sind Stahlmöbel bi der iinverlOschten Ehrlichkeit und Sauberkeit ihrer Form Sinnbild anserer neuen Zdf. Da kann man nur leise weinend registrieren: Selbst dt* Stahlmöbel sind erwacht! fmsse fetkoä Seget(teil Fludbt aus der Hölle von Oranienburg Nach abenteuerlicher Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg ist der langjährige Generalsekretär der Deutschen Friedensgeseilschaft und sozialdemokratische Relchstagsabgeordnete G e r b a r t S e g e r-Dessau ins Ausland entkommen. Seger war neun Monate in Schutz- halt; drei Monate in Einzelhaft Im Gerichtsgefängnis in Dessau und sechs Monate im Konzentrationslager Oranien- bu rg. Der Abgeordnete Seger war Augenzeuge des Empfangs, der in Oranienburg den zur gleichen Zeit eingelieferten Abgeordneten E b e r t und H e i 1 m a n n und den ehemaligen Leitern des deutschen Rundfunks, Dr. Magnus, Giesecke, Flesch und Braun, bereitet wurde. Diese sechs Männer wurden vor der gesamten SA entkleidet, ihrer Anzüge beraubt und in alte, abgelegte Lumpen gehüllt Es wurden ihnen die Haare geschoren, sie wurden vor der Front der Gefangenen beschimpft und mißhandelt, am schlimmsten Heilmann. Außer diesen sechs waren an bekannteren Personen?m Lager Oranienburg die Abg. Künstler und S z 1 1 1 a t(Oberbürgermeister von Brandenburg), die Oberstaatsanwälte Binder und K ö h- 1 e r. Dem Abgeordneten Künstler wurden drei Pfeile in die Haare hineinrasiert. Die beiden Oberstaatsanwälte hatten unter früheren Regierungen als Vertreter politischer Dezernate Strafprozesse gegen Nationalsozialisten, darunter auch gegen Göbbels, durchzuführen. Im Konzentrationslager nahm jetzt die SA dafür Rache an ihnen. Die Nachricht daß das Lager Oranienburg nur noch für meuternde SA und SS diene, erklärt Seger für unrichtig. Es waren zwar solche Gefangene aus der SA im Lager, aber sie bildeten nur einen sehr geringen Prozentsatz der Belegschaft. Ein wahrheitsgetreuer Bericht der grauenvollen Mißhandlungen, die Seger in sechs Monaten Oranienburg erlebt und gesehen hat— Seger beginnt ihn mit der Eidesformel deutscher Gerichte: „Ich schwöre, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde!"— wird als Buch erscheinen(bei der Verlagsanstalt „Graphla" in Karlsbad, mit einem Geleitwort, das der frühere Präsident der Preußischen Dichterakademie Heinrich Mann schrieb). In diesem Buch unternimmt Seger den Versuch, neben einer der strengsten Nachprüfung standhaltenden objektiven Darstellung das bisher völlig unbekannte Milieu des Lagerlebens zu schildern. Die Grausamkeiten, die in den Konzentrationslagern täglich vorkommen— und in vielen Pressenachrichten über die deutschen Grenzen gedrungen sind,— stehen nicht im Vordergrund der Mitteilungen Segers. Fürchterlich sind neben körperlichen die seelischen Mißhandlungen, denen die Häftlinge täglich ausgesetzt sind. Seger berichtet, daß es in Oranienburg außer den üblichen Arrestzellen besondere Dunkelzellen gibt, die dem darin Eingeschlossenen nur das Stehen, nicht einmal das Niederhocken ermöglichen. In diesen Steinsärgen wurden Gefangene bis zu acht Tagen und Nächten stehend lebendig begraben! Es ist im vollen Sinne des Wortes eine Hölle, aus der Seger trotz der Gefahr, auf der Flucht erschossen zu werden, in verwegener Flucht entkommen ist aufstehen wie ein Mann.. Gibt es eine Dikfafttf, so gibt es eine Revolution— das ist das feierliche Gelöbnis, das die sozialistische Fraktion in öffentlicher Parlamentssitzung vor wenigen Tagen abgelegt hat Und hinter der sozialistischen Partei würden gewiß nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Kommunisten marschieren und vielleicht auch die Syndikalisten und die Anarchiste n". Danach hätten vir wahrhaftig allen Grund, Spanien um seine Kommunisten und Anarchisten zu beneiden! HiUm Hosokeidtym yeg&t Büfiiakd Hitlers„Llchtbringer" und das Expeditionskorps des Grafen ATelidoff Vor einigen Wochen wunderte man sich über die Nachricht, daß die deutsche Regierung die„Russische nationale Befreiungsbewegung", bekannt unter dem Namen„Rond", aufhob und das neue Parteigebilde verbot. Das war ein taktischer Schachzug, um eine Zersplitterung der russischen Gegenrevolution durch die „Rond" und die„Üno"(National-Ukrainische Vereinigung), zu verhüten und eine einheitliche russische Legion für den Kampf gegen Rußland vorzubereiten. Keineswegs aber hatte man die Absicht, die alten Wünsche auf Eroberung der Ukraine aufzugeben, keineswegs wollte man die Weißrussen, die sich heute um Hitlerdeutschland scharen, weil sie hier ihren Weizen blühen sehen, fallen lassen, Schon in den ersten Wochen des Hitlerregimes war die„Rond" von einem gewissen NikolausDimitriew mit dem reichen russischen Hausbesitzer Schterbira gegründet worden. Dimi- triew erfand die„Rond-Hymne", eine Bearbeitung des Horst-Wessel-Liedes und gründete den„Rond-Anzeiger". Als Verbindungsführer der Nationalsozialisten zur „Rond" war der arbeitslose Schauspieler und SA-Gruppenführer, der Balte Heinrich Pelchau bestimmt worden. Bald darauf ließ Pelchau schon Dimitriew verhaften, weil er die Führung der„Rond" übernehmen wollte. Er legte sich den Na- den Andrei Swetosarow—„Der Lichtbringer", bd, gründete eine neue Zeltung in Berlin„Die Erweckung Rußlands" und versprach seinen Russen nach altem nationalsozialistischen Brauch Gott und die Welt, vor allem aber ein„Erwachtes Rußland". Der Vertreter des allrussischen Militärverbandes in Deutschland, Oberst Lampe und Professor 1 1 j i n, begeisterte Anhänger Hitlers, die es ablehnten in eine„von solchem Pack durchsetzte Organisation" einzutreten, wurden von Pelchau der Sowjetspionage verdächtigt und wanderten ins Gefängnis. Pelchau gebär- dete sich immer toller, inszenierte mit seinen Leuten Plünderungen und trieb es in seinen Versammlungen so arg, daß die Sowjetbotschaft Protest erhob. Die„Rond" und die„Uno" wurden verboten. Die Politik, die Hitler in Osteuropa eingeleitet hat, geht ganz energisch auf ihr Endziel los, auf den Krieg gegen Rußland. Deshalb ist es von besonderem Interesse, wenn man erfährt, daß nach dem Verbot der„Rond" gleich eine andere getarnte russische Organisation aufgezogen wurde, die sich„Russische Liga" nennt. Sie steht natürlich unter besonderem Schutz der einzigen Partei, die es heute noch in Deutschland gibt und ihrer obersten Führung. Kein geringerer als der Leiter des außenpolitischen Amtes und Chefredakteur des„Völkischen Beobachters", R o s e n b e r g, hat das Patro- nat über die Liga übernommen und stellt die Verbindung zur Regierung her. Um der.Russischen Liga" in Deutschland, die als Sammelbecken für die Weißrussen aus aller Welt und später als Avantgarde gegen Rußland gedacht ist, zu einem ihr würdigen militärischen Führer zu verhelfen, hat die Regierung Hitler die Strafanstalt Plötzensee geöffnet Dort saß wegen Beihilfe zur Falschmünzung der Graf AlexanderNelidoff, ein ehemaliger zaristischer Garderittmeister und späterer Abenteurer, Spion und Hochstapler. Er war noch im zweiten Reich zu Kundschafterdiensten verwendet worden, hatte einmal seine auftraggebende deutsche Behörde um 6000 Mark geprellt und zahlte diesen„Vorschuß" mit falschen englischen Pfundnoten zurück. Zusammen mit einem Zarenoffizier wurde er wegen Falschmünzerei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt Graf Nelidoff ist der gegebene Mann für die jetzigen Machthaber in Deutschland. Ein guter Offizier ohne moralische Bedenken, bereit zu jeder noch so absurden Tat, wenn sie etwas einbringt. Göring ähnlich in seiner Eitelkeit und im Streben nach Lebensgenuß, wird er den Auftrag, eine Truppe aus den zusammengewürfelten weißrussischen Elementen zweifellos zur Zufriedenheit der Deutschen erfüllen. Für seine Truppe erhielt er einen Teil des Lagers Lockstedt zur Verfügung gestellt. Da wird jetzt schon fleißig exerziert, geübt und mit der SA Krieg gespielt. Die Entlohnung dieser russischen Truppe hat die„Liga" übernommen. Jeder Mann, vorerst sind es allerdings erst 800, erhält täglich 30 Pfennige, Was die Offiziere bekommen, ist nicht bekannt. Die Uniformen werden von der SA- bereitgestellt. Die leitenden Männer der„Liga" passen glänzend zusammen. Da ist vor allem der militärische Führer Nelidoff. Nach dem Besuch der Jesuitenschule in Brüssel und der Junkerschule in Petersburg war er Gardeoffizier geworden, wurde der russischen Botschaft in Paris zugeteilt und arbeitete später in der türkischen Abteilung des russischen Generalstabs. Nach der Revolution schloß er sich Koltschak an, wurde dann Spitzel in der Roten Armee, flüchtete nach Europa und nahm in der Armee Wrangeis wieder Dienst. Als man später um die Hegemonie in Kleinasien stritt, war Nelidoff in Konstantinopel und arbeitete für den englischen, aber auch für den französischen und italienischen Geheimdienst. Als er wegen eines geplanten Attentats auf.Mustafa Kemal verhaftet wurde, gelang ihm eine abenteuerliche Flucht aus dem Gefängnis kurz vor seiner Verurteilung zum Tode. In England soll er für den Secret Service tätig gewesen sein, in Kabul dem Oberst Lawrence beim Kurdenaufstand geholfen haben. Jedenfalls tauchte er in Paris unter den dortigen Weißrussen auf und war bald darauf an der Tscherwonzenfälscher-Affäre der Ka- runidze und Genossen„interessiert". In Berlin fand er Aufnahme in den russischen Emigrantenkreisen und bei dem Baron Osten-Sacken und wurde von deutschen Behörden von Fall zu Fall zu Spionagediensten benätzt Schließlich ließ er sich in Falschmünzergeschäfte ein und endete im Gefängnis. Nun wurde er entlassen und wieder in„Amt und Würden" eingesetzt. Auch der Freund und Geschäftspartner von Röhms ehemaligen Vertrauensmann Bell, den Georgier Karunidze, bekannt aus der Tscherwonzenfälscher-Affäre, hat man sich geholt. Sicher hat man ihm die Befreiung seines Heimatlandes, für die er vor ein paar Jahren mit Sir Deterdings Millionen und General Wrangeis Landsknechten kämpfen wollte, versprochen. Den allrussischen Militärverband in Deutschland mit seinem Führer, Oberst Lampe, der wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat man der„Liga" angeschlossen und ihm die Aufgabe zugeteilt für Mannschaften zu sorgen. Er richtete in Berlin in den Zelten 7 ein Meldebüro ein und soll demnächst Emmissäre ins europäische Ausland schicken um Leute anzuwerben. Die freundlichen Beziehungen, die die deutsche Regierung zu Japan unterhält, werden leicht eine Verbindung der in Deutschland gesammelten weißrussischen Truppen mit jenen, die unter dem Protektorat Japans in Mandschukuo stehen, herstellen lassen. So wird das, was man jetzt in Deutschland mit den Russen treibt und was heute vielleicht noch ein Lächeln hervorrufen wird, zu einer Gefahr, die beachtet werden muß. Hitlers Schweizer SA, Die Schweiz als„uneriöstes Gebiet". In Berlin hat unter sanfter Nachhilfe der braunen Regierungsstellen die Gründung einer „schweizerischen S A." stattgefunden. „Führer" dieser Truppe ist ein aus Zürich geflüchteter Jüngling namens Many, der vor 46 Personen, darunter 7 Frauen, die Schweizer Auslands-SA. aus der Taufe hob. 19 Mann traten der neugegründeten SA. bei. Die Redner des Abends ergingen sich in den wüstesten Beschimpfungen der Schweiz und erklärten, man werde„den S c h w e 1- zer Saustall von Berlin aus ausräumen!" Die Schweizer Hitler-Filiale in Berlin arbeitet unter dem Namen„Bund nationalsozialistischer Eidgenossen" und wül die 40.000 in Deutschland lebenden Schweizer durch Terror in die neue Organisation zwingen. Die Leiterin einer im Entstehen begriffenen Frauengruppe des Gaues Berlin-Brandenburg erklärte sich bereit, für eine so rasche Anfertigung der Uniformen des schweizerischen Sturm-Bannes zu sorgen, daß dieser an den Feiern für den ersten Jahrestag der Hitlerregierung am 30. und 31. Januar vollständig ausgerüstet sei. Ueber die nächsten Ziele teilt der Gauleiter MorgantI mit, daß die Schweizerkolonien in Ostpreußen, Danzig, den Hansa- Städten, Schleswi g-Ho 1 s t e i n, Mecklenburg, Oldenburg und Hannover von Berlin aus bearbeitet würden. In Hamburg und einigen anderen Gebieten seien die Vorbereitungen bereits getroffen. In der Schweiz hat die Gründung der „Schweizer Legion" nach dem Muster der österreichischen Legion größte Erregung ausgelöst Man spricht von offenem Landesverrat und findet es unbegreiflich, daß die Hitler- Regierung eine derartige Provokation auf ihrem Boden duldet Während Hitler alle Expansionsabsichten ableugnet, organisiert seine Propaganda systematisch eine deutsche Irredenta rund um Deutschland. Nächstens wird auch die Schweiz als„uneriöstes Gebiet" gelten! Mit der schweizerischen SA. fängt es an— wann folgen die Papicrböller nach? Spanien bleibt frei! Eine faschistische Diktatur unmöglich. Im„Populalre" veröffentlicht der Abgeordnete von Madrid und frühere spanische Botschafter in Berun, Luis Araquistian, einen Aufsatz, in dem er sehr energisch den Be- türchhingen entgegentritt daß Spanien eines Tages den Weg Italiens und Deutschlands gehen könnte.„Gegen eine solche Diktatur" schreibt er,„würden sich in Spanien selbst die Steine erheben. Die ganze Arbeiterklasse würde Gegen den Fascbismus! Belgische Liga zur Verteidigung der Demokratie und der Freiheit Eine große Anzahl von linksgerichteten Politikern und Männern des geistigen Lebens Belgiens Ist mit einem Aufruf hervorgetreten, der zur Gründung einer Liga zur Verteidigung der Demokratie umf der Freiheit auffordert. In dem Aufruf wird die Wahrung einer gelstig-lreihettlächen Kultur ah die traditionelle Mission Belgiens seit dem Mittelalter bezeichnet. Die neue Gesellschaft soll sich folgende Aufgaben setzen: 1. Die Diktatur In a4Ien ihren Formen durch eine systematische Aktion zu bekämpfen. 2. Die Vorzüge der Demokratie nachzuweisen. 3. Die demokratischen Institutionen zu studieren in der Absicht, sie zu verbessern. 4. Die Presse über die Schandtaten der autoritären Regierungen und die geheim«0 Kräfte der Diktaturbewegungen zu unterrichten. 5. Die eigene Tätigkeit mit Jener gleichgerichteter Organisationen in Belgien und In def Welt zu vereinigen. 6. Den Opfern der Diktaturregierungen 20 Hilfe zu kommen. 7. Die Jugend für die Idee der Freiheit 211 begeistern. Zu den Unterzeichnern geMren Hendrik d« Man, Camille Huysmans. Emile Vandervelde» Arthur Wauters u. a. bekannte belgische Genossen. Eine Ehrung: Professor Dr. Marti" Rade, der langjährige Herausgeber der „Christlichen Welt", der mit 76 Jahren a'* Professor der Theologie im Ruhestand lebt, is» auf Grund des Berufsbeamtengesetzes a u s dem Staatsdienst entlassen worden- Diese Maßregelung ist eine Ehrung für den aufrechten Mann, dessen unerbittlicher Sinn ffif Recht und Freiheit den heutigen Gewalthabe«'B ein Dorn im Auge war. Nr. 33 BEILAGE UmHormörfs 28. Januar 1934 ük Sfuhä des DtiUek lUitks ,J)ie führenden Schufte des Ver rats vom 9. November 1918 sind von heute an als vogelfrei erklärt. Jeder Deutsche, welcher Eberl, Scheidemann, Oskar Cohn, Paul Levi, Theodor VVolff, Georg Bernhard und ihre Helfer und Helfershelfer ausfindig machen kann, hat die Pflicht, sie tot oder lebendig in die Hand der völkischen nationalen Regierung m liefern." Proklamation Hitlers am 9 November 192A Immer wieder berichtet die ausländische Presse über außergewöhnlich große Geldmittel, die von der Regierung des hungernd«! deutschen Volkes für die Propanganda und die Spionage im Ausland zur Verfügung gestellt werden. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die deutschen Konsulate und Gesandtsohaften, sie sind heute zum überwiegenden Teile Propaganda- und Spitzelbüros. AEe Hauptplätze der Welt sind voll von bezahlten und nichtbezahlten Hltleragenfen. So sind allein beim Deutschen Generalkonsulat in Neuyork 30 Spitzel stationiert In New York hat sich die Täfigkeit der Zentrale gleich mit einem richtigen Klamauk eingeführt Ihr Häuptling Spanknöpel insultierte den Verleger R i d d e r der„Staalszd- tung" und dessen Büro und drohte ihm mit Repressalien. Ridder hat sich bis dahin selbst kräitig als Hitleragent betätigt. Als aber die Nazis in New York eine Zeltung nach der anderen gründeten, wurde Ihm das zuviel und kurzerhand warf er Spanknöpel aus dem Haus. Dieser war Inzwischen auch der PoH- 2ei verdächtig geworden, er konnte sich der Verhaftung nur durch die Flucht entziehen. Jetzt hat er sein Tätigkeitsgebiet nach Kall- 1 0 r n 1 e n vertegt In London hat die umfangreiche Tätigkeit einer Nazi zentrale die Polizei in Bewegung gesetzt und In ganz kurzer Zeit verfiel die Zentrale der Auflösung. Fäden zu den reichen Kassen der Propagandaabteilung des Reichs- •ußcnmlnlsterlums In Berlin verweisen auf die Oueilen der Geldmittel dieses Betriebes. In Zusammenhang wird wieder einmal der Name des Dr. Haofstängel genannt der schon längst den Verkehr der Beritner Zen- teale mit den ausländischen Propagandastellen *9 besorgen hatte. ki Zürich Ist ebenfalls eine Nazizentrale susgehobon worden. Dfe„Berner Tagwacht" '»stte berichtet daB Welt über eine Million Reichsmark von Deutschland aus an die Schweizer Zentrale Ergeben worden sei. Dagegen hat der Schatr- "irlster der NSDAP, ein Dementi erlassen. dieses wendet sich aber nicht dagegen, daß erhebliche Summen über die Grenze gegangen seien, es sagt nur, daß aus der Partci- kasse„kein Pfennig für die Nazipropaganda "�gegeben worden" sei. Woraus zu schließen � daß andere Instanzen, wenn nicht gar das Ptopagandamlmsterlum des Herrn Göbbeb 0c'er das Reichsaußenmlnisterlum die Geldgeber waren. Dahin weist auch ein Geständnis Führers der schwedischen Nazis Waltze Welling, für seine Bewegung aus Deutschend während der letzten Monate rund 500.000 Mark erhalten zu haben. In Paris soll man sehr gut über die Höhe "nd den Verwendungszweck oder aus Deutsch- Der geistigen Vorbereitung zur Führung des Kampfes gegen den Faschismus zu dienen— das ist die Aufgabe derMZeif- 5chriff für Sozialismus". Das �nuarheft enthält eine Auseinander- 8e&ungmitTrobky:„Trobkismus und Sozialdemokratie" von Schifrin, 'ebt sich mit dem deutschen Faschismus 'n zwei Artikeln:„Die Gewerkschaf- ,cb im faschistischen Deutsches n d" von Leopold Franz und von Karl �xner über die„Oekonomie des aschismus" auseinander und schließt �i, einem Diskussionsbcltrag von Emst Puders über„Die Organisafion der rreihcit", sowie Glossen und einer Sücherschau ab. "'c Zeitschrift für Sozialismus" geheim bei derVeriagsansfalf„Graphia" KaH5bad, Kanrstraße, und Ist direkt 0der durch jede Buchhandlung zu be- zlehen. land fließenden Nazigelder unterrichtet sein. Daß die Arbeit der Hitlerleute In Oesterreich große Summen erfordert, die nicht in Oester- reich selbst aufgebracht werden, steht wohl außer Zweifel. In den letzten Tagen ist übrigens unwidersprochen gemeldet worden, daß die Hitlerregierung In den einzelnen Staaten neben den offiziellen Gesandtschaften und Konsulaten besondere Emissäre unterhält, die Propaganda für das Dritte Reich zu machen haben, und denen alle diejenigen Arbeiten zugewiesefi werden, die für die diplomatische Vertretung zu brenzlich sind. In Antwerpen z. B. sing der Spitzel Max Siedhoff hoch. Die Polizei stellte fest, daß er in bar 1200 Reichsmark in Fünfzig- Markscheinen und ein Bankbuch der Rotterdamer Bank mit Ueberweisung des deutschen Konsuls in Rotterdam in der Höhe von 4000 Mark bei sich hatte. Sein deutscher Paß war mit Visen für Frankreich und Belgien versehen.— In Saarbrücken arbeitete der holländische Staatsangehörige J o- sef Snyders als Spitzel,— das Dritte Reich geniert sich, wie dieser Fall zeigt, gar nicht, jüdische Bürger anderer Staaten als Spitzel zu verwenden. Snyders gabt an, zum Druck einer antifaschistischen Broschüre 14.000 frz. Francs zur Vertagung stellen zu können. In Gegenwart des Vorsitzenden der SSP. ließ er sich von dem verantwortlichen Leiter S c h a u b der Saarländischen Beamtenbank bestätigen, daß er weitere 45.0000 frz. Francs zu erwarten habe. Nach der Verhaftung Snyders durch die Saarbrflckener Polizei wollte Schaub begreiflicherweise nichts mehr davon wksen. Hitler und seine Freunde sind auch sonst sehr um das Wohl ihrer Judasse besorgt. Behördliche Ausweise und solche der Partei sollen ihnen alle Schwierigkeiten aus der Welt schaffen. Um sich und der ganzen Weif als Retter vor dem drohenden Bolschewismus aufspielen zu können, geben die Organe Hitlers sogar den Auftrag, kommunistisches Schriftenmaterial aus dem Ausland zu Beschaffen. Aufgabe der Spitzel Ist es, mißliebige poVMsche PersönHchkcfi- ten mit allen Mitteln und unter allen Umständen unschädlich zu machen, beginnend mit der Ausspionierung der Wohnungen und Lebensgewohnheiten bis zur Aussetzung von Kopfprämien und der direkten „Umlegung". Es wird ganz nach der Putschproklamation Hitlers von 1923 verfahren, die wir an die Spitze unserer Darstellung gestzt| haben. Die Widersacher Hitfers sind vogelirei, wie der Mord an Professor Lessing, das mißglückte HöUenmaschlnen- Attentat auf Max Braun, Saarbrücken, die verschiedenen Anschläge auf österreichische Staatsmänner und andere serer Kenntnis nach erfreulicherweise mit recht geringem Erfolg. Gefälschte Briefbogen undUm- scbiäge, ja sogar gefälschte Polizeiaus w e I s e werden für die Spitzelarbeit verwendet In der Prager Wohnung eines angeblichen Flüchtlings, der sich als Sekretär und Adjutant des Führers einer Flüchtlingsgruppe ausgab, wiesen sich drei Männer, die im Auto vorfuhren, mit gefälschten Ausweisen als Kriminalbeamte aus, nahmen eine gründliche Haussuchung vor und umfangreiches Schriftenmaterial mit sich. Inzwischen aber— Wochen nach diesem Vorfall— ist dieser angebliche Emigrant selbst als Spitzel entlarvt und in das Prager Strafgericht eingeliefert worden. Wie in zahlreichen anderen Fällen lag auch in diesem die Aufgabe darin, Flüchtlinge zu Provokationen zu verleiten und damit ihre Ausweisung aus der Tschechoslowa- k e i zu erwirken.— Um sich bei den Polizeibehörden des Auslands Ins Vertrauen zu setzen, verraten sie sogar Angehörige ihrer eigenen Couleur, wie wir das in einem ganz besonderen Falle nachzuweisen in der Lage wären. Vielfach betätigen sich diese neuzeitigen Mensdienjäger auch auf dem Gebiete der Militärspionage, wie der Fall des Heinrich Müller beweist, der von der Strafkammer in Metz zu zwei Jahren Ge- MngnJs, 1000 Franks Geldstrafe und zehn Jahren Landesverweisung verurteilt wurde. In der letzten Zeit tauchen mehrfach angebliche„ehemalige SA-Leute" und„frühere Nationalsozialisten" auf, die wegen irgendwelchen„Verfehlungen und Verfeindungen mit vorgesetzten Stellen" aus Deutschland geflohen sein wollen. Wieder andere„Flüchtlinge" reisen mit gefälschten Ausweisen führender Sozialdemokraten, sie geben sich als deren ehemalige Sekretäre aus, wenngleich solche niemals von ihnen beschäftigt wurden. Geld- nnd Zigarettenspenden an die Flüchtlinge, ein zur Schau getragener R a- dikalismus. Schimpfen auf die bankrotte Führung der SPD." sind als Mittel, sich in das Vertrauen argloser Rücht- iinge einzuschleichen, gleichfalls beliebt. Auch als Kuriere für Deutschland bieten sich die Spitze! an. So hoffen sie, als autorisierte Empfänger gleich an der Quelle in den Besitz wichtiger Mitteilungen und anderen Materials zu gelangen. DaB sie sich auch Mittelsmänner bedienen und aus leicht durchsichtigen Gründen selbst junge Mädchen In ihren Dienst stellen, gehört wohl zur feststehenden Praxis jeder Spitzelarbeit. In der Regel verraten sich die Nazispitzel durch eine grenzenlose Neugierde. Aber zuvor fehlt es ihnen leider oft nicht an Erfolgen- Manche der Flüchtlinge können sich nur schwer auf die völlig veränderte Situation und die ganz anders gearteten Aufgaben, die die Partei jetzt zu erfüllen hat, umstellen. Sie sind von einer Vertrauensseligkeit und Mitteilsamkeit erfüllt, die nicht nur sie selbst, sondern die Gesamtemigration und ihre in Deutschland lebenden Angehörigen, darüber hinaus aber die überaus wichtige Arbeit vom Ausland in das Innere Deutschlands auf das höchste gefährdet. Deshalb: größte Vorsicht im Vorkehr mit Leuten, die aus Deutschland kommen und sich als Parteigenossen oder Flüchtlinge ausgeben, ohne sich genügend und einwandfrei legitimieren rn können. In unserem vor dem Zugriff der Spitzel sichergestellten Material befinden sich bereits 150 Fälle mit Namea Wir werden dafür sorgen, daß diese Ehrenmänner dauernd unter Beobachtung gestellt sind und ihnen Ihr Handwerk gelegt wird. Wir bitten dringend, alle weiteren Wahrnehmungen und Feststellungen darüber, möglichst gut belegt, an die Sopadc, Prag-Karlin, Palackdho tfida 24, einzusenden. Diese wird die Flüchtlingsstellen und anderen Interessierenden Organisationen das anfallende Material laufend zustellen. iwistkeu Bild ütd IkÜHda Hochstapler der Feder— Vom Sdiladitfeld der Fälscher— Jahrmarkt der Fälschungen In Hitlerdeutschland ist ein Streit entbrannt um Jene„Friesenhandschrif t", die der teutonische Professor W i r t h in den Handel gebracht hat Historiker von Rang erklären diese angeblich aus germanischer Vorzeit stammende Chronik als Fälschung aus der Zeit der Romantik, während der Rasseprofessor in seiner Verteidigung etwas unsicher von den rassischen Belangen des Dritten Reiches redet Ein erwachendes Volk kehre„zu Erbmasse, Heimat und Ahnenerbe zurück" und lasse sich„durch keine Autoritätserklärung ex cathedra einer akademischen Zunft mehr .v,wu.,wuc uu"•""7.: abfertigen", erklärt der Runengermane und Terrorakte bestätig«,. Vielfach versuchen die; � � � � los in die Urnebel der Nazisprache. So ähnlich ging es bei allen literarisch- politischen Fälschungen zu. Es ist ein Spiel, das sich bei allen Völkern in Zeiten politischer Erregung und Verwirrung wiederholt und ist so alt wie die Kulturgeschichte der Menschheit Von den gefälschten Briefen des Euripi- des bis zur„Friesenhandschrift" führen jene dunklen Pfade, auf welchen sich Verrückte. Spitzet politische Flüchtlinge und Ihnen verdächtige Angehörige solcher Staaten, die den Flüchtlingen Gastrecht gewähren, an die Grenze zu locken und sie von dort aus der HitterpoHzel auszuhefem. Besondere Entführungsantos sind dazu diesseits und jenseits der Grenze stationiert Einbrüche bei Flüchtlingen und ihren Büros gehören mit zu den Aufgaben der Spitzel- Uebcr den Einbruch in der Flflcht- lingsstelle in Strasburg hat die Presse bereits berichtet Der Spitzel B e s c h n 1 1 t-Riga hat zu Protokoll gegeben, daß er durch den Kanzler E p h a n vom Deutschen Konsul in Riga den Auftrag erhalten habe, dfe Geheimakten der Emigranten zu stehlen und zu diesem Zwecke im Rigaer Volkshaus Tische und Schränke zu erbrechen. Dabei hatte es Beschnitt durch seinen besonderen Radikalismus und seine Aggresivität gegen die Prager Leitung der SPD. verstanden, sich das Vertrauen der Flüchtlinge soweit zu erschleichen, daß sie ihn sogar zum Sekretär des dortigen Matteotti- komiteet bestimmten.— Dem in Komotau verhafteten Spitzel Josef Göpfert wurde eine Liste mit den Adressen von 60 Emigranten abgenommen. Vielfach versuchten deutsche Behörden, direkt von ausländischen Polizeibehörden die Adressen von Flüchtlingen durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einzuholen, ungeschrieben werden sie dem gelehrten Erz- bischof von Sevilla, Isidor, der 636 starb. Bestimmt sind sie das Erzeugnis mehrerer Geistlicher. Zweck: Emporsteigen des Episkopats, Förderung der kirchlichen Interessen, Erweiterung der päpstlichen Macht, Stärkung der Unfehlbarkeitslehre. Der kalvinistische Geistliche David Blonde! bereitete ihnen 1628 eine endgültige Entlarvung. Das Bnch des Königs. Eine der raffiniertesten royallstlschen Fälschungen war die„Eikon Basillke", die, von dem englischen Monarchisten John Gauden verfaßt, als Karls I. literarischer Nachlaß bald nach der Enthauptung des Königs in Umlauf gesetzt wurde. Dieses„Buch des Königs" hat nach Karls Tod wegen seines menschlich sympathischen und frommen Inhaltes viel dazu beigetragen, die Reaktion zu stärken, den König nachträglich beliebt zu machen und die einige Jahre später erfolgende monarchistische Restauration vorzubereiten. Engliche Edle und Kirchenfürsten wußten um den frommen Narren. Streber. Fälscher und gerissene Spe i und der Herauskulanten in die Chroniken der Geschichte eingeschlichen haben. Wir wollen hier einige jener typischen Fälle herausgreifen. In denen literarischer Dokuraentenschwindei besonders starke soziale Wirkungen zeitigte ond ganze-Nationen bewegte. Die falschen Dekretalen. Außerordentlich zaihlreich und unübersichtlich bleiben die Fälschungen innerhalb der Kirchen. Die Bibel ist eine Sammlung ungeniertester„Uebersctrungen". Noch heute ist es nicht möglich, in den Frühwerken der christlichen Kirche Ordnung zu schaffen, das Gefälschte vom Echten zu sondern. Am bekanntesten wurden die„falschen Dekretalen". Sie enthalten Beschlüsse von Konzilien, Briefe und Aufzeichnungen von Päpsten, kirchliche Dokumente in großer Zahl und beeinflussen das Weltgeschehen seit dem frühesten Mittelalter. Von Ihrem Erscheinen an— um die Mitte des 9. Jahrhunderts bis ins 15. Jahrhundert hatten sie unbedingte Autorität. Zu- eber selber von dem Schwindel abrückte. Aber die politische Wirkung blieb. Der Fonnosaner Palmanazar. Um 1700 lebte in England ein Mann, der sich Georg Palmanazar nannte und vorgab. ein Eingeborener der Insel Formosa zu sein: von den schrecklichen Bräuchen des Heidentums habe er sich zu Christus bekehrt. Durch solche Erzählungen erwarb er sich hochmögende Freunde: Bischöfe und Gelehrte glaubten ihm alles aufs Wort Palmanazar, der In Wirklichkeit ein Mitteleuropäer dunkler Herkunft war, erzählte und schrieb Wunderdinge über die Insel Formosa, die er nie gesehen. Er ließ von Heiden in neun Tagen 1800 Knäblcin der Gottheit opfern(die Formosaner opferten in Wahrheit nur Reis und Früchte), ließ die Leute dort über 100 Jahre alt werden, ließ sie Schlangen fressen und Elefanten, Rhinozerosse, Kamele, Rußpferde zu nützlichen Haustieren zähmen. Der ganze Blödsinn wurde(von ihm selbst Illustriert) gedruckt und mit Begeisterung gelesen— auch von Gelehrten. Seine demagogische Best- leistung war»ine(ormosanliche Uebersetrung des eiiglisoben Katechismus. Nicht nur Bischöfe und Geistliche huldigten diesem Schmarrn, sondern einige Sprachforscher erkürten seine farmonasiche Sprache begeistert für eine wirkliche Sprache, wei) sie so regelmäßig und grammatikalisch und„so verschie. den von allem sei, was sie von Worten und Mundarten kannten.." Diese phantastischen Geschichten fanden deshalb besonderen Widerhalt, weil sie den damals in England unbeliebten Jesuitenorden gewaltig bekleckerten, indem sie den Jesuiten die prekäre Lage der Christen in Japan aufs Konto schrieben. Den formosani- sclien Misstanaren, die die Insel wirklich kannten und die dem Hochstanler grobe Irrtümer nachwiesen(so sprach er formosa den Japanern su. während es In Wahrheit?u China gehörte), glaubte man nicht. Jahraehnte- lang blieb der Schwindel in Kraft, bis sieh dar „alte Fornwsaner"»chiieölich zu einem zar- knirsohten Widerruf geewitngen»ab. DI« Ossfan-Fälachungen. Ander», mehr litarariache Fernwirkungen hatte die Fälschung altirischer BaJiadan durch den englischen Schriftsteiler Macpharao n. der alte Epen umdlclitete, als Ucbersetgungan aus dem Gälischen herausbrachte und sie einem Ossian. Heid des südirischan Sagenkreises.»uachrieb. Diese Verballhornung vorzeitlicher Sagen triefte von patriotisch-sentimentaler Uebersteigerung. Da sie den Neigungen eine» Zeitalter» der Empfindsamkeit entsprachen, beeinflußten sie den Stil und die Motive der deutschen Dichtung von Kiopstock bis zur Romantik beträchtlich. Bald nach Veröffentlichung der Gedichte entstand zwischen Schotten und Engländern ein Streit über die Echtheit, ein Streit, der auch pn politischen Verschärfungen führte. Ein Fürst der Fälscher. Der francösisebe Schreiber V r a i n- Oa ai»-Lucas, der eine geringe Schulbildung besah, sich aber später einige« Wissen aneignete, fabrizierte Mitte de« neunzehnten Jahrhunderts unechte Briefe großer Leute zu Tausenden und stellte mit dieser Massen- leistung einen Rekord auf. Er führte M. Michael Cbasle damit an. einen Mathematiker und Astronomen von Weltruf. In der Zeil von 1861 bis 1870 drehte er Ihm nicht weniger als 27.320 gefälschte Briefe auf. Der Betrogene »ahlte etwa 140.000 Franc« dafür. Dieser literarische GroObetrflger Lucas war dn ausgezeichneter Patriot und log fürs Vaterland, was er konnte. Er entwand nicht nur Newton den Ruhm der Entdeckung dea Cravitatlon»- gesetzes und schob Ihn Pascal zu, sondern er fertigte serienweise alte Dokumente an, die Galliens Ruhm erhöhten. So fabrizierte er Briefe Maria Magdalenas an den König der Burgunder, Alexander des Großen an Arlelo- teles— alles mit gepfeffertem Lob Galliens «nd seiner Bewohner. Ein gallischer Doktor schrieb sogar einen Brief an Jesus Christus, m dem die Gallier glänzend abschnitten. Als Lucas wegen dieser cfnlrlglichen Betrügereien verhaftet wurde, berief er«Jcb nachdrücklich auf«eine patriotisch« Gesinnung. Die Königinhofer Handschrift Nahezu ein halbes Jahrhundert ging der Streit um eine tschechische Sammlung lyrisch-epischer Natiunalgesänge, die von dem mäßigen Dichter Wepzel Hanka 1818 ip die Welt gesandt wurden. Diese handschriftlichen U e b e r 1 iei e r u n g e n alttschechischer Geschichte und Dichtung wollte Hanka auf Pergamentblättern im Turmgewölbe der Königinhofer Kirche unter hussiti- schen Pfeilen gefunden haben. Macpherson« irischer Ossianschwindel war noch nicht entlarvt und die deutsche Romantik traf mit ihrer Verherrlichung jeglichen mittelalterlichen Plunders bei den kleinen Völkern ringsum auf verwandte Stimmungen. Hankas Pergament- panier war zweifellos echt, nur die Hand- sehrjften waren es nicht: sie bestanden an« Heldenepen, die Hanka aus ukrainischen, russischen und eigenen Dichtungen zusammengebraut hatte und deren Stoff sieh über ffint Jahrhunderte erstreckte. Schlachten und Kämpfe wurden darin geschildert, die nie stattgefunden hatten, aber von slawischen Heidentaten pur so strotzten. Deutsche wie slawische Historiker bemühten«ich eifrig um die Zeitbestimmung dieser heroischen Vorgänge. Bald schössen ähnliche Funde aus böhmischem Boden— und alle in Hankas Umgebung. Deutsche Dichter wie Herder, Goethe. Grimm, Stifter fielen auf die Königinhofer Handschrift begeistert herein. Leise Zweifel regten sich zwar schon um 1830, aber erst Ende der Fünfziger Jahre begann der Kampf gegen die„handschriftlichen Lügen". Gustav Freytag zeichnete den Autor Hanka in der „Verlorenen Handschrift" ironisch«Js Magister Knips. Tschechische Historiker waren es schließlich, die den Betrug nachwiesen, an Ihrer Spitze ein unbeirrbarer Vorkämpfer der Wahrheit: Masaryk. Aber so schön war der nationale Traum, daß noch 1911 der anerkannte Präger Archäologe Pi{ das „älteste Denkmal der böhmischen Sprache" zu retten suchte, mit Einzelhlättcrn nach Paris und Mailend reiste und an die dortigen Forscher appellierte. Die tschechische Gelehrtenweit iedoch ging über die mageren Ergebnisse der Reise zur Tagesordnung über, worauf sich der enttäuschte, verbitterte Gelehrte das Leben nahm, Hanka erlebte den Zusammenbruch seines Werkes nicht mehr; er wurde 1861 prunkvoll zu Grabe getragen. Ob Ihn Geltungssucht, national-romantischer Ueberschwang oder Gewinnstreben zu seinem Tun antrieb— wer vermag das zu sagen? Die Welsen von Zion. Die niederträchtigsten aller literarisch-politischen Lögereien verdankt die Weh zweifellos dem versoffenen russischen Mönch und Polizeispitzel N i 1 u s, der im Auftrag der zaristischen Ochrana 1907 die angeblichen Protokolle„der Weisen von Zion" zusammenbraute, ein Machwerk, dessen Entstehungsgeschichte in diesen Blättern schon ausführlich dargestellt wurde. Hitler hält trotz aller Entlarvungen noch heute an dem Schwindel fest und zitiert die.Jüdischen Protokolle", die nig existiert habe«, sonder Schsm und Scheu m»«inen Memoiren. • Penn die Lüge gehört nun mal zu d«n Säulen des Dritten Reiches, und wenn Zeiten großer nolitiecher Erregung ohnehin fruchtbar für literarische Fälscher sind, fo harrt ihrer im Nazirelch eine Hochkonjunktur ohnegleichen- Darum werden die braunen Rassespekulanten die friesische Urlmdn trots wissenschaftlicher Gegenbeweise nicht preisgeben, und weitere germanische Ausgrabungen dürften baldigst feigen. Allein die dilettantische Unverfrorenheit, mit der die Pg. fyßtH sßfdßHscfttih St Von KaH Max. Es gibt nicht mir den Hitler, der es augenblicklich für bauernsehlau hält, die Friedens- paäme zu schwenken und vor Europa ein„pazifistisches Gewinsel" anzustimmen, es gibt auch noch den Röhm, SA.-Fübrer und Reichsn?h>lster, der aus setner vierschrötigen Feldwebelnatur nicht heraus Hann und aus seinem Landsknechtherzen keine Mördergrube macht Darum redete er dieser Tage vor den Kyffhäitserbündlern ip Gegenwart H i n d e n- b u r g s, und zwar redete er genau so. wie sie samt und sonders denken. Nur deshalb ist sein gelst- und kenntnisloser Schwatz überhaupt erwähnenswert denn sonst glänzte dieser tiefgründige Geschichtsforscher mit der Entdeckung, daß schob in dem prähistorischen Pfahlbautenbewohner der Wunsch nach der deutschen Einheit gelebt habe, die Hitler 1933 mit der Holzaxt zureohtgehackt hat; der Neandertalmensoh war gewissermaßen der erste Hakenkrouzler. Heil Hitler I Ins Schwarze dagegen trifft dw Ausspruch des Baudenführers. daß„dar NatlonaUoifalfs- mus die Dinge stets vom soldatischen Standpunkt aus" betrachte. Stimmt! Und da der Röhm maßlos stolz daraut Ist, erscheint er ah ein feiner Kopf, ein politischer Kopf. Nur blutscheue Pazifisten können glauben. Deutschland und Europa und die ganze Welt litten noch heute darunter, daß In den vier Jahren 1914 bis 1918 die Dinge ausschfießlich„vom solda- tischen Standpunkt aus" angesehen wurden. und daß nur di< endgültige und schleunige Ueberführung der Menschheit in den wahren Friedenszwstand die gesamte überlieferte Kultur vom Untergang zu bewahren vermöge. Die Röhm» wissen es besser: einzig in der Verewigung der miktäiischea Betrachtungsweise steckt das Heill Soldaten kennt zwar, außer einer Handvoö Berufsmilitärs, die moderne Welt kaum noch; selbst der Weltkrieg wurde von vcrkJeWeten Zivilisten geführt. Dafür bc- heufe Rassengeachichte fälschen, dBrHe kons- menden Soziologen ein neuer Beweis dafür sein, welch tolle, pseudowissenschaftliche Blödsinns-Exzesse sich eine kranke Welt bieten läßt Jedenfalls zeigt d(e Chronik der IjteraH- seben Fälschungen, daß der Lauf der Gh» schichte von Lügen mindestens so stark beeinflußt wird, wie von der Wahrheit; das haben nicht erst Faschismus, Nationalsozialismus und braune Bonzerie bewiesen. Denn Schwindet und Bluff kommen der menschliehen Wundersuebt entgegen, während die Wahrheit aieh an die unbequem» Welt der Tatsachen hält. Aber wie die Dokumente der Lüge immer die großen Erkrankungen anzeigten. so leiteten die Siege der Wahrheit immer die Genesung von Verwirrung und Irrwahn ein. Bruno Brandy. aus... steht iedes große europäische Volk des zwanzigsten Jahrhunderts aus Bürgern, aus Bauern. aus Arbeltern, die für den täglichen Produktionsprozeß der Wirtschaft, für das ganze ge- seUichaftüche Leben unentbehrlich sind. Aber nur Öde Zivilistenloglk darf deshalb annehmen, das Natürliche sei, daß der Bürger die Dinge vom Standpunkt des Bürgers, der Bauer vom Standpunkt des Bauern, der Arbeiter vom Standpunkt des Arbeiters, mit einem Wort, der Zivilist vom Standpunkt des Zivilisten aus an* sehe, Wir Edelmensdien vom Hakenkreuz denken anders, soweit wir überhaupt denkep. Ein FünfundseohzigmWioncnvolk, ein Industrievolk, ein Weltwirtschaftsvolk hat seine ureigensten Angflegenheiten soldatisch zu betrachten, Hände an der Hosennaht und Hacken zusammen! Und es Steckt Metbode In dorn Wahnsinn. Was Ist Deutschland nach dem Nazi-Sieg andere» als eine einzige preußisch» Kaserne? Die Deutschen zerfallen in zw»! Kategorie«. die einen,(he die anderen ins Gesäß treten, und die anderen, die von den»Inen ins Gesäß getreten werden, in Vorgesetzte und Unterge« bene, unumschränkt gebietet der schnauzend« Unteroffizier in SA�Unlform. Jede frei» Regung des Geistes, leder Hauch von Widerspruch. selbst jede Frage nach dem Warum eine« Befehls ist so unmöglich wie in der Kaserne, wie In dem absolutistischen Maulhalte- Staat Friedrich Wilhelms 1., der als eigentlicher Stammvater des Nationalsozialismus gelten darf; niemals wurden stumpfsinnige nissische Muschiks so behandelt und mißhandelt wie heute das deutsche Volk, das auf seine ü Prozent Analphabeten, seine Bildung, seine Aufklärung so stolz war. Auch In der auswärtigen Politik, soweit man das ebenso hilflose wie wütende Herumtrampeln des Ochsen Im Porzellanladen cht dem hochtrabenden Wort Politik bezeichnen kann, sieht der Hltlerlsmus— fawoM. Imme* Es war nichts los! Durch die späte Abendstunde geiles die Signale der Feuerwehr. Ein Löschzug rast ber- m. Wioktr und Lichter glühen rot Vier Fahr- seuge lagen heran, biegen du, halten an der lotsten Straßenecke. Radfahrer schwärmen bio- terdreln. Die einsame Straße wird lebendig. Füße trappeln Im Laufschritt Schub» an. Mantel an, Hut auf— hin! Kipling hat schon recht:„Elmnal ein Journalist immer ein Jouraallstl" Als wir vor dem Hause ankommen, rückt die Feuerwehr schon wieder ah. Ein Mannschaftswagen steht noch da. Das Haus sieht aus wie Immer. Leute schauen aus den Fenstern. Da« Treppenhaus ist erleuchtet; Hausbewohner stehen drinnen beisammen. In einem Koblenkeller bat es ein wenig gebrannt; es ist schon vorbei. Die Feuerwehrleute kommen heraus, klopfen sich die geschwärzten Hände ab, sitzen auf. Der Wagen fährt ab; rot glühen die Lichter— um die Ecke— aus. Die Neugierigen gehen davon, sprechend. lachend und dehtfleh enttäuscht: es war aiohts los. Es gab kein prasselndes Feuer, keine Plam- mengtet in der Nacht keine bänderlnganden Leute, keinen in den Straßenschmutz geschleppten Hausrat Es war nichts los— e« gab kein Schauspiel 1 Denn das Unglück der aederen Ist Immer dn Schauspiel! Ein Bild In einer Zeitschrift aas den Berliner Revolutionstagen nach dem Kriege bleibt unvergeßlich: Ein Mann wird standrechtlich erschossen— er steht an der Wand, furchtbar allein in einem leeren Raum. Gewehre sind auf ihn gerichtet Zuschauer stehen im Kreis um den Scbreckensort— sie müssen dabei sein und sehen, wie ein Mann erschossen wird! Und ein Reporter hat die Szene photographlert hat sorglich Belichtungszeit und Bietide eingestellt hat durch den Sucher geblinzelt und geknipst eine Sekunde vorm Kommando„Feuer!" Nie vergißt man diese der Meter leeren Raum zwischen dem Photographen und dem Mann an der Wand. Flintenläufe, Zuschauer und dn Reporter, der Ihn photographlert— das war sein letzter Anblick, dne Sekunde vorm Sterben. Kelp Schrei, der ihm half, kdu empörter Ret- ter— nur Zuschauer. Ein Schauspid sdn Tod. Als nuch Hitler» Gewaltstrcich die Gewerkschaftshäuser, dl« Arbeiters porthdme, die soziaktemokratisdieD Zeitungen gestürmt und besetzt worden waren, hatte sich In dner Stadt das Gerücht verbreitet, daß am nächsten Tage anch die Ortskrankenkasse und die Konsum- verelnsgebäude besetzt und die„Bonren" herausgeschmissen werden würden. Stundenlang wartete eine vieteundertköpfige Menge auf das Erscheinen der SA-, au4 das Schauspiel. Leute darunter, die bestimmt schon einmal Krankengeld von der Kasse, Ihrer Kasse, empfangen. die bestimmt häufig In diesem Warenhaus des Konsumvereines, Ihre» Vereins, Einkäufe gemacht hatten. Sie waren wehrlos— Ja,- aber sie blieben diesem schmachvollen Schauspiel nicht fern— sie standen da, wie sie bd einem Schadenfeuer, einem gestürzten Gaul, einer Hochzeitskutsche vor der Kirche— und auch bei einer öffentBchen Hinrichtung stehen würden, neugierig und schaulustig; sie standen da und warteten auf das Schauspiel. Es fand an diesem Tage nicht statt, und enttäuscht nach stundenlangem Warten gingen die Leute schließlich davon— es war nichts los! Und nun«toben sie Im Dritten Reiche und schauen zu. Fackelzüge. Aufmärsche, Gefangenentransporte, Luftscbutzübungen, Judenmädchen am Pranger, Massentrauungen In SA.-Um- form, Verhaftungen. Pehnenweibeo ziehen vorUber— es ist viel loel Es ist dl« alte Geschichte: Panam et dr- oenses— Brot und Spiele 1 Nein— ein Wunder hat Hitler doch voH- bracht Cr ist das Brot schuldig geblieben und hat nur die Spiele, Schauspiele geboten. Und die Menschen sind geduldig; sie laufen den Spielen nach und glauben, daß Hitler auch noch Aas Brot dazu geben wird. Einmal aber wird den geduldigen Menschen der Betrug nicht länger mehr verborgen bleiben können- Einmal wird Deutschland wirklich erwachen und erkennen; Trotz alter Schauspiele— es war nichts los! Mapfred. Die neue W issensdbaft „Somit können wir da« rastaokundlicbe Grundgesetz aufstellen. Es gibt kein körper- lichaa und seelisches Merkmal, das einen Begriff Menschheit im Unterschiede zu den Tieren rechtfertigen würde, sondern nur Unterschiede zwischen dem nordischen Menschen einerseits und dem Tiere Oberhaupt einschließlich des nichtnordischen Menschen oder Untermenschen als der Uebergangs- form anderersefts." „Die urnordiach-germanische Runenkunde offenbart uns das Geheimnis des Aufbaues der Sprache und läßt unsere letz ige germanfsche Sprache im Wesen als die gleiche Lautsprache der alten umordischen Gesittung und Rasse erkennen, von der sich die andern durch Entartung gemäß Ihrer Rasso- m I S C b" n g ableitet. Die reine Aussprach« der Laute findet sich ungetrübt Im allgemelnef nur bei der nordischen Rasse; bei stark n 1 c b t nordischen Menschen und Völkerp Bt die Aussprache unreiner, die einzelnen La"4® sind verwaschener und gleichen mehr den „tierischen Lauten, dem Bellen, Schnarchen, Näseln, Quietschen." J)aß Vögel am besten sprechen lernen. er* gibt sich aus ihrem dem Nordischen ähnlichen hoch-schmalen Mund- und kurzen Zun- genban. So spricht anch der Nordisch® Mensch mit seinem gegenüber dem Himschäd» verkürzten Mundschädel und Zungenbau. s®'' nem schmalen, hohen und mit der Hinterb3uP|' ausladung längeren Gaumen, seinen ebenmäßf* gen Uppen, seinem mit der Klnnentwickltmä tieferen Zungenboden und«einer ausgesproeb*' nen Kinnverstrebung der Zunge viel deutlicher und leichter als der nicht nordlache Mensch mit seinem gegenüber dem Hirnschädel langet flach-breiten Mundscbädcl(Lippen-NackcO' Durchmesser)- seinem niedrigen Gaumen, se'' nen scbwerfälligen ond behinderten Lippen und seiner plumpen Kinnverstrebung. Di« Nordisch® Gaumenform läßt eine bessere Bewegung � Zunge und eine bessere Schallbiidung zu.*e8' wogen das nordische Sprechen und SinSe# voller ist Rassige Unterschiede, die für rassige Spracbverschledenhelf ebenfalls ursächliche Bedeutung haben, ergeben sich auch af Gtoraenzäpfchen, am Zongenbein nnd am Kehl' köpf, vor allem in Anbetracht des mehr rund«® und vorwärtsgeneigten, den Affen äbo* Heben nlcbtnordischen Halä* b a u e s." Gauch:„Neue Grundlagen der Rasse«' forschung." zackig!—„dia Dinge stets vom toWatlsctier Standpunkt aus" an, das heißt, er verläßt sich allaln aul die�rulale Gewalt. Was Recht? Was Ethos? Was europäische Zusammengehö- ffgkeit und Zusammenarbeit? Flausen für krumme Zivilisten! Wer auf„sokjati- Schero Standpunktr steht, wdß daß es auf die stärkeren Bataillone, auf(He dickeren Berthas, auf die wirksameren Bombenflugzeuge, auf die tödlicheren Giftgase ankommt. Bnrlockt der„Führer" mit aufgeblasenen Bäekchen der Friedensschalmei sanfte föne, klingt alle Begleitung rauh der Sang der SA. Und wenn die Handgranate kracht, Das Herz im Ledbe lacht Hinter den Feststellungen Röhras, daß der Nationalsozialismus die Dinge stets vom soldatischen Standpunkte aus ansehe, steckt das Banz# Aufrüstungs- und Kriegsvorbereitungsprogramm Hitler-Deutschlands, und iflglich sollte man In der Bertiner Wilhelmstraße lede Verwunderung unterdrücken, wenn eine« T«» ««eh die andern Mächte dem„Dritten Reich gegenüber den„soldattscbea Standpunkt'1 ein" nahmen. Daß der R ö b ra auch noch zum Lob der Kimbern und Teutonen in die Saiten stürmte, ihre Uneinigkeit beklagend, weil sonst„das Cesicht der Welt seit zweitausend Jahren deutsch'' sei. erstaunt nicht weitef. Kimbern Und Teutonen— aber seibstverständlicbl Von diesen germanischen Barbaren berichtet der froße Geschichtsschreiber Theodor Momtm- KAI Dfe Sitten waren rauh. Pas Fleisch ward häufig roh verschlungen. Heerkönig war der tapferste und womöglich der längste Mann.,, Die Einleitung zum Kampf machten Verhöhnungen de$ Feindes durch unschickliche Gebärden und eill entsetzliches Gelärm, indem die Männer Ihr ScMaehtgebrüll erhoben und die Frauen und Kinder durch Aufpauken auf die ledernen Wagendeckel nachhalöfn. Der K|mbrer locht tapfer, allein nach dem Siege hielt er sich schadlos durch die wildeste Bestialität Dann wurden die Geräte zerschlagen, die Pferde getötet, d I e Gefangenen aufgeknüpft Ob SA. tapfer ficht weiß man nicht denn bisher hat sie sich nur gegen Wehrlose ausgehet aber der Rest der Schilderung läßt es begreitheh erscheinen, warum wüsten Horden dem R ö h m ans Herz gewachser �nd. Er sieht In ihnen das Urbild der SA., che ähnlich„wildester Bestiaiitäf' freien Lauf Hßt Ja, wie Kimbern und Teutonen mordend � zerstörend in die lateinische Kultur einbrachen, so sind unter der Losung:„Alles "mß verrunjenlert werden l1' die Nazi-Barbaren �hnr die deutsche Kultur hergefallen. Wäre aber wirklich durch einen sachlich äkng unmösflehen Sieg der Wilden vor zwet- �nsend Jahren„das Gesicht der Welt deutsch'1 Geworden, Heße sich, ähnlich wie von dem 0"izleHen DeutscMand heute, davon nur mit •'•w„Slmpllzlssimus"-Witz sagen:„Das Cc- äkht gehört In dk Hösel" Ein Jahr In Zitaten Selbstdarstellungen der großen Männer Kann man Ihn iflr verrückt halten? „Ich bin wiederholt aulgefordert worden, nach Gent zu gehen. Ich habe das bisher abgelehnt Wenn ich aber dort das Wort tjy greife, dann wird das letzte Wort gesprochen. Wenn es nicht anders geht muß man bereit sein, ein mit ßiut geschriebenes Vermächtnis mit Blut einzulösen." Göring-Rede am U, März 1933. „Man tut mir unrecht wennv man ferU während wiederholt, daß ich den Krieg will, Bin ich denn verrückt?" Hitler-Interview im„Matin", ?2. November 1933 Wort« der Ehrenmänner, „Wir werden die Freiheit in Deutschland einfahren. Indem wir ihre grimmigsten Feinde verniehten." Hitler-Rede am 21 Februar 1933. „Die geistige Erneuerung, wie sie die Reiehsregierung vorschlägt, Ist nahe verwandt mit dem Geist des alten Preußen." Görlng Im Preußischen Landtag, am 18. Mai 1933. Befehl: die Revolution Ist beendet „Diese Aufgabe wird Jedoch auf das „Der Preußische Kultusminister bat angeordnet daß künftig Im Turnunterjicht in den Schulen bei Geländesportübungen die Be- fchlsform der SA. angewendet wird," WTB.-Meldung vom 2- Nov. 1933. Ehre, wem Ehre gebührt „Lange genug hat es gedauert bis es Physikern von Weltruf gelang, Einstein als das hinzustellen, was er sein Leben lang gewesen: Ein polnischer Jude, der mit Lichtgeschwindigkeiten in den vier Abteilungen des Koordinationssystems hemmhausierte und als Beweis für die Richtigkeit seiner Ueber- legungen Eisenbahnwaggons von wissenschaft- Itchen Kommissionen verschieben ließ. Unter den Rädern blieb auch der Astral-Strolch als Astrophysiker endgültig liegen," „Völkisetier Beobachter", Ii Sept 1933 „In Niedersachsen in der Nähe von Söntel wurde mit dem Bau eines riesigen National- Denkmals für Horst Wessel begonnen, dessen Kosten eine Million Mark betragen werden." „Berliner Tageblatt", 4, August 1933. Die Ueberwlndung Flehte«, „Das deutsche Volk hat den Führer in vielen Eigenschaften kennengelernt. Daß er �om deutsdhen Gemüt „Beobachter" In Hirschberg 1. Rsgb. a�ootitlichte am 10. Januar dies« Todes- Am 9. Januar verstarb plötzlich fein geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Ludwig Wallfisdi 'm Alter von 73 Jahren Fran Martha Wallflsch, geb. Wallflsch Dr. Arnold Wallflsch Hanne Zweig, geb. Wallflsch Dr. Max Zweig Gabriele Zweig Hirschberg i. Rsgb. Reichenbach u. d. Eule Die Beisetzung findet Donners- ag. den 11. Januar, um 13 Uhr. von ier Leichenhalle des iüd. Friedhofes »u» statt. Von Kondolenzbesuchen bitte» wir abzusehen , Am Tage darauf, noch ehe der Leichnam r d,e Erde versenkt war. erschien im Beobachter" folgende Erklärung: ein Versehen -*tn*s Lehrling In der Anzeigenannahme ist eige eines Juden "ir stelle» hiermit eosdrüchlich 0"o« Anzeige eine» Juden i.""'enen." es sich nur um ein Versehen hau- •her--•.nseT« Einstellung de» Juden Mgen gss____________ JH I a k' h wie vor unverändert ab für rfu V geblieben Ist und daß wir es auch eia«s• ablehnen, irgendeine Anzeige Juden aufzunehmen. Bf« Anzeigenabteilung des Beobachters. schwerste gefährdet, wenn weiter noch von einer Fortsetzung der Revolution oder»iner zweiten Revolution geredet wird. Wer Jetzt noch so redet, muß sfeh darüber klar sein, daß er sich damit gegen den Führer selbst auflehnt und entsprechend behandelt wird. Ich werde mich rücksichtslos gegen eine sogenannte zweite Revolution wenden. VVer sich dagegen aufleimt, der wird hart angepackt werden, ganz gleich, wo er sich befindet!" Hitler-Rede am 2. Juli 1933. „Die Nationalsozialistische Revolution Ist noch lange nicht zu Ende. Wir stehen erst an ihrem Anfang. Wir werden nicht eher ruhen. hi» wir überall unser Programm, das deutsche Revolutionsprogramra, durchgesetzt haben." Reichsminister Dr. Göbbels. am 25. Juli 1933 in Rheydt Wirtschaft „Um bei den Arbeiten der Reichsregierung die Erfahrungen der praktischen Wirtschaft zu verwerten, beruft der Reichskanzler einen Generalrat der Wirtschaft, der u. a. aus folgenden Herren besteht: Dr. Carl Bosch (Heidelberg), hg. Eugen Böhrjnger, Direktor der Maximalienbütte, Generaldirektor August Diehn, Deutsches Kalisyndikat Bankier August von Flnsk(München). Dr. Otto Fischer, Präsident des Ztntralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, Dr. Albert Hachelsberger, Fabriksbesjtzer, Dr. G- Krupp von Bohlen und Halbacb, Preußischer Staatsrat Dr- Ley, Friedrich Reinhart, Bankdirektor. Karl Freiherr von Schröder, Handelskammerpräsident(Köln), Karl Friedrich von Siemen* (Berlin), Dr. Fritz Thyssen(Mühlbeim a. Rhein), Generaldirektor Dr. Albert Vogler (Dortmund)." Am«- WTB.-M8ldung. 15. Juli 1933. „Adolf Hitler hat einmal zu mir gesagt: „Wenn Ich könnte, ich würde jedem Arbeiter «inen Smoking schenken" Dr. Ley ün Kölner Rathaus. Deutscher Unterricht „Die oatlonalsoziafistische Bewegung erzieht die deutsche Jugend weder In den Arbeitslagern noch in der SA, und in den unterstehenden Formationen zu militärischen Kenntnissen, die sie anreizen könnten, sie einst auszunützen" Hitler in einem Interview, I& Oktober 1933 ah Denker von eigentümlicher Schärfe und Klarheit zu den großen deutscliun Staatsphilosophen gehört, wußten nur wenige. Mit seinen beiden große» Nürnberger Reden ist auch gedanklich ein neues Blatt der deutschen Geistesgeschichte aufgesohlagen." „Hessische Landeszeitung", 7. Sept. 1933 „Das ist doch Marxismus In Reinkultur, diese verrückte Phrase, daß alles, was Menschenantlitz trägt, gleich seh Das muß immer wieder gehrandmarkt werden in der Presse." Arbeitsfront-Führer Dr. Ley im Juli 1933. freie Meinung. „Das modernste Pressegesetz der Welt wurde verabschiedet, das der deutschen Presse eine Stellung gibt wie nirgends in der Welt. Damit sind iene Stimmen zum Schweigen gebracht, die von einem Ende der Pressefreiheit in Deutschland faselten und von einer Beeinträchtigung des. Rechtes der freien Meinungsäußerung wissen wollten." Amtlicher Kommentar zum „Schriftengesetz" vor» 7. Okt 1933. „Immer sein Ehrenwort gehalten?'* „Unsere Bundesgenossen kennen uns als Gegner im Kampf, jetzt sollen sie uns in Treu# als Verbündete kennenlernen." Cöring in einer Rede. 27, Februar 1933 „In meinem Beisein hat Hitler sein feierliches Ehrenwort gegeben, daß ungeachtet des Wahlausganges alle Im Jetzigen Kabinett tätigen Minister auch»ach dem 5- März bleiben würde»." Oberstleutnant Diisterberg in einer Rede am 25. Febrauar 1933. Wenn du nehmen willst, so gib. .Dem Reichspräsidenten Gooeralieldmw- schall Paul von Beneckendorf und Hinden- burg übereignet Preuße» m Ehrfurcht und Dankbarkeit als eine Schenkung dt» Landes die Domäne Langenau und Forst Preußenwald zur dauernden Vereinigung mit dem angrenzenden Althesjtz Neudeck und zur Bildung eines hindenburgiseben Hausgutes Rittergut Neudeck und Preußcnwald." Die Urkunde zum Geschenk an Hindenburg, 27. August 1933. .Der Reichspräsident bat mit dem gestrigen Tage den Retchsmlnister Hauptmanns, tf. Hermann Göring zum General der Infanterie der Reichswehr ernannt." AmÜ. WTB.-Meldung v. 29. Aug. 1933. Das unabänderliche Programm. „Abschaffung des Arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft" Punkt II des Parteiprogramms vom 24, Februar 1920. „Es wird nicht experimentiert werden, auf keinem Gebiet Wer der Regierung unterstellt sie welle Zinsen und Renten rauben, der lügt" Staatssekretär Dr. Bang, Februar 1933 „Eine unseren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke." Punkt 17 des Parteiprogramms vom 24. Februar 1920. „Ich werde keinen Grundbesitz antasten, mag er s« groß sein wie er will, wenn er wirtschaftlieh gesund ist" Reichsernährungsminister Darr«, Juli 1933 „Verstaatlichung aller(bisher) bereits vergesellschafteten Betriebe(Trusts), Punkt 13 des Parteiprogramms vom 24. Februar 1020. „Ich lehne jeden Sozialisierungsversuch ab, weil ledes Sozialisterungsexperiment die Gefahr in sich hirgt.■•" Staatssekretär Feder, Job 1933. „Entscheiden kann allein der Unternehmer." Arbeitsfrontführer Dr. Ley, Juli 1933. „Ohne ein Jota ihres kühnen revolutionären Programms revidieren zu müssen, hat es die NSDAP, bis auf den heutigen Tag dem Geiste und Buchstaben nach verwirklicht und ihre Versprechungen getreulieh erfüllt" Relchspressechef Dr. Dietrich im „Völkischen Beobachter", Juli 1933. Front des Geistes BemerkeoSwerte neue Veröffentlichungen Das Januarheft der„Tribüne", der Monatsschrift der Deutschen Sozi aldcmok rar tischen Arbeiterpartei In der Tschechoslo- wakei, ist der Diskussion der Frage gewidmet, ob ein neues Programm nötig sei oder nicht. Zu dieser Diskussion trage« bei Karl Kautsky, Josef Hofbauer und Desider Hort Karl Kautsky führt dazu aus: „Wir werden In den kommenden Kämpfen um so eher bestehen, um so eher uns durchsetzen, i« klarer und einiger wir uns darüber geworden sind, was wir wollen. Vor allem müssen wir uns einigen darüber, ob wir dem Faschismus den Garaus machen wollen, um an seine Stell# die Demokratie zu setzen oder»ine neue Diktatur, wenn es auch nur eine Erziehungsdiktatur sein wird- Man hebt mit Recht hervor, daß es äußerst notwendig sei. diejenigen, die letzt einesteils im sozialdemokratischen, anderseits im kommunistischen Lager stehen, zum gemeinsamen Kampf gegen die braune Diktatur zusammenzufassen. Jedoch noch weit notwendiger ist «S, daß wir Sozialdemokraten uns zunächst selbst darüber einigen, wie wir uns zur Demokratie und zur Diktatur stellen." In der neuen„Wcltbühne" Nr, 3 schreibt Max Bergner über„Berliner Arbeiter heut e". Wir zitieren aus der interessanten Untersuchung: „Der Berliner Prolet war einmal der Stolz der Partei-lnteilektuellen, Nicht der wirklich klassenbewußte, gebildete Arbeiter, sondern die schwielige Faust schlechtweg wurde vergöttert. In ihrer Vorstellung war alles, was aus dem„Betrieb" karo, revolutionär. Diese Partei-lntelektuellcn waren es, die in die Arbeiterbewegimg die Ressentiments gegen den zur Arbeiterschaft gelangten sozialistischen Geistesarbeiter tru- g«I), und sie waren es, die einen kleinbürgerlichen Arhriterethos schufen, das dem wirklichen Industriearbeiter ursprünglich wenig entsprach. Der Prolet sei ia schon„Prolet". also habe er die höchste sozialistische Reife erreicht,— alles andere sei unheilbar kleinbürgerlich. Diese verschämten Inlellektuelien sind mm enttäuscht: Mit elnetmnal ist der Berliner Arbeiter in ihren Augen ein Spießet. korrupt, feig: sie trauen ihm nun nicht zu, daß er jemals Revolution machen könne. Und es handelt sieh nicht um einen Irrtum falsch- bebrillter Funktionär#: da» schiefe Bild vpn „dem" Berliner Arbeiter wurde ein Verhängnis der ganzen proletarischen Bewegung. Denn auch der Arbeiter glaubte sich neilig gesprochen— in seiner bloßen Funktion des Betriehsarbeitera." Die„Sammlung"(Querido-Verlag, Amsterdam) veröffentlicht Franz W. Beidler einen Auisatz über„Musik im Staat von Weimar", Der Autor ist der älteste Enkel von Richard und Cosima Wagner. „Unser Wort", die in Paris erscheinende Halbmonatsschrift Trotzkis, veröffentlicht In Nr. 2 einen Diskussionsarlikel über das Thema„Der Kampf unter Hitler und unter Mussolini", Dabei wird zurückgegriffen auf die Auseinandersetzungen zwischen Marx und der Gruppe W i 1 1 i c h- Schapper. der Marx vorwarf, daß ihr „statt der wirklichen Verhältnisse der einfache Wille zum Motor der Revolution" wurde. Zerreißung der Tarifverträge Gesetzlich geförderter Lohndruck im neuen Arbeitsrecht Seit Hitlers Machtergreifung hat sich die Gleichschaltung der Nationalsozialistischen„Arbeiterpartei"" mit dem Großkapital in Riesenschritten vollzogen. Ihre Krönung war die Aufhebung der deutschen Arbeitsverfassung durch die Verkündung des„Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit". Als Gradmesser für die arbeiterfeindliche Einstellung des faschistischen Regimes kann die Neuordnung der Lohngestaltung im neuen Arbeits- gesetz angesehen werden. Die kollektive Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse war in Verbindung mit der Arbeitslosenversicherung als Damm gegen Lohndruck wohl mit die sichtbarste Errungenschaft der nachkriegszeitlichen Arbeiterbewegung. Die jetzt verfügte Ersetzung des tarifvertraglioh gesicherten Lohnes durch den sog. Leistungslohn vernichtet mit einem Handstreich ein unerhörtes Maß von Erfolgen sozialer Selbstverwaltung der organisierten Arbeiter und Angestellten. Die folgenden Zahlen mögen das Ausmaß der durch die Nazi zerschlagenen gewerkschaftlichen Aufbauarbeit aufzeigen. Ende 1918 hatten die Tarifverträge in Deutschland 1.1 Millionen beschäftigter Arbeitnehmer umfaßt Nach der amtlichen Reichsstatistik hatte die tarifvertragliche Regelung 1931 nachstehenden Umfang angenommen: V o 1 1 1 a r i f e: 1455 Verträge für. 1,074.595 Arbeiter Manteltarife: 5802 Verträge für. 8,985.390 Arbeiter Vo 1 1 ta ri f e: 481 Verträge für Manteltarife: 1377 Verträge für 10,059.985 Arbeiter 144.170 Angestellte 1.746.085 Angestellte 1,890.255 Angestellte Nahezu 12 Millionen Arbeiter und Angestellte hatten in mehr als 9000 Tarifverträgen als Ergebnis von Lohnbewegungen und in Schiedssprüchen der Schlichtungsorgane einen Lohnschutz gegen Unternehmerausbeutung gefunden, der ihnen geraubt wird, damit die„nationalsozialistische Gemeinschaft ihren neuen Wertmesser für die Anständigkeit und Ehrbarkeit"1 in Kraft setzen kann. Der Füh- rer der Arbeitsfront verwirft jene bisher geltende Sozialordnung, die auf der„Unanständigkeit" aufgebaut war und jeden Partner„mit möglichst viel Verträgen festnageln" wollte. Zur Wiederherstellung der„Fabrikgemeinschaft" und zur Zerreißung der„Maschen von Tarifverträgen" hat das Hitler- Regime eine systematisch geführte Aktion unternommen. Die erste Tat war bereits im Februar 1933 die Anerkennung der gelben Werkvereine als Tarifkontrahenten der Arbeiter und Angestellten. In der Lohnfrage wurde zunächst ein Waffenstillstand angeordnet und wie folgt begründet: „Nur die Feinde unserer Revolution können ein Interesse an Stillegung(Streiks) und ähnlichen Dingen haben.... Die Arbeiter und Angestellten werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß das ganze bisherige Lohnvertrags- und Arbeltsvertragssystem verschwinden wird." Dem Waffenstillstand folgte am 19. Mai 1933 die Einsetzung der„Treuhänder der Arbeit", denen bis zur Neuordnung die Lohnregelung übertragen worden war. Damit war bereits jede Einflußnahme der bisherigen Tarifvertragsparteien aufgehoben. Nunmehr ist zur endgültigen Regelung der Betrieb als die Grundlage der Lohngestaltung bestimmt worden. Damit ist grundsätzlich die Idee der gelben Werkveieine zum Gesetz erhoben worden. Im Gegensatz zur zwischenbetrieblichen Lohnregelung, wie sie dem Gewerkschaftsprinzip entsprach, ist in der Lohnfrage, als dem Ausgangspunkt der Arbeiterfrage die Herrschaft des Betriebsinhabers proklamiert Nur in diesem Zusammenhang ist auch die Tendenz des neuen Gesetzes gegen kurzfristige Beschäftigung zu verstehen. Eine Aenderung der Kündigungsfristen soll die Aufhebung der täglichen Kündigung für einen Teil der Arbeiter und Angestellten bringen. Aufhebung der Freizügigkeit und Bindung an den Betrieb sind Voraussetzungen für die Unterbindung der Lohnentwicklung durch Wechsel des Arbeitsplatzes. Auch io dieser Grundfrage der Lohnbemessung entspricht die Neuordnung dem alten Prinzip der betriebsgebundenen gelben Werkvereine. Die letzte Bremse gegen Lohnausbeutung des Arbeitsgerichts ist völlig ausgeschaltet Der Treuhänder der Arbeit, der heute in Deutschland ein Treuhänder der Kapitalisten ist, wird zum obersten sozialpolitischen Vertreter der Reichsregierung in seinem Wirtschaftsgebiet bestellt Das neue Gesetz bestimmt: „In seiner Hand liegt insbesondere die Ueberwachung der Lohngestaltung in den Betrieben. Er kann auch...... ,in Ausnahmefällen eine Tarifordnung erlassen." Ueber die Richtlinien für die Lohnbemessung wird bestimmt, daß das Leistungsprinzip in Anwendung kommen soll und der Lohn Individuell geregelt werden soll. Der Leistungslohn war in all den zurückliegenden Auseinandersetzungen das Unternehmerargument gegen den kollektiven Lohnvertrag, nicht um Qualitätsarbeit höher zu entlohnen, sondern um von der Bindung an Mindestlohnsätze in Tarifverträgen entbunden zu werden. Der Individuallohn ist darüber hinaus das Mittel zur Zerstörung der Belegschaftssolidarität. Das neue Gesetz, dessen Wortlaut noch nicht bekannt gegeben worden ist, soll zwar erst am 1. Mai 1934 in Kraft treten und formell sollen die noch laufenden Tarifverträge bis dahin Geltung behalten, doch liegt es im freien Ermessen der Treuhänder, die Lohnsätze dieser noch in Kraft befindlichen Tarifverträge ohne die neue gesetzliche Grundlage bereits jetzt abzuändern. Die Willkür in der Lohngestaltung ist also unbegrenzt So mündet das„Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" in der hemmungslosen Ausbeutung der Lohnarbeit Der Widerstand der geknechteten Lohn- und Gehaltsempfänger gegen die Lohndiktatur der kapitalistischen Unternehmer und die ihr verbündete faschistische Staatsgewalt wird sich trotz allen Terrors bemerkbar machen. Der sozialreaktionäre Kurs des Systems zwingt die Arbeiter zum Kampf um seinen Sturz und um eine neue sozialistische Ordnung. Qranlenbßi� 1 l' 1 Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Von Gerhart Seger-Dessau M. d. R. Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann. Aus dem Inhalt: Vom Gefängnis ins Konzentrationslager Folterkammer-Zimmer 16/ Der Tageslauf in Oranienburg/ Die verantwortlichen SA-Führer des Lagers Die Gefangenen des Lagers f Wie Ebert, Heilmann und die Leiter des Rundfunks eingeliefert wurden Abgeordnete säubern Oranienburg/ Mißwirtschaft bei der Lagerverwalfung/ Die SA im Lager/ Wenn uns unsere Frauen besuchten/ Der 12. November im Lager Die Steinsärge von Oranienburg Erscheint in diesen Tagen! Ca. 80 Seiten stark. Preis KS 10.—. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt von der Verlagsanstalt„Graphia" Karlsbad, Kantstraße. Kampf gegen Worte IVatlonalsozialistisdie Zauberelen Da die Nazis die Dinge nicht meistern können, versuchen sie es mit den Worten. In Wirklichkeit sind die harten Tatsachen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die gleichen geblieben, ja durch die Tätigkeit der Nazis noch um vieles brutaler und grausamer geworden, als im„liberialistischen" Zeitalter. In der vorgeschriebenen Ausdrucksweise jedoch herrscht eitel � Freude und Glückseligkeit, ist das Dritte Reich ein Land, in dem alle kapitalistischen Gegensätze und sozialen Leiden beseitigt sind. Ein charakteristisches Beispiel dafür: Der Informationsdienst der Deutschen Arbeitsfront schreibt an die gleichgeschaltete Presse, daß es heute keine„Ware Arbeitskraft" mehr gebe, ebensowenig wie es noch einen Arbeitsmarkt gebe oder geben dürfe. „Ob die heute noch arbeitslosen Volksgenossen in Arbeit kommen oder nicht, das hängt nicht von dem„A n g e b g t" und der „Nachfrage" nach der„Ware Arbeitskraft" ah. Sie werden auf jeden Fall in Arbeit gebracht werden, weil es die Pflicht der Volksgemeinschaft ist, ihnen ihr Recht auf Arbeit zu sichern. Die Arbeit selbst ist Pflicht und kann nicht von einer Nachfrage abhängig gemacht werden. Wir wollen uns daher vornehmen, das heute noch häufig gebrauchte Wort r- beitsmarkt" aus unserem Sprachgebrauch für immer auszutilgen, denn für die Arbeitskraft gibt es keinen„Markt"., So ungefähr stellt sich der kleine Moritz die Lösung der sozialen Frage vor. Daß die Aibeitskraft des Arbeiters und Angestellten auch heute noch infolge des Fortbestehens des kapitalistischen Systems und des Privateigentums an den Produktionsmitteln auf dem Markte ebenso gekauft wird wie jede andere Ware, und daß sie ebenso wie jede andere Ware dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen ist, ficht die großen Reformatoren in der Deutschen Arbeitsfront nicht an. Sie dekretieren einfach, daß es keine Ware Arbeitskraft" und keinen „Arbeitsmarkt" mehr gibt und daß es die Pflicht der„Volksgemeinschaft" sei, den Arbeitern ihr„Recht auf Arbeit" zu sichern. Daß trotz dieser„Pflicht" Millionen Arbeitsloser ein Hungerdasein führen und führen müssen, solange das Privateigentum an den Produktionsmitteln nicht aufgehoben ist, ist den Herren gleichgültig. Hauptsache ist, daß die Arbeiter nicht durch die„marxistischen" Ausdrücke„Ware" und„Arbeitsmarkt" zum Nachdenken über ihre Klasscnlage verführt werden. Schulreform im Geiste Röhms Lehrer als nationalsozialistische Soldaten. Die gleichgeschalteten deutschen Lehrerzeitungen berichten, offenbar nach amtlichen Informationen aus dem Reiche des Herrn Rust folgendes: „Das preußische Kultusministerium arbeitet an einem Entwurf zur Neugestaltung des höheren Schulwesens, der als Unterlage für das ganze Reich gedacht ist. Mit einem Schlage soll das Durcheinander entwirrt werden. Der Nationalsozialismus wird so eine einheitliche höhere Schule schaffen und damit eine bedeutsame Tat positiver Jugendarbeit voUenden." Wir kennen diesen bombastischen Stil der Selbstbeweihräucherung, mit der die national» sozialistischen Helden angebliche Taten anzukündigen pflegen. Aer Herr Rust hat wirklich etwas getan. Er hat die Lehrerakademie in P I ö h n zu einer Erziehungsschule für den Nationalsozialismus umgewandelt und ihr den charakteristischen Namen„Ernst R ö h rn" verliehen. Diese Hitleranstalt wurde neulich feierlich von Herrn Rust und Herrn Ernst Röhm eingeweiht Herr Rust bemerkte zur Namensgebung folgendes: „Durch diese Namensgebung soll zum Ausdruck kommen, daß der Geist der SA, der Geist der alten Kämpfer der Bewegung, Einzug halten soll in allen deutschen Schulen und daß durch diese Idee das gesamte Erziehungswesen neu gestaltet werden soll Der Schüler, der junge Deutsche, soll erzogen werden zu jener harten kämpferischen Haltung, die der SA und besonders ihren Führern eigen ist." Er wurde noch deutlicher und äußerte weiter sich folgendermaßen: „Während hn Kadettenkorps ausschließlich Offiziersanwärter herangezogen werden, bilden die nationalpolitischen Erziehungsanstalten nationalpolitische Soldaten aus."——„Es sollen ganze Menschen erzogen werden, reine vollblütige Nationalsozialisten mit der Blickrichtung und dem stärksten Kampfwillen für Volk und Staat, wie sie der erste politische Soldat Adolf Hitlers, der als Stabschef an der Spitze seiner braunen Kolonnen für Deutschland, marschiert, so rein und stark besitzt Nicht mehr gilt allein die ausschließliche wissenschaftliche Verfeinerung in Kopf und Hirn, sondern die alten preußischen Grundsätze, die im Weltkriege sich bewährten, wo der Wert intellektueller Bil» düng von SA-Hochschulämtern an den sänri- Faust Im Kurse stiegen." „Unter dem gleichen Gesichtspunkt", so führte der Minister weiter aus,„ist die Gründung vno SA-Hochschulämtern na den sänjt- Ilchen deutschen Hochschulen zu betrachten. SA ist Vorbild, SA Ist Tradition." Diese Rede wurde gehalten, als Hitler sein Angebot machte, die deutsche Erziehung pari" fistisoh umzustellen! (friiaUrmtfratifd)» iDodjcnWatf Herausgeber; Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn! Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 1S9.334/V11-1933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzel' verkauf innerhalb der CSR. Kö 1.40.(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Pr®!!j der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(o"' 24.— für das"Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung-(die Bezugspreise f"' das Quartal stehen in Klammern); Argentinie® Pes. 0.30(3.60), Belgien Frs. 2—(24.-). garien Lew 8.—(96.—), Danzig Guld. 036 (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland&* Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—!• Frankreich Frs- 1.50(18.—). Großbritannica d. 4—(Sh. 4.—). Holland Cid. 0.15(1.80). Itaü«1 Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Dln. 4.50(54.—{• Lettland Lat. 0.30(3.60). Litauen Lit 0.55(6.-'- Luxemburg B. Frs- 2.—(24.—), Norwegen Kr- 0.35(4.20). Oesterreich Sch. 0.40(4.80). Pj?' lästina P. Pf. 0.018(0.216). Polen Zloty O;5" (6.—), Portugal Esc. 2.—(24.—). Rumänien Lei 10.—(120.—), Saargebiet F. Fr. 1.50 Schweden Kr 0.35(4.20), Schweiz Frs. (3.60), Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pe1� 0.35(4.20). USA. Dollar 0.08(0.20). Einzahlungen können auf folgende P"*� scheckkonten erfolgen: Tschechoslo wak«'* Zeitschrift„Neuer Vorwärts". Karlsbad- Prf* 46.149. Oesterreich:„Neuer Vorwärts". Karls bad. Wien 8-198.304. Polen;„Neuer Vorwärts. Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz:„Ne", Vorwärts", Karlsbad Zürich Nr. VIII 14.6'7; Ungarn; Anglo-Cechoslovakische und Pra?** Creditbank. Filiale Karlsbad. Konto..Ne"6. Vorwärts". Budapest Nr. 2029..lugoslaw'*"* Anglo-Cechoslovakische und Prager Credit" bank, Filiale Belgrad. Konto„Neuer Vor* wärts". Beograd Nr. 51-«05. Genaue BezeicO* nung der Konten ist erforderlich.