IVp. 36 SOMTAG, 18. Februar 1934 Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia*— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; S. Aufhäuser: Diktatorische N otwendigkeiten Heinrich Mann: Ein Kampfpro- granun Richard Kern; Teuere Agrar- wirtschaft Angriff Hitlers auf Hindenburg Die Febiwililoclit von(dien Der Vortrupp des österreichischen Proletariats hat sich zur Verteidigung der Freiheit erhoben in einem Kampf von geschichtlicher Größe, dessen Eindruck und dessen Lehren jahrzehntelang in der revolutionären Arbeiterbewegung fortwirken werden. Aus der unheilschoweren Gewitterwolke, die drohend über Europa Hegt, ist ein jäher Blitz herniedergezuckt Der Krieg in seiner grauenhaftesten Gestalt hat sich in Oeserreich erhoben. Die Tage von Wien sind ein schreckliches, Unheil verkündendes Vorspiel. Was kommt danach? Wien! Das wird für immer fortleben jnunserem Gedächtnis. Es wird immer leben als Bekenntnis zur revolutionären Arbeiterbewegung, voll Begeisterung und Trauer werden wir in Zukunft immer das Wort aussprechen. Wien! Das ist eine düster rot leuchtende Fackel, die uns die Zukunft erhellt Die heldenmütigen Arbeiter des sozialdemokratischen Schutzbundes in Wien ha- t�n gekämpft. Gekämpft! Das ist Schicksal und Bestimmung der rtvolutio- dären Arbeiterbewegung in der Zukunft. Revolutjonäre Arbeiterbewegung— das heißt Uebereinstimmung zwischen Wort und Tat zwischen Programm und Kampf. Die Gewalt unterdrückt die Freiheit in der Welt— Gewalt gegen Gewalt muß d'e Freiheit erobern! Die revolutionäre Arbeiterbewegung ist eine Tatsache. Die Faschisten aller Länder wissen nach Wien: Die Hoffnung ist eitel, daß die Krise alle revolutionären Energien In der Arbeiterschaft gebrochen hat, so daß sie nun kampflos ihre Handgelenke den Fesseln der Knechtschaft entgegenstreckt. Freiheit und Kampf sind üntrennbar verbunden— wir werden es 016 wieder vergessen. Wien! Das ist einer jener geschicht- •oh weithin leuchtenden Kämpfe um Frei- aus denen die Arbeiterschaft ihre Evolutionären Energien und ihr Kraftbe- �ußtsein zieht. es ist die Besiegelung i Jhres moralischen Rechts und ihres Frei- e'tswillens mit dem Blute der Besten. .. Ihr Kameraden vom Schutzbund, auf die wir voll Stolz und Freude und Hoffnung geblickt haben, ihr lehrt uns, und mit ns allen, die heute noch in Sicherheit und reiheit leben, daß die Freiheit nicht Geschenk ist, das den Tatenlosen und offenden zufällt, sondern daß sie aus "�mpf und Opfer emporsteigen muß, daß sie ein Vermächtnis ist, das mit em Einsatz der ganzen Kraft bewahrt no heilig gehalten werden muß! ., Ihr habt gekämpft und euer Kampf airimert uns die Lehre ein: zu Vorstoß nd Verteidigung müssen wir immer vor- ®reitet und wach sein. Niemals dürfen 'e Arbeitermassen ganz von der Bühne j. r Geschichte abtreten, niemals dürfen re revolutionären Energien durch Erfol- 1® und besseres Leben sich abschwächen ssen. Auch In der Demokratie müssen . zum Schutze der Freiheit Immer leben- aik sein! r. Der erste Schritt von der Bahn der Wau atie' das ,st der Schritt zur Gegen �Zur Drutalisierung der Freiheit. Ge- 5, Gewalt aber hilft nur die Gewalt! Der tgj z VOm Kampf mit revolutionären Mit- erh i einen tragisch realen Hintergrund hab ten■— er steht heute vor dem helden- anc� �ämPfen und Sterben der Besten Us Oesterreich! Das dramatische Geschehen zeigt die Linie des großen immerwährenden Klassenkampfes klar herausgehoben aus den zufälligen geschichtlichen Bedingtheiten der europäischen Verstrickung. Wien war für uns die Stadt der kampfesfrohen Sozialdemokraten, des Fortschritts und des Aufbaus, eine unvergeßliche Verheißung des Sozialismus. Wien — das waren die großen, schönen hellen Arbeiterwohnsiedlungen, die Werke des Friedens und der Gemeinschaft, das war der Aufstieg aus Wohnhöhlen und engen Gassen, das waren die Heimstätten. Sonne und Leben für das Proletariat und seine Kinder. Der Faschismus; das sind die Granaten in diese Werke des Friedens, das sind die zusammenbrechenden Fronten der Arbeiterheimstätten, das ist die Vernichtung des Guten, Schönen und Großen, das die Sozialdemokratie geschaffen hat. Was euch gehört, eure Freiheit, eure Selbstbestimmung, eurenAnteilamLeben, ihrmüßt es verteidigen gegen den räuberischen Faschismns, wenn es sein muß. mit der Waffe In der Hand— das ist die Lehre von Wien! Der faschistische Staatsstrelch hat sich wie in Deutschland so auch in Oesterreich als ein verbrecherischer Ueberfall auf eine friedliche Kulturbewegung vollzogen. Wenn der Begriff der gerechten Notwehr überhaupt noch einen Sinn hat. dann war es gerechte Notwehr, in der die österreichischen Arbeiter zu den Waffen griffen. Die ganze unsündbare Blutschuld fällt ausschließlich und ungeteilt auf das Haupt der faschistischen Angreifer. Indem der schwarze Faschismus den Arbeitermord in eigene Regie nahm, hat er aber nur die Geschäfte des braunen besorgt. Die Vernichtung der Demokratie, die Abschlachtung ihrer todesmutigen Verteidiger Ist Arbeit für Hitler und für den Krieg. Kann die österreichische Regierung mit ihren Händen, die rot sind vom Blut ermordeter Brüder, überhaupt noch den Gang zum Völkerbund wagen? Und wie will sie im Lande selbst den Angriff der Hakenkreuzler abwehren, nachdem sie die Kräfte der Demokratie militärisch vernichtet hat? Die Fey und Starhemberg haben ihr angeblich so heiß geliebtes österreichisches Vaterland wehrlos gemacht. Einzig und allein bei der Hitlerregierung liegt jetzt die Entscheidung, wie weit sie die Schwäche des ausgebluteten Nachbarn mißbrauchen, wie nahe sie an dem Abgrund des neuen Weltkrieges herantreten will. Nicht abzusehen Ist die Wirkung der österreichischen Ereignisse auf die katholische Welt. Die Dollfuß, Fey und Starhemberg geben sich genau wie die Pape n und Dieser Untergang der hellen Werke der roten Gemeinde Wien unter dem Granatregen der Diktatur— das ist das Verbrechen, das ist die Weltschande des Faschismus, die Schande jener gewissenlosen Abenteurer um Dollfuß, Fey und Starhemberg. Dollfuß ist Hitler und Fey ist Göring! Das ist der Haß, der abgründige Haß gegen jede Freiheit, gegen die Arbeiterkultur und das Menschentum, der Haß, der zu demütigen und in den Staub zu werfen trachtet, was groß und schön aus dem Volke selbst erwachsen ist Das ist der Haß, der die Völker zerspaltet und den neuen Krieg gebiert! Ein Volk, dessen Arbeiter ihrer Freiheit froh Werke der Kultur für sich und ihre Kinder errichteten, die dem Elend die Stirn boten, ist ein Spielball der Politik der Mächte geworden. Sein Selbstbestimmungsrecht ist gleichgesetzt worden mit den Plänen einer Abenteurerbande, die sich auf einige Zehntansende Bajonette stützt. Von den Mächten bewaffnet gegen den Hitlerfaschismus, haben cfiesÄ Landsknechte den österreichischen Faschismus mit Blut begründet! Im Spiel um die Vorbereitung eines neuen Krieges, der über Hitler als gute Katholiken. Aber diese Katholiken stehen nicht nur miteinander in einem Streit, an dem sich ein neuer Weltkrieg zu entzünden droht, sondern sie sind auch für alle Zeiten verabscheuungswerte Verkörperungen einer unmenschlichen Gesinnung geworden. In der menschlich freien Atmosphäre, die von der Sozialdemokratie geschaffen war, hatte die Kirche glückliche Zeiten erlebt, während sie jetzt unter Hitler und Papen harte Bedrückung erleidet. Aber sie scheint aus dieser bitteren Erfahrung nur den Schluß gezogen zu haben, daß sie zur Sicherung ihrer eigenen Herrschaft einer besonderen Sorte von Faschismus bedarf. Diese besondere Sorte von Faschismus hat jetzt in Oesterreich in einer Weise gewütet, daß sie jedes Recht, sich von ihrem reichsdeutschen Bruder moralisch abzuheben, verloren hat. Widerlich und über alle Maßen verächtlich ist die offene Schadenfreude, mit der die r e i c h s d e u t s c h e Despotie das Trauerspiel Oesterreichs begleitet. Wie die Bestialitäten des deutschen Faschismus den italienischen zur Folie dienen müssen, um ihn als noch verhältnismäßig menschlich erscheinen zu lassen, so beteuert jetzt der deutsche Faschismus angesichts der österreichischen Schlächtereien heuchlerisch seine bessere Wesensart Er dankt dem Herrn, daß er nicht Ist wie jene, und wäscht seine Hände In Unschuld. Vor dem Licht der Wahrheit haben diese Lügen keinen Bestand. Wohl, der deutsche Faschismus, bat keinen ge- dea Völkern wie eine drohende Wolke hängt ist an der österreichischen Arbeiterschaft ein ungeheueres Verbrechen verübt worden. Die Westmächte haben Hitler stark werden lassen. Ihr Zaudern hat alle Diktaturlflstemen ermutigt Die Errichtung der Filiale des Mussolini-Faschismus in Wien— das ist die Folge ihrer Politik! Das Gewissen der Welt schläft— das war die Stunde für die großen Verbrecher des Faschismus. Mit atemloser Gespanntheit hat die Welt den beispiellosen Kampf in Oesterreich verfolgt.— Wenn die Spannung weicht, muß ein Schrei des Entsetzens und der Empörung sich erheben gegen das Verbrechen der Dollfuß, Fey und Starhemberg. Das düstere Feuer der Wiener Erhebung leuchtet weithin. Wir, die wir nach Deutschland blicken und um Deutschland ringen, sehen in seinem Scheine den Weg und die Aufgabe vor uns: ungeheuer, voll Ernst und Opfer, wir sehen, daß jeder Schritt vorwärts zur Freiheit erkämpft werden muß. Revolutionäre Sozialdemokratie! Ueber dem Wort leuchtet riesengroß der Feuerschein von Wien! waltsamen Widerstand gewaltsam gebrochen, weil er keinen gefunden hat. Dafür, daß er seine Gegner nicht im Straßenkampfe niedermetzeln konnte, hat er sich aber entschädigt, indem er die Wehrlosen In Gefängnissen und in Konzentrationslagern zu Tode foltern ließ. Mit dem furchtbaren Beispiel der deutschen Arbeiter vor Augen konnten sich die österreichischen nicht das Joch auf ihren Nacken legen lassen. Der Entschluß, sich nicht widerstandslos in die gleiche Knechtschaft hinabstoßen zu lassen, preßte ihnen die Flinte In die Faust. Das an der Arbeiterklasse Deutschlands begangene Verbrechen und seine Nachahmung durch die heimwehrfaschistischen Stümper war die eigentliche Ursache des Blutbades in Oesterreich. Und so schließt sich der Ring. Es erweitert sich jener Teil des europäischen Raums, in dem der Freiheitskampf der Arbeiterklasse nur noch als revolutionärer Kampf geführt werden kann. Insoweit hat der schwarze Faschismus den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zur Wirklichkeit gemacht. War die österreichische Katastrophe ein Nachspiel zur Tragödie Deutschlands, so haben wir heute ein Recht, die Erhebung der Proletarier von Wien und Graz, von Linz und Steyr als ein Vorspiel jener endgültigen Auseinandersetzung zu betrachten. die zwischen den deutschen Arbeiter und ihren Würgern eines Tages stattfinden wird und die vorzubereiten nun für die Revolutionäre Deutschlands und Oesterreichs g e- meinsame Aufgabe geworden ist Blutendes Oesterreich Das Werk des schwarzen Faschismus famekhoftet itegemte Ein Arbeiter unterm Beil— ein Lump Herr Leben und Tod über Hitler wird getragen von der Liebe dee Volkes. Wenn er ira Auto ausfährt, muß er anfpassen, daß Ihm Mütter mit ihren Kindern vor lauter Liebe nicht ins Rad laufen. So sagte er selbst in einer Rede. Hier aber •wollen wir Tatsachen sprechen lassen, die das blutige Gesicht Deutschlands zeigen. Ein junger Arbeiter muß den Kopf unters Beil legen, weil er an eine große Idee glaubt. Derjenige aber, der das schöne, menschliche Begnadigungsrecht ausüben darf, trotzdem aber den Befehl zur Ab- schlachtung des jungen Menschen gab. ist ein— krimineller Lump. Dieser grauenhafte Gegensatz beleuchtet die deutsche Verbrecherherrschaft in ihrer ganzen Furchtbarkeit Aus Hamburg wird am 9. Februar amtlich gemeldet: Die vom hanaeattecheu Sonder- fericht gegen August Retzlag wegen Mordes ausgesprochene Todesstrafe ist am Morgen des gleichen Tages im Hofe des Unter. suchungsgefängnisses durch Handbeil vollstreckt worden. Der Reichsstatthalter von seinem Gnadenrecbt keinen Gebrauch gemacht Eine AUtagsmeldung des Dritten Reichs. Todesurteile und Hinrichtungen gehören zum Wesen der Hitlerdiktatur, und nach der grauenhaften Massenhinrlchtim« der sechs Kölner Kommunisten erregt die Tatsache einer Hinrichtung die OeffentHohkeit kaum noch. Dennoch soll und darf diese Hamburger Meldung nicht untergehen, denn sie offenbart In der Tragödie eines Menschen das barbarische Wesen des deutschen Faschismus. Was steht hinter den dürren Worten der amtlichen Meldung an erschütternder Wirklichkeit Das Sondergerfchl hat einen Kommunisten. der des Mordes an einem Hitlerjungen beschuldigt wird, zum Tode verurteilt. Der Mord geschab In jener sturmbewegten Zeit in der Kommunisten und Nationalsozialisten die rohe Gewalt Schießprügel und Bomben als Mittel des politischen Kampfes propagierten und an- wandten. Opfer fielen auf beiden Selten. Schul- dige standen auf beiden Selten, aber wahrend die nationalsozialistischen Mörder ausnahmslos frei ausgehen und sogar noch als Manner der »nationalen Tat", als Kameraden des Führers gefelerf werden, müssen die Kommunisten zn Dutzenden üire Taten mit dem Leben büßen. werden Schuldige und Unschuldige auf das Schafott gezerrt In der Justiz des Dritten Reichs geht Gewalt vor Recht, und die Urteile der Sondergerlchte strafen fast täglich den Reichskanzler Hitler Lügen, der nicht müde wird, der Welt von der unblutigen und humanen .jnationalca Revolution" in erzählen. Doch die Hinrichtung des Hamburger Kommunisten Retzlag sagt noch mehr. Sein Haupt fiel weil der Reichsstattbalter von seinem Gnadenrecht keines Gebrauch machte. Die Hamburger Hinrichtung ist die erste, Sfdtdem Hindenburg im Zuge der Durch iührung der sogenannten Reichsreform vom 30. Januar 1934 das Gnadonrecht für Preußen auf Hitler und für die übrigen Linder auf die Reichs- staith alter übertrug. Vor dem 30 Januar 1934 lag dieses Recht, über Leben und Tod von Menschen n verfügen, in den Händen der Staatsministerien der Länder, Jetzt gflt auch hier das„FO hrerprjnzlp"- Ein Mensch entscheidet Ober Tod und Leben, ein Mensch in Jedem Land des Deutschen Reichs spricht das letzte Wort über daa Leben seiner Bürgerin Hamburg sprach dieses letzte Wort der Reichsstattbalter Kaufmann- Wir stellen keine großen Anforderungen an die moralischen und menschlichen Qualitäten der führenden Männer des Nationalsozialismus. Die Zahl der großen Verbrecher und der moralisch Minderwertigen Us der Führung der Nationalsozialisten ist so groO, daß schon ein leldHch Anständiger als etn Lichtblick In der Finsternis neudeutscher Barbarei erscheint. Aber wie groß muß die Gewissenlosigkeit eines Hitler, wie groß muß die Wlllenloslgkdt eines Hindenburg sein, wenn beide das Cnadcnrecht. die höchste. edelste und verantwortlichste Punktion eines jeden leMHch zivilisierten Staatswesens In die Hand eines Mannes wie den Reichsstattbalter Kaufmann legen. Wer ist Kaufmann? Ksimnann ist«In Mann des Jahrganges 1900, zählt also heut« knapp 34 Jahre. Der Umsturz hat Ihn an die Spitze des Hamburger Staates getragen, und selbstverständlich wurde er auch Reichsstatt. balter. also unmittelbar Beauftragter de« Reichskanzlers Hitlers- Zu dieser Maehtstel- lung kam Kaufmann, obwohl Ihn sein« Parteigenoesen seit Jahr und Tag der D 0 g e. der schweren Urkondcnfilschoni und der Ehrabschneiderei b«zlchtlg«n. Schon am 2?. Juli 1929 hat die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei, Bezirk Bergisch Land-Niederrhem über ihren Parteigenossen und Gauleater Kaufmann folgende Feststellungen getroffen: 1. Kaufmann hat 8 Jahre lang seinem großen politischen Bekanntenkreis wahrheitswidrig vorgelogen, er sei alter Frontsoldat 2. Um diese Lüge glaubhaft zu machen. hat er sowohl mit dem SK. II als auch mit dem Ofüziersflieger-Beobachtungszeichen Ordensschwindel getrieben und diese Auszeichnungen, deren letzteres nur für Tapferkeit vor dem Feinde verliehen wurde getragen. Dieses bis in die letzten Jahre hinein.(Anlage- Urkunde). 3. Pg. Kaufmann nahm anläßlich der Wahlen November— Dezember 1924 in seinem F a- milienstammbuch eine Urkundenfälschung vor. um dadurch ein Jahr älter zu soin und sfeh hierdurch das passive Wahlrecht zu erschleichen. Zeuge hierfür; Der Bruder Alfred Kaufmann, z. Zt München-Hohen- zollernstraße Es liegt hier schwere Urkundenfälschungen nach§ 267. Abs. 2 BGB. vor. Dieser§ besagt;..Wer in rechtswidriger Absfcht" zum Zwecke der Täuschung Inländische öffentliche Urkunden verfälscht und von derselben zum Zwecke der Täuschung Gebrauch macht wird mft Gefängnis bis zu 5 Jahren bestraft 4. Kaufman gab sowohl dem Pg. Veller wie auch dem Pg. Koch eine ehrenwörtliche Versicherung ab. die sich späterhin als u n- wahr Hcraustellte(Aussagen. Urkunden wie Feststellungen seitens Major Buch selbst.) 5. Kaufmann hat In unverantwortlicher Welse die Gattin des Pg. Lutte wie die des Pg. Koch verleunxlet und ihnen dadurch die Ehre abgeschnitten. Ein Untersuchungsausschuß der Partei hat alle diese schweren Vorwürfe als erwiesen festgestellt Trotzdem Ist Kaufmann einer der höchsten Beamten des Dritten Reichs, und ein Lügner. Urkundenfälschcr und Ehrabschneider entscheidet als Gnadeninstanz Ober Tod und Leben. Unter den Verbrectiem. die heute Deutschland regieren. Ist Kaufmann ein kleiner Lump. Er hat sich seinen Weg mft Lügen und Urkundenfälschungen nach oben gebahnt, wo andere— nennen wir nur Heines und Göring— über Leichen gingen. Aber daß diese kleinen Lumpen, die um persönlichen Vorteils willen lügen und betrügen, heute Führer der Nation genannt und mit der Machtvollkommenheit solcher Führer gesetzlich und legal ausgestattet werden, das kennzeichne« das System. Wir haben fürchterliches, unvorstellbar Grausames in dem einen Jahr Hitlerdiktatur erlebt und die Fülle des Erlebten droht selbst unseren Blick zu trüben, für die erschütternde Verwahrlosung von Sitte. Kultur und Recht. Hier aber, wo zwei Menschen vor unser Auge treten, der Junge Kommunist der sein Leben verwirkte und der Junge Lump, der In Hitler deutschland das Gnadenrecht ausübt offenbart sich die Größe der Kulturschande, die das faschistische System bedeutet. Im Kampf gegen dieses System geht es nicht nur um eine neue staatliche und wirtschaftliche Ordnung, es geht nicht nur um die Beseitigung der Gcwalther schalt einer gewissenlosen Fflhrerclique. es geht um Sauberkelt Wahrheit und Würde; kurzum es geht um die Menschlichkeit B Täglich besser und besser? Elend ond Knechtschaft! Es liegt uns eine Reihe von Berichten über die Lage der deutschen Arbeiterschaft vor. In Rundfunkreden und Propagandaartikeln betet das Regime den bekamen Vers: Es geht den Arbeltern täglich besser und bess�l, in Paris mit großen Staats, und Pr(v«tauMr|g«n lange Sicht, sucht Beteiligungen. Bei entsprero® der Einlage aktive Mitarbeit möglich. lose Kapitalsanlage bei hohem Gewinn. eiferten«rbeten an Dr. Boris Skomoro*� — 141 nie Broca— Paris(13 e). Ptf dtohtMfa flttäQSQtfoiit Die englische Begünstigung der deutschen Rüstungen Am&. Februar hat das englische Unterhaus das englische Memorandum zur Abrüstungskonferenz beraten. Dies Memorandum gestattet eine deutsche Aufrüstung, es ist der sichtbare Ausdruck der Tatsache, daß von Abrüstung keine Rede mehr ist in der Debatte sprachen für die Arbeiterpartei die Abgeordneten Attlee, Cocks und Sir Stafford Gripps. Ihre Reden, die wir im fo'gendcn wiedergeben, kennzeichnen die gefährliche Spannung ra Europa. Attlee(Llmehouse): Meine Parteifreunde haben nie erklärt, daß sie mit den Vorschlägen des Abrüstungskon- ventionsentwurfs zufriedep seien und sie sind nicht im allermindesten zufrieden mit dem neuen Memorandum. Es scheint mir ein äußerst bedauerliches Elaborat als Ergebnis der Abrüstungsberatungen zu sein und es gilt zu erkennen, wie sehr dieses Resultat den früheren Fehlern der britischen und anderer Regierungen zuzuschreiben ist Im Verlauf der Debatte über die Abrüstung haben wir eine allmähliche Aenderung der Ausdrucksweise erlebt Seinerzeit sprachen wlr von Abrüstung allein; dann tauchten Fragen der Möglichkeit der Wiederaufrüstung auf: und nun Ist man in der Rede des Außenministers bis zur Regulierung der Rüstungen und der Wiederaufrüstung gelangt Wir gingen aus von der Grundlage, daß die Welt abrüsten solle; nun sagt man uns. daß es keine Möglichkeit gebe, die Waffen sofort aufzugeben, die den abgerüsteten Ländern verboten wurden, weil es sich um Offensivwaffen handelte. wan erzählt uns, daß offenkundig eine solche Lösung gegenwärtig praktisch unerreichbar *«l. Das Memorandum schwelgt sich allerdings darüber aus, warum das unerreichbar sel- Das Memorandum Ist In der Hauptsache •In Vorschlag für die Aulrüstung Deutsch. fands(Beifall bei der Opposition). Praktisch sagen wir wiederum, daß Deutschland eine Armee, and zwar eine vergrößerte Armee haben solle. Zunächst haben wtr zugestimmt daß eine Kommission für die Abschaffung der Mllltär- luftflotte tagen solle, aber man hat so wenig Zutrauen dazu, daß besondere Flugzeugabwehrgeschütze für die zwei Jahre vorgesehen sind. hi denen die Kommission tagen soll. Daraus «rgibt sich vollkommen klar, daß wir nicht htnsthaft daran glauben, daß die Abschaffung der Luftflotte erzielt werden kann. Sir John Simon hat besonders die absolute Notwendigkeit hervorgehoben, Deutschland die �'«ichhelt zuzugestehen. Er hat das darge- •'•"t als wäre das eines der Axiome, die nlo- ®and Oberhaupt In Zweifel ziehen könne. Was ®'ch besonders berührt Ist wie plötzlich die Bekehrung des Außenministers und derer, die ""t Beifall klatschten, gekommen Ist Deutschlands Stellung nach dem Vertrag von Versailles Ist Immer wieder hervorgehoben worden. Deutschlands Forderungen Wurden Immer wieder abgelehnt und erst '•tzt Ist die große Erleuchtung Ober den Außenminister gekommen und er Hat entlockt daß es ein Axiom sei. daß Glcichbe- '•chtlgung bestehen müsse. Der Außenminister Ist ein großer Rcchts- •"vait und die Frage, die die Welt seit dem ""•g bewegt hat war die. ob die Gewalt öder das Recht herrschen soll Der große Rechtsanwalt hat mehr fflr die Herrschaft der pevalt gegen die Herrschaff des Rechts gc- J'n«Is Irgend ein anderer Außenminister(Bel- " bei der Opposition). Deutschlands Gleichberechtigung wird zu •pät gewährt; sie wird nicht der Vernunft, »oodern der Gewalt gewährt In der Tal hat ''vr Außenminister gesagt daß der Weg« •twas durchzusetzen, der sei. die Abrüstungs- «onlerenr zu verlassen, ans dem Völkerbund '"szutreton und kriegerische Reden zu lüh- j"*"' dann erhält man Konzessionen(Beifall bei der Opposition). 4s«elbe hat der AuOenminister schon früher eniacht indem er die Herrschaft de« Rechts «r Frage des Fernen Ostens zugunsten der n'[rtchaft der Gewalt stürzte(Beifall bei der Opposition). Die Herren De"tslJ.,* dafür ««en gesagt, daß Japan ein Vorbi d da'ür». wl« man dl« übrige Welt beh�de,°"S«. Das wirkliche Versagen der �nferenz«t nicht in der Hauptsache den Schwierigkeiten bei der Erörtcrung von b- öder äü-Tonnen-Tanks oder von Aeropl.nen abzuschreiben, sondern dem Umstand, daß prundsatz dar Nichtanwendung der p® internationalen Angelegenheiten %«cht durchgesetzt worden sei. Wen» Memorandum liest, daß„das Ziel die Aufrechterhaltung des Friedens ist Obwohl die Stetgerung der bewaffneten Kräfte aus Gründen der Verteidigung erfolgen mag, Ist sie ein Zeichen der Furcht vor Angriffen von anderen und ein Maß für die Erregung und die Zwietracht zwischen den Völkern", so ist das ein Beweis fflr den Mangel an Vertrauen zum System kollektiver Sicherheit des Völkerbundes und zu allen Vertragsgarantien(Beifall bei der Opposition). Die ganze Idee der Sicherheit brach zusammen, als die Weit sich in der Angelegenheit des chinesisch-Japanischen Konfliktes nicht durchsetzen konnte(Beifall bei der Opposition), was tatsächlich bedeutete, daß man zur Weltgarantie kein Vertrauen haben könne. Was nützt es, wenn man im Memorandum glaubt, die Forderung nach Sicherheit durch die Sammlung einer Anzahl Papiergarantien erfüllen zu können und schließlich erklärt,„man hat ein Recht zu erwarten, daß, wenn diese Bestimmungen und Verpflichtungen feierlich eingegangen würden, sie nicht leichtfertig verletzt würden und jeder Verletzung auf die praktischste und wirksamste Weise dadurch begegnet würde, daß die Regierungen und Staaten sofort zur Unterstützung des Weltfriedens und zur Herstellung des Einvernehmens gegen den Friedensstörer und Rechtsverletzer zusammentreten?" Das Schlimmste Ist, daß gegenwärtig kein wirklicher Glaube an Sicherbelt besteht. Die Labour Party hat niemals ihre Ueber- zeugung verschwiegen, daß um der Sicherheit willen die volle Abrüstung verwirklicht werden müsse. Sie wurde als Kriegshetzertn angeprangert, als sie vorschlug, daß England sein Wort erfüllen solle, was nicht notwendigerweise Krieg meinte. Es bestehen zahlreiche andere Wege, den Frieden zu erzwingen, aber wenn man an ein Kollektivsystem glaubt, müssen gewisse Sanktionen dahinter stehen. Vielleicht ist das Wissen um den Umstand, daß Sir John Simon niemals bereit war durchzuhalten, wenn es zu diesem Punkt kam. dafür verantwortlich,-daß wir• immer wieder zurückweichen mußten. Es hat keinen Sinn, wenn der Außenminister sich stark macht, da es bekannt Ist, daß er niemals um Irgend einer Sache willen, nicht einmal um der kollektiven Sicherheit wll- len das Schwert ziehen werde. So lange die Welt von den Grundsätzen innerer Konkurrenz und von gegnerischen Parteien zerrissen wird, die den nationalen Enthusiasmus für Ihre eigenen Zwecke ausnützen. so lange werden wir mit der Abrüstungskonferenz nicht weit kommen. Die Labour Party ist der Meinung, daß das Acußerste. was aus diesem Dokument, selbst wenn es von Deutschland. Frankreich und den anderen Mächten angenommen würde, herausgeholt werden könnte, eine sehr kurze Atempause ist die nicht mit Arbeit für den Frieden, sondern mit Manövern für die nächsten Kriege erfüllt wäre.(Beifall bei der Opposition). Cocks(Broxtowe) Das Versprechen der Gleichberechtigung an Deutschland bat sowohl den friedensfreund- liehen Elementen In Deutschland als auch der Abrüstungskonferenz selbst einen Streich versetzt Deutschland verlangt volle Aufrüstung zn Land, zur See und In der Luft in Durchführung seiner Politik, das Wort Frieden aus dem Wörterbuch der Welt zu streichen. Deutschlands Ziel Ist nicht die Gleichheit, sondern die militärische Vormacht In Europa, nm seinen Willen den Nachbarn aufzuzwingen und schließlich den Versalller Vertrag zu zerreißen. Dennoch schlägt die britische Regierung vor, Deutschland die Wallen zurück zugeben. die man Ihm hn Veraailler Vertrag nahm. Glaubt Irgend Jemand wirklich, daß ein von Deutschland unterzeichne- ler Mchtangrlllspakl überhaupt etwa» wert sei?(Hört, hört!) Angesichts der gegenwärtigen Lage In Deutschland sind die Vorschläge im Memorandum lächerlich. Da Deutschland den Völkerbund aus eigenem Willen verlassen hat sollte kein Versuch gemacht werden, e« wie- der dorthin zurückzuführen. Wenn Deutschland draußen ist, soll es draußen bleiben, so- feme es nur die Bestimmungen der verschiedenen Verträge beobachtet, die es utitcrieich- net hat(Hört, hört!) Der einzige Weg, Sicherheit ru erzielen. besteht für alle Völker darin, einen eindeutigen Vertrag abzuschließen, wonach Jeder von ihnen, der nach Schiedsgerichtsbarkeit ungerecht angegriffen wird, von allen anderen unterstützt wfrd. Ein Teil dieses Paktes muß eine Definitfon des Begriffs �Angreifer'4 sein. Sir Stafford Gripps. Das Memorandum entspricht nicht der Wirklichkeit. Es ignoriert bekannte und entscheidende Faktoren der internationalen Lage. Will Herr Eden ausdrücklich erklären, ob wir, wenn andere Regierungen bereit sind, bis auf das Niveau von Deutschland abzurüsten und alle Offensivwaffen abzuschaffen, bereit wären. dasselbe zu tun? Weira die Regierung diese Frage nicht beantworten kann, Ist es absolut falsch, daß sie im Memorandum Erklärungen abgibt, aus denen hervorgebt, daß der Fehler nicht bei ihr liegt Die Wahrheit scheint zu sein, daß kein Land bereit ist, sich den Gefahren wirklicher Abrüstung auszusetzen, efflne mehr zu empfangen als bloße Papiersicherheil. Der Umstand, daß wir selbst bestimmen wollen, ob ein Angriff vorliegt, macht die Sicherheit für die anderen Vertragsparteien ungewiß. Solange diese Lage besteht, ist es unmöglich, wirkliche Abrüstung zu erzielen. Das Einzige, was zn tun Ist, besteht darin. Irgend eine Form Internationaler Polizei zu errichten. Wenn nicht irgend etwas dieser Art geschaffen wird, kommen wir niemals Ober die Hauptschwierfgkelt der Sicherheit hinweg. ohne deren Ueberwindung die Diskussion über die Größe der Heeresstande, die Zahl der Tanks, Gewehre usw, bloße Zeitverscb Wendung ist. Ich möchte ferner fragen, ob bei der geforderten allgemeineD Zustimmung auch Japan eingeschlossen ist, andernfalls wäre das Dokument für den Papierkorb bestimmt Die Länder, die die Abrüstung wollen, müssen den kriegsstifteuden Ländern erklären, daß sie sich entscheiden müssen und daß sie sich abseits stellen müssen, wenn sie nicht die Regeln akzeptieren wollen, die die anderen Länder wünschen. Proletariat minderwertige Rasse Hitler« neueste Rassentheorie Hitler hat der Unternehmerdiktatur ein neues Stichwort gegeben: Das Proletariat ist eine Unterrasse, die Unternehmer bilden die Herrenrasse, Der Marxismus ist— so hat er in einer Rede vor Studenten verkündet— der Versuch, die Völker in ihre Rassenkerne aufzuspalten, um die minderwertige Rasse— das Proletariat— gegen die Erobererrasse aufzuwiegeln. Das ist eine Lehre, die einem Feudalherrn aus dem 9. Jahrhundert Ehre gemacht haben würde. Für den Anstreicher aus Braunau ist es eine blöde Selbstbeschmutzung! Er hat die Roscnbergschen Konzepte schlecht gelesen! Das Aufspalten nach Rassenkernen Ist nicht marxistisch— es ist von jeher eine alldeutsche Lieblingsidee gewesen! Eroberte Völker von Rassengerichten untersuchen zu lassen— die„nicht germanische" Rasse daim zu entrechten, zu versklaven, ihre Ehe und Fortpflanzung zu verbieten— das ist alldeutsche Tradition. Sie hat Ihren Niederschlag In Hitlers Buch„Mein Kampf" gefunden. Hitlers VorbiM, Josef Ludwig Reimer, hat ihm das Aufspalten nach Rassenkernen vorgebetet. In seinem Buch„Ein p a n- germanlsches Deutschlan d", das im Jahre 1905 erschien, enthüllt er, welches Schicksal er den Franzosen und den slawischen Völkern zugedacht hatte. „Die in Betracht kommenden, In ihrer Masse agermantseben Völker in Ihre Kompenenten zu zerlegen, das Germanische an uns zu ziehen und zu verdeutschen, das Agermanische abzustoßen... Die Geschichte hat uns bisher kein Beispiel geliefert, wie man eine Nation in die sie zusammensetzenden Rassen zerlegt Ich stelle mir vor, daß man— etwa so. wie es heute in den Rekrutierungskommissionen angedeutet(st-- eine Art Kommission aus Anthropologen, Züchtern, Künstlern und Aerzten mit dieser Aufgabe betraue." Hier ist die OoeUe der Aufspalterei nach Rassenkernen! Hitler hat sie übernommen— nur mit dem Unterschied, daß er sie am deutschen Volke erproben wlil! Er braucht dazu keine Kommissionen aus Anthropologen und Züchtern. Fflr ihn ist es klar: wer Prolet Ist ist minderwertig! Also sprach er zu den Studenten: „Eines aber muß uns allen klar sein; Wenn wir auf die Erhaltung der Gemeinschaft des deutschen Volkes überhaupt Wert legen, müssen wir die politische Führung autoritär Jenem Bestandteil 0 b e r t r a g e n, der nicht nur hierzu von Natur aus geeignet Ist, sondern auch durch seine g e s e h I c h t I I c h feststell. bare Tätigkeit die Bitdung des deutschen Volkes ermöglichte und vollzog." Meint er die Hohenzollarn und ihre Junker, meint er die Unternehmer, oder meint er sich selbst? Eines ist sicher: das Verhältnis der Unternehmer zum Proletariat wird von ihm bezeichnet als das Verhältnis von höherwertiger zu minderwertigen Rasse. Seine eigene Rassenmischung ist mindestens zweifelhaft, fest seht nur, daß er ebenso arisch Ist wie die Japaner. Mit der tassenmäßigen Herkunft der HohenzoIIern und des Feudaladels Ist es eine ebenso zweifelhafte Sache, von den Unternehmern gar nicht zu reden- Das deutsche Volk ist nun einmal ein Mischvolk, das ebenso wenig einen ein-, beitlichcn Kern hat wie es Jeweils ein wirkliches Muttergebiet besessen hat! Eins aber ist sicher: das deutsche Industrieproletariat stammt aus „Blut und Boden" und von der Scholle! Es ist vom Land in die Stadt geströmt, weil Stadtluft frei macht! Es sipd die Nachfahren der getretenen und gedrückten Bauern und Landarbeltern, Ihre Stämme reichen zurück in die deutsche Landbevölkerung, Ihr Weg in die Stadt war ein Weg zur Freiheit! Es Ist der blutigste Hohn, wenn der aus Braunau zugelaufene Hitler, der aus ähnlichen Schichten stammt, heute die Nachfahren der deutschen Bauern als minderwertige Rasse beschimpft, nachdem er Im Dienste der Unternehmer ihnen die Freiheit geraubt hat! Wenn ein Narr In seinen Reden die Weltgeschichte umdreht, wird sie deshalb doch nicht anders! Diese beschimpfende Mlndcre- rassentheorie Ist ein Selbstverrat Hitlers an sich selbst, Ist eine Bauchmtschcrel vor den Ausbeutern, ist die Gesinnung eines echten Kleinbürgers! Der Drang nach Freiheit hat die Vorfahren der Proletarier vom Lande In die Stadt getrieben. Der Drang nach Freiheit hat die Proletarier zum Sozialismus geführt Der Drang nach Freiheit wfrd einst die„Herrenrasse" der Hitlerdiktatur stürzen, und wo dieser Drang nach Freiheit ist— da Ist In Wahrheit das deutsche Volk) Rassenprüfung beim Adel In den Gothaischen Taschenbüchern(Qr das Jahr 1934 wird mitgeteilt daß in den deutschen Adelsfamihen eine Nachprüfung der arischen Abstammung eingesetzt habe. Auf Anordnung der Deutschen Adelsgenossenschaft hat Jeder Adelige seine Ahnentafel beim Deutschen Adelsgericbtshol, dem ein Vertreter des Deutschen ministeriums angehört einzureichen. Es wird die arische Abstammung lückenlos bis zur 32. Reihe gefordert Wenn dieses Unternehmen tatsächlich durchgeführt wird, darf man annehmen, daß nur ein sehr geringer Teil des deutschen Adels sich ah„a r I s c h" erweist Denn schon Jetzt wo nur der Nachwels verlangt wurde, daß man keine Jüdische Großmutter habe, mußte für das Offizierskorps der Reichswehr eine Ausnahmebestimmung getroffen werden, da sonst dte Gefahr bestand, daß ein großer Teil der adligen Offiziere den Dienst hätte quittieren mfls- sen. Bs muß auch daran erinnert werden, daß vor kurzem ein Artikel von Karl Pahrenhorst dem wtssenschaftUcheo Mitarbeiter beim Sachverständigen für Rasseforschung Im Reichsministerium des Innern(so was gibt es!) durch die Presse ging. In dem In langen Ausführungen dargelegt wurde, daß kein„Jüdisches Blut In den Adern des Pürsten Otto von Bismarck" fließe. In diesem Artikel wurde bitter darüber Klage geführt daß der Im Jahre 1914 in München erschienene„S c m i-G o t h a", der an sich ein durchaus verdienstliches Werk sei. durch kritiklose Aufnahme vieler Adels- geschlechter, die auch nicht einen Tropfen jüdischen Blutes In sich tragen,„v 1 c l U n h e i 1 In völkischen Kreisen angerichtet" habe. Was wird werden, wenn die deutschen Adeligen Jetzt Ihre Ahnentafel bis zur 32, Reihe beim Adelsgerichtshof einreichen mflssea? Pie Hitler läßt den Gereke-Prözefi wieder aufrollen, um einen Skandal gegen die monardustisdien Junker zu entfesseln! Man schreibt uns: Es ist kein purer Zufall, daß gerade in diesem Augenblick das Reichsgericht dem Revisionsantrag des Berliner Staatsanwalts stattgegeben und das Urteil gegen Doktor Gerecke aufgehoben hat. Und erst recht nicht, daß die Leipziger Richter zugleich beschlossen haben. die dem Angeklagten Gerecke seinerzeit Im Falle Hindenburg-Wahlionds gewährte Amnestie dürfe nicht gelten. So daß also auch dieser Zentralpunkt der Beschuldigungen nunmehr im Gerichtssaal erörtert werden muß. Die Leipziger Mitteilung wird gewissen feinen Herren in Deutschland wie ein Schreck in die Glieder gefahren sein. Das war die unverkennbare Absicht der Hitler-Regierung: Sie will gegen die Leute, die schon monarchistische Morgenluft witterten, einen Korruptions-Skandal entfesseln, daß ihnen für lange Zeit die Lust zu Fronde-Versuchen vergeht. Der Stoß zielt aber noch weiter! Er soll einen Kreis treffen, der noch immer den letzten imperatorischen Unterwerfungs-Plänen Hitlers hindernd im Wege steht: die Personen um Hindenburg und, womöglich, der Reichspräsident selber sollen diskreditiert werden! Damals, im Juni vorigen Jahres, als Gerecke auf der Anklagebank saß und auch die Frage erörtert werden sollte, was aus den In beträchtlicher Menge übriggebliebenen Geldern des Hindenburg-Wahl- ausschusses geworden war, wurden durch die erforderlichen Zeugen-Meineide und durch die Prozeßregie des gehörig instruierten Gerichtsvorsitzenden, der einfach alle verfänglichen Fragen im weiten Umkreis abschnitt, die dunklen Punkte aus der Beleuchtung ausgeschlossen. Die Bloßstellung des Hindenburg-Kreises paßte zu jener Zeit den braunen Machthabern noch nicht In den Kram; sie brauchten noch den alten Herrn und wollten es sich auch nicht mit einer noch einflußreichen Clique verderben. Seitdem sind in der politischen Landschaft erhebliche Veränderungen vor sich gegangen. Der Widerstand aus der monarchistisch-agrarischen Gegend wird unbequemer; er ist besonders fühlbar im Offizierskorps und in den hohen Kommandostellen der Reichswehr. Hitler zahlte die ihm von der deutschen Reaktion zugeflossenen Millionen in Gestalt von über 200 Millionen Osthilie-Gelderfl zurück. Er glaubte, die Ostelbier dadurch für immer bei der Stange zu halten. Aber dann erlebte auch er die deutsche Treue. Und nun greift der Ehrenmann zu dem— schon von Schleicher allerdings mit katastrophalem Ergebnis versuchten— Rezept, über die anderen Ehrenmänner auszupacken. Gerecke ist damals nur wegen der Untreue, die er gegenüber der Landvolk-Verbandszcit- schrift begangen haben soll, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und hunderttausend Mark Geldstrafe verurteilt worden. Den engelsreinen Herren Deutschlands genügte die Verurteilung in diesem einen Falle, weil dadurch ihren propagandistischen Bedürfnissen entsprochen und zugleich auch die treibende Kraft eines Widerstandskrelses erledigt wurde. Durch die Aufrollung der Affäre Hindenburg-Wahlfonds weitet sich aber nunmehr der mehr oder minder bedeutungsvolle Korruptionsfail zu einem politischen Vorgang, dessen Zielrichtung zwar heute schon erkennbar, der aber in seinen Auswirkungen noch nicht zu übersehen ist Gerecke war In den leisten zwei Jahren vor Hitler Vertrauensmann Im Hanse Hlndenbnrg. Der alte Herr hatte diesen Jungen Mann in sein Herz geschlossen, und auch der Oberst von Hindenburg war mit ihm dick befreundet Sogar noch nach dem 30. Januar war er häufiger Besucher im Reichspräsidentenpalais. Man mußte ihn beseitigen und jener K e n d e 1 1, der einige Monate vorher lohnenden Anschluß an Hitler gefunden hatte, übernahm es— gegen spätere Barzahlung in Gestalt eines fetten Postens im Dritten Reiche—, Gerecke zu denunzieren. Man brachte den Fall von Göring — und der griff zu, weil er nun die längst her- beigesehnte Gelegenheit hatte, die eigenen Schweinereien zu verdecken und die feinen Leute auf die Anklagebank zu bringen. Der ganze Herrenklub sollte erledigt werden. Schon die sehr eingehende Erörterung der Frage, ob sich Gerckc Verbandsgelder in die eigene Tasche gesteckt hatte, ließ einen tiefen Blick werfen in den Hort deutscher Treue und deutscher HerrenmoraL Aber es wurde erst richtig brenzlig, als man darauf zu sprechen kommen wollte, wo die nichtverbrauchten Gelder der Hindenburg-Wahl geblieben waren. Nun wurde auf höheren Befehl gestopt Der junge Staatsanwalt von Haacke, der sich seiner Auftraggeber würdig erweisen wollte, wurde auffallend schweigsam. Vorher hatte er noch die feinen Herrenklub-Zeugen angeschrien, daß es für den Chef Göring nur so eine Lust war. Der Vorsitzende, der deutschnationale Jasper, hielt sich streng an die Weisung, nur einen gewöhnlichen Korruptionsfall zu sehen und verhinderte die Berührung aller heiklen Punkte. Oberst von Hindenburg schwor, von nichts gewußt zn haben. So wurde es unmöglich gemacht, die Frage anzuschneiden, ob nicht gar Gelder aus dem Hindenburg-Wahlfonds nach dem Gut Neudek gewandert waren. Vollendeter Ehrenmann, der er ist ließ der Präsidentensohn seinen Busenfreund Gereke vollkommen fallen. Auch der Gentleman Meißner benahm sich nicht anders und trug das Seinige dazu bei, daß Gereke als schwarzer Korruptionist dastand. Aus ihm sprach deutlich die Angst vor Hitler und außerdem wollte er im Dritten Reiche noch weiter Karriere machen. Doch gefährlich wurde diesem Ehrenmänner-Ring die Aussage des Herrenklub-Präsidenten von Gleichen: Unter seinem Eid erklärte er, daß Hindenburgs Sohn um die spätere Verwendung der Wahlgclder gewußt h a 1 1 e. Eid stand gegen Eid, zumindest hatte einer dieser Zeugen einen Falscheid geleistet! Aber weder Vorsitzender noch Staatsanwalt hakten hier ein und gingen dieser offensichtlichen Schweinerei weiter nach. Gleichen berief sich auch auf Schleicher, um zu erreichen, daß dieser als Zeuge geladen werde. Doch man ignorierte das einfach; Es wäre ja glatter Selbstmord gewesen, Schleicher Im Gerichtssaal über deutsche Treue auspacken zn lassen! Man half sich aus der Klemme, indem man das dunkle Kapitel einfach den politischen Vergehen zuzählte, die unter die einschlägige Amnestie vom Dezember 1932 fielen. So blieb nur der Korruptionsfall Gereke übrig. Im Reichspräsidentenpalais konnte man erleichtert aufatmen und auch auf manchen gutsnachbarlichen Höfen in der Neudecker Gegend. Und nun macht Hitler von der Waffe Gebrauch, die er für einen spätem Tag in der Hand behalten hat Diesmal wird wohl die Prozeßregie den neuen Verhältnissen angepaßt sein. Man PROBLEME DES SOZIALISMUS Sozialdemokratische Schriftenreihe, herausgegeben zur Klärung der Meinungen über die Lage in Deutschland nach dem Sieg des Faschismus. Neben authentischen Berichten aus dem Dritten Reich bringt sie programmatische Darstellungen für den Kampf gegen den Faschismus und für den Wiederaufbau Deutschlands auf demokratischer und sozialistischer Grundlage. Ihr Ziel ist es, durch Diskussion in vollster Offenheit die Sammlung aller antifaschistischen Kräfte und geistigen Strömungen herbeizuführen, Bisher sind erschienen: Tie, 1:»JlewxCuüan QegenGraphia<, Karlsbad, Kantstralie wird metrt mehr schonen, man wird dafür Sorge tragen, daß die höchsten und allerhöchsten Herrschaften dem Volke als gemeine Korruptionisten gezeigt werden. Denn man braucht auch aus innerpropagandistischen Gründen dringend wieder ein solches Spektakelstück. Wahrscheinlich wird man sich auch nicht mit den Hindenburg-Wahlgeldern allein beschäftigen, nur ihren für das Haus Hindenburg peinlichen Ursprung und ihr ebenso peinliches Ende aufdecken. Es wird sich von dem gefälligen Richter und dem gefügigen Staatsanwalt auch sehr leicht eine Brücke schlagen lassen zu dem ganzen Korruptionssumpf, den der junkerliche Osten überhaupt darstellt Vielleicht kauft sich das Haus Hindenburg und kaufen sich seine Nachbarn wieder frei. Aber die Ehrenmänner wissen nun, daß der Ehrenmann Hitler Ihre Köpfe in der Schling# hat. Und das Ist die politisch bedeutungsvolle Seite des neuaufgerollten Falles Gereke! Deutsches Arbeitslos Untertäniger erzwungener Dank für Almosen. Im„Deutschen Textilarbeiter" ist fettgedruckt folgendes zu lesen: „Die Firma Edelhoff und Schulte A.-G. in Gruiten(Rheinland) gab ihren Arbeitern und Angestellten etwa 14 Tage vor Weihnachten ein Darlehen von 20 RM. Die Rückzahlung erfolgt in kleinen Wochenraten und muß bis Ende März 1934 erfolgt sein. Auf Vorstellung des Betriebsrates bekamen die Werksangehörigen ein Weihnachtsgeschenk von 10 bis 2 RM. in bar. Der Firma Edeläiofi und Schulte A.-G. in Gruiten an dieser Stelle unser herzlichster Dank und ein dankbares„Sieg Hell" unserem Volkskanzler." Der Betriebsrat und die Arbeiter und Angestellten der Firma Edelhoff u. Schulte A.-G., Gruiten(Rheinland). Wem steigt nicht die Schamröte Ins Gesicht, wenn er ein derartiges Gewinsel liest! Ein Betriebsrat, der dem Unternehmer untertänig Dank sagt, weil er einen Welhrachtsvorscbuß gegeben hat und eine Gratifikation, die sich, unterschiedlich, von 2 Mark(In Worten zwei) bis zu 10 Mark aufwärts(für die Bonzenchargen) erstreckt! Das„Dritte Reich" hat die Arbeiter zu Sklaven erniedrigt! Zu Bettlern, die ein Weihnachtsgeschenk von 2 Mark mit einem öffentlichen „dankbaren Sieg-Heil" quittieren müssen! Festanzüge ohne feste Preise Das neudeutschc Arbeitsbesehalf ungspro- gramm nimmt immer sonderbarere Formen so- Nun wird der Arbeiter und Angestellte bereits gezwungen, sich einen zweireihigen blauen Anzug zu bestellen, um Schneider- und Textil- gewerbc zu beschäftigen. Für die Lieferanten besteht nur die Vorschrift des Abstcmplungs- zwanges für die verwendete Ware„aus einer der vier zugelassenen Stoffqualitäten, dann soll noch ein besonderes Etikett unter dem Aufhänger eines Jeden Sakkos eingenäht werden". Mit dem Etikett soll kontrolliert werden. daß vorgeschriebenes Material verwendet worden ist Im übrigen aber soll nach einer Bekanntmachung der„Deutschen Schneider-Zeltung" in der Preisgestaltung dem freien Spiel der Kräfte nach dem System des Liberalismus Raum gewährt werden. In der amtlichen G®" schättsreklame wird betont: „Die Preise werden vom Schneidermeister selbst bestimmt Es gibt also demnach keine festgesetzten Preise.... Der Maßschneiderei ist zugestanden worden, daß sie für- die Anfertigung der ersten und zweiten Stoffqualität In Frage kommt doch lst es auch gestattet, daß die Maßschneiderei Anzüge in der dritten und vierten Ouali�f anfertigen kann." Arboitsfront-Festanzüge konfektioniert odet nach Maß, in vier Stoffqualitäten zu beliebiX«0 Preisen, das Ist eine solche Vielheit von sozialer Gliederung, daß fast«he Volksgemri0' Schaft In Gefahr geraten könnte. Aber auch hier sind Vorbeugungsmaßnahmen getroff®11' Die„Deutsche Schneiderzeltuttg" schreibt: „Die Machart des Anzuges haben vir genau festgelegt eine SchnlttaufsteHung'st bereits schon gegeben worden." Im übrigen wird Einheitlichkeit und Gleichheit unter Beseitigung aller KlassengegensäC® dadurch hergestellt daß die Festanzüge sämtlich einen deutschen Steinnußknopf mit � heltsabzeichen an Jackett und Weste erhalte®' Antreten zum Rasseknrsus! Die 5taa� medizinische Akademie In Beriin-Chark"'®' bung veranstaltete auf Veranlassung de«''reua I sehen Jnstizministers vom 12. bis 14. Fri11?.,. im Hörsaal des Harnack-Hauses In Bet'1"' Dahlem einen Rassekurs. zu der 125 Richte und Strafanstaltsdirektoren amtlich befohlen wurden! Nr. 56 BEILAGE IßUÜClöOÄ 18. Februar 1934 A&pi&US&t und im P.eGQtütoUläilk Bemerkungen zum Aufruf des Partei Vorstandes Von S. Aufhäuser Nach der Niederlage der deutschen Ar- oeiterbewegung zeigte sich alsbald in( wachsendem Maße das Bedürfnis nach| Politischer Neuorientierung. Es ist auch; erklärlich, daß in einer Periode faschistischer Diktatur, die Sozialisten von jeder aktiven Teilnahme am politischen Gesche- j hen ausschaltet, das Diskutieren der i Genossen einen wesentlichen Bestandteil| Ihres politischen Lebens von heute bilden Piuß. So bemühen sich heute die besten; Teile der deutschen Arbeiterklasse, eine| Analyse der politschen und ökonomischen Situaton zu finden, den Weg zur Macht zu erörtern und eine kongrete Vorstellung vom Ziel der kommenden Kämpfe zu gewinnen. Es wäre durchaus verständlich und wünschenswert gewesen, wenn sich auch die Zentrale der SPD in Prag an diesem Suchen nach neuen Wegen betei- ligt hätte. Dagegen muß es als eine völlige Verkennung des Aussprache-Bedürfnisses angesehen werden, wenn der Parteivorstand geglaubt hat, das geistige Ringen nach Neugestaltung mit einem neuen Par- teiaufruf bereichern zu sollen. Es kommt �ohl in diesem Stadium der Selbstkritik, der Selbstverständigung, des Prüfens und Euchens nach dem richtigen Weg nicht so •ehr darauf an, den von der deutschen Katastrophe erschütterten Menschen sofort irgend einen mit Mehrheit beschlossenen und geformten„fertigen Stand- P u n k t" eines Parteivorstandes zu ser- �cren, als vielmehr darauf, den Prager Apparat in den Dienst des schwierigen Klärungsprozesses zu stellen, Die Veröffentlichung vom 28. Januar vom Parteivorstand unterzeichnet und es heißt dort: »Die Führung Ist sich dabei bewußt, daß sie der ständigen Mitwirkung nnd Beratung der Leiter der illegalen Gruppen bedarf." ese selbst erteilte Legitimation zur Füh- der revolutionären Bewegung ist j nso verfehlt, wie die Form des Mani- ests unangebracht war. Der FührungSanspruch es Pv. kann weder aus der Vergangen- - t, noch aus seiner gegenwärtigen Tä- ekeit begründet werden. Die Prager 7®ntrale kann weder die Absicht haben, 6 repräsentativen Aufgaben des frühe- " Berliner PV. übernehmen zu wollen, och sollte sie versuchen, mit Aufrufen e Parteimäßige Propaganda erneuern zu vr o �'e sol'te vielmehr ihre neue und Aufgabe darin sehen, eine Willens- a �a'e zu werden, um mitzuhelfen «„j r Programmatischen Neugestaltung Unllch wie die deutschen Antlse- . kebärden»Ich die Judenfresser keines an- Jüt? La'*j€8- Die Sucht noch die Grab- die r" d€r••Wnd«'ras«1*«fl" IU beschmutzen. �Jmmheit der Wut die Wut der Dummheit „-f c':r,re Glaube an die eigene arische Hoch- OoH?lhelL** Freude daran, den eigenen Chr'«»dersrasaigen Nächsten zu schänden hltas�5 täK"c''«ufs neue zu töten— das slles � dem deutschen Antisemitismus vorbchal- tr!« tmnachahmMchl B. Br. '«oerer Wert tg'f b»bildert«n Aufsatz:-Zwei Schwer- * reinlichen Gerichts In Schlesien' bt den �flesischen Monatsheften, Januar 34. •eftf0 Itocküche Umstände ein Rieht- bmvah! beglaubigter Geschichte bis heute totes c"'' Der Rat hat es sich damals ein HecL Celd kosten lassen- um 5einem sitick das Obergericht durch dieses Prunk- iruc, eindrucksvollen, sinnldlligen Aus- Von nia'eben- LeMer Ist diese GroBzügigkelt XoriZ tn Obergerichten nicht nachgeahmt «at a,"' s° Prächtige Richtschwerter, wie schein, 0Saaer' werden wohl immer seltene Erkeln"n*en bleiben, sowohl hinsichtlich Ihres innere ir"chen Schmucks, wie nach ihrem ZwecsL ert"t* bezeugte Vertreter ihrer 'Stimmung. Fülle des Geistes Alles durch Adolf Hitler. Das städtische Presseamt von Münster t W. begründet die Schaffung einer nationalsozUII- stischcn Bücherei auf Kosten der Gemeinde- Steuerzahler folgendermaßen: Fast täglich wirken sich Hitlers Gedankengänge In grundsätzlich neuen Anordnungen und Gesetzen aus. Und man ist mit Recht erstaunt und(ast freudig erschrocken, wenn man die Wege allmählich klar erkennt die dereinst unser so geHebtes deutsches Volk In ein glückliches Reich Mneln- führen sollen. Unübersehbar Ist die Befruchtung gerade auch des geistigen Deutschlands. Man kann die Menge des heut« auf dem Markte erscheinenden geistigen BUdnngs gutes kaum fassen. Der deutsche Buchhandel, der„freudig erschrocken" In einer noch nie erlebten Pleite steht weiß ein Lied devon zu slngeo. Wilhelm der II. überflüssig Hitler ersetzt ihn voUsUadlgi Unter der Ueberschrift„Das Ist ein Wort!" meldet die Naulpresse: Wie das Presse, und Propagandaamt der NS-Gemeinschaft„Kraft durch Freude" mitteilt erlebte die Belegschaft der deutschen Industriewerke In Spandau eine Feier von ganz eigener Art In geschlossener Einheit waren die Arbeiter. AngesfeHten und Direktoren des Wcr- kee i» der Kantine des Betriebes versammelt und hörten efne Arbeitsreportagc de« DoutschJandssenders, die In Ihrem eigenen Betriehe aufgenommen worden war. Der Eindruck dieser Feiers trmde war ungeheuer groß. Zum Schluß sprach Parteigenosse Zll- kens. und sdne Rede gipfelte In dem Satz: Wir brauchen keinen Kaiser mehr, wefj vir Adolf Hitler babea. Der Ingolstädtcr„Donaubote" veröffentlichte kürzlich ein vfelfaeh nachgedrucktes Gedicht •.eines ÖSiährlgen alleinstehenden Mütterleins, das mit einer Invalidenrente von 31.50 Mk. monatlich bescheklen thr Leben fristet". Der Schluß lautet: Und der Retter kam-- Wae niemand konnte, sieh'— er kannst ,JH 1 1 1 e r. Du, mein großer Kanzler, FflrDlchbetlchdcnRoseukranzr Der„Docaubote" meint dazu; ,dJe Hetz- Priester, die noch Immer unter dem Deckmantel der Religion den Nationalsozialismus bekämpfen", soHten sich das brave Mütterlein zum Muster nehmen. Gebet der Deutschen O lieber Herrgott, mach mich stumm, Damit Ich nicht nach Dachau kumm. 0 lieber Herrgott, mach mich taub, Damit Ich leden Unslrni glaub'- 0 Heber Herrgott, mach midi blind. Damit Ich alle« In Ordnung find'. Und bin Ich blind, stumm, taub zugleich, Dann pass' Ich für da« Dritte Reich. zucht. Ehe, Kinderer zeugung, alles wird reglementiert bis zur Sterillsierung und den Festumzügen— sofern es sich nicht um Groß» köpfete handelt. Nicht der Große, sondern der Kleine, nicht der Ooßbesitz, sondern das Dasein der Massen wird„verstaatlicht" bis zum Blödsinn. Wer sich von brauner Gleichschaltung drücken will, ist verdächtig und bat Nachteile aller Art zu befürchten. Als stumme Drohung lauert am Horizont immer das Konzen-, trationslager. Und die reglementierten, kasernierten Kleinbürgermassen— was sagen sie zu diesem Zuchthausstaat, der durchaus nicht als Durchgang zu einem freieren Dasein, sondern als Endziel gedacht Ist?! Die begeistertste Anhängerschaft des Hakenkreuzes stammt aus dem Mittelstand, kleinbürgerliche Instinkte bestimmten die Richtung der braunen Bewegung, Hitlers Sieg war ein Sieg rebellierenden Kleinbürgertums. Noch heute bilden»le die Kernr truppen seiner Anbängermassen. Denn der Kleinbürger unserer Jahrzehnte hat das Gesteht verändert. Der von ehedem wuchs noch Im Schatten des alten Wirt- schaltsliberallsmus auf: für viele Seinesgleichen gabs noch den Glauben und dlo Hoffnung, durch das„freie Spiel der Kräfte" nach oben zu steigen. Das Ist vorbei. Alle Weldegcbiete sind hoffnungslos eng geworden. Die bürgerliche Jugend blickt hilfesuchend umher, sieht iähr- lieh mehr und mehr der Ihren nach unten absinken, weiß nicht, wohin mit Ihren Kräften und wozu man etwas lernte. Sie steht ringsum nichts als Krise, Niedergang, Unordnung, Anarchie. Also fehlt Ordnung, Zucht, Zwang* Retter her! Wer gibt uns unsere Selbständigkeit wieder? Hitler hats versprochen, Hitler wird's mit der Diktatur machen.... Diese Jugend und ihre Väter wissen mit dem Begriff Freiheit vorlänflg nichts mehr anzufangen. Nun ist die(aschlstiscbe Zwangsjacke komplett. aber Unordnung und Existenzunsicherheit werden bleiben, denn Ordnung der menschlichen Lebensbeziebungen beginnt nicht mit Kasernierung oder Reglementierung der Bo- sitzloscn, sondern mit planvoller Beherrschung der Wirtschaft Thyssen Jedoch wacht darüber, daß die monopolistische Wildwlrt- schait erhalten bleibt Verboten ist von Sozialisierung zu reden! Sehr bald wird das Kleinbürgertum spüren, daß es sich unter Ordnung etwas anderes gedacht hat als die Herrschaft der Monopolherzöge und ihrer braunen Bandenführer. Dann wird auch der deutsche Mittelstand reif werden fflr die Gedanken sozialistischer, übernationaler Planwirtschaft Denn die Platte vom sozialistischen Zuchthausstaat ist erledigt Die barbarisch« Wirklichkeit des Dritten Reiche«, die Aera der Konzentrationslager, der Rasseämter und Gleichschaltung der Wissenschaft stellt alle Greuelmärchen In den Schatten, die Je über sozialistische Zukunftspläne zusammengefabelt wurden! Bruno Brandy. Das Sdioßhündehen des Göbbels Jch bedaure es. daß die deutsche Presse so schwer einen goldenen Mittelweg einhält. Entweder Ist sie anarchisch, alles zerstörend and unterhöhlend, oder kuscht wie ein Schoßhändchenr Göbbels auf der Präsidialkonferenz der Jieichskulturkammer". Die Deutschen, die Deutsdien! Adolf Hitler: JPas nicht gute Rasse auf dieser Welt ist, Ist Spreu' Preußische Jahrbücher, Januar 1934: „Wollte man die Schwarzen fragen, wen sie zu Herren haben wollen, sie würden weit über die Grenzen unsrer alten Schutzgebiete hinaus- rufen: JJie Deutschenl Die Deutschen/" Gleichgeschalteter Gespenstertanz Die deutsche Adelsgenossenschaft— das gibt es immer noch— teilt mit: „Der Adelsinarschall Fürst zu Bendbeira- Tecklenburg hat einen Adelsgerichtshof berufen, der über alle Fragen zu entscheiden hat die mit der Sammlung des relnblü- t! g e n A d e 1 s in der deutschen Adelsgenossenschaft zusammenhängen!" Adelsgonossenschaft Im Schutze des Anstre:- chens aus Braunau— noch dazu mit einem eigenen Adelsgerichtshof! Sie fühlen sich im Driten Reich! Zßua Antätwidsäuitl im DtttUu Uekk W WwWUWWWI�WrW wW*W WfWWWlr*� m�mrTwWW Planmäfiige Preissielgerung durch Zwangskarielle Fast In der ganzen Welt ist mit dem Eintreten der Agrarkrise die Agrarwirt- schaft zur dirigierten Wirtschaft geworden. Auf dreifache Weise wird versucht, eine Besserung der Lage der landwirtschaftlichen Bevölkerung herbeizuführen. Durch Währungsentwertung oder direkte Zwangseingriffe in die privaten Kreditverträge, durch Herabsetzung der Hypothekenschulden und der Zinsen oder d'rekte Staatszuschüsse wird die Erleichterung der Schuldenlast erstrebt Durch rücksichtslose Opferung der industriellen Exportinteressen wird im Wege der Zollpolitik der Inlandsmarkt der heimischen Agrarproduktion vorbehalten, das billigere ausländische Angebot von der Konkurrenz ausgeschlossen. In den Ueberschußländern, wo dieses Mittel versagt, sucht man durch hohe staatliche Prämien die Bauern zu einer Einschränkung der Produktion zu bewegen. In den Ländern mit Zuschußbedarf reizt man umgekehrt durch Sub vention zur Steigerung der Produktion an, um womöglich von der ausländischen Zufuhr ganz unabhängig zu werden, was besonders als wichtige Maßnahme der Krlegsröstung erscheint. Schließlich geht man im stci genden Maß zu einer Zwangskartellie- rung, zu Preisfestsetzungen und Kontrolle des Absatzes über. Die Manipulierung hat am frühesten in Deutschland eingesetzt und seit der nationalistischen Machtergreifung ein stürmisches Tempo eingeschlagen. Denn jeder Widerstand gegen die agrarische Preisteuerung— und darauf laufen alle Maßnahmen hinaus— ist ja durch die Niederwerfung der Arbeiterschaft beseitigt worden. Es handelt sich dabei um eine immer weiter fortschreitende Kartellierung, die der Staat zwangsweise herbeiführt und deren Durchführung er ständig überwacht— eine zur Totalität strebenden Zwangsbewirtschaftung. Dabei bedient sich der Staat im steigenden Maße der die landwirtschaftlichen Erzeugnisse weiterverarbeitenden I n- d u s t r i c n. Die Kontrolle über die Einhaltung der Bedingungen braucht dann nicht bei den zahllosen zersplitterten landwirtschaftlichen Betrieben, sondern muß bei den viel weniger zahlreichen industriellen Unternehmungen durchgeführt werden. Die Zwangskartelle werden zu Organen des Staates, durch die die vom Staat verordneten Wirtschaftsmaßnahmen den zahllosen bäuerlichen Betrieben gegenüber durchgesetzt werden. Den Anfang hat man dort gemacht, wo es technisch am leichtesten ist, bei der Getreidewirtschaft Man hat alle deutschen Mühlen, die Brotgetreide vermählen, zur„Deutschen Müllerschaft", einem Zwangskartell, zusammen. geschlossen, die Roggen- und Weizenpreise, sowie den Müllerlohn festgesetzt. Dabei sind die Preise um 10 bis 15 Mark niedriger festgesetzt worden als im Vorjahre; einmal, weil das Ernteergebnis Zeitschrift für Sozialismus H.-ft 5- Februar 1954- Ist soeben erschienen Es enthält Beiträge von; ßl;hard Kern; „Revolutionärer Soziallsmus" L. Neureither: „Klassenbewußtsein" L. Frani: „Ordnung der nationalenArbeit" Karl Falk: „Geistiger Verfall" Marius Alfer: „Sozialistische Idee" Glossen u. Buchbesprechungen Auslieferung durch Jede Buchhandlung oder durch die Verwaltung„Neuer Vorwärts", Karlsbad. Einzelpreis pro Heft: CSR. K£ 4-—-/ Polen ZI. I.—/ Schweiz Frs.—70/ Frankreich Frcs. 3-50 Halbjahrsabonnement(6 Hefte): CSR. KC 22.—/ Polen ZI. 5.70/ Schweiz Frs. 4.— Frankreich Frcs. 20.— größer ist zweitens aber, weil die bisherige Begünstigung der Getreidewirtschaft bereits das Ergebnis gehabt hat, daß Deutschland nicht nur Roggen über den eigenen Bedarf hinaus produziert sondern auch in Weizen sich selbst versorgt Man muß also einen weiteren Anreiz zur Steigerung der Produktion von Brotgetreide vermeiden, soll man nicht gezwungen sein, die überschüssigen Getreidemengen— noch mehr als bisher den Roggen— mit großen Verlusten auf den Weltmarkt zu verschleudern. Ohnehin bleibt es ungewiß, ob die jetzige Preisfestsetzung für diesen Zweck genügt und ob nicht später direkte Zwangsmaßnahmen nötig werden, um eine Erweiterung der Anbaufläche für Eirot- getreide zu verhindern. Einschneidender sind eine große Reihe anderer Maßnahmen. Zunächst die Regelung der Wirtschaft Früher wurden 60 Prozent des deutschen Fettbedarfs durch die Einfuhr von Butter, Schmalz und Margarinerohstoffen gedeckt. Das ist gründlich geändert worden! Der Schmalzzoll wurde von 10 Mark pro Doppelzentner zuerst auf 75 dann auf 100 Mark erhöht. Dadurch wurde die Einfuhr auf die»»älfte gesenkt, um zirka 55.000 Tonnen. Die Inlandsproduktion nahm aber nur um höchstens 10 Prozent zu 40.000 bis 45.000 Tonnen, etwa ein Fünftel des Vorjahrskonsums sind den deutschen Arbeitern entzogen worden und das verbleibende Schmalz kostet heute zirka 85 Pfennige gegen 48 Pfennige im Januar 1933! Gleichzeitig wurde die B u 1 1 e r e i n- fuhr durch Zollerhöhungen und Kontingentierungen weiter gedrosselt und ein Einfuhrmonopol für Oele, Oel- früchte und Tran, die Rohstoffe der Margarineproduktion, geschaffen. Dieser Reichsstelle für Oele und Fette", die jetzt die Einfuhrmengen festsetzt, wurde gleichzeitig die Kontingentierung der Mar. garineproduktion übertragen. Diese wurde auf 60. Prozent des bisherigen Umfanges eingeschränkt. Durch die Einführung einer Steuer von 50 Pfennig auf das Kilo Margarine verminderte man die Differenz zwischen Margarine- und Butterpreisen, um auf diese Weise den Konsum an Butter zu vergrößern. Und die Wirkung? Die Butterpreise sind von 170 Mark je 100 Kilo im März 1933 aui 252 ge- stiegen und stehen damit nicht nur weit über den Preis des Vorjahres, sondern auch über den von 1913. im Kleinhandel stieg der Preis pro Pfund von RM. 1.20 auf 1.55. Die Einfuhr ist von 70.000 auf 50.000 Tonnen zurückgegangen, die inländische Produktion, die 1932 ungefähr 400.000 Tonnen betrug, dürfte auf 430.000 bis 440.000 gestiegen sein. Eine leichte Ausdehnung des Butterkonsums hat aber stattgefunden. Sie geht auf Kosten des Absatzes der hochwertigen Margarine- soften, die bislang von den bessersltuier- ten Schichten konsumiert wurde. Rechnet man aber den Konsum aller drei Fettarten— Margarine Schmalz und Butter— zusammen, so kommt man zu dem erschreckenden Resultat, daß sich 1933 der Verbrauch gegenüber 1932 fast um ein Fünftel vermindert hat! Die planmäßige Preissteigerung geht auf allen agrarischen Gebieten ununterbrochen weiter. Nach dem Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes vom September 1933 hat der Ernährungsminister das Recht, zur Regelung des Absatzes, der Preise und Preisspannen alle Angehörigen des Reichsnährstandes und alle sonstigen Unternehmungen, die landwirtschaftliche Erzeugnisse herstellen oder vertreiben, zusammenzuschließen und die Preise und Preisspannen zu regeln. Anfang Februar ist zwischen dem Emäh- rungs- und Wirtschaftsminister eine Regelung getroffen worden Ober die vom Reichsnährstand berührten Gruppen der I n d us t r i e, des Handels und des Handwerks. Sie alle werden zum Zweck der Marktregelung straff organisiert werden. Aber schon vor dieser Vereinbarung, die dazu bestimmt Ist, Reibungen und Widerstände anszuräu- men. die sich bei den weiterverarbeitenden Industrien geltend gemacht hatten, war ein Stück des Weges bereits zurückgelegt worden. Nach der Mühlenindustrie wurden im Oktober die Dauermilch- und Kaseinerzeuger zu einem Zwangsverband zusammengeschlossen, später folgte der Zusammenschluß der Obst- und Gemüseverwertung und der deutschen Fischindustrie. Ebenso soll die Stärkeindustrie organisiert werden. All diese Vereinigungen haben das Recht, unter Aufsicht des Ernährungsministers Preise und Preisspannen zu regeln und das Ausmaß der Produktion festzusetzen. Die Neuerrichtung von Betrieben bedarf der Genehmigung der zuständigen Reichsbehörde. Für den inländischen Anfall an Wolle werden Sammelstellen errichtet und die Preise festgesetzt Ebenso werden der Milch- und der Eiermarkt straff organisiert und Festpreise eingeführt. Man sieht, es handelt sich um die Errichtung straffer Monopole für all die verschiedenen landwirtschaftlichen Produkte. Die Landwirte stehen für eine steigende Zahl ihrer Produkte unter dem Ablieferungszwang an bestimmte Stellen(Eier- oder Milch- oder Wolle- sammelstellen) oder bestimmte Weiter- verarbeiter, denen der Abnahmepreis vorgeschrieben ist So wie die Landwirtschaftserzeugung selbst, so werden auch «He Industnellen und handwerklichen W e i t e r v e r a r b e i t e r aus der K o n k u r r e nz w i r t sch a f t gelöst und In die Monopolwirtschaft überführt Die Schwäche dieser Regelung besteht nicht nur in der Belastung der Verbraucher, der Vertenerung der Lebenshaltung, dadurch der Verteuerung der industriellen Produktionskosten und der Verminderung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt; nicht nur darin, daß dieser künstlichen agrarischen Produktionssteigerung ohne Rücksicht auf die Kosten die ganze Handelspolitik rücksichtslos geopfert wird.— vielmehr bedeutet diese allgemeine regellose Preissteigerung, die durch die Zwangskartellierung herbeigeführt werden soll und wird, den Anreiz, zu einer ebenso regellosen Produktionssteigerung auf allen Gebieten ohne Rücksicht auf den Konsum und dessen Aufnahmefähigkeit Entweder wird diese Art Agrarwirtschaft auf den verschiedensten Gebieten zu Ueberproduktion und dann doch zum Zusammenbruch der „Festpreise führen oder man wird sich entschließen müssen, von der Preisfestsetzung zu einer wirklich planmäßigen, den Verbrauch angepaßten Regelung der agrarischen Produktion in allen ihren Teilen zu gelangen, also zu der von den Landwirten bisher zu sehr verschrieenen Zwangswirtschaft". Wie die Nationalsozialisten dann dieses Dilemma, dem sie zusteuern, lösen und wie die Bauern eine solche Regelung aufnehmen werden, darauf darf man begierig sein. Dr. Richard Kern. Wirtschaft geht abwärts Deutschlands Wirtschaftslage verschlechtert sich von Monat zu Monat Der Versuch, durch Arbeitsbeschaflung mit öffentlichen Mitteln die private Wirtschaft anzukurbeln, kann als gescheitert angesehen werden. Von den bereitgestellten 3-5 Milliarden Mark werden bis Ende März mehr als die Hälfte ausgezahlt sein, so daß bd Beginn des neuen Baujahres nur noch die kleinere Hälfte zur Verfügung stehen wird. Die öffentliche Ar- beitsbesefhaffung hat zwar die Eisenindustrie etwas belebt. Aber trotz ausgedehnter Kriegsindustrie ist die Erzeugung von Kohle als auch von Elektrizität geringer als im Vorjahr. Der Verkehr der Reichsbahn und die gewerbliche Bauwirtschaft weisen auch keine Merkmale auf, aus denen geschlossen werden könnte, daß die private Wirtschaft sich In einem Aufschwung befindet Das ernsteste Symptom Ist der unaufhaltsame Rückgang der Umsätze des Einzelhandels. Obwohl sie im Jahre 1932 bereits auf 62.6 Prozent der Umsätze von 1928 zurückgegangen waren, hat sich 1933 von Monat zu Monat ein weiterer Rückgang vollzogen. Das Volkfstverarmt Auch dort wo die Löhne und Gehälter nominell nicht herabgesetzt wurden, ist die Kaufkraft geringer geworden, da auf der einen Seite die starke Verteuerung der Nahrungsmittel, auf der anderen Seite die zahlreichen Zwangsabgaben sich auswirken. Siegesmeldungen über den günstigen Stand der öffentlichen Finanzen sind ebensowenig ernsthaft wie die Ober die gewonnene Arbeitsschlacht Die Reichs kasse gibt zwar für Ende Dezember einen Ueberschuß von 163 Millionen an. aber das hat weder mit Sparsamkeit noch mit einer günstigen Entwicklung der Steuern das geringste zu tun. Die Sacbaus- gaben werden nicht mehr aus dem Reichsetat bezahlt sondern durch leichtfertige Flnanztraasaktlonca gepumpt Und daß die Steuereinnahmen höher sind als der Voranschlag, liegt ausschließlich in dem hohen Aufkommen der F e 1 1 s t c n e r, dem unerhörtesten Attentat aui die ärmsten Teile des Volkes. Der Emst der deutschen Fl- nanzlage Ist aus zwei Symptomen deutlich zu erkennen. Der Reichsfinanzminister Graf Schwerin-Krosigk erklärte kürzlich, daß eine„dauernde Wiederholung der zusätzlichen Arbeitsbeschaffung nicht möglich sei. Im neuen Jahr werde sie sich auf die Fortführung der Reichsautobahnen beschränken müssen." Da trotz aller Anstrengungen die deutsche Ausfuhr 1933 um mehr als 600 Millionen gesunken Ist das Ist 15 Prozent des Wertes, beschäfdgt sich die Regierung Jetzt bereits mit der Abwertung der Mark. Im Dezember war die Arbeitslosigkeit um mehr als 700.000 gestiegen. Für Januar wird eine Abnahme von 285.000 angegeben, obwohl alle Berichte aus der Privatwirtschaft von einer weiteren Zunahme der Arbeitslosigkeit erzählen. Davon sind allerdings allein 138.000 Notstandsarbeitcr— deren Zahl damit auf 415.274 gestlegen Ist. Da ist bereits zu erkennen, daß es bestenfalls gelungen ist Arbeitslose mit öffentlichen Mitteln zu beschäftigen. Es ist auch bemerkenswert, daß der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, Syrup, in einem Kommentar zu den amtlichen Zahlen vorsichtig darauf hinweist daß eine Aenderung der Witterung leicht wieder zu einem Steige« der Arbeitslosigkeit führen kann! Front des Geistes Bemerkenswerte neue Veröffentlichungen. Das„Neue Tagebuch" Nr. 6 schreibt über neue Konfiskationen von Vermögen in Deutschland: '„Ebenso wahllos mischt die Liste die Namen politischer Autoren, die sich in der Emigration als erbitterte Feinde des Nationalsozialismus bekannten, mit den Namen von Dichtem, di« sich jeder politischen Stellungnahme enthielten. Sie sind offenbar nuraufGrunddesVer- dachtes literarischer Qualität in den Geruch der Staatsgefährliohkeit gekommen." Die neue„Weltbühnc" Nr. 7 enthält neben einem Artikel„Bekenntnis zu Wien" einen Artikel von Robert Larus: „Dokumente der deutschen Jugend- verwahrlosun g". TfcütflartoStfe 6oilaIöfmpfraHfci)ffl iDcdjcnbiafl Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn! Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P D. ZI. I59.334/VII-I933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzel* verkauf innerhalb der CSR Kö 1 40.(für ein Quartal bei freier Zustellung K5 18.—). 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