(5o$ialtemfllraKfd)gg SPocfonftta# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise nnd Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. S7 SONNTAG, 2S. Februar 1984 Aus dem Inhalt; Deutsche Stadt, braun angemalt Da« rote Wien kommt wieder Die braunen Bonzen bereichern sidi Die Opfer der Heimwehrgalgen Galgen und Richtblock Die deutsche Gegenrevolution bedroht Europa Zwei deutsche Regienmgren— In Berfln und Wien— jede beschuldigt die andere des Morde*, des Staatsstrelches, des Verfassungsbruchs! Die Regierung DoQfufi hat die österreichischen Arbeiter solange mit dem Raub aller Rechte bedroht, bis ihre revolutionäre Vorhut sich tum Verzweiflungskampf erhob. Die Regierung DollfuB antwortete darauf mit Artillerie gegen Frauen nnd Kinder und mit dem Galgen, an den sie Verwundete von der Bahre empor- aiehen ließ. Aber das ist noch immer nicht der Gipfel der Scheußlichkeit Der Ist erst damit erreicht daß die H 1 1 1 e r, H a- b i c h t nnd G ö r I n g ihre Stimmen erheben, um die Opfer tu betrauern und die Mörder anzuklagen. Wenn Hitler Meuchelmördern Glückwunschtelegramme schickt wenn Göring einen Dimi troff im Gerichtssaal mit der Ermordung bedroht dann sind sie leichter zu ertragen, denn dann geben sie sich wie sie sind. Aber wenn sie angesichts der blutigen Leichen ermordeter Arbeiter Trauer heucheln, wenn sie andere des Mordes, des Staatsstreiches, des Verfassungsbruches bezichtigen, wenn sie respektvoll aufhorchenden, höflich sich ver- Uelgendcn Reportern versichern, sie regierten menschenfreundlich und ohne Zwang allein durch die siegreiche Kraft Ihrer Ueberzeugung nnd sie verabscheuten Jedes Blutvergießen, dann--- ja flenn Uest man in denselben englischen Blättern, die solche Interviews veröffent- «chen, daß der Lordsiegelbewahrer Eden wegen der Abrüstungsfrage in Berlin gewesen ist und daß die Unter- naltungen In einem außerordentlich freundschaftlichen Ton geführt worden «htdi Die Regierungen von Berlin und von Wien nennen einander Mörderregierun- Jtet Unbeschwert von moralischen Be- flenken behandeln die Kabinette Europas |te beide als Figuren eines diplomatischen "flhachsplels. Der„Landesinspekteuri4 der aufgelö- •ten nationalsozialistischen Partei Habicht "wtet über alle deutschen Sender an die Pliening Dollfuß dn Ultimatum, ablau- '«nd am 28. Februar, 12 Uhr mittags. Er �"Cht zugleich aus, daß die Wiener Re- «tefung im Auftrag einer fremden Regie- deutsches Blut vergossen hat . Der Konflikt um Oesterreich zwischen eu beiden faschistischen Großmächten a'en und Deutschland ist damit offen- df geworden. Weder die römische, noch , e Berliner Presse versucht ihn zu ver- uei"gen. Hinter der Kleinen Entente steht Frankreich. Frankreich und die Kleine Entente sind mit Italien einig darin, daß es keinen Anschluß Oesterreichs an Deutschland geben darf. Für sie alle ist das relchsdeutsche Ultimatum an Oesterreich eine unerhörte Herausforderung. Frankreich, Italien, England haben eine gemeinsame Erklärung für die Unabhängigkeit Oesterreichs erlassen. Aber England distanziert sich. Es schreckt vor einer neuen Verwicklung In die Angelegenheit des Kontinents zurück. Und wenn morgen, übermorgen, eine nationalsozialistische Regierung in Wien entsteht und wenn sie ein Papier unterschreibt, daß- sie von Berlin ganz unabhängig ist— was dann? Hitler und DollfuB haben fast alles, was von Europa deutsch Ist, zum Schauplatz der brutalsten Gegenrevolution gemacht. Sie haben ein Regiment des Galgens und des Richtblocks aufgerichtet, sie beschuldigen sich gegenseitig des Mordes, des Staatsstreichs des Verfassungsbruches. Und sie haben in der Tat beide an der Arbeiterklasse und am ganzen deutschen Volke die furchtbarsten unsühn- barsten Verbrechen begangen. Sie haben das beide getan mit patriotischen Phrasen im Maul, und sie lassen sich beide dafür als Retter ihrer Vaterländer und als politische Wundertäter feiern. Aber je lauter sie ihre Lügen in die Welt hinausposaunen, desto stärker wird auch hüben und drüben das Klirren der Waffen, das schließlich alle menschlichen Stimmen übertönen wird. Wie fern, wie nah ist der Tag, an dem alle großen und kleinen Diktaturen in einem Meer von Blut ertrinken werden? MtemeiM Meulstk Uekttfikld Aushebung und Ausbildung der IS- bis 3S-|ährigen Die ungarische Regierung— In betontem r Ullgans nach fiS.ensatz zu Ber,'n— schickt Orden Su.'en und empfängt den Italiener v 1 c h wie einen T riumphator. tisch'" itaIienisch- österreichisch- unga- Horj� Dlock zeichnet sich deutlich vom Oes».0114. a�- Aber ein neues verkleinertes Eat rreicll"�ngarn unter italienischer Tsch?tnz.ist � die Kleine Entente- nien s'0wakei, Jugoslawien, Rumä- Dona.7-JUnerträg,ich- Ihr PlaB lst die Und Un atton' �ie durch Oesterreichs den Teilnahme die sonst fehlen- erbindungsstücke erhält Die Kriezsvorberertoifen des Hitlerregi mes gehen weiter. Nachdem praktisch R&- stungsfreihelt in Europa herrscht, bemOht sich das Hitler eglme gar nicht mehr um eine Ver deckung seiner Vorbereitungen. Es führt praktisch die Wehrpflicht wieder ein und bildet 17 Altersklassen militärisch a n s. Vor uns liegt ein Gestellungsbefehl der Standarte 43 aus Königsberg vom 23. Januar. Er lautet: „Jeder deutsche Mann bat in Zukunft die Ptllcbt, seine ganze Kraft dem Vaterland zur Verfügung zu stellen. Wer sich nicht einsetzt für das Aufbauwerk der Regierung, bat keinen Anspruch mehr auf Arbelt und Brot und wird als Saboteur und Landesverräter bebandelt. Durch Befehl der Obersten SA-Führung sind alle 18- bis 35]ährigen wehrfähigen Männer zu Sportabteilungen zusammenzuschließen und unter Führung von SA-Führern sportlich und politisch zu schulen. Jeder In eine Sportabteilung eingegliederte Volksgenosse wird durch SA-Aerzte auf seine Tauglichkeit untersucht Für die Spa kommen nicht In Frage; SA, SS und Amtswalter. Sic sind der Sportabteilung des Stunns x/43 zugeteilt und haben sich erstmalig am ... um... Uhr(Ort)... zum Dienst zu melden. Eine Weigerung dem Befehl Folge zu leisten, zieht Zwangsvorführung nach sich. Der Führer der Standarte 43 F. d. R, gez. Denzler Der Führer des Sturm x/43 Standartenführer Dieser Gestellungsbefehl ist ein Beweis für das, was iedermann weiß, worüber man aber In Europa nicht gern spricht. Nichtangriffsverträge einerseits, Massenaufrüstung andererseits— so wird der neue Krieg vorbereitet Die Nichtangriffsverträge dienen der Vorbereitung der Propaganda der eigenen Unschuld, die Rüstungen der Kriegsführung. Es paßt beides ausgezeichnet sammen. Er kann in aller Ruhe eine solche Forderung stellen. Wer in Europa bewaffnete Haufen bildet auf alle Verträge pfeift und brutal den neuen Krieg vorbereitet— der kann sich darauf verlassen, daß Europa geduldig zusieht! zu- Was Göring haben maß „Ich muß zwischen dreißig und vierzig Prozent der gesamten Flugzeugstärke der Nachbarländer Frankreich, Belgien, Polen und Tschechoslowakei haben." Also sprach Göring zu einem Sonderberichterstatter der„Daily Mail". Deutschland und Rußland „Der Reichswart" des Nationalsozialisten Graf Reventlow, hetzt gegen Sowjetrußland; „Das Vorhandensein einer russisch-französischen Militärabmachung würde für Deutschland den politischen Aspekt der europäischen Lage von Grund aus ändern. Rußland wäre damit für uns in die Reihe der Gegner des deutschen Reiches getreten. Daß es sich mit dem französisch-russischen Militärbündnis um eine zwischen den beiden Regierungen bereits fertige Tatsache handelt, unterliegt kaum einem Zweifel. Ebenso unzweifelhaft schafft diese Tatsache für die deutsche Außenpolitik eine neue Lage;„a new departure", wie man in England sagt" Der„Reichswart" war einst für das Bündnis mit Rußland. Jetzt wiD er davon herunter und liefert Vorarbeit für die künftige deutsche Kriegspropaganda gegen Sowjetrußland. Der Fall Lobe Das Interview mit Paul Löhe, das die„Libre Belgique" am 13. Februar veröffentlichte, gehört zweifellos zu den wirksamsten Schurkenstreichen, die jemals von der gerissenen Göbbelspropaganda verübt worden sind. In Deutschland hält ein Teil der aufrecht gebliebenen Arbeiter das Ganze freilich für Schwindel: ein anderer Teil aber, der das Interview ernst nimmt, hält mit den stärksten Ausdrücken der Entrüstung nicht zurück. Diese Entrüstung ist verständlich und — wenn das Interview echt Ist— berechtigt Niemand verlangt von den in der deutschen sogenannten Freiheit befindlichen ehemaligen Führer der Sozialdemokratie Teilnahme an einer poll- tischen Arbeit, die durch ihre Beteiligung nur gefährdet werden könnte. Was aber unbedingt von ihnen gefordert werden muß, ist, daß sie sich nicht zu Reklamefiguren und Propagandainstrumenten des Regimes herabwürdigen lassen. Tragen sie auch nur das Geringste dazu bei, einen solchen Mißbrauch zu ermöglichen, dann bringen sie sich um jede persönliche Achtung und brennen sich selber das Brandmal des Verrats auf die Stime. Angesichts des Heldenkampfes der österreichischen Sozialdemokraten, angesichts der stilleren, aber nicht weniger bewundernswerten Heldentaten der revolutionären Propaganda in Deutschland, angesichts der namenlosen Schändlichkeiten, die an unseren eingekerkerten Brüdern und Schwestern verübt werden, erscheint jedes Komplimentieren vor dem derzeit herrschenden System als eine schändliche Handlungsweise, zu deren Verurteilung kein Wort zu scharf ist Wir erwarten, daß Löhe trotz aller Schwierigkeiten Mittel und Wege finden wird, um jede Verantwortung für den Inhalt des Interviews abzulehaen. Sollte er aus inneren Gründen dazu nicht imstande sein, so würde alles, was hier allgemein ausgeführt wurde, auf seinen Fall angewendet werden müssen. Mörder als Belastungszeugen Vor der Großen Strafkammer In Darmstadt findet zur Zeit ein Prozeß gegen 43 Angeklagte. meist frühere Reichsbannerleute, statt, die unter der Anklage des L a n d f r I e d e n s- b r u c h e s stehen. Es ist ein RacbeprozeB gegen erwiesenermaßen Unschuldige. Am Montag dem 6. März 1933, berichteten selbst die bürgerlichen Blätter, daß In Oberramstadt In Hessen Reichsbannerleute von mit Revolvern bewaffneten Nazis anl dem Marktplatz überfallen worden seien, wobei ein Relcbs- bannermann getötet nnd zwei weitere sehr schwer verletzt wurden. Die Uebarialleaea werden Jetzt an- Des jeek klien hmA Miedet! cektact and, nach den Plänen der Staats- anwaltscfaaft, zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt, während die Mörder ihnen als B e• lastungszeugen den Strick drehen dürfen! Demonstration am Grabe 4000 Genossen bei der Beerdigung des Genossen Maden Der frühere sozialdemokratische Landtags- abseordnete, Genosse Mäder-Altenburg, ist kürzlich gestorben. An seiner Beerdigung, die am 19. Januar stattfand, beteiligten sich annähernd 4000 Menschen aus den verschiedensten Orten. Selbst aus Chemnitz waren Teilnehmer erschienen. Einige Kranzträger, die Kränze mit roten Schleifen trugen, wurden von der Polizei sistiert An der Beerdigung durften nur 200 Personen teilnehmen, die übrigen wurden„abgedrängt". Die Polizei bemüht sich krampfhaft, zu erfahren, wie es möglich war, daß der Tod Mäders bekannt wurde und daß die Benachrichtigung seinet politischen Freunde so rasch und gründlich gelang. Goring gegen Hitler Die Sowjetregierung hat den in Leipzig freigesprochenen Bulgaren D 1 m i t r o f f, Popoff und T a n e i f das russische Staatsbür- gerrecht gegeben. Damit sind alle Vorwände für die weitere Gefangenhaltung der drei zerstört Der Reichskanzler Hitler hat einem Korrespondenten der„Daily Mail" erklärt daß die drei Bulgaren sicherlich freigelassen und außerhaJb der deutschen Grenze gebracht werden würden.„Das Gericht hat gesprochen. der Spruch wird erfüll t" Von Hitler ging der Zeitungskorrespondent zu G ö r i n g, um ihm dieselbe Frage zu steilen wie Hitler. Im vollen Gegensatz zu Hitler ovklärte ihm Göring; „Jetzt ist er sicher hinter Schloß und Riegel. Er wird dort auf jeden Fall vorläufig bleiben. Dort ist er am besten aufgehoben. Ein solcher Mann ist zu gefährlich, als daß man ihn auf die Gesellschaft loslassen könnte. Sein Leben und seine Gesundheit sind nicht in Gefahr und er befindet sich so wohl, wie es im Gefängnis möglich ist" Die Leser der„Daily Mafl4* und mit ihnen die ganze Weit erhalten die Doppelzüngigkeit des Hltlerreglmes vorgeführt. Die Willkür der Despotie herrscht In Deutschland. Es gibt nicht nur den einen Despoten Hitler, sondern jeder Despot tut was er willl Ein Landesverräter verleumdet Deutschland Für die„Westfälische Landesreitung" dichtet Heinrich H a s 1 i n d e dieses„Westfälische Waffcnlied": Der große Krieg mit aller Welt Bracht unser Volk in Frone. Wlrtlndimneuenbraunen Kleid Die alten Bataillone. Heiho, dem Führer und dem Land, Der Freiheit ihre Krone. Wir sind Im braunen Waffenhemd, Die alten Bataillone. Bekanntlich haben die Herrschaften im „neuen braunen Kleid" nicht die geringste militärische Bedeutimg. Das kann man in allen amtlichen Denkschriften lesen mit dem Hinzufügen, daß entgegengesetzte Behauptungen nur auf das landesverräterische T reiben von Emigranten zurückzuführen seien. Somit ist offenbar auch dieser Herr Haslinde ein Verleumder Deutschlands und ein Landesverräter. Dolltufi verbietet uns Hhlers Kollege DollfuS gegen die Wahrheit. Die Fey, Starhemberg, Dollfuß und Konsorten haben die Verbreitung des „Neuen Vorwärts" in Oesterreich auf ein Jahr verboten. Das Verbot ist für uns eine Ehre! Wir bekämpfen den Faschismus aller Schattierungen. Dollfuß, der vorgibt, gegen den Hitlerfaschismus zu kämpfen, unterwirft Oesterreich dem Heimwehrfaschis- mus. Der Mann, der sich als Schützer des Friedens in den Hauptstädten Europas aufgespielt hat, hat Arbeiterhäuser mit Kanonen beschießen lassen, er läßt Freiheitskämpfer hängen. Er kann die Stimme der Wahrheit so wenig vertragen wie Hitler. Das Verbot des Dollfuß hemmt uns ebensowenig wie der Haß und die Verfolgungen der Hitler und Göring. „Wir lassen tm» nicht etnscfaüchtern und auch nicht provozieren". Dies« Wort, zur Staatsgewalt hin abweisend, in die Volksmassen hinein beruhigend und willensstärkend— alle alten österreichischen Genossen kennen es als die Lehre ihre» Führers Viktor Adler, Er hatte wahrlich oft genug Anlaß, so zu sprechen, lieber ein Menschenaltcr hat die österreichische Arbeiterschait. geweckt und geführt von der Sozialdemokratie, um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht mit dem Staate gerungen. Von jenem ersten Massenaufmarsch in Wien 1869, dessen Anreger und Leiter nachher in den Kerker wandern mußten, bis zur Einführung dieses Wahlrechts 1906— welch eine Folge von Werbung und Aufklärung, von rednerischer und schriftstellerischer Ucberzeu- gungsarbeit, die nicht nur die Masse rief, sich ihr Recht zu erkämpfen, sondern auch die Mächtigen beeinflussen wollte, freiwillig zu gewähren, was zu verweigern noch weit mehr kosten würde. Es gab lange Pausen in diesem Kampf. durch harten Zwang oder durch eigenen Mißmut herbeigeführt. In den Achtzigerjahren glaubte man es Bismarck nachmachen zu müssen. Zuerst reizte man die Arbeiter durch Schreckensurteile gegen ihre Wortführer zu Attentaten an der Rcchstotdnung Irrgewordener. Lockspitzel halfen fleißig nach, wo die Vernunft noch ein Hindernis bildete. Dann aber drückte man einfach auf die Klinke der Gesetzgebung oder griff zum Verwaitungsknüp- pel und trieb jede Betätigung der Massen in die Illegalität, um sie desto schärfer verfolgen zu können. Was aber der Ausnahmesenat Holzingcr, nicht gegen die Wiener Arbeiter, was die Richter von Prag nicht gegen die Genossen in Böhmen vermochten, die man in Ketten geschlossen auf die Anklagebank schleppte, das schien der Fraktionsstreit der Gemäßigten und der Radikalen zu bewirken; innerer Streit ließ keine, Kraft nach außen wirken. Da gelang Viktor Adler das Werk der Einigung. Der Parteitag von Hainfedd 1889, noch insgeheim angehalten, war der Wendepunkt Ein kleines Wochenblatt die„Gleichheit", hatte ihn vorbereitet. Ihr scharfer und witziger Ton ließ alle aufhorchen: aus diesem Arbeiterblatt sprach höchstes Wissen und er- lesene Bildung, aber sie sprachen schmucklos und selbstlos lür das werktätige Volk. Um sein« Lebensverhältnisse zu bessern, der sozialen Not und Ungerechtigkeit ein Ende zu machen. müsse das Volk sich sefcst die Gesetze geben und di« Verwaltung überwachen durch die demokratisch gewählte Volksvertretung. Die müsse das Volk sich erkämpfen und dazu brauche es(He politische Organisation wie zur Hebung seines Lebensstandes die Gewerkschaften. Keine Ruhe in Oesterreich solange nicht das allgemeine Wahlrecht erkämpft ist!" wurde zur Parole der geeinigten Partei. Unzählige Versammlungen, viele aufgelöst, Konfiskatlo- nen der Presse, Prozesse— und immer wieder Demonstrationen auf der Wiener Ringstraße, folgten einander. Gar oft ritten Polizisten in die Massen hinein und die Säbel sausten nieder. Nichts half. Aus der kleinen„Gleichheit" war die große.Arbeiter-Zeitung" geworden. das Werk Viktor Adlers, Fritz Austerlitz und all ihrer Mitarbeiter, das gehaßteste und geliebteste, das gefürchteste und geachtetste Blatt Wiens und Oesterreichs. Im Kampf erstarkte die Bewegung. 1896 sah man sich gezwungen, dem fordernden Volk eine Abschlagszahlung zu erteilen. 72 Mandate des allgemeinen Wahlrechts wurden den 325 der Wählerklassen(Kurien) hinzugefügt Wie das Volk diesen Bettel aulnahm, erfuhr die Regierung sehr bald. Im November 1897 vergriff sie sich an den Parlamentsrechten und binnen drei stürmischen Tagen mußte sie dem Volkswillen welchen. Wien war aufgestanden- da zitterte die Hofburg. Noch beherrschte die christlichsoziale Demagogie. ein nur nicht militärdiktatorisches Vorspiel der Hitlcrel. Wien und die Alpenländer. Aber die Arbeiterbewegung wuchs unausgesetzt Aus einem Kellerlokal übersiedelte die„Arbeiter- Zeitung" erst in ein gemietetes und dann in ihr eigenes, so schönes und zweckdienliches Haus. Am 28. November 1905 stand alle Arbelt im ganzen Reiche still und ungeheure Züge, In Wien eine Viertelmillion, demonstrierten für das gleiche Wahlrecht Im März 1907 wurde zum ersten Mal gleich gewählt 87 Sozialdemokraten saßen unter den 516 Abgeordneten. Engelbert Pernerstorfer, der Schulkamerad Adlers, der einstige Unksnationale, vertrat die Roten Im Präsidium. In unbewaffnetem Kampf, allerdings auch durch das Mittel des Massenstreiks, hatte die Partei ihren Sieg errungen. Als der Krieg zusammengebrochen war. gab es In Wien nicht einen Tag diktatorischen Keglerens. Die Arbeiterschaft hätte, noch im Besitz der Waten, ihre Herrschaft aufrichten können. Aber sie teilte sie sofort mit dem Bürgertum. das nun durch die Cbrlstlichsozlalen und Großdeutschen vertreten wurde. Eine Koalitionsregierung unterzeichnete gezwungenermaßen den Frieden von St. Germaln und richtete den jungen Staat grunddemokra tisch und in mancher Hinsicht vorbildlich sozialpolitisch ein. Wenn auch später die Sozialdemokraten aus der Regierung ausschieden— In Wien und den größten Städten der RepubHk vertrauten die Wähler und Wählerinnen die Verwaltung den Sozialdemokraten an. Was sie geschaffen haben. die Wiener Volkswohnungsbauten. das Fürsorgewerk, die Schulreform ist von zahllosen Fachmännern aus aller Welt als mustergültig anerkannt worden. Von Wahl zu Wahl schlössen sich größere Wählermassen der Partei an, zuletzt über zwei Drittel von Wien, über 42% im Staat Das Rote Wien wurde für uns Sozialdemokraten, was Moskau für die Kommunisten ist Mit 460.000 Parteimitglledern stand Wien einzig da. Wer, der es mitgemacht könnte je das Internationale Treffen der Arbeiterjugend in Wien vergessen, welcher Teilnehmer oder Gast des Internationalen Kongresses Wien 1931, den Aufmarsch der Arbeitersportler, darunter der 40.000 Reichsdeutschen über die Ringstraße! Noch sehen wir im strammen Schritt und wegen der glühenden Sonnenhitze die Jacken über dem Arm, die Batailloue des Schutzbundes vorüberziehen. Noch wußten wir Gäste aus Deutschland nicht was uns so bald bevorstehet) sollte, aber auch nicht in der innersten Herzensfaser konte Jemand denken, daß ein Jahr nach Deutschland auch dieses Oesterreich mit seiner ungespaltenen Arbeiterbewegung, mit den jedermann sichtbaren Schöpfungen des Roten Wien eine Beute der Offensivform des Kapitals, des arbeitennordenden Faschismus werdem könnte! Es mag wohl sein, daß die Schutzbündier Die Toten von Wien, die Gefallenen und Hingerichteten, werden in der Geschichte des Befreiungskampfes, den die Internationale der Arbeiter führt, unvergeßlich bleiben. Die Regierung Dollfuß-Fey tut so, als hätte sie Räuberbanden und Banditenführer um der Ruhe und Ordnung willen bekämpfen müssen. In Wahrheit aber hat niemand anderer die Ruhe und Ordnung der österreichischen Republik gestört, als eben Dollfuß und Fey. Die toten Arbeiter sind nicht im Kampf gegen die Verfassung und das Recht, sondern für Recht und Verfassung gefallen. Aus der großen Masse der Toten sei hier über vier von ihnen gesprochen, damit auch die Internationale erfahre, wer die Männer gewesen sind, deren Andenken den Arbeitern Oesterreichs heilig ist. Koloman Walliscfa ist nach hartem Kampfe gefangen genommen, in wenigen Stunden angeklagt, verurteilt und unter dem Schutz von Maschinengewehren und von Militärkompagnien in Leoben hingerichtet worden. So groß war die Furcht vor ihm, den das Volk liebte. Er war 45 Jahre alt Er stammte aus dem Burgenland. Seine Eltern waren Arbeiter, und er selbst war ein Arbeiter. Als er aus dem Weltkrieg in die burgeniändische Heimat zurückkam, nahm er als Sozialdemokrat aa der ungarischen Rätebewegung teil. Wegen setner revolutionären Haltung in der ungarischen Kommune verfolgte ihn der Haß der magyarischen Magnaten. Als das Burgenland österreichisch wurde, war WalUsch bereits In der stey- rischen Arbeiterbewegung tätig. In kurzer Zeit besaß er das Vertrauen seiner Arbeitskameraden in Bruck an der Mur. Er war einer von denen, die die Zusammenarbeit der ungarischen Revanchebewegung mit der stey- rischen Reaktion aufdeckte. Die Waffenaffären von St Gotthardt und Hirtenberg wären ohne die Aufmerksamkeit und Mitwirkung Koloman Wallischs niemals an das Licht der europäischen Oeffentilchkeit gekommen. Erst wenn man diese Tatsachen kennt begreift man, wieso es möglich wurde, daß die steyrlschen Christlichsozialen und Heimwehren gerade aus diesem Mann das Zerrbild eines brutalen, vor nichts zurückschreckenden Teufeis machten, von dem sie immer wieder in ihren Agitationsversammlungen die widersinnigsten Legenden und Märchen erzählten. von Linz nicht des Wortes vom Sich nichl provozieren lassen eingedenk waren, als sie sich gegen die Wegnahme ihrer Waffen wehrten, die ihnen nach den Rechtsbrflchen der Bundesregierung, nach der Erhebimg der Terrorbanden zur Staatsgewalt und— nach den reichsdeutschen Erfahrungen als einzige Gewähr des Arbeiterrechts erschienen. Man wird diese opfermutigen Kämpfer besser verstehen, wenn man an das Wort der ausge- sebundenen und aufs Blut verhöhnten scblesl- schen Weber denkt:„Mir leidens ne mich!" Die habsburgischen Offiziere, die letzt die Regierung bilden, haben die Verteidigung der proletarischen Wohn- und Parteiheime durch Artiieriefeucr gebrochen. Die Sozialisten haben nicht einsehen wollen, daß Menschen berechtigt seien, an der unumgänglichen Deckung des menschlichen Wohnungsbedürfnisses klotzig zu verdienen. Jetzt mögen die Zinsgeier jubeln, daß die„Marxistenburgen" traurige Ruinen sind. Auf dem Rathaus weht der Fa- sohistenfetzen, drinnen sitzt auf dem Platz eines Karl Seitz ein Dollfußminister. Partei und Gewerkschaften sind aufgelöst und ical bestohien, die Arbeiterbank ist gesperrt und wo der Geist regierte, in dem Hause der „Arbeiter-Zeitung", da dürfen Heimwehrburschen und freiwillig zum Arbeitermord eingerückte Bflrgersöhne iohlen, trampeln und wehrlose Gefangene mißhandeln. Viktor Adler hat dieses Gelichter wohl erkannt, als er, damals der einzige Sozialdemokrat Im niederösterreichicschen Landtag. den brüllenden Gegner zurief:„An dem Tag. da Ich Ihren Beifall finde, kauf ich mir einen Strick!" Sie mögen heute jubeln, die Starhemberg, Fey und Dollfuß— noch sind die kampferprobten Arbeiter Oesterreichs nicht all® tot, noch lebt In ihnen der Wille zur Freiheit. noch gilt ihnen der Geist mehr als die roh® Gewalt Die Arbeiterbewegung wird auferstehen. ihre Presse wieder erscheinen, Wien wird röter sein als je aber wer weiß, ob dann auch nur durch den Stimmzettel In Wahrheit war dieser breitschultrige, u»- tersetzte Mann mit den lustigen Augen und dem dunkelblonden Schopf voll Gutmütigkeif und Hilfsbereitschaft gegenüber allen, die sich an ihn als Vertrauensmann um Hilfe wandten- Wenn Wallisch in einer Arbeiterversammlung sprach, dann begrüßte ihn heißer Jubel. Abet das machte ihn niemals eitel das brachte ib® niemals dazu, des Beifalls wegen zu sprechen- Er wußte seine Meinung auch dann durchzf" setzen, wenn sie unpopulär war und zunäch®1 nicht auf die Zustimmung der Masse rechnen konnte. Auf einem der letzten Parteitage, s"' dem die österreichischen Genossen vie'e Freunde ans der Internationale begrüßen durften, ergriff Wallisch das Wort zu einer kurz®0 Rede. Ein Beifallsjubel aller Delegierten b®' grüßte ihn, der damals von den B0rgerliche,, besonders beschimpft wurde. Aber Walliscb. verwirrt von dem Applaus, der Ihn begrüß18, wehrte mit ungeschickten Handbewegui*8® die Kundgebung ab. Beifall Lärm, Pathetl ist ihm immer fremd geblieben. Er hat v'e" Bücher gelesen, er hat sich auf Jede Rede,«l'8 er zu halten hatte, auf das sorgfältigste vor* bereitet. Aber er wollte nie etwas ander®* sein als ein Arbeiter, der zu Arbeitern und er wollte nie anders leben als sie � � Er war der Führer der Arbeiter von aber er war kein Kommandant. Auch»1® Nationairat wurde, und als er der Landes®8' kretär der Steiermark war, blieb ihm � und Hochmut fremd, er wollte nie mehr®®ß als ein Vertrauensmann. Und ein Vertraue"®* mann der Arbeiter war er mit jeder Faser s8" nes Wesens. Kolomän WaIHsch war ein 5°* ziaidemokrat, und zwar ein sehr disz�pl'n,8� ter Sozialdemokrat Als Sozialdemokral � er gelebt als Sozialdemokrat ist er bis 10 � Schluß bei seinen kämpfenden Arbeitern te blieben, und für sie Ist er gestorben. Feuerwehringenieur Wclssel war ein Intellektueller. Mit 18 Jahren ,fa,n zum Militär, nach dem Umsturz zuerst Universität und dann an die Technik. Fr � in der sozjalistischen Studentenbeweg"" tätig, und schon die ersten Demonstrati«"18 die die sozialistischen Studenten Ende 1 und 1919 gegen die deutschnatfonaien ten und Professoren an den Hochschulen ganisierten, hat er mitgemacht. Als nach 8 Februarwahlen im Jahre 1919 die sozial'5 Vier Hingepiditete Ton einem, der sie kannte tchen Soldaten fiber die Ringstraße mar »chierten, standen auf der Freitreppe der Unf veisität etliche sozialistische Studenten, mitten unter ihnen Georg WeisseL Keiner von denen, die damals.dabei waren, wird es vergessen, wie Weissei schon damals auseinan- dersezte, daß die österreichische Freiheit ImBier davon abhängig sein werde, ob man auf die Wehrmacht Einfluß zu behalten vermöchte. Damals, als die Geschütze über die Ringstraße fuhren, die Mündungen mit roten Nelkensträußen angefüllt und die Rohre mit Kränzen umwunden, dachte keiner von uns daran, daß wir einmal im Bürgerkrieg der österreichischen Wehrmacht gegenüberstehen kennten. Der Vorsitzende des Standgericn- tes soll Weissei als einen Fanatiker bezeichnet haben. Wenn man unter einem Fanatiker einen Menschen mit Scheuklappen versteht, der einer blutleeren Idee nachläuft, ohne nach links oder nach rechts zu sehen, dann ist diese Charakteristik falsch. Wenn man aber unter einem Fanatiker einen Menschen versteht, der sich eine eigene Welt- und Le- bensbetraebtung geistig erarbeitet hat und dann ihren Grundsätzen in vollkommener Treue und Hingabe folgt und niemals bereit ist, um einen Gehalt oder einen Posten oder ein Avancement ein Kompromiß zu schließen, dann war Weissei ein Fanatiker. Viele Wiener Genossen haben Welssei sprechen gehört. Wenn man ihn so sah, hätte man in ihm eher einen Büchermenschen als einen Soldaten ve»- mutet, eher einen Schreiber als einen Krieger. In seiner Art zu sprechen war weder etwas Predigerhaltes noch etwas Fanatischesi Aber jeder, der mit ihm jemals zu tun hatte, »nuEte den Eindruck bekommen, es mit einem ganzen Mann zu tun zu haben, der nicht nur reine sozialistische Gesinnung ausspreche, sondern sie auch lebe. Wenn also Weissei ein Fanatiker war, dann war er es nicht mehr und nicht weniger als der Kern der österreichischen Arbeiterbewegung, In der Weissei sein ganzes Leben lang gelebt hat und der sein letztes Wort galt jäffpt Karl Mflnlchreitef knfstammt einem Wiener Bezirk, in dem es neben engen und schlechten Arbeiterquartieren die luxuriösesten Villen der Reichen gibt. itm XIII. Wiener Bezirk Hietzing. Der-Kapl- lallsmus hat den Jungen Genossen Münichrei- ter schon einmal verwundet Er war ein Arbeltsinvalide. Seine linke Hand war schwer verstümmelt und er hätte es nicht Notwendig gehabt der Arbeiterbewegung "•llltärlsch zu dienen. Aber es hat wohl deinen gegeben, der es gewagt hätte, das dem Genossen Münlchrelter zu sagen: denn jeder U'ußte, daß er gerade auch als Soldat für die 'dee des Sozialismus einstehen wolle. Münich- relter hatte zu dem kleinen Kreis Jener Ge- insslnnen und Genossen gehört die sich ln- neihalb der österreichischen Sozialdemokratie links bezeichnet hatten und die seit März 1933, seit der Beseitigung des Parlaments durch Dollfuß, den Standpunkt vertraten, es �1 zunächst durch den Aufstand der Massen die zerrissene Verfassung wieder herzustellen, und Arbeiter und Bauern hätten dann ihre Macht aufzubauen. In vielen Diskussionen hat Münichreiter seine Meinung vertreten. Er blieb «uch dem. der nicht seiner Meinung war. im- "ner der Genosse. Er hatte ein gutes und klu- kca Gesicht mit großen braunen Augen, die man nur dann zornig sah, wenn es einen Feind der Arbeiterbewegung abzuwehren galt Als Münichreiters Schutzbundgruppe alarmiert wurde, war er sofort auf seinem Posten Er war einer der ersten Verwundeten- Er b sen. Die Fleischergesellen scheinen, wie es im Buch von Schuhmann-Brucker über„Sozialpolitik im neuen Staat" heißt, immer noch dem Liberalismus und dem Marxismus zu huldigen, damit dem„Grundsatz der französischen Revolution, es sei alles gleich, was Menschenant- litz trägt" Der Nationalsozialismus stelle den Grundsatz der Leistung des einzelnen für das Volksganze voran. Die Politik der Interessentenhaufen sei beendet. Das Blatt der Fleischergesellen, das vom Arbeitstod der fünf Berufsgenossen berichtet ist verpflichtet In derselben Ausgabe diese nationalsozialistischen Grundsätze der Sozialpolitik abzudrucken. Damit ist der Nationalsozialismus nicht nur in Worten, sondern durch die Tat bewiesen! In einem Betrieb mit 1800 Mann Belegschaft und 1000 NSBO-Mitgliedern hatten anläßlich eines der vielen Feste nur 150 an der vorge- schrleibenen Kundgebung teilgenommen. So etwas muß bestraft werden. Es wurde an emem Sonnabend Nachmittag ein dreistündiger M arsch anbefohlen, an dem die gesamte Belegschaft teilzunehmen hatte. Da die„Gefolgschaft" außerdem schlecht gesungen hatte, findet jetzt an jedem Mittwoch im Anschluß an die Arbeiszelt eine Singstunde statt Solche Beispiele von innerer „Gleichschaltung" häufen sich täglich mehr und mehr. Es lebe die Volksgemetaschaft von Führer und Gefolgschaft! Die Mensdienjäger... In der„Vossischen Zeitung" liest man: „Die Abteilung zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, die dem Landes-Wohlfahrts- und Jugendamt angegliedert ist, hat im Laufe des Monats Januar 2500 Personen festgestellt die der Schwarzarbeit verdächtig sind. Von diesen wurden etwa 1500 als Unterstützungsempfänger ermittelt, so daß In diesen Fällen die Schwarzarbelt erwiesen Ist. 80 Wochenmärkte, zehn Markthallen, fünf Personen- und Güterbahnhöfe sowie sechs Theater wurden auf die Beschäftigung von Schwarz- arbeltern kontrolliert Außerdem führte die Abteilung 128 Streifen auf den Straßen durch." Dem Unternehmer hat das Hitleregime die Bahn freigemacht der Unterstützungsempfänger, der zu seinen Hungergroschen ein paar Pfennige dazu verdienen will, wird gejagt als ob er ein Schwerverbrecher wäre. Das ganze Trauerspiel läuft unter dem Motto: Es lebe die Gerechtigkeit! Dnsitilidie Zudit Katholikenorgan gegen Hitler- und Heim- wehr-Faschismus. Da in Hitlerdeutsohland jegliche Kritik am braunen System bei Strafe verboten ist, versucht es die Opposition da und dort mit Umschreibungen, die das ganze Elend noch deutlicher offenbaren. Gegen die allgemeine braune Zwangsjacke protestiert die katholische Zeitschrift„Stimmen der Zci t", indem sie die Gefahren übersteigerten Zwanges aufzeigt. In einem Artikel Stanislaus von Borkowskis heißt es da: „Die Erzieher im grauen Altertum wußten bereits, daß übersteigerte Zucht Zucht- I o s i g k e i t erzeugt. Das war eine ganz naheliegende Einsicht. Ist doch der allzu üppige Zuohtaufwand nichts anderes als Zuchtlosigkelt des Erziehers; nnd was kann der Zuchterdrückte besseres tun, als sich anstecken lassen?..." „Erzieher" sagt der Verfasser und Führer meint er. Das wird noch deutlicher in den folgenden Abschnitten: „So grobschlächtig gezimmerte Gestalten glaubten sogar, mit diesem Furioso ihres Ziehens zu erziehen; als läge die Ausziehung zur Zucht in einer kreischenden Stimme, nnd als entrinne der w 11 d g e- schwungene Arm und eine drohende Miene dem offenen Gelächter des Weisen und dem versteckten Spott des Kindes... Wir sprechen von einem Zwang. auch von einem Zwang zum Guten, mit dem man nicht bloß das Kind, auch den blühenden Reifenden und den Gereiften, überfällt, bevor man auf das genaueste ausgespürt hat, ob die Sache fürdas Gewissen des Ueberraschten tragbar ist. Die Erzwingung einer Zucht ohne diese Voraussetzung nnd Vorarbeit Ist unsittlich... Wer sich aber auf dem Felde der Individualerziehung, auch innerhalb einer großen Menge, mit Gemeinplätzen, Schlagworten, Allheilmitteln,„großen Gesichtspunkten" wie sich diese Gedankenlosigkeit in ihrer beschönigenden Verhüllung betitelt, bescheiden, aber gemeingefährlich begnügt, mühe sich um Einladungen zu andern Berufen..." Das heißt, Hitler und die Seinen sollen sich weder Föhrer, noch Erzieher oder Reiniger nennen. Das Unsittliche, Charakterverder- bende des braunen Zuchthausstaates ist hier richtig charakterisiert. Reldisral verschwunden Die Hitleregierung, die durch„Ermacbtt- gung" des neuen Reichstags Verfassung machen kann, wie sie will, hat den Reicbsrat aufgehoben. Der Reichsrat war aus(fem früheren Bundesrat entstanden, der eine Versammlung der Vertreter der verschiedenen Bundesstaaten darstellte. Als Kulisse seiner eigenen Diktatur von Bismarck geschaffen, hat er weder im Kaiserreich noch in der Republik eine erhebliche Rolle gespielt Unter den heutigen Verhältnissen hatte er überhaupt nichts mehr zu bedeuteo; seine Mitglieder, von den Reicbsstatthaitem ernannt, konnten natürlich insgesamt weiter nichts bedeuten als eine überflüssige Jasage-Maschine mehr. Gegen die Beseitigung dieses überflüssigen Möbels läßt sich also, wie die Dinge heute liegen, nichts einwenden. Höchstens könnte ein Naiver fragen, warum nicht auch für den Reichstag und schon gar für den sagenhaften Preußischen Staatsrat— Görings eigene rechtliche staatsrechtliche Erfindung— die gleichen Konsequenzen gezogen worden sind. Der Grund liegt einfach darin, daß der Reichsrat aus einer Handvoll Beamter besteht, die bei dem Geschäft nichts verdienen, während durch den Reichstag und den Staatsrat annähernd tausend Sinnekuren für Nazibonzen geschaffen worden sind, von dennn jeder für absolutes Nichtstun 1000 Mark im Monat erhält Geschäft und Sittlichkeit In Deutschland kämpfen gegenwärtig zwei Branchen einen erbitterten unterirdischen Kampl gegen einander: die Friseure und ein Zweig der Seidenindustrie. Die Friseure haben durchgesetzt daß es nicht als undeutsch angesehen worden dürfe, wenn die deutsche Weib- lickkelt jene Nackenfrisur trägt die zwischen Zopf und Bubikopf Ist Fällt damit auch das Nackenrasieren weg, so bleibt den Barbieren doch wenigstens der ewige Frauenhaarschnitt und{Htto Ondulation. Der Mittelweg zwischen Friseurgeschäft und deutscher Sittlichkeit wäre somit stabilisiert, wenn es einer gewissen Seidenindustrie nicht ebenfalls schlecht ginge, was sie■wiederum zu Feinden der Friseure macht Denn die westdeutschen Industrie- und Handelskammern der Seidenbandindustrie haben hämischerweise beschlossen, im deutschen Haus wie in den Mädchenschulen Alarm schlagen zu lassen für jenen alterprobten Gret- chenzopf, der durch ein Seidenband zusammengehalten wird und darum sittlicher ist als alles andere. In welchem anderen Lande arbeiten Politik, Moral und Geschäft so schön Hand In Hand? Opposition hinter den Kulissen In Rotenburg an der Fulda kt der Landrat von Dombois auf Anordnung des Ministers des Innern mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Sein Amt wurde vertretungsweise einem H tiertreuen Re- gierungsrat von Kruse übergeben. Einen Tag später wurde der Bürger* meister von Fritzlar, Dr. Schnftz- 1 e r, ebenso brüsk beurlaubt und der Ortsgruppenleiter der Fritzlarer NSDAP, an sein® Stelle gesetzt. Die Beurlaubung der beiden sehr bekannten Beamten hat größtes Aufsehen erregt Man bringt die Beurlaubung des Landrats und des Bürgermeisters mit monarchistisch- deu t sch n a tlo n a le n Opposltlonsversnchan zusammen- Von Dombois Ist bekannt daß er deutschnational und ein Anhänger des„Papen-Kurses" kt Sind SU scUoh A6öHHC*ti des „Heuen \/oewäds"? Die A 1 1 1 a n c e Francaise 101 Bd. Raspall Paris(6) Die praktisdie Sdiule für die franz. Sprache eröffnet am 1. März 1. einen vollständigen Frühjahrskurs, der besteht aus wöchentlich mindestens 16 Stunden für praktische Uebungen m franz. Sprache einseht Uebersetzungen vom Deutschen ins zösische, 17 Vorträgen, einer künstlerischen Führung. Preis 180 F1,81? für einen Monat, 500 Francs für die vier Monate(vom 1. März m, 30. Juni). Besondere Teilnehmerkarten für die Vorträge allein sin zum Preise von 80 Francs für einen Monat erhältlich— 2 DieAben' kurse finden fünfmal in der Woche, Montags, Dienstags, Mittwocn• Donnerstags und Freitags von 20 bis 22 Uhr statt Der Kursus a Mittwoch dient dem kaufmännischen Sprachunterricht. Preis 100 rr für einen Monat, 325 Frs. für die vier Monate. Nähere Auskunft- teilt der Direktor Robert Dupouey, 101 Bd. Raspail Paris(5) � isi zu verpachten oder zu verkanten Angebote unter„Große Grenzstation" an Verwaltung„Neuer Vorwärts", Karlsbad, Kantstraße. Industrielles Unternehme0 In Paris mit großen Staats- und Privataulträgen für lange Sicht, sucht Beteiligungen. 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Aber darf sie eine eigene Meinung haben, darf sie einen festen Standpunkt einnehmen, von dem aus sie liandelt, und darf sie diesen Standpunkt öffentlich bekanntgeben? Das wieder darf sie nicht erklärt Genosse Aufhäuser, sie darf nicht„irgend einen mit Mehrheit beschlossenen und geformten„fertigen Standpunkt" eines Parteivorstandes servieren." »Irgend einen mit Mehrheit beschlossenen und geformten fertigen Stand- Punkt!" Sollen die Mitglieder der Zentrale In pi'ag als grundsatzlose Opportunisten sich in der Emigration herumtreiben und darauf warten, bis ihnen irgend jemand eine Grundlage serviert für die Tätigkeit die •fc seit ihrem Weg über die Grenze ausgeübt haben? Schließlich war der Ent- achluß, in der Emigration zu arbeiten, ein politischer Entschluß, der ®ine bestimmte Auffassung über den Kampf voraussetzte, und in der Tätigkeit seither sind eine Reihe von Erfahrungen gemacht worden, die diese Auffassung be- *estigt haben. Genosse Aufhäuser spricht von einem schwierigen Klärungsprozeß, uem man Zeit und Freiheit lassen müsse. ®er Klärungsprozeß über die großen Grundlinien dieses Aufrufs war so sehr Schwierig nicht denn diese Grundlinien stehen Im engsten Zusammenhang mit öen praktischen politischen Entscheidungen, die jeder nach der t�maskierung der deutschen Despotie, ■Vor allem aber am 17. Mai treffen mußte. Es kann deshalb nicht geduldet wer- daß von diesem Aufruf gesprochen jvlrd als von„Irgend einem mit Mehrheit "nschlossenen und geformten Stand- 'Jp'W, der als„plötzliche Veröffentli- cnun�" serviert wird. Diese Form der pritik nimmt der persönlichen politischen �ntscheidung von vielen, die einen opfer- nichen und gefährlichen Weg gegangen lnd, den Sinn, sie entwertet geradezu den t andpunkt, den sie eingenommen haben. . ist deshalb nötig, das politische und erarische Werden dieses Standpunkts 111 skizzieren. Anfang Mai ging ein Teil des sozial- J�okratischen Parteivorstands in die Y'Sration, um �'e organisatorischen ®rbinI3 dort erlebte, gab mir sehr viel zu denken und beute wetß ich auch erst, um was das ganze Gemau- sche! ging. Die St Pauls Lodges und der Odd- Fellows Orden hatte zu einer internationalen f VWwwirWnfUWwwvwiF � v nwwrf Zlatten Parkett des Ballsaales belmisch �z'en, mit dem Jahrelangen Kampf der braunen Bataillone größtenteils aber nichts � tun hatten, es sei denn in irgendeiner Zegnerischen Form als Parlamentarier, Sy- stemjournalist usw. Es darf wohl erwartet Verden, daß diesen gleichsohaitnngswüti- Zen Modeschneidern von zuständiger Stelle zehörlg die Maße genommen werden.*' Wir entnahmen diesen Stoßseufzer der Nr. der„Braunschweigischen Larnkszeitung''. �lüditllngslleder von ehedem Von Bruno Brandy. . Schicksal de» heimatlosen Frclhelts- p mPiers, der Volk und Vaterland verließ, um r«ihelt und Gesinnung zu retten, hat das Ge- der Menschen oft bewegt In der Zelt des utschen Absolutismus hüllte sich die Lyrik er Romantiker gern In dies Gewand, wenn sie Feder für die Freiheit einlegen wollten. O'ern der Dichter nicht mit der Zensur karam- 0 kfen wollte, mußte er seinen Stoff von frem- (jfn pCbaupIätzen beziehen. Der Widerhall, den e Fferheitskämple anderer Völker Im Herzen »loh V0rinärilichen Romantiker findet, drückt Emir ln Flüchtllngsdichtungcn au», deren j(ryi,Hlsamkeit Pathos und Rhythmus uns ro ern e'nes sachlicheren Zeitalters weniger ko an.t'Sc� a's na'v> sentimental oder gar leis � s c h anmutet— so wandeln sich Maß Versgefühl der Zeiten. Ijj 33»Ich U h I a n d wohl kaum träumen .*n. als er je|ne Ballade von der„Bld- »oabrüek«" dlcfafete: SpaaUob« Rebellen flüchten über den Grenzfluß in„fränk- schen Gau", rollen die Fahne zusammen, suchen„eine Freistatt In der Fern": alle bluten, nur der Führer Mins, benarbter als alle ananderen, Ist diesmal unverwundet Als ein alter Krfegsmann dies preist da rafft sich der müde Mlna vom Steine empor: Blickt noch einmal nach den Bergen. Wo die Sonne sinken will: Seine Hand, zur Brust gehalten, Hemmt nicht mehr des Blutes Lauf, Auf der Blddassoabrücke Brachen alte Wunden auf. Mächtige romantische Wallungen hinterließen vor allem die polnischen Unabhängigkeitskämpfe; sie spiegelten sich in L e n a n s Polenlfedern. Ab 1794 der letzte Aufstand (vor der dritten Teilung Polens) zusammenbrach, gingen viele der Anhänger Kosziuskos Ins Exil In Lenaus Lied vom Polenflücht- I( n g Irrt der Held Jm quellenannen Wüstensand arabischer Nomaden": Ein Polenheld und grollet stilL Daß noch sein Herz nicht brechen will. An einer Oase schläft er scbUeßUch ein. Eine Beduineaschar findet Sin: Sie sehen der Narben HeHigtam Auf blasser Stint nnd Wange; Dem Wüstensohn zu Herzen gebt Des Unglücks sttHe Majestät Als er aufweckt grüßen sie Ihn mit Liebe und einem Gesang, der von,.Blutrache, nach der Väter Brauch", nur so dröhnt Anfangs lauscht der Flüchtling entrückt dann packt ihn entsetzllchea Helmweh: Doch nun der Pole schärfer Itttscht Sind« fremde, fremde Töne: Was lu> Im Waffenglanx umrausebt Arabiens freie Söhne, Auf die der Mond der Wüste sebetnt: Da wirft er sich zur Erd— und weint Aber der allgemeine Schwärm für die unglücklichen polnischen Freibeltshekien konnte leider nichts daran ändern, daß diese Konjunktur Jahrzehntelang von Glücksrittern, Hochstaplern und Schwindlern arg ausgebeutet wurde. In den Schänken nnd Salons der westlichen Länder»aßen pompös benamsete Nepper und Nassauer, die von ihren Heldentaten bei Ostrolenka branzten, ohne je einen Schuß Pulver gerodien zu haben. Diesen Rittern brannte Heinrich Heine sein Gedicht von Krapüllnskl nnd Wtchlappski aufs FeH: Wohnten tn dersefcen Stube. Schliefen in demselben Bettel Eine Laus und eine Seele, Kratzten sie»ich um dl« Wette. Speisten tn derselben Kneipe, Und da keiner wollte leiden, Daß der andre für Ihn zahle, Zahlte keiner von den Beiden. Da* war wohl das satirischste aller Flücbt- Ungsgerlchte der damaligen Zelt, das teutonischste Jedoch lieferte Franz Dingelsted t einst seiner oppositionellen Gesinnung wegen In Ungnade gefallen und 1843 vom würtlembergischen König wieder fn Amt und Würden autgenommen. Auch dieses betitelt sich„Die Flflcbtllnge" und beginnt:„Es sind-der Männer fünf Ms sechs um einen Tisch gesessen."... Und alle-- der Spanier, der Russe, der Grieche, der Lombarde, der Schweizer— fluchen den Tyrannen Ihrer Heimat: So wirbelte durch das Gemach Auf blauer Tabakswolke Das Bild von mancher großen Schmach, Von manchem großen Volke. Nur einer ist still geblieben:„ein blasser Junge, mit blondem deutschem Lockenhaar, nüt blöder deutscher Zunge. Und als flu die andern fragen, warum er so früh in Acht und Bann wandern mußte und warum er dem Xand. das Ihn verraten", nicht Zeter rufe, da steht der blonde Jüngling auf, und wirft ein Glas herrlich an die Wand,„Im Auge blaue Blitze": Das wolle Gott Im Himmel nicht, Das solches le geschehe! Nelnl Wer mit deutscher Zunge spricht, Ruft Deutschland niemals Webel Er riefs. Und Herz und Stimme brach*• In lang verbalt'nera Weinen. Solches getiel den deutschen Despoten, so brauchten sie ihre Untertanen! Mochten sie auswandern, flüchten, ins Exil gehen, aber Unterdrücker und Vaterland sollten Ihnen Immer untrennbar sein! Die Vorteile dieser Begrlffs- vermanschung hat auch Hitler erfaßt; auch er läßt seine Barden in die Saften stürmen und läßt sie als vaterlandslos und Landesverräter beschimpfen, dfe einen Unterschied zwischen Deutschland und dem braunen Despotismus machen. Das Verebben der Romantik setzte auch dfe FlfichtHngslieder In der deutschen Lyrik außer Kurs. Das Volk trat auf die politische Bühne, Herweghs und Frelllgrats revohitio- näre Lyrik fegte über den Plan und kündet« dfe 48er Sturmlahre an; sie wurden die Väter einer neuen sozialen Dichtnng, dfe für indl- vidnelle Leiden und Schicksale einzelner wenig Raum läßt HuSiMtikd fft tiii q WWW f WWwIrMrlrwWlrWWWIWWWWIrWWWWWW Für 6 UVilliarden Mark Nahrungsmittel weniger! Sie haben's geschafft 1 So lange haben die Nationalsozialisten mit ihren eisenbeschlagenen Stiefeln auf der deutschen Handelspolitik herumgetrampelt, bis es ihnen gelungen ist, den Ueberschuß der Ausfuhr und damit fast die einzige Devisenquelle der deutschen Wirtschaft zum Verschwinden zu bringen. Zum ersten Male seit vier Jahren, seit dem Februar 1930, ist im Januar die Außenhandelsbilanz passiv geworden. Die Einfuhr war um 31 Millionen Reichsmark größer als die Ausfuhr. Der Dezember 1933 hatte noch einen Ausfuhrüberschuß von 49 Millionen. Im Januar ist also eine Verschlechterung B 1 n f u h r Hauptjruppen (In MIII. SM) i s u üsS 31 1° sä c ej »- 1=1 0-= ce um rund 80 Millionen eingetreten. Die Einfuhr ist gegen den Vormonat nur um 7 Millionen, von 374 im Dezember auf 381 im Januar gestiegen, während die Ausfuhr um nicht weniger als 74 Millionen, von 427 auf 350, also um ein Sechstel, zurückgegangen ist. Das Erschreckende ist dabei der beständige Rückgang des gesamten Außenhandels, wobei aber die Ausfuhr sich noch viel schneller vermindert als die Einfuhr, trotz der exorbitanten Drosselung der Lebensmitteleinfuhr durch die nationalsozialistische Agrarpolitik. Man vergleiche folgende Tabelle: Ausfuhr Hauptgruppen s, St.S (H £5 £ e 'S 1 ,' a> 3. g 3- C � w— ao i- z: u w U~jD(ö IC 3|||P � e ■a Monatsdurchschmtt 1929. 318 600 189 1930. 247 459 150 1931. 164 289 102 1932. 124 201 61 1933. 90 202 56 Ganz, Jahr 1931. 1970 3472 1225 1932. 1527 2412 727 Januar 1933. 101 214 51 Dezember 1933. 104 208 60 Ganz. Jahr 1933. 1082 2420 670 Januar 1934. 89 233 56 Das Sinken der Einfuhr, das während des Jahres 1933 anhält, beweist zur Genüge, daß von einer wirklichen Belebung der Konjunktur in Deutschland nie ht die Rede sein kann. Dazu kommt eine Verschiebung innerhalb der Masse der eingeführten Güter. Stark vermehrt hat sich die Einfuhr für den Bedarf der Rüstungsindustrie; die Einfuhr von Eisenerzen, Eisen, Kupfer, Nickel, Cellulose- faolz hat sich zum Teil verdoppelt und verdreifacht. Auch die Einfuhr von Textilrohstoffen hat sich infolge der Sonderkonjunktur für Textilien durch den starken Bedarf an Uniformen gesteigert Auf der anderen Seite trifft der Rückgang in der Ausfuhr— die Januar-Ausfuhrziffer ist die niedrigste seit 1929— fast ausschließlich den Export von Fertigwaren; Deutschland ist im Begriff, das zu verlieren, was seine wirtschaftliche Stärke war: es hört immer mehr auf, industrielles Ve r e diu ng s 1 a n d zu sein. Das war aber die Bedingung für die Beschäftigung von Millionen hochqualifizierter und am höchsten entlohnter Arbeiter, für deren künftige Unterbringung die sehr beschränkten Erweiterungsmöglichkeiten des Binnenmarktes in keiner Weise Ersatz bieten können. Der Absturz ist schrecklich! Betrug doch die Gesamtausfuhr auf ihrem Höhepunkt im Jahre 1929 noch 13.5 Milliarden Reichsmark, davon die Fertigwarenausfuhr 9.8 Milliarden, während sie 1933 auf 4.9, resp. auf 3.8 Milliarden gefallen ist! Mit der Verringerung des Außenhan- 1121 866 560 389 350 6632 4666 368 374 4204 381 59 40 30 17 14 244 204 151 86 75 359 1814 218 16 18 172 13 819 753 615 374 316 7380 1032 4489 75 299 74 331 903 3787 78 259 S O 1124 1003 800 478 406 9600 5739 391 424 4871 350 + 3 + 137 + 240 + 89 + 56 +2967 + 1073 + 28 + 49 + 667 — 31 dels ist min auch der Ueberschuß der Handelsbilanz immer stärker zurückgegangen. Betrug er 1931 fast 3 Milliarden(genau 2967 Millionen) und 1932 immerhin noch 1073 Millionen, so 1933 nur 667 Millionen, eine Summe, die nun tatsächlich zur Erfüllung der deutschen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr ausreichte. Aber selbst diese Summe wird sich im laufenden Jahre noch erheblich vermindern. Jedenfalls hat die stetige Abnahme der Aktivität der Handelsbilanz bereits zu einer weiteren Schwächung der Reichsbank trotz dem Moratorium geführt. Sie hat in den beiden ersten Februarwochen 42 Millionen Gold verloren: die gesamten Deckungsmittel, Gold und Devisen, betragen jetzt nur noch 343 Millionen, die Notendeckung betrug am 15. Februar 10.4 Prozent. Dabei verschlechtert sich auch der Wechselbestand der Reichsbank immer weiter. Er besteht zugestandenermaßen zu einem immer größeren, wenn auch natürlich nie genau bezifferten Teil aus dem Arbeitsbeschaffungsverkehr, also aus einer Art Schatzwechseln, deren Einlösung ganz und gar von der künftigen Finanzlage des Reiches abhängen wird, die, wie man weiß, prekär genug ist Es ist natürlich, daß unter diesen Umständen Herr Schacht immer neue Anstrengungen macht, von den Gläubigern Deutschlands Zugeständnisse zu erhalten. Er hat damit wenig Glück. Kürzlich haben wir berichtet, daß die Regelung mit den lang- und mittelfristigen Gläubigern Deutschlands damit abgeschlossen hat, daß die Reichsbank für das erste Halb- Konferenz aufgerufen. Anwesend waren ca. 70 bis 80 Prozent Juden, die übrigen waren andere, sogenannte Arier. Die zu der Zeit höchstens Persönlichkeiten wie Lord Kitchener, Lord Grey, Fürstenberg von der Deutschen Bank, Ballin, Eberl, Clemen- ceau usw. waren anwesend, und wir wußten nun auch den Grund, warum wir vorher so genaue Instruktionen bekamen. Insgesamt waren es ca. 1500 Personen und einer kannte den anderen wie Brüder. Hier hat die Wcitfreimau- rerei den größten Kongreß einberufen und ich behaupte, daß es hier um das Schicksal Deutschlands ging." Rasseschänder Marx— Wie er unter den Mädchen von Mosbach hauste. „Der Jude Marx bcschuWlgte die NkhtJOdin. Er sagte, sie wäre mit allem einverstanden gewesen, ja sie hätte fhn dazu verleitet und aufgefordert.(Der„keusche" Josef aus Aegyptenland bediente sich schon dieses Tricks.) Der gleichrassige Rechtsanwalt Hanauer, den sich der Rasseschänder genommen hatte, unter- stützte ihn dabei tatkräftig und Verständnis- Innig. Aber es gelang Ihnen nicht, das Gericht zu verblüffen. Angesehene Nlchtjuden traten für den Ruf des Mädchens pln. Der Jude wurde überiührt. Er erhielt eine sehr gelinde Straf«. Wurde zu nur sechs Monaten Gefängnis verurteilt Und hat doch ein Verbrechen begangen, bei dem die Todesstrafe am Platze gewesen wäre. Eines steht fest. Der Jude Wilhelm Marx ist ein notorischer Rasseschänder. Ein geborener Sittlichkeitsverbrecher. Gegen Rasseschänder und Sittllchkcitsverbrecher ist ein neues Gesetz geschaffen. Es soll das deutsche Volk, soll die arische Rasse schützen. Es Ist das Gesetz der Entmannung. Auf Grund unserer Kenntnis in der Judenfrage sind wir der Ansicht daß eigentlich all« Juden entmannt werden müßte n." Statistik der Rttuabnorde.— Ein grauenvoller Nachweis jüdischer Verworfenheit, „In verschiedenen Geschichtswerken finden sich ganz bestimmte und genau belegte Angaben über Ritualmorde. Ich habe die fürchterlichen Tabellen zusammengestellt und möchte damit zeigen, wie In 1500 Jahren alWn 92 Kinder und 23 Erwachsene unter dem schänderischen Messer verbluten mußten, ungeachtet der Unzahl der Verbrechen, dl« niemals an« Tageslicht kamen, die wir mir ungefähr ermitteln können, wenn wir aus der Vermißtenstatistik die Zahl der Kinder fesstellen, die um die Zelt des jüdischen Passahfestes verschwanden." I jähr etwa 30 Millionen mehr an Devisen I wird zahlen müssen. Aber auch das eben erneute Transfer-Abkommen mit den kurzfristigen Gläubigern hat die Hoffnungen nicht erfüllt. Schacht wollte eine neue Ermäßigung der Zinsen. Das ist nicht gelungen. Er mußte froh sein, daß die Gläubiger in eine Hinausschiebung der Rückzahlung bestimmter, von der Golddiskontbank garantierter Teilbeträge willigten, wodurch die Reichsbank monatlich etwa 15 Millionen an Devisen sparen dürfte. Von einer Stärkung des Goldbestandes— dem eigentlichen Ziel Schachts.— ist aber keine Rede und Herr Röhm, der Rüstungsorganisator, der so gut für die Lageransammlung von Eisen, Kupfer, Nickel, Cel- lulose und Baumwolle zu sorgen weiß, wird von dem Mißerfolg sehr wenig erbaut sein; denn Gold gehört nun einmal — und erst recht nach den abschreckenden Erfahrungen der Kriegsfinanzierung mittels Inflation, die sich nicht so leicht im genügenden Ausmaß wird wiederholen lassen— zu der wichtigsten Voraussetzung der Kriegsführung. Die negative Aussage über die Wiederbelebung der Konjunktur, die in der Einfuhrstatistik enthalten ist, wird auch von der Statistik über die Umsätze des Einzelhandels bestätigt. Zwar ist das amtliche Konjunkturinstitut zu Optimismus verpflichtet und behauptet. daß die Umsätze des Einzelhandels im Dezember um 4 Prozent höher lagen als im Dezember des Vorjahres. Die Steigerung betrifft mit 13 Prozent die Bekleidung und Textilien(Uniformen!) und mit 15 Prozent den Hausrat, was das Institut auf die Zunahme der Eheschließungen infolge der Ehestandsbeihilfen zurückführt. Aber die Umsätze von Nahrung s. und Genußmltteln lagen um 1.4 Prozent unter Vorjahrshöhe, während bei normaler Konjunkturentwicklung gerade diese hätten in die Höhe gehen müssen! Weit charakteristischer als die Dezemberzahlen sind aber die Zahlen für das Jahr 1933. Der Umsatz war um 6 Prozent niedriger als im Vorjahre. Selbst in den beiden Zweigen der ausgesprochenen Sonderkonjunktur, bei B e- kleidung und Hausrat, liegen sie noch etwas unter dem Vorjahr. Wie gewaltig und ausdauernd aber die Krisenwirkung ist, geht aus folgenden Angaben des Instituts hervor. Es betrugen die Umsätze in Milliarden Reichsmark: Nahrungs- und Genußmittel Bekleidung. Hausrat.. Kultur- und Luxusbedarf Kohlen.. Insgesamt Der Rückgang der Umsätze von 36.6 im Jahre 1929 auf 21.7 im Jahre 1933, also um 15 Milliarden, enthüllt ein erschütterndes Bild der Krisenwirkung. Es wird noch vertieft durch die Tatsache, daß der Umsatz von Nahrungsmitteln allein um fast 6 Milliarden zurückgegangen ist. Man muß sich doch vor Augen halten, daß dieser Rückgang fast ausschließlich gerade den ärmsten und bedürftigsten Teil des Volkes trifft, der eben an nichts mehr anderem sparen kann als an dem nötigsten Lebensunterhalt! Angesichts dieser Ziffern immer noch von den siegreichen Arbeitsschlachten, von dem ununterbrochenen Aufstieg reden zu hören, wirkt als immer unerträglichere Provokation! Dr. Richard Kern. Sozialismus der Tat? Die deutschen Gemeinden, die hn vorfaschistischen Deutschland ihre ganze Kraft der Wohlfahrt zugewandt hatten, sind von Adolf Hitler vor neue größere Aufgaben gestellt worden. So hat der Deutsche Gemeindetag kürzlich durch eine Umfrage festgestellt, welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Bettelunwesens sich In den Städten als besonders wirksam erwiesen haben. Dabei konnte ein voller Erfolg der von der Relchsrcglerung angeregten Aktion ermittelt werden. „Als besonders wirksam haben steh' die Razzien gegen Bettler erwiesen, die von def Polizei vielfach gemeinsam mit SS. und SA. durchgeführt worden sind. So ist in München an einem bestimmten Stichtag durch Einsatz aller verfügbaren Polizei k r ä f t c eine Sistierung der Bettler in weitestem Umfange erfolgt." Gegen die Bettler ist mit S c h u t z h a f t und Strafanzeige eingesebritten worden. Wer wagt es, noch daran zu zweifeln, daß der „deutsche Sozialismus" marschiert! Krieg, Krieg! Ein Inserat im Lande der„friedlichen" Braunhemden, das Bände spricht: Bau weit, Heft 6, heute erschienen! Aus dem Inhalt: Der Schutz gegen Sprengbomben bei Neubauten.." Sie können nicht einmal mehr Wohnhäuser bauen, ohne an den Krieg zu denken! Der Krieg beherrscht alles— die Reklame wie das Kinderspiel. Eine Stiefelwichsfirma inseriert; „Echte Kriegsbilder nach dem amtlichen Material des Reichsarchivs erhalten Sie beim Einkauf folgender Erzeugnisse..." Häuser mit Sprengbombenschutz, Stiefelwichse mit Kriegsbildern! Front des Geistes Neue bemerkenswerte VeröKentllchungen. Die„Tribüne", die Monatsschrift der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei veröffentlicht in Nummer 2 einen Ausatz von Josef Hofbauer über Oesterreich und einen Aufsatz von D o r a Denis über die Bedeutung des belgischen Planes der Arbeit für die tnternationale. Im.Neuen Tagebuch'' Nr. 7 richtet Leopold Schwarzschild folgende Mahnung an die französischen Sozialisten: „Der Impetus des deutschen Angriffswillens und die Progession der deutschen Angriffsfähigkeit werden von den Führern des französischen Sozialismus ebenso unterschätzt, wie von Daladier und Paul-Boncour. Und die Sozialisten hätten doch ganz besonderen Anlaß, sich klar darüber zu werden. Denn für sie wäre ein Hitlersieg über Frankreich, sei es durch Gewalt, sei es durch Kapitulation das absolute Ende; und sie vor allem müßten wissen, oder müssen sich informieren, daß ein Hitlersieg absolut möglich ist sie am wenigsten dürften die Gelahr leicht nehmen.' Das„Internationale ärztlich« B u 1 e 1 1 n" Nr. 2 bespricht da Bonhoeffer Gutachten im Fall Lübbe. Die Besprechung kommt zu folgendem Schluß: „Der berühmte Sachverständige, Professor Bonhoeffer, hat keinen Irrtum Im guten Glauben begangen. Man muß vielmehr feststellen, daß er ein falsches Gutachten erstattet hat unter dem Zwange moralischen Terrors, der den Mediziner und Psychiater In den Henker seines Kranken verwandelt hat. Ein solcher Arzt prostituiert die deutsche Wissenschaft und entlarvt das verbrecherische Regime in den Augen der ganzen zivilisierten Welt." Von der satirischen Wochenschrift„Der S i m p 1 i c u s*'. die in Prag herausgegeben wird, ist inzwischen Heft Nr. 4 erschienen. lemrlatfniM CojiaXAfmrfroHfchcfl tCcdjcnbtoH Herausgeber; Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Hörnt Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/Vn-1933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzel« verkauf innerhalb der CSR. Kü 1.40,(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). 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