\r. 39 SOiWTAG, 11. März 1934 Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"<— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Katastrophe der Krankenhäuser Warenhäuser werden gedrosselt Der Kriegsgeist siegt Traven und das Dritte Reidi Der Schäfer von Oranienburg Die braune Hölle enthüllt sich selbst Ernst Hedmana Friedridi Eberl Gerhard Seger Franz Künstler Die Gesichter, die die obenstehenden Bilder zeigen, werden vielen unserer Leser aus früheren Zeiten bekannt sein. Die Abgebildeten sind die früheren sozial- °emokratischen Reichstagsabgeordneten Brnst H e i 1 m a n n, Franz Künstler, briedrich E b e r t und Gerhart S e g e r. Aufgenommen sind die Bilder in dem befehligten Konzentrationslager von Ora- uienburg und entnommen sind sie dem pO Seiten starken Buch„Konzentrationslager Oranienburg" von SA-Sturmbann- "ilhrer Schäfer, dem Kommandanten die- Ses Lagers. . Heilmann, Künstler, Hbert und Seger s,nd alle yier alte Kriegsteilnehmer und 'm Felde verwundet Gegen keinen von jhnen war eine gerichtliche Anklage erhoben worden. Daß �ich gegen sie kein j-'aatsanwalt fand, wie gegen die Zen- Ifnismänner Esser, Hirtsiefer und selbst ter" veröffentlichte Polemik gegen den „Neuen Vorwärts" bestellt, in der die Vortrefflichkeit der den Gefangenen dargereichten Nahrung und die Unübertrefflichkeit der ihnen zuteil werdenden Behandlung gepriesen wird. Solche zerbrochene Charaktere finden Herrn Schäfers Lob. Im übrigen aber ist das Buch von drei Viertein seines Inhalts eine hemmungslose, von politischer Bildung ganz unberührte Schimpferei über die politischen Gegner, die ihm als wehrlose Opfer überantwortet sind. Schäfer leugnet einfach alles. Dabei wird für ihn die gelungene Flucht Segers und seine Schrift über Oranienburg besonders fatal. Natürlich leugnet er die Ermordung des Arbeiters Hermann H a- gendorf und des Arbeiters Sens aus Zerbst. Lagerärztliche Zeugnisse und Zeugnisse von Gefangenen stehen ihm in �----«••(.(.llltw llliLOlk/lVl U11U OWUOI. VWli OlV/Ut/ll IUX1I III D�ssauer, ist ein Beweis dafür, wie wenig jeder gewünschten Quantität und Qualität selbst die Justiz des Dritten Reiches imstande war, ihnen am Zeuge zu flicken. Dennoch haben diese Männer den Weg nach der Hölle des Konzentrationslagers �treten müssen, und wie es ihnen dort ergangen ist, das sagen besser als alle Worte die Bilder selbst. Wir, die wir tfirzehntelang ihre Freunde gewesen fragen uns entsetzt und erschüttert, Welche Leiden die Züge dieser uns wohl- vertrauten Gesichter so verändert haben biögen! - Wenn nun der Lagerkommandant icnäfer ein Buch erscheinen läßt, in dem er die Bilder seiner Opfer in solcher Aufmachung zeigt, so enthüllt er damit die frauenhaften Zustände, die im Dritten "eich herrschen, viel wirksamer, als es 'rgendeine angebliche„Greuelpropaganda" ||ermag. Diese Bilder zeigen, was sich beute in Deutschland Menschen gefallen bssen müssen, denen nichts anderes vorzuwerfen ist, als daß sie eine andere Jm'itische Gesinnung hatten als der SA- 'brmbannführer Schäfer. . Dennoch wird jeder Leser des Schä- erschen Buches, sich sagen müssen, daß s hundertmal ehrenvoller ist, als Gefan- *eber im Konzentrationslager zu sein, als Je Gesinnnung dieses Herrn Schäfer ■b teilen. Zeigt doch jede Zeile des .Jbches, das der Sturmbannführer Schälk1" ein ausgepichter Schurke ist, der den jjbbgei jeglicher Fähgikeit durch einen eberfluß vorschriftsmäßiger Gesinnung uszugieichen versucht, der selbst zum bgen zu dumm ist und die Gemeinheit .'ber Denkart aus jeder Zeile hervor- bchten läßt Was für ein Dummkopf bß dieser Mensch sein, der beispiels- . eise sich von Engländern, die das £er besichtigt haben, Wohlverhaltungs- �bgnisse ausstellen läßt, die mit den vj-0rten„Hell Hitler" schließen! die' der Regie, wenn sich ♦o-Ser Wann bei einigen seiner Untertan !en eine im„Westfälischen Beobach- zur.Verfügung. Die Polemik des Lagerkommandanten gegen seinen ehemaligen Häftling muß man wenigstens in einer Probe wörtlich genießen: „Gerade noch zur rechten Zeit eröffnet S e g e r seinen Kampf gegen Oranienburg und gegen sein ehemaliges deutsches Vaterland. (Oranienburg und deutsches Vaterland sind für Schäfer offenbar dasselbe. Red. des N. V.) Noch einmal beschäftigt dieser unsaubere sozialdemokratische Skribent die Presse des Auslandes und bestätigt, wie unrecht wir hatten, als wir diesen Gesinnungslumpen so anständig behandelten, wie das in jedem anderen Lande mit derartigen vaterlandslosen Gesellen nicht geschehen wäre. Dieser Vorwurf trifft uns SA-Führer und SA-Männer im Lager Oranienburg vollberechtigt." Kann man sich danach vorstellen, wie es Seger ergehen würde, wenn er noch einmal in die Hände Schäfers und seiner Spießgesellen fiele? Aber Seger ist nicht mißhandelt worden, Heilmann ist nicht mißhandelt worden, keiner ist mißhandelt worden versichert Schäfer. Der Einzelarrest ist eine höchst humane Angelegenheit, und Essensentzug gibt es am Tage höchstens einmal. Wie besonders gut aber ge- rade Heilmann es gehabt haben muß, das ergibt sich nicht bloß aus den tobsüchtigen Schimpfereien des Verfassers über ihn, sondern auch aus der folgenden Darstellung: „Heilmann gab uns keine Veranlassung, ihn in Einzelhaft zu nehmen. Dazu fehlte ihm einmal der Mut und zum anderen Male der Charakter. Als die„Prominenten" vor der Sanitätsstube angetreten standen, um gewogen zu werden, versuchte Heilmaun den kranken Mann zu spielen. Er schwankte auffällig und versuchte dadurch den Eindruck zu erwecken, als ließen ihm seine Kräfte in Stich. Diese Rolle— man kann nur von einer Rolle sprechen— spielte er aber derartig dilettantisch, daß selbst ein Laie das Spiel durchschauen mußte— und siehe da, als er angerufen wurde, er solle stillstehen, da stand Heilmann nicht nur still, sondern legte, ohne daß es von ihm besonders verlangt worden wäre, wie ein zur Ordnung gerufener Rekrut seine Mittelfinger an die Hosennaht Wenn bei Drohung der Ohnmacht allein ein Anruf genügen sollte, um das körperliche Gleichgewicht im Augenblick wieder herzustellen, dann— glaube ich— sollte das hinreichender Beweis für ausgesprochene Simulation sein." Was war der offenbare Tatbestand? Heilmann war infolge der erlittenen Mißhandlung so schwach, daß er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Ein Feldwebelgebrüll, das: sieh gegen ihn erhob, trieb ihn an, sich noth einmal zusammenzuraffen. Wie es ihm ergangen wäre, wenn er seine„Simulation" bis zum Hinsinken gesteigert hätte, darüber kann nach der Darstellung Schäfers selbst gar kein Zweifel bestehen. Heilmann bemühte sich, keine Veranlassung zu Disziplinarstrafen zu geben. Dazu fehlte ihm, wie Schäfer so schön und objektiv sagt,„einmal der Mut und zum anderen Mal der Charakter." Darum raffte er sich in seiner Verzweiflung noch einmal auf und stand da „wie ein zur Ordnung gerufener Rekrut". Schäfer polemisiert in seinem Buch gegen Berichte über sein Lager, die in den verschiedensten ausländischen Zeitungen und Büchern erschienen sind. Möglich, daß es ihm dabei gelingt, die eine oder die andere Einzelheit der dort veröffentlichten grauenvollen Schilderungen zu widerlegen. Es ist nur natürlich, daß eine wirkliche Hölle auch ihre Legende hat, und daß aus ihr manchmal Berichte herausdringen, die im einzelnen ungenau sind. Was jedoch die Publikationen betrifft, für die wir die politische und moralische Verantwortung tragen, nämlich den„Neuen Vorwärts" und die in unserem Verlag erschienene Schrift von Gerhart S e g e r, so erklären wir auf das nachdrücklichste und bestimmteste, daß für uns nicht der geringste Grund besteht, auch nur ein Jota von unseren Behauptungen zurückzunehmen. Wir wünschen aufrichtig, daß das Buch Schäfers recht viel Leser finden möge. Wenn sie richtig zu lesen verstehen, so werden sie das Buch aus der Hand legen, mit dem Gefühl des Entsetzens und der Scham über die deutschen Zustände von heute. Wollten sie anderen Zeugnissen nicht Glauben schenken, sie würden es aus diesem erfahren: Es gibt in Deutschland eine Hölle, die heißt Oranienburg und einen Teufel in Menschengestalt, der sie regiert, der heißt Sturmbannführer Schäfer. Nazihetze gegen„Neuen Vorwärts" Dorn im Auge und Pfahl im Fleische ist den Nationalsozialismus der„Neue Vorwärts". Nicht beruhigen können sich die Despoten darüber, daß außerhalb ihres Machtbereiches noch ein Blatt der deutschen Sozialdemokratie erscheinen kann, das der Stimme der deutschen Arbeiter Ausdruck gibt und den revolutionären Kampf gegen die braunen Gewalthaber predigt Den„Neuen Vorwärts" zu vernichten, ist kein Mittel zu niederträchtig, aber auch keines kleinlich und zu dumm. Man hat den Männern und Frauen in Deutschland, die den„Neuen Vorwärts" zu verbreiten wagen, mit der Todesstrafe gedroht— Und jetzt versucht man, den„Neuen Vorwärts" aus seinem Druck- und Erscheinungsort Karlsbad herauszugraulen mit der ideoti- schen Begründung, aus Deutschland wüi- den keine Kurgäste nach Karlsbad kommen, weil dort der„Neue Vorwärts" gedruckt wird. Das sozialdemokratische Tageblatt von Karlsbad, der„Volkswille" setzt sich mit den getarnten Hitleragenten, die den „Neuen Vorwärts" aus Karlsbad vertreiben wollen, in einem Leitartikel auseinander. Er fragt, ob relchsdeuüche Kranke lieber an Leber- und Nierenleiden sterben wollen als m die Stadt zu gehen, in der der„Neue Vorwärts" gedruckt wird. Wer ihn nicht lesen wolle, brauche es ja nicht zu tun. Aber es kommen, sagt der„Volkswille" weiter, viele Gäste aus Deutschland, die sich herzlich freuen, hier ein Blatt zu finden, nach dem sie in Deutschland vergeblich suchen. Der„Volkswille" wendet sich dann'mit kraftvollen Worten gegen die schmutzigen Widersacher, die ihm wie uns vorwerfen, wir schrieben gegen Deutschland. Gegen sie schrieb er: Jenen, die es einzig für„deutsch" halten, Tyrannen die Stiefel zu lecken, ihnen sagen wir, daß wir es für besser deutsch ansehen, männlich aufrecht und gerade durch das Leben zu gehen und aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Doch auch im Deutschland von heute wird es noch viele Millionen Menschen geben, die für aufrechtes Wesen etwas übrig haben, und die den mißachten, der freiwillig sich in geistige Sklaverei begibt; erst wenn das nichts mehr wäre, dann fieilich wäre die Zeit gekommen, wo wir an unserem deutschen Volke verzweifeln müßten... Die deutschen Genossen der Tschechoslowakei haben das Recht, eine so stolze Sprache zu führen, denn die Ehre des deutschen Volkes ist bei ihnen in viel besserer Hut als bei den Knechten des Dritten Reiches. Smwmeel jud Hokeduem Ein Spaziergang durdi die bayrisdie Presse Auch im Dritten Reich hat trotz Gleich- «cha�unx und Abschaffung der Landtage das Bayctnland seine Eigenart gewahrt Das lehrt Jeder Blick in die bayrische Presse, die neben der b seiten Heerstraße des Nazitums ihre eigenen Wege geht und ihre eigenen Kämpfe ausücht Natürlich fehlt in keiner Nummer die von Berlin diktierte alitägliche Festbegeiste- rung. Es fehlt nicht an den überall üblichen Klagen über das im Dunkel schleichende marxistische Wühlertum, aber mit besonderer i rende werden die Nürnberger Arbeiter doch die Klage des„Fränkischen Kurier" vernommen haben, daß die Sammeibüchsen der SA sich Immer mehr mit Vorkriegsgroschen, Biermarken, Metallstiickan und Kragenknöpien füllen. Das Ist eben eine der wenigen noch möglichen Formen der geheimen Abstimmung über das neue System. Auch sonst bewahrt Nürnberg als Residenz des berühmten Frankcnführers Streicher seine Besonderheit Die„Fränkische Tageszeitung" prangert den Bürgermeister von Egloffstein an, weil er bei einem Gespräch mit einem jüdischen Viehhändler ertappt wurde. Das Streicherblatt erklärt ein solches Verhalten mit dem Eid für Adolf Hitler nicht vereinbar. Der„Stürmer" bat aber einen noch schlimmeren Fall aufgegritien. Ein Jude namens Böttigheimer in Speyer hat dort das Aufgebot zur Eheschließung mit der 23jäbrigen Näherin Helene Naas bestellt Hitlers Lieblingsblatt fordert für Bräutigam und Braut di« Todesstrafe. Der Bürgermeister von Egloffstein steht mit seinem Leid nicht allein da. Am 9. November haben alle bayrischen Bürgermeister in München Adolf Hitler die Treue schwören müssen und damit sie ihren Eid richtig halten können, werden sie Jetzt paketweise zu nationalsoziailsfischen Schulungskursen einberufen. Folgen sie dieser Einberufung nicht, so sind die Konsequenzen für sie in keinem Fall angenehm. So wird aus Tutzing gemeldet, daß die beiden dortigen BOrgerr�ister wegen Verweigerung der Teilnahme an" dem Schulungskurs ihres Amtes enthoben worden sind. Hinter all diesen Kleinkriegkämpfen des Tages steht das zähe und meist stumme Ringen zwischen der alten katholischen Kirche Bayerns und der neuesten Staatsmacht. Fast Jeder Tag bringt neue Verhaftungen katholischer Gelstll- eher. Und aus welchen Ursachen? Beispielsweise meldet der„Fränkische Kurier4' vom 19. Februar: „Der katholische Pfarrer Renk von Pfor- zen bei Kauffbeuern, der auch nach der Revolution aus seiner Gesinnung kein Hehi machte, wurde verhaftet und in die Festung Landsberg am Lech verbracht Nacii dem Gottesdienst hatte er der Sturmfahne der lokalen SA den Gruß verweigert." Am 20. Februar sprach der bayrische Kui- tosminister S c b e m m in Theissenhofen, einem südlichen Mflnchener Vorort Die Geistlichkeit blieb der Versammhing fern. Das war dem Minister ein Anlaß, eine Strafpredigt über sie zu halten. Ihre Entschuldigung, es handele sich um eine politische Versammlung und den Geistlichen sei die Beteiligung an solchen Versammlungen verboten, könne nicht gelten. Es sei übrigens das erstemal, fügte Herr Schemtn hinzu, daß die Geistlichkeit seit er Minister geworden sei, in einer seiner Versammlungen fehle. Wenn nicht der Nationalsozialismus gekommen wäre, dann würden die Herren Pfarrer überhaupt nicht mehr auf der Kanzel predigen können. Herr Schemm verfolgte also das beliebte Rezept alle Ueber- griffe gegen die Kirche mit ihrer angebllclien Rettung vor dem Bolschewismus durch die Nazis zu rechtfertigen. Aber wie soll ein Mensch in Bayern glauben, die katholische Kirche hätte in diesem Lande, um sich vor dem Bolschewismus zu schützen, hakenkreuz- lerischer Hilfe bedurft! Ein anderer Konflikt hat sich um das sogenannte Ostmarklied entzündet das am 23. Februar per Rundfunk feierlich aus der Taufe gehoben wurde. In diesem Liedc heißt es: Wir sind des Ostens gewaonnetc Wehr. Der Grenzmark erhobene Faust. Schwarzrote Verräter, wir trafen euch schwer, Im Kampfe für Friede und Freiheit und Ehr* Der Schlachtruf uns tosend urrbraust: Mit Hitler marschieren wir furchtlos und stark! Braun s-himmert die Grenze und treu steht die Mark! Ein Teil der bayrischen Presse Ist dem Befehl, dieses Lied abzudrucken, nicht nachge- konunen. Der Grund dieser Weigerung geht aus einem Brief hervor, den das bischöfliche Ordinariat in Passau an den Verfasser des schönen Liedes gerichtet hatte, und fai dem er sich erkundigt hatte, wer mit den schwarzroten Verrätern eigentlich gemeint sei Er erhielt von dem Verfasser, dem nationalsozialistischen Redakteur Dr. Ptaff, die dumm-freche Antwort, dieser Passus wende sich„gegen die Kreise, die unter dem Deckmantel der Religion die Geschäfte der Separatisten und Bolschewisten besorgt haben und für deren Beseitigung Jeder ehrliche Katholik Adolf Hitler dankbar ist" Die nationalsozialistische Presse Bayerns spricht überhaupt gern und viel vom Separatismus, der im bayrischen Süden eine ähnliche Rolle zu spielen scheint, wie der Monarchismus im preußischen Norden. Auf dem Wege zum Der belgische Ministerpräsident de Brocqueville hat klar ausgesprochen, daß nichts die deutsche Aufrüstung aufhalten könne. Er hofft, durch eine internationale Konvention ein Wettrüsten verhindern zu können. Das erste ist d!e Konstatierung einer Tatsache, das zweite kann kein denkender Mensch in Europa ohne bitteres Hohnlachen aufnehmen. Konvention gegen das Wettrüsten, wenn man die zum Wettrüsten treibende Kraft im selben Atemzug für unaufhaltsam erklärt? Die Staatsmänner Europas haben bisher geschwiegen. Sie haben die verhängnisvolle Entwicklung zum nächsten Krieg vorwärtsgehen lassen, ohne Ihre Völker zu warnen. Sie haben geschwiegen, als das Vertragssystem, das den Frieden sichern sollte, als die feierlichen Achterkläruugen gegen den Krieg Stück für Stück zerrissen wurden. Sie haben nicht den Mut aufgebracht, sich offen gegen die vom Hitler-Faschismus ausgehende Kriegsdrohung zu wenden— und sie konnten es nicht, weil sie alle selber neuimperialistische Machtpolitik betrieben haben, die Politik der Blockb'ldung und der Bündnisse, der sich durchkreuzenden machtpolitischen Interessen und der Wirt- schaftsrivalitäten. Jetzt beginnen sie zu reden, um ihren Völkern zu erzählen, daß sich die Welt geändert hat! Unter ihren Füßen liegen die Fetzen der Verträge, der Völkerbundspakt und der Kellogpakt. Sie haben die Drohung verschwiegen und stellen die Völker nun vor die vollendeten Tatsachen: An die Stelle der Friedenssicherung durch Verträge ist die Politik der Rüstung und Kriegsvorbereitung getreten. Aus den Abrüstungsverhandlungen sind Aufrflstungsverhandlungen geworden. Die Kriegsausgaben werden nicht mehr als eine Bedrückung der Völker und eine Belastung der Volkswirtschaften angesehen, sondern als ein wirtschaftliches Heilmittel Das bezeichnet den Sieg des Kriegsgeistes! Der Völkerbund ist toi Japan hat ihm den ersten Todesstoß versetzt. Deutsch- land den zweiten, und die englische Politik hat dafür gesorgt, daß er sich nicht zur Wehr setzen konnte, D i e G e w a 1 1 hat eine Aenderung der Welt bewirkt— trotz der Verträge gegen die Gewalt. Wer am lautesten auf internationale Verträge pfeift hat die besten Chancen, seine internationale Stellung zu verbessern. Wer dem Völkerbund ins Gesicht schlägt, um den bemühen sich freundlich die Großmächte. Bald werden wir wieder mitten im Rüstung s- Meber sein. Im Wettlauf um die militärische Ueherlegenheit und um das größte Maß von Bereitschaft! Flugzeug um Flugzeug, Geschütz um Geschütz. Fabrik um Fabrik. Sch'ff um Schiff. Bald werden wir wieder hören, daß nur das Wettrüsten den Frieden sichere! Die Staatsmänner werden laut vom Frieden reden, und die nationalsozialistischen Scharfmacher noch Aber vielen Leuten in Bayern klingt das Wort Separatismus beute ganz anders in die Obren als in ieneo Jabren der„korrupten" Weimarer Republik, in der die Einheit des Reiches für alle von den Deutschnationa- len bis zn den Kommunisten eine Selbstverständlichkeit war. Hente, wo In Oesterreich statt der 99 Prozent von früher, höchstens 30 Prozent der Bevölkerung noch für den Anschluß sind, und wo im katholischen Saargebiet die Stimmung gegen Hakenkreuz-Deutschland mit jedem Tage wächst, macht sieb auch das katholische Bayern über den Separatismus seine eigenen Gedanken. In Jener verkiur- genen Zeit, in der Wilhelm II. reiseredete und Feste feierte, sprach man in Bayern von Reicbsverdrossenbeit Heute darf man von ihr nicht sprechen. Desto deutlicher fühlt man sie! neuen Wetirilsten eifriger von der Notwendigkeit, rechtzeitig loszuschlagen. Noch sind die Gruppierungen nicht klar, noch läuft das Spiel der Bündnissuche, das heute unter der Maske wirtschaftlicher Besprechungen geht noch durchkreuzen sich die Interessen mannigfaltig— aber gerade daraus kann eines Tages die Explosion entstehen. Die Spannung ist größer als vor 1914. Ein Zufall kann wie ein Funke ins europ5:sche Pulverfaß wirken und die Kriegsgewalt entfesseln. Wenn die Staatsmänner zu reden beginnen, so mögen sie die ganze Wahrheit sagen! Aber sie können es nicht; denn zur Wahrheit gehört daß Krieg und Revolution unlösbar miteinander verbunden sind! Hitler, englisch gesehen Wickham Steed. Hitler. Whence and wither?(Woher und wohin?) London, Nisbet and Co. Der frühere Herausgeber der„Times" hat englischen Lesern in einem kurzen Band die Grundlagen und das Wesen des Nationalsozialismus verständlich gemacht Der Rassenwahn— die Nordische Legende nennt es der Verfasser— der Antisemitismus und das Vorbild des italienischen Faschismus werden als die Grundclemente aufgezeigt Der Verfasser zeigt an der Hand der Theorie von Cobineau und H. St Chamberlain die Herkunft der nationalsozialistischen Rassenlehre. Es fehlen hier einige Zwischenglieder— die Reihe der alldeutschen Schriftsteller von Hasse bis Bern- Iiardi. Hitlers Buch„Mein Kampf" geht nicht wie sich nachweisen läßt auf Cobineau und C hamberlain zurück, sondern auf einige alldeutsche Hetzschriftsteller, aus denen auch Posenberg geschöpft hat Außerordentlich lehrreich sind die Betrachtungen des Buches über Germanismus und Judentum. Der Verfasser hat über vierzig Jahre lang die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden in mehreren Ländern selbst beobachtet und er kennt ausgezeichnet die antisemitische Bewegung In Oesterreich. Er stellt dem Anti- semitismus in Oesterreich, von dem Hitler herkommt dem unzweifelhaften Pangermanis- mus der Uberaien österreichischen Juden gegenüber, er schildert das Bemühen deutscher Juden, deutsch-national zu sein, ja, eine „deutsche Seele" zu erwerben und vermittelt damit historisches Verständnis für die Tragik des Judentums in Deutschland und Oesterreich, wie für die Unsinnigkeit der Hitlerpolitik. Seine Beobachtungen wie seine historischen Erinnerungen— so an den Hofprediger Stöckcr— sind von großem Interesse. Der Verfasser stellt fest daß mit Hitlers Machtantritt manche bisher verhüllten Unterströmungen sich enthüllt haben. Das ist ein treffender Ausdruck— sowohl für die Dinge in Deutschland als auch in Mittel- und Südosteuropa. Wie kommt es aber, daß diese bisher gebändigten Unterströmungen nach oben durchgebrochen sind und heute bestimmend wirken? So ausgezeichnet Steed diese Unterströmungen beschreibt, so kurz geht er Ober diese Frage hinweg. Zu ihrer Beantwortun* gehört freilich auch eine ebenso genaue Kenntnis der Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung und der Wirkungen der Wirtschaits- krise auf den gesellschaftlichen Zustand in Deutschland, wie sie der Verfasser von dem Problem„Juden und Deutsche" besitzt Jetzt ist die sozialistische Bewegung ie Dentschland die maskierte Unterströmung— bis einst ihr Tag wieder kommt Ä Max Klinger. Geistige Sklaverei Erzieher werden zn Gesinnungslumpen. Graf Reventlow darf noch vorläufig seinen Reichswart herausgeben. Neulich hat sich e i n dissidentischer Lehrer an Hin mit folgendem Brief gewandt: „In Hamburg sind über 300 Lehrer Dissidenten gewesen; heute— keiner mehr! Ich habe mich als einer der letzten dagegen gesträubt, in die Kirche wieder einzutreten. Die dauernden Prohungen der Landesbischöfe. Schulräte usw.: in der christlichen Schule sei für dissidentfsche Lehrer kein ' Platz, und die daraus folgende Ungewißheit eines Tages durch ein Gesetz kurzerhand auf die Straße gesetzt zu werden, das zermürbte schließlich die Nerven... Es kostete mich schlaflose Nächte, bis ich mich durchrang, meine Ueberzeugung. der Ich über 25 Jahre lang treu gewesen bin und der ich auch im kaiserlichen Deutschland habe leben können, zu verraten. Aber mit über 50 Jahren sind die Nerven nicht mehr so gut und s o w u r d e i c h c b a- rakterlos und heuchelte. Leicht fält es einem freilich nicht, wenn man bisher ein aufrechter Mensch gewesen ist Unbewußt reagiert man darauf, daß man gezwungen worden ist sich selbst zu verachten, und zwar mit Haß gegen die, welche die Schuld haben, daß man ein Gesinnungslump geworden ist Es wird schwer halten, diesen Haß wieder za Oberwinden." Wir stimmen dem Urteil des Grafen Reventr low völlig bei, wenn er zu dieser vernichtenden Anklage des Lehrers, der in der„Freiheit" des Dritten Reiches lebt sagt:„Das is* nicht alkin erschütternd und beschämend, sondern wer das liest spürt die Erniedrigung, als ob sie Ihm selbst widerfahren oder zugemutet worden sei. Kann es etwas geben, was dem deutschen Wesen mehr Ins Gesicht schlüge, undeutscher, man möchte sagen, antideutscher sei, als dieses Verfahren? ... Mit hohen und großen Worten wird da von der Erziehung der jüngeren Geschkchtef gesprochen und feierlich darauf hingewiesen, daß sie die deutsche Zukunft bedeuten, daß man Charaktere, daß man Persönlichkeiten brauche und daß solche heranzutüchfen, ein« hohe und hehre Aufgabe sei. Und unter dert Klange solcher Redewendungen, die so zur widerwärtigen Phrase werden, bricht man dk f haraktere der Erzieher, macht sie vor sich selbst verächtlich, züchtet Haß anstatt volks- genössischcn Vertrauens und erzieht tot Lüge und Heuchelei.. Jawohl diese geistige Sklaverei der Volksschulkhrerschaft ist eine furcht' bare Gefahr des deutschen Volkes, aber der Appell an die„höchsten Behörden" ,sl allerdings eine völlige illusionäre HoffIlu��• Die geistige Sklaverei gehört zur Eigenart der nationalsozialistischen Gleichstellung. Duldsamkeit und geistige Sauberkeit gehören nicht zum Rüstzeug der SA. Ihre Ueberzeugungsm't* te) sind der Mord, das Zuchthaus und das Konzentrationslager! Die Gratls-Verdeutschten. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit:..Dem prea' Bischen Minister des Innern gehen fortgesetzt Anträge auf kostenlose Ver* dentschung fremdklingender Namen z"* Alle diese Anträge sind den Regierungspräsl* denten cinrure(chen.s Diese Teutonen, die siel1 ihrer Namen schämen und sich, allerdings kostenlos.„verdeutschen" weiten, sind schon ei0* Nummer für sich. Skandalvertuschung. Mehrere würt- tem bergische Zeitungen wurde* durch das wflrttembergische Innenminsfteriu10 auf Grund der Verordnung des Reichspräside«* ten auf die Dauer von drei Tagen verbö" t e n. Es handelt sich durchweg um kleinere Zeitungen außerhalb Stuttgarts. Da soll ei» Naziskandal totgetreten werden! Vielseitig aber unbrauchbar! Ein heze'� nendes Inserat; Professorentoch'e* ev, wegen nichtar. Hlnscbiag* Fürsorgerin entl„ s. geeign. Tätigk. Soz.& f AusbÜd. i. Säugi- u. Krankenpflege. Sprachex.. Stenogr.. Maschinenschr- wandth.. etwas Hauswirtschaft, Ang- 011 „Nr. 3290" an d. Gescbäftsst m Sief des Ktimmsks Vcäfuft und die Äuddmmaim Die europälsdie Presse der Hängediristen Von einem österreichischen Sozialdemokraten. Ss Ist eine nicht zn übersehende, sehr hezeichnende Tatsache, daß das Wiener Blntregime von allen europäischen Diktaturen die beste internationale Presse hat Gewiß, gerade die moralisch angesehensten Blätter der Welt haben ihren Ekel vor den Schuldigen am österreichischen Arbeitermord deutlich ausgedrückt, aber die Masse der internationalen Zeitungen, vor allem die sogenannte„jüdische Presse", versucht ihren Frieden mit dem ..christlichen" österreichischen System zu machen. Die Haltung des„Präger Tagblatts", die Haltung des„Pariser Tageblatts" und des„Neuen Tagebuchs" sind charakteristisch; auf sie mag als bezeichnende Beispiele hingewiesen sein, daneben noch andere Blätter zu nennen, ist überflüssig. Wie die wirklich demokratische Presse eines wirklich demokratischen Volkes auf die Wiener Ereignisse reagiert zeigt die nahezu einhellig ablehnende tapfere Haltung der tschechischen Zeitungen, die damit ihre Feuerprobe bestanden haben. Die Haltung der sogenannten„jüdischen" Presse ist symptomatisch; sie hat ihre Ursachen und Gründe. Der wichtigste Grund, der die politische Anschauung dieser merkwürdigen Demokraten bestimmt ist die Angst vor dem Pogrom. Aus dieser Angst erklärt sich die unwürdige Haltung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, die in ihrer Gemeindevertretung die Mandate der„Werktätigen Juden" und der *Poalezionisten" annullierte, ehe das die Regierung noch von ihr verlangt hatte. Nun scheint das eine sicher zu sein: in dem kleinen Oesterreich, das von allen möglichen internationalen Beziehungen nnd Gunstbezeigungen abhängig ist wird ein offenerPogrom nicht stattfinden. Der geheime Pogrom findet längst statt. Der junge jüdische Arzt, der seine Spi- . talspraxis zu absolvieren hat, der jüdische Student, der sich auf der hakenkreuzleri- schen Universität behaupten soll, der jüdische Versicherungsagent, die wissen ein Lied davon zu singen. Der jüdische Großindustrielle oder Finanzmann bleibt allerdings ungeschoren. Das liegt durchaus im Sinne des Systems, hinter dem keine Massen stehen und das klarer als irgendeine Diktatur in Europa eine Klassendiktatur Ist. in der die reichen Juden eben hinzunehmen gewillt sind, was man den armen Juden antut, wenn man nur die Bankkonti Wit Ausnahme der Arbeiterbank unberührt läßt Ansonsten aber, also mit Ausnahme des offenen Pogroms, geschieht im Oesterteich der Dollfuß und Fey genau dasselbe �'ie im Dritten Reich Adolf Hitlers. Die �Velt hat sich über die Bücherverbrennun- «en vom 10. Mai 1933 mit Recht aufgeregt; mit Recht fanden die Intellektuellen aller Kulturländer, daß dieses Prunkstück des Nazitums den Rang und die Würde der deutschen Kultur und Ehre schände. Die Regierung des österreichischen Bundeskanzlers tut genau dasselbe. Sie hat allerdings aus dem Echo Hitlerdeutschlands und von den geschickteren Methoden des italienischen Faschismus gelernt; sie vermeidet daher die Oeffentlichkeit, sie macht aus ihren Verfolgungen und Gemeinheiten kein Schaustück, sie tut alles still und geheim ab. Im Jahre 1933 ver- liehen die Wiener Arbeiterbibliotheken drei Millionen, die Arbeiterbibliotheken der Bundesländer eine Million Bände. Diese riesige Arbeiterbibliothek, Physiker und geistiger Besitz, ist glatt gestohlen worden. Eine• kurze Mitteilung �sagt, daß die Bibliotheken wieder eröff- "et werden sollen, nachdem man sie von der„marxistischen" Literatur gereinigt hat. Und marxistisch ist im Oesterreich von heute alles, was in irgendeiner Beziehung in die Beschränktheit der heute regierenden Herren nicht paßt. Mit bau- e nischlauer Geschicklichkeit vermied es Dollfuß, in die Erklärung über die Arbeiferbibliotheken auch nur das kleinste antisemitische Schlagwort über jüdische Lite- mten, jüdische Zersetzung, Asphaltlitera- fur etc. aufzunehmen. Wir fragen also: War die Entrüstung der sogenannten Jüdischen Presse" echt, sie über die Mißhandlung der geistigen Freiheit im Dritten Reich schrie? Wenn diese Entrüstung echt war, dann ist diese Presse verpflichtet, nun, da im Namen eines blödsinnigen Antimarxismus in Oesterreich dasselbe geschieht, was in Hitlers Reich hn Namen des Antisemitismus geschehen ist, ihren Mut zusammenzunehmen und laut und deutlich zur österreichischen Literaturveriolgung das Notwendige zu sagen. Oder gilt für diese Vorkämpfer der Demokratie das Recht und die geistige Freiheit nichts mehr, nun, da es scheinbar nicht gegen die Juden, sondern nur gegen den Marxismus geht? Oder ist im österreichischen Fall, da die Klassen Scheidung nicht wie im Dritten Reich durch Antisemitismus vernebelt ist, der Klasseninstinkt und die Klassensolidarität der bürgerlichen Zeitungen stärker als ihre angebliche Gerechtigkeitsliebe und Demokratie? Mit Recht hat das Berufsbeamtengesetz des Dritten Reiches die Empörung aller anständigen Menschen der Welt hervorgerufen. Aber was Hitler auf dem Gebiet des Beamtenwesens tat und tut, das macht Dollfuß genau so. Wieder ohne Prachtentfaltung, wieder schön still und geheim, wieder ohne irgendein Gesetz und ohne das Recht zu bemühen. Sämtliche Direktoren und Oberlehrer der Wiener Schulen und mancher Bundesländer wurden über Nacht auf die Straße geschmissen, weil sie einer Partei angehört und eine Gesinnung betätigt hatten, die bis zum 12. Feber 1934 durchaus erlaubt war und der mit allen Fasern ihrer Seele weit mehr Menschen anhingen und anhängen als den Regierungsparteien. Oder: man stellte in Oesterreich an Beamte die Frage: Wollen Sie in die„Vaterländische Front" eintreten? Für Menschen, die dort nicht eingeschrieben sind, haben wir keinen Platz!" Lehnte nun der Beamte den Kauf seiner Gesinnung ab, wurde ihm mitgeteilt, daß er, da er„fr e i.w illig"' seines Dienstes entsagt habe, keinerlei Ansprüche mehr aus seinem Dienstverhältnis habe. Das geschah auch Menschen mit gesetzlich garantierter Pensionsberechtigung und ohne daß man sjch bei diesem Vorgehen auf irgendeinen Paragraphen stützte, einfach mit dem Recht der Gewalt. Natürlich ist es schwerer, diese österreichischen Gemeinheiten in Erfahrung zu bringen als die deutschen; darin besteht die besondere Geschicklichkeit des Dollfuß. Frage: Ist die Brotlosmacbung von Menschen weniger gemein, wenn sie sich gegen Marxisten richtet als gegen Juden? War die Entrüstung im reichsdeutschen Fall echt, dann haben wir ein Recht darauf, sie heute im österreichischen Fall zu vermissen. Oder: Mit Recht empörte man sich über die Tatsache, daß man im Dritten Reich Verwandte für einen Verwandten büßen ließ, der den Machthabern Hitlers uner reichbar geworden ist. Auch davor schreckt Dollfuß nicht zurück. In österreichischen Gefängnissen sitzen Leute. deren einziges Verbrechen darin besteht, mit irgendeinem führenden Sozialdemokraten verwandt zu sein. Andere wieder haben ihrer Verwandtschaft wegen ihre Arbeit verloren. Dollfuß macht durchaus dasselbe wie Hitler; er tarnt nur geschickter, er versteht nur, schweigsamer zu sein — aber sonst genau dasselbe. Hinrichtungen, Prügelungen auf der Polizei, überfüllte Gefängnisse, Konzentrationslager, geknebelte Presse, schließlich der bevorstehende Prozeß gegen den sozialdemokratischen Partei vorstand, der im Verdacht steht, den Schutz der Verfassung geplant zu haben: das sind die Tatsachen aus dem„christlichen, ständischen und deutschen" Oesterreich. In einem Punkt allein unterscheiden sich die zwei „Führer", der kleinere von den beiden vermeidet den offenen Antisemitismus, er kann nicht anders, er muß vorsichtig sein. Wir fragen die Demokratie der Welt: Ist diese Vorsicht des österreichischen Bundeskanzlers so entscheidend für das Urteil und die Gedanken Europas, daß sie alle Gemeinheiten des heutigen österreichischen Regimes aufzuwiegen vermag? Wird die Verletzung der Menschenrechte, der persönlichen Freiheit der Geistesfreihelt und des Selbstbestim- mungsrechtes, wird der standgerichtliche Mord und die Justizschande von Oesterreich mit duldendem Schweigen aufgenommen werden, weil der an allen diesen Verbrechen schuldige österreichische Bun deskanzler so vorsichtig ist. sich nicht offen zu Antisemitismus zu bekennen? Es wäre wichtig, auf diese Frage eine Antwort zu bekommen. Die Leldienfledderer Die„Rundschau", das Organ der Komin lern für Westeuropa, widmet den Wiener Kämpfern die folgenden Zeilen: „Aus dem Blute der Opfer des österreichischen Februaraufstandes versucht bereits jetzt schon die II. internationale politisches Kapital zu schlagen. Die SPOe versucht den Anschein zu erwecken, als ob sie die Initiatorin und Fflhrerin der WdenmQtlgen Kämpfe gewesen sei. Es soll eine Legende entstehen von der kflhnen revolutionären Sozialdemokratie Oesterreichs, die das stark geschädigte Ansehen der II. Internationale heben soll. Die Schande der SPD, so lautet die Legende, sei durch die rautigen Kämpfe der SPOe gesühnt worden. Es darf der II. Internationale nicht gelingen. diese Legende den Massen aufzuschwatzen. Es wäre dies eine Verunglimpfung der heldenhaften Kämpfer, eine Schändung des Andenkens der gefallenen Opfer. Es Ist eine geschichtliche Lüge, daß der Austromar- z Ismus„in Schönheit gestorben" ist I n Schande hat er gelebt, in Schande Ist er gestorben... Dit kleine Kommunistische Partei hat versucht den Kampf auf eine höhere Stufe zu heben. Ueberail, wo Kämpfe entbrannt waren, standen Kommunisten Seite an Seite mit den sozialdemokratischen Arbeitern. An vielen Orten waren die Kommunisten Initiatoren und Organisatoren des Kampfes, an anderen führten sie, nachdem die SP-FQhrung die Losung der Kapitulation ausgegeben hafte, die Arbeiterschaft von neuem in den Kampf. Die Februarkämpfe waren ein Beweis für den Heldenmut und die revolutionäre Begeisterung der Kommunisten... Aus diesen Lehren wird die österreichische Arbeiterklasse Konsequenzen ziehen müssen. Die traurigen Maulhelden des Austromarxls- mus haben die österreichische Arbeiterschaft durch ihre verräterische Politik in den Faschismus geführt. Ihre politische Konzeption hat im Endeffekt ihren eigenen politischen Tod gebracht Der Austromarxismus, diese raffi- derte Verfälschung des Marxismus, ist politisch tot Sein Wirken hat das Eindringen des wahren revolutionären Marxismus in das Denken der österreichischen Arbeiterklasse verhindert Noch im Sterben hat er die Niederlage des Febrnaraufstandes verursacht Nunmehr ist der Weg für den Sieg des Marxismus-Leninismus frei- Bs gilt nun, den MasseneinfluB der Sozialdemokratie zu brechen. Die Sozialdemokratie bleibt auch weiterhin die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie, auch wenn die Arbeiter mit Kanonen beschossen werden." Sind das nicht Bnndcsgenossen der Fey und Dollfuß, suchen sfe nicht ans der Wiener Niederlage Kapital für ihren Apparat zu schla- gen? »Hodbverrat« Wo bleiben die Prozesse? Die Dolifnß, Fey und Starheni- b e r g haben großmäulig angekündigt daß sie die Führer der österreichischen sozialdemokratischen Partei wegen Hochverrats prozessieren lassen wollen. Nur zu! Wir glauben allerdings nicht, daß die Wiener Kanonenchristen den Mut haben werden, sich vor der Weltöffentlichkeit die Anklage gegen ihre Verbrechen Ins Gesicht schleudern zn lassen. Dieser Hochverratsprozeß würde stärker wirken, als alle Kanonen und Haubitzen des Fey zusammengenommen! Also her mit dem Prozeß I Hitler nnd Görlng haben seit langem einen Hochverratsprozeß gegen die Zentrale der KPD. angekündigt. Der Prozeß Thälmann und Genossen steht auf der Tagesordnung— aber er wird nicht stattfinden! Die deutschen Faschisten haben von dem einen Dimitroff genug. Der Prozeß ist ohne Angabe von Gründen abgesagt worden. Aber den deutschen Faschisten muß man auf die Finger sehen! Sie haben vier kommunistische Spitzenfunktionäre auf dem Verwaltungswege ermordet. Sind die Angeklagten des angekündigten und abgesagten Prozesses überhaupt noch prozeßfähig? t Her auch mit diesem Prozeß! Wir wollen sehen, ob die Angeklagten noch leben!....... r Die verfolgte Mensdil idskeit! Wer nicht bestialisiert ist, fliegt! Der Hauptausschuß der Leipziger Stadtverordnetenversammlung hat In seiner Sitzung vom 27. Februar beschlossen, den Oberstudiendirektor Behrendts und die Lehrerin Vorwerk, beide Vollblutaricr, mit sofortiger Wirkung ihrer Aemter zu entheben. Die Lehrerin hatte einer Schülerin untersagt, in der Klasse ein widerwärtiges Pamphlet des verstorbenen Nazi-„Dichfers" Dietrich Eckart aufzusagen, in dem in beispielloser Weise die Juden geschmäht werden. Die Lehrerin hatte dieses Verbot mit Rücksicht auf die Gefühle von zwei jüdischen Schülerinnen ausgesprochen, die sie nicht in dieser rohen Weise vor der ganzen Klasse beschimpfen lassen wollte. Nun schrieb der Vater des Mädchens einen Beschwerdebrief an den Direktor der Schule, den jetzt suspendierten Oberstudiendirektor Behrendts und verlangte die Bestrafung der „v e r J u d e t e n" Lehrerin. Der Direktor erklärte sich jedoch mit der Lehrerin solidarisch und teilte dem Vater mit, daß sie menschlich und pädagogisch gesehen, richtig gehandelt habe. Nun kam die Sache vor die Stadtverordnetenversammlung. In der Begründung der Suspendierung wird davon gesprochen, daß in einem nationalsozialistischen Staat eine solche Handlungsweise und eine solche Gefühlsduselei auf keinen Fall geduldet werden könne! Es lebe die hundertprozentige Bestialität! Die Pistole Die„Nationalsozialistische Partei-Korrespondenz" teilt mit:„Anschließend an die Veröffentlichung der Vorschriften über das Tragen des neuen Dienstanzuges der politischen Leiter der NSDAP, wird nunmehr bekanntgegeben, daß der Führer diesen politischen Leitern bis einschließlich Ortsgruppenleitern das Recht verliehen hat, zum Dienstanzug eine Pistole zu tra- g e n." Sieg Hell, Viktoria! Soeben kommt eine neue Auflage des ofli- ziellen Liederbuches der SA noch feucht aus der Presse. Da steht auf Seite 11 als Nr. 16 dieses zackige„Sturmlied 22/111/140": SA-Sturm rweiundzwanzig marschiert ins Morgenrot, Wir fürchten nicht den Teufel und fürchten nicht den Tod! Die Ostmark zu befreien, Sieg Heil, Viktoria! Wolln wir das Leben weihen! Sieg Heil, Viktoria! Wir werden nimmer rasten, SA-Kamera- deo. schwört, Bis daß die deutsche O&tmark dem Deutschen Reich gehört. Von den verdaramtenPoIen, Sieg Hell,fViktorial Wolln wir sie wieder holen, Sieg Heil. Viktoria! So steht Sturm zweiundzwanzig zum Freiheitskampf bereit Gebt uns die Marschbefehle, mit Gott! frischauf zum Streit! Für Ostland kämpft und Danzig, Sieg Heil, Viktoria! SA-Sturm zweiundzwanzig, Sieg Heil, Viktoria! Inzwischen ist bekanntlich der deutsch- polnische Freundschaftsbund geschlossen worden, und nun sieht die Eroberung des Korridors doch wieder ganz anders aus— iiach dem Pariser„RIRE", nämlich so; hS/emktMm im deitUn Reitk MiäU SfitkiU Xadi träge zur sozialpolitlsdien Bilanz der braunen Herrschaft Das Dritte Reich scheut eine ehr liehe Bilanz. Seine Finanzwirtschaft ist unkontrolliert, seine Statistik zurechtgeschustert. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, noch einige Nachträge zur Jahresbilanz bekanntgeben. Anfang 1933 wurden in Deutschland 20,832.000 Arbeiter und Angestellte gezählt. Zieht man davon 300.000 Kranke ab, so gab es im Januar 1933 20,532.000 arbeitsfähige Arberter und Angestellte. Nach der Krankenkassenstatistik befanden sich am 25. Mai 1933 13,170.000 Mitglieder in Arbeit, am 25. Juni 13,185.000, am 25. September 13,403.000. Nach der amtlichen Arbeitslosenstatistik wurden am 15. September 4,828.000 Arbeitslose gezählt. Die beiden letzten Ziffern ergeben zusammen 18.231.000 verfügbare Arbeitskräfte, die von der Zahl der 20,532.000 Arbeitsfähigen abzuziehen sind. In der Differenzzahl von 2.3 Millionen liegt jene un- sichtbar gewordene Arbeitslosigkeit, die in der neuen amtlichen Reichsstatistik wegretouchiert worden ist. Es sind hier noch nicht mitgerechnet Angehörige des Mittelstandes und Hunderttausende von Marxisten. Pazifisten, Juden und Personen, die von der staatlichen sozialen Hilfe ausgeschlossen sind, also auch in der Statistik nicht erscheinen. Die Unstimmigkeiten der Statistik zeigen sich auch in der folgenden Gegenüberstellung: während bei den Krankenkassen im September 1933 13,403.000 Mitglieder gezählt wurden, hatte die Reichsarbeitslosenversicherung nur 9,800.000. Diese große Differenz ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß das Reich für die im Freiwilligen Arbeitsdienst Beschäftigten Beiträge zur Kranken- aber nicht zur Arbeitslosenversicherung gezahlt. Ob man Exerzieren, Felddienstübungen der Sturm- truppler, Stahlhelmler und sonst im Freiwilligen Arbeitsdienst„beschäftigten" Personen als eine wirtschaftliche Beschäftigung ansehen kann, ist eine Frage. Vorläufig wird mit diesen Künsten die Zahl der Erwerbslosen vollkommen um einige Millionen gefälscht. Arbeltswechsel. Zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffung hat die Hitler-Regierung Wechsel ausgestellt, die in der Zeit vom 1. April 1934 bis zum 1. April 1938 eingelöst werden sollen. Bis jetzt sind nicht weniger als 1.3 Milliarden Arbeitsbeschaffungswechsel ausgestellt worden und obwohl einige Großbanken diese Wechsel nicht mehr aufnehmen können, ist der umlaufende Betrag weiter auf 2.7 Milliarden Mark erhöht worden. Ein weiterer Milliardenbetrag ist die Finanzierung der Reichs-Auto-Bahn bestimmt. Aufnahmestelle für diese Wechselflut kann schließlich nur die Reichsbank sein und Dr. Friedrichs schreibt im „Bankarchiv"; ..Deutschland würde im Fortgang dieser Finanzierungsmethode bald mit einer Erhöhung seines Kotenumlaufs zu rechnen haben." Die„Fraitkfurter Zeitung" redet einstweilen den Privatbanken noch gut zu, von sich aus einige Hunderte Millionen Mark Arbeitsbeschaffungswechsel aufzunehmen, aber„Der deutsche Volkswirt" erklärt im Einverständnis mit dem„Bankarchiv", daß nur noch die Reichsbank als Finanzierungsquelle übrig bleibt. Eigentlich wird unter den Sachverständigen nur noch darum diskutiert, w i e man dem Volke die Wahrheit sagen soll. Denn in Wirklichkeit diskutieren die deutschen Finanzfachleute heute schon über eine Inflation. Der Reichsarbeltsminlsfer„bedauert". In der Holzindustrie und im Tischlergewerbe des Wirtschaftsgebietes Westfalen war seit dem 1. Januar 1933 ein tarifloser Zustand eingetreten. Die Zustände waren so unhaltbar geworden, daß sich der„Treuhänder der Arbeit" entschließen mußte, von sich aus eine Lohn- regelung anzuordnen. Er beantragte bei dem Reichsarbeifsminister für die neue Lohnregelung die Allgemeinverbindlich- keit. Dieser Antrag des Treuhänders der Arbeit wurde jedoch vom Reichsarbeitsminister mit dem folgenden Bescheid abgelehnt: „Der tariflose Zustand hat in ländlichen sowie kleineren Betrieben zu weitgehendem Absinken der Löhne geführt. Dieses Absinken, das zum Teil das sozial erträgliche Maß zweifellos weit überschreitet, ist an sich außerordentlich zu bedauern. Es muß aber als. Tatsache hingenommen werde n." Der Herr Reichsarbeitsminister bedauert das Absinken der Löhne über das sozial erträgliche Maß hinaus, aber in der Jahresschau nationaler Arbeit muß so etwas als Tatsache hingenommen werden! Müdigkeit an der Arbeitsfront. Unter den früheren bürgerlichen Gewerkschaften von Deutschland gehörte der Deutsch nationale Handlungsgehilfen-Verband zu den willigsten Pionieren des Nationalsozialismus. Dennoch wurde auch im DHV., der jetzt unter Wegfall jeder Hugenberg-Tra- dition nur noch Deutscher Handlungsgehilfenverband heißt, die Verbandsleitung gereinigt und mit echten Nazis besetzt, aber unter 4er neuen Leitung beginnt der praktische Anschauungsunterricht des Hitler-Regimes allmählich zu wirken. Die Kaufmannsgehilfen hatten sich den deutschen Sozialismus etwas anders vorgestellt. Das folgende Originalrundschreiben des DHV. zeigt ein recht bedenkliches Abflauen der Begeisterung, und ist mit dem Freudengeheul bei den fast täglichen Feiern und Festen der Nazis nur schwer in Einklang zu bringen. „Es hat sich bisher im Kreise unserer Verbandsmitglieder eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Verbandsleben und eine Lässigkeit in der Erfüllung der Pflichten gezeigt, die nicht zu überbieten sind. Die beiden letzten Pflicjitversammfiingen zeigen Besucherzahlen auf. die einfach beschämend sind... „Noch betrübender ist es, wenn man hören muß, wie Mitglieder unseres Verbandes unter sich und zu anderen über ihre eigene Organisation in einer Weise sprechen, die ganz ungerechtfertigt, g e- wissenlos und niederträchtig ist. Bedauerlicherweise werden mir solche Aeußerun'gen selbst von solchen Mitgliedern gemeldet, die eingeschriebene Mitglieder der NSDAP, und gar d e r S A. s i n d. Ein solches Verhalten ist einfach unbegreiflich. Es ist meine Pflicht, in Zukunft derartigen Aeußerungen nachzugehen. „Beruiskameraden! So geht es nicht w e 1 1 e f. Es scheint mir, als ob noch zu viele nicht begriffen haben, was die Arbeitsfront und damit der DHV. bedeuten. Es ist unmöglich, Nationalsozialist zu sein und der Notwendigkeit der weltanschaulichen und beruflichen Schulung auszuweichen. Besinnt Euch auf Eure Pflicht! Wenn wir auch aus der regen Anteilnahme der Mitglieder neue Kraft zum Arbeiten schöpfen, so kennen wir keinen persönlichen Ehrgeiz. Unser Grundsatz ist, Euch und dem Volksganzen zu dienen. Wenn ich schon von mir sprechen darf, so muß ich sagen, daß die niederschmetternde Erkenntnis des Zustandes in unserem Kreise mich schon vor die Frage gestellt hätte, mein Amt zur Verfügung zu stellen, wenn mich nicht das Bewußtsein der Verantwortung zwänge, auf dem Posten auszuharren, auf den ich gestellt bin. Noch kann und will ich die Hoffnung nicht aufgeben. Wenn ich sie bei den älteren Berufskameraden endgültig aufgeben müßte, so rechne ich auch auf Euch, DHV-Jugen d." Wenn schon die Treuesten der Treuen vor Ablauf des ersten Jahres„gewissenlos und niederträchtig" geworden sind, so wäre es wohl angebracht gewesen, wenn Adolf Hitler den begleitenden Text zu seiner Jahresbilanz etwas bescheidener gehalten hätte! Fürsorge für Harxistenklnder Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung trifft große Vorbereitungen, um die Jugendlichen, die zum 1. April aus den Schulen entlassen werden, in das Berufsleben einzugliedern. Es soll, wie es scheint, Lehrlings- züchterei im größten Stil betrieben werden und man will mit einem scheinbar sozialen Zweck die massenhafte Gewinnung billiger Arbeitskräfte verbinden, für die dann ebenso viel ältere entlassen werden können. Abgesehen von der Unterbringung in Lehrstellen erwartet man, wie von der zuständigen Stelle berichtet wird, auch vom A r- beitsdienst eine gewisse Entlastung des Angebots von Jugendlichen, ferner auch durch das Land jähr, das in Preußen bereits grundsätzlich beschlossen ist. Dieses Landjahr wird dann folgenderweise näher erklärt: „Es werden im wesentlichen die Kinder aus den Großstädten und industrierelcben Bezirken in das Landjahr kommen, darunter namentlich solche Kinder, die nachweislich In der Vergangenheit eln�ltig marxistisch beeinflußt worden sind, wie das Insbesondere In den weltlichen Schulen geschah. Hier könnte das Landjahr eine nationale Erziehung nachholen." Auf solche Weise wird das Wort Hitlers: „Wir werden ihnen die Kinder nehmen!" zur Wahrheit gemacht. Den Schülern weltlicher Schulen, den Kindern marxistischer Eltern soll auf dem Lande die richtige nationale Gesinnung eingeprügelt werden! Die»heutfgen Anforderungen«... Kardinal Bertram in Berlin hat an die Behörden eine dringende Mahnung gerichtet. „auf das religiöse Innenleben und die Heiligung des Sonntags mehr Rücksicht zu nehme n." Auch die Leiter von Versammlungen, Wehrsport- und Arbeitslagern müsse er um das gleiche ersuchen. „Unter den heutigen Anforderungen", so formuliert der Kardinal seine Anklage diplomatisch und schamhaft, müßten alle religiösen Dinge den größten Schaden nehmen. Dieser aufsehenerregende Kampfruf des Kardinals, der im Berliner katholischen Kirchenblatt veröffentlicht worden ist, hat in Berlin größtes Aufsehen erregt. Die Fesikrawatte Die Reichszeug meisterei der NS DAP. hat soeben zur„Ankurbelung der Wirtschaft" die Herausgabe einer F e s t k r a- watte„Kraft durch Freude" beschlossen als Teil des obligatorischen Festanzuges in fünffacher Ausführung herauskommen soll und deren Tragen Pflicht für alle Mitglieder der„deutschen Arbeitsfront" sein wird. Der Frontkomplex In„Wild und Hund" Nr. 9 vom 2. März liest man einen Artikel, der die pompöse Uebcrschrift trägt:„De u t s c h-L a n g h a a r strebt zur Front!" Wer ist dieses martialische„Deutsch-Langhaar" und an welchem nordischen Kriegsschauplatz„strebt" es gegen den jeweiligen Erbfeind zur Front? Diese Langhaarigen sind kein neuerwachter Kannibalenstarara aus dem Geschlecht der Hitler und Göbbels, sondern nur eine Hunderasse. Heißt nicht die Schlußfolgerung: sogar die. Hunde drängen in Deutschland zum Krieg? Der Dreivlertel-Apiep In der Münchener Medizinischen Wochenschrift" Ist in der Nr. 7 vom 2. März das folgende Inserat zu lesen: „Junger Chirurg, zweiundeinhalbjähriger Ausbildung, la-Zeugnisse, auch selbstständige Arbeiten gewöhnt, dreiviertel Arier, sucht Stellung an Privatkrankenhaus bei bescheidenen Ansprüchen." Der junge Chirurg, der nicht sein Wissen und seine Ausbildung, sondern seine nordische Rassenmehrhedt In den Mittelpunkt seines Angebots stellen muß, Ist ein Charakteristikum der aligemeinen Barbarisierung des verhitlerten Deutschland. Das Blendmittel Kapitalismus, gemildert durch Schutzhaft. Vom früheren Rußland galt der Satz; dort herrsche der Despotismus, gemildert durch Meuchelmord. In der Tat ist von den Zaren des 19. und 18. Jahrhunderts nur der kleinste Teil eines natürlichen Todes gestorben. Aber man kann trotzdem nicht behaupten, daß die Aussicht auf ein blutiges Ende den Despotismus der meisten Zaren gemildert- hätte. Im Gegenteil, ewige Angst und ständiges Mißtrauen vergrößerten ihn nur. Vom heutigen Deutschland kann man sagen; in ihm herrscht der Kapitalismus, gemildert durch Schutzhaft. Ab und zu wird nämlich pompös in den Naziblättern verkündet, daß ein unsozialer Betriebsleiter in Schutzhaft genommen worden sei. Und der „dumme Kerl" im Betriebe soll sich natürlich freuen, wie schneidig der nationale„Sozialismus" gegen die Kapitalisten losgehe. In Wirklichkeit ändern zwei oder drei solche Fälle im Monat(mehr sind es nicht) au den ausbeuterischen Tendenzen des Kapitalismus noch viel weniger als die Ermordung von Zaren durch Palastrevolutionen am Wesen des russischen Despotismus geändert hat. Man muß zudem einmal genau betrachten, aus welchen Gründen Schutzhaft gegen Unternehmer verhängt wird. Man liest z. B. im„Völkischen Beobachter": Zu einer Kundgebung gegen den Betriebsleiter der Ziegelei Blumenthal in Liebschütz bei Neusalz kam es am Sonntag nachmittag. Es war bekannt geworden, daß die Ziegelei ihre Arbeiter unter Tarif bezahlte. Aus diesem Grunde wollte der Ortsbetriebs- zellenleiter der NSBO. und Arbeitsfront Pg. M o s i g mit dem Betriebsleiter verhandeln. Dieser wurde jedoch gegen den Vertreter der Arbeitsfront tätlich und beleidigte ihn aufs schwerste. Die NSBO. veranstaltete aus diesem Grunde einen Protestumzug durch Neusalz zum Rathaus, wo Ortsgruppenleiter Beigeordneter Hanke zu der Arbeiterschaft sprach. Der Betriebsleiter Gens wurde auf Veranlassung des Landrats in S c h u t z h a f t genommen. Also nicht etwa ist dieser Betriebsleiter in Schutzhaft genommen worden, weil er unter Tarif arbeiten ließ, sondern weil er den zu ihm entsandten Vertreter der „Arbeitsfront" beleidigt und tätlich mißhandelt hat(Woraus man übrigens schon sehen kann, wie die beutigen Unternehmer mit ihren braungelben Kulis glauben umspringen zu können.) Hätte der Betriebsleiter Gens den Pg. M o s i g hübsch auf einen Stuhl gebeten, ihm eine Zigarre offeriert und im übrigen ihm mit bedauernden Achselzucken auseinandergesetzt, daß er beim besten Willen keine höheren Löhne bezahlen könne — es wäre Herrn Gens bestimmt kein Härchen gekrümmt worden. Das wissen auch die übrigen Betriebsleiter im Reich. Und daher wird die EinkastelunS ihres Standesgenossen(auf wie lange übrigens?) die anderen höchstens davon abhalten. ihre Betriebsstellenleiter der NSBO. einfach mit Fußtritten hinauszuwerfen, wenn diese einmal vorstellig werden. Keinen aber wird der Fall Gens abschrecken, die Löhne der Arbeiter nach Kräften hcrabzudrücken. Die„Milderung" des Kapitalismus durch Schutzhaft gegen unsoziale Unternehmer's' genau so ein Reklameschauspiel für die Dummen wie alles andere im Dritten Reiche auch! Reditsgüiepsdiu� Professor Dr. F. Oetker, Würzburg. schreibt in einer Abhandlung;„Gedanken zur Reform des deutschen Strafrechts und Strafprozeßrechts": „Die Tötung eines Verbrechers kann durch Rechtsgüterschutz gerechtfertig' sein, nie wäre es Lebensentwertung 10 Form der Verstümmelung. Schon deshalb nicht, weil darin eine naturwidrige Schmälerun. g det' Arbeitskraft— das Wortirawei- testen Sinne genommen— läg®- Einer Körperstrafe durch Züchtigung unter Vermeidung von Uebermaß stände dieser Grund nicht entgegen." Mißhandlungen sowie das Abschlagen v'00 Köpfen sind statthaft, das Abhacken von Händen hat aus industrietechnischen Zweckmäßig" keltsgründen tunlichst zu unterbieten. Sfr. 39 BEILAGE HcmclloftnÄffe 11. März 1934 Dit l/tlcä itut tßi/duiuikätßk Pusiilik? ~ w VF �WWW�F VrVr� ���VrVrw" V 9 1/öh 3. heuendocf Eine Kritik der Antikritik Die Antikritik des Genossen Klrnger an der Kritik des Genossen Aufhäuser betitelt sich etwas stolz;„Der Weg zur revolutionären Politik". Damit soll wohl gesagt werden, daß das Manifest des Parteivorstandes diesen Weg weise. Die revolutionäre Bewegung wird diese Behauptung nachzuprüfen haben. Und sie wird gewiß um so kritischer sein müssen, a|s ja die Mehrheit der Prager Führung, die hinter dieser neuen revolutionären Linie steht, bis in die letzte Zeit hinein die starren Vertreter jener reformistischen Ideologie waren, die jetzt einen weltgeschichtlichen Zusammenbruch erlebte und die im Sterben noch einen furchtbaren Schatten weit über die deutschen Grenzen warf. Und es wird zu fragen sein, auf Grund welcher theoretischen Erkenntnisse die ehemals so unentwegte«] Anhänger und Verteidiger der reformistischen Entwicklungslehre zu ihrer jetzigen revolutionären Theorie gekommen sind? Grundsatz oder Taktik, das ist hier die F ra ge? Deshalb haben wir schon im Anfangsstadium der Diskussion hinter die erste Proklamation des Parteivorstandes„R ev o 1 u t i o n g e- ?en Hitler!" eine kleine, aber sehr entscheidende Frage gestellt:„Und �as dann?*' Der Weg zur Revolution tegen Hitler steht außer Diskussion. Was am Tag nach der Revolution geschieht, darauf kommt es an. Das deutsche Proletariat hat durch die katastrophalen Fehler des Reformismus vielleicht ein hal- J« Jahrhundert Entwicklung verloren, es hat die grausame Wahrheit des Klassenkampfes in der Form von Konzentrationslagern und Schafotten kennen gelernt, es hat als Echo der eigenen furchtbaren Niederlage die Kanonen auf dem benachbarten Feld des Klassenkampfes krachen hören und hat mit würgender Scham emp- hmden, daß selbst die verzweifeltste Form der Gegenwehr immer noch turmhoch über der kampflosen Kapitulation steht, �eil diese den Glauben breiter Massen �erbricht, während jene aus der Opfer- bereitschaft der Gefallenen neuen Glauben Zeugt und neue ungeahnte Kräfte entwickelt— dieses so grausam ernüchterte Proletariat wird jeden Vorschlag der trüberen Parteiführung nicht nur mit schärfster Kritik betrachten, sondern es Wird auch auf Grund der Vergangenheit S'ch mit berechtigter Skepsis hinsichtlich der Auslegung des revolutionären "anifests wappnen. Versteht man nun, Weshalb alle Gruppen, die bis jetzt zu dem Manifest Stellung genommen haben, solche, mit Prag zusammenarbeiten, und �'che, die sich scharf distanzieren, ob 0Iientlich oder in Briefen, das Mißtrauen Vor die Kritik stellen? Natürlich ist das Mißtrauen an sich kein sachliches, sondern ein psychologi- •Sches Moment. Da es aber der E r f a h- �ung entspringt, ist es nicht unsachlich. "r Unsachlichkeit wird es erst dann, Wenn neuere Tatsachen das von früher 'er berechtigte Mißtrauen absolut wider- egen. Um konkret zu sprechen: wenn eine mit schweren Fehlern belastete Füh- �Ung eine grundsätzliche Umkehr hält und oann gerade aus dieser mit leidvollen Er- ®hrungen und schmerzlichen inneren Minpfen verbundenen Erkenntnis heraus . 01 so klarer und sicherer den neuen Weg Schreitet, dann wird Mißtrauen zur jyankheit und Kritik aus Mißtrauen zur PtikastereL Aber wenn diese„g r u n d- � t z 1 i c h e" Umkehr jede Kritik der ergangenheit ängstlich vermeidet, also )Pcb ohne jede wirkliche Selbstkritik ve'bt, dann gewinnen die an sich schon �d enklichen Lücken zwischen den Zeilen es Manifests ein etwas anderes Gesicht. ♦ , Por Genosse Klinger geht in seiner "'kritik fast nur auf das Formelle ein ? wir sind gezwungen, ihm zunächst jT diesem an sich untergeordneten Gesa ♦ Zu �0'gen- Der Genosse Aufhäuser einleitend wörtlich; "Ls kommt wohl in diesem Stadium der Selbstkritik, der Selbstverständigung, des Prüfens und Suchens nach dem richtigen Weg nicht so sehr darauf an, den von der deutschen Katastrophe erschütterten Menschen sofort irgendeinen mit Mehrheit beschlossenen und geformten„fertigen Standpunkt" eines Parteivorstandes zu servieren, als vielmehr darauf, den Prager Apparat in den D i e n s t d e s schwierigen K I ä r u n g s p r o z e s s e s zu stellen." ■ Gegen diesen Satz fährt der Genosse Klinger sein schwerstes Geschütz auf. Er tion so oft kennen gelernt hat. Nur mit dem Unterschied, daß früher ein mächtiger Apparat dahinter stand, während heute nichts dahinter steht als eine zusammengebrochene Politik. Aber wir hätten auch zu dieser formellen Entgleisung gern geschwiegen, wenn sie nicht wie in der Nußschale die sachliche Berechtigung der Aufhäuser- schen Kritik am Formellen aufzeigte. Ge nosse Klinger wird ja nicht bestreiten können, daß das Manifest des Parteivor- Hütm ptäßte Tat Endgültige Rettung der dirlstlidien Kirche vor dem Bolschewismus zitiert ihn dreimal, ohne ihn ein einziges- mal ganz zu zitieren, legt ihm einen anderen Sinn unter, indem er die Stellung des Parteivorstandes zum 17. Mai und 12. November heraufbeschwört, die niemals bestritten wurde. Sein stärkstes Argument, mindestens in der Form, ist dies: „Es kann deshalb nicht geduldet werden, daß von diesem Aufruf gesprochen wird als von„irgendeinem mit Mehrheit beschlossenen und geformten Standpunkt", der als„plötzliche Veröffentlichung" serviert wird." Es kann nicht geduldet werden...! Da hätten wir glücklich wieder den guten, alten Parteiamtsstil, wie ihn die Opposi- standes mit Mehrheit beschlossen und mit Mehrheit geformt worden ist. Uns ist es nur unbegreiflich, wieso Klinger das als Vorwurf empfindet? Jede Körperschaft hat das Recht, mit Mehrheit Beschlüsse zu fassen und zu formen. Ja, Genosse Aufhäuser hat nicht einmal die„Plötzlichkeit" des Verfahrens kritisiert, die darin bestand, daß die Minderheit erst bei beginn der Plenumssitzung, in der das Manifest beraten und verabschiedet wurde, das umfangreiche Dokument in die Hände bekam, wodurch eine grundlegende sachliche Korrektur natürlich fast unmöglich wurde. Nein, der Sinn der Kritik ist doch der, daß der Wert des Manifests sowohl psychologisch wie grundsätzlich dadurch herabgemindert wurde, weil,— wie Aufhäuser sehr deutlich sagte—„die besten Teile der Arbeiterklasse, die sich heute bemühen, eine Analyse der politischen und ökonomischen Situation zu finden", von der Mitentscheidung und Mitverantwortung ausgeschlossen waren, Um diesen einfachen Tatbestand kann mau doch nicht herumreden. Hätte es denn nicht im Interesse der Sache gelegen, diese theoretischen Kräfte einheitlich zu binden dadurch, daß man sie in irgendeiner Form an der Schaffung der neuen Grundlinien beteiligt hätte? Schlimmer aber liegt es noch mit. der Beteiligung derer, die drüben mit Leib und Leben sich einsetzen sollen für die Durchführung der in der Plattform enthaltenen revolutionären Kampfforderungen. Um Görings Staatspolizei willen müss.en wir dieses Kapitel mit. aller Zurückhaltung behandeln. Aber soviel kann gesagt werden, daß die Ausschaltung dieser wertvollen Kräfte, die heute schon unschätzbare Arbeit leisten, ein schwerer Fehler war. Damit wollen wir das Formelle eiligst verlassen. Die Sache der Revolution steht zu hoch, als daß sich die Kritik in Kleinigkeiten verlieren dürfte. • Das revolutionäre Dokument von Prag ist erkenntnistheoretisch irt der Luft eines zwangsläufig revolutionär gewordenen Reformismus entstanden und es trägt auch mit seinen Lücken und Unzulänglichkeiten die Schlacken des Reformismus an seinem Gewand- Dabei wird jede sachliche Kritik anerkennen, daß zwischen dem kleinbürgerlichen Reformismus dpr Nachkriegs-. Programme von Görlitz und Heidelberg und der revolutionären Plattform von Prag eine Welt liegt. Allerdings eine zusammengebrochene Welt. Und hier liegt die Gefahr neuer Illusionen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Plattform die Feststellung, daß die Revolution notwendig und der Reformismus unmöglich geworden sei durch die von Hitler geschaffene Situation. Diese Situation kann unter Umständen wechseln, das Hitleregime kann abgelöst werden dtfreh ein militärisches oder monarchisches Regime, das zwar eine politische Entspannung bringen, aber an dem Charakter der monopolkapitalistischen Herrschaft nicht ein Jota ändern würde. Darüber schweigt sich das Manifest völlig aus, es nimmt seine Berechtigung zum revolutionären Kampf nur aus der Tatsache, daß der totale Staat des braunen Faschismus dem Reformismus jeden Lebensraum nimmt. Aber die entscheidende Frage ist doch die, daß der von der Prager Führung bisher vertretene Reformismus an seiner eigenen Unmöglichkeit zugrunde gegangen ist, ja, daß er politisch schon tot war. lange ehe Hitler zur Macht gelangte. Das Sterbeglöcklein hat Brüning geläutet, nicht Hitler. Die Tatsache der völligen Entmachtung der Sozialdemokratie hat es dann mit sich gebracht, daß der Klassengegner es sich gestatten konnte, untereinander ein Gefecht um die Staatsmacht auszuführen. Und den letzten Anstoß dazu, daß Hitler zu» Macht berufen wurde, war nicht die Angst vor der drohenden Aktion von unten, sondern vor dem militärischen Staatsstreich von oben. Ob Brüning, Papen, Schleicher oder Hitler, der Reformismus war in jedem Fall erledigt. Wie kann ein revolutionäres Dokument, das seinen Bogen spannt von der englischen und französischen Revolution bis zum sozialistischen Zukunftsstaat, an einer Epoche stillschweigend vorübergehen, die durch die Fehlerhaftigkeit ihrer Politik geradezu den Schlüssel enthält für den katastrophalen Zusammenbruch der Republik. Wichtiger als die Feststellung, daß die reformistische Politik versagt hat, ist die Frage, warum sie versagt hat. Aber das hieße für Prag, in erster Linie an sich selbst offene und rücksichtslose Kritik üben. Begreift man nun, weshalb das Manifest die von Aufhänser geforderte„schonungslose Erforschung der Vergangenheit" nicht geben kann? Genosse Klinger gibt allerdings eine Antwort darauf. Er meint, es genüge nicht, bei der Untersuchung der reformistischen Politik der Vergangenheit bis 1914 zurückzugehen, man müsse dann schon bei Engels beginnen und vielleicht noch weiter zurück. Es müsse das große Problem aufgerollt werden, warum die deutsche Arbeiterklasse bisher nicht das„richtige revolutionäre Bewußtsein" entwickelt habe. Gewiß, man kann es auch so machen. Man kann sogax bis Christus zurückgehen, der zwar das revolutionäre Gesetz aufstellte:„So du zween Röcke hast, so gib dem einen, der keäien hat!", aber gleichzeitig die Gewaltlosigkeit befahl:„So dir jemand auf die rechte Backe schlägt, so halte ihm auch die linke dar!" Wofür er prompt hingerichtet wurde, Eine solche Untersuchung— darin hat Genosse Klinger recht— würde den Rahmen einer Plattform sprengen. Hier genügt aber auch die Feststellung, daß für die unfaßlichen Fehler des Weimarer Reformismus nicht einmal die theoretischen Väter des Reformismus herangezogen werden können. Weder Lassalle, der große Reformator der Arbeiterbewegung, noch Bernstein, den der Kriegs- reforraismus aus der Partei trieb, noch Ludwfe Frank, der neben die reformistische Taktik den Generalstreik als revolutionäres Kampfmittel setzen wollte, haben mit dem Reformismus der Kriegs- und Nachkriegsjahre auch nur das geringste zu tun. Es handelt sich hier um eine Entartungserscheinung, die zwar nur im Boden des Parlamentarismus gedeihen konnte, deren Wurzeln aber vor allem in der von der Idee völlig losgelösten Ap p a r a t isi e r u n g liegen. * Alle großen soriaÜsJrschen Vertreter des Reformismus haben die Gefahr des Nur-Parlamentarismus gesehen und ihn rücksichtslos als parlamentarischen Kretinismus gekennzeichnet. Was war aber der Parlamentarismus der Nachkriegszeit anders? Vorbei die Zeit, wo die Paria- inentstribfine dazu diente, die kapitalistische Welt ideologisch zu zerfetzen, der wirklich herrschenden Gesellschaft Tag für Tag die sozialistische Anklage ins Gesicht zu schleudern, diese Anklage hinauszutragen in die Demonstrationen, Versammlungen und Betriebe— das Parlament war aus einer Tribüne für sozialistische Willensbildung zu einem Parkett trockener Kompromisse geworden, ohne große grundsätzliche Kämpfe und Zielsetzungen. Gewiß wurde viel sachliche Arbeit geleistet, aber alles drehte sich um den Tageserfolg, der ohne revolutionäre Bereitschaft morgen schon wieder verloren gehen mußte. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand nicht die Idee, sondern der Anteil an den Ministersitzen, die man dauernd mit Macht ver- wediselte. Das Schwergewicht der Verhandlungen lag in den Ausschüssen, also hinter den Kulissen, im Plenum wurden die Reden, die man vorher sorgfältig geschliffen und zensuriert hatte, bei gähnender Leere des Hauses mit monotoner Langweiligkeit abgelesen. War es ein Wunder, daß das Volk in seiner Aufmerksamkeit erlahmte und sich von der „Schwatzbude" abwandte? Auch die Entfernung des— Lesepultes vermochte das Problem nicht zu meistern, das ganz wo anders lag. Die naive Freude an einer geschriebenen Verfassung, die zwar 14 Jahre lang begeisterten Leitartikelstoff abgab, die man aber selbst in der primitivsten Form zu sichern unterließ, wer hat diese kleinbürgerliche Beschränktheit schärfer gegeißelt als Lassalle: „Eine geschriebene Veriassting machen, das war das wenigste, das ist, wenn es sein muß, In dreimalvierundzwanzig Stunden getan, das war das letzte von aiietn, damit war, wenn sie vorzeitig kam, auch nicht das allergeringste getan. Die wirklichen, tatsächlichen Machtverhältnisse im Lande umgestalten, in die Exekutive eingreifen, so sehr eingrei/en, und sie tatsächlich s o sehr umfonnen, daß sie sich nie wieder selbständig dem Willen der Nation entgegenstellen konnte,— das war es, worauf es damalt ankam, und was vorausgehen mußte, damit eine geschriebene Verfassung von Dauer sein konnte. Da es nicht zeitig genug geschab, ließ man der Nationalversammlung nicht einmal Zeit, eine Verfassung zu machen, man jagte sie fort mit den ungebrochenen Machtmitteln jener Exekutive." Immerhin: Die Revolutionäre von 1848, gegen die sich diese Kritik richtete, standen vor einem nicht gestürzten, sondern nur erschütterten Staatsapparat, während 1918 Monarchie und Armee sich in völliger Auflösung befanden. Aber man war zufrieden mit der geschriebenen Verfassung und— anstatt zu lernen— ließ man sich zweimal davonjagen, im März 1920 und im März 1933. Wie sagte doch Freiligrath:„Noch sind nicht alle Märzen vorbei.. I" In glänzender Form hat Parvus, der den Ausgangspunkt der parlamentarischen Periode des Sozialismus auch in der großen Lassalleschen Konzeption sieht und sie durchaus bejaht, die Gefahr der parlamentarischen Entartung charakterisiert: „Gelingt es erst, in dem Arbeiterführer die Vorstellung zu erwecken, daß er durch seine persönliche Gewandtheit, durch Ueberredungs- könste, List und persöniiehe Beeinflussung der bürgerlichen Parteiführer und Minister mehr erreichen könnte als was das Proletariat durch seine Machtstellung im gegebenen Moment erreichen kann, so ist er schon gefangen. Er wird umschmeichelt und erzielt schon deshalb äußeren Erfolg, wcü er, nm die bürgerlichen Parteien zu gewinnen, sich mehr oder weniger auf ihren Standpunkt stellen muß. Die parlamentarische Konstellation, der parlamentarische Fraktionskampf und das Intrigenspiel um die Regierung erfüllen von nun an sein ganzes Trachten und Wirken. Statt die parlamentarische Tätigkeit vom Gesichtspunkt des proletarischen Klassenkampfes anzuschauen, gewöhnt er sich immer mehr, den proletarischen Klassenkampf vom Standpunkt der gegebenen parlamentarischen Kombination zu betrachten. Das Mißverhältnis zwischen der Machtstellung des Proletariats und seinem politischen Einfluß erscheint ihm nunmehr umgekehrt als Mißverhältnis zwischen der parlamentarischen Stellung der Sozialdemokratie und dem Sozialrevolutionären Druck der Massen. Er sucht den letzteren zu mäßigen, predigt Milderung der Agitaüon, versöhnlichere Formen des Klassenkampfes... Der proletarische Klassenkampf, der ihn hochgebracht hat, steht ihm nunmehr im Wege. An Stelle des proletarischen Kampfes um die Eroberung der politischen Macht tritt für ihn das Intrigenspiel um die Zusammensetzung des Minister- kabinetts. Und wird er gar selbst Minister, so fühlt er sich bald verantwortlich für die gesamte Regierungspolitik. Tritt noch Eitelkeit hinzu, so ist der Verrat fertig, dem die Korruption auf dem Fuße folgt" So sprachen„Reformisten" der Vor- kriegssozlaldemokratie. Aber nun gar Friedrich Engels, der im Kampf gegen den kleinbürgerlichen Geist des Gothaer Programmentwurfs den Brief von Karl Marx an Brake in die Debatte warf, worin jener so viel umstrittene Fundamentalsatz steht; „Zwischen der kaDitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode Uer revolutionären Umwandlung der einen in die andere. Der entspricht auch eine po'itische Uebcrgangsperiode, deren Staat nichts anderes sein kann, als die revolutionäre Diktatur des Proletariat s." Und Engels war es, der diesen Satz '891 in seinem Vorwort zur dritten Anf. läge des„Bürgerkrieg in Frankreich" erläuterte mit den Worten;„Die Pariser Kommune: das war die Diktatur des Proletariats." Und Marx sagt in dieser Schrift:„Das erste Dekret der Kommune war die Unterdrückung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch das bewaffnete Vol k." Diese Worte mag man drehen und wenden wie man will, sie sind in i e d e r Auslegung immer nocli eine vernichtende Kritik des Weimarer Reformismus, der zweimal die Gelegenheit zur Bewaffnung des Volkes versäumte. Noch ein Wort zu dem mangelnden „richtigen revolutionären Bewußtsein" der deutschen Arbeiterklasse. Das ist, sieht man die Dinge nicht in ihrem Zusammenhang, sicher ein naheliegender Einwand. Auch die Spaltung kann als Entschuldigung dienen. Aber ist die Spaltung etwa vom Himmel heruntergefallen? Warum ist sie in gleichgearteten Ländern entweder gar nicht in Erscheinung getreten oder fiberwunden worden? Wer die deutsche Arbeiferschaft der mangelnden revolutionären Energie anklagt, muß endlich einmal die konkreten Beweise dafür liefern. WHl etwa der Genosse Klinger behaupten, daß die ungemein schonungsvolle Behandlung der Fürsten auf das Versagen der Arbeiter zurückzuführen, sei? Kennt er nicht die Groteske im Parteiapparat und im Zentralorgan, als die Arbeiter die Aktion gegen die Fürsten erzwangen? Sind die Arbeiter nicht begeistert in Stellung gegangen, als die Regierung der Republik zum ersten Male vor der Konterrevolution flüchten mußte? Und sind sie schuld daran, daß man statt den Rebellen den Arbeitern den Prozeß machte, weil sie die Republik verteidigt hatten? Haben sie damals freiwillig die Waffen abgegeben, als die Regierung wieder fest saß, oder hat man sie ihnen nicht mit der Alternative; Geldprämie oder Gefängnisstrafe, aus der Hand gewunden? Haben die Arbeiter den stolzen Wahlsieg von 1928 unter der packenden Parole: Kinderspeisung statt Panzerkreuzer! nur deshalb erkämpft, um sich nachher selbst zu düpieren? Und ist die Korrektur dieses unerhörten Kuhhandels, von dem dann sogar die bürgerlichen Parteien abrückten, nicht aus der Rebellion der Arbeiter gekommen, die also anscheinend ein„richtigeres revolutionäres Bewußtsein" hatten als die reformistische Führung? Eine Lücke erzeugt die andere! Wenn man mit Unklarheiten anfängt, wird man sie nicht wieder los. Da in der Plattform der Reformismus nicht liquidiert wird. muß man auch über die wichtigste Phase der Revolution, die zwischen der Machtergreifung und dem völligen Abschluß der sozialen, geistigen und moralischen Revolution liegt, mit einem Satz hinwegspringen. Was wird in dieser Uebergangs- zeit, wie will man die Herrschaft der revolutionären Bewegung sichern, wie soll die revolutionäre Demokratie oder die Diktatur des Proletariats aufgebaut werden? Will man wieder warten, bis die Stunde des Kamofes vor uns steht? Nein, der„Weg zur revolutionären Politik" ist in der Antikritik des Genossen Klinger nicht aufgezeigt. Will man revolutionären Willen bilden, muß man die Fehler des Reformismus rücksichtslos aufzeigen und liquidieren, damit der Weg frei wird für absolut klares revolutionäres Denken, auf dem sich dann das neue Programm aufbauen kann. Die Prager Plattform wird in der Diskussion über den revolutionären Weg nicht allein bleiben. Der positive revolutionäre Programmentwurf der kritisch zur Prager Plattform stehenden Kreise wird die Antwort sein. Dann wird im ehrlichen Ringen um neue Erkenntnisse Grundsatz gegen Grundsatz gestellt werden müssen und wenn dann im geistigen KlärungsprozeB die Diskussion an die entscheidenden Punkte des revolutionären Problems herangekommen Ist, dann erst wird es heißen: Hic Rhodus— hic salta! Eine Partei nur••• Eine Partei nur gibt es, Genossen, nur eine Fahne aus Blut, das verrann. Uns führen die Toten, die kämpfend erschossen, es schreitet uns Koloman Wallisch voran. Sie(ragen uns nicht nach den Mitgliedsbüchern, sie wollen den Mut und nicht unser Geld. Sie wollen die Fäuste, die schwielenzerfurchten, der einigen Arbeiterklasse der Weit. Wer nicht sein Blut wagt, der wird nicht gewinnen, die ewig Geduckten verlleren den Krieg. Männer sind besser als käufliche Stimmen. Proletenfäuste entscheiden den Sieg. Das Ist der Weg, den die Toten uns weisen: Einig und mutig und kampfesbereit! Und nur wer kämpft, bis die Ketten zetrelßen, der findet den Weg In die kommende Zeit Kurt Doberer. Die Ruhm-Masdilne Unsterblichkeit am laufenden Band. Wirklich: wenn man die Nazipresse liest gerät man mitunter in Versuchung, Wilhelm den Zwoteu um Entschuldigung zu bitten. Man hat den Ordensfimroel dieses theatralischen Monarchen bespöttelt man bat die unter seinem Regiment grassierende Sucht nach Titeln und Auszeichnungen verlacht der Wilhelm wacker Vorschub leistete. Aber gegen Hitler war Wilhelm doch ein Waisenknabe, was öffentliche Ehrungen anbetrifft Unter Ihm mußte ein Beamter immerhin seine fünfundzwanzig Jahre redlich abdienen, ehe er„Rat" wurde oder einen Piepmatz vierter Güte ins�Knopfloch geheftet bekam. Die Hitlergesellschaft regiert gerade e i n Jahr und hat schon dem Kleinsten in ihren Reihen mehr Auszeichnungen verliehen, als etwa B 1 s m a r c k. Moltke und Roon zusammen Im ganzen Leben aulzuweisen hatten! Kein Tag vergeht ohne daß nicht einer von Ihnen Ehrenbürger wird. So prangt z. B. der preußische Justizminister K e r r 1, ein dummer August über den man noch kurz vor Etablierung des Dritten Reiches in seiner Vaterstadt Peine die saftigsten Geschichten hören konnte. Jetzt als Ehrenbürger der Nachbarstadt H 1 1- d e s h e i m in der Zeitung. Ganze Spalten des „Völkischen Beobachters" sind gefüllt weil Irgend ein brauner Bonze gerade seinen 33., ein anderer seinen 28. Geburtstag feiert Am tollsten ist es mit denen, deren„Un- sterblichkdt" parteiamtlich festgestellt Ist Ueber den in den Freiheitskriegen gefallenen Theodor Köroer. der immerhin ein Dichter von einigem Rang und freiwilliger Lützower Jäger war, ist nicht baibsoviel hergemacht worden wie über jenen rweifclhaften Horst W e s s ej. dessen„geistige" Leistungen ein paar stümperhaft gereimte Nachdichtungen sind, und dessen„Märtyrcrtum" darin besteht daß er ein Opfer der dunklen Kreise wurde, in denen er verkehrte. Die Bücher, Dramen. Gesänge. die auf seinen Namen gehen, sind Legion, aber sie genügen anscheinend nicht am diesen„Helden" der Volksseele nahezubringen. Schon kündet der betriebsame Verlag Franz Eher, der das Bombengeschäft mit Hitlers „Mein Kampf" gemacht hat gleich zwei Neuerscheinungen„zum Todestag des deutschen Freiheitshclden" an: Horst Wessel In Bild mit 150(!!!) Kupfertlefdruckbildern (wie oft hat der im Aller von 24 Jahren Gestorbene sich danach wohl photographieren lassen?!) außerdem ein von Ingeborg Wessel. der Schwester, geschriebenes Buch:„Mein Br n d c r Horst". Horst Wessel ist danach eine Industrie geworden, einträglich für viele, einschlieBlich seine nächste Verwandtschaft Doch warum sollen sie sich ausschließen vom Zug der Zeit der dahin gebt die rechtzeitige Begeisterung für Hitler nun in wirtschaftliche Vorteile umzusetzen?— Nein, wir denken an etwas anderes: Jahrzehnte hat es gedauert ehe dem toten Schiller sein erster Biograph erstand. Heinrich von Kleist zählte fast ein Vier- teljahrhundert nach seinem Tode zu den Vergessenen, ehe er für die deutsche Ocffentlichkelt wieder entdeckt wurde. Hans v. MarSes. der bedeutendste deutsche Maler des 20. Jahrhunderts, war bei seinem Tode nur einem ganz kleinen Kreise bekannt und fand erst zwanzig Jahre später einen Biographen. Von Robert Mayer, dem genialen Entdecker physikalischer Grundgesetze wußte jahrzehntelang kein Mensch etwas, die umwälzenden Entdeckungen die Mayer in den Jahren 1842 bis 1851 machte blieben bis 1862 verschollen, erst kurz vor seinem Tode begann Mayer berühmt zu werden. So sieht das Schicksal wirklicher Leistung, wirklichen Genis aus. Ein 24jährlger unreifer Jüngling aber, dessen ganze Leistung ehi paar Saalschlachien und ein p8aT Holperverse sind, steigt empor auf Fittichen des Ruhmes, sein Inhalt- und bedeutungsloses Leben wird erforscht bis In die kleinsten Winkel, Jede Belanglosigkeit dieses Daseins wird auf Seiten und aber Seiten Druckerschwärze festgehalten, am laufenden Band entsteht eine Horst- Wessel-Forschung, eine Horst-Wcssel-Literator. alles skrupellos zurechtgefälscht und zurechtgebogen durch das Göbbelschc Propagandasystem! Zeichen des geistigen Tiefstandes efner ZeK und efnes Systems! Der neue Oeldruck Bettelnde Führer In Deutschland sind die Bettler vp1] den Straßen verjagt, denn die Bette'«' ist zum Monopol des braunen Staate» geworden. Bruno Brandy- Von allen Demagogen der Nazipartei wüßt« keiner gegen Marxismus,„vollgefressene rote Bonzen, bequeme Pöetchen" und Gebälter a0' zialdcmokratischer Angestellter wütender 10 belfern als Heinz. Keiner versprach V0,T1 Dritten Reich so viel und so freigebig Heinz: sofortiges Ende des Elends, der Ar' beitsloslgkeit, des Alraosenwesens, Erneuerung- neue Moral, schlichte Gehälter für Führer••* Ais auf diese Weise endlich das Drittß Reich erschwindelt ward, machte auch Hein* große Karriere, besiedelte eine Slebenzimntef' wohnung, saß im Parlament, hatte noch zw« Posten nebenbei, bezog dreifachen Geha"- fuhr im eigenen Auto— ein satter, voll*«* Betrogene Scholle Romane von Blut, Boden und Landproletariat Die deutschen Kleinbauern sind von den Nationalsozialisten übers Ohr gehauen worden. Brechung der Zinsknechtschaft, mehr Boden für den kleinen Bauern, Steuerbefreiung — so lauteten die Hauptscblager der braunen Dandagitation. Man frage den deutschen Kleinbauer, was von diesen Verheißungen in Erfül- 'nng ging! Nichts! -Die Schulden sind geblieben, die Steuern sind geblieben. Der Vollstreckungsschutz ist wie ein Oifcnbarungseid. Jeder Sarg, jede Hose und jedes Hemd muß bar bezahlt werden. Es langt nicht zu einem Pfund frischem Fleisch für den Sonntag. Die Ernüchterung beginnt. Vorsichtig, unter vier Augen, reden 4ie Bauern sich ihre Enttäuschung vom Herzen..." So steht es um die Landproleten in Adam Scharrers dickleibigen Roman ,J) i c Maulwürfe"(Malik-Vcrlag). Dieses Buch tat eii�r geschrieben, der mit bäuerlicher Arbeit, bäuerlicher Not, bäuerlichem Denken vertraut ist von Kindesbeinen an, der auf armer Scholle groß wuchs, der Gemeindehirt und Bauernkneqht war. Man kennt ihn von früher her als urwüchsigen Vertreter proleta- fischen Schrifttums. Sein neuer Roman, geschrieben in Deutschland, steht seinen anderen Büchern an Ursprflnglichkeit nicht nach. Diese Geschichte ausgepowerter fränkischer Pacht- und Kleinbauern bekommt seine Echt- tait und Naturtreue vor allem durch den Dia- '0Z- Scharrer läßt seine Landleute reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: die Hand- 'ung wird durch ihre Träger selbst erzählt und takommt so das Gewicht chronistischer Aufzeichnungen, beladen mit viel Kleinmalerei. Im kleinen Dorf spiegelt sich die Entwicklung der großen Weit Es ist diesen Kleinen der Scholle schon vor dem Kriege nicht gut gegangen, hnmerhin standen sie damals auf einigermaßen festem Boden. Erst Krieg, Inflation, Preis- revölutionen und Krise zerschlug diesen Land- Proletariern, die nebenbei immer eine Taglöh- "erei als Nebenerwerb betreiben mußten, ihr fctBchcn Existenz. Aufruhrstimmung, lokale Potschgesinnung, radikale Agitation von rechts "Pd links. Dann kommen die Nazis, verspre- ctan alles und halten nichts. Scharrers Dorf «Hebt denselben braunen Terror, dieselben Greuel, dieselbe Enttäuschung, wie die übrige Ncimat Unterirdisch schwillt heute die Erbitterung. * * Gedrängter, knapper, plastischer gestaltet Atina Seghers das gleiche Milieu: Eintauch der Naziagitation in die Welt verelendeter Dörfler, in deren trügerische Stille sich ein junger, polizeilich verfolgter Arbeiter ret- tet-(.Der Kopf lohn", Ouerido-Verlag.) der Anschlag mit dem Kopfpreis erscheint, der Junge verloren- Auch hier die Ver- zweiflung darbender Zinsbauern, demago- gfsch ausgenützt von skrupelloser, verlogener �ekenkreuzicrei, behandelt von einer Dichtern, die Details zu einem geballten Bilde zu- �«nmendrängt Jede ihrer Figuren erhält Lc- tan und Gestalt durch wenige, sparsame Striche. Scharrer und Anna Seghers gehören zum kommunistischen Schrifttum- Strahlende Kommunisten erscheinen auf der Bildfläche, Kommunisten sind die Gegenspieler der Nazis. Der gigantische Abwehrkarapf der übrigen sozialistischen Arbeiterbewegung existiert auch in diesen beiden Romanen nicht Solche parteimäßige Einseitigkeit verengert den politischen Horizont beider Zeitgemälde. Aber wenn es dem Hakenkreuz um eindrucksvolle literarische Darstellungen von Blut, Boden und Baucm- elend zu tun ist. hier sind zwei: Schweißge- dflngter, karger Boden armer Dörfler, gerötet vom Blut hitlerisch-niederträchtig gegeneinander gehetzter Landleute und Proletarier. ♦ „Wer andere Ideen hatte hinsichtlich der Rechte der Menschen wurde gepeitscht, bis er seine Meinung änderte, oder er wurde erschossen, wenn er solche Ideen verbreitet hatte..." Das ist nicht etwa aus einer antifaschistischen Schrift zitiert, sondern aus dem neuen Me- xikcbuch T r a v e n s. Las man diesen blut- voilen Schriftsteller ehedem, so schien einem der wilde Schauplatz weit, weitab unserer Zeit und Kultur zu liegen. Heute ist uns mexikanische Barbarei bedeutend näher gerückt; wir erleben sie täglich, nur mit anderen Phrasen verbrämt. Man lese den„Marsch ins Reich der Caoba"(Büchergilde Gutenberg) und man wird darüber peinlich, erstaunt sein, wie oft man sich daheim fühlt, denn eine Diktatur steht immer der anderen Modell. Die Rechtlosigkeit der Indios im Reiche des ehemaligen Diktators Porfirio D i a z— das ist die Rechtlosigkeit der Marxisten in faschistischen Ländern. Da ist derselbe Absolutismus einer korrupten Bürokratie, die Fälschung der Wahlen und des Wahlrechts, die Einteilung in höhere und niedere Rassen, die gesetzwidrige Verschleppung der„Untermenschen" in barbarische Arbeitslager, die willkürlichen Auspeitschungen, die Menscheniäger, Menschenjagden und sadistischen Folterknechte, der bestechliche Diktaturapparat mit dem Bauden- chcf und seinen Prätorianern, die Vernebeiung der Gehirne mit pomphaften Festen. Dieser Marsch elender, um ihr bißchen Scholle, um ihr Dod betrogener Indianer in die Monterias, wo die Caoba wächst, der Mahagonibaum, dieser von einem starken Menschen, einem revolutionären Dichter, einem Feind jeglicher Diktatur, einer bunten, satirischen, urwüchsigen Feder großjormig geschilderte Leidensmarsch lausender rechtloser farbiger Landproletarier in mexikanische Konzentrationslager — das könnte als Parodie aufs Dritte Reich eifunden sein? Europa darf sich was darauf zugute tun, daß uns die unbarmherzigsten Bilder exotischblutiger Fremdherrschaft plötzlich so zeitgemäß und nahe geworden sind! Bruno Brandy. die Mssfaßb# den kmtimt Umeuto Verfall in der deulsdien Medizin und in Krankenhäusern Es gab einmal eine Zeit, da war die Krankenfürsorge in Deutschland beispielgebend für die gesamte zivilisierte Welt. Aus aller Herren Länder kamen Heilungsuchende, um sich in deutschen Krankenhäusern von deutschen Aerzten auf Grund der neuesten Forschungserkenntnisse bebandelt zu werden. Damals waren die leitenden Aerzte berühmte Mediziner und Wissenschaftler, ihre Assistenten verwalteten Professuren und waren Schüler weltberühmter Forscher. Ganze Generationen lernten von einem Rudolf Koch, einem Virchow und stellten ihr ganzes Könrten der kranken Allgemeinheit zur Verfügung. Ein deutsches Krankenhaus war für manchen Kranken die letzte Hoffnung. Heute, im neuen Deutschland, im Reich Hitlers und seiner Erneuerer, ist das anders geworden. Was In Jahrzehntelanger Arbeit geschaffen worden war, was verantwortungsbewußte und geniale Männer der ärztlichen Wissenschalt aufgebaut hatten, wurde in einem einzigen Jahr zerstört Die Kranken kommen heute in Deutschland in zweiter Linie. Die neuen Herren wissen es, und wollen es nicht selbst am eigenen Körper verspüren. Vor kurzem ging die Meldung durch die Presse, daß ein hoher SA.-Führer, der schwer erkrankt war, sich in ein jüdisches Krankenhaus in Berlin schaffen ließ und den Jüdischen Chefarzt um Vornahme der notwendig gewordenen Operation bat Der Chirurg operierte und der Führer war gerettet Dieses Beispiel zeigt, wie wenig Vertrauen die„Erneuerer" in ihre reinrassigen Krankenhäuser und deren reinarisches Personal setzen. Für das„Volk" sind sie in ihrer jetzigen Beschaffenheit gut genug, die Führer wissen sich zu helfen. Sie suchen die wenigen Kapazitäten auf, die noch in Deutschland verblieben sind, auch wenn sie zur Rasse der„Minderwertigen" gehören. Eine der ersten Kulturaufgaben, die die .Machthaber de« Dritten Reichs durchführten, war die Entfernung der Jüdischen oder„marxistisch zersetzenden" Aerzte aus den Krankenhäusern und Fürsorgeanstalten. Man „ersetzte" sie im Handumdrehen durch zuverlässige nationalsozialistische arische Parteigänger. Und nicht nur die leitenden Professoren oder Assistenten, sondern anch das gesamte Hilfspersonal wurden davon betroffen. Wie das Ersatzpersonal beschaffen war, kümmerte wenig. Die Hauptsache war. daß es gut hiflertreu erschien. Aliein.der Aerztewechsel in den Berliner Krankenhäusern machte zwischen 75 und 90 Prozent aus. Die Nazis Jubelten. Stellen waren frei geworden, die Krankenhäuser„gereinigt". Und die guten Posten waren bald besetzt. Zwar nicht nach Eignung und Können, aber nach Rasse und politischer Zuverlässigkeit. Wie sieht das heute aus? Im Urban-Krankenhaus haben von 46 Assistenzärzten 21 noch nicht praktiziert, 12 haben ihr medizinisches Studium noch nickt beendet. Im Krankenbaus Moabit haben von 38 Assistenzärzten 18 ihre Examina noch nicht bestanden, im Rudolt Virchow-Kran- kenhans besitzen von 52 Assistenten 31 noch keine medizinische Eignungsprüfung und In der Charitee sind von 84 Assistenten 47 noch keine graduierten Aerzte. Das sind aber alles etwa nicht nur Hilfsärzte, die heute zum allergrößten Teil überhaupt nur aus Studenten bestehen, teils erst aus dem 6. Semester, sondern sie machen'alle richtigen Assistenzdienst. Wie es In Berlin ist, so auch im ganzen übrigen Deutschland. Wohlverdiente, berühmte Aerzte, Spezialisten auf allen möglichen Gebieten, wurden wahllos durch unreife Nichtskönner„ersetzt" und das„Aerztcblatt für Groß- btriin" verkündet jubelnd, daß durch die„Reinigung" 5000 arischen Aerzten eine Betätigungs- niögilchkelf und Verdienst verschafft wurde. Daß unter diesen Umständen in den deutschen Krankenhäusern Verhältnisse eingetreten sind, die den Heliungsuchenden sehr zum Nachteil gereichen, ist nicht weiter verwunderlich. Und ebenso verständlich Is es, daß die Sterbllchkeltsziffer in den deutschen Krankenhäusern im Jahre 1933 um 16 Prozent höher liegt als Im Jahre 1932. Ob es beruhigend auf die Kranken wirkt, daß mit der S.-A.-U n i f o r m, die die junge AerzteschaU auch im Dienste für die kranken Volksgenossen trägt, gleichzeitig S.-A.-Ma- n I e r e n eingezogen sind, Ist eine Sache, die wohl kaum einer besonderen Prüfung bedarf. Auch das Hilfspersonal, zu dem vollkommen ungeschulte und unvorbereitete, sachlich nicht gee'gnete Leute herangezogen wurden, nur um Ihnen Posten zu verschaffen, trägt dazu bei, daß die Hygiene, einst führend In Deutschland, heute stark vernachlässigt wird. In allen großen Berliner Krankenhäusern werden von Kranken bitlere Klagen darüber geführt. in den großen Forschungsstationeu, so im Robert Koch-Institut, macht sich das Fehlen fähiger Kräfte stark bemerkbar. Die teilweise ganz unfähigen Kräfte, die hier eingezogen sind, können natürlich nichts für die Fortentwicklung der medizinischen Forschung tun. Außerdem wurden auch die früher zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Etat stark reduziert. Noch schlimmer steht es um die private Forschung, für die fast gar keine staatlichen oder gemeindliche Unterstützung mehr vorhanden ist Teilweise mußten z. B. die Forschungen des Kaiser Wilhelm-Instituts, das früher Weltruf genoß, ganz eingestellt werden, da weder geeignete Kräfte noch notwendige Kapitalien zur Verfügung stehen, die ehemals zum erhebUchen Teil von ausländischer ifidlscher Seite bereitgestellt waren und beute ausbleiben. So sorgt der nationalsozialistische Staat für die Gesundheit des Volkes! Aber das ist nicht einfache Schlamperei, das ist ein ganz bewußtes Vorgehen wie ein Ausspruch des Reichsjugendführers von Scbirach zeigt, der lautete:„Wir wollen es wie die Spartaner halten: Die Jugend stark und widerstandsfähig machen, die kranken Elemente ausstoßen. Ein gesundes Volk muß sich der Lebensunlählgen entledigen!" fressener Typus des braunen Umsturzgcwinn- 'er*. Er könnte ebensogut Heines oder Ley Killinger heißen. Eines Tages stand er auf der Straße, Mrcckte den Arm aus und bettelte. Aha, denkt 'ta, also gibt es eine Nemesis, auch im Drit- fr" Reich.,. Nein, lieber Leser, die gibt's vor- '*u'>g noch nicht. Der Mann schüttelte seine Wüchse hn Auftrag der Hitlerpartei, denn in diesen Tagen begab sich„die große Sammel- Jtalon des SA-Führerkorps der SA-Gruppen j�riin-Brandenburg,„wie es in der Presse 7«ß. Naziblätter und Rundfunk rühmten, daß Fühicr keinerlei Unbilden der Witterung SC:tauten, nra„im Rahmen des Winterhilfs- �verks" auf der Straße für ihre arbeitslosen �äweraden die Sammelbüchsen zu schwingen. T«? Wotan, die scheuen weder Wind noch j�nenschein,- die scheuen nur eins: Ihre J�nzengehälter zeitgemäß herabzusetzen. ta'ber greifen sie zum Klingelbeutel, denn das ut ihnen nicht weh, sondern nur dem ange- �taorrten Publikom und macht außerdem noch J�Pulär. Denn da die Presse das Mau] zu a'icn hat und über die Riesenbezüge der kor- '"taten Nazibiirokratie nicht zu berichten wagt, ®nfrfeht daraus in naiven Volkstcilcn der Oel- ri4ck von den armen, braven, proletarischen aziführern mit den Sammelbüchsen. Prinz A u w i kassierte unter den Linden, Vor dem Hotel Bristol. Die Gegend kennt gut. Dort erholen er und seines- � e'chen sich bei proletarischen Gedecken ab Mark aufwärts von den Beschwernissen des ötaerdaseins. Der dreifache Gehaltsempfänger und Großverdiener Heinz aber stand in der Nähe des Luxushotels Kaiserhof, in dem Arbeiterführer Hitler 1931 schon für 10 Tage und 11 Mann nicht mehr als 4048 Mark verpraßte. Dort sammelte er in schlichtester Uniform, ein einfacher, anspruchsloser Soldat, der ebensogut Heines oder Ley oder Killinger beißen könnte und den von seinen armen Kameraden nichts unterschied als drei Garderobensch ränkc, eine luxuriöse Wohnung, eigenes Auto, bourgeoises Einkommen und ditto Mervü-- aber sonst nichts. Gregor. Utax Barthel ins Stammbudb Die nationalsozialistische Zeitschrift„Die Fanfare" veröffentlichte lüngst ein Gedicht von Heinrich Anacker„Konjunktur", das allen Ueberläufern vom Schlage der Max Bar- t b e 1, F. O. H. Schulz usw. ins Stammbuch geschrieben gehört Das bebt so an: Nun werden sie alle kommen, Die keiner bis heute gesehn, Und mit Unschutdsaugen, mit frommen, Verstohlen nach Pöstchen späh'n... Nun werden sie feierlich sagen: „Wir harrten in schweigender Treu! Wir waren seit ältesten Tagen Im Herzen schon immer dabei!" Und der Schluß lautet: Und Leben entsprang aus dein Sterben. Und Blüten aus blutiger Spur— Doch i h r sollt die Früchte nicht erben, Ihr Schweine der Konjunktur! Fürwahr, ihr bringt uns zmn Lachen. Ihr„Helden", geschmeidig wie Brei; Wo ihr glaubt ein Geschäftchen zu machen, Da seid ihr„im Herzen" dabei! Der Mund des Heilands In Thüringen existiert eine„Kirchenbewegung der Deutschen Christen". Ihr Führer Lculheuscr sagte nach der.fränkischen Wacht" vom S. Februar: Jidoll Hitler ist der Mund eines Heilandes, der im deutschen Volke Fleisch und Blut werden will und geworden ist. Innerhalb der USD AP. Ist die Gestaltung einer neuen Kirche. I m N S. ist bereits der neue Chrlstaslelb... In die alte evangelische Kirche gehen wir nicht mehr xa- ruck... Hitler hat uns Christus gebracht... Wir müssen wissen, daß die eigentliche Kirche im NS. angebrochen ist" Symbol Im Fasdiing „Großtank In Feuerstellung".,> Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" besingt den diesjährigen gleichgeschalteten Fasching in folgender sinniger Weise: „Westdeutschland im Faschlngsjubel. Düsseldorf: Freude unter einem Hut Köln: T o 1 1 fa a u t sprudelnder Heiterkeit Die Düsseldorfer haben ihre Feuerprobe bestanden. Eine dicke Berta schoß Bonbon- Schrapnells In die Zuschauer. Die übergeordnete Einheit am ganzen Volk, der Dienst der Einzelnen am Ganzen, sie färbt sich auch auf den Karneval ab. Da, wo das Wunderwerk der Gotik des Kölner Doms In die Wolken stößt, wo sich Brücken In kühnen Baulinien stählern über den heiligen deutschen Strom schwingen, da gibt es jetzt Menschen, deren ausgelassener Lebensfrende nichts Gleichwertiges zur Seite gestellt werden kann, die schon wieder mit dem einen Auge lachen, wenn sie mit dem anderen gerade mal weinen müssen.... Und dann der Umzug.... die Gruppe derGreuelpropaganda ... der GroBtank In Feuersteh- I u n g..." Dicke Berta und Großtank— da lacht der Rüstungsindustrie das Herz im Leibe! Der Fasching als Reklaraebild für die Kriegsindustrie und den Krieg, und der blutige Aschermittwoch wird nicht ausbleiben! Flaggen raus, Flaggen rein! Das Propagandaministerium bemängelt, daß an Privat- häusern die Hakenkreuzflagge ohne besonderen Anlaß gezeigt, und daß sie über Nacht nicht eingezogen werde. Das Ministerium erblickt darin eine Unsitte und verlangt, daß Flaggen an Pnvathäusern nur an den Tagen gezeigt werden dürfen, an denen die Regierung oder parteiamtliche Stellen um Beflaggung ersuchen. Die Untertanen des Dritten Reiches haben geglaubt, durch Daner- beflaggung ihre untertänige Gesinnung bekunden zu können. Nun ist es wieder nichts: geflaggt wird nur. wenn es befohlen wir dl t/fpuiMfftff ÜfithuLaMsu/ifiUb W V Wv WWrWUVwW��WFWUWWI��FwWWww Drosselung der Warenhäuser- Preisstelgerung auf allen Gebieten- Rückgang der Exportfähigkeit Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ist heute noch ein Chaos von sich widersprechenden Tendenzen, ein Tum nielplatz entgegengesetzter Interessen, eine Häufung von Anläufen, Experimenten, Befehlen und Gegenbefehlen, die bei allem selbstbewußten Prahlens mit der„Führerautorität" eine zwar sehr regierte, aber wenig dirigierte Wirtschaft schafft. Man nehme nur die Politik gegenüber W a- renhäusern, Konsumvereinen und jüdischen Firmen. Während die offizielle Politik im„Interesse der Arbeitsbeschaffung" die Einstellung des Kampfes immer wieder fordert, geht der Boykott im Lande, von den nationalsozia iistischen Unterführern immer neu ange stachelt, mit fast unverminderter Schärfe fort. Und dieser Boykott wirkt: Während im Jahre 1933 die gesamten Handelsumsätze nach den Angaben des Konjunkturinstituts um 6 Prozent hinter denen des Jahres 1932 zurückgeblieben sind, ist der Umsatz der Warenhäuser um 18.7, der Kaufhäuser um 13.5 zurückgegangen. Das ist Klassenkampf zwischen dem händlerischen Mittelstand und dem kapitalistischen Großhandel. Wichtiger sind aber die Widersprüche in anderen Wirtschaftsgebieten. Eindeutig freilich und in der Wirkung am verhängnisvollsten ist die Unterwerfung der Arbeiterschaft unter die Doppeldiktatur des Kapitals und der nationalsozialistischen Parteiführung. Am 1. Mai laufen bekanntlich alle bisher geltenden Tarifverträge ab. Der Arbeitsvertrag wird dann grundsätzlich von dem Führer-Unternehmer für die Gefolgschaft-Arbeiter festgesetzt. Der Treuhänder kann, muß aber nicht, für größere Betriebe an Stelle der Tarifverträge Tarifordnungen erlassen. Bisher haben nur zwei Treuhänder— der von Berlin und der von Niedersachsen— erklärt, daß das bisherige Lohnniveau beibehalten werden soll. Ganz abgesehen davon, daß bei der Steigerung der Lebenshaltungskosten eine solche Regelung eine Senkung des Reallohnes bedeutet, so besteht ja überhaupt gar keine Garantie, daß die Bestimmungen eingehalten werden. Wir wissen aus früherer Zeit, daß die Arbeiterschutzbestimmungen solange nur auf dem Papier gestanden haben, bis die Macht der Arbeiterorganisationen so erstarkt war, um ihre Einhaltung durchsetzen zu können. Und damals lebten die Arbeiter noch in einem Rechtsstaat, während nach dem nationalsozialistischen Arbeitsgesetz ja jeder Unternehmer Herr im Hause und sein eigener Gesetzgeber ist Aber selbst wenn es den Arbeitern in den Großbetrieben, für die wohl allein Tarifordnungen in Betracht kommen, gelingen sollte, halbwegs die Befolgung der Arbeitsbedingungen durchzusetzen, wer wird diese Innehaltung in den zehntausen- den Kleinbetrieben in der Stadt und gar auf dem Lande noch nach der Zerstörung -i'ler unabhängigen Arbeiterorganisationen überwachen und durhsetzen? Ohne Gewerkschafts- und politische Freiheit, ohne Kontrolle der Arbeitsgerichtsbarkeit, ohne Streikrecht gibt es keine wirksame Verteidigungsmöglich- keit der Lebenshaltung, geschweige die Möglichkeit ihrer Verbesserung! Diese Tatsache der Unterwerfung der Arbeiterklasse nicht nur unter die Profitbedürfnisse des Großkapitals, sondern auch unter die Interessen des unter Umständen selbst schwer ringenden Kleinkapitalisten und Handwerkers, der sich durch Lohndruck seine Konkurrenzfähigkeit zu erhalten sucht, ist aber um so bedeutsamer. da im übrigen die nationalsozialistische Politik darauf hinausgeht, d i e Preise gerade der wichtigsten Güter des Massenverbrauchs zu erhöhen. Am rücksichtslosesten geschieht das im agrarischen Sek- t o r und es vergeht wirklich fast kein Tag ohne eine preisverteuernde Maßnahme. So wurden durch eine Verordnung vom 22. Februar in die Monopolbewirtschaftung für Oele und Fette auch die tierischen Fette und Schweinespeck einbezogen. Der Zweck ist natürlich, die Fett- und Speckpreise noch weiter zu erhöhen. Zwei Tage vorher wurde der Beimischungszwang von inländischem Schweineschmalz zur Margarine und zu Kunstspeisefett auf 12'/» haben, die Preise zu„regulieren". So sind jetzt die bestehenden Kartelle für Zement zwangsweise erneuert und den Außenseitern auferlegt worden, die Kartellpreise und Lieferungsbedingungen einzuhalten. Die Neuerrichtung und Erweiterung von Anlagen ist verboten. Also Zementmonopol mit wesentlicher Prozent erhöht, eine Erhöhung um 29« Begünstigung der bisherigen kartellierten, Prozent, nachdem bereits im Dezember zun Teil teurer arbeitenden Firmen. 1933 die Beimischungsquote von 5 auf 10 Prozent erhöht worden war. Der Zweck ist natürlich, wie es im Dezember offiziös so schön hieß, die Entlastung des inländischen Schweinemarktes, der unter zunehmenden Angebotsdruck stehe, deutlich gesagt, Verteuerung des Schweineschmalzes und neue Verteuerung der Margarine, um ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Butter und Schmalz weiter herabzusetzen. Die Wirkung der Agrarpolitik in ihrer Gesamtheit läßt sich schwer berechnen. Im ganzen bedeutet der Agrarschutz eine Verschiebung der Einkoramen von den städtischen Konsumenten zu den ländlichen Produzenten in der Höhe von vielen Miliarden. Genauer aber sind wir orientiert über die Kosten der nationalsozialistischen Agrarpolitik, die etwa im ersten Drittel 1933 eingesetzt hat. In seinem letzten Vierteljahrsheft hatte das Konjunkturinstitut angegeben, daß infolge der agrarpolitischen Maßnahmen die Verkaufserlöse der Landwirtschaft„im Wirtschaftsjahr 1933/34 um etwa 1 Milliarde zunehmen werden. Ein großer Teil dieser Summe ist reine Emkommensteigerung; denn auf der Kostenseite sind eine Reihe von Erleichterungen eingetreten." Im letzten Wochenbericht werden diese Angaben ergänzt. Darnach wird der Gesamterlös 1933 34 auf 7251 Mill. RM. geschätzt ge- gen 6463 im Vorjahre, also eine Steigerung um fast 800 Millionen oder 12 Prozent. Ausdrücklich betont das Insti- schung um der tut, daß der Mehrerlös hauptsächlich auf| sich mit einem den Preisanstieg durch die neue Agrarpolitik zurückzuführen ist: nur bei Getreide-Erlös 1.45 Milliarden gegen 138 im Vorjahr— spielt die Erhöhung der abgesetzten Menge infolge der Rekordernte und der Unterbindung der Einfuhr eine Rolle, während die Preise etwas unter dem Vorjahrsstand lagen. Bei Fleisch behauptet das Institut ebenfalls einen mengenmäßigen Mehrabsatz um etwa 39« Prozent. Aber entscheidend für dfen Mehrerlös von 2.44 Mililarden gegen 2.1 war die Preissteigerung. Diese allein bewirkte die Steigerung beim Milchverkauf 1.62 Milliarden, 200 Millionen mehr als im Vorjahr, während die Menge um etwa 2 Prozent zurückging. Dasselbe gilt für Eier— 269 gegen 237 Millionen und Kartoffeln, die bei unveränderlicher Verkaufsmenge 324 gegen 270 Millionen erbrachten. Auf der Kostenseite wurden zu Lasten der Allgemeinheit die Zinssenkung für den größten Teil der Agrarkredite auf 49« Dozent durchgeführt, die landwirtschaft- iche Umsatzsteuer auf 1 Prozent ermä- ligt, die Grundvermögensteuer um 100 Millionen gesenkt, die Gebäudeinstandsetzung aus öffentlichen Mitteln gefördert und die Landwirtschaft von der Arbeits- osenversicherung befreit. Aber auch au! industriellem und gewerblichem Gebiete verfolgt die nationalsozialistische Politik das Ziel der Preissteigerung, nur daß hier kleinbürgerliche, kapitalistische und bisweilen auch Konsumenteninteressen stärker miteinander ringen als auf dem agrarischen, wo die Rücksichtslosigkeit der Preissteigerung nur an der Schranke der Kaufkraft auf Hindernisse stößt. In Stuttgart hat das Kaufmännische Ehrengericht der Handelskammer den Verkauf von Waren durch Großhändler ohne angemessene Handelsspanne für sittenwidrig erklärt und ebenso hat die Weimarer Handelskammer gegen„Preisschleuderei" mit heftigen Drohmypn Stellung genommen. Der Wirtschaftsminister gibt zwar von Zeit zu Zeit Erklärungen gegen Preisstei- 1 gerungen von sich, schafft aber andererseits fortdauernd Zwangskartelle, die das Recht(und vor allem die Macht) In ähnlicher Weise sind die Höh 1- glaserzeuger zu einem Zwangskartell zusammengescüdossen worden. Zugleich wurde die Aufstellung von automatischen Maschinen und die Wiederinbe- triebstellung stillgelegter verboten. Auf der einen Seite wurde für die Neuanschaffung von Maschinerie für das laufende Jahr Steuerfreiheit gewährt, auf der anderen Seite wird zugunsten von handwerklichen und kleinkapitalistischen Betrieben die Maschinenverwendung unterbunden. Hier und da darf sich noch ein Gauleiter oder Betriebszellenobmann erlauben, gegen einen„preiswuchernden" Unternehmer, namentlich einen Juden, loszugehen, aber im Ganzen geht auch die Industriepolitik auf Beschränkung der Konkurrenz, Verringerung der Produktion, Erhaltung der technisch und organisatorisch rückständigen Formen hinaus. Mit Recht sagt der„Economist", daß diese Einschränkungen, je mehr Wirtschaftszweige sie erfassen, desto mehr das Nationalprodukt vermindern» eine Erhöhung des Arbeitseinkommens und der Kaufkraft vereiteln und die Exportfähigkeit vermindern müssen. Aber es„geht doch täglich besser und besser!" Dr. Richard Kern. Halloh! Wer meckepf da? Professor Kahrstedt, ein neudeutscher Wissenschaftler. Bei einer Feier der Universität Göttingen hielt der Althistoriker Professor Kahrstedt eine Rede, in der. er nach dem„Göttinger Tageblatt" wörtlich erklärte: „Was die deutsche Intelligenz, die deutschen Hochschulen, die deutschen Gelehrten tun sollen? Sie sollen nicht meckern! Was ist Meckern? Meckern ist nicht, wenn man, wie im Falle, daß sich der SA-Mann Krause daneben benimmt. laut sagt, der SA-Mann Krause benimmt sich daneben... Meckern ist, wenn man 1923 liest. Schiage- ter ist erschossen worden, und dann ohne Störung seines seelischen Behagens frühstückt, und wenn man 1933 mit allen Zeichen psychischer Depression herumschleicht, weil in einem jüdischen Geschäft eine Schaufensterscheibe eingeschlagen worden ist... Wir sagen ab der internationalen Wissenschaft, wir sagen ab der' internationalen Geiehrten- r e p ii b 1 i k, wir sagen ab der Forschurtg um Forschung willen-,.Sieghell! Siegheil! Siegheil! Der Althistoriker Kahrstedt, der der For- Forschung willen absagt und Siegheil in den Urwald neudeutscher Barbarei zurückzieht, macht den Hitlerdeutschen niemand nach! Front des Geistes Bemerkenswerte neue Veröffentlichung. Im„A u i r u f" Nr. 1 1 schreibt ein österreichischer Sozialdemokrat: „Die Mischung von Heurigen-Musik und Maschinengewehrknattern, von Radetzky-Marsch und Gleichschaltung, von Doppeladler und Krukenkreuz— das ist die geistige Charakteristik der Klassendiktatur, die in den letzten Tagen in Wien aufgerichtet wurde. Sie gleicht den sogenannten großösterreichischen Gedankengängen, die während des Krieges geherrscht haben, und von denen sich die Völker der altösterreichischen Monarchie befreit haben. Diese Gedankengänge der Lüge, des Kitsches, der Unmoral und der Besoffenheit können keine.Dauer haben, sie sind dazu verurteilt, vom ersten Tage ihres Bestehens an, einem neuen St Germain entgegenzugehen."' Die„Weltbühne" Nr. 10 berichtet aus Jena, daß die Nazis die 1S89 durch Professor Abbe geschaffene Carl-Zeiß-Stiftung gestohlen und aus dem weltberühmten sozialen Werk eine fette Sinekure für ihre Bonzen gemacht haben. Wir lesen in dem trotzkistischen Organ „Unser Weg" Nr. 6 unter der Ueberschrift: Aus einem Konzentrationslager; „Im übrigen werden genau wie die alten optimistischen Voraussagen auch die alten Grundsätze wiedergekaut, so daß es mich nicht besonders gewundert hat, zu hören, der Hauptfeind sei nach wie vor die SPD. Die Praxis war, daß 80 Prozent sich aufrichtig gefreut hat, wenn kleinere oder größere SPD- Bonzen gezwiebelt wurden, obgleich sie dieselben„Portionen" bekamen. Wie weit die verkehrt aufgefaßte Feindschaft zur SPD geht, könnt Ihr z. B. daran ermessen, daß einige sonst ganz gute, d. h. ergebene Kommunisten. SPD-Bonzen bei den Nazi verzinkten, daß sie in der Schneiderei Innenarbeit hätten und dafür sorgten, daß diese nach draußen ins„Sandkommando" kamen, um besser von den Nazis gezwiebelt werden zu können. Einige machten ihnen die Karre beim Laden besonders schwer, damit sie auch im Kon genügend für ihre Verbrechen„büßten". Eine Belehrung hierüber war nicht möglich. Das sind die Erziehungsprodukte des Stalinismus. Letzten Endes liegt hier eine bewußte oder unbewußte Anpassung an die Nazis und ihre Ideologie vor." ..... LA....... I'L...... i.i 1. g liwcelöflÄ« 6o*iaUtm0(rattfcI>*3 VDochcnbloH Herausgeber; Ernst Sattler: verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn! Druck:„G r a p h i a": alle in K a r I s b a d. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334�11-1933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzel« verkauf innerhalb der CSR. Kö 1.40.{für ein Quartal bei freier Zustellung KC 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland KC 2.—(K� 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung-(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes 0.30(3.60). Belgien Frs. 2—(24.-). Bub garien Lew 8—(96.—), Danzig Guld. 0.31 (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3—). Estland E- Kr. 0.22(2.64). Finnland Fmk. 4.—(48.—)• Frankreich Frs- 1.50(18.—), Großbritannien d. 4.-(Sh. 4.-). Holland Cid 0,15(1.80) Ita'ien Lir. 1.10(13.20), lugoslawien Din. 4.50(54.—)• Lettland LaL 0.30(3.60), Litauen LiL 0.55(6.60). Luxemburg B. Frs 2.—(24.—). Norwegen Kr. 0.35(4 20). Oesterreich Sch. 0.40(4.80). Palästina P Pf 0.018(0.216). Polen Zloty 050 (6.—), Portugal Esc. 2.—(24.—). Rumänien Lei 10—(120.-). Saargebiet F Fr. 1.50(18—'• Schweden Kr 0.35(420), Schweiz Frs. 0.30 (3.60). Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pengo 0.35(420). USA. 0.08'(0.96). Einzahlungen können auf folgende P"5'' scbeckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift„Neuer Vorwärts". Karlsbad- Pt"3* 16.149. Oesterreich:„Neuer Vorwärts", Karls« bad. Wien B-I98.30I. Polen:„Neuer Vorwärts'- Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz;„Neuer Vorwärts", Karlsbad Zürich Nr. VTII 14.697. Ungarn: Anglo-Cechoslovakische und Prager Credithank. Filiale Karlsbad.-Konto..Neuer Vorwärts". Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo-Cechoslovakische und Prager Credit- bank, Filiale Belgrad. Konto„Neuer Vorwärts" Beograd Nr. 51-005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich Wilhelm Reich „fassetifispefafafie des fosdusmuf' Broschiert Dän. Kr. 8.—, geb. Dan. Kr. 9.—. Verlag für Sexualpolitik. Kopenhagen, Postbox 827. »UNTERMENSCHEN« Von Walter Kolben hoff.— Kartoniert Dän. Kr. 5.—. Martin Andersen Nexö schreibt über diesen Roman; „... In.Untermenschen bricht die Stimme des deutschen Proletariers so durch, daß si® nicht mehr mißzuverstehen ist Sie klingt nicht nur nach Keilerluft und blutiger Unterdrückung, nach Hunger und nagendem Ungeziefer. Sie bricht wie ein Stoß, ein Blutstoß, aus der Wunde einer erschrockenen Seele Deutschland— Das Deutschland Jer Unterdrückten hat begonnen, Bhit zu weinen." Trobrls-\ erlag Kopenhagen, Postbox$27.