Nr. 40 SONNTAG, 1$. März 1934 6o$ialtemolraKfd)gg SEocfrgnfrlaff � erlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Dr. Schacht in schweren Sorgen Gering zentralisiert den Terror Schwere Zeiten für deutsche Frauen Lager Oranienburg verschwindet ZuclittiaiK für„UiMitr-VerMiis! Massenprozesse vor dem Dresdner Sondergericht Das Sondergericht In Dresden hat 38 angeklagte Sczialdemokraten zu ins- gesamt 20 Jahren und 6 Monaten Zucht. haus und 39 Jahren 7 Monaten Gefäng. nis verurteilt Die Hauptangeklagten Krause und E 1 c h I e r erhielten 3, b©zw. 4 Jahre Zuchthaus. Mehrjährige Zuchthausstralen wurden ferner verhängt gegen die Genossen Ulblg, Großmann, Landgraf, Schaar, Johannes Brückner, Eßl Inger und Kl lern. Genosse Schaar war schon früher einmal ins Konzentrationslager gebracht worden. Dort wurde er so mißhandelt daß seine Frau Ihn bei ihrem ersten Besuch nicht wiedererkannte. Genosse Schaar blieb trotzdem seiner Ueberzeugung treu. Den Verurteilten wurde die Verbreitung des.Neuen„Vorwärts" und die geheime F o r t f ü h- rung der Sozialdemokrat] schen Partei zur Last gelegt Das Gesamturteil lautete: Der Angeklagte Krause erhält wegen Zuwiderhandlung gegen das Verbot der SPD m Fortsetzungszusammenhang mit Verbrechen nach§ 2 des Reichsgesetzes gegen die Neubil "hing von Parteien vom 14. Juli 1933 drei Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte Elchler wird wegen /Erbrechens nach§ 2 des gleichen Gesetzes j" Tateinheit mit Verbrechen nach§ 2 des Keichsgesetzes zur Gewährleistung des Rechts- riedens vom 13L Oktober 1933 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Wegen Verbrechens nach§ 2 des Reichs- 'osetzes gegen die Neubildung von Parteien Vc>m 14. Juli 1933 werden verurteilt; Der Angeklagte Ulblg zu zwei Jahren sechs Mo- natcn Zuchthaus, die Angeklagten Dietrich zwei Jahren Gefängnis, S c h i n k e zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, Bohle zu 2ehn Monaten Gefängnis, Koch zu zwei Jah- Gefängnis, Starke zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis, K u 1 k e zu neun Monaten Deiängnis, Scheinpflug zu einem Jahr Seohs Monaten Gefängnis, Adler zu zwei Jahren Gefängnis, Männchen zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis, Gärtner zu Zwei Jahren dred Monaten Gefängnis. Zielkc Zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, �roßmann zu zwei Jahren Zuchthaus, 1 i e t z zu einem Jahr sechs Monaten Gc- ängnis. Schmieder zu zwei Jahren Ge- �gnis, R ö b I s c h zu einem Jahr sechs Mo- "aten Gefängnis, Weise zu einem Jahr sechs "onaten Gefängnis, Giesel er zu zehn Monaten Gefängnis, Schumann zu einem Jahr efängnis, Ehrmann zu einem Jahr Gcfäng- Landgraf zu zwei Jahren sechs Mo- "aten Zuchthaus, Schubert zu einem Jahr |'tr Monaten Gefängnis. Schaar zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, V ö 1 k e 1 zu einem Jahr Gefängnis, Johannes Brück- j!er zu einem Jahr Zuchthaus, Harry J.r ü c k n e r zu acht Monaten Gefängnis, U 1 1- ch zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, e u p o 1 d zu einem Jahr drei Monaten Gc- fin agnis, Rüdiger zn neun Monaten Gefäng- P*. Dost zu sechs Monaten Gefängnis, die "efrau Martha Dost zu acht Monaten Ge- aagnis, E ß 1 i n g e r zu zwei Jahren neun Mo- "aten Zuchthaus, Hausmann zu einem Jahr aeiin Monaten Gefängnis, T a u t z zu einem a'lr sechs Monaten Gefängnis, Hirschbach jU zwei Jahren Gefängnis, Kliem zu zwei ahren drei Monaten Zuchthaus- Die Angeklagte Verkäuferin Lottham- m e r und der Angeklagte Richter werden freigesprochen. lieber den Prozeß, der vom 6. bis zum 9. März dauerte, wurde in den Dresdener Zeitungen ausführlich berichtet Die folgende Darstellung hält sich streng an diese Berichte. Danach hat am Palmsonntag in der Dresdener Heide eine Versammlung von Sozialdemokraten und sozialdemokratischen Parteifunktionären stattgefunden, Anfang Mai 1933 eine weitere Versammlung im Zschoncrgrund, an der auch die Funktionäre Alfred Schmieder und Erich Röbisch teilnahmen. Nach dem 3. Juni 1933 fand eine Sitzung der Großdresdener Funktionäre der Sozialdemokratie in der Saloppe statt Die Leitung der Sozialdemokratischen Partei lür Ostsachsen und für Großdresden wurde den Funktionären Seifert und Krause übertragen. Diese setzten sich mit Baum und Breitmann in Verbindung. Sie teilten sich in-die Leitung der bisherigen Gruppenverbände. Ferner befaßten säe sich mit der Einfuhr und der Verteilung des„Neuen Vorwärts" in Dresden. Zu diesem Zwecke fuhren sie nach Bodenbach. Sie richteten in Dresden Ablagestellen für illegale Literatur ein. In der zweite Hälfte des Juli 1933 traf die erste Sendung des„Neuen Vorwärts" in einer Auflage von 600 Stück in Dresden ein. In der Folgezelt wurde der„Neue Vorwärts" regelmäßig wöchentlich In großen Paketen von 1200 bis 1800 Stück nach Dresden gebracht. In einer weiteren Besprechung eines Teils der Angeklagten mit den Dresdener Funktionären Arzt, Tröndle und Kunze in Bodenbach wurde die Verteilung des„Vorwärts" in noch größerem Umfange namentlich für die Landgemeinden verabredet. Weitere Sozialdemokraten— die nun zu den Angeklagten gehörten— wurden für die Verteilung gewonnen. Ende September 1933 wurde der Plan gefaßt, eine Tabakgroßhandlung in Dresden zu gründen. Der Zweck der Ge schäftsgründung war, der illegalen Leitung der Sozialdemokratischen Partei in Dresden einen unauffälligen Treffpunkt und Bewegungsfreiheit zu geben. Die Zeitungen wurden zunächst unentgeltlich abgegeben, später wurden 10 Pf. für das Stück verlangt. Die eingesammelten Beträge dienten zur Deckung der Unkosten. Bei der Verteilung der Zeitungen wurde die alte Einteilung der Partei nach Gruppenverbänden benutzt Die Pakete mit den Zeitungen wurden in Bodenbach— der tschechischen Grenzstation— in einem Eisenbahnwagen unter der Heizung versteckt und von Beauftragten auf der ersten sächsichen Station hervorgeholt. Am 4. November 1933 wurde der Angeklagte E i c h 1 c r— ein tschechoslowakischer Staatsangehöriger— mit einer Sendung Flugblätter auf dem Hauptbahnhof in Dresden festgenommen. Die Flugblätter enthielten die Aufforderung, bei der Wahl am 12. November mit Nein zu stimmen. In diesen Flugblättern wurde der Reicfasreglerung vorgeworfen, sie bereite den Krieg vor, habe die deutseben Arbeiter der brutalsten Klassendiktatur des Unternehmertums unterworfen und belüge das deutsche Volk über Zahl und Lage der Arbeitslosen in Deutschland. Einige der Angeklagten hatten sich schon einmal In Schutzhaft befunden und hatten auch die Loyalitätserklärung gegenüber dem Hitlerregime unterschrieben. Trotzdem haben sie danach sich an der illegalen Arbeit beteiligt Der Staatsanwalt beantragte strenge Strafen, das Gericht folgte im wesentlichen den Anträgen des Staatsanwalts. Das Dresdener Sondergericht mit seinem Vorsitzenden F r i e s i c k e hat genau 15 Minuten gebraucht, um über das Das braune System gesteht Konzentrationslager Oranienburg wird aufgelöst Ein Erfolg unseres Kampfes Unser Kampf gegen die Schande der Konzentrationslager bat die braune Despotie zu einem Schritt des Eingeständnisses gezwungen. Das berüchtigte Konzentrationslager Oranienburg wird Ende März aufgelöst werden. Diese Stätte der Marterung und der Morde wird geschlossen. Das Konzentrationslager Oranienburg liegt im Brennpunkt des Weltinteresses. Das Buch des Genossen Gerhard Seger über seine Erlebnisse in Oranienburg, dieser authentische Bericht eines aus dem Lager geflüchteten Zeugen, hat das Weltgewissen wachgerüttelt Eine neue Welle der Empörung gegen die Bestialitäten des braunen Terrors hat sich erhoben. Die dreisten Lügen des Schäfer, des Leiters des Konzentrationslagers Oranienburg, werden durch die Tatsache ent- larvt, daß sich das Regime gezwungen sieht das Lager zu Schließen. Dieses Lager in der Nähe von Berlin ist zu leicht zugänglich. Man kann niemand verhindern, nach der Stadt Oranienburg zu fahren. Das Regime fürchtet, daß die Ablenkungslügen des Schäfer zu leicht zerstört werden können! Diese Schlie- ßung ist ein Geständnis und eine moralische Niederlage zugleich! Was geschieht aber mit den Gefangenen? In welche Hölle werden die Gefangenen überführt, die noch nicht völlig körperlich und geistig zerbrochen und deshalb ungefährlich geworden sind? An welcher Stelle wird Im geheimen fortgeführt was das Regime in Oranienburg unter dem Scheinwerferlicht der Oeffentlichkeit nicht mehr fortzusetzen wagt? Wir werden unseren Kampf gegen die braune Bestialität unerbitterlich fortsetzen. Dfe Wahrheit dringt durch, sie verfolgt die BrutaUtäten des Regimes, auch wenn s]e sich in abgelegenen Gegenden zurückziehen! Sie enthüllt die furchtbaren Verhältnisse in den abgelegenen Lagern ebensogut wie die Greuel in den Folterkellern der Geheimen Staats. Polizei im Columbia-Hans in Berlin! Schicksal von 41 Menschen zu entscheiden. Alle dreißig Sekunden ein Zuchthausurteil, alle zehn Sekunden ein Gefängnisurteil— das ist Justizmord am laufenden Band. Dabei wai|n die Angeklagten nicht einmal im Sinne jenes infamen sogenannten„Gesetzes" schuldig, das die Fortsetzung einer verbotenen Partei unter Strafe stellt Kein Mensch kann daran denken, eine Millionenorganisation mit hundert Tageszeitungen, wie sie die Sozialdemokratie bis vor einem Jahre gewesen ist, unter den gegenwärtigen Umständen„fortzusetzen". Selbstverständlich wird zu einem Versuch einer solchen Fortsetzung kein rechtlich denkender Mensch ein Vergehen sehen— aber in Wirklichkeit liegt gar nicht einmal ein solcher Versuch vor. Das einzige, was den Angeklagten vorgeworfen werden konnte, war, daß sie sich gewisse Einrichtungen geschaffen hatten, um vom Auslande her die Wahrheit zu erfahren, die illegaler Weise die Grenzen des Dritten Reiches nicht überschreiten darf. Vor dieser Wahrheit zittern die Machthaber von heute, weil sie revolutionär wirken muß. Sie versuchen ihr Eindringen mit allen Mitteln, auch durch Androhung der Todesstrafe zu verhindern. Der„Neue Vorwärts", dessen Verbreitung in einigen tausend Exemplaren mit so furchtbaren Strafen geahndet wurde, ist in der ganzen Welt wohlbekannt Es kann aber jedermann, selber die Tat beurteilen, die die Fris- sicke und Co. mit ihrem barbarischen Urteil wegen der Verbreitung dieses Blattes begangen haben. Solche Urteile sind keine Akte der Rechtsprechung— es sind Verbrechen im Amte begangen von Männern, die ihren Eid vergessen haben und Diener eines stumpfsinnigen Parteihasses geworden sind. Woher wissen aber die Friesicke und Genossen, daß die nationalsozialisKische Herrlichkeit solange dauern wird, bis ihre Amtsverbrechen verjährt sein werden? Was treibt sie, durch die Fällung solcher Bluturteile gegen Unschuldige ihr persönliches Schicksal mit dem des Dritten Reiches unlöslich zu verbinden? Wehe solchen Richtern, wenn es einmal in Deutschland wirkliche Gerechtigkeit geben wird! Am 20. März sollen abermals 62 Angeklagte vor dem Dresdener Sondergericht erscheinen, denen das gleiche Verbrechen" vorgeworfen wird. Man hat den nichtkommunistischen Marxismus für Tot erklärt— nun stellte sich nach den Behauptungen der Anklage selbst heraus, daß mehr als hundert Menschen in einer Stadt allein unter den furchtbarsten Gefahren freiwülig für ihn gearbeitet haben! Von der einen Million Mitgliedern, von den sieben Millionen Wähler, die die Sozialdemokratie vor einem Jahr noch gemustert hat, bleibt natürlich ein starker Kern fest und allem Terror zum Trotz unzerbrechlich. Und je klarer das Versagen des Systems auf allen Gebieten zutage tritt, je schamloser es alle seine Versprechen bricht, desto größere Massen werden sich diesem Kern zugesellen. Das ist eine Entwicklung, die durch Zuchthaustrafe nicht aufgehalten, sondern nur beschleunigt werden kann. Es kommt der Tag der Freiheit und der Vergeltung! fäeifto Wffftüffaifff dßk Ttttot Ein Erlaß und seine wahre Bedeutung Das Sj�stem Hitler ist in eine außenpolitische Sackgasse geraten. Mit einer außenpolitischen hat sich seine moralische Situation in der Welt noch mehr verschlechtert Die Schande der Konzentrationslager, die gerichtsnotorischen Folterungen bei der Geheimen Staatspolizei, die Verhaftungswillkür— das ganze System des Terrors, des administrativen Mords und der Folterungen wird in der Welt immer bekannter. Die Wahrheit sickert langsam, aber unauf haltsam durch. Der Botschafter Luther in Washing' ton hat vor kurzem erst dem Auswärtigen Amt mitfeilen müssen, daß er sich beim Staatsdepartement in Washington eine Abfuhr geholt hat; als er über die scharfe Resolution einer Neuyorker Rie- senprotestversammlung gegen das deutsche Greuelregime Beschwerde führte. Das System Hitler sucht deshalb den Eindruck zu erwecken, als ob es sich bessern wolle. Der Chef der Staatspolizei D i e h 1 s, hat der Auslandspresse Angaben über die Zahl der Gefangenen in den Konzentrationslagern gemacht, deren lächerliche Verlogenheit— er sprach von insgesamt nur 9000 Gefangenen in Deutschland— so übertrieben Ist, daß kein Mensch ihnen Glauben schenkt. Demselben Zweck dient ein Erlaß von Göring über die Anwendung der Schutzhaft in Preußen, Dieser Erlaß soll einen„Zustand erhöhten R e dh t s s c h u t z e s and eräiöliter Rechtssicherheit" herbeiführen. Es muß festgestellt werden, daß dieser Erlaß am Terror und seinen Formen nicht das geringste ändert, er regelt nur die Zuständigkeit des Terrors neu! Die Dienststellen der NSDAP, dürfen künftig nicht mehr von sich aus Schutzhaft verhängen— zuständig soll künftig nur noch die Staatspolizei und die innere Verwaltung sein. An die Stelle ungeregelten Parteiterrors soll noch stärker als zuvor der geregelte administrative Terror treten! Ob der Göringsche Erlaß dies Ziel erreicht, ist fraglich, denn es ist nicht der erste Versuch, den Göring zur Stärkung seiner eigenen Macht und zur Ausschaltung der Willkür der SA unternimmt, und einige Ereignisse der letzten Zeit haben erst gezeigt, wie stark die„starke Regierung" von ihren Banden abhängig ist! Dieser Erlaß aber enthüllt Zustände, wie «ie von Hitler, Göring, Göbbels und Konsorten bisher wütend abgeleugnet worden sind, Es geht aus dem Erlaß hervor, daß weder Göring, noch die Geheime Staatspolizei bisher Kenntnis von der Zahl der Insassen der Konzentrationslager, geschweige denn von ihren Namen und den Gründen der Internierung hatten! Die gleichzeitig erfolgte Angabe von Diehls über die Zahl der Gefangenen wird dadurch als dreister Schwindel entlarvt. Es wird durch diesen Erlaß zugestanden, daß SA-Führer, Polizeichefs, Verwaltungschefs, Parteiführer ihre Privatgefangenen haben, daß eine Laune eines örtlichen NSDAP-Führers Menschen in den Konzentrationslagern verschwinden lassen konnte. Es wird zugestanden, daß tollste Willkür herrschte! Diese Willkür sieht der Erlaß trotzdem als„Rechtssicherheit" an. Was nun kommen soll, wird gar als„erhöhte Rechtssicherheit" bezeichnet. Wie sieht formal diese„erhöhte Rechtssicherheit" aus? EHe administrative Schutzhaft muß nach acht Tagen von Göring bestätigt werden. Wird sie wegen des Verdachts strafbarer Handlungen verhängt, so muß ein richterlicher Haftbefehl herbeigeführt oder die Haft aufgehoben werden— aber„ausnahmsweise" ist auch ihre Aufrechterhaltung gestattet! Dienststellen der Partei dürfen Festnahmen von sich aus nicht tätigen. Das ist alles! Bei diesem Erlaß hat das Recht und das Interesse der Verhafteten keine Rolle gespielt, sondern lediglich das Interesse der despotischen Regierung den Terrorapparat fest in ihrer Hand zu konzentrieren. Es dient nicht dem Recht, sondern der Sicherung der despotischen Staatsmac ht gegen ihre eigenen Werkzeuge! Was sich aber nicht ändert das ist die Hauptsache! Kleine und kleinste Konzentratlons. lager sollen aufgelöst werden— aber die großen Konzentrations. lager bleiben besteben! Die Konzentrationslager bleiben nach wie vor in der Hand der SA. Es bleibt bei den Greueln, bei der Marterung der Gefangenen, bei der unmenschlichen Behandlung. Es bleibt bei den Erschießnn- gen auf der Flucht Es bleibt bei den niederträchtigen Methoden der Geheimen Staats. p o 1 i z e I, bei den Folterungen der Gefangenen in den Kellern des Hauses in der Prinz Albrechtstraße und im Columbiahaus in Berlin! Es bleibt bei den administrativen Verhaftungen, bei der Willkür der Verwaltung, es bleibt bei der vollkommenen Rechtlosigkeit der Objekte des Terrors! Die Aufrechterhaltung dieses grauenhaften Terrors und seine Konzentration in seiner Hand— das nennt Göring„erhöhten Rechtsschutz und erhöhte Rechtssicherheit". Es ist nichts als ein Vertuschungsversuch! Das sich immer stärker regende Gewissen der Welt soll wieder eingelullt werden, indem man ihm einen in formaljuristische Formeln gekleideten Erlaß darreicht, der rechtsstaatliche Zustände in der Sache nur vorspiegeln soll. Was wird die praktische Wirkung in Deutschland sein? Wenn künftig wild gewordene SA-Leute Unternehmer Ins Konzentrationslager bringen wollen, weil sie über Lohndrückerei empört sind, werden sie angepfiffen werden oder selbst ins Konzentrationslager fliegen! Aber jede Arbeiteropposition wird keinerlei Wirkung verführen. Für sie gibt es nach wie vor die willkürliche Verhaftung, die Lager und die Folterkeller, und jemehr der Terror bei Göring konzentriert wird, umso schärfer und brutaler wird sein Klassencharakter hervortreten! Miisisolliil Imperator Diplomatischer Wettlauf nach Rom Der außenpolitische Sinn der Kanonaden gegen Wiener Arbeiterhäuser ist jetzt durch die Konferenzen von Rom klar geworden. Oesterreich liegt blutend zu Füßen des Duce. Als Verbindungsstück zu Ungarn wurde es gebraucht; die österreichischen Sozialdemokraten waren im Wege, also mußten sie zusammengeschossen, gehenkt, in den Kerker geworfen werden. Keine der demokratischen Mächte Europas wollte mit der Einmischung in innere Angelegenheiten Oesterreichs so weit gehen, diese Greuel zu verhindern. Inzwischen dirigierte das faschistische Rom den Sturm auf das Wiener Rathaus. Das Ergebnis ist— wenigstens für diesen Augenblick— ein ungeheurer Machtaufstieg Italiens, Niemand will es mit dem Mächtigen verderben, und alle buhlen um seine Freundschaft. Indem man gute Miene zum bösen Spiel macht, hofft man wenigstens das Schlimmste verhindern zu können, wie die Wiederkehr der Habsburger oder einen allzu engen italienisch-österreichisch-ungarischen Dreibund. Es sind jedoch nicht nur die demokratischen Mächte, die in eine wenig angenehme Lage gekommen sind— die kläglichste Rolle spielt bei diesem ganzen Handel H 1 1 1 e r d e u t s c h I a n d. Es hat, um sich die Freundschaft Italiens zu sichern, Südtirol preisgegeben, es muß aber jetzt auf das ganze deutsche Oesterreich verzichten, wenn es nicht in einen lebensgefährlichen Konflikt mit Italien geraten will. Und, wenn der Schein nicht trügt, ist es gewillt, auch diesen Preis zu zahlen. Man erinnert sich des großmäuligen Ultimatums, das der reichs- deutsche„Inspekteur" der verbotenen österreichischen Nazipartei, Herr Habicht, an Dollfuß gerichtet hat Die Antwort war eine Schimpfkanonade Roms gegen Berlin, wie sie sich noch keine Regierung in Friedenszeiten von einer fremden Regierung hat gefallen lassen müssen. Und Berlin kuschte wie ein Hund vor der Peitsche des Herrn. Es hat sich gezeigt, daß der deutsche Nationalsozialismus gegen den italienischen Faschismus nichts vermag. Das Geschöpf vermag nichts gegen seinen Schöpfer. Nicht bloß Dollfuß ist eine Kreatur Mussolinis, Hitler ist es erst recht Nicht bloß die Heimwehr ist eine italienische Söldnertruppe, die SA ist es auch. So abgehärtet diese Zeit auch gegen Enthüllungen aller Art ist— Mussolini hat eine furchtbare Waffe gegen Hitler in der Hand: Er kann eines Tages der Welt erzählen, wie die NSDAP, als sie noch Oppositionspartei war, im Dienste einer fremden Regierung gegen dieeigene Regierung gearbeitet hat Aber noch aus einem anderen Grunde muß Hitler Mussolinis treuer Knecht bleiben. Nur unter italienischer Patronanz kann er ohne Rücksicht auf bestehende Verträge aufrüsten. Geht Italien gegen Deutschland in Stellung, dann schließt sich der Ring noch enger als 1914. Um einen Scheinvertrag mit Polen zu erreichen, hat Hitler auf den Korridor und Oberschlesien verzichtet Um Mussolinis Ungnade zu vermeiden, muß er auch aut Oesterreich verzichten. Er will keinen Krieg, wenigstens jetzt nicht solange die Rüstungen noch nicht reichen, und schlittert ihm doch mit wachsenden Geschwindigkeiten entgegen. Diese Art von Außenpolitik ist nicht nur ein Verbrechen an Europa, sie i?t auch Landesverrat an Deutschland. Zwei Kämpfer gefallen Die Mordjustlz säuft Blut Reichsbannerkamerad F i c k aus Lübeck ist vom Henker der braunen Mordtustiz hingerichtet worden. Ein sogenanntes Schwurgericht hatte ihn gemeinsam mit dem Kameraden Kaeding zum Tode verurteilt Genosse K a e d i n g hat nach dem Urteil In der Zelle Selbstmord begangen. Das Urteil und seine Vollstreckung war ein politischer Racheakt eine Fortsetzung des Terrors mit gerichtlichen Mitteln. Zur Zeit der Reichstagswahl im Juli 1932 brach der braune Terror offen aus. nach der Wahl führte er zu den scheußlidisten Terrorakten in Ostpreußen und Potempa. Die Republikaner wehrten sich, und wegen solcher Gegenwehr wurden Fick und Kaeding prozessiert! Im Sommer 1932 äußerten Papen und Hin- denburg Ihren Abscheu über den braunen Terror. Anderthalb Jahre später fällt der Kopf eines Mannes, der sich damals zur Wehr gesetzt hat! Die Mörder sind in Amt und Ehren, die braunen Führer regieren Deutschland, und Papen und Hindenburg sind Ihre Spießgesellen. Dieser Mord wird der ungeheueren Schuld des verbrecherischen Regimes hinzugerechnet werden! Fausfredit! Ein Richter über die Justiz von heute. Der Senatspräsident a. D. Dr. B a u m- bach, Herausgeber der„Deutschen Juristenzeitung" steht nicht mit Unrecht in dem Ruf, auf juristischem Gebiet ein Vorkämpfer des Dritten Reiches gewesen zu sein. Wie schlimm müssen sich seitdem die Dinge entwickelt haben, wenn selbst diesen Mann ein Grauen befällt und wenn er jetzt in Heft 4 seiner Zeitschrift mit anerkennenswertem Mut über die Jusfl* von heute folgendermaßen urteilt: „Man staunt tatsächlich über die auch sonst gelegentlich zutage tretende U e b e r- bebllcbkelt unterer Instanzen, dl« sich die Befugnisse des ex cathedra sprechenden Papstes anmaßen. Womöglich muß die oatloualsozlalistlscb« We Itanschauung, so, wie sie ein Richter gerade auffaßt, dazu herhalten, das Gesetz In sein Gegenteil zu verkehren... Es kann keinen Staat geben, der sich einen Rechtsstaat uenot, in dem nicht das Gestz oberste Richtschnur ist, in dem sich der Richter zum Gesetzgeber macht, ja dadurch, daß er das Gesetz nicht verwendet, sich über den Gesetzgeber stellt. Man hätte dann bald nicht nur in jedem Gerichtsbezirk anderes Recht, sondern bei jedem großen Gericht verschiedene Rechte. also eine Zersplitterung und Recbtsunsichcr- heit sondergleichen, praktisch eine Rechtlosigkeit wie in den Zelten des Fanstrechts." Es soll hier nicht untersucht werden, in wieweit Herr Dr. Baumbach an dem grauenhaften Zustand, den er jetzt offen beklagt, mitschuldig ist Ist er doch nur Teilhaber einer Kollektivschuld, die das sogenannte gebildete Bürgertum auf sich lud, in dem es aus Haß gegen die Republik und die Arbeiter einer Verbrecherbande den Weg zur Staatsmacht freigab. Was wollen diese Herren jetzt tun, um ihre Schuld zu sühnen, was wollen sie tun, daß Deutschland wieder ein Rechtsstaat wird?! SA wird satisfaktionsfähig Deutsche Hau- und Scbießgemeinscbait- Der Wegweiser, die offizielle Korrespondenz der Deutschen Turnerschaft, berichtet aufgeregt,„daß in der SA Bestrebungen darauf hinzielen, Ehrenhändel mit der blanken Waffe auszutragen..." Damit aber auch der deutsche Turner gleichermaßen bestrahlt werde. schreibt der Wegweiser: Damit würde endlich das Problem einer einseitigen Ehrauffassung jener Kreise verschwinden, die sich allein bisher berechtigt glaubten, Nicht-Akademikern das Recht auf Genugtuung verweigern zu müssen. Diese Ausdehnung auf alle Stände, ja mithin- auf alle Volkgenossen, ist ein nicht z" unterschätzender Schrift zur Volksgemeinschaft, zumal keinem Deutschen als Angehörigen der SS, der SA, der Partei und anderen Organisationen, zusammengeschlossen im Deutschen Reich, das Recht auf seine Ehre streitig gemacht werden kann. Eine herrliche Volksgemeinschaft, in der alles mit den Schlägern um sich drischt! Wenn sich früher einmal verklappste Schnei- dcrgeseilen oder Handlungsgehilfen„duellierten", lachte die Welt Ober diese Nachäffung akademischen Mumpitzes und die deutsche Republik schaffte diese Standesprivilegien durch Verbot aus der Welt, Die neuen„Ehrenmänner" des Drittes Reiches möchten aus dem deutschen Volke eine Nation verkorkster Stehkragenproletarier machen, damit es nicht so merkt, was ihm alles geraubt wurde. Die Sozialdemokratie brach in bourgeoise Bildungsprivilegien ein, indem sie begabten Proletariern den erleichterten Zugang zu den Universitäten erkämpfte— unterm braurfcü System ist von dieser Errungenschaft des Proletariats so gut wie nichts übrig geblieben- Dafür wird die„soziale Ehre" des Arbeiter- Jungen hergestellt, der durch Eintritt In die SA„satisfaktionsfähig" wird. Die deutsche Volksgemeinschaft wird etabliert als feudale Hau- und Schießgemeinschaff. Mittelalter gemischt mit Tollhaus I Man muß der Weh zeigen••• in Darmstadt wurde ein arisches Ehepaar. das an einem lüdischen Kaufmann schwere Erpressungen begangen hatte, zu Zuchthausstrafen verurteilt„Der Staatsanwalt betonte". 50 heißt es in der offiziellen Meldung des Deuf' sehen Nachrichtenbüros,„man müsse mit cine' drakonischen Strafe der Welt zeigen, daß an' ständige Juden In Deutschland lederzeit v"� solchen abscheulichen Volksverrätern un<� Schmarotzern geschützt würden." Also schmutzige Erpresser werden Deutschland nicht bestraft, weil das Gesetz 65 vorschreibt und weil es eine Selbstverständ- fichkcit ist sondern um„der Welt zu ze'" gen..." Wenn an einem Juden ausnahmsweise kein richterlicher Rechtsbnich verüb wird, wenn ein antisemitischer Lump aU'' nahmsweise die gebührende Strafe erhält rühmen sich die beteiligten Juristen ihrer i*3" als sei sie ein Heldenbeispiel germanisch� Unbestechlichkeit Die„Weit", der man's e'n' mal zeigen wollte, erkennt an dem Fanfare11" stoß des totalen Staatsanwaltes nur, wie üe die Rechtspflege in Deutschland gesunken'st' Itiotkmäe Hei, meksenäe ttMetuu# Auszüge aus deutsdien Arbeiterbriefen aus dem Dasein der Arbeltslosen wie der noch im Betrieb stehenden Arbeiter eestrlchen! Arbeitslohn und Bonzenrente. Ein Brief, der uns aus den Reihen der Ge- raeindearbeiter zugeht, beleuchtet blitzartig die Zustände in der braunen Arbeitsfront. In dem Brief heißt es: „Die Abzüge vom Wochenverdienst sind ganz ungeheuer. Der Stundenlohn des ungelernten städtischen Arbeiters in Berlin beträgt zur Zeit etwa 80 Pfg. bei 40stündiger Arbeitszeit 32 Rra. brutto. Von diesem Lohn werden in Abzug gebracht: 8 Prozent Lohnsteuer 3 Vi Prozent Arbeitslosenversicherung l1/» Prozent Krisensteuer 2V« Prozent Krankenversicherung 2 Prozent Invalidenversicherung I Prozent freiwillige Abgaben für die Opfer der Arbeitslosigkeit 2V» Prozent Vcrbandsbeiträge. Das Nettoeinkommen beträgt hiernach 25.60 Rm. Von diesem Betrag sind fortgesetzt Sonderzahlungen für nationalsozialistische Veranstaltungen mit Eintrittsgeldern bis zu Rra. 1.50 zu leisten. Das Nettoeinkommen(wöchentlich) des deutschen Gemeindearbeiters ist heute um rund 40 Prozent geringer als zu Beginn des Jahres 1933. Die Kosten der Lebenshaltung sind im gleichen Zeitraum nach den amtlichen Mitteilungen um nur 13 Prozent gefallen.(Tatsächlich sind die Lebenshaltungskosten gestiegen. Die Red.) Und die Kehrseite: Der Leiter Jener Organisation, die solche Hungerlöhne für städtische Arbeiter zuläßt, ist der 2 6jährige SA-Mann Körner, dem jede gewerkschaftliche Vorbildung fehlt, der sich selbst ein monatliches Gehalt von 660 Rm. bewilligt hat Die früheren Vorsitzenden bezogen ein Monatseinkommen von 495 Rm. Körner ist sofort Mitglied des Reichseisenbahnrates geworden und bezieht dafür eine Entschädigung von Jährlich 12.000 Rra. Selbstverständlich übt der neue „Gewerkschaftsobmann" seine Funktion im hochfeudalen Auto aus."—. Der befohlene Festanzug. Mit Hochdruck wird in allen Betrieben ein Zwang auf die Arbeiter ausgeübt damit sie sich den blauen Festanzug der Arbelt s f r o n t anschaffen. In Belegschaftsversammlungen, in Zeitungen und Aufrufen wird zum Kauf des Festanzuges aufgefordert. Da der passive Widerstand dagegen sehr stark ist greift man zum Zwang. Es wird der Kauf des Anzugs befohlen, den Arbeitern, Angestellten und Beamten werden Wochen-, bezw. Monatsraten für den blauen Anzug in Abzug gebracht Die Arbeiter, die sich nicht sattessen können, verfluchen den sogenannten Festanzug— und die Unternehmer fluchen ebenfalls. Diese werden gezwungen, große Vorschüsse auf die Bestellung des Tuches herzugeben. Diese Gelder gehen an das Arbeitsbeschaffungsamt der NSDAP., und die Unternehmer wissen genau, daß sie davon nichts wiedersehen werden. In irgend einer Form wird es ihnen abgenommen. Die Arbeiter bezahlen den Anzug, Tuch und Macherlohn, die Unternehmer bezahlen einen großen Teil des Tuches, den Gewinn aus der Doppelbezahlung macht die NSDAP. Auch die Schneidermeister fluchen. Die Anzüge werden zum Preis von 46 Mark für Kon- fektlonsware und von 52 Mark für Maßarbeit angeboten. Normalerweise kostet heute noch in Deutschland ein Maßanzug 55 bis 60 Mark Arbeitslohn, Stoff und Zutaten extra. Für den angegebenen Fall kommt ein Schneidermeister nicht auf seine Kosten. Die verstimmten Schneider verlangen mm einen höheren Preis, die Anzüge, die für 52 Rm. angeboten wurden, sollen nun 65 Rm. kosten. Für die Anfertigung des Anzugs kann sich niemand den Schneider oder das Konfektionsgeschäft heraussuchen. Alles geschieht auf Befehl Dem Arbeiter wird befohlen, zu welchem Schneider er zu gehen hat, und dem Schneider wird befohlen, wem er Anzüge zu machen hat. Damit der Klassenunterschied genügend zum Ausdruck kommt, gibt es eine besondere Qualität der Festanzüge. Sie kosten 85 und 95 Rm. und sind für die braunen Bonzen bestimmt Wachsende Unzufriedenheit in der Polizei. Aus Sachsen wird uns geschrieben: In den Kreisen der Polizeibeamten ist große Unzufriedenheit eingezogen. Die Polizeibeamten finden es geradezu entwürdigend, wie die höheren Dienststellen mit den unteren Beamten umspringen. Langjährig erprobte und bewährte Beamte können auf Beförderung warten. Vor ihnen werden Beamte befördert, die zwar ganz neu im Pollzeidienst sind, dafür aber das Mitgliedsbuch der NSDAP in der Tasche haben. Verbittert sind die Polizeibeamten auch darüber, daß sie jedem SA-Mann den dienstlichen Gruß erweisen müssen. Die Polizeibeamten haben im allgemeinen eine gute Kenntnis der Fälle, in denen Menschen wegen ehrenrühriger Dinge mit der Polizei zu tun hatten. So geschieht es heute, daß sie Leuten die Ehrenbezeugung erweisen müssen, die ihnen als Spitzbuben, Einbrecher, Zechpreller usw. bestens bekannt sind. Diese Leute sind häufig sogar Amtswalter der NSDAP oder einer ihrer Unterorganisationen! Neuerdings müssen alle Beamten der Landespolizei auch außerhalb ihres Dienstes in Uniform gehen. Damit wird der Polizeibeamte zeit seines Lebens in die Uniform gepreßt und befindet sich, ob er will oder nicht-, stets im Dienst. Erst vom Polizeihauptmann aufwärts ist es gestattet, außer Dienst Zivil zu tragen. Der Mensch beginnt im Dritten Reich erst beim„Herrn Hauptmann". Neuer Zugang für die Konzentrationslager. Es wird immer weiter verhaftet Die geringste Aeußerung, die als Kritik aufgefaßt werden könnte, führt zu sofortiger Verhaftung. In besonderem Maße wird auf kritische Reden über das Winterhilfswerk geachtet Die Verhaftungen betreffen nicht nur Arbeiter, sondern auch Fabrikanten, Geschäftsleute, Pfarrer, Stahlhelmführer, die Einblick in den Schwindel des Winterhilfswerks gewonnen haben und darüber berechtigte Klage führten. Korruption und Verschleuderung von Arbeitergroschen In Nummer 5 der gleichgeschalteten Metallarbeiterzeitung werden die alten Lügen über die Korruption in den freien Gewerkschaften wiedergekäut Zur Illustration dieser Lüge geben wir einige Stichproben über das Verhältnis der Angestellten bei den alten und bei den gleichgeschalteten Gewerkschaften. Beschäftigte früher jetzt Bezlrkslt Erfurt des Fabrikarbeiterverbandes..... 3 25 Ortsverwlt Mühlhausen des Textilarbeiterbandes..... 2 38 Ortsverwlt Mühlenhausen DMV, 1 22 Ortsverwaltg. Gera DMV... 2 7 Ortsverwaltg. Görlitz DMV... 2 S Ortsverwaltg. Dortmund DMV. 4 9 Ortsverwaltg. Hörde DMV... 3 9 Ortsverwaltg. Schwerte DMV..— 3 Ortsverwaltg. Barop DMV...— 2 Ortsverwaltg. Magdeburg DMV. 9 15 Im DMV.- Görlitz sind außerdem noch ein Chauffeur, ein Auto und ein Motorrad hinzugekommen. Im Gesamtverband Görlitz erfolgte am 25. Januar 1934 eine plötzliche Revision, deshalb stürzte sich der Kassierer, ein früherer Kaufmann, aus dem Fenster und blieb tot liegen. Das ist bereits der dritte Mann auf diesem Posten, der Mein und Dein verwechselte. Im DMV. Weißwasser wurden 4000 RM. unterschlagen, und in Hirschberg 3000 RM. In Erfurt wurden vier Nazis aus dem DMV. herausgeworfen, weil die Kasse nicht stimmte, und ein fünfter verkaufte DMV.-Bei- tragsmarken auf eigene Rechnung. In Hörde hat der Kassierer des DMV. 900 RM. veruntreut Der Kasslerer der NSBO, Neuhaus, in Essen hat 21.000 RM, unterschlagen. Er hat sich im Gefängnis erhängt. Rotes London! Der Sieg der Arbeiterklasse Es besteht kern wesentlicher Unterschied wehr in Deutschland zwischen den Arbeitern "nd den Arbeitslosen. Was der noch im Produktionsprozeß stehende Arbeiter über die Arbeitslosenunterstützung hinaus verdient wird ihm durch freiwillige Zwangsabzüge weggesteuert Die Nazipresse feiert das sogenannte Reinhardprogramm als eine Arbeitsbeschaf- fungsmaßnahme, die alle Arbeitslosen glücklich wachen werde. Was hat es jedoch mit diesem Programm auf sich? Die danach beschäftigten Arbeitslosen müssen täglich acht Stunden schwer arbeiten im Steinbruch, beim Straßenbau, bei Bach- und Flußregulierungen usw. Sic erhalten dafür keinen Lohn, sondern nur den Betrag ihrer Arbeitslosenunterstützung. Ein Unverheirateter, der beispielsweise drei bis vier Mark wöchentlich Unterstützung erhält, muß für dies Hundegeld die ganze Woche schwer arbeiten, ohne daß er die Möglichkeit hat, sich satt zu essen. Ebenso geht es den Verheirateten. Damit es so aussiebt, als würden sie entlohnt, erhalten sie im Monat einen Gutschein Ober 25 Mark. Dafür können sie Kleidungsstücke, jedoch keine Lebenswitt e 1 kaufen. Die Geschäftsleute knurren und sind widerwillig, wenn ein Arbeiter mit ainem Gutschein kommt Die amtlichen Zahlungsstellen lösen die Gutscheine nur unter sehr erschwerenden Umständen ein, und die Geschäftsleute drücken sich vom Verkauf nach Gutscheinen so viel sie nur können. Der Wochenetat eines Arbeltslosen. Um sich eine richtige Vorstellung von den grauenhaften Nöten der Arbeiter hn Dritten Reich machen zu können, muß man sich den Wochenetat eines Arbeitslosen ansehen. Von einem solchen Etat aus läßt sich leicht auf das allgemeine Lebensniveau des noch im Arbeitsprozeß stehenden Arbeiters schließen, da sein Verdienst nur ganz wenig über dem Unterstützungssatz des Arbeitslosen liegt Der Etat einer dreiköpfigen Familie sieht wie folgt aus: l'nkonimen des Mannes 14.60 Mk. Unterstützg. Einkommen der Frau 0.00 Mk. Einkommen der lOjäbrigen Tochter.... 0.00 Mk. Gesamteinkommen. 14.60 Mk. Aasgaben: Von den 14.60 Mk. Gesamteinkommen verbleiben somit für die Befriedigung der dringendsten Lebensbedürfnisse in der Woche 3.60 Mark, pro Tag 50 PI, pro Mahlzeit 17 Pf. für alle drd Personen. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß SO Pf. für drei Personen pro nicht zum Sattessen ausreiebea Wo bleiben bei einer so hundemäßigen Lebensweise die kulturellen Lebensbedürfnisse? Sie sind L. F. London, Im März. Am Donnerstag, dem&. März, landen die Wahlen zum Londoner County Council statt, d'e einen gewaltigen Sieg der Labour Party brachten. 27 Jahre lang hatte eine konservative Mehrheit, die sich„MuniclpaJ Reform Party" J'cnnt, London beherrscht Vorher hatten die liberalen das Gesicht der Weltstadt geprägt "un zieht Labour zum ersten Male ins Stadt- �rlament ein. Hier das Wahlergebnis; Alter Cotmcil Neuer Council konservative... 83 55 Mberale.... 6— b�bour..... 35 69 Die Liberalen verschwinden aus der Ge- ""'Cindevertretung, obwohl die Wahlbeteiligung von 27£ Prozent auf 32.8 Prozent stieg— die größte Wahlbeteiligung in einer Londoner k�wraunalwahl, die die Geschichte kennt. jährend die Konservativen nur etwa 31.000 ichtwähler erfaßten, gelang es Labour, etwa fj0-000 Neuwähler zu gewinnen und damit zum '"Isclicidendcn Siege zu gelangen. Dieser Sieg ist zu einem erheblichen Teil Ulbert Morrison, dem Führer der Lon- "Wer Labour Party, zuzuscheiben, der Im tlzten Labour-Kabinett Transportnünister war und dessen Energie, Fähigkeit Kenntnis und Sachlichkeit ihn bald zu einer der führenden Gestalten der Partei machten. Zu einem anderen TeOe gebührt der Sieg Lord Beavcrbrook und seinen Zeitungen, die durch ihre anti-konsumgenossenschaftlicbe Hetze den Konsumgenossenschaften und der Labour Party einen starken Auftrieb gaben. Entscheidend ist aber der Sieg der Labour Party ein Ausdruck der allgemeinen politischen Stimmung. Das gaben selbst die Beavcrbrook- blätter zu. Die Nachwahlen zeigten entweder Siege der Labour Party(wie In East Fulham) oder ein erhebliches Anstelgen Ihrer Stimmen. Die Wahlen zur Londoner Gemeindevertretung sind demnach als Reaktion auf die Politik der nationalen Regierung MacDonald-Bald- wln-John Simon aufzufassen und zu bewerten. Das Versagen des Kabinetts im Kampf gegen die berüchtigten Londoner Wohnhöhlen, die Hartnäckigkeit, mit der die Regierung sich der Erhöhung der Kinderzuiage für die Ar- beitslosensätzc von 2 auf 3 Schillinge wöchentlich widersetzt— trotz eines erheblichen HanshaltsOberschusses, die Unpopularltät der Bedflrftigkcltsprüfung... die allgemeine politische Direktionstoslgkeit— all diese Momente haben zum Sieg der Labour Party geführt der für uns Zeichen der Ermutigung und Hoffnung ist Wenige Tage nach dem Fall des roten Wien erhebt sich das rote London! Sie töten den Geist nicht ihr Brüder! »Tendenziöse Tatsachenverdrehung" Polen, Polen über alles... Mancher Deutsche kann sich noch immer nicht daran gewöhnen, daß Polen jetzt mit einem Male zu den„befreundeten Nachbarn" gehört Die Aufzucht des Polenhasses zählte ja einst zu den beliebtesten Reklametricks der Hitlerpartei. Dann tat Hitler, was sich kein Außenminister der Republik hätte leisten dürfen und wollen: er gab die abgetretenen Ostgebiete preis, schloß einen Pakt mit Polen, verriet seine eigenen Ideale. Seither wird streng darauf geachtet daß kein böses Wörtchen mehr gegen den östlichen Nachbarn fällt. Polnisch-deutsche Freundschaftsbflcher stehen gegenwärtig hoch im Kurs— zwar nicht beim lesenden Publikum, aber bei den Behörden. Soeben ist Im Brackmann-Verlag, München-Berlin, eine Sammeldarstellung erschienen:„Deutschland und Polen", in der verschiedene Fachleute zu Worte kommen. In der Zeitschrift„Literatur", Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart wird diese*. Buch rezensiert und einige Sätze aus dieser Besprechung sind so reizvoll, daß man sie wörtlich genießen muß: ,,.. Das Werk, das den begrüßenswerten Zweck verfolgt die historischen Tatsachen einer tendenziösen, politisch bestimmten Tatsachenverdrehung— von beiden Seiten— gegenüberzustellen, ist derartig uneinheitlich und teilweise direkt widerspruchsvoll, daß der Zweck nicht erreicht wird." Also die Hitlerschen Haßgesänge gegen Polen waren„eine tendenziöse Tatsachcnver- drebung!" Wegen solcher und ähnlicher hochverräterischer Anwürfe wurde im Laufe des Jahres mehr als ein Pazifist erschlagen. Einige Mitarbeiter sind offenbar nicht rasch genug binterhergekommen. die Jüdische Hast", mit der teutsche Herren ihre Ideale wechseln, ist Ihnen noch nicht ganz geläufig. In der Kritik heißt es weiter: ..... der Zweck nicht erreicht wird. Das ist um so trauriger, als die Absicht, der Verständigung zu dienen, aus der Erkenntnis heraus, daß Deutschland und Polen einen gemeinsamen Lebensraum und einen gemeinsamen Kulturboden haben, über alle Maßen begrüßenswert Ist. Insbesondere verwirrend wirkt der mittlere Teil(III), in dem in Einzelreferaten die einzelnen deutsch-polnischen Problemgehiete behandelt werden und in dem die Darstellungen manchmal geradezu in unhistorisches, feindseliges Argumentieren gegen den Partner, mit dem man sich verständigen will, verfallen." Alle, die jetzt in Deutschland schreiben, müssen ganz frische Ware auf den Markt bringen. Was heute angebetet wird, kann morgen schon verbrannt werden, was heute verbrannt wird, kann morgen schon zu den„heiligsten Belangen" des Dritten Reiches gehören! Die Stärke der Ley-Verbände Statistische Kunststücke von der sogenannten Arbeitsfront Dte Arbeitsfront-„Gewerkschaften" sind keine freien Vereinigungen der Arbeiter. Ihre Mitgliederzahl ist also überhaupt kein Maßstab ihrer Macht. Selbst wenn die deutschen Arbeiter in ihnen hunderpro- zentig organisiert wären, bliebe es— gewerkschaftlich gesehen— genau so bedeutungslos wie gar keine Organisierung, Der heutige Zustand der deutschen Verbände weist klar darauf hin, daß es den Machthabern am 2. Mai 1933 nicht um die Uebernahme und nationalsozialistische Beeinflussung der Verbände ging, sondern um ihre Zerschlagung, die jetzt schon soweit vorgeschritten ist, daß auch die letzten organisatorischen Hüllen in sehr kurzer Zeit abgestreift sein werden. Trotzdem verdient eine Veröffentlichung in der amtlichen Zeitschrift„Wirtschaft und Statistik"(2. Februarheft 1934) Beachtung. Sie stammt aus der„statistischen Abteilung der Deutschen Arbeitsfront" und bringt Zahlen über die Mitgliederbestände der Arbeiter- und Angestelltenverbände. Danach waren angeblich registriert: Zahl der Mitglieder in 1000 Verbände am 1. 5. 1933 am 31. 12. 1933 Baugewerbe.... 455 793 Bergbau..... 136 353 Graphisches Gewerbe 125 221 Fabrikarbeiter..• 250 675 Holzarbeiter... 220 354 Landarbeiter... 27 627 Metallarbeiter... 773 1029 Textilarbeiter... 180 718 Tabakarbeiter... 49 134 Steinarbeiter... 35 81 Oeiientliche Betriebe 824 1340 Lederarbeiter... 105 177 Nahrungsmittelgewerbe 189 457 Heimarbeiter u. Haus- gehilfen....•_ 3__ 222 3364 � 7199 An dieser Aufstellung fällt eines sofort auf: Die„Statistische Abteilung" des Herrn Ley scheint überaus tüchtig zu sein. Bisher hat noch niemals eine deutsche Gewerkschaft so schnell— invierWochen— ihre Mitgliederzählenkönnen. Selbst unter normalen Umständen ist eine solche technische Rekordleistung kaum denkbar. Früher haben die Verbände erst nach einem halben Jahr ihre Mitgliederstatistiken fertigstellen können, obwohl die Leiter bestimmt nicht weniger an den Ergebnissen interessiert waren als Herr Ley. Dann noch eins: Woher hat eigentlich die„Statistische Abteilung der Deutschen Arbeitsfront" die Ziffern vom 1. Mai 1933? Die haben sich diese Herren aus den Fingern gesogen! Es ist wenigstens nicht bekannt geworden, daß die früheren Gewerkschaftsführer 24 Stunden vor der „schlagartigen Aktion" gegen die Gewerkschaften am 2. Mai noch eine„Abschlußzählung" veranstaltet hätten. Es ist wahr, daß die deutschen Gewerkschaften besonders in den ersten Monaten des Hitlerregimes sehr viel Mitglieder verloren hatten. Aber allein der ADGB. wird schätzungsweise noch 3.3 Millionen Mit- gliedergezählthaben,die Christen mindestens noch annähernd 500.000 und die Hirsch-Dunckerschen noch etwas über 100.000 Mitglieder. Ueberdies zählt ja die neue Statistik auch die Angehörigen der Wirtschaftsfriedlichen als Gewerkschaftsmitglieder. Um mindestens eine Million niedriger sind die Zahlen für den 1. Mai 1933 angegeben. Ebensowenig wie die Ziffern vom 1. 5. 1933 stimmen die vom 31. Dezember. Möglich, daß die Arbeitsfront heute 7 Millionen Mitglieder zählt Aber das istja noch weniger, als wenn die freien Gewerkschaften früher nur eine Million gehabt hätten! Denn nach dem 2. Mai wurden die alten Gewerkschaftsmitglieder gezwungen,„treu" zu bleiben und es war nicht schwer, die Nichtorganisierten zum Eintritt in die gleichgeschalteten Organisationen zu„bewegen". Der„Zuwachs" beim Landarbeiterverband um genau 600.000 erklärt sich daraus, daß die Mitglieder der Arbeiterabteilung des Reichslandbun- des— es handelt sich um Pflichtmitglieder— einfach in die Arbeitsfront überführt wurden. Diese„Gewerkschafts"-Mitglieder wurden früher auch vom Reichsarbeils- mirtisterium nicht in die Verbandsstatistik aufgenommen! Interessant ist, daß die„Statistische Abteilung der Deutschen Arbeitsfront" es nicht für nötig hielt, finanzielle Ergebnisse ihrer Verbandsarbeit zu veröffentlichen. Wenigstens war es früher üblich, gleichzeitig mit den Mitgliederausweisen die Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Verbände bekanntzugeben. Der Grund liegt auf der Hand: Erstens kann man aus gewerkschaftlichen Finanzberichten die tatsächliche Mitgliederentwicklung erkennen und zweitens könnte man vielleicht auch sonst Einblick in die„Wirtschaft" dieser Arbeiterführer bekommen. Aber das wäre wirklich zu viel verlangt:„Sie haben die A r b ei te rg ro s c h e n geraubt: es ist unsinnig, von ihnen noch buchmäßige Rechenschaft zu verlangen. M. B. Soeben erschienen! II. Auflage Die Herren Die Wahlkomödie nadi Der Reichsarbeitsminister hat eine zweite Durchführungsverordnung für das Gesetz der Nationalen Arbeit erlassen. Sie regelt das Wahlverfahren für die Vertrauensmänner im Betrieb. Von„Wahl" ist dabei nicht viel die Rede— um so mehr von den Sicherungen gegen Vertrauensräte, deren Zusammensetzung dem Unternehmer nicht paßt. Die Farce dieser„Wahl" vollzieht sich folgendermaßen; Der Unternehmer redet mit dem NSBO- Obmann über die Aufstellung der Liste. Einigen sie sich nicht, so entscheidet der Treubänder der Arbeit Der Treuhänder kann eine Liste aufstellen, er kann aber auch anordnen, daß der Betrieb überhaupt kelnen Vertrauensrat erhält! Das ist natürlich für den Unternehmer am aller bequemsten. Ist glücklich die Liste zurechtgeschoben, so„wählt" die Arbeiterschaft des Betriebes gemeinsam mit den Angestellten. Angestellte und Arbeiter müssen auf einer Liste stehen. Wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhält, ist gewählt. Das„Wahlrecht" beschränkt sich also darauf, eine Auswahl aus einer dem Unternehmer genehmen Liste treffen zu dürfen. Aber auch das ist den Unternehmern und ihren braunen Handlangern noch nicht sicher genug! Das Reichsarbeitsministerium hat überlegt, daß die Arbeiter eines Betriebes alle Angestellten streichen und nur Arbeiter wählen könnten. Woraus man den Schluß ziehen kann, daß das Regime mit den Unternehmern allen Arbeitern prinzipiell mißtrauisch gegenüber- im Hause dem Sklavengese� steht, dafür aber auf die sklavische Ergebenheit eines Teils der Angestellten rechnet. Für diesen Fall kann der Treuhänder das Ergebnis der Wahl glatt durchstreichen. E r kann Gewählte für nicht gewählt, und Nichtgewählte für gewählt erklären! Damit ist selbst das Recht der Auswahl beseitigt und es bleibt überhaupt nichts übrig. Tut wie euch der Unternehmer befiehlt, und wenn ihr es nicht tut, wird der Treuhänder den Unternehmerbefehl vollziehen! Dafür heißen die Gewählten dapn„Vertrauensmänner!" Wessen Vertrauen haben sie? Die Verordnung bestimmt weiter, daß Nichtarier und Ausländer Betriebsführer sein können. Unheilbare Ideologen hatten ausgeklügelt: wenn ein Jude nicht Be- triebsführer, also nicht als Unternehmer Herr im Hause sein kann, so erfolgt eine Entziehung der Verfügungsgewalt über das Kapital für eine bestimmte Unternehmergruppe, also wenigstens im Grundsatz eine Expropriation der Expropriateure, also ist das Gesetz über die nationale Arbeit ein Stück--- Sozialismus. Für diese Ideologen, denen der kapitalistische Klassenkampfcharakter des Gesetzes gegen die Arbeiter noch keine Erkenntnis seines Wesens vermittelt hat, ist nun auch gesorgt! Sogar die Juden finden Gnade vor den Augen des braunen Staates, wenn sie den Arbeitern als Ausbeuter gegenübertreten. Das allmächtige Kapital regiert, ohne Unterschied der Rasse und der Konfession und seine Herrschaft nennt sich Hftlersozialismus! OTTO BAUER Det Aufdand dec ödetccicliiscUe*t Acieäec Seine UcsacUen und sdne MicUunyen Preis Kö 3.— Bestellungen sind zu richten: Sekretariat der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag XI1„ SIeszka 13. Eine wissenswerte Broschüre über Deutschland: Vom Entstehen und Vergehen der Deutschen Republik von Jörgen Rakos Preis der Broschüre. Kö 3.— Bestellungen an das Sekretariat der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Prag XII., SIeszka 13 Ka�enjammer beim Mittelstand In den Schaufenstern vieler Berliner Geschäfte findet man die beiden mysteriösen Worte: Sagt Bons!? Es handelt sich um eine Maßnahme, die die Kassen der NSDAP auf Kosten der Geschäftsleute füllen sollen. Die Pgs. sind angewiesen, in allen Geschäften, die diese beiden Worte im Schaufenster haben, Bons über die Höhe ihrer Einkäufe zu verlangen. Diese Bons werden von den Pgs. der Partei abgeliefert Diese wiederum zieht von den Geschäftsleuten ein Prozent als besondere Umsatzsteuer für die Partei ein. Die Begeisterung des Kleinhandels für diese Steuer ist verständlich. Die Kleinhändler haben noch ganz andere Sorgen. So klagen die Lebensmittclhändler über die Neuregelung der Margarinepreise. Die billigste Margarine, das ist die, die an die Arbeitslosen abgegeben wird, wirft pro Zentner nur 6 RM. Verdienst ab. Früher haben die Lebensmittelhändler an der billigsten Margarine pro Zentner 15 bis 18 RM. verdient Damals war diese Margarine noch um 30 RM. pro Zentner billiger als heute- Der Arbeitslose bezahlt also heut� pro Pfund—.30 RM. mehr als früher, und der Verdienst des Kleinhändlers ist gleichzeitig um 150 bis 200 Prozent gesunken. Eine weitere Folge der höheren Preislage für den Kleinhändler ist es, daß auch die Umsatzsteuer entsprechend höher ist als früher. Die Kleinhändler erkennen allmählich, wie die Segnungen des Dritten Reiches aussehen. dem sie zugeiubclt haben? Sozialisierung ,,im Anzug66 Nit Smoking und Frack schwinden die Klassenunterschiede In einer tiefgründigen Untersuchung prüft das faschistische Verbandsblatt der„Lederarbeiter"(Nr. 9, 1934) die Frage: Was bedeutet für den Arbeiter der Festanzug der Arbeitsfront? Der Verfasser, Hans B i a 1 1 a s, kommt"dabei zu dem Entschluß, dem Bürgertum klar zu machen, daß der Kampf um die Volksgemeinschaft nur durchgeführt werden konnte, wenn man der deutschen Arbeiterschaft die gesellschaftliche Gleichberechtigung gab. In einer Zeit der geistigen Revolution des Nationalsozialismus sei daher die Frage nach einem neuen Festkleid des deutschen Menschen dringend geworden. „Feststeht, daß es für uns alte Nationalsozialisten nicht des Fracks, Smokings und Cuts bedarf, um im gesellschaftsfähigen Zustand zu erscheinen." „An Frack und Smoking hängen noch die Vorurteile einer vergangenen Zeit Sie waren nur zu oft das Sinnbild der Klassenunterschiede." Biallas versichert, daß damit für alle Zeiten gebrochen werden soll. „Wenn deutsche Volksgenossen zusammen sind... dann sollen sie sich, ganz gleich, was sie früher... trugen, mit dem Festanzug der Arbeitsfront kleiden." Hans Biallas erklärt schließlich die historische Bedeutung des Festanzugs, indem er meint: „Der Festanzug der DAF will den letzten äußerlichen Rest von Klassenunterschieden und Klassendünkel beseitigen." Hitler wollte bekanntlich„am liebsten jedem Arbeiter einen Smoking schenken". Biallas macht es mit der Uniform der Arbeitsfront, die aber freilich nicht geschenkt wird. sondern abgestottert werden muß. Aber auf alle Fälle; Die Sozialisierung ist im Anzug!!!! Was alles gestohlen wird Hemden, Schnürstiefel, Fahrräder, Schreibmaschinen, Bücher und Geld. Die Zentrale für Menschenraub und Einbruchsdiebstahl, die sich„Geheime Staatspolizei" nennt veröffentlicht von Zeit zu Zeit— weil doch Ordnung sein muß— im„Reichsanzeiger" die Listen der von ihr entwendeten Gegenstände. Dies geschieht z. B. auch durch eine Bekanntmachung des Regierungspräsidenten zu Merseburg vom 1. März, in der u. a. folgende Heldentaten bekanntgegeben werden: Es wurden beschlagnahmt bei; Paul Lüttich, Halle a. S„ 1 grünes Hemd. Werner Friedrich, Halle a. S., 1 Hemd. Rudolf Gericke, Halle a. S., 1 Hemd. Ernst Walter, Halle a. S., 1 Hemd. Wagner, Jessen, 1 Paar Schnürstiefel. Ferner Mützen, Hosen, Pullower, Windjacken, Schulterriemen, ferner Taschenmesser, Brieftaschen, Geldbörsen mit oder ohne Inhalt auch eine Taschenuhr mit Kette. Besonders groß ist die Anzahl der geraubten Fahrräder. Schreibmaschinen und Bücher. Von den gestohlenen GeMbeträgen ist der höchste 405.18 RM. bei Schönherr in Ammendorf. Aber bei W. Schuster in Halle a. S. waren es nur zwölf Pfennige! DerKopf des Apbeiters ...„Der Arbeiter muß auch wissen, daß der Unternehmer der Kopf ist, der für ihn denkt, der Einkauf und Verkauf regulieren muß, der von früh bis abend daran denken muß, immer neue Möglichkeiten zu erschließen, am nicht nur die Arbeitsplätze zu erhalten, sondern sogar neue zu schaffen. Der Unternehmer muß also zwar des Arbeiters Hände belasten. er entlastet aber zugleich sein Gehirn und ist infolgedessen nicht der Feind, sondern der beste Freund des Arbeiters. Das alles maß der Arbeiter wissen. Und ich behaupte sogar, daß der deutsche Arbeiter mehr Wert auf eine anständige Behandlung legi, als auf eine kleine Lohnaufbesserung— obwohl er letztere oft verdammt notwendig hat." „Deutsche Metallarbeiter-Zeitung" Nr. 2/1934 Verbandsleiter A, Piontek. "Iteplonnmtä <5o}iaUem«Frattfct)e0 iDcdjcnWoH Ich bestelle den J/euen Vorwärts" and erwarte regelmäßige Lieferung von nächster Nummer an. .Vmw md Fomamt Wohnort und Postansialt Straße und Hausnummer ■seBBäBeäÄBaewsBse— HsssaBeiÄae Diesen Bestellschein bitte ausfüllen, ausschneiden und an; Verwaltung J/ euer Vorwärts". Karlsbad. CSR., Haas „Graphia", senden. Nr. 40 BEILAGE 18. März 1934 (tffe fhuüet tudeH es\M säwet! Ein Frauenbrief aus Deutsdiland .... 5. März 1934. Meine Bebe Anna! Endlich habe ich Gelegenheit, Dir einmal einen„feuerfesten" Brief zu schicken. Die meisten Auslandsschreiben werden ja geöffnet und streng kontrolliert. Glaubst Du, daß das nötig wäre, wenn wirklich 90 Prozent des Volkes hinter dem Führer ständen? Wer gar Familienangehörige im Ausland hat. kann sich vor liebevoller Aufmerksamkeit nicht retten. Wie brutal Ist diese Zensur! Vertrauliche Mitteilungen, die Our zwei Menschen angehen, werden von Unbekannten gelesen, womöglich bespöttelt Du wirst verstehen, warum ich Dir lieber seit Monaten gar nicht schrieb. Ich hätte Dir ja doch nicht schildern dürfen, wie es hier zugeht und was wir Schlimmes erlebt haben. Nicht mal im Inland wagt man die Wahrheit zu schreiben. Daß mein Mann viele Wochen lang im Konzentrationslager war, weißt Du schon. Da durfte ich wohl ab und zu Briefe schicken. Aber was sollte drin stehen? Freunde durfte man nur sehr vorsichtig erwähnen, um niemanden zu gefährden. Politisches war schon gar- nfcht erlaubt Also schrieb ich Worte der Liebe und des Trostes. Aber er erzählte mir, als ich ihn einmal besuchte, daß Junge SA- Landsknechte die Briefe zensurierten und sich darüber lustig machten. Nun, meinetwegen, ich habe mich nicht darum gekümmert Meine Schreibmaschine haben sie mir genommen Oöd ich muß daher mit der Hand schreiben, obwohl ich doch soviel schreiben will. Du weißt wie gerne ich Maschine schrieb. Und wie lieb- ten wir unsere Bücher! Sie sind beschlagnahmt cxler treiben sich in Winkeln herum, um unge- sehen zu bleiben. Jetzt bin ich gleich mittenhinein geraten in d« Schilderung des Druckes, der auf uns lastet Noch nie wurde das Leben so bevormundet and geknechtet wie jetzt Mann und Jungen müssen sich auf der Straße herumtreiben, um 7-u„marschieren". Wir müssen flaggen auf Be- 'ehl, Heil rufen auf, Befehl, den Lautsprecher anstellen und fremde Menschen zum Hören der Hitlerreden in die Wohnung lassen. Früher hieß 68 immer:„Die Roten wollen das Familienleben zerstören". Jetzt wird es wirklich zerstört Ich schrieb Dir, daß mein Mann doch noch arbeitslos geworden Ist Wir hatten Hoffnung, daß er— als Schwerkriegsbeschädigter— im Amte bleiben würde. Wir haben doch durch die Verwundung reichlich Schweres fürs Vaterland � tragen gehabt Sie haben auch in der Wohlfahrt wo mein Mann airgestellt war, viel zu bm, und es fehlt an eingearbeiteten Leuten, weil man die, die irgendwelche Aemter In der SPD. gehabt hatten, gldch hinausgeworfen hat Wir fühlten uns schon gerettet bis eines Tages Plötzlich die große Aktion stieg: Verhaftung, Haussuchung, Konzentrationslager, Arbeitslosigkeit! Große Dinge wurden gesucht viel Harmloses wurde weggenommen, nichts Belastendes wurde gefunden— aber einige Wochen Konzen- fzationslager und Entlassungen blieben begehen. Wir waren eben Staatsfeinde. So wie jetzt hat noch nie die Uniform das Straßenbild beherrscht Ein Zivilist gilt nichts 'oebr, eine Frau erst gar nichts. Jeder Mann, �cr was sein will, steckt sich in eine Uniform, ffägt einen Dolch oder Revolver. Die Arbeiter Werden in eine Affenjackc gesteckt sie werden Von uniformierten SA-Leuten zu Demonstratio- üen und Versammlungen geführt Jetzt dürfen aUch die braven Frauen wenigstens eine Klct- terweste anziehen. Man fühlt sich im Krieg. Aber die Front ist Im Land, die nicht unifor- mierten Proleten sind der Feind. Du kannst f-fz vorstellen, wie von diesem„Feind" die braune Uniform gehaßt wird. Sie sieht ja außerdem scheußlich aus. Krieg ist auch sonst in unserem armen schö- neü Land. Belagerungszustand. Man flüstert �me Meinung nur noch. Sitzt man mal Im Kaffeehaus oder Restaurant, um unter Men- Scben zu sein oder Zeitungen zu lesen, so flü- �rt man auch. Die Zeitungen liest man, ohne Muskel im Gesicht zu bewegen. Seit die Wikshäuser geraubt wurden, gibt es keinen •"leck mehr, wo sich der Arbeiter wohlfühlt P'e Zeitungen liest man, wie in den Kriegs- jabren die offiziellen Heeresberichte. Man glaubt '"nen nicht Wir lesen zwischen den Zellen. �agen uns gegenseitig: wie meinst Du, ist das auszulegen? Sehr gesucht sind ausländische Zeitungen und natürlich die illegale Literatur. Illegale Literatur, das ist eine Kostbarkelt Nur vorsichtig muß man sein und wieder vorsichtig. Und wir Frauen müssen uns besonders schulen. Zur Schweigsamkeit zur Vorsicht, zur Menschenkenntnis, aber auch zum Mut Es kommt noch vor, daß Mütter aus Angst die illegale Arbeit ihrer erwachsenen Kinder hemmen. Es gibt aber auch andere Mütter und anlegten die Kleinen wenig Wert die Hauptsache; marsch, marsch, und laut im Chor schreien. Eine Fahne hätte unsere kleine Liese auch in rot genommen. Aber daß das nicht möglich war, begriff sie schon mit ihren 5 Jahren. Eine Reklamefahne tats schließlich auch, aber ein Hakenkreuz muß man doch drauf malen. Das tat sie nur kurze Zeit Es kamen andere Spiele: Papa haben sie ins Lager gesperrt: Unser Führer ist bekanntlidi ein großer Hundeliebhaber. Darum lernen die Hohenzollernprinzen ietft bellen. dere Frauen, die ihre Angehörigen anspornen, etwas zu tun. Das schHmmste ist: man muß sich vor den eigenen Kindern In acht nehmen! So ein Dreikäsehoch kann leicht den Vater ins Konzentrationslager bringen, wenn er ohne böse Absiebt häusliche Gespräche ausplaudert Es ist sehr schwer, gegen das Gift, das jetzt von den Lehrern und Jugendführern in die kindliche Seele geträufelt wird, wirksame Gegengifte zu finden, ohne die gebotene Vorsicht zu vergessen. Die Kinder sind schlau, sie beobachten. fragen uns aus, politisieren Jetzt furchtbar gern. Die Kleinen spielen Ja die Großen In Ihren Spielen, und was ihre kindliche Phantasie am meisten beschäftigt Aeußerllchkeiten, ahmen sie mit Feuereifer nach. Und AeußerBchkeiten gibt es Jetzt reichlich. Einen Helm aufsetzen, einen Säbel in die Hand, eine Fahne und im Marschschritt mit Gcgröhl herumziehen, das gefiel am Anfang nicht nur unseren großen SA-Kin- dern, es gefiel noch mehr den Kleinen. Unsere Höfe dröhnten nur so vom Marschtritt Kriegsund Sieges geschrei. Auf den richtigen Text „Wenn kb«in Adler wäre, käme ich herunter- geflogen und fräße alle SA-Männer auf".„Wenn ich der Hebe Gott wäre, setzte Ich alle Hitler- leute nach Afrika, dort könnten sie tun, was sie wollen, und wir würden unsere rote Fahne wieder heraushängen und Ich würde ins Kinderfreunde-Zeltlager geben". Liese kriegt Wut und schimpft mit drastischen Worten auf unseren Herrn Führer. Wir versuchen allerlei, um die Fünflährigc auf andere, kindlichere Gedanken zu bringen. Obs aber glückt? Werner war schon bei den Ncstfaiken. Er hat natürlich auch eine richtige Wut auf den, der ihm diese Freude genommen hat Er muß Heil Hitler in der Schule sagen, das SA-Lfed singen und beten. Seine Falken- und Klnderfreundebücher holt er immer einmal hervor. Mit gruseliger Spannung und Renommiersucht steckt er sie weg:„Wenn hier mal die Polizei kommt, nimmt sie mir alles weg". Will man mal hören, was sich so Kinder unterhalten, was sie denken, was sie vergessen und was sie gelernt haben, dann gehts los: „Meine Freundin Ruth wollte sich Zöpfe wachten fassen, weil sie in der Klasse alle welche tragen wollen. Sie hat es sich aber anders überlegt. Eine hat sie deshalb Kommunistin geschimpft!"— Du, Mutti, mit Erich muß ich mich so vorsehen. Er spricht ganz laut auf der Straße über Hitler, erzählt Witze. Ich habe solche Angst, daß es jemand hört Aber mit [ihm kann ich reden, er ist ehrlich. Heinz sagt auch mal was, aber ich glaube, der ist©in Spitzel". Du siehst, um die kindliche Unbefangenheit ist es geschehen. Wenn man Werner aber fragt;„Bist Du auch arisch?" dann wird er wütend. Er weiß nichts damit anzufangen, und hält das Ganze für eine Veralberet Du kannst Dir vorstellen, daß es unter uns Frauen viel Unterhaltungsstoff und Kopfzerbrechen gibt. Bei Frauen, die nicht zu uns gehören, ist schwer etwas zu erreichen. Man muß die Aufklärung immer ohne direkte politische Anspielungen tun. Sie sehen zwar die Ungerechtigkeiten, die Lüge und das Geschäft, aber sie haben Angst Wo Arbeitslose und Kranke zu Hause sind, da ist die Sache leichter. Die lassen sich nichts vormachen. Auch in den Kaufläden kann man manchmal em Wort sagen. Alles ist ja teuerer geworden, jeder hat weniger Geld. Wenn man darüber nicht einmal ohne Furcht reden darf, bringt es doch viele zum denken. Viele SA-Bräute sind auch nicht auf ihre Rechnung gekommen. Eine Bekannte von mir möchte lieber wieder aus der NSDAP, austreten. Es werde dort viel„geschoben". Es werden auch viele Arbeiterinnen entlassen. Unsere guten Mütter, die immer sagten, ihren Jungens fehle das Militär, sie würden zu üppig! Heute werden sie mit ihren Jungen überhaupt nicht mehr fertig. Eine Bewegung, die die Frau herabsetzt, sie nur als Gebärerin, Köchln und Reinemachefrau gelten läßt, fördert männliche Eitelkeit und Landknechtsgedst Wie sollen da die Jungen der Mutter Achtung und Liebe entgegenbringen? Sic werden anmaßend und großmäulig wie die Führer. Wir haben viel Kummer, Sorgen und Leid, wir haben aber auch unseren kritischen Sinn, unseren Glauben und unseren Humor nicht verloren. Die Entwicklung geht uns zwar zn langsam, viele werden kleinmütig, springen ab, lassen sich täuschen. Wir trösten uns oft untereinander— aber wir verlieren den Glauben nicht Unsere Zeit kommt! In dieser felsenfesten Ueberzeugung grüßt I Dich Derne... Der unbeliebte „deutsche Gruß" {Das reizende kleine Händchen streikt... Es klappt nicht mit dem H i 1 1 e r g r u ß 1 So oft auch der verprügelte Untertan handgreiflichen Unterricht in den neudeutschen Begrüßungsformen bekommt, er will und will es nicht lernen! Und besonders die deutsche Frau! Wie kann man blond sein, blaue Augen haben, und doch so renitent sein wie ein untermenschlicher Marxist oder ein schwarzgelockter Hebräer(von der nicht hoffähigen Sorte)?! Die„Bremer Zeitung" beschmockt diese betrübliche Tatsache in folgender Weise: Das reizende kleine Händchen zum deutschen Gruß zu erheben, das bringt die deutsche Frau in den wenigsten Fällen fertig und wie gut stände ihr dieser Gruß zu Gesicht Ich kann mir gar kein entzückenderes Bild denken, als eine Frau mit der erhobenen Hand zum Gruß.. Das reizende kleine Händchen will nicht! Kann man es ihm verdenken--? SA-Mann Buddha Es ist ernst gemeint, und gerade deshalb so unsagbar komisch, was die nazioffizielle „Braune Post" schreibt: „Buddha hat das Leben verneint! Hätte der alte Buddha Gelegenheit gehabt in die SA einzutreten, so wäre er bestimmt anderen Sinnes geworden!" Na also! In Hitlers zackiger SA würde man schon dem„schlappen" Heiligen seine unheroische Haltung ausgetrieben haben! Hätte diese Roßkur nicht genügt, so würden sich zwanglos diverse Konzentrationslager in den Dienst der guten Sache gestellt haben. SA-Mann Buddha! Das wird geschrieben, gedruckt und als kühne Offenbarung ausgeschrien, ohne von der eigenen Lächerlichkeit erschlagen zu werden! Deutschland im Jahre 1934! (läätltUt um HMee Das alles wäre nicht passiert, Hindenburg gelebt hätte. Deutscher Volks wftz 1933. In Zeiten der Reaktion war tauner der Witz'die letzte Waffe. Im preußischen Vormärz z. B. spitzte Glasbrenner seine geflügelten Pfeile, deren Widerhaken dem Gegner Im Fleische juckten. Erst recht Im Dritten Reiche Hitlers, in dem jede Meinungsäußerung brutal unterdrückt und im buchstäblichen Sinne lebensgefährlich wird, muß sich die Kritik In den Witz flüchten. Er muß Zeitungsartikel. Flugblätter, Parlamentsreden ersetzen. Nie sind politische Witze so eifrig erzählt worden und so rasch von Mund zu Mund gegangen wie in diesem Deutschland, Kein Maulkorb Ist engmaschig genug, um sie nicht durchzulassen. Fontane hat einmal gesagt, daß oft in einer Anekdote mehr Historie stecke als in dicken Geschichtsbüchern. Das gilt ebenso vom politischen Witz. In Zeiten der Meinungsknebelung faßt er Zeitgeschichte in Pointen zusammen. Er charakterisiert Zustände und Personen in knappen Anekdoten, die zwar erfunden, trotzdem aber in dem Sinne„wahr" sind, daß sie die faktisch vorhandenen Schwächen und Laster des Gegners verspotten und geißeln. Wie die Karikatur fibertreibt gelegentlich auch der politische Witz. Um so sicherer trifft er Ins Schwarze. Für jeden Treffer hat er die Lacher auf seiner Seite. Und es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, daß sich erst später herausstellt, daß Gelächter doch tödlich wirken kann— langsam und in kleinen Dosen wie Lübbe— Gift Der politische Witz dieser Zeit hat— von wenigen Ausnahmen abgesehen— keine Autoren- Er ist anonym. Er entsteht in der Luft zwischen den Menschen. Er kristallisiert als Niederschlag der Atmosphäre wie die Rauh- reifnadcln an kahlen Zweigen. Seine Anonymität gibt ihm symptomatische Bedeutung als knapp gesammelter Ausdruck übereinstimmender Meinungen. Und diese Uebereinstimmung macht ihn geflügelt Er wird nicht nur kolportiert— er wird überall sofort verstanden. Er ist das Chiffretelegramm der Gleichgesinnten: Wir verstehen uns! Der Volkswitz ist hellhörig und hellsichtig. Er erkennt politische Zusammenhänge und charakterisiert sie in Anekdoten, wenn oft die Politiker sich noch in Illusionen wiegen. Eine solche Illusion war der Reichspräsident von Hindenburg. Ehrwürdig stand er an der Schwelle, Ober die das deutsche Volk ins Dritte Reich marschierte. Die politischen Illusionäre hofften noch, daß ein Zauberspruch aus Ncudek den braunen Spuk hinwegfegen werde— da hatte der Volkswitz längst konstatiert: Es gibt keinen Eisemen Hindenburg mehr— es gibt nur noch eine Meißner Figur! Und als Hindenburg in den Himmel kommt, fragt Petrus erstaunt:„Nanu, Herr Reichspräsident! Was wollen Sie denn hier? Sie sind doch noch gar nicht tot!" Hindenburg erwidert entrüstet;„Zum Donnerwetter, da hat mich dieser Meißner doch schon wieder falsch informiert!" Grimmiger aber ist lener Witz von einem Gesuchsteller, der hn Vorzimmer stundenlang auf die erbetene Audienz bei Hindenburg warten muß und schließlich gelang- weth sein Frühstücksbrot aus dem Papier ißt Staatssekretär Meißner kommt herein, sieht das und ruft:„Mann, Menschenskind! Tun Sie das Papier weg! Wenn es der Herr Reichspräsident sieht— der unterschreibt allesl" Was daraus geworden ist faßt ein anderer Volkswttz In zwei Sätzen zusammen: Manchmal geht Hindenburg In die Konzentrationslager. Er besucht dort seine Wählerl Erfinderischer noch hat sich der Volkswitz naturgemäß des„Führers" und seiner Paladine bemächtigt Mit Vorliebe läßt er harralose Leute als Sprachrohr der Kritik dienen, so etwa einen Logenschließer, der dem„Föhrer den Theaterbesuch dadurch verekelt, daß er ihn jedesmal fragt:„Der Herr hat noch kein Programm?" Und als Hitler einmal inkognito im Kino sitzt und sitzen bleibt als in der Wochenschau sein Bild erscheint während alle anderen Zuschauer heilrufend aufstehen, ist es wieder ein Logenschließer, der ihm zuflüstert Mefn Herr, wir denken alle so wie Ste— aber aufstehen müssen Sie!" Als ein Jude hört man habe Beweise dafür, daß auch Hitler jüdisches Blut in den Adern habe, erbleicht er und sagt:„Das ist nicht recht daß man uns den auch noch in die Schuhe schieben will!" Gewisse Ausreden des Regimes aber tut der Witz mit einer„Zeitungsnachricht" ab: Reichskanzler Hitler hat sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Ihm sind die unteren Organe über den Kopf gewachsen. Treffsicher findet der Volkswitz den schwachen Punkt: man darf nicht aussehen wie Göb- beis, wenn man das blonde Ariertum glorifizieren will Als Göbbels In einer ihm fremden Stadt einen einfachen Mann aaif der Straße nach dem Versammlungslokal fragt in dem er sprechen soll, gibt ihm der Mann den guten Rat; ,3s hat gar keinen Zweck, daß Sie hingehen— Juden haben keinen Zutritt!" Das war aber noch ein harmloser Bescheid. Ais jedoch Göbbels in den Himmel kommt und Petrus vorstellt;„Götz von Berlichingen, der Mann mit der eisernen Faußt— Joseph Göbbels, der Mann mit der feurigen Zunge", besieht sich Götz den Mann einen Augenblick und sagt dann unwirsch:„Und— dennoch...!" Görings Name ist ein für alle Mal mit dem Reichstagsbrand verknüpft Ihn trifft der Witz, der nach den Brandstittern fragt und antwortet: Die Brüder SASS. In zwei Sätzen wird der ganze pompöse Reichstagsbrandprozeß ad absurdum geführt wenn der Witz einen SA- Mann fragen läßt:„Hast Du schon gehört? Der Reichstag brennt!", worauf der zweite SA-Mann erwidert:„Pst! Erst morgen!" Die ganze nationalsozialistische Führergarnitur des Dritten Reiches müßte längst politisch erledigt sein, wenn Deutschland noch ein Land wäre, in dem persönliche Unantastbarkeit die Voraussetzung für politische Geltung wäre. Aber toi dieser Diktatur muß es das Volk hinnehmen und— was das Schlimmere Istl— nimmt es in großen Teilen sogar begeistert hin, daß die Jugend Männern anvertraut wird, deren erzieherische Oualitäten der Witz trifft, wenn er die Männer um Röhm „Mädchen tn Uniform" nennt und wenn er Röbra fragen läßt:„Adolf, wenn Du Kaiser wirst— werde ich da Kaiserin?" Mit gröberem Geschoß trifft er diesen dunklen Punkt, wenn er einen größenwahnsinnig gewordenen SA- Mann sich brüsten läßt, größer noch als Nero zu sein, denn:„Nero hat Rom angesteckt, ich aber— ich habe Röhm angesteckt!" Zahllos sind die Anekdoten, die den Juden boykott und die Judenverfolgungen glossieren. Auch darin drückt sich aus, welche politische Dummheit der antisemitische Uebereifer war: die Knechtung der Arbeiterschaft allein hätte „die Welt" bestimmt weit weniger beunruhigt, denn damit diente der Nationalsozialismus ja schließlich den Interessen des internationalen Kapitals. Fs ist noch harmloser Spott, wenn der Witz eine kleine norddeutsche Stadt am Tage des Judenboykotts nach Berlin depeschieren läßt; „sendet sofort Juden stop sonst boykott unmöglich", oder wenn er einen aus Deutschland nach Jerusalem geflüchteten Jüdischen Arzt dort inserieren läßt:„Von der Reise zurück. Dr. Moses." Bissiger trifft die Juda-ver- recke-Rufer jener anekdotische Brief einer jüdischen Familie an ihre Freunde im Ausland: Ab 22. März das grosse PREIS- AUSSCHREIBEN DES PARISER TAGEBLATTES Tiieaia: K Jatire HJelüiarer repuDim 25 000 Frs. Preise 2400.- 2000.. 550.- 1. Radio-Apparat Wert 2. 2 wöchentl. Sommeraufenthalt im besten Hotel in den Alpen. Wert 3. Grammophon„ His Master Volce" und 20 Platten Wert 1300.- 4. Goldene Damen- Uhr, 10 Jahre Garantie. Wert 5. Silbernes Tablett mit 6 Bechern. Wert 6.— 8. Goldene Damen- Uhr, 10 Jahre Garantie. Wert Je 9.— 12. Herren-Armband-Uhr. 5 Jahre Garantie. Wert Je 2 13.— 16. Silbernes Tablett. Wert Je 1 17.— 20. gute Parfüm-Packungen. Wert Je 20.— 30. Füllefederhalter Wert Je 30.— 50. Halsketten. Wert je »iisserce.ii tie't Irewelse DERLilG„PÖRISER T66EEU TT" 51, Rue Turtid PARIS(3; „Uns geht es gut. Keinem Juden wird ett H. ai gekrümmt Hitler führt uns einer besseren Zukunft entgegen. Moritz, der das Gegcn- tei' behauptet hatte, wird übermorgen beerdigt" Hier wird die Anekdote zur Anklage wie die Frage des jüdischen Kindes, das in der Schule die Schimpfreden des Lehrers auf die Juden hat anhören müssen und nun in seiner Not fragt:„Mutti, könnt Ihr mich nicht umtauschen?" Das ist schon kaum noch ein Witz— es ist ein Blitzlicht, dessen Grellheit da; Lachen verstummen macht. Das gleiche Thema— die Bedrohung und Verfolgung schuldloser Menschen hirnverbrannter Theorien zuliebe— glossiert eine Anekdote besonders treffend; In einer deutschen Stadt Ist aus einem dort gastierenden Zirkus ein Bär ausgebrochen. Er läßt sich tagelang nicht fangen und richtet allerlei Unheil an. Schließlich wird eine Belohnung ausgesetzt für denjenigen, der den bösartig gewordenen Bären niederschießt Zwei Juden lesen die Bekanntmachung. Erschrocken sagt der eine:„Es ist das Beste, wir fliehen!"„Warum?", fragt der andere. „Du bist kein Bär— ich bin kein Bär."„Nu' wenn schon— aber geh Du hin und beweise es ihnen!" Es ist die Angst, die Proseiytcn macht Sogar Juden verwandelt sie— freilich nicht nur sie!— in willfährige Diener des Regimes- Sie nimmt der Witz aufs Korn, wenn er von Gott erzählt daß er sich in Deutschland nicht mehr auskenne und deshalb den Erzengel Gabriel und dann, als dieser nicht wieder kommt. den Erzengel Michael nach Deutschland schickt mit dem Auftrage, nachzusehen, was da eigentlich los sei. Als Wochen vergangen sind und beide nicht wiederkommen, bittet Gott den alten Moses:„Geh Du hinunter; Du bist ein erfahrener Mann: sieh, wo sie geblieben sind." Moses geht Nach drei Tagen schickt Moses ein Telegramm:„Erzengel Gabriel und Michael auf der Flucht erschossen. Standartenführer Mosinsky." In Angst leben und schweigen. Das Ist das Los der Verfolgten und Bedrohten im Lande Hitlers.„Was für ein Band trägst Du da Im Knopfloch?", fragt ein Deutscher den anderen- „Das ist das Band des Eisemen Kreuzes" Wofür hast Du das bekommen?"„Für Tapferkeit vorm Feinde".„Und warum trägst Du es jetzt?"„Aus Angst!" In Angst leben und schweigen. Der Münchener Komiker Karl Valentin freut sich; ,3s ist ein wahres Glück, daß wir nicht im Schiaraf- fenlande leben!"„Warum?", fragt Llesl Karl-. stadt.„Na. was hätten wir von den gebratenen Tauben, wenn wirs Maul nicht aufmachen dürfen!" Und als ihn seine Partnerin wegen dieser Anzüglichkeit verwarnt, sagt er gekränkt: „Ich sage gar nichts— das wird man woh! noch sagen dürfen!" Ja; nichts— das ist das Einzige, was man im Dritten Reiche noch sagen darf, wenn man nicht„Heil Hitler" schreien will, Schweigen— und denken! Vor dem Denken der ScweF genden haben sie Angst, die anderen, die gelb uniformierten Maulkorbmacher! Denken, sehen und nichts vergessen! Einmal wird es ia zur Tat kommen müssen. Und dann werden keine Witze gemacht! M anfred. Drei Kreuze Am Sonntag, dem 26. Februar 1933, acht Tage vor Jener folgenschweren Reichstagswahl, fand Im Dresdner Stadion die letzte große Kundgebung der Eisemen Front In Dresden statt Geschlossene Abmärsche nach der Kundgebung waren verboten. Da aber die Hunderttausend sich nicht spurlos In den Straßen verlieren konnten, strömten nach allen Stadtteilen riesige Massen ab, die auch ohne jede Formierung als Kundgebung wirken mußten. Trotzdem und trotz den Provokationen der überall wartenden SA-Trupps verlief der Abmarsch Im ganzen reibungslos. An einigen Stellen aber kam es zu Stauungen. Das machte einzelne ungeschickt geführte Polizeiabteilungen nervös: andere(die Dresdner Polizeiformaftonen als Machtmittel des Staates waren damals schon seit langem nach Gesinnungszugehörigkeiten gruppiert!) warteten geradezu auf einen Vorwand,„aktiv" werden zu können; besonders die bei solchen Gelegenheiten aus Meißen herbeigeholten und eingesetzten Polizeischüler taten sich In dieser Hinsicht immer gegen links hervor. Vor dem Staatlichen Schauspielhaus In der Ostra-Allee kam es aus diesem oder jenem Grunde zu einer Reiberei, bei der ein Polizeibeamter kurzerhand und nachweislich ohne ernsthaften Grund mit seinem Dienstrevolver losknallte und den Jungen Reichsbannermann Haupt niederschoß. Haupt starb als das letzte Opfer eines lahrclangen Abwehrkampfes gegen die faschistischen Schlägerhorden: er starb als das erste Opfer der nun ausbrechenden„nationalen Erhebung". Jetzt, am 26. Februar, Jährte sich sein Todestag. Sein Grab auf dem Friedhofe eines Dresdner Vorortes, das erste Grab auf dem großen Tatenacker der deutschen Freiheit, war für diesen Gedenktag von treuen Kamera� den in aller Stille und Heimlichkeit geschmückt worden. Mit Blumen und mit Kreuzen. Mit drei Kreuzen, die nebeneinander schräg in die Erde gesteckt in dieser Gruppierung an das verfemte Kampfzeicben der Eisernen Front, an die drei Pfeile, erinnerte. Und während des ganzen Tages und an den folgenden Tagen pilgerten die Gesinnungsgenossen. Männer und Frauen, einzeln und In kleinen Gruppen zu diesem Grabe. Sic standen schweigend vor diesem heimiiehen Symbol und sie senkten die Stirnen, hinter denen die verbotenen Gedanken leben. Der Friedhofs- besueb wurde zu einer stummen Kundgebung der Namenlosen und Unzählbaren, die im mittelalterlichen Dunkel des Dritten Reiches ohne Wort und ohne Lied ihrem Toten die Treue schwuren. »KnUurplelte« Einer der führenden nationalsozialistischen Kuiturpolitikcr, Eduard Krieck. wettert In Nr. 5 der von ihm herausgegebenen Zeit- schrift„Volk Im Werden" folgendermaßen über.JCuIturplcitc" im Dritten Reich: „Man müßte schon ein Buch schreiben, um den Unsinn, der heute allenthalben Im Namen der Kultur geschieht auch nur anzuführen. Ueber den Glelchschaltungsruramel Ist überall da kein Wort mehr zu verlieren, wo er vor aller Augen schon Ins Chaos getrieben Ist Hier kann man nur noch den Schutt wegräumen. Dann der Totentanz des Bll- dungswahns! Man nehme einmal irgendeine größere oder kleine Stadt Die Stadtverwaltung, die großen Verbände— zwanzig an der Zahl reicht in der Regel nicht] — die Theater, die mancherlei Konzertunternehmungen, der Rundfunk, die Museen und Kunstausstellungen, die Berufsorganisationen aller Art die Bildungsvereine und Volksbildungsveranstaltungen haben ihre Winterprogramme aufgebaut, als sei Jeder von ihnen allein auf der Weit, als sei jeder von ihnen der Nabel der Weit als hinge an ledern von ihnen das Heil der deutschen Zukunft Welche Erlösung für das deutsche Volk, wenn die meisten der Vereinsmeiereien samt ihrem Kulturfimmel und Bildungswabn sich ins Nichts verziehen wollten! Aber man baut Unternehmen neben Unternehmen, Bildungskurs neben Bildungskurs, Veranstaltung neben Veranstaltung, Vortrag neben Vortrag— ein wahres Füllhorn von Kultur und Bildung. Dahinter stehen alle die k 1 e 1- nen Gernegroße und großen Wichtig ma c b e r. deren Ziel doch nur ist, möglichst viele Volksgenossen unter ihren Oberbefehl zu stellen und ihnen die Zeit abzustehlen. Da sie nichts anderes zu bieten haben, setzen sie ihre Lunge in Bewegung gegen den dreimal verfluchten Liberalismus. Aber siehe da: die Anmeldungen tröpfein verzweifelt daher und die Säle gähnen vor Leere, auch wenn die sog. Führer darüber toben. Dann kommen die diktatorischen Befehle, die schrecklichen Androhungen und die kleinen Schikanen. Vielleicht füllen sich daraufhin einmal, zweimal die Häuser, wenn die großen Kanonen der Bildung aufmarschieren. Dann gehen die Leute heim, bleiben das nächste Mal fort und scheren sich den Teufel um die Papierwische. In iedem Haushalt ist der Papierkorb zum unentbehrlichen Aus- rüstungseegenstand geworden." „Laßt ab vom babylonischen Kulturumbau, dem doch nur Sprachverwirrung und Einsturz vorbestimmt ist!", mahnt Herr Krieck. Ach, dieser Einsturz ist nicht abzuwenden, denn die„babylonische Sprachenverwimrag" dem Gebiete der Politik wie des Kulturlebens ist nur der äußere Ausdruck der Tatsache, daß Gernegroße und VVichtlgmachef — um mit dem genannten Autor zu reden— sich anmaßen, das Leben eines 65 Millionen- Volkes diktatorisch zu leiten und alles niederknüppeln, was der„nationalsozialistischen Weltanschauung" zuwiderläuft Die Bonzen leben! Star-Autogramme und Luxuskurorte. In der„Eleganten Weit", dem raondainef Oigan der oberen braunen Zehntausend, leb' der Nationalsozialismus der großkapitalistischen Wirklichkeit nicht jener Nationalsozialismus, von der der Rattenfänger Göbbels deü romantischen Kleinbürgern und den irregeleiteten Proletariern zu erzählen weiß. Wie die„spartanische Einfachheit" der braunen Legendenbildung in Wirklichkeit aussieht, darüber berichtet nun in schöner Offenheit die Rubrik„Sprechen Sic noch?" Wolle" Sie wissen, wo und wie sich die braune" Herrscher von den Sorgen ihres diätenrefche" Lebens erholen? Im Luxuskurort Garmisch' Also lassen wir die braune„Elegante" sprechen: „Du bist über vierzehn Tage in Gartnisch gewesen." „Genau drei Wochen. Wundervoller Sport, die Schneeverhältnisse waren Ideal! Rassenlehre mit Doppelboden Was hilft ein schöner nordischer Körper, wenn... Seltsame Dinge erblickt man letzt, wenn roan einen Blick in die gleichgeschaltete Ge- �erkschaftspresse wirft Früher fand man da Diagramme und Tabellen, an denen die Arbeiter die Wirtschaftsichre, die sozialen Zustände usw. studieren konnten. Jetzt treten an ihre Stelle Galerien mehr oder weniger schöner männlicher und weiblicher Porträts, deren Bestimmung es Ist den Proleten mit den Mysterien der Güntherschen Rassenlehre bekannt zu machen. In Nr. 8 der„Deutschen Metallarbeiter-Zeitung" sind sechs Pärchen — je ein Männlein und ein Weibleln— abgebildet die angeblich die sechs In Deutschland vorkommenden europäischen Rassen repräsentieren. Natürlich ist dafür gesorgt daß die nordische Rasse vor ihren fünf Mitbewerbern— fast hätten wir geschrieben; um Nasenlänge— siegreich durchs Ziel geht. Damit gar kein Unglück passieren könnte, hat man als weiblichen Prototyp dieser Rasse— den Kopf einer berühmten klassischen Statue abgebildet Der arme männliche Partner, in Tennishemd und Kragen photo- Kraphlert kann trotz strahlender Blauäugigkcit mit dieser marmornen Symmetrie nicht mitkommen. leider schaut er bei aller Schönheit — wie der Berliner sagt— etwas„blond und doof" drein. An dem männlichen Vertreter der westischen Rasse kann dafür jeder Beschauer die liefe Degeneration der Franzosen ablesen, seine glutäugige Partnerin ist reichlich d i r- "enhaft zurechtgemacht Trotzdem, fürch- Icn wir, werden die rassisch noch nicht ge- lögend gefestigten Leser der„Metallarbeiter- Zeitung" dies dämonische Weib am Ende der kühlen, allzu kühlen nordischen Venus vorliehen. Bei der ostischen(alpinen) Rasse besteht dagegen keine Gefahr. Denn diese scheint nach ihren abgebiMeten Vertretern � urteilen, aus Dorftrotteln und Kretins zu bestehen, mit der d i n a r i s c h e n steht es kaum besser. Die ostbaltlscbe Rasse Verkält sich laut Abbildung zur nordischen etwa wie der Unteroffizier zum Leutnant und das Slubenmädchen zur Gnädigen. Die fälisebe Passe dagegen wird nicht durch Mann und Pf'n, sondern durch zwei breitgeslchtlge Männer von scheinheiligem, verschmitztem Aussehen charakterisiert wahrscheinlich ist •las die Rasse, aus der Röhtn und Heines stammen... Aber bei allem Interesse, das diese Schön- beitskonkurrenz erweckt kommt den jetzigen �erwüstern der„Metallarbeiter-Zeitung" doch �fenslchtllch dn Bedenken: werden nicht die �fbeiter auf Grund dieser Bilder Veraleiche an sich und Ihrer Umgebung anstellen. werden sie dann nicht am Ende feststellen müssen, daß sie selber keineswegs dem Leut- "ant Im Tennisdreß, Ihre Frauen auch nicht zu dnem Zehntel Prozent der Venus von Milo bleichen? Und werden sie sich dann nicht am Ende darüber klar werden, daß die ganze Rasselchre nur dem einen Zweck dient, das Proletariat mit dem Makel angeborener Minderwertigkeit zu beflecken und seine Unterdrückung durch rassisch angeblich höhere Wesen als berechtigt hinzustellen?! Dies besorgend, fügt die„Deutsche Metallarbeiter-Zeltung" ihrer Schönhcitsgalerle noch einen Kommentar bei, und da liest dann der erstaunte Zeitgenosse: Durch die gegenseitige Zerkreurung der europäischen Rassengruppen sind reinrassige Menschen äußerst selten. Es sei hier hervorgehoben, daß Körpermerkmale nicht das entscheidende Ist, Leistungen nnd Charakter sind wichtiger als Form und Aussehen. Ein übertriebener Formalismus muß schon deswegen abgelehnt werden, weil es ja bekannt ist, daß die meisten Merkmale sich frei vererben. Was hilft ein schöner nordischer Körper, in dem ein schlechter Charakter, in dem eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit Hegt Ja— und so fragen wir— was hilft denn die ganze Rasselehre, was hilft die Verhimmc- lung eines Körpertyps, von dem wir eines mit Bestimmtheit wissen, nämlich daß er der Typ fast aller unserer Großen wie Goethe, Beethoven, Wagner, Menzel usw. nicht gewesen ist?! ton so größer, Je mehr Gemeinsames sie haben, eine kommunistische Gruppe verbietet ihren Mitgliedern, mit Angehörigen einer anderen kommunistischen Gruppe zu sprechen. Im Mittelalter schlugen die Mönche um eines Buchstaben willen sich tot..." Im Kleinen offenbart sich hier das traurige Bild, das die deutsche Arbeiterbewegung von 1918 bis 1933 im Großen bot Mag man zehnmal drauf verweisen, daß auch die faschistische Reaktion in verschiedene streitende Teile zerfiel, so bleibt die Tatsache, daß sie sich schließlich zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Arbeiterbewegung einigten, während die KPD noch fünf Minuten vorm Reichstagsbrände ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie ablehnte. Es hat heute nfcht mehr viel Zweck, dieses schon banal gewordene Kapitel der sozialistischen Schuidfrage aufzurollen, sondern es handelt sich darum, ob der Sektengeist seine unheilvolle Rolle noch immer spielen soll. Wie unbelehrbar er weiter lebt, zeigten die gehässigen Kommentare kommunistischer Blätter zu dem heroischen Kampfe der österreichischen Sozialdemokratie, und in deutschen Konzentrationslagern verfolgen Kommunisten ihre sozialistischen Leidensgefährten mit demselben sturen Haß wie ehedem. Toller hat einmal eine Satire geschrieben von den grünen und den gelben Mönchen, die einander wegen verschiedener Siibenbetonunc verketzern und verfolgen bis zum Untergang. Diese Satire hätte auch in dem neuen Buche stehen können, einem menschlichen Dokument, das der freiheitlichen Arbeiterschaft eine Mahnung sein sollte. Sie muß aufräumen mit einem engstirnigen Sektengeist, der das proletarische Klassengefühl erspiittem half und dreifach lächerlich ist in einer Zeit, in der faschistische Despotien allen Sozialisten den gleichen revolutionären Kampf aufzwingen. Bruno Brandy. Adolf, der W under mann Alexander, Cäsar, Napoleon, Luther Bismarck— Hitler? Der bekannte Publizist des Hcrrenkiubs, von Schmidt-Pauli, Jetzt längst gleichgeschaltet, ein Schmock zu Pferde, hat ein Hitierbüchiein erscheinen lassen, das auf schlechtem Papier gedruckt, zu billigem Preise in großen Massen verkauft wird. Dort liest man: „Der Vergleich mit anderen Fahnenträgern der Weltgeschichte versagt Alexander zog bis an den Rand der Welt Aber er eroberte in Waffen— die Fremde. Cäsar war ein genialer Feldherr. Aber er stützte sich auf die Macht eines alten imperiums. Der Korporal Napoleon griff bis zwr Kaiserkrone. Aber sie erlosch mit der Sonne seiner persönlichen Macht Luther stiftete eine Religion. Aber Deutschland zerfiel in die Trümmer des dreißigjährigen Krieges. Bismarck schmiedete das Deutsche Eine Mahnung Randbemerkungen zu Tollers Erinnerungen Es ist für den Sozialdemokraten nicht einfach. sich mit Tollers politischen Erinnerungen („Eine Jugend in Deutschlan d", Ouerido-Verlag) auseinander zu setzen, denn sie rollen kaleidoskopartig all die Irrungen und Wirrungen auf, in die das sozialistische Proletariat während des Weltkrieges und nach der Novemberumwälzung geriet und die zu den Ursachen der sozialistischen Niederlage von 1933 wurden. Als Kriegsfreiwilliger geht der junge Dichter 1914 ins Feld, als Pazifist kehrt er zurück, nimmt in seiner tapferen, konsequenten Art den Kampf gegen den Krieg auf, Karl Liebknecht wird sein Heros, auf Unksradikaler Seite steht er während des Umsturzes und gerät so in das Führerzentrum der bayrischen Rätediktatur von 1919. Als er nach fünf Jahren das Festungsgefängnis verläßt, graut das Haar— er ist dreißig Jahre... Wer für seine sozialistische Ueberzeugung soviel Tapferkeit. Opferwillen und Bekennermut aufbrachte und dafür soviel erlitt wie Toller, hat das Recht zur bitteren Anklage, und bitter ist das�Buch dieser glühend kämpferischen Jugend, bitter auch gegen die Sosialdemo- kratic. Aber wenn man sich damit auseinandersetzen will, so zeigt sich doch, wie aphoristisch, wie bruchstückhaft der politische Hintergrund dieser Erinnerungen geraten ist. Der Kriegsfreiwillige weiß von der roten Partei nicht viel mehr, als daß sie„alles verunge- niercn" will, ein paar Jahre später schon Ist er von Ihrer Kriegshaltung enttäuscht. Der zaristische Albdruck, die Gefahren, mit denen ein Sieg des zaristischen Rußlands ganz Europa bedroht hätte, der soziaWemokralische Vcrständigungswilie, die Bemühungen sozialdemokratischer Führer um einen Verständigungsfrieden, die erdrückende Belastung, die es für den gesamten deutschen Sozialismus bedeuten mußte, wenn die Sozialdemokratie das Land „wehrlos gemacht" hätte— das alles spielte im Denken dieser Jugend von damals keine Rolle, das ragt in das Erleben und die Konflikte dieser jungen Revolutionäre kaum hinein. Es kommt hier nicht darauf an, wer der streitenden sozialistischen Tdle etwa recht hatte, sondern die Begründungen, die Motive der verschiedenen politischen Grundhaltungen sind wichtig. Man mußte sie kennen, um die Kriegspolitik der Sozialdemokratie zu verstehen. Aber das alles blieb dieser von der Schulbank weg in das Massenmorden geschleuderten jungen Menschen fern und fremd, war ihnen nicht zum Erlebnis, nicht einmal zum politischen Problem geworden. So mußten ihnen die sozialdemokratischen Führer entweder als patriotische Pfahlbürger oder als Verräter erscheinen— eine der traurigen Voraussetzungen des nachfolgenden Bruder- kampfcs mit all seinen gehässigen Verzerrungen und blutigen Verirmngen, deren eine die bayrische Rätetragödie ist Mit dem Kainszeichen des Bruderkrieges behaftet, zeigte sie schon alle Merkmale sozialistischen Zerfalls, sozialdemokratischer Schwäche, Fehler, Irrtümer und unbelehrbaren linksradikalen Sektengeistes. Ais Toller und seine Leidensgefährten hinter den Mauern von Niederschönenfeld schmachten, geht dort der linksradikale Dogmenhader weiter.„In Deutschland", schreibt der Dichter,„zerfällt die Arbeiterbewegung, die Parteien spalten sich wieder und wieder, Gruppen und Sekten entstehen, das Gleiche wiederholt sich im Gefängnis, aber während draußen die Handlungen der Menschen durch sinnliche Wirklichkeiten gehemmt und gelenkt werden, fehlt hier in der dünnen Luft der Haft iede Möglichkeit der Korrektur, es bilden sich Parteigruppen, die einander verfolgen, verleumden, schlagen. Der Haß ist »Hast Du Bekannte gesehen?" •.Exzellenz Solf war da, Prinz und Prinzessin Heinrich Reuß, Konsul F r 1 1 s c h fbekannter Nazi), Dr. Hjalmar Schacht seiner Familie, Frau Staatsrat fr t n» t(Frau des SA-Oberführers von Berlin-Brandenburg), Kommerzienrat Neuer- 0 u r g(brauner SA-Finanzier und Zlgaret- fetimilllonär), Paul Oskar Höcker, Karl e 0 k e 1, Direktor Karstadt Frei- Herr von Hug-en and noch viele fixere, Rudolf Heß{Stellvertreter Hit- fers in der Führung der NSDAP) war im �hneefermerhaus an der Zugspitze." Was aber tun die Nazibonzen, wenn sie sicli nicht In Garmisch amüsieren? Sie geben in Schmutzkonkurrenz mit Willy Fritsch "nd Liane Haid— Autogramme! In der Tell- '•m-Prcmicre, so teilt die„Elegante Weit" waren sämtliche Nazipromincnten, von ffji'er und Göring bis Prinz Augnst v'lhe!m. Also schmockt es im Hitlerblatt: .»Es war ein ganz großer Abend!"„Das 'aBt sich denken. Meinem Jungen darf Ich «•von gar nichts erzählen, sonst jammert tr!14 »Weshalb denn?" ~Er denkt an die Autogramme, die ihm a?"«i entgangen sein könnten! Vom Garmischer Luxushotel zum Auto- Kr»mmgebeD und wieder zurück; sie opfern � wirklich auf im Dienste der deutschen •edcrgeburL Piere. �welneprleslcr Darre oran erkennt man einen hochwertigen Menschen? Man weiß, daß es der Reichsernährungs- m'hister Pg. Walter Darr« besonders mit und Scholle" hat Bei ihm fängt der tische Mensch erst an. wenn er nachweisbar eine Mischung aus deutschem Boden und deutschem Blute ist Doch, wie diese Merkmale einwandfrei feststellen? Da kam dem Darrt ein Cenlebiitz: Das Schwein muß helfen! Der Mann, dem beute die deutsche Ernährungswirtschaft ausgeliefert ist setzte sich hin und schrieb eine Schrift die er also betitelte:„Das Schwein als Kriterhun für die nordischen Völker und Semiten". Damit man erfährt womit heute im einstigen Lande der Denker und Dichter Papier bedruckt wird, seien aus Darrfis monumentaler Abhandlung zwei aufschlußreiche Zitate hierhergesetzt Auf Seite 6 offenbart sich Herrn Darrt die Welt des Schweins folgendermaßen: „Das Schwein ist durchaus das Opfertier des nordischen Sonnenkults oder hängt wenigstens damit zusammen. Die Einehe in bezug auf die freiheitliche Stelle der Frau, wohl eine Sonderheit nordischer Menschen, ist der Sonne geweiht und wird in Rom noch lange durch elnScbwelaeopfer bestätigt Es scheint festzustehen, daß genau in demselben Maße, wie die Semiten alles ablehnen. was mit dem Schwein zusammenhängt dieses Tier umgekehrt bei den nordischen Völkern in allerhöchstem Ansehen standen. Man kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, daß die germanische agrarische Gesetzgebung sich fast völlig om das Hausschwein herum zu gruppieren pflegt" Ans dieser Gruppierung uro das Hans- sebwein bezieht der Verfasser den Schreib- stoff für die nächsten zwei Seiten seines ge- dankentiefen Werkes, um dann— auf Seite 8 — glücklich den historischen Ursprung unseres ganzen Weltelends aufgespürt zu haben:„Aus dem Dunkel der alten Geschichte tauchen zwei menschliche Rassen auf, die in ihrer Einstellung zum Schwein vollkommene Gegensätze sind. Während die Semiten das Schwein weder kennen, noch annehmen, es mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aus ihrer Volksgemeinschaft ausschließen, steht das Schwein im Kult der nordischen Völker an erster Stell e." Womit Darrt triumphierend verkünden kann, überzeugend bewiesen zu haben, daß das Schwein tatsächlich ein Kriterium für nordische Völker sei. Nur der bekenne sich zum Schwein, der ein echter nordischer Mensch sei. nach Rasse und Geburt Damit sei auch die Unterscheidung zwischen hochwertigen und minderwertigen Menschen erleichtert Denn minderwertiges Geschöpf dieser Erde ist wer sich nicht rückhaltlos zum Schwein bekennt Nicht erst Darrt hat dem Schwein diesen Ehrenplatz Im Dritten Reiche zugewiesen— seine Anbetung hat am 30. Januar 1933 begonnen! Gummllu�sdibonbons und Filzpantoffel Der„Deutsche Reichsanzeiger und Preußische Staatsanzeiger" Nr. 45 vom 22. Februar veröffentlicht eine weitere Serie von Entscheidungen, die auf Grund des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole vom 19. Mai 1933 gefällt worden sind. Wir entnehmen dieser Veröffentlichung, daß u. a. für zulässig erklärt wurden:. Zelluloldtürschlldcr auf rotem Untergrund, die Aufschrift in weißen Buchstaben: Deutsch sei den Gruß Heil Hitler; Uhren mit den vier Anfangstönen des Horst-Wessel-Liedes als Halbstunden-Schlag. Für unzulässig wurden dagegen u. a. folgende Fabrikate erklärt: Gummilutschbonbons in Hakenkreuzform, Glückwunsch- und Beileidskarten mit Hakenkreuz Stehaufmännchen, SA-Mann darstellend Postkarten mit Abdruck der Lieder:„Volk ans Gewehr" und„Deutschland, erwache" umrahmt von einem SA-Mann und einem Stahlhelmer, außerdem verziert mit Hakenkreuzfahne oder Hakenkreuz mit aufgehender Sonne, Eichenlaub und schwarzweißrotem Band. Filzpantoffeln einfachster Art, deren Tuchbrandsohle in von hellbraunen Streifen umrahmte Quadrate von je 4 Quadratzentimeter Fläche zerfällt. In jedem Quadrat befindet sich ein dunkelbraunes Hakenkreuz. Efn Berliner Schupomann stand dieser Tage vor der schwierigen Aufgabe, ailein eine Ansammlung von Menschen, die keinen nationai- sozüaiistischen Eindruck machten, zu zerstreuen. Gummiknüppel, Pistole, überhaupt Waffengewalt anzuwenden, schien ihm nicht ratsam. Die Uebermacbt hätte ihn überwältigt. Er dachte nach, und wie er so nachdachte, kam die Erleuchtung; Er trat auf die Leute zu, nahm den Tschako vom Kopf und sprach: „Bitte, eine Gabe für die Winterhilfe!"— Im Nu war der Platz menschenleer. StkatU k stlmeeett Sotten Geld ist der widitigste Rohstoff für den nächsten Krieg— Schacht hat keines! Reich um Preußen. Aber sefne WelstertraoS hiett es nur von oben zusammen. Als sie es losließ, erlosch das reine Feuer der Begeisterung bald unter der goldenen Asche des Materialismus. Hitler ist kein Feldherr. Kein Eroberer fremder Welten mit dem Schwert Kein Usurpator kaiserlicher Würde. Er zwingt nichts von oben zusammen. Er durchglüht Deutschland von unter her. Er ist ein Bergmann mit der Fackel in der Hand im Seelenschachte des deutschen Volkes. Er ist menschgewordenes Volksbegehren. Es ist ein Wunder! _Herr von Schmidt-Pauli ist schon auf dem richtigen Wege. Er geht ihn bloß nicht zu Ende. Alexander, Cäsar, Napoleon, Luther und Bismarck waren keine Wunder, sondern bedeutende Männer. Adolf Hitler aber i s t„ein Wunder". Er gehört daher nicht in die Kategorie der genannten historischen Persönlichkeiten, sondern In eine andere, nämlich in die Kategorie der Jungfrau von Orleans, der Therese von Konnersreuth, des Mönchs Rasputin und des Wunderrabbi von Sadagora. Niemand liest Buchhändler in Verzweiflung. Die deutschen Verleger und Buchhändler stoßen einen Notschrei nach dem andern aus. Die Leute, die heute in Deutschland obenauf sind und Geld haben, lesen nicht, sondern exerzieren, die Menschen, die gern lesen möchten, sind entweder in Konzentrationslagern und Gefängnissen untergebracht oder sie haben kein Geld, oder der Unsinn, der im braunen Reiche geschrieben, gedruckt, verkauft wird, treibt ihnen die Haare zu Berge. Langsam beginnen sogar einige gleichgeschaltete Blätter das zu begreifen. Nach der„Literarischen Welt" und der„Neuen Literatur" faßt jetzt auch die in Stuttgart erscheinende Zeitschrift„Literatur" eine Art selbständigen Gedanken. Sie veröffentlicht einen Aufsatz: „Kennst du den Mann, der heute liest?" Darin heißt es: „Voraussetzung allen Schreibens und Verlegens ist die Frage nach dem Menschen, der heute liest, diesen Mann muß man unbedingt kennen. Verlagsgeschäft und Schrift- stellerei als Beruf liegen darnieder. Auf die Frage„Kennst du den Mann?" ist der Unternehmer auf geistigem Gebiete heute versucht mit einem schweren Seufzer zu antworten;„Ja, den möchte ich kennen! Früher kannte ich ihn, aber ich weiß kaum noch, wie er aussieht— so lange ist er nicht bei mir gewesen." ____ Aber abgesehen von diesem wehmütigen Scherz ist es verwunderlich, daß man sich nicht wirklich offen eingesteht; nein, wir kennen den Leser nicht. Wir müssen uns wohl von ihm eine falsche Vorstellung gemacht haben; sonst ließe er sich wahrscheinlich leichter zurückgewinnen oder wäre wahrscheinlich garnicht in dem Maße davongelaufen... Die Legende von dem Mann, der sich nicht anstrengen will, auf den man nur mit Seichtigkeit spekulieren dürfte,"ist einfach Unsinn. Ist es etwa nicht wahr, daß vor einigen Jahrzehnten eine erstaunlich große Anzahl von sozialdemokratischen Arbeitern„Das Kapital" von Marx wirklich gelesen hatte, in müden Nächten, mit zergrübelten Gesichtern, weil sie von diesem Buch Klarheit und Wegweisung erwarteten? Und handelt es sich nicht um ein ganz verflucht konzentriertes und schwer zu lesendes Buch? Ja— nicht wahr? Höchst merkwürdig! Wenn man nun die verbotenen, verbrannten, verpönten sozialistischen Bücher wieder zum Verkauf anböte?— Dann wäre das deutsche Böchergewerbe gerettet— aber das braune Reich in Gefahr. Also wird man sich wohl entschließen, den Buchhandel vollends vor die Hunde gehen zu lassen und das Dritte Reich zu retten. Denn beides, Geist und Ungeist, hat unter einem Dache keinen Platz. Spi� mit Hakenkreuz Ein Führerbefehl aus dem Dritten Reiche: „Es ist unzulässig, innerhalb des Reichsverbandes für das deutsche Hunde w e s e n" Fachschaften für Hunderassen zu bilden. Die Bezeichnung„Fachschaft" darf nur auf„P e r s o n e n k r e i s e" angewandt werden. Eine„Fachschaft" für deutsche Schäferhunde" oder eine„F a c h- schaff für Spitze" kann auf keinen Fall geduldet werden." Was werden mm die rassenreinen Spitze machen, wenn sie sich nicht mehr zum Wohle des„Dritten Reiches" in Fachschaften organisieren dürfen? Werden sie zur Opposition gehen? Während das Volk hungert, Herr Hitler redet und die Spitze desorganisiert Ihre Schwänze hängen lassen, vollzieht sich der Umbruch im Hakenkreuzreich! Ein Umbruch von historischer Größe.— Die Spitze werden es auch bestätigen können! Die Genera Iversammlung der Reichsbank am 9. März sah Herrn Schacht in ungewöhnlich schlechter Laune. Der Mann, der sich so gerne reden hört, wollte von programmatischen Ausfuhrungen nichts wissen— offenbar in der Erkenntnis, daß er mit den Hitler, Reinhard und Ley doch nicht konkurrieren kann. Ja, er verstieg sich zu einer zwar vorsichtigen, aber doch verständlichen Verhöhnung seiner nationalsozialistischen Herren: „Es scheine ihm notwendig, aus dem Stadium programmatischer Erörterungen, in dem sich so viele kleine Weltan- schauungs-Interpreten noch gefallen, herauszukommen- Es sei zu hoffen, daß die Belebung der Wirtschaft dazu helfe, das Leben wieder mehr mit Arbeit und weniger mit Wunschbildern zu erfüllen. Die praktischen Aufgaben, die der Reich&bank gestellt seien, böten noch immer außerordentliche Schwierigkeiten. Oberster Grundsatz sei, die im letzten Jahre wiedergewonnene innen- und außenpolitische Handlungsfreiheit zu erhalten." Schau. Schau! Haben wir nicht immer gehört, daß die nationalsozialistische Weltanschauung das Wunder bewirkt habe, die Klassengegensätze zu beseitigen, den Sozialismus unter Aufrechterhaltung der„unentbehrlichen privaten Initiative", des„Führerprinzips des Unternehmers" restlos zu verwirklichen und die Arbeitsschlacht siegreich zu schlagen, und nun kommt dieser exliberalistische neue Pg. und verhöhnt die vielen„kleinen Weltanschauungs-Interpreten", die alten Pg- Amtswalter und Pg-Gauleiter— und wer weiß, ob vielleicht gar auch die Pg-Mini- ster und Staatssekretäre gemeint sind!? Und er spricht davon, daß das Leben, dieses erneute, herrliche, nationale Leben mehr mit Arbeit erfüllt werden müßte als mit Wunschbildern. Was kann der Mann nur meinen? Lesen wir nicht jeden Monat, wenn die Arbeitslosenziffern erscheinen, wie über alles Erwarten sich das deutsche Leben mit Arbeit erfüllt, wie die stürmische Abnahme der Arbeits- losenziffem alles, was je in vergangenen Krisen oder in anderen Ländern vor sich ging, übertrifft, wie es gelingt, nicht nur die Konjunktur, sondern sogar die naturgegebenen Einflüsse der Jahreszeiten zu besiegen— und da wagt dieser Schacht von Wunschbildern zu reden? Ja sollen denn die amtlichen Ziffern lügen— Wunschträumen und nicht Tatsachen Ausdruck geben? Kürzlich hat der bayrische Esser, der nach Beseitigung der Länder bayrischer Wirtschaftsminister geworden ist, einen Ukas an die bayrischen Zeitungen gerichtet, in dem den Handelsredaktionen verboten wird, Nachrichten oder Darstellungen zu bringen. aus denen das Ausland ungünstige Rückschlüsse auf die deutsche Wirtschaftslage ziehen könnte. Was sollen aber die kleinen gleichgeschalteten Pintscher tun, wenn ein Löwe wie Schacht solche Töne brüllt? Da ist doch wirklich etwas mehr Gleichschaltung dringend erforderlich. Freilich, Schacht hat schwere Sorgen. Der Goldbestand der Reichsbank geht immer mehr zurück. Betrug der Gold- und Devisenbestand am Jahresende 1930 noch 2685 Mill.(Deckung des gesamten Geldumlaufs 45.75 Prozent), so Ende 1931 als Folge der Bankenkrise 1156(Deckung 19.42 Prozent), Ende 1932: 920(20.38 Prozent), Ende 1933 aber nur 396 Millionen und die Deckung war auf 8.5 Prozent gesunken! Das Bedenklichste aber ist, daß seit Beginn des Jahres trotz der Transfermoratorien und Zinsermäßigungen, trotz der englischen und amerikanischen Valutaentwertungen sich der G o 1 d v e r- lust verstärkt fortsetzt Trotz eines beträchtlichen Zuganges von Russengold im Februar von 21 Millionen beträgt der Gold- und Devisenbestand nach dem letzten Ausweis vom 7. März nur mehr 319 Millionen und die Deckung des Gesamtumlaufs ist auf knapp 6 Prozent gesunken! Was die Ziffer bedeutet wird klar, wenn man sich erinnert, daß der frei verfügbare Goldbestand der Reichsbank Ende 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation eher über als unter dieser Summe gelegen hat Schacht kündigt natürlich wieder mal an, daß„die Dinge zu einer Entscheidung über die Auslandsverschuldung dräng en." Mit anderen Worten, das ganze mühselige Vertragswerk, das vor kurzem mit den Auslandsgläubigern errichtet wurde, läßt sich nicht lange mehr halten. Von dem teilweisen zum vollständigen Bankrott, das wird jetzt zur Parole Schachts. Aber das Nichtzahlen der Schulden war ja von jeher sein Programm. Nur haben da die Gläubiger mitzureden, und da sie und ihre Regierungen kräftig redeten, mußte Schacht klein beigeben, die Amerikaner und Engländer zu einem großen Teil, die Holländer und Schweizer voll befriedigen. Denn sonst wären gefährliche handelspolitische Vergeltungsmaßnahmen ergriffen worden während jetzt umgekehrt der deutsche Export durch den Druck der Gläubiger Erleichterungen erfährt und das deutsche Dumpingverfahren sozusagen offiziell zugelassen worden ist. Stellt also Schacht wirklich die Zahlungen ein— und es ist in der Tat nicht zu sehen, wie er auf die Dauer darum herumkommen soll— dann verliert die deutsche Industrie wieder eine Reihe Exporterleichterungen, die Kandelsbilanz wird ungünstiger und der Deviseneingang geringer. Schacht hat schon recht: außerordentliche Schwierigkeiten! Sie sind noch größer als er andeutet. Denn auch die Durchsetzung des totalen Bankrotts— was sicher das richtige Ideal des totalen Staates und der Wunder wirkenden nationalsozialistischen Weltanschauung wäre— ist keine sichere Lösung des Problems. Denn die Schuldenzahlung ist nur der eine Grund der deutschen Goldbilanz: der�andere ist die Entwicklung der deutschen Handelsbilanz Die deutsche Ausfuhr macht heute kaum mehr zwei Fünftel der vor drei Jahren aus und der entscheidende Gold- und Devisen bringende Posten— der Ueber- schuß der Handelsbilanz— ist von fast 3 Milliarden im Jahre 1931 auf 668 Millionen im Jahre 1933 zurückgegangen. Aber schon in diesen 668 Millionen steckten zum Teil nicht mehr Devisen, da ein Teil der Ausfuhr mit Sperrmark und Scrips bezahlt wurde. Im Januar aber wurde der Außenhandel zum erstenmal passiv. Bleibt er das, so nützt auch der totale Bankrott nichts mehr, dann finden weitere Goldabzüge zur Bezahlung der Einfuhr statt, denn Kredit und Bankrott zugleich, das bringt die nationalsozialistische Weltanschauung Ausländern denn doch nicht bei, da das Konzentrationslager ihnen gegenüber versagt. Die Gefahr ist um so größer, da die Preise für Rohstoffe eine steigende Tendenz zeigen, die der Fertigwaren noch nicht; Deutschland muß also für die gleiche Menge an eingeführten Rohstoffen mehr bezahlen, während sein Erlös für Fertigwaren, die es hauptsächlich ausführt, noch immer fällt. Bleibt also der Versuch, die Einfuhr zu drosseln. In der Tat wurden die Zuweisungen an Devisen für Importzwecke zum erstenmal seit dem Frühsommer 1932 von 50 auf 45 Prozent gekürzt Aber eine solche Kürzung hat nur geringe Wirkung, während auf der anderen Seite be stimmte Einfuhren sich vermehrt haben— aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern zu Rüstungszwecken! Die Einfuhr von Elsenerz Ist um ein Drittel, die von Elsen um das 21'«- fache, die von Nickel und Nickelerz um das Doppelte, von Kupfer um ein Drittel, von Zellulose um das Dop- pelte gesteigert worden. Und während die Einfuhren bar bezahlt werden müssen, muß im Export lange kreditiert werden. Zu alledem kommt nun etwas dazu, das nun freilich die nationalsozialistische Weltanschauung tötlich verletzt. Was nützen Eisen und Nickel und Zellulose, wenn das Gold fehlt. Das Gold ist der wichtigste Rohstoff für den künftigen Krieg, in dem nicht mit Kredit und gedruckten Noten gezahlt werden wird, sondern mit barem Gold. Das ist die wahre Goldsorge trotz oder gerade wegen der nationalsozialistischen Weltanschauung, das sind die wahren Schwierigkeiten des Schacht, der seinen Herren Gold schaffen soll und nicht weiß, woher es nehmen bei solcher Wirtschaftspolitik, und der deshalb übellaunig wird und Sprüche macht über die„Weltanschauungs-Ititerpreten". Aber die Klagen kommen zu spät und dem Schacht ist zu sagen; Du hast es selbst gewollt, Lump! Dr. Richard Kern. Front des Geistes Bemerkenswerte neue Veröffentlichungen. Von der literarischen Monatsschrift„Die Sammlung"(Oueridoverlag, Amsterdam) ist Heft 7 erschienen. Es enthält u. a. Aufsätze von Ludwig Marcuse(Die Erhebung der Christen) und Walter A. Bernedson(Deutsche Humanität). Albert Einstein schreibt über Gemeinschaft und Persönlichkeit": „Die gegenwärtigen Verfallserscheinungen beruhen nach meiner Meinung darauf, daß die Entwicklung der Wirtschaft und Technik den Daseinskampf der Menschen sehr verschärft hat, so daß die freie Entwicklung der Individuen schweren Schaden gelitten hat Die Entwicklung der Technik fordert aber von dem Individuum immer weniger Arbeit für die Befriedigung des Bedarfs der Gesamtheit. Eine planvolle Verteilung der Arbeit wird immermehr zur gebieterischen Notwendigkeit und die Verteilung wird zu einer materiellen Sicherung der Individuen führen Diese Sicherung aber und die freie Zeit und Kraft die dem Individuum übrig bleiben wird, vermag der Entwicklung der Persönlichkeit günstig zu sein. In der„Tribüne" Nr. 3(Prag) schreibt Emil Franzel über Oesterreich: ..Soll in der kommenden Aktion gegen den Austrofaschismus der sozialdemokratische Einfluß vorherrschen, dann muß. was in Oesterteich von der Partei übrig ist den illegalen Kampf sofort und im Sinne eines entschiedenen Kleinkrieges aufnehmen. Heraus aus der Defensive, in der wir geschlagen wurden? Keine passiven Märtyrer! Balkanisierung Oesterreichs!, das müssen die Parolen der österreichischen Arbeiter werden. Entweder wird Oesterreich unter den Schlägen einer internationalen sozialistischen Aktion zu einem Mazedonien und zugleich zum Piemont der europäischen Revolution, oder der kaum mehr zu vermeidende europäische Krieg ist eine von allem Anfang für den Faschismus gewonnene Partie," Aus der Redaktion der„Neuen Welt- bühne" ist Dr. Willi Schlamm ausgeschieden. Um seine journalistische und politische Unabhängigkeit zu wahren, hat er in einem Konflikt zwischen Redaktion und Verlag diese Konsequenz gezogen. Dr. Schlamm ist in der kommunistischen Presse wegen seiner Stellungnahme für die kämpfenden sozialdemokratischen Arbeiter in Oesterreich überaus heftig angegriffen worden. UmtfUocroto SoiloWcmof raHfcI)Cö IDocbcnblaH Herausgeber: Ernst Sattler: verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn: Druck:„Graphia": alle in Karlsbad. Zeifungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzel» verkaul innerhalb der CSR. KS 1.40,(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 10.—). Pr®!? der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(Kc 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung-(die Bezugspreise fflr das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30(3.60). Belgien Frs. 2.-(24.-). Bulgarien Lew 8.—(96.—), Danzig Guld. 0.30 (3.60). Deutschland Mk. 0.25(3.—). Estland F- Kr. 0.22(2.64). Finnland Fmk. 4.—(48.—)' Frankreich Frs. 1.50(18.—). Großbritannien d. 4.-(Sh. 4.-). 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