� erlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Frau imil Kind Seien ielrniien Das gelbe Regime hat einen Gewaltakt verbrochen, der es unter die Kampfinethoden der Buschneger sinken läßt. Die Frau des Genossen Seger, der durch seine Broschüre „Oranienburg" das Weltgewissen gegen die Schande der Konzentrationslager aufgerüttelt hat, ist nun mit ihrem kleinen Kind selbst ins Konzentrationslager geschleppt worden. Beide sollen festgehalten werden, bis sich der aus der Hölle von Oranienburg Geflüchtete den deutschen Behörden stellen würde. Ein Bittgesuch der Angehörigen an den Reichsstatthalter blieb ohne Erfolg. Die gelbe Kopfjägerei bedroht jebt sogar unschuldige Frauen und kleine Kinder. Am 19. Februar 1934 sind In Dessau die[ wirklich völlig unschuldig seien. Die Ant- 30 Jahre alte Ehefrau Elisabeth ''ßs Genossen Gerhart Seger und sein 19 Monate altes Töchterchen Renate verhaftet und in das Konzentra- tionsiager Roßlau bei Dessau gebracht worden. In einem Reuter-Telegramm, das am J®- März bei der englischen Presse einmal. wurde die Tatsache dieser Verhaftung von Frau und Kind und ihre Unter- uringung'meinem Konzentrationslager von den deutschen Behörden zugegeben. Es wurde aber behauptet, daß Frau Seger s'ch mit dem Kind freiwillig In das Konzentrationslager begeben habe, um gegen die Gefahr von— Kindesraub geschützt zu sein. Diese unsinnige Ausrede Spottet schon deshalb jeder Beschreibung, weil die Ehefrau des Genossen Seger seit seiner gelungenen Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg in ihrer Wohnung ui Dessau und auf ihren Spaziergängen und Einkäufen auf Schritt und Tritt von ?wef Polizeibeamten überwacht worden •st. Die Familie der Ehefrau Segers hat ich mit einem Brief an den Reichsstatt- a'ter für Anhalt und Braunschweig, Loe- her, gewendet und hat um die Entlassung,--------—------...-------------------- Von Frau und Kind gebeten, die ja doch 1 gesperrt,— das ist das neue deirtsche Recht, wort des Reichsstatthalters lautet: «Frau und Kind von Seger könnten nicht eher entlassen werden als bis der„Landes- und Volksverräter" Seger sich den deutschen Behörden wieder stelle.*4 Damit ist das klare Eingeständnis gegeben, daß es sich um einen neuen Fall von Geiselverhaftung handelt. Der Fall hat in Skandinavien, das Genosse Gerhart Seger eben bereist hat, und in England, wo er sich augenblicklich be- findet, ungeheures Autsehen hervorgerufen. Die Presse, ohne Unterschied der Partei, ist einig in der Verurteilung eines Systems, das sich an Frauen und Kindern vergreift, um an seinen politischen Geg. nem Rache zu nehmen. • Göring hat in seinem letzten Erlaß über die Zentralisierung des Terrors von„erhöhter Rechtssicherheit'" gesprochen. Hier ist die erhöhte Rechtssicherheit, wie man sie in deutschen Regierungskreisen auffaßt! Eine Frau und ein noch nicht zwei Jahre altes Kind als Geiseln verhaftet, obgleich sie völlig unschuldig sind, beide in ein Konzentrationslager das sind die echt germanischen Ehebegriffe der Despoten des Dritten Reiches! Durch die Gefangennahme von Frau und Kind soll eine Erpressung an einem Opfer des Systems ausgeübt werden, dem es nach monatelanger qualvoller Gefangenschaft gelungen ist, zu entfliehen. Diese Form der Erpressung nennt man in englisch sprechenden Ländern kidnapping(Menschenraub). In den Vereinigten Staaten wird zur Zeit ein unerbittlicher Polizeifeldzug gegen die kidnap- pers geführt. In Deutschland gehört diese Methode zur„erhöhten Rechtssicherheit" und wird offiziell angewandt! Dieser Erpressungsversuch zeugt zugleich von gemeiner Rachsucht. Die Enthüllungen Segers über Oranienburg bereiten dem braunen Regime schwere Verlegenheiten. Wären sie nicht wichtig, hätte das Regime nichts von ihnen zu fürchten— warum dann eine so gemeine Rache? Das Lager Oranienburg— diese Stätte körperlicher und seelischer Marterung — bleibt bestehen. Unsere Mitteilung über seine Aufhebung ging auf ein« Falschmeldung der gleichgeschalteten„Frankfurter Zeltung" zurück. Nach wie vor wird dort weiter gefoltert werden. Das Regime ist entschlossen, den äußersten Grad der Barbarei durchzuhalten! Die Krise der Reichsbank Verzweifelte Suche nach Auswegen aus der Geldkrise Die deutsche Gold-undDevlsenlage innner kritischer und die Beunruhigung '»wohl in den deutschen wie in den interna- 'onalen Wirtschaftskreisen nimmt rasch zu. er Gold- und Devisenbestand der Notenbank lst in der zweiten Märzwoche um nichts weni- als rund 4 5 Millionen, von 319 auf 4 Millionen zurückgegangen Das ist ßf bisher tiefste Stand, der in der be- �ßtten Geschichte der Reichsbank zu verzahnen ist Die kleine Anreicherung, die der Goldbestand durch das Transfermoratorium vorübergehend erzielen konnte, Ist seitdem vöII}g verloren gegangen. Das Schlimmste Ist, daB die Außen- �ndeisbilanz sich weiter ungünstig entwickelt. atte der Januar zum ersten Male seit Jahren einem Passfvum, einem Einfuhrüberschuß J0" 22 Mill.(nach den neuerdings berichtigten h'en) geschlossen, so ergfbt sich im Februar e'n neues, noch größeres Passlvnm on 35 Millionen. Die Ausfuhr erreichte mit Mfll. den bisher tiefsten Stand und lag '' 2 Mill. unter dem bisher ungünstigsten Er- tf�nis des Januar, während die Einfuhr mit die Januareinfuhr um 6 Millionen übertraf. Nun muß in diesem Stadium der Konlunk- Ur damit gerechnet werden, daß die Rohstoff- reise— also die Preise des größten Teiles t tr Einfuhr— rascher steigen, als die der Fer- �'aren, die den Hauptbestandteil der Ausfuhr ustnachen. Die ungünstige Handelsbilanz jjJ�e also bestehen bleiben. Der Goldbestand a'>w eIriem Minimum, das kaum Y � stark unterschritten werden kann. Man �Gegenwärtige sich, daß der Goldbestand ßf deutschen Notenbank heute kaum mehr 5 � Doppelte des Goldes der Notenbank des an Einwohnerzahl zehnmal kleineren, an Umsatztätigkeit noch vielmals schwächeren Oesterreich beträgtl Kebi Wunder, daß In der deutschen Presse die angstvollen Betrachtungen sich häufen. Die„FrankfurDer Zeitung" z. B. verlangt„nach dem Vorbild anderer Länder"(Mexiko, Balkan?)„eine grundsätzliche Atempause für den Schnldentransfe r", also die vollständige Zahlungseinstellung. Aber da selbst das noch nicht genügt, wenn die Passivität der Zahlungsbilanz anhält, so wird bereits erwogen, die Einfuhr durch weitere Beschränkungen der Devtsenzu teflungen zu drosseta, über die Sprozenttge Einschränkung hinaus, die für den März angeordnet ist Leider ist eine solche Maßnahme mit einem kleinen Schönheitsfehler behaftet: man muß dann schon auf die vermehrte Einfuhr von Kriegs rohstof- fen verzichten. So tauchen andere Pläne anf. Mit großer Bestimmtheit wird von Wirtscbafts- kreisen versichert, daB wie Im Kriege die im deutschen Besitz befindlichen ausländischen Eifekten aalgerufen und beschlagnahmt werden sollen und die deutschen Besitzer zerbrechen sich die Köpfe darüber, wie sie sich davor rechtzeitig schützen können. Schüchtern wagen sich auch Appelle an das Ausland hervor, das(Ücm deutschen Export durch Etnfuhrerleichterungen—»Jm eigenen Interesse" versteht sich— fördern oder gar neue Kredite geben soll— Im selben Augenblick, wo Deutschland selbst hnmer neue pro- tektionistisebe Maßnahmen trifft, sein Dumping verstärkt und die alten Kredite nicht zu- rück gezahlt Aber das alles wird nicht viel helfen und aus der Goldkrise wird der Ausweg nicht so leicht zu finden sein. R. K. Görings Bombe? Gö rings Persönlichkeit ist von Geheimnissen umwittert. Dem Reichstagsbrand folgten die geheimnisvollen Flieger über Berlin, die außer Göring kein Mensch der Millionenstadt gesehen hatte, nun kam der merkwürdige Sprengstoffanschiag im Regierungsviertel, der sofort als ein Anschlag auf Göring ausposaunt wurde. Aber merkwürdig: Kaum war die Presseaktion im Gange, da wurde sie wieder schnell abgeblasen, denn— Göring war gar nicht in Berlin gewesen. Hatte die Regie nicht geklappt, so wie beim Reichstagsbrand, den Göring laut seiner eigenen eidlichen Aussage eine halbe Stunde vor Ausbruch bereits telefonisch gemeldet bekam? Hatte sich der„Attentäter" in der Zeit geirrt oder ist Göring plötzlich von Berlin abberufen worden, so daß die Hauptfigur in der Schwindelkomödie fehlte? Fragen über Fragen, die wahrscheinlich nie ganz aufgeklärt werden. Für diesen Augenblick sei nur festgestellt, daß es in Deutschland eine einzige Partei gibt, die das Umlegen politischer Gegner systematisch betreibt, die den Mord verherrlicht, die Mörder belohnt und auszeichnet Das ist die nationalsozialistische Partei. Zu ihren Heroen zählt sie die Fischer und Kern, die den ausgezeichneten selbstlosen und humanen Reichsminister Rathenau, einen der glänzendsten Geister seiner Zeit ermordet haben und denen man zum Dank dafür im Dritten Reich ein Denkmal gesetzt hat Der Mord gehört also zu diesem System. Das Ist Hitlers Sozialismus! Poesie von Unterhaching— Prosa von Berlin Hitler hat am 21. März in einer Rede in Unterhaching versichert, Deutschland sei ein sozialistisches Land. Hitler hat wieder einmal über Dinge geredet von denen er nichts versteht Sein Wirtschaftsminister Schmitt, ein alter Generaldirektor, versteht davon immerhin etwas mehr. Er hat kurz vor Hitler eine Rede gehalten, die ganz anders klingt und der Wirklichkeit viel näher kommt Schmitt erläuterte in dieser Rede das mit großer Reklame angekündigte Gesetz zur„Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft", das am 27. Februar vom Kabinett fabriziert worden war. Schon der Titel des Gesetzes ist eine Lüge. Denn es handelt sich nicht um einen„organischen Aufbau" der Wirtschaft nicht um eine umgestaltende, die weltwirtschaftliche Entwicklung fördernde, die schreienden Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Verteilung auch nur einigermaßen miWerode Maßnahmen, sondern um eine rein mechanische Stärkung der Unternehmerorganisation durch Verwandlung dieser Organisation in Zwangsverbände, denen alle Unternehmer von jetzt an beitreten müssen. An diesem sehr einfachen Tatbestand ändert auch der Phrasenschwall nichts, mit dem Herr Schmitt das Gesetz erläutert hat. Festzuhalten Ist nur das Geständnis, daß es sich auch bei dieser Maßnahme nicht um den„ständischen Aufbau" handelt, den die Nationalsozialisten bekanntlich als Grundlage der neuen, von allen Klassengegensätzen befreiten Gesellschaft einst versprochen hatten. Denn dieser Aufbau ist nicht nur, wie Herr Schmitt sagte, von den Führern„bewußt zurückgestellt" worden, er Ist In Wirklichkeit durch' die völlige wirtschaftliche und polltische Ent. rechtnnK des„ArbelterMan- d e s* ganz n n m ö g 1 1 c h geworden and gerade dieses Gesetz entlarvt den frechen Schwindel, den die Nationalsozialisten mit dem Korporationsgedanken treiben, mit beißender Klarheit. Denn während die wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter und Angestellten jeder Funktion beraubt wurden, die Deutsche Arbeitsfront nur das Mittel ist, Zwangsbeiträge zu erheben, um einen Teil des nationalsozialistischen Herrschaftsapparates durch die erpreßten Beiträge der Beherrschten zu erhalten, bleiben die U n t e r nehmerorganisationen erhalten und werden durch den Bel- trittszwang außerordentlich gestärkt Die„große Zahl von Außenstehenden, die sich bisher dauernd jeder Einflußnahme entzog", wird, wie Herr Schmitt feststellt nunmehr verschwinden, ! der Unternehmerverband erhält diktatorische Macht über alle seine Mitglieder. Aber diese Macht soll, verkündet der Wirtschaftsminister des Nationalsozialismus, mit Worten, deren Klarheit man nur anerkennen kann, ausschließlich dem kapitalistischen Unternehmer dienen. Man muß dieses kapitalistische Bekenntnis des früheren Generaldirektors der Allianz schon deshalb wörtlich genießen, weil solch naive Verherrlichungen der kapitalistischen Wirtschaft seit dem Krisenzusammenbruch selbst im„liberali- stischen" Munde selten geworden waren. „Wenn wir uns die Frage stellen:»Was wollen wir mit dem geplanten Umbau erreichen?« so ist dazu folgendes zu sagen; Auf keinen Fall wollen wir das tausendfältige Eigenleben unserer Wirtschaft zerstören. W i r brauchen auch In Zukunft den selb« sfänd Isen Unternehmer, der tufl set- nem Unternehmen auf Gedeih und Verderb verbunden ist Wer ein Uoternehraen führt muß die Verantwortung tragen. Die guten T a- t e n sollen sich auch für den auswirken, der sie vollbrachte, und die schlechten sollen nicht auf dem Rücken anderer ausgetragen werden können. Auch in Zukunft soll wirtschaftlich weitergekämpft werden. Ohne ehrlichen Konknrrenzkampt geht es nicht Wenn die Form der privaten Wirtschaft Ihre Daseinsberechtigung bat»o vor allen Dingen deshalb, weil sie In Ihrem Immer wieder hingen Ringen um die bessere Leistung alle Kräfte der Wirtschaft frisch erhält und zu Höchstlel- sttmgen anspornt Das entspricht dem nationalsozialistischen Lelstungsprfn- z i p und ist Voraussetzung für die Wiedergewinnung seines Wohlstandes, sei es auf dem Dinnenmarkt oder auf dem Weltmarkt auf den wir als hoch industrialisiertes Land besonders angewiesen sind." Kapitalistische Konknrrenz- nnd Pr o f i t w i r t s c h a f t gleich nationalsozialistisches L e I- s t u ngs p r i n z ip! Ein Glück, daß das eine so hohe Stelle des nationalsozialistischen Regimes verkündet Sagte das ein Marxist, er käme ins Konzentrationslager! Wenn aber durch die Schaffung der Zwangsorganisationen ein altes Ideal der kapitalistischen Unter- nehmersyndici erfüllt wird, wenn diese Organisationen mit vermehrter, durch den totalen Staat verliehenen Macht ihre bisherigen Funktionen verstärkt ausüben, ja wo bleibt denn da noch Irgend was Nationalsozialistisches übrig? Nun auch das ist vorhanden: auch In diesen Organisationen wird das„FOhrerprinzip" verwirklicht. Aber dieses Prinzip sieht bei den Unternehmern verdammt anders aus als bei den Arbeitern. Während man zum„Führer" der Arbeitsfront den allen wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Fragen völlig fremden Trunkenbold Dr. L e y eingesetzt und zugleich dafür gesorgt hat, daß er nichts zu„führen" hat, weil die Arbeitsfront sich um die gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Interessen nicht mehr kümmern darf, werden zu Führern der Unternehmerorganisationen ausschließlich Unternehmer, zumeist die bisherigen Leiter der Organisationen, ernannt Und während die Arbeiter auf ihre Führer nicht den geringsten Hinfluß haben, sondern ihnen auf Gnade und Ungnade unterworfen bleiben, muß der Unternehmer-Führer jedes Jahr ein Vertrauensvotum des„Führerrats" einholen, der natürlich ebenfalls -ms Unternehmern besteht Man sieht weder an den Aufgaben noch auch an der Selbstverwaltung der ün- ternehmerorganlsationen wird in Wirklichkeit wesentliches geändert— aus dem einfachen Grande, weil die Wlrt- schaftsmacbt des totalitären Staates eben von den Großkapitalisten mit Hilfe der Hitler, Heß, Schmitt und Schacht restlos usurpiert wird. Und dafür den Beweis zu erbringen, hat sich Herr Schmitt durch die Bestellung der neuen Wirtschaftsführer beeilt „Führer der Gesamtorganisation der gewerblichen Wirtschaft** wird ein Herr Philipp Keßler, ein Mann mit kaum durchschnittlicher Begabung, der die übliche Karriere im scharfmacherischen Siemens-Konzern zurückgelegt hat und zuletzt Direktor bei der Bergmann-Flek- trizitäts-AG. gewesen Ist ein gefügiges Werkzeug des Elektrokapitals. Stellvertreter und Hauptgeschäftsführer wird der bisherige Treuhänder der Arbeit In Stettin, Graf von der Goltz. Wer Ist das nur? In der gleichgeschalteten Presse, die ausführlich über Keßler berichtet, findet man über den Grafen kein Wort Wir aber erinnern uns: der Herr Graf war früher in der Deutschen Union- Bank und diese Bank war die Bank des großen Ivar Krcuger, des schwedischen Zündholz- königs und des größten nordischen Schwindlers aller Zelten. Dann ging der Graf nach Stettin, wurde rechtzeitig Pg. und machte Karriere vom Treuhänder Kreugers zum Treuhänder der Arbeit bis zum stellvertretenden obersten Wirtschaf tsrührer! Ehe Wege des Nationalsozialismus sind wunderbar.. Aber diese obersten Führer werden wahrscheinlich weniger Bedeutung erlangen als die Führer der VV irtschafts- gruppen. Die Industrie wird in sieben Hauptgruppen gegliedert dazu kommen als besondere Gruppen: Handel, Handwerk, Banken und Kredit Versicherungen und Verkehr. Und wer sind die Leiter? Wir wollen nur einige nennen. Heraus- Wer— mW wem wen? Inflation der Verträge Leute mit besonders gutem Gedächtnis erinnern sich noch, daß es einmal einen sogenannten Viererpakt gegeben hat Dieser Pakt war zwischen England, Frankreich, Deutschland und Italien vereinbart und stellte die Politik Europas auf ganz neue Grundlagen. Die vier Großen wollten sich über ihre außenpolitischen Taten im vornherein verständigen: waren aber sie miteinander einig, so war der europäische Frieden gesichert. Das Ist nun freilich sehr lange her, mehr als ein halbes Jahr! Seitdem sind schon wieder verschiedene andere Pakte geschlossen worden, so der zwischen Deutschland und Polen und jetzt der zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn. Aber weder hat damals Deutschland noch hat jetzt Italien die anderen drei Teilnehmer des Viererpaktes gefragt, ob sie mit Polen, Oesterreich. Un garn oder wem sonst Verträge schließen dürfen. Der Viererpakt Ist faktisch gar nicht in Kraft getreten. Wer hätte aber Deutschland oder Italien, wenn sie es ernst mit ihm meinten, gehindert, in seinem Sinne zu handeln? Sie haben gar nicht daran gedacht, dies zu tun, weil internationale Pakte von heute nicht mehr den Wert wirklicher Verträge besitzen, sondern nur noch Instrumente des diplomatischen Bluffs sind. Danach ist bestimmt dfe Haltbarkeit des deutsch-polnischen, vielleicht auch die des italienisch-österreichisch-ungarischen Paktes zu beurteilen. In Berlin hat ein polnischer Verbrüderungsredner mit einem Doppel-Heilruf auf Pilsudski und Hitler geschlossen- Gleich darauf wurden in Warschau die Fenster der tschechoslowakischen Gesandtschaft eingeworfen. Herr Barthou, der nächstens aus Paris nach Warschau und Prag reist, wird sie schon wieder reparieren. Viel ernster ist der Handel um Oesterreich. Benesch hat in seiner letzten nur zum Schein optimistischen Rede deutlich gesagt, worum es geht. Wenn wirklich eine Vereinbarung aller interessierten Mächte über Oesterreich, eine echte und ehrlich gemeinte Vereinbarung notwendig ist, um einen Krieg zu vermeiden, dann kommt der Krieg, denn jene Vereinbarung ist nicht möglich! Das Wettrüsten ist im vollen Gange. Jeder weiß, daß die Abrüstung nur noch ein Stoff für Witzblätter ist. Jetzt aber plädiert man vielfach— da angeblich irgendein Abkommen besser ist als gar keines— für eine Vereinbarung zur Kontingentierung und Kontrolle der Rüstungen. Man soll also mit Hitler verhandeln, wieweit ihm das Aufrüsten erlaubt sein soll und dann soll man ganz scharf aufpassen, ob er diese neugesteckten Grenzen nicht auch wieder überschreitet. Ein Pakt dieses Inhalts wäre ein neues Aktenbündel zu alten Aktenbündeln in den Schränken der Auswärtigen Aemter. Mehr nicht. So dumm Ist hoffentlich kein Mensch, zu glauben, daß Hitler wegen eines solchen Papiers auch nur einen einzigen Mann weniger einstellen und bewaffnen würde. Jedes ROstungsabkommen, mag es die kontingentierte Abrüstung oder die kontingentierte Aufrüstung bezwecken, Ist Sand in die Augen und Selbstbetrug. Wahrheit ist daß sich alles auf einen neuen Krieg vorbereitet der nicht zu verhindern ist, wenn nicht noch rechtzeitig, bevor er ausbricht eine a n t i f a- schistische Revolution in Europa neue Machtverhältnisse schafft. ßeldisbahn in IVot! Welches Ausmaß die national sozialistische BankrottwiTtsdiaft schon angenommen hat, zeigt der Jahresbericht der Deutschen Reichs- baJurgesellschaft über das Jahr 1933. Der katastrophale Ver keb r sr fle k g a n g Ist geradezu ein Spiegelbild für den Verfall der deutschen Wirtschaft. Die Gesamteinnahmen der Reichsbahn liegen um nahezu 50 Prozent unter den Einnahmen des Jahres 1929. Das Absinken der Einnahmen erstreckt sich aui den Personen-, Gepäckverkehr wie den Gütertransport Die Balanzienmg des Etats ist um so schwieriger als die Reservefonds völlig er- sahöpft sind. Das vielbesungene Arbcitsbeschaf- fungsprogramm ist zwar bd der Elsenbahn zwangsweise durchgeführt worden und der gesamte Aufwand für 1933 wird mit 1.4 M i 1 1- arden Mark beziffert doch zeigt sich in der Finanzierung dieser Riesensumme, In welch schwindelhafter Weise der„Sieg der Arbeitsschlacht" errungen werden konnte. Wir geben die entscheidende Stelle des Berichtes wörtlich weder: „Die rusätzliohcn Arbedtsheschaffungen konnten nicht durch Aufnahme einer langfristigen Anleihe finanziert werden, weil der Kapitalmarkt das zur Zeit nicht zuläßt Daher mußte eine umfangreiche und kostspielige Finanzierung über Wechsel vorgenommen werden. Die Reichsbahn arbeitet dabei in engster Fühltrog mit der Reiehsbank, und der Reichsregierung, däe beide ihre weitgehende Unterstützung zugesagt haben." Wenn skh private Kaufleute gegenseitig eine solche Wechselreiterei erlauben, kommen sie ins Zuchthaus. Trotz des Wegfalls der Reparationsstcuern schließt die Betriebsrechnung mit einem großen Defizit ab. Zum Trost für das deutsche Volk bemerkt der Bericht: „Die Reichsbahn wird ihre ganze Sorge darauf richten müssen, wenigstens einen buchmäßigen Rechnungsausgleich für 1933 zu finden." Ueber die Tatsache des Rückgangs des Personenverkehrs beruhigt sich die Reichs- bahngcsellschaft. Indem sie meint daß sich die Besserung der Lage im ersten Jahr nationalsozialistischer Wirtschaft noch nicht hätte auswirken können. Die Pcrsonalstatistik zeigt, daß als Ergebnis der großen Arbeitsbeschaffungsaktion eine Steigerung der Zahl aller Pedten- steten von 600.595 hn Jahre 1932 auf 602.619 im Jahre 1933 eingetreten ist. Zunahme rund 2000 oder ein Drittel Prozent! iOO-Stimdcnwodie Bayerische Ost- der Die nationalsozialrstischc wacht" berichtet: Dfe Fachschaft der Fabrikarbeiter Deutschen Arbeitsfront nahm in Verbindung mit der Gaubetriebszellen-Abteilung Unterfranken In den letzten Tagen in Kitz Ingen Kontroikn der Tarife vor. Auf Grund der vorgefundenen Zustände mußte am vergangenen Freitag ein Unternehmer in Schutzhaft genommen werden, in dessen Betrieb über 150 Arbeiter beschäftigt sind, die teilweise wöchentlich bis zu 100 Stunden arbeiten müssen und weit unter Tarif entlohnt wurden. Die gesetzlichen sozialen Lasten wurden vom Arbeitgeber für die ücberstunden nicht abgeführt. Die Un tertari ibezahitra g machte jährUch Tausende von Mark. Solange es noch Gewerkschaften und einen poiitischen Einfluß der Sozialdemokratie in Deutschland gab. bedurfte es keiner Schutzhaft, um derartige Exzesse der Ausbeutung zu verhüten. Heute müssen sich die Arbeiter alles gefallen lassen— und wenn dann gelegentlich ein brauner Bonze Kraft markiert und eine« kleineren Unternehmer für ein paar Tage ins KZ. schickt, so wird an den furchtbaren sozialen Zuständen nichts geändert i Warum trinken die Arbeiter nidit Wein? In eänem„Aufruf an alle schaffenden Deutschen Volksgenossen" nimmt sich Staatsrat Willi Börger, seines Zeichens Treuhänder der Arbeit für das Rheinland, der Winzer an, die ihren Wein nicht mehr los werden können, weil der deutsche Arbeiter zu wenig Wein trinkt.„Weintrinken Ist nicht Luxus", erklärt der Herr Staatsrat dem schaffenden deutschen Volke. An der Winzernot sind selbstverständlich die Sozialdemokraten schuld. Denn, so verkündet Willi Börger: „Es entsprach marxistischer Gleichmacherei, das Weintrinken als kapitalistische Genußsucht hinzustellen. Die sich aus dieser Einstellung weiter Kreise ergebende Abneigung gegen das We'intrinken führt zur Absatzstockung und damit notwendig zum großen Sinken der Wein preise." Der Aufruf bringt sodann umfangreiches statistisches Zahlenmatrial, um nachzuweisen, daß der Alkoholverbrauch in Deutschland am niedrigsten ist von allen europäischen Ländern. Da muß etwas geschehen. Nachdem auch noch die besondere grenzpolitische Bedeutung des rheinischen Rebenlandes begründet wird, heißt es in dem Aufruf weiter: „Der Wein erfreut des Menschen Herz — uralter Weisheit Spruch!" Deshalb fordern wir in aller Schlichtheit aber auch mit aller Bestimmtheit weg mit der unsinnigen unvernünftigen bisherigen Auffassung, daß das Weintrinken Luxus ist..... Nur 1 Liter Weinverbrauch pro Kopf der Bevölkerung Im Jahr mehr, behebt alle Not des Winzerstandes." Der Treuhänder der Arbeit vom Bezirk Rheinland könnte seine Statistik über den möglichen Mehrverbrauch von I Liter Wein pro Kopf und Jahr des deutschen Arbeiters unschwer ergänzen, wenn er sie auch auf den seit dem Januar 1933 eingetretenen durchschnittlichen Lohnabbau pro Kopf und Jahr des deuN sehen Arbeiters ausdehnen wollte. Er würda dann finden, daß nicht marxistische Gleichmacherei, sondern kapitalistische Vcrclendungs- politik dazu geführt hat, nicht nur den Wein sondern auch noch viel edlere Kulturgüter für den deutschen Arbeiter zum unerreichbaren Luxus zu machen. Ende der»Vossischen Zellung« Von 1704 bis zum Dritten Reich. Die»Vossische Zeitung«, auf der zwar nicht der Profit, aber der politisch-kulturelle Ruf der Firma Ullstein in früheren Jahren beruhte, hat ihren sämtlichen Redakteuren zum 1. April ge* kündigt. Eine besondere Note hat die»Vossische Zeitung« seit einem Jahr nicht mehr gehabt, sie hob sich durch nichts aus dem eintönig grauen Meer der gleichgeschalteten Presse heraus. Die»Vossische Zeitung« 1$' im Jahre 1704 gegründet worden. Eine Ober zwei Jahrhunderte sich erstreckende Tradition ging in der braunen Barbarei unter. gehoben vor den anderen ist Herr Krupp von Bohlen und Halbach als Führer der Gruppe I(Bergbau, Eisen und Metallgewinnung) und zugleich als Führer der sieben ersten industriellen Hauptgruppen, Mit anderen Worten, Herr Krupp bleibt mit vermehrten Machtbefugnissen dasselbe, was er als Präsident des Refchs- verbandes der Industrie gewesen ist. Föhrer der 2. Gruppe(Maschinenbau,, Elektrotechnik usw.) wird Herr B I o h m. einer der berüchtigsten Scharfmacher, der als früherer deutschnationaler Abgeordneter sich als skrupellosester kapitalistischer Klopffechter erwiesen hat; als dritten Führer finden wir Herrn Albert V o e g 1 e r von den Vereinigten Stahlwerken und so geht es weiter. Denn, so sagt Herr Schmitt es war„mein Bestreben, nur Führer herauszustellen, die im praktischen wirtschaftlichen Leben stehen, Männer, die von dem Vertrauen der Wirtschaft des Staates und der nationalsozialistischen Bewegung getragen sind." Wer kann leugnen, daß dieses Bestreben restlos erfüllt worden ist? Das Bild sieht nun freilich ganz anders aus als jenes, das Adolf Hitler in Unterhaching malte. Das wir Phantasie, hier ist die Wirklichkeit: Unten, ganz unten, die„Arbeiter der Stirn und Faust", Sonntags im anbefohlenen Festgewand. aller Rechte, aller Selbstbestimmung. jeder Mitwirkung am eigenen Schicksal beraubt hineingesperrt in eine Zwangsorganisation, die diesen Namen in jedem Sinne verdient, da sie den Zwang des totalen Staates gegen jede selbständige Regung der Arbeiterschaft bedeutet- Dann der„N ä h r s t a n d". der einer immer weiter sich ausdehnenden Zwangswirtschaft unterworfen wird: die von oben geregelt wird, deren Objekt er ist, an deren Gestaltung er nicht mitzuwirken hat- Dann Handwerk und Kleinhandel, die man durch zünftlerische Einschränkungen aller Art vor der gegenseitigen und der großkapitalistischen Konkurrenz zu schützen sucht. Ganz oben aber die kapitalistischen Unternehmer. Nutznießer und Herren der ungeheuren Macht des totalen Staates, unumschränkte Führer der Wirtschaft Herren in ihren Orgamsationen und Herren in ihren Betrieben, die wahren Gewinner der nationalsozialistischen Revolution! Dr. Richard Kern. Kommen die Habsburger? Monarchien ohne Monarchen— Welikriegsgefahr Wien, 20. März. Seit der blutigen Niederwerfung der österreichischen Sozialdemokratie hat die Agitation und, was weit wichtiger ist, das Wpiomatenspiel hinter den Kulissen um �•e Rückkehr der Habsburger bedrohliche f ormen angenommen. Die Gleichschal- tung Oesterreichs mit Ungarn, die in Rom vorgenommen wurde, ergab automatisch die monarchistische Linie. Hine Habsburgerrestauration ist mehr als eine staatsrechtliche Frage; rein innenpolitisch gesehen dürfte man sie sehr kühl als eine uninteressante Angelegenheit betrachten, gewissermaßen als das Ornament. das noch fehlt, damit die Dreiheit -Gott, Kaiser, Vaterland", in deren Namen die Arbeiterbewegung umgebracht wurde, vvieder komplett sei. Innenpolitisch könn- , ten die Habsburger nichts Schlimmeres mehr dem österreichischen Volke antun, ist das eine Finte, der überhaupt keine Bedeutung zukommt. Ernsthafter ist der Versuch, die Restauration der Habsburger als den festesten Schutzwall gegen Hitler und den Anschluß darzustellen, eine Argumentation, mit der man hauptsächlich in Frankreich zugunsten des Legitimismus Eindruck zu machen hofft. In Wirklichkeit ist auch dieses Argument falsch. Die Konzeption der Monarchisten ist eine andere. Sie geht unter anderem aus zahlreichen Reden des F e y, in denen er um die Liebe und Mitarbeit der Nazi warb, klar hervor: daß Oesterreich und Ungarn nicht imstande sind, allein den status quo von 1914 wieder herzustellen ist selbst den österreichischen Monarchisten klar. Die habsbur- gische Aktion muß also von vornherein mit Hilfe rechnen. Die erste gegebene Hilfe wäre die Italiens. Sie wäre vor- als ihm Fey und Do I lf u ß schon getan 7;'iege"d fegfn Südsl™ einzusetzen. „i.*i..... i_ j--_____ Damit rechnet man nicht nur in Oesterreich, sondern auch in Italien. Das italie- hal. Rechtloser als das Individuum heute in Oesterreich schon ist, kann es nicht mehr werden, und ob nun die Arbeiterbewegung und das Arbeitsrecht im Namen des Habsburgerkaisers oder im Namen eines ebensowenig legitimierten Diktators erledigt wird, das ist gleichgültig. Eine Habsburgerrestauration ist aber kar keine österreichische, sondern eine europäische Frage. Sie muß mit Naturnotwendigkeit die neue mitteleuropäische Ordnung auflösen. Eine Revision von Saint Germain und Trianon muß mit der Vorherrschaft der Habsburger im Donau- raum enden. Die Hab�burgerfrage ist demnach der Explosivstoff in Europa. Das nische Aufmarschgebiet wäre Kärnten. Die italienischen Straßen- und Bahnbauten der letzten Jahre zeigen, wie emsthaft man sich in Rom mit diesem Aufmarschgebiet befaßt, und schließlich: daß Italien in Klagenfurt und in Villach, das eine Bahnstnnde von Klagenfurt entfernt ist, je einen Konsul sitzen hat, das ist bezeichnend genug. Ein italienisch-südslawischer Konflikt oder ein ungarisch-südslawischer Konflikt kann nicht lokalisiert werden; die Kleine Entente muß eingreifen; die fst der Grund, warum die Aufrollung der! neue, mittelgroße Entente, Italien, Oester- Wabsburgerfrage durch das reaktionäre 1 reich, Ungarn, muß also noch einen Bun- Oesterreich die Staatsmänner der kleinen' desgenossen haben. Dieser Bundesge- Kntente dazu bewogen hat, vor der Re- nosse ist das braune Deutsch- sktivierung der Monarchie in Oesterreich 1 a n d. zu warnen. Die monarchistischen Kreise in Oester- Die Bemühungen der österreichischen Regierung gehen seit März 1933, durch foich erklären daher immer wieder, daß keine Demonstration und keinen Böller- ihrem Legitismus jede imperialistische Ab- j schuß gestört, dahin, die braune Reaktion sieht fern liege, daß sie ihn lediglich dazu zu bringen, die weiß-grüne anzuer- 'ür Oesterreich und nicht für die Nach- kennen. Bisher ist dieser Bemühung ein folgestaaten verwirklichen wollten. Das Erfolg versagt geblieben. Aber dieser Er- ist eine für den Tag geschaffene Ausflucht.| folg liegt durchaus im Bereich naher Mög- Sie ist genau so ernst zu nehmen wie eine lichkeiten, zumal die Chancen des Nazi- Rriedensrede Hitlers. Ein Kaiser über das tums in Oesterreich stark gesunken sind, Weine Oesterreich mit seinen sechsein- 1 denn der Oesterreicher, der reaktionär ist, halb Millionen Einwohnern wäre nichts als; sieht täglich, daß Dollfuß ohnehin dasselbe eine groteske Angelegenheit, wenn er s:ch macht wie Hitler. Wenn die Bemühungen der Fey und Dollfuß um Hitlers Gunst Erfolg haben, dann kann der Versuch, die alte österreichische Monarchie zu rekti- vieren, beginnen, denn dann ist die Tschechoslowakei eingekreist, dann ist die Ge- tatsächlich auf die Grenzen von Saint Germain beschränken wollte. Er kann das aber gar nicht. Durch seine Existenz allein wird der Kaiser von Oesterreich zur ständigen Drohung für die Nachfolgestaaten ünd zur natürlichen Stütze für jede reak- üonäre Gruppe oder Bewegung innerhalb der einzelnen Nachfolgestaaten. Ehe die monarchistische Bewegung in Gesterreich zum politischen Faktor wurde, das heißt, solange die österreichische Sozialdemokratie Volksrecht und Verfassung schützen und zu stützen imstande war, sie den ihr innewohnenden natürlichen ühperialismus auch begriffen. Es gab keine Monarchistische Versammlung, in der nicht von der geographischen Ausdehnung des Wten Reichs, die wieder herzustellen sei, die Rede war. Die einzigen drei monarchistischen Führer von Bedeutung: wiesner, Zeßner-Spitzen- h e r g und Polzer-Hoditz haben, ehe sie dank Dollfuß-Fey politische Fak- ioren wurden, niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß sie Großösterrei- cher seien. Die christlichsoziale Presse. jMf die die Monarchisten immer Einfluß hatten, hat ebenfalls immer von der guten alten Zeit GroB-Oe«terreichs �sprachen und ihre Berichte aus denl Nachfolgestaaten waren durchaus in die- Sinn. Am bezeichnendsten sind die [Jüheren Versuche des christlichsozialen Hauptorgans, der„Reichspost", den Kon- ''ktstoff zwischen Kroaten und Serben in Monarchistischem Sinn auszubeuten. Einer d®!" wenigen Monarchisten in Sfldslawien, d®!" ehemalige altösterreichische General , a r k o t i d, war ständiger Mitarbeiter d®r„Reichspost". Wenn also heute von Monarchisten, namentlich von Wiesner, Ersucht wird, die Auswirkungen des Jjsterreichischen Monarchismus als auf Oesterreich allein beschränkt hinzustellen, fahr da, von der einmal Palckf gesprochen hat, daß die Tschechen Im deutschen Meer ertrinken. Man unterschätze die Bemühungen um eine Versöhnung Nazi- Helmwehr nicht. Hier liegt einer der gefährlichsten Punkte hn außenpolitischen System unserer Tage; denn von da aus kann der neue europäische Krieg begin nen, dessen Furchtbarkeiten wir nicht erst ausmalen müssen. Es ist ein sehr gefährliches Spiel, das in Oesterreich getrieben wird und es muß daher jetzt schon die Verantwortlichkeit der Fey und Dollfuß festgestellt werden, auch wenn die Herren, mit aller Bauern Schlauheit, zunächst einmal von den Habs- burgern eine Zeitlang gar nicht sprechen werden. Das ist nämlich die wichtigste Seite des Problems: während die Staatsmänner Europas vor der Restauration der Habs burger in Oesterreich warnen, ist_ diese Restauration im Wesen schon vollzogen. Ob in Ungarn ein Horthy oder ein Habs� burger auf dem Thron in der Burg von Ofen sitzt, ist ganz gleichgültig; wesentlich ist, daß in Budapest habsburgische Politik gemacht wird. Ob in Wien im Ballhauspalais ein Minister des Aeußeren und des kaiserlichen und königlichen Hauses sitzt oder ein Bundeskanzler, das ist ganz und gar gleichgültig. Wesentlich ist es, daß in Wien habsburgische Politik gemacht wird; wesentlich, daß nun in Budapest und in Wien in gleicher Richtung gearbeitet wird. Ob irgend ein Otto als Ornament auf irgend einem Thronsesselchen sitzt, ist egal; auch die Monarchisten überschätzen die politische Potenz ihres Ornamentes nicht. Eine schlaue monarchistische Politik wird nie daran denken, ihr Ornament in ein Oesterreich zurückzubringen, das noch nicht zu Ende restauriert ist; eine zielbewußte habsburgische Politik wird erst das Reich errichten und dann den Kaiser holen, um ihn mit allem Pomp, der nun einmal dazu gehört, in seiner Reichshaupt- und Residenzstadt einziehen zu lassen. Man begehe ja nicht den Fehler, die heutigen Machthaber in Wien zu unterschätzen. Verantwortungslose von solchem Kaliber sind zu allem bereit. Erst der bewußte Wille zur habs- burgischen Restauration gibt den Febnrarereignissen in Oesterreich einen politischen Sinn. Dieser politische Sinn führt in den zweiten europäischen Krieg. Von seinem Ausgang wird es abhängen, ob die Habsburger ihre Chance zu realisieren vermögen. Nazibiseliof unter Betrugsanklage Kirdien- und Jusiizskandal In Brannsdiweig Die Bioral eines„Deutschen Christen'* Vor der großen Strafkammer des Landesgerichtes in Braunschwelg wurde ein Betrugsprozeß gegen den nationalsozialistischen Lan- desbischof Bcye und den Klempner Kley durchgeführt. Bischof Beye war angeklagt, den Klempner Kley dazu verleitet zu haben, private Reparaturverrechnungen für sich zu fälschen und dem Kirchenvorstand zur Bezahlung vorzulegen. Weiter warf Ihm die Anklage vor, In der Kirche gesammelte Kolleklegelder für die Armen nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht zu haben. Landesbischoi Beye wurde nach zweitägiger Verhandlung wegen Mangels an Beweisen freigesprochen, während sein Mitangeklagter, der Klempner Kley wegen Beihilfe zu den Beye- schen Straftaten mit 50 Mark Geldstrafe he- straft wurde. Dazu schreibt uns unser Sonderberichterstatter: Als das Machtstreben der NSDAP nach dem Siege Hitlers In die Forderung nach absoluter Totalität ausmündete, wurde bekanntlich auch die deutsche evangelische Kirche gleichgeschaltet, Die NSDAP setzte in allen Landeskirchen Landesbischöfe aus den Reihen der sogenannten„Deutschen Christen" ein, um die Kirchengemeinden restlos unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Im Lande Braunschweig war, seit dem Jahre 1930 der Junge Pastor Beye tätig, der es damals schon mit seinen Seelsorgerpflichten vereinbaren konnte, aktives Mitglied der SA zu sein und sich an Ranfbändein aller Art zu beteiligen. Je mehr die Nazis in Deutschland vorangingen, desto frecher wurde der lugcndliche Pastor, der in dem kleinen Landorte Wenzen Dienst tat. Er begann, von der Kanzel ganz offen das Evangelium des Hasses zu predigen. Bald bekleidete er hohe Aemter In der Nazipartei. Eine seiner berüchtlgsten Predigten aus der Zeit des Hitlerschen Sieges gipfelte in dem Satz:„Wer sich nicht zu unseren christlichen und deutschen Idealen bekennen will, den werden die Fäuste der SA bekehren! Vor wenigen Wochen erst wurde dieser talentvolle junge Mann vom Reichsbischof Müller zum brauuscbweiglscben Landesbischof ernannt und mit feierlichem Pomp in sein Amt eingeführt Er war damit der jüngste Landesbischof Deutschlands, denn er zählte bei seiner Berufung In diese hohe Wordenstelle knapp 30 Lenze. Nun stand aber von Anfang an eine starke Opposition gegen ihn. Schon in der ersten Pastorenversanmilung, die Beye als Landesbischof abhielt, verließen fünfzig von einhundertfönfzig Pastoren unter Protest den Saal, als ihr neues Oberhaupt zu reden begann. Inzwischen sickerten in Wenzen, der früheren Dienststelle des nunmehrigen Bischofs, [Tatsachen durch, die sich schließlich zu einer Anklage verdichteten. Man redete ganz offen davon, daß Beye Rechnungen gefälscht und von der Kirche bezahlen lassen habe, daß er Kollektegelder für die Armen in seine eigene Tasche gesteckt habe usw. Der neugebackene Landesbischof sveM« Jese Gerflehte mit Brntailtat zu unterdrücken. Die Kirch edbehörden versuchten, die Angelegenheft zu vertuschen. Da aber eine Reihe anparteiischer Bürger die Schweinerei nicht decken wollten, sah sich die Staatsanwaltschaft schließlich gezwungen, einzugreifen. Der Eingriff geschah auf diese Weise, daß der Oberstaatsanwalt persönlich in die Wohnung des Jugendlichen Landesbischofs ging, um ihn zu vernehmen. Beye leugnete bei dieser Vernehmung alles ab. Als daraufhin der Oberstaatsanwalt sich bemühte, einen anderen Zeugen, der Beye belasten konnte, zu vernehmen, drang plötzlich eine von Beye gegründete„kirchliche Kamplstaffel" in das Vernehmungslokal ein, versuchte, den Oberstaatsanwalt an der Vernehmung zu hindern und ihn unter Druck zu setzen. Dabei wurden die Angehörigen der Kampfstaiiel gegen den Oberstaatsanwalt tätlich. Sie versuchten, ihn mit den Worten:„Hier bestimmen wir! Ob der da vernimmt oder nicht, ist ganz egal!" auf die Seite zu schieben. Der Führer dieser Kirchenkampfstaffel sagte später vor der Kriminalpolizei aus, daß alle Aktionen der Kirchenkampfstaffel vorher mit dem Landesbischof besprochen waren und seine Billigung gefunden hatten. Nachdem der Oberstaatsanwalt seine Ermittlungen abgeschlossen hatte, sah er ganz klar, daß der Landesbischof als Betrüger verurteilt werden müsse. Darum setzte er sich auf den Zug und fuhr zum Reichsbischof Müller, dem er den ganzen Sachverhalt vortrug. Daraufhin mußte Beye, fünf Minuten vor Toresschluß, d. h. vor Terminsbeginn sein Amt als Landesbischof niederlegen. Vorher war die Kirchenregierung schon aufgeflogen. Eine Reihe nationalsozialistischer Staatsräte hatten ihre Aemter zur Verfügung gestellt, weil ihnen ihr oberster Seelenhirt zn anrüchig war. Nunmehr ließ auch der aus den Braunschweiger Mordaffären an Gewerkschaftsbe- amten bekanntgewordene jugendliche Nazi- iustizmhiister A 1 p e r s seinen Landsknechtskameraden Beye fallen. Damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach zweitägiger schwerer Gerichtsverhandlung wurde auf das oben zitierte Urteil erkannt. In der Urteilsbegründung heißt es; „Was die Straftat betrifft, so stellt das Gericht fest, daß Beye die Armengelder trotz mehrfacher Mahnung bis jetzt nicht ab»eiührt bat. Es läßt sich nicht verhehlen, daß hinsichtlich dieser Gelder ein gewisser Verdacht besteht, daß Beye diese für sich verbraucht hat Zu seinen Gunsten muß seine neue Behauptung, daß die Gelder noch vorhanden seien, berück- sichtigt werden, so- daß er auf Grund dieser Behauptung wegen Mangel an Beweis cn freizusprechen ist(!!!) In dem zweiten Falle Hegt eine erhebliche Zahl von Verdachtsmomenten vor. Als ihm die Unrichtigkeit der Rechnung nachgewiesen wurde, hat er selbst zugegeben, daß das Ergebnis für ihn erdrückend und belastend wäre. Belastend wäre auch für ihn, daß er als Landesbischof den Vikar Elster so schnell aus Wenzen entfernt habe, weil er anscheinend befürchtete, daß dieser seine Kenntnis über die Angelegenheit an den Mann bringen werde." Diese Urteilsbegründung, die den Nazibischof hundertprozentig verurteilt, obwohl ihn das Urteil selbst freispricht, ist ein klassisches Beispiel neudeutscher Rechtspflege, das seine besondere Note dadurch erhält,. daß der Haupttäter wegen Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, während der Mittäter wegen„Beihilfe"(!) verurteilt wurde. Nach Schluß der Verhandlung gab der Vorsitzende des Gerichtes, der durch seine Bluturteile gegen ehrliche Arbeiter bekannte Nazi- riebter Lachmund, eine Erklärung ab. in der er sein Bedauern darüber ausspricht, daß die Verhandlung überhaupt stattfinden mußte! Die Nationalsozialisten versuchen diesen peinlichen Skandal damit abzuschwächen, daß sie sagen, es würde bei Korruptionsfällen auch nicht vor höchsten Würdenträgern Halt gemacht Dazu ist folgendes zu bemerken: Der Fall Beye ist ein„Fall", der in der Oeffentiichkeit eine Rolle spielt seit August 19 3 3. Der Mann Beye aber wurde von seinen Parteifreunden zum Landesbischof gemacht im Januar 19341 Die Geslnnungsfärberei Im„Fränkischen Kurier" bietet ein konjunkturtüchtiger Zeitgenosse seine Dienste an: Umfärben von Stahlhelm-Uniformen preiswert und erstklassig bei Färberei Arnold, Wäscherei Scholl." Die letzten Hugenbergianer werden in die braune Mohrenwäsche gegeben! Wenn sie von Arnold und. Scholl zurückkommen, haben sie das„Heil Hitler" aus dem ff gelernt Parole: Umlernen und umfärben! Volk ohne Recht! n" ,v,:• jj_,-'• Ermäditigungsgesetz Nr. 2— Die Nollendung der Despotie Ein bekannter Jurist schreibt uns: Immer deutlicher stellt sich heraus, daß die Volksabstimmung: und Reichstagswahl vom 12. November 1933 von den Nationalsozialisten nicht nur aus außenpolitischen, sondern auch aus innerpolitischen Gründen gemacht worden sind. Die derzeitigen Machthaber erhielten dadurch Gelegenheit, sich auch von den letzten rechtlichen Schranken zu befreien, die ihrer Alleinherrschaft im Staate noch entgegenstanden. Dazu kam die Möglichkeit, den offensichtlich verfassungswidrigen Zustand zu beseitigen, der durch die willkürliche Totalitätsstaat ebenso unwahrscheinlich wie der, daß eine faschistische Regierung freiwillig auf Machtbefugnisse verzichtet. Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 enthielt für die Reichsregierung noch weitere Beschränkungen. Die Weimarer Verfassung blieb formell in Kraft, die Reichsregierung konnte nur verfassungsändernde Gesetze erlassen, Sodann mußte der Reichstag„als solcher" erhalten bleiben und die Rechte des Reichspräsidenten konnten nicht ohne seine Zustimmung geschmälert werden. Von all dem ist im neuen Ermächtigungsgesetz keine Rede mehr. Die Verfassung von Weimar ist zwar durch Urkunden beruhigen. Aber er gleicht dem Juden, der auf der Eisenbahnfahrt seine Füße in ein Schaff Wasser steckt, weil ihm am Sabbath nur die Seefahrt erlaubt ist Wenn der Tag des Gerichts kommt, wird die heuchlerische Scheinlegalität ebenso wie die offene Gewalttat behandelt werden. Nur wird die Ermächtigung dazu auf der Zustimmung von Millionen befreiter Staatsbürger und nicht auf der Hinterbasis einiger hundert Günstlinge beruhen, die man zu blinden Werkzeugen der herrschenden Gewalt gerade für gut genug hält. Belogen und betrogen! Bauern verprügeln SA und Polizei. In Düren hn Rheinlami wehrten sich vergangene Woche die Bauern gegen die neue Verfügung, die ihnen untersagt die Milch direkt an den Kunden zu liefern. Früher bekamen die Bauern bei direkter Lieferung an den Konsumenten pro Liter 22 Pfg., während sie heute nur noch 12 Pfg. erhalten. Der Zwischen- Einziehung der Abgeordnetensitze aller: praktisch längst tot, aber erst im Gesetz Nichtnationalsozialisten entstanden war.| über den Neuaufbau des Reichs wird auch Durch die Abänderung des Wahlrechts rechtlich der Schlußstrich darunter gezo- nach italienischem Muster konnte mai� gen durch die Ermächtigung an die Reichs- einen rein nationalsozialistischen Reichs- regierung,„neues Verfassungsrecht" zu: gevvinn von 10 Pfennigen kommt weder den tag zusammenwählen lassen. Er wurde setzen. In der Ausgestaltung einer neuen Konsumenten noch den Bauern zu- von der Hitlerregierung als Mittel zur j Verfassung hat sie freie Hand. Sie kann gute, sondern geht an den von den National- äußerlichen Verkleisterung eines Verfas- die verfassungsrechtlichen Zustände bei i Sozialisten eingesetzten Händler sungsbruches ausersehen, wie er heuch-; den alten Germanen, wie sie Cäsar und in dieser Versammlung unterbrachen die lerischer, frecher und schamloser jemals, Tacitus schildern, ebenso einführen, wie Bauern den nationalsozialstischen Referenten begangen worden ist.(etwa das„Verfassungsrecht" eines Kaf- Die Befugnis der Hitlerregierung zu fernkrals. Der Reichspräsident muß es Verfassungsänderungen ging bis vor kur- sich gefallen lassen, daß ihm der Ober- zem auf das Ermächtigungsgesetz vom befehl über die Reichswehr entzogen wird. 23. März 1933 zurück. Dieses verfassungs- Alles Recht ist fließend geworden, an die ändernde Gesetz war allerdings auch nur Stelle eines Restes von Satzung und Ge- durch Verfassungsverletzung zustande ge- setz ist das politische Ermessen getreten, kommen. Um die erforderliche Zweidrit-: das höchstens durch Rücksichten aut telmehrheit im Reichstag zu erhalten, hatte j Machtverhältnisse, Personen oder Grup- die Regierung zunächst die am 5. MärZiPen gehemmt wird. 1933 gewählten kommunistischen Abge-! Hitier, Göring. Röhm, können nunmehr auch nach dem Buchstaben des Gesetzes tun, was sie wollen. Was daraus werden soll, steht dahin, nur eines steht fest: die unumschränkte Macht ,, j j- D• i, w n 1 der Gewalthaber, mit dem deutschen Volk das Zentrum und die Bayrische Volkspar-, nach Belieben zu ven.ahreni zhur Zustimmung durch Versprechun- Das aIte Ermäclltigungs?esetz vom 23. Ke�be�en' � März 1933 ist formell nicht aufgehoben,! sondern nur stillschweigend außer Kraft gesetzt. Das kann nur den Zweck verordneten gewaltsam an der Ausübung Ihrer Mandate gehindert und die bei der Beschlußfassung über das Gesetz als Reichstagsmitglieder nicht mitzählen lassen. Von dem Rumpfreichstag wurden\ nalsozialisten, ihrer ursprünglichen Ab sieht entsprechend, nicht eingehalten worden»ind. Welche staatsrechtliche Bedeutung diesem an den katholischen Parteien begangenen Betrüge zukommt, kann offen bleiben. Allein die Ausschaltung der rechtsgültig gewählten Kommunisten aus dem Reichstag machte das Ermächtigungsgesetz vom 28. März 1933 nichtig. Sicherlich ist dieser der Hitlerregierung sehr wohl bekannte Umstand nicht der Grund dafür gewesen, daß man nunmehr den Versuch unternommen hat, vom Ermächtigungsgesetz loszukommen. Im Gegenteil, man hat dieses Gesetz als lästige Fessel empfunden und deshalb beseitigt. Das geschah, von der Oeffentlichkeit in der staatsrechtlichen Weise nicht voll erfaßt, durch das am 30. Januar 1934 erlassene Gesetz über den Neuaufbau des Reiches. Dieses vom neugewählten Reichstag beschlossene Gesetz beschäftigt sich scheinbar nur mit dem, was sein Name besagt. Die Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben, die bisherigen Hoheitsrechte der Länder auf das Reich übertragen, die Länderregierungen der Reichsregierung unterstellt. Die erste Durchführungsverordnung vom 2. Februar 1934 geht über diesen Rahmen nicht hinaus. Sie überläßt die auf das Reich übergegangenen Hoheitsrechte den Ländern zur Ausübung im Auftrag und. Namen des Reichs, bindet Landesgesetze an die Zustimmung des zuständigen Reichsministers und stellt klar, daß die obersten Landesbehörden innerhalb ihres Aufgabenbereichs den Anordnungen des zuständigen Reichsministers Folge zu leisten haben. Alle diese Vorschriften bezwecken nur die Errichtung des Einheitsstaates. Ganz unvermittelt findet sich dann die Bestimmung des Artikels 4 des Gesetzes über den Neuaufbau des Reichs „Die Reichsregierung kann neues Verfassungsrecht setzen." Das ist nichts anderes als ein neues Ermächtigungsgesetz in einem in der Verfassungsgeschichte beispiellos dastehenden Ausmaß. Im Gegensatz zum Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933, das auf vier Jahre befristet war, ist die Zeit seiner Geltung unbegrenzt. Es bleibt also solange in Kraft, bis es einmal von einem Reichstag aufgehoben oder durch Gewalt beseitigt wird. Der erste Fall ist im folgen, beteiligte Kreise über die Tragweite des neuen Ermächtigungsgesetzes zu täuschen. Zu gegebener Zeit wird die Naziregierung nicht zögern, die neue Blankovollmacht vorzuweisen. Sie hat es auch für notwendig befunden, dem neuen Gesetz eine Art Begründung vorauszuschicken, die eine Art Entschuldigung für die Beseitigung der Länderhoheit darstellt. Man muß sich wundern, daß die Herren Deutschlands noch soviel Gewicht auf Geschriebenes, auf„Fetzen" Papier zu legen scheinen und sich die Macht zur Willkür, die sie tatsächlich besitzen, noch besonders verbriefen lassen. Offenbar will der Kleinbürger Hitler, der in Leipzig einmal geschworen hat, legal an die Macht zu kommen, sein Gewissen DAS rARISER TAGEBLATT Chefredakteur: GEORG BEHNHAKu bringt unter anderem ragalmässig BERIWEH BRIEF mit unerhört interessantem Tatsachen-Material, trotz Zensur und Diktatur AaossBrungen fütirenöer Politiker aller L&nder zu den europäischen Problemen Beitrage heroorragenitep metiter und fieletirler speziell der aus Deutschland Verbannten Demnächst Interessantes Prels-Ausschrelben: 14 JAHRE REPUBLIK Grosse Umfrage bei Gelehrten, Publizisten, Staatsmrnnern; //Die Zukunft der Weif' Neuer bocbaktueUer Roman von BALD ER OLDEN; ROMAN EINES NAZI Bndlich die verschiedenen Sonder-Geblete Die moderne Frau— Reise and Verkehr— Sport— Technik n. Wirtschaft Proben umern gratis- Bestelungen beim PARISER TAGEBLATT" PARIS(SO, 51, Bue Turblgo durch stürmische Zwischenrufe:„Ihr habt uns belogen und betrogen." Der Referent erklärte darauf provokatorisch, daß die nationalsozialistischen Maßnahmen durchgeführt werden würden, auch wenn die Häifite der Bauern auf der Strecke bliebe! Lieber diese Provokation empörten sich die Bauern sehr, daß es zu Tumulten kam. Die Polizei griff ein, wurde jedoch aus dem Saale getrieben. Daraufhin wurden zur Verstärkung der Polizei SA. und SS. alarmiert, aber die empörten Bauern prügel ten die SA- und SS.-Leute aus dem Saale hinaus. Der Führer der Opponenten, die über Polizei, SA. und SS. siegten, war ein Sturmbannführer der SA! Der„Westdeutsche Beobachter" berichtet über diese Versammlung:„Die Versammlung ist harmonisch verlaufen." Kein Kredit für Erbhöle! Das Erbhofgesetz und die agrarpolitischen Eingriffe des Dritten Reiches rufen immer stärkeren Widerstand bei den Bauern hervor. Die Begleiterscheimmgen des Erbhotgesetzes werden den Betroffenen immer fühlbarer. Da Erbhöie nicht beliehen werden dürfen, erhalten die Besitzer keinerlei Kredit mehr. So wird uns aus der Ptalz mitgeteilt, daß bei Holzversteigerungen sogar die Staatsforstverwaltung keinem Erbhofbesitzer mehr auf Kredit verkauft Jeder andere Bauer erhält auch jetzt noch Kredit auf Bürgschaft. Beim Beginn der Holzversteigerung wurde sofort verkündet, daß Erbhofbesrtzer sofort bar bezahlen müssen. Ein Brbhofbesitzer erkundigte sich bei einem maßgebenden Beamten, was er gegen diese Kreditsperre unternehmen könne. Der Beamte zuckte mit den Achseln und erklärte:„Ich würde einem Erbhofbesitzer noch nicht einen Hufna ge! Kredit gewähre n." Die Stimmung unter den Erbhofbauem wird deshalb dem Regime immer feindseliger. Unfreiwillige Geständn isse „Babylonische Sprachenverwirrung." aus der Oede der reichsdeutschen Presse, die sich in Lobhudeleien und Schönfärbereien überschlägt brechen mitunter Klagen und Geständnisse hervor, die grelle Schlaglichter aul die wirklichen Zustände werfen. So klagt der Nationalsozialist Dr. Hunfce, M. d. R. in Nr. 6 der Wochenschrift„Die deutsche Volkswirtschaft" über die„babylonische Sprachenverwirrung", die bei der Anwendung der Begriffe„nationalsozialistisch" und„gemeinnützig" herrscht; „Was ist heute nicht alles Marxismus und Liberalismus! Was endlich nicht alles Nationalsozialismus! Man hat gehört daß die Nationalsozialisten die Privatinitiative fördern und die Leistung schützen wollen. Sofort ist Jede Forderung nach Verstaatlichung — Marxismus. Die Devise„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" ist zum Vorwand für jede wirtschaftliche Handlungsweise geworden. Man versteht darunter, was man darunter verstehen möchte. Wenn eine jüdische Handlung bestraft werden muß, dann beruft man sich im Interesse der Angestellten zwecks Erhaltung des Betriebes auf den Gemeinnutz. Wenn eine Fabrik, die nie lebensfähig war, wieder eröffnet werden soll, dann geschieht es im Namen des Gemeinnutzes- In seinem Namen werden die Preise erhöht und Preise unterboten. Keiner sagt, daß er es aus egoistischen Motiven tut." Herr Hunke ist natürlich von„egoistischen Motiven" weit entfernt. Er klagt nur darüber, daß viele meinen, die NSDAP sei jetzt, nach der Eroberung des Staatsapparats, überflüssig geworden und müsse— wie es auch im Parteiprogramm heiße— nunmehr verschwinden. Dagegen wettert Herr Hunke im Namen der „alten Garde", die die Führung behalten müsse. Zwar plaudert er unvorsichtigerweise aus, daß „die alten nationalsozialistischen Kämpfer" bisher keine Zeit hatten,„auch nur nachzudenken über die wichtigsten Problem e", sie würden auch in Zukunft kaum diese Zeit besitzen, aber dennoch müßten sie in erster Linie die weltanschauliche Schulung des Volkes in die Hand nehmen, denn„über allem steht als die entscheidende Aufgabe die geistige Umkristaliisa- tion des deutschen Mensche n". Die Herren aus der„alten Garde" sind natürlich am ehesten geeignet, das Volk in die vorgeschriebene„geistige Form" hineinzupressen. Denn wenn sie auch nicht gelernt haben,„über die wichtigsten Probleme nachzudenken", so verstehen sie doch �m besten, den Knüppel zu schwingen! Betriebs-' Versammlungen Wenn es nicht schon längst bekannt gewesen wäre, so würden die faschisierten Gewerkschaftsblätter den Beweis liefern, daß innerhalb der Arbeitsfront auch jeder Rest von gewerkschaftlichem Leben aufgehört hat Den totlangweiligen Verlauf der Betriebsversammlungen mögen zwei Berichte zeigen, die wtr der letzten Nummer der„Deutschen Metallarbeiter-Zeitung" entnehmen: L Der erste Kameradscfaaftsabcnd der Betriebszelle des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes, Betriebsverwaltung Wesel. Der am 20. Januar von der Betriebszelle des RWE-, Wesel, abgehaltene Kameradschaftsabend war ein solcher im besten Sinne des Wortes. Er brachte eindeutig das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen dem Arbeiter der Stirn und der Faust unter Hintansetzung des früher Trennenden stark zum Ausdruck. Die Begriffe Kameradschaft, Volksverbundenheit und Schicksalsgemein- schait waren bei der Belegschaft des REW schon immer stark ausgeprägt, und so war es selbstverständlich, daß sie sich alle an diesem Abend fanden und sich näher kennen lernten; ein Zeichen für fruchtbringende zukünftige Gemeinschaftsarbeit und gegenseitiges soziales Verstehen. Nach einer Begrüßungsansprache des Betriebsobmannes Schott, in welcher er den Führer des Betriebes. Direktor Heinisch, und die geladenen Gäste erwähnte, gipfelten seine Ausführungen in folgende Worte: Im Betriebe Disziplin und Gehorsam. während der Freizeit Kameradschaft und das Wissen, daß wir Söhne eines Volkes und Vaterlandes sind- Anschließend sprach Werkschaftsdirektor Heinisch. II. Führer und Gefolgschaft der Firma DieneS, Vilkerath, bei gemeinsamer Feier. Zur Einweihung der vergrößerten Betriebsstätte und der neuen Kraftanlage obiget Firma hatten sich Führer und Gefolgschaft des Unternehmens zu einer Feier zusammengefunden. Der Führer, Pg. Dienes, entwik- keite in einer längeren Ansprache ein anschauliches Bild von dem Werdegang des Betriebes aus den kleinsten Anfängen heraus bis zu seiner heutigen Entwicklung. Eiserner Wille und tiefes Vertrauen zum Schöpfer überwanden alle Schwierigkeiten und führten schließlich zu einem guten Erfolg, der wiederum zu einer Erweiterung des Betriebes und zur Vermehrung der Arbeit verwertet wird. Der Betriebszellenobmann. Pg. Johann Clever, dankte im Namen der Betriebsgefolgschaft dem Führer Dienes für seine von wirklich ehrlich sozialem Denken und Empfinden getragenen Worte, für sein so segensreiches Streben zum Wohle der Gefolgschaft und der Bevölkerung von Overath-Vilkerath. Der als Gast des Abends anwesende Ortsgruppenleiter. Pg. Jakob Becker, feierte dann in bewegten Worten das Streben und Wirken des Pg. Dienes auch schon vor der Machtübernahme. Eine widerlichere Unterwerfung der Belee- schaften gegenüber den Unternehmern, afs die Organe der Arbeitsfront selbst berichten müssen, ist wohl kaum denkbar. Diese soziale Versklavung nennt sich„nationalsozialistische Charakterbildung". Emigranten, Achtung! Wegen Rückkehr ins Ausland verkaufe ich mein erstklassiges und elegant eingerichtetes. Kutgehendes Blumengeschäft. Verläßliches und ehrliches Personal kann mit übernommen werden, so daß joder diese prima Existenz ühe'- n£nmen kann. Zuschriften unter„Großstadt in CSR." an die Verwaltung dieses Blattes. Nr. 41 BEILAGE UjuecHönttorfe 25. März 1934 ## „Mies muß m Stketku gekeu Blutdurst, Roheit, Antisemitismus— deutsche Jugenderziehung Ton heute Was die erwachsenen SA-Leute tun, weiß man so ungefähr. Sie exerzieren, kommandieren, terrorisieren Mißliebige und jubilieren an allen nationalsozialistischen Fest- und Gedenktagen, deren es in Deutschland jährlich ungefähr 370 gibt. Von den jüngeren und jüngsten Jahrgängen der braunen Armee, von den H i t- Verjüngen, erfährt man zwar, daß sie vor lauter„Dienst" nicht zu den Schularbeiten kommen und daß die Mütter sich bitter über ihre Schnoddrigkeit und Roheit beklagen, aber sonst kümmert sich die Welt wenig um diese uniformierten Kinder. Sie sind ja noch klein, sie richten noch keine Menschenschlächtereien an, mißhandeln noch keine Wehrlosen(nur gelegentlich jüdische Klassenkameraden), auch sind sie noch nicht zu den ausgebildeten, kriegstüchtigen Soldaten des nationalsozialistischen Heeres zu zählen. Das alles kommt erst später. So vergißt sich's leicht, daß der Kinderdrill durchaus zur deutschen Aufrüstung gehört, vielleicht ihr gefährlichster Teil ist. Vor uns liegt ein Hitlerjugend- Liederbuch, das den Zehn- und Zwölfjährigen von ihren erwachsenen Anführern immer wieder warm empfohlen wird. Es trägt offiziellen Charakter, denn es ist im gleichen Verlage„für nationalsozialistische Volksliteratur" erschienen, in dem Hitler seine Reden veröffentlichte, in dem Biographien von Göbbels, Göring, Schirach, Frick und anderen Häuptlingen herauskamen. Was singt der Nachwuchs des Dritten Reiches? Oder zunächst einmal; was smgt er nicht? Die heiteren Volks-, Spiel- und Kinderlieder sind verschwunden. Unter den 48 Liedern des Heftes findet sich nicht ein einziges davon, nicht ein einziges, das harmlos-fröhlich wäre, nicht cin einziges, in dem nicht gemordet, geraubt, gekämpft würde. Die weitaus meisten Texte, die von den Rindern auswendig gelernt und gesungen Werden, sind unglaublich verlogen und verkitscht Und zwar gibt es dreierlei Ritsch; den blutigen, den romantischen und den sentimentalen. Am beliebtesten lst natürlich der erste; Krieg. Bürgerkrieg, Antisemitismus. So sieht das aus: Einst wird noch der Erdball erbeben, erzittern das Menschengeschlecht wenn sich die Germanen erheben zum Kampie für Freiheit und Recht... V'enn wir zum Sturme gehen, mit mutge- schwellter Brust muß alles in Scherben gehen, bei unsrer Kampfeslust... V'er will mit uns zum Kampie ziehn, wenn Hitler kommandiert? Ja, da heißt es brav marschieren, der Hitler soll uns führen. Legt an! Gebt Feuer! Und ladet schnell, weich keiner von der Stell!... Und wenn die Handgranate kracht, das Herz hn Leibe lacht. habe Lust im weiten Feld zu streiten mit dem Feind, wohl als ein tapferer Kriegsheld, der's treu und redlich meint. ••• und die Hitlerjugend marschiert Hier wird nicht gefackelt hier gibt es Dampf, und was wir wollen ist Frerheitskampt nach blutiger Melodie. Volksgemeinschaft wird auf besondere Art gepflegt; Auf dem Wedding und in Moabit in Lichtenberg und in Neukölln, da weht ein Wind, der verteufelt zieht, da hörst du im Dunkeln es gelln. da lauert der Mord und die finstre Gier... �'edding, Moabit, Lichtenberg, Neukölln Slnd Arbeiterviertel. Antisemitismus ver- stejit sich von selbst: Wer ist eure Hoffnung bei Tag und bei Nacht wer schützt euch vor Judas Scharen?... �'ele Jahre zogen dahin, geknechtet das V olk und betrogen: Verräter und Juden hatten Gewinn, sie fordern Opfer Legionen... Deutschland erwache! Juda den Tod! �0'k ans Gewehr! Nach Berlin da wollen wir hinein, der Jude soll unsre Kräfte spüren. Am Wege wilde Rosen blühn, wenn die HJ zieht nach Berün... Diese Verbindung von Blutdurst und wilden Rosen, von Gummiknüppel und Sentimentalität macht dem deutschen Volke so leicht keines nach. Die Lieder„mit Gefühl" sind überhaupt die schlimmsten. Wenn man sie liest, weht einen die ganze schamlose Verlogenheit an, die mißtönende Sentimentalität, zu der diese Jugend nebenbei erzogen wird: Als die goldne Abendsonne sandte ihren letzten Schein, zog ein Regiment von Hitler in ein kleines Städtchen ein... Und der Und der Kaufmann erzittert vor Angst und vor Weh, dem Matrosen entsinket der Mut, wenn da steigt am schwankenden Mast empor unsre Fahne so rot wie Blut. Tiralala... Hoch lebe das brausende Meer, es lebe die Seeräuberei. Ja Stich und Hieb— und ein Lieb muß ehi Landsknecht haben... Ja, dies und das — Suff und Fraß muß em Landsknecht haben. Auch viele schlecht umgedichtete Arbeiterlieder finden sich. Hier nur ein besonders bezeichnendes Beispiel:„Wann wir schreiten Seit' an Seit'..." Das sangen enftoot o. b.®er Drtije: Sofjn bc4 Cbcrinßtnicurä Cudjtcrfjonh bc> fudjte am �ienltag feinen SpicUamcralKn, ben burjehnjährigen.fScin fßicptr in heften elterlicher SSofmunq. 3er junge äuihterhanh jeigte ihn Dabei eine SRanfcrpiftalr. hie er mitgehracht hatte. 3ie ßnaben ftritten fith in fpielerifcher Slrt um Den Sefiß her BBaffe, aU fidj plößlid) 3 Sdjufte lüften, Don Denen einer Den jungen$iepcr in4 �erj traf. Stuf Dem iöegc jum Rranfenhauü ftarb Der Jtnobe. SudjtcrhanD flüchtete nach Oimmclbingen, loa er fbäter in Der Xalmühle oufgefunDen UmrDe. Sit füluttcr Dcü getöteten.ftnaben bc> finDet fich jur Seit im fironfenhouü, too pf einer(Hcburt entgegenpeht. deutsche jugeud heute Bild und Text sind der„Frank. Tageszeitung- vom 1. März entnommen. Wir fügen noch folgende Meldungen der schlesischen Presse, die gleichfalls alle aus dem März stammen, hinzu: Der neunjährige Schüler Sparmann aus Gogischdorf, der sich beim Hantleren mit dem Revolver seines Vaters eine Kugel durch die Brust gejagt hatte, ist Im Gloggauer Stadt. krankenbaus seinen Verletzungen erlegen. Dem sechsjährigen Sohn des Landwirts Alfred Hentschel in Görlitz geriet der geladene Revolver des bei Hentschel in Dienst stehenden Knechtes In die Hand. Ein Schuß löste sich und traf sein vierjähriges Schwesterchen In den OberscbcnkeL Am Montag gegen 16.30 Uhr erschoß sich In der elterlichen Wohnung In Ober-Walden- burg ein sieben Jahre alter Knabe beim Spielen mit einer 6-MiIllraeter-PistoIe. Mutter in der Ferne sandten sie den letzten Gruß, daß ihr Sohn mit Stolz gefallen, durch das Herz ging ihm der Schuß.. Es zog ein Hitlerman hinaus, er ließ sein Mütterlein zu Haus. Und als die Trennungsstunde kam, er traurig von ihr Abschied nahm. Sie aber leise zu ihm spricht:„HHlergardist, tu deine Pflicht!" Sich in romantischen Träumen zu wiegen, ist das Vorrecht jeder Jugend. Interessant ist nur, welche Art„Romantik" sich die Hitlerjugend aussucht. Kriegs-, Lands. Knechts- und allenfalls noch Seeräuberromantik. Damit ist das Repertoire erschöpft Voran der Trommelbubc, er schlägt die Trommel gut, der Knab' weiß nichts von Liebe, weiß nicht wie Scheiden tut Trum trum. Er trommelte schon manchen in Blut und in sein Grab, und dennoch liebt ein jeder den frohen Trom- melknab, Trum trum. rote Falken und Jungsozialisten auf ihren Wanderfahrten, in ihren Zeltlagern. Seither hat sich das Lied blutig gewandelt Die sozialistische Jugend sang;„Birken- grün und Saatengrün, wie mit bittender Gebärde, daß der Mensch ihr Eigen werde, hält die alte Mutter Erde ihm die vollen Hände hin..." Die Hitler-Jugend singt: Unsere Herzen sind aus Stahl, unser Wille ist aus Eisen, wo es gilt den Mann zu weisen, wie die rost'gen Klingen gleißen bei dem ersten Morgenstrahl. Die sozialistische Jugend sang zum Schluß: „Mit uns zieht die neue Zeit." Die Hitlerjugend singt:„Mit uns zieht das Dritte Reich", denn daß es keine neue Zeit ist die da zieht, spüren wohl sogar die braunen Versschmiede! In dem schmalen Liederheft sind alle Bestandteile beisammen, aus denen die Erzieher„im nationalen Geiste" ihre Landsknechte brauen: Blutdurst Roheit, billige Sentimentalität Antisemitismus, Die kleinen Jungen werden heranwachsen und werden ihren Traum von der krachenden Handgranate, die das Herz im Leibe lachen macht, verwirklichen wollen. Heute singen sie, morgen morden sie. Ein einziges dünnes Hitlerjugend-Liederbuch könnte der Welt begreiflich machen, was alle Nichtangriffspakte mit Deutschland wert sind. Aber die Welt wird nicht begreifen! Hltlergruß Im Einstemturm Wie das Dritte Reich die Gelehrten verjagt. Wir sind in der Lage, an einem bestimmten Fall dokumentarisch nachweisen zu können, wie das Dritte Reich es zuwege bringt daß die bekanntesten deutschen Wissenschaftler Deutschland verlassen und ihre Lehre hn Ausland unter den größten Schwierigkeiten fortsetzten. Als Vorstand des Einsteinsturms in Potsdam war Prof. Dr. E. Finlay Freundlich tätig und aus aller Welt kamen Gelehrte und Studenten dahin, um an dieser Forschungsanstalt für Sonnenphysik zu arbeiten. Am 5. Okiober 1933 ergeht nun von dem administrativen Leiter, dem Astronomen L u- d e n d o r f f, einem Bruder des Generals, folgender Umlauf: Wie mir gemeldet wird, ist im inneren Dienstbereich des Instituts für Sonnenphysik der deutsche Gruß noch nicht allgemein üblich. Ich mache es allen Beamten, Angestellten und Lohnempfängern des Astro- physikalischen Observatoriums zur Pflicht, diesen Gruß, den bevorstehenden Vorschriften entsprechend, auch dort grundsätzlich anzuwenden, und zwar auch Im Verkehr mit Juden. Zuwiderhandlungen, von denen ich Kenntnis erhalte, werde ich unnach- sichtlich zur Meldung bringen. Ich mache darauf aufmerksam, daß ein wissenschaftlicher Beamter des Geodätischen Instituts wegen anfänglicher Verweigerung des deutschen Grußes entlassen werden sollte. Gez. H. Ludendorff. Darauf schreibt Prof. Freundlich an Prof. Ludendorff: ich bitte um Mitteflung, von welcher Seite eine solche Meldung ergangen sein soll. Meines Wissens bat kein Mitglied meines Instituts die Ausführung einer dienstlichen Anweisung verweigert Gez. Dr. E. Finlay Freundlich. Auf diesen Brief erhielt Prof. Freundlich folgende Antwort: Potsdam, den 7. Oktober 1933. Herrn Hauptobservator Prof. Dr. Freundlich. Auf Ihre Anfrage, auf wessen Meldung hin mein Zirkular betr. deutschen Gruß in Umlauf gesetzt wurde, erwidere ich, daß ich keinem Beamten des Observatoriums Rechenschaft über meine Maßnahmen als Direktor schuldig bin. Der Beschwerdeweg steht Ihnen offen. Ich teile Ihnen ferner mit, daß von seilen des Direktors des Geodätischen Instituts vorgestern eine Beschwerde über Sie wegen N i ch t er wi d e ru n g des deutschen Grußes gegenüber einer Person aus seinem Institut eingelaufen ist. Auf Ersuchen von Herrn Professor V a h I e n habe ich diesem gestern bei einem Besuch im Ministerium diese Beschwerde übergeben. Die Angelegenheit wird also vom Ministerium direkt weiter behandelt werden, Gez. H. Ludendorff. Die ministerielle Erledigung bestand darin, daß Professor Freundlich entlassen wurde, weil er sich zu der Affenkomödie nicht hergegeben hat, jenen Gruß mitzumachen, den die italienischen Faschisten eingeführt haben, um als rechtmäßige Nachfolger des weltbeherrschenden Alten Rom aufzutreten, und den die braunen Agenten des Schwarzhemdes als„deutschen Gruß" übernahmen, obwohl die alten Deutschen von den Römern unteriocht wurden. Wer grüßend nicht die rechte Hand hochstreckt, ist nicht mehr geeignet, dem Einsteinturm in Potsdam und der darin betriebenen wissenschaftlichen Forschung über die Bewegung der Gestirne vorzustehen, Ucberhaupt Sonnenphysik und Einsteinturm — wie lange noch?„Einstein, der Erfinder der beröchtigsten Relativitätstheorie" hieß es schon einmal im„Berliner Lokalanzeiger". Und wie sagte doch der Braunschweiger Nazimini- Die fkättyeet im» IMpuddie Ein Urteil top 100 Jahren im Kampf um Koalitionsfreiheit ster KTasees:„Bhie Nation, Ae etnea Goethe und einen Kant hervorcebraobt hat, braucht sich von Einstein nichts vorschwatzen ru lassen". Vielleicht sehen wir eines Tases• noch den Astronomen Ludendorff mit seinen»Beamten", wie er seine Kollegen nennt, nach den bestehenden Vorschriften Arbeitsdienst leisten, Indem sie den verfluchten lüdischen Einstein- turnt mit Krampen, Spitzhaken oder zeitae- recht durch eine ausgieblze Sprengmine vernichten und damit, um Hitlers Llebllngswen- dung zu gebrauchen. Deutschland von einer Schmach des vergangenen Systems zu befreien. Sieg Heiil In angebracht? Die Zedtscbrift„Die Sammlung" schreibt zu Segers Buch„Oranienburg" die folgenden Zellen: „Gerade bei der großen Bedeutung, die wir diesem Dokument beimessen, berührt uns peinMoh und schmerzlich eine bestimmte Nuance, die es enthält. Seger findet es angebracht von den Reibereien zwl- Kommunisten und Sozialdemokraten, die sich unter der Schreckens- herrsohaft des gemeinsamen Feindes Wer und dort fortsetzen mögen, ausiührlfch zu berichten, ja er nimmt sogar in eine Kapi- teWberschrtft Schlagzeilen wie:„Kommunisten denunzieren Sozialdemokralen. Kommunisten paktieren mit SA." Die Vorkommnisse, von denen an diesen Stellen die Rede ist, seien so beschämend, so unverständlich wie immer:— noch beschämender, noch unverständlicher scheint es mir— und mehr ah nur ein taktischer Fehler— von solchen Familienstreiligkedten zu dieser Stunde vor den höhnenden Nazis und vor einem erstaunten Ausland zu berichten." FamiKenstredtigkeiten— so sagt die Zeitschrift Wir wissen nicht ob der Verfasser dieser Besprechung die offizielle kommunistische Literatur verfolgt aus der er lernen würde, wie dies«»Familienstreitigkeiten" künstlich erzeugt worden. Der traurige Zustand, daß die Kommunistische Internationale ihre Anhänger auf dl« Sozialdemokratie hetzt daJß sie ilmen sagt; schlagt die Sozialdemokraten, dann besiegt ihr Hitler, Ist den höhnenden Nazis wie dem erstaunten Auslande längst bekannt Dem Verfasser der Besprechung schwebt vor, daß all« Sozialisten ein gemeinsames Kriegsgeheimnis gegen den faschistischen Feind haben sollten, eine gemeinsame Kampfgesinnung, das gemeinsame Geiilhl; wir haben alle nur einen Feind. Es sollte so sein! Aber darf verschwiegen werden, daß in Oranienburg— und nicht nur dort sondern in vielen anderen Lagern auch— sogenannte Kommunisten sich zu Henkersknechten der Faschisten gegen Sozialdemokraten gemalt haben? Dar! verschwiegen werden, daß dies die Folge der k om m u n i s t i s c h on Parteipropaganda gegen dl« Sozialdemokraten Ist die immer noch fortgesetzt wird? Das beste, was wir den Arbeitern in Deutschland geben können ist daß wir ihnen die Wahrheit sagen, die ungeschminkte Wahrheit ohne alles Taktieren! Schwelgen Das Land erdröhnt, die Rundfunkredner brüllen, wenn Göring ausruht lärmt dafür Herr Ley, SA marschiert, und ihre Lieder füllen die deutsche Luft mit Brand- und Mordgescbrei. Was soll der Lärm? Wen gilt's zu übertäuben? Sind nicht die deutschen Stämme„treu vereint"? Was soll der Lärm? Wer wagt noch, sich ru sträuben,• wer wagt zu sagen, was er wirklich meint? Und doch— die allzu lauten Herren zeigen, daß Ihnen irgendetwas nicht gefällt Sie haben recht: Im Lande spricht— das Schwelgen so laut daß aller Lärm daran zerschellt. Indes die Redner Ihren Geist verspritzen, pflanzt sich Im Volke dumpfes Schwelgen fort und weder VVacfatparaden noch Haubitzen besiegen es.— Das Schwelgen bat das Wort Die einen winden sieb In Jubetkrämplen, die andern säen eine stille Saat die heute stumm sind, werden morgen kämpfen. Das Schweigen reift— Im Schwelgen reiit die Tat. H u g i n. Stumme Szene Marxisten demonstrieren mit dem Hitler- grüß. Eine ergreifende Kundgebung, die auch auf UnbeteiHgfe einen starken Eindruck gemacht Vor hundert Jahren wurden sechs Landarbeiter aus ToipmkQe In Dursetshirt In England zu sieben Jahren Deportation verurteilt Sie wurden beschuldigt ungesetzliche Eide abgenomrnen zu haben. Ihr wahres Verbrechen bestand«tarin, daß sie eine örtliche Landarbeitergewerkschaft gegründet hatten. Die Landarbeiter von Dorsetshlre erhielten zu«lieser Zelt sieben Schilling Wocbenlohn, während In den benachbarten Bezirken 10 Schillinge gezahlt wurden. Man hatte ihnen eine Lohnerhöhung versprochen. Als sie ausblieb, beschlossen sie, sich selbst zu helfen und eine Gewerkschaft zu gründen. Diese Gründung war gesetzlich zulässig. Die Männer, die die Gewerkschaft Ins Leben riefen, waren nichts weniger als revolutionär. Sie waren, wie die konservative englische Presse heute anerkennt, Männer von gutem Charakter. Drei von ihnen waren Laienprediger der Methodistengemeinde. Ihr Führer, Georg Loveleß, verteidigte sich vor Gericht:„Wir haben keinen Menschen an Ruf, Charakter, Persönlichkeit oder Eigentum geschädigt" Dennoch dies drakonische Urteil — angeblich zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und der— Freiheit! Es war ein Terrorurteil, geboren aus der Furcht vor der in Bewegung geratenen Arbeiterschaft und aus dem bösen Gewissen der Landeigentümer und der besitzenden Schichten. Die Erinnerung an die große französische Revolution schreckte alle Reaktionäre. Aus den Massen erhob sich die Forderung nach gleiciien politischen Rechten, die revolutionäre Stimmung von 1830, die Wahlen nach dem ersten Rcform-Act waren eben erst vorüber. Die Landarbeiter von Dorsetshire gründeten ihre Gewerkschaft im Namen der Freiheit und wohlmeinende Männer standen ihnen bei. Es war eine kleine Lokalgewerkschaft diese»Tol- puddle Grand Lodge of the Agricultureal La- bonrersFriendly Society"{Großloge der freundschaftlichen Landarbeitergesellschaft von Tol- puddle). Dennoch erweckte sie die Furcht und den Haß der Reaktion. Ein Landeigentümer, James Frampton, einer der Führer des Widerstands gegen die Lohnforderungen der Landarbeiter, einer der Betrüger, die Lohnerhöhung versprochen und nicht gehalten haben, wandte sich an die Regierung um Hilfe gegen die Arbeiter. Der Innenminister Lord Melbourne lieferte die Anweisung. wie gegen die Gewerkschaft gerichtlich vorgegangen werden könnte. George Loveleß und fünf seiner Freunde wurden verhaftet prozessiert und verurteilt Die Begründung des Urteils durch den Richter spiegelte den Haß des Bürgertums und des Kleinbürgertums gegen die beginnende Arbeiterbewegung wider, sie war zugleich ein Musterbeispiel für die Verlogenheit der Ideologie. die dieser Haß sich geschaffen hatte. Die hat, ereignete sich unlängst im Urnenhain des Krematoriums zu Dresden. Es war bekannt geworden, daß drei Gefangene In einem der sächsischen Konzentrationslager— in welchem konnte unser Gewährsmann nicht»eher erfahren— sich erhängt hatten; verzweifelte Flucht die einem Selbstmordversuch gleichkommt oder Freiwilliger Tod shx) die letzten und einzigen Mittel für hunderte solcher Opfer gewesen, sich den braunen Petaigern zu entziehen. Einer dieser drei Toten wurde zur Einäscherung Ins Dresdner Krematorium überführt Auch das war bekannt geworden und an allen Stempelstellen und bei sonstigen Gelegenheiten war die Parole herumgesprochen worden, diesem toten Kameraden ein letztes Geleit zu geben. Die Parole wurde befolgt Zu Tausenden— unser Gewährsmann, der an diesem Tage zufällig in Dresden war und die Kuntigebung mit angesehen hat versichert,;daß das keine übertreibende Phrase, sondern ein« wahrheitsgetreue Feststellung ist: zu Tausenden erschienen die Anhänger aller sozialistischen Bekenntnisse im Urnenhain. Dort standen sie, strengste Disziplin wahrend, schwelgend um das Krematorium tmd zwischen den Grabstätten. Kdn Wort wurde gesprochen. Ein ungeheueres Aufgebot von SA.-MaBnschaftcn und Polizisten umsch wirrte den Schauplatz, Die braunen und schwarz grünen Truppen der „Ordnung" waren in höchstem Maße aufgeregt sie flitzton in ihren Dienstautos hin und her, die Kompressionshupen der Uefaerfallskotn- mandos zwitscherten gellend und aufrei- zend. Aber es fand sich nicht der geringste, wenn wahrscheinlich auch noch so sehr geArbeiter wurden verurteilt im Namen der Freiheit! »Die unglücklichen Leute"— so sagte der Richter in diesem Prozeß—„die solchen Vereinigungen angehören, werden In ihrer moralischen Wirksamkeit erniedrigt und einem Grad der Tyrannei unterworfen, den ein anderer Mensch sich kaum vorstellen kann. Sie sind gezwungen, aus ihrem geringen Einkommen so große Beiträge zu leisten, wie keine andere Menschenklasse sie der gesetzlichen Obrigkeit zu leisten hat, und vor allem wird ihnen das jederman verbürgte Recht und die Freiheit genommen, zu arbeiten nach ihrem eigenen Gutdünken und für wen sie wollen." Die Freiheit, wie Unternehmer und Bürger sie auffassen, und die Freiheit, wie die Arbeiter sie verstehen, stießen In diesem Prozeß aufeinander! Heute nach hundert Jahren wird gegen die deutschen Arbeiter ein einziger großer Prozeß von Tolpuddie geführt. Ihre Gewerkschatten sind zerschlagen worden. Die Regierung hält jede selbständige Bewegung der Arbeiterschaft nieder. Jedes Streben nach Lohnerhöhung, nach Koalitionsfreiheit gilt als Verbrechen. Es wird bestraft mit Deportation ins Konzentrationslager. Die deutschen Arbeiter sind zurückgeworfen worden auf die Stellung der englischen Landarbeiter vom Jahre 1834— ja, noch weiter zurück! Denn damals war die Bildung von Arbeiterunionen schon gesetzlich zulässig, während sie heute in Deutschland verboten ist! Das böse Gewissen der Bürger und der Haff der Kleinbürger von heute sind ebenso die Ursache des Terrors gegen die Arbeiterbewegung wie damals. Die Urteilsbegründung von 1834 ist der Vorläufer der nationalsozialistischen Anschauungen über die selbständige Gewerkschaftsbewegung. Wie diese Urteilsbegründung von dem moralischen Terror und der Tyrannei der Gewerkschaften sprach, die eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und die Gesellschaft dar- Dlc ödecceiclUscliCft S&zicd- demoUcaim eucU zu: Die beste und würdigste Unterstützung unserer schweren Arbeit ist Ein Abonnement der„Arbeiter-Zeitung�! Erscheint allwöchentlich. Bezugspreis Kö 12.50 für ein halbes Jahr. Bestellungen sind zu richten an die Verwaltung der„Arbeiter-Zeitung", Brünn, Zeile 83/12. wünschte Anlaß zum„Einschreiten"— ein still und schwelgend stehendes und wartendes Trauorgclelt mit Gummiknüppeln vom Friedhof zu vertreiben, mochte man nicht wagen! man konnte mir aufgeregt abwarten, was die tausendköpfige Menge der Schweigenden etwa noch tun würde. Und was tat sie? Als der Sarg mit dem Opfer des Regimes gebracht und durch die Reihen getragen wurde, öffnete sich ihm ehrerbietig eine Gasse. Auch Jetzt fiel kein Wort Aber— die sn Frieden- Tuffstein Wo hast du denn die schönen warnt60 Ohren her? Im Märzheft der„Neuen Linie", die 2c',aJ so gleichgeschaltet wie mondän ist, lesen „Stehrs weiches Gesicht hat etwas faßbar-Fesselndes. Es ist wie ein n10?.« beglänzter See... Grimms Auge zeigt, d die Ich-Verschlossenheit des nordisch® Menschen durch schwere Erlebnisse auf? broeben wurde zu münnlicb-herbem Mi leiden... Bei Hermann Stehr ist das durCiJ seelte Fleisch vorherrschend, bei Hart Grimm das Knochengerüst und bei Ffn» Tbieß die Stirn... Weichheit und"ai dunkel liegt in Hanns lohsts Gesic'1L Feste. Hitzig-Ouellende des typischen emfleisches ist zermürbt Das Felsische',s bäurischen Knochengerüst ist gelockert in Tuffsteinartige. Besonders schön zeigt s'0 die Verfeinerung in den Ohren,— hi'"L,; intensiven, ins Zarte gehenden Windune® � sie verraten Jobsts sensiblen Sinn für.{ Musikalität der Worte. Bei Jobst ist das V, warm und vor allem nach unten,—„ Thieß ist es kälter und vor allem nach 00 entwickelt" Beim deutschen Spießer ist es auch oben entwickelt sehr lang, grau behaart u am Ende mit einer Spitze versehen. Land ohne Ladien „Das große Komikersterben.• Senta Söneiand, Berlins kesseste, sflgste Komikerin zieht sich von der Bühne zurüc � tritt nicht mehr auf und hat das der mitgeteilt Eins der gleichgeschalteten ÜßH SdäUte zu llomkty oder: Tom ästhetischen Weltbürgertum zum Blutmythus t/oo Pcof. De, A. läci*t&ecfy ls war von jeher das Schicksal der wahr. halt Großen eines Volkes, daß spätere Geschlechter sie für sich In Anspruch genommen haben und rhr eigenes Wesen In ihnen vorgebildet glaubten. Und bis zu einem gewissen Grade mit Recht Denn was Menschen wahrhaft foß macht ist eben ihre Fähigkeit die formenden Kräfte und die noch hauchzarten Keimenergien ihrer Zeit zu spüren und handelnd herauszustellen, aber das so Geschaute und Geleistete unterliegt der Dialektik des geschichtlichen Prozesses: das heißt die Nachfahren und Erben unterlegen ihm den Sinn. der ihren Bedürfnissen entspricht, und füh- fen das von jenen Großen Angebahnte zu ihrenZielen weiter. Darum wiederstreiten die Bilder, die wir uns von historischen Persön- Üchkeiten und ihrem Wollen machen, bisweilen so auffallend dem wahren Urbild: darum sprechen selbst so viele Nicht-Hakenkreuzler einen Fichte oder Nietzsche als Stammväter des Britten Reiches an; und deshalb konnte auch Schiller, trotzdem er diesen Idealen so fern als niöglich stand, nach und nach zum Propheten des nationalen„Ordnungsstaates", der Gegenrevolution, des Nationalismus und der Ständestaatmystik avancieren. Selbstverständlich. Ist für alle, die Schiller so zeitgemäß umdenken, der Dichter der «Räber", der„Luise Millerin" und des ,.Don Carlos" noch nicht zur eigentlichen Wahrheit seines Lebens vorgedrungen, denn dieser wilde Feuergeist war ein so entschiedener Revolutionär Rousseauscher Prägung, daß es da nichts zu wenden und zu deuteln Sibt. den trieb die Verzweiflung an allen angeblichen Errungenschaften der Kultur und Zivilisation, an Familie, Recht und Freiheit ä'Izu sichtbar in die utopische Anarchie des Käuberdaseins: der riß in„Kabale und Liebe' dem Herrschcrtum, der Bürokratie und allen Stsellschaftllchen Lügen die gleißende Maske aIlzu kühn vom Antlitz und preßte dfe höchste Forderung des rebellischen bürgerlichen Intellekts allzu einprägsam in Posas ewigen Ruf zusammen:„Geben Sie Gedankenfreiheit!". Nicht genung daran, entwarf er, bereits an der Schwelle des reifen Manncsaiters, als Geschichtsforscher und Geschichtsdarstellcr ein so aufreizendes Bild des„Abfalls der Niederlande", daß über diesem treu-historischen Epos des Freiheitskampfes alle Anhänger des Ge- �altsy stems verstummen, alle Gefesselten und unterjochten neuen Mut schöpfen müssen— '"'t dem Jungen und dem heranreifenden Schil- also, dem der Pariser Konvent noch am 10. _ ktober 1792 ein von Danton gezeichnetes| Burgerdiplom ausfertigte, können Gegenrevo- ution und Hakenkreuz beim besten Willen kei- ntn Staat machen. Umso aussichtsreicher erscheint da der * atm der späteren Jeacnser und der Weimarer Jahre, für dessen Abkehr von der Revo- ® f' o n so manche Briefe und Xenicn. so v�el* Gedicht- und Dramenstellen zeugen. Um in aller Eile nur die süßesten Rosinen herauszupicken: schon im Oktober 1792 bezeichnete er sich Körner gegenüber als„Revolutlons- feind" und am 8. Februar 1793, nach der Hinrichtung Ludwigs XVL, schrieb er demselben Freunde:„Ich kann seit vierzehn Tagen keine französische Zeitung lesen, so sehr ekeln diese elenden Schindersknechte mich an". Noch größere, weil gedankliche Distanz zur revolutionären Freiheitsparole schienen die Verse des „Spaziergangs" zu schaffen: Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! Zerriß* er Mit den Fesseln der Furcht nur nicht die Zügel der Scham! Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde, Von der heü'gen Natur reißen sie lüstern sich los. E-enso zweifelhaft wurde das demokratische Mehrheitsprinzip in der Votivtafel„Ma- jestas populi": Majestät der Menschennatur! Dich soll ich beim Haufen Suchen? Bei wenigen hast du von jeher gewohnt Einzelne wenige zählen, die übrigen alle sind blinde Nieten, ihr leeres Gewühl hüllet die Treffer nur ein. Und zum größten Labsal aller Philisterherzen zog endlich„Das Lied von der Glocke" aus den Pariser Erelgntassen die Lehre: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, Da kann sich kein Gebild* gestalten; Wenn sich die Völker selbst befrein, Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn. Stellen wir dazu noch die patriotische Begeisterung, von weicher„Die Jungfrau von Orleans" und„Wilhelm Teil" durchglüht sind, so haben wir genug Material beisammen, um die Einkleidung Schillers in das Kostüm eines na- tionaiistisch-gegenrevolutionären Barden vornehmen zu können, aber mehr als ein täuschendes Faschingsgewand ziehen wir ihm damit nicht über. Denn diese und ähnliche Zitate, deren banale Abgegriffenheit schon darauf hinweist, daß da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, reißen aus dem Werk und der Geisteshaltung Schillers jene Steilen heraus, die späteren, kleineren Geschlechtern scheinbar nach dem Munde gesprochen waren, im Zulammenhang seines gesamten Denkens und Wollens dagegen bekommen sie einen ganz anderen Sinn. Da zeigt sich nämlich, daß Schiller sein letztes Ziel, die Läuterung und Befreiung des Menschen, kei- A pa*opos9 Rasse•••• Bismarcks Wort rädht sich am Enkel! In den Zeiten des deutschen Kaiserreichs war es nichts seltenes, daß ein verarmter Adelssproß durch die Ehe mit einem jüdischen Goklfischlein sich aus seinen Schulden herausheiratete. Auf diese Weise kamen in baon- krotte Junkeriamilien neue Geldströme— auf die Blutströme achtete man damals weniger. Von Bismarck geht die Legende, daß er solche Ehen nicht ungern gesehen und Vorstellungen legitimistischer Kreise mit dem derben Wort zurückgewiesen habe: Ach was, ein deutscher Hengst und eine jüdische Stu- t e, das gibt eine gute Kreuzung, Jetzt rächt sich sein Wort an seiner eigenen Familie. Die in Deutschland neugegründete Adeisvereinigung, die— hn Gegensatz zur bisherigen— nur ganz reinrassige Adeisge- schiechter aufnimmt, hat soeben dem Bismarck-Enkel Fürst Otto von Bismarck, Legationsrat zu London und seinem jüngeren Bruder Graf Gottfried von Bisma'rck-Schönhausen die Aufnahme verweigert Die Untersuchung hat ergeben, daß eine Großmutter der Familie Bismarck aus der englischen Familie Whitehead stammt, deren Oberhaupt Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde von London gewesen ist.... Der neckische Zufall will, daß Otto, der Enkel, eine Zeit lang deutschnationa- 1 e r Reichstagsabgeordneter von Hugenbergs Gnaden, sein Bruder Gottfried gar nationalsozialistischer Abgeordneter des letzten sogenannten Reichstages war. Die Deutschnationalen hatten den Bismarck-Enkel Otto, einen politisch unerfahrenen jungen Mann, seinerzeit aus reiner Reklamesucht aufgestellt. Als die Linkspresse das rügte, schrieb Hugenbergs„Lokalanzeiger", der Fürst werde seinen Gegnern noch viele Ueberraschun- gen bieten, man werde staunen, was alles aus ihm werden würde. Jetzt kann der Bismarck-Enkel nach berühmten Mustern fragen:„Wißt Ihr, was ich geworden bin?— Rausgeschmissen bin ich geworden!" Bismarck hat nicht nur mit seinen lebenden, sondern auch mit seinen toten Denk- mälern viel Pech im Sinne des„Dritten Reiches". Sein berühmtes Hamburger Denkmal (die Roland-Statue) stammt von dem Juden L e d e r e r, das ebenfalls bekannte Bremer Bismarckdenkmal, sowie der Bismarckbrunnen in Jena sind Erzeugnisse des h a I b j ü d i- sehen Bildhauers Adolf v. Hildebrand, desselben, dem die Stadt München ihren berühmten Wittelsbacbbrunnen verdankt Wäre es nicht endlich an der Zeit diese und anderer Verirrungen einer traurig aufgeklärten Epoche kurzerhand„umzulegen?" Es wäre eine nutzbringende und würdige Beschäftigung für die SA! wrfgegcbeB, sondern es btofl« Je mehr er aus Schulträumen in die harte Wirklichkeit hineinwuchs, in eine höhere Ebene verlegt hatte— was er an den französischen Ereignissen verdammte, war nur die Erscheinungsform, nicht ihre ewige Idee. Noch In selnera letzten vollendeten Drama, dem„Teil'', verfocht er das Recht jedes Volkes, gegen innere Tyrannei mit den Waffen in der Hand aufzustehen, und seine „Worte des Glaubens*' begannen mit dem feierlichen Bekenntnis: Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei. Und würd' er in Ketten geboren, Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei, Nicnt den Mißbrauch rasender Toren; Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem fieien Menschen erzittert nicht. Aber freilich; zu dieser Fähigkeit, wahrhaft frei zu sein, muß der Mensch erzogen, muß er aus Rohelt oder Verbildung erst emporgeläutert werden, sein gegenwärtiger Zustand ist, wie Schillers kulturpolitische Hauptschrift „ücber die ästhetische Erziehung des Menschen"(1793/94) ausführt, einfach trostlos:„Hier Verwilderung, dort Erschlaffung: die zwei Aeußersten des menschlichen Verfalls, und beide in einem Zeitraum vereinigt! In den niedern und zahlreichem Klassen steilen sich uns rohe, gesetzlose Triebe dar, die sich nach aufgelöstem Band der bürgerlichen Ordnung entfesseln und mit unlenksamer Wut zu ihrer tierischen Befriedigung eilen. Auf der anderen Seite geben uns die zivilisierten Klassen den noch widrigem Anblick der Schlaffheit und einer Depravatlon (Verderbnis A. K.) des Charakters, die desto mehr empört, weil die Kultur selbst Ihr« Quelle ist Aus dem Natursohne wird, wenn er ausschweift, ein Rasender; aus dem Zögling der Kunst ein Nichtswürdiger. Die Aukiärung des Verstandes zeigt Im ganzen einen so wenig veredelnden Einfluß auf die Gesinnungen, daß s;e vielmehr die Verderbnis durch Maximen befestigt. Die Kultur, weit entfernt, uns in Freiheit zu setzen, entwickelt mit Jeder Kraft, die sie in uns ausbildet, nur ein neues Bedürfnis; die Bande des Physischen schnüren sich immer beängstigender zu, so daß die Furcht, zu verlieren, selbst den feurigen Trieb nach Verbesserung erstickt und die Maxime des leidenden Gehorsams für die höchste Weisheit des Leben gilt. So sieht man den Geist der Zeit zwischen Verkehrtheit und Rohigkeit, zwischen Unnatur und bloßer Natur schwanken, und es ist bioß das Gleichgewicht des Schlimmen, was ihm zuweilen noch Grenzen setzt".(5. Brief.) Was Schiller hier als eigentlieheOuellen des Unheils charakterisiert, sind, genau besehen, jene Bindungen, zu denen das„Dritte Reich" mit aller Macht wieder zurflekstrebt: die biologische Bindung des Naturstandes, die durch den Rassegedanken förmilch zum Idol erhoben wird, und die zlvillsationsbcdingtc der festen Ständeordnung, die im Führerprinzip erst recht triumphiert Weil von den beiden Haken- kreuzforderungen die erste die Menschen für immer in den Kreis der Tierheif bannen, die zweite die Gegensätze unter ihnen hierarchisch verewigen will, widerstreiten sie schnurstracks Jenem Königsgedanken Schiliers, dem die„Aesthe tischen Briefe", die. „Künstler" und die lyrischen Bekenntniswerke „Die Ideale" und ,J>as Ideal und das Leben" �rilns wagt zu dem Entschluß der berühmten nta folgenden krttfechen Kommentar: Ein Sorgenbrecher weniger in Berlin, ®)cr das ein großes Komikerster- � c n hereingebrochen ist Max Adalbert ist �ebt mehr, eben starb der alle Diegchnann, ~~ für viele von gestern ist kein Platz mehr. �-Der Berliner Humor muß durch eine Krise hindurch. �Vird euch allmählig Angst? Und denkt ihr UIid zu an den beliebten Komiker, der bei "sbruch des Dritten Reiches Selbstmord be- _ 2. weil Lachen und Leben in einer Despotie lieh 505,1 können? Göbbels forderte kürz- .«mehr Heiterkeit", denn den braunen Ober- wtrd die grimmige Stimmung des 'ach""�'aglich. Keine Sorge, es wird ge- de uT Wenn aucl, aiKlers' als ,sl