Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"«— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Die Rebellion dB KallmllzKiiius Kulturkampfstimmung in Deutschland- Kampf um das Konkordat Nr. 44 SOIWT4G, 15. April 1934 Aus dem Inhalt: Dr. Richard Kern: Hitler braucht Dollars Die verschobene Arbeitsschlacht Der Chef der Gestapa Komintern, Wien und Berlin „Ein Schauer des Religionskrieges lädt durch Deutschland. Der Katholizismus kommt aus dem Ghetto heraus— nicht um seiner Würde vergessend mit dem Hitlerismus zusammenzuarbeiten, wie es Herr von Papen wollte, sondern um ihm mit einer Wiederbelebung all seiner Traditionen Widerstand zu leisten. Er ist nicht mehr die duldende, sondern die kämpfende Kirche— ecclesia mili- tans."(Robert d'Harcourt in der Revue des deuz Mondes.) Das gemeinsame Losungswort ist gegeben. Die Predigten des Kardinals Faulhaber, des Erzbischofs von Freiburg und der Bischöfe von Berlin und Breslau sind Kampfansagen an die Prinzipien des Nationalsozialismus. Diese Kampfansagen haben im Vatikan lebhafte Unterstützung gefunden. In einer Osterbotschaft hat sich der Papst an die katholischen Jugendverbände Deutschlands gewandt gegen„eine mit Lockrufen und mit Druck arbeitende Propaganda für eine neue Lebensauffassung, die von Christus weg ins Heidentum zurückführt." Er hat ihnen versichert: ..Eure Verbände sollen jedenfalls wissen, daß ihre Sache unsere Sache ist" Er hat später In einer Ansprache an die Vertreter von drei Jugendverbänden von den ungünstigen Nachrichten aus Deutschland gesprochen, vom Märtyrertum der katholischen Jugend und von der Notwendigkeit der Bekämpfung des Heidentums. Das Päpstliche Organ ,jOsservatore Romano" erklärt es wäre falsch zu behaupten, daß der Vatikan sich jemals mit der Auflösung des deutschen Zentrums einverstanden erklärt habe, In diesen Schlag auf Schlag aufeinander folgenden Kundgebungen und Erklärungen kommt eine vollständige Sohwenkungdervatikanischen Politik gegenüber dem nationalsozialistischen Regime zum Ausdruck. Der Vatikan hatte geglaubt ein Bündnis mit dem ohauvinlstischen Nationaltsmus in Deutschland eingehen zu können. Schon Jahre vor der Machtübergabe an Hitler hatte sich die Politik der katholischen Kirche Von der Linie der Koalition des Zentrums mit der Sozialdemokratie entfernt Der Abschluß des preußischen Konkordats batte ihr volle Freiheit gegeben, für den Vatikan war der Sinn der Koalitionspolitik erfüllt Die vatikanische Politik drängte danach mit aller Kraft nach rechts. Sie glaubte durch ein Bündnis mit dem reaktionären Natronalismus ihre Macht Ober die Geister ihrer Anhänger befestigen zu können, sie glaubte, in einem reaktionären deutschen Staat dieser Prägung "och an politischem Einfluß zu gewinnen. Diese Linie hat zu dem neuen Konkordat geführt das im Juli 1933 abge- Schlossen und im September ratifiziert forden ist Schon damals waren allerdings erhebliche Abweichungen der wirklichen Entwicklung von den Perspektiven des Vatikans eingetreten. Der Kurs auf das Bündnis mit dem Nationalismus hatte die Stellung des regierenden Zentrums und "0ch mehr der Bayrischen Volkspartei in "lyern so geschmäht daß die süddeut- sohen katholischen Regierungen dem nationalsozialistischen Staatsstreich ohne fiteres erlagen. Die Illusion, daß die ka- tiiolischen Kräfte, daß Vertreter des Zen- Ihirns in einer Art Reglerungsarbeitsge- meinschaft Im Reich einbezogen werden Verden, war sehr schnell zerstört worden. Immerhin sicherte das Konkordat den katholischen Vereinigungen die Freiheit der Vereinigung, der selbständigen Existenz und des Wirkens. Vor allem sicherte die Vereinigungsfreiheit für die katholische Jugend der Kirche die Beherrschung des Nachwuchses, d. h. die Zukunft Die Schwenkung der vatikanischen Politik. Trotzdem war an diesem Zeitpunkt die Linie der vatikanischen Politik schon sehr zweifelhaft. Besonders in Bayern war die Verknüpfung von staatlichem Regime und katholischer Kirche so außerordentlich eng geworden, daß der Stoß des nationalsozialistischen Staatsstreiches auch gegen die Kirche ging. Die Sieger im Machtkampf in Bayern dachten nicht an Bündnis oder Machtteilung mit der Kirche. Sie setzten vielmehr unerbittlich den Kampf fort Sie verlangten die Unterordnung der Kirche. Der bayrische Innenminister Wagner trat an die Spitze einer Vereinigung gegen das Konkordat. Der Kampf wurde mit allen Waffen des Terrors geführt: Verhaftung von Priestern und bekannten Katholiken, Gefängnis, Konzentrationslager, Verbot von Zeitungen, Schutzhaft für Zeitungsverleger und Redakteure, Verbot für Geistliche, bischöfliche Hirtenbriefe bekanntzugeben. Der Hauptstoß richtet sich gegen die katholische Jugendbewegung. Sie soll in die Hitlerjugend hineingezwungen werden. Das ist der Punkt, der die katholische Kirche gezwungen hat, den Kampf offen aufzunehmen. Jetzt hat sie sich erinnert, daß die nationalsozialistische Ideologie unvereinbar ist mit ihren Glaubenssätzen. Sie hält den Nationalsozialisten nun entgegen, daß der Mensch nicht nur Blut sei, sondern Geist, erschaffen nach dem Bilde Gottes als Mensch, und nicht als Arier oder Jude. Sie hält der Rassenlehre das zentrale Fak- Ehrenwadie unter Schwarzrotgold Bremer Reichsbanner-Demonstratioa. In Bremen sind kürzlich 4"» Mitglieder des Reichsbanners duröh die Geheime Staatspolizei verhaftet worden. Die deutsche gleichgeschaltete Presse brachte die Meldung mit der Bemerkung, daß man durch die Verhaftungen einer besonders raffinierten Geheimorganisation des Reichsbanners auf die Spur gekommen sei. In Wahrheit hat die neue Verhaftungsaktion in Bremen eine ganz andere Vorgeschichte. Auf einem Bremer Friedhof befindet sich das Grab eines Reichsbannerkameraden, der in den Kämpfen für Freiheit und Demokratie gefallen war. An seinem Todestag legten Bremer Reichsbannerleute auf dem Grab einen Kranz mit einer großen schwarzrotgoldenen Schleife nieder und stellten am Grabe eine Ehrenwache von sechs Reichsbannerkameraden in Uniform auf, Diese Demonstration erregte natürlich ungeheures Aufsehen, und die Polizei beantwortete die antifaschistische Kundgebung mit der Verhaftung der Ehrenwache und der bekannten Funktionäre des Reichsbanners in Bremen. Der Oeffentlichkeät wird dieses Ereignis tum ihres Glaubens entgegen, ,4n welchem und durch welches allein der Mensch als „Mensch", als Ebenbild Gottes jenseits aller Unterschiede der Geschlechter, der Rassen und Völker, der Stände und Klassen für ewig gerettet ist", der Lehre und der Erziehung zum Kriege den Satz, daß der Sinn der Politik Gerechtigkeit und Friede sei. Sie hat in diesem Kampf die katholisch-humanitäre Idee, die Freihedts- idee im katholischen Geiste neu belebt und gebraucht sie als Waffe gegen den Nationalsozialismus. Dieser Kampf ist seit den Adventpredigten des Kardinals Faulhaber, seit den Schüssen auf seine Wohnung immer stärker hervorgetreten. Die katholische Propaganda stellt das Märtyrertum in den Vordergrund, um ihre Anhänger neu zu fesseln. In einem Brief eines bayrischen Katholiken der in Wien veröffentlicht worden ist, heißt es: „So ist die Person, die heute in der politischen Polizei den Ton angibt, ein Norddeutscher namens Heiderich, ein alter Marineoffizier, der sich nach besten Kräften der Aufgabe widmet, die schwachen Spuren der Sympathie für das Reich in Bayern auszulöschen, die dort noch existierten. Dieser Beamte hat nicht die mindeste Ahnung von dem bayrischen Volke, das er noch brutaler behandelt, als einst die Preußen die Polen oder die Elsässer. Seine ganze Weisheit und Regierungskunst besteht in einem Wort: Gefängnis! Gefängnis, und immer w i e d e r G e f ä n g n i s 1 Er hat aus der Jagd auf die Priester eine Spezialität gemacht und während der letzten neun Monate sind mehr Priester eingekerkert worden, als während der ganzen Dauer des Kulturkampfes. Die Zeit wird kommen, wo diese Dinge öffentlich bekannt werden. Das Volk erwacht ein wenig. Deutschland erwache, so sagten uns«He Leute als Aufdeckung einer„raffinierten" Gehelmorganisation serviert. Im gleichgeschalteten Deutschland und vor dem Aasland kann man es nicht wagen, der Wahrheit gemäß zu berichten, daß nach einem Jahr Hitlerdiktatur, die das ganze Volk„geeinigt" hat, Männer der Arbeit, Kämpfer für Demokratie und Freiheit am Grabe ihres gefallenen Kaijjeraden in einer eindrucksvollen, mutigen Demonstration Zeugnis ablegen von ihrer Geslrmungstreue und ihrem ungebrochenen Kampfcsmut! Ehrung der Märzgefallenen Trotz scharfer Bewachung konnten die Nationalsozialisten nicht verhindern, daß auf einem der Leipziger Friedhöfe Gruppen von sozialdemokratischen Arbeitern den Märzgefallenen wie In jedem Jahre ihre Ehrung erwiesen. Es wurden Blumen und auch ein Kranz mit weißer Schleife niedergelegt Als die überwachenden Beamten zu spät diese hcimldohe Demonstration merkten, entfernten sie die Blumeuspenden und auch den Kranz, dessen Schleife die Inschrift trug:„Unsterbliche Opfer, ihr sänket dahin." Grabschänder In Leipzig sind jetzt Stein metzarbeiter beauftragt, alle Inschriften von den Grabsteinen zu beseitigen, die darauf schließen lassen, daß Hitlers. Ja, das Volk erwacht und verlangt die Rechnungen. Aber Indem wir auf den Augenblick der Befreiung warten, bleiben wir ein Sklavenvolk, dem man seine Freiheiten genommen hat, die Gedankenfreiheit, die Freiheit der Person, das Recht der freien Vereinigung, ein Volk, das die Herrschaft der Wahrheit und des Rechts nicht mehr kennt." Zeigt dieser Brief die Stärke des Kampfes, so illustriert der Brief eines hervorragenden Klerikers aus Sflddeutschland an französische Katholiken, wie mit dieser Desillusionierung der Konkordatspolitik auch die politische Konzeption der Unterstützung des deutschen Nationalismus zerbrochen und eine Schwenkung der katholischen Politik eingetreten ist: „Der Druck, den die Schulen auf unsere Jugend ausüben und auch auf die Eltern, Ist unerträglich. Die widerwärtigste Seite des neuen Regimes ist die Heuchelei, mit der Machthaber jederzeit den Namen Gottes Im Munde führen. Der Bolschewist läßt wenigstens seinem Haß gegen die Kische freien Lauf. Aber beim Nationalsozialismus haben wir es mit einem unterirdischen und veiborgenen Kampf zu tun. Wir erröten über das Schauspiel, das Deutschland heute bietet. Die unmoralischsten Elemente sind es, die in den Städten wie in den Gemeinden das große Wort führen. Die Religion dient nur als Staffage. In der J u- genderziehung sind die Folgen am tragischsten. Man erzieht ganz offen unsere Jugend für den Krieg. Die deutsche Kultur ist um mehrere Jahrzehnte zurückgeworfen- Ich habe bisher den Schrei nach Sicherheit in Frankreich nicht verstanden. Heute verstehe Ich ihn. Ich verstehe eine allgemeine Erhebung gegen das Aufkommen eines Geistes, wie er heute in Deutschland herrscht Man lasse sich nicht durob die offiziellen Mitteilungen der Presse täuschen. Von außen her gesehen ist alles schön. Die Feste und die der Tote im Befreiungskampf des Proletariats gefallen ist Die Hinterbldebeneo der Toten sind darüber in großer Aufregung, da sie In keinem Falle die Genehmigung zu einer solchen Handlung erteilt haben. Sie werden nicht einmal vorher davon verständigt sondern es wird Urnen nach Durchführung der Schändung einfach dfe Rechnung zur Begleichung der Unkosten zugesandt. Tausende an Mar ums Grab Das tragische Ende des Genossen M a r u m hat in Baden tiefe Bewegung hervorgerufen. Die Behörden hatten geplant, die Leiche eiligst und ohne Aufsehen bestatten zu lassen. Die tapfere Witwe setzte durch, daß die Beisetzung auf den Dienstag nach Ostern verschoben wurde. Zur Zermonie fanden sich sodann, obgleich in den Zeitungen die Stunde nicht angegeben werden durfte, viele Tausende alter Genossen und persönliche Verehrer des Toten, die stundenlang warteten, um einen letzten Blumengruß auf das Grab werfen zu können. Die Polizei beschränkte sich darauf, photogra- phlscbe Aufnahmen zu machen, die. wie zu befürchten ist, als Belastungsmaterial gegen die Teilnehmer der Kundgebung benützt werden solle». Die Toten reiten sdinell.•• Die veischobene Arbeltsstliloclit oder Reichsstatthalter Mutschmanns erster Spatenstich Kundgelxmeen folgen efnander ohne Aofbören, Aber das, was man nicht sieht, das ist die Verwirrung im Schöße des Volkes, das ist die innere Zerklüftung. Niemand traut seinem Nachbar. Wir kennen in Deutschland nun das System der GPU. Wir glauben den Zeitungen nichts mehr, selbst den katholischen Zeitungen, und sind glücklich, zu sehen, daß der Ausländer ihnen noch weniger glaubt." Zum ersten Male seit vierhundert Jahren sieht die katholische Kirche die Möglichkeit einer Ueberwindung der Kirchenspaltung zwischen Katholizismus und Protestantismus herannahen. Gegenüber der nationalsozialistischen Despotie hat die Reformation ihren geschichtlichen Sinn verloren. Man setzt in katholischen Kreisen Hoffnungen darauf, die in der katholischen Presse Oesterreichs schon recht deutlich zum Ausdruck gekommen sind. Die politische und soziale Bedeutung des Kampfes. Augenblicklich erscheint der Kampf der katholischen Kirche als Religionskampf um Glaubensfreiheit, aber seine politische unsoziale Bedeutung kann darüber nicht übersehen werden. Die neue europäische Konstellation, die durch den Sieg des italienischen Faschismus in Oesterreich, durch die Bildung des italienisch-österreichisch-ungarischen Blocks geschaffen worden ist, gibt der katholischen Politik gegenüber dem Hitlerregime ein starkes Machtgefühl. Die Niederlage, die Hitler in Oesterreich erlitten hat, stärkt unzweifelhaft alle katholischen, partikularistischen, monarchistischen Gegenkräfte gegen den Nationalsozialismus in Bayern. Bedeutet schon die Auf- rüstungs- und Kriegsvorbereitungspolitik des Hitlerregimes mit ihren möglichen Folgen ein sehr starkes Risiko, so verstärkt die Erbitterung des Kampfes zwischen katholischer Kirche und Hitlerregime in Süddeutschland dies Risiko außerordentlich. Am Ende der Abenteurerpolitik könnte ein Zustand Mitteleuropas stehen, in dem nicht nur Oesterreich, sondern auch Bayern und mit Bayern vielleicht ganz Süddeutschland unter katholisch-re- aktionärerHerrschaft das Dasein von Satrapien der Sieger führen. Man könnte sich auch eine Wiederholung der Front von 1866 vorstellen. Die katholische Kirche stützt sich nicht nur auf die religiöse Ueberzeugung ihrer Gläubigen in diesem Kampfe. Es ist g e- sellschaftlich-p o 1 i t i s c h e r Machtkampf. Es wäre ja auch wirklich nicht das erste Mal, daß im deutschen Volk© Klassenkämpfe in der Verhüllung von Religionskämpfen geführt werden. Alle bisherigen Erfahrungen lehren, daß die Opposition die seltsamsten Anknüp- fungs- und Kristallisationspunkte benutzt Wer hntner rebelliert hat Zulauf aus der Gesamtopposition. Es ist unbestreitbar, daß die katholische Ideologie zu mbide- stens in Süddeutschland außerordentlich geeignet ist Gegner des Systems zu sammeln. Sie vertritt hier eine alte demokratische Tradition. Sie kämpft im Namen der Freiheit sie entspricht der Tradition der bäuerlichen und kleinbürgerlichen Schichten und steht fest gegründet auf dieser Klassengrundlage. So gewiß es richtig ist, daß der deutsche Faschismus endgültig erst durch die sozialistische Revolution überwunden werden kann, so richtig ist es auch, daß die Voraussetzungen dafür in Süddeutschland zur Zeit weniger gegeben sind als für eine katholisch-partikularistische Rebellion. Sie ist das Vorspiel zu einem Stück, das noch niemand kennt Es wäre sehr unhistorisch und sehr unmarxistisch gedacht, wenn man diesen Streit zwischen der katholischen Kirche und dem Hitlersystem als unerheblich für die spätere Gesamtentwicklung beiseiteschieben wollte! Max Klinger. Josephs Si�platf Herr Göbbcls hat in einer Rede nach dem Bericht westfälischer Naziblätter wörtHdi folgendes gesagt; ...... Wir sitzen nScht auf den Bajonetten, sondern auf den Herzen des Volkes." Stimmt edler Joseph! Und ihr werdet solange auf ihnen sitzen, bis ihr sie lim endgültig abgedrückt haben werdet! Zum 1. Mai Rundfunkprogramm des Prager Senders am 1. Mai: 183) bis 19 Uhr: Deutsche Arbeltersendung zum 1. Mai. Vorspruch von Fritz B rüget Arbeiterlieder aller Länder, gesprochen und gespielt Am Klavier; Leo Kcstenberg, Rezitation: Hans Lichtwitz. Zusammenstellung Ernst Paül. Wahre Nachrichten aus Deutschland klingen oit unwahrscheinlich. Wir versichern darum, daß der nachfolgende Bericht aus allerbester Quelle stammt und buchstäblich wahr ist! Red. d. V. Am 21. März eröffnete Hitler die„Arbeitsschlacht". Er selber sprach in Unterhaching, wo der erste Spatenstich am Bau einer Autostraße getan wurde— anscheinend zerbrach diesmal nicht der Spaten wie voriges Jahr bei der Grundsteinlegung für den neuen Münchner Glaspalast der silberne Hammer in des„Führers" Hand. Hitlers Rede wurde in ganz Deutschland gehört Auf öffentlichen Plätzen, in den Gaststätten und Rundfunkgeschäften dröhnten die Lautsprecher, und Plakate forderten die Passanten auf, einzutreten und die Rede des „Führers" anzuhören. Allgemeine Arbeitsruhe gab der Stunde die Weihe. In Dresden wurde sogar die Gerichtsverhandlung gegen 52 Sozialdemokraten auf einige Stunden unterbrochen, weil der Schwurgerichtssaal für die Uebertragung der Hitlerrede vor den versammelten Justizbeamten gebraucht wurde; in den Naohmittagstunden wurde dann der Kampf gegen den inneren Feind mit erfrischten Sinnen weitergeführt, und da Hitler in seiner Rede soeben versichert hatte, daß Deutschland ein sozialistisches Land sei, konnte man mit um so besserem Gewissen die Zuchthausurteile gegen Marxisten ausknobeln. Wie in Unterhaching und wie gleichzeitig noch an verschiedenen Stellen Deutschlands wurde zur selben Stunde auch bei Dresden der erste Spatenstich an einer zu bauenden Autostraße getan. Es geschah in Kemnitz- Stetzsch, einem Dresdner Vorort am Rande des Stadtgebietes. Auch hier war das ein großartig aufgezogener Akt. SS und SA, Stahlhelm, Arbeitsdienst, Polizei, Eisenbahner, Straßenbahner standen parademäßig aufmarschiert. Auch die Arbeitslosen waren zur Stelle: man hatte sie an den Stempelstellen sammeln und geschlossen nach Kemnitz marschieren lassen. Nun konnten sie hier mit eigenen Ohren und Augen hören und sehen, wie die Arbeitsschlacht begonnen und der Arbeitslosenfrage der Garaus gemacht wurde. Reichsstatthalter Mutschmann, der mit belgischen Garngeschäften den Weltkrieg für seine Person gewonnen hat und also weiß, wie man Schwierigkeiten beikommt, stand hier im Namen des„Führers". Er schritt die Front ab und hielt eine große Rede, in der er noch einmal das„Novembersystem'* verdammte, das den Menschen weder Arbeit noch Brot gegeben habe, und die Regierung Hitler lobte, die schon 3*/« Millionen Arbeitslosen Beschäftigimg gebracht habe— wenn das so weiter geht, wird das Dritte Reich bald in alle Welt depeschieren müssen: Sendet sofort Arbeitslose, sonst Arbeitsschlacht unmöglich! Nach dem Reichsstatthalter sprach der Gauleiter. Dann dröhnte aus dem Lautsprecher die Stimme des„Führers", dem deutschen Volke Arbeit und Brot, Frieden und Freiheit versprechend. Und dann kam der feierliche Augenblick: die ersten Spatenstiche. Der Reichsstatthalter tat sie ergenhändäg. Dann gab er den Spaten dem Gauleiter. Auch dieser grub und gab den Spaten einem dritten Würdenträger, der auch einige Schollen abstach — für eine Autostraße war das schon ein ganz hübscher Anfang. Und als somit die Arbeitsschlacht auch In diesem Gefechtsabschnitt eröffnet und alles richtig begonnen war, marschierte die ganze Parade unter den Klängen des Horst-Wessel-Liedes ab. Das war am 21. März. Am 22. März pilgern einige Arbeitslose aus der Stadt hinaus nach Kemnitz— der Andrang dort wird zwar groß sein und wahrscheinlich kommt ohne Portek- tkm keiner an, aber man muß es versuchen; vielleicht haben sie doch Glück. Gegen Mittag kommen sie zurück. Enttäuscht und hohnlachend: Nein, sowas haben sie noch nicht erlebt Nicht einmal im Dritten Reich! Gestern dieser Tamtam— und heute? Kein Mensch ist an der Baustelle, ja, es gibt überhaupt keine Baustelle! Und die ersten Spatenstiche?— Die sind zugeschüttet, eingeebn et— sind verschwunden! Unser Gewährsmann, dem sie das erzählen, glaubt es ihnen einfach nicht. Das muß er erst selber gesehen haben! Gleich am Nachmittag fährt er hinaus nach Kemnitz-Stetzsch: einen der Erwerbslosen nimmt er mit Und nun stehen sie auf dem Schauplatz des gestrigen Tbeateraaubers. Es ist kein Irrtum möglich, die Spuren des Aufmarsches sind deutlich zu sehen, Leute, mit denen sie sprechen, schildern ihnen die Feier. Und hier Ist die Stelie, wo der Mutschmann grub— wahrhaftig: die „ersten Spatenstiche" sind sauber eingeebnet damit niemand stolpert, denn Ordnung muß sein. Und da steht sogar eine große Tafel mit der Aufschrift: Arbeiter werden nicht angenommen. Arbeitsaufnahme für drei Monate verschoben. Die„Arbeitsschlacht" ist verschoben; man kann getrost von einer Schiebung sprechen. Der Schwindel mit den Autostraßen Vor einigen Wochen hat Hitler die diesjährige„Arbeitsschiacht" in Unterhaching an der Baustelle der Reichsautobahn mit einer großen Rede eröffnet. Dieser Ort war gewählt worden, um die große Bedeutung der Reichsautobahnen zu unterstreichen, die das Paradestück der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffung sind. Seit Monaten schon kahn sich die deutsche Presse nicht genug tun, das „gigantische Werk" von allen Seiten zu beleuchten, herauszustreichen, zu würdigen. Soll es sich doch um eine persönliche Idee Adolf Hitlers handeln, der in Unterhaching selbst sagte:„Gewaltig ist dieser Plan und symbolhaft für die Größe der uns gestellten Aufgabe." Gewaltig und symbolhaft soll die Idee sein, wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Darüber erfährt man aus den Reden der Führer nie etwas. 1500 km sollen im Bau begriffen sein, 15 000 Arbeiter sollen daran arbeiten und dreiviertel Milliarden sollen bereit gestellt werden. Schon das sind keine überwältigenden Zahlen. Unter den großen Bauten, die von der November-Republik auch wirklich durchgeführt worden sind, finden sich zu Dutzenden solche, die es an Größe und wirtschaftlicher Bedeutung mit dem„gewaltigen Plan" ohne-weiteres aufnehmen können. Jahr für Jahr wurden von der Republik aiiein für den öffentlichen Wohnungsbau über eine Milliarde aufgewendet und 300 000 Wohnungen und mehr jährlich dafür gebaut. Was aber von dem„gigantischen Auto- straßenproiekt wirklich in Angriff genommen worden ist, das erfährt man nur durch einen Zufall Die„Frankfurter Zeitung" bringt in ihrem technischen Beiblatt vom 30. März eine Uebersicht über den Stand der Arbeiten an den R e i ch s a u t ob a h n e n und darnach sieht der nationalsozialistische Arbeitsbeschaffungs-Alltag so aus: Die einzige Strecke, an der überhaupt in nennenswertem Umfange gearbeitet wird, ist die Strecke Frankfurt/Main— Darmstadt— Mannheim— Heidelberg, für die die Pläne schon um Jahre zu- tückliegen. Hier sind von insgesamt 96 km für 67 km die Arbeiten vergeben, für 10,5 Millionen Mark Aufträge verteilt und 6000 Arbeiter beschäftigt. Wie lang werden diese drei Monate sein? Das geht die Maulkorbträger im Dritten Reiche gar nichts an. Sie haben den Tamtam durch den Rimdfunk raitanhören dürfen. Nun mögen sie ruhig glauben, daß die Arbeitsschlacht im Gange ist, daß nun auch in Kemnitz-Stetzsch bei Dresden die Leute arbeiten wie die Bienen — wenn sies nur glauben! Glauben macht selig. Es soll aber doch geschehen, daß die Leute über diese„ersten Spatenstiche" stolpern. Und das merkwürdige ist: sie stolpern, gerade weil das Loch eingeebnet worden ist! In weitem Abstand folgt dann die Strecke München— Reichenhall— Landesgrenze, an der auch Unterhaching liegt. Hier sind für ganze 7 km bisher die Arbeiten vergeben und nicht 2700 Arbeiter— wie der„Völkische Beobachter" anläßlich der Berichterstattung über Unterhaching behauptete— beschäftigt, sondern nur 700! Dann aber ist es auch schon aus! Die „Frankfurter Zeitung" stellt nüchtern und sachlich fest: „Strecke Elblng— Königsberg: Auftragshöhe Mk. 300.000.— I Strecke Köln — D ü s s e I d o r f— E ssen— Dortmund: Die Absteckungs- und Rotadungsarbelten im Duisburger Waid haben begonnen. Strecke Bremen— H am bürg— Lübeck; Im Februar wurden die ersten Arbeiten vergeben. Strecke Stuttgart— Ulm: Es wird letzt mit den Absteckungsarbelten begonnen. Strecke Hannover— Magdeburg: Die Einzelprojektierung ist begonnen, in zwei Monaten fangen die eigentllcfaen Bauarbeiten an, auf einer Länge von 11 km(!)." Ueber die übrigen Streckenabschnitte wird überhaupt nichts gesagt, offenbar, weil selbst ihre Planung noch in den ersten Anfängen steckt, geschweige, daß schon von lausenden beschäftigten Arbeitern berichtet werden könnte. So siebt die Arbeltsbescfaaffung der Nationalsozialisten in Wirklichkeit aus! In ihren Reden werfen sie mk den Milliarden herum und In Wirklichkeit sind sie über Projektierungen und Rodungen noch nicht nennenswert hinausgekommen. Wenn sie wirklich etwas aufweisen wollen, dann müssen sie auf Leistungen der dreimal verfluchten Novemberverbrecher zurückgreifen wie bei dem großen Schiffshebewerk l" Niederfinow! Dieses Werk— von Hitler i" seiner Rede als das größte Hebewerk der Welt gerühmt, von Göring und Heß zu gleicher Zeit feierlich eingeweiht— ist 1926, mitten in der tiefsten Republik, begonnen worden und hat acht Jahre hindurch 1000 Arbeitern Brot und Arbeit gebracht— leider ohne daß die Republik es verstanden hätte, mit dieser wie mit allen ihren anderen Leistungen auch nur einen Bruchteil der Reklame zu machen, die Jetzt die Nazis mit bloßen Plänen entfalten, deren Verwirklichung noch völlig in, Nebel liegt! Das Bubenstück gegen Severing Eine kommunistische Fälschung hu DI©nste der Hitlerpropaganda Die„Deutsche Freiheit" in Saarbrücken enthüllt die Herkunft der Bübcrcf gegen Carl Severing: „In Saarbrücken erscheint seit einigen Wochen eine kommunistelnde Wochenschrift„Deutsche Volfcszeltung". Ausgerechnet sie war in der Lage als einzige Zeitung der Welt, das Vorwort Severings zu seinem viel berufenen Buche zu veröffentlichen. Es war aber nur ein vorzeitiger Aprilscherz, des geistigen und moralischen Niveaus eines solchen Blattes würdig, im Briefkasten machten die Herren Redaktlcrasbübchen: Actsch! Sie grinsten übet einen Hauptspaß. denn sie hatten das„Vorwort Severings" unter Benutzung entsprechend herausgerissener und retuschierter Stellen aus alten Reden Severings und aus seinem vor einem Jahrzehnt erschienenen Buche.Aus dem Wetter- und Watterwänkel" selbst fabriziert. Das„Vorwort" wurde einer russischen Emigrantenzettung„Neueste Nachrichten" zugespidf. Nehmen wir wohlwollend an, dieses Blatt habe die Aufklärung der Lausbüberei im Briefkasten der „Deutschen Volkszedtung" nicht gelesen. E* nahm jedenfalls das Vorwort ganz und SaT ernst. Nun stürzte sich ahnungslos die Pariser Zel t ungs ko rres p ondenz Jn' preß" auf die Sensation und stellte sie wer weiß wieviel Redaktionen zu. Nun wurden gerissene Propagandisten in Deutschland hellhörig.„Severings Weg zu Hitler"-- das mußte vrie ein« moralische Erschütterung der verhaßten Marxisten in Deutschland, mußte als eine moralische Eroberung des deutschen Faschismus if Auslande wirken. Freilich,„Inpreß" oder eine Zeitung grierter Journalisten durfte nicht als Quelle*«' nannt werden. Also wurde die hochkapitalistische„R h e i n i s c h-W estfällsche Zeitung" zur Aufnahme der Notiz kommandiert, und nun ging die Meldung durch Rundfunk u"*1 Telephon über die ganze Erde. Tau- sende und tausende Zeitungen, zehntausend vielleicht meldeten, schrieben, leitartlkelten, daß der berühmteste und ehedem hltleTfeindJichste deutsche Sozialdemokrat seines Herzens Zuf® folgend zum Nationalsozialismus übergegangen sei" Dieser Sdnirkenstrdcb gegen Severing f5t also nicht im Reichspropagandanrinisteriuni, sondern in einer kommunistis chcn R4' daküonsstube ausgeheckt worden Der Chef der Gesfapa Eine Skizze« kein Charakterbild Der Name Diels war vor der Hifierdfcta- tur in der deutschem Oeffentlichkeit unbekannt. Heute bedeutet Diels so viel wie Geheime Staatspolizei(Gestapa), bedeutet Kolumbla- haus, ein Wort, das in Deutschland nur geflüstert wird. Nie hat Diels eine nationalsozialistische Wahlrede gehalten, nie zählte er zu den Größen der Partei, als sie unter Hitlers Führung die Weimarer Republik berannte. Er stand sichtbar jenseits der Barikade. Der demokratische Staatssekretär Abegg hatte ihn, der das demokratische Parteibuch in der Tasche hatte, im Jahre 1930 als seinen Vertrauensmann in die politische Polizei des preußischen Innenministeriums geholt. Im Demokratischen Klub in der Viktoriastraße lernten die Berliner Demokraten den jungen, schlanken, gut angelogenen Assessor kennen und freuten sich über den Zuwachs an Macht, den ihnen diese Berufung zu bringen schien. Man lud ihn ein, dahin und dorthin, und da er gute Manieren, ein bescheidenes Wesen, ein eigenes Auto und als Frau eine Tochter der Röhren-Mannesmann hatte, fand Abegg für die glückliche Auswahl, die er da getroffen hatte, bei seinen Parteifreunden volle Anerkennung. Es dauerte nicht lange, so mußte Diels auch schon allein mit Parlamentariern, Redakteuren und Parteifreunden verhandeln, denn auf keinen andern Beamten der politischen Polizei glaubte Abegg sich mehr verlassen zu können als auf diesen fleißigen, gewandten Parteifreund. Langsam, ganz langsam machte Diels sich breit Nicht daß er sich mit spitzen Ellenbogen durchgedrängt und sich Feinde gemacht hätte, um möglichst schnell Karriere zu machen— Diels hatte keine Ellenbogen. Wie ein Aal schlängelte er sich überall durch und gedieh dabei. Von früh bis abends war er im Ministerium anzutreffen, immer versprach er zu helfen, den Kommunisten wie den Nationalsozialisten, und wenn die Hilfe dann ausblieb, waren eben Mächtigere seinen Intentionen nicht gefolgt. Nie versäumte er, dorarttge Andeutungen ins Gespräch einzuflechten. Diels war ein Wundermenn. Niemandem im Preußischen Landtag konnte entgehen, daß zwischen dem demokratischen Staatssekretär Abegg und seine« Leiter der Polizelabtetlung, dem Ministerlaidirektor Klausener, einem fanatischen Zentrumsmann und Vorsitzenden der Katholischen Aktion, das denkbar schlechteste Verhältnis herrschte. Die Ministerialbürokratie war in zwei Lager gespalten und man konnte sicher sein, von Abegg über jeden Ministerial- beamten stets das entgegengesetzte Urteil zu erhalten wie von Klausener und umgekehrt Nur Diels machte eine Ausnahme. Auf ihn schworen beide. Klausener behandelte ihn als seinen besten Vertrauensmann und ließ sich davon auch nicht abbringen, als Aheggs Vertrauen zu Diels von Tag zu Tag wuchs. Als Zentrumsabgeordnete ihren Parteifreund Klausener vertraulich warnteh, lachte der Polizeigewaltige und versicherte ihnen unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit, daß er täglich mit Diels unter vier Augen lange Gespräche habe und gerade dadurch stets wisse, was der Staatssekretär in seiner Zentrumsfeindlichkeit plane. Der 20. Juli 1932 riß jäh den Vorhang von dieser Idylle. Ueber Nacht war durch den Staatsstreich Papens Abegg jeder staatlichen Macht entkleidet. Ein konservativ-reaktionäres Regime setzte ein, der Essener Oberbürgermeister Bracht wurde Vogt im Preußischen Innenministerium und die„Säuberung" der Behörden von Republikanern begann. Abegg wurde entthront, Klausener versetzt. Und Diels, beider Freund? Er wurde der engste Mitarbeiter von Bracht. Mit ihm beriet der neue Mann, wie sich bald zeigte, die Durchführung des Ausnahmezustandes. Wer im Ministerium des Innern vorsprach und Bracht nicht erreichte, ging, wie früher. wenn er Abegg nicht erreicht hatte, zu Diels, der nach wie vor gut unterrichtet war, denn nlemaad hatte auch so gute Beziehungen zur Reichswehr wie dieser jüngste Beamte der politischen Abteilung. Und die Reichswehr war der Träger des Ausnahmezustandes. Sie hatte Bracht gesagt, daß er sich auf Diels verlassen könne. Das offene Haus, das der reiche Schwiegersohn der Schwerindustrie geführt hatte, begann sich bezahlt zu machen. Schleicher hatte durch Diels stets erfahren, was seine Gegenspieler in Preußen planten, denn beim Glase Wein machte Diels aus seinem Herzen erst recht kein Geheimnis. Warum soll man auch den Freunden des Hauses nicht mit Vertrauen entgegenkommen? Bei einer Zigarre läßt sich harmlos erzählen, wie Abegg mit Torgier verhandelt habe, um die Kommunisten gegen gewisse polizeiliche Zugeständnisse zu einer parlamentarischen Unterstützung des Kabinetts Braun zu bewegen... Die Reichswehrmajore gingen immer zufrieden nach Hause und die Bendlerstraße war von der Unent- behrlicfakeit ihres Diels genau so Uberzeugt wie Abegg und Klausener, bei denen sich Diels am nächsten Morgen wie immer einfand und gut dosierte Mitteilungen aus dem Reichswehrministerium überbrachte. Als die Regierung Braun-Hirtsiefer an den Leipziger Staatsgerichtshof appellierte und die angebliche Unterredung Abegg-Torgler-Diels die Hauptstütze der Klagebeantwortung des Reiches bildete, hatte die Lüge längst ihre Schuldigkeit getan. Bracht saß in dem Ministersessel und nach Diels Meinung konnten nur Schwachsinnige glauben, daß eine Widerlegung das Rad der Geschichte zurückdrehen würde. Bracht kämpfte einen verzweifelten Kampf gegen die Nazis und scheute die Feindschaft mit Papen nicht, als er sich für Schleicher entschied. Jede Phase dieser Entwicklung hat Diels als die rechte Hand Brachts miterlebt und beeinflußt Ais Bwdrt unter Schleicher seinen polltischen Höhepunkt erreichte und seine politische Polizei die Querverbindung Papen- Hitler-Baron Schröder zu überwachen hatte, war es Diels, auf den sich der rücksichtslos brutale Bracht verließ. Er hätte nicht einen Augenböck gezögert zuzupacken, wenn Diels es geraten hätte. Als sich daher Ende Januar 1933 der Kampf zwischen Schleicher und Papen aufs äußerste zuspitzte, schmunzelte mancher der Wissenden bei dem Gedanken, daß der Sieg Papens auch den Sturz von Diels bedeuten würde. Und gar wenn die Nazis ans Ruder kommen würden... Nie würden die ihm vergessen, daß er die Röhmbriefe der Linken in die Hand gespielt hatte 1 Schleicher stürzte, Hitler kam und Göring zog ins Preußische Polizeiministerium ein. Seine erste Regierungshandlung war die Bildung eines Geheimen Staatspolizeiamtes mit unerhörten Vollmachten, nicht zur Bekämpfung, sondern zur Vernichtung der politischen Gegner. Zum Leiter dieser großen neuen Behörde aber wurde ernannt— der Oberregie- mngsrat Dr. Diels. Severing verraten, Abegg verraten, Klausener verraten, Papen verraten, Bracht verraten, Schleicher verraten! Göring wußte, warum er siöh diesen Mann auswählte. Zu dem Amt, das Diels heute hat, muß man durch einen solchen Sumpf von Verrat gewatet sein, um ihm gerecht zu werden. Augenblicklich scheint Diels wieder zu schwanken. Aber es scheint nur so! Längst hat er den Anschluß an Hitler gefunden, um bei einem Sturz Görings nicht mit in den Strudel gerissen zu werden. An weitere Veränderungen In der nächsten Zelt glaubt er nicht.„Sie werden eines Tages auch noch um einen Kopf kürzer werden", hat ihm wutschnaubend erst vor kurzem ein Deutschnationaler zugerufen und ihm seine Verräterei vorgehalten, als ihm Diels auf Grund von Spitzelberichten vorwarf, er versuch« die Deutschnationale Partei wieder aufzubauen. Diels blieb liebenswürdig und da das Gespräch keine Zeugen hatte, antwortete er verbindlich:„W arumsoll gerade ich einen Kopf kürzer werden? Der große Tayllerand ist genau so im Bett gestorben wie der kleine Fouchö." Ii ingekehrtes Sarajevo Diktaturländer bewaffnen Attentäter Das Attentat von Sarajevo, dem im Juni 1914 der österreichische Thronfolger Erzherzog Ferdinand zum Opfer fiel, gab das Signal zum Weltkrieg. Mit der Behauptung, daß die Verschwörer auf serbischem Gebiet ausgerüstet worden seien, begann die Habs- hurgermonarchie ihren Angriff. Wer hat bemerkt, daß ein neuer„Mord von Sarajevo"— nur mit umgekehrten Vorzeichen — gerade noch um Haaresbreite vor wenigen Wochen an Europa vorbeigegangen Ist? Mit umgekehrten Vorzeichen,— denn das Opfer sollte diesmal der König der Serben sein und die Verschwörer saßen auf österreichischem Boden, nämlich in Wien! In Belgrad sind am 28. März d. J. drei sogenannte kroatische Terroristen hingerichtet worden. Ihre Namen lauten Oreb, Begovlö und P o d g o r e 1 e c. Sie hatten im Dezember 1933 ein Attentat gegen den König Alexander von Serbien vorbereitet, Che Gerichtsverhandlung hatte ein Ergebnis, üas sich genau so liest wie das österreichische Memorandum von 1914 über den Mord von Sarajevo, nur mit der Umkehrung, daß damals die Mörder des Habsburgers von Serbien unterstützt worden sein sollten, während Jetzt "n Hintergrund des mißlungenen Attentates uicht allein Oesterreich, sondern die gesamte„revisionistische" Gruppe der Diktaturstaaten erscheint: Ita- ' i e n mit seinen Anhängseln Oesterreich und Ungarn sowie Deutschland. Die lerroristische Organisation„UstaSa", der die Verurteilten angehörten, hatte ihren Hauptsitz I n W i e n. Ihre Führer Dr. Artucowicz, Wladimir Singer und W. Petschnfker sind am März im Zusammenhang mit dem Belgrader Prozeß verhaftet worden. Von Wien Jedoch liefen die Fäden welter. Oreb, Begovld und Podigorelec sagten im Prozeß Einzelheiten aus, die ein seltsames Bild enthüllten. Die„UstaSa" besttzt Zweigstellen und Mitglieder In Ungarn, Oesterreich und Italien. Sie sammelt ihre Mitglieder in Lagern, von denen dasjenige in Borgotaro und Vichctto die bekanntesten sind und der Unterweisung der Terroristen im Bombenwerfen u. a. dienen. Oreb gestand, daß er lange Zelt in den Lagern weilte und gewisse italienische Städte berelate. Nach seinen Aussagen nahm an der Ausarbeitung der Pläne für das Königsattentat VI. Singer teil. Dieser Singer saß in Klagenfurt und organisierte von hier aus Anfälle gegen Jugoslawien. Es wurde festgestellt, daß die Terroristen magyarische Pässe besaßen. Sie drangen sowohl von Ungarn, als auch von Oesterreich und Italien nach Jugoslawien ein und sie waren es, die die bekannten Attentate auf jugoslawische Schnellzüge vorbereiteten und verübten. Ihre weiteren Objekte waren Brücken, Gendarmeriestationen und das Leben führender Persönlichkeiten.(Wegen solcher Brückenattentäter wurden z. B. am 27. März ein gewisser Dimltrü, Grantschitsch und ein Manov Gavrilo Janowitsch hingerichtet,) Der Königsmord sollte den Höhepunkt dieser Tätigkeit bilden.— Sie waren es, die die Unruhen in der Lyka organisierten und der in Wien verhaftete Artukovid, ein ehemaliger Advokat in Gospid, wirkte dabei von Zadar aus mit. Die dt ei zum Tode Verurteilten bekannten, daß sie ihre Druckschriften In Deutschland drucken ließen und hi diesen Druckschriften wird offen von Attentaten gesprochen. Bei den Verhafteten in Wien fand man umfangreiches belastendes Material. Für den Kundigen sagt das genug. Jugoslawien ist ein wichtiges Glied der mit Frankreich verbündeten Kleinen Entente, und so finden die Attentäter gegen sein Fürstenhaus in allen Staaten der revisionistischen Diktatur Unterschlupf. Besonders pikant liest sich dabei für den Deutschen, daß diese Terroristen ihr Druckmaterial— ausgerechnet in Hitlerdeutschland herstellen ließen und es offenbar auch ungestört tun konnten, während die gesamte Gestapo, SA und SS dauernd hinter marxistischen Gehehn- druckereien herjagen! Das Attentat gegen Alexander mißlang, weil der Verurteilte Oreb versagte. Hätte er bessere Nerven gehabt, wer weiß, wo wir heue ständen! Vielleicht genau da, wo Europa nach der Ermordung des Erzherzogs Ferdinand stand. Der Funke ist diesmal nicht ins Pulverfaß geschlagen, aber das gibt keinen Anlaß zur Beruhigung; das Pulverfaß ist geblieben und Funken schwirren genug in der geladenen europäischen Atmosphäre! Julius Civilis. schaffenen Siedlungen auf etwa 4000 geschätzt. In der Tat, der Generalfeldmaxschall hat sich die Neudeck-„Landzulage" von knapp 5>000 preußische Morgen redlich verdient!— Nachzutragen ist noch, daß in genau gleichem Maß, wie die Siedlungstätigkeit im ersten Jahr des Hitler-Heils zurückgegangen ist, die Summe der ausgezahlten Osthilfedarlehen anstieg; und zwar nach dem letzten Ausweis der Bank für Indu- strieobligationen von 160 auf 340 Millionen Reichsmark. Hlndenburg hat sich um die Verhinderung der Siedlung verdienter gemacht als Irgend ein anderer Deutscher. Jetzt hat der ostpreußische Großgrundbesitz in Hitler einen zweiten gleichwertigen Helfer. Schon heute läßt sich aus den uns zugehenden Mitteilungen entnehmen, daß hn Jahr 1934 nicht einmal wenige hundert Siedler- steilen errichtet werden dürften! Und es ist nicht schwer vorauszusagen, daß am Ende des„Vierjahrcsplans für den deutschen Bauer", den Hitler am Tage nach seinem Machtantritt verkündet hatte, jede Spur von Siedlungstätigkeit ausgerottet sein wird. M. B. Die braunen Schildbürger In Braunschwedg hat sich eine äußerst komische Affäre ereignet Sie Ist höchst charakteristisch dafür, in welchem Lausejunge n- stll im barbarisierten Deutschland der Hitler und Göring„Politik" gemacht wird. In Braunschweig gibt es eine Jerusalem- s t ra B e, die seit geraumer Zeit den Zorn der rassegeeichten Antisemiten erregte. Es ginge nicht an, so erklärten die Geslnnungs- tüchtigen erregt,„Juda mitten in Deutschland triumphieren zu lassen. Schließlich wurde der Jude verbrannt und die Straße mit dem anständigen Namen in „Baidur von Schirach-Straße" umgetauft Bis vor drei Tagen. Seit dieser Zeit heißt sie wieder Jerusalemstraße. Es hat sich nämlich zur allgemeinen Heiterkeit herausgestellt daß die Strafte Ihren anrüchigen Namen zu Ehren des kernari sehen Abtes Jerusalem erhalten hat.—! Jüdischer Friedhof geschändet In Kettwig v, d- Brücke wurden auf dem an einer Anhöhe liegenden Jüdischen Friedhof in einer Nacht 30 Grabsteine umgestürzt Trotz der vom Vorstand der jüdischen Gemeinde ausgesetzten Belohnung konnte man der Täter noch nicht habhaft werden. Der Sieg des Feudalismus Starker RUtkgang der Siedlungstätigkeit „Kameraden! Die Vorarbeiten zu einem großzügigen Ansiedlungswerke sind Im Gange: die Ausführung wird unverzüglich beginnen... Die heimkehrenden Krieger sind die ersten, diesen Dank des Landes zu empfangen. Auf billig erworbenem Land mit billigem öfient- lichen Gelde werden für Landwirte, Gärtner und Handwerker Hunderttausende von Stellen errichtet. Das große Werk ist schon begonnen. Habt nur kurze Zelt Geduld!" Der dies sagte, ist heute Großgrundbesitzer von Neudeck. Die Sätze sind dem Aufruf des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, den er im November 1918 an die Armee erließ, entnommen- Das erwähnte Siedlungswerk sollte ein Drittel des ostelWschen Großgrundbesitzes aufteilen. Bisher ist nicht einmal ein Drittel dieses Drittels der Siedlung zugeführt. Und was überhaupt bisher für die Siedlung getan worden ist, geschah ausschließlich in den„14 Jahren des Weimarer Systems". Selbst nach den eigenen Vorstellungen der Nazis gibt es kaum einen nationaleren und sozialeren Punkt in ihrem Programm als die Siedlung. Aber nun sind die„Siedlungsbol- schewisten" Brüning und Schleicher verjagt und Hitlers„Agrarspezialisten" erklären jetzt feierlich, daß kein Großgrundbesitz angetastet werden dürfe. Was im ersten Hitlerjahr auf diesem Gebiete getan wurde, ist viel weniger als man selbst nach der Weiterzahlung der Osthilfegelder und nach dem im Sommer 1933 erlassenen neuen Entschuldungsgesctz hätte erwarten können. Während nämlich die Gesamtzahl der im ganzen Reich geschaffenen Siedlerstellen im Jahre 1932— obwohl das Papen-Kabinett weiß Gott nicht siedlungstreundllch war— 8877 betrug, wird in der selbstverständlich gleichgeschalteten„Sozialen Praxis" vom 8. März 1934 die Zahl der im Jahre 1933 ge. Heue Wörter- derselbe Schwindel Der abgeschaffte»Arbeitsmarkt« Viele Mitläufer des Nationalsozialismus hatten die Illusion, daß der Ausrottung des Marxismus eine„sozialistische" Umwälzung folgen sollte. Noch bis um äe Mitte des Vorjahres waren aus diesem Irrglauben heraus zahlreiche Einzelaktionen der Nazibetriebszellen gegen die Unternehmer gemacht worden, bis Adolf Hitler am 2. Juli 1933 dem sozialistischen Spuk ein jähes Ende bereitete. Die zweite Revolution wurde unter Androhung strengster Strafen abgesagt Da aber trotz der„Aufhebung des Klassenkampfes" die Klassengegensätze in verschärfter Weise weiter bestehen, will die Unruhe in den Betrieben nicht weichen. Die Sorge der Belegschaften, daß zum 1. Mai mit dem Wegfall aller tariflichen Bindungen eine neue Welle des Lohnabbaus einsetzen wird, hat auch die Naziproleten schon erfaßt. Obwohl die Verbände der Arbeitsfront nur beharrlich„volksgemeinschaftliche Erziehungsarbeit" leisten, wollen die Belegschaften immer noch nicht begreifen, daß die Betriebsgemeinschaft zwischen dem Unternehmer-Führer und seiner Gefolgschaft die Grundlage sein soll, auf der sich das betriebliche Leben sozial abspielen könnte. Der Reichskanzler hat in seiner Frühlingsansprache nochmals versichert, daß„eine Armee von deutschen Arbeitern das Werk", das die Regierung beschlossen hat, verwirklichen werde: „Denn es ist ein schönes Bewußtsein, an einem Werke mizuhelfen, das nicht den Interessen eines einzelnen dient und nicht im Besitz des einzelnen ist, sondern allen gehör L" Die Arbeiter und Angestellten haben aber von dieser Enteignung der Besitzenden zugunsten der Allgemeinheit noch nichts bemerkt. Wenn man den ganzen Schwindel der angekündigten zweiten Arbeitsschlacht zu lesen bekommt, so könnte man nach den Phrasen des„Arbei- tertums" fast glauben, daß es eine Schlacht um den Sozialismus werden soll. Vorsichtig, wie die Herren Nationalkapitalisten nun einmal sind, fügt das„Arbei- tertum" hinzu: „Sozialistisch, das bedeutet, daß die Leistung und die Arbeit für die Allgemeinheit die Menschen bewertet" Diese Bewertung der Menschen liegt im Nazistaat in der Hand des kapitalistischen Unternehmers, der zum Führer in Wirtschaft und Betrieb erkoren Ist Die Marxisten dagegen wollten das wahre Wesen des Sozialismus„tarnen". Mit der ganzen Kühnheit, wie sie nur einem Nichtwissenden zu eigen ist schreiben diese Pseudosozlalisten gegen die Marxisten: „Es ist ja nicht so selten im Leben, daß man Leute mit großtönenden dämmen Worten einfängt die sie nicht verstehen tollen, deren Gebrauch aber einen Schein des Ver- stebens der ganzen Materie vortäuschen." Jetzt werden die Faschisten den Marxisten noch erklären, was Sozialismus Ist Nach der letzten„Holzarbeiter-Zeitung" ist„die materialistische Welt bereits zerbrochen, neue Formen werden sichtbar". Ist etwa das Eigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln auf die Gesellschaft übergegangen und ist das Privateigentum abgeschafft? Nichts von alledem, aber etwas anderes ist geschehen. Lassen wir die„Holzarbeiter-Zeitung" sprechen: „Neue Wörter— nicht mühsam gesuchte, sondern natürliche ungekünstelte aber treffende Worte sind plötzlich da,.." Arbeitsmarkt soll durch Arbeitseinsatz ersetzt werden.„Die Wortprägung Arbeitsmarkt war typisch marxistisch- liberalistisch". Die Arbeitskraft ist im Nationalsozialismus keine Ware mehr. Es gibt keinen„Markt der Arbeit" mehr! „Der Staat muß darum und der nationalsozialistische Staat wird ledern, der Arbeitsmöglichkeit sucht, AibeltsmögllchkeM bieten..." Bisher bestand im Dritten Reich das Recht auf Arbeit darin, daß die Unterstützungsempfänger gegen Unterstfltzungs- beträge Arbeit leisten müssen. Von einer Entspannung oder Beseitigung der Arbeitsmarktlage ist nichts zu sehen. Mit einer Stirn, wie sie nur ein Nazi haben kann, schreibt der braune Theoretiker Bernhard Köhler: „Weder die Pflicht noch das Recht, durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu erwerben, darf durch Irgendeine Gesellschafts- oder Wirtschaftsform eingeschränkt werden." Diesen Leitsatz wagt man den Arbeitern inmitten der Krise desselben Kapitalismus zu predigen, der vom Faschismus allem noch gestützt wird. Der restlose Einsatz der dem Volk gegebenen Arbeitskraft ist erst möglich, wenn Kapitalismus und Faschismus durch den Sozialismus überwunden sein werden. Auch das Wort„Unternehmer" soll abgeschafft und durch„Führer" ersetzt werden, als ob die Nazis das Profitsystem auch nur angetastet und durch eine Staatswirtschaft abgelöst hätten. Wirtschaftsführer, so wird weitergelogen, sei „kein Prädikat, das einem zufällt, weil man zufällig an der Spitze einer Wirtschaftseinheit steht." „Wirtschaftsführer im nationalsozialistischen Deutschland wird man erst durch Erziehung." 0 nein, Führer in Deutschland wird jeder Betriebsinhaber, der Kapitalist ist. Er kann sogar Nichtarier sein. In der Ernennung zum Führer des Betriebes entscheidet allein das Geld. Die„n e u e n W ö r t e r" scheinen auch nichts zu helfen. So beschwert sich die „Techniker-Zeitung" vom 20. März 1934 über eine der früher führenden liberalen Zeitungen, die in einem Aufsatz:„D e r U n- ternehmer und die neue Zeit" die Auffassung vertrat,„daß das nationalsozialistische Deutschland jetzt dem Kapitalismus von der psychologischen Seite her eine neue, vielleicht die letzte Möglichkeit biete." Mit höchster Entrüstung meint die „Techniker-Zeitung": „Höher gebts nimmer. Wir sind aus den vergangenen Kampfiahren an allerhand RabuHstik gewöhnt, hielten es aber bisher für unmöglich, daß Epigonen einer rettungs- los dem Untergang geweihten kapitalistischen Epoche ausgerechnet in dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit den letzten Rettungsanker suchen, das in der Tat dem kapitalistischen Prinzip den Garaus macht..." Armer Tor, der dem Kapitalismus den Garaus machen möchte und nicht merkt, daß er selbst zu den traurigen Epigonen dieses dem Untergang geweihten Kapitalismus gehört! Jene einstmals liberale Zeitung hat das Sklavengesetz durchaus richtig verstanden, wenn sie in ihm eine letzte Chance für das verfallene Wirtschaftssystem erblickt. Die Nazifunktionäre haben das wohl noch nicht alle bemerkt. Aber bei den Arbeitern und Angestellten hat es sich herumgesprochen. Sie wird man auch mit den neuen nationalsozialistischen Wörtern für alte kapitalistische Begriffe nicht dumm machen können. Die Arbeitskraft wird als Ware auf dem Arbeitsmarkt solange verkauft werden, solange die faschistischen Kapitalsknechte dieses unsittliche Wirtschaftssystem stützen. Ihr Sozialismus ist Lüge. An dieser Lüge von der Unterwerfung der kapitalistischen Wirtschaft unter den Nazistaat wird der Faschismus zerbrechen. geltung der Tariflöhne unbefristet erfolgt. Von einer Weilerdauer der tarifvertraglich vereinbarten Löhne kann also keine Rede sein. Zweck der Aufhebung der Tarifverträge bleibt. freie Bahn für den Lohnabbau zu schaffen. Aufhebung des IVachlbackverbofes! Ab 1. April gilt laut Beschluß der Hitlerregierung das Nachtbackverbot als aufgehoben. Bekanntlich erledigte sich die Nachtbäckerei während des Krieges von selbst, da es infolge des Mehbnatigels gar nicht nötig war, zur Nachtzeit zu backen. Bis zu diesem Zeitpunkte hatten die freien Gewerkschaften energisch das gesundheitsschädigende Nacht- backen bekämpft und wiederholt sein Verbot gefordert. Nach dem Kriege wurde das Nachtbackverbot Gesetz. Und Jetzt hat es der Reichsernähmngsminister Darre wieder beseitigt! Ab 1. April haben die Bäcker wieder wie früher weder Sonn- noch Feiertag, müssen Nacht für Nacht am Backofen stehen und kommen auch am Tage nicht zur Ruhe. In den Reihen der Bäcker herrscht Ober die Aufhebung des Nachtbackverbotes große Empörung. Der Erlaß der Hitierregierung wirkt um so erbitternder, da er herausgegeben wurde, ohne daß vorher mit den Vertretern der Bäckermeister und Gesellen darüber verhandelt wurde. Eine Serie stürmischer Innungsversammlungen und lebhafte Proteste sind bereits die Folgen gewesen. Weltergeltung der Tarif vertrage? Die Unruhe in den Betriehen, die durch die Ankündigung der Auflösung aller Tarifverträge zum 1. Mai entstanden ist, hat den Reiohsar- beitsrainister veranlaßt, im letzten Augenblick eine amtliche Meldung verbreiten zu lassen, die den Anschein erwecken soll, als würden die bisherigen Tarifverträge inhaltlich über den 1. Mai 1934 hinaus in Geltung bleiben. Es heißt in der Anordnung, daß die am 30. April 1934 noch laufenden Tarifverträge solange unverändert als Tarifordnungen weitergelten, bis der Treuhänder der Arbeit ihren Ablauf anordnet oder sie abändert Diese Anordnung ermnert lebhaft an die Erktärungen, wie sie am 2. Mai 1933 anläßlich des Raubes der deutschen Gewerkschaften abgegeben worden waren. Damals hieß es, man wolle die Gewerkschaften aufrechterhalten, während sie wenige Monate nachher als wirtschaftliche Arbeitnehmervertretimg aufgehört haben, zu bestehen. Mit den Tarifverträgen liegt es praktisch so, daß die Treuhänder eine kurze Uebergangszeit haben müssen, um überhaupt nach dem 1. Mai die neuen Löhne regeln zu können. Es müßte ein völliges Lohnchaos eintreten, wenn nicht für diese Uebergangszeit zunächst die alten Tariflöhne ih die Tarifordnungen übernommen werden würden. Diese Uebergangsregelung ändert aber nichst an der Tatsache, daß die Tarifverträge, die allein zeitlich befristete Bindungen für den Unternehmer enthalten haben, am 1. Mai 1934 außer Kraft gesetzt werden. Die au ihr« Stelle tretenden Tarifordnungen sind, rechtlich gesehen, lediglich Anweisungen der Treuhänder, die von diesen täglich erlassen, abgeändert oder aufgehoben werden können. Es Ist also nur ein technischer Behelf, daß bis zur Anordnung der neuen Löhne die bisherigen Tariflöhne bestehen bleiben und es ist kennzeichnend für dieses weitere Täu schungsmanöver. daß die angeordnete Weiter- Stammtlsche verboten Das hessische Staatsministerium hat an alle Staats- und Kommunalbehörden einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt: „Das Leben des deutschen Menschen und ebenso sein gesellschaftliches Leben wird heule, nachdem Staat und Partei zu einem Begriff geworden sind, allein noch von der NSDAP umfaßt Dem Rechnung tragend, muß empfohlen werden, daß staatliche und kommunale Beamte und Angestellte des Landes nicht Mitglieder eines Zivilkasinos, Bürgervereins, Klubs, Gesellschaftsvereins, einer Bürgergesellschaft oder ähnlicher Vereinigungen sind, die nur rein gesellschaftlichen Zwecken dienen." Man weiß im Dritten Reiche sicherlich, daß gerade bei jenen Zusammenkünften rein gesellschaftlicher Art die Kritik und der Witz über das heutige Regierungssystem eine gute Asylstätte gefunden hatten. Daher der Haß gegen solche Veranstaltungen! Soeben erschienen: JUvotU und Der Weg Von Georg Decker Jtiuohdißk zur Freiheit Der Verfasser saß Im Jahre 1933 monatelang hinter den Mauern deutscher Gefängnisse. Er zerfetzt das Parademäntefchen einer„nationalen Revolution" und enthüllt sie als den geglückten„Aufstand der Gescheiterten", die für persönliches Mißgeschick und eigenes Versagen das„System" verantwortlich machten. Georg Decker gewinnt neue Ausblicke auf den Weg zur Freiheit: Die Khift zwischen der angeblichen„nationalen Geschlossenheit" und der realen Wirklichkeit reißt täglich tieler auf.„Es genügt jetzt nicht, die Voraus. Setzungen der im heutigen Deutschland schon vorhandenen Unzufriedenheit zu prüfen, es muß der Weg gefunden werden, diese Unzufriedenheit in politische Leidenschaft und einen fanatfsefaen politischen Willen zu verwandeln." Preis In: Belglea 7.SO Frz./ Bulgarien 35 Lewa/ Dänemark 1.50 Kr./ Deutschland 0.90 RM./ Frankreich 5-50 Frz./ Großbritannien—.1.5 Pfund Sterling/ Italien 4.— Lire/ Jugoslawien 17.— Dinar/ Niederlande—.50 Gulden/ Oesterreich 1.80 Schilling Palästina—.070 P. Pfd./ Polen 1.85 Zloty/ Rumänien 37.— Lei/ Schweden MS Kronen/ Schweiz 1.10 Frs,/ Tschechoslowakei 7— Kö/ Ungarn MO Pengö/ USA. —.35 Dollar. Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt an Verlagsanstalt Graphia, Karlsbad CSR. Der Selbstboykott Butter und Eier werden verteuert Während Schacht vor den ausländischen Gläubem in Verzweiflung die Hände ringt und die Welt beschuldiigt, Deutschland in die Autar- kie getrieben und damit den Ruin seines Außenhandels heraufbeschworen zu haben, wird in aller Stille diese selbe Autarkie vom Reichs- ernährungsmlnl&terium nach Kräften weiter ausgebaut. Die Nationalsozialisten haben bekanntlich eine neue Methode erfunden, die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf ein Mmdestmaß zu drosseln. Sie haben nicht our das Land mit einer Zollmauer von schwin- delhaiter Höhe umgeben, sie haben nicht nur Kontingente festgesetzt, kleine begrenzte Warenmengen, die überhaupt nur ins Land gelassen werden, sondern in letzter Zeit Ist außerdem ein neues System der Einfuhrbeschränkung wirksam geworden: Für die wichtigsten land wirtschafte eben Einfuhrwaren, insbesondere für Butter, Eier und Käse sind Einfuhrztellen geschaffen worden, über die sämtliche eingeführten Erzeugnisse geleitet werden müssen. Diese Stellen haben es völHg in der Hand, die Menge und den Preis der einzuführenden Waren zu bestimmen. Insbesondere können sie auf die ausländischen Waren neben den Zöllen noch besondere„Ausglefchsabga- ben" erheben und damit entweder jede Einfuhr überhaupt ausschließen oder beliebig verteuern. Diese Ausgleichsabgaben sind In den letzten beiden Monaten in aller Stille fortgesetzt erhöht worden. Die Abgabe tür Eier betrug für Februar 13 Mark je Doppelzentner, für März 18 Mark und beträgt für April 22 Mark— in zwei Monaten fast eine Verdoppelung- Gleichzeitig wurde die Ausgleichsabgabe für Butter von 62 Mark pro Doppclzentner im Februar auf 82 für März und April heraufgesetzt Der Zweck dieser Regelung Ist natürlich. die Preise zu erhöhen oder Ihre Senkung entsprechend der Jahreszeit zu verhindern. Und während die wichtigsten Lebensmittel verteuert werden, macht die Regierung auf Kosten der Massen noch ein einträgliches Nebengeschäft: ste streicht die Ausgloichsabgaben ein und hat damit eine neue unkontrollierte Einnahmequelle mehr. Nr. 44 BEILAGE 15. April 1954 Komintern, Wien nnd Berlin Diffamierimg des heldenmütigen Kampfes Verheprlichung des Yerzldits auf bewaffneten Widerstand Mit Verspätung von einem Monat hat die Kommunistische Internationale in einem ellenlangen Aufruf Stellung zum österreichischen Aufstand genommen. Man weiß, was die kommunistische Presse zum Aufstand sagte: nicht nur die kleine kommunistische Presse, wie etwa in der Tschechoslowakei, sondern die kommunistische Weltpresse, die„Prawda" und die „Iswestija-. Sie haben die infamsten Verleumdungen von Dollfuß— Fey gegen die österreichische Sozialdemokratie, die Kriegs-Rundfunklügen der Kleriko-Faschi- sten für echte Wahrheit ausgegeben und in den Schlagzeilen gebracht. Der Aufruf der Kommunistischen Internationale erhebt diese Ausschreitungen der kommunistischen Tagespresse zum System. Das wortreiche Dokument sagt nichts von der außenpolitischen Situation, die die Niederlage des Aufstandes bedingte, von dem faschistischen Staatenblock, der das österreichische Proletariat umzingelte und in dessen Dienste D o 1 1 f u ß und Fey handelten, mit keinem Wort wird d i e Blutschuld Mussolinis als Organisator des faschistischen Staatsstreiches in Oesterreich rewähnt Die einzige Ursache der Niederlage war nach diesem Aufruf der Kampfunwille und die Kampfunfähigkeit der. österreichischen Sozialdemokratie. Es fällt nicht schwer, die Gründe des konzentrierten Hasses, mit dem die Komintern und ihre Parteien in diesen tragischen Wochen die österreichische Sozialdemokratie verfolgten, aufzuklären. D i e österreichische Sozialdemokratie ist für den Bolschewismus politisch und moralisch unbezwingbar. Sie hat die Lebensfähigkeit und die Kampffähigkeit des nichtbolschewistischen revolutionären Sozialismus bewiesen. Sie ist zum Vortrupp der antifaschistischen proletarischen Revolution in Mitteleuropa geworden. Aber es sind nicht allein die politischen Konkurrenzgründe, die die Komintern zur Diffamierung der österreichischen Sozialdemokratie treiben, sondern auch die Stimme des bösen Gewissens. Denn auch die Kommunistische Internationale und die stärkste ihrer europäischen Parteien haben vor kurzem vor derselben Frage gestanden: welches soll das Verhalten der proletarischen Partei in der gegenrevolutionären Situation angesichts des angreifenden Feindes sein? Die Komintern und die KPD haben darauf eine andere Antwort gegeben, als die österreichische Sozialdemokratie: sie haben auf den Widerstand verzichtet! Auf dem letzten Plenum des EKKI stand die deutsche Frage im Vordergrund. Kein Wunder, weil in Deutschland die stärkste Kommunistische Partei des Westens vernichtend geschlagen wurde. Die Kommunistische Internationale hat nun die kampflose Ergebung der KPD nicht nur gebilligt, sie hat darüber hinaus eine allgemeine Theorie der Kapitulation aufgestellt Man hat ausgiebig Lenin zitiert Wann ist nach Lenin der Sieg der Revolution möglich? Nur wenn die Staatsmaschine der Reaktion zersetzt wird und die Volksmassen unter der Führung des Proletariats in eine unwiderstehliche Bewegung gebracht werden. Nie kann dagegen eine Revolution gelingen, wenn der Kampf nur von der Avantgarde des Proletariats getragen wird:„Mit der Vorhut allein kann man nicht siegen." So ist die Kommunistische Internationale zur Erkenntnis gekommen, daß für den Sieg der Revolution eine revolutionäre Situation notwendig ist, und daß die proletarische Avantgarde allein den Sieg der Revolution nicht sicherstellen kann. Aus den richtigen Voraussetzungen werden indessen falsche und gefährliche Schlußfolgerungen gezogen: die Möglichkeit und die Notwendigkeit des aktiven Widerstandes in der gegenrevolutionären Situation wird schlechthin verneint, eine wahre Philosophie der Kapitulation wird aufgestellt.„E s wäre reinster Putschismus, den Kampf gegen die faschistischen Banden und die Reichswehraufzunehmen", erklärt der anerkannte Führer der Komintern M a n u- i 1 s k i.„Es wäre verbrecherische Verantwortungslosigkeit gewesen, zum Aufstand aufzufordern", versichert der deutsche Delegierte Richter. Wenn die österreichischen Schutzbündler nach den Weisungen der Komintern gehandelt hätten, hätten sie zu Hause bleiben müssen! So sehen also diese revolutionären kommunistischen Ankläger der österreichischen Sozialdemokratie aus: sie verlangen für sich das Recht auf kampflose Ergebung, sie verlangen aber von der österreichischen Sozialdemokratie nicht nur den Kampf, sondern auch den Sieg gegen den militärisch überlegenen Gegner. i Manuilski hat die Lage der KPD vor der Katastrophe folgendermaßen beschrieben:„Die Partei stützte sich auf einen Teil des durch die Sozialdemokratie gespaltenen Proletariats, einen Teil, der obendrein von der Bauernschaft und dem städtischen Kleinbürgertum isoliert war, der über keinerlei bewaffnete Kräfte verfügte." Das also war die KPD vor dem Zusammenbruch nach dem Urteil dieses Führers; politisch und militärisch völlig hilflos, unfähig, die Mehrheit des Proletariats zu erobern und zu führen, unfähig in die Massen des Mittelstandes einzudringen, dazu noch wehrlos. Aber dieses vernichtende Urteil ist gar nicht einmal als Kritik gemeint. Es wurde ruhig und kritiklos hingenommen. Niemand hat der Partei ihre erschütternde Wehrlosig- keit vorgeworfen.„Die Partei hat ihre Pflicht bis zum Ende getan", erklärte Pieck. Noch mehr; man hat ihr Verhalten als mustergültig und beispielgebend für sämtliche Parteien der Komintern hingestellt. Jetzt begreift man die kommunistischen Wutausbrüche gegen die österreichische Sozialdemokratie: die Komintern kann der revolutionären, Sozialdemokratie Oesterreichs ihre Wehrhaftigkeit nicht verzeihen, die sich so sehr von der Wehrlosigkeit der KPD abhebt Vermutlich begriffen die Führer der KPD und der Komintern selber nicht, was sie durch ihre Beweisführung erreichen: sie liefern dadurch Argumente für die Rehabilitierung der deutschen Sozialdemokratie. Denn, wenn die KPD richtig, realistisch, ja sogar revolutionär gehandelt hat, dann hat die österreichische Sozialdemokratie, die das Gegenteil davon machte, die die Schlacht lieferte, um in der jetzigen Sprache der Komintern in der Ausdrucksweise von Manuilski und Richter zu sprechen,„putschistisch" und„verbrecherisch unverantwortlich" gehandelt. Dann hat aber der deutsche Reformismus, der ebenso wie die KPD gehandelt hat, das Recht, auch seine Kapitulation für das zweckmäßige und revolutionäre Handeln auszugeben. Aber solche Argumente werden in der deutschen Sozialdemokratie nicht gebraucht und nicht geduldet Kein Führer der alten Sozialdemokratie würde es heute wagen, sich hinter der komintern- schen Amnestie zu verstecken. Wenn Friedrich Stampfer vor einigen Monaten im„Kampf" schrieb;„Wir haben es versäumt aus der Masse unserer Anhänger wirkliche Soldaten der Revolution gegen den Faschismus heranzubilden," so ist es keine Rechtfertigung, sondern eine bittere Selbstanklage. Eine Partei, die ihre kampflose Niederlage als eine politische Katastrophe empfindet, die mit rücksichtsloser Kritik ihre eigene Vergangenheit durchleuchtet und von vorne beginnt, kann auferstehen. Eine Partei, die sich für ihre Kapitulation noch Auszeichnungen verleiht muß sterben. Indessen scheint es selbst der Komintern einzuleuchten, daß man mit solchen Rechtfertigungen nicht weit kommt. Darum wird erklärt, daß die deutsche Arbeiterklasse überhaupt keine Niederlage erlitten hat. Pieck erklärte, daß die faschistische Diktatur in Deutschland gegen eine unbesiegte Arbeiterklasse aufgerichtet wurde, die nur vorübergehend zurückwich. Andere verkünden, daß die neue revolutionäre Welle schon wieder da sei, daß das Proletariat bereits zum Angriff übergegangen sei. Und wenn der revolutionäre Angriff schon da ist, dann selbstverständlich unter der Führung der heroischen kommunistischen Partei. Und nun kommt das Unglaublichste: es wird behauptet, daß das Blutbad der faschistischen Diktatur die KPD gar nicht geschwächt hat, daß die Partei in der Illegalität kaum weniger Mitglieder hat als vor wenigen Jahren in der Legalität. Danach soll die KPD gegenwärtig über 100.000 Mitglieder zählen, wobei immer neue Scharen zur Partei kommen, sie wüchse ununterbrochen. So Pieck, so Manuilski. Zwar versichern sämtliche Kenner der illegalen Arbeit in Deutschland, daß die KPD nur noch über einige tausend Mann verfügt, die mitarbeiten— was tuts? Klappern gehört zum Handwerk. Klappern verhindert vor allem das N a c h d e n k e n, das die Komintern in ihrer gegenwärtigen Lage am allerwenigsten verträgt! £ut£ wcUtc fasckidtte aus Dtcsdeu HShSKttätttfad SM Dtiäßti JUUk Glanz der braunen Stars—• Elend der Künstler Nachdem die Herten de* neuen DeotscUnod unter den prominenteil Darsteßera des Theaters, des Films imd Kabaretts, tmtor den Kapazitäten der bildenden Künste tflchfie auf geräumt hatten und die tretgewordenen Plätze nach dem Grundsatz„Kennen geht vor Können" mit Ihren tre« ergebenen Künstlern in ihren Stellungen. Han» Albers wurde trotz seiner erst im Dritten Reich geschlossenen Ehe mit der Jüdin Hansd Burg weiterbeschäftigt,, Albert Bassermann trotz seiner jüdischen Frau hingenommen. VV a 1 1 b u r g begeisterte auch als Jude die Zuschauer, Grete Mosheim und Luzie Englisch, Freundirmen von Käthe Dorsch, die von Göring protegiert wird, konnten ungehindert in Berliner Theatern und hn Film auftreten. Auch beim Kabarett duldete man einige Juden weiter, so den Chansonkomponisten Willy Rosen. Die Sängerin Irene E i s i n g e r, die zuerst nach Prag emigriert war, ließ sich von da aus wieder nach Berlin rückengagieren und gedacht« auch im Dritten Reich Triumphe zu feiern und fette Gagen einzuheimsen Bis eines Tages die Bombe platzte...! Es handelt sich nicht darum, daß man dieses Platzen der Bombe den„charakterfesten" nichtarischen Künstlern nicht von Herzen gegönnt hätte. Im Gegenteil! Sie haben es wegen ihrer Charakterlosigkeit redfich verdient, von den Theatern und den anderen Kulturstätten des neuen Deutschland verjagt zu werden. Aber hier gilt es, etwas anderes zu beweisen: daß nämlich im Dritten Reich wieder einmal ein regelrechtes nationalsozialistisches Gesetz von einem SA-Sturm einlach nieder- getrampclt wurde, daß die Herren Führer in allem und jedem , von der Gunst ihrer Unterführer abhängig sind und daß man sich bei der SA gar nicht darum kümmert, was die Führer beschließen oder anordnen. Bekanntlich gibt es in Deutschland eine Reichskulturkammer. Ihr oberster Herr ist der PropagandamlnistieT Dr Göbbcls, sein Adlatus in dieser Funktion der bekannte Schauspieler Werner Kraus. Dieser Reiohskultur- kamtner unterstehen sämtMch« Künstlcrschaf- ten. So heißen nämlich heutzutage die verschiedenen Künstlerverbände. Da gibt es die Schauspielerfach schalt,(He Filmfaohschafit, die Varletd- und Artlstenfachschaft usf. Die ehemaligen Künstler genossenschaften, der Bühnen- bund, dl« Artisten Organisation, der Verband der Operndarsteller, die„Dacho", Organisation der Filmschaffenden usw. wurden in die Fachschaften aufgetollt. Zwar wollte man ursprünglich hei diesen Fachschaiten den Arier-, Paragraphen einführen, mußte aber notgedrungen davon abstehen, weil viele dieser Organisationen wie z. B. die Artistenorganisation internationalen Verbänden angeschlossen waren und man deshalb mit Recht fürchten mußte, daß bei Emfüh- rung des Arierparagraphen tausendc im Aus- Jand beschäftigt* deutsche Ktosdcr Ihn Engagements verleren und Inod)mblaH Herausgeber: Ernst Sattler: verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn: Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VIM933. Der„Neue Vorwärts" kostet Im Einzel» rcrkaul innerhalb der CSR KS I 40.(für ein Quarta) bei freier Zustellung Kö 18.—). 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