Nr. 46 SONNTAG, 29. April«934 6«>slaltemi>lraftfd)gs tttocfonfrlaff Verlag: Karlsbad, Hans„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Vier Tote stehen auf gegen Hitler Die Kosten der Diktatur. Ein Opfer wird gehebt. SA-Mann— das ist etwas anderes! mlatg dev Herren Krupp um.1, Thyssen, Duis- berg und Vogler, Schacht und Schmitt feiern ihren 1. Mai. Sie haben recht, ihn zu feiern, er ist ihr, Sieges tag. Die kühnsten Träume der Scharfmacher sind erfüllt. Zerschlagung der werkschaften, Verbot der Sozialdemokra- fie, Aufhebung des Reichstagswahlrechts — was sie vergeblich von Wilhelm II. gefordert hatten. Adolf Hitler hat es Ihnen gebracht. Sie. haben mit Löffeln gegeben, s jetzt können sie mit Scheffeln nehmen. Das Geschäft, das Herr• v. Papen mit dem Bankier v. Schroeder abschloß, hat sich wirklich gelohnt. Die Schlote rauchen, die Räder drehen sich der totale Staat gibt Aufträge zu guten Preisen und hilft, die Löhne der Arbeiter drücken. Hr hat das Recht der Herren im Hause wieder herge stellt, er hat sie zu„Führern" er hoben und die Arbeiter zu ihrem„Gc- folge" erniedrigt. So ziehen sie jetzt, die Herzöge der Wirtschaft, ins Maifeld, Heerschau zu halten und ihren Triumph zu genießen. S i e sind die Sieger des 1. Mai, und die Arbeiter, die an ihnen vorbeimar- Kcliiercn mit vorschriftsmäßig er|iobener Hand und gebeugtem Nacken, dip Arbeiter sind die Besiegten! Krupp und Thyssen, Duisbcrg und Vogler, Schacht und Schmitt— haben sie aicht zuviel gesiegt?- Der Marxismus 'st vernichtet— sind es auch die Tatsachen, auf denen er beruht? Man hat vorgegeben, den Klassenkampf zu beenden, Indem man ihn mit bestialischer Grausamkeit nach unten führte— hat man damit wirklich Klassengegensätze und Klassenkämpfe ausgelöscht? Gibt es oder gibt es nicht in der nationalsozialistischen Partei einen zielbewußt großkapitalistischen P 1 ü g e 1, der von Schmitt und Göring geführt wird? Und gibt es nicht einen anderen Flügel, der noch immer daran denkt, daß die heute allein regierende Partei ein Produkt jener antikapita- Pis tischen Sehnsucht ist, die, nach Gregor Strassers unvergessenem Wort, 95 vom Hundert des deutschen Volkes erfüllt? Hat der kleine SA-Mann, wenn er überhaupt ein wenig politisch denken konnte, nicht geglaubt, für die "Brechung der Zinsknechtschaft" zu kämpfen und für die„Enteignung der Bank- und Börsenfürsten" und für die Verstaatlichung der großen Monopol- anternehmungen und Trusts? Man tut den l'ührern der nationalsozialistischen„Linken" zuviel Ehre an, wenn man meint, es SeI ihnen mit dem Halten alter Versprechen ernster als ihren großkapitalistischen Kumpanen von rechts. Sie sind genau ebensolche Volksbetrüger wie die von der Rechten; sie wissen nur, daß man es "jeht so plump machen darf. Die R ö h m, die Engel und Feder unterscheiden sIch von den feineren Herren nur dadurch, daß sie wissen, wie die Welt außerhalb der Salons und der Direktorenzimmer aussieht. Sie wissen, daß die SA-Männer �h betrogen fühlen, und daß bei ihnen auch schon die Popularität des haltlos zwischen den Richtungen hin- und her- fchwankenden„Führern" zu verblassen beginnt. Sie wissen, daß die marxistisch beschulten Arbeiter in den Betrieben mit Miller, aber tiefer Genugtuung die Zer- setzungserscheinungen im nationalsoziali- stisciien Lager• beobachten. Und wenn uian das sieht und das weiß, da' kann einem auch schon die Verzweiflung pak- ken, und man kann reden wie jener Engel, der abgegangene„Treuhänder der Arbeit", kürzlich geredet hat:„Mit Kapitalisten vom Schlage T h y«- sen und Krupp kann man kein soziales Reich aufbauen",„Wenn man uns zwingt, das reaktionärste Arbeit sgesetz der Welt anzunehmen, so werden wir dennoch unseren Weg gehen!" Uns Marxisten können solche Erscheinungen nicht in Erstaunen setzen. Bisher waren noch stets alle unsere Geger, die den Klassenkampf leugneten, genötigt, seinen Gesetzen zu folgen. Auch die christlichen Gewerkschaften traten als Gegner der Theorie des Klassenkampfes in Erscheinung und haben deshalb dennoch selber den praktischen Klassenkampf führen müssen. Vergebliches Bemühen in einer Zeit, in der die Kapitalprofite klettern, während die Löhne unter das Existenzminimums sinken, die fundamentalste Tatsache der kapitalistischen Gesellschaft, den Klassengegensatz, hinwegzudekre- tieren! Daß aus der Glut dieses täglich sich verschärfenden Klassen g e g e n s a t- z e s nicht die Planime des offenen Klassenkampfes hervorbricht, das kann nur der allerstärkste Druck bewirken. Alle Berichte aus dem Dritten Reich sprechen übereinstimmend von einer tiefen Unruhe, die durch das ganze deutsche Volk geht. Ks ist nicht nur die SA, die bemerkt, daß man von der Juden- und Marxistenhetze allein auf die Dauer nicht leben kann, es ist auch der maßlos betrogene, von allen Seiten geschröpfte Mittelstand, es ist die durch Erbhofgesetz und zwangsweise Erfassung ihrer Erzeugnisse in Harnisch gebrachte Bauernschaft, die sich mit den Arbeitern, den entrechteten und geschundenen Opfern des großen Kapitalistensieges, in dem Gefühl der Unzufriedenheit, in dem erwachenden Willen zur Auflehnung vereinen. Der deutsche Faschismus, dessen Massengrundlage zu schrumpfen beginnt, sieht den Tag kommen, an dem ihm nur eines helfen kann: das ist die Zersplitterung der ihm feindlichen Kräfte. Daß diese Zersplitterung in geradezu groteskem Maße vorhanden ist, daß konservative Monarchisten, katholische Klerikale rebellierende Protestanten, dissentierende Reichswehroffiziere, emigrierte und im großen Konzentrationslager Deutschland verbliebene Sozialdemokraten, SAP-Leute und Kommunisten, Anhänger der Zweiten, Dritten und Vierten Internationale nicht imstande sind, einen einzigen Heerhaufen zu bilden, um den gemeinsamen Feind zu schlagen— darauf allein beruht die Hoffnung der, Gewalthaber, trotz schwindender Massengrundlage ihre Macht aufrechterhalten zu können. Für uns ist dieser 1. Mai ein Tag nicht der Illusionen, sondern der Erkenntnisse. Wir sehen nicht nur die Schwächen des Feindes, sondern auch unsere eigenen. Hätte die deutsche Arbeiterklasse wie in der Vorkriegszeit auch später ihren 1. Mai in Einigkeit begangen, hätte sie niemals das Bewußtsein dafür verloren, was die F r e i h e i t für sie bedeutet, dann hätte sie auch nie die Schmach erlebt, daß dieser Tag von ihren schlimmsten Feinden als Siegestag gefeiert wird. Jetzt heißt es, aus den bitteren Erfahrungen lernen, gilt es, jeden Tag bereit zu sein und an keinem mutlos zu werden. Die großen Entwicklungsgesetze der Gesellschaft, die Karl Marx aufgezeigt hat, werden durch die Ereignisse des letzten Jahres nicht widerlegt, sondern bestätigt. Auch Deutschland wird wieder einen 1. Mai erleben, der unter roten Fahnen gefeiert wird, einen Tag der alle Schmach tilgt und alle Ketten bricht! Vier Opfer des Z. Mol 1933 aufgefunden Die Toten von Duisburg— Die Mörder der Polizei seit langem bekannt Die Berliner„Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet auf'Grund eines Polizeiberichts: In den staatlichen Wäldern in Obcrloh- berg(Rheinland) grub die Polizei, von der Bevölkerung aufmerksam gemacht, die Leichen von vier ehemaligen Beamten der Gewerkschaftsorganisationen aus, die dort vor etwa einem Jahre aus Duisburg verschwunden waren. Die Polizei warnt davor, an den Leichen- tund„überflüssige Kombinationen" zu knüpfen und so die Bevölkerung zu beunruhigen. • Die Mitteilung der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" über die AuffiiKhing der Leichen von vier Duisburger Gewerkschaftsanges teilten bringt die restlose Aufklärung über eines der scheußlichsten Verbrechen, das im Frühjahr 1933 von National- soziaJisten an Funktionären der sozialistischen Arberterbewogung verübt worden ist. Die Ermordeten sind der Angestellte des Metallarbeiterverbandes Schlösser, der Bezirksleiter des Verbandes der Binnenschiffer Birk, der Angestellte des Verkehrsbundes und Vorsitzende des Duisburger Reichsbanner Rodenstock und der ehrenamtliche Funktionär des Zentralver- bandes der Angesteilten Schmalhans. In der amtlichen Meldung wird behauptet, daß noch nicht festgestellt werden konnte, „wie diese Leute zu Tode gekommen sind." Das ist eine glatte Lüge. Bereits am 11. November 1933 hat die„Deutsche Freiheit" einen genauen Bericht über die Ermordung veröffentlicht, in dem geschildert wird, wie am 2. Mai 1933 in Duisburg wie im ganzen Reich gegen 10 Uhr vormittags alle Gewerkschaftsbüros von schwerbewaffneter SA und SS besetzt wurden. Die in den Büros anwesenden Gewerkschaftssekretäre wurden verhaftet und in das Büro des Deutschen Metall- arbeiterverbandes in der Hnhrortstraße gebracht. Dort wurden die Verhafteten mit Reitpeitschen und Stahlruten bestialisch mißhandelt. Einige der Mißhandelten belasteten die noch nicht verhafteten Gewerkschaftsführer in der sicheren Hoffnung, daß es den noch auf freiem Fuß Befindlichen gelingen würde, zu entfliehen. Daraufhin fuhren sofort einige Nazikolonnen zu den Angehörigen der noch in Freiheit befindlichen Funktionäre und verhafteten sie als Geiseln. Einige der noch nicht verhafteten Gewerkschaftsführer trafen sich in einem kleinen Lokal und erfuhren dort von der Festnahme ihrer Angehörigen. Sie beschlossen darauf, sich freiwillig zu stellen, aber nicht den Nazis, sondern der Polizei. Der Nazi-Polizeipräsident lieferte aber die Führer den Nazis aus, und sie wurden zur Vernehmung in das Metallarbeiterhaus in der Ruhrortstraße gebracht. Schon auf dem Wege dorthin wurde der Angestellte des Metallarbeiterverbandes Schlösser in der fürchterlichsten Weise mißhandelt. Dann schleppte man den Bewußtlosen in den Heizungskeller des Metallarbeiterhauses. Dort lagen schon die fürchterlich zerschlagenen Körper des Bezirksleiters der Bin- nenschtfier Birk, des Angestellten des Ver- kehrsbundes Hodens tock und des jungen Funktionärs des Zentraiverbaudes der Angestellten Schmalhans, der nur zufällig auf dem Büro des Zentralverbandes anwesend war, als die Besetzung durch die SA erfolgte und den man viehisch mißhandelte, als er es wagte, den Angestellten des Z. d. A. zu Hilfe zu kommen. Am Nachmittag des gleichen Tages mußten die übrigen Gewerkschaftsiülirer, mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen drapiert, mit erhobenen Händen durch die Straßen Duisburgs nrarschieren, und mit Reitpeitschen, Stahlru- ten und Gummiknfippchi wurden sie gezwungen, die Internationale zu singeu. Ueber diesen 1 Aufzug berichtete am nächsten Tag die gleichgeschaltete Presse, und sie teilte gleichzeitig mit, daß die Gewerkschaftsführer Schlösser. Birk, Rodenstock und Schmalhans einem S p e• zlalverhör durch den Führer der NSBO, Multhaupt, unterzogen worden seien. Die Angehörigen erhielten nie wieder eine Nachricht, und die Polizei weigerte sich, Nachforschungen anzustellen. Zwei Wochen später meldete die Zeitung der NSBO, die damals noch von Multhaupt redigiert wurde, daß die verschwundenen Gewerkschaftsführer sich ihrer Verhaftung durch die Flucht entzogen hätten. In Wahrheit waren ihre Leichen bei Nacht und Nebel verscharrt worden. Die verantwortlichen Machthaber in- Deutschland kennen seit langem die Mörder von Duisburg, aber ihre einzige Maßnahme bestand darin, daß sie den Anführer der Mörderbande, den Leiter der NSBO Multhaupt, nicht mein- in den Reichstag vom 12. November schickten. Man versteht daher die Warnung der Polizei, an die Leichenfunde„keine überflüssigen Kombinationen zu knüpfen und so die Bevölkeruing zu beunruhigen." Von einer beispiellosen Niedrigkeit der Gesinnung zeugt es ferner, wenn die amtlichen deutschen Stellen in voller Kenntnis des wahren Sachverhaltes die Meldung über den Lciclienfund mit der Bemerkung verseilen, daß man noch Ermittlungen ansfelle,„ob die Mordtat nicht mit einer Ver- untremmg von Gewerkschaftsgeklern zusammenhänge".' Das ist die Moral des Dritten Reiches: die Mörder laufen frei herum und die Ermordeten bezichtigt man ein Jahr nach ihrem schrecklichen Tod noch der Unterschlagung! Diese vier Leichen erheben eine furchtbare und erschütternde Anklage! Sie mahnen die Arbeiterschaft, niemals zu vergessen, was der I. und der 2. Mai 1933 gewesen ist! 1 Verelendung der Arbeiter Nach dem Geschäftsbericht des Reichsver sIchenitiKsamtes für 1933, veröffentlicht im Reichsarbeitsblatt vom 25. März 1934, smd die Einnahmen aus den Beiträgen der Invaliden Versicherung in der Zeit von 1932 bis 1933 von 642.2 Mark 679.0 Mark, also um 37 Millio nen Mark, gleich 5 Prozent, gestiegen. Im Januar 1933 gab es nach der amtlichen Statistik 11.5, im Januar 13.5 Millionen Beschäftigte, Bei einer Zunahme der Beiträge um 5 Prozent hatte sich die Zahl der Beschäftigten um 20 Prozent vermehrt. Die Erhöhung des Arbeitseinkommens war also erheblich hinter der Zunahme der in Arbeit Gekommenen zurückgeblieben, oder was dasselbe sagt, das Lohneinkom- men des einzelnen Arbeiters gesunken. Noch deutlicher geht das hervor aus dem Ausweis über den Anteil der Lolmklassen an der Gesamtzahl der 1933 geklebten Beitrags marken. Der folgende Vergleich der Jahre 1931 und 1933 ist sehr aufschlußreich. Es entfielen in Prozenten auf; Lohnklasse I — 6 Mark wöchentlich. Lohnklasse II — 12 Mark wöchentlich. Lohnklasse III — 18 Mark wöchentlich. Lchnklasse IV — 24 Mark wöchentlich. Lohnklasse V — 30 Mark wöchentlich. Lohnklasse VI — 36 Mark wöchentlich• Lohnklasse VII — 36 Mark und darüber. Der Anteil der beiden untersten Lohnstufen betrug 1931 etwas mehr als ein Siebentel, 1933 mehr als ein Viertel, der drei untersten Lohn- slufen 1931 etwas mehr als ein Drittel, 1933 fast die Hälfte! Dagegen war der Anteil der obersten Lohnstufe von fast einem Drittel Im Jahre 1931 auf wenig mehr als einem Siebentel 1933 gesunken! Tatsächlich ist aber die Herabdrückung des Arbeitseinkommens auf den Tiefstand noch beträchtlicher als diese Aufstellung zeigt. Denn unter den Beitragszahlern der niedrigsten Lolmklasse ist der überwiegende Teil der Arbeitslosen enthalten, die nur so viel Beiträge leisten, wie zur Aufrechterltalhmg der Anwartschaft notwendig Ist. Mit der Abnahme der Arbeitslosigkeit müßte also ein Uebergang von den niedrigsten auf höhere Lolmkiassen verbunden sein. Daß das Gegenteil eingetreten ist, beweist, daß die Löhne im Dritten Reich vielfach«cht höher sind als die Arbeitslosenunterstützung oder sogar noch dahinter zu rückbleiben! Und diese Löhne sollen vom 1. Mal ab noch welter gesenkt werden! Polen Ist verloren! Hitlers kurzer Liebestraum Der französische Außenminister Bar- thou ist in Warschau wie ein Triumphator empfangen worden. In der offiziellsten Weise hat man dort verkündet, daß die französisch-polnische Militärallianz so fest stehe, wie zur Zeit ihrer Gründung\92\. Das geschah, nachdem die französische Regierung mit ihrer Note nach London die Offensive gegen die deutsche Abrüstung eröffnet hatte, und einige Wochen nach dem Abschluß des neuen Ost-Locarno-Vertrags zwischen Polen und dem Dritten Reich. Der Diktator Deutschlands hat entschiedenes Pech mit seinen italienischen und polnischen Kollegen. Sie nützen seine Dummheit aus und lassen ihn nachher sitzen. Sowohl Mussolini wie Pilsudski haben aus dem Sieg des Nationalsozialismus großen Nutzen gezogen. Sie sind als Bundesgenossen wertvoller geworden und werden dementsprecliend umworben. Aber wenn Gegenleistungen erwartet werden, gibt es nur Ohrfeigen. Auf Befehl Mussolinis hat sich Hitlerdeutschland aus Oesterreich zurückziehen müssen, trotz der großmäuligen Ankündigung des Herrn Habicht. Beinahe noch schlimmer ist es etzt mit Polen ergangen. Der Verzicht auf Posen, den Korridor und Oberschlesien, den der Freundschaftsvertrag in sich einschließt, ist sicher allen nationalistischen Kreisen Deutschlands hart auf die Nerven gefallen; es ist ihnen sicher schwer eingegangen, daß man vor den sonst so verachteten Polacken jetzt so tiefe Komplimente macht. Aber autoritätsgläubig wie sie sind, mögen sie hintef der plötzlichen Wendung eine höhere Staats- weisheit vermutet haben. Man kann sicli die Empfindungen vorstellen, die die guten Leute jetzt gepackt Imben muß. Jetzt müssen auch sie begreifen. daß die plötzliche Liebeserklärung an Polen nichts anderes war als eine jener abgründigen Dummheiten, in denen die Außenpolitik des Dritten Reichs exzelliert. Nachdem Hitler seinen Verzichtsvertrag mit Polen geschlossen hat, wird aucli keine künftige deutsche Regierung mehr die Revision der Ostgrenze mit Aussicht auf Erfolg betreiben können. Das ist der große Gewinn, den Polen eingesteckt hat, um dann gleich darauf Herrn Bartliou zu ver- sichern, daß es im Fall der Fälle ein eben so treuer Bundesgenosse Frank- r e i c h s sein werde, wie nur je zuvor. Die Hitierpolitik hat in einem Jahr Oesterreich, Oberschlesien und den Korridor verspielt und die Rückkehr der Saar, die zuvor so sicher war wie ein astronomisches Ereignis, auf das schwerste gefährdet. Phrasenbesoffen, ohne Ziel und Sinn taumelt sie in neue Isolierung und neuen Krieg. Hitler bürgert Amerikaner aus SA untereinander Kämpfe mit Oesterreichern in Bayern. Aus Bayern wird uns geschrieben; In Weiden in der Oberpfalz kam es im 1 jaule des Apnil zu scharfen Konflikten zwi- s oh eil dien österreichischen SA-Mannachaften und den Behörden. Bei einer Rauferei zwischen bayrieolien und österreichischen SA-Man t»- sch alten wurden 7 österreichische SA- Männer verliaftet. Kommandant über sämtliche österreichische Lager ist ein Generalmajor der alten österreichischen Armee, der nach der Verhaftung seiner Leute den Weidlener Bürgermeister Harbauer, einen„dummen Jungen'' und„Lausbuben'' nannte. Harbauer gab darauf dem Generalmajor eine Stunde Frist zur Räumung der Stadt. Die Oesterrcicher blieben aber und holten sich aus ihrem Lager Vbrstärkung. Nun alarmierte der Bürgermeister die Polizei, die bayerische SA und SS, die gegen die Ocsterrcicher vorgingen. Diese zogen nun ab, Wurden später Oesterrciclier In Weidien geschnappt, so wurden sie verprügelt. Eine Stadtsperre wurde gegen sie erlassen. Auf Befehl von oben versuchte der Bürgermeister die ganze Geschichte zu unterdrücken, er erklärte, alles, was darüber behauptet würde, wären verbmnderisclie Gerüchte, Daraufhin kamen die Oesterreicher aus Ihrem nahegelegenen Lager Wöilershof per Lastauto nach Weiden und fuhren vor die Wohnung des Bürgermeisters. Dort erscholl das Kommanda „Absteigen! Austreten 1*' Die Oesterreicher sprangen herunter, traten in Reihe an das Haus des Bürgermeister» heran und pißten auf das Haus. Dann bestlegen sie wieder ihr Auto und fuhren heim. Seitdem ereigneten steh derartige Besuche häufiger. Zu Streitigkeiten kam es auch In Neustadt, wobei ein Anhänger der Bayerischen Volkspartei erschlagen wurde. Seitdem sind die Straßen von Wöilershof nach Neustadt und Weiden von SA abgesperrt. Die östcrreiclrischen Von Zeit z« Zelt erscheint eine Ehrenlfste des Dritten Reiches, auf der die Namen von Männern verzeichnet sind, die der Relehskanz- ter Hitler für unwürdig hält. Bürger des Deut- sdien Reiches zu sein. Es sind Männer, die heute in allen möglichen Ländern gegen die Kulturschande des deutschen Nationalsozialismus wirken, Männer, die nach dem Februar 1933 den Tummelplatz der SA-Horden verlassen haben, und solche, die aus beruflichen Gründen schon lange vorher ihren Wohnsitz im Ausland genommen hatten. Doch auch das Regime des Dritten Reiches ist trotz aller Berichte der Auslandsvertretungen über die Persönlichkeaten, die im Ausland den Kampf gegen den Hitlerterror führen, sehr schlecht unterrichtet, und so haut es in einer hemmungslosen Unbekümmertliclt so gut daneben wie es kann«nd blamiert sich zur Hcrzenlust der andern. Auf der letzten Ausbürgerungsliste steht auch Fritz Bremer, dessen Tätigkeit als Führer des Reichsbanners S c h w a r z-R o t-G o 1 d In der von vielen Deutschen bewohnten amerikanischen Riesenstadt Chlkagö dem deutschen Botschafter Luther so auf die Nerven gefallen ist. daß er eingeheixl nach Berlin berichtete und der Reichsinnenminister Frick die Ausbürgerung verfügte. Die amerikanischen Behörden waren nicht schleclrt erstaunt, als sie das lasen, und die Deutschen Chikagos stimmten ein Höllengelächter an: denn Fritz Bremer ist längst nicht mehr deutscher Staatsangehöriger, sondern Bürger der Vereinigten Staaten von Nordamerl ka.... Nazi-Feme in II. S. 4.! Wie amerikanische Zeitungen berichten ist es in der Carnegie-Hall In N e w y o r k bei einem zugunsten der deutschen politischen Flüchtlinge veranstalteten Konzert zu einem aufsehenerregenden Vorfall gekommen. Die dreiundsiebzigjährige Sängerin Ernestine Schuhmann- Hein k machte dem empörten Publikum davon Mitteilung, daß sie einen Brief erhalten habe, in dem sie mit Ermordung bedroht würde, falls säe es„wagen sollte, b el den Hetzjuden zu singen." Die Künstlerin erklärte unter tosenden Huldkgmrgskundgebungen der Menge, daß sie zu alt sei. um sich durch solche Drohungen einschüchtern zu lassen. Gcrhart Seger In England Genosse Gerhart Seger, der nach dem Beginn seiner antifaschisttechen Vcrsaramlung»- reise in den skandinavischen Ländern vor einem Monat nach England gegangen Ist, hatte Gelegenheit, im englischen Unterhaus vor den Abgeordneten der Labour-Partei des Ober- und Unterhauses einen Vortrag über die Erfahrungen im deutschen Konzentrationslager und über die politlsohe Lage, besonders über die Aufrüstung Deutschlands zu halten. Seger hatte außerdem in London Unterredungen mit führenden Politikern, mit dem Führer der parlamentarischen Opposition Major Attlee, mit Oberst Wedgewood, mit Lord Ponsonby und anderen. In vielen großen Städten Englands, außer London in Sheffield, Leeds, Bristol, New port, Halifax usw. finden Segers Versamm iungen außerordentlichen Zuspruch und hinterlassen einen starken Eindruck, auch in der oft ungewöhnlich austührlichen Berichterstattung der englischen Presse aller Parteiriohtun gen. Iiaft gebracht wurde. Göring erklärte zu» nächst, er wisse davon nichts, weil dl» Sache nicht in Preußen spiele. Geiseln würden nicht genommen, außer i m äu ß e rs te n F a 1 1 der Selbstverteidig u n g. So sei es in Preußen, und auch in Anhalt handele es sich wahrscheinlich um einen Fall von Schutzhaft, der verdreht und übertrieben werde. Der Mann, der wehrlose Gefangene verleumdet und verunglimpft, der„im äußersten Fall" die Gefangennahme von Frauen und Kindern politischer Gegner gutheißt— er kann nicht verstellen, warum man ihn in England für ein„blutdürstiges Schwein" hält. Ja. verstände er, warum nicht nur jeder Engländer, sondern überhaupt jeder Menscii mit menschlichem Fühlen und Denken sich weigert, ihn als seinesgleichen zu betrachten, dann wäre er eben nicht Göring! Severing und Georg Bernhard Unter der Uebersdirift„Scvering Unrecht getan" schreibt der„Aufruf": Wir haben in der vorletzten Nummer des „A u f r u f" die Nachrichten wiedergegeben, die besagten, daß Karl Sovering zu der natio- nalsozialistischcn Partei übergetreteti sei und in einem demnächst erscheinenden Buch„Mein Weg zu Hitler" ein Bekenntnis zu der Hakenkreuzpartei ablege. Wir haben uns zur Wiedergabc dieser Nachricht erst entschlossen, aB sie von einer Autorität wie Georg Bernhard Im„Pariser Tageblatt" veröffentlicht worden waren. Inzwischen hoben sich die Nachrfcliten in vollem Umfang als falsch erwiesen, und es Ist eine selbstverstfindilche PfHdht festzustellen, daß Severlng Unrecht getan worden Ist. Dem ist mir noch hinzuzufügen, daß Georg Bernhard dieser selbstverständlichen" Pflicht nicht nachgekommen ist. 2 Jahre Zuchthaus Das Opfer eines Spitzels. Vor einigen Monaten wurde Genosse R!• chard Hertwig in Neiße verhaftet. Er wurde besclmldigf, unwahre Nachrichten verbreitet und sich hochverräterisch betätigt zu haben. Am 16. März wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Genosse Hertwig Ist das Opfer eines früheren Kommunisten aus Neiße namens Bachmann geworden, der jetzt für die Nazis Spitzeldienste verrichtet. Legionäre sind also wie In einem Gefangenenlager. Sie werden letzt auch sehr streng behandelt und mit militärischen üebungen sehr gepiagt. Auf einem Gewaltmarsch mit Gepäck brach neulich ein großer Teil der Mannschaft zusammen. Viele versuchen, aus dem. Lager zu entkommen. Das ist aber nicht möglich, weil die Bewachung zu stark Ist, Auch die verschärfte Behandlung der tschechoslowakischen Grenze ist durch diese Konflikte mit verursacht. »Das blutdürstige Schwein« GÖHng Über Torgier, Thältnann und Frau Seger. Der Vertreter des Reuterbüros in Berlin berichtet über eine Unterredung mit Göring: Er beklagte sich, daß er in England und in der englischen Presse immer als ein blutdürstiges Schwein(a bloodthirsty plg) hingestellt werde— er wisse nicht wanimt Wir verfolgen die englische Presse sehr aufmerksam, docli wir haben nicht bemerkt, daß der nächste Mann an Hitlers Thron dort jemals als„blutdürstiges Schwein" bezeichnet worden ist. Das Ist überhaupt nicht der Ton, in dem die hochkultivierte englische Presse sciirefbt, es ist Görings höchsteigener Ton. In der Sache freilich hat Göring recht: jeder englische Journalist, der über Göring schreibt, läßt trotz aller Vornehmheit des Ausdruckes erkennen, wie er von Widerwillen und Ekel geschüttelt wird. Göring weiß nicht, warum das der Fall ist. Er wird es nie begreifen. Das zeigt der ganze Inhalt des Gesprächs. Auf die Frage, ob für Torgier und TMImann Aussicht auf Freilassung bestände, antwortete er verneinend mit dem Hinzufügen,' Torgier habe es im Gefängnis nicht schlecht und habe auch längst den Kommunismus verlassen, Thältnann aber habe das nicht getan, weil er z u dumm dazu sei und überhaupt gar nicht wisse, was Kommunismus ist. Der Engländer brachte das Gespräch auf Frau Seger, die als Geisel für ihren Mann mit ihrem kleinen Kind in Schutz- Relchswehr und Arierparagrapb In der dcutsclicn Presse wird offiziell mitgeteilt: ,2u der vom Reidiswohrminlster angeordneten Durchführung des Arierparagraphen in der Wehrmacht sind Inzwischen die notwendigen Feststellungen getroffen worden. Insgesamt werden davon betroffen: im Refchsheer 5 Offiziere, 2 Offizieranwärter, 1 Sanitäts- ofiizleranwärter, 31 Unteroffiziere und Mannschaften; in der Reichsmarine- Offiziere, 4 Offizieranwärter, 5 Unteroffiziere und Mannschaften. Sie scheiden be- stvirmnmgsgemäß aus der Wehrmacht aus. Wer glaubt, daß das Offizierskorps nun keine jüdischen Großmütter mehr hat, l5t rettungslos naiv. Eher könnte man fragen, ob nicht die jüdischen Großmütter in der Mehrheit sind; denn die Vergoldung des Schwerts mit jildlscUcm Blut war in preußischen Off»'- zfersfamilien gebräuchlich. Braune Bürokratie „Anordnung über den organisatorischen Ausbau des Bundes nationalsozialistischer Juristen. Berlin 24. 1. 34. Dr. Hans Frank, Relchsjustlzkommissar.. Diese Anordnung des Refchsjustlzkommissars wird hiermit par' tcl amtlich genehmigt. München, den 25. 1. 34. Dr. Hans Frank, Reichsleiter der Retohsleitung der Rechtsabtedlung der NSDAP- (Aus dem„Deutschen Recht".) Schrecklich umständlich I Da muß äer Reichsjustlzkommlssar Hans Frank am 24. v o n Berlin nacli München fahren, um steh von dem Refclisleiter der Rechtsabteilung de NSDAP. Hans Frank, die Anordnung ebendesselben Hanl Frank..parteiamtlich'4 genehmigen zu lassen. Vögler— der HltiersozialM Die„Deutsche A r b c 1 1 s f r o n t" veranstaltete in Dortmund eine Kundgebung, allf der Generaldirektor Vögler vor den Arbeitern als Rodner auftrat und»ich lächelnden Gcslcl'15 zum„nationalen Sozialismus" b®' kannte! Londoner Brief Aufreizungsgesetz» Nachwahlen» Budget Von Leopold Franz. I. Das Gesetz zur Verhinderung der Aufreizung von Mitgliedern der bewaffneten Macht, ein schwerer Einbruch in die liberale Tradition Englands, ist im Unterhaus in zweiter Lesung mit 277 gegen 63 Stimmen angenommen worden. Labour und die liberalen Gruppen der Samue- liten und der Unabhängigen Liberalen versuchten vergeblich, die außerordentlichen Gefahren für dio persönliche und politische Freiheit deutlich zu machen. MacDonald, J.H.Thomas und sämtliche liberale Mitglieder des Kabinetts (Sir John Simon und der Handelsminister Run- eiman) beteiligten sich nicht an der Abstim- duing, um ihr Gewissen nicht allzu sehr zu belasten. IL Am 19. 4. 1934 fanden Nachwahlen in Basin gstoke statt, die durch den Rücktritt eines konservativen Abgeordneten notwendig geworden waren. Sic ergaben einen Sieg des konservativen Kandidaten, dessen Mehrheit allerdings erheblich reduziert wurde. Insoweit zeigt das Ergebnis der Nachwahl das »leiche Bild, das alle Nachwahlen seit den allgemeinen Wahlen 1931 gezeigt haben: nämlich einen ständigen Rückgang der konservativen Stimmen, welche Tatsache als Ausdruck eines wachsenden Mißtrauens gegen die Nationale Regierung bezeichnet werden muß- Lord Cecil, einer der prominentesten Konservativen, hat kürzlich in„Clarion", dem Wochenblatt der Labour Party die Gründe für diese Entwicklung aufgezeigt. Alle bisherigen Nachwahlen zeigten weiterhin einen unaufhörlichen Rückgang der Liberalen, verbunden mit einem stetigen Anwachsen der Labour Party. Die Basingstoke- Wahl unterbricht diese Entwicklung. Die Liberalen Stimmen nahmen erheblich zu, die La- bourstimmen stagnierten. Offenbar ist der Miß- arfolg der Labour Party auf das Versagen des Kandidaten zurückzuführen. Die in wenigen Tagen stattfindenden Nachwahlen in Hammersmith werden zeigen, ob sich der Aufschwung der Labour Party fortsetzt oder nicht. III. Die politische Krise, In der sich die Nationale Regierung seit langem befindet, Ist infolge des Haushaltsüberschusses von 39,000.000 Pfund Sterling"als behoben zu betrachten. Im Jahre 1931 sah sich England einem Defizit von 170,000.000 Pfund Sterling gegenüber, ein Defizit, das zweifellos zu dem überwältigenden Wahlsieg der Nationalen Regie- jung beitrug. Dieses Defizit wurde durch deflationistische Maßnahmen— Einführung der Be- dürftigkeitsprüfung und Senkung der Leistungen in der Arbeitslosenversicherung, 10- bis 20prozentige Gehaltssenkung der Beamten und öffentlichen Angestellten, Abstoppung aller öffentlichen Arbeiten— und durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer behoben. Es ist kein Zweifel, daß diese Hrsparnispolitik, verbunden mit einer fühlbaren Behebung der wirtschaftlichen Lage außerordentliche Erfolge gezeitigt bat. Seit Wochen beschäftigte sich die Presse mit der Frage, wie der zu erwartende Budgetübersclmß verwendet werden würde. Nach dem Gesetz mußte er zur Abdeckung der Staatssduild verwendet werden, doch steht es dem Schatzkanzler frei, eine Aenderung des Gesetzes zu beantragen. Der 17. April brachte endlich die Lösung des Geheimnisses. Neville Chaniberlain, der Schatzkanzler, unterbreitete dem Unterhaus den Vorschlag, von den 39 Millionen Pfund 7 Millionen Pfund dem Tilgungsfonds zuzuführen, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf den Stand von 1931 zu bringen, ohne ledoch die Bedüritlgkeitsprüfung abzuschaffen(Aufwand 3,600.000 Pfund), die Hälfte der Gehaltssenkung wlderherzustellen (Aufwand 4,000.000 Pfund Sterling), die A u t o- mobllsteuer zu senken und die Einkommensteuer um 6 Pennies, d. h. von S sh. auf 4 sh. 6d zu ermäßigen(Aufwand 20.500.000 Pfund Sterling' Die zum Teil hysterische Freude über den Budgetübersclmß Ist aber bereits Jetzt einer erheblichen Kritik nicht mir von Labour, sondern auch von konservativer Seite gewichen. Mit Entschiedenheit wird darauf hingewiesen, daß es unsozial sei, die Gehaltskürzung auch nur zu einem Teil bestehen zu lassen, die BedUritigkcitsprüfung beizubehalten und zu gleicher Zelt eine Einkommenssteuersenkung einzuführen, die zu allem übrigen die kleinen und mittleren Einkommen überhaupt nicht entlastet und nur den Großeinkommen eine wesentliche Erleichterung bringe. Schließlich steht als drohendes Zeichen am Horizont noch die Frage der Tilgung der amerikanischen Schulden. Der Haushaltplan sieht irgend welche Beträge für die Rückzahlung an USA nicht vor. das 183 Ein Opfer gehetzt Hitler» Bismarck und die Bethelschwestern Im„Sonntag", einer„nationalsozialistischen Wochenendzeitung für das deutsche Haus" (Herausgeber: Verlag„Der Nationalsozialist", Weimar) lesen wir unterm 17. Homung 1934 einen Bericht, der den Mitlebenden nicht vorenthalten werden darf. Eines Tages besuchten d'e Schwestern von Bethel den Kanzler Hitler in seinem Berghaus zu Obersalzberg bei Berch- (esgadon. Darüber plaudert der„Sonntag"; Sie betraten das Heim und sahen voll Erstaunen an der Wand die Bilder von Friedrich dem Großen, Luther und Bismarck hängen. Da sagte Adolf Hitler:„Das sind die drei größten Männer, die Gott dem deutschen Volk geschenkt hat. Von Friedrich öcm Großen habe ich die Tapferkeit gelernt �nd von Bismarck die Staatskimst. Der größ- 'e von den Dreien Ist Dr. Martin Luther. Seit Ich hörte, daß Bismarck an Jedem Morgen die Losungen der Brüdergemeinde ge- ipscn, tue ich das auch..." Eine der Schwestern konnte sich nicht entsagen zu Ragen:„Herr Reichskanzler, woher nehmen Sic den Mut zu den großen Umwälzungen Im Reiche?" Da zog der Kanzler aus seiner Tasche das Neue Testament Dr. Martin Ln- thers und sagte ernst:„Aus Gottes Wort!" Man sieht— der Kanzler war auf den Be- »uch der Bethelschwestern gut vorbereitet. wir hören, bewahrt er in einem Wand- schraok, säuberlich mit Schildern versehen, a11 iene Requisiten auf, die er sich beim Emp- fsng Jeweiliger Besucher in die Tasche zu s'ecken hat: Bethelscliwestern— Bibel, Bal- dur von Schiracli— Edda nud Stammbaum, Röhm_ Briefe aus Bolivien, Reichszuchtwart «Was man vor der Ehe von der Ehe wissen niuß" und Stammbaum, Görlng— Prise Mor- Phlüm. Orden. Thyssen— Börsenbericht, Ar- •�iterdeiegation— Aufruf gegen das interna- honale Börsenkapital usw. usw. usw. Es ist lewunderungswttrdlgl Die Staatskunst hat ER Jeiner Ansicht nach von Bismarck gelernt, die raD(erkelt— seiner Ansicht nach— von Fried- 'Ich dem Großen, wo aber hat er In aller Welt Der ehemalige sozialdemokratische braun- schweig'ische I>and tagsabgeordnete Otto T h i e- leman, ein allezeit mutiger und temperamentvoller Kämpfer gegen die braune Barbarei, wird von seinen nationalsozialistischen Gegnern mm seit mehr als einem Jahr ununterbrochen malträtiert und gehetzt. Gleich nach der Besetzung des braunschwei- gerischeti Parteihauses im März vorigen Jahres wurde Thfelemann von bewaffneten SA-Leuten festgenommen und In dem als SA-Kaserne eingerichteten Parteihause fürchterlich zugerichtet. Da Thielemanns Zustand es seinen Peinigern nicht gestattet«, ihr Opfer in die Oeffcntlichkcit zurückkehren zu lassen, wurde er nach den Mißhandhingen, wie so viele andere, in das Kreisgefängnis gesteckt. Nachdem seine Wunden gehellt waircn, glückte es einem braunschweigcr Rechtsanwalt, ihn aus seiner„Schutzhaft" zu befreien. Thielemann lüelt sicii danach vorerst in Hannover. später in Hamburg auf, ständig von den braunen Spürhunden verfolgt. Endlich hatten diese seinen neuen Aufenthaltsort ausfindig gemacht. Eines Tages fuhr In Hamburg ein Kraftwagen mit braunsebweiger Nazis vor, die Thielemann in ihren Wagen schleppten und mit Ihm verschwanden. Die Fahrt ging durch die Lüneburger Heide. Mitten in der unbcwolinten Heide zwangen die SA-Leute den Genossen Thielemann, während einer Fahrtpause abzusteigen und ein Stück allein voranzugelien. Dann wurde ein Fluchtversuch„angenommen" und Tbiclemann von den Hilfspolizisten beschossen. Er trug eine ernste Beinverietzung davon, an der er heute noch leidet. Nach der Ankunft In Braunschweig wurde Thielemann ins Gefängnis, In„Schutzhaft" gesperrt, da man trotz monatelangen Stichens nichts fand, mit Hilfe dessen man Ihm hätte einen Strafprozeß machen können. Vor ungefähr einem halben Jahr schrieb ein hoher Nazi Würdenträger in einer offiziellen Parteimitteilung sinngemäß, es sei sehr fraglich. ob Thielemann das Gefängnis überhaupt einmal wieder verlassen würde. Der Verhaftete hat trotz seiner Verletzung und aller Qualen auch im Gefängnis den Mut nicht sinken lassen. Als man Ihm Leseerlaubtris zubilligte, bekam er aus der Gefängnisbibliothek ein Werk, das sich mit der Novemberrevolution beschäftigte. In diesem Buche war ein Satz enthalten, der lautete: „Noch nie ist das deutsche Volk so belogen worden, wie im Jahre 1918." Daraufhin schrieb Tliielemaun an den Rand der betreffenden Seite: „Sehr wahr! Wie im Jahre 1933—!" Das sollte ihm zum Verhängnis werden. Er hatte sich wegen dieser Randglosse am 21. April vor dem Braunschweigischen Sonderge- richt zu verantworten. Das Delikt lautete auf Schädigung des Ansehens der Reichsregierung. Der Vorsitzende des Sonder gedoh tes, der sattsam bekannte B 1 u t-L a c h m u n d, begrüßte den Angeklagten mit den Worten: „Angeklagter, wissen Sie, daß Sic im Voiks- mund als„Lügen-Thielemann" bekannt sind?'' Als Thielemonu das verneinte) beharrte der Herr LandesgerichfspräsMent: „Aber Sic sind doch mit diesem Beinamen in rcchtstehendicu Zeitungen so genannt worden I" Thielemann hielt zu der Anklage eine mutige Verteidigungsrede, In der er gründlich auf seine politisch« Elnstelhmg einging und sich zur Sozialdemokratie bekannte. Er sei Sozialdemokrat. weil er es sich zur Lebensaufgabe gestellt habe, dem Frieden zu dienen. Zu der Beschuldigung selbst betonte er, daß er zu der In der Randglosse wiedergegebenen Meinung nach wie vor stehe. Er habe damit die Verlogenheit der bürgerlichen Presse kennzeichnen wollen, die besonders im Jahre 1933 immer wieder behauptet haben, die Sozialdemokratie sei für den Ausgang dqs Weltkrieges verantwortlich. Der Staatsanwalt Ahrens betonte dagegen, daß Thielemann mit seiner Bemerkung„ganz offenbar" die Reichsregierung gemeint habe, denen Ansehen durch dieses Vor- gelien auf das Schwerste geschädigt worden sei. Bei der Strafzumessung müsse die Persönlicli- keit des Angeklagten berücksichtigt werden. Thielemann sei durch seine Hetzartikel, die er Jahrelang als Redakteur des„Volksfmmd" anwandte, hinreicliend gekennzeichnet. Der nationalsozialistische Staat müsse es sich verbitten, von Leuten wie Thielemann in dieser unerhörten Art angegriffen zu werden. Werm das der Angeklagte noch nicht in der Schutzhaft begriffen habe, so müsse er es in der Strafhaft lernen. Der Strafantrag lautete auf drei Jahre Gefängnis. Das Sondergericht folgte diesem Antrage und veftrteilf« Thielemann entspreclieud. Der Fall Thielemann ist typisch für die Rechtspflege im Dritten Reich. fein, raus ans die Kartoffeln, kann zu keinem guten Ende führen. Zeitungssturm Die Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. meldet aus München: Wie der Polizeibericht mitteilt, ist das „Fränkische Volksblatt" in Würzburg auf die Dauer von acht Tagen verboten worden. Der Hanptschriftlciter wurde in S c h u t z h a f t genommen. Die Bayerische Politische Polizei teilt zu, diesem Verbot u. a. mit, daß am 19. April In den Vormittagsstunden eine größere Menschenmeiigo vor dem Verlagsgebäude des„Fränkischen Volksblattes" in Würzburg demonstrierte, daß die Menge in das Gebäude eindrang und die vorhandenen Zeltungen sowie eine größere Menge Makulatur durch das Fenster auf die Straße warf. Der Anlaß zu dieser Demonstration sei ein Artikel gewesen, in dem der Empfang der Pressevertreter beim Papst geschildert wurde und in dem u. a. auch die Rede davon war, daß alle Besucher, gleichgültig ob Juden, Christen, Chinesen oder deutsche Neu beiden das Knie vor dem Papst gebeugt hätten. Durch diesen neuerdings gebrauchten Ausdruck„deutsche Neuheiden" sei die Menge in große Erregung gebracht worden, die ihren Niederschlag in der Demonstration fand. Es handelt sich um die übliche bestellte „Volkserregung" gegen ein katholisches Blatt. Ein ähnlicher Vorgang hatte sich kurz zuvor in Mannheim abgespielt. Vom Kirdienkrleg Ole Beute wird verteilt. Inserat aus dem Völkischen Beobachter: Pfarrstelle in Bcrlin-Tempeihof sofort zu besetzen. Schönes Eiiuclpfarrbaus vorhanden. Bewerber soll unter 40 Jahren, in der Jugendpflege erfahren, Mitglieder der NSDAP oder SA und Deutscher Christ sein. Rln in die KärtoKeln— raus aus die Kflrtoffeln! Ueber das Gesetz zur Befriedung der kircli- iieben Lage in der evangelitchen Kirche und Keichsblscliofs ■I___________________, die Friedensbotschaft des ,e'"e Eitelkeit und sein schauspielerisches Ta- schreibt„Das Evangelium im Dritten lc"t her? Das hat ihm keiner vorgemacht und wird Ihm keiner nachmachen— die Ver- s(ellungskuii5t Ist das einzig echte an ihm! Reich", das offizielle Organ der Deutschen Cli r i s t e n: „Bei den Deutschen Christen brach Im ersten Augenblick ebenso wie bei vielen politischen Führern ein Sturm der Entrüstung los. Man muß das verstehen. Man muß auch die deutsch-ohristltchen Bischöfe verstellen, die in harter, zäher Arbeit In den letzten Monaten einigermaßen Ordnung In- Ihre Kirchenprovinzen hineingebracht hatten. Selbstverständlich klappte es noch lange nicht ganz; es waren noch manche Schwierigkeiten zu überwinden: manche oppositionellen Pfarrer sabotierten die kirchliche Arbeit, leisteten passiven Widerstand gegen die Anordnungen ihrer Vorgesetzten. Das alles zugegeben, muß doch festgestellt werden, daß die Verhältirisie Im Begriff waren,»ich zu stabilisieren. Man wußte auf beiden Selten, woran man war. Und nun plötzlich„welche Wendung"... Unwillkürlich sagte mancher alte Kämpfer erbittert:„Rln In die Kartof- SA'Mann, das ist was anderes! Im Februar verprügelten SA.-Leute'n Teutschenthal bei Halle den kaufmännischen Direktor S t e 1 d e I des Großgrundbesitzers und Oberamtmannes Wenzel. Wenige Tage nach dem Ueberfall auf Steidel erschienen im Orte Beamte der Gestapo und nahmen den SA.-Gruppenleiter Zimmermann, der seit dem Umsturz die Geschäfte des Amts- und Gemeindevorstehers versieht, fest. Zimmermann wird sich Im April vor Gericht wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung zu verantworten haben. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem SA.- Füiirer Florstedt aus der Luthei'stadt E i s- leben. Er war Im Dezember 1933 an einem Ueberfall auf den Molkereibesitzer Schmidt- chen in Oberröblingen(See) beteiligt. Schmidtchen war viele Jahre volksparteilfcher Keiohstagskandidat im Wahlkreis Merseburg und Kreisausschußmitglied im Mansfelder Seckreis. Er hatte In einem Oberröbllnger Lokal ehie Nazigruppe, zu der Florstedt gehörte; die Erwiderung des Hitlergrußes verweigert. Auf dem Heimwege wurde er von der Gruppe zu- sammengehauen. Kurze Zelt nach dem Ueberfall verstarb Schmidtchen. Florstedt wurde unter Enthebung von seinen führenden Funktionen strafversetzt. Wenn die Pgs. Zimmermann und Florstedt die Anwendung des Schulterriemens gegen Proleten befohlen hätten, wäre ihnen im Dezember und Februar genau so wenig passiert wie in den Vormonaten, in denen sie zu Hetzjagden auf Mansfelder Marxisten kommandierten. Deutschnatlonalen Direktoren und einflußreichen Volkspartellern darf aber auch Im Dritten Reich kein Haar ungestraft gekrümmt werden! Dann schützen die kleinen und mittleren Führerchargen der SS. und SA. nicht vor Strafe. Ihnen werden die Justiztarife des Hltler-„Sozlallsfflus" gründlich bewußt gemacht werden. Bei Vergehen gegen das Kapital und seine Besitzer kennt das Dritte Kelch keinen Pardon! Ueber die Vorfälle in Teutschenthal und Oberröblingen(See) ist auch eine der übelsten und brutalsten Nazitypen, der Gutsbesitzer Ludolf von Alvensleben(Schochwitz) gestolpert. Seit 1928 war er NSDAP.-Kreis- leiter für den Mansfelder Seekreis. Auf sein Konto sind zahllose Ueberfälle auf politische Gegner und organisierte Strafexpeditionen gegen Marxisten zu setzen. An dem Nazi-Ueber- fall auf die kommunistische Turnhalle in Els- leben, der im Februar 1933 fünf Kommunisten das Leben kostete, hatte er führenden Anteil. Jetzt wurde er strafversetzt, und er rutschte in der SA.-Rangstufenleiter d r e i Grade abwärts. Seit einigen Wochen versieht er Ordonanzdienste beim SS.-Stab II in Dresden. Keine Begeisterung für Schwindel! Die sächsische Presse teilt mit;„Die sächsische Regierung hatte ein Predsaussohreiben erlassen aus dem Wunsche heraus, ein Fest- spiel Mir den 1. Mai zu erhalten. Doch war keins der eingesandten Werke so wertvoll, daß ein Anreiz zu seiner Aufführung vorlag.." Aus Niedertracht und Lüge kann kein künstlerischer Wert herauswadiscn 1 Braune Kommunalpolitik -- nadi rotem Vorbild Als die Hitlerbewegung noch in der glücklichen Lage war, mit einer hemmungslosen Agitation alle Ernmgenschaften sozialdemokratischer Politik als falsch, volksfeindlich und vom jüdischen Cleist belastet herunterzureißen, war die Gemeindepolitik der Sozialdemokratie tiner der Hanptgegenstände der faschistischen Angriffslust. Es war den sozialdemokratischen Gemeindefraktionen auch dort, wo sie nur eine Minderheit bildeten, gehingen, eine Reihe \ on Betrieben, wie Gas-, Wasser-, Kraftwerke und Verkehrsbetriebe aus den Händen privater Kapitalisten in den Besitz der Gememden zn überführen und die Erträgnisse zugunsten der kommunalen Wohlfahrt zu verwenden. Die steigende Leistungsfähigkeit der Kommunal- betriebc hatte den Haß der Monopolkapitalisten erzeugt. Sie hoffen nun, daß ihnen Hitler alle rentablen öffentlichen Betriebe wieder ausliefern werde. Der preußische Innenminister hat im Juli 193.3 durch einen Erlaß angeordnet, daß die Gemeinden weder neue wirtschaftliche Betriebe gründen noch neue Betriebszweige durch bestehende Kommunalbetriebe übernehmen dürfen,..soweit sie den Mittelstand schädigen." Zur Beruhigung ihrer Auftraggeber kündeten die Nazidiktatoren in den Gemeinden an, daß durch den Nationalsozialismus der Kommunalwirtschaft Grenzen gesetzt werden sollen. Nun hatten bekanntlich auch die Marxisten Grenzen der Kommunalisieruug von Betrieben gesteckt. Sie bemühten sich vor allem, jene Monopolbetriebe unter die Verfügungsgewalt der Gemeinden zu bringen, die für die Bevölkerung eine lebenswichtige Bedeutung und ihre Versorgung zu befriedigen haben. Diese unter marxistischem Einfluß erstandenen kommunalen Werke haben eine so unüberwindliche Lebensfähigkeit aufzuweisen, und sie haben sich für den Ausgleich der Kom- munalbilanzen so ausgezeichnet bewährt, daß die Nazis Bedenken bekommen haben, die bestehende marxistische Kommunalwirtschaft zu /erschlagen. Auch die dem Mittelstand gemachten Versprechungen sind aus der neuesten Fassung des nationalsozialistischen Kommunal- programmes völlig verschwunden. Die„Zeitschriftfür öffentliche Wirtschaft" gab kürzlich in einem programmatisch gehaltenen Leitartikel für die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden Richtlinien heraus, die in ihrem wesentlichsten Teil den marxistischen Vorbildern in unserer früheren kommnnalpo- lifischen. Zeitschrift„Gemeinde" nachempfunden sind In der Einleitung des neuen Programmes wird natürlich zunächst die„rücksichtslose Beseitigung der aufgetretenen Auswüchse" verlangt, gegen die marxistischen Einflüsse der Vergangenheit gewettert und die Besetzung der Posten durch zuverlässige Nationalsozialisten verlangt. Diese Aufgabe haben die Na-zis auch in den Gemeinden mit peinlicher Genauigkeit erfüllt. Die Nazizeitsohrift erkennt aber gleichzeitig die positive Bedeutung der von den Marxisten geschaffenen Kommunalwirtschaft an und übernimmt von uns Grundsätze, um deretwillen bewährte sozialdemokratische Kommunalpolitiker als Staatsfeüide in die Kerker geworfen worden sind Die neue kommunale Naziführung meint, daß„eine früher vielleicht berechtigte Gegnerschaft gegen die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden" nicht dazu führen dürfe, „die kommunale Wirtschaft auf ihren ur- cigendsten Gebieten, die mit Recht der privaten Initiative entzogen sind, einzuengen und zurückzudrängen." Wir lesen hier zum ersten Mal, daß die frü- Iiere Gegnerschaft der Nazis gegen die marxistische Kommunalwirtschaft nur vielleicht berechtigt war und daß die bösen Marxisten bestimmte wirtschaftliche Betriebe m i t R c c h t der Privatwirtschaft entzogen haben. Es werden alsdann in dem Prograiran „Grunde e i g e n w i r t sc h af 1 1 ich e r Betätigung der Gemeinden" aufgestellt, die eine verdammte Aehnlichkeit mit bekannten Gedankengängen des soeben in Deutsoliland ausgerotteten Marxismus haben: 1...Mangelnde private Initiative fordert auf bestimmten wirtschaftlichen Gebieten den Einsatz der öffentlichen Hand". Als Beispiele werden genannt: die Wasserversorgung. der K 1 e i n w o h n u n g s- b a u und die Sparkassen. 2.„Hygienische, polizeiliche und soziale Gesichtspunkte fordern auf vielen Gebieten eine Ergänzung. Beschränkung oder sogar Ausschaltung privater Initiative."1 (Es wird auf: Krankenhäuser, Badeanstalten. Schlachthäuser, Viehhöfe. Markthallen, Kanalisation, S t r a ß e n r e i n i g u ng und Müllabfuhr verwiesen.) 3...Offensichtliche Mängel bei der Ausnflt- zung von lebenswichtigen Monopolbetnc- ben, die der Volksversorgung und der gesamten Wirtschaft dienen, machen eine Beseitigung privaten Gewinnstrebens notwendig." (Es werden dazu die ausgesprochenen Mo- nopolbetriebe Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke imd Straßenbahn genannt.) Die antiraarxisti- sche Zeitschrift der Nazis sagt dazu wörtlich:„je mehr der Monopolcharakter dieser Befriebe deutlich geworden ist und die privaten Inhaber geneigt sind, die gewonnene Machtstellung auszunutzen, um so mehr ergibt sich die Notwendigkeit, daß gerade diese Einrichtungen m den Besitz der Gemeinden genommen werden, um sie nach gemeinwirt- schaftlichen und sozialen Gesichtspunkten zu fühern." 4.„Gewisse allgemein wirtschaftsförderndc Einrichtungen werden billiger und besser in gemeindlicher Hand betrieben, als durch privat wirtschaftliche Initiative." (Beispiele sind: Häfen, Ausstellungen, Messen usw.) Es ist höchst bemerkenswert, daß an der Stelle, an der die Sozialdemokratie Gelegenheit gehabt hat, sozialistische Wirtschaftsziele zu verwirklichen, nämlich in der Kommunalpolitik, selbst der grenzenlose Haß gegen alles, was Marxisten geschaffen haben, nicht aus reicht, um diese Schöpfungen marxistischen Geistes zerstören zu können. Als noch Marxisten die Träger der Kommunalwirtschaft waren, hörten wir von den Nazis, es wäre dort alles Korruption und Mißwirtschaft. Heute möchten die Faschisten, denen jeder eigene schöpferische Gedanke fehlt, das marxistische Konimunalprogramm nationalsozialistisch umbenennen. Die Lebenskraft der Errungenschaften sozialdemokratischer Kommunalpolitik scheint die Anfrechterhaltung nationalsoziali s tischer Agitationsprogramme überdauern zu sollen. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Nazis ans dem marxistischen Kommunaipro- gratnm ganz gut abschreiben können. Daß sie die kommunale Praxis meistern werden, muß um so mehr bezweifelt werden. Im übrigen dürften der Reichswirtschaitsmini- ster Schmitt, der Rcicbsbankpräsident Schacht, Herr Dr. T h y s s e n und Konsor ten der„Zeitschrift für öffentliche Wirtschaft", falls sie sich noch weiter in scicli marxistisch kommunalen Gedankenflügen üben sollte, bald auf die Finger klopfen. Lohnzahlung aus Gewerkschaftsgeldern Die Bergarbeiter gehören zu jenen Schichten der Arbeiterschaft in Deutschland, die nach dicr Machtergreifung durch die Nationalsozialisten besonders schlecht weggekommen sind. Sie waren soweit sie unter Tage arbeiteten bis dahin von der Zahlung der Arbeitslosen- Versicherungsbeiträge befreit. Die Hitlerregierung, die den Agrariern und den industriellen Kapitalisten Steuergeschenke machte, brauchte Geld und führte für diese Bergarbeiter die Zahlung der Arbeitlosen-Versicherungsbciträge ein. Das bedeutete für sie bei den an sich schon niedrigen Löhnen eine weitere empfindliche Lohnkürzung. Damit nicht genug, haben die Bergbauindustriellen, die zu den engsten Freunden der Hitler und Konsorten gehören, die Bergarbeiter immer noch liofcr in Not und Elend hineinzudrücken versucht. Den schwer verdienten und kurzen Urlaub möchten sie am liebsten auch beseitigen. Sie erklärten den Bergarbeitern vor einigen Wochen, daß es ihnen unmöglich sei, den ganzen Urlaub zu bezahlen. Früher wären sie wahrscliemlich durch die Gewerkschaften und durch die Solidarität der Arbeiter gezwungen worden, es zu tun. Beides haben die Nationalsozialisten vernichtet' Was antworteten sie auf diesen unerhörten Akt antisozialer Einstellung? Nun, der Führer der Arbeitsfront, Dr. Ley, hielt in Gclsenkir- clien zu den Bergarbeitern eine sehr entschiedene Rede: „Euch Männern der Kohle will man den Urlaub nicht bewilligen, euch, die ihr ihn am allernotwendigsten hättet, denn eure Arbeit ist mit Geld gar nicht zu bezahlen. Noch ist die Frage nicht geklärt, so sehr wir uns schon bemüht haben. Der Bergbau weist seine Unterbillanz nach(?) Eins aber sage ich euch schon heute, und sagt es auch euren andern Kameraden an der Ruhr: ihr bekommt euren Urlaub bezahlt, und zwar mit hundert Prozent." Und nun, meint ihr. ging der Führer der Arbeitsfront persönlich zu den schwerreichen Bergbauindustriellcn und erklärte ihnen, daß sie den armen Bergarbeitern den vollen Ur- laubslobn zu bezahlen hätten. 0 Ncdn! Der Dr. Ley tat ein anderes. Er erklärte den Arbeitern: „Wenn die Unternehmer die Lasten nicht ganz tragen, wird die Deutsche Arbeitsfront einspringen und den Rest bezahlen." Diese ungeheuerliche Erklärung bedeutet, daß die Gewerkschaftsbeiträge der deutschen Arbeiter, die nach Dr. Ley jetzt mit Hundelöhnen abgespeist werden, zur Lohnzahlung verwendet werden, weil eine der schwerreichsten Gruppen des deutschen Unternehmertums den vollen Urlaubslohn nicht bezahlen will. Dieser mündlichen Erklärung ist der Aufruf sofort gefolgt. Er lautet: „Die Deutsche Arbeitsfront hat sich in dem Gedanken der Gemeinschaft und aus der Erkenntnis, daß die Bergleute den schwersten Beruf und damit das höchste Recht auf Urlaub haben, verpflichtet gefühlt, die 30prozentige Urlaubskürzung, die die Kohleuindustrie aus der durch die Weltwirtschaftskrise geborenen Notwendigkeit nicht zahlen kann,' zu flbcrnchmc*. Die Deutsche Arbeitsfiront ist aber der Ueberzeugung und der Gewißheit, daß ein großer Teil der Zechen und ihrer Wirtschaftsführer aus der Erkenntnis der Gemeinschaft die Opfer bringen werdfo, die zur Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Bejcg- schaften notwendig sind. Auf alle Fälle bürgt die Deutsche Arbeitsfront für hundertprozentige Urlaubsvergütung. Statt Streik- gcldcr gewährleistet das neue Deutschland volle Auszahlung der Urlaubsgeldcr an die Bergarbeiter." Ist die Demagogie noch zu überbieten? Die Unverfrorenheit, mit der die Gewerkschaftsbeiträge der Aermsten verwendet werden, um dem schwerreichen Unteniehmertum die Lolmzaihlung zu ersparen, wird noch zur Tugend erklärt. Da eröffnen sich noch nette Aussichten. Warum sollen die Bergbau in du- striellen den alleinigien Vorzug genießen? Warum sollen nicht auch andere Unternehmer den Urlaubslohn der Arbeiter aus den mit den Gc werk schafit sbei trägen der Arbeiter aufgefüllten Kassen der Arbeitsfront bezahlen lassen? Und warum soll die Arbeitsfront nur für die Urlaubslolmkürzung, und nicht für jede Loluikürzung überhaupt einstehen? Wenn diese geniale Methode allgemein wird, so bedeutet dies, daß die Arbeiter sieh ihre Löhne selber bezahlen! Ley hat die Quadratur des Zirkels gelöst; die Arbeiter zahlen Gewerkschaftsbeiträge, Ley zahlt aus den Arbeitsbeiträgen Löhne, und die Unternehmer sind fein heraus— sie brauchen überhaupt keine Löhne mehr zu zahlen! Soeben erschienen: Julius Deutsch DER BÜRGERKRIEG IN OSTERREICH Eine Darstellung von Mitkämpfern und Augenzeugen Ümsdilagzeidmung von Th. Th. Heine, mit 24 Seiten Illustrationen und 100 Seiten Text Der Autor ist der Gründer und Leiter des Schutzbundes, der Kampltruppe der österreichischen Arbeiterschaft, und war der erste Kriegsminister der Republik Oesterreich. Er beschränkte sich nicht auf die Darstellung der militärischen Ereignisse, er gibt auch ihre politische Vorgeschichte und zeigt, wie der Schutzbund schlieBlich gegen eine große Uebermacht isoliert kämpfen mußte, weil die gefühlsmäßige Sympathie der Bevölkerung keine praktische Auswirkung fand. Der Generalstreik versagte. Ein tragisches aber auch erhebendes Stück weltgeschichtlichen Klassenkampfes zieht in Wort und Bild mit plastischer Eindringlichkeit an uns vorüber. Preis in: Belgien 21.— Frs./ Bulgarien 96.— Lewa/ Dänemark 4.20 Kr./ Deutschland 2.50 RM./ Frankreich 15.— Frs./ Großbritannien—.3.8 Pfund Sterling/ Italien 11__ Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt an Verlagsanstalt„Grapbia", Karlsbad CSR. Hitler baut ab Die Ehestandsnothilfe, einst als großzügige Hilfe für die Armen und als ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit marktschreierisch angepriesen, ist in den letzten Monaten stillschweigend stark b g e b a u t worden. Ein neues Gesetz vom 28. März 1934 bringt weitere, ins Gewicht fallende Verschlechterungen. Bisher wurde die Ehestaiidsbilfe gewährt, wenn sich die heiratende Frau verpflichtete, ihren Arbeitsplatz zu verlassen mid keine neue Arbeit anzunehmen, so lange der Ehemann noch mehr als 125 Mark im Monat verdient 125 Mark im- Monat, das waren— gegen heute unter Hitler— einmal goldene Zeiten. Der Großteil der deutschen Arbeiterschaft verdient diesen mäßigen Lohn im Dritten Reich nicht m e Ii r. Da aber auch die neu Verheirateten leben wollen, so ist die junge Frau gezwungen, sich bald wieder nach einem Arbeitsplatz umzusehen. Das neue Gesetz verbietet ihr das. Es bestimmt, daß die Ehefrauen eine Tätigkeit als Arbeitnehmerin so lange nicht ausüben dürfen, als der Ehemann nicht hilfsbedürftig im Sanne der Vorschriften über die Gewährung der Arbeitslosenunterstützung ist und das Ehestandsdarlehen nicht restlos getilgt ist. Also, für die Gewährung des Ehestandsdar- leliens,, das voii dem Hungerlolin des Mannes in Raten zurückgezahlt werden muß, wird der Frau verboten, zu arbeiten. Auch wenn der Mann heute im ganzen Monat für die Familie nicht so viel verdient, wie früher m einer Woche. Diese unerhörte soziale Härte wirkt noch schlimmer, weil das Ehestandsdarlehen, dessen Höhe anfangs mit tausend RM. festgesetzt war, jetzt im Durchschnitt kaum viel mehr als 100 bis 200 RM. ausmacht Das Gesetz bestimmt, daß nur in besonders gelagerten Fällen die Höchstgrenze 500 RM. übersteigen soll. Ehen aus Arbeiterkreisen erhalten keine 500 RM., ja, eine Bestimmung schafft sogar die Möglichkeit, sie von der Darlehensgc- währung ganz auszuschließen. Es wird nämlich als neue Voraussetzung angeführt, daß die Einkommens- und Vermögensverhältnisse ihnen gestatten müssen,„nach den örtlichen Verhältnissen... in der mit Hilfe des Ehestandsdarlehens eingerichteten oder vervollständigten Wohnung einen einigermaßen gesicherten Haushalt zu füh- r e n." Diese Voraussetzung macht die Regierung durch die fortdauernde Senkimg des Reallohnes in zahlreichen Fällen unmöglich. So zerfließt eine, mit viel Reklame aufgemachte Hilfsaktion zugunsten der Armen in Nichts... Soeben erschienen! Das Deutsdbe Wunder 193? Eine zeitgemäße Betrachtung von X. Es handelt sich nicht etwa um das außerordentlich berühmte Weltbuch des Generals John Johnson, das als ein Warnungsbuch fiir alle kriegswütigen Feindvölker geschrieben wurde—. vielmehr handelt es sich um einc entsprechende Betrachtung, und lediglich handelt©s sich um gar kein Buch, denn der Verfasser....— Na wollen Sie selbst lesen• Bestelhmgen gegen Voreinsendung Kc 7.-- (oder Gegenwert evtl. in Marken) an Belsky-Verlag, Brünn, Kröna II. Nr. 46 BEILAGE llctmcteuärfe 29. April 1954 Als wir den Maiiag feierten... 1932. Der Tag war für die Maifeier wie geschaffen. Blau wölbte sich der Himmel, kühle Morgenluft wehte, die Arbeiter, die sich stadtteilsweise zum großen Maiumzug sammelten, staunten ob der zahlreichen Beteiligung. Seit 1919 hatte es keinen so großen Festzug mehr gegeben! Unser Festplatz lag am Rande eines weiten Parkes. Er zog sich dicht um einen kleinen See herum, zu dem blumenbepflanzte Terassen hinabführten. Zwei Gastwirte teilten sich in die Armeen von Stühlen und Tischen, die mit Kellnern, Speisen und Getränken der sich aus der Ferne schon durch Musik und Gesang ankündigenden Festzüge harrten. Als diese schließlich eingetroffen waren, hatte der eine der beiden Wirte Gelegenheit, ein langes Gesicht zu schneiden. Seine Stühle blieben sämtlich leer, obwohl sich die Menschen in fürchterlicher Enge drängten. Er begriff, daß man nicht zugleich Nazi sein und Arbeitergroscheu scheffeln könne... Wer die Augen aufmachte, und guten Willens war. sah hier, was ein echtes, wahres Volksfest war, hier an den ungezählten Tischen, über die gutmütige Gespräche, fröhliches Gelächter und Musiken hmrauschten. Uoch den schönsten, buntesten Anblick bot die Wiese hinter dem See. Hier stand Zelt neben Zelt, wehte Wimpel neben Wimpel. In vielen Kreisen waren Jugendliche und Kinder vereinigt zu Volkstanz, Sang und Sport. So gegen elf Uhr verstummte das Leben •uf der Wiese. In wenigen Minuten sollte der offizielle Festakt beginnen. Dieses Jahr wollte ihm die Jugend ihren Stempel aufdrücken. Ihr tiefer Wunsch war. den Festakt zum Höhe- Punkt der Maifeier, zu einem alljährlichen ».Hochamt des Sozialismus" zu gestalten. Die Festhalle war bis in den letzten Winkel �er Emporen überfüllt. Die Arbeiter weilten Kern in diesem lichten, feierlichen Raurii, der aIs em Meisterwerk moderner Architektur i�alt und der Initiative und Gestaltungskraft ihrer Genossen entsprungen war. Stolz sahen sich 'he Arbeiter in ihrer Halle um, sie grüßten sich durch Winke und Zurufe, bis die Orgel zu dröhnen begann... Dann unerwartet ein schmetterndes Fanfa- rensignal. Die Flügeltüren im Saalhintergrund öffneten sich und herein marschierte, einen der beiden langen Mittelgänge entlang, ein Zug weißhaariger Parteiveteranen, während die„Arbeitermarscillaise", das Kampflied ihrer Epoche, ertönte. Die Festversammlung hatte sich spontan erhoben und jubelte den Alten zu, die unbeirrt ihren Weg zu Ende schritten, die Stufen zur großen Bühne erstiegen, um sich dort mit dem Gesicht zur Masse aufzustellen. Wieder ein Fanfarenstoß �—; wieder öffneten sich die Türen im Hintergrund, die Jugend zog ein, blaukittelig, frisch und froh, die roten Sturmfahnen leuchteten wie Blut, Trommeln wirbelten, Fanfarenton klirrte und dazu brauste der Gesang der jungen Kelilen: „Wenn wir sclireiten Seit' an Seit'"... mit dem verheißungsvollen Refrain„Mit uns zieht die neue Zeit!'* Auch die Jugend wurde von Beifallsjubel überschüttet, durch den ihr. Lied nur mühsam vordringen konnte- Elastisch stieg sie die Stufen zur Bühne empor, gesellte sich dort zu den Alten. In diesem Augenblick hörten die Tausendc, die den Saal füllten, aus dem Hintergrund, durch die geschlossenen Türen hindurch, wie draußen Gesang aus K i n de r.m n nd an- hub. Elektrisiert.wandte, siclr die Masse. Da öffneten sich zum dritten Male die Türen: die Arbeiterkinder kamen. Sie hatten ihre blauen Falkenkittel an, führten bänderge- schmücktc Maibäume mit sich und die Mädchen trugen Blumenkränze im Haar. In zwei Reihen, die Kleinsten an der Spitze, drangen sie zwischen dem schweigenden Menschen- spaKer voran und, ohne daß Musik ihr Lied begleitet hätte, schwangen die zarten, hellen Kinderstimmen gläubig in den riesigen Raum: ... wir fürchten uns nicht, Wir sind die Roten Falken!..'. Rote Falken heraus! Rote Falken heraus! Laßt die Banner wehen! Die Freiheit ist unser Ziel!" Die Arbeiterniassc hörte die kindlich-treuherzigen Stimmen, sie sah die rührenden Gestalten der so ernst hereintrippelnden, btumenge- schmückten Kinder,— da war es, als ob ein tiefes Seufzen und Erschauern durch die Seelen der Menschen ging, als ob sich ihre Sorgen um die Zukunft, ihre Ahnung von kommenden furchtbaren Zeiten Luft machen müsse— ein Weinen und Schluchzen durch bebte Tausende. Die Schultern der Härtesten zuckten unter der Gewalt innerlichster Erschütterung und jeder kehrte sich still nach innen, obgieich- sich niemand seiner Tränen zu schämen brauchte, denn nicht Tränen der Furcht waren es, sondern Tränen der Liebe,— der Liebe für ihre Kinder, die— wie alle jählings ahnten— einem grauen Los entgegengingen. Durch Tränenschleier folgten die Blicke der Arbeiter dem ahnungslosen Kinderzug,-"beobachteten, wie sich die Kinder neben die Jugend und das Veteranen- tum ihrer Bewegimg stellten und lauschten beklommen der kleinen Sprecherin, die alle Kinder der Welt grüßte, die weißen, die schwarzen, die braunen und die gelben; die Kinderblüts der Menscheit schlechthin. Sie sahen der symbolischen Geste zu, mit der sich die Sprecher der roten Generationen als „Glieder einer Kette und Wellen eines Stromes" die Hände reichten, dann fing die ürgel zu dröhnen an, Massengesang fiel ein,— die„I n t e r n a t i o n a 1 e" riß alle und jeden aus dem weichen Augenblick almungsvollcn Sclnnerzes zu festem Gelöbnis empor.— In allem,"Was dann nocli an jenem Vormittag in der Halle gescliah, lag der Widerhall des heiligen Augenblickes.� Niemand," der ihn erlebt hat, wird ihn vergessen können. Er verlieh unserer letzten eigenen, freien Maifeier einen unverlierbaren Hauch und das Beste und Reinste unseres sozialistischen Menschentums lag darin.— 1933. Die braune Barbarei war durchgebrochen. Am Vorabend des neuen„Festes der deutschen Arbeit" waren die aufgescheuchten Spießer noch rasch in die braunen„Feldzeug- meistereien" gelaufen und hatten sich mit den ihnen jetzt unentbehrlich dünkehden Stellungs- und Lebensversichenmgsfahnen eingedeckt. Die Arbeiterschaft war von dumpfer Stimmung befallen. Wie sollte sie sich verhalten? Ihr ging, so Weit sie ihn noch besaß, der Arbeitsplatz verloren, wenn sie sich fernhielt. Aber die Schnracli, rnitniachen zu müssen, würgte ihr im voraus die Kehle. Morgens fanden sich die Arbeiter- schließlich doch an den Fabriken ein. Die Haken- kreuziahne stieg hoch. Die Militärmärsche der Spießer— dreimal verhaßt!— schepperten in ihre Ohren. Den Kopf gesenkt, finster die Mienen, so trotteten sie in den von SA bewachten„Festzügen'* einher und demonstrierten auf diese Weise bewußt, daß sie nicht dazu gehörten, sondern nur als Gezwungene dabei waren. Das Horst-Wessel-Lied singen, Siegheil brüllen, den Arm zum Hitier- gruß erheben,— nein, das taten sie nicht!! Sie trotteten mit, so lange sie mußten und verschwanden, sobald es ging, in ihren Schrebergärten, wo sie versuchten, das Gefühl des Geschändetseins loszuwerden. Ihre herrliche Maifeier, ihr eigener, freier Festtag, wo war er geblieben,— wann würde er wiederkehren?! Während sich auf den Straßen und Plätzen der Stadt das verlogene Schauspiel breitmachte, fanden vor der Stadt, in Wäldern und abgelegenen Steinbrüchen, die heimlichen Maifeiern roter Jugend statt. In aller Frühe schon sammelten sich an den Rändern der Vororte jene, die allen Drohungen trotzen und unter der roten Fahne die„Internationale" singen wollten. Als ich zu einem dieser Treffpunkte eilte, kam ich an einer großen Schar von Arbeiterfrauen, Arbeitslosen, Arbeitsinvaliden und Arbeiterkindern vorbei, die auch ins Freie hinauszuziehen beabsichtigten. Eine verhärmte Genossin, die ich als gute, treue Funktionäriii kannte, hielt mich an und stieß schluchzend hervor:„Oh, Genosse, unsere schöne Maifeier! Das erste Jahr keine Maifeier..." Sie wollte sich kaum beruhigen lassen und wies wortlos auf eine große Menschenansammlung in der Ferne. Ihr Mann war auch darunter, gezwungen, seelisch geschändet und mußte der nationalen Blechmusik lauschen, die gerade mit grausamer Ironie Arndts Lied schmetterte: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ. Der wollte keine Knechte..." Zehn Mann stark zogen wir der Feme zu. Und sangen aus glühendem Herzen ein rotes Kampflied nach dem andern. Begegneten uns Spaziergänger und Radfahrer, so erlebten wir immerwieder, wie sie stutzten, verwundert unser Lied vernahmen und dann, heiser vor Erregung, mit dem Freihettsgruß uns grüßten. Unterwegs entdeckten wir mehrere Male getippte Flugblätter am Boden. Sie waren von Jugendtrupps, die noch früher als wir aufgestanden waren, zum Finden säuber- Idi war, idi bin, idi werde sein! lieh hingelegt worden. Die BiStter verWMnrten den braunen Göbbelsmai aufs grimmigste und verherrlichten den roten Maf. Sie schworen den Dieben, Fälschern, Mördern und Sadisten Rache.„Unser Mai kommt wieder! Genossen! Erkämpft ihn euch!!" Gegen Mittag erreichten wir eine weite Grasebene, in der sich der schweifende Blick fast verlor. In ihrer Mitte erhob sich ein Sand liügel; er stellte weit und breit die höchste Erhebung dar. In raschen Sprüngen waren wir oben. Fritz wickelte sich die rote Leinwand vom Leib herunter, band sie an den vorsorglich im Gebüsch unten abgeschndttenen jungen Birkenstamm und die rote Fahne war fertig. Wir rammten den Schaft fest in den Boden hinein. Während das Fahnentuch im Winde knatterte, faßten wir— Verschworene, Illegale, Getreue— uns an den Händen, und sangen Inbrünstig wie nie zuvor die„Internationale". Plötzlich entdeckten wir in der Ferne Menschen, die geballte Fäuste hochreckten. Erst dachten wir, sie drohten uns, bis wir merkten, daß sie uns und die Fahne mit„Freiheit!" grüßten. Auf dem Heimweg wandten wir uns öfter um, zu sehen, ob unsere Fahne noch flattere. Ja, sie ragte noch immer gegen den blauen Himmel. Und viele solcher Fahnen wehten an diesem Tag auf Feldern, in Wäldern. Die sie hißten, wußten aber, daß ihre Feldzeichen einst aus der Verbannung heimkehren und auf den Türmen der Stadt als Symbole des Sieges wehen würden. Pelle Treu. Würde des Künstlers „Paul H i n d e m i t h, hat seinem Sclmtten- brld, das durch den Musikbetrieb der letztem Jahre geisterte, einen deutschen Laufpaß gegeben.... Es Hegt aber nun an ihm, durch sein Verhalten jeden Zweifel an der Sauberkeit seiner Persönlichkeit zu beseitigen. Wenn er, wie erst in diesen Tage geschoben, im Auslände m i t emigrierten Nlchtariern konzertiert, so hebt er damit das gerade zurückeroberte Vertrauen wieder auf, zum mindesten setzt er es einer Belastung aus, die es nicht mehr zu tragen vermag.''(Friedrich W. Herzog in der„Musik*'.) Es scheint also mit Hindcmiths„deutschen Lautpaß'' noch ein wenig zu hapern! Es darf künftig, will er als echt gelten, nur noch mit SA-Kapclkn konzertieren. Volk in Fludii Berliner Wiife „Eine mißverstandene Totalität, die in jedes Bridgeturnier eindringen wollte, mußte die allseitige Anerkennung des Begriffs dort schädigen, wo sie nötig war... Was wird denn heute im Volk kritisiert? Was als vermeidbar oder übertrieben gilt Und worüber machen die Berliner ihre Witze? Nur über das."(Aus der„D.A.Z.-.) Die Berliner machen also Ihre Witze. Und die„D. A.Z." wagt schon, es einzugestehen? Das scheint doch immerhin recht bemerkenswert! „Die Bekundungen faschistischer Den- kungs weise werden für uns, außerhalb der ZucMhaussphäre Stehende immer unverständlicher. Man kann sich diese zur Schau getragene Primitivität, diesen entschiedenen Verzicht auf eine eigene Meinung, diesen Stolz auf die anbefohlene Uniformität, diesen orgastischen Byzantismus nicht mehr als bloße Heu chelei erklären. Hier handelt es sich um tiefere psychologische Vorgänge: ein ganzes Volk in wilder Flucht- Flucht vor der Erkenntnis der schmachvollen Entmündigung. Flucht vor den persönlichen Konsequenzen, die sich aus Prüfung und Beurteilung des Geschehe- uen ergeben müßten, Flucht vor der ge ahnten Pflicht." (Internationales ärztliches Bulletin, Aprilheft.) Bliebe die Frage, wie es zu dieser Flucht vor der Wahrheit kam. Lassen wir einmal alle graue Theorie beiseite, denken wir uns einen Menschen: er kann aus der Oednis jahrelanger Arbeitslosigkeit stammen, kann verkrachter Kleinbürger oder Lumpenbourgeois sein. Er fühlt sich g e s c h c i t e r t oder mindestens zu den Gescheiterten gehörig, weil ihm gewolinte Lebensmöglichkeiten verloren gegangen sind. Ganze Schichten, ganze Klassen können zu den Gescheiterten gehören und einig sein in der Neigung, nicht sich selbst für Ihr Schicksal verantwortlich zu machen, sondern die„Uebeltäter" zu suchen, die das Unglück verschuldet haben. Um bei unserem Manne zu bleiben: er hat den Führer gefunden, der auch zu den Gescheiterten gehört, der es nicht vertragen konnte, daß er im privaten Leben eine Pleite nach der anderen erlitt, daß er Proletarier bleiben sollte und nicht„Künstler" werden konnte. Der kennt die Instinkte der Gescheiterten, spricht ihre Sprache, gibt die Parole aller Entgleisten aus: Haß, Rache, Vergeltung, Reinigung"... Mit einem Male kennt unser Mann die Schuldigen: die Juden, die Marxisten und Demokraten,„das System". Der verlorene Krieg, der Zusammenbruch? Auch daran sind die„Novemberverbrecher" schuld. Deutschland könnte mächtig sein, aber die„Novemberparteien" haben Verrat geübt. Unser Exemplar hat den Krieg auf dem Boden des eigenen Landes nie erlebt, also war das deutsche Volk nicht geschlagen, sondern wurde betrogen vom inneren Feind", von den Bonzen, die nicht „national" sind und die durch den Zusammenbruch zur Macht kamen. Und nun Ist er für alle Gemeinheifen zu haben, die der„Führer" organisiert. Als das andere bessere Deutschland endlich durch den Aufstand der Gescheiterten überrumpelt wird, ist er nicht nur für barbarische Niederschlagung der Ueberstimm- ten, sondern findet es auch in Ordnung, daß sie sinnlos, sadistisch gedemütigt und erniedrigt werden, mit Methoden, wie sie kein anderes zivilisiertes Volk kennt. Nicht nur die Lebensrechte, sondern auch die Menschenwürde der anderen müssen zertreten werden, wenn er sich aus den Niederungen seines Minderwertigkeitsgefühls erhoben sehen soll. Denn im Werden dieses Deutschen klaffen einige schlimme Lücken, seiner Ahnenrefhe fehlt jene Entwicklung der Persönlich- k e i t s k u 1 1 u r und politischen Würde, wie sie andere Völker kennen. Nie hat er Menschenrechte im Kampfe ertrotzt: was er an politischen und sozialen Fortschritten im eigenen Lande erlebte, erschien stets von oben her geschenkt; vor 1813, nach 1S48, nach 1871 — immer erstrahlten die Fürsten als die edlen Geber. Selbst die freie Verfassung von 1918 schien nicht erkämpft, sondern einem Zusammenbruch entsprossen oder gar„vom Feind- bund diktiert". So wurde er zum ewigen Nassauer der Freiheitsgeschichte, und der geborene Nassauer kann nicht viel Selbstachtung produzieren; er blieb ein ewiger Untertan mit Untertanengesinnung, ohne Sinn für eigene Verantwortlichkeit. Noch heute weiß er nichts vom Recht aufs eigene Gesicht, ohne das ein Westeuropäer schwerlich zu denken Ist. Die Methoden, mit denen eine braune Ordnungsbestie heute Deutschland„erneuert'", waren ihm nicht so neu. Der Prügelstock des Despotismus liegt noch nicht so weit hinter ihm und die Tradition des Prügelstockes lebte weiter in der Kaserne des wilhelminischen Reiches, wo wehrlose Rekruten von Unteroffizieren nach preußischem Stundenplan, mit der Uhr in der Hand, geschunden und mit erniedrigenden Quälereien, Abortscheuern mit der Zahnbürste usw.„mürbe gemacht" wurden. Diesem Untertan wurde siegreicher revolutionärer Durchbruch der Menschenwürde nie zum aufwühlenden nationalen Erlebnis, Freiheit und Menschenrechte wurden ihm sozusagen vom Storch gebracht— das ist seine historische Verdammnis. Mit diesem Untertan konnte Deutschland zu dem braunen Zuchthaus von heute gemacht werden—— und dies wäre in groben Zügen das Gesicht des nationalsozialistischen Anhängers und Mitläufers, den Georg Decker in seiner jüngst ersclrienenen Broscliüre„R e- volte und Revolution" meisterhaft seziert und soziologisch erklärt. Dieser politische Psychopath, wie ihn Decker zeichnet, existiert 1933 im Lande Goethes und Schillers in männlicher wid weiblicher Ausgabe zu Abermlllionen. Heute beginnt bei vielen Seinesgleichen das Erwachen, heute ahnen sie bereits, w i e sehr sie betrogen wurden. Die Gescheiterten und Enttäuschten hatten sich Aufstieg, Erneuerung und Reinigung anders vorgestellt. Aber noch hindern Scham und Angst, Feste, Umzüge und Rundfunkreden ein völliges, klares, bewußtes Erkennen. Das oben zitierte Zentralorgan der Internationalen Vereinigung sozialistischer Aerzte behält leider Recht, wenn es von solcher Scelenver- derbnis, der namentlich die gleichgeschaltete Intellektuallle verfallen ist, sagt; „Der Qual des Parierenmüsscns entfliehen sie, indem sie einander gegenseitig beteuern, wie glücklicli sie seien, gehorchen zu dürfen- Daß die Führer zu tölpelhaft sind, um nach so tiefen psychologischen Erkenntnissen zu handeln? Natürlich, sie befolgen nicht bewußt eine Theorie der automatischen Festigung einer Tyrannei, die die Menschenrechte bis zur sittlichen Entmündigung aufhebt. Ihre demagogischen I n• aus dem Rausch schüler- nicht erwachen, denn sie sich zu Tode schämen stinkte, nicht Schulung und tiefere Einsicht, ließen sie ahnen, daß die Erniedrigung das sicherste Mittel ist, die Verführten eine Erhebung erleben zu lassen. Nur so kann man sicii diesen Exhibitionismus der Würdelosigkeit erklären, den wir Zeitgenossen mit Scham und Schmerz mitansehen müssen. ... Sie wollen haften Bravseins ahnen, daß sie müßten..." Ein beträchtlicher Teil dieses Volkes ist auf der Flucht vor der Erkenntnis, daß es seine Freiheit schmachvoll wegwarf für eine plumpe Lüge, daß die Menschheit geschändet würde für einen Raubzug der Banden des Großkapitalismus. Deshalb bei vielen die Abneigung gegen die Vernunft, das Hineingleiten in nationale Räusche, ins Ausweglose— und das bedeutet am Schlüsse immer die Katastrophe. Die Weltgeschichte aber läßt sich nicht betrügen. Das deutsche Volk wird seinen Kampf um die Freiheit, gegen die Unterdrücker im eigenen Land, wird seine Erklärung der allgemeinen Menschenrechte nachholen müssen. Kein Gott, kein Wotan, kein brauner Zauber hilft ihm darüber hinweg. Bruno Brandy. Hitlers Journaille Der„Völkisdie Bcobaditer" vwröffentlidit eine gereimte Abomientenwcrbung, die zugleich ein vehementer Angriff auf die gleidiigeschaltete Presse ist: Vergiß nicht die vielen, die allzu Dreisten. Die Gesicherten, Satten, die Faulen, die Feisten, Die damals, als du vor Gerichten standest, Und dich vor Wut und Empörung wandest, Als„Journalisten" die Feder geführt Und jedem Worte nadigespürt, Das du gesprochen in kodionder Wut——• Für die warst du damals als Witzfigur gut. Und heute?— Da sdi reiben die Herren wieder! Aber„nationale" Filme, Romane und Lieder.— Mensch! Da kannste zwischen den Zeilen lesen: Nazis?— vor Ado!f Hitler gewesen!!! Und sie quaseln lange Leitartikel, Schleppen den Nationalismus beim Wickel. Recken von Don Ouichottcs Range. Und eine Gesinnung— wie von der Stange! Ja, ganz richtig! So züchtet das Ehitfe Reich Gesinnungslumpen! Das Messer „Das Tragen der Dienstkleidung der Hitlerjugend, ebenso wie das U m- Bchnallcn der Messer während des Unterrichts wird verboten."(Aus einem Erlaß des RdohsjugcndfüJirers.) Wie schön war es doch, als man noch im Rahmen des„nationalen Aufbruchs" mit dem Messer gegen den Pauckcr werfen durfte, der einem eine Vier aufgebrummt hatte— I Gegen Ehescheidung. Obernazi Buch hat den nationalsozialistischen Juristen vorgeschlagen, für die Unauflösbarkeit der Ehe einzutreten. Kurt Doberer:]Kai|ied Gerügt habt Hur uns aus Blut und Not, ilif habt uns die Fahnen gefärbt so rot, mit der Farbe flackernden Blutes. Kolonnen, Kolonnen aus Dunkel und Nacht, Minner und Männer marschieren zur Macht. Vorwärts Genossen zur Freiheit! Wir haben gegraben das Feld und im Schacht, das hat uns die Hände so hart gemacht, wie die eisernen Hämmer der Schmiede. Kolonnen, Kolonnen aus Dunkel und Nacht, Minner und Männer marschieren zur Macht. Vorwärts Genossen zur Freiheit! Wir schlagen den Weg in die bessere Zeit, wir bauen die Brücke zur Herrlichkeit, zu den roten WeltrepubHken. Kolonnen, Kolonnen aus Dunkel und Nacht, Männer und Männer marschieren zur Macht. Vorwärts Genossen zur Freiheit! Das blaue Heft Von BrunoBrandy. In der Mansarde draußen probierte ein Fink seine Triller, erschrak vor dem Lärm hinter dem Mansardenfensfer und flog davon. „Du willst wieder nicht mitgehen?"— schrie Emil seinen Bruder an.„In allen Ländern marschieren die Arbeiter zu ihrem Festtage auf, in allen Ländern... und Du---" Zornrot verstummte der SA.-Mann, denn der Jüngere sah ihn mit einem soloh langen, triumphierenden Blick an, daß sein Gedankenlauf zu knäueln begann. Sekundenlang lag dieser BWck dämpfend zwischen den Brüdern. „Ueberleg Dfr mal, was du eben gebrüllt hast", sagte der Jüngere ruhig, klappte ein blaues Heft zusammen, schob es in die Kommode und ging mit einem breiten Lächeln aus der Stube. Draußen spann das erste Dämmern eines Frühlingsabends. Der SA.-Mann warf sich in einen Stuhl. Was, er sollte überlegen? Er, der Aeltere von Beiden? Ha, was ihm dieser Marxist schon erzählen konnte! Er griff zur Zeitung, warf sie wieder weg... Dieses Kük- ken, mit seinen dreiundzwanzig Jahrenl Sagt ihm, er sei konfus— er, der Große, der schon Sturmführer sefn konnte, wenn man nicht egal Leute von oben vorzöge! Innungsmeister mußte der Vater mindestens sein. Er— konfus? Das war sehr einfach mit dem Ersten Mai, sehr einfach, nioh? Damals, vor dem Kriege, da wurde er nur von den Organisierten mit der roten Nelke gefeiert... Damals... Er fuchtelte im Selbstgespräch mit den Händen, verhedderte sich, seine Gedanken schwammen in nebligen Erinnerungen... Damals war er, Emil Krause, nicht dabei. Hinterher wurden allemal tausende Arbeiter gemaßregelt. Das lohnte sich gerade... Und dann, nach dem großen Kriegswirbel, landete Emil bei den Nazis, wie der Vater. Der war Kleinmeister gewesen, an der marxistischen Entwicklung ging er kaputt, selbstverständlich, was denn sonst. Aber davon wußte der Jüngste, der Grünschnabel, natürlich nichts mehr, sonst wäre er nicht immer zur sozialistischen Arbeiterjugend gerannt. Daran war die Mutter schuld, der Vater hätte es dem Grünschnabel erzählt. Jeden Ersten Man zog das Kücken mit; man hatte ja nichts zu sagen... Schöner Feiertag allemal: der Kleine drüben, der Große hüben. Und scharfer Dienst stets. Im„Völkischen Beobachter" stand:„Polizei, gib die Straße frei für den Ersten Mail In einer Stunde jagen wir die roten Demonstranten mit der Waffe auseinander!"— jawohl, die Helden der Feder konnten das so hinschmieren, aber die SA. hatte den Oualm. Mußte, In Lastautos verpackt, draußen auf dem Laude liegen und abends heimkehrende Maffeiertrupps überfallen. Jedes Jahr dasselbe... Und jetzt? Emil legte die Stirn 1p Falten, suchte den Knäuel zu ordnen, die Gedanken zu sortieren. Jetzt war der erste Tag Im Mai ein deutscher Feiertag. Hitler hielt Maireden im Rundfunk... Festtag der Arbeit, weil jetzt die Arbeiter— weil jetzt Thyssen —— Unsinn, weil jetzt das Kapital nicht mehr---- Was war denn eigentlich nicht mehr?— Emils Stirn wurde krauser. Der Knäuel verfitzte sich wieder... Da hatte der Grünschnabel doch sowas gesagt von alten Zeiten, nich... Wie war doch der Quatsch gleich? Der Klugscheißer, was der wußte, das wußte Emil auch. Dort, in der Schublade, schlummerte das bißchen Weisheit... Er lauschte nach der Küche hin, riß den Komodenkasten auf. Werden wir gleich haben... Neue Mode, solchen höheren Zimt aufzuschreiben, Ersatz für verbotene Bücher, konnte der redn, was er wollte. Natürlich, da steht der Onark: „Die Bonifaziusse stahlen den Germanen auch einige Festtage, indem sie den Geist der neuen Kirchendogmen in die alten heidnischen Feiertagsschläuche gössen. Die brachten aber immerhin den römischen Pflug mit, die höhere Produktions weise! Darum siegte die neue Religion. Aber ihr— was bringt ihr denn? Das Mittelalter war schon früher da und Thyssen auch. Seht euch vor, daß der internationale Geist des Ersten Mai euren Horizont nicht sprengt---" Dreimal las er, langsam, angestrengt und in tiefer Versunkenheit, wie jemand, der ein Geheimnis ergründen will; das Dunkel jedoch wich nicht. Bedrückt schob er das Heft wieder in den Kasten. Wo der Junge das nur her hatte? Sollte sich bloß nicht erwischen lassen.— Wo schrieb er das Zeug eigentlich ab? Auf seinem Miste wuchs das nicht, sonst müßte er, der ältere Bruder, mindestens soviel wissen, wo er beinahe Gruppenführer sein könnte. Warum konnte der Grünschnabel seit einigen Monaten wieder auf Arbeit gehen? Weil sein Bruder was zu sagen hatte! Aber am Ersten Mai wollte er sich drücken... wo doch die Arbeiter in allen Ländern aufmarschierten... In allen Ländern... Dumpf sah er nach der Kommode hin. Der Geist der Schrift wallte aus dem Kasten und wehte ihn an.— Arbeiter aller Länder, intcr- HilißtsAkäSl vat UßtiluUut Tinte gegen Satire Humorlos, säuerlich, eitel und racbsüolitig, �ie die braune Obcrbonzerie nun einmal Ist, bat der Oberosaf von seinem Freunde Ernst Hanfstaengel eine Sammlung HiWer-Karikatu- ren aus aller Welt zusammenstellen lassen (Verlag Braune Bücher, Berlin). Weil er sein Spiegelbild nicht mehr aushält, soll es ausge- 'echnet Hanfstaengel korrigieren. Und wie er das pfuscht, der Auslandspressechef der NSDAP! Man sieht eine Auswahl von Bildern, mit denen Hitler noch einigermaßen glimpflich abschneidet. Auf der nebenstehenden Seite muß Hanfstaengel die Karikatur allemal„wider- Iegen", Das besorgt er nicht nur wie ein klei- rer Schulmeister und in einem für einen Pressechef bemerkenswert schlechtem Deutsch—„Hier spielt der Karikaturist dahin den Propheten, daß Hitler" usw.— sondern mit einer selbst für Nazibonzen ungewöhnlichen Verlegenheit. Hitler ist kein Diktator, sondern ein Demokrat; Juden wurden nicht getötet, sondern der naziotisdie Antisemitismus ist eine„völlig unblutige Abwehr" der Ueberiremdung; Hitler ist ein Friedensengel; er„machte konsequent gar keine W a h I v e r s p r e c h u n g e n"(auch das tvörtlioh so!); dem Volke gehts erheblich besser.„Handel und Wandel beginnt sich zu beleben..." Von der längst sichtbaren Inflation, dem sinkenden Export, dem Bankrott der Staatsfinanzen darf dieser Oberbyzantiner nichts wissen. Den Sinn verschiede.', er Satiren fälscht er oder kapiert ihn nicht. Nur zwei von vielen Beispielen: Auf einem Bild heizen Großkapitalisten Hitlers Sitz ein; diese Thyssen usw. fälscht Hitlers Reiniger in„Männer der Novem- berdemokratie" um. Auf einer Karikatur der bNcw York Times"' wird Hitler als Zwerg Bismarcks Riesenmontur gezeigt: Hanfstaengels Erläuterung:„Hier wird behaup fet, Hitler sei ein Diktator im Sinne dfes überlebten Vorkriegsmilitarismus." Quatsch, Herr Pressestaengel, Bild und Ueberschrift behaup- fen ganz klar, daß Hitler neben dem Format Bismarcks lächerlich zwerghaft anmutet! Ab und zu wird versucht, das Ausland für Hitler zu zitieren, aber es bleibt immer nur Lord Rothermere mit seiner reaktionären »Daily Mail", so wenig wird von der Welt- Presse trotz Göbbelsscher Schmiergelder für| das braune Hunnentum geschrieben. Ein Königreich für brauchbare Zitate! Dabei sind die Zeichnungen bequem zu Hitlers Gunsten ausgewählt Man vermißt die Karikaturen, die durch keinerlei Kommentar zu verdrehen sind, die Hitler etwa zeigen, wie er Bilder fälschte. wie er am 8. November 1923 im Münchner Hofbräu erklärte:„Morgen haben wir eine nationale Regierung oder ich bin totl" wie er am nächsten Tage bei den ersten Schüssen ausriß und ebenso rasch als ge- sund in Hanfstaengels Villa flüchtete, wie er Südtirol verriet, aus großkapitalisti- sehen Geldschränken alier Länder geschmiert wurde, wie er die plötzliche Liebe zu Polen entdeckte und auf deutsches Land in Ost und West feierlich Verzicht leistete. Oder wie wäre es mit einigen jener Karikaturen, wegen denen sich erst vor zwei Wochen der deutsche Gesandte in Prag die Haxen ablanien mußte, wefl sie Hitler zeigten, wie Ihn jeder kennt, der nicht nur die deutsche Maulkorbpresse liest! Monarchen aller Staaten wurden in allen Ländern boshaft parodiert— sie sahen darüber hinweg. Der Unteroffizier Hitler aber läßt Im Auslande larmoyante Proteste gegen die bösen Zeichner los und daheim müssen seine Barden gegen brav gesiebte Zeichnungen von ehedem polemisieren, während ein Hitlerspruch auf dem Dreckblatt des Buches gleichzeitig behauptet, die Meinung der Welt kümmere ihn nicht... So ähnlich, nur nicht ganz so dumm, heuchelt Jede über schminkte Primadonna bei jedem Verriß. Dabei beweist gerade diese„Sammlung", wie heiß sich die neuen Schwertgermanen be mühen, dem Ausland etwas mehr Glauben an „Hitlers Friedenswillen" beizubringen. Ein reichliches Dutzend Seiten sind diesem Thema gewidmet Hitler verabscheut den Krieg, siehe den Väererpakt. Fragt sich nur, was ihn noch von den verfolgten Pazifisten unterschei det. Zehnmal muß der Viererpakt als Beweis herhalten, so groß ist die Verlegen heit Aber woher Belege nehmen? Etwa aus SchflcMgrubers ktiegshetzerischen Memoiren? Oder aus Rosenberg eroberungswütigen Ost fanfaren? Wer hilft Hanfstaengel aus der Tinte? Selbst einer, der sein Handwerk besser versteht, als dieser schreibende Klippschüler des braunen Kriegspresseamtes, müßte sich mit dieser Mohrenwäsche blamieren. Gregor Jdßikis hiumt Die Pariser Wochenschrift„Gringoire", herausgegeben von dem Schwiegersohn des Ex-Polizeipräsidcnten Chiappe, Ist keineswegs immer nach unserem politischen Geschmack. Mehr rechts als links, hat sie namentlich seit den Ereignissen des 6. Februar nicht nur ge legentliche Anfälle von reaktionärer Bösartig keit. Das hindert nicht, daß„Gringoire" über einen Mitarbeiter, Xavier de Hautecloc- que, verfügt, der bei seinen Abstechern ins Dritte Reich schärfer auf den Grund der Dinge sieht als mancher allzu gutgläubige Korrespondent der Linkspresse, der sich von den Nazis leicht einwickeln ließ. Bei seinem ersten Besuch im braunen Deutschland im Frühjahr 1933 suchte man auch ihm, nicht ganz ohne Erfolg, Potemkinsche Dörfer hinzuzaubern, aber da er gleichwohl auch von dem Unerfreulichen, allzu Unerfreulichen berichtete, das in sein Blickfeld getreten war, zeigten ihm die Hakenkreuz-Bonzen bei seinem zweiten Besuch in diesem Jahre die kalte Schulter. Wie Hauteclocque mit seiner Reportage „Nacht über Deutschland" ins Schwarze zu treffen vermag, beweist das „Piefkes Triumph" betitelte Kabitei, das wir im Folgenden wiedergeben: „Ein Kopf aus Marzipan, mit Schmiergelpapier abgerieben, lediglich ein Bürstchen stachlicher Haare auf dem Scheitel, unter weißen Wimpern fahle, verkniffene, nur scheinbar gutmütige Augen, ein über den Panzerkragen quellendes Fettpolster, eine Schnüfflemase. ein anmaßend umfangreicher Hinterer und ein Wanst, der bewegt ist gleich einer Treibmine Im Meer; ein Beieinander von groben Knochen und Speck, eingewickelt in Stoff von schreiender Farbe, sauerampfergrün oder Gänsedreck; eine verblüffende Gespreiztheit bei den unwichtigsten Handlungen, dann wieder unpassende Geberden und Bemerkungen, die einen [Affen zum Erröten brächten: fähig zur Liebe. dienerei, doch zur einfachen Höflichkeit unfähig, gern lümmelhaft gegen Frauen, Schwächere oder kleine Leute, obwohl sich mit seiner Ritterlichkeit brüstend, aber vor allem unter jovialer Außenseite einen Kern von Grausamkeit und Blutdurst bergen— das ist Herr Piefke, karikaturistisch wirkendes Urbild des Ostdeutschen, den Süddeutsche und Rheinländer verabscheuen und verulken. Jedes Land hat seine Spießer. Wir Franzosen haben, um gewisse nationale Schattenseiten zu verkörpern, Monsieur Prudhom- m e, Monsieur H o m a i s und den V a- U e b ü, die weder appetitlich sind noch zum Photo- graphieren einladen. Aber UebQ, Homais und Prudhomme stellen keine bevorrechtete Kaste dar. Dagegen regierte Herr Piefke vor dem Kriege, unter dem wirklichen Adel, der sich in den hohen Aemtern und im Heer eingenistet hatte, die preußischen Lande und regierte sie anerkennenswert gut. Vier Jahre blutiger Martern und fünfzehn Jahre trockener Martern ließen Herrn Piefke verschwinden. Viele waren gefallen, Piefke ist nicht feig Der Rest kümmerte in den Kulissen der Verwaltung und In den Niederungen des Handels dahin, denn die Demokratie war so schuftig, daß sie mit diesen getreuen und bestialischen Dienern der Göttin Vorschrift nichts anzufangen wußte... Jetzt erscheint Piefke wieder. Die„nationale Revolution" hat ihm seinen Vorrang im Staate zurückgegeben und ihn In die erste Reihe gestellt Was im alten Preußen vorsintflutlich war, erlebt seine Auferstehung. Statten wir gegen Mitternacht dem„Zigeunerkeller"(in Berlin) einen Besuch ab. Seit undenklichen Zeiten diente dieses ungarische Lokal mit seinen Sängern, deren blaue Blusen mit Blumen bestickt sind, mit seinen Gerichten, die mit Paprika zubereitet werden, und mit seinem Tokayer, der heiß und bnrta! fsf wie die Musik, als Hauptquartier zur Anknüpfung leichter Liebschaften. Noch letzten Mai war das Schauspiel nicht abstoßend. Bataillone blonder, rotbackiger Burschen im Braunhemd machten ihren„kleinen Verbündeten", frisch und ländlich wirkenden Berliner Laufmädels forsch den Hof. Mündchen, die die Schminke, das Vergnügen und der Wein aufgefrischt hatte, kräftige Brüste unter dunklem Stoff, ungestüme magyarische Lieder, Im Chor aufgenommen— eine Atmosphäre triumphierender Jugend schwebte über allem. Heute eine Aenderung von Grund auf! Der Keller Ist gestopft voll. Zwlscher len drei- bis vierhundert Gästen zähle ici' ein Dutzend Hltlerianer in Uniform. Sie trage' eine Bluse nach englischem Schnitt, Lackstiefel, silberne Abzeichen am Kragen: Offiziere. Von den jungen Nazis des letzten Jahres, diesen fröhlichen Burschen mit nichts In der Tasche, die ihre Fabriken und Geschäfte verlassen hatten, um die Macht zu erobern, keine Spur mehr! Dafür welch erstaunliche Fressen, mit alten Schmissen zebrahaft gestreift, und die unzüchtige Nacktheit dieser Schädel, die das kokette Büschel Scheltelhaare noch unterstreicht, kugelförmig aufgeblälhteWesten, Hosenböden prall zum Bersten, aber vor allem diese zugleich aufschneiderischen und bissigen Visagen— das ist Piefke, der Im Triumph In seine gute Stadt zurückgekehrt ist, Piefke, der wahre Sieger. Schmutzige Tische. Allein an einem späht eine Dirne, mager und melancholisch wie ein Zinshahn, nach Kundschaft. Nähern sich zwei Männer und zwei Frauen, teuer, aber geschmacklos gekleidet, alle vier nicht mehr im ersten Stadium der Bezechtheit. Sie trinken und traktieren das arme Luder. Sie traktieren sie anscheinend auch mit Flegeleien, denn sie steht auf und geht. Im Vorbeigehn bemerke ich ihr wütendes Gesicht und Tränen in ihrem Auge. Drüben aber erhebt sich schwankend ein reiferer Herr mit goldenem Geklimper auf der Weste und hält, mit den Armen fuchtelnd wie ein Irrsinniger, mitten in dem Lärm eine Ansprache. Das könnte ein Ministerialdirektor sein. Ist er morgen ernüchtert, wird er seine Stenotypistinnen anschnauzen, weil sie die Lippen ein klein wenig gefärbt haben oder eine zu weit ausgeschnittene Bluse tragen." Sicher will diese unbarmherzige Schilderimg Piefke nicht mit dem ostdeutschen Menschen gleichsetzen, wie es auch in West- und Süddeutschland Piefkes gibt; es ist mehr ein sozial als ein regional bestimmter Typ. Auch hat der Franzose in manchem von Piefke noch eine zu günstige Meinung, denn ihm war die sichere Etappe weit lieber als die Front, und wie er unter der Dreiklassenwahlschande Preußen regiert hat, ist nur zu bekannt. Aber im Wesentlichen hat Hauteclocque recht: die aus lausend Lautsprechern in die Welt gebrüllte„nationale Revolution", die„Erneuerung Deutschlands", der„deutsche Frühling" ist nichts anderes als der Triumph des ordinären, platten, geist- und herzlosen, vorgestrigen Macht-geht-vor-Recht-Spießers. Heil Hitler! heißt; Heil Piefke! �tionaler Arbeitertag? Hatte ihn der Grfin- S(dinabel darum so höhnisch angesehen? So- !'0> deshalb. Na also, er wußte auch soviel wie der... Aber wenn Hitler Jetzt mit feierte, �arum lungerten sie vor Jahren immer am Ersten Mai in Ueberfallgruppen auf der Land- shaße umher? Und wieso Thyssen und Mittelalter auf dem Zettel dort im Kasten? Wieder rollte der Knäuel, wieder war er an der Kommode. Raus mit der Schwarte... »Die brachten aber immerhin den römischen Pflug... Aber Ihr, was bringt 1 h r denn?"— Qualm verdammter! Das wollte der Grün- schnabel verstehen? Was sollten sie denn �ngen, he? Mögen sich bloß nicht greifen lassen! Die Dämmerung sank, höhnisch grinste die Abritt des Jungen durch das graue Duster, "ugrelfbar und gefährlich. Weg mit dem �'sch! Wütend, hilflos und verzweifelt fetzte er das Blatt heraus, warf es zu Boden, packte es wieder, zerriß es, schmiß die Schnitzel in Ofen. So, jetzt war er erledigt, dieser Qcist, den er nicht begriff... Das blaue Heft fog wieder in den Kasten. Alberne Mode, sc>lche Sprüche aufzuschreiben, die man nicht Ersteht. Mit einem Ruck schnallte er das Koppel Strammer Dienst war Immer noch das be«te. Mit der Denkeret kommt unsereins nicht �«iter, höchstens bis Konzentrationslager... 'n der Instruktionsstunde fiel er dem Saf an diesem Abend durch besondere Unaufmerk- sainl(eit und störrisches Wesen auf, weshalb � sich in der Führungslistc die erste scharfe Kiigo zuzog. Vermoldiies Die Zeitschrift„Völkische Kultur", Dresden, beschäftigt sich in ihrer Nr. 2/1934 mit der Verderbtheit des nächtlichen Theater- spiels. Es heißt da: ... Aber das Naohttheater der Marionetten deutet auf Eingewöhnung In das Dunkel des zwanghaft Dämonisch cm... Freiheit und Zwang, altwestlicher Ideen- Kürglaube und altöstBoher Materialismus leuchten hier aus weltanschaulichen Hintergründen hervor. Unser Theaterspiel hat längst die femöstliche Nacht aufgesucht. Wir aber, die wir uns jahrhundertelang schon ohne Inneres Verwundern bequemen. den Sommernachtstraum wie den Lear, Goethes Iphigenie oder Kleists Penthcsilea niemals anders als unter dem gleichen. blaklgen Schein von Oel-, Gas- und Magnesiumlampen oder Im StechUcht elektrischer FarbWrnen sinnlich wahrzunehmen; wo nehmen wir denn, vermolcht unter den Schatten von Schatten, In jedem Sinn Ma- rlonettensaohverständige, die wir sind, auch die Augen her, die noch jenes Aufschauen in den nacktblauen Himmel eines vollkommen unironischen SchicksalsmeWers zustande brächten? Es Ist für unsereinen nicht so leicht, sich vermolchte Marionettensachverständige vorzu- stellen, die in einen nacktblauen Schicksalsmelder schauen, aber den Lesern der„Völkäschen Kultur" macht das sicher keine Schwierigkeiten, ihr altwcstlichcr Ideen-Kiirglaaube befähigt sie wahrscheinlich ohne weiteres da zu. Muß das schön sein! Eintopf mit keuscher. Dauerwelle „Die schöne F r a u", Monatsschrift für deutsche Lebensart, Bielefeld, berichtet in erschöpfender Weise über die Frisur der deutsche n Frau: „Schönheit und Würde, vornehme Zurückhaltung und modernste Eleganz diktieren die Gesetze der deutschen Frisourmode... Die neue deutsche Friseurmode beachtet vor allem den sauberen Nackenaus- schnitt. Nicht zottelige Strähuen oder ungeordnete schwere Flechten sollen d i e schöne und keusche Linie ihres Halses stören, eine Sohönheitslinie der Frau, die ihrer viel würdiger ist als die Waden- U nie oder der entkleidete Rücken ... dagegen spielen gern von der Seite her Wellenlagen und Locken in das Gesichtsbild, illustrativ und zierhaft, spielerisch und schmückend, reizvoll und reizend, der Frau in ernsthaften und schelmigen Sinne gemäß... Die deutsche Frau hat allen Grund, diesen nationalen und national-kulturellen Absichten Gehör zu geben und sich zur deutschen Frisur zu bekennen... Der Gang zur deutschen Fri- slerstube ist j ed e sm al D 1 e n s t a n der Volksgemeinschaft, genau wie das Eintopfgericht!" Der Eintopffriseur mit dem enrsthait-schel- migen Bekenntnis zur keuschen Linie— oh das nicht selbst den Rotationsmaschinen zum Halse herauskommt?! Kommandierte Auflagenhöhen Herr Hitler hat es gezeigt, wie heute In Deutschland mit„Literatur" Geld verdient werden kann. Sein Werk»Mein Kampf« muß zu vielen tausenden Exemplaren gekauft werden. Von Bibliotheken, Reichs-, Landes- und Gemeindeämtern, von jedem Nazimann, von Sdiulen und Schülern. Herr G ö b b e 1 s hat es Hitler mit einem Roman nachgemacht, Herr Kube mit einem Drama und nun erscheint im deutschen Blätterwald die Nachricht, daß der Reichslugend- fülirer Baidur von Schirach einen Gedieh t b a n d veröffentlichte. Die Reklame für dieses„literarische" Produkt ist phantastisch. Abdrucke erscheinen in allen Zeitungen, im»Völkischen Beobachter« schreibt Richard Euringer eine lange begeisterte Abhandlung über den„Helden des Pegasus", der eine neue Form deutscher Dichtkunst schuf. Dabei sind die„Gedichte" Baidur von Schirachs von einem blutigen Dilettantismus und haben nur eines mit einem wirklichen Gedicht gemeinsam, daß sie sich reimen. Wenn auch schlecht. Trotzdem ist das Geschäft gesichert.„Die Hitlerjugend ist angewiesen, das Buch zu kaufen, sämtlicho Jugendbüchereien müssen es führen, jeder Hitlerjunge muß es unter dem Kopfkissen liegen haben." Die Hitlerjugend umfaßt über zwei Millionen Kinder. Somit ist, dem Gedichteband eine Riesenauflage, Herrn Baidur von Schirach ein Riesenverdienst gesichert. Ja, so etwas haben die „Asphaltliteraten'' nicht fertig gebracht. Kosten der Diktatur Wer wird enteignet?— Die auswärtigen Gläubiger?— Auch das eigene Volk! Am 27. April beginnt in Berlin' die Schuldenkonferenz, zu der die Reichsbank die Vertreter der lang- und mittelfristigen Gläubiger eingeladen hat. Die Absichten Schachts sind klar.„Die Entwicklung der deutschen Deviscnlage erfordert gebieterisch wenigstens vorübergehend einen mehr oder weniger vollständigen Aufschub des Schuldentransfers", schreibt mit aller Offenheit die gleichgeschaltete Presse. Das ist klar, aber mit nicht geringerer Klarheit und wachsender Entschiedenheit erklären die Gläubiger, daß sie sich ihre Expropriation nicht gefallen lassen wollen und sie finden dabei immer, stärkere Unterstützung bei ihren Regieruhgen. Namentlich beim Schweizer Rundesrat, der sonst der Hitler-Regierung in politischer Beziehung weit entgegenkommt und eine Art Pressezensur zum Schutze, der nationalsozialistischen Würdenträger eingeführt hat, hört in Geldsachen die Gemütlichkeit auf. Bundesrat Schult ließ, der Leiter der schweizerischen Wirtschaftspolitik, hat auch bereits die Gegenmaßnahmen angekündigt. Bei der kürzlich erfolgten Eröffnung der Baseler Messe führte er aus: „Es liegt auf der Hand, daß eine Gutschrift in Mark, über die nicht frei verfügt werden kann, keinerlei wirkliche Zahlung bedeutet, uud daß den schweizerischen Gläubigern nicht zugemutet werden kann, sich damit abzufinden. Was den Transfer betrifft, so haben wir volles Verständnis dafür, daß ein Land, das sich in der Lage Deutschlands befindet, seinen Verpflichtungen nur durch Warenlieferungen nachkommen kann. Wir sind und waren stets bereit, entsprechende Importe zu machen. Unsere Handelsbilanz mit Deutschland zeigt 19,33 einen Einfuhrüberschuß von 323 Mill. Franken, also ein Betrag, der Deutschland erlaubt, einen erheblichen Betrag für den Fremdenverkehr zur Verfügung zu stellen und seinen Verpflichtungen voll nachzu- koiranen. Auch dann bleibt ihm noch ein erheblicher Ueberschuß. Wir werden daher mit aller Energie die Forderung geltend machen, daß der Trausfer der schweizeri- sdwn Guthaben mindestens in bisheriger Weise erfolgt." Die Schweizer Regierung fordert also die Erfüllung in„bisheriger Weise" und bisher wurden die Schweizer Gläubiger voll befriedigt. Geschieht es nicht, so will die Schweizer Regierung die Er- Killung erzwingen. Das Mittel ist einfach. Die Beträge, die die deutschen Exporteure für ihre Waren zu erhalten haben, würden ihnen nicht mehr direkt von den Schweizer Käufern gezahlt werden, sondern diese würden sie auf ein Konto der Schweizer Nationalbank überschreiben. Aus den so angesammelten Summen würden diejenigen Beträge zu- NS PARISER TAGERLATT Chefredakteur: GEORG BERN II AR Ii bringt unter anderem ragelmassig BER1MR BRIEF mit unerhört Interessantem Tatsachen-Material, trotz Zensur und Diktatur Aeussermgen(Ohrender Politiker aUer Länder zu den europäischen Problemen BoltrRBR Iwrvorrogefldor(kctitor und Gelekrter speziell der aus Deutschland Verbannten Demnächst Interessantes Preis- Auaschreiben: 14 JAHRE REPUBLIK Grosse Umfrage bei Gelehrten, Publi zlsten, Staatsmännern: ,,016 Zukunft der Weif Neuer hochaktueUer Roman von BALD ER OLDEN: ROMAN EINES NAZI Endlich die verschiedenen Sonder-Gebiete Die moderne Frau— Reise und Verkehr— Sport— Technik u. Wirtschaft Proben umem gratis- Beetelungen beim P ARISER TAGEBLATT" PARIS(3*), 51, Rae Turblgo rückbehalten, die zur Befriedigung der Schweizer Gläubiger nötig sind und nur der Rest würde an Deutschland abgeführt werden. In ähnlicher Lage wie die Schweiz wären auch alle anderen Länder, denen gegenüber die deutsche Handelsbilanz aktiv ist, sie alle könnten eine solche Ver- rechnungsart, ein Zwangsclaering, einführen. Dies trifft für, die meisten Gläubigerländer— England, Holland, Schweden— zu. Nur die Vereinigten Staaten, aus denen Deutschland stets mehr Waren bezog als es dorthin verkaufte— 1933 betrug der deutsche Einfuhrüberschuß z, B. 237 Millionen— hätten dieses Druckmittel nicht in der Hand. Die deutsche Zahlungseinstellung stößt so auf Hindernisse, und dies ist die Erklärung. warum Schacht nicht schon lä'ngst aus eigener Machtvollkommenheit die Zahlungen verweigert hat, sondern sich immer wieder gezwungen sieht, um Vereinbarungen mit den Gläubigern zu betteln. Er wird natürlich wieder darauf hinweisen, daß er nicht zahlen k ann. In der Tat dauern die Verluste; des ohnedies viel zu geringen Devisenstandes der Reichsbank an. In der zweiten April- woche verlor die Rcichsbank neuerlich 8.5 Millionen an Gold und Devisen und ihr Bestand ist auf 232 Millionen gesunken. Nun hat allerdings der März eine Besserung der Handelsbilanz' gebracht, die auch saisonmäßig zu erwarten war. Die Einfuhr betrug im März 398 Millionen gegen 378 Millionen im Ecbruar; die seit September anhaltende Steigerung hat sich fortgesetzt. Aber diesmal ist im Gegensatz zu den Vormonaten auch die Ausfuhr auf 401(gegen 343"im Februar) gestiegen. Es ergibt sich also für März ein kleines Aktivum der Handelsbilanz um 3 Millionen, gegenüber dem Passivum von 22 Millionen im Januar und 35 Millionen im Februar. Nun wird aber die deutsche Ausfuhr nicht mehr voll mit Gpld oder Devisen, sondern zum Teil mit Scrips und Sperrmark bezahlt, so daß in Wirklichkeit auch im März die Handelsbilanz zu einem neuen Fehlbetrag an Devisen in der Höhe von einigen Dutzend Millionen geführt haben muß. Die Lage ist in der Tat verzweifelt und Schacht lügt noch nicht, wenn er erklärt, nicht zahlen zu können. Die Lüge beginnt erst, wenn er behauptet, daß diese Lage von selbst, ohne Verschulden eingetreten sei. Sie ist vielmehr die Folge der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. Es ist der schrankenlose agrarische Protektionismus, der jede vernünftige Handelsvcrtragspolitik unmöglich macht und den deutschen Export ruiniert, es ist die Rüstungspolitik und- ihr beängstigend rasches Tempo, das die Einfuhr emportreibt. Wenn die gesamte Me- tailcinfulir ohne Eisen sieb von 159 Millionen im Jahre 1932 auf 186 Millionen für 1933 erhöht, hat, wenn sie in den ersten zwei Monaten 1934 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres allein von 25 auf 39 Millionen gestiegen ist, so erklärt sich das nicht aus irgend einer sagenhaften.allgemeinen Konjunkturbesserimg, sondern aus dem Hochbetrieb in der R ü s t u n g s in d u s tr i e. Wenn durch Wechselziehungcn Milliarden künstlich' in die Wirtschaft gepumpt werden, muß erhöhter Einfulirbedarf entstehen und so lange diese andauert, muß der Devisen- stand sich weiter erschöpfen und die Gläubiger müssen leer ausgehen. Das Problem der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen hat deshalb längst aufgehört, ein wirtschaftliches Problem zu sein und ist ein politisches geworden. Es ist die Frage der unkontrollierten uferlosen Ausgabenwirt- s c Ii a f t der nationalsozialistischen Diktatur, die in Wirklichkeit gestellt ist. Diese Ausgaben werden einmal bestritten durch immer raschers Inanspruchnahme der inneren Ersparnisse, der Sparkasseneinlagen, der Reserven von Versicherungsgesellschaften, der Bankdepositen, die jetzt in Deutschland, wie seit längerer Zeit im faschistischen Italien, immer mehr für öffentliche Ausgaben in Anspruch genommen werden neben dem Raub an den Löhnen, Unterstützungen, Renten und Sozialaufwendungen; sodann aber lebt diese Wirtschaft von der Expropriation der aus ländischen Gläubiger durcli Einstellung der Tilgungen und Zinszahlungen. Das ist eben das Gesetz der nationalsozial i s t i s ch en Wirtschaftspoli t i k. Die Einstellung der Zinszahlungen soll obendrein der Förderung des Dumpingexports dienen, aus dessen Erlös man den Rohsiotfimport für die Rüstungsindustrie bezahlen möchte. Die ausländischen Gläu biger aber will man listigerweise zu Agenten jenes Dumpings machen, indem man in ihnen die Hoffnung nährt, sie könnten später einmal doch durch die Hebung der deutschen Ausfuhr zu ihrem Gelde kom men. Diese Hoffnung wird trügen. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik wird sich nicht nur des Eigentums der auswärtigen Gläubiger aneignen, sie muß mit einer neuen großen Enteignung der deutschen Volksmassen selbst enden. Das sind eben die Kosten einer Diktatur. Dr. Richard Kern. Gegen die Judenhe�e So handelten die„Novemberverbrecher'." Ein jüdischer Emigrant schreibt uns: Durch Zufall kommt mir der Berliner„V o r- w ä r t s" vom 14. Dezember 1918 in die Hand. Dort lese ich folgende Bekanntmachung: Berlin 13. Dezember. In der letzten Zeit sind in großen Mengen anonyme Flugblätter verbreitet worden, die in unverhülltester Form zur Juden hetze auüordertcn. Die Flugblätter sind nicht ohne Wirkung geblieben- Wie der„Vorwärts" vom 11. Dezember ineldet. sind-Verschiedentlich Juden und Christen, die durch ihr Aussehen nicht genügend gegen den Verdacht geschützt waren, J uden zu sein, körperlich angegriffen worden. Wenn diese schamlose Flugblatthetze fortdauert, muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß wir auch in Deutschland die Schmach der Judenpogrome erleben. Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soklateirrats sieht sich datier genötigt, sich aufs schärfste gegen das reaktionäre antisemitische T reiben zu wenden, das er hiermit öffentlich und vor aller Welt brandmarkt. Der Vollzugsrat appelliert an den gesunden Sinn des deutschen Volkes und ist überzeugt, daß- er in seiner überwiegenden Mehrheit der antisemitisoh-reaktionären Hetze entgegentreten und keinerlei Judenverfolgungen dulden wird. Der Vollzugsrat des Arbeiter- u. Soldatenrats, Richard Müller, Molkenbuhr. Ist es nicht nützlich, heute an jene alte Bekauntmacliung zu erinnern? Es ist doch ein Trost, daß es einmal ein menschlich freies und anständiges Deutschland gegeben hat! Soeben erschienen: ievotle und Der Weg Von Georg Decker Htueiutiok zur Freiheit Der Verlasser saß Im Jahre 1933 monatelang hinter den Mauern deutscher Gefängnisse. Er zerfetzt das Parademäntelchen einer„nationalen Revolution" und enthüllt sie als den geglückten„Aufstand der Gescheiterten", die für persönliches Mißgeschick und eigenes Versagen das„System" verantwortlich machten. Georg Decker gewinnt neue Ausblicke auf den Weg zur Freiheit: Die Kluft zwischen der angeblichen„nationalen Geschlossenheit" und der realen Wirklichkeit reißt täglich tieler auf.„Es genügt jetzt nicht, die Voraussetzungen der im heutigen Deutschland schon vorhandenen Unzufriedenheit zu prüfen, es muß der Weg gefunden werden, diese Unzufriedenheit in politische Leidenschaft und einen fanatischen polltischen Willen zu verwandeln." Preis in: Belgien 7.50 Frs./ Bulgarien 35 Lewa/ Dänemark 1.50 Kr./ Deutschland 0.9« RM. 1 Frankreich 5.SII Frs./ Großbritannien— 1.5 Plund Sterling/ Italien 4.— Lire/ Jugoslawien I7r— Dinar/ Niederlande—.50 Gulden/ Oesterreich 1,80 Schilling Palästina—.070 P. Pfd./ Polen 1.85 Zloty/ Rumänien 37.— Lei/ Schweden 1.45 Kronen/ Schweiz 1.10 Frs./ Tschechoslowakei 7-— Kc! Ungarn 1.40 Pengö/ USA. —.35 Dollar. Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt an Verlagsanstalt Graphia, Karlsbad CSR. �Dänemark Ist ein Gefängnis*6 Die amerikanische Journalistin Dorothy Thompson erzählt in„New York Eveniiig Post", eines Tages habe sie aus Deutschland einen Brief erhalten, in dem sich folgende Stelle befand: „Das Zitat, nachdem Sie mich fragten, stajumt aus dem Hamlet und heißt:„Dänemark ist ein Gefängnis!" „Ueberflüssig zu sagen", fährt Frau Dorothy Thompson fort,„daß ich den Manu niemals nach einem solchen Zitat gefragt habe- Auf dem Wege über den Hamlet hoffte er dem Zensor zu entgehen. Er ist übrigens weder ein Jude, noch ein Kommunist, Sozialdemokrat oder auch nur ein Liberaler. Er ist ein Deutschnationaler und ein K o n- servativer dazu!" Ein aufschlußreiches Inserat. Wir entuch- mc« der Nr. 88 vom 16. April 1934 der parteiamtlichen„Flcusburgcr Nachrichten" ein außerordentlich interessantes Inserat folgenden Wortlautes:„Wir erklären, daß wir den ehemaligen ForstgehiHen Jepscn am 26. 7.-33 zu Unrecht festgenomincn hoben, und daß wir die über ihn und seine Familie ausgesprochene Beleidigung zurücknehmen J- Reich. W. Skursch! Ist das nun eine Grcuci- naohricht oder nicht? IteclccinMs e>ojKüöcmt)fraHfd>fs iDocRcnblaH Herausgeber; Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn: Druck:„G r a p h i a"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P.D. ZI. 159.334/VH-1933. Der„Neue Vorwärts" kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR. Kc 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). 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