Nr. 47 SOmTkG, 6. Mai 1934 Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Der stille Kampf zwischen Epau- letten und Braunhemden Boxkampf Hitler-Göring: 1. Runde knapp für Hitler Heinrich Mann über die Emigration Die Antwort der Arbeiter Die Stärke der Arbeiteropposition— Außen braun, innen rot! Vom I. Mai 1933 zum 1. Mai 1934! Heute wie damals hat das nationalsozialistische System Massenaufmärsche veranstaltet, hat die Massen der Betriebsarbeiter gezwungen, an den Paraden des Systems teilzunehmen, hat mit Terror und Propaganda das Bild von Massenkundgebungen des Volkes erzeugt. Ami. Mai 1933 haben wir uns gefragt: �rird die braune Propagandawelle, die wie eine Sturmflut über das deutsche Volk hereinstürzt, das sozialistische Bewußtsein der Arbeitermassen in Deutschland zerschlagen, wird sie nicht eine grenzenlose Verwirrung in den Köpfen der Arbeiter anrichten? Heute wissen wir: siehabennicht vermocht, das Klassenbewußtbein der MehrheitderArbeiter- schaft zu zerbrechen! Sie haben wieder die Arbeiter aufs Tempelhofer Feld getrieben— aber dieselben Arbeiter haben ihnen schon vor dem 1. Mai ihre Antwort auf den Terror, den Raub der Freiheit und die Fälschung des Maigedankens gegeben! Etwa zwei Drittel der Betriebsarbeiter» haben bei den Wahlen der Vertrauensmänner nach dem Gesetz zur Versklavung der Arbelt gegen das System gestimmt! Mit allen Mitteln hat das System.versucht, diesen Willensausdruck zu verfälschen und zu unterdrücken. Sie haben die Wahlergebnisse tötgeschwiegen. Sie haben in einer Spe- zialverordnung verlangt, daß die ungültigen Stimmen nicht gerechnet und gezählt werden sollen— aber sie haben nicht erreicht, daß die Wahrheit nicht durchgedrungen ist! Diese Wahl in den Betrieben wiegt ganz anders als die Wahl vom 12. November 1933! Sie zeigt eine Stärke der A r- bejteropposition, einen Protest gegen das System, der alle Lügen über die völlige Einmütigkeit und Harmonie des Volkes zerschlägt. Die Mehrheit der Arbeiterklasse ist der militaristischen Volks- femeinschaftsideologie nicht erlegen, sie jst sich der Klassengegensätze und des Klassenkampfcharakters der nationalsozialistischen Diktatur bewußt. Sie ist der Kern der Kraft, die das braune System «Ines Tages zerschmettern wird! Die Illusion, daß Maulaufreißen und Propagandagetöse die großen, schweigend wir- kenden Kräfte des geschichtlichen Geschehens mattsetzen könnten, zerstiebt im Winde. Die Arberter, die in Massen ihren Protest gegen das System ausgesprochen haben, standen an diesem 1. Mai abermals auf den Versammlungsplätzen und mußten �'e Reden der„Führer" anhören. Sie standen da, wohin man sie gezwungen hatte. Aber was sie gedacht haben— das bissen jene nicht, die ihnen die Phrasen cler nationalsozialistischen Propaganda and heuchlerischen Versprechungen vorlügen. Sie wissen es nicht, aber sie haben davor gezittert! Nicht umsonst sind vor dem 1. Mai in Berlin Massenver- haftungen und Razzien zur Sicherung des 1- Mai vorgenommen worden! Sie werden Leiter zittern. Sie können Arbeiter— nnßen braun, innen rot— wohl noch zu- �nimentreiben, aber sie können nicht ver- bindem, daß die Arbeiter ihre innere Maifeier in ihrem eigenen Geiste ab- halten! Der 1. Mai 1934 hat nur einen Koloß aui tönernen Füßen gezeigt! In einem gemeinsamen Aufruf zum 1. Mai "aben Hitler und Hindenburg gemeinsam erklärt: ..Zum ersten Male in unserer Geschichte ist der innere Bruderzwist beseitigt und die Einigkeit aller Deutschen erreicht. Was unsere Väter seit Jahrhunderten ersehnt haben, ist damit Wirklichkeit geworden." Die Einigkeit aller Deutschen erreicht, der innere Bruderzwist beseitigt! Die Hohlheit der Phrase wird von der Wirklichkeit Lügen gestraft! An allen Ecken und Enden zeigen sich stille und laute Kämpfe, im Gebälk des Systems selbst knistert es nicht nur— es kracht vernehmlich! Der Kampf der Richtungen in der Führung des Systems, der Streit und die Rivalität der Führer untereinander hat einen sichtbaren Ausdruck gefunden in der Tatsache, daß Hitler dem nächstmächtigen nach ihm, Göring, die preußische Polizei aus der Hand genommen und sie Frick übergeben hat! Der Polizeigeneral D a 1 u e g e muß öffentlich versuchen, die Reibungen und Rivalitäten in der preußischen Polizei zwischen den alten Beamten und den neueingestellten SA- und SS-Leuten zu besänftigen. Der stille Kampf zwischen den.großen Ausbeutergruppen geht ununterbrochen weiter und zersetzt die führende Schicht des Systems selbst. Die Magie des„Aufbruchs der Nation" ist verflogen. Im Bürgertum tobt der ideologische Kampf und die ideologische Verwirrung in den verschiedensten Ausdrucksformen— von einer Einheitlichkeit nationalsozialistischer Weltanschauung ist keine Rede mehr— sie lebt in der Hauptsache nur noch in der erzwungenen Literatur und Presse. Das ist die„Einigkeit aller Deutschen", das ist die „Beseitigung des inneren Bruderzwists"! In einem Jahre hat das System selbst ein beträchtliches Maß von Aufklärung über sein Wesen und seine Wirkung geschaffen. Es hat gezeigt, daß die Gewalt die Formen des Klassenkampfes zwar ändern, aber daß sie ihn nicht aus der Welt schaffen kann. Das System ist heute schwächer als vor einem Jahre. Wohl ist sein Herrschaftsapparat dichter und zahlenmäßig stärker geworden. Wohl hat es seinen organisatorischen Körper ausgebaut — aber seine Macht über die Köpfe ist nicht gewachsen. Es altert mit größer Geschwindigkeit. Der Schein der Jugend und des Neuen vergeht— die Züge der alten Reaktion, der alten Bedrückungsmethoden, der alten Unfreiheit treten immer deutlicher hervor. Das System hat den 1. Mai 1933 wiederholt— aber über seine Schwächung täuschen die Gesten der Kraft nicht hinweg. Je schwächer aber das System wird, um so stärker wird die Opposition! Frick statt Göring Und noch mehr Todesstrafe Der innere Cliquenkampf in der führenden Gruppe der NSDAP hat zu einer Machtverschiebung geführt. Der Kreis um Frick hat den zwischen den Gruppen hin- und herschwankenden H i t- 1 e r vermocht, dem„eisernen Hermann", dem preußischen Ministerpräsidenten Göring eine wesentliche Machtgrundlage zu entziehen. Das preußische Ministerium des Innern und die preußische Polizei werden künftig vom Reichsinnenminister Frick mit verwaltet werden. Dies Ergebnis des inneren Kampfes in der NSDAP-Spitze wird nach außen hin in einem Briefwechsel zwischen Göring und Hitler als ein weiterer Schritt zum Einheitsstaat hin dargestellt. In Wirklichkeit handelt es sich nicht um den planmäßigen Vollzug konstruktiver Ideen, sondern um eine neue Phase des stillen Kampfes der braunen Führer untereinander. Frick wird im Besitze dieser Machtposition vorsichtiger vorgehen als Göring. Der Zusammenhang zwischen Göring und der führenden Gruppe der schwerindustriellen und finanzkapitalistischen Ausbeuter war zu offen zutage getreten, so daß er in den Reihen der SA Opposition hervorgerufen hatte. Seit längerer Zeit hat Göring seine Hauptstütze nicht in der SA, sondern in der Polizei und Verwaltung gesehen. Wenn jetzt Frick an seine Stelle tritt, so wird damit keineswegs der Kurs aufgegeben werden, der im sogenannten„Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" zum Ausdruck gekommen ist. Es wird lediglich dafür Sorge getragen, daß die Verhüllungs- und Verwirrungspropaganda, die den Lohnraub umgeben soll, nicht durch die Person und das Wirken von Göring gestört wird. Es soll mehr in Volksgemeinschaftsideologie und weniger in kapitalistischer Normalisierung gemacht werden— nach außen hin! Dieser Wechsel ist ein Zeichen dafür, daß das System seine Lage in der nächsten Zeit als ernst ansieht, und daß es sich deshalb auf einen vorsichtigeren Kurs einrichten möchte. Aber dieser Wechseln verschärft zugleich die Führerkämpfe, er berührt mehrere Gruppen zugleich, er ruft den Eindruck der| Unsicherheit hervor. Wer jedoch glaubt, daß dieser Wechsel einen Abbau der Verfolgung und der Brutalität bedeuten werdender ist sehr im Irrtum. Schon das neue Gesetz über Hoch- und Landesverrat, das die Hitlerregierung dem deutschen Volk zum 1. Mai beschert hat, muß ihn eines besseren belehren. Nach diesem Gesetz wird u. a. wegen Landesverrat mit dem Tode bestraft, wer es unternimmt, ein S t a a t s- geheimnis zu verraten. Als Staatsgeheimnis gelten Schriften, Zeitungen, Tatsachen oder Nachrichten, deren Geheimhaltung für das Wohl des Reiches erforderlich ist. Schon in der Republik hatte das reaktionär gesinnte Reichsgericht den Begriff des Staatsgeheimnisses außerordentlich weit gezogen. Jetzt besteht die Möglichkeit, daß das neu zu ernennende Sondergericht noch viel weiter gehen wird als das seiner früheren Kompetenz enthobene Reichsgericht. Grotesk mutet es an, daß dasselbe Gesetz auch denjenigen mit der Todesstrafe bedroht, der es unternimmt, den Reichspräsidenten oder den Reichskanzler seiner verfassungsmäßigen Gewalt zu berauben. Da es im Dritten Reich eine Verfassung überhaupt nicht gibt, gibt es auch keine verfassungsmäßige Gewalt. Aber als der Reichspräsident noch eine verfassungsmäßige Gewalt besaß, wurde er durch den nationalsozialistischen Staatsstreich ihrer beraubt. Das neue Gesetz, mit rückwirkender Kraft angewendet, ist ein Gesetz gegen Hitler und seine Spießgesellen. Zeit, um dann kurz und kalt mit einem verächtlichen Seitenblick auf G5bbels„Ja" zu sagen. Göbbels-Göringr Auf einer der letzten Berliner Presse-Konferenzen hatte einer der ausländischen Journalisten die Kühnheit, auf die im Ausland bekanntgewordenen Gegensätze zwischen den beiden zufällig anwesenden Reichsminister Göbbels und Göring hinzuweisen. Göbbels erhob sich zur Antwort, bestritt die Differenzen und wandte sich dann mit den Worten: „Nicht wahr,.Herr Reichsminister, zwischen uns besteht doch volles Einvernehmen" an Göring. Dieser ließ sich mit der Antwort lange Mörder! Mörder! Die Schuld des Statthalters Wagner von Baden. Wir haben bereits berichtet, daß bei der Beisetzung von Ludwig Marum im Krematorium in Karlsruhe eine überraschend starke Beteiligung von TrauergSsten festzustellen war. Nachträglich erfahren wir von einem Teilnehmer, daß die Demonstration für den in den Tod getriebenen Marum sich nicht nur in der starken Beteiligung ausdrückte, sondern, daß sich auch in der Kapelle ein Vorfall abspielte, der in seiner Stärke geradezu erschütternd wirkte und für die Verantwortlichen am Tode Marums ein deutliches Zeichen waren, daß die Abrechnung für ihre Taten nicht auf sich warten lassen wird! Als die sterblichen Ueberreste von Marum in die Tiefe sanken, brach die Frau von Marum in lautem Aufschreien zusammen, aus denen immer wieder der Ruf zu hören war? „Mörder! Mörder, Mörder!" Und in einem letzten Aufschrei die Frage an die Freunde:„Werdet Ihr ihn auch nie vergesse n?" Mit einer Spontanität, die die tiefe Ergriffenheit und Verbundenheit mit dem Toten und seinen unglücklichen Hinterbliebenen bezeugte, antwortete trotz Polizei, Photographen und Spitzel die Trauerversamm- lung im kleinen Kapelienraum laut mit dem Ruf:„Niemals!" Das Wort Mörder wird dem Reichsstatthalter W a g n e r-Backflsch dauernd in den Ohren klingen. War es auch kein offensichtlicher Mord, so wurde doch gemordet durch die Brutalität, mit der man den schwer herzkranken Ludwig Marum in dauernder Zwangsarbeit mit all den Brutalitäten des Konzentrationslagers in Kißlau hielt. Wagner-Backfisch, Abkömmling eines Kosaken, zeit seines Lebens noch nie an eine geordnete Arbeit gewöhnt, als junges Bürschchcn Kriegsteilnehmer im letzten Jahre des Krieges, Herumtreiber auf dem Baltikumkriegsschauplatz, immer dabei, wo es galt, Werte zu zerstören, wird eines Tages den Mord an Marum bezahlen müssen.' Erwadien Aus Nordbayern erhalten wir den nachstehenden Situationsbericht: Die allgemeine Wlrtsdiaftslaige ist trostlos. Alles lacht über die„große Arbeitsschlacht". Neue Straßenzüge wurden zwar abgesteckt, aber das ist auch alles. Sonst gibt es an Straßenbauten nur Instandsetzungsarbeiten. In früheren Jahren wurden diese Instandsetzungsarbeiten sogar in größerem Umfang durchgeführt Es geschieht aber auch etwas Positives. Jeder Bürger des Dritten Reiches muß das A r b e i t s s c h 1 a c h t a b z e i c h en zu 20 P.g- erwerben. Außerdem muß jeder eine Ar- •beitsstiMide(50 Pfg.) für die Arbeitsschlacht opfern. In den Orten sind Transparente angebracht mit folgendem Wortlaut: „( Arbeitsstunde— 50 Piennlg— I Ar- beitsstunde.'4 Die Bonzen des Dritten Reiches fahren in Ihren luxuriösen Mercedes-Benz bei den Betriehen vor und kassieren die Beträge für die Arbeitssclilacht Dann lassen sie sich ent- sprccliend photographieren, und die Bilder werden den Nazizeitungslesern vorgesetzt mit dem Text:„Unsere Führer im Dienste der Volkswohlfahrt!" Von Mehrein- steilungen in den Privatbetrieben merkt man nichts, außer in der Rüstungs- und Uniformindustrie. In Waldmünchen haben die Schreinermeister der Schreinerinnung 3000 Stück Schränke und ebensoviele Hocker für militärische Zwecke anfertigen dürfen. Es handelt sich um Mannschaftsschränke für Kasernen. Hungerlöbne. In Weiden und Neustadt a. WN. hatten die Porzellan- und Glasarbeiter besonders hohe Spitzenlöhne, sie leisteten aber auch anerkannte Qualitätsarbeit. Diese Spitzen- Ichnempfänger verdienen jetzt etwa die Hälfte von dem, was sie noch im Februar 1932 verdient haben. In den Jahren 1928 bis 1931 betrugen die Löhne dieser Arbeitergruppe rund Mk. 130.— in 14 Tagen. Im Januar 1933 noch Mk. 90.— bis Mlc. HO.— in 14 Tagen, jetzt Mk. 51.— bis Mk. 55.— in 14 Tagen. Dafür haben sie heute als„Großverdiener" mehr an Abgaben aller Art zu Nazizwecken zu leisten, als sie sonst je an Beiträgen entrichten mußten. In Neustadt a. WN. hatten die Glasmacher im Februar 1932 noch einen tariflichen Mindestlohn von Mk. 65.— wöchentlich. Der Spitzenverdienst war Mk. 180.— bis Mk. 190.— in 14 Tagen. Noch im Februar 1932 verdienten sie Mk. 140.— bis Mk. 150.— in 14 Tagen. Jetzt verdienen sie günstigenfalls Mk. 70.— in 14 Tagen, also Mk. 35— in der Woche. Wachsende Unzufriedenheit. Die Stimmung unter den Arbeitern ist sehr stark«mgescWagen. Am meisten bei einer gewissen Gruppe von Arbeitern, die früher über die Sozialdemokratie schimpften, weil sie nicht noch mehr verdienten, aber in keiner Gewerkschaft waren, in keine Ver- sammhmg kamen und kein Geld hatten für eine sozialdemokratische Zeitung. Diese indifferenten Egoisten schimpfen jetzt in den Betrieben am lautesten. Denn jetzt verdienen sie knapp die Hälfte und müssen Beiträge und Abgaben zahlen, daß sie schwarz werden. Unsere Leute ertragen das Neue mit großer Schadenfreude über diejenigen, die nie gekämpft haben, denen alles, was wir errungen und geschaffen hatten, stets nur Gegenstand der Kritik war, Am offensten über die unhaltbaren Zustände hört man jetzt überall die älteren Leute schimpfen, darunter auch die Pensionisten. Diese älteren Leute haben wohl das Gefühl, daß sie doch nicht so rasch ins Konzentrationslager kommen. Opponierende Pfarrer. Zu den Opponenten gehört auch die katholische Geistlichkeit. Am Sonntag dem 15. April wurde der katholische Pfarrer m der Weidener katholischen Kirche sehr deutlich. Er ging rücksichtslos gegen das jetzige System vor und sagte u. a.:„Die Bayerische Ostwacht"(das Regemsburger Naziblatt) ist das größte Lügen- und Denun- ziantenblatt, das es je gegeben hat Er fühle sich verpflichtet, das zu sagen, selbst wenn er morgen schon nach Dachau geholt würde." Bis Montag abend war der Pfarrer noch nicht verhaftet. Er wird auch so schnell nicht geholt werden, weil die Stimmung bereits zu stark gegen die Nazi ist. Flucht aus dem Arbeitsdienstlager. Den Arbeitsdienstpflichtigen wurde bei Eintritt in den Art>eitsdienst versprochen, daß ihnen nach der Arbeitsdienstzeit die Tore der Fabriken offen stehen. Bisher wurde aber der weitaus größte Teil der Arbeitsdienstpflichti- In Bayen gen nach getaner Dienstleistung im Arbeitslager m die Landhilfe abgeschoben. Das wird nur als eine andere Form der Arbeitsdienstpflicht angesehen, da ja die Leute wieder nur Essen und Unterkunft für schwere Arbeit erhalten. Wer sein Dreivierteljalir der Arbeitsdienst- pflichf abgeleistet hat und weder in der Industrie noch in der Landhilfe unterkommt, dem wird eröffnet, daß er noch ein Vierteljahr im Arbeitsdienstlager arbeiten kann. Dadurch erscheinen diese Leute jetzt noch nicht unter den Arbeitslosen. In Arnberg ist ein großes Arbeitsdienstlager für 800 Dienstpflichtige errichtet worden. Diese 800 waren auch einmal da. Im letzten Winter, als es so kalt war, sind 700 Mann nacheinander ausgerückt wegen schlechter Behandlung, schlechtem Essen und Unterbringung in ungeheizten Räumen, wo sie nach getaner Arbeit bei hungrigem Magfen tüchtig frieren konnten. Jetzt sind 150 Dienstpflichtige dort. Die 800 Mann, für die im Lager Platz wäre, sind nicht zusammenzubringen. Da aber jeder aus der Arbeitslosenunterstützung ausscheidet, der Arbeit im Dienstpflichtlager nicht annimmt oder vor einem IJreivierteljahr ausrückt, so vermindert sich auf diese Weise die Arbeitslosigkeit, wenigstens insoweit jüngere Leute in Frage kommen. Ein Korruptionsfall von vielen. In der Kasse des Fabrikarbeiterverbandes in Weiden stellten die Revisoren einen Fehlbetrag fest. Wie groß der Fehlbetrag war, hat man nie erfahren können. Einige Zeit nach der Kassenrevision bekamen nahezu 1000 Mitglieder der NSBO. Mitteilung, daß sie nicht Mitglied der NSBO- seien. Sie hatten aber vom Juni 1933 bis Januar 1934 ihre Beiträge für die NSBO.', monatlich 60 Pfg., bezahlt, da- Sdirei der Hyänen Der„Stürmer" über Marnms Tod. Adolf Hitlers intimster Freund, Julius Streicher, schreibt in seinem"„Stürmer" über den Tod unseres badischen Genossen Dr. Ludwig Mar um: „Unter den vielen Juden, die sich im zu Ende gegangenen rot-schwarzen Deutschland als Arbeiterführer ausgaben, befand sich auch der jüdische Rechtsanwalt Dr. Ludwig M a- rum. In den Wahlversammlungen spielte er sich als Kapitalistenbekämpfer auf und im Privatleben war er Millionär. Er war reich geworden durch ungezählte Gaunereien und Talmudereien, die er ungestraft an den gutgläubigen und vertrauensseligen„Goi's'' begehen konnte, weil es in der Republik der Novembcr- verbrechcr keine strafende Gerechtigkeit gab. Er war fanatisch-verbissen, herzlos, erbarmungslos, wenn er daran ging eine deutsche Existenz zugrunde zu richten. Endlos ist die Zahl der deutschen Frauen und Mädchen, denen dieser häßliche Marxisten-Jude sein Gift in den Leib gab, endlos ist der Jammer und die Schande, die er Ins Volk brachte. Immer wieder hatten die verführten Arbeiter diesem T altmid-V e rbrech c r ihre Stimme gegeben. So konnte es kommen, daß Dr. Ludwig Ma r u m Stadtverordneter von Karlsruhe, Mitglied des badisohen Landrates, badischer Staatsrat, Reichstagsabgeordneter und sogar badischer Justizrainister werden konnte. e Im Mai 1933 mußte er in Schutzhaft genommen werden. Er mußte in Schutzhaft genommen werden vor der Rache der badischcn Arbeiterschaft, die nun endlich erwacht war und ihn totschlagen wollte. In der Nacht vom 28. auf 29. März 1934 hat er sich in seiner Zeile fn Kislau erhängt. Das war der Ausweg, den er suchte. Und er hat damit gut getan." Der tote Ludwig Marum hat es nicht nötig, in Schutzhaft genommen zu werden. Die Besten morden, in den Tod treiben und ihnen irrsinnige Verleumdungen ins Grab nachschleudern, ist„deutsche Art" in dieser Zeit! Unserem toten Märtyrer können sie nichts mehr tun! Aber die Schande, die sie über Deutschland bringen, ist unerträglich! Der Kirdienkampf Eine Reihe von Bekanntmachungen läßt erkennen, daß der Kirchenstreit beider Konfessionen gegen das System weiter geht. Gegen die evangelischen Christen wie gegen die Katholiken richtet sich die folgende Anordnung des Hagener Oberbürgermeisters: „In der letzten Zeit haben kirchliche Organisationen beiderlei Konfession in der Hagener Stadthalle öffent- zu die Aufnahmegeböhr von Mk. 1.50 pro Person. Durch dfe Streichung dieser aitnähernd 1000 Mitglieder war das Defizit der Verbandskasse beseitigt, da man Ja nur Beiträge eingenommen hat nach dem Stand der geltenden Mitgliederliste. Der schuldige Nazibonze mußte nach dieser Begebenheit aus Weiden verschwinden. Er sitzt aber nicht im Gefängnis, sondern ist im Bayreuther Bezirtc Forstbeamter. Der Bürgermeister als Schmuggler. Der Mann, der in der Gemeinde Brünst bei Floß beim großen Umbruch Bürgermeister wurde, war den Behörden und der Bevölkerung immer schon als der geriebenste Schmuggler bekannt. Vor der Machtergreifung Hitlers schwebte gegen ihn ein Strafverfahren wegen großer Schmuggelei. Dieses Strafverfahren wurde nach der Machtergreifung Hitlers einfach niedergeschlagen, und der Mann wurde, weil das älteste und tüchtigste Nazimitglied am Orte. Bürgermeister. Als Bürgermeister des Dritten Reiches mußte er natürlich ein schöner eingerichtetes Amtszimmer haben als seine Vorgänger. Die Mittel für die neue Büroeinrichtung wurden vom neuen Gemeinderat selbstverständlich gern bewilligt. Der Bürgermeister bestellte diese Möbel nicht etwa beim heimischen Gewerbe, sondern in der nahen Tschechoslowakei, und ließ sie hin- überschmuggeln. Das wurde bekannt Der Bürgermeister ist zwar angezeigt, aber er ist nicht etwa verhaftet, sondern er versieht weiter sein Amt als Bürgermeister, das er ja vom Führer übertragen bekommen hat. Das ist eine kleine Blütenlese von AH- tagserlebnissen, geschehen im zweiten Jahr des tausendjährigen Reiches Adolf Hitlers. Man sieht, es geht überall in rasendem Tempo vorwärts—: der Katastrophe zu. liehe Versammlungen veranstaltet, die nach außen hin den Anschein erweckten, als ob es sich um Glaubensversammlun- g e n handle. Die Redner in diesen Versammlungen haben sich meistens auf das politische Gebiet begeben und dadurch Unruhe unter der Zuhörerschaft hervorgerufen. Die Unruhe führte dazu, daß die Versammlungen aufgelöst werden mußten. Nach der Auflösung zogen sich die betreffenden Organisationen alsdann in die Kirche zurück, um dort ihre Veranstaltungen weiter durchzuführen. Aus diesem Anlaß und im Interesse der öffentlichen Ruhe und Sicherheit habe ich mich entschlossen, sämtlichen kirchlichen Organisationen d i c Abhaltung sogenannter Glaubenskundgebungen in der Hagener Stadthalle zu verbieten." Gegen die Katholiken wird Dr. L e y mobil gemacht. Er hat angeordnet: „Es besteht Vera)»lassung, darauf hinzuweisen, daß Mitglieder anderweitiger Berufs- und Standesorganisationen, insbesondere auch von konfessionellen Arbeiter- und Gesellenvereinen, nicht Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront sein können. Wo Doppelmitgliedschaft bei der Deutschen Arbeitsfront und einem der obengenannten Vereine besteht, ist die Mitgliedschaft zur Deutschen Arbeitsfront sofort zu löschen. Begründung: Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit will die Betriebsgemeinschaft gestalten. Diese wird nicht erreicht, wenn durch anderweitige Standes- und Berufsorganisationen, insbesondere konfessionelle Arbeiter- und Geselle n- vereine, die, wie beobachtet wurde, schon wieder das Sammelbecken für ehemalige G e w er k sc h af t s s e k r e t ä r e bilden, die Betriebsgemeinschaft aufgespalten wird." Die„Kölnische Volkszeitung" ist abermals auf eine Woche verboten worden. Hampelmänner der Reaktion Der abgegangene Treuhänder der Arbeit, J oh a n n e s ,E ngel, enthüllt in einem Aufsatz im„Deutschen", wie es bei der Bildung der„Vertranensräte" nach dem Gesetz zur Versklavung der Arbeit hergegangen ist; „Wenn bewußt von Vertrauensmännern gesprochen wird, dann hat man Wert auf den Begriff„Männer" gelegt und nirgends liest man etwas von Hampelmänner n." „Wenn zum Beispiel ein Betriebsführer, ohne den berechtigten Wünschen der Belegschaft Rechnung zu tragen,- seinen Vertrauensrat bestimmt, welcher sich a*ts dem Chauffeur, aus der Sekretärin und vielleicht noch aus einem wlllenl» sen Angestellten des Personalbüros zusammensetzt, dann muß von vornherein in der Belegschaft naturgemäß das schärfste Mißtranen aufkommen, das sich schon in allernächster Zeit zum Schaden des gesamten Betriebes auswirken wird." „Die stete Ablehnung des guten Willen einer Belegschaft macht diese erstens explosiv und zweitens voll von Mißtrauen. Vertrauen zum Führer des Betriebes wird dann nicht aufkommen. Ein alter nationalsozialistischer Kämpfer, der immer offen dem Betriebsführer gegenüber die Beseitigung von Schäden fordert, ist auch kein Aufrühre r.", Das läßt erkennen, wie das Gesetz gemeint war und wie es angewendet wird! Die Unternehmer, die ihre Kreaturen zu Vertrauensmännern bestimmen, haben den Sinn des Gesetzes ausgezeichnet begriffen, und die Engel und Genossen dürfen mm hinterher strampeln als— Hampelmänner der Reaktion! Die Arbeiter haben das Gesetz auch begriffen! Sie haben bei den Wahlen ihre erste Antwort gegeben, und wir nehmen zuversichtlich an, daß es nicht die letzte sein wird. Ein nationaler Held Der ehemalige Freikorpsführer Heidebreck ist ein einarmiger Kriegsbeschädigter, der sich in Baltikum und in Oberschlesien einen Namen gemacht hat. Ein oberschlesisches Dorf ist ihm zu Ehren umgetauft worden und trägt den Namen„Heidebreck", ein Ereignis, das in der deutschen Presse weidlich gefeiert wurde und die»Berliner Illustrierte« veranlaßte, eine ganze Bildseite darüber zu veröffentlichen. Der nationale Held sitzt jetzt im Stettiner Polizeigewahrsam. Er ist seit langem als übler Trunkenbold bekannt, der die Nächte in den Wirtschaften verbringt und die Polizeistunde für sich nicht gelten läßt Wurde er aufgefordert, das Lokal zu verlassen, da die Wirt- schaft geschlossen werden mußte, dann nahm er seinen Revolver aus der Tasche und zerschoß die Uhren, um zeitlos weiter zu trinken. Niemand wagte sich an ihn heran, bis er kürzlich dasselbe Schießkunststück in einem größeren Kaffeehaus in einer Stettincr Hauptstraße versuchte. Er vertrieb die letzten Gäste und erregte großen Skandal. Das Ueberfall- kommando erschien, er legte auf die Polizisten an, die Schösse gingen aber gegen die Decke, da ein hinzuspringender Offizier Heidebrecks Arm nach oben schlug. Der jüdisdie NSDAP-Gauleiter An der Parteispitze für den Gau Mitteldeutschland steht das Reichstagsmitglied, preußisches Staatsratsmitglied und der Inhaber vieler öffentlicher Titel, Jordan(Halle). Obwohl sein Name stärkere Anklänge an die palc- stieensische als an die Germanenges Der Gesinnungsakrobat F, 0. H. Schulz ist einer der deutschen Zeitung zum Verhängnis geworden. Sein Buch„Untergang des Marxismus" wurde m der„Mitteldeutschen Rundschau" in einem großen Artikel P 0" sitiv besprochen. Das Ergebnis dieser Würdigung waren Berge von Abbestellung des Blattes aus seinem gesamten mitteldeutschen Verbreitungsgebiet. Die„Mitteldeutsche Rundschau", die zuerst in Jena und später in Nordhausen gedruckt wurde, hielt eine gewisse Distanz zum neuen Regime.- 16 hatte einen erheblichen Teil der früheren L«* serschaften sozialdemokratischer und demokratischer Blätter gewinnen können. Jetz' pfeift sie nach Massenflucht der Leser aU' dem letzten Loch. Judenhe�e ohne Ende In einer Betriebsräte-Konferenz in Nürnberg wurde nach einem Bericht im»D e u'' sehen Lederarbeiter«(Nr. 9/10.*' April 1934) vom Kreisleiter Pg. Braun die J'j' denfrage aufgerollt und ausgeführt,„daß w' r im Kampf gegen Alljuda nie erU*1' men dürfen. Wir müssen in dem Juds11 immer den Feind unseres Volkes sehen- In de11 letzten 14 Jahren, in denen man den Juden d;® Gleichberechtigung gegeben hatte, hat er£e" zeigt, was er mit dem deutschen Volke vorhatte. Ueberall konnte man sehen, daß der Jude versucht hat, und es ihm zur Zeit amm schon gelungen war, das Volk moralisch, körperlich und sittlich zu zersetzen und dam1 seinen Einfluß immer mehr zu stärken. Nif werden wir es hier in Franken du* den, daß ein Jude Führer der deu'' sehen Arbeiter wir d." Brüning. Der Berliner Korrespondent v0. ,.Het Volk" berichtet, daß Brüning von au-' ländischen katholischen Universitäten Professur angeboten worden sei, daß er" doch in Deutschland bleiben wolle. Nr. 4? BEILAGE TfowrlWiiiÜpfa V V% � W W 9 WW W9 W 6. Mai 1934 Der Sinn dieser Emigration Heinrich Mann und ein junger Deutscher nicht Vermassung, wie sie der Hitlerismus betreibt, sondern im Gegenteil Befreiung der Persönlichkeit von der Massenuntertänigkeit und von jenem Drill, den man im Dritten Reich Gleichschaltung nennt. Indem die Arbeiterklasse dieses Regime bekämpft, dient sie in der Tat nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Menschheit. Von hier aus kommt dann Heinrich Mann zu Einsichten, die man den Klefn?- ren der literarischen Emigration gern ins Stammbuch schreiben möchte: „Wenigstens die im Ausland entkommenen Kommunisten könnten jetzt feststellen, wie falsch es ist, wie falsch es immer war, sich näher bei Moskau zu fühlen als bei ihren deutschen Genossen von der anderen Partei. Die Sozialdemokratie hat die Republik verloren; jeder weiß es, und viele Emigranten verzeihen MORATORIUM? S■« tp f n Schacht zu Hitler i„ Schulden können wir nicht zahlen, keinen Pfennig! Es reicht ja kaum noch für Kanonen und Granaten IM Social-Demokraten Kopenhagen. es mr noch weniger, als sie den schlechte« Siegern ihren unverdienten Sieg verzeihen. Voraus geht aber, daß die Kommunisten die Republik lähmten, anstatt daß sie mitarbeiteten, um sie zu radikalisieren. Sie hatten sidi außerhalb der Republik gestellt, so verurteilten sie sich selbst zur Unwirksamkeit und brachten das Proletariat in eine künstliche Minderheit, die den Feinden der Republik erst ihre gute Gelegenheit gab." Heinrich Mann hätte ganz gut noch hinzufügen können, daß diejenigen, die jetzt nach der Niederlage die Sozialdemokratie am heftigsten angreifen, schon zuvor meist kein besseres Geschäft gekannt haben. Jetzt scheint ihre größte Angst zu sein— nicht daß das Hitlerregiment zu lange dauern, sondern daß die Sozialdemokratie sich in der Niederlage erholen könnte. Um dieses Unglück zu vermeiden, trügen sie wohl ruhig ein paar Hitlerjahre mehr! Mit den Ausführungen Heinrich Manns über den„Sinn dieser Emigration" hat der Verlag des„Europäischen Merkur" in Paris die Schrift eines ungenannten jungen Deutschen,„Arbeit für übermorgen" zu einem Bändchen vereinigt. Der junge Deutsche ist in vielem mit Heinrich Mann gleichen Sinnes. Auch er sieht in den deutschen Ereignissen nicht nur einen Kampf der Klasse um ihren Anteil an den Erträgnissen der Produktion, sondern viel mehr noch einen Sieg der Diktatur über die Menschenrechte, deren Rückeroberung die„Arbeit von übermorgen" ist. Er schadet aber seiner guten Sache, indem er, ohne die notwendigen Kenntnisse zu besitzen, Kritik am Marxismus übt. Was ihm als Rettungsmittel vorschwebt, ist eine Synthese von Liberalismus und Sozialismus und eine Transformierung des Marxismus ins Idealistische. Daß über diesen Gegenstand schon eine große Literatur existiert, scheint ihm entgangen zu sein. Beide Autoren— Heinrich Mann und der junge Deutsche— begehen den gleichen Fehler, wenn sie in der deutschen Emigration eine Art Aristokratie erblicken. Namentlich dem jungen Deutschen muß man sagen, daß wir alle, die wir draußen sind, Grund zur Bescheidenheit haben. Das Höchste an Mut, das wir entwickeln können, ist nichts gegenüber dem Heroismus jener, die im Innern den stillen Krieg gegen das Regime führen. Ihnen zu helfen, indem wir die Weltmeinung für sie und unseren gemeinsamen Kampf mobilisieren, das scheint uns der eigentlichste„Sinn dieser Emigration". F. St. itliicksotsfuGM; USItM aiit Sinkt? Landsknedit oder Soldat?«— Form und Inhalt der Wehrmadit Tausende sind hinausgegangen, fast alle Unbekannte und Ungenannte. Von den wenigen, deren Namen Deutschland und der Welt einiges sagt, leben die meisten in stiller Verborgenheit, weil sie für sich oder für ihre Angehörigen den Zorn der Machthaber fürchten. Und so sind es von den wenigen wieder nur ganz wenige, die mit ihrem Ansehen und ihrer geistigen Potenz den Kampf gegen das Deutschland von heute für das Deutschland von morgen führen. Unter ihnen ganz vorne steht der Dichter Heinrich Mann. Während andere mit ihrer Kunst irgendeine Mittellinie suchen, auf der sie vielleicht ebensogut vor den anständigen Menschen wie vor den Göbbels und Jobst bestehen können, sendet der tapfere Dichter Heinrich Mann eine Streitschrift nacli der anderen in die Welt; und obwohl er als Mann um die Sechzig sich schon in dem Alter befindet, in dem nach der Ueberzeugung mancher Jungen die Verkalkung unaufhaltsam fortschreitet, scheint er mit jedem Schlag stärker zu werden und sich höher zu recken. Seine neue kleine Schrift„Der Sinn dieser Emigration" ist ruhiger, abgeklärter als der leidenschaftlich überschäumende„Haß", sie wirkt darum noch stärker. Der Kampf um die geistige Freiheit in Deutschland, um die Wiederauferstehung menschlicher Gesinnung, wie ihn Heinrich Mann jetzt mit aller Kraft führt, ist ein politischer Kampf. Leider hat es stets zu den Fehlem unserer„Geistigen" gehört, von ihren Höhen auf die tiefer liegenden Gefilde der Politik mit mitleidiger Geringschätzung herabzublicken. Damit haben sie sich gewiß viel Unangenehmes erspart, aber sie haben auch zumeist versäumt, sich das Rüstzeug anzuschaffen, ohne das man nun einmal politisch nicht kämpfen kann. Ohne ausreichende Kenntnis der Ideen und der Tatsachen, auf denen die Politik beruht, sind sie ebenso zu naiver Begeisterung Keneigt wie vorschnell in pathetischer Verurteilung. Auch Heinrich Mann war von diesem Erbfehler deutscher Geistigkeit nicht immer ganz frei; aber er ist mit Erfolg bemüht, ihn abzulegen. Seine neue Sohrift enthält mancherlei Erkenntnisse, von denen man wünschen möchte, daß sie Gemeineigentum würden. Heinrich Mann läßt keinen Zweifel flaran, daß er die Verfolgung der Juden toi Deutschland als eine ungeheuere Schmach empfindet und daß er, der deutsche„Arier" mit seinem ganzen Herzen bei den Verfolgten ist Trotzdem warnt er davor mit Recht eine Angelegenheit, tiie das ganze deutsche Volk anseht, als eine bloße Judenfrage zu bc- bandeln. Er sagt denen, die es noch immer nicht begreifen wollen, daß es die deutsche Republik und der soziale Wohlfahrtsstaat waren, mit dem sie ihre Heimat verloren haben. Er sagt ihnen auch mit ausgezeichneten Worten, daß Demokratie n|cht bloß eine Staatsform, sondern auch eine wertvolle Gesinnung und eine nicht Weniger wertvolle Methode der Menschen- erziehung ist: ..Die Erziehung zum Menschen war einst Sache des Christentums: die Deutschen aber hatten es abgelegt, gründlicher als an- �re. Die Erziehung zum Menschen liegt, außerhalb der Kirche, bei der Demokratie aHein. Die Deutschen aber sind zu lange verhindert forden, in ihre Lehre zu gehen, und als sie *s endlich durften, während ihrer verspäteten Republik, taten sie es ohne Ueberzeugung, mit janerer Ueberhebung, daher wirkungslos. Sie hatten die Demokratie überwunden, bevor sie auch nur erfaßten, wem sie dient, nicht einem taat, einer Klasse, sondern den Mensche n." Hier tritt der Fall ein— der nicht sel- toner sein sollte als der umgekehrte— daß r®r Politiker vom Dichter lernen kann. Jcnn dieser ist hier Verwalter eines gen Gedankengutes unserer klassischen uüosophie und Literatur. Demokratie ist Ein militärischer Mitarbeiter legt hier die grundsätzlichen Gegensätze zwischen Reichswehr und Nationalsozialisten in einer Weise dar, die auch wir in der Hauptsache für richtig halten. Für seine Ausführungen im einzelnen müssen wir ihm die Verantwortung überlassen. Red. d.»N. Vorwärts«. So wenig wie der Nationalsozialismus ä la Rosenberg mit der Kirche, ebenso wenig vereinbar ist die moderne Reichswehr mit dem Landsknechttum der SA. Die Kirche könnte sich mit dem Nationalsozialismus abfinden, wenn sie die religiöse Führung hätte, wie die Reichswehr die SA, dulden könnte, wenn diese nicht ihre eigenen Bewegungsgesetze hätte, die denen der Reichswehr nicht entsprechen, in mancher Hinsicht ihnen sogar streng entgegenwirken. Aber diese Verständigung ist nicht möglich, weil der Nationalsozialismus selbst eine Religion und auch selbst ein militärisches System ist. Wenn Schleicher als letzter den Versuch unternahm, dem Nationalsozialismus den Weg zur Macht zu versperren, so wußte er als Soldat schon warum. Abgesehen von der Wirtschafts- und Sozialpolitik der NSDAP, war es die Sorge um die Form und den Inhalt der Reichswehr, die den General in seiner Haltung bestimmte. Er erkannte die Gefahr, die drohte. Er wußte, daß edn Regime Hitler der Reichswehr eine ähnliche Stellung zuweisen würde wie die faschistische Miliz. der italienischen Armee; ein Schattendasein. Die getroffenen Maßnahmen lagen denn auch alle auf dieser Ebene, obwohl es in den erten Monaten des Hitlerregimes aussah, als solle die Reichswehr auch fernerhin ihre Rolle als Staat im Staate weiterspielen können. | Doch das war nur Taktik. Man konnte es sich nicht leisten, gegen alle Gegenkräfte zur gleichen Zeit zum Angriff überzugehen. Nach und nach aber wurde auch die Reichswehr gleichgeschaltet, H a m- m e r s t e i n wurde herausgedrängt, SA.- Personal kam in die hohen Spitzen, der Arierparagraph kam auch hier zur Anwendung, das Hakenkreuz wurde aufgezwungenes Symbol usw. Aber dies alles hat doch die Reichswehr zunächst in ihrer Form nicht verändert. In dieses Stadium treten wir erst jetzt. Die ganze Schärfe des Gegensatzes kommt nun zum Ausdruck. Es hat den Anschein, als rette die Reichswehr ihre alte Form vor allem durch die Rivalität unter den Führern. Alter und neuer Militarismus. Wie die Arbeiterklasse, so ist auch das Bürgertum differenziert und aus diesem Grunde im Denken und Handeln nicht völlig einheitlich. Auch hier gibt es verschiedene Ansichten über die einzuschlagenden Wege zur Sicherung der Herrschaft. Dies ist unter anderem in der Frage der Wehrverfassung der Fall. Der Weltkrieg endete mit der Zerschlagung der alten preußischen Armee. Mit Recht sieht der Historiker Arthur Rosenberg darin die entscheidende Neuerung. Deutschland mußte sich im Rahmen des Möglichen in militärischer Hinsicht neu organisieren. Seeckt sagt in seinem erst 1933 erschienenen Buche: »Die Reichswehr«: „Viele, die mit ihrem Herzen an der alten Armee gehangen hatten, versagten sich der Neubildung, weil sie ihrer Erinnerung und ihrem Ideal nicht entsprach, nicht entsprechen konnte. Offene Feindschaff war leichter zu überwinden, aber durch welchen Wall von Vorurteil, Besserwissen, Verständ- nislosigkeit und Dummheit hatte sich die Reichswehr in den ersten Jahren ihrer Entstehung durchzukämpfen!" • Die Armee mußte natürlich— die Folgerungen aus dem Weltkriege ziehend— nach den neuesten Erfahrungen organisiert werden. Hierzu eigneten sich sowohl viele Offiziere nicht mehr, als auch verschiedenes Menschenmaterial keine Verwendung finden konnte. Vor allem die Freikorps nicht, von denen Seeckt u. a. sagt: „Ihre Entstehung und Zusammensetzung gab den Freikorps einen Landskn-echtcharak- ter, der sie zur Grundlage eines auf Dauer berechneten neuen Heeres nicht geeignet erscheinen ließ..." Weder die Formen noch die Zusammensetzung der Freikorps eigneten sich für das moderne Heer. Hier spielte sich im Kerne schon einmal das ab, was sich heute zwischen Reichswehr und SA. wiederholt. Die Wehrmacht hat sich der Freikorps bedient, aber die Freikorps hätten nie die Wehrmacht werden können. Die Reichswehr wurde als eine Kaderarmee aufgebaut. Die Versailler Bestimmungen trafen sich— Ironie der Weltgeschichte!— mit den militärischen Auffassungen des Generals von Seeckt, der einmal sogar äußerte, daß es für Deutschland höchst unzweckmäßig wäre — selbst bei voller Rüstungsfreiheit!— mehr als 200.000 Soldaten zu haben. Denn Seeckt und der deutsche Generalstab sind der Meinung, daß der Weltkrieg das Prinzip der bisherigen Massenheere auf den Höhepunkt geführt hat und an diese Stelle ein langdienendes Berufsheer als ein Kaderheer treten muß. Die Qualität der Heere habe mit dem Anwachsen nicht Schritt halten können, die Masse hinderte die Beweglichkeit und damit die rasche Entscheidung. „Man hat im Laufe der Vorkriegszeit geglaubt, die Ansprüche an die Durchbildung des Soldaten zugunsten der Zahl immer mehr herabsetzen zu dürfen und ist in den meisten Ländern auf diesem Wege auch nach den Erfahrungen des Weltkrieges geblieben. Die Masse des Materials und seine zunehmende Verfeinerung, verbunden mit erhöhter Wirksamkeit, soll die Schwächen der Ausbildung bei der Masse Mensch ausgleichen. Dem tst entgegenzuhalten, daß es bei diesem immer bestehenden Kampf zwischen Mensch und Material nicht auf Steigerung der Masse ankommen kann, sondern daß die Steigerung der Qualität des Ma- torlsls zur denkbar höchsten Steigerung der Qualität des Menschen führen muß... Daß diese nur durch eine gründliche Ausbildung und Erziehung zu erreichen ist, scheint erwiesen. Es handelt sich nicht nur um die rein militärische und militärtechnische Schulung, an die gerade die zunehmende Kompliziertheit des zu beherrschenden Materials, die vielfach fast wissenschaftlich durchgebildete Hand- habtmg erfordert, hohe Anforderungen stellt, sondern ebenso sehr die Erziehung zur soldatischen, selbständigen Persönlichkeit, die allein den Eindrücken des modernen Materialkrieges gewachsen ist." Aus dieser Kriegsauffassung ergibt sich jene Form der Wehrmacht, welche die Reichswehr— heute noch-!— darstellt. Langdienende Berufsarmee, ausgesuchtes Material, selbständige Menschen, denkende Menschen, Menschen, die ihr Leben sinnvoll einsetzen, nicht aber gedankenlos wegwerfen, weil sie darin nie einen Inhalt finden konnten, sondern nur ein Abenteuer sahen. Kurz; die moderne Armee kann keine Armee der Gescheiterten sein. Darum kann die SA. nicht zum Kristallisationspunkt Wehrerziehung werden, weil sie nicht nur das Sammelbecken der gescheiterten Offiziere, Leutnants und Feldwebel, sondern auch der gescheiterten Landsknechte ist. Die Wehrerziehung muß von diesem Kaderheer ausgehen, so betont Seeckt. Das heißt, diese Erziehung muß modern sein. Die SA. lebt noch immer im Militarismus von gestern. In ihr toben sich alte Feldwebel, bankrotte Offiziere und verhinderte Generäle aus. Typisch ist der alte preußische Kasernenhofton, das „Schleifen", das sinnlose Kommandieren, das sdrulhafte steife Kniebeugenmachen usw. Wie anders geht es bei der Reichswehr zu! Die modernste Gymnastik, die beweglichsten Uebungen, Vermeidung sinnloser Kommandos usw. Der SA.-Mann ist doch geradezu das Symbol des gedankenlosen Hammels, die Verkörperung der Unselbständigkeit. Und diese Menschen sollen zum Träger der Wehrmacht werden? Wir wissen, daß Hammerstein seinen Kampf gegen die Besetzung der Stellen mit SA.-Leuten u. a. damit begründete, daß er sagte: darunter leide die technische Qualität des Heeres. Jetzt weiden auch die Mannschaften mehr und mehr durch SA.-Leute ersetzt Und was das Entscheidende ist; kein Reichswchrsoldat wird mehr auf 12 Jahre verpflichtet, sondern höchstens eineinhalb Jahre. Das ist natürlich das Ende des Kaderheeres, die Entwicklung eines militärisch überholten Soldatentypus usw. Seeckt mißt der Soldatenwerbung aus der Wehrmacht selbst heraus die größte Bedeutung bei. Es soll die Kameradschaft erhöhen und die Verantwortung der Werbenden stets wachhalten. Mit dieser Methode ist es für immer vorbei, wenn Röhm siegt. Die Reichswehr ist nicht einmal bereit, die SA. als die— zum Kaderheer notwendige Miliz— anzuerkennen. Der Reichswehrminister wird sich seine Miliz selbst zusammenstel- Me�er Erinnerungen Vor vierzig Jahren. Romane soll man nicht vorm dreißigsten, Erinnerungen nicht vorm fünfzigsten Lebensjahr schreiben. Das eine setzt ein gewisses Maß Menschenkenntnis, das andere Klärung des eigenen Wesens und Lebens voraus. Hermann Wendel Ist kn März fünfzig geworden, und wenn er Jetzt„Jugenderinne- rungen eines Metzer s"(StraBtmrg, Librairie de la Mösange— Editeur) herausbringt, so werden sie trotz aller Unbeschau- lichkeit und Zerrissenheit der Zeiten nicht nur bei den Lesern seiner Bücher auf Interesse stoßen. Denn da seit Ben Akiba alles schon dagewesen ist, kommt es nicht so sehr darauf an, was einer erlebt, sondern wie er es erlebt und wie einer das Zeittypischc des Durchlebten darzustellen vermag. Man weiß bei Wendel von vornherein, daß die Feder, der unser Schrifttum glänzende Essays, knappe wie große historische Bilder verdankt, sich nicht lumpen lassen wird, wenn es sich um das des eigenen persönlichen Daseinsbezirkes handelt. Dieses Stück lothringischer Jugend verläuft äußerlich scheinbar in den geölten Bahnen mittlerer Bürgerlichkeit, aber das innere Erleben ist um so reicher und stürmischer und bleibt typisch für jene recht dünn gesäte literarisch-bürgerliche Jugend, die im wilhelminischen Deutschland zur Sozialdemokratie kam, weil ihr die Welt ihrer Klasse zu muffig und lügenhaft war. Bis zur Tertia ist es noch Karl May, mit dem man sich begnügt, dann setzt der Kampf mit verknöcherten Paukern ein, so daß man geneigt ist,„Mitstreiter" zu lesen, wenn Wendel von Mitschülern schreibt: der Kampf geht weiter mit literarischer Revolution, trunkenem Heidentum, Lyrik und Schülerzeitungen, die den Philister zausen und mündet im Sturm und Drang einer Boheme-Periode in Metz und Straßburg, in welchem Kreis sich das ganze junge Elsaß-Lothringen von damals bewegte. Verschiedene bedeutende Namen gingen aus diesem Kreise hervor, Schriftsteller, in deren Geist und Blut sich zwei Kulturen mischten: die deutsche und die französische. In dieser Ricsengarnison Metz marschierten nicht nur Regimenter sämtlicher deutschen Stämme auf und umgaben die Bürger mit ewigem Soldatenspiel, sondern hier stieß die Geschichte zweier Völker heiß aufeinander. Um diesen Boden ging das Ringen und Hassen zweier großer Nationen. Napoleonische und preußische Traditionen vermengten sich hier und paukten schon dem Knaben so plastisch Geschichte, daß er sehr bald den Historiker in ach rumoren fühlte. In dieser gefährdeten „Westmark", wo alles darauf ankam, für das Deutschtum moralische Eroberungen zu machen, triumphierte der Geist teutonischer Germanisatoren so volksfremd, daß diese Provinz für Deutschland längst vorm Weltkrieg verloren war. Das Militär bedeutete alles, das „ZivUistenpack" nichts. Auf solchem Boden gedieh die Zabemaffäre. Und hier, in dieser Kaserne, lernt der Einjährige Wendel eine „Ordnung" hassen, die die Welt in Herren und Gemeine teilt Unteroffiziere sind Stellvertreter Gottes und suchen ihre Minderwertigkeit und Ungeistigkeit durch Schinderei der„Gemeinen" zu kompensieren— eine Tradition barbarischer Gemeinheit, die heute im Dritten Reich zu neuen sadistischen Orgien auferstanden ist Wie der Kommis dieses Heerlagers, so sein len. Von der SA. wird er freiwillig nicht so viel dazu nehmen wie aus den Reihen der Sportorganisationen, dem ehemaligen Jungdeutschen Orden usw. Hat doch ein General in einem Jugendpflegeausschuß einmal erklärt: nicht der SA.-Mann, sondern der selbständige Pfadfinder ist unser Ideal. Seeckt sprach sich auch stets mehr für allgemeine Jugendertüchtigung als für dieses unzeitgemäße Soldatenspielen aus. Die eigentlich militärische Ausbildung überläßt er anderen Situationen. Zweifellos steht die Reichswehr hinter Hitlers Bereitschaft, gegen 30 0.0 00 Mann Mi- Ii z d i e S A. z u o p f e r n. Sie kann dabei nur gewinnen, wie Hitler dabei einige Sorgen verlieren kann, denn bei Landsknechten weiß man nie, was sie tun. Und soweit andere als Landsknechtnaturen die Reihen der SA. füllen, sind sie politisch weitaus gefährlicher, weil sie doch alle ein Ziel haben, für das sie teilweise unterirdisch arbeiten, nachdem sie in die SA. hineingehen mußten. Zwei Wege der Aufrüstung. Nur wenn man die beiden Strömungen im deutschen Militarismus erkennt, wird man in der vielleicht bevorstehenden Auflösung der SA. keine Abrüstung, sondern Anpassung an den modernen Militarismus, Triumph der Wehrmacht sehen. Hitler steht scheinbar vor einem klugen Schachzug. Nachdem die SA. oft in falscher Richtung überschätzt wurde, wird die Auflösung als Beweis der Friedensliebe angepriesen werden können, und die Kritiker sind wieder einmal die„Hetzer". Außer diesem außenpolitischen Geschäft könnte Hitler noch ein innenpolitisches machen und seinen Nebenführem wichtige Waffen aus der Hand schlagen. Das innenpolitische Geschäft macht er unter außenpolitischer Maske. Röhm wehrt ab, hält eine Rede vor den Diplomaten und der ausländischen Presse und erklärt, daß die Aufgaben der SA. ausschließlich im Inlande liegen. Aber im Innern spricht man von den hohen Kosten der SA., als ob die eine Rolle spielen würden, wenn die SA. die Funktion der Miliz zu erfüllen imstande wäre! Aber eben darüber besteht keine Einigkeit. Wir wissen schon, daß die Reichswehr anders denkt. Indem sich Hitler gegen die SA. entscheidet, um seine Widersacher zu schwächen, gewinnt er die Reichswehr, besser, die Reichswehr gewinnt ihn. Sie wäre der eigentliche Sieger. Blombergs Geburtstagsgrüße sind bezeichnend. Göring steht in dieser Frage Hitler nahe. Er schwächt die Position Röhms, um seine eigene zu stärken. Röhm kennzeichnet alle Angriffe auf die SA. als Attentate gegen den Nationalsozialismus. Aber doch ist die Probeauflösung, der Urlaub von vier Wochen, schon sicher. Die Niederlage Röhms, sobald sie besteht, müßte als Sieg des aufgeklärten Militarismus gewertet werden, den der Nationalsozialismus nie recht verstand. Vielleicht deutsches B ü r g e r t u in. Eine Kreuzung von Hoflakaiengesinnung und kochender Vereinsmeierei. Strahlender Typus nicht nur seiner Zeit ist jener kgl. preußische Hofbäckermeister, der die vom kaiserlichen Schloß Urville eingehenden Brötchenbestellungen jahrgangweise sorgfältig binden läßt, um sie seinen Kindeskindern als Reliquie zu vererben. Er führt den Vorsitz in mehreren Metzer Vereinen unter der Bedingung, daß sich die Fahnenabordnungen jedes Vereines zu seinem Begräbnis einfinden — und zitterte dann im Weltkrieg daheim um sein Leben, weil ja die Männer der Fahnensektionen im Felde waren! So wimmelt es in diesen Erinnerungen Von Typen aller Art, knalldeutschcn Bürokraten, Leutchen, die man lieb gewinnt und anderen, geschichtlichen Farben und Spritzern— alles belichtet von ironischem Humor und heißer Liebe zur Heimat. Für Hermann Wendeis Freunde aber hat das Buch den besonderen intimen Reiz: zu sehen, wie einer der ihren wurde, der von sich sagen darf, daß seine Feder immer auch ein Degen war. Bruno Brandy. Diktatur der Sdiwadblinge Nur dem oberilächlichen Beobachter scheint es paradox, dem Tieferdringenden ist es einleuchtend: der militant-heroische Faschismus, der den Schwächling mißachtet und den Mut illuminiert, züchtet, im Ablauf seiner Diktatur, ein Volk von Feigen und Schwachen, von Charakterverkümmerten und würdelos Untertänigen! Wenn Herr Göbbels, der mephistoKsche Sarkastiker in der grauen Oede braun-prominenter Humorlosigkeiten, verächtlich(he Lip- waren sie sich einander schon darum fremd, weil der Nationalsozialismus ma- scbinenstürmerischen Inhalt hatte, während der moderne Militarismus die Produktion nicht modern und rasch genug entfalten kann, denn für ihn ist Wirtschaftskraft Wehrkraft. Seeckt könnte niemals die Sätze schreiben, die wir u. a. in Otto Strassers»Aufbau des deutschen Sozialismus« finden: wo der Verfasser sagt, für den Revolutionskrieg gegen Versailles spiele die Technik keine so große Rolle und dann wörtlich fortfährt: „Je schlechter die technische Ausrüstung ist, desto größer werden allerdings die Opfer sein, es kommt also nur darauf an, ob ein Volk die Opfer bringen will, und es wird sie bringen, wenn jeder einzelne weiß, wofür er kämpft." An Naivität nicht zu überbieten! Aber das ist das„militärische Denken" weiter Kreise der SA.-Führung und Gefolgschaft. „O Gott, o Gott", sagte mal ein Reichswehroffizier zu mir, dem die SA. das Soldatsein lehren wollte,„da rennen sie Tag und Nacht in Uniform herum, machen nichts weiter als Soldatenspielerei und verstehen trotz allem nicht mal vom Militarismus etwas". Der Mann hatte recht. Und so denken die modernen Generäle alle. Vorausgesetzt natürlich, daß sie ihr militärisches Weltbild in industriell entwickelten Staaten und nicht in Bolivien gewonnen haben. Fred War. Der neudeuisdie Imperialismus Der neudeutsche Imperialismus ist dem des klassischen Moharnmedanismus artverwandt. Einer Idee soll mit allen Mittein, wenn notwendig auch mit dem Schwert, die Erde unterworfen werden. Diese Idee, ebenso fanatisch wie primitiv, umfaßt zwei Stufen der Ausführung: erstens die Zusammenführung aller in der Welt wohnenden Deutschen zu einem einheitlichen Machtkomplex: zweitens die Sicherung neuen Raumes für die Ansiedlung des Be- völkeruugsüberschusses der Deutschen, wo immer sie zur Zeit wohnen mögen. Demnach ist dieser neudeutsche Imperialismus von vornherein offensiv und militant. Seine Ziele sind nur durch Eingriffe in die geltende Grenzziehung erreichbar. Die von Deutschen besetzten Landesteile sollen aus den politischen Verbänden, denen sie heute noch angehören, herausgebrochen und zusammengelegt werden, darüber hinaus sind die Grenzen Großdcutschlands so zu weiten, daß jedem Deutsdien der erforderliche Lebensraum gesichert ist. Wenn Hitler vom Frieden spricht, meint er die Vorbereitung auf solchen siegreichen Weltmarsch des III. Reiches. So selbstverständlich das alles ist, so überrascht doch gelegentlich die Naivität, mit der solch Programm von den Dogmatikcrn und Propagandisten des Nationalsoaalismus vorgetragen wird. Wie dies z. B. in einer soeben Pen kräuselt und seinen gleichgeödeten Gazetten ein wenig Mut und Gesinnung einblasen möchte— aus taktischen Gründen und natürlich nur so weit, als es die„Staats- raison" erlaubt— muß man sich nur über die kaltschnäuzige Gewissenheit dieses Mannes wundern, der so tut, als staune er über das, was er doch anrichten wollte! Das„Dritte Reich" der Diktatur ist ein Reich der Kriechtiere und der gebrochenen Wirbelsäulen geworden! Bestialität und Ser- vilität sind die tragenden Eckpfeiler des„neuen deutschen Menschen"—! Da hat der„Führer" seinen fünfundvierzigsten Geburtstag gefeiert. Reden wir nicht von dem orgiastischen Theater, mit dem man dieses private Ereignis umgab. Es war ein Taumel unkritischer Hysterie, der abscheulich. wenn er nur gespielt, noch abscheulicher, wenn er echt war. Der„Führer", so lasen wir in einem Ber' liner Blatt,„aß Erbsen mit Tomatenreis, ganZ wie jeder andere—!" „Und als er in die schlichte Waldschcnk® trat", so wimmerte ein anderes Papier, wobei es alle Viere von sich streckte,„wurde die d®1"' maßen ausgezeichnete Besitzerin ganz ble'0'1 und konnte sich nicht von der Stefle rühren, so toste das Entzücken in ihr— So ist es. Wenn wirkliche Führer des Volkes ihref Geburtstag feiern, so riskieren sie ruhig•',1'c einen Kalbsbraten und ihr Erscheinen fö'ir nicht zu Lähmungscrscheimmgen... Verschmierte Legendenbildungcn der zitier- ten, schauerlichen Art hat eben nur die D'''* tatur der heroischen Schwächlinge nötig"" Pierre. Ist Hütet tm JudenltaeM Der Ludendorf f-Ycrlag behauptet es erschienenen, vom deutschen Propagandamini- sterium verbreiteten Werbeschrift des Regierungspräsidenten von Magdeburg, Dr. Nicolai, geschieht: Der Staat im natio- nalsozialistischen Weltbild, (Schaeffer-Verlag, Leipzig.) Zunächst wird die Rechtsgrundlage festgestellt:„Zweck des Rechts ist die Erhaltung der Volksgemeinschaft. Nur das ist Recht, was dem Leben der Volksgemeinschaft dient." Man könnte darauf verweisen, daß so etwa auch eine Rechtsphilosophie der Raubtiere anheben würde, und man ist nicht erstaunt, konkret zu erfahren, daß es Gesetze gibt,„die nicht Recht ru schaffen vermögen, z. B. Entwaffungsge- setze und der Versailler Friedensvertrag." Prompt wird die Aufgabe des Deutschen Reiches festgestellt:„Das Deutsche Reich soll als Staat alle Deutschen umschließe n." Womit den Staaten, die noch Deutsche oder Volksteile, die der Nationalsozialismus als Deutsche beansprucht, verwalten, der entsprechende Eingriff angekündigt ist. Damit jeder Zweifel behoben sei, wird genau dargestellt, wer zum deutschen Volk gehört und also in den nationalsozialistischen Machtverband überführt werden muß;„Die Grenzlanddeufsclien. Zu diesen gehören insbesondere die Elsässer, Luxemburger, Nordschleswigcr, Danziger, die Deutschen in W Ostpreußen, Polen, 0 b e r s c h 1 e s i e n und den Memel- ländern, die Sudetendeutschen, Oesterrcicher, Liechtensteiner. Die Auslandsdeutschen, vor allem die Siebenbürger Deutschen, die Wolgadeutschen, die Deutschen in den Randstaate n." Eine respektable Speisekarte, auf die sich der neudeutsche Imperialismus vorbereitet! Die betroffenen und zugleich bedrohten Staaten wissen nun, worauf sie gefaßt sein müssen. An dem Ernst der Hitlerschen Kriegsgeographie mindert nichts, daß auch die Deutschen in Südamerika und die in den Vereinigten Staaten beansprucht werden: in ihnen sieht der Nationalsozialismus die Kernstücke neudeutscher Kolonien. Das Theaterstcpben geht weiter! Das katastrophale Hinsterben der Kultur im Dritten Reich macht sich in den immer mehr fortschreitenden Einstellungen von Theatern und Zeitungen bemerkbar. Auch Bühnen von Weltruf werden nicht verschont. Nachdem kürzlich in Berlin das„Theater am Schiff- baaerdamm", von dem einst die„Dreigroschen- oper" ihren Siegeszug in die Welt antrat, seine Pforten gesdhlossen hat, folgten jetzt das «Deutsche Theater", Reinhardts ehemaliges Haus, das Schauspielhaus in Steglitz, das «Theater am Nollendorfplatz", das„Lessing- Theater" imd das„Komödienhaus". Gleichzeitig haben die„Deutsche Tageszeitung" und eines der ältesten deutschen Blätter, die im Jahre 1776 gegründeten„Frankfurter Nachrich- ten" ihr Erscheinen eingestellt �on neudeutsefaer Heldenverehrung Wer in früheren Jahren aufmerksam die Verhandlungen des Reichstages oder des Preußischen Landtages verfolgt hat, dem ist ««•egentBch auch Wilhelm Kube aufgefal- tert der mit lauter Stimme pathetische und großschnauzige Reden bn Kormncntsttle eines Meierten Korpsstudenten hielt. Aus diesem ehemaligen Sekretär des be- �oten Konservativen Hcydcbrand ist der totionaisozial istische Oberpräsident von Bran- dw*urg geworden. Das ist Grund genug für :Je«Berliner Lchrerzeitung", um .Hern> Kübc durch einen Lehrer namens Mül- er-Rudersdorf widerlich beweihräuchern zu la«en. Man führe sich folgenden Erguß zu Gc- "röte: .«Wenn man Kübe— der nicht nur Gewehte schreibt und redet, sondern in aller- ®n«ster Gefolgschaft Adolf Hitlers selbst Ge- �hichte macht_ mit einem der vorbildlich ihm wirkenden Kerndeutschen verglei- li�n kami- 50 am besten mit unserem herr- u?tn' unübertrefflichen Martin Luther. jy10. Luther, so ward Kube von Gott die [Qualität des Wortes und der Tat ver- Wie Luther— zu dem als einem der li�cn Deutschen, als einem Unübertreff- sdh!n> wir bewundernd und verehrend auf- cnauen—. besitzt auch unser Preußenführer scL,!ollendete«Kraft der freien Rede, K,, er den einfachen Leuten„aufs Maul, gn,«M er tie{ in Volkes Wesen und Wert- derh. � braucht er gelegentlich saftige. Isth.» Volksausdrücke, die nur Schleim- sineten wieder � Feingefühl sehen.... in w!ute- Preußenführer Wilhelm Kube alle™ 5 r Schaffenskraft steht, haben wir vor � den Wunsch, daß der Allmächtige ihn Es gibt eine Richtung in Deutschland, die ist noch arischer, so unglaublich das klingt. Es sind die Ludendorffian-er. Ihr Anführer— General Erich Ludendorff und ihre, Heldenmutter, die Generalin Mathilde, konnten schon wie die Alten über arische Zuchtwahl und nordische Treue reden, als Hitlers ganze Bewegung noch in den Windeln lag. Ihre Weltanschauung läßt sich auf einen sehr einfachen Nenner bringen; es gibt zwei verwandte Mächte auf der Welt, Rom und Juda (manchmal treten sie auch gemeinsam in der Form von Freimaurern auf), die sind au allem schuld, am Weltkrieg, an der Inflation, an der Krise, an der peflation, am Hagel und an der menschlichen Dummheit. Diese Meinung wäre ihre Privatsache, wenn sie nicht neuerdings herausgefunden hätten, daß die„überstaatlichen Dimkelinächte Rom und Juda" noch an etwas anderem schuld sind— an Hitler! Da ist in Ludendorffs Verlag. G. m. b. H., München 2 NW, eine Broschüre erschienen; „F r e i h e i t" von Herbert Frank. Wir dachten, als wir die ersten Seiten lasen, sie wäre alt, aber nein: 1934 steht deutlich lesbar auf der zweiten Umschiagseite. Vielleicht ist es den Ludendorff-Mannen noch gar nicht zu Ohren gekommen, daß ein Drittes Reich ausgebrochen ist, vielleicht haben sie sich fest entschlossen, keinerlei Notiz davon zu nehmen. Jedenfalls stehen in dem(reich mit männlichen und weiblichen Ludendorffzifaten gespickten Heffchen) Weisheiten, Weisheiten— die Zeile zu drei Monaten Konzentrationslager. Obgleich der Name Hitler gar nicht fällt— was an sich schon einer Majestätsbeleidigmig gleicbkommt — wird in tmverhüllter Art gegen ihn Reklame gemacht. Einige Proben: Zunächst etwas aus dem geschichtlichen Teil. „Der vergangene Weltkrieg wurde 25 Jahre vorher auf dem Freimaurerkongreß 1889 in Paris von Juden und Freimaurern beschlossen." Das geht noch— nun aber sprengt der Verfasser mit verhängten Zügeln mitten in die Gegenwart, mitten in den Porzellanladen. Und das merkwürdigste ist— diese Verrückten um Ludendorff wirken in ihrer Irrenhausumgebung stellenweise geradezu normal: „Der Staat hat aber nicht das morailische Recht, dem einzelnen vorzuschreiben, was er zu denken, zu glauben oder zu arbeiten hat. Mit dem Wort„glauben" sind wir aber beim Kernpunkt der ganzen überstaatlichen Frage angelangt Wer es versteht, das „Glauben" und„Hoffen" der Menschen zu lenken, der beherrscht sie. Und das verstehen die geheimen Mächte. Darauf baut sich überhaupt ihre Macht auf: sie herrschen durch geistige und seelische Beeinflussung, durch Lähmung der Urteilskraft, durch Suggestion, kurz: durch Seelenmißbrauch. Es liegt daher eine ungeheure Macht in der Aufklärung! Kommen die Erkenntnisse des Hauses Ludendorff ins Volk, so ist die Macht Judas und Roms tatsächlich gebrochen." Bis jetzt aber ist sie es mit nichten! Und wer nach dem oben Zitierten noch nicht begreift, daß Hitler ein Diener der geheimen Dunkcl- mäohte ist, der begreift überhaupt nichts. Hitler muß in Roms und Judas Diensten stehen, denn; „Die Acrztin, Frau Dr. med. Mathilde Ludendorff, hat als Anzeichen geistiger Erkrankung(durch die Gewalt der Dunkelmächte) erkannt: 1. Wenn die Denk- und Urteilskraft ganz oder teilweise ausgeschaltet ist... 4. Wenn die Willenskraft gelähmt ist, z. B. Befehle anderer automatisch ausgeführt werden(Kadavergehorsam). ... Wie ein Hochgradfrefmaurer in einer geheimen Logenschrift verraten hat, sind es drei Mittel, die angewandt werden, um den Verstand in der gewünschten Richtung zn biegen; Furcht, Staunen und Gewöhnung!" Schöne Zustände im Dritten Reich: „Die entwurzelten Menschen verkümmern immer mehr, verlieren immer mehr an Lebenskraft, lassen sich, vor lauter Angst voreinander, immer widerstandsloser gemeinsam abwürgen und gehen so allmählich zugrunde," Stimmt genau! Auch was über die Wirtschaft gesagt wird, ist durchaus wahr: „Heute herrscht der Wille zur Ausbeutung in ihr. Die„großen" Kapitalisten beuten die„kleinen" aus und diese glauben, sie könnten sich durch das gleiche unsittliche Handeln dagegen schützen. So wird das Elend des Volkes naturnotwendig immer größer." Das hätte vor P/i Jahren noch wortwörtlich in einer nationälsozialistischen Broschüre stehen können— aber heut steht auf solche„Verhetzungsschriften" eigentlich Gefängnis. Auch hierauf: „Der Deutsche will keinen Diktator oder Hirten, der eine gefügige Herde kommandiert und knechtet. Solange im Deutschen noch eine lebendige Seele wirkt, erträgt er die Knechtschaft nicht Führer, der erste unter Freien, soll stets derjenige sein, der sein Volk durch Wesen, Denken und Tun am reinsten verkörpert." „Sein Volk"— das geht auf Hitlers Stammbaum! Zu Hitlers Absetzung wird deutlichst aufgefordert: „Möchten die Deutschen die Zeichen der Zeit verstehen und auch das. was ihre großen Führer: der Feldherr des Weltkrieges und die Philosophin der Seele in wundervoller Deutscher Einheit ihnen zu künden haben! Möchten die Deutschen, statt Werkzeuge von Juda und Rom zur Niederringung anderer Völker zu sein, diese weltversklavenden Mächte abschütteln und sich ihrer göttlichen Aufgabe bewußt werden! Die Waffen sind geschmiedet; sie brauchen nur zum Kampf geführt zu werden." Die ganze Broschüre, soviel Wahrheiten sie über das Dritte Reich auch aussagt, ist offensichtlich ein Versuch, den Juden auch noch Adolf Hitler in die Schuhe zu schieben. Die Juden sind viele Beschimpfungen gewöhnt, sie werden schweigen. Was aber sagt Hitler dazu? Und wann gedenkt er endlich, seinen Stammbaum zu veröffentlichen, um diesen noch Arischeren den Mund zu stopfen? Die„geistige SA66 Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, B. Rust, hat den Ausspruch getan, die Volksschullehrerschaft müsse „zur geistigen SA des deutschen Volkes werden"— wobei die Betonung auf„SA" lag. Nun wird niemand Jenen Parteibuchpaukem, die an die Stelle der abgebauten nichtfaschistischen Junglehrer rückten, nachsagen können, sie hätten ihren Geist auf Kosten der eigentlichen SA-Tugenden überfeinert— immerhin gingen sie durch Lehrerseminare, in denen neben anderen jüdisch-marxistischen Vorurteilen auch eine gewisse Schulung des Geistes gepflegt wurde. Der Volksschullehrer-Nachwuchs hat es besser, er wird von solcher unnötigen Belastung nach Möglichkeit befreit. Vor uns liegt eine„Monatsschrift für alle Fragen der Volksschule"(„Die Neue Deutsche Schule", Frankfurt a. M., Heft 12/33) mit einem aufschlußreichen Artikel über.Nationalsozialismus und Lehrerbildung", Darin heißt es: Die nationalsozialistische Erziehung wird nicht humanistisch, sondern völkisch betont sein, nicht idealistisch, sondern realistisch ausgerichtet, sie wird nicht den theoretischen, sondern den heroischen Menschen erziehen müssen, nicht den gebildeten, sondern den politischen Deutschen. Dieser Nicht-Sondern-Satz birgt ein selten offenes Bekenntnis. Vor allem ist es kein Zufall, daß die Eigenschaften„Gebildet" und„Politisch" als unvereinbare Gegensätze auftreten. Von der nationalsozialistischen Führerschaft aus gesehen, sind sie es in der Tat. Wie müssen nun die Lehrerbildungsanstalten aussehen, damit das oben geschilderte Erziehungsideal verwirklicht werde? Die„Neue Deutsche Schule" antwortet: Entscheidend werden nicht so sehr organisatorische Maßnahmen und die Einfügung nfener Lehrgebiete sein als eine Durchlrän- kung von Lehre und Leben der Lehrerbildungsanstalten mit nationalsozialistischem Geist... Die Durchdringung der Körperschulung mit dem Geiste der Wehrhaftigkeit, besondere Wehrübungen, Teilnahme am Leben und Dienst einer SA sollen die künftigen Volksschullehrer zu wehrhaften und wehrwilligen Männern erziehen, die bereit und fähig sind, den von ihnen geleiteten Kindern und Jugendlichen die gleiche Wehrkraft und den gleichen Wehrwillen in Leib und Seele lebendig zu machen... Der Typus des nationalsozialistischen Lehrers ist der soldatische. Und ihn erzieht nicht das gesellige Leben an der Hochschule, sondern der Dienst bei der SA. als einen der Hauptmeister am Bau des Dritten Reiches noch recht lange im engsten Rat unseres Vaterlandsheilandes Adolf Hitler wirken lassen möge." Adolf Hitler— der Heiland, Kube— Martin Luther. Welche Masken tragen Herr Roehm, Herr Gering und Göbbeis in diesem biaphe- mischen Karneval? Der IVazi-Index Mit dem Verbot der Schriftwerke, die gegen den Nationalsozialismus gerichtet sind, langen die Herren des Dritten Reiches nicht mehr aus. In den eigenen Reihen mehren sich die Kritiken, und das ist die größere Gefahr. Der soll jetzt scharf entgegengetreten werden. Der Stellvertreter des Führers hat eben eine Verfügung erlassen, in der es unter anderem heißt: „In der letzten Zeit sind von den verschiedensten Verlagen Bücher und Schriften herausgegeben worden, die sich mit dem Wesen und dem Ziel der nationalsozialistischen Bewegung befassen. Diese Bücher sind zum Teil ohne die erforderliche Sachkenntnis geschrieben und deshalb geeignet, ein gänzlich falsches Bild von der Entwicklung und der Zielsetzung der Bewegung zu vermitteln. Die NSDAP, hat das souveräne Recht und die Pflicht, darüber zu wachen. daß das nationalsozialistische Gedankengut nicht von Unberufenen verfälscht und in einer die breite Oeffentlichkeit irreführenden Weise geschäftlich ausgenützt wird. Daher wird eine amtliche Prüfungskommission zum Schutz des nationalsozialistischen Schrifttums gebildet zu deren Vorsitzenden Reichsleiter Bouhier ernannt wird. Die Kommission. die im engsten Einvernehmen mit dem Reichspropagandamimstcriura und allen in i->.»— t.i i-,-»„j—