flp. 48 SONNTAG, 13. Mai 1934 Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Das neue Hindenburgprogramm Profit geht über Arbeits- beschaffung Sklavendienst oder Militärdrill Standgericht— gegen wen? (Der bezohll die deutsche AiMung? Rüstungspolitik und Gläubigerkonferenz— Politische Fragen erster Ordnung Ist die Entwicklung seit dem Kriege überhaupt durch die immer engere Verflechtung von Wirtschaft und Politik charakterisiert, so ist die Gl ä u b i g e r- Konferenz, die am 27. April in Berlin begonnen hat, um über die von Schacht engekündigte vollständige Einstellung des Zins- und Tiigungsdienstes auf die lang- ästigen privaten Schulden zu beraten, zu üem Brennpunkt geworden, in dem sich Private Angelegenheiten von Gläubigern nad Schuldnern, die anscheinend nur diesen Kreis zu interessieren brauchten, mit üen wichtigsten weltpolitischen Interessen treffen. Dabei hat sich eine eigentümliche Si- Ination ergeben. Auf deutscher Seite Verden die Verhandlungen von Schacht geführt, der sich in erster Reihe als politischer Exponent der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer machtpolitischen Ziele fühlt. Ihm stehen gegenüber P r i- vatbankiers als Vertreter der einzel- nen Gläubiger, in dieser Funktion nur an fler Möglichkeit und dem Ausmaß der Zahlungen, in keiner Weise aber an den Politischen Folgen interessiert Und weiter: Unter den Gläubigern spielen nach der Höhe ihrer Forderungen �ic Angehörigen Hollands, der Schweiz und Schwedens eine bedeutsame Rolle; ihre Regierungen fühlen sich aber nur wirtschaftlich interessiert �egen der Folgen einer etwaigen deutschen Zahlungseinstellung auf die Zahlungsbilanz und das Bankwesen ihrer Länder; als Vertreter von Kleinstaaten sind sie nicht stark genug, um die rein Pp'itische Entscheidung zu beeinflußen. Von den großen Ländern wollen die V® fein igten Staaten sich jeder Einmischung in die europäische Politik enthalten. Die Roosevelt-Regierung, geigen von der antikapitalistischen Volksstimmung, will sich aber auch in der Vereidigung der privaten Gläubigerinteres- sen, die als die Interessen von Wallstreet, der Großfirma, gelten, nicht allzusehr engagieren; die amerikanischen Gläubiger uhlen sich somit von vornherein in einer sebwachen Position. Politisch ist die Stellung Englands der der Vereinigten Staaten nicht unähn- 'ch. Macdonald und Simons jagen "och immer dem Phantom einer Abrü- �ung nach, die die Anerkennung der Putschen Aufrüstung einschließt: sie wer- en darin bestärkt durch die Erfolge der ®nglischen Arbeiterpartei, die ihre Agita- 'on mit einer hemmungslosen, abstrakten azifismuspropaganda bestreitet Die eUglische Regierung schreckt deshalb vor �'uer energischen politischen Stellung- danme gegen die Hitlerregierung zurück; fem wirtschaftlich freilich hat sie ihre Psjtion etwas geändert Hatte sie ur- Prünglich die Forderungen ihrer Gläubi- p als rein private Angelegenheit bedachtet, so läßt sie jetzt erkennen, daß ,'e unter Umständen auch zu finanziellen fuckmitteln bereit ist P Am merkwürdigsten ist die Stellung r a n k r e i c h s. Es ist das Land, das ff stärksten und unmitelbarsten an den Plitischen Folgen des Konferenzer- .. nisses interessiert ist, die Macht auch, t.le am ehesten bereit wäre, sich von poli- Sc. n Erwägungen leiten zu lassen. Aber 7S'st zugleich das Land, das f i n a n- s.le'l am geringsten interes- J e r 1 ist, denn die Franzosen waren zu uk. um Deutschland in nennenswertem Umfang Kredite zu geben; und für die Beträge, die durch Vermittlung Schweizer oder holländischer Banken nach Deutschland gegeben worden sind, müssen diese Banken geradestehen. So steht Schacht als Vertreter der deutschen Staatsmacht, in erster Linie darauf bedacht, das politische Interesse seiner Regierung durchzusetzen, einer unpolitischen, zersplitterten Front der ausländischen Privatgläubiger gegenüber. Was ist aber das p o 1 1 1 i s c h e Ziel, das die Hitierdiktatur mit der Einstellung der Zahlungen verfolgt? Die nationalsozialistische Politik geht aufs Ganze. Man muß sich zunächst klar machen, was die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik bisher erreicht hat. Sie hat durch die Einstellung der Kapitalrückzahlungen zunächst ungefähr 13 Milliarden Reichsmark ausländischen Kapitals in Deutschland gebunden und diese Riesensumme der Verfügungsgewalt ihrer Eigentümer entzogen; sie hat an der Entwertung der fremden Währungen rund 4 Milliarden profitiert; sie hat durch die teilweise Einstellung der Zins- und Tilgungszahlungen die Markforderungen der Gläubiger zum Teil entwertet,— sie gezwungen, diese entwerteten Marie der Reichsbank abzutreten und damit den deutschen Dumpingexport auf Kosten der Industrie ihrer eigenen Länder zu finanzieren. Wie sähe die deutsche Wirtschaft unter nationalsozialistischer Führung erst aus, wenn diese einmaligen Glückszufälle nicht eingetreten wären! Gleichzeitig hat die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik durch ihren agrarischen und industriellen Ueberprotektio- nismus den Außenhandel fortschreitend ruiniert; sie hat durch die Rüstungs- und Arbeitsbeschaffungsausgaben den Import gesteigert und die aktive Handelsbilanz in eine passive verwandelt, sie hat die großkapitalistischen Unternehmungen angereizt, die im Ausland tief gesunkenen Schuldtitel zurückzukaufen und ihnen ermöglicht, auf diese Weise große Extraprofite zu machen; dafür hat sie ihnen die nötigen Devisen zur Verfügung gestellt und damit weiter die Zahlungsbilanz verschlechtert; sie hat den Goldbestand der Reichsbank in immer höherem Maß zur Finanzierung des Einfuhrbedarfs herangezogen und so durch ihre Politik den Bankrott selbst herbeigeführt, den jetzt die Gläubiger akzeptieren sollen! Nun geht sie aufs Ganze! Schacht will jetzt, nachdem die Politik der Nationalsozialisten absichtlich den Zustand scheinbarer Zahlungsunfähigkeit herbeigeführt hat, durchsetzen, was er von Anfang an erstrebt hat, die Einstellung aller Zins- und Tilgungszahlungen auf unbestimmte Zeit. Es handelt sich um folgende Größen: Die langfristigen Schulden, deren Behandlung jetzt zur Erörterung steht, umfaßten nach den letzten Veröffentlichungen am 30. September 1933 insgesamt RM. 7.44 Mdn. Die Ver. Staaten hatten daran 3 Mdn.. Holland 1-53 Mdn., die Schweiz 1.05 Mdn., England 0.81 Mdn. und Frankreich 0.48 Mdn. Das Zinsen- s o 1 1 Deutschlands aus seinen gesamten Aus- landsverpflichtungen ist für 1934 auf rund RM. 800 Mill. zu veranschlagen. Davon entfallen auf Y o u n g- und D a w e s-Anleihen über 100 Mill., auf die Stillhalteschulden 110 bis 120 Mill. Gelingt der Coup, soverbessertsich die deutsche Zahlungsbilanz um einige hundert Millionen. Die Mehrimporte für die deutsche Rüstungspolitik und die Arbeitsbeschaffung mit fauleir Wechseln können aufrecht erhalten werden und damit wird die Aufrechterhaltung der Diktatur, die Fortsetzung einer Wirtschaftspolitik, die die ausländischen Waren vom deutschen Markt ausschließt, aber die deutschen durch Dumping den ausländischen Märkten aufzwingt, gesichert. Und dies alles soll mit dem Geld der Gläubiger der anderen Länder finanziert werden, die dafür mit neuer Erschütterung ihres Bankwesens, mit Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanz, mit illoyaler Konkurrenz gegen ihre Industrien belohnt werden. Um Krieg oder Frieden. Man sieht, es handelt sich um politische Fragen erster Ordnung, lebenswichtig für die nationalsozialistische Diktatur, lebenswichtig aber auch für die anderen Völker, denn es geht um Rüstung, um Krieg und Frieden, um Dinge also, neben denen die Unruhe im Zentrum des Systems Vom 7. bis 9. Mal hat der Chef der Heeresleitung General von Fritsch in Nauheim Besprechungein mit den höheren RelcbswehrfUhrern abgehalten, nachdem Hitler am 5. Mal eine politische Besprechung mit dem Reichspräsidenten hatte. Diese Konferenzen sind ein Zeugnis für die tiefe Unruhe des Systems. Es geht um die aiußenpoiltische Situation so gut wie um die I n n e r p o I i t i s c b e. Es kämpft eine Kriegspartei gegen eine Richtung, die abwarten und weiter rüsten will. Es kämpit die Führung der SA um die Eingliederung der SA In das Heer— die konservativen Generale dagegen. Hitler, der bin und her schwankt, neigt augenblicklich zur Reichswehr. Aus außenpolitischen Gründen soll die SA mehr in den Hintergrund treten und teilweise abgebaut werden. Dagegen erhebt sich heftiger Widerstand in den Reihen der SA-Führer. die Verlust an Rang, Ansehen, Einkommen und Macht fürchten. Hinzu kommt eine ernste Erkrankung Hlndenburgs. Die Frage des Oberbefehls der Reichswehr nach seinem Tode kann sehr rasch aktuell werden. Diese Fragen treffen zusammen mit den großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Systems, mit dem Anwachsen der Opposition und der Verschärfung der Kämpfe innerhalb der führenden Gruppe. Im Zentrum des Sy- stems herrscht Zwiespalt und Unruhe. »Die S4 erobert Berlin"— für 40.000 Reichsmark In einem der tausend Zimmer und Vorzimmer des Reichspropagandamimsteriums— Ehm Welk hat in naivem Glauben an irgendwelche moralischen Werte des Göbbelsregiraes über sie fn seinem offenen Brief an den Chef dieser Zimmerfluchten und Dienerseelen leicht ironisch mit betont distanzierter Hochachtung geschrieben und es ist ihm sehr schlecht bekommen— sitzt seit einem Jahre auch Wilfried Bade, einer der Jungen aus dem Göbbelskreds. Der siebenundzwanzigjährige Krause, den die Tatsache, daß er einmal einen Photoapparat gesehen hat, bei seinem Herrn und Meister so empfahl, daß er zum Gebieter über den deutschen Film gemacht wurde, war sein Kumpan. Diesem Wilfried Bade spielte sein Amt schon in den ersten Monaten des vergangenen Jahres zu dem schon vorhandenen Material noch neues über die„Eroberung" Berlins durch die SA zu und er sah darin eine Möglichkeit viel Geld zu verdienen. Das Beispiel des Führers hatte auch in seinem Herzen gezündet. Allerdings fühlt er sich der Aufgabe, daraus etwas zu machen, was sich so liest wie ein mildes Abführmittel schmeckt nicht gewachsen und er hielt daher unter den arischen Journalisten des ancien regime Umschau. Denn ein nationalsozialistischer Kollege hätte mit ihm nicht geteilt sondern ihn für das Material mit einigen hundert Reichsmark abgespeist Ein belasteter Weimarer aber, der würde sich noch geehrt fühlen, und auch für die Zukunft eäne Chance darin sehen, wenn Wilfried Bade mit ihm gemeinsame Sache machte. Für gute Arbeit wollte er ihm sogar die Tressen der SS verschaffen. Der forschende, durchdringende Blick des jungen Germanen fiel auf Fred Hildenbrand, der zwar nicht weniger arisch war als er selbst der aber als Protektionskind des Juden Theodor Wolf, als Stellvertreter des Landesverräters Kerr und als hauptamtlicher FemHetouredakteur von M o s s e s„Ber- Hner Tageblatt" eine äußerst anrüchige Vergangenheit hatte, obwohl er aus diesen Funktionen längst ausgeschieden war. Aber schreiben konnte Hildenbrandt, gerade so ölig sentimental, so zu Herzen gehend, wie es die behosten und berockten Weiber gern haben, die den Marxistenschwednen gönnen, wenn sie langsam zu Tod gequält werden, aber sich vor Rührung nicht fassen können, daß der starke Hermann zu Tieren so gut ist Fred Hildenbrands Namen durfte allerdings in der Oeffentlichkedt nicht laut werden. Erinnerungen an Mosse konnte Wilfried Bade bei diesem Geschäft nicht brauchen. Auch hafte seinerzeit der„Angriff" gegen diesen Tageblattredakteur den Vorwurf erhoben, daß er seine Redaktionsstellung zu persönlichem Vorteil mißbrauche, und so etwas ist doch nur Nationalsozialisten erlaubt... Die„Münchener Illustrierte" bibberte in Angst vor der Konkurrenz des„Illustrierten Beobachters" und war bereit die höchsten Honorare zu zahlen, wenn sie von einem anerkannten Nazimann eine brauchbare aktuelle Reportage bekam, die mit Bildern in Fortsetzungen gebracht werden konnte und das Interesse der Leser der Zeitschrift wieder zuführte. Fred Hildenbrand schrieb auf Grund des Materials Bades, unter dessen Namen dann die fertige Schntierage in den Besitz der„Mün- chencr Illustrierten" überging. Preis 40.000 Reichsmark, von denen jeder der Spießgesellen die Hälfte bekam. Das ganze heißt:„Die SA erobert Berlin" und ist jetzt auch als Buch erschienen. Verfasser Wilfred Bade. So erobert die SA Berlin! privaten Gläubiger-, Schuldner. VerHält* nisse In der Tat verschwinden. Und wie verhalten sich da die Regierungen? Die englische und französische Regierung habe, jede für sich, der deutschen mitgeteilt, daß sie die Fortzahlung •der Zinsen unnd Tilgungen für die Dawes- und Younganleihe fordern. Die amerikanische Regierung hat sich nicht einmal diesem Schritt angeschlossen! Das ist alles, und Schacht läßt bedauernd mitteilen, daß er auch diese 115 Millionen nicht zur Verfügung habe. Und in der Tat! Solange man seinen Standpunkt akzeptiert, daß die Gläubiger sich um die Zahlen der Reichsbank, um die Gold- und Devisensummen allein zu kümmern haben, sonst aber um nichts, am wenigsten um die Rüstungs-, Finanz- und Wirtschaftspolitik der nationalsozialisti sehen Diktatur, ist sein Standpunkt schwer zu widerlegen. Ist doch der Gold- und Devisenbestand der Reichsbank nadi dem Ausweis vom Ende April auf 205 Millionen(gegen 510 im Vorjahre) zu sammengeschrumpft und die Notendek timg auf 5,8 gegen 9,1 Prozent! Nur daß aber dieser Zustand kein naturnotwen diger, sondern durch die nationalsozialistische Politik bewußt und absichtlich herbeigeführt ist. Aber über Politik— so befiehlt die Diktatur— soll nicht gesprochen werden und bisher haben sich die Regierungen dem Beschluß gefügt. Bleiben aber die Verhandlungen auf dem rein finanziellen Gebiet, welche anderen Mittel stehen dann zur Verfügung? Die Gläubiger haben einen Vergleich der Außenhandelsbilanz Deutschlands gegenüber seinen hauptsächlichsten Gläubigerländern im Jahre 1933 mit den Erfordernissen des Kapitaldienstes in dem am 30. September 1934 ablaufenden Jahre(in Millionen Reichsmark) gezogen. Das Ergebnis zeigt folgende Tabelle: Reidisgeridit abgeseift Noch nicht sicher genug!— Die Tyrannen zittern Die Tabelle zeigt, daß alle Länder mit Ausnahme Amerikas im Handelsverkehr mit Deutschland einen Ueberschuß aufzuweisen haben, der die Forderungen ihrer Gläubiger übersteigt. Wenn die Regierungen ein Zwangsclearing einrichten, also ihre Importeure veranlassen, die aus Deutschland eingeführten Waren nicht direkt den deutschen Lieferanten zu bezahlen, sondern die Beträge auf ein Konto ihrer Zentralbanken einzuzahlen, dann verfügen sie über die nötigen Summen, um ihre Gläubiger zu befriedigen. Die Schweiz hat mit solchem Vorgehen wiederholt gedroht. In neuerer Zeit mehren sich aber auch englische Stimmen, die dasselbe verlangen, ja, die englische Regierung soll sogar die nötigen Vorbereitungen bereits getroffen haben. Die Maßnahme wäre sehr wirksam und das erklärt, warum die Aeußerungen Schachts in neuester Zeit immer kleinlauter werden und die Aktien- und Renten k urse an den deutschen Börsen ständig abbröckeln. Daher die Suche nach einem Kompromiß, nach Bezahlung der Gläubiger statt in bar mit einer neuen langfristigen Anleihe usw.— Versuche, die aber alle an der völligen Kreditunwürdigkeit der nationalsozialistischen Diktatur ihr schwer übersteigbares Hindernis finden. Das politische Problem bleibt. Unterdessen hat die Devisenlage zu neuen einschneidenden Maßnahmen geführt. Das Einfuhrverbot für ausländische Rohstoffe und Halbfabrikate ist für Textilien und raffiniertes Kupfer bis 1. Juli verlängert worden. Zugleich sind die Importdevisenkontingente für den Mai mit sorfortiger Wirkung nachträglich herabgesetzt worden, eine Maßnahme, die bisher noch nie im Laufe des Geltungsmonats vorgenommen wurde, da man sich bewußt ist, wie weit hierdurch die Dispositionen der Importeure gestört werden. Die Kontingente stellen sich nunmehr für Mai nur noch auf 25 Prozent gegenüber ursprünglich 35 Prozent. Hand in Hand damit gehen Erörterungen, auf jede Weise den Export zu steigern. Die abenteuerlichsten Pläne werden erörtert. Da wird vorgeschlagen, eine Umsatzabgabe von dem binnenländischen Absatz von 2 bis Prozent von Die Unabhängigkeit der Rechtspflege hat das Dritte Reich, als es entstand, fak tisch sofort beseitigt. Aber die gleich geschalteten Talarträger durften— wenigstens nach außen hin— noch eine Zeitlang die Komödie einer scheinbar unbeeinflußten Justiz aufführen. Damit ist es jetzt auch vorbei. Alle Selbstentman nung hat diesem Richtertum, das vor ge� wissen Gangstergestalten der braunen Konterrevolution in Unterwürfigkeit erstarb, nichts genützt: soeben ist der deutschen Justiz in aller Form das Haupt abgeschlagen worden... Das Haupt abgeschlagen! Anders läßt dieses im Reichsgesetzblatt mit dem Datum vom 24. April publizierte„Gesetz zur Aenderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens" sich nicht charak terisieren: das oberste deutsche Gericht, das Reichsgericht, wird in einer seiner wichtigsten Funktionen kurzerhand abge setzt. Dieses neue Gesetz entzieht näm lieh dem Reichsgericht die von ihm bisher als Spruch-Instanz ausgeübte Rechtsprechung in Hoch- und Landesverratssachen und überträgt sie an ein neuerschaffenes Gebilde, dem das Gesetz den Namen„V o 1 k s g e r i c h t" zulegt, das aber mit richtiger Bezeichnung„N a t i o n al so z ia 1 i st i s c h e s Parteigericht" heißen müßte. Denn nur um ein solches handelt es sich; das Volk hat mit diesem Volksgericht so viel oder so wenig zu tun wie mit der geheimen Kabinettsjustiz eines Ludwig XIV! Das Motto des Ganzen heißt: Rache für den Freispruch Torglers undDimitroffs! Das Urfeil des Bün- gerschen Senats im Reichstagsbrandprozeß ist einer der wichtigsten Gründe der ganzen Umgestaltung. Es darf eben nicht mehr vorkommen, daß das Reichsgericht, gestützt auf sein Ansehen In der Welt, offenbar Unschuldige wie Dimltroff und Torgier freispricht, obwohl die Machthaber die Verurteilung dieser Angeklagten aus politischen Gründen wünschen. Darum wird das Reichsgericht jetzt beiseitegeschoben, wird an seine Stelle ein Gericht gestellt, das nur noch den Namen einer solchen Institution trägt, in Wahrheit aber nichts als ein gefügiges Werkzeug der Machthaber ist, von dem sich erwarten läßt, daß es auch die letzten Rücksichten auf Recht und Gerechtigkeit unterdrücken und der durchgehenden terroristischen Willkür bedenkenlos den Hals freigeben wird! Denn dieses Gericht setzt sich zusammen aus gehorsamen Mameluken der Despoten: seine ordentlichen Mitglieder und deren Stellvertreter werden vom Reichskanzler Hitler auf Vorschlag des Reichsjustizministeriums e i n- zeln ernannt(der Reichspräsident hat natürlich nichts dreinzureden!) und zwar auf die Dauer von fünf Jahren. Jede Spruchkammer des„Volksgerichts" ist in der Hauptverhandlung mit fünf Mitgliedern besetzt, davon brauchen nur zwei dem Berufsrichtertum anzugehören. Die übrigen drei— so heißt es— sollen Personen sein,„die über besondere Erfahrungen auf dem Gebiete der Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen verfügen". Mit anderen Worten: Die Mehrheit in diesen Kammern besteht aus Organen, bezw. aus Vertrauenspersonen der Gestapo. Es tritt hier die Geheime Staatspolizei zugleich als oberstes Justizorgan in Funktion! Es genügt aber anscheinend noch nicht, den Angeklagten diesen Henkern in Richtertalaren auszuliefern. Er wird auch noch, so überflüssig diese Vorsichtsmaßregel erscheint völlig recht— und wehrlos diesem Gericht vorgeworfen, Es genügt, auf die Vorschrift hinzuweisen, wonach der Angeklagte bei der Wahl seines Verteidigers der Genehmigung durch den Vorsitzenden des Gerichtes bedarf! Wir notieren noch Stichwort artig; Die Voruntersuchung kann nach Belieben des Oberreichsan walts ausfallen, der Eröffnungs beschluß fällt überhaupt fort, Rechtsmittel gegen die Entscheidungen sind nicht gegeben,— und es rundet sich das Bild eines in Permanenz tagenden Standgerichts primitivster und blutigster Art. Dabei haben wir bisher immer erst von dem Verfahren gesprochen, noch nicht von dem„Verbrechen", die vor diesem„Volksgericht" abgeurteilt werden und von den darauf gesetzten Strafen. Das neue Gesetz rieht die bisher vereinzelt erlassenen drakonischen Blutgesetze des Dritten Reiches gegen sogenannten Hochverrat und, Landesverrat zusammen und steigert sie, wofern noch eine Möglichkeit dazu gegeben ist. Die Zahl der, meist die Todesstrafe— allein oder wahlweise neben hohen Zuchthausstrafen— androhenden einzelnen Strafbestimmungen ist so groß, daß sie im Rahmen eines Artikels nicht einmal aufgezählt, geschweige denn kritisch beleuchtet werden können. Es genügen jedoch auch hier einige Beispiele, um den Blutgeruch zu charakterisieren, den dieses Gesetz ausströmt: Mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer öffentlich zu einem hochverräterischem Unternehmen auffordert oder anreizt, ebenso, wer ein hochverräterisches Unternehmen in anderer Weise vorbereitet. Man stelle sich diese Kautschukbegriffe„anreizt",„in anderer Weise" in den Händen der Gestapo-Richter vor!— Die Strafe springt sofort auf Todesstrafe, lebenslängliches Zuchthaus, oder Zuchthaus nicht unter zwei Jahren, sobald irgendwelche „erschwerenden" Momente hinzutreten. Solche erschwerenden Momente, die möglicherweise die Todesstrafe nach sich ziehen, sind u. a.: Agitation In Reichswehr und Schutzpolizei, Beeinflussung der Massen durch H e r s t e 1- lung oder Verbreitung von Schriften, Sah allplatten, bildlichen Darstellungen usw. Einführung von Schriften, Schallplatten oder bildlichen Darlegungen aus dem Ausland. Das Ausland hat es den Tyrannen besonders angetan, weil dort ihrer Macht Grenzen gesetzt sind. Deshalb bedrohen sie den Lieferanten zu erheben zur Bildung eines Fonds, aus dem die deutsche Ausfuhr verbilligt werden soll. Für Zuckerund Baumwollwaren befürwortet die „Kölnische Zeltung" einen Exportzwang. Die deutschen Baumwollfabrikanten sollen verpflichtet werden, 25 Prozent ihrer Inlandsproduktion zu Selbstkostenpreisen zur Verfügung zu stellen, und die deutschen Zuckerfabriken sollen sogar gezwungen werden, ihre Produktion um 1 Million Doppelzentner jährlich zu steigern und diese Menge um jeden Preis zu exportieren. Der Verlust soll zwischen den Fabrikanten und der Allgemeinheit geteilt werden! Die Antarkisten sind am Ende ihres Lateins! Ueber eines aber soll man sich nicht täuschen. In Frankreich und namentlich in England, wo eine kurzsichtige und unfähige Außenpolitik sich scheut, den Tatsachen ins Auge zu sehen, hofft man, die augenblicklichen Schwierigkeiten würden der deutschen Rüstungspolitik schon bald von selbst unüberwindbare Schranken setzen. Ein verhängnisvoller Irrtum! .Wie immer die Gläubigerkonferenz ausgeben mag, die Mittel, sich die notwendigen Rohstoffe für die Rüstungsindu strie zu verschaffen, wird Deutschland schon zur Verfügung haben! Bei der immer stärkeren Dirigierung der ganzen Außenhandelswirtschaft bleibt es stets möglich, den Import anderer Waren(man denke an Südfrüchte, Tabak und andere Genußmittel) soweit zu drosseln, um sich die nötigen Erze, Metalle, Zellulose usw. für die Kriegsindustrien zu verschaffen. Aus ökonomischen Gründen wird die Diktatur ihre Aufrüstung nicht einstellen und ebensowenig aus Rücksicht auf eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Massen. Die ist allerdings in immer stärkerem Maße bedroht und daran wird auch der Ausgang der Gläubigerkonferenz im Wesentlichen nichts ändern. Aber das politische Problem, das in Wirklichkeit auf der Tagesordnung dieser scheinbar rein privatkapitalistischen Konferenz steht, das wird bleiben und seine Vernachlässigung wird die Lösung nur immer mehr erschweren! Dr. Richard Kern. noch besonders im Auslande begangene Taten: wer als Deutscher im Auslande durch unwahre oder gröblich entstellte(ü) Behauptungen das Ansehen der Hitlerregierung gefährdet, wird mit Zuchthaus bestraft.(Glückwunsch an die Ausgebürgerten: sie dürfen...!) Eine weitere Bestimmung bedroht den, der „die öffentliche Gewaltmißbraucht oder Mannschaften anwirbt oder in den Waffen einübt. Kann die Arbeiteropposltion die öffentliche Gewalt mißbrauchen oder Mannschaften anwerben wie einst Herr Röhm oder Herr Seldte? Gegen wen richtet sich das? Gegen die Reichs. wehr, gegen den Stahlhelm oder gegen wen sonst noch? Glaubt die Diktatur des Reichsgerichts nicht mehr sicher zu sein, wenn der„Hochverrat" aus diesem Lager kommt? Sehr viel ausführlicher und womöglich noch blutiger als die Vorschriften gegen Hochverrat sind die gegen Landesverrat: ihre Tendenz läuft ganz offensichtlich darauf hinaus, alle Meldungen über die geheimen Rüstungen Deutschlands, soweit der Arm der Machthaber reicht, zu unterdrücken.— in der tollsten Weise stellt das Gesetz allenthalben Fahrlässigkeit mit Vorsatz auf die gleiche Stufe: so wird z. B. wegen des Besitzes verbotener Schriften auch der bestraft der bei sorgfältiger Prüfung „ihren hochverräterischen Inhalt" hätte erkennen können. Dennoch: es gibt einen Punkt an dem Strenge sich überschlägt und Schärfe schartig wird. Dieses Gesetz wird alle die nicht erschrecken die auch bisher das Hitlerregiment nicht zu erschrecken vermochte. Aber es verrät ihnen, wie diese Tyrannen innerlich zittern! Justinian. Heilmann noch gefangen! Ernst Heilmann befindet sich, entgegen anderen Berichten, die uns zugingen, noch bnmer in Gefangenschaft in einer Zelle des Berliner Polizeipräsidiums. Das Regime läßt ihn nicht frei, da er körperlich entsetzlich verändert aussieht und geistig schwer gelitten hat. Gesundbefen Herr Göbbels hat ein Geständnis abgelegt Er will in den Monaten Mai und Juni einen PropagandafeWzug gegen die„Miesmacher" führen. Es gibt also Miesmacher. Zum Miesmachen gehören Anhaltspunkte, und die sind reichlich vorhanden. Herr Schacht erzählt den deutschen Gläubigern, wie schlecht es der deutschen Wirtschaft geht Die Börse reagiert sauer und die Kurse sinken. Die Löhne faflen immer tiefer, den Arbeitern und dem Mittelstand geht es immer schlechter. Das alles soll durch Propaganda gesund gebetet werden! Während der Magen knurrt und das Aeußere fmmer mehr verlumpt, soH das deutsche Volk beten:„Es geht uns täglich besser und besser!" Propaganda wirkt für eine gewisse Zeit Ist sie abgelaufen, so bricht die Wahrheit mit explosiver Gewalt durch, und die Betrogene« schreien; wir sind belogen und betrogen worden! Haben die Herrschafteii den Herbst 1918 schon vergessen? Braune Bonzenwirtschaft Die Verwaltung des sogenannt«!„Reichsnährstandes" soll von Berlin nach Goslar verlegt werden, um näher an„Bhit und Boden" zn sein. Goslar Hegt in einer schönen Gegend, die von Rentnern und Pensionisten mit Vorliebe zum Wohnsitz gewählt wurde. Die neugeschaffenen braunen Bonzen schaffen sich eine romantische Idylle. Aber klein wird sie nicht sein! In deutschen Zeitungen wird gemeldet: „Die Stadt Goslar erhielt die Genehmigung für die Aufnahme einer Anleihe von 500000 Mk., die zur Hälfte für die Erschließung von Baügelämle zur Uebcrsled- lung der Verwaltung des Reichsnährstandes benötigt werden. Für 3000 Personen die mit der Verwaltung des Reiohsnährstan- des zuziehen, müssen In Goslar neue Wohnungen erbaut werden." Da ist ein gewaltiger zentraler bürokratischer Apparat neugeschaffen worden—' zu der bisherigen Bürokratie hinzu. Für 3000 neugeschaffener brauner Bonzen werden neue Wohnungen in einer der schönsten Gegenden Deutschlands gebaut. Das hätte in der Republik vorkommen sollen 1 Nach einer Göbbelsrede Deutsche Sprache verboten ,, Mehr Mut, meine Herren, als die Presse hat, kann ich ihr nicht geben..." ( Göbbels in seiner Rede an die deutsche Presse.) Seit einer Woche hat die Nazipresse den Auftrag, gegen den Ullstein- Verlag zu rummeln und eine Aenderung der Leitung zu verlangen. Der Riesenbetrieb müsse im Interesse der Tausende, die darin beschäftigt sind, gerettet werden, diese Rettung aber sei nur möglich, wenn„, hervorragende Kämpfer der Hitlerbewegung an die Spitze des Verlags kämen. Mit dieser Attake werden die Hintergründe des Streichs gegen die Grüne Post noch deutlicher sichtbar. Die bekannte, vielgelesene Wochenschrift wurde auf drei Monate verboten, weil ihr Redakteur Ehm Welk gewagt hatte, Herrn Göbbels zu fragen, wie sein Wunsch nach weniger Monotonie und mehr Journalistischer Lebendigkeit gemeint sei und ob es dem Kampfe gegen die Uniformität der Presse frommen könne, wenn neue Wochenschriften den Stil der Grünen Post einfach kopieren. Der Hieb richtete sich gegen die nationalsozialistische Braune Post, die der antwortete auf die zahme, vorsichtige Anfrage hus Völkischer, dem der braune Sprachwulst das hat das Recht, den Bundespräsidenten mit deutsche Herz abdrückte, in loyaler, kamerad- Zweidrittelmehrheit abzuberufen. schaftlicher, der Bewegung" dienenden Weise Es ist eine komplizierte Verfassung, versucht, seine Muttersprache vor weiterer die man da dem österreichischen Volk Verhunzung zu retten und an das„ neue Wür- auf seine Schultern lädt; aber sie kann stark. Es war schon ein wenig schmerzlich, degefühl" zu appellieren, aber dieses hielt den gar nicht anders als kompliziert sein, als man kürzlich an allen Berliner Litfaß- braunen Zensor nicht ab, auf die Muttersprache denn sie muß jede Mitwirkung des Volkes säulen den Anschlag las:„ Haus Bergmann zu pfeifen und den Artikel trotz untertäniger am Staatsleben verhindern. Wie verist Garant für Qualität." Auch das ist eine Verbeugungen elend zu zerfetzen, denn in klausuliert immer eine eventuelle MitTat der Gleichschaltung. Nun, die Anschlag- welch beklemmende Verlegenheit sollten Hit- wirkung des Volkes wäre, die Regierung säule hat niemals als Muster für gepflegte lers Kulis geraten, wenn sie plötzlich deutsch weiß selbst am besten sehr genau, daß Sprache gegolten. schreiben müßten! bedas Volk bei jeder Gelegenheit gegen fehlen 43 Zeilen Es geht hier nicht um ein Steckenpferd von ein paar tausend Sprachreinigern, sondern es geht um eine Frage der Kultur, der Selbstachtung, der Würde unseres Volkes. 21/2 Zeilen fehlen Möchte dieses neue Würde gefühl dazu führen..." usw. usw. Der emigrierte Schriftsteller aber, der diese die Regierung entscheiden würde, denn neudeutsche Presseschande von draußen er- die Regierung der Diktatur und des Verlebt, darf sich über sein Los mit dem Wort fassungsoktrois hat im Volk keinen Rückeines literarischen Amerikafahrers hinweg halt und hat als Argumente für sich nichts trösten:„ Lieber Adressen tippen oder irgend- als jene Waffen, die in anderen Ländern wo Steineklopfen, als unter solchem Schand- nur gegen den äußeren Feind angewenB. Br. Oh Muttersprache, Mutterlaut, wie klingst du wonnesam und traut! Hier hat nun mal ein regime die Feder zu führen!" Die neue österreichische Verfassung det werden, die aber im ,, ständischen und christlichen" Oesterreich zum täglichen Handwerkszeug der Regierung gehören. 99 Man glaube nicht, daß wir die Realität der Tatsachen verkennen. Die österreichische Regierung ist via facti aber nicht rechtens im Besitz der Macht und sie kann tatsächlich wenigstens vorläufig machen, was sie will, also auch Die paar Leute, die sich in Oesterreich| gewaltigung und Unterdrückung, die dem einem bedruckten Stück Papier den Titel Vermöge des Besitzes von Haubitzen und österreichischen Volk stündlich angetan„ Verfassung" verleihen. Dennoch hat es Maschinengewehren zu unbeschränkten wird, zu kennzeichnen. Das ist die Wahr- seinen Sinn und seine Bedeutung, wenn grünen die Leser abjagen soll- und Göbbels Herren des Staates aufgeworfen haben, heit und diese Wahrheit wird durch keine mit allem Nachdruck darauf hingewiesen haben den Versuch unternommen, ihren Komödie und durch keinen Hausjuristen wird, daß die neue österreichische ,, Verdenn auch prompt mit dem Verbot. Ehm Welk Gewaltakt juristisch zu verhüllen. Sie verhüllt werden können. Vor dem Sieg fassung" nur durch einen Rechtsbruch haben etliche Redensarten und Floskeln dieser Wahrheit zittern mit Recht heute und nur durch einen Rechtsraub zum aber, der bekannte Dramatiker, landete im in eine gesetzesähnliche Form gebracht bereits die gegenwärtigen Machthaber. ,, Gesetz" gemacht worden ist, daß, mit Konzentrationslager. Die Konkurrenz wäre Die Verfertiger der sogenannten Ver- einem Wort, alles, was in Oesterreich geniedergeschlagen, der Ullstein- Verlag dürfte und nennen diese Schreibübung eine Verfassung. das Verbot kaum überstehen- frische fassung" haben es sich leicht gemacht; sie schehen ist, ungesetzlich ist und keinerlei Posten für braune Piraten werden Diese Verfassung nun, in der durch haben eine reine ,, Räteverfassung" ge- Rechtskraft hat, wenn auch heute eine frei! viele Worte ausgedrückt wird, daß die schaffen: es gibt da einen Staatsrat, brutale Gewalt ihm Rechtskraft gibt. Was Bundeskulturrat, einen in Oesterreich geschehen ist, ist als PräDer Gemeinheit, mit der hier neue Weide- österreichischen Bundesbürger weniger einen Man hat die Herrgebiete für naziotische Kreaturen erpreßt wer- Rechte haben als die Bewohner eines Bundeswirtschaftsrat und einen zedenzfall wichtig. den, steht die mephistophelische Feigheit, Hottentottenkraals, haben sie dem Na- Länderrat. Delegationen der vier schaft, die Diktatur, der bürgerlichen mit der unbequeme Journalisten aufs Glatteis tionalrat zur Annahme vorgelegt. Ueber Räte werden zu einem Bundestag zu- Klassen mit nackter Gewalt unter dem gelockt werden, würdig zur Seite. Ein rach- ein Jahr lang konnte das österreichische sammengefaßt. Dem Bundestag werden Jubel der bürgerlichen Presse aufgerichsüchtiger, verbiesterter Krüppel hält Reden Parlament nicht zusammentreten; durch die von den vier Räten vorberatenen Ge- tet. Was den einen Recht ist, darf mit gegen die Eintönigkeit der geknebelten Presse, den Rücktritt aller seiner Präsidenten war setze vorgelegt, die er debattelos an- Fug den anderen billig sein. Gewalt sucht sie mit Beschimpfungen aufzupulvern, das Haus arbeitsunfähig geworden und zunehmen oder abzulehnen hat. Das Bud- wird mit Gewalt beantwortet werden. Der Jesuit Mariana hat den Rechtswirft ihr Mangel an Mut vor und in dem die Regierung behauptete, ebenso wie der get wird dem Bundestag vorgelegt, aber Augenblick, da einer der Beschimpften vor- mit aller Mitverantwortung für die seit wird er damit nicht zeitgerecht fertig, grundsatz verfochten, daß gegen eine unsichtig die Grenzen der gleichgeödeten Presse- März des vorigen Jahres eingetretenen wird es auch ohne den hohen Bundestag rechtmäßige Regierung das Volk das monotonie abzutasten wagt, fliegt er aus Stel- Ereignisse belastete Bundespräsident, kein zum Gesetz. Die Oeffentlichkeit ist von Recht der Auflehnung, des Widerstandes, lung und Brot, wird amtlich für dauernd un- Mittel zu haben, um die Präsidentenkrise den Beratungen möglichst ausgeschlos- der Revolution habe. Man hat dem östertauglich zum Dienst mit der Feder" erklärt zu lösen und das Haus wieder arbeits- sen. Es ist überflüssig zu betonen, daß reichischen Volk alle Rechte genommen. obwohl ihm einige Wochen vorher die Nazis fähig zu machen. Nun, da die Regierung mit dem liberalistischen Vorurteil von Nichts ist ihm geblieben als das Recht die Redaktion der Braunen Post angeboten das Land mit Waffengewalt erobert hat, allgemeinen Wahlen in die Räte gebro- für die Klassendiktatur des Bürgertums das von hatten und büßt seinen naiven Glauben an hat sie auch den Nationalrat wieder ein- chen wurde. Die Mitglieder aller Räte Steuern zahlen zu dürfen und werden ernannt. Die 40-50 Mitglieder Mariana aufgestellte und formulierte eine Göbbelsrede mit K.-Z. Jetzt liegt er nach berufen. einigen Tagen K.-Z. im Gefängnislazarett und Der österreichische Nationalrat hat des Staatsrates werden vom Bundesprä- Recht zur Revolution. kann leise monologisieren:„ Mehr Feigheit, 165 Mitglieder gehabt, davon waren 72 sidenten ernannt; der Rat für die Bundes- Das muß sehr deutlich allen Lakaien. Herr Minister, als Sie haben, kann ihnen nie- Sozialdemokraten, deren Mandate die Re- kultur wird von den religiösen und kultu- des christlichen und ständischen Kurses mand geben..." gierung gegen Recht und Gesetz annul- rellen Körperschaften beschickt: der in Oesterreich gesagt werden. Sie alle Und dabei sucht die braune Journaille nach liert hat. Mehr noch: auch die nach öster- Wirtschaftsrat soll die Vertreter der be- mögen sich dessen sehr genau bewußt außen hin noch immer zu lügen, im Dritten reichischem Gesetz vorgesehenen Man- rühmten Stände enthalten und im Län- sein, was sie tun, schon heute, damit sie Reich könne sich jede Feder tummeln, sofern datsnachfolger haben, soweit sie Sozial- derrat sind je zwei Vertreter jedes Bun- nicht verwundert sind, wenn es ihnen sie nur ,, die Würde des deutschen Schrifttums" demokraten waren, keine Gelegenheit er- deslandes, sowie der„ Bürgermeister" und laut und mit unbezweifelbarer Klarheit an wahre. Gegen eine französische Zeitschrift, halten, ihre Rechte auszuüben. Es wur- Finanzreferent der Stadt Wien. dem Tage wiederholt wird, da die Gedie sich mit der unerträglichen hitlerdeutschen den in die Parlamentssitzung nur Sämtliche Mitglieder der vier Räte schichte weiter geht und die mächtige Presseverdummung befaßte, polemisierte kürz- Christlichsoziale, Heimwehrleute, Mitglie- bilden die Bundesversammlung, Faust des Volkes den mittelalterlichen lich der 1933er Märzgermane Will Vesper und der des Landbundes und Großdeutsche der das Recht über Krieg und Frieden zu- Spuk des konterrevolutionären schmetterte in seinem literarischen Ableger eingeladen. Die Regierung rechnete da- steht. Außerdem soll sie die Wahl des mes hinwegfegt. Aber SO Jüdischer Großvater der deutschen Bauerndörfer, gesucht RegiFritz Brügel. so ein ist nicht schwer In der Zeitschrift ,, Deutsche Berufsschule", Berlin( Herausgeber: Deutscher Verein für Berufsschulwesen), lesen wir: Die Freiheit des deutschen Schrift- mit, daß alle diese Parteien auch ihre Bundespräsidenten vornehmen, das heißt, Inzwischen mag sich die Naivität der tums.... werden wir deutschen Schrift- Abgeordneten vollzählig in das Haus sie erstattet einen Dreiervorschlag für Machthaber in Oesterreich in der Sichersteller selber zu verteidigen wissen, wenn bringen würden und ließ daher durch diese Wahl, die dann die Bürgermeister, heit wiegen, es habe mit der Erlassung sie jemals bedroht sein sollte..." ihren Hausjuristen Hecht mitteilen, daß die natürlich ebenfalls ernannt sind, vor- ihrer Verfassung" die geschichtliche EntDiese Kulis wissen nicht einmal mehr, wie die für die Sitzung notwendige Zahl der nehmen sollen. Die Bundesversammlung wicklung aufgehört. dumm sie sind und was um sie herum vorgeht. Parlamentsmitglieder 83 betrage, da der Ein Setzer der Essener Volkszeitung wurde Nationalrat 165 Mitglieder habe. kürzlich verhaftet, weil er ein Fragezei- die Großdeutschen, die vollständig nazichen irrtümlich gesetzt hatte; die Kölnische siert sind, und die Landbündler, die, falls Glücklicher lachend sagt: ,, Ich habe einen Jud' Volkszeitung wurde verboten, weil sie den sie überhaupt noch Menschen hinter sich gefunden, nun können sie mich..."( Das weiGlauben ihrer Väter verteidigte; zwei bayri- haben, zu Dreiviertel der Nazisierung sche Blätter wurden bedroht, weil sie mit der zum Opfer gefallen sind, sandten nur Be- Daß eine jüdische Großmutter ein großes tere nachzulesen im Götz von Berlichingen.) Unglück ist, haben alle vom Arierparagraphen naziotischen Jugenderziehung nicht ganz ein- obachter in die Parlamentssitzung, verstanden waren und selbst die Schriften daß insgesamt 76 Abgeordnete an der betroffenen Beamten, Offiziere und sonstige Ahnherr werden des durchaus völkischen deutschen Komödie dieser Sitzung teilnahmen. Die im öffentlichen Dienst stehende Personen zur Sprachvereins sind Ihres Lebens nicht Regierung war nun auf einmal gezwungen Genüge kennengelernt. Daß aber ein iudimehr sicher. Aus der Zeitschrift dieses Ver- mitzuteilen, daß die Hälfte der Abgeord- scher Großvater unter Umständen als eins„ Die Muttersprache" ersieht man, daß es neten nach ihrer Meinung 46 betrage, wo- ein großes Glück betrachtet wird, ist ein Erder famosen Erbhofgesetzgebung des im Dritten Reich auch eine Vorzensur gibt. mit zum ersten Mal in der Welt ein arith- folg Im Aprilheft sucht Prof. Dr. Artur Hübner metisches Problem keine arithmetische, Herrn Darré. Nach dem Erbhofgesetz kann einen durchaus hitlertreuen Artikel über die sondern eine diktatorische Lösung gefun- bekanntlich einen Erbhof nur erhalten, wer deutscher Bauer ist. Wiederum wird nur aufEinigung der deutschen Sprache" den hat. zu starten; das spassige Bild sei hier festge-| In wenigen Minuten haben die 74 Ab- genommen in den Bauernstand, wer nachweist, daß die blondbezopften Mitglieder des BDM geordneten der Regierung ein paar Hun- daß kein jüdisches Blut in seinen Adern fließt. ,, Aber gerade weil wir den guten und be- dert Notverordnungen des Dollfuß, sowie Aus vielen Orten kommen nun die Mel- rer Stelle gewünscht wird, ohne Murren diese sonnenen Willen nicht nur des Reichsinnen- die Verfassung des„, christlichen und stän- dungen, daß die Bauern in der vorgeschrie- Rolle übernehmen und sie prachtvoll erfüllen ministeriums, sondern auch anderer Behör- dischen Bundesstaates" angenommen. Auf benen Ahnenreihe suchen, ob nicht die Mutter, werden. Denn Befehl ist Befehl. den dankbar anerkennen, muß es uns vom diese Komödie legte die Regierung großen Großmutter, oder eine der Urgroßmütter sich weisen, daß sich sprachlich im neuen Wert, da sie, wie das ihr Hauptjurist aus- in einer schwachen Stunde einmal mit einem Deutschland noch manches ändern muß. Ein drückte, nicht wünsche, daß die Verfas- Juden eingelassen habe. Gelingt es ihnen, dies Ein Dolchstoß gegen Schacht schwäbischer Dichter hat kürzlich ausgespro- mit einem revolutionären Makel festzustellen, so schreiben sie quietschversung chen: sprachlich seien wir um einige Jahrzehnte zurückgeworfen behaftet sei. Als ob das irgendwer an- gnügt an die zuständige Behörde:„ Ich komme begriff allen kaufmännischen Handelns; daher sprachlich wende die Umwälzung ihr Ge- genommen hätte, da doch jeder Mensch für die Aufnahme in den deutschen Bauern- ist die pünktliche Erfüllung abgesicht nicht vorwärts, sondern zurück. Aber in Oesterreich weiß, und es im Ausland stand nicht in Frage, da meine weibliche Vor- schlossener Verträge die erste Pflicht wenn man das auch durch derbe Beispiele nicht oft genug und nicht laut genug ge- fahre so und so mit dem Juden so und so sich in jedem Geschäftsverkehr. Hiergegen verstößt belegen kann, so hart würde ich dieses Urteil nicht gelten lassen. sagt werden kann, daß die sogenannte eingelassen hatte." Dadurch ist die Aufnahme auch, wer vereinbarte Zahlungsösterreichische Verfassung" vom ersten in den deutschen Bauernstand nicht möglich, ziele nicht einhält..."( Aus einer a Die Rede, das Lebenselement der natio- bis zum letzten Buchstaben der blutige aber noch wichtiger ist, daß das Erbhofgesetz Proklamation der gewerblichen Spitzenvernalsozialistischen Bewegung, bestimmt die Rechtsraub der konterrevolutionären in diesem Falle nicht angewendet werden bände der deutschen Wirtschaft.) Schrift, und bei der außerordentlich vorbildGegenreformation ist und daß alle Worte| kann. Es ist aber unschön, dem ReichsbankpräsiBewegung innewohnt, bestimmt sie sie sehr zu schwach sind, um die unerhörte VerGelächter geht schon jetzt durch einen Teil denten Schacht so in den Rücken zu fallen! halten: fehlen 18 Zeilen 99 „ Gedenke, daß du ein deutscher Ahnherr bist!" Das gilt insbesondere für das deutsche Mädchen... Warum nicht? Wir sind überzeugt davon, ( Bund deutscher Mädchen), wenn es an höhe..... Die Vertragstreue ist der Grund Sklavendienst oder MilitardriU Die Segnungen der Arbcitssdilacht für die Jugend Die Kampfleitung der Arbeitsschlacht hat In ihrem Ringen mit den Milllonenzahlen der Arbeitslosenstatistik eine Schwenkung vorgenommen. Bisher wurden die Unternehmer unter Druck gezwungen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und diese dann ausschließlich mit „alten Kämpfern" zu besetzen. In vielen Fällen nahmen die Betriebe unter diesem Druck eine Erhöhung der Belegschaftsziffern vor, ohne daß eine zwingende Notwendigkeit vom Standpunkt der Beschäftigung der Werke vorgelegen hätte. Die Arbeitsschlacht mußte Erfolge erzielen, und gegenüber dieser propagandistischen Absicht wurden alle anderen Ueberlegungen in den Wind geschlagen. Die Unternehmer hielten sich schadlos durch eine Senkung der Löhne, so daß aus fast allen Jahresberichten der großen Unternehmungen hervorgeht, daß trotz der Erhöhung der Belegschaftsziffern die Gesamtlohnsumme gesunken oder nur in ganz geringem Maße gestiegen ist. Nach der Einstellung der„alten Kämpfer" ergab sich aber bald, daß man es bei den Neueingestellten in weitem Umfang zwar mit alten„PC's", aber mit überaus schlechten Arbeitern zu tun hatte, so daß selbst die geringen Löhne, vom Standpunkt des Unternehmers aus gesehen, denkbar unproduktiv angelegt waren. Die Unternehmer haben daher jetzt durchgesetzt, daß sie von der Verpflichtung der Schaffung neuer Arbeitsplätze für die Pg's mit einer niedrigen Mitgliedsnummer befreit worden sind. Neueinstellungen sollen nur noch im Zuge einer tatsächlichen Mehrbeschäftigung der Betriebe durch gesteigerten Auftragseingang erfolgen. Trotzdem muß natürlich auch die Arbeitsschlacht 1934 mit Erfolgen enden. Da man dieses Problem mit Zahlenkunststücken in der Arbeitslosenstatistik allein nicht lösen kann, geht man jetzt einen anderen Weg. Man wirft die jungen Arbeitskräfte reihenweise aus den Betrieben heraus. Sie erscheinen selbstverständlich nicht als Arbeitslose auf den Stempelstellen der Arbeitsämter, sondern sie werden in den Freiwilligen Arbeitsdienst oder auf das Land als Landhelfer oder als Landhelferinnen zu mittelalterlichen Arbeitsbedingungen abgeschoben. Der Vorsitzende des Arbeitsamtes Stuttgart, Oberregierungsrat Dr. J a e c k, hat das ganz offen in einem Artikel des»Völkischen Beobachters« über den Stand der Arbeits- schlacht erklärt: „1. Alle männlichen und weiblichen jugendlichen Kräfte bis zu 25 Jahren, soweit sie nicht als Spezialkräfte unentbehrlich sind, und soweit sie landwirtschaftliche Arbeiten verrichten können oder auch hierzu körperlich geeignet sind, müssen, ganz gleichgültig, ob sie aus der Stadt oder vom Land stammen, der Landwirtschaft zugef üh rt werden. 2. In die dadurch freiwerdenden Arbeitsplätze müssen außer den Jugendlichen, die schon durch Teilnahme an der Landhilfe oder am Freiwilligen Arbeitsdienst ein Jahr Dienst an der Gemeinschaft geleistet haben, die älteren und verheirateten Arbeitslosen aufgenommen werden. Sicher ist, daß die letzte und so den vollen Erfolg entscheidende Phase der Arbeitsschlacht der Kampf für die Eingliederung der älteren Arbeitslosen ist Die Arbeitsschlacht kann und muß gelingen. Sie kann es aber nur, wenn allseits wirkliche Opfer für die Gemeinschaft gebracht werden: Verzicht von Seiten der Wirfschaft auf die billigste junge Arbeitskraft, Verzicht von seiten der jungen Arbeitskräfte auf augenblicklichen Bar verdienst, Verzicht von seiten der großstädtischen Hausfrau auf ländliche Hausgehilfinnen, Verzicht der Eltern auf größeren Barverdienst ihrer Kinder." Was die Abschiebung der Jugendlichen auf das Land als Landhelfer und Landhelferinnen bedeutet, das wird deutlich, wenn man bedenkt, daß jeder Landwirt, der einen Landhelfer beschäftigt, von der Regierung einen Höchstsatz von 25 Mark im Monat ausgezahlt erhält. Das entspricht ungefähr der Summe, die der jugendliche Arbeitslose auch bekäme, wenn er arbeitslos bliebe. Dieser Höchstsatz wird aber fast allgemein unterschritten. Nach einer Erhebung der Reichsansfalt vom 15. Februar 1934, die den vertraglichen Barlohn für 141.895 Landhelfer ermittelte, bezogen nur 10.900 Landhelfer den Höchstbarlohn von 25 Mark im Monat, also nur 7 Prozent. Ungefähr ebensoviele bekamen weniger als 14, zum Teil weniger als 12, ja sogar 10 Mark im Monat, und nur ein Drittel einen Lohn, der höher war als 20 Mark, also 7 0 Pfennige täglich. Besonders stark ist der Druck, der auf jugendliche weibliche Arbeitslose ausgeübt wird, die noch weniger als die jugendlichen männlichen Arbeitslosen den Anforderungen der Landarbeit gewachsen sind. Der Erfolg dieser Zwangsverschickung jugendlicher Arbeitsloser auf das Land besteht aber nicht nur darin, daß den Agrariern Arbeitskräfte zu Hungerlöhnen zur Verfügung gestellt werden, sondern die Annahme der Beschäftigung als Landhelfer oder Landhelferin bedeutet gleichzeitig einen Unterstützungsraub. Wenn nämlich das halbe Jahr Landhelfertätigkeit vorüber ist, kommen die Landhelfer nicht mehr in den Genuß der Arbeitslosenunterstützung, da jetzt aus den früheren Industriearbeitern und aus den ehemaligen Stenotypistinnen Landarbeiter und Landarbeiterin geworden sind, die keinen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung haben. Die Reiohs- anstalt ist also auf jeden Fall einen Unter- stiitzungsempfänger los und in der Statistik erfolg eine entsprechende Aufbesserung. Noch massiver und eindeutiger sind die Methoden, mit denen die Abschiebung der männlichen jugendlichen Arbeiter in den Freiwilligen Arbeitsdienst erfolgt. Hier wird auch der militärische Hintergedanke dieser Umschichtung völlig klar. In Zittau in Sachsen fand am 28. April ein letzter Appell der Betriebsführer und Be- triebszelienobmänner für die„Arbeitsschlacht" statt. Als erstes Ziel dieser Arbeitsschlacht wurde die Unterbringung aller..alten Kämpfer" aufgestellt. Ein Stoßtruppführer setzte auseinander, daß die Möglichkeit der Beschaffung zusätzlicher Arbeitsplätze nahezu erschöpft sei. Es bleibe daher nichts anderes mehr übrig, als Plätze durch Austausch zu schaffen. „Die jungen Arbeiter müßten ihre Plätze in den Betrieben durch Uebertritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst räumen." Oberieldmeister Gaebler erklärte; Der Arbeitsdienst habe die Aufgabe, die jungen heranwachsenden Menschen in staatspolitischem und soldatischem Sinne zu erziehen. Es müsse für jeden jungen Deutschen eine Ehrenpflicht sein, sich zu opfern. Jeder, der seinen Platz mit einem anderen im Arbeitsdienst wechselt, werde auf einer Ehrentafel stehen. Nach diesem Appell der Betriebsführer und Betriebszellenobmänner veranstaltete man in Zittau eine Kundgebung für die Jungarbeiter. Vor diesen jungen Arbeitern erinnerte Oberfeldmeister Gaebler an die Tage von 1914, wo sich ebenfalls viele Tausende von Jugendlichen bereit fanden, dem Vaterland in der Stunde der Not zu dienen. Im gleichen Sinne sprach der Stoßtruppführer in der Arbeitsschlacht, Pg. Bobert: Es sei heute wie damals, als das Vaterland bedrängt durch äußere Feinde, das Volk aufrief. Wie sich damals Deutschlands Jugend zur Verfügung stellte, wie sie aus den Schulstuben, den Fabriken, den Kontoren, den Werkstätten hinauseilte, um allein dem Vaterland zu dienen, so müsse sich auch die h e u t i g e J u- g e n d in der Stunde der Gefahr der Ehrenpflicht ihres Dienstes für das Vaterland bewußt sein. Das ist also die Erfüllung der Hoffnungen der Jugend durch die Hitlerdiktatur. Hunderttausende arbeitsloser Jugendlicher liegen nach wie vor auf der Straße. Arbeitsplätze werden ihnen nicht mehr vermittelt. Sie haben nur die Wahl zwischen der Sklavenarbeit auf dem Lande oder dem militärischen Drill im Freiwilligen Arbeitsdienst. Zu ihnen gesellen sich jetzt als Opfer der neuen„Arbeitsschlacht" die Kameraden, die bis jetzt noch ihren Arbeitsplatz behaupten konnten, die aber nun unter Anwendung stärkster Druckmittel gezwungen werden, den Platz in der Werkstatt oder im Büro zu vertauschen mit dem Frondienst in den Arbeitslagern, damit die Nazipresse über neue Einstellungen berichten kann und damit die Unterstützungseinrichtungen für die Arbeitslosen weiter entlastet werden. Deutsche Treue Im Bilde „Jahr 1" der nationalen Revolution Es gibt eine offizielle nationalsozialistische Schrift„Das Jahr 1", die, mit einem Geleitwort von Göring versehen, im Verlag von Reimar Hobbing in Berlin erschienen ist. Die Schrift, die in Wort und Bild die Heldentaten der heutigen Regierungspartei schildert, zeigt u. a. eine Photographie, auf der man sieht, wie eine Schar junger Leute von SA in das Haus der Geheimen Staatspolizei in der Prinz- Albrechtstraße gebracht wird, und dazu folgenden Text: „Am Tage der Sommersonnenwende, dem 21. Juli, werden die deutschnationalen Kampfstaffeln aufgelöst. SA-Hilfspolizei und Schutzpolizei nehmen die Mitglieder dieser Kampfstaffeln fest, um zu verhüten, daß sich ein gefährlicher Fremdkörper im Staate bildet." So schamlos rühmt sich die NSDAP des Verrats, den sie an ihren deutschnationalen Bundesgenossen verübt hat! Man erinnere sich, daß die NSDAP nur als Koalitionspartei mit den Deutschnationalen zusammen legal zur Macht gekommen ist. Alle Machtpositionen, der Reichspräsident, die Reichswehr, die Polizei, waren in der Hand der Deutsch- nationalen. Hätten die Deutschnationalen nicht der NSDAP die Schlüssel der Festung ausgeliefert, so hätte Hitler vor der Wahl gestanden, entweder den gewaltsamen Angriff zu wagen oder zu verzichten. Zweifellos hätte er das zweite getan. Die NSDAP verdankt ihre heutige Stellung im Reiche also den Deutschnationalen, die sie zum Dank dafür bald darauf vernichtet hat. In der Weimarer Republik konnten die Deutschnationalen Minister sein. Im Dritten Reich ist die deutschnationale Partei verboten, der Versuch, sie zu erneuern, ist mit Zuchthausstrafe bedroht Dieses Schicksal ist gar nicht unverdient— sie haben es ja selber herbeigeführt! Aber was soll man erst von den Siegern sagen, die in so heimtückischer, verräterischer Weise mit denen umgehen, denen sie ihre Macht verdanken und dann ihre Schurkenstreiche noch in Wort und Bild verherrlichen. In dem Werk„Das Jahr 1" sieht man auf Seite 10 noch Herrn Alfred Hugenberg, Vorsitzender der Deutschnationalen Partei, als Minister des Hitlerkabinetts. Blättert man weiter, findet man auf Seite 42 die schon geschilderte Verhaftungsszene. Die Absicht der Verhöhnung ist offenkundig. Was noch fehlt, ist ein Bild des ehemaligen Vorsitzenden der deutschnationalen Reichstagsfraktion, Oberfohren, mit zerschossener Stirn. Es gehört unbedingt mit in die Reihe. Aber man hat es wohl ausgeschaltet, weil so etwas„Greuelpropaganda" wäre. Offen wird zugegeben: Die Studenten des ersten und zweiten Semesters werden durch diesen Dienst und durch den Geländesport der Hochschule stark in Anspruch genommen. Und vier Semester dauert die ganze Studienzeit! Damit nicht etwa in den Abendstunden nach dem SA-Dienst der Geist überhandnehme, wurden„Deutsche Abende" und politische Schulungsabende eingerichtet, aus denen alle nichtmilitärischen Themen nach Möglichkeit verbannt sind. In Halle hat man u. a. das Kriegserlebnis zum Gegenstand einer der auch dort üblichen Deutschen Abende gemacht. Das Sommerhalbjahr war in Kiel dem Kennenlernen der Reichsmarine gewidmet. Nach vollendetem Drill avancieren die Lehramtsrekruten ohne Umschweife zu Ausbildungsoffizieren der Volksschulkinder. Als Reglement gelten Gemeinplätze wie die folgenden, dem gleichen Aufsatz entnommenen: Es wird künftig in Deutschland nur ein Bildungsziel geben in aller Erziehung, das des nationalsozialistischen Menschen... Der erzieherische Gehalt dieser nationalsozialistischen Erziehungsform läßt sich durch die Worte: völkisch, realistisch, heroisch und politisch umschreiben... Denn im nationalsozialistischen Staat wird auch der Persönlich- keitswert des Menschen bestimmt werden durch seinen politischen Dienstwert.(Wahrscheinlich ein Druckfehler, soll wohl„Dienstgrad" heißen.) Auch wird jenen neugebackenen Lehrern, die vielleicht doch voll geheimem Schrecken an ihr vollendetes Nichtswissertum denken, nochmals tröstend versichert,„daß wir heute in erster Linie nicht Menschen der Bildung, sondern Menschen der Tat zu erziehen haben." Mit solchem Rüstzeug versehen, kann die geistige SA frisch zur Neugestaltung der Volksschule schreiten, es wird ihr an nichts mehr fehlen. Sie wird den Geist der Arbeiterkinder genau so mißhandeln wie die richtige SA in den Konzentrationslagern die Körper der Väter. Der Skandal der Winterhilfe „Berlinske Tidende" vom 29. April 1934 schreibt unter der Ueberschrift: Flensburgsdeutsche Winterhilfe und dieSOSäcke dänisches Zeug: „Den Dänen südlich der Grenze wird am besten dadurch geholfen, daß ihre Kinder Sonrmeraufenhalt in Dänemark erhalten. Der Zeitpunkt nähert sich, wo festgestellt wird, wie viele dänische Kinder von Flensburg und Südschleswig durch einen Aufenthalt nördlich der Grenze Freude und Gesundheit erhalten sollen. Gewöhnlich wird die Vorarbeit für die Ferienarbeit so gelegt, daß man schon im Mai einen Ueberblick hat, wie sich die Angelegenheit abwickeln wird. Viele arme Flensburgkinder benötigen einen Landaufenthalt Die Vorsitzende des Komitees für Ferienreisen der Schleswigkinder, Frau General Julie Ramsing, sagt zu dieser wichtigen Sache folgendes: Die beste Hilfe für unsere Landsleute südlich der Grenze ist, sich deren Kinder anzunehmen. Ihnen etwas zu schicken, geht nicht mehr. Weshalb kann den Dänen dort unten nicht mehr in anderer Weise geholfen werden? Weil das nicht mehr geht. Dafür haben die deutschen Behörden gesorgt Nicht einmal altes Zeug können wir mehr hinsenden, dafür haben wir deutliche Beweise erhalten. Wir sammelten im letzten Herbst, und es wurden mehrere hundert Säcke gebrauch es Zeug der dänischen Gemeindepflege in Flensburg gesandt. Anfang Dezember begann die Verteilung, aber im Januar wurde dieselbe ziemlich plötzlich abgebrochen. Von der offiziellen deutschen Winterhilfe wurde der Gemeindepflege mitgeteilt, daß alle Arbeit dieser Art konzentriert werden solle unter der„Winterhilfe", und die dänische Gemeindepflege dürfe diese Verteilung nicht weiter ausüben. Die Deutschen verlangten und erhielten zugestellt 50 Säcke Zeug, die noch nicht verteilt waren und gleichzeitig erhielten sie 'Listen über die dänischen Familien, die noch kein Zeug erhalten hatten. Das sind nun drei Monate her, aber die betreffenden Familien haben noch nicht das Zeug bekommen, das wir an die Winterhilfe abgeliefert haben. Heißt das, daß die Deutschen das dänische Zeug selber behalten haben? Ich weiß nicht, wo die 50 Säcke geblieben sind, nachdem sie an die Winterhilfe abgeliefert sind. Aber als ich vor 3 Wochen dort unten war, wußte keiner der Dänen, mit denen ich darüber sprach, wo das Zeug war. Sicherheitshalber habe ich heute telephonisch angefragt in. Flensburg, ob man etwas darüber erfahren hätte, aber das hat man nicht. Mich dünkt, die Deutschen schulden nicht alleine den Dänen in Flensburg, sonderh auch den vielen dänischen Gebern eine Aufklärung, wo die 50 Säcke geblieben sind. Wenn wir nun mehr Zeug heruntersenden? Das tun wir nicht, weil wir gar keine Garantie haben, wo das Zeug hinkommt! Nicht einmal altes Zeug können wir also unseren Landsleuten in Flensburg senden. Die Gemeindepflege darf nur für die Kranken wirken. Man wird also verstehen, daß es richtig ist, was ich sage: die beste Art, den Familien dort unten zu helfen ist die, ihre Kinder im Sommer aufzunehmen!" Die Juden-lVazis... Aus einem Artikel„Die Parteigericbtsbar- keit der NSDAP" im„Völkischen Beobachter": „Der liberalistische Staat hat alle rassenmäßigen Gedanken abgelehnt. Dadurch konnte es geschehen, daß schon vor der Macht- übemahme einzelne, später viele Menschen in die Bewegung kamen. die keine Ahnung davon hatten, daß sie Träger jüdischer Blutsteile waren!!...** Nanu? Welch seltsames offiziöses Eingeständnis! Welch Göringscher Sendbote macht da Jagd auf die unaussprechlichen Blutsteile des Dr. Josef Göbbels?! Soeben erschienen! Das Deutsdie Wunder 193? Eine zeitgemäße Betrachtung von X. Es handelt sich nicht etwa um das außerordentlich berühmte Weltbuch des Generals John Johnson, das als ein Warnungsbuch für alle kriegswütigen Feindvölker geschrieben wurde—. vielmehr handelt es sich um eine entsprechende Betrachtung, und lediglich handelt es sich um gar kein Buch, denn der Verfasser....— Na. wollen Sie selbst lesen! Bestellungen gegen Voreinsendung K5 7.— (oder Gegenwert evtl. in Marken) an Belsky-Verlag, Brünn, Kröna 11. Nr. 48 BEILAGE 13. Mai 1934 Geschichte ohne Mythos Das heroische Lebensgefühl und der deutsche Mensch Wer heute bezweifeln wollte, daß der »heldische" und der„deutsche" Mensch identische Begriffe sind, darf fest mit dem Konzentrationslager rechnen, Staatspolitik und Geschichtswissenschaft, Jugendbildung und Erwachsenendrill empfangen im Dritten Reich vom Zentraldogma der heroischen Deutschheit her ihr eigentliches Licht. Der Historiker, der Geisteswissenschaftler, der Dichter, sie alle sind bei Gefahr der Aechtung verpflichtet, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Scheine des Erhaben-Gewaltigen darzustellen, aber eine vorurteilslose Wanderung durch die Geschichte des deutschen Geistes zeigt, daß tue ganze Zeit über, von recht wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht der aktive, sondern fer passive Mensch im Mittelpunkte des deutschen Denkens und Wollens gestanden ist. Man berufe sich zum Gegenbeweise nicht auf Tacitus und die Helden der Völker- wanderungszeit— Mäimer ähnlichen Formates hat es bei allen Stämmen gegeben, die erobernd in fremdes Land vorbrachen, bei den Tataren, Hunnen, Magyaren, auch bei den von jedem rechten Deutschen bestverachteten Juden. Und im übrigen beruht die Beschlagnahme eines Wate, Hagen, Volker, Siegfried, Dietrich usw. für die Deutschen auf einer wissenschaftlich unzulässigen Gleichsetzung dieses Volkes mit den Germanen oder gar mit den.nordischen" Recken: deutsche Art und deutsches Lebensgefühl in ihrer Besonderheit begannen sich- vielmehr erst im spät- fränkischen Reiche unter den Karolingern, so fecht erst nach dem Teilungsvertrag von Ver- dun(843) auszubilden, und da war schon längst �um germanischen Wesen als nicht wegzudenkendes Ferment das Christentum hinzugetreten. Mag dieses nun jüdisch-hellenistischen oder nach Wunsch der neuesten Ge- schichtsklitterer blond-arischen Ursprungs sein, Jedenfalls machte es im höhen Mittelalter der Gttonen, Salier und Staufer(um 930 bis 1250) die fügsame Einordnung in Gottes Reich zur wichtigsten deutschen Tugend: vom„H e 1 i a n d", der den wilden Sachsen das neue Ideal noch in homöopathischen Dosen verabreichte, über die Lesedramen der Nonne Hroswitha und die Weltuntergangsdichtung Heinrichs von Melk zu Wolframs P a r z i v a 1 und Walthers Kreuzlied tönt uns ein immer demütigeres, den germanischen Seelengrund immer tiefer umpflügendes Christentum entgegen; und als im späten Mittelalter das Bürgertum die geistige Führung übernahm, fand es wieder seinen eigentümlichsten Ausdruck in der himraelanweisenden Gotik, in den gewaltigen Bußpredigten Ber- tholds von Regensburg und in der mystischhingebenden, allfrommen Gottsuche Meister Eckards(um 1300) und Johannes Taulers(um 1350). Nicht genug daran, verehrten dieselben Vorkämpfer des Investiturstreites, die den weltlichen Staat aus den Banden der Kirche befreien wollten, unvermindert den Papst und die Geistlichkeit als Führer des seelischen Lebens, schuf sich die neue Feudalkaste der Ritter in den drei Pflichten des Gottes-, Herren- und Frauendienstes die höhere geistige Legitimation— so eindeutig wies trotz Nibelungenlied und Dietrichsepen das bewußte Lebensgefühl der Deutschen die ungebundene Aktivität als minderwertig von sich, so entsagungsvoll bekannte es sich zu Bindungen, zur Einfügung, zum Siege über sich selbst und die eigenen herrischen Triebe. Gewiß, man tournierte, raufte, würfelte, höhnte, zechte und schlemmte trotzdem nach Noten; aber ein Idealbild des„Herrenmenschen" braute man aus diesen von Tat und Gewalt nur so funkelnden Ingredienzien nicht zusammen, sondern wenn man, sie geistig-formend, künstlerisch bewältigte, so der Jugend zur Warnung und zum Schrecken— der unvergängliche „Meier H e 1 m b r e c h t" bezeugt das am besten. Als der müde gewordenen Papstkirche im 15. Jahrhundert die Führung der Geister zu entgleiten begann und in den Städten der Pendel des Lebensgefühls nach der Seite der Aktivität und des Daseinsgenusses ausschlagen zu wollen schien, nahm sich ein neuer Lehrmeister der Deutschen an: das griechisch- römische Altertum im Gestalt des Humanismus. Dieser ließ auf dem Wege aus seiner italienischen Heimat über die Alpen merkwürdiger Weise gerade das hinter sich, was das Dritte Reich in Erbpacht genommen zu haben erklärt: die weltgebietende Herrengebärde des Renaissancemenschen um sie nur bei ganz wenigen wie Ulrich von Hutten in schwachem Abglanz sichtbar werden zu lassen. Und dafür sah der deutsche Humanismus seine wahre Größe in etwas, was heutzutage geächtet und bespien wird: im Streben nach objektiver Erkenntnis, in der Forschung um ihrer selbst und nicht um eines vorgesetzten Zieles willen. Den Helden der Wissenschaft Erasmus, Paracelsus und Kepler steht als„heldischer" Mann moderner Lesart nur Luther gegenüber, aber allzu genaue Betrachtung verträgt sein Führer- und Heroen- tum nicht. Denn sein„Hier stehe ich, ich kann nicht anders" ist schön erfundene Legende, historisch erwiesen aber ist seine ewige Teufelsfurcht, sein Verrat an den aufständischen Bauern den Herrschenden zuliebe und seine Preisgabe der autonomen Gemeinde- zugunsten der höfischen Staatskirche. Der Schöpfer einer Bewegung, die ein so gottverlassenes Muckertum gebar wie die lutherische, kann nie ein freier,„reckenhafter" Geist gewesen sein, und ebensowenig Heldentum(und gar deutsches) atmet trotz seines entsetzlichen Waffengeklirrs das siebente Jahrhundert, die Epoche des D re i ß i g i ä h- rigen Krieges. Was sich da auf den deutschen Thronen und Thrönchen breitmacfito und als„Herr von Gottes Gnaden" aufspielte, war schlechteste Kopie nach üblen spanischen und französischen Mustern. Die durchschnittlichen Landskechtsobristen waren wilde Raufbolde, Gesinnungslumpen oder bedenkenlose Geschäftemacher, welche Sinnesarten sich noch bei den großen Feldherren der Zeit, den Gustav Adolf, Wallenstein, Christian, Mansfeld und Tilly, in Spuren nachweisen lassen. Das deutsche Wesen in die Zukunft hinübergerettet aber haben die Stillen, Demütigen im Lande: der, fromme Liederdichter Gerhart, der Helfer der Kranken und Verfehmten Spee, die Seher ahnungstiefer Gesichte Böhme und Angelus Silesius und der Lobpreiser des Einsiedlerlebens Grimmelshausen. Man braucht nur näher hinzuhorchen, dann kann man bereits im Wirken dieser Männer, die alle die grob gesetzte Tat, die Gewalt und den äußeren Zwang aufs tiefste verabscheuten, den Strom des großen deutschen Idealismus, der Humanität und des kategorischen Imperativs rauschen hören; da führt ein schöner Gedankenweg von Böhmes„Aurora" zu Leibnizens„prästabilisierter Harmonie", die alles, Welt- und Einzelgeschick, nach eingeborenen und nicht etwa nach von außen her zudiktierten Gesetzen abrollen läßt; da leitet Gerharts Innigkeit und Seelenfeinheit jene Wunder der deutschen Lyrik und Musik ein, in denen die einander ablösenden bürgerlichen Generationen des achtzehnten Jahrhunderts ihr eigentlichstes Wesen immer besser ausdrücken und erkennen lernten: da arbeitet der mutige Verteidiger der Hexen, Friedrich von Spee, dem unerbittlichen Wahrheits- und Gerechtigkeitsdrang eines Lessing, Kant und Schiller vor, und mit Grimmelshausen „Simplizissimus" setzt jene Kritik der Wirklichkeit und des sozialen Widersinns ein, die Herder nach dem Sinne der Geschichte forschen. die Lessing und den Sturm und Drang gegen allerlei gottgesetzte Ordnungen rebellieren hieß. Der heldenhafte Tatwille dieser Alfred Kleinberg. Dee Ast, auf dem sie sitzen Männer und Strömungen leuchtet hell durch| Leid und aller Unrast Schuld trage und aus- Iker wie Nietzsche, auf Dichter wie Conrad| stempelter Hundertmarkscheine, den Sparern, die Zeiten, aber mit der Kraft der Fäuste, mit geschaltet werden müsse, wenn der Mensch Ferdinand Meyer, Wildenbruch, Liliencron und deren ganze Habe sich durch die Inflation ver ihnen wurde in jeder Nazi dem Evangelium der blutigen Gewalt, das nur eine kurze Atempause des Ausspannens, Stefan George und auf das große Gefolge die- flüchtigt hatte heute den Kindern des Dritten Reiches von der Zufriedenheit erleben solle; kamen das be- ser Männer berufen können, so lag das weni- versammlung eingetrichtert, daß die„ Judenausgewuchert, ausgeplündert, kleinauf eingehämmert wird, hat er nichts ge- tont zivilistische Biedermeier und Heines ger an einem Wesenswandel der deutschen republik" sie mein, und auch das Ziel seiner Bestrebungen leidiger Brauch, den Helden und Vorposten- Seele als an der durch Marx landläufig gewor- ausgeraubt habe, und daß der an ihnen bewar dem unserer Hakenkreuzdeutschen schnur- stehern der Geschichte das schimmernde Flit- denen Tatsache, daß die veränderte Struktur gangene Betrug wieder gut gemacht werden ein nichtswürdi- großer sozialer Kollektiva auch neue Ideolo- müsse. Niemals leuchteten die Augen der Zu-, stracks entgegengesetzt: ging es doch auf den terkleid herunterzureißen Abbau äußeren Zwanges, auch des staatlichen, ger Brauch zweifellos, der angesichts des gien, neue Formen des Fühlens, Denkens und hörer gläubiger, niemals klatschten die Hände auf die eigengesetzliche Freiheit der Persön- Judentums Heines heute keinerlei Gewicht be- Wollens hervorbringt. Das in die Bahnen des dröhnender, als wenn von der Rednertribüne lichkeit und auf vorurteilslose weltbürgerliche sitzt, der aber gleich Hegels und Schopen- Imperialismus einschwenkende deutsche Reich die Schlagworte erklangen: Hundertprozentigo Gesinnung, die in allem, was Menschenantlitz hauers Ansichten vom Beifall fast aller Deut- und Volk erschloß sich in weiten, besonders in Aufwertung der Kriegsanleihen! Vollständige trägt, den gleichberechtigten Bruder ehrt. Die schen des Vormärz getragen war. Reihen wir den führenden Kreisen einer imperialistischen Entschädigung der Inflationsopfer! Wer nur Gültigkeit dieser Ideale ging so weit, daß sich noch Hebbels wichtigste Gestalten, seine Seelenhaltung, und wenn es heute einen Ge- eine Tante hatte, deren Freundin jemanden ihnen sogar jene willig beugten, die das Kraftmeierkarikatur Holofernes, seinen Kan- waltkurs der Heroik durchmacht, so besagt kannte, der einmal einen rotgestempelten hatte, schwor Schwert sehr wohl zu führen wußten: so daules, seine Marianne, seine Nibelungen an, das bloß, daß seine Machthaber es zu sehr, Hundertmarkschein besessen suchte der„, edle Ritter" Prinz Eugenius sei- die alle in dichterischen Gesichten veranschau- sehr realen Zwecken heroisch brauchen. auf Adolfen. Der wird's machen! Wenn der nen besten Ruhm in der Förderung von Künstlichen, was Hegel grundsätzlich gelehrt hatte, Würden Hitler, Göring und Göbbels Mann ans Ruder gelangt, sag' ich Ihnen, nimmt lern und Gelehrten, Fridericus Rex sah und erinnern wir uns endlich an Wagners und die von ihnen beauftragten Professoren er den Bankjuden die ergaunerten Milliarden sich am liebsten als dichterischer und philoso- repräsentativsten Helden Parzival, so schließt und Dichter das schlicht aussprechen, so wäre und verteilt sie an die ruinierten Kriegsanleihephischer Genosse Voltaires gefeiert, und sich der Ring zur vollen Beweiskraft, daß die vom Standort der Wahrheit aus alles in schön- Zeichner und Sparer. Heil Hitler! Sie waren der Stürmer und Dränger Maximilian Klin- Deutschen bis zur Gründung des Bismarck- ster Ordnung. Die den Zweck der Uebung ver- geradezu die Triarier des Hakenkreuzes, die ger hörte auch als russischer General und schen Reiches der Aktivität abhold, daß heroi- dunkelnde Behauptung aber, daß die Deut- Inflationsgeschädigten, Hitlers Alte Garde, Weltmann nicht auf, Dichter und Menschheits- sches Wollen, Kampf nur dem Kampf zuliebe schen allerorts und jederzeit kriegerisch gefühlt hier und nirgendwo sonst lagen die starken erzieher zu sein. ihnen zutiefst wesensfremd war. und gedacht hätten, zerschellt an den ge- Wurzeln seiner Kraft, und nun: Schluß, Maulsie ist eine grobe, korb, Verbot ihrer Organisationen und BeWenn darin nach 1870 ein gewisser un- schichtlichen Tatsachen, Wie unheldisch, ja antiheroisch und antiwenn die gleicherweise von Ignoranz wie von Verlogen- schlagnahme des Vereinsvermögens, das wahrkriegerisch die Deutschen zur Zeit ihrer herr- bezweifelter Umschwung eintrat, scheinlich aus rotgestempelten Hunderten belichsten Geistesblüte fühlten, wird, außer durch Verfechter des heldischen Prinzips sich mit heit zeugende Geschichtsverfälschung. steht. Wer schüttelt da nicht verständnislos den Unwillen gerade der Besten über die große mehr oder minder gutem Grund auf einen Denden Kopf? Kaserne Preußen, durch die Dichtung jener Wie aber verwundert sich der Fachmann, Tage veranschaulicht: hier geistern die hellen das Staunen des Laien gar nicht erst zu erHelden, etwa Schillers Max Piccolomini und wähnen, über die Verordnung des Nazi- PolizeiJeane d'Arc oder Kleists Hermann, Achilles präsidenten von Berlin, die, am 1. Mai in Kraft und Wetter vom Strahl, nur ganz selten über tretend, ,, Wahrsage- Unwesen" die Szene, fast ebenso häufig werden die untersagt; verboten sind künftig Sterndeuten, waffenklirrenden, von Abenteuer zu Abenteuer Kartenlegen, Zeichen- und Traumdeuten usw. stürmenden Recken gutmütig verulkt, wofür Was ist nur in den ollen ehrlichen Seemann zahlreiche Figuren Wielands und der unfreiam Alexanderplatz gefahren, daß auch er, auch willige Humor der Gleimschen Grenadierlieder Das Dritte Reich ist fürwahr das Land der lcsigkeit nicht überbieten läßt. Die„ Schlaraf- er die treuesten, die zuverlässigsten Anhänger zum Beweise dienen können. Die eigentliche den Bauch Liebe der Dichter und ihres Publikums gehörte unbegrenzten Möglichkeiten. Daß die Haken- fia" für irgend eine Ordnung staatsgefährlich des Hakenkreuzes schroff vor cben den passiven und gebrochenen kreuzler, durch List und Gewalt zur HerrHelden, also jenen, die ihre wahre Größe schaft gelangt, der Menschlichkeit den Laufim Leiden finden oder hinter deren imponie- paß gaben, Recht und Gesetz zerstampften, render Geste ein von Zweifeln zerrissener, Kultur und Wissenschaft niedertrampelten und unseliger Mensch steht: man denke da noch nicht allein ,, Marxisten" und Katholiken an die mals an Schillers Jeane d'Arc, an Wallenstein, Kehle fuhren, sondern auch die Parteien überMaria Stuart und Demetrius; denke an den haupt mit Einschluß der Deutschnationalen totDulder über allen Duldern, Klopstocks schlugen, darin steckt eine Logik, eine brutale, Messias, an Goethes Egmont und Wer barbarische, bluttriefende, aber eine Logik; ther, der einer ganzen tränenseligen Epoche die Nazis folgten dabei nur dem Gesetz, nach den Namen gegeben hat, an Kleists Penthe- dem sie angetreten. Doch welche Zeichen und Aber es kommt noch happiger und hane- die Juden an allem Elend schuld seien, und silea und seinen erschütternd menschlichen Wunder begeben sich seitdem? Unlängst bebüchener. Nämlich so:„ Das sächsiche Mini- daß das Dritte Reich das Paradies auf Erden Prinzen von Homburg. Just dieser verdient be- gann es mit einer Verfügung, die die Mitglieder sterium des Innern hat folgende Organisationen sein werde. Und stimmte inbrünstig für Hitsonderes Interesse, weil er der Vorbereitungs- der Schlaraffia" in den großen Bann mit sofortiger Wirkung aufgelöst und ver- ler. Wie alle astrologischen Käsblätter Wegzeit der Befreiungskriege entstammt tat: kein Schlaraffe könne, so wurde schwarz boten: Reichsverband der Reichsbankgläubi- bereiter der Nazi- Diktatur waren, so lag die und deren wahres Wesen enthüllt: daß sie der auf weiß in ganz Deutschland bekannt gemacht, der Inflations- Wechselwirkung zwischen gewöhnlichem und aller Augen Verzweiflung entpreẞt und nicht dem frisch- der NSDAP angehören. Aber was denn? Was opfer e. V., Aufwertungs- und Aufbaupartei, politischem Aberglauben vor fröhlichen Heldenwillen entsprungen waren, denn? Die ,, Schlaraffia" ist eine alte und weitFreier Bund für Volkes Recht und Aufwertung, offen bei dem Hellseher Hanussen, dem daß hinter ihnen die Sehnsucht nach der verbreitete Vergnügungsgesellschaft karneva- Bund bayrischer inflationsgeschädigter Staats- vertrauten Freunde des Pg. Grafen Hellder bürger. Schutzverband romantisch verklärten Ruhe des Einst, nicht listischen Charakters. Will der Spießbürger Hypotheken-, dorf, Polizeipräsidenten von Potsdam. Der der Drang nach Bewegung und Aktivität als etwas Bier- und Butzenscheibenromantik in Pfandbrief- und Obligationsgläubiger in Bay- Nichtarier Hanussen prophezeite das Dritte ern." Da sagt der Berliner: ,, Daß du die Neese Reich so lange herbei, bis es da war, aber da ins Jesicht behälst!" Denn weil die Propaganda er hinter die Kulissen geguckt hatte und zuviel der Hakenkreuzler ein einziger Bauernfang mit wußte, mußte er leider umgelegt werden. Und Bauernfängermethoden war, um die Dummen jetzt widerfährt Saures allen kleinen HanusSchwingt Ihr den Becher noch wie sunst? noch dümmer zu machen, wandte sie sich mit sens, allen Aber- und Wundergläubigen, allen Wie sunst! Schwingt Ihr den Becher, Herr, noch immer? Vorliebe an die kleinen Leute, die durch Krieg Besuchern von Kartenlegerinnen, Handleserinund Kriegsfolgen materiell schwer geschädigt nen, Traumdeutern und Horoskopstellern Noch schlimmer! Das etwa ist der Inbegriff der„ Schlaraffia", waren und nicht begriffen, wieso. Den Zeich- wer kennt sich da noch aus? die, säuglingshaft unpolitisch, sich an Harm- nern von Kriegsanleihe, den Besitzern rotgeletzte Triebkraft stand. Jedenfalls aber blieben sie heroisches Zwischenspiel. Denn nach ihnen kam die dialektische Geschichtslehre Hegels, die die Helden immer wieder zugrunde gehen läßt, damit der Entwicklungsprozeß über ihre Leichen fort eine neue Stufe der ewigen Treppe erklimme; kam Schopenhauers furchtbare Anklage gegen den aktiven Willen, daß er an allem Miesmacher Herr Göbbeles schlägt eine neue Schlacht, er hat sich eisern entschlossen: hinfort wird im Reich nicht mehr miesgemacht, es wird gelacht, gelacht, gelacht, die Miesmacher werden erschossen. Den Miesmachern graust's vor der Neuerung, das ganze trübe Gelichter: der Terror, die hohe Besteuerung, der Lohnraub und die Teuerung, sie stellen sich reuig dem Richter. Da wird es dem Richter im Magen flau vor so viel häßlichen Tröpfen, doch malen gleich Hunger und Lohnabbau dem Volk das Leben grau in grau, er kann sie doch nicht köpfen. Und ob auch Herr Göbbeles weiter ficht, er weiß schon: die Schlacht ist verloren, er glaubt seinen eigenen Worten nicht, er lügt, bis seine Stimme bricht, und predigt verschlossenen Ohren. Es wird nicht gelacht, es wird mies gemacht, denn Pleite, Hunger und Not schreit selbst ein Göbbels nicht tot. Hugin. er Von Karl Max. seinen Alltag tragen, tritt flugs der ,, Schlaraffia" bei, die mit mittelalterlichem Mummenschanz seine Nerven angenehm kitzelt: dieser Witz wäre überall preisgekrönt wor- stößt? Denn Wahrsagerei, Weißenberg und den. Aber mehr! Kannte die Schlaraffia" auch Wunderglaube an Hitler- ,, dreieinig sind sie, keinen Arierparagraph, so ist doch zehn gegen nicht zu trennen", Hysterie- Symptome alles eins zu wetten, daß ihre Mitglieder als roman- drei einer lange Jahre intellektuell und moratikhungrige Spießbürger in Scharen den Lock- lisch unterernährten Menschheit. Wer sich von tönen des Rattenfängers von Braunau folgten. der Wahrsagerin, Hinterhof, drei Treppen Und jetzt die Schlaraffen wie Marxisten be- links, einreden ließ, daß ihm„ Geld ins Haus handelt, pestverdächtig, zu den Weihen des stehe", well er von einem Schornsteinfeger gewas geht da träumt habe, der hatte auch die„ geistige Nazitums nicht zugelassen Reife", den Nazi- Schwätzern zu glauben, daß vor? ger, Reichsbund Ja, wo liegt die tiefere Ursache für diese redeten, daß diese Zeitung doch auch gegen ken. So flatterte allmonatlich einige Tage lang angst verächtlich belächelten, schillerte die die Großen" schreibe, oder daß die Frau ge- das soziale Mäntelchen um die feisten Schul- Zeitung weiter, je nach dem Wechsel der Fronrade noch den laufenden Roman zu Ende lesen tern ihres Chefs, um dann bald und ebenso ten, immer aber mit einem mehr oder minder wolle, oder daß man einen gebrauchten Kin- regelmäßig wieder in bürgerlich- würdige Fal- deutlichen Vorbehalt gegen alles, was sozialistisch war. derwagen kaufen wolle und deshalb die In- ten zurückzufallen. serate nachsehen müsse, oder auch einfach nur, daß man bei dieser Zeitung so viel Papier bekomme. So schwankte sie charakterschwach und Es ist nicht feststellbar, wie diese Zeitung in den Ruf gekommen ist, ein demokratisches ohne Mut zwischen den Fronten, bis eines Organ zu sein; es lag wohl einzig daran, daß Tages das Gerücht auftauchte und trotz allen In den vielseitigen Inseratenplantagen wuchs es in jener Stadt nie, weder vor noch nach zweideutigen Ableugnungen sich hartnäckig für den Besitzer des Unternehmens, der Ver- dem Kriege eine wahrhaft bürgerlich- demokra- erhielt und sicher auch begründet war, daß leger und Chefredakteur in einer Person war, tische Zeitung gegeben hat, so daß den lokalen dieses Blatt sich in sorgsam verdeckten Abder Profit wie Spargel. Dieser Ernte wegen Parteikörperschaften der Freisinnigen vor und machungen einem politisch einflußreichen Zeiwaren die Plantagen angelegt, aber wenn sie der Demokraten nach dem Weltkriege kein tungskonzern verkauft habe, wobei der Chef den erwünschten Gewinn bringen sollten, muß- anderes Publikationsorgan zur Verfügung stand. nach außen auch weiterhin als Verleger figuten hunderttausendköpfige Abonnentenkolon- Der Chef aber ließ diese Geltung auch dann riere. Als dann die Deutsche Demokratische nen die Inserenten locken, und um diese Leser- noch gern ihre ersprießliche Wirkung tun, als Partei jene unmögliche Ehe mit dem Jungdeutkolonnen zu halten, handelte das Blatt nach der die überzeugungstreuen Anhänger der Demo- schen Orden Mahrauns einging und dieses unDevise:„ Wer vieles bringt, wird vielen etwas kratischen Partei längst sich entschieden da- gleiche Paar sich„ Deutsche Staatspartei" bringen." So schillerte denn die Zeitung in gegen verwahrten, daß diese Zeitung Organ nannte, zählte der Chef dieser Zeitung zu den mancherlei Farben, und wem in der Vorkriegs- ihrer Meinungen sei. Das war in den letzten begeistertsten Brautführern; es war das erste zeit die liberale Tonart des politischen Teils, Jahren, als der Chef schon erwittert hatte, daß Mal, daß ihn die sichere Witterung verließ. Diesmal noch hatte das für ihn weiter keine sofern er ihn überhaupt las, trotz aller Mäßi- der deutsche Wind sich drehe, Denn gute Witgung ihrer Meinungsäußerungen nicht in jedem terung für politische Luftströmungen hatte er Folgen. Als es aber nun dem deutschen Volke Falle behagte, der fand in den Vereins-, Hof- gewiß. Und da war er denn in kritischen Stun- immer brauner vor den Augen wurde, hielt es und Kirchennachrichten des lokalen Teils, in den auch zu allem bereit. So erschien er, als auch diese Zeitung für geraten, dem Nationalden Wochenplaudereien und Gerichtsberichten im November 1918 der Umsturz über Nacht sozialismus schöne Augen zu machen. Die Beden Quark breitgetreten, der ihm zusagte, Und hereingebrochen war, gleich in den ersten Ta- richte des Blattes über nationalsozialistische in den Romanen aus den literaturfernsten bel- gen im sozialdemokratischen Lager und bot, Veranstaltungen wurden immer ausführlicher, letristischen Manufakturen küßte Theo von mit breiten Füßen auf dem Boden der neuen immer freundlicher gesinnt; man war in allen Sturmfeld die hold erschauernde Elfriede von Tatsachen stehend, seine Zeitung dem neuen Spalten bemüht, rechtzeitig den Anschluß zu Eine deutsche Zeitung Berrenkamp, daß es beim Kaffee zu lesen für Regime zu Diensten an. Er tat damit nicht ein- finden, welchem Bemühen ja um diese Zeit die Frauen der Milchhändler, Steueramtssekre- fach, wozu es ihn angeblich drängte, sondern hunderte von deutschen Zeitungen mit gleiEin Charakterbild für hundert ähnliche. täre, Fabrikbuchhalter und aller Indifferenten spekulierte dabei auf erwartete Gegenleistun- chem Eifer hingegeben waren; das Besondere war. gen; man hörte die in seinen Taschen verbor- in diesem Falle war nur, daß der Chef dieser Es ist eine von vielen. Sie erscheint in eine teilnahmsvoll geschlürfte Wonne einer deutschen Großstadt. Kleinbürger waren Aber nie versäumte diese Zeitung, gegen das gene Rechnung knistern. Da die angesproche- Zeitung, von der hier die Rede ist, ein Jude keine Neigung für ein solches war, der seine semitische Abstammung ver von jeher ihre Leser. Auch kleinbürgerlich Monatsende den Abonnenten zuliebe das Re- nen Partner empfindende Arbeiter, die sich den Werbern daktionssteuer ein wenig nach links zu drehen; Bündnis hatten, sondern das Angebot nur als geblich zu leugnen versucht haben würde. Die der Arbeiterpresse gegenüber damit heraus- vorsichtig natürlich, um niemand zu erschrek- Ausdruck plötzlich ausgebrochener Bürger- sozialdemokratische Zeitung schrieb ihm da deut4 Verfehmungen und Verbote? Vielleicht er- leicht die schleichende Unzufriedenheit bereits| Jahr noch 113 deutsche Filme, in der Tschecho- Die Lehre vom Massenmord scheinen die Schlaraffen mit ihrem mittelalter- so allgemein, daß sie auch aus dem orphischen slowakei 80, in Italien, 53, in Amerika 54 einals Pflichtfach lichem Klimbim als Konkurrenz der NSDAP. Gerede der Wahrsagerinnen herausleuchtet? geführt wurden. England steht mit 14 deser Der Kultusminister Rust hat alle Universidie allein das Monopol für Mittelalter haben Oder spielt auch hier Angst vor der Konkur- schen Filmen an letzter Stelle. Aber dieser will und einen allerdings blutigen Karneval in renz mit, da das, was Mutter Kulicke aus dem Export ist zum allergrößten Teil noch aus täten angewiesen, daß jeder Student neben Deutschland entfesselt hat; der Spießbürger Kaffeesatz herausliest, immer noch als reine Verträgen von 1932 zustande gekommen und seinem speziellen Fachstudium nun auch regelsoll seinen Bedarf an Romantik bei der SA Wissenschaft wirkt neben dem Geblödel, das besitzt schon in der Außenhandelsziffer von mäßig die kriegswissenschaftlichen Vorlesun decken! Und die Inflationsopfer haben viel- der kleine Göbbels von Propaganda wegen 1933 keinen Ausdruck mehr. Der Ausfuhrüber- gen zu besuchen hat. Gleichgültig, ob der Bom Philologie oder leicht leise zu murren begonnen, weil noch in die Welt sendet? schuß von 28 Millionen hat sich bereits in treffende Medizin oder Jus, nach fünfzehn Monaten Naziherrschaft von Wie dem auch sei, durch die Maßregeln einen Einfuhrüberschuß von beinahe 6 Millio- Theologie studiert, die Kriegswissenschaft ist einer Aufwertung niemand nichts weiß; weh gegen ihre Getreuesten sägen die„ Erneuerer nen Mark verwandelt. Und dabei leidet obligatorisches Lehrfach an allen deutschen dem, der die Herren Deutschlands an alte Ver- Deutschlands" mit fast jüdischer Hast" den Deutschland trozdem noch an katastrophalem Hochschulen geworden. Die Vorlesungsthemen sprechungen zu erinnern wagt! Und ist viel- Ast ab, auf dem sie sitzen. Er knackt schon. Neudeutscher Kültücexport Es gab einmal eine Zeit, in der der deutsche Kulturexport eine ganz bedeutende Rolle spielte. Vielleicht nicht so sehr wegen seines Einflusses auf die Außenhandelsbilanz als durch seine geistige Beeinflussung des Auslands. Man hatte in der ganzen Welt nicht nur Respekt vor der deutschen Kultur, man Filmmangel. Es verfügte in der vergangenen lauten z. B. an der Universität Halle:„ Krieg Saison nur über 196 Filme( 121 deutsche, 65 und christliche Ethik",„ Krieg und Weltwirtamerikanische, 10 französische), während z. B. schaft"," Krieg bei den Germanen",„, Krieg ein so kleines Land wie Spanien 410 Filme, und Ernährungsproblem", Militärphysik", Italien 299( 53 deutsche, 163 amerikanische ,,, Chemie im Weltkrieg",„ Die Bekämpfung der 31 italienische, 11 englische, 41 französische) Epidemien während des Krieges" ,,, Versorgung oder gar England 676( 14 deutsche, 456 ameri- der Bevölkerung mit Agrarprodukten und kanische, 196 englische, 8 französische) zur Fleisch während des Krieges",„ Militärgeolotrotz kulantester Bedingungen, trotz Drauf- Verfügung hatten. Im kommenden Jahr wird gische Studien an der Westfront" ,,, Ziele und zahlens, konnte dem deutschen Buch die der deutsche Filmexport noch weiter dahin- Methoden der Militärgeologie". Ausland macht größere Verbreitung im Ausland nicht ge- schwinden, denn überall im Herr Rust weiß ganz genau, was die deutsichert werden. Der frühere Exportüber- sich eine starke Abkehr von den neudeutschen schen Studenten notwendiger und eher gebrauchen als medizinische und Juridische schuß wurde zu einem Importüber-| Filmwerken bemerkbar. schuß von 600000 Mark. Kenntnisse. Die Lehre vom Massenmord ist für Für die gewaltige Differenz hat das Aus- Ebenso wie dem deutschen heimischen Film im nationalsozialistischen Deutschland folgte auf vielen Gebieten deutschem Denken, land sich Ersatz geschaffen durch Erhöhung eine starke Konkurrenz dadurch entsteht, daß jeden, besonders aber für die„ Offiziere des deutschem Gefühl, deutschem Geist. So ist es der eigenen Buchproduktion. Die deutschen emigrierte Künstler ihre deutsche Kunst im Dritten Reiches", wie Rust seine Studenten begreiflich, daß die Welt, die glaubte, die Emigranten führen in der Fremde die alte Ausland demonstrieren, hat der deutsche Kul- nennt, unentbehrlich. deutsche Kultur zu kennen, seit einem Jahr deutsche Kultur fort. Sie schaffen ihre Werke turexport in ideeller Hinsicht eine Niederlage den deutschen Geist nicht mehr zu erkennen heute außerhalb des Reiches, und überall gibt dadurch erlitten, daß Gastspiele oder Tourneen Deutsche Nächstenliebe vermag. Von der ,, neuen deutschen Kultur" will niemand im Ausland etwas wissen, der Kulturexport wurde im Dritten Reich eingestellt. Das Buch. Das Theater. des Die Stadt Berlin hat die städtische es schon deutsche Verlage, die die alte Tradi- aus Deutschland keinerlei Zugkraft mehr im tion des guten deutschen Buches weiterleben Ausland ausüben. Das einzige Aktivum lassen. In Holland, in der Schweiz, in der neudeutschen Kulturexports auf dem Gebiet Vormundschaft für nichtarische Tschechoslowakei, in Frankreich, England und des Theaters ist noch Werner Kraus. Alles Kinder niedergelegt und die ZuAmerika haben sich deutsche Verleger gefun- andere wurde von jenen Künstlern absorbiert, schüsse für die Erziehung jüdischer Kinder, die ,, Das Volk der Dichter und Denker" hat den. Deutsche, einst im Ausland weitver- die Deutschland zu wenig deutsch waren. Sie unehelich geboren sind, eingestellt. Die Stadt man einst die Deutschen genannt. Deutsche breitete Zeitschriften, erscheinen heute selbst feiern ihre Triumphe auf den Bühnen des Aus- forderte die jüdische Gemeinde auf, die VorBücher, deutsche technische und wissenschaft- im Ausland, die Werke der im Reich verfehm- landes und vermitteln jene deutsche Kultur, mundschaften zu übernehmen, andernfalls man liche Zeitschriften eroberten die Welt. Sie ten Dichter nehmen heute vom Ausland aus die heute aus Deutschland nicht mehr bezogen die Kinder einfach ihrem ferneren Schicksal nahmen den ersten Rang in allen Bibliotheken ihren Weg in die Welt. Das Ausland kennt werden kann. Ein Max Reinhardt, eine Elisa- überlassen würde. Dieses Beispiel der Stadt des Auslands ein. sie gingen zu Millionen schon den Trennungsstrich zwischen ,, deut- beth Bergner, ein Richard Tauber, ein Pal- Berlin wird zweifellos baldigst von allen andeExemplaren hinaus in alle Erdteile. Die scher Kultur" und„ neudeutscher Kultur". lenberg, Moissi und wie sie alle heißen, sie ren deutschen Gemeinden nachgeahmt werden. deutsche Buchproduktion stand mit Nach den Berechnungen einer Pariser Stelle verbreiten heute deutsche Theaterkunst, die im Der Kampf gegen wehrlose kleine Kinder an erster Stelle, die Leipziger Verlage expor- betrug der Umsatz der neugegründeten deut- Heimatland den Boden verloren hat. Ihre paßt ganz zu dem Wesen des Nationalsozialistierten ihre Werke bis ins tiefste Afrika. Noch schen Verlage in der Emigration und der heute Tourneen, ihre Gastspiele begeistern das Aus- mus und zu dem Schlagwort ,, Weg mit der 1932, noch ein Jahr vor„ Ausbruch der deut- im Ausland erscheinenden deutschen Zeit- land und machen einen künstlerischen Export Humanitätsduselei"! Das schen Gesundung", betrug der Exportwert schriften im ersten Jahr ihres Bestehens be- aus dem Dritten Reich leicht entbehrlich. Von der Bücher aus Deutschland 39 312 000 Mark, reits 70 Millionen Franken oder 8 Millionen der neudeutschen Theaterkunst will das Ausder Ausfuhr überschuß 28 142 000 Mark. Mark. Dabei sind jene deutschen Werke nicht land nichts wissen. Es hält sich an jene, die 23 Millionen Bücher fanden von Deutschland eingerechnet, die von bereits bestehenden aus- ihm das bringt, was es seit Jahrzehnten als aus den Weg in die weite Welt, und in jedem ländischen Verlagen übernommen und heraus- deutsche Kultur bewundert hat. dieser 23 Millionen Bücher steckte deutsches gebracht wurden. Wie man sieht, verzichtet Die Wissenschaft. ,, Es ist Religionsstunde. Die Lehrerin beWissen, deutscher Geist, deutsche Kunst und das Ausland nicht auf die deutsche Kultur. Es Auch die deutsche Wissenschaft ist für das richtet von der Erschaffung der Welt. Sie warb für Deutschland und seine Kultur. Und bezieht sie jetzt nur nicht mehr aus dem deut- Dritte Reich kein Exportartikel mehr. Wie schildert anschaulich, wie Gott das Licht von heute? Ja, auch das Dritte Reich exportiert schen Mutterland, wo man ihr das Heimatrecht könnte es sie auch noch sein, da Deutschland der Finsternis schied, das Himmelszelt errichnoch Bücher. Auch heute noch setzt Deutsch- genommen hat! land etliche Millionen Exemplare von Büchern und Zeitschriften im Ausland ab. Allerdings zum größten Teil Werke vergangener Jahre, Neuauflagen älterer Produktion. Von den Geistesprodukten des neuen Deutschland nimmt nur noch ein geringer Tell den Weg ins Ausland. Christentum der deutschen Christen" kennt keine menschlichen Gefühle, kein Mitleid, kein Erbarmen. Achtung! Nicht brechen! tete, Festland und Meere trennte, Blumen und seine hervorragendsten Wissenschaftler aus Der Film. ihrer Arbeit gerissen und vertrieben hat! Die Bäume hervorgehen ließ, Sonne, Mond und Nicht ganz so rasch vollzieht sich die deutsche Wissenschaft hat ihre Heimat heute Sterne an das Firmament hing und den ErdWandlung beim deutschen Film. Zwar begeg- nicht mehr in Deutschland. Sie ist ausgewan- ball mit allerhand Getier bevölkerte. ,, Und da nen die neudeutschen Filme im Ausland einem dert, und ihre berufensten Vertreter sind keine ward aus Abend und Morgen der Tag", so erimmer stärker werdenden Widerspruch, aber Sendboten des heutigen Deutschland. Die Be- zählte sie weiter.„ Am 6. Tage, da schuf Gott die Auswirkungen sind nicht so schnell zu rufung von Professoren aus dem Dritten Reich etwas ganz besonderes, das Wunderbarste, Klügste und Stärkste, spüren wie bei der Literatur. Noch laufen alte hat aufgehört, die deutsche Forschung ist ge7 Millionen Mark machte Im Jahre 1933 Verträge, die erfüllt werden müssen, noch storben, von deutschen Expeditionen ist keine was es auf Erden gibt--" Lottes Finger fährt in die Höhe. ,, Ich weiß nur noch der Exportwert in Büchern aus! Welt kommen aus Deutschland Bilderstreifen, die Rede mehr. Der Anteil der einheimischen höher ist die Summe, die das Propaganda- aus der vergangenen Epoche des zweiten deutschen Wissenschaft an den internationalen es, ich weiß es!„ Nun", sagt, die Lehrerin ministerium im Ausland anlegte, um damit Reichs stammen. So erscheinen die Filmzahlen kulturellen Arbeiten ist gleich null geworden. freundlich ,,, so sag es mir!" ,, Unsern Herrn den deutschen Druckschriften einen Weg zu des Jahres 1933 noch ziemlich hoch. Man Deutschlands Kulturexport weist heute schon Reichskanzler", ruft das Kind strahlend." ( Aus der Jugend".) den auswärtigen Lesern zu bahnen. Und wundert sich, daß in Frankreich im letzten ein großes Passivsaldo auf! lineH Curt Haas. Manfred. sen, weil kein brauchbarer Nachwuchs mehr vorhanden ist. Die Anzeichen dieser Gefahr spüren ernsthafte Chorleiter schon jetzt. Volk zurück. an den Führer mals bei einer Gelegenheit den Satz ins Stamm-| näherung an Hitler nach Kräften mitgesteuert| res. Die Abonnentensäulen sinken zusammen. buch: ,, Wenn jemals die Demokratie ihren haß- hatte, hielt sich auf seinem Posten. Er gab nur Die Inseratenseiten laufen ein wie Wolle in erfüllten Feinden zur Beute fallen sollte, dann seine Frau preis, die er kaum zwei Jahre zu- der Wäsche. Jahrhundertalte Zeitungen, mit wird auch diese Zeitung ihren Tell Schuld vor geheiratet hatte; er ließ sich von ihr ihrem Namen Repräsentanten der deutschen Das also ist des Wunders Kern: das deutsche daran haben und dann wird auch sie die Frei- schleunigst scheiden sie war Jüdin. Ihr Zeitungsgeschichte, sterben lautlos dahin. Und Volk singt wieder, und wenn es so weiter singt, heit verlieren, für die sie nicht gekämpft hat." überließ er die Tapferkeit; er zog den bezahl- vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem wird es demnächst überhaupt nicht mehr sinDamals mag man wohl im Chefzimmer über ten Dienst am Dritten Reiche vor. Ein zweiter auch dieses Blatt welk zu Boden sinken wird. gen, höchstens bellen können. Der Fall ist eine solche Prophezeiung erhaben gelächelt Redakteur, Jude wie sein Chef, wurde in sei- Dann wird unter dieses hier skizzierte Por- symbolisch. Die vielen Wunder, die wir im haben. Aber sie wurde rasch und gründlich er- ner Wohnung außerhalb der Stadt von den trät, das ja nicht erdacht, sondern getreu nach vergangenen Jahr erlebt haben" nehmen fast füllt. Das Blatt hat nicht nur wie sämtliche braunen Soldknechten heimgesucht; er floh ins der Wirklichkeit gezeichnet ist, nur noch ein alle das gleiche Ende: sie fressen sich selber deutsche Zeitungen seine Freiheit verloren, Exil. Ein dritter Redakteur des Blattes, trotz Satz zu schreiben sein: Sie starb an chroni- auf und lassen ein krankes, armes, freudloses sondern der Chef hat seine Zeitung verloren. mancher Hemmungen als ehemaliger Reserve- scher Charakterschwäche eine deutsche ZeiEr war der erste, der von den Eroberern hin- offizier fast noch der einzige Demokrat im tung, eine unter vielen in Deutschland und ausgetan wurde. Wie und auf welche Weise Redaktionsstabe und ein lauterer, anständiger eine von jenen, die es erst im Sterben be- Joithes Gesang ihn die Diktatoren der„, erwachten Nation" aus Charakter, fügte sich erbittert in den Zwang, greifen, daß es ihr eigenes Grab war, an dem seinem Bereich verjagt haben, entzieht sich den die Sorge um eine siebenköpfige, über sie so eifrig mitgeschaufelt haben. unserem Wissen; wahrscheinlich hatte er sein jahrelange schwere Privatnöte gerade glückZeitungsunternehmen, in der Meinung, sich zu lich hinweggebrachte Familie ihm auferlegte. sichern, seinerzeit doch an eine Macht ausge- Er brauchte sich nicht lange zu fügen. Das liefert, die jetzt zu den Nutznießern der Situa- entwürdigende Tun in der Zwangsjacke einer tion gehörte. Kurz und gut: der Jude flog. gleichgeschalteten Redaktion und neue famiEiner von jenen jüdischen Unternehmern, die liäre Anfechtungen- die älteste Tochter war| es auch gegeben hat: die bereit gewesen mit einem jüdischen Studenten verlobt, der wären, mit dem braunen Regime zu paktieren, noch dazu Sozialist und Pazifist warwenn es sich mit der Ausrottung der Marxisten sein schon seit langem kränkelndes Herz rasch hätte genügen, wohlgesinnten und zu restloser müde; er starb noch vor Jahresfrist an einem Gleichschaltung" bereiten Juden aber in Ruhe Herzschlag, auch er ein Opfer der braunen weiter, so liest man folgende Feststellung des immer täglich neu löst. Und mit ihr haben wir ihren Profit auch weiterhin hätte machen las- Diktatur, die sich von Menschenopfern nährt. Komponisten und Chormeisters Hans Heinsen. Wo und wie dieser davongejagte Steig- In die Lücken traten willige Kreaturen. So rich- Hannover: bügelhalter heute lebt, wissen wir nicht. Viel- existiert diese Zeitung weiter. Vorläufig noch. Teicht sitzt er irgendwo geduckt in Deutsch- Eine unter vielen. Gleichgeschaltet bis in die land, vielleicht zählt er sein gerettetes Geld in letzte Zeile und selbst von denen gelangweilt der Fremde, vielleicht schreibt ihm nächstens beiseite gelegt, deren Leib- und Magenblatt eine Geisterhand den Satz an die Traumwand: sie einmal war. Es ist in Deutschland heute| Dann wird auch diese Zeitung die Freiheit gleichgültig, welche Zeitung man liest oder verlieren, für die sie nicht gekämpft hat." machte nicht liest sie sind alle gleich dumm. Und Die Zeitung wurde gleichgeschaltet. Der so fallen die Blätter; es ist Herbst im deutleitende politische Redakteur, der bei der An- schen Blätterwald während des ganzen Jah-| Das Wunder Die„ Stimme", eine in Berlin erscheinende ihrer AprilMusikzeitschrift, schreibt in nummer: Das Das deutsche Volk singt wieder! ist eins von den vielen Wundern, die wir im vergangenen Jahre erlebt haben. Blättert man in dem gleichen Heft 13 Seiten ,, Mit Hermes Schnelle brausen um die Wette die Stürme der Leidenschaften durch die Herzen einer Nation, um an diesem Tage des Führers zu denken, ihm zu danken, daß er, der edle Vielseitige, auch der Filmkunst das reine Licht wiedergegeben hat, nach dem wir uns sehnten... Mögen die Sterne schwinden, mögen Wolken kommen, wir wissen, daß hinter diesen Wolken die alte Sonne Homers kreist und lächelt, dieselbe Sonne, die schon seit Jahrtausenden die ungeheuren Rätsel des Seins durch unsere Revolution wahre Sinnigkeit, tiefes Gemüt, Freude an der Natur und an dem Ich erblicke in dem„ zackigen" Singen Naturbegreifen genug, um den alten Plunder eine starke Schädigung der Organe, die beim zu entbehren und ihn gelegentlich zu JahrSingen tätig sind. Ich denke dabei an das marktsfesten zu versteigern. Das unendliche überlaute, schreiige, vielfach rohe Singen, Land der Kunst ist jetzt Händen und ernsten das Forcieren und das knallige Ansetzen der Töne und insbesondere an das ganz und gar Gralshütten anvertraut."( Ein Hitler- Artikel im unverständliche, abgerissene Singen, das Berliner ,, Film- Kurier" von Alphons Joithe.) charakteristisch ist für den Marschgesang Jhoithe klingt fast so wie Goethe auf Jidunsrer Zeit... Wird so weiter gesungen wie disch. Solches Deutsch aber hat man früher bisher, so sehe ich die Zeit nahe, da unsre Chorverbände ihre Tätigkeit einstellen müs- nicht einmal in Jiddisch geschrieben! Das neue Hindenburg- Programm Sinnlose Rüstungsaufträge Das Volk verarmt.wer verdient? Sondergewinne. Nach dem Grundsats ,, kleiner Umsatz großer Nutzen" plündern się jetzt in der unverschämtesten Weise die deutschen Zuckerkonsumenten aus. Sie haben kein Interesse an einer Steigerung des Februar 1919. Der Krieg war zu Ende.| man nur ein sehr eindrucksvolles Bild dienen wird wieder ganz groß geschrie- Exports, weil sie dann von diesen gewaltigen Die Nationalversammlung tagte in Wei- davon, was die alte Redensart vom Fi- ben. Die großen Haifische schlucken, und Sonderprofiten etwas fahren lassen müßten. mar. Vor ihr stand der Reichsfinanz- schen im Trüben bedeutet. die kleine Hitlerjugend singt patriotische Ihre rücksichtslose Profitpolitik hat zwar zur minister Dr. Schiffer und sprach. Stillegung einer ganzen Anzahl von ZuckerOhne eine jede Spur von öffentlicher Lieder dazu. löst. Er gab ein Bild der furchtbaren Kontrolle werden in Roheisen und Stahl, Während des Krieges gab es immer- fabriken und Raffinerien geführt und damit Finanzlage. Die Summe aller Anleihein Wolle und Tuch, in Leder und Zelt- hin noch Gewerkschaften, die mit den Un- eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit ausgekredite bezifferte er auf 140 Milliarden bahnen usw. usw. Riesengeschäfte ge- ternehmern über die Höhe der Löhne verEs ist kennzeichnend für den privatkapitaGoldmark, zu denen noch 6 Milliar- tätigt. Niemand kann sich ein Urteil handeln konnten. Heute ist der Klassen- listischen Charakter der gesamten nationalden an Schatzscheinkrediten hinzutraten. darüber erlauben, ob das Ganze auch kampf" abgeschafft, die Arbeitsfront mar- sozialistischen Wirtschaftspolitik, daß sie bis Die gesamten Kriegskosten, ein- nur einen militärischen Sinn hat und ob schiert mit Heil Hitler, und die Löhne heute die Zuckerindustriellen gewähren ließ. schließlich der Unterstützung der Ver- bei diesem überstürzt in Gang gesetz- sinken ins Bodenlose. Man hat das beObwohl die an einem Aufleben des Exportbündeten gab er mit 161 Milliarden ten Handel auch nur die einfachen Re- merkenswerte Kunststück einer staatlich geschäftes interessierten Kreise der Schiffan. 93 Milliarden waren durch Kriegsan- geln kaufmännischer Solidarität be- angekurbelten Konjunktur geschaffen, an be- angekurbelten Konjunktur geschaffen, an fahrt und des Handels an die Zuckerleihen flüssig gemacht, daneben gab es achtet werden. Man muß aber, nach der die Arbeiter und Mittelklassen keinen industrie den Wunsch gestellt haben, den noch eine schwebende Schuld in Schatz- den Erfahrungen klei- Zuckerexport der Kriegszeit, in Anteil haben; es ist diesmal ein klei- Zuckerexport wieder zu steigern, haben die anweisungen und Reichswechseln von 58 dieser Beziehung die allerschwärzesten ner Kreis großverdienender Zuckerindustriellen das abgelehnt. Schiffahrt Milliarden. Man hätte erst mit einem P g's, der die ganze Beute unter sich ver- und Handel führen nun den Nachweis, daß, wenn kurzen Krieg gerechnet und aus dem Auch vor dem Kriege und während teilt. die Zuckerproduktion um 3 Millionen Doppelvollen gewirtschaftet, klagte der Minister, seiner Dauer sind bekanntlich ungeheuered Wie groß die Gewinne sind, kann zentner gesteigert worden und mit diesen drei Fehler in militärischer Hinsicht begangen heute kein Mensch sagen. Man sieht Millionen Doppelzentner das deutsche Kontinund weiter: Befürchtungen hegen. „ Es sind Unsummen verschleudert worden. Man hatte eine große Schlachtworden und Leute bereichert worden, flotte gebaut und sich damit die Feinddie sehr anfechtbar waren. Der Krieg schaft Englands auf den Hals geladen. wurde als Konjunktur betrachtet. Ich Aber als der Krieg da war, konnte man will über die militärische Bedeutung mit ihr nichts anfangen, sondern führte des Hindenburgprogramms einen unbeschränkten Tauchbootkrieg, nicht urteilen wirtschatflich gesehen ohne die nötigen Boote zu haben. Völlig war es ein Programm der Verschleude- vernachlässigt wurde der Bau der Tanks, rung. Der wirtschaftliche und der mo- deren Bedeutung man offenbar gar nicht ralische Schaden war ungeheuer." erkannte. Das ist das Bild des., wohlgeordUnd doch waren es damals militärische nur eine Deroute der Staatsfinanzen gent in dem internationalen Chadbourne- Abund eine galoppierende Verarmung der kommen ausgenützt worden wäre, noch ein Bevölkerung, wie sie in Friedenszeiten Durchschnittspreis von 31 RM. für die Zuckersonst nicht vorkommt. Man muß daraus industriellen herausgekommen wäre. Also schließen, daß die Verschleuderung von immer noch ein außerordentlich glänzendes Volksvermögen und die Bereicherung Geschäft, wenn man bedenkt, daß der Weltsehr anfechtbarer Leute, von der der marktpreis nur 8 RM. beträgt! Reichsfinanzminister Dr. Schiffer vor Aber von dieser Herabdrückung ihres phan15 Jahren gesprochen hat, heute wieder tastischen Profits wollen die Zuckerindustrielin vollstem Gange ist.. len nichts wissen. Die nationalsozialistische ReDie nationalsozialistische Partei hat in gierung sieht keinen Anlaß, den Zuckerkapitaneten Reiches", wie es nach einem Fachleute hohen Ranges, die das große der Blütezeit ihrer Opposition zu den listen gegenüber ihren angeblichen Grundsatz Wer stärksten Kritikern des Kriegsverdiener- Gemeinnutz geht vor Eigennutz" durchzuWort Adolf Hitlers die Sozialdemokratie Aufrüstungskonzert dirigierten. die Kapellmeister von tums gehört. Sie hat die Konfiskation setzen. im Herbst 1918 übernommen hat und wie sind sie es wahrscheinlich nach einigen Jah- heute? Niemand kennt sie. Das ganze der kapitalistischen Kriegsgewinne, die noch einmal Rüstungstreiben von heute ist ja gar nicht Enteignung der Bank- und Börsenfürsten, vorfinden wird. Jetzt schon wird in das Resultat ausgereifter militärischer Er- die Verstaatlichung der schon vergesell- Front des Geistes Deutschland gerüstet, als wäre man mit- wägungen, sondern aus den Bedürfnissen schafteten", soll heißen der monopolartig Neue bemerkenswerte Veröffentlichungen demagogischen Parteipolitik ent- organisierten Wirtschaftszweige verlangt. ten im Kriege, und die Schatten des Hin- einer demagogischen Parteipolitik Heft 8 der Zeitschrift für Soziadenburgprogramms steigen wieder auf! standen. Es ist ein offenes Geheimnis, Von alledem ist heute mit keinem Worte lismus", der wissenschaftlich- theoretischen daß es in Deutschland militärische Fach- mehr die Rede. Die nationalsozialistische Monatsschrift der deutschen Sozialdemokratie Uebrigens, ganz unrecht hat Hitler nicht. Im Verhältnis zu seinem Staat leute gibt, nach deren Meinung dieses ganze Parteiherrschaft, die mit Henkerbeil und ist soeben erschienen. Es enthält folgende AufAufrüstungstreiben vollkommen sinnlos Zuchthausdrohung, mit Ausbürgerung und sätze: Wenzel Jaksch, Frührot über Deutschland; Alexander Schifrin, Kriegszeit immer noch wohlgeordnet." und alles Geld zum Fenster hinausgewor- Vermögensbeschlagnahme ihren ewigen Oesterreichischer Aufstand und deutscher SoBestand zu sichern versucht, ist nur noch zialismus; Leopold Franz, Rechtsstaat, Was bleibt dann übrig? Nichts als die politische Form eines der schamlose- Gewaltenteilung und Sozialismus; Ottokar Puls, Klassenbewußtsein und Avantgarde. Dazu Glossen und Buchbesprechungen. Zu beziehen durch Verlagsanstalt Graphia", Karlsbad, Kantstraße. ren Hitlerherrschaft war jener Wilhelm II. auch in wildester " Es gab einen Reichstag, der das Recht gab eine Presse, die, trotz der Militärfen ist. hatte, die Ausgaben zu kontrollieren, es das nackte kapitalistische Geschäft! das nackte kapitalistische Geschäft! Es sten kapitalistischen Raubzüge die jemals zensur, noch eher ein Wort der Kritik gibt Staatsaufträge in Masse, und Ver- an einem Volk begangen worden sind! wagen konnte als die gleichgeschaltete von heute, es gab eine korrekte Bureaukratie mit preußischen Beamtentraditonen, und es wah dan Obersten Profit geht über Arbeitsbeschaffung gab einen Rechnungshof. Von all diesen DinIn Madrid erscheint neu eine Monatsschrift Leviatan", herausgegeben im Verlag Espana von Luis Araquistain, dem früheren spanischen Botschafter in Berlin. Im Aufruf", Streitschrift für Menschengen ist im Dritten Reich nichts mehr vor- ben alle Schuld an dem Zusammenschrumpfen land. Das nächste Jahr brachte, nicht zuletzt, la c h über das Wesen des deutschen MilitaDie Wortführer des Dritten Reiches schie-| schen Zuckerproduktion ins Aus- rechte Nr. 15, schreibt Hellmuth von Gerhanden; unbeschränkt herrscht Hitlers des deutschen Außenhandels und den sich dar- um die hohen Preise noch von einer anderen rismus. großes Wort und der gute Appetit der aus ergebenden Schwierigkeiten dem Ausland Seite her zu sichern, eine bedeutende Pro- sind bisher vier Nummern erschienen. In dieVon den„ Europäischen Heften" Pg's. zu. Daß es aber auch Industriezweige gibt, duktionseinschränkung. In diesem sen Nummern sind u. a. Artikel von Heinlässigen, sondern es die das Exportgeschäft nicht nur vernach- Jahre ging auch der Export zurück und betrug rich Mann, Ludwig Marcuse und bewußt völlig nunmehr noch 7 Prozent der deutschen Ge- Heinz Liepmann erschienen. Zu den darniederliegen lassen, dafür gibt samtproduktion. Im Jahre 1932/33 führte die geber Willi Schlamm und dem früheren Hauptmitarbeitern gehört neben dem Herausdie deutsche Zuckerindustrie ein deutsche Zuckerindustrie nur noch 1.3 Prozent Mitarbeiter der Weltbühne Max Bergner, Gregor Bienstock. Es muß also angesichts der neuen Rüstungskonjunktur, der einzigen ansteigen den Konjunktur, die es in Deutschland gibt, sehr ernst die Frage aufgeworfen werden: Wer macht diesmal das GeBeispiel. Dieser Industriezweig hat in den ver- ihrer Produktion aus. schäft, und wie wird es gemacht? gangenen Jahren einen weitestgehenden Schutz Aber die hohen Zuckerpreise der InlandsNummer 18 der„ Neuen Weltbühne“ Eine Antwort auf diese Frage kann erfahren. Er ermöglichte es, daß, völlig losge- preis beträgt rund 40 Mark für einen Doppel- Mann„ Irrtum der Jugend" und von Arnold veröffentlichte einen Aufsatz von Heinrich heute noch nicht gegeben werden. Noch löst vom Weltmarktpreis, in Deutschland ein zentner, der Weltmarktpreis jedoch nur acht Zweig„ Die Jüdin". ist alles mit dem dichten Schleier der Ge- unerhört hoher Zuckerpreis gezahlt werden Mark! sollten ja den Export ermöglichen! heimnisse bedeckt. Einstweilen bekommt mußte, den man mit dem Hinweis auf die Ver- Während von ihm nun fast nichts übrig geluste, die sich beim Zuckerexport ergeben, zu blieben ist, haben die Preise ihre alte Höhe rechtfertigen versuchte. Im Jahre 1930/31 gin- erhalten. Das bedeutet für die Zuckerindustrielgen 17 Prozent der gesamten de ut- len ganz außerordentlich hohe DAS PARISER TAGEBLATT Chefredakteur: GEORG BERNHARD bringt unter anderem regelmässig BERLINER BRIEF mit unerhört interessantem Tatsachen- Material, trotz Zensur und Diktatur Aeusserungen führender Politiker aller Länder zu den europäischen Problemen Beiträge hervorragender Dichter und Gelehrter speziell der aus Deutschland Verbannten Demnächst Interessantes Preis- Ausschreiben: 14 JAHRE REPUBLIK Grosse Umfrage bei Gelehrten, Publizisten, Staatsmännern: Die Zukunft der Welt" Neuer hochaktueller Roman von BALDER OLDEN: ROMAN EINES NAZI Endlich die verschiedenen Sonder- Gebiete Die moderne Frau Reise und VerSport Technik u. Wirtschaft kehr Probenumern gratis- Bestelungen beim PARISER TAGEBLATT" PARIS( 3), 51, Rue Turbigo Oranienburg Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten Von Gerhart Seger Mitglied des Deutschen Reichstags der V., VI., VII. u. VIII. Wahlperiode Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann Die Schrift ist eine Anklage gegen das System der Gewalt, dem Zehntausende unschuldige Menschen in den Konzentrationslagern ausgesetz sind. Der Verfasser läßt seinem Berichte die Eidesformel vor deutschen Gerichten vorangehen: ,, Ich schwöre, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde!" Er hat das Manuskript als Strafanzeige gegen die vollem Namen angeführten SA- Verbrecher dem deutschen Reichsjustizminister, dem Oberreichsanwalt und dem Stabschef der SA gesandt. Die Antwort darauf war die sofortige Ueberführung der in Deutschland lebenden Frau mit dem neunzehn Monate alten Kindchen des Verfassers in das Konzentrationslager Roßlau. Preis in: Belgien 10.50 Frs./ Bulgarien 48.- Lewa/ Dänemark 2.10 Kr./ Frankreich 7.50 Frs./ Großbritannien-.1.10 Pfund Sterling Jugoslawien 24.Dinar/ Niederlande 0.75 Gulden/ Oesterreich 2.60 Schilling Palästina-.100 P. Pfd./ Polen 2.60 Zloty/ Rumänien 55.- Lei/ Schweden 1.90 Schweiz 1.55 Frs./ Tschechoslowakei 10.- Kč/ USA.-.50 Dollar. Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt an Verlagsanstalt ,, Graphia" Karlsbad ČSR. Kronen Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verant wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:„ Graphia"; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. Der Neue Vorwärts" kostet im Einzelverkauf innerhalb der ČSR. Kč 1.40( für ein Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung:( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien Frs. 2.-( 24-), Bulgarien Lew 8.-( 96.-), Danzig Guld. 0.30 ( 3.60), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.-). Großbritannien d. 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Italien Lir. 1.10( 13.20). Jugoslawien Din. 4.50( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2( 24.-), Norwegen Kr. 0.35( 4.20). Oesterreich Sch. 0.40( 4.90), Palästina P. Pf. 0.018( 0.216), Polen Zloty 0.50 ( 6.-), Portugal Esc. 2.-( 24-). Rumänien Lei 10.-( 120.-), Saargebiet F. Fr. 1.50( 18.-), Schweden Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30 ( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35( 4.20), USA. 0.08( 0.96). scheckkonten Einzahlungen können auf folgende Posterfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift Neuer Vorwärts", Karlsbad, Prag 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärts". Karlsbad. Wien B- 198-304. Polen: Neuer Vorwärts". Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz: Neuer Vorwärts", Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Creditbank, Filiale Karlsbad. Konto Neuer Vorwärts". Budapest Nr. 2029. 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