(Bo$iaCdcm�lra*ifc*)�0 W* m SOmtkG, 3. Jode 4934 Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Ans dem Inhalt: Deutschland- neu eingekreist Der Weg der Inflation V olkssthnmung gegen das braune Regime Fauler Arbeitsbesdiaffungs- zanber Ein Mann denen das System Gerhart Segers Sieg über den Terror T>as System hat Frau Seger und ihre "och nicht zwei Jahre alte Tochter aus dem Konzentrationslager entlassen— licht freiwillig, sondern gezwungen. Es hat beide, die monatelang als Geiseln in Haft waren, nach England abgeschoben. hat damit seine Furcht vor diesen beiden Zeugen seiner Brutalität, aber zu- Eleich seine Verbrechen eingestanden. Die letzte Phase des Kampfes um die Befreiung der Geiseln hat die Gewissenlosigkeit und Würdelosigkeit des Systems "och besonders gezeigt. Als der englische Politiker Lord L i s t o w e 1 sich in Herlin bei der Reichsregierung nach dem Schicksal von Frau und Kind Seger er- KVndgte, erzählten ihm der Reichs- lustizminister Gürtner und der Chef der Gestapo Himmler, daß sie in Freiheit wären. Lord Listowel hat d i e Unwahrheit dieser Behauptungen an Urt und Stelle festgestellt. Die Welt- Presse hat diese Feststellung wiedergegeben. Die Regierung des Herrn Hitler stand vor der Wahl, sich* in der ganzen "elt öffentlich der Lüge zeihen zu las- Sen— oder zuzugestehen, daß sie nichts v,on dem weiß, was zwei Schnellzugs- unden von Berlin geschieht So gelang ®s der englischen konservativen Poli- "Kerin M r s. Täte, die Freilassung bei- Qer Geiseln durchzusetzen. Diese Freilassung, ist keine Wiedergutmachung, sondern nur die Flucht vor �eiteren' Konsequenzen der Brutalität. as System hat die Grenzen der Wirk- amkeit des Terrors erfahren. Es hat en Feldzug um Oranienburg erloren. Das ist eine schwere Nie- . age der Hitler, Göring und Göbbels, Eieg der Menschlichkeit über den dfßSt•�er Gewalt. Es ist der Beweis, dies System nicht zu den Systemen � rechnet werden kann, che in kultivier- Sv. aaten bestehen. Hätte sich das \\'nm.'m Hecht gefühlt— weder die ,'tempörung noch der Druck englischer RiSerVativer Politik®1- bätte ihm den recK+ZUg aufeezwun«en' Aber vor ge- (le. Empörung weicht nur der zurück, isj der eigenen Gemeinheit bewußt trVs haben viele Menschen an diesem SothT mitgewirkt, Sozialisten und Nicht- Be J3-, en» Männer und Frauen aus allen a|ig herungskredsen vieler Länder— die vetriel>en von edler Entrüstung über �' ergewaltigung des Rechts und der ri nschüchReit. Hinter ihnen allen aber darf die Person des Mannes nicht zurück- der in 1 1 mc rm p r Arbeit das son q "Weif r in unermüdlicher Aroeit das son pew'ssen wachgerüttelt hat, die Per- G erhart Segers. 5yst" Mann hat den Kampf mit dem zerh aufomommen. Er hat sich nicht itesi iChen lassen. Er hat Verbündete Kam- Und gefunden, und er hat den �Pr gewonnen. 2li A|s Gerhart Seger Anfang Dezember den tnach Prag kam—' unmittelbar aus �Va konzentrationslager Oranienburg— � r er nicht gebrochen und mutlos, son- s.r,n mit Aktivität geladen. Ihm war es e!.�verständlich, daß das System un- �"'ttlich bekämpft werden müsse. Ueber as' was ihm selbst geschehen war, ging y mit jener Zurückhaltung hinweg, die �le,e intellektuelle Opfer des physischen gerrors zeigen. Es kam ihm auf die �jf�-be, auf die objektive Beschreibung . s Terrorsystems an. Er schrieb für ?n Verlag„Graphia" sein Buch„Ora- jJe"burg"_ ein furchtbares Zeugnis! anche haben gefunden, daß es zu wenig pathetisch, zu wenig anklägerisch in Worten seü— aber das war seine Stärke und erklärt seine Wirkung. Denn dieses Buch ist zu einem Feldzug gegen das System geworden, der es moralisch erschüttert hat. Das System hat dementiert. Es hat Seger beschimpft. Es hat eine Gegenschrift erscheinen lassen. Wer spricht noch von dieser Gegenschrift? Aber Segers Buch ist allein in Schweden in über 80.000 Exemplaren verkauft worden! Der Name„Oranienburg" wurde zu einem Begriff. Die Brutalität griff zu einem letzten Mittel. Die Frau und das kleine Kind Segers wurden als Geiseln verhaftet und in einem Konzentrationslager interniert. Diese niedrige Tat schlug alle Ableugnungsversuche des Reichspropagandaministeriums tot. Gerhart Seger kapitulierte nicht. Er ging nach Schweden und Dänemark. Er setzte den Kampf in Wort und Schrift fort. Er vertrat die allgemeine Sache der Menschlichkeit und der Freihiet, er kämpfte zugleich um die Freiheit von Frau und Kind. Dieser Heroismus der Gesinnung steht turmhoch über dem, was im braunen Deutschland der brutalen Gewalt Heroismus genannt wirdl Vor zwei Monaten kam Seger nach England. In zwei Monaten voll unerhörter Arbeit hat er der Stimme der Wahrheit und Gerechtigkeit Bahn gebrochen. Er hat in England 31 Vorträge gehalten. In London zwei, in Londoner Vororten fünf, in Acton, Ilford, Battersea, Is- lington. Poplar; die übrigen Versammlungen waren in: Leeds, Heacham, Derby, Cambridge, Newport, Bedwas, Tre Tomas, Machon, Bristol, Swansea, Plymouth, Stoke on Trent, Warrington, Sheffield, Preston, Rotherham, Wrexham und Staf- ford. Dabei ist zu bemerken, daß er in mehreren dieser Orte zweimal gesprochen hat, in öffentlicher Versammlung und in Delegiertenkonferenzen, oder vor der Stadtverordnetenfraktion der LP., so z. B. in Sheffield, oder in einer nachmittags einberufenen Versammlung für Arbeitslose, so in Rotherham und Warrington. Außerdem hat er im Unterhaus vor den Abgeordneten der Labour Party beider Parlamente gesprochen. Außer der öffentlichen Tätigkeit hat er eine nichtöffentliche in zahlreichen Unterredungen ausgeübt. Er sprach mit; Lord Robert Cecil, Lord Ponsonby, Sir Norman Angell, R. N. Brailsford, Major Attlee, Colonel Wedgwood, Geoffrey Mander M. P., Sir Edward Grigg, Lord Astor, Lady Astor, Mr. Fox, Leiter der World Alliance of Churches, mit Vertretern des Quäkerhauptquartiers und der Friedensbewegung. Er hatte im Unterhaus Gelegenheit, vor sämtlichen weiblichen Abgeordneten der konservativen und liberalen Partei und einigen männlichen konservativen Abgeordneten drei Stunden lang Fragen zu beantworten. Die weiblichen Abgeordneten des Unterhauses waren am Dienstag dem 15. Mai alle bei dem deutschen Botschafter v. Hoesch, der sie empfing und ihnen die Entlassung von Frau Seger als wahrscheinlich darstellte. Der Lordbischof von Cichester hat sich schriftlich an den Rcichsbischof Müller gewandt. Lord Ponsonby hat den Fall in seiner großen außenpolitischen Rede im Oberhaus behandelt. Der englische Kaplan der Botschaft in Berlin besuchte Frau Seger und kümmerte sich um sie. Unter dem Druck der allgemeinen Empörung kapitulierte schließlich das System. Der Reichspropagandaminister Göbbels liebt es, von Versammlungslawinen, von Propagandamaschinen zu sprechen. Er schwört auf die große Zahl, auf die Masse der Redner, auf die Millionen von Reichsmark, die er einsetzen kann. Er hat versucht, die Maschine einzusetzen, um den Feuerherd Oranienburg zu ersticken. Vergebens! Ein Mann hat die Maschine besiegt, der nichts für sich hatte, als sein gutes Recht und die Stimme derWahrh ei t. Er hat bewiesen, daß die Brutalität zurückweicht, wenn das Weltgewissen sich erhebt! Das ist die große Lehre dieses Kampfes, der ein Stück des Kampfes der deutschen Sozialdemokratie ist. Er ist eine Mahnung zugleich an alle, die die Stimme ihres eigenen Gewissens beschwichtigt haben mit der Resignation, daß gegenüber brutalem Terror das Edle im Menschen wehrlos sei! Der Fall Oranienburg ist zu einer schweren Niederlage des Systems geworden. Ab er der Feldzug ist nicht zu Ende! Gerhart Seger wird nach Norwegen zu einer Versammlungsreise gehen, von Norwegen wieder nach England, von England nach den Vereinigten Staaten! Dieser Zeuge ist nicht zum Schweigen zu bringen— so wenig wie die Stimme der Wahrheit. Was hilft die Macht einer totalen Diktatur, wenn das Heer derer, die sie verachten, ins Gewaltige wächst! JUkkswekt im Homfife mä itökm Wechsel Sm Ministerium— Der Stahlhelm wühlt— Eine Duellforderung des Exkronprinzen Generalmajor Walter v. Reichenau, Chef des Ministeramtes im Reichsweh rmini- sterhim, hat ein Kommando in der Provinz übernommen und scheidet damit aus einer der wichtigsten Stellen aus, die es im Reichswehrministerium, der Reichswehr, vielleicht sogar im heutigen Deutschland gibt. Denn es ist ein politisches Amt, zu dessen Hauptobliegenheiten die Verbindung der Bendler- mit der Wilhelmstraße, vor allem mit dem Reichspräsidenten- palais gehört. Reichenaus Nachfolger wird Oberst Bald er, politisch ein unbeschriebenes Blatt, jedoch als Vertreter rein militärischer Gedankengänge bekannt, was unter den gegenwärtigen Umständen auch ein Programm bedeutet Denn die Frage der Ueberführung von SA.- und SS.-Leuten in die vergrößerte Reichswehr steht unheilschwanger am politischen Horizont. Reichenau war in sein Amt zugleich mit Hitler im Februar 1933 emporgespült worden. Er sollte die nationalsozialistische Richtung im Reiobswehrministerium vertreten, seine Sympathien für Hitler waren seit langem bekannt. Er demonstrierte auch entsprechend: schon im Februar 1933 grüßte er, selbst wenn er in Uniform das Rcichspräsidentenpalais aufsuchte, die Torposten mit erhobenem Arm. Der Chef der Heeresleitung, General von Hamme r s t e i n. der Vorgesetzte, schien bald ganz in seinem Bann und enttäuschte damit die monarchistische Richtung, die vergeblich ein Gegengewicht gegen Reichenau suchte. So wurde Hammerstein um die Jahreswende 1933/34 gestürzt, nicht weil er zu wenig hitlerfreundlich war, sondern weil jer dem Dritten Reich zu sehr nachgab. Um die Nachfolge entbrannte ein heißer Kampf. Hitler präsentierte seinen Reichenau, doch die monarchistische Clique setzte ihren Kandidaten, den General von Fritsch, durch. Und nun ist auch Reichenau gestürzt. In diesem Zusammenhang gewinnen einige andere Nachrichten erhöhte Bedeutung. In Pommern ist die monarchistische Strömung am stärksten. Sie stützt sich auf den Stahlhelm, dessen Führer in dauerndem Kampf mit Himmlers Staatspolizei hegen. Der pom- mersche Landesiührer D e g e I o w wurde verhaftet und wieder freigelassen, ofiizielle Begründung: staatsfeindliche Umtriebe, begangen durch Verhinderung oder mindestens Erschwerung der Einfügung der bisherigen Stahlhelmangehörigen der SA.-Res. I in die große nationalsozialistische Kampffront. Augenblicklich j sind noch der Stahihelmführer Buch holz und der Kreisführer von Rügen, Freiherr von Bothmer, in Haft. Hinter ihnen allen steht der Generalfcidmarschall von Mackensen, pommerscher Junker, Ehrenpräsident des Stahlhelms und nolens-volens Göringscher Staatsrat, Wilhelms II. treuer, händeküssender Haudegen. Mackensens besonderer Vertrauensmann aber ist D ü s t e r b e r g, einstmals deutschnationaler Reichspräsidentschaftskandidat und Stahihelmführer, bis die nichtarischen Blutsteile entdeckt wurden. Düsterberg reist von Gut zu Gut, schürt und findet Anklang. Himmler aber traut sich nicht, Düsterberg zu fassen, weil er sich mit Mackensen nicht auf einen Kampf einlassen will. So nimmt die monarchistische Bewegung in Pommern dauernd an Umfang zu. Die Nazis versuchen, diese Strömung anders zu bekämpfen. Sie sagen— eine der letzten offiziellen Reden—: wenn überhaupt ein Kaiser, dann ein Kaiser aus dem Volke, und denken an Hitler. Für den Vergleich mit Napoleon fehlen ihnen allerdings die in vielen Schlachten siegreichen Fahnen, mit denen der Korse nach Paris zurückkehrte. (Für die übrigen Formatunterschiede sind sie blind.) So werden bloß die Hohenzollern schlecht gemacht, wozu nicht viel gehört. Der Exkronprinz ist eine nicht gerade besonders geeignete Rekiamesäule, so daß der Reichssportführer v. Tschammer-Osfen die Wahrlieit nicht verdrehen mußte, um beim letzten großen Sportmeeting über den ebenfalls anwesenden HohenzoIIernsproß zu bemerken, daß er sich überall nur zeige, um die Leute für die Monarchie zu ködern. Daß Tschammer-Osten diese Bemerkung so laut machte, daß der Exkronprinz sie hören konnte, paßt ganz in den Rahmen neudeutscher Gesell- schaftssitten, wie auch, daß der mutige Toten- kopfhusar daraufhin den Sportführer verg-e blich forderte, Die neue Einkreisung* Katastrophe der deutsdien Außenpolitik SklaTentod! Aus München wird uns geschrieben: Eine Gruppe der österreichischen Legion macht auf dem Exerzierplatz Oberwiesenfeld bei München„Formübung'", wie es heute statt des fremdländischen Ausdrucks„exerzieren" heißt Da'teilen'<•: in Reih und GHed, alle, die einst voller Hoffrtungen und im tiefsten Glauben an das„Dritte Reich" ihre Heimat verlassen haben, um, wie man ihnen verhieß, in wenigen Wochen schon unter den siegenden Fahnen der deutschen SA als Helden in ihre Heimat einzuziehen. Es ist alles anders gekommen. Heute sind sie überflüssiger Ballast Die reichsdeutsche SA sieht in ihnen die Konkurrenz, eine unliebsame Vermehrung der Postensucher. Untergebracht sind sie in einem geräumten Obdachlosenasyl, verpflegt werden sie von einer Brauerei und anderen Groß- betrleHen. Und sonst? Formübung, Formübung und wieder Formübung. In der Mittagshitze rennen sie über das Feld. Auf und nieder, auf und nieder, so werden sie umhergejagt von einem Kommandeur der Münchner Stabswache, der jeden Morgen im Auto ankommt um den Cesterreichern das Bewußtsein beizubringen, daß das„Dritte Reich" seinen Sklaven nicht umsonst verlauste Bettstellen zum Nachtlager gibt. Deutschland ist ein„spartanischer Staat" und der Legionär muß gut und wirksam darauf vorbereitet werden, einmal irgendwo in der ersten Linie schweigend den Heldentod für sein Vaterland zu sterben. Die alten Kosenamen der kaiserlichen Kasernhöfe hört man wieder über das Feld schallen, sie taugen gerade noch für Legionäre. Schlecht sehen sie aus, die Söhne Oesterreichs. Ihr Glaube ist längst gebrochen. Sie fühlen es zu sehr, daß sie Sklaven geworden sind. 3 Stunden schon drillt der Sklavenhalter vom Braunen Haus seine Herde. Da plötzlich löst sich einer aus der zweiten Gruppe und rennt im Laufschritt auf die 200 Meter entfernte! Straße zu. Dort zieht er einen Revolver und schießt sich eine Kugel in den Kopf. Er stirbt im Staub der Straße. Leute eilen herbei und wollen den städtischen Ret> tungsdienst rufen, doch der Führer der Truppe verbietet das mit dem Hinweis, daß die SA. selbst Sanitäter habe. Eine Stunde liegt der Tote am Straßenrand, dann erst wird er von der SA. geholt. Wo er beerdigt wurde war nicht festzustellen. Die Presse bringt über den Vorfall kein Wort. Wo haben wir schon solche Voriälle gehört? Klingt das nicht wie ein Bericht aus der Fremdenlegion? Bin Soldat geht lieber in den Tod als noch länger die Qualen der „spartanischen" Erziehung zu ertragen. Die Gladiatoren Roms stürzen sich ins Schwert, wenn sie der Qualen müde waren, die deutschen Legionäre springen vom Exerzierfeld auf die Straße und setzen den Revolver an die Stirn. Sklaventod im Dritten Reich! Der Chef der Mörder Nach der Aufdeckung der grauenvollen Morde in dem Konzentrationslager Vulkan- Werft in Stettin mußte der Polizeipräsident Engel gehen. Was ist aus ihm geworden? Der„Deutsche" vom 25. Mai berichtet; „Einem Rufe der Stadt Berlin folgend, ist der ehemalige Stabsführer der SS.-Gruppe Ost, der weit über Berlin hinaus bekannte SS.- Oberführer Fritz Karl Engel. dieser Tage aus dem Staatsdienst ausgeschieden, um die Leitung der Berliner Müllabfuhr- A.-G. zu übernehmen- Engel führte bisher den SS.- Abschnitt XIII Pommern und war gleichzeitig Polizeipräsident von Stettin. Mit ihm übernimmt einer der ältesten und zähesten Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, der als echter Kamerad und Führer das Vertrauen seiner Vorgesetzten In höchstem Maße genießt, einen der größten Betriebe der Stadt Berlin. Man kann die Berliner Müll- abfuhr-A.-G. zu ihrem neuen Leiter nur beglückwünsche n." Engel ist also mit einer hochbezahlten Stelle abgefunden worden. Der eigentliche Chef der Mörderbande von Stettin, der zu dreizehn Jahren Zuchthaus verurteilte D r. Joachim Hoffmann, ist begnadigt und außerdem befördert worden. Das Ministerialblatt für die innere Verwaltung hat seine Ernennung zum Regierungsrat mitgeteilt. So werden Mörder belohnt! 14 Tage links tanzen. Das System ist bei dem furchtbar enttäuschten Bürgertum, das Hitler wie einen neuen Messias erwartet hatte, ziemlich unten durch. So wendet sich also der Feldzug des Freudenspenders Göbbels vor allem gegen die Miesmacherei in den Salons der bürgerlichen Kreise. Die Rundfunkrede eines Reichsjugend- führers trieft nur so von Anklagen gegen den spießbürgerlichen Meckerer, der noch einmal die Faust des braunen Regimes zu spüren bekommen werde. Zum Schluß wurde mit dem Abschwenken zum Sozialismus gedroht. Die Rede ließ man natürlich einen Jugend- fübrer halten. Dann kann man sich besser distanzieren und kann trotzdem das Maul aufreißen. Die Arbeiter lachen darüber. Lftwinows Rede fra Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz hat in Berlin wie eine Bombe eingeschlagen. Kennzeichnend für die Panikstimmung, die sie hervorrief, ist die an die Presse zunächst ergangene Weisung, die Rede überhaupt nicht zu verbreiten. Seit der Machtergreifung Hitlers lebt das deutsche Volk innenpolitisch und außenpolitisch in einer Dunkelkammer. Jede Möglichkeit, die Tätigkeit seiner Regierung zu kontrollieren, ist ihm genommen. Jetzt dringt durch die Rede Lit- winows plötzlich ein greües Scheinwerferlicht in die Dunkelheit und blendet die Atigen. Der Nationalsozialismus hatte dem deutschen Volk ein neues Bündnissystem versprochen, mit dessen Hiffe er alle Verluste des Weltkrieges wettmachen und die alten Weltmachtträume verwirklichen wollte. Nun müssen alle noch Urteilsfähigen in Deutschland erkennen, daß der Nationalsozialismus auch in der Außenpolitik nichts von dem Versprochenen gehalten hat und daß ihm nichts anderes gelungen ist als eine Wiederherstellung der außenpolitischen Situation, wie sie beim Ausbruch des Weltkrieges bestand. Die Außenpolitik der republikanischen Regierungen— Hermann Müllers, Rathenaus, Stresemanns— war konsequent darauf gerichtet, das Weltbündnis gegen Deutschland aufzulockern und seine Wiederkehr zu verhindern. Dieser Außenpolitik war es gelungen, Deutschland als gleichberechtigte Großmacht in den Völkerbund zu bringen, das Verhältnis zu allen Nachbarstaaten zu verbessern und eine vorzeitige Räumung der besetzten Gebiete durchzusetzen. Die Außenpolitik des Dritten Reiches hat in 14 Monaten alles zerstört, was die Außenpolitik der Republik in 14 Jahren mühsam aufgebaut hatte. Nachdem es ihr gelungen war. das naturgegebene enge Freundschaftsverhältnis zu Oesterreich in eine halb kriegsartige Feindschaft zu verwandeln, das hundertprozentig sichere Abstimmungsergebnis des Saargebietes in katastrophaler Weise zu gefährden, nachdem sie es um Oesterreichs willen zu einem kaum noch heilbaren Konflikt mit Italien getrieben, nachdem sie unter Verzicht auf jede nationale Würde durch ihren Viererpakt den Vertrag von Versailles noch einmal unterzeichnet und durch ihr Ostlocamo auf den Korridor und Ober- schlesien feierlich verzichtet hat, ohne dadurch Polen aus dem französischen Bündnissystem herauszuziehen— nach all diesen kaum faßbaren Heldentaten und Erfolgen ist ihr jetzt das Unwahrscheinlichste gelungen, sie hat sogar das alte Vorkriegsverhältnis zwischen Frankreich und Rußland wieder hergestellt! Gewiß ist Sowjctrußland sein Schritt zu Frankreich und zum Völkerbund nicht leicht gefallen. Die Gefahr eines Krieges im Fernen Osten gegen das eroberungslustige Japan hätte allein noch nicht genügt, eine solche Wendung herbeizuführen. Dazu war die verrückte Politik des Leiters des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., des Alfred Rosenberg, notwendig, der phantastische Plan, im Bündnis mit Polen und über dieses gleichsam hinwegspringend in die Ukraine vorzudringen und sie zu deutschem Siedlungsland umzugestalten. So absolut närrisch dieser Plan ist, so kann man doch begreifen, daß Rußland vorsichtig genug ist, ihn ernst zu nehmen und seine Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen. Auch Rußland leidet oder litt bis in die jüngste Zeit hinein an dem „Albdruck der Koalitionen'". Es fürchtete den Zweifrontenkrieg, den gleichzeitigen Angriff Japans und Deutschlands. Um sich von diesem Druck zu befreien, hat es den Weg nach Genf augetreten. So hat das Dritte Reich es lertlgge- bracht, Sowjetrußland zu einem Garanten des Friedens von Versailles zu machen. Es ist selbstverständlich, daß die Rede Lit- winows, die einen„Zusammenschluß aller friedfertigen Staaten gegen die Eroberungslustigen" fordert, Musik in den Ohren Frankreichs und der Kleinen Entente sein muß. Einst hatte Rußland bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages an Deutschland in Versailles gefehlt, jetzt liefert es sozusagen seine Unterschrift nach. Das bedeutet wahrscheinlich wenig für die finanziellen und für die militärischen Bestimmungen des Friedensvertrages, die kaum wiederherstelfbar sind, es bedeutet aber alles für seine territorialen Bestimmungen. Das heißt, der Anschluß Oesterreichs, die Wiedergewinnung verlorener fTt*- vinzen und Kolonien sind noch unmöglicher geworden als sie es ohnehin schon waren. Sowjetrußland bietet mit seinen 170 Millionen Einwohnern die Mitarbeit an der Aufrecht- erhaltung des Friedens an, d. h. die Mitarbeit daran, daiß an den territorialen Bestimmungen der Pariser Vorortsverträge nichts geändert werden darf. Eine Revision der territorialen Bestimmungen war ohnehin nie anders möglich als dadurch, daß Deutschland entweder durch Krieg oder durch Kriegsdrohung seinen Willen durchsetzte. Sowohl zum siegreichen Krieg wie zur wirksamen Kriegsdrohung brauchte es starke Bundesgenossen. Solche Bundesgenossen besitzt es nicht, es steht im Zeichen des Hakenkreuzes völlig isoliert da, noch isolierter als das Kaiseneich bei Beginn des Weltkrieges. Man darf nicht vergessen, daß das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn, von so zweifelhaftem Wert es auch sonst gewesen sein mag, doch das eine gute hatte, Deutschlands längste Grenze, die vom Bodensee bis nach Oberschlesien zu sichern. Als Oesterreich-Ungarn zusammengebrochen war und die Gefahr entstand, daß Deutschland auch von der Südgrenze her angegriffen würde, war der Zusammenbruch vollständig. Bei einem neuen Kriege würde man ungefähr dort wieder anfangen müssen, wo der Weltkrieg aufgehört hat. Mussolini feiert jetzt in seinen Reden zur Abwechslung wieder den Krieg- Adolf Hitler wird sich diesen Luxus nicht leisten können, und täte er es doch, so müßte man hoffen, daß sich noch rechtzeitig ein paar beherzte Männer finden, die ihn in die längst verdiente Zwangsjacke stecken. Wahrscheinlich wird die neue Haltung SowjetruBlands sehr wesentlich dazu beitragen, den Frieden zu befestigen, denn wie die Dinge heute liegen, kann der Friede nur dadurch befestigt werden, daß der Außenpolitik Hitlers die Bewegungsfreiheit genommen wird. Deutschland um 14 Jahre zurückgeworfen, wieder isoliert und eingekreist— das ist die Bilanz der nationalsozialistischen Außenpolitik. Miesmacher in Hitlers SA Terror gegen den Austritt Enttäuschter. Die braune Armee ist nach den Kundgebungen der Hitler-Diktatur der Zusammenschluß der treuesten Anhänger des Systems, die gewillt sind, notfalls auch ihr Leben für den Bestand der Diktatur in die Schanzen zu schlagen. Röhm hat erst kürzlich die SA. als die Schutzgarde der nationalsozialistischen Revolution gefeiert. In Wirklichkeit ist selbst in den Reihen dieser alten Kämpfer die Begeisterung für das Dritte Reich eine rare Sache geworden, und viele tausende Braunhemden sind längst des militärischen Drills müde, mit dem sie tagaus, tagein gequält werden. War aber schon in vielen Fällen der Beitritt zur SA nicht die Folge eines freien Entschlusses, sondern des Ergebnis eines mehr oder weniger starken Druckes, so ist es geradezu unmöglich, ohne Gefahr für die persönliche Freiheit und für die wirtschaftliche Existenz aus der braunen Schutzgarde der nationalsozialistischen Parteidiktatur wieder herauszukommen. Ein SA.-Mann, der ebenfalls den ewigem militärischen Dienst satt hat, sendet uns das folgende Schreiben, das ihm von seinem Obertruppführer zuging: SA. der NSDAP.....den..... 3- 34. Nachrichtensturmbann der Brigade..... Fernsprechsturm...•. An den SA.-Mann.••• Auf Grund Ihrer Interesselosigkeit am Dienst, dauernder Entschuldigung ohne stichhaltigen Grund werde ich Antrag auf Ausschluß aus der SA. beim Nachrlchtcn- sturmbann stellen. Sie werden hiermit aufgefordert, sich am Montag dem 5. März 34 im Sturmlokal, 20 Uhr, bei mir zu melden und Auswels und Versicherungskarte mitzubringen. Ich verbiete Ihnen hiermit das Tragen der SA.-Uniform und mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Sie sofort festnehmen lasse, falls Sie entgegen dem Verbpt die Uniform tragen sollten, Sollton Sie am Montag ohne Entschuldigungsgrund nicht erscheinen, wäre ich gezwungen, Sie vorführen zu lassen. Des weiteren mache Ich Sie darauf aufmerksam, daß der Ausschluß aus der SA. eine Mitteilung davon an Ihre Sie beschäftigende Firma und an das Arbeltsamt zur Folge hat. Der Führer des Fernsprechsturms I (Unterschrift) Obertruppführer. Dieses Schreiben ist ein Kulturdokument des Hitlerschen Zwangsstaates. Wer einmal in den Dienst der braunen Diktatoren getreten ist, der ist ein rechtloser Gefangener. Er hat willenlos zu gehorchen, sonst riskiert er— siehe das Schreiben— Vorfülirung durch die SA., Festnahme wegen verbotenen Tragens der SA.-Uniform, und im Falle des Ausschlusses die Denunziation bei seinem Arbeitgeber und damit die Verniditnng seiner wirtschaftlichen Existenz. Während Göbbels und sein Lautsprecher gegen die Miesmacher und Kritikaster, gegen Juden und Saboteure zu Felde ziehen, wird in der Kemtruppe der Nazibewegung, in der SA., ein stiller Terror geübt, um die Enttäuschten und Ernüchterten immer von neuem in die braune Zwangslacke zu zwingen. Kritik unter Brüdern Vor einigen Monaten ließ Hitler einen neuen Reichstag wählen. Man weiß noch, wie das geschah: Die 43 Millionen deutsche Wähler und Wählerinnen durften nicht wählen, sondern nur über die einzige, von der Regierung erlaubten nationalsozialistischen Liste abstimmen. Es waren keinerlei politische Auseinandersetzungen, erst recht natürlich kein Wahlkampf zugelassen. Die politischen Parteien blieben, mit Ausnahme der NSDAP., verboten. Kein Wört- 1cm durfte gegen die Liste der NSDAP- geredet und geschrieben werden. Am Wahltag sorgten in den Abstimmungslokalen die uniformierten Banden für den notwendigen Druck und die sorgfältige Kontrolle. Ausgezählt wurden die Stimmen von nur nationalsozialistischen„WaMbüros". Würde jemand einen Einsprach gewagt haben, so würde ihm das sehr übel bekommen sein. Am Abend des„Wahltages" wurde dann der„grandiose Sieg" der Regierang verkündet... Immerhin waren noch fünf Millionen vorhanden, die gegen das Regime protestierten. Etwas später ließ dann Mussolini ein neues Parlament, oder was der Faschismus so nennt,„wählen". Der Vorgang ähnelte dem im Dritten Reich; auch dem italienischen Volk war es nur erlaubt, die faschistiche Liste zu genehmigen. Eine andere Haltung würde dem Wähler die gesunden Glieder oder auch das Leben gekostet haben. Mussolinis„Erfolg" war darum noch größer als der Hitlers. Nur über 100.000 Neinstimmen wurden ausgezählt Ist es dieses Uebertrumpfen Hitlers, das die nationalsozialistische Presse Deutschlands das italienische Wahlergebnis nicht zufrieden hinnehmen läßt? Die früher angesehene, jetzt aber völlig gleichgeschaltete Zeitschrift„G e o- Politik", nimmt in ihrem Maiheft z- B. so Stellung: „In Italien hat eine große Volksabstimmung Mussolinis Herrschaft bestätigt Daran war niemals ein Zweifel, daß es so kommen würde. Ueber die Art wie dieses Ergebnis zustaudekommt, aber mag man nachdenken, wenn man die Ziffern aus den Gebieten liest. In denen die von Italien unterdrückten deutschen und slawischen Volksgruppen sitzen: Südtirol und Istrlen. Die Neinstimmen gesten die faschistische Liste betrugen in Südtirol 516 und in Istrien nicht mehr und nicht weniger als 9. Es wäre reizvoll, zu wissen,»'!e man Im Palazzo Veneria über den Inneren Wert solcher Ziffern denkt." Es wäre reizvoll, zu wissen... Mussolini kann diese Frage an die Hitlerjournalisten zurückgeben. Sozialistische Demonstration in Hamburg Am Himmelfahrtstage, einem Tage, bevor sich der Todestag des Hamburger sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten A d o I i Biedermann zum ersten Male jährte, Ke* dachte die Hamburger Arbeiterschaft ihres Vertrauensmannes, der im Vorjahre angesichts der Schande des Nazi-Deutschlands seinem Leben ein Ende setzte. Ueber 5000 Hamburger Männer und Frauen besuchten an diesem Tage die Grabstätte Adolf Biedermanns. Sic war über und über mit Blumen bedeckt Unter der Fülle der Blumenspenden bemerkte man einen Kranz mit roter Schleife und ein Blumen- gebinde, das die drei Buchstaben D. A. E- (Disziplin, Aktivität, Einigkeit) darstellte. Die stumme Demonstration währte den ganzen Taft und auch am darauffolgenden Todestage Adolf Biedermanns war das Grab das Ziel vieler Friedhofsbesucher. Veätsslmmmf fefet* das käme fUftme Der Albdruck der»Miesmacher« und»Kritikaster« »Die Versammlungslawine rollt"— so J'erkündet der„Völkische Beobachter". Massenkundgebung, Propagandaaktion— diesmal aber in der Defensive! Noch rascher rollt die Woge der Unzufrieden- heit, der Opposition der Enttäuschung! Die Stimmung ist dahin und die Versammlungslawine reißt niemanden mehr mit. Sie geht über die sogenannten Mek- •�rer dahin, sie ducken sich und— meckern weiter. Den Nazis wird schwül. Jetzt bestreiten sie schon, daß das„Dritte Reich" überhaupt angebrochen sei. In der »Preußischen Zeitung", dem Königsber- oerger Naziorgan, liest man, es werde erst in Jahrzehnten verwirklicht �'erden. Nächstens wird also aus Hitlers �ieriahresplan ein Hundertjahrplan werden. Es hilft alles nichts! Jede Opposition J�Jrmr.t mit kleinen Anfängen. Die Mek- Kerer mögen noch so klein und be- Scnränkt sein— aber so beginnt es, wenn eiri System ins Schwanken gerät. Verhaftung von Stahlhelmführern. ..Auf Anordnung des Geheimen Staatspoli- zeiamtes sind einzelne leitende Persönlichkei- 'en des Deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm) durch die Staatspolizeisfelle Stettin wc- ten des Verdachts staatsfeindlicher Umtriebe ■'n Schutzhaft genommen worden. Es handelt S|ch bei den betreffenden Persönlichkeiten um solche Versuche, die Einfügung der bisherigen Stahlhelmangehörigen SA-Reserve I in die Zroße nationalsozialistische Kampffront zu ver- ii mdern oder zum mindesten zu erschweren." (••Völkischer Beobachter".) 'ch habe zwar den Krieg mitgemacht... »Da sind auch die Männer mit hohem stei- Kragen, deren Reserveoffiziersstimme dem Drgan einer Wachtel zu ähneln beginnt und t�ren haarelose Kopfhaut burgundrig wird, st'eim ein H i 1 1 e r- J u n g e mit verstauchtem Fußgelenk sich auf den einzig vorhandenen 'eeren Platz in der Bahn setzt und der eben charakterisierte Herr stehen muß. Dann kommt es vor, daß dieser bittere Worte fallen läßt u''e:„Oh, bleiben Sie ruhig sitzen, lch habe zwar den Krieg mitge- jj'ächt, aber ich will gerne ste- " 6 n..."(„Deutsche Wochenschau" Nr. 20.) Zeitungen aus der Schweiz. .•Mau sieht eine gewisse Gattung deutscher Staatsbürger täglich mit Schweizer �eitungen unter dem Arm. Sie sitzen m den Cafes, in Büros oder im Verborgenen j�heitn und lesen sie mit dem Eifer von Se- �undanern, die nach verbotenen Früchten su- fj1®11- Niemals hatten sie sich früher für die �eltmeinung von Basel, Zürich oder Bern in- 'eressiert, ebenso wenig wie für den„politi- Schen Weitblick" von Schevenirtgen oder Mäh- f'sch-Troppau. Nun glauben sie, durch die Lek- 'h'® dieser Schweizer Blätter eine Verbindung Zu Stellen zu gewinnen, die irgendwie„Bescheid wissen", über Dinge, die man eigentlich "'cht wissen dürfte... Ausländer fragen, war- U"!(fiese Blätter in deutscher Sprache, über «®utsche Kioske, an allen Straßenecken alles Mögliche ausplaudern dürfen, was die deut- �fn Zeitungen verschweigen. Warum, fra- sie, verbietet man diese Schweizer „®tter nicht, die von der deutschen Zeitungs- ÜISz'Plin profitieren?"(„Der Angriff", 22. Mai.) »Göbbels— Deutschlands Unglück!" . Dberingenieur Schröder, Chefingenieur t|ner großen chemischen Fabrik im Hannover- �hen, ist ein ehemaliger aktiver Deutschna- •onaier. Als jüngst in die Büroräume seines frkes Prospekte des neuen Göbbelsbuches: " 0in Kaiserhof zur Reichskanzlei" flatterten, Serie Schröder:„Dr. Joseph Göbbeis, das ist eutschlands Unglück!" Schröder wurde von �'"em Kollegen denunziert; zwei Tage später rach Polizei mit SA in die Wohnung Schrö- trs ein und brachte ihn in ein Konzentra- Vonsiager. Er meckerte gegen die BVG. „Das Amtsgericht Berlin verurteilte den 66- j.�igen Willi Busse wegen Belei- Engel zu einer von einem Monat Beleidigungen der neuen Leitung verbat, schrie Busse in den Wagen hinein:„Meinen Sie, daß Ihr Oberbonze Engel anders ist?" Vor Gericht versuchte er sein Verhalten damit zu verteidigen, daß er behauptete, das Recht der öffentlichen Kritik zu haben und daß das Wort„Bonze" seinerzeit so oft gebraucht wurde, daß es keinesfalls als Beleidigung ausgelegt werden kan n."(„Völkischer Beobachter", 25. Mai.) �'Sung des Stadtrats �'(ängnlsstrafe sPrach dem Beleidigten die Publikations- Jiii' n's'm„Völkischen Beobachter" zu. Im füK Vergangenen Jahfes. kurz nach der Ein- �ruil8 des neuen Tarifs, regte sich der An- v'''agte in einem Straßenbahnwagen auf und jauchte die Fahrgäste aufzuhetzen. E r m e k- j®rte und antwortete dem Schaffner, der um s j bat,„die neuen Männer der BVG. dieselben Bonzen wie früher, jj/baben für euch und uns genau so wenig wie die alten". Als der Beamte sich die Der berüchtigte Witz. „Das Sondergericht für das Land Sachsen hatte sich am Donnerstag unter dein Vorsitz des Landgerichtsdirektors Friesecke mit folgenden Straffällen zu befassen: Der Porzellanmaler Werner Richter aus Dresden hatte Anfang 1934 einer Dame gegenüber einen der berüchtigten„W i t z e" über Adolf Hitler und Stabschef Röhm erzählt und am 21. Februar 1934 das Parteiabzeichen getragen, ohne Mitglied der NSDAP, zu sein. Das Gericht verurteilte ihn, besonders wegen der gemeinen Art des Witzes, zu einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis."(„Der Freiheitskampf", Dresden. 18. Mai.) Gerüchte, Gerüchte! „Es ist mir zu Ohren gekommen, daß in letzter Zeit von unverantwortlichen Elementen unwahre Gerüchte über die Gruppe Bayerische Ostmark verbreitet wurden. Ich lasse auf diesem Wege ein® letzte Warnung an alle Ruhe und Ordnung liebenden Volksgenossen ergehen, derartige Gerüchte weiter zu verbreiten, da ich mit rücksichtsloser Strenge gegen jedermann vorgehen werde, der bei der Weiterverbreitung solcher Gerüchte betroffen wird. Der Sonder bevollmächtigte der Obersten SA-Führung bei der Regierung von Niederbayern und Ober pfaiz Rakobrandt, Gruppenführer." Wühlmaus. „Der Landrat des Kreises Biedenkopf �hatte vor kurzem eine Bekanntmachung erlassen wonach alle Personen, die unberechtigter weise gegen Behörden imd Parteidienststellen hetzen und stänkern,':' öffentlich angeprangert werden sollen. Diese Ankündigung hat der Landrat nun erstmalig wahr gemacht, indem er den Namen eines Maurers aus dem Kreisort Dernbach, der dem Bürgermeister seines Ortes alle möglichen unschönen Handlungen nachgesagt hatte, deren Haltlosigkeit die gerichtliche Untersuchung ergeben hat, der Oeiient lichkeit bekannt gibt und ihn als eine Wühlmaus bezeichnet."(„Frankfurter Zeitung", 16. Mai.) „Verspätete Aprilscherze". „Oberbürgermeister Pg. Dr. Schottenheim von Regensburg veröffentlicht folgende Erklärung: Neben vielen anderen unsinnigen Gerüchten wird als neuestes zur Zeit in Regensburg kolportiert, daß ich in einer Wirtschaft in Kumpfmühl mit dem früheren Oberbürger meister Dr. Hipp ein Versöhmmgsfest feiern wolle. Diese Nachricht wird allem Anschein nach zum Teil von der Bevölkerung geglaubt. In meiner Eigenschaft als Arzt glaube ich die große Hitze verantwortlich machen zu müssen, sowohl für das Entstehen, wie für das Glauben solcher verspäteter Aprilscherze."(„Bayr, Ostwacht". 17. Mai.) Was man ihnen zutraut. „Ein schweres Sittlichkeitsverbrechen wurde vor einigen Tagen an einem fünfjährigen Mädchen in Hirschberg verübt. Die Ermittlungen haben ergeben, daß der Täter ein Parteigenosse Michalke aus Hirschberg ist, der selbst Kinder hat. Böse Zungen hatten dieses gemeine Verbrechen zum Anlaß genommen und behauptet, daß der Beobachter die Tat verschweigen müsse, weil es sich um einen Menschen handle, der schon seit langer Zeit der Bewegung angehöre. Gleichzeitig haben diese gewissenlosen Elemente damit beweisen wollen, daß die Bewegung alle Gemeinheiten, wenn sie durch Mitglieder der Bewegung begangen würden, decke."(„Beobachter", Hirschberg, 13. Mai.) Anspielungen. .. denn was soll man dazu sagen, daß ein Bilderbuch„F e r i e n t r ä u m e" vorgelegt wird, das das Bild eines Clowns mit einem Hakenkreuz auf der Hose enthält?..."(„Fränk. Tageszeitung.") „Oranienburg". In einem Berliner Kabarett kam es dieser Tage zu einem sehr bezeichnenden Zwischenfall. Ein Conferencier, der sein gähnendes Publikum durch öde, gleichgeschaltete, unpolitische Witze langweilte, rief dem Publikum zu, er wolle sich als Schnelldichter betätigen, man möge ihm Städtenamen zurufen. Ein Mann aus dem Publikum rief„0 r a n i e n- b u r g",worauf das Publikum in starkes ironisches G e I ä c h t er ausbrach und demonstratives Beifallsklatschen ertönte. Der Conferencier wurde puterrot und ging schnell zu einem anderen Thema über. Sehr bezeichnend für die Stimmung des Publikums war, daß niemand sich gegen den mutigen Zwischenrufer wandte, sondern daß alle, den Sinn des Zwischenrufes verstehend, sich hinter den„Oranienburger" stellten. Doppelsinnig. In der Münchner„Jugend" liest man unter der Stichmarke„Doppelsinnig" folgenden erstaunlichen Witz: „In einer Gesellschaft unterhält man sich ziemlich offen über einen wenig beliebten Minister des Landes, dem vor allen Dingen eine große Skrupeilo- s i g k e i t nachgesagt wird. Da man sich ziemlich einig in der Beurteilung des Herrn ist, versteigt sich schließlich ein auch nicht gleichmäßig beurteilter Arzt zu der Bemerkung:„Na, wir sind uns wohl darüber einig, der Minister ist der größte Schurke im ganzen Lan d." Da rief der anwesende Gerichtspräsident:„Herr Sanitätsrat, Sie vergessen sich!" Bei allem, was recht ist; das braucht sich Joseph Göbbeis doch nicht gefallen zu lassen! „Der Geist der schwarzen Frondeure." „Soeben erreicht uns die Nachricht, daß man, ähnlioh wie bereits den Grabstein unseres von Bayernwachtieuten ermordeten Pg. und SA-Mann Joseph Wiesheier nun auch das Denkmal für diesen Märtyrer des Dritten Reiches, das am vergangenen Sonntag in Gegenwart des Stabschefs Röhm in Gaiganz geweiht wurde, geschändet hat. Auffällig ist, daß am Gedenkstein nicht nur ein Teil der Schrift verstümmelt wurde, sondern, daß die Zeilen, die darauf Bezug nehmen, daß Wiesheier von einem Bayernwacht- Mitglied ermordet wurde, überhaupt ganz entfernt worden sind. Unerhört ist, daß Einwohner von Gaiganz auf Beiragen den Mut aufbrachten, die unverschämte Lüge, die Lettern seien vom Winde herausgerissen worden, auszusprechen."(„Fränk. Tageszeitimg", 18. Mai.) Leere Versammlungen! „Im Abwehr- und Verteidigungskampf der NSDAP, gegen Nörgler und Kritikaster, in den sich auch die Arbeitsfront mit aller Kraft stellt, sprach gestern abend in der leider nur verhältnismäßig schwach besetzten Oetker-Halle vor den Arbeitern der öffentlichen Betriebe der Stadt Bielefeld der Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter Körner-" („Bielefelder Generalanzeiger", 15. Mai.) Sie können sich nicht mehr retten vor den AMiesmachenT und„Kritikastern"! Die Volks- stimroung wendet sich gegen sie! Es knistert in Italien Italianisdhe Sozialisten und biirgerlidic Opposition Ter- stärkte Offensive in Italien Seit dem Mord an Matteotti im Jahre 1924 hat es im italienischen Antifaschismus stets eine Kooperation der bürgerlichen und der sozialistischen Opposition gegeben. Auf dem Aventin waren sowohl die konstitutionellen Demokraten wie die maximalistischen Sozialisten vertreten. Gemeinsam traf sie die Verfolgung. Soziaj'istische wie bürgerliche Oppositionsblätter wurden zerstört, Freimau- er wie Marxisten verfolgt, Giovanni A m e n- 4pla,_<r'een Bühnen. Auch für sie ernennt "als die Direktoren, Regisseure, Kapellmeister usw., auch ihnen kann er vorschreiben, welche Stücke sie spielen müssen. Da sich aber Göbbels für diese etwas unange- nebme Aufgabe nicht zuständig hielt, hat er dafür einen Stellvertreter ernannt. Und zwar Herrn Arnold Bronnen. War das von Herrn Göbbels nicht ein kleiner pikanter Seitenhieb? Ausgerechnet Bronnen hat er zum Hüter der jüdischen Bühnen bestellt! Glaubt er nicht an das reine Ariertum des nationalsozialistischen Dichters? Bronnen hat sich von dem Verdacht eines jüdischen Vaters gereinigt, indem er öffentlich erklärte, seine Mutter hätte mit einem reinen Arier einen Fehltritt begangen, dem er ensprossen sei! Sehr erbaut soll Bronnen nicht davon sein, ausgerechnet die jüdische Kunst betreuen zu müssen! Audi die Tanzlehrer Sie müssen tanzen, wie gepfiffen wird. Der Gaufachschaftsleiter der NSLB, des nationalsoziaüstischen Lehrerbundes, in Nürnberg erläßt folgende Bekanntmachung: „Hiermit fordere ich alle noch ausstehenden Tanzlehrer letztmalig auf, sich unverzüglich der Reichsfachschaft Deutscher Tanzlehrer Im NSLB. anzuschließen. Die amtliche Berufsvcrtretung der Tanzlehrer ist der NSLB, weicher eine selbständige politische Organisation m der NSDAP ist und somit öffentlich rechtlichen Charakter trägt. Ich appelliere an das Pflichtgefühl meiner Kollegen in Mittelfranken, nicht zu warten, bis eine zwangsläufige Efngliederiing in den NSLB. erfolgt" Mit Schrebergrußl Aus einer deutschen Großstadt geht uns ein Handzettel zu mit folgendem Wortlaut: An alle Gartenfreunde des Vereines! Bs geht Ihnen heute die Teilnehmerkarte zur Kundgebung am 4. 3 34 zu. Es ist Pflicht eines jeden Gartenfreundes, an der Kundgebung teilzunehmen und es wird schärfste Kontrolle geführt. Der Kontrollstreiten ist ausgefüllt am Sammelplatz Maurienstr. mittags 12 Uhr 30 Min. an die dazu bestimmten Ver- einstunktionäre abzuliefern. Wer nicht erscheint, stellt sich gegen die heutige Regierung und hat die Folgen zu tragen. Mit deutschem Sohrebergruß! Heil Hitler! gez.: K. Schreiber Vereinsführer. Danae Reichsbankpräsident Hialraar Schacht besucht einen ausländischen Bankier. An der Wand des Zimmers hängt eine Kopie nach Tizians„Danae". Schacht, der die Sage nicht kennt, erkundigt sich, was das Bild vorstelle. „Das ist die griechische Fttrstentochter Danae", erklärt der Hausherr.„Ihr Vater hat sie in ein ehernes Verließ, eine Art Tresorraum, eingesperrt, weil sie keine Kinder bekommen soll. Aber Zeus, der Oberste der Götter, dringt gleichwohl als goldener Regen ein, das Gold bedeckt Danaes Körper, und das Unglück ist fertig." Hjalmar gefällt die Geschichte offenbar nicht, denn er wiegt mißbilligend sein Haupt auf dem Giraffenkragen; „Ganz mit Gold gedeckt? Hätt ich nicht getan. Vier Prozent Golddeckung genügen doch auch!" Muckv. Braune Splitter Ein Mann wird aus einem Konzentrationslager entlassen. Er ist kaum hundert Meter vom Lager entfernt, als ihn eine SA-Patrouille anhält und ihm die Frage stellt, woher er komme. „Von mir erfahren Sie nichts", sagt der Mann.„Ich bin kein Miesmacher!" „Was ist ein Miesmacher? Ein Mensch, der nicht so gut lügen kann wie die anderen!" « Hitler beabsichtigt, ein Auswanderungsverbot für Juden zu erlassen. Er will nicht, daß ihm neben den Devisen auch noch die Sündenböcke knapp werden! • „Bitterlich hat Selbstmord begangen. Grund: Nahrungssorgen!" „Der Kerl war schon immer ein unverbesserlicher Miesmacher!" • „Gestern", erzählte der„Nichtarier" M., „habe ich wieder bis zum Weißbluten Steuern bezahlen müssen."„Was?", staunt der„Arier" F.,„Steuern zahlen— als Jude? Ja, dürfen Sie denn das?!" • Tumult auf dem Potsdamer Platz. Ein Dieb wird verfolgt. Levi siehts und läuft ebenfalls spornstreichs davon." „Hailo, Sie da"! ruft der Schupo,„weshalb laufen Sie denn? Sie sind doch unschuldig!" „Undschuldig?" sagt Levi,„gewiß. Aber wer glaubt Ihnen das—!" Der Weg in die Inflation Die Schulden der Reichsbalm— Schachts Befürchtungen Der Rechnungsabschluß der Reichsbahn für das Jahr 1933 hat nicht nur im Auslande einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht, sondern wird sogar von der gleichgeschalteten Presse mit Sorge betrachtet. Die Reichsbahn, die im Gegensatz zu anderen Balmsystemen durch die Inflation von ihren Schulden befreit war, seit 1930 auch ihrer Repara- tionsverpfiichtungen ledig geworden ist, hat eine sehr ungünstige Entwicklung genommen. Der Fehlbetrag in der eigentlichen Betriebsrechnuag beläuft sich nunmehr auf 136 Millionen Reichsmark und hat sich gegen das Vorjahr verdoppelt. Die Einnahmen sind mit 2921 Millionen (im Vorjahr 2934) um Vc% zurückgegangen und betragen nur mehr 45 Prozent der Einnahmen von 1929. Dagegen sind die Ausgaben mit 3057 Millionen um 56 Millionen gegenüber dem Vorjahre gestiegen. Das Gesamtdefizft beträgt 385,6(im Vorjahr 308,7) Millionen und kann nur durch die Heranziehung der letzten Reserven und sonstige außerordentliche Einnahmen, wie Steuergutscheine und Valutagewinne, gedeckt werden. Aber ebensowenig wie heute der Etat ein wirkliches Bild des Staatshaushaltes liefert, so zeigt auch die Gewinn- und Verlustrechnung der Reichsbahn nicht das Entscheidende. Dieses ist das rapide Anwachsen der kurzfristigen Schulden um'fast 500 Millionen auf 745 Millionen, die in diesem Jahre noch auf rund 860 Millionen ansteigen werden. Es handelt sich um sogenannte Wechsel, die für die Arbeitsbeschaffung ausgestellt werden und eine Laufzeit bis 1938, zum größten Teil sogar bis 1940 haben. Es ist diese kurzfristige Verschuldung. gegen die sich die Kritik der ausländischen Finanzpresse mit Recht richtet, da bei dem fortdauernden Defizit für dessen Deckung in Zukunft keine Reserven zur Verfügung stehen, nicht einzusehen ist, wie diese Wechsel eingelöst werden sollen. Andererseits ist der Zustand des deutschen Kapitalmarktes kein solcher, daß mit der Aufnahme einer langfristigen Fundierungs-Anleihe in absehbarer Zeit gerechnet werden könnte. Der Bericht selbst läßt erkennen, daß die Reichsbahnverwaltung gegen die beständige Erhöhung ihrer Ausgaben und die Schuldenwirtschaft schwere Bedenken trägt. Betont sie doch selbst, daß die Tarifermäßigungen, die für das Jahr einen Ausfall von etwa 175 Millionen ausmachen, wesentlich zur Ermöglichung des Regierungsprogramms eingeführt worden sind und daß aus demselben Grunde die betriebswirtschaftlich mögliche Ausgabeneinschränkung unterblieben ist. Die Arbeitsbeschaffung hat natürlich auch den spezifisch nationalsozialistischen Beigeschmack. Bei der zunehmenden Bedeutung des Automobils werden Eisen- bahninvestitionen immer unrentabler und deshalb auch, abgesehen von Ausnahmefällen, vermieden. Die deutsche Reichsbahn dagegen baut z. B. gegenwärtig die Eisenbahnlinie Stuttgart— Schaffhausen in großzügiger Weise aus. In Horb und Rottweil werden große Bahnhöfe geschaffen. Die Rheinlinie Karlsruhe-Baden liegt im Feuerbereich der französischen Kanonen und deswegen wird eine strategische Linie neu geschaffen, die sowohl nach dem Main wie nach dem Schwarzwald und der Schweiz hin verwendbar sein wird. Man weiß ja auch, daß der Ausbau der Autostraßen, deren Planung der Reichsbahn übertragen worden ist, gleichfalls nicht nur rein zivilen Zwecken dient. Schon echte Inflation! Der rasch anwachsende Umlauf der Eisenbahnwechsel lenkt die Aufmerksamkeit aufs neue darauf, daß ein wachsender Teil des deutschen Wechselum- ! a u f s überhaupt nicht mehr aus echten, sich selbst liquidierenden Handelswechseln besteht, sondern aus staatlichen oder vom Staat garantierten Schuldscheinen von unbestimmbarer Lauffrist, die als solide Deckungsunterlage für Noten durchaus ungeeignet sind. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt den Status der Refchsbank, so ergibt sich folgendes: Ehe 3461 Millionen Reichsbanknoten sind nur zu 43 Prozent mit Gold und Devisen gedeckt 85 Prozent der Deckung bestehen aus Wechseln und 9 Prozent aus Effekten, hauptsächlich Steuergutscheinen. Von den Wechseln aber sind heute schon fast ein Drittel, etwa eine Milliarde, Arbeitsbeschaffungswechsel und zu diesen kommen noch unbekannte Beträge von Landwirtschaftswechseln, Krisenwechseln der Banken, Russenwechseln, alles mehr oder weniger langfristige und schwer liquidierbare Effekten, die von keiner Notenbankgesetzgebung der Welt als echte Deckungsgrundlage betrachtet werden. Da bis jetzt zwei Milliarden Arbeitsbeschaffungswechsel ausgegeben worden sind, ist bereits die Hälfte der gesamten ausgegebenen Summe allein von der Reichsbank, das heißt also durch richtigge- hende Inflation aufgebracht worden. Bis zum Herbst wird mit einer Vermehrung dieser Wechsel bis auf 23 Milliarden gerechnet. Dazu kämen dann noch rund 400 Millionen Reichsmark Autostraßenwechsel, die aber vielleicht die angegebene Höhe nicht erreichen werden, da ja die Arbeitsbeschaffung infolge der bedrohlichen Devisenlage wohl bald eingeschränkt werden wird, und dann bis zum Jahresende noch die 860 Millionen Wechsel der Reichsbahn. Demgegenüber weist der Ausweis der Reichsbank ein verhältnismäßig langsames Ansteigen des Wechselbestandes aus, der heute nur um rund 200 Millionen Reichsmark den des Vorjahres übertrifft Der Anteil der echten Handelswechsel wird also immer geringer. Auch der Notenumlauf weist nur eine Steigerung um 124 Aus dem Kreise Guben erfahren wir: Ein Fabrikant, der eine Mitgliedsnummer der Nazipartei unter 50.000 hat, erklärte kürzlich:„Wenn die»Märkische Volksstimme«, das sozialdemokratische Blatt, wieder erscheinen könnte, dann müßte sie wochenlang jeden Tag mindestens 20 Seiten über Korruption bringe n." Es ist leider nicht möglich, alle Korruptionsfälle in Guben und Umgebung zu veröffentlichen, die in den letzten neun Monaten geschehen sind. Man versucht, geheim zu halten, was geheim zu halten ist. Einige Fälle seien aber doch wiedergegeben; 1. Fall: Als Nachfolgeblatt der»Märkischen Volksstimme« erscheint der»Ostdeutsche Arbeiter«. Herausgeber ist Brügge- m a n n, ein Vorkämpfer für Reinheit und Sauberkeit Er ist jetzt nach Hinterlassung von 30.000 RM. Schulden flüchtig. Es soll versucht werden, die Zeitung in Betriebsgemeinschait weiterzuführen. 2. Fall: In Crossen a. d. Oder mußte der neue Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse nach nicht viermonatiger Tätigkeit entlassen werden, da sich während dieser kurzen Zeit bereits ein gewaltiges D e f j- z i t herausgestellt hatte. 3. Fall: In Staweddel, Kreis Guben, haben sowohl der Kassierer des Landarbeier- verbandes wie ein SA.-Führer Unterschlagungen begangen. 4. Fall: Da ist Herr G a 1 1 u s-Guben. Von irgendwo angeschwemmt, wird er auf einmal Gruppenleiter der NSDAP., dann nach glorreicher Revolution Gewerkschaftskommissär mit 890 RM. Monatsgehalt Bald hatte seine Kasse ein Defizit. Er verschwindet als Arbeitsdienstlagerleiter nach Weissig, Kreis Krossa, dort wieder Defizit. Jetziger Aufenthalt unbekannt 5. Fall: Pfarrer Gräser aus einem kleinen Ort im Kreise Guben, Leiter der Hitlerjugend, sittliche Verfehlungen an Schulkindern, Griff in die Kirchenkasse, wird auf seiner Flucht kurz vor dem Aufstieg mit dem Flugzeug auf dem Tempclhofer Feld verhaftet. Das Gericht spricht ihn unter Ausschluß der Oeffentlichkeit frei. Grund; Die angeblichen sittlichen Verfehlungen seien nur Angebereien eines rachesüchtigen SA.-Mannes, und die Unterschlagungen fallen unter die Amnestie. 6. Fall: Feder hardt in Guben ist fanatischer SA.- und NSBO.-Mann, Portier in greß- MilKonen auf. Das letzlere findet aller- dings eine einfache Erklärung: „Ein Tel] der neu eingestell- ten Arbeiter verdient vorläufig nicht viel mehr an Lohn als zuvor an Arbeitslosenunterstützung0, schreibt die„Frankfurter Zeitung" und sie hätte hinzufügen müssen, daß auch die Löhne des größten Teils der anderen Arbeiter immer mehr auf dieses Niveau her- abgedrückt werden. Das alles aber beweist, daß parallel mit der Vermehrung der Arbertsbeschaffungswechsel keine Vermehrung der echten Handelswechsel vor sich gegangen, daß die Mehrbeschäftigung der Wirtschaft, so weit sie vorhanden ist, nur auf dem künstlichen Wege inflatori- scher Finanzierung geschieht und daß sofort ein Rückschlag erfolgen müßte, sobald diese gestoppt würde. Das ist ja die große Gefahr, vor der das Regime jetzt steht. Die inflatorische Ausdehnung der Kaufkraft vermehrt die Einfuhr, während der Export zurückgeht. Dies hat den Goldabfluß der Reichsbank bewirkt und Deutschland zahlungsunfähig gemacht. Deshalb der zähe Kampf, den Schacht um die Einstellung der Zahlungen führt, zitternd, einen neuen Aufschub zu erhalten, ohne daß die gefürchteten Gegenmaßnahmen des Zwangsclearings ergriffen werden. Die kurze Zeit der Hitlerdiktatur hat jedenfalls ausgereicht, um Deutschlands Wirtschaftsschicksal immer mehr von seinen Gläubigern abhängig zu machen. Statt Brechung d e r Zi n skn e ch t sc h a f t hat der Nationalsozialismus die Zinsknechtschaft ans Ausland verhängnisvoll gesteigert. Dr. Richard Kern. ter Hutfabrik. Er macht Unterschlagungen bei der NSBO. Als Arbeiter im Betriebe darüber diskutierten, erscheint Anschlag; Diskussion ist verboten und wird mit Konzentrationslager bestraft 7. Fall: Der Kassierer der N S., Hago, in Guben erhält ein Jahr Gefängnis wegen Unterschlagung von 800 RM. 8. Fall: der Nazimann Diener(Guben) von der WohKahrtslotterie erhält ein Jahr Zuchthaus wegen Unterschlagung. 9. Fall: Der Nazimann L e i t s c h(Guben) von der Wohlfahrtslotterie erhält anderthalb Jahre Gefängnis wegen Unterschlagung. 10. Fall: Der Leiter des Arbeitsdienstes bei Fürstenberg erhält wegen U n- terschlagung mehrere Monate Gefängnis. 11. Fall: Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Guben war ein Kriegsbeschädigter als Obersekretär angestellt. Ihm unterstand die Rechnungsprüfung. Im Herbst vorigen Jahres wurde er zum Sekretär degradiert und als Obersekretär wurde der h i e- sige SS.- Führer Willmann eingestellt. Es stellte sich aber heraus, daß dieser bei der Reichsbahn Unterschlagungen gemacht hatte und dafür acht Monate Gefängnis absitzen mußte. Naive Leute glaubten nun, daß man diesem Manne wohl schwerlich die Rechnungsprüfung überlassen könnte und wandten sich an den Arbeitsnvinister. Dieser entschied aber, daß Willmann die Rechnungsprüfung behält. Die Diskussion über den Fall wurde unter Androhung der Ueberführung ins Konzentrationslager verboten, Ihre Argumente Im„Westdeutsdhen Beobachter" Nr. 186 beschimpft der Hauptschriftleiter Winkelnkemper ip einem aus Paris datierten Artikel die deutschen Emigranten. Wir geben die Höhepunkte dieses Produktes wieder: „Jüdisch-marxistisch-pazifistische Rassen- schlamm, gefährliche Krankheitsträger, Zufluchtsstätte rassisch verkommenen Gesindels, landesverräterisches Verbrecherpack. galizische Scheusale in Menschengestalt. Schmutz- und Scliundblätter, verkommenes Gesindel, Fratze der Weimarer Judenrcpublfk, Tätigkeit dieser Burschen Fülle dieser nunmehr in Paris schmarotzenden Schicht menschlicher Verkommenheit, Lfteratengeschmeif,___• scheußliches Treiben,' vermanschter Rassenschlamm. Abschaum und Minderwertigkeit Schmarotzertum, Unverschämtheit und Frechheit, Parasitentum Abschaum menschlicher Verkommenheit." Man wird überall im Ausland überzeugt sein, daß dieser Winkelnkemper zu den Spitzen brauner Geistigkeit gehört. - in. Göring rersdienkf Schlösser In der Bilderbeilage des»Hamburger Fremdenblattes« konnte man kürzlich ein feenhaft schönes Schloß abgebildet sehen, das Schloß Herrenhausen bei. Hannover, das im Jahre 1869 mit der Domäne Callemberg von der Regierung Bismarck dem Braunschweiger Herzog enteignet worden war. Herzog Ernst August von Braunschweig, Wilhelms Schwiegersohn, hat diesen Besitz jetzt von den braunen Sozialisten zurückerhalten! Front des Geistes Neue bemerkenswerte Veröffentlichungen. Helmut von Gerlach schreibt in der „Neuen W e 1 1 b ü h n e" Nr. 23 über„R ö c h- ling und die Saa r." „Röchling ist der heimliche Kaiser des Saarreviers. Bei den sechstausend Arbeitern seiner Werke ist der Hitlergruß obligatorisch; wer nicht römisch grüßt, fliegt. Und nun wissen wir, woher der Wind an der Saar weht. Mit Terror will Röchling die Abstimmung für Hitler dirigieren, denn nach der Angliederung an das Dritte Reich soll er an der Saar die Stellung erhalten, die Krupp und Thyssen in der Industrie des übrigen Deutschlands von Hitler verliehen worden ist." Die ,.W a h r h e i t"(Prag) Nr. 20 kämpft gegen die Ritualmordnummer des Streicher- schen„Stürmer". Sie charakterisiert die neue Judenhetze mit dem Wort„Die Geburt des Pogroms aus der Pleit e". Neben zwei Originalseiten des„Stürmer" veröffentlicht sie einen Brief von Karin Michaelis gegen die Judenhetze. Die II. Internationale Konferenz sozialistischer Aerzte hat zu Pfingsten in Brünn getagt. Sie hat sich mit einem Aufruf an die geistigen Arbeiter in allen Ländern gewandt, in dem es heißt; „Es gibt nur eine Möglichkeit, die Barba- risierung und Vernichtung abzuwenden— die Herstellung der freien, der klassenlosen Oesellschaft. Der Platz des geistigen Menschen in diesen entscheidenden Tagen ist in den Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft." Der Worlaut des Aufrufs erscheint im„1 n' ternationalen ärztlichen Bulletin", Prag.(i In den„Europäischen Heften N1,1 7 schreibt Max Bergner: Kann Deutschland Krieg führen? Er kommt zum Schluß: „Oekonomisch gesehen ist die deutsche Kriegsrüstung beinahe vollendet. Außer der Materialversorgung ist auch schon die Organisierung der Zwangsarbeit für den kommenden Krieg planvoll durchgeführt. Und die massenpsychologischen Vorarbeiten zur kriegswirtschaftlichen Mobilisierung sind vom Nationalsozialismus ganz besonders weit getrieben- Es kann beginnen;" Im Verlag Gallimard. Paris, erscheint Alfred Apfel, Les dessous de laiu- s t i c e a 1 1 e m an d e. Im Vorwort heißt os� „Dies Werk hat zum Ziel, alle Anhänger de' liberalen Idee zu ermahnen, streng die poetische Justiz ihrer Länder zu kontrollieren- IterBörairfe