(SoikltotiwIraHfd)** \r. 52 SOWTAG, 10. Juni 1934 � erlag: Karlsbad, Haus-Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Hitler beschenkt Börseaner Die Stimmung in Deutschland Köhra in Ragusa Kohlrübe, Papierhemd, Morgentrank üleMut des deutschen Volkes Das Ausmaß der Ausplünderung des •kutfchen Volkes für die Parteizwecke der Nationalsozialisten wird allmählich sichtbar. Es übertrifft alle Vermutungen �nd Berechnungen. Wir haben kürzlich die Kosten von SA, SS, Hitlerjugend und einigen ähnlichen Organisationen auf rund Milliarde Mark berechnet. Inzwischen Jäßt sich aus den Ansätzen des Reichs- «aushalts erkennen, daß Hitlers Privat- �niee mit allen Nebenkosten etwa 600 �lillionen Mark erfordert. Dabei sind die Kosten der politischen Organisation der J�SDAP völlig außer Ansatz geblieben. Der Betrag von einer Milliarde Mark wird also weit übertroffen werden. Auf welchem Wege wird diese Riesen- Summe— eine innereReparations- JastandicbraunenBesatzungs- �PPen— aus dem Volke herausgezogen? . Einen Teil der Kosten trägt das Reich, l'nen anderen die Länder. Sie sind in den Etats versteckt. Wir haben femer letzthin �auf hingewiesen, wie stark die NSDAP den Aufrüstungsgewinnen be- te%t ist. Jetzt liegen die Beweise dafür vor, daß auch die Gemeindefinanzen ausgeplündert werden. , Der preußische Minister des Innern hat Runderlaß über die finanziellen Eeistungenvon Gemeinden und Denieidever bänden für die Par- e' und ihre Gliederungen her- ausgegeben. Der Runderlaß beschäftigt zunächst mit der Ueberlassung von Grundstücken, Gebäuden und beweglichen Gegenständen und fährt dann fort: »Dia Gewährung von Geldmitteln a|, Gliederungen der Partei Ist inso- *e't zulässig, als diese unter Entlastung des »ushaits der Gemeinden Aulgaben erfüllen. sonst von der Gemeinde selbst erfüllt oder �ereu stellen oder Personen bezahlt werden Görden. Statthaft bleiben im Rahmen des "fer Berücksichtigung der Finanzkraft der ��tne'mde für solche Zwecke üblichen auch "Wendungen aus ffaushaftsan- 'zen für eine Betätigung, deren lediglich /"•hzlelle Förderung anerkanntermaßen zu den �feindlichen Aufgaben gehört, z. B. für Ans- zung von Preisen bei sportlichen Veranstal- Ebenso Ist gegen die Zahlung von � n' 8 e 1 1 e n für Leistungen bi bestimmten �»HSUen. wie z, B. bei Uebemahme des "�Schutzes, selbstverständlich nichts einzusenden. ter Darüber hinaus gehört geldliche Un- p�'ßtznng von Dienststellen der der SA, der SS und der anderen (kr®n,n8en der Partei nicht zu den Aufgaben '«rhi' �'e h�t daher zu un- ein e")en- Dazu gehört auch die Leistung y e olnmallgen oder laufenden Beitrages zu rtierWa'tungskosten oder Gehälter, �"�"'seitliche Ueberlassung von Helz- Sag 8�'a,• Betrlebsstoffses für Kraft- 1 6 en' �ie Ueberlassung von Frelfahrkar- dle Leistung von Fuhren und dergL Hnti reit Se8en diesen Richtlinien tatsächlich be- Ztiri.Sveransgabtc Mittel sind nicht eine �zufordern. Für die Zukunft hat kaüg lesen Richtlinien widersprechende Aus. dann zu unterbleiben, wenn Ein- '|a|t!,n8<,er Ausgabe In den Haus- � Plan bereits erfolgt Ist." Saibme r'erne'ndefiaushalte sind am Zu- ''Öht j- recEcn. Die Steuern werden er- Jede vi6 Wohlfahrtssätze rigoros gekürzt. �'c'ie Kontrolle ist beseitigt. Die Woi]e � Demeindetyrannen tun. was sie • Deshalb mußte ako die Selbstverwaltung verschwinden, weil braune Bonzen die Gemeindekasse mit ihrer Parteikasse verwechselt haben! Es wird für jedes kommende neue Regime ein grauenhaftes Erbe sein, das das braune System hinterlassen wird— das Reich auf Jahre hinaus vorbelastet, die Gemeindefinanzen ruiniert. Wenn eines Tages die Rechnungen offen gelegt werden, wenn das System bankrott macht, dann wird das Volk die braune Räuberbände verfluchen und der Sumpf der nationalsozialistischen Korruption wird gen Himmel stinken. Ein Heer von Parasiten hat Deutschland überfallen und schmarotzt am Ein kommen des immer ärmer werdenden Volkes! Die Opposition wädist Göbbels Propagandamaschine versagt. Der Feldzug gegen die Miesmacher ist schon verloren. Die Versammlungen sind schlecht besucht, die Stimmung Ist flau. Die Opposition geht bis tief in die Reihen der NSDAP und der SA. Gegen unleugbare Tatsachen hilft keine Deklamation, kein Befehl und keine Regie. Schon regt sich Kritik an Göbbels Propagandamethoden. Man wirft ihm vor, daß er die„Versammlungslawine" gegen die Nörgler und Miesmacher gestartet hat. Es wäre besser gewesen— so sagen seine NSDAP-Kritiker— er hätte sie überhaupt nicht angefangen. Wenn die Propaganda nicht mehr zieht, versteht Göbbels die Welt nicht mehr. Die Opposition wächst, und mit der Opposition die Gegenpropaganda. W i r können ermessen, daß allmählich der Bann zerreißt, den die braune Ver- neblungspropaganda um das Volk gezogen hat Die Auflage des„Neuen Vorwärts" steigt Wir stellen fest, daß ein brennendes Interesse besteht die Wahrheit über Deutschland zu hören. Wir verfügen über keinen Staatsapparat, nicht über ungezählte Millionen-- aber unsere Propaganda wirkt; denn sie ist wahrhaftig. Die braunen Lügen aber haben kurze Beine! Spi�lpestln England Sie denunzieren sich gegenseitig. ..Daüy Herald", das große Londoner Arbeiterblatt, bringt Enthüllungen über eine geheime Nazispionage-Zentrale in England, die alle dort lebenden Deutschen unter ihre Beobachtung genommen hat. Die aufdringliche Tätigkeit dieser Organisation hat zahlreiche in England angesehene Deutsche veranlaßt, das dortige Innenministerium zum Schutz vor den aufdringlichen Spitzeln anzurufen. Auch Engländer sind vor Belästigungen durch diese Bande nicht sicher. Ihre besondere Aufmerksamkeit hat die Spitzelzentrale den Vertretern deutscher Firmen in Engfand zugewandt, die nicht mir wegen ihrer politischen Haltung beaufsichtigt, sondern auch nach ihrer Ab- stamroung untersucht werden. Ein Opfer dieser Art von Terrorismus wunde ein langjähriger Vertreter einer deutschen Firma in Liverpool. der Jude ist Die Firma weigerte sich zunächst, den Mann zu entlassen, weil er ihr ausgezeichnete Dienste leiste, sie wurde aber durch massive Drohungen dennoeih dazu gezwungen. Immerhin, bemerkt„Daüy Herald", fehlt es der Angelegenheit auch nicht an Humor, da sich neuerdings herausgestallt hat, daß zwei hervorragende Mitglieder der Organisation sich gegenseitig denunziert hatten. Jeder hatte nämlich den anderen bei der englischen Polizei als„gefähriiehen Ausländer" angezeigt, in der Absicht, dadurch die Ausweisung seines Konkurrenten herbeizuführen. Malieotli Zum zehnten Jahrestag seines Märt jrerto des /0. Juni 1924. Heute vor zehn Jahren erlag M atteotti den Streichen seiner faschistischen Mörder. Als man seinen entstellten Leichnam fand, schrie die Welt vor Entsetzen auf. Das schuldige System erlebte seine schwerste Krise. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Der Faschismus hat die Krise überstanden und sich in der Macht befestigt. Nur in den Hütten der Armut lebt noch das Andenken des großen Märtyrer des italienischen Sozialismus. In den Palästen des Reichtums und der Macht paktiert man mit den Mördern und huldigt ihnen. Zehn Jahre sind vergangen.— 0, ja. die Menschheit ist seitdem fortgeschritten! Soweit, daß man das Entsetzen, das die Welt damals wegen der Ermordung eines Sozialisten erfaßte, nicht mehr versteht. Hitler wird darüber lächeln, daß Mussolini wegen der Ermordung eines Marxisten in Bedrängnis geraten konnte. Stelling, Lessing, Fechenbach, Eggerstedt, hunderte andere weniger bekannte zu Tode gefoltert, aus dem Hinterhalt gemeuchelt,„auf der Flucht erschossen"— sie konnten die Sicherheit des Systems nicht stören. Der Gedanke an die grausam Ermordeten hat den Machthabern nicht die Ruhe einer einzigen Nacht gekostet. Daß Tote wieder auferstehen ist nur ein jüdisches Greuelmärchen, und die ewig muntere Propaganda preist das Land der frischen Gräber als ein Land des Lächelns. Die Machthaber können es nicht wahr haben, daß ihre Opfer täglich auferstehen als Ankläger gegen sie. Die M atteotti. die Stelling, die Lessing, die Fechenbach und Eggerstedt, die W allisch und die M ünichr eit er, die Erstochenen und Zerschlagenen, die Erschossenen, Gehenkten, zu Tode Gemarterten werden nicht vergebens gestorben sein. Zehn Jahre sind ein unendlicher Zeitraum für ungeduldige Menschen, für die Weltgeschichte sind sie fast nichts. Die Weltgeschichte aber lehrt uns, daß es nie unnütz war, für das Recht zu kämpfen und für gerechte Vergeltung. Der Tag wird kommen! Ersa�9 Ersa�! Für uns in Deutschland beginnt jetzt eine neue Schlacht Wir erschlagen nicht mehr die Arbeit mit der Arbeitsschlacht. Wir wollen auch nicht mehr siegreich Frankreich schlagen, sondern die neue Schlacht ist die Ersatz-Schlacht. Wir schlagen das Ausland, indem wir uns von der ausländischen Rohstoff-Einfuhr unabhängig machen. Unser Reichswirtschafts- minister Schmitt hat es schon gesagt: Wir werden aus der Not eine Tugend machen: nämlich aus der Devisennot die Tugend der kriegswirtschaftlichen Vorbereitung. Wenn das Ausland uns keine Rohstoffe auf Kredit liefern will, dann werden wir uns eben unsere Rohstoffe allein machen und die Welt wird das Nachsehen haben. Ersatz, Ersatz ist der neue Schlachtruf und in diesem Zeichen werden wir siegen. Schon werden überall fieberhaft Anstrengungen zur Vorbereitung der Ersatz-Schlacht gemacht. Da sind zunächst die Erdölbohrungen in Hannover, in Baden und in manchen anderen Orten. Unter der Devise„los vom ausländischen E r d ö 1", hat die Reichsregierung 5 Millionen Mark ausgeworfen für die Auffindung heimischer Oelquellen. Da sind weiter die Versuche, überhaupt vom Benzin- Motor loszukommen, und Automobile und Flugzeuge mit Dampf zu betreiben. Da sind weiter die Versuche, Deutschland von der ausländischen Baumwolle und Wolle unabhängig zu machen. In Zukunft soll nicht nur Kunstseide, sondern auch eine Baumwollfaser und sogar eine Wollfaser aus Holz hergestellt werden. Eine große Konjunktur für die chemische Industrie hebt an, Textil- Ersatzstoffe aus Holz zu gewinnen. Die Stapel-Faser, die Vistra und Wollstra werden bald für jeden Deutschen ebenso geläufige Begriffe sein wie Bembergseide! Dies© Textil-Ersatzstoffe werden zwar erheblich teurer und erbeblich minderwertiger sein, aber wir werden uns daran erinnern, daß wir schon einmal in einer glorreichen Zeit schlechte Kleidung durch stramme Haltung ersetzt haben. Welch neue ungeahnten Perspektiven eröffnen sich, wenn wir an diese Zelt zurückdenken! Schon geht die Reichsregie- rug damit um, einen Reichskommissar für die Verwendung von Rohstoffen einzusetzen. Wir beeilen uns, im Schatz unserer Erinnerungen zu kramen und dem zukünftigen Herrn Reichskommissar einige Empfehlungen für die Ersatz-Schlacht gehorsamst zu unterbreiten. Da ist zunächst die Fettwirtschaft. Die Reicbsregierung hat ja schon damit angefangen, die Bevölkerung planmäßig und systematisch auf die fett- freie Ernährung umzustellen. Der Fettplan der Reichsregierung, der seit einigen Monaten in Durchführung begriffen ist, hat schon den einen bemerkenswerten Erfolg gezeitigt, daß in den meisten Gegenden überhaupt keine Margarine oder nur noch hintenherum zu bekommen ist und daß wir z. B. aus Schlesien wissen, daß dort schon Margarine-Ersatz angeboten wird! Wir empfehlen überhaupt, mit der fetthaltigen Ernährung radikal zu brechen. Unserer Auffassung nach muß die große Ersatz-Schlacht auf dem Gebiet der Ernährung beginnen mit einer gewaltigen Ausdehnung der Anbaufläche für Kohlrüben. Fragt die deutsche Hausfrau und sie wird euch sagen, daß die Kohlrübe unstrittig das Gewächs mit der größten Verwendungsmöglichkeit ist. Denken wir noch an die herrliche Kohlrüben- m a r ra e 1 a d e. die wir mit Löffeln gegessen haben(weil wir nichts anderes hatten), erinnern-wir uns, daß man Kohlrüben backen und braten, schmoren und dämpfen kann, daß man sie als Salat und Kompott servieren kann. Neben der Kohlrübe wollen wir aber auch den Kunsthon ig nicht vergessen. Wenn wir schon von Brotaufstrich reden, dann wollen wir auch gleich an das Brot denken. Die Erfahrungen mit dem als Kriegsbrot bezeichneten Gemisch von Kleie und Kreidemehl waren noch nicht ganz zufriedenstellend. Wir brauchen ein Brot, von dem man noch wesentlich dünnere Scherben abschneiden kann und das trotzdem noch länger und schwerer im Magen liegt. Wir können uns denken, daß das■vielleicht dadurch erreicht wird, daß etwas mehr Kreidemehl und etwas weniger Kleie verarbeitet wird. Selbstverständlich darf das D 5 r r g c- m ü s e unter unseren Vorschlägen nicht fehlen und ebenso wenig wollen wir darauf verzichten. in Zukunft statt der nervenzerrüttenden Kaffees den garantiert unschädlichen„M o r g e n t r a n k" auf unserem Frühstückstisch zu sehen. Es gab zwar Leute, die behaupteten, daß dieser Kaffee-Ersatz aus den eingesammelten Kartoffelschalen hergestellt worden sei, aber wir vertrauen hier voll und ganz auf die Fortschritte der deutschen Nahrungsmittel-Chemie. Aber nicht nur die Chemie, sondern auch der Industrie der Küchengeräte wird durch die Ersatz-Schlacht eine Fülle neuer Aufgaben envachsen. Die Herstellung von Bratpfannen— vielleicht mit dem Bild des Führers— in denen man ohne Fett braten kann. Die Herstellung von Backformen, in denen man ohne Mehl backen kann, sind neue große Aufgaben der Arbeitsbeschaffung. Wenn wir nun zum Gebiet der Bekleidung übergehen dürfen, so erlauben wir uns, die Kriegs-Stiefel in Erinnerung zu bringen und wir sind der festen Ueberzeugung, daß mit diesen Stiefeln— obenausPappe, unten ausHolz — der Marsch ins Dritte Reich dann noch ganz anders klappen wird. Da sind dann weiter die großen Vorzüge der Papier- h e m d e n. Man braucht sie gar nicht zu waschen! Und da wir gerade vom Waschen reden: das alltägliche Waschen wird zur großen Freude der Kinder überhaupt eingeschränkt werden, denn das Fett wird man dann wieder besser statt für Seife für die Margarine verwenden. Im Kriege gab es zwar Leute, die behaupteten, daß die Margarine nach Seife schmecke, aber das waren natürlich die Miesmacher und Kritikaster, an deren Vorhandensein man ja erst eine große Zeit erkennt Soweit Seife sich als unentbehrlich erweisen sollte, kann ihr Fettgehalt sicherlich durch Aufdruck eines Hakenkreuzes völlig ersetzt werden. Wir wollen aber nicht nur von der ausländischen Baumwolle-, Wolle- und Leder-Einfuhr frei werden, sondern auch von der Kautschuk-Einfuhr. Wie herrlich fuhr es sich doch damals auf Fahrrädern, die keine Gummibereifung hatten, sondern statt dessen einen Eisenreifen mit Spiralfedern. Wir fragen die Reichsregierung schließlich: Muß der deutsche Mann unbedingt ausländischen Tabak rauchen? Die Blätter der deutschen Eiche und der wilden Rose geben ein sehr reizvolles Tabakgemisch. Uns war damals als Jungens allerdings jämmerlich schlecht darnach, aber ohne Frage ist die heutige Jugend viel mehr abgehärtet. Unser® Reichsregierung wird weiter wissen, daß man keine Ersatz-Schlacht schlagen kann, ohne das Kartensystem wieder einzuführen und den Schleichhandel zu organisieren. Wir sprechen schon überall in Deutschland davon, daß die Reichsbank bereits Brotkarten auf Vorrat druckt und die Fettkarten haben wir Ja schon. Die Bezugsscheine für Kleidungsstücke und Wäsche sollen wir dann auch demnächst bekommen. Der Schleichhandel wird auf dem Gebiet der Fett- und Eier-Bewirtschaftung Jedenfalls schon eifrig geübt. Margarine kann man nur noch bekommen, wenn man über gute Beziehungen zu seinem Kaufmann verfügt und frische Eier gibt es nur die JUtiüu# m dm detstiewisms Hitler vollbringt Wunder V. Sch. Paris, 2. Juni. Das Hauptverdienst Hitlers liegt ja bekanntlich darin, daß er Deutschland und damit die ganze Welt-vor dem Bolschewismus gerettet hat. Er selber hat es so oft verkündet, daß er es schließlich vielleicht selber glaubt Auch seine Emissäre im Auslände, vor allem der famose Alfred Roserrberg, haben hauptsächlich mit diesem Argument operiert, um die Sympathien der Welt für das Nazi-Regime zu gewinnen. Sie dachten, daß wenigstens die großkapitalistischen und kleinbürgerlichen Elemente des Auslandes auf diese Schwindelparole ebenso hereinfallen würden wie seiner zeit die entsprechenden Kreise in Deutschland, die es übrigens zum großen Teil heute schon am meisten bereuen. Aber von einigen ultra-reaktkmären Schichten vor allem in England abgesehen, hat von Anfang an niemand an diese Errettung vor dem Bolschewismus glauben wollen. Der Reichs tagsbrandprozeß, der nach Görings Worten den Weltbolschewismus überhaupt unter vernichtende Anklage stellen sollte, hat mit einer förmlichen Apotheose für Dimitroff und seine Mitangeklagten geendet, und das abscheuliche Nachspiel der Nichtentlassung rechtsgültig Freigesprochener hat nur das Anseilen der deutschen Gewalthaber draußen in der Welt noch tiefer sinken lassen: zumal ein Stirnrunzeln der Sowjetregierung nach vollzogener Einbürgerung der drei Bulgaren genügte, um Hitler, Göring und Kumpanei zur panikartigen Kapitulation zu zwingen. Anscheinend unbeiehibar schickt sich die Nazi-Regierung an, durch einen Prozeß gegen Thälmann ihre Werbearbeit f 0 r den Bolschewismus womöglich noch zu steigern. Es ist kaum vorstellbar, daß das Dritte Reich, das eigens ein Propagandaministerium geschaffen hat, dessen Leiter Göbbeis auch bei seinen Gegnern als über dem Durchschnitt geschickt und intelligent galt, geradezu alles tut, um Sympathien für den Bolschewismus in der Welt zu wecken! Ziehen wir einmal die außenpolitische Bilanz dieses nationalsozialistischen Kreuzzuges gegen Moskau. Die Sowjet- Regierung kann wahrhaftig zufrieden sein. Sie hat innerhalb eines Jahres mehr erreicht, als sie es in ihren kühnsten Träumen innerhalb eines viel längeren Zeitraumes selbst für möglich halten konnte. Vor einem Jahre geschah es, daß auf der Londoner Weltwirtschaftskonferenz seligen Angedenkens Herr Hugenberg(ebenfalls seligen Angedenkens), um sich bei Hitler besonders Liebkind zu machen, die Ideen des Alfred Rosenberg zu Papier brachte und ein famoses Memorandum überreichte, in dem er die Weit zur Aufteilung der USSR. unter hitlerdeutscher Führung förmlich einlud. Daß dieses großartige Schriftstück innerhalb von 24 Stunden panikartig zurückgezogen wurde, schaffte die Tatsache dieser Selbstenthüllung nicht aus der Welt. Die Antwort folgte schlagartig: Noch während der Londoner Konferenz schloß Rußland mit seinen sämtlichen europäischen und asiatischen Nachbarn Nichtangriffsverträge von einer viel präziseren Art als alle ähnlichen Abkommen, die bisher in der Welt bestanden. Dies war übrigens das einzige positive Ergebnis der Londoner Welttagung, und es war zufällig gerade die Sowjetunion, die den Hauptnutzen davon zog. So begann also der von Hitler verkündete internationale Kreuzrug gegen den Bolschewismus! Der nächste Schritt war von noch viel größerer Tragweite: während Deutschland dem ebenso gemeingefährlichen wie romantischen Ziel eines Bündnisses zwischen der nordisch-germanischen und der gelben Rasse nachjagte, die, wenigstens in ihrem japanischen Teil, plötzlich für ebenbürtig erklärt wurde, vollzog Rußland einen unvergleichlich konkreteren und wertvolleren Schritt: es erreichte seine Anerkennung durch die Vereinigten Staaten, mit denen es sofort seine wirtschaftlichen Beziehungen sehr stark entwickelt hat. Zweiter Erfolg der hitlerischen K r e u z zu g pa r o I e... Unterdessen wurde aber eine andere Sache eingeleitet, deren Bedeutung wahrscheinlich alies andere, was Moskau auf dem Gebiet der Weltpolitik seit Jahren unternommen hat, in den Schatten stellt. Während Göbbeis durch Bestechung einiger obskurer Pariser Blätter der Illusion nachjagte, Frankreich für die Aufrüstung des Dritten Reiches zu gewinnen, und während von Rapen sich einbildete, daß seine verwandtschaftlichen und schwerindustriellen Beziehungen es ihm ermöglichen würden, seine und Rechbergs alten Pläne eines Bündnisses mit Frankreich gegen das bolschewistisch Rußland wiederaufzunehmen, reiste Herriot nach Moskau, halb privat, halb amtlich und entwarf die Grundlagen einer engen diplomatischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und der Sowjet- n n i o n. Deutschlands An stritt aus dem Völkerbund kam diesen Bestrebungen die zunächst auf starken Widerstand auch in Frankreich selbst gestoßen waren, außer ordentlich zugute. Die Flugreise des Luftfahrt. ministers Pierre Cot, der mit der Mitteilung zurückkehrte, daß die Sowjetunion be reits fünfmal so viel Kriegsmaschinen besitze als Frankreich, trug dazu bei, die reaktionärkapitalistischen Widerstände gegen eine prorussische Orientierung der französischen Außenpolitik schnell zu uberwinden. Der französische Generalstab, der in der Tat eine Zeit lang, vor allem zu Schleichers Zeiten, einem Akkord mit Deutschland keineswegs abgeneigt war und der alles eher denn kommunisten- freundlich ist, gab nunmehr sein Votum zugunsten der Herriotschen Vorschläge ab. Barthou, sicher kein Mann der Linken, aber einer der klügsten Köpfe Frankreichs, hatte es nunmehr nicht mehr schwer, ganz Frankreich von der Notwendigkeit zu überzeugen, alte Ressentiments zu begraben und sich von jetzt ab auf eine Politik der intimen Zusammenarbeit mit Mos. kau einzustellen, Warschauer Bedenken ver staikl er zu zerstreuen. Die Wilhelmstraße, die auf die alte Russellfeindlichkeit Pilsudskis spekulierte, dürfte seit der Polenreise Barthous um eine Illusion ärmer geworden sein. Mussolini, der zwar die Kommunisten im eigenen Lande ebenso rücksichtslos verfolgt wie Hitler, aber zu klug ist, um wie sein deutscher Affe sich als Weltrctter vor dem Bolschewismus zu empfehlen, war mit dieser Neuorientierung Frankreichs um so eher einverstanden, als er seit den Nazitreibereien in Oesterreich und neuerdings auf dem Balkan von Hitler ziemlich kuriert zu sein scheint. Die neuesten Freundschaftsangebote der Wilhelmstraße und ihrer Rosenbergschen Filiale im Hotel Adlon in Belgrad und Bukarest werden Mussolini bestimmt nicht veranlassen, Deutschland nachzu laufen. Zumal er neuerdings sehr froh ist, daß ihm in seiner Finanznot die Banque de France tatkräftig unter die Arme greift Für die Sowjetregierung war also di Machtergreifung Hitlers und besonders sein heroischer" Entschluß, Völkerbund und Ab- rflstungskonferenr zu verlassen, ein Himmelsgeschenk. Heute steht die Partie so, daß, wenn Litwinoff es nur will, er mit ebensolchem Jubel im Völkerbund begrüßt werden wird wie einst Stresemann als Vertreter des demo- außerhalb der staatlichen Eierbewirtschaftung. Bei der Margarine wird auch schon das Schlangestehen vor den Kaufläden trainiert und die Beteiligung an den zahlreichen öffentlichen Feiern ist ebenfalls dafür eine gute Vorübung. Es heißt sogar, daß die Stimmung bei diesen Veranstaltungen schon ebenso gedrückt ist wie in den Lebensmittelschlangen im Kriege. Allerdangs wird man die Devise für die deutsch« Frau etwas ändern müssen: statt\yie bisher zu sagen:„Die deutsche Frau gehört an den Kochtopf, wird man wohl künftig sagen müssen:„Die deutsche Frau gehört auf die Straße". Aber das wird unserem Göbbeis gar keine Schwierigkeiten machen, wie wir denn überhaupt zu der weitsichtigen Erziehungsarbeit, die der Führer am deutschen Volke leistet, unumschränktes Vertrauen haben. Die Ersatz-Schlacht wird aber nicht nur dem deutschen Volk einen ganz neuen Lebensstil, jene von uns solange herbeigesehnte nationalsozialistische Daseinsform vermitteln, sie wird uns auch auf eine Kulturstufe heben, die anderen Völkern vielleicht für immer versagt bleiben muß. Es ist doch bezeichnend, daß die Engländer und Franzosen für das deutsche Wort„Ersatz" keine Uebersetzung gefunden haben. Sie haben es ebenso wie die Worte„Drittes Reich" u n ü b e r- setzt übernehmen müssen. So wird das Wort„Ersatz" neben dem Wort vom Dritten Reich ein neues Symbol für Deutschlands Größe und Weltgeltung werden. Heil Hitler! kratischen Deutschland vor acht Jahren. Derweilen Deutschland draußen ist und nur zu gern die heroische Geste vom vergangenen Herbst ungeschehen sein ließe! Es war Litwinoff, der jetzt in Genf die Dinge beim rechten Namen nannte, als er feststellte, daß das Regiraewechsel in gewissen Ländern, d. h. in Deutschland, die Lösung der Sicherheitsfrage vor der Abrüstungsfrage erforderlich mache. Früher war das fast ausschließlich Frankreichs These in Genf, und auch uns, die wir nicht glauben konnten, daß unser Land eines Tages dem politischen Wahnsinn verfallen würde, erschien sie unberechtigt, Jetzt wird Frankreichs Sicherheitsforderung von dem anderen großen Nachbarn Hitler- Deutschlands übernommen. Und niemand wagt mehr, zu widersprechen. Da soll einer noch bestreiten, daß Hitler wahre Wunder vollbracht... Ist die Welt nicht furchtbar undankbar? Hitler hat sie vor dem Bolschewismus gerettet und man sollte meinen, daß sie diese Großtat belohnen würde. Statt dessen läßt sie ihn links liegen und sucht die Freundschaft dieses Ungeheuers. Im Mythos des XX. Jahrhunderts vor J. C. wirft sich die Andromeda gan* selbstverständlich dem Perseus in die Arme, als er sie davor errettet hat, vom Monstrum verschlungen zu werden. Im Mythos des XX. Jahrhunderts Rosenbergscher Aera lacht die Andromeda den Perseus aus und treibt Sodomie mit dem Drachen Bolschew! Im Lande Paul von Hindenburgs hat man für solche Undankbarkeit natürlich kein Verständnis. Niemand will sie In der Zeitschrift„Deutchss Volkstum", die von Stapel in Hamburg herausgegeben wird, beschwert sich eine NationalsoziaJästjn bitter darüber, daß gerade die treuesten und bravsten Hitleriken, die aus dem BDM(Bund Deutscher Mädchen) so wenig geachtet werden. Es heißt da: Es ist eine bittere Wahrheit— diese Mädchen können, bei stärkstem Willen, nicht allein die neue Volksordnimg bauen. Sie können nicht neue Maßstäbe geben, die für das Ganze verpflichtend sind, solange ihre Haltung dauernd diffamiert wird. Diffamiert durch dde ganz einiaclic, nüchterne Tatsache. daß gerade diese Mädchen in unendlich vielen Fällen das Schicksal der Ehelosigkeit zu tragen haben. Und wenn man die Frage nach den eutspre- chenden Männern stellt, so wird man durch liundertfache Erfahrung belehrt, daß immer wieder ein Krieger und eänc Gans zusammenfinden. Die Hitlermädchen haben es wirklich schwer. Marschieren sie nicht im BDM, so wMl die Regierung nichts von ihnen wissen: marscWc- ren sie im BDM, so wollen die Männer nichts von ihnen wissen; wollen die Männer nichts von ihnen wissen, so bekommen sie keine Kinder;' bekommen sie keine Kinder, so will wiederum die Regierung nichts vou ihnen wissen... Was sollen sie hm? Amputiertes Hirn Die.Deutsche Juristenzeitung", Berlin, eine der angesehensten juristischen Fachzeitschriften, stößt folgenden SOS-Ruf aus: Jedenfalls stellt unsre Reichsgesctzgebun* vor einer Aufgabe, wie sie gewaltiger kaum zu denken und wie sie nur in vielen Jahren zu bewältigen ist. Diese Dinge, auf die der Reichsjustizkommissar Frank oft genug hinweist übersehen die, die geringeKcnnt- nlsse mitviel Redeeifervereinen. Dem Maikäfer in der Zigarrenkiste erscheint die Weit vermutlich klein und einfach. Den Bilderstürmern vergleichbar, möchten diese Herren am liebsten jede RcclitswissenschaW beseitigen. Kommentare und Lehrbücher vernichten, der Rechtskunde das Hit» amputieren. Möchte doch die von oben ergehende Mahnung einmal Frucht tragen. erst einma! zu arbeiten und die nötigen Kenntnisse zu erwerben! Das Reden und Schreiben wirkt dann überzeugender. Im Gegenteil! Im Dritten Reich wirkt nichts so überzeugend wie die von keinerlei Sachkenntnis beschwerte Maulaufreißered. Wenn die Hakenkreuzherde für Vernunftgründe zugänglich wäre— das ganze Dritte Reich wäre niemals ausgebrochen. Ein wenig umständlidi! „Zuerst müssen die neuen Menschen geboren und gebildet werden, muß die nationalsoziaUstl' sehe Weltanschauung ihnen im Blute liegen, bevor sie aus sich heraus im Sinne der neuen Gemeinschalt schöpferisch gestalten können, (Max Wegner im„Völkischen Beobachter".) Herr Hitler wird, so hoffen wir, nicht so lange Zeit haben, bis seine Barbaren den.neuen Menschen im Blule liegen' wird. Sie liegt heut* schon zu vielen im Magen! Der fortgezauberte Mehrwert Theoretlsdhe Hebel um die Ausbeuierdiktatur In der bürgerlichen Oekonomie haben sieb Immer Pseudowissensclvaffen gefunden, die sich bemüht haben, die Gesetze der kapitalistischen Wirtschaft zu verdunkeln. Sie haben Ideologie statt Erkenntnis gegeben, Ethik dort, wo es galt, ökonomische Katego- fien zu unterscheiden. Marx zerriß den Schleier des Geheimnisses, der die kapitalistische Produktion umgab und hellte ihre dunkelsten Zusammenhänge auf. Aber das hat die Kapitalisten und ihren pseudowissenschaft beben Anhang auch vicJ später nicht gehindert, Marxens Ergebnisse zu ignorieren und die Praxis der ethisch-idcologisohen Vemebelung fortzusetzen. Im Dritten Reich hat sich diese Richtung In der„Normativen Betriebswirtschaftslehre" ein theoretisches Fun dament gegeben. Es ist auch danach— was �or nicht verhindert hat, daß die Lehre im "ationalsozialistischen Staat zu einer wissenschaftlichen Wirtschaftslchre erhoben worden Ist Vor einiger Zeit wurden durch den Deutsch- iandsender einige der„theoretischen Erkenntnisse" dieser normativen Betriebs wirtschafts •ehre an die Massen des Volkes herangebracht. Sie erfuhren: ..Die normative Betriebswirtsciaftslehre fußt auf dem deutschen Idealismus, insbesondere auf der Idee der Pflicht und der Gemeinschaft... Aus dem Gemelnscbafts- Kedanken heraus, der in Ihr lebendig ist. wachsen die Normen, die sie setzt, und die ethischen Forderungen, die sie stellt Die wichtigste ist: handle pflichtbewußt als.Glied der Gemeinschaft." P'e normative Be t r iebswir tsch ateleh r e„fußt" schon damit völlig in der Luft! So wenig die Klassen, Klassoninteressen und Klassenkämpfe, die Jede, auf der GrundJage des Privatoigen- ton» an den Produbtionsniittein ruhende Ge- •ellschaft spalten, durch den Marxismus ge- aohaffen worden sind, so wenig werden sie durch die normative Bc trieb swirtschaftsiehre beseitigt I Di« normative Betriebswirtschafts- lehre will zeigen: •Avie in den Betrieben der Zweck— und der kann in einer arbeitsteülgen Wirtschaft nur die Bereitstellung von Gütern für die Bedarfsdeckung sein— so vollkommen wie möglich erreicht wird. Dies aber fet ein Wirtschaftllchkeits- ?roblem. Je größer die Wirtschaftlichkeit w den Betnehsproressen ist desto besser Ist die Bedarfsdeckung der Bevölkerung. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist es. das durch Jüc normative Betriebswirtschaftslehre an die stelle des alten Gowinnprinzips gesetzt wird, das heißt, das Wlrtschaftllchkeltsprinzip wird das Leitprinzip für Jede wirtschaftliche Be- «ttgung." Kein Kapitalist steckt sein Kapital in ein '-'nternehmen oder in dner Betrieb aus Sorge, daß«he Gesellschaft Mangel leiden könne an �ütern, die sie zur Bedarfsdeckung nötig hat! -r«tvestiert sein Kapital nur, damit es ihm rofit bringt. Es gibt zwar genügend Lehren, d'« beweisen wollen, daß Kapitalinvestition stoischen Motiven entspringt, aber— ohne Profit '««cht kein Schornstein! Der Zweck, den er Kapitalist erreichen will, Ist der Mehr- Wett, zu dem er nur durch den Produktionsprozeß kommen kann. Hätte er die Möglichkeit, Kapital ab neues Kapital erzeugendes �ßertialb der Produktionssphäre anlegen zu onnen, so würde er es tun, und sich gar kein �wissen daraus machen, daß er dadurch nicht er..Bereitstellung von Gütern für die Bedarfs- �kmtg" dient Er dirigiert sein Kapital in (.efe Produktionssphären, die ihm die größten �nanc« für die rascheste Vermehrung bieten "nd verzichtet darauf, vorher nachzuforschen, 0 die in ihr zu erzeugenden Waren die für ?le Bodarfsdeckung nötigsten sind. Bedingt erner die„größere Wirtschaftlichkeit des Be- neb»prozesscs" wirklich eine bessere Bedarfs- °ccktmg? Nun. die Wirtschaftlichkeit hatte ge- . In Deutschland nach der Rationalisierung (jlnen hohen Grad erreicht Sie ist sefcst in Krise im allgemeinen noch vorhanden. Aber Bedarfsdeckung der Bevörkenntg wurde da- s s oicht besser, und sie ist seither immer �''eohter geworden! in den fünfzehn Monaten �j'f'onalsozialisttecher Herrschaft ist es, wie £.e Bmsatzziffern der Warenhäuser und des ln2ell)andels zeigen, damit weiter bergab gc- Katigen. � Bs ist Mar: die Wirtschaitliolikeit nfs Betriebsprozesses sichert m c � f die Bedarfsdeckung der Volks- �a�sen, denn diese„Wirtschaftlichkeit" kommt sch?er Produktion eben ausistaS<-'®8®nt®i' zu f"11'£t n'cht immer der e't' stets der Stellung gefährlich. Leise sagt man dem besten Freunde nach einer Fachtagung, daß man noch nie so einen Blödsinn gehört hat, laut sagt man Heil Hitler. So haben die Führer dieser Organisation uneingeschränkte Macht, aber die Organisationen sind keine politischen Zentren, sie dienen dazu, die Fügsamkeit der einzelnen zu registriereu, Beiträge zu erheben, die den„alten Kämpfern" Einnahmen verschaffen. Die Mitglieder können nur für sich einzeln zu dem Gehörten, zum ganzen Nazistaat Stellung nehmen, sie können sich nicht politisch aussprechen. Sie wissen nichts, sie werden überhaupt nicht wahr und sachlich informiert. Auch sie erleben die wirtschaftlichen Tatsachen oder Schmitt, aber nicht auf das System. Wenn allgemein Hitler von dem Schimpfen ausgenommen wird, so ist das eben ein Zeichen dafür, daß der Nationalsozialismus als politische Idee noch nicht zur allgemeinen Kritik steht Die bewußten Gegner des Regimes aus allen früheren politischen Lagern bilden natürlich eine Ausnahme. Aber sie sind isoliert und gehemmt durch den Terror und noch durch einen Faktor, der zu den besten Stützen des Nationalsozialismus gehört: die Jugend. Die Jugend Die Jugend ist nach wie vor für das System; das Neue: das Exerzieren, die Unifor- Der neue Moses Hermann Görings neun Gebote wurden an allen Berliner Lltfafi-Säulen plakatiert nur als einzelne an ihrem wirtschaftlichen Platz, niemand gibt ihnen ein Bild vom ganzen, niemand sagt ihnen die Wahrticit über Deutschlands katastrophale außenpolitische, wirtschaftliche und finanzielle Lage und noch wenig« von der Schuld des Nationalsozialismus. So kommt zwar Ernüchterung, so wird zwar geschimpft, daß nichts besser geworden ist, geschimpft auf den Gauleiter, mit dem man zu tun hat, auf die Bonzen, die einen gerade im herrlichsten Auto über den Weg fahren— denn üb« das, was die Zeitungen nicht berichten, weiß man im begrenzten lokalen Gebiet einiges- So wird geschimpft auf den Minister, der einem gerade wehe tut, auf Darrö men, das Lagerleben, daß Schule und Eitcm- haus hinter der jugendlichen Gemeinschaft zurücktreten, all das ist herrlich. Große Zeit ohne Gefahr. Viele glauben, daß ihnen durch Juden- und Marxistenverfolgungen wirtschaftliche Wege geöffnet sind, ie mehr sie sich begeistern, um so leichter sind die Examen, um so eher gibt es eine Stellung, einen Arbeitsplatz. Die bürgerliche Jugend lebt in der HJ und in der SA zum ersten Male mit dem Staat Auch junge Arbeiter machen mit:„Vielleicht kommt doch eines Tages der Sozialismus, man versucht ihn eben auf eine neu© Art, die anderen haben ihn bestimmt nicht gebracht, Volksgemeinschaft ist doch besser als unterste Klasse sein", so etwa 1 denken sie. Die neue Jugend hat nie viel für Bildung und Lesen übrig gehabt, jetzt wird nichts mehr verlaugt, Im Gegenteil, das Wissen öffentlich verurteilt Die Eltern erleben das mit. Man kann dem Ktnd nicht verbieten, was alle Kinder tun. kann ihm die Uniform nicht verweigern, die die anderen haben. Man kann es auch nicht verbieten, das wäre gefährlich. Die Kinder und Jugendlichen verlangen nach der Anleitung der HJ dann von ihren Eltern, daß sie gute Nazis sind, daß sie Marxismus, Reaktion und den Umgang trat Juden aufgeben. Die Enttäuschung ist da, aber politischer Terror, vor allem die Angst wirtschaftlich ausgeschifft zu werden, wenn man nicht mitmacht Unkenntnis und Begeisterung der Jugend in jedem Haus verhindern Urteils- und Gruppenbildung, verhindern, daß sich aus dein Murren ein Bild politisch« Zukunft gestaltet. So muß man dfe Unzufriedenheit der Bauernund Handwerker ansehen. Die Kirchen Man spricht viel von d« evangelischen und katholischen Opposition. D.e evangelische Opposition ist noch kein Kampf gegen das Dritte Reich, nur ein Kampf um Freiheit in der Kirche. Sie geht so weit dal. Pfarrer das verbotene evangelische Jugend- werk illegal weiterführen und Studenten weiter mit den Jugendlichen, dte sie schon im Jugendwerk betreut haben, wandern, obwohl es verboten ist(Das Lagern nämlich ist staatsgefährlich.) Dabei gehören sie gleichzeitig der SA an und machen dort auch die Schulungs- (Bef5rderungs-)lager mit Sie opponieren m ihrem Bereich, aber nicht gegen das System. Bei den Katholiken reicht der bewußt gegen das System gerichtete Wille von den kirchlichen Führern weit nach unten. Aber auch sie müssen mitmachen und ihre Jugend selbst erschwert den Kampf an der entscheidenden Stelle, den Kampf um die Jugendorganisationen. Das besitzende Bürgertum Wieder anders ist die Haltung des besitzenden Bürgertums, den höheren Angestefiten der Wirtschaft und auch mancher Mitglied« der freien Berufe, mancher InteUeK- tuellen. Besonders die«sten beiden Gruppen sehen das Wirtschaftsleben, nicht nur einen Teilaussdmitt, sondern sie übersehen das Ganze. Sie haben Fühlung mit dem Ausland und genug wirtschaftliche Kenntnisse, um auch die Ursachen des Devisenschwundes und der Finanzkalamität zu kennen. Sie haben ein Heim, das erlaubt, auch im größeren Kr®'s® diskutieren. Hinzu kommt, daß man das Pöbelhafte d« Partei sieht und haßt, und daß man die Gefahr eines Umschlages— dort sagt man in den Bolschewismus, richtiger wäre in das vollendete Chaos— fürchtet Auf derselben Ltnie geht der Kampf der Reichswehr gegen Röhm. Man hat allerlei Plane, und wie immer beim deutschen Bürgertum sind s� weder gescheit noch fortschrittlich: Man liebt den„autoritären Staat" und die Hitlersche „Volksgemeinschaft". Hitler Reichspräsident, Görtag. als Schützer des Kapitalismus Reichskanzler- das ist d« eine Plan. Reichswehrdiktatur o