Ar. 117. AdomiemeMs-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. SM M!., monalb l.lvMl, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Numm-r s Pfg. Sonntags- Nummer mir'NuNvierier Eonntagi- Beilage..Die Neue Welt" Iv Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zettung»- Preisliste für 130» unter Hr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Arschrlnt täglich außer Wonlag». Devlinev Volksblatt. 17. Jahrg. Di» znftrttmt».«tdühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» zeiie oder deren Raum«a Pfg., für polrttfche und gewerlf chaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Klein« Anfeigen" jede» Wort 5 Pfj. (nur das erste Wort f«lt>. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittags in derSipedition abgegeben werden. Die Erpcdiiton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und gesttagen bt» S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Nmt 1, Nr. 1508. Delegramm-Adreste: „Sorialdrmokrat Bttlin" Centvalorgan der socialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veuth- Straße 2. Kernsprecher t Amt I, Nr. ISOS. Expedition: SW. 19, V euch-Straße 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. 6131. 35 Eick des Sirtib kt Mßknbühn-Anzestcktn. Die Majestät des Gesetzes. Am Montag wurde im preußischen Abgeordueteiihnus eine Debatte über den Ausstand der Berliner Straßenbahn- Angestellten provoziert, die zwei Minister� Gelegenheit gab, ihre socialpolitischcn Anschauungen zu entwickeln: dem neuen Herrn v. Nheinbabcn und dein alten Herrn v. Thielen, der nach der Abschwörung seines un- beugsamen Willens gegenüber den junkerlichen Kannlrebcllen das Bedürsnis fühlt, seine Schueidigkeit an schmählich ausgebeuteten Arbeitern z>l enveiscn. Was die Herren Rheinbaben und Thielen au strammen Worten über die Exccsse geäußcrthaben. sei ihnen geschenkt. Für einen preußischen Minister giebt es nur zwei geistige Waffen: den Polizeisäbel und das Kleinkalsbrige. Scheint der crstere nicht zu genügen, so wird Militär requiriert. lind lvir haben denn ans den Seußernugeil der Herreu ohne großes Erstannen entnommen, daß sie sich bereits ans militärische Scharfschicßiibiingcn innerhalb Berlins eingerichtet hatten. Gegen den aus der Trostlosigkeit der wirtschaftlichen Verhältnisse geborenen großstädtische» Jan- bagcl, der überall dabei ist, ob es sich nun um Fürstcnbcsuchc, Paraden oder einen Streik handelt, wissen die preußisch-christlichen Minister nur das Rezept, ans unschuldige Passanten einzuhaueu und zu schießen. Blut muß fließen! So wahrt mau energisch die Autorität des Staates. Diese Anschaiinitgcu kennen wir längst und sehen darin nur das Tinge ständuis der geistigen Ohnmacht eines kulturfenidlichen Systems. Aber ein andres verdient ans den Reden des ministerielleil Duetts mit allem Ernst und Nachdruck erörtert zu werden: Die Ansfassnng über die Reckte von Arbeitern, die au einem privaten Verkehrs- inslitlit angestellt sind. Die„Große Berliner" hat sich gut vorgesehen. Ihre Aktionäre sihcn in der Stccktverordiieten-Versannnlung, Stadträte zieren ihren AufsichlSrat, ihr Direktor Micke war vorher die r e ch t c H a n d des E i s e n b a h n m i n i st e r S Thielen, sie ist versippt mit den größten Jtidustrie-Gcsellschaftcn und Bauken— was Wunder, daß sie ungefähr eine StcNnng in unserm Staatswesen ein» zunebincn wähnt, wie sie die Eisciibahngesellichasten in de» Vereinigten Staaten haben, die die allmächtigen Tyrannen dieser Repiiblit sind. Nach den Reden der Herren Minister wird das Grüßenbewiißtscin der Berliner VerkehrSgescllschaft— die zum lieber- sluß noch einen cinflußreichcu wissenschaftlichen Vertrauensmann in dem Professor Slaby bcsißt— mit Recht noch zunehmen; denn namentlich Herr Thielen hat aus dem Aufsichtsrecht über die Straßen- bahnen, daS ihm das Kleinbahngesetz giebt, seine Pflicht destilliert, die Arbeiter der privaten Gcscllschast unter eine Diktatur zu stellen, wie sie im Bereiche des EisenbahmninisteriumS entrechtend einge- führt ist. Herr Thielen hat im Abgeordnetenhanse mit großer Er- regung die Interessen der Slraßcnbahn-Gcscllschast mit denen des EcsamtstaatS für solidarisch erklärt. Noch stärker trat der Unmut über das Vorgehen der Angestellten in einer Unterredung Thiclcns mit dem Assessor v. Schulz hervor. Herr v. Schulz, der verdiente Vorsitzende des Berliner Geivcrbe- gcrichts, hatte sich um eine Einigung in dem Streik bemüht. Nachdem er an verschiedenen Stellen vergeblich um eine Unterredung ersucht, war er zum Eisenbahnnimister selbst gegangen, der sich den» auch herbeiließ, die Angelegenheit mit Herrn v. Schulz zu erörtern. Frei- lich entwickelte Herr v. Thielen die eigenartigsten Meinungen. Der Minister erklärte niit aller Schroffheit dem Vermittler, daß von der Direktion der Straßenbahn- Gesellschaft überhaupt nicht nach- gegeben werden dürfe; es seien die strengsten Maßregeln ergriffen worden, um die Beivegung zu unterdrücken. Die Sache sei von der Socialdemokratie angezettelt, utid er, der Minister, machte die Angestellten für alle Ausschreitungen verantivortlich• ja, er behauptete sogar— obwohl am Sonntag die Streikenden in fünf Extraziigen aus Berlin hinaus ge- fahren waren— daß die Exccsse von den Angestellten Verübt worden seien. Endlich erklärte Herr v. Thielen, er werde dafür sorgen, daß keiner der am Ausstand Beteiligten wieder eingestellt Ivcrde. Und als Herr v. Schulz, entgegen dein Minister, die Ansicht aussprach, das Gewerbegericht sei auch in diesem Fall zu- ständig, bemerkte v. Thielen recht nngnädig, daß für ihn nur seine eigenen Ansichten maßgebend seien— auch ein Minister hat manchmal eine eigne Ansicht, oblvohl er zur Zeit gemeinhin nur die Winke der Krone auszuführen hat. DaS war an, Montag früh. Am Mittag entwickelte der nn- bengiamc Held des Mittcllaiid» Kanals die gleichen Ansichten im preußischen Abgeordnetenhaus, ohne übrigens von irgend einer Seite die gebührende Abfertigung zu erfahren. Mit Recht sei die Gesellschaft allen Forderungen entgegen getreten, die sich auf die Diöciplin bezogen; ja. er hätte gegen die Direktion einschreiten niüfsen, ivenn sie j» dieser Beziehung entgegen gekommen wäre. Welche Forderungen der Angestellt?» meint Herr v. Thielen? Es handelt sich doch wohl nicht um den Wunsch, ein paar mißliebige Vorgesetzte zu versetzen— ein billiges Begehre», das obendrein später noch auf die Forderung einer bloßen Ehrenerklärung ermäßigt worden ivar. Derlei Wünsche werden auch in Staatsbetrieben geäußert und gehört. Wir erinnem nur daran, daß der Vorgänger des Ministers Rheinbaben, Herr v. d. Recke in Gemeinschaft mit dem KultnSminister Bosse im vorigen Sommer das Ministerium räumen mußte, weil nach den von ihnen vorgenommenen Beamten- Maßregelungen ihre Untergebenen sie in aller Form boykottierten. Diese Nachgiebigkeit gegenüber den Wünschen der Beamten hat aber, so viel wir wisse»/ die Gnmdlagcn des Staats nicht erschüttert, wie auch daS Reichsgericht daran nicht zu Grunde gegangen, daß cS sich vor ein paar Jahren gegen die ausgezwnngene Präsidentschaft des entlassenen und deshalb stellungsbedürftigen Kolonialministers v. Kayser mit den schärfsten gesellschnfilichen Waffen wehrte. Nein, Herr v. Thielen muß etivas Wichtigeres meine»; er wendet sich nicht sowohl gegen eine eigentliche Forderung der Angestellte», als gegen eine unbequeme Thatsache. Was der Eisenbahiiminister sagen wollte, bemüht sich eine offiziöse Auslassung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zu erläutern, die folgendermaßen lautet: „Bon vornherein konnte es für die Stnatsregierniig nicht zweifelhaft sein, daß sie zu den Differenzen, welche in Betreff der bestehenden Lohnverbältnisse zwischen den Angestellten der Berliner Straßenbahnen und den Direktionen ausgebrochen waren, in keiner Weise Stellung zu nehmen hatte. Diesem Standpunkte entsprachen auch die in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhanses von den Ministem des Innen, und der' öffentlichen Arbeiten abgegebene» Erkläniiige». Anders aber verhält eS sich mit der Stellungnahme der Staatsregicrung zu denjenigen For- dernugc» der Angestellten, durck deren Erfüllung eine wcitgebcnde Lockerung der Tisciplin inncrhalv des OrganiSnius der Berliner Straßenbahnen eintreten müßte. Nack tvcrwirklichnng dieser Wünsche würden die Bc- trirbsvrrwalliiugcn aufhören, Herren in ihrem eignen Hause zn sein, und einen Einfluß aus die Gestaltung des Arbeitsvertrags mit ihren Angestellten außerhalb stehenden Elemente» überlassen müssen. Solchen Forderungen gegenüber ivärc ein teilnahinloses Gcwährcnlasscn seitens der Staats- rcgicrung nudcnkbar. Sie würde also der Berwirklichnng eines in dieser Richtung liegenden Erfolgs der Angestellten mit den ihr zu Gebote stehenden Mittel» begegnen. Eine ausreichende Handhabe würde ihr da» gellende Kleinbahngesetz bieten, dessen Bestimmungen auch für die Berliner Straßenbahnen gelten. Die Hand der Socialdemokratie ist. tvie in dem größten Teile der Ansstaiidsdewcgnngcn der letzten Jahre, so a»ck in der Organisation des Streiks der Berliner Straßenbahn- Angestellten unverkennbar benicrklick geworden. Die Staats- regiernng aber hat die Pflicht, den beimißt auf die diktatorische Beherrschung der Arbeiterschaft und des gesamten öffentliche» Lebens hinzielende» Bestrebungen der Socialdemokratie auf das Entschiedenste entgegenzuwirken, und es kann versichert toerden, daß sie dieser ihrer Pflicht nach alle» Richtungen hin cnt- sprechen wird. Zur Zeit liegt für ein derartiges Eingreifen der Staats- regiening als AmsichiSbehörde der Berliner Straßenbahn- Ver- waltimgen kein Anlaß vor. da die letzteren den die Disciplin gefährdenden Fordernngc» ihrer Angestellten ein entschiedenes Nein entgegengesetzt haben." Diesen im schönsten Sch>veiiib»rg-Stil geäußerten Scharfmacher- Drohungen folgen des weiteren die inzwischen recht überflüssig ge- wordenen Versicherungen, die„Staatsregierung werde jedenfalls von den ihr gesetzlich zustehenden weitgehenden Machtbefugnissen zur Niederwerfung jeder!Ausschrcit»ng>rücksichtslos Gebrauch machen und für die Anfrechterhaltimg der öffentlichen Ordnung unter allen Um- ständen Sorge tragen." Die gleichen Drohungen spricht auch— in fast wörtlicher Uebcr- enistimmniig— die ministerielle„Berliner Korrespond." aus. Was sollen diese auffälligen offiziösen Wendungen, die höchstens bei einem um seine Dividenden zillernden und deshalb krankhaft erregte» Aktionär der Straßenbahn-Gesellschaft verständlich finden iviirde? Wenn der Mmister des Innern die Gesetzlosigkeiten von Elementen beklagte, die von der Not in den Schlamm der Weltstadt hinabgestoße» worden sind, so hätte sein Kollege Thielen mit großer Sorgfalt auch den leisesten Schein vermeiden niüssen, als ob die leitenden Organe deS Staats selbst geneigt seien, sich über allgemeine Gesetze und verbriefte Rechte verfassungswidrig hinwegzusetzen. Was will es schließlich besagen, wenn Personen aus der niedrigsten geistige». materiellen und moralischen Schicht in der Leidenschaft sich zu allerlei Unfug hinreißen lassen, wenn der Staat selbst sich an die Gesetze nicht zu kehren scheint. Es giebt keinen gefährlicheren An- griff auf die„Majestät deS Gesetzes", als wenn die Hüter des Ge- setzcs selbst die Majestät des Rechts antasten. Herr v. Thielen ist nicht unmittelbar verantwortlich zu»lachen für die Auslassungen der Offiziöse»; aber freilich bleiben seine eigenen Aeußernnge» ohne die Zuhilfenahme der offiziösen Scharfmacher »iiverständlich. Die offiziöse Kmidgebung nun besagt in kaum noch mißzuverstehender Weise, daß der Minister die Gesellschaft eventuell zwingen werde, ihren Angestellten das Koalitionsrecht zu rauben. Die Offiziösen leben offenbar in dem Wahn, die Zuchthaus- Vorlage sei Gesetz geworden, deren besonderer Zuchthans- Paragraph ja zweifellos in dem Streik der Straßenbahner eine blutige Rolle gespielt haben würde, wenn der Reichstag den Entwurf nicht verscharrt hätte. Die Zuchthaus- Vorlage istl nicht Gesetz, dagegen gehört die Ausübung des Koalitionsrechts zu den verfassungsmäßig garantierten Freiheiten der Arbeiter. Ein Straßenbahn-Angestellter untersteht nicht der Gesinde-Ordnung und darum ist er berechtigt, sich für alle gesetzlichen Ztvecke, so tvie er es für gut befindet, zu organisieren und zu koaliere». Eine Einmischung des Ministers in die Angelegenheit der Organisation der Straßenbahner wäre mithin nur in dem Sinn denkbar, daß er die Gesellschaft veranlaßte. ihren Angestellten die Ausübung ihrer gesetzlichen Rechte zu g e- währe n. Jede Einmischung im Sinne einer Unterdrückung der Organisation wäre die schwerste Verletzung an der M a j e st ä t deS Gesetzes— eine Verletzung so unerträglicher Art, daß ihr gegenüber die bedauerliche» Ercesse des„Janhagels" gleichgiltig und wesenlos würden. » lieber die Sitzung deS Abgeordnetenhauses schreibt man uns ans dem Landtag: Im Abgeordnetenhans brachte am Montag Abg. Freiherr v. Zedlitz lfk.) gelegentlich der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs über die Zwangserziehung Minderjähriger die be« dauerlichen Excesie zur Sprache, die sich am Sonntag in Berlin er- eignet haben. Es handelte sich offenbar um bestellte Arbeit; der Minister des Innern fühlte den Drang in sich, sich vor dem Lande über die Maßnahmen zu äußern, die die Regiening den Ausschreitungen gegenüber getroffen hat. Soweit sich Frhr. von Rheinbaben über die von ihm zur Aufrechierhaltnng der öffentlichen Ordnung getroffenen Anordnnugen ausließ. Überraschten seine Ausführungen nicht. Wir wissen, daß der neue Minister des Innern sich darin ge- fällt, den Schneidigen herauszubeißen, und so konnte eS kein Wunder nehmen, daß er sich in langen Lobeshymnen auf die Berliner Polizei erging, die die Pflicht habe, die„Arbeitswillige n" zu schützen. Allzu großes Vertrauen auf die Polizei scheint aber ihr oberster Chef selbst nicht zu besitzen. Hat er doch dafür gesorgt, daß die nötigen Truppenteile konsignicrt sind, um nötigenfalls mit bewaffneter Macht gegen die Excedenten vorzugehen! Die Feuer« spritze, mit der der frühere Kriegsminister Bronsart v. Schellen- dorf einer wirklichen Revolution Herr zu werden prahlte. reicht also nicht einmal aus, um einen Straßenauflanf zu überwinden, und der famose Reckesche Schießerlaß erweist sich auch nicht als das Allheilmittel, um den preußischen Staat vor drohendem Untergang zu bewahre». Der neue Herr muß schon Militär zu Hilfe nehmen! Auf verständige Mcnschen wirkt es höchst komisch, wenn der Polizeiminister am Schluß seiner Rede pathetisch in die Worte ausbrach:„Wir werden zeigen, daß wir dem Janhagel gegenüber noch Herr im Hanse sind. Wir werden die öffentliche Autorität wahren und jeden zu Boden werfen, der es wagt, der Mocalität des Gesetzes entgegenzutreten." Wie stolz doch der Herr Minister auf die Thaten der Polizei ist! Wie freudig wird ihm das Herz schlagen, wenn er hört, daß die Polizei Kindern, Frauen und unbeteiligten Spazier- gängcrn gegenüber ihr Hausrecht gewahrt und sie zn Boden geworfen hat! Daß die wirklich Schuldigen sich, wie stets bei derartigen Ans- läufcn, rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben werden, thnt nichts zur Sache. Die„Majestät des Gesetzes" ist gewahrt. DaS muß dem Polizeiminister genügen. Obwohl der Minister am Eingang seiner Rede eS als Pflicht der Regierung bezeichnete.? sich nicht in die schwebenden Differenzen einzumischen und die Austragung der Lohnstreitigkeitcn de» Bc- tciligten zu überlassen, geht doch aus seinen Worten unzweideutig hervor, daß er ans feiten der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft steht. Er tadelte es, daß die Angestellten unter«Führung der socialde in akratischen Ge- w e r k s ch a f t" sich zu Forderungen haben bewegen lassen, die mit der DiSciplin und der A ufrechterhaltung eines Betriebs nicht verein- bar sind. Ja, er ging sogar noch weiter und fügte hinzu, wenn die Direktion auf die Forderungen eingegangen wäre, so hätte die Aufsichtsbehörde prüfen müssen, ob sie nicht von AnssichtS wegen dieser Fordenmg hätte ciilgegentreten müssen. Also: offene Parteinahme gegen die ausgebeuteten Schaffner, aber kein Wort des Tadels für die moralischen Urheber des Streiks und im weiteren Gefolge auch der Exccsse! Noch offener ergriff der Eise»bahn mini st er Thielen für die Direktion Partei. Nach seiner Ansicht ist der Betrieb der Straßenbahn ein wahrer Musterbetrieb; vielleicht ver- gleicht er ihn mit dein Betrieb der StaatSeisenbahnen. Er findet, daß die Direktion in bezng auf die Lohnfrage ihren Angestellten sofort entgegengekommen ist. Hingegen bezeichnet er die übrigen Forderungen der Angestellten als solche, die ein Verkehrs« institut, das seiner Aufgabe gewachsen sein will, überhaupt nicht er- füllen darf. Und er ist sogar stolz darauf, daß die Direktion den Forderungen ihrer Angestellten mit seinem Wissen und seiner vollen Billigung entgegenge- treten ist. Vielleicht erfahren wir in der nächsten Znkuiift nähere Einzelheiten über die eigenartige Rolle, die Herr Thielen im Streik gespielt hat. Ein preußischer Minister als Scharfmacher ist in dcr That ein in unsre Zeit passendcs Bild. Und eine Re- gicrwi#. der solch' Mitglied angehört, rühmt sich ihrer socialpolitischen Einsicht! In der Debatte zeigte sich, datz alle Redner mit den Mahnahmen des Ministers des Innern einverstanden sind. Nur Abg. Kirsch(C.)- tadclte es, dah der Minister nicht einen Versuch zur Verständigung gemacht hat. Ans den Streik selbst ging nur Abg. G o l d s ch m i d t (fr. Vp.) kurz ein. Der Sache der Streikenden hat er aber durch seine Ungeschicklichkeit keinen guten Dienst criviesen, und selbst sein eigener Fraktionskollege Dr. Hirsch sah sich veranlaßt, ihn zu desavouieren. Ein Richterkollegittm. Eine Geschichte, die zur Kennzeichnung des socialen Bewußtseins der Regierenden sorgfältig dcr Nachwelt aufbewahrt zu werden ver- dient, findet sich übereinstimmend in einer Anzahl bürgerlicher Blätter initgcieitl: „Im Konferenzsaal de? Polizei- Präsidial- Gebäudes am Alcxanderplah fand Soniiabcndnnchmittag eine Konferenz von' Vertretern dcr Aufsichtsbehörde stall, an welcher ein Beamter dcS Mini st e r i n in s der öffentlichen Arbeiten, sowie die Direktoren dcr Strastenbahn-Gescllschaft teilnahmen. Den Gegenstand der ' Vctchandlnngen bildete der Streik der Straßenbahn- Bedien st ete n und die Stellung der Aufsichls- b e h ö r d e n zu d e in s e.l b e n. «Es wurde zunächst über die Forderungen dcr Streik- K o in m i s s i o n sowie über die Z n g c st ä n d n i s s e dcr Straßenbahn-Gesellschaft Bericht erstattet. Alan war sich von ' vornherein darüber klar, daß die Polizeibehörde von den Z w a n g s b c f u g u' s i c n, welche ihr die ueue KonzessionS- Urkunde, die bis 184v läuft, einräumt, I eine n Gebrauch nmchen köuiic, weil eincrseils das elektrische Straßenbahn-Nnternchuie» noch in dcr Uinwandlnng begriffen und andrerseits die Genehinigungs-Urkunde soeben erst zugestellt und noch nicht einmal amtlich publiziert worden ist.(!) ES hätte sich also nur darilin Händeln können, ob die Polizeibehörde als AnfsichlSinstanz im öffentlichen Verkehrswesen Veranlassung zum Einschreiten hat oder nicht. Infolgedessen war vornehmlich die Frage z«- prüfen, ab die S t r a ß e n b a h n- G e s e 1 1 s ch a f r zur Verhütung des Streiks alles g e t h a n hat, waS in ihren Kräften stand und was man von einem derartigen Verkehrs- unternehme» verlangen darf. D i e s e F r a g e i st nach allen Richtungen hin bejaht worden. Es lvurdc anerkannt, daß die Aufbesserung der Gehaltssätze, die Zubilligung von Kilo- metergeldern ec. als völlig ausreichend zu erachten sei; bezüglich dcr llebcrstiniden, für welche früher 25 Pf. gezahlt wurden und lvelche künftig mit 40 Pf. pro Stunde ver- istitct werden sollten, niachten die Direktoren das weitere Zugeständnis', daß pro Ueberstunde 50 Pf. zugebilligt / werden sollten. Es wäre dies also daS Doppelte des früher gezahlten Satzes. Hierin erblickt man ein ausreichendes ' Korrektiv dafür, daß die Gesellschaft die freie Zeit des Personals nicht mißbräuchlich ausnützen werde. Anch bezüglich dcr Ncbenforderungen der Streikenden wurde anerkannt, daß die Direktion den Streikenden gegenüber ein ausreichendes Entgegenkommen gezeigt habe. Die Polizeibehörde sieht sich danach nicht veranlaßt, in den Streit einzugreifen, sie wird vielmehr eine völlig abwartende Stellung bewahren und nur da- für Sorge tragen, daß der Straßcnbahnbctrieb sich in ordnnngs- uiäßigcr Weise abwickelt, daß keine Ruhestörnngeu vorkomnie» und die Arbeitswilligen vor Ausschreitungen geschützt werden." Man stelle sich vor. Es treten zur Beurteilung des Ausstands zusammen: a) einige höhere Po Ii zei be amte, also Herren, denen die Initiative zu dem bekannten, gegen Streikposten zc. gerichteten Vorgehen wohl nicht mit Unrecht zuzuschreiben ist, und die auch sonst dcr Arbeiterbewegung gegenüber die Stellung ein- uchmcih durch die eben ,die preußische Polizei sich' von sehcr gekennzeichnet hat, b) ein Beamter des Ministenums der öffentlichen Arbeiten, desselben MinisteriuniS, das seine Arbeiterfürjorge durch 2.50 M. Tagelohn für E ise nbahnarbeiier und durch das rücksichtslose Vorgehen gegen solche Angestellte auszeichnet, die von dem ihnen durch' klare GcfetzeSparagraphcit garantierten Koalitions recht Gebrauch uiäcken. c) Die A n g e k l a g t e n in ihrer Sache— Verzeihung, die Direkt! o n der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft! Dies Kollegium fühlt Beruf und Drang, in dcr Ausstandsfrage ganz für sich zu entscheide», cS versammelt sich, ausgesprochenen Ernst in den Mienen, au amtlicher Stelle, judiziert und läßt das Jiidizinm wirklich und wahrhaftig der Oefsentlichkcit preisgeben: Die Frage, ob die in ihrer eigenen Anklagesache mit- beratende Direktion alles gcthan hat, waS im Falle des jetzigen AnSstaiids gethan iverdcn mußte, ist nach allen Richtungen hin zu bejahe n, lieber die Wirkung, die das Kollegium sich von dem Urteil als solches versprochen haben mag, ist überhaupt nicht zu reden. Wo fände sich ein Mensch, der sich darauf im Ernstfall stützen möchte? Wohl aber muß man fragen, was die Vertreter des Staats, die in dem Äöllcginni gewirkt haben, wohl von einem unter solchen Umständen gefällten Spruch für daS A n s e h e n des Staats erhofft haben mögen? > Niemandem im Polizeipräsidnnn fällt eS ein, auch nur in einer einzigen Person die H a u p t b e t e i l i g t c u. nämlich die A u s- ständigen zu dcr feierlichen Sitzung herbeiziiruscn. Einen von i h n e n zu hören, wäre nach allgeinciiien menschlichen Begriffen das felbstverftäudlichstc Ding von der Welt gewesen— nichts von alledem im Polizeipräsidium, Keiner der Beratenden trägt ein Verlangen, auch nur einen jener Fiiiiftanscnd zu ver- nehm e»,- die schlv'ereu Herzens einen Schritt thaten. gegen den sie sich im Gefühl gewohnter Uiiterordming lange, lange gesträubt haben, Keinem der beamteten Herren— von dcr mitberateuden Direktion nicht iveiter zu reden— fällt es ein, sich ans eigner Anschauung ei» Bild davon zu machen, wie es denn gekoinincn sein Mag, daß die so geduldige Kreatur mit einem Mal in s o c l c ni e n- t är e m S ch in erz e n S a u s b r n ch aufschrie—! Das Urteil ivird viel glatter ohnedies gefällt ämd lautet, wie es lauten muß: die eine mitbcratcnde und ausführlich gehörte Partei steht ohne Feh l da. die andre Partei, die keine Ahmnig von dem hat, was im Aiigenblicl mit ihr geschieht, wird für schuldig erklärt. Nachdem dieser heimliche Vorgang vorüber, faßt die private Hälfte der Mitberatenden Mut zu neuen, ermutigenden, erfrischenden Thaten: sie schickt eine, den Thatsachcn blutig inS Gesicht schlagende V e r d ä ch t i g u n g. i n die Welt, sie zeiht die Streikenden der Teilnahme an den am Tage vorgekommenen Ausschreitungen. I» einer Erkläning, welche die Direktion den bürgerlichen Zeitungen zugesandt hat, findet sich nämlich folgende Stelle:' „Während die Direktion der Straßenbahn bemüht ivar, mit Hilfe der treugebliebenen und der zahlreichen, neu eingestellten Arbeitskräfte den Betrieb in allerdings ivesentlich eiiigejchränkter Form aufrecht zu erhalten, wurde seitens der Streikenden in f l> st e m a t i f ch e r Weife mit Verhöhnungen und Drohungen und im Weiteren auch mit thätlichen Angriffen auf die im Betriebsdienst bc- fiiidlichen Bediensteten vorgegangen, ja in mehreren Fällen die Pferde dcr Betriebswagen ausgespannt, Steine in die Schienenrillen geworfen, Wagen zur Entgleisung gebracht und dergleichen. Diese höchst bedauerlichen Vorkominniffe lasten nur zu deutlich erkennen, daß es den mit dcr Organi- s-llion und Durchführung der Arbeilseiustelluiig befaßten Persön- lichkeiten keineswegs darqn liegt, dcr friedlichen Einigung dcr Verwaltung unb der Aiigesielllen'zu dienen, vielmehr dieselben nur bemüht waren', die Verhältnisse zum äußersten zu treibe» ohne Rücksicht auf die daraus entstehenden bedauerlichen Folgen und ohne Rücksicht ans die Interessen des beteiligten Pitblikilms." Selbst eine so zahme Zeitung wie das„Berliner Tageblatt" fühlt sieb gemüßigt, hierzu zu bemerken: „Die Behauptung, daß die Ausständigen die Exceffe veranlaßt und sich an denselben beteiligt hätten, ist absolut un- zutreffend,- ivie.jeder weiß, der �gestern ans den Straßen Berlins ivar. Es muß als in höh e m Grade b e- dauerlich bezeichnet werden, daß die Direktion der Straßenbahn mit solchen Waffen kämpft. Die Sympathien des Piiblikums kann sie sich dadurch nur noch immer mehr entfremden, tvie es auch allgemein als ein gar nicht genügend zu charakterisierendes Vorgehen empfunden wird, daß gestern die Direktion dcr Straßenbahn Leben und Gesundheit ihrer Passagiere dadurch aufs Sbiel setzte, daß sie gänzlich unkundigen Personen die Leitung der Wagen anvertraute." Nim ermesse man die Wirkung dieser Vorgänge. Die Ansstniidtgen sind, waS allgemein bekannt war und worüber auch ivir nn? keinen Illusionen Hingaben, in ihrer Mehr- hcit noch swntStrciie Elemente, Männer, die zum großen Teil aus dem Osten des Landes zum Militär hierhergeschickt und nach Abfoivierung der Dienstzeit von der„Großen Berliner" angestellt wurden, in dcr klugen Berechnung, daß man es mit gefügigen und an Bescheidenheit itnd Entbehrungen gewohnten Lünten zu thnn habe, mit Leuten, die von dein Begehren groMndlischer Arbeiter noch nicht im geringsten angesteckt sind.' Diese Leute ertragen jahrelang alles, allcS� was die rückfiSislose Direktion ihnen bielcl— bis es mit dem besten Willen nicht mehr weiter geht, bis endlich der Bogen zerspringt. Welch ein moralisches Gewicht hätte die Regierung des SwnteS der Socialreform sich verschaffen, ivie hätte sie ibr Ansehen unter dem noch nicht sociyldemokratischen Teil der Arbeiter im Lande festigen können, wenn sie diese in stantStreiiep Gefiniiuna b.efgngciicn Männer, wenn auch nicht unter- stützt, aber doch gehört und wohlwollend ihnen den Weg zum er- träglichcn Frieden gewiesen hätte. Daß die Ausständigen mit Freuden bereit waren, einen solchen Weg zu gehen, hat der gestrige Tag gezeigt. Nichts von alledem. In der über sie entscheidenden 'Kcknfcrcnz werden zwar ihre-Gegner, nicht aber sie gehört, das unter deren Beifalls lächeln gefällte Urteil fällt in schroffer Form zu ihren llngun stcn aus— und die Wirkung? Tie Wirkung ist, daß diesen Arbeitern— vielleicht den letzten in Berlin, die in größerer Masse n o chi, nicht socialdcmo- l r a t i s ch �durchseucht" ivaren— mit einem Schlag die Binde von den Augen fällt, daß sie erkennen, welch ein ho rr end er Irr tum ihr bis herjgeS Vertrauen auf den Staat der Social reformlvar. Der Ztnsftand beendet! Mit Befriedigung und innerer Geiiilgthuung wird in dcr gesamten Bevölkerung, abgesehen von einigen Ausnahmen, die Kunde aufgenommen werden, daß der Ausstand dcr Straßcnbahn-Angestcllteu beendet ist. Und tveiin auch der Konflikt für die Angestellten nicht mit einem, vollständigen Siege endete, so nehmen sie doch ihre Stellung unter bedeutend gebesserten- Arbeitsverhältnissen auf, ihr einmütiger Widerstand ist nicht ohne Erfolg geblieben. Die Berhandlimgen, die gestern auf Wunsch der Ausständigen durch Vermtttlimg des Oberbürgermeisters Kirs.chner eingeleitet wurden, führten zwischen Direktion und Angestellten zu einer Verständigung, über deren Einzelheiten wir an andrer Stelle berichten. Der Betrieb wird hcntc früh im ganzen llmsaiige wieder aufgenominen und da- mit wird Berlin sein alltägliches verkehrsreiches Leben wieder- gewinnen. Dcr Erfolg des AusstandeS wird tun so höher zu veranschlagen sei», als der Kampf gegen eine Gesellschaft aufgenommen wurde, die übermächtige Hilfsnnttcl zur Verfügung hatte und weitgehender Protektion glser cinflußreicheii Behörden und Personen sicher war. Die Protcliorcu haben ja im Abgc'ordneteiihans ihre Ansicht mit aller Deutlichkeit zum besten gegeben, sie kellnzeichnet klar den gc- wältigen Gegensatz, der zwischen dem Fühlen und Empfinden der großen BytkSmassen und der Regierung vorhanden ist. Hier die Aiischaiiung, die i»i ivirtschaftlichen Leben den Unteniehmcr als den Gebieter uneingeschränkt ivalten lassen will, die ihn in diesem Handeln vollen Schutz gewährt, selbst mit Blut die Autorität bekräftigen will, und dort die empörte Be- völlcrung,. die in dein Ausstand nichts weiter sah als eine Auf- lchimng gegen jahrelang ertragenes llngcinach gegen ein System unerhörter Unterdrückung. Die letztere A u s s a s s u n g hat gesiegt! Das Publikum stand ans feiten der Streikenden. Wir meinen nicht jene, die ihre Teilnahme durch einige recht bedauernswerte Ansschreilnngen belnndcten, deren Folge sie am schwersten selbst zu trogen haben, wohl aber diejenigen, die mit lvachs�ndem Ingrimm Partei ergriffen gegen eine Gesellschaft, die in unverantwortlicher Weise alle Pflichten, die sie ihren Angestellten gegenüber zu erfüllen hatte, in protzcnhastcr Weise verletzte. Hochmütig konnte die Gesellschaft noch vor einiger Zeit jede Androhung zum Streik verlachen.' Sie kannte ihre Leute, sie hatten Deinütigiing. Mißachtung entgegengenommen, ohne zu widersprechen, Beschweren gab es nicht, nur ein Gehorchen. Aber der Zündstoffe waren zu' virff angehäuft, so daß cS mir eines Anstoßes bedurfte, die Flamme zu' entfachen. Deshalb trat die Lohnbeivegung so plötzlich auf, strömte» ihr Tausende. bisher unorganisierte, von dcr Arbeiterbewegung unberührte Leute in Heller Begeisterung zu. Und wenn heute alle die Scharfmacher in Entrüstung darüber ausbrechen, daß diese Leute sich ciiier Gewerkschaft anschlössen, wenn ie im wahnsinnigen Haß über die Arbeiterbewegung behaupten, die Socialdemokrntic habe de» Streik angefacht und geführt, so ant- Worten wir ihnen nur: Ihr seid diejenigen, welche die Arbeiter zur ErkeitntniS ihrer Klassenlage brachtet. Ihr werdet weiter dazu beitragen, daß sie der Socialdemokxatie zugeführt werden. Nichts känn die Arbeiterschaft besser anftlären, nichts kann den gewaltigrn Gegensatz zivifchen Kapital und Arbeit krasser hervor- kehren,'at-Z die Reden der preußischen Minister, des Herr» v. Rhein- baben und des Herrn Thielen. Hört es. Ihr Arbeiter, Ihr Angestellten der Straßenbahn, ein preußischer Minister ist dcr Meinmig, daß eine Gesellschaft, die jährlich nahezu au tO Millionen Mark Ueberschüjse durch Eure Arbeit ergattert, � die ihren Aktionären lOVe Prozent Dividende verteilt. alles gethan hat, wenn sie Euch den Hungerlohn von 85 Mark pro Monat als Anfangögehalt bewilligt I Könnt Ihr damit Eure Fainilie ernähren? Habt Ihr von einer Seite, die solche An» sichten unter Hurra der konservativen Junker und Jndustriebarone ausspricht, Hilfe zu erivarten? Aber nicht nur Junker und Jndustriebarone finden sich in ihrem Urteil zusammen, nein, bis in die liberale Presse finden diese Reden Anklang, den» was bedeutet es anders als eine Zustimmung, wenn Eugen Richter in der„Freisinnigen Zeitung" schreibt: „Die Zugeständniffe, welche die Direktion vor Ausbruch des Streiks machte, und die weitergehenden Forderungen der Streikenden lagen, abgesehen von Forderungen, die mit der Discipliii unvereinbar waren, nicht so weit auseinander, daß bei ruhiger Erwägung eine Vermittclung allzu schwer fallen konnte. Die Streikenden hatten umso mehr' Ursache! jene Berinikttlung nachzusuchen, als die am Sonntag stattgehabten Excesse, wenn auch von dritten Personen ausgegangen, doch geeignet waren, die öffentliche Meinung für die Streikenden' ungünstiger zu stimmen. Anderseits war am Montaginorgen der' Betrieb in größerem Umfange unter dem Schutz der Polizeibeamten ans den Wagen wieder aufgenommen worden, und lief am Montagmittag die Frist ab, bis wohin die Direktion die Rückkehr zum' Dienst bei Androhung der Dienst- entlassniig verlangte. Dazu hatten sich die Streikenden von vorn- herein durch den Äoiitrallbrnch, die Niedcrlegung der Arbeit ohne vorausgegangene Kündigung ins Unrecht versetzt." Welche Forderung gefährdete denn die nach Herrn Eugen Richter so notwendige Disciplin? Sollten die Streikenden etwa der Gesellschaft sagen: Wir wollen nächsten Monat streiken, bitte be- sorgt euch die nötigen Streikbrecher! Die kapitalistische Gesellschaftsordnung kennt keine Interessen- hannonie, sie proklamiert das Recht der Ausbeutung, sie will den Arbeiter unter das Joch des Kapitalisten zwängen. Höher als Arbeiterwohlfahrt steht ihr dcr Prosit, vor ihrer Gctvimigicr bleibt jedes Gefühl humaner Gesinnung unberührt! Das hat dieses gewaltige Ringen gegen mächtige kapitalistische Geivallhaber grell beleuchtet, daß der Staat ihr Hüter und Wächter ist und wenn je, so muß hier allen Ausgebeitteten und Geknechteten klar werden, wo ihre Stellung ist: an der Seite jener Machthaber oder da wo der Kampf für Freiheit und Recht aufgenommen wird! Dies zu eiilschciden ivird auch dieser große Lohnkampf vielen er- leichtern, er führt zur Klarheit unserer socialen und politischen Ver- hältnisse! Zwei Versammlungen der Streikenden wurden am Montagvormittag abgehalten. Der Feenpalast war wieder von einer wenigstens.".000 Per- fönen starte» Versammlung bis in den änßersien Winkel gefüllt. Ter Gedanke der Solidarität und dcr feste Wille, einig ziisammcnzustcheii, hatte die um Verbesserimg ihrer elenden Lage kämpfenden Straßen- bahner wieder vollzählich auf dem Plan erscheinen lassen. Das LohnkottimissionSniitglied, Schaffner A s ch e r, teilte zu Beginn dcr Bersammlniig mit, daß dcr Ober-Bnrgcrmeister Kirschner sich für die Streikenden verwenden wolle. Die Beendigung des Streiks— sagte der Redner— liegt nicht nur in unserni Interesse, sondern auch im Interesse des Publikums und der Polizei, die am Sonnabend und Sonntag eine ungeheuere Arbeit gehabt hat. Wir bedauern, daß Excesse vorgekommen sind, und wir wollen, schon um einer etwaigen Wieder- holung derartiger Auftritte vorzubeugen, alles was in unsren Kräften st c h t, t h n n, um d e in A u>5- st a n d so b a l d a I s in ö g I i ch e i n E n d e z u m a ch e n. Ich schlage vor, daß wir eine Deputation an den Oberbürgermeister senden und ihn um seine Vennittelimg erluchcn, Die Deputation wurde hierauf gewählt. Sie besteht aus den Schaffnern Ascher, G ü s s o w und Klemens. Die Gewählten begaben sich sofort zum Oberbürgermeister. Von allen Seiten" rief man ihnen zu:„Aber festhalten I"„Nichts nachlaffcn!"«Nichts abhandeln lassen!" Hierauf Ivnrdc die Versammlung auf 56 Minuten vertagt. nachdem zuvor ein Glückiounschtelegramm dcr Trainwah-Angcstelltcn in München unter lebhaftem Beifall verlesen. AIS die Versammlung tvieder eröffnet war, teilte dcr Vorsitzende Werner mit, daß der Verband bereits heute Untcrstütznng an die Streikenden auszahlt, solvcit sie dessen bedürftig sind. Das Monatsgehalt ist am 2t. fällig und die Mittel dcr Angestellten erschöpft, so daß sich bei den meisten Familienvätern bereits ein Bcdürfins»ach Unter- stützung geltend macht. Werne r machte nunmehr Mitteilungen über die Loge des Streiks. Tie Direktion habe bis jetzt kein Entgegenkomme» gezeigt. Die Preffe habe sich im allgemeinen günstig über den Streik aus- gelassen. Eine Ausnahme mache nur das Unternehmerblatt„Bcr- iincr„Neueste Nachrichten". Die Zeitung behaupte, die Bewegung sei von sociaidcinokralischer Seite ins Leben gerufen worden. Dem- gegenüber konstatierte der Redner, daß die Lohnbewegung der S traßenbahn-Angestellten mit keiner politischen Partei etwas zu thnn hat. Es handle sich um eine rein gewerkschaftliche Bewegung, die aus den eignen Reihen der Angestellte» entstanden sei und min � auch van diesen bis zur Entscheiching durchgeführt werde. Redner sprach sein Bedauern über die Unruhen vom Sonnlag aus, betonte, daß sich von den Streikenden keiner daran beteiligt habe, und mahnte dieselben, mit Ruhe und Besonnenheit den Kamps zu Ende zu führen. Nunmehr wurde folgende, von der Lohn- kommission gestellte Resolution cinstimmig angenommen: „Die Versammelten haben mit Entrüstung von der seitens der Direktion der Großen Berliner Straßenbahu-Gesellschnst in die TageSblätter lancierten Erklärung Kenntnis genommen. Sie protestieren mit aller Eiitichiedenheil gegen die in dieser Erklärung ciirbaltciie Unterstellung, daß die streikenden Angestellten Excesse verübt haben.— Die Angestellten erklären diese Behauptung der Direktion für unwahr. Niemand von den Angestellten hat sich a» irgend welchen Excesse» vctciligt. Die Streikenden werden den Kampf für ihre gerechte Sache nach wie vor mit größter Ruhe und Besonnenheit fortsetzen." Ei» Redner führte nun aus, daß die Direktion im„Lokal-An- zeiget" bestritten habe, daß Angestellie, deren Pensionierung hätte eintreten«ilüffen. entlassen worden seien. Ein auf solche Weise entlassener Kollege habe dem„Lokal- Anzeiger" zum Beweise die betreffenden Schrift- sl n ck e vorgelegt, aber das Blatt habe die Be- h a ii p t n n g d e r D i r e k t i o n n i ch t berichtigt.(Entrüstete Pfui-Rufc.) Die Deputation ist inzwischen vom Oberbürgermeister zurückgekehrt. Ascher berichtete: Wir find zuvorkommend empfangen worden, dcr Herr Oberbiirgcrmcistcr ist zur Uebernahme der Vcnuittelung bereit. l Kroßer Beifall). Er hat mir auch das Schriftstück gezeigt, worin sich die D i r c k t i o n'b e r e i t erklärt, die PcniionS- lasse in der F o r ni, tvie sie der Magill rat ver- laugt, am I.Juli einzuführen.(Beifall.) werden wir uns zur Direktion begeben und anfragen, ob sie gewillt ist. den Herrn Ober-Bürgexmeistcr als Vermittler anzunehmen. Hiermit haben wir alles versucht, was irgend in unfern Kräften steht, um einen friedlichen Ausgleich hcrbeizusühren. Geht die Direltion auch auf diesen Einigiuigsversttch nicht ein, dann heißt es weiter aushalten bis zum Siege!(Allgemeine beifällige Zustimmung.) K l c m e'n s hob'»im hervor, der Over-Bürgermeister habe cS dankbar anerkannt, daß die Streikenden zu seiner Vermittelung Ver- trauen haben, er habe der DcpiNation geraten, der Direktion zu sagen, daß sie, wenn sie ihn(den Oberbürgermeister) nicht als Vcr- mlttler annehmen wolle, eine andre Person vorschlagen niögc. Weiter bemerkte der Redner, dcr Oberbürgermeister habe sich sympathisch über daS seitherige Verhalten der Streikenden geäußert, und bestättgt, daß dieselben an den gestrigen Ex- cessen nicht beteiligt ivaren, Die Deputation begab sich nuiimchr zur Direktion. Die Ver- samntlung nahm inzwischen ihren Fortgang. S o l k o w§ k i, ein Monteur dcr ElektricttätS-Gesellschaft„Union", berichtete, er habe das wiederholt von Vorgesetzten an ihn gestellte An- sinnen, als Streikbrecher einen Wagen zu fahren, abgelehnt und sei deshalb entlassen worden. Auf dem Arve i ts Nachweis der M e t a I l i ii d u st r i e l l c». wo er bereits um Arbeit nachgesucht habe, erhalte er keine Stellung mehr. E r's e i auf die s ch lv a r z e Liste g e st e l>». (Unwille.) Einen Beweis dafür, tvie groß die Begeisterung der Streikenden für ihre gerechte Sache ist. liefert Schaffner L ü s k c, der das fol- gende von ihm verfaßte Gedicht vortrug: Liebe Freunde und Kollegen, Höret meinen ernsten Ruf. Laßt uns Einigkeit erstreben. Die so oft schon Gutes schuf. Laßt uns treu zusammenhalten. Jeder stehe seinen Mann! Ganz besonders auch Ihr Alten I Siegen werden wir alsdann. Denn als Menschen woll'n wir leben— Diese Forderung ist klein— Uns'rcr Frau u und Kinder wegen Können ivir nicht ruhig sein. Wenn, was rechtlich wir verlangen. Uns die Willkür vorenthält— Freunde, lafer uns d'rum nicht bangen. Richter für uns sei die Welt! Mag der Bürger Stimme richten, Ob genügend unser Lohn. Ob verletzt ivir unsre Pflichten Oder unsre Direktion. Darum ivollüi wir mit Vertrauen Mutig in die Ärikunst seh'u. Auf die eigne Stärke bauen, Einer für den Andern stehn l (Brausender Beifall.) 'Hierauf nahm Stadtv. A u g n st i n da-Z Wort, chcr seine Freude darüber aussprach, das; der Oberbürgermeister die Bermittcluug über- nomincn hat, aber die Streikenden sollte» nicht zu grosse Hossnimg aus yiesc Verhandlungen setze», sondern sich niit dem Gedaiiken ver- ttant machen, daß der Kampf noch iveitcr geführt werden muß. Halte» Sie fest zusanimcii, kämpfen Sie gegen die llcbcrmächt des Kapitals. Lithograph Tischendörfer, der bekannte national-sociake Redner, richtete begeisternde Worte an die Streikenden. Er begrüßte das Vorgehen derselben, und betonte, daß die Direktion, seit.Jahren den Zündstoff angesammelt habe, der jetzt den Kampf entflammt hat. Die Bewegimg der Straßenbahner sei keine politische.-Weiter mahnte der Redner die Streikenden zum Aushalten. Alle tliäder stehen still. DieS Wort, solle wahr bleiben, bis die Direktion die Maßvollen Forderungen der Angestellten bewilligt hat.(Stürmischer Beifall.)' Schaffner D a h m s betont, unsre Bewegung ist nicht politisch. Wir sind deutsche Müniier, die dem allergnadigsten Landesherr» Trend geschworen haben. Wie deutsche Soldaten wollen ivir auch in diejeni .Kamps zusammenhalten bis unsre Notlage verbessert ist.(Lebhafter Beifall.) Noch eine große Zahl von Rednern richtete» Ansprachen an die Versammelten. Redactenr u. G e r I a ch verwies darauf, daß das Züsammen- halten der Straßenbahn-Angestellten schon etivas erreicht habe,»äM- lich die Pensionsknjse. Das fei ei»-ffleweis für den Wert der Or- ganisation. Darum müsse auch das Verlangen, ans dem Verband auszutreten, entschiede» znrückgeiviesen werden.(Beifall.) Wenn Sie einig sind, dann können Sie'uicht besiegt werden. Halten Sie desbertb an Ihrem Verband und an Ihren Führern fest.'(Lebhafter .Beifall.) Als die Versammlung nach abermaliger Vertagung wieder eröffnet worden war, berichtete die zurückgekehrte Depntätioii:- Tic Tircktion will verhandeln, und zwar vor dem Ober- Atugernieister mit der in beiden Ver- smnmlungen gewählten Deputation, welche ans den Augestellten Rchthmaun. Ascher, Klemens� Güsso'lv' und Ober- pichler besteht.(Bravo.) Die Deputation wird versuchen, möglichst an den von der Konmiission aufgestellte» Forderungen fest? zichalteii. Die B c k a u,n t m a ch'u» g'd e r Direktion, lv o- nach.jeder, der bis heut Mittag den Dienst nicht w.icder antritt, wegen Kontra k'rbruchs entlassest i st, i st z» r ü ck g e z o g e n. Ascher kragte die Betsammtmig: Kollegen, seid Ihr willens, von unsren Forderungen»och etivas abzulassen? EinstinwligeS „Nein!" tönte durch den Saal. Was ich thun kann, jagt Ascher hierauf, das soll geschehe». Die Direktion wünscht, daß alle An- wesenden hierbleiben, bis die Verbandlmigeii, die im Rathause statt- finden, beendet find, Schaffner Müller beantragt: Wir lassen der Deputation bei der Verhandlung i» allen Punkten freie Hand. Nur daran soll sie unter allen Ilmständen festballen, daß die Eiusetznng von Beschwerde- Kommiffivnen ans allen Bnhuhöfe» zugestanden wird. Und daß uns die Zugehörigkeit zum Verband»ichi streitig gemacht' wild.— Einstimmig wurde dieser Antrag angeiiomiiie». '. Die Versanimlnng wurde mm nochmals vertagt. AIS die De- putation um b'et Uhr wieder zurückkehrte, herrschte allgemeine Spmimnig ob des Ausgangs der Verhandlungen unter den Anwesenden. Klemens nahm unter lautloser Stille der Versammlung das Wort: Mit Befriedigung kann ich Euch verkünden: Der Kampf ist zu Endel Leicht waren die Verhandlungen nicht. Es ist viel hin und her geredet worden. Der eine sagte: Halt fest! und der andre: Laß nicht loS! Aber schließlich find wir doch zu einem befriedigenden Resultat gekommen. Das wichtigste ist, daß wir die P c» s i'o u s- lasse bekanmie», und zwar mit der Maßgabe, daß je ein Vertrauensarzt der Direktion und der VerkebrSdepntation über die Pensionierung zu entscheiden bat, und im Streitfall ein unparteiischer Arzt angerufen wird. Ten F a h r e r n ist eine Dienstzeit von v S tivn d e n, den Schaffnern eine solche von 1l S tu n d e ir e i ns ch l i e ß l i ch d e r V v r b e r e i t n n g s- arbeiten und d e r H a l t e z e i t zugestanden. Die G e h ä l: c r find in folgender Weise festgesetzt: Anfangsgehalt für Neu- cingestellte So M., nach 0 Monaten vü M., nach 2 Jahren üo M., nach 5 Jahre» 100 M., nach S Jahren 105 M., nach 10 Jahren 110 Nk., nach t'ch Jahren 113 Nk,, nach 15 Jahren 115 M, nach 17 Jahrcu 118 SDf., nach 20 Jahren 120 M. lt e b.e rstu n d e n werden mit 50 P s. bezahlt. Jiistriiltioiisstuiiden gelten als Ueberjiimdcn. Das Verschicken der Beamten nach andren Babn- bofe» soll thimlichst vermieden Ivcrden. Jeder siebente freie Tag soll nach Möglichkeit ein Sonntag sein. Je.der Angestellte erhält alljährlich cincn Erholniigsurlanb. Zu militäruchcu llovmigeii eingezogene Beamte erhalten ihr volles Gehalt npler Ävzng des Betrages, der den zur liebung Eiiigezogencn vom Staate gewährt wird. Versetzungen nach andren Bahiihösen werden verheirateten Angestellten drei Monate, unverheirateten vier Wochen vorher bekannt gegeben. Tic Festanstelliing erfolgt nach 6 Monaten. Falsch durchlochte Fahrscheine werden von den Hoiverwalterst kassiert. Geldstrafen sollen nur bei groben Fahrlässigkeitcu verhängt werden. Aus jedem Bahn- hos wird eine Konmiission gebildet, die vierteljährlich zusammentritt, um der Direklion die Wünsche des Personals zu unter- breiten. Die Wagen erhalten pneumatische Bremsen und helltöiieiide Glocken. An den Endhaltestellen werden so weit als nivglich Bedürfnisanstalten errichtet. An besonders gc- fährlichen Kreuznngsstellen sollen Signalwächter ausgestellt werden. Die Direktoren haben durch Handschlag versprochen, daß wegen der Lohnbewegung niemand g« m a ß r e g e l t wird. Die Frage der Zugehörigkeit zum Bcr- band ist mit Stillschweigen übergangen. Weiter hat die Direktioir die Zusage gegeben, daß sie, wen» die Verbältiiisse sich besse.xn, nach Einführung des 10 Pf.-Tarifs weitere Gehaltsaufbeficrungen bc- willigen will. A scher dankt den Kollegen für da? treue Zusammenhalten und ersucht,, ein Hoch ans den Kaiser ausbringen. S ch u m a ii n ersucht ihn alles zu unterlassen, was als politische Kmidgebimg, nach welcher Richtung es auch sein möge, aufgefaßt werden könne. Die Bewegung vertrete mir wirtschaftliche Interessen. Niemand sei nach seinem politischen Glanbensbekeimtms gefragt worden, und cS sollen deshalb auch memands politische Empfiiidiingen verletzt werden. Auf das Resultat der Verhandlungen eingehend, meint Redner, bezüglich des Gehalts seien ja die Forde? rungc» der Angestellten nicht ganz bewilligt worden. Wenn die Streikenden der. Meinung seien, daß ein Teil von ihnen morgen nicht mehr ihm Kampf aushalten werde, dann sollten sie das Bc- willigte, so wenig es auch sei, annehmen, und die Erfüllung weiter- gehender Wünsche bis auf eine spätere Zeit verschieben. E i n st i m m i g wurden hierauf die Abmachungen der Deputation gutgeheißen. Der Vorsitzende Werner schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Verband, in das die Anwesenden begeistert ein- stimmten. Langsam leerte sich der Saal. Die Angestellten der Straßen- bahn begaben- sich, der getroffenen Abmachimg zufolge, am Abend noch nach ihren Bahnhöfen,»in morgen früh den Betrieb wiedct aiisznnehiiien. Die zweite Versammlung, die bei Keller. Koppcnstraße, tagte, füllte den großen S.ml und die Gal lien schon lange vor Vcg in der Versammlung. Nc.ch Eröffnung der Bersammlniig wurden zunächst die Schaffner R a t h m a n» nmd Ob erpichter dazu bestimmt, sich mit den im Fcenpalast gelvahlten Kollegen zum Oberbürgernieistcr zu begeben. Den EitiiationSbericht erstattete der Verbands Vorsitzende S ch u- mann, der zunächst die Frage erörtert, ob die'Straßenbahn-Gcscll- schnft in der Lage ist, die Lohnfordenmgen der Angestellten zu bc- willigen. Ter Ausfall der Eiimahiiicn und der sonstige Schaden, den die Gesellschaft in den paar Tagen erlitten, ergiebt die Summe, welche genügt hätte, die Kosten der gelvünfchtei! Lohnerhöhung' nsiv. zu decken. Wenn trotzdem die Direklion keinerlei Entgcgciikvinmcn zeigt, so beweist sie damit, daß sie nicht in der Hauptsache ans die sinanzielle Seile Bedeutung legt, man will mir verhindern, daß den Streikenden Zugeständnisse gemacht werden, Der Stand der Bewegung ist für die Ausständigen ein an- dauernd günstiger. Es konnte festgestellt werden, daß der Betrieb mir i» ganz geringem llmfange und mir auf einzelnen Linie» ailsreckiicrhaltcn wird. Von' den. meisten Depots wurden überhaupt keine Wagen abgelassen, weil kein Personal Vorhänden war und sich trotz aller Bemühungen, weder durch Drehungen, noch Versprechungen Streikbrecher genügend gefunden haben. Auch die Drohung der Direktion, alle diejenigen zu entlassen, welche den Dienst am Mvntägmiltag nicht aufiichnieii, hat nicht vermocht, die Eiimiütigkeit der Ausständigen zu'beeinflussen. Von den Diskiissivnsrediicrn wurde gleichfalls mit. Eifer der.Standpunkt vertreten, im Streik anszu- harren. Der poetische Schaffner munterte seine Kollegen mit einem selbstverfaßten Gedicht aus, das jubelnd begrüßt wurde. Lebhaft kritisiert wurde von allen Rednern, daß seitens der Direktion ver- sucht wird, die Ausständigen für die vorgekommenen Ansschreitnugen veruntworüich zu mächen, während im Grunde genommen weit eher der Direktion die Rnhqstörüngen zur. Last fallen. Thatsächlich Häven sich die Ausständigen gemäß den E.rmahiiiingcn in keiner Weise an irgend, welchen. Excessen beteiligt. Die auch im Fecnpalast beschlossene Resolutsoii, in der gegen die Verdächtigniig der Ausständigen seitens der Direktion protestiert wird, gelangte eiiistiiumig zur Äimahme. MWerweile war es 12 Uhr gcwvidcii, ohne daß von den Vcrso.minelteu einem ein- gefallen wäre, den Dienst aiiszunebmeii, wie es von der Direktion gefordert winden war. Zuerst wurde die allgemeine Beteiligung an dem Begräbnis eines verstorbene» Schaffners geplant; als aber die Nachricht eintraf, daß der Oberbürgermeister die Verhandlungen mit den Ausständigen und der Direktion angebahiit hat, wurde man sich einig, nur eine größere Deputation zum Begräbnis zu eiiiföndcn, hingegen die Versanimlnng event. so lauge fortzusetzen, vis die Ver- haiidliingeii der Kommission init der Direktion ein Resultat gezeitigt und der Bericht hierüber gegeben werden kann. In der Tiskiission wurde sodann wiederholt die.Haltung. des „Lokal-Anzeiger", der wieder wie bei früheren Lohiibewegungen die Jiitcresieu der Untcinchiiicr vertrat, einer scharfen Kritik unter- zogen. Ilm 3.'i5 Uhr endlich bciirtitclc der Schassiicr R a t h m a n n über die Verhaiidlnngeii mit der Direktion. Das Siesiiltat der Vcrhand- lnngcii wurde nicht gerade freudig aufgeimommen, im Gegenteil machte sich zunächst imtcr den Versaiiimeltcn eine sehr geteilte Mei- innig über die zngestäiideiien Bediligimgcn bemerkbar. Nachdem R a t h- in an n und der Verbmidsvorsitzcnde Schumann für dieAniiabme der EinigiiiigÄbedingliilgcn, die ja immerhin eine beachtenswerte Ver- bcsserilng gegenüber den bisherigen Verhältnissen bedciilc», ein- getreten waren, wurden die.pereiiivarten Bedüigungen schließlich mit allen gegen vereinzelte Stilimien accepliert und beschlossen, die Arbeit unter diesen Umständen wieder misznnchmeii.' Mit ciiiem dcgeistcrnden.Hoch aus die Bewegung der Straßen- bahn-Angestellten, erlangte die. imposante Versännnluiig nach ca. Lsti'mdrger Tagung ihren Abschluß. Die Sira�envorgältge. Am Sonntagmorgen herrschte in den Straßen Berlins eine ans- fallende Stille. Weder das Rinupelu bahinsauseiider Slraßciibnbn- wagen, noch der schrille Ton der Siatialglocken störte die soiuitäg- liche Ruhe. Der Betrieb der Straßenbahn ruhte in den Morgen- stimden vollständig, die Thors der Depots waren geschlossen und durch einig» Schutzleute besetzt. Zwischen 9 und 10 Uhr erschienen dann hier und da einzelne elektrische Wagen. Die Große Berliner wollt« dem Pnbliliini jedenfalls zeigen, daß sie wenigstensden Schein einesSiraßen- bahnbetriebs aufrechterhalten laim. Viel war es iiicht�was sie leistete, aber sie gab doch de» lieben Berlinern ein Lebenszeichen. Ter Betrieb wurde also, in ganz geringem Umiaiige'Natürlich) ans einzelnen Linien, eröffnet. Es koursierten einige Wagen der nach Schvnebcrg und dem Nollcndorsplatz führenden Linien, sowie ein kleiner Teil der Ringbahn, vom Rosenthalcr bis zum Lrandeiibürger Thor. Sonst sah man in der gänzeii Sin dt keine Skraßenbahii. Ter Uiiistälid, daß am Sonntag ein verhältnismäßig schwacher Fuhr- werksoerkehr in den Straßen herrscht, mochte' die Direktion veraillaßt haben, die Gelegenheit ziir Eiiiübung des noch nicht genügend ausgebildeten F äh r p e r s o n ä ls zu benutzen. Auf jedem Magen stand neben einem tmidigeii Führer— es sind im ganzen deren 21, die sich nicht" am Streik beteiligt haben— einer jener jugendlichen Burschen, die man am Sonnabend Überall beobachten konnte, wie sie sich oft vergeblich benuihlen, die schweren Wagen durch die- Straßen zu dirigiere». Auch die S ch a f f n e r p o st e n waren meistens d u r ch z w k i M a n n, die sonst diese Thiitigkeit nicht ausgeübt h alten, besetzt. Im Interesse des Publikiims ließ die Direklion die Wagen nicht laufen— sie wurden auch thatsächlich wenig beniitzt, wählend die O m n i b u s s e übe r f ü ll t waren— sondern einmal, um die Streikbrecher an- ziilcrneii, und dann läßt der Uiiislano, daß der ganze Betrieb/ soivcil von einem solchen die Rede sein kann, sich auf die nach Schönebeig führenden Liufen beschränkte, darauf schließen, daß die Gesellschaft sich im Westen nicht als betriebsunfähig zeigen wollte. weil in den westlichen Vororten verschiedene Linien, um die sich aiißer der Großen Berliner noch andre Unternehmer bewerben, zu konzessionieren sind. Kaum waren die ersten Wagen an den Haltcpniikten erschienen, so sammelte sich auch das Publikum in hellen Hausen. Verwüiiscvimgen gegen die Streikbrecher wurden laut, sie äußerten sich in»iiehr oder weniger drastischen Bcnierkniigeii, die man den arbeitswilligen Elementen cingegeiiricf. Der dürftige Verkehr wurde miter starker polizeilicher Bedeckung durchgeführt. Auf jedem Wagen stand sowohl ans dem Vorder- wie auf dem Hinterperron je ein Schutzmann, der darüber, zu wachen hatte, daß den arbsitsivilligen Führern und Schaffnern kein Leid geschehe. Der Alcxanderplat? war gegen 11 Uhr nicht. stärker als.sonst vom Publikum in Anspruch genommen, dagegen sorgten eine große Zahl von Schiitzlenteii zu Fuß und zu Pferde dafür, daß»kcmand stehen»blieb. Das Publikum folgte willig den Anordnungen der Beamten und es kamen keinerlei Störungen vor. Vom Ale-xanderplatz,. die König-»ab- Spandauerstratze entlang, über den Molkenmarkt bis zmn Spittelmärkt stand auf jeder S.eite des Fahrdanmics. alle 10—15 Schritt ein Schiltznzaim, eine größere Anzahl von. Beamten hielt den Spittel- markt besetzt, wo' aber das Publikum, welches. hier ziemlich?."')'■='■ reich sich angesammelt hatte, durchaus nicht Miene machte. Ans- schreitiincsen zu begehen. In der Leipziger- und PotSdanierstaaße dasselbe Bild. Eine Kette von Schutzleuten, keine besondere An- säminlung von Menschen. Erst an der Kreuzinig der Potsdamer- und Bülowstraße hatten etwa 100 Menschen Aiifftclliing� ge- iiommen, von denen einzelne die vorüberfahreuden Wagett init Geschrei begrüßten. An der Grenze Schönebergs hatten die Schutzmamischaftcn ein Ende. In der Nachbarjtadt ivaren leine Polizei- Mannschaften zum Schutze der Straßenbahn aufgeboten und daher fand sicki auch tveniger Publikum aus den Straßen, wo, was ja bekannt, die Anwesenheit zahlreicher Schutzleute auch eine Ansammlung des Publikums zur Folge hat. 1 2lm Nachmittag hatte sich ans dein Alexanderplatz das Bild geändert. Die Menschen- mengen hatten sich vermehrt und, um sie zu eiitsernen, war eine Abteilung reitender Schntzleiiie erschienen, die ihre Pferde alif dgu Bürgersteig trieben, und das Piiblikiim, welches durch diese Handliiiigsweise der Schntzleiiie in eine gewisse Erregung geriet, iii die Kvnigstraße gedrängt. Unter den Kolonnaden staute sich die Menge, und' von dieser Stelle ans flogen später einige Steine und zertrümmerten die Scheiben eines Wagens. Die Polizei räumte mm auch die Koloimaden und sperrte den Zugang zum Alexaiideiplntz von der Königstraße her ab. In der Neuen Friedrichstraße hatte sicb wieder eine größere Meiischciimenge angesammelt, die jeden Wagen mit Johlen und Pfeifen empfing. Hier wurden auch einige der Schreier uon Schntzlenteu in uiisanftcr Weise_ arretiert. Von groben Äusschreitniigen des Pilblirnnis wär keine � Rede, das Verhalten der Menge war nicht anders, wie stets, wo sich äst's. irgend einem Anlaß größere Menscheiiaiisammliingen zusätnmeti fiiidc«. Zu blutige» Excessen kam e? am Rosenthalcr Thor.'Die Entstchnng und der Verlans desselben ist nach der Darstellung von Angenzeligen folgender: Als am Vormittag vom Bahnhof am Wcinbergsweg ein Wagen der Linie Viuetoplatz— Schöneberg auslief, stellte sich ihm ein Teil des Publikiims in den Weg und stichle ihn au der Weiterfahrt zu hindern. Schntzleiiie erschienen und erzwangen ohne- besondre Schwierigkeit die Durchfahrt für den Wagen. Nach und nach saimnelte sich eine nach Tansenden zählende Menschenmenge an, darunter sehr viele jugendliche Burschen, die jedesmal,■ wenn ein Straßeiibähnwagen voiüberfiihr, lautes Johlen und Pfeifen ertönen ließen. Es>var zeitweise ein ohren- betäichender Lärm. Aber bei diesem Geschrei blieb es nicht allein, es wurde» mich Steine gegen die Wagen geschleudert und Schechen zertrümmeit. Ein Steimviirf soll einen jungen Polizeilienteiiant getroffen habe», ohne ihn indes zu verletzen. Nun gingen die Beamten mit. der blanken Wassc gegen die Menscheimieiig'e vor. In dem Bestreben, den Plgtz am Noseiithale.r Thor. frei zu machen, suchten die Schutz- Iciilc das Publikiiin in die Straßen zurückziidrängen. Beim Anblick der blanken Säbel wichen die Menschen entsetzt zurück, aver bei dem dichten Gedränge war an ein schnelles. Eiitkoitmicn nicht zu denken. Es .mag sein, daß sich mancher in der Menge befand, der durch pravo- kalorisches.Auftreten die Beamten gereizt hatte. Aber wohl' selten gelang es den Schuldige» zu sasscn. In blinder. Wut hieb fo mancher Schntzmtmii auf die LrMe ein. und so kam es. daß viele Personen, die nur. die Neugier zum Verwelken veranlaßt hatte, mit dem Schutz- mannssäbel Bekanntschaft- machten. Es handelte sich keineswegs— wenigstens nicht in allen Fällen— um thatlicheu Widerstand gegen die Beamten. Es ist beobachtet worden, daß Schutzleute hinter den Fliehenden herliefen und aus sie einhieben. Die Folgen der Attacken sind entsetzlich. Zahlreiche Verwiuidiingeii schwerer und leichter Art sind vorgekomineii, die ans der Rettungswache in der Kastanien-Allee behandelt wurden. Eine große Zahl von Verhaftiing.ni sind z» ver- zeichnen. In welcher Weise die Schutzleute mit der Waffe hantierten, davon legi der Umstand Zeugnis ab. daß selbst Kinder, die sich in der Menge befanden, blutige Wunden davongetragen haben'und Fraiien Beulen und blaue Flecken, durch Fanstschläge verursacht, auswiesen, Solche Attacken der Schutzleute mit dem Säbel in der Fmisi fanden bis zum Abend mcbrercmal sintt. Gegen 7 Uhr abends hatte die Straßenbahn den Betrieb ganz eingestellt, bald verlies sich denn auch die Mevschenmciige, und in den späten Abendstunden herrschte vollkommene Ruhe. Bemerkt g'ei ausdrücklich, daß die stteiieiidcirStrnßeNb'ahn- Beamten sich an den Ansammlimgcn in keiner Weise be- teiligten und so die bckaunie Verdächtigung der Direktion von neuem Lügen straften. Sie halten sich am srühc» Morgen- mit ihrer Familie'noch Schlacht e n s e e begeben und dort den Tag, ohne von den traurigen Vorgängen in Berlin eine Ahnung' zu haben, im besten Frohsinn verbracht. Dcn mifbaiischeiiden Meldungen verschiedener Blätter sieht ein den„Berk: N. Nachr." zugestellter amtlicher,' ans dem Btirean des tziegienmgsrats v. Glasenapp stammenden Bericht gegenüber, in dem es heißt:- Im allgemeinen sind die dcn Blättern zugekommenen Berichte stark übertriebe». Die Nachricht, daß d e n E x c e s s'e n b e r'e i t s 2 M e n s ch e n- leben zum O P f e r g e f n l l e n s in d, bewahrheitet sich nicht. An Verwundeten kommen nur 3 Personen in Betracht, von denen zwei, S l ü b b e und V a t h k e bereits ans dein Spital entlassen sind, während allxtdings der dritte, ein getvisser Brüse berg an einem Schädelbruch schwer verletzt in der Chaiitö daniederliegt und operiert werden soll. Am 19. Mai war nur der Exceß am Spittelmärkt Po» Belang. Alle Nachrichten über nndeiwariige Ausschreiliiiigeii sind c rh e b l'i ch übertrieben. Es ist unrichtig, daß in der'Leipziger Sträße Pferde van einem Straßenbahnwagen ansgcjpaimt wurden. Dies siel überhaupt mir einmal, und zwar aus dem Dimbosfplatz vor. Die Zeitniigsmeldniigen betreffs der Unruhen in der Maiitcnssel- und Skalitzcrslraße sind bedeutend aiifgebaujcht. Dvrtsclbst faiidett mir. uiibedtittendc Slraßeiiausläufc stall, die von der Polizei z er streut wurdeii. wobei es zu zwei Veihafiiiiigeii kam, die eine betraf einen Mann wegen störenden Lärms, die ziveite eine Frau, die mit Sand warf. Von ciiiem Exreß in der Alte» Jakobstraßc ist dem kgl. Polizei- präsidimn nichts bekannt. Am 20. Diai ist das einzige wesentliche Ereignis der Straßen- krawnll am R o s e n th a I e r Thor, über dcn die Blätter meist ziemlich richtig berichteten. Bloß die Angaben über an- ge bliche Tote s i n d, wie bereits bemerkt, falsch. Auch die gemeldeten Verkehrsunfälle infolge iingeniigender Fahrkenntnis bcs AiiSHIlfspcrsonals beschränkten sich ans die Entgleisimff eines Anhänge- wagrns ans'dem Dönboffplatz. Der Anhängcivngen würde durch die Feuerwehr weggeschafft. Tie gciiieldcie levensgefäbrliche Situation des Inspektors Witte ist uinvabr. der Jnspetror wurde von niemand berührt, bloß bedrohliche Redensarten sind gegen ihn, als man seine Fmiktion erkamile, gefallen. Die angeblich„schweren Wer- letzinigcn" des' alte» Weichenstellers L o t h beschränken sich auf eine leichte Verletzung der Nase. Lolh ivurde auch nicht nach der Ehnrits übergeführt, sondern begab sich selbst in seine Ro.inlcrstr. 4 befindliche Wohmmg. Die Meldungen über zählreiche D r a ii g s a l i e r u n g e n d e s a r b e i t s iv i l l i g e n P e r s o n a l s sind, von unbedeutenden Z w i s ch e» s- ä l l e-n a b g e- sehen, falsch. So wurde auf dem Skexaiiderplatz kein Wagen zum Eiltglciseii gebracht, kein Zettel abgerissen, nur ein Äiiflanf voll allerdings annähernd M00 Personen, die lärmten und schrien, entspricht dcn Thatsachen. Ter im Dienst gewesene Polizeilieiireiiant bestreitet entschieden, daß ans dem Spittelmärkt Pferde ausgespäimt wurden. Im ganzen sind nach der Montag um 2>/2 Uhr uächmittagS er- folgten Ziisanimenstelliing der eingelaufenen Rapporte in ganz Berlin am 19. Mai 220 Personen, am 20. Mai 261 Personen verhaftet worden. Die Leitung der polizeilichen Maßnahmen untersteht dem Geh. Negierungsrat Muhl. Am Montag. Gestern erschien in den frühen Morgenstunden an den öffent- lichen Säulen ein Anschlag, mit dem der Vertreter des beurlaubten Polizeipräsidenten Geheimer Obcr-NegierungSrat Friedheim zu einer ernsten Mahnung das Wort nimmt. Der Anschlag lautet: Bekanntmachung. Anläßlich deS Ansstands der Fahrer und Schaffner der Großen Berliner Straßenbahn haben am Sonnabend und Sonntag ernste Ausschreitungen stattgefunden. Die Polizeimannschasten sind angewiesen, zum Schutze des arbeitswilligen Betriebspersonals und zur Aufrechterhaltuug der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung etwaigen Wieder- holungeu dieser Störungen mit unnachsichtlicher Strenge entgegen- zutreten. Wie die Erfahrnngen der letzten Tage von neuem gezeigt haben, sinden am Orie derartiger Ausschreitungen vielfach namhafte An- sammluuaen unbereilifttcr Personen statt. Da es den Polizev mannschatten nicht möglich ist, bei dem Vorgehen gegen die Ruhe. störer aus derartige unbeteiligte Personen Rücksicht zu nehmen, wird das Publikum in seinem eigenen Interesse dringend ersucht, sich von den in Frage kommenden Znsamnlenrottunge» fern zu halten und in gleichem Sinne auf die ihrer Obhut oder Aufsicht anvertrauten Personen einzuwirken. Berlin, den 20. Mai 1900. Der Polizeipräsident. I. V. tl>ez.) Friedheim. Die Ruhestörungen dauerten im Kleinen noch bis 3 Uhr morgens. Bis dahin wurden auch noch fortwährend Angehaltene zur Fest- stellung ihrer Persönlichkeit auf die Wachen des 12. und 62. Reviers gebracht. Sonst herrschte im Laufe des Montags überall Ruhe, wenn auch die Streikbrecher sich manche Aeußcrung erbitterten Unwillens gefallen lassen mußten. • �• Einer Gefährdung von Eisenbahn- Transporten hat sich die Berliner Straßenbahn- Gesellschaft schuldig gemacht, indem sie unkundigen Leuten das Amt des Fahrers übertrug. Hoffentlich hat Herr v. Thielen sein Aufsichtsrecht in der Richtung angeivaudt, daß er die Gesellschaft auf das Verwerfliche ihres Thuns aufmerksam gemacht hat. »• « Als arbeitswilliger Schaffner fungierte bei der Großen Berliner ein Mann»nt Namen Peters, der vor Vi Jahren aus dem Dienst der Gesellschaft entlassen ivar, weil er als Schaffner ein taub- stummes Kind, welches mit einer Schülerkarte fuhr, an den Ohren vom Sitz gezogen und so aus dem Wagen geführt hatte. Solche Elemente, die wegen ungebührlichen Verhaltens abgeschoben worden sind, erscheinen dein Unternehmer, wenn die austäudigeil Arbeiter streiken, noch gut genug, um diese» in den Nücke» zu fallen. Preßstimmen zum Altsstand. Eine bedauerliche Stellung nimmt abermals die„National« Zeitung"' ein, die der Wahrheit zum Trotz hartnäckig die Ver- dächtigung verbreitet, daß die A u s st ä n d i g e n an'den Aus- schreitnngen beteiligt gewesen seien:. „An den vorgestrigen und gestrigen Ausschreitungen haben n e b e n st r e i k e n d e n A n g e st e I l t e n der Straßenbahn ohne Zweifel in großer Zahl Elemente teilgenommen, denen jede Ge- legenheit zum Skandalmachen erwünscht ist: vielleicht(!) bildeten sie sogar die Mehrheit. Gleichviel aber, von wem die arbeitswilligen Fahrer und Schaffner an der Arbeit gehindert und beschimpft, die Wagen zerstört, Brutalitäten schlimnistcr Art be- gangen worden; diesem Treiben muß ei» rasches Ende gemacht tverden; die Staatsgewalt muß sich in Berlin der Aufgabe ge- wachsen zeigen, öffentlichen Terrorismus gegen Arbeitswillige zu bändigen und die Ordnung auf den Straßen und Plätzen aufrecht- zuerhalten; sonst würden die Folgen unter den Verhältnissen einer Weltstadt nicht abzusehen sein." Die Ausschreitnngen, deren Umfang inzwischen durch amtliche Mitteilungen bedeutend herabgemindert ist. bilden überhaupt ein Gaudium für die scharfmachende Presse. Die„Post" schwelgt in der Hoffnung, daß durch die Aufläufe nun doch noch ein Zuchthaus- g e s e tz bcscbert werden möge und verdächtigt zur Erreichung ihres Zweckes Socialdemokratie und Gewerkschaftsorganisation: „Die bis zu einem förmlichen Straßenknmpse ausgearteten Ausschreitungen sind die Folgen der planmäßigen Ver hetzring der Socialdemokratie. Sie trägt in erster Linie die Schuld an dem vergossenen Blute. Die Mit schuld trägt aber auch diejenige wirtschaftliche Vereinigung, die auf den Ausstand hinarbeitete und bei der Vorbereitung die Hand im Spiele hatte. Auch bürgerliche Blätter und Parteien können wir von der Schuld nicht ganz freisptechen, die von ihrem grrten Recht, ihren Standpunkt zu dieser Frage zu erörtern, einen unerfreulichen Gebrauch machten, indem sie durch ihre Schilderungen ausslachelnd auf die Leidenschaften der Bevölkerung wirkten. Es ist Sache des ver- sammelten Landtags, der Regierung den Rücken zu stärken, daß sie zur Ansrechtcrhaltuug des öffentlichen Friedens und der Ruhe die energischten Mittel ergreift." Ein Jammer, daß der Landtag kein Zuchthausgesetz machen darf. Er würde sich dieser Aufgabe würdig cnveisen und»ach dem Willen der wahnsinnigen„Post" höchstwahrscheinlich sämtliche nicht zur Scharfmachcrei schlvörende Zeitungsredacteure ins Zuchthaus bringen. Die„Deutsche Tageszeitung" sucht ebenfalls die Socialdemokratie zu verdächtigen und begeht dabei die Abgeschmackt- heit, nnsre vorgestrige Mitteilung über das Vorgehen der Schul- linder in der Chausseestraße als eine Art Anreiz zu Gcwaltthätig- leiten hinzustellen. Weiter aber muß das Blatt notgedrungen anerkennen, daß die Forderungen der Angestellten nicht über- trieben sind. „Sie haben in den meisten Punkten so weit nachgegeben, daß uns eine Erfüllung der Forderungen nicht nur möglich, sondern sogar geboten erscheint, insbesondere da die Verhältnisse der Gesellschaft derart sind, daß die Befriedigung der Forderungen ohne Schivierigkciten erfolgen kann. Der Lohn, der verlangt wird, ist in Anbetracht der Berliner Verhältnisse niäßig. die Mindcstarbeitszeit in Anbetracht des aufreibenden Berufs durchaus verständlich und verständig." Die„Berk. N. Nachr." tbaten auch in ihrer letzten Ausgabe alles mögliche, um die trotz aller Scharsmacherei nun doch glücklich erfolgte Einigung zwischen den kämpfenden Parteien zu vereiteln. „Die Stellung der B e h ö r d e n zu der Bahn aber scheint uns von vornherein klar vorgezcichnet zu sein. Es ist an und für sich nicht ihre Sache, sich in Lohnkänipfe zu mischen. Noch iveniger kann ihre Parteinahme für denjenigen Teil der Streikenden in Frage kommen, der unter Verletzung vertragsmäßiger Pflichten und unter Störung der öffentlichen Ordnung zu Gewaltmitteln greift, um Zngeständ- »isse zu erzwinge», über deren teilweise mangelnde Berechtigung die Ausständigen selbst nicht zweifelhaft sein können.... Die Regisseure der Ausstandsbeweguug aber haben sich zweifellos gründlich geirrt, wenn sie bei ihren Voraussagen, daß die Straßenbahuverwaltung den Kampf entweder nicht aufnehmen oder doch nicht lange durchführen könne, etwa auch auf eine baldige Intervention der Behörden zu Gunsten ihrer von ihnen verführten Schützlinge gerechnet haben sollten." Dann folgt noch ein genicines Geschimpfe auf daS Publikum, da? für die Ausständigen Partei ergriff: „Genau so falsch wird auch die Rechnung auf eine dauernde Parteinahme des Publikums sein. Das Publikum, welches bis jetzt Partei genommen hat. besteht übrigens, so weit tvir gesehen, zum Teil aus halberwachsenen Personen und„.ehr noch aus der Rotte Korah, die überall ist. wo es Skandal giebt. Die Straßenbahnbediensteten werden selbst auf eine Unterstützung von dieser Seite wenig Wert legen und den Wunsch habe», vor solchen „Freunden" geschützt zu sein." Zum Schluß sei noch die„Berl. Ztg." erewähnt, die der Direktion den Text liest: „Erfreulich ist es, daß die Streikenden selbst sich an den Skandal- scenen in der Stadt in keinem Falle beteiligt haben, und wenn die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn in einer öffentlichen Erklär»!» g das Gegenteil be- hauptet, so macht sie sich damit einer Unwahrheit schuldig. Diese Gesellschaft, die es in dem Bewußtsein eines bösen Gewissens abgelehnt hat, sich dem unparteiischen Schiedsspruch des Gewerbegerichts zu unterwerfen, kämpft jetzt mit solchen Mitteln I Glaubt sie denn, daß sie die Sympathien des Publikums von den Streikenden abwenden wird, indem sie unwahre Beschuldi- gungen gegen diese richtet! Das Gegenteil wird sie damit erreichen! Man hat der„Großen" in Berlin nienials über den Weg getraut. und jetzt, nachdem sie die Stirn gehabt hat, handgreifliche Unwghr- heiten gegen ihre Beamten zu verbreiten, jetzt wird man erst recht wissen, was man von ihren öffentlichen Erklärungen zu halten und wessen man sich von dieser Gesellschaft weiterhin zn versehen hat. War die Sympathie der Berliner Bevölkerung von vornherein auf feiten der Ausständigen, so wird das ruhige und besonnene Ver- halten der Leute ihnen die allgemeine Sympathie in noch viel Höherem Grade sichern und, wenn es sein muß, auch die that- kräftige materielle Unterstützung der Bevölkerung." Vsvtei-MAistviistten. Partei-Organisation. Die Parteigenossen von H ö ch st a. M. haben die Aufhebung des Vertrauensmänuer-Systems beschlossen und die Partcigeschäfte dem örtlichen politischen Verein übertragen. Totenliste der Partei. Einen ihrer Bravsten verlor die Partei in Dresden. Freitag Nacht starb dort der frühere Tischler Anton H e i l>v e ck im Alter von 34 Jahren. Der Verstorbene, der aus Baden stammte, hat schon als sehr junger Mensch lebhaften thätigen Anteil an der Arbeiterbewegung genommen. Im Jahre 1886 würde er auf Grund des Socialistengesctzes aus Hamburg ausgewiesen und kam in der Folge nach Brandenburg, wo er gleichfalls eifrig thätig war. Darauf ivandte er sich nach Dresden, wo er bald in die her- vorragendsten VertrauenSämtcr berufen wurde. Sein Feld war die stille Organisations- und Verivaltuugsarbeit und in dieser Thätigkeit wurde er weiten Kreisen der Parteigenossen, namentlich infolge seiner nie versagenden Arbeitsfreudigkcit, der fast Unentbehrliche,' der immer dabei sein mußte. Er war aher nicht nur ein opferwilliger Partei- genösse, sondern auch einer der licbeuswürdigstcu Menschen, dessen sich viele auch außersächsische Parteigenossen niit Teilnnhnie erinnern werden. Die Lungenschwindsucht, die ihn schon seit Jahren gepackt hielt, zwang ihn, seilten Beruf aufzugeben. Er war in den letzten Jahren Kontrolleur bei der Ortskaffe. Die heimtückische Krankheit hat ihn endlich nach längerem schlveren Krankenlager dahingerafft.— In Magdeburg starb im Alter von 58 Jahren Andreas K ru l I, bekannt unter dem Namen„Vater Knill". Mit ihm ist einer der ältesten und besten Parteigenossen Magdeburgs auS dem Lebe» geschieden. Makellos war sein Leben, nur angefüllt von rastloser Arbeit und dem einzigen Bestreben, so iveit ivie seine Kraft reichte, der Sache des Proletariats zu dienen. Bis zum letzten Atemzug hat er in Reih und Glied gestanden. Trotz seines Silberhaars hat er unsrer Jugend ein leuchtendes Beispiel von treuer Pflichterfüllung gegeben, lvic selten einer. Still und bescheiten, entsprechend seinem Charakter, hat er freudig für die Ausbreitung der socialistischcn Ideen seit einem Menschcualter gewirkt und geschafft. Einen plötzliche» Tod fand in Hanl bürg der Tischler E r n st Babing. Er litt seit längerer Zeit an einem schmerzhaften Magenleiden. Der Arzt halte ihm ein Mar« phiummedikament verschrieben. B. trank während der Nacht, um sich Linderung in seinem Leiden zu verschaffen, die Medizin auf eiunial aus und fand, was er suchte, Linderung seiner Schmerzen, aber nur durch den Erlöser Tod. Der wackere Genosse! hat stets, auch in der schlveren Zeil des Ausnahmegesetzes, treu zu! der Partei gestände» und ehrlich seine Pflicht gethan werden. Etwaige Wünsche unsrer Arbeiter und Arbeiterinnen sind� wie immer den Arbeitgebern direkt vorzulegen. Die Vereinigung der hiesigen Cigarren- fabrikanten." Trotz dieser schroffen Ablehnung versuchten die Arbeiter es dennoch, ihre Angelegenheit auf friedlichem Wege zu regeln; jedoch vergeblich I So erfolgte denn am Osterabeud die Arbeitsnieder- legung. Arbeiter Berlins! Die dortigen Tabakarbeiter bestehen zu Vb aus weiblichen Personen; wenn trotzdem ein so geschlossenes Vorgehen zu verzeichnen ist, so ergiebt sich wohl zur Genüge, in welcher menschenunwürdigen Lage sich die dortigen Arbeiter und Arbeiterinnen befanden. Die unter solchen Verhältniffen hergestellten Fabrikate werden nahezu ausschließlich in Berliner Restaurationen, Fabriken und Konsumvereinen verkauft. Wir glauben im Sinne der Arb�cschaft Berlins zu handeln, wenn wir hiermit die Aufforderung an sie er- gehen lassen, beim Einkauf ihrer Cigarren und Tabakfabrikate darauf zu achten, daß dieselben nicht aus Finsterwalder Fabriken herstammen. Diejenigen Fabrikanten, welche bis jetzt und nachträglich den Tarif bewilligten, werden seitens der Kommission der Berliner Tabakarbeiter' iin Inseratenteil deS„Vorwärts" Donnerstags und Sonntags veröffentlicht. Arbeiter Berlins I Achtet auf die Veröffentlichung und verhelft dadurch den streikenden Tabakarbeitern und-Arbeiterinnen zum Siege. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschastskom Mission. Die Bäcker der vonnals Bobelschen Brotfabrik, Inhaber Hugo Schröder, befindcu sich wegen Aufhebung der Kündigungsfrist in Differenzen. Die Arbeiter hatten gewichtige Gründe, auf� die Ab- schaffnug der Kündigungsfrist nicht einzugehen. Hierauf ist seitens des Unternehmers sämtlichen Arbeitern gekündigt. Die Lohnkommission der Bäcker. Der Streik der Rammer in Steglitz ist beendet. Die Steglitzer Steinsctzer-Jnmmg hat den Rammern dieselben Lohn- bedingungen zugestanden, wie die Berliner Innung. Damit haben die Arbeitsverhältnisse min auch für die Orte Charlottenburg, Steglitz. Friedenau, Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald, Groß- Lichterfelde, Zehlendorf und Spandau Geltung erlangt. Die Arbeit wurde bereits gestern wieder ailfgenommen. Tie Stockarbeiter der Firma Körnig u. Aufrecht haben am Sonnabend die Arbeit niedergelegt. Einige Arbeiter hatten dem Werkführcr Körner ihren Unwillen wegen dessen Verhalten bei früheren Lohnbewegungen geäußert, und waren deswegen entlassen worden. Die übrigen erklärten sich solidarisch. Tie Parkcttbodenlegcr hielten ain Sountogvormittag eine stark besuchte Versammliiug im Gewerkschafrshause ab, und beschlossen, Montag, den 21. Mai. den neu gestellten Tarif zu fordern und die Arbeit einzustellen. Die Vertrauensleute der eiuzclnen Finnen ver- ständigtcn sich mit den Kollegen, Montag früh an einem bestimmten Ort zusamnienzutreffen, uni den Bescheid von den Fabriken ab- zuwarten, es wurde noch beschlossen, daß Dicnstagvorinittag 10 Uhr eine Branchenversammlung starlfindet. Das Streikbureau befindet sich im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. DentscheS Reich. Polizeilich aufgelöst wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in Faulmanus Restaurant in Halle eine öffentliche Versammlung der Wagenführer der elektrischen Straßen- und Stadt- bahn. Die Versammlung war rechtzeitig angemeldet und auch rechtzeitig eröffnet worden. Als aber der Vorsitzende dem Referenten. ReichStagsabgcordneten Thiele gegen V2\ Uhr das Wort erteilen wollte, stand der überwachende Koinmissar Synang auf und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Der Vorsitzende frug nach den Gründen der Auflösung, bekam aber von dem Konnnissar die Kin Tip fnifpriiAp«WH in fiipl die si» Antwort, daß er. der Ueberwacheilde. keine Veranlassung habe, die Olli Fahndung», blatt. Tie kaneuiche Weist>» K e. e i ch«, v ih b_«npnommlnua mitzuteilen. Die voriae Versammln»» bisher vergeblich— trotz der Hilfe der Polizei— bemüht hat, die Socialdemokratie ans ibrem eignen Betriebe zu entfernen, versendet jetzt an Unternebiner, die mit ihr in Geschäftsverbindung stehen, einen gedruckten Fragebogen,„um ihre Leistungsfähigkeit für weitere Austräge festzustellen". Darin Ivird unter andrem nach Jahres- Verdienst, Kinderzabl, WoHnungSmiete, Wobunngswcchsel der Arbeiter gefragt; in der 12. Spalte erscheint die Frage, ob in den Betrieben Socialdemokraten beschäftigt sind und>v e r diese sind. Glaubt die Werft das, was ihr im eignen Betriebe nicht glückte und nie glücken kann, in andern Be- trieben durch Druck auf die Unternehmer zu erreichen? Polizriliches, Gorichtlichrs usw. — DaS Vcrsamlnlungsrccht in Anhalt. Erst vor einigen Wochen ist vom zuständige» oberste» Gericht entschieden worden, daß in Anhalt Frauen an öffentlichen politischen Versammlungen teil« nehmen dürfen. Jahrzehnielaugcni Unrecht ist dadurch endlich ab- geholfen worden, die Angelegenheit ist ausführlich in der Presse und lm Landtage erörtert worden— und schon wieder ist in Hoym, Kreis Ballenstedt, eine öffentliche Versammlung aufgelöst worden, weil Frauen an ihr teilnahmen. Die obersten Behörden Anhalts bewiesen die peinlichste Ge- wiffenhaftigkcit, als es sich darum handelte, von der alten ungesetz- lichcn Praxis abzniveichcn; nicht eher thatcn sie eS. als bis ihnen das längst bekannten Gerichtsurteil amtlich zugestellt ivar. Möchten Sie docv mmdieselbe Geivisseiihaftigkcit in der Jnstrniernng ihrer Unter- beamten beweisen. Oder haben sie noch nicht Zeit gefunden, alle ihre Beamten amtlich davon in Kenntnis zu setzen, daß die Ausschließung der FrauenauS öffentlichen Versanimlungen uugesetzlich ist? — Grober Unfug in München. Zehn Mann standen an, Freitag in München wieder vor Gesicht unter der Anklage, durch kräftige Kennzeichnung der Zuchthausvorlage groben Unfug verübt zu haben. Davon lvurden 7 teils wegen mangelnden ThatbclvciscS. teils infolge Verneinung des Bewußtseins der Strafbarkeit frei- gesprochen, zwei wurden zu je 50 M. und einer zu 20 M. Geldstrafe verurteilt._ GeioeMschslftlMjvs. Berlin und Hmgegend. An die Arbeiterschaft Berlins und der Umgegend! Seit dem 14. April befindet sich nahezu die gesamte Tabak- arbeiterschast von Finsterwalde im Ausstande. Die Tabakarbeiter fühlten. veranlaßt durch den Druck der sich immer mehr steigernden WohnungS- und Lebensmittelpreise, das Bedürfnis, in ein Lohnbewegung einzutreten, umsomchr, da dort noch dieselben Löhne gezahlt werden, wie vor zivanzig Jahren. Ge- stützt auf den gegenwärtigen guten Geschäftsgang und den Stand der Organisation(von ca. 800 dort beschäftigten Personen gehören 500 dem deutschen Tabakarbeiter-Verband und ca. 100 dem Hirsch- Dunckerschen Gcwerkverein an) wurde auf Beschluß einer gemeinsamen Versammlung beider Organisationen den Fabrikanten der in der Versammlung beschlossene Lohntarif unterbreitet. Obgleich dieser Tarif nur eine ganz geringe«ufbefferung der bisherigen Löhne(75 Pfennig pro 1000 Stück Cigarren) in sich schloß, fühlten sich die Fabrikanten veranlaßt, durch Anschlag in ihren Fa- briken folgende Erklärung abzugeben: „Wir erklären hiernnt, daß wir auf höhere Lohnforderungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht eingehen und in solchen Fragen überhaupt mit einer Kommission nicht verhandeln Gründe in der Versamniluiig mitzuteilen. Die vorige Versammlung war polizeilich verboten gewesen, ivcil sie in einem Lokale stattfinden sollte, wo nur bis 12 Uhr Polizeisluude Ivar. Um dieser Kalamität ans dem Wege zu gehen. hatte man zu dieser letzten Versammlung ein sogenanntes Nachtlokal, eine Herberge ausgesucht. Allerdings hat der Gastwirt Faulniaim mit Ausschluß dcs Fremdenverkehrs auch nur bis 12 Uhr Schankkonzeision. Vor dem Lokale ein starkes Polizei- Aufgebot. Uni 12 Uhr trat ein Polizeiivachtmeifter hinter das Büffett. um aufzupassen, daß kein Tropfen Bier verschenkt wird. Die Versammlungsteilnekmer suchten ihren Durst dadurch zu stillen, daß sie niedrere Steintöpfe voll Wasser in dem Lokal herumreichte». Bisher sind nicht blas Vereins-, sondern auch öffentliche Versamm- lnngen nicht an die Polizei st un de gebunden gewesen. Das Lokal war ja gemietet. Die Auflösung ist unerklärlich und hat ' auf die erschienenen Wagenführer den Eindruck gemacht, als lvolle ' man ihre Bewegung im Keim ersticken. Bekanntlich haben solche Polizeimaßuahmen auf die Beioegnug nicht den beabsichtigten Erfolg Sie schlagen gewöhnlich in das Gegenteil um. Ter Ausstand der Fuhrleute und Faktoren bei der Firma Gerhard Sirode in Köln, die dort die bahnamtliche Güter- beslellnug besorgt, ist durch eine Einigung am Gewerbegericht erledigt worden. Die Firma verpflichtet sich zu einer Lohnerhöhung: es siiidet keine Maßregelung statt, und die für die Streikenden eiw gestellten Leute werden nach 8 Tagen entlassen. In Karlsruhe sind sämtliche Angestellte der Straßenbahn in den Ausstand getreten. Die Forderungen: Verkürzung der Arbeitszeit. Minimallohu für Schaffner 85 M.. für Wagenführer 95 M. pro Monat. Regelung des Strafem'ystcms und jährliche Zu- läge von 10 M. wurden seitens der Direktion zurückgetviesen. Ausland. Der Bäcker streik in Kijew.(Eig. Ber.) Mit einem gewissen Stolz können wir aus Rußland über die Lohnbewegung der Bäcker, die hier vor einigen Tagen ausgebrochen ist, berichten. Der Bäcker- streik bat eine furchtbare Brotnot in der Stadt hervorgerufen. Weiß- brot ist fast gar nicht zu bekommen, Schwarzbrot wird von den militärischen Bäckereien geliefert. Die Preise auf Brot sind sehr in die Höhe gestiegen. Statt 2'/-— 3'/« Kopeken pro Pfund, zahlt man jetzt?— g. ja sogar 10 Kopeken pro Pfund. Die Versammlungen sind verboten, so daß die streikenden Bäcker geheim im Walde zusammenkommen mußten. Leider wurden sie entdeckt und siebzig Mann verhaftet. Die Lohnbewegung ist aber da- durch' nicht gestört worden. Die Forderungen der Streikenden waren: Erhöhung des Lohns. Verkürzung der Arbeitszeit und besonders die Verbesserung des Logierwesens. Wie schlecht es sich mit den sanitären Verhältnissen in den Bäckereien verhält, zeigen folgende Thatsachen: Der Gouverueur hat bald nach dein ausgebrochcnen Streik eine Untersuchung der Bäckereien angeordnet und das Resultat war. daß eine ganze Reihe von Bäckermeistern zur Verantwortung gezogen wurden, da die sanitären Verhältiuffc in den Arbeitsräumen bei ihnen unter aller Kritik waren. Ter Gouverneur selbst hat auf die Meister eingewirkt, daß sie den Ge- sellcn in Bezug auf Verkürzung der Arbeitszeit. Verbesierung der Arbeitsräume usw. Zugestäudmsse niachen sollen. In der ganzeu Stadt sind Plakate vom Generalgonverneur Dragonisroff äuögehängt, in denen er Straßendemonstrationen, An- sammlungen des Publikums auf den Straßen, Plätzen, Boulevards, Bahnhöfen streng verbietet tmd kündigt an, daß falls Ungehorsam- leiten vorkommen sollten, die militärische Macht rücksichtslos cm- schreiten wird.._ Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin, lrür den 5inieratenteil verantwortlich: Th. Glocke ül Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und II»trrhalt»liesb.nli. st. 117. Ii i«iw i, KeilW des„Dmillts" Kttlmr MldsdlM. 2Z. W IM. s 184 soll daß unzüchtige Jahren verkauft Vom Heinze-Kampf zur Fleischschau. Der Reichstag Hub am Montag mit einer großen Uebev raschung an. Der Seniorenkonvent war wieder auferstanden. Nachdem dem Präsidenten die Bestimmungen der Geschäftsordnung so viel Schwierigkeiten bereitet haben, hat Graf Ballestrem seine Zuflucht zu dem in der Geschäftsordnung nicht begründeten Seniorenkonvent genommen, den er vorige Woche erst ver fehmt hatte. Unser Genosse Singer hat also Recht behalten, die Geschäfte lassen sich am besten fördern unter Be teiligung aller dafür maßgebenden Parteien. Die Per Handlungen des Seniorenkonvents haben das �Ergebnis gehabt, daß eingelenkt werden soll. Es wurde eine Vermittelungskommission gebildet, die während der Plenar sitzung tagte. In dieser ist von der Linken folgender Vor schlag gemacht worden. Es soll ein Initiativantrag ein- gebracht werden, der sämtliche Paragraphen der lex Heinze nach den Beschlüssen der dritten Lesung enthält mit Ausnahme der§Z 184a und b, des Kunst und des Theaterparagraphen. Vom nur die Bestimmung bestehen bleiben, Bilder nicht an Kinder unter 16 werden dürfen. Die Altersgrenze wäre damit von 18 wieder auf 16 Jahre zurückgesetzt worden. Der Präsident selbst und Herr Spahn sind dem Kompromiß geneigt, die Herren Gröber und Roeren wetterten allerdings dagegen. Graf Ballestrem soll sich aber mit dem Gedanken tragen, den Präsidentensitz aufzugeben, wenn die Obstruktion nicht beseitigt wird. In der Sitzung selbst ging der plötzliche Coulissen- Wechsel in aller Ruhe vor sich. Ter einfache Vorschlag des Präsidenten, die I«» Heinze vorläufig abzusetzen. genügte. Auch die Interpellation unsrer Genossen hielt nur einige Minuten auf. Auf die Erklärung des Staatssekretärs Nieberding hin wurde ihre Beratung auf den 30. Mai ver schoben. � Der Aufmarsch der Parteien zum Kampf um das Fleischbeschau-Gesetz brachte keine Ueberraschungen. Entschiedene Anhänger der ursprünglichen Regierungsvorlage sind nur die Socialdemokratcn und die freisinnigen Gruppen mit Ausnahme der süddeutschen Volkspartei, die für die Kompromißvorschlägc eintrat und sich somit als demokratischer Agrarier gerierte. Entschiedene Gegner des Kompromisses sind auch die intransigenten Agrarier, denen Graf Posadowsky wieder einmal mit gewiß schwerem Herzen die Leviten lesen mußte. Für das Kompromiß mit der Rc gicrung traten ein Teil der Konservativen unter Führung des Herrn von Levetzow, die Reichspartei und das Centrum ein. Auch die Nationalliberalen schlössen sich an. Doch hatte der Vertreter des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks erhebliche Bedenken. Eine Abstimmung über den Z 1 fand noch nicht statt. Inzwischen hatte das Centrum eine Fraktionssitzung ab gehalten. Man sprengte aus, daß es auf dem Gesetz nebst all seinen Schönheiten beharre. Wie weit das klerikale Be harrungsvermögcn geht, wird der Dienstag lehren, wo die heute abgesetzte lex Heinze wieder den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet.— Volikisitze Berlin, den 21. Mai. DaS preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Montag nach Erledigung der Debatte über den Straßen- bah ii er streik niit' dem Gesetz über die Zwangserziehung, das durchweg nach den Beschlüssen der Kommission zur Annahme gelangte und den Titel.Fürsorge-Erziehung" erhalten hat. Neber die Regelung der Kostensrage wurde eine Verständigung zwischen Haus und Regierung nicht erzielt, die Agrarier wollen zwar das Gesetz, aber es soll sie nichts kosten. In dieser Fassung, erklärte die Regierung, würde sie dem Gesetz nicht zustimmen. Warten wir die dritte Lesung ab I Am Dienstag stehen kleinere Vorlagen auf der TageS« ordnung.— Eine Art Standrecht fordert Schweinburg, der gegenwärtig ganz aus dem Häuschen ist. in seiner Korrespondenz: „Wenn die Berliner Polizeibehörde aus Anlaß der in den letzten Tagen vorgekommenen Straßenexcesse, wie die zahlreich vorgenommenen Verhaftungen exccdierender Individuen darthun, eine höchst anerkennenswerte Schnetdigkeit an den Tag gelegt hat. so würde der Effekt dieses energischen Vorgehens der Exe- kutive doch nur ein unvollständiger bleiben, vielleicht sogar wieder ganz aufgehoben werden, wenn nicht auch die Justiz bei Abur- teilung der Kontravenienten ihrer traditionellen Langsamkeit, wenigstens dieses eine Mal, grundsätzlich entsagte und der Zu- Widerhandlung die verdiente Strafr Schlag auf Schlag folgen ließe. Dem großen Haufen imponiert rasches durch- greifendes Handeln, die übliche schleppende Praxis der Gerichts- Prozedur macht auf ihn nur den Eindnick der Schwäche, der Un- fähigkeit. Im wohlverstandenen, dringenden Interesse des Gemein- Wohls aber liegt es. daß die Justiz bei den Massen in den heutigen agitatorischen Zeitläufen desselben Respekts teilhaft werde, wie ihn die Polizei sich durch ihr promptes und Nachdrucks- volles Einschreiten erzwingt. Es kann deshalb nur als dringend wünschenswert bezeichnet werden, daß die gerickitliche Aburteilung der von Polizeiwegen eingelieferten Arrestanten ohne Verzug erfolge und damit den weitesten Kreisen ack ocolos demonstriert werde, daß auch unsre Justiz in schwierige» Situationen voll und ganz auf der Höhe ihrer Ausgabe steht." Herr Schmeinburg scheint das Deutsche Reich bereits für eine deutsche Pachtung in China zu halten.— •• Deutsches Meich. Für Vetter Rheinbaben hegt der national-sociale Herr von Gerlach fortgesetzt die optimistischten Gefühle. Unter der be- geisterten Spitzmarke„Brav o* berichtete v. Gcrlach in der„Welt am Montag": c � � �. ,, „Frhr. v. Rheinbaben soll angeordnet haben, daß �gestern nachmittag der Straßenbahnvcrkehr eingestellt werde. Ist das richtig, so werden ihm alle socialpolitisch verständig denkenden Leute dankbar sein." Ein paar Stunden darauf lehnte Herr v. Rheinbaben das vetterliche Bravo mit aller Entschiedenheit ab. Siehe den Landtags- bcricht! Wenn die Natioual-socialen sich selbst über den Charakter ihrer Blutsverwandten so gründlich täuschen, so wird man sich über ihre phantastische Beurteilung persönlich nicht verwandter hoher Per sonen erst recht nicht mehr wundern.— Faseleien der Heiuzemänner. Die ob des vorläufigen Sieges der Obstruktion ergrimmten Heinzemänner machen ihrem Aerger in der albernsten Weise Luft. In rührender Kongenialität sind sie auf den Kniff verfallen, die Liberalen und Goethe-Bündler zu verspotten, weil sie sich von der Socialdemokratie in der Anti-Heinzc-Campagne kläglich hätten„ins Schlepptau" nehmen lassen. Ob das die bürger lichen Gegner der reaktionären Kunstknebelungs-Tendenzen mit dem beabsichtigten Entsetzen vor sich selbst erfüllen wird, wissen wir nicht. Was die Liberalen und Goethe-Bündler thun werden, kann uns auch außerordentlich gleichgültig sein. Wir nehmen freilich an. daß sie über derartige Faseleien ebenso verächtlich die Achseln zucken werden, wie wir über die kindische Insinuation, wir führten den Kampf um das augenblicklich noch existierende Bestehen der Freiheit von Kunst und Wissen schaft deshalb so energisch, um die K ü n st l e r zu uns herüberzuziehen. Als ob eine Partei nnt Anschauungen, wie sie die Socialdemokratie besitzt und allezeit mit dem uötigen Nachdruck verfochten hat, überhaupt anders hätte handeln können I Und was die Künstler und Litteraten an langt, um deren Gunst wir buhlen sollen, so wissen wir nur zu genau, daß die Politik seit jeher weder zu deren starken Seiten gezählt hat, noch in Zukunft zählen wird. Ob eine durch disciplinierte Massenbewegung wirkende Klassen kampfpartci wie die Socialdemokratie ein paar hundert Franc tireurs mehr oder weniger zählt, kommt wirklich wenig in Frage, das sollten auch unsre Gegner wissen. Und daß die ernsthafte Kunst— ob sie will oder nicht— notwendig eine Weltanschauung vertreten muß, die uns nichts weniger als feindlich gegenüber steht, das sollten unsre Freunde im Lager der Tonsurierten und Gescheitelten gerade durch den Kampf um die lex Heinze allmählich auch begriffen haben.— Gegen die Profefsoreuerkliirung wider die gefährliche konischuk artige Fassung der lex Heinze weiß die„Germania" nichts andres einzuwenden, als daß es auch noch andre Kautschukparagraphen gäbe— worauf ja übrigens auch gerade die Erklärung der vierzehn deutschen StrafrcchtSlehre warnend hinwies, und daß die Professoren schon läng st Ursache gehabt hätten. an der Gesetzgebung Kritik' zu üben. Wir können dieser Auslassung des nltramontanen Blatts nur zustimmen und auch unsrer scits der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Herren Strafrechtslehrer künftig stets mit ihrer Kritik auf dem Plan erscheinen mögen. Aber diese Einwendung der„Germania" entkräftet doch nicht das Urteil der 14 Strafrechtslehrer! Auch kann der Wunsch, die Kritiker möchten doch nun ihrerseits eine unanfechtbare lex Heinze formulieren, nur humoristisch gemeint sein. Eine ultra- montanen M u ck e r g e i st atmende lex Heinze zu machen. die keine kautschukartige Fassung besäße und die Freiheit der Kunst nicht gefährdete, das hieße keine schwierigere Aufgabe lösen, als das perpetuum mobile zu konstruieren oder die Quadratur deZ Eickels zu stände zu bringen.— Kom Kampf gegen dl« Dänen. Aus Kiel wird uns von, IS. Mai geschrieben: DaS Kieler Ober- Landesgericht hat jetzt in einer Berufungs- sacke zu entscheiden gehabt, die eiueS allgemeine» Interesses deshalb nicht entbehrt, weil sie typisch ist für die Art, wie von den Germapi- satoren Köllerscher Art gegen die dänisch gesinnten Nordschleslviger vorgegangen wird. Dieses Mal war der Grobe UnfugS-Paragraph in Anwendung gebracht worden gegen den Herausgeber eiueS dänischen Journals in Apenrade. In einer im Jahre 1479 spielenden Er- zählung hatte er den Ausdruck„Sönderjülland", die frühere dänische Bezeichnung für Nordschlcswig. gebraucht. Das Apenradcr Schöffengericht sah hierin einen grobe» Unsiig. Hinzu gekommen war noch, daß auf einer Karte von Schleswig- Holstein, auf der Rückseite des Umschlags des Journals, infolge einer früheren Bestrafung das oben genannte Wort fortgelassen und durch dicke sette Striche ersetzt ivar. Auch das war mit zur Verurteilung herangezogen worden, da das Gericht annahm, daß Andresen damit habe sagen wollen:„eigentlich hätten wir das Wort„Sönderjülland" drucken müssen, aber wir diirfenIS nicht." Sticht genug hieran, hatte daS Berufungsgericht, die FleuSburger Strafkammer, den groben Unfug noch elastischer gedeutet. Es fand, daß auch durch zwei am Fuße der Karte stehende in die Ferne schauende Frauengestalten grober Unfug verübt sei. weil daS Gericht der Meinung war, daß diese beiden betrübten Frauen die sehnsüchtig nach einer Wiedervereinigung mit Dänemark wartenden Herzogtümer darstellen sollen. DaS Ober-Landes gericht hat nun allerdings durch ein freisprechendes Urteil dieser Art Juristerei einen Strich durch die Rechnung gemacht und auch die Kosten des Prozesses der Staatskasse auferlegt, aber man steht doch, mit welchen Mitteln gegen die Dänen zu kämpfen v e r s u ck t w i r d. Daß da seitens der dänisch gesinnten Bewohner alles Deutsche mit einem besondren Haß bedacht wird, das braucht wahrlich nicht zu verwundern. Derselbe Senat des Ober-LandesgerichtS hat sich auch mit einer Sache zu beschäftigen gehabt, über welcher wir seiner Zeit schon im „Vorwärts" berichteten'. Im Dezember 1399 wurde der Landmann Christensen, als der Sohn eines Optanten in Düppel geboren,- von der Schleswiger Regierung ausgewiesen und über die Grenze geschafft. In Kopenhagen ging es ihm jedoch ebenso, weil er kein dänischer Staatsangehöriger sei. Er kehrte also zurück und wurde wegen dieser„unbesugten Rückkehr" zu 7 Tagen Haft verurteilt. Bis zum Ober-Landesgericht hinauf ist jetzt diese Strafe bestätigt worden. Christensen ist also vaterlandslos und das interessante Schau- spiel, daß er zwischen Preußen und Dänemark hin- und hergeschoben wird, kann aufs neue beginnen. Ein TreyfuS-Tyndikat In Deutschland? Herr Lieber- mann v. Sonnenberg läßt in seineu„Deutsch-socialen Blättern" einen Artikel über den Konitzer Mord veröffentlichen, der folgende Stelle enthält: Wir bitten zu beachten: 1. Nachdem in Slurz die Juden verhaftet sind, erscheint ein Berliner P o l i z e i k o m m i s s a r auf der Bildfläche, stellt „äußerst schwierige Ermittelungen" an, deren Ergebnis... Freilassung der Juden und Verhaftung eines Christen ist, der dann vom Schwur- gericht einstimmig freigesprochen wird. Der Mörder ist bis heuteun entdeckt. 2. Als in Xanten sich der Verdacht immer mehr über den Schächter Buschoff zusammenzieht, nimmt ein Berliner Polizei- k o m m i s s a r die Sache in die Hand, und zwar so energisch, daß Buschoff nach einem glänzenden Plaidoyer des Vertreters der An- klagebchörde— das allerdings ebensogut auch der Verteidiger des Angeklagten hätte halten können— nach Hause gehen darf. Der Mörder ist bis heute un entdeckt. S. In Könitz ist ebenfalls ein Berliner Polizei- Kommissar an der Arbeit, die nunmehr(zehn Wochen nach der That) so weit ist, daß der verhaftete Jude freigelassen werden soll. Der Mörder ist bis heute unentdeckt. Herr Liebermann v. Sonnenberg galt vielfach bisher nur als Clown des Reichstags. Man wird ihm aber gründlich Abbitte leisten müsse», denn unter der heiteren Außenseite des deutschen Volks- manneS verbirgt sich nicht nur ein ungeahntes dichterisches Ingenium. sondern auch ein ebenso großes Entdeckergenie. Wir befitzen nach seinen ebenso schwierigen als überzeugenden Feststellungen auch in Deutschland ein Dreyfus-Syndikat. Nur ein unendlich g e f a h r- reicheres Dreyfus-Syndikat, demr während das französische nur den einen Dreyfus den Fingern der Justiz enttvand, vermag daS deutsche auf rätselhafte Weise jeden jüdischen Ritual- mörder dem Arme der strafenden Gerechtigkeit zu entziehen.— Der AfsefiorlSmuS In unsrer Kolonialverwaltung erregt den Zorn der„Rheinisch-Westf. Ztg." Anknüpfend an eine Rotiz der „N. A. Ztg.", wonach es erwünscht sei, daß sich Regierungs- und Gerichtsassessoren in großer Zahl zum Kolonialdienst meldeten. bemerkt das Dortmunder Großindustriellen-Organ: „Giebt es denn gar keine andern Elemente zum Dienst in den Kolonien als Assessoren? Warum macht man nicht endlich einen Versuch mit in den Kolonien erfahrenen Kaufleuten?' Der Assessorismns unsrer Kolonialverwaltung hat unsren Herr- lichen Kolonien allerdings noch nicht viel Heil gebracht. Gegen die civilisatyrifche Befähigung des K-msmannSstandes dürfte man allerdings nicht minder begründete Besorgnisse hegen. Nebst Leist und We h lan glänzte durch seine Thatcn auch der wackere Flaschen- Schröder.— Zum Flottenkarneval. Aus Krefeld wird uns geschrieben Die Krefelder Stadtverordneten-Versammlung bewilligte einen un- beschränkten Kredit zu dem Empfang der Besatzung der Torpedo- flottille. Wer aber glaubte, daß die ultramontanen„Stadt- väter" eine Oppositionsstellung einnehmen würden, hat sich gründlich geirrt. Der klerikale Beigeordnete sprach seine Mißbilligung sogar darüber aus, daß die patriotischen Vereine eine Geige nntspielen sollten, sie, die Stadtverordneten, wären national genug, die Sache allein zu machen. Im Flottenkoller sind die Ultramontanen sogar den Kricgervereinen um eine Nasenlänge voraus.~ Wegen Majestätöbeleidigung wurde in K a r l S r u h e der 42 Jahre alte Schmied Rudolf Hauser, der bereits wegen MojestätS- beleidigung niit drei Monaten vorbestraft ist, zu sechs Monaten Ge- fängniS verurteilt. Der Angeklagte suchte vergebens durch den tiiiweis auf feine, auch von den Belastungszeugen zugestandenes runkenheit Straffreiheit zu erwirken.— MittelstandSretterel. Stuttgart, 19. Mai.(Eig. Ber.) Im württembergischen Landtag wird die Mittelstandsretterei emsig fortgesetzt. Nachdem der Mittelstand bereits durch die höhere Besteuerung der großen Brauereien und durch endlose Reden für eine Warenhaussteuer nach Kräften gerettet worden ist, thut man jetzt noch ein UebrigeS mit einer gestaffelten Umsatzsteuer für Getreide- mühlen, Aufhebung der Zollkredite und Er- höh un g des Frachttarifs für auswärtiges Mehl. Und das alles angeblich, um die kleinen Kunden- mühlen gegen die erdrückende Konkurrenz der großen Handels- mühlen zu schützen. Alle diese Anregungen entspringen übrigen« nicht der Initiative der-Regierung, welche sich sogar gegen die tollsten Zumutungen heftig sträubt, sondern sind durch Petitionen veranlaßt, die— bei der Nähe der LandtaaSwahlen— alle bürger- lichen Parteien zum Wettlauf um die Gunst der Wähler des Mittel- standS rufen. Sogar die V o I k s p a r t e i, die im Hinblick auf die kommenden Laudtagöwahlen bereits sich für Getreidezölle zu be- geistern anfängt, macht diesen Schwindel tapfer mit, und, nach« dem ihr Wortführer Schmid, der„Beobachter"«Redacteur, bei der Warenhaussteuer noch einmal von semer jPartei zurück- gepfiffen worden ist, legte er sich bei dem Projekt der Besteuerung der Getreidemühlen mit um so größeren! Nachdruck inS Zeug, da eS sick ja hier um— Brotverteuerung handelt. Diese klägliche Haltung der demokratischen BolkSparter stach besonders grell ab gegen das Korrekte und in der Sache durchaus ablehnende Verhalten der Regierung gegenüber der geplanten Steuer. Der schwäbische Finanzminister Zeyser be- tonte, daß die Steuerpolitik nicht die Aufgabe habe, in den ivirt schaftlichen Werdeprozeß regulierend einzugreifen und bezeichnete überdies den Versuch, der wirt- schaftlich'cn Entwicklung durch steucrpolitische Maßnahmen in die Arme zu fallen, als aussichtslos. Die Umsatzsteuer sei über- Haupt ungerecht, denn der Umsatz sei das roheste, was besteuert werden könne. Der socialdemokratische Vertreter Kloß schloß sich in der Hauptsache diesen Ausführungen an und wies noci) besonders auf die Wirkung der Brotverteuerung hin, welche dieses Projekt haben müßte. Trotz aUedem wurde der Antrag der Kominission, die Petition auf Einführung einer progressiven Umsatzsteuer für Getreidemühlen der Regierung zur- Erwägung zu über- weisen, angenommen. Noch entgegenkommender stellte sich der Landtag zu der Petition auf Aufhebung der Zollkredite, welche angeblich nur den großen Handelsmächten zu gute kommen. und zu einer weiteren Petition, die Regierung möge eine höhere Tarifierung des Mehls bei der ständigen Tarif-Kommission anregen. Den beiden letzten Anträgen stellte sich auch die Regierung freundlicher gegenüber, und so wurdci- dieselben mit erdrückender Majorität der Regierung zur Be- r ü ck s i ch t i g u n g überwiesen. ES ist übrigens, nach der Aussprache der Regierung, ausgeschlossen, daß diese ein AuSnahmestcuer- Gesetz gegen die Getreidemühlen vorlegt. Wohl aber wird dicS alles nach den Wahlen bei der Steuerreform nachgeholt werden.— Geuoffe Göhre wird in der reaktionären Presse wegen seine« Ucbertritts zur Socialdemokratie. der dem ehemaligen National- Socialen gewiß innere Kämpfe genug gekostet hat, bereits in der diesem Preßgelichter nun einmal eignen liimmelhaften Weise an- gepöbelt. Daß ein Ansichtswechsel' das Resultat ernsten geistigen Ringens sein kann, ist dieser Sorte von Presse ein unbegreifliches Phänomen. Wenn jemand feine politischen Ansichten ändert und in eine von ihn» bisher bekämpfte Partei eintritt, so giebt es für einen solchen Frontwechsel nur zlvei Motive: entweder materielles Interesse oder ungesättigten Ehrgeiz. Da die Futter- krippen innerhalb der Socialdemokratie notorisch ziemlich mager sind, und Göhre eS nach der von der bürger- lichen Presse geübten, selbst in familiäre Verhältnisse eindringenden Schnüffelei auch„nicht nötig" haben soll, so kann der Mann nur ein Opfer seines Ehrgeizes getvorden fem. Ein andres Blatt, die„Münch. Allg. Ztg.", keift folgendermaßen: „Nun hat„Genosse" Göhre gesprochen, nun weiß der socialdemokratische Parteivorstand, daß er in dem neuen„Genossen" einen folgsamen Interpreten des socialdemokratische» Parteiprogramms ge- Ivonnen hat, einen Parteimann, dessen Entschließungsfarbe durch die Blässe des Gedankens so wenig angekränkelt wird, wie der Partei- vorstand eS sich nur wünschen kann." Wie uns Genosse Göhre mitteilt, wird sein Chemnitzer vorttag in der„Zukunft" abgedruckt werden. Die Zeilenreißer der reattionären Presse werden dann eine noch schönere Gelegenheit zu noblen Jnter- pretationcn haben. Ausland. Schweiz. Volksabstimmung. Bern, 20. Mai. DaS von der Bundesversammlung beinahe einstimmig angenommene Bundesgesetz be- treffend die Einführung der obligatorischen Kranken-, Unfall- und Militärversicherung wurde heute in der Volksabstimmung de« chweizerischcn Volks mit 337 S7ö gegen 146 629 Stimme» verworfen.— Bern, Mai. Die schweizerische SundeS- Versammlung tritt am S. Juni hier zur Soinmersession zu- smmncn. Das GcschüftSverzrickuii« enthält nicht weniger als 60 Runnnern.— In, B c r n e r K a n t o n s r a t e brachte die social- demokratische Fraktion in Gestalt einer Interpellation die Alis- beutung der berühmten Aareschlucht bei Mciringcn ün Lerner Ober- land durch eine Alticngcscllschaft zur Sprache, die an ihre Aktionäre Dividenden bis zu 40 Proz. verteilt, die ans den Anstrittsgeldern der Besucher herausgeschlagen werde». Die Interpellanten wünschten vvn der Regierung zu erfahren, welche Schritte sie zu thun beabsichtige, um diesem Skandal ein Ende zu machen. Die Antwort- Erteilung wurde wegen Verhinderung des � Regierungspräsidenten auf nächste Woche verschoben. Das Vorgehe» der Socinldciuokraten findet die Znstimmmig aller anständigen Leute in der Schweiz.— Die Verhandlung gegen den wegen anarchistischer Propaganda angeklagten Carlo Erigerio(auch Oelhofer genannt) findet am 28. Mai vor dem Bundesgericht in Lausanne statt. Aus dein Umstand, dafi ö von der Verteidigung namhaft gemachte Zeugen obgclcbut wurden und nur 3 Zeugen aus Genf, darunter unser Gc- »vsse Arbcitersekretär Sigg verhört werden sollen, zieht die Presse den Schluß, daß der ganzen Affaire keine große Wichtigkeit mehr- beigelegt wird. Verteidiger deS Angeklagten ist der Berner Advokat Aebi.— Belgien. Zu einem Znsammcustoft von Biirgcrgardisten kam es am 20. d. M. gelegentlich der llcbungcn der Artillerie und der Genter Bürgcrgardisten. Brüst el, LI. Mai. Arn vorigen Sonntag hatten sich eine An- zahl von Bürgergardisten geweigert, den in französischer Sprache gegebenen Befehlen der Vorgesetzten zu gehorchen. Seit IV» Jahren ivar das Itonunando stets in vlninischer Sprache erfolgt. Die Protestier behaupteten, die Anwendung der französischen Sprache sei ungesetz- lich. Als der Äoiuinandant gestern am Versammlungsort eintraf, traten mehrere Man» vor und verlangten in vlömischer Sprache kommandiert zu werden. Anstatt der Aufforderung nachzukommen, befahl der Kommandant den Widerspenstigen,»ach Hause zu gehen. Biese mengten sich jedoch unter das Publikum, welches den Konnnan- danten verhöhnte. Die Polizei schritt ein und nahm mehrere Per- Haftungen vor. Als am Schluß der Hebung die andren Bürger- gardistcn ihrer Sympathie für den Kommandanten Ausdruck gaben, kam es zwischen ihnen und den Protestlern zu einem Hand- gemenge, an welchem auch daS Publikum teilnahm. Die Polizei hatte Mühe, die Streitenden zu trennen, von denen einige verhaftet wurden.— Frankreich. TaS Endergebnis der GemeinderatSwahlen» daS nnnmehr vorliegt, beweist, wie wenig Ursache im Grunde die Rationalisten hatte», sich als die neuen Herren von Frankreich auf» zuspielen. Ter Schlappe, die die Republikaner in Paris erlitten haben, stehen bedeutende von ihnen in der Provinz errungene Erfolge gegenüber. Mehr als zwei Drittel des französischen Volts habe» republikanisch geivählt, die in Paris erlittene Schlappe wird deshalb keine andre Bedeutung haben, als die Stcpublikaner zur energischere» Bekämpfung deS so übermtitig sich gebärdenden FcindcS anzufeuern. Jedenfalls wird der S o e i a l i S!» u s den Fehdehandschuh auf- uehmen. Nach den den, Minister des Innern zugegangenen Berichten stellen sich die Wahlergebnisse solgcndcrniaßen: In 33 942 Gemeinden, anssebließlich Paris, wurden gewählt: Ncpublikauische Gcmeinderäte 24 832, Reaktionäre 8S1S, Nationalisten 163 und 438 von unbestimmter Parteirichtung. Im Ganzen er- langten die Ropiiblikaner J004 uenc Genieinderntssitze. Wen» man die Gesamtzahl der Stimmen zusaunnenrechnet, die >» den einzclucn Listen den am meiste» begünstigten Kandidaten zu- gefallen sind, so ergeben sich. Paris nicht eingerechnet, folgende Ziffern: Republikaner 4 713 467, Realtivuäre 2174 323 und Nationalisten 172 430.— Arn Sonntag erfolgten in ganz Frankreich die Wahlen der G c in e i» d e v o r st ä n d e. Ii» Seine-Departement wurden in 21 Kautonen 7 Nationalisten, 1 Mitglied der Patriotenliga. 1 unabhängiger Socialist, 1 revolutio- uärer Socialist. 7 Radilale oder Socialisten gewählt; außerdem sind vier Stichivahlen erforderlich. England. Mtlktärrrform. London, 19. Mai. sEig. Bericht). Zwei Anträge, welche der Kri e gS m i n i st e r Lord Lansdownc gestern im Hans der Lords eingebracht hat. zeigen, daß die Regie- rnng vorerst von jedem Versuch abgekommen ist, das Heerivesen im Silin der festländischen Militärstanten ilinzngcstaltcn. Der eine bevollmächtige die Geincindeverwalinngen, den in ihrem Bezirk bestehenden Frei willigencorps Unterstützungen in Form von Gebäuden, Grundstücken für Schießübungen zc. zu gewähren, der zweite Antrag schlägt vor. den Paragraph im Gesetz über die Freiwilligen, wouach' diese im Fall einer drohenden Invasion des Vereinigten Königreichs einbezogen werden dürfen-, dahin abzuändern, daß sie im Falle e nier drohenden nationalen Gc- fahr oder in außerordentlichen Notfällen einbenifen werden dürfen. Ferner soll die Militärbehörde mit Freiwilligen, die sich dazu melden, Verträge abschließen dürfen, wonach die letzteren gleich den Militär- reservcn jeder Zeit zum Kriegsdienst innerhalb und außerhalb des Reichs eingezogen werden iönnen. Mit andern Worten, die Freiwilligen sollen generell für den Dienst außer Landes disponibel gemacht werden dürfen— alle ausnahmslos im Fall größerer Gefahr, solche, die sich dazu melden, auch unter geivöhnlichen Verhältnissen. ES sei dabei bemerkt, daß niemand znm Eintritt in die FreiwilligeueorpS verpflichtet ist und der Dienst in Ncbnngen besteht, die auf gewisse Tage im Jahr beschränkt sind, so daß der betreffende nicht genötigt ist, seinen regelmäßigen Berns zu unterbrechen. Die Freiwilligen der City, die nach Süd-Afrika gegangen sind,(meist junge Kanfleiite, Buchhalter zc.) haben sich nach dem Zeugnis der Generale dort sehr gut bewährt, es weder an Ausdauer, Umsicht noch Mut fehlen lassen. Angesichls dieser Erfahrung glaubt die Regierung von jeder tiefgreifenden Reorganisation des HeereL und der Einführinig der allgemeinen Dienstpflicht absehen zu können, sofern ihr die Erlanbnis gegeben wird, die Freiwilligen in Notfällen zur Er- gänznna der regulären Armee auch außer Landes verwenden zu dürfen. Ihr Antrag wird auch wohl durchgehen, im derzeitigen patriotischen Ueberschiväng wird eben alles mögliche bewilligt. Eine andre Frage ist. ob später, wenn Ernüchterung eingetreten ist, nicht viele sich gerade dadurch vom Eintritt in die Freiwilligencorps werde» abhalten lassen, daß er sie verpflichtet, eventuell außer Landes Kriegsdienst zu verrichten.— Rußland und England iu Asien.(Eig.sBer.) Die Meldung der „Times", daß Rußland von Korea den vielbegehrten Hafen von M a s h a n g hje als Kohlenstatson und für Anlage eines Marine-Lazaretts>aiisbedl»igcn hat, Ivird von der radikalen Presse als Beweis dafür angeführt, daß sich England durch daS südafrikanische Untcrnchincn international im höchsten Grade geschwächt hat. In der That ist sdie Rusfifizicrung dieses Hafens ein harter Schlag für England. Vielleicht nicht so sehr wegen seiner strategischen Wichtigkeit— obwohl diese nicht unbedeutend ist— als wegen' der moralischen Rücklvirkimg dieses Erwerbs. Er geschieht in direktem Widerspruch mit der 1886 von Rußland England gegenüber eingegangenen Ver- pflichtimg, kein Territorium in Korea zu erlverbcn, und ist ein Schlag ins Gesicht von Japan, Englands natürlichem Alliierten. Englands Ansehen erleidet eine Schädigung. und Nußland befestigt immer mehr seine Position als entscheidende Macht im nordöstlichen Asien. Die Negiennigspresse drückt sich um die Sache mit einigen verlegenen Redensarten herum. Nur einzelne nnionistische Blätter können sich nicht der Bemerkimg enthalten, die Tinge im fernen Osten entwickelten sich immer ungemütlicher. Ein Tropfen Wermut in den Freudenbecher.— London, 21. Mai. II n t e'r haus. Der Untcrsiaatssekrelär B r o d r i ck berichtet, die Regicrnng habe erfahren, daß die russische Ilegiennig pachtiveise einen Platz für ein Kohlenlager und ein M a r i n e- H o s p i t a l an dem Vertragshafcn von Maihanghe erworben habe. Der Hafen sei offen für die Fahrzeuge aller Länder. Das Landen und Auf- stapeln von Vorräten für die russische Flotte an dein so er- worbncn Platz regele sieb nach den bestehenden Vertragsrechtcn. An die russische Regierung sei kein ausschließliches Recht abgetreten, und die den britischen Staatsangehörige» durch Verträge zngestandcuen Rechte seien durch dies neue Abkommen nicht beschränkt worden.— Spanien. Anleihe. M a d rid, 20. Mai. DaS Amtsblatt veröffentlicht den Erlaß betreffend die 51o»svlidationsanlcihe. Die Emission beträgt im ganzen 1200 Millioiien Pesetas, rückzahlbar innerhalb 50 Jahren inittelS vierteljährlicher Anslosiingen. Der Zinssatz beträgt 5 Proz. mit einer Steuer von 20 Proz. Der Einissionskurs beträgt 33 Proz. Die Subskription ivird am 4. Juni d. I. bei der Bank von Spanien stattsiuden. Bei der Subskription sollen zum Nominalwert an- genomiiien werden: Obligationen der schwebenden Schuld des Schatzes, Sckiatzobligationc», Zollgcfälle und Schuldverschreibungen des KolonialiniiiisterillmS.— Slfvika. Drohende iverwicklunge» mit Marokko. Der„Agence Havas" wird ans Tanger gemeldet: Naäi Berichten, die hier anS dein Innern von Marokko eingetroffen sind, wird den G r e ii z st ä in in e n d e S s ii d ö st l i cb e n Marokkos der beilige Krieg gepredigt. Die Krieger dieser Stämme solle» sich saiumeln, um sich in T a f i l c t zu vereinigen. Nach den einen soll diese Bewegung gegen die französische Kolonne gc- richtet sein, welche am 3. April Jgli besetzt hat, nach den andern rührt sie von den Gegnern des Sultans her, welche den bevorstehenden Tod deS GroßvczicrS beiintzcn möchte», um den Sultan durch seinen Bruder Mnlay Mohammed zu ersetzen.— Der Kommandant des A r in e e c o r p s von Algerien hat Befehl erhalten, alle erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, um die südweftlichc Grenze Algeriens zu schützen und die Occupations- t r n p p e n zwischen Z u b i a und Jgli zu verstärken. Der französische Gesandte in Tanger hat Befehl erhalten, die Re» gierung aus diese Ansammlungen von Kriegern an der Grenze hin- zuweisen und ihnen mitzuteilen, daß jeder Angriff energisch zurück- gewiesen werden würde.— Amerika. Empfang der voerengesandtschaft. Washington. 21. Mai. Der Empfang der Boerendelegierten im Opernhaus gestaltere sich zu einer großen Kundgebung. Der Raum war dicht gefüllt; zivar war die� offizielle Welt nicht vertreten, jedoch waren ver- s ch i e d e n e Mitglieder des Senats und des R e- präsentantenhanseS anwesend. Senator Snlzer bc- willkomrnnete die Delegierten und sagte, nenn Zehntel der Amerikaner seien gegen England. Im Ncimen der Menschlichkeit müsse man für die Herbeiführung de? Friedens eintreten. Die Boeren seien nur zu besiegen, wenn sie gleichzeitig ganz vernichtet würden. Dem Zerstörungsmarsch Englands müsse Einhalt gethan werden. Der Boerendelegierte Fisher sprach sich in seiner Erwiderung ähnlich aus, wie er dies in New Jork gethan. Die Delegierten Wessels und WolniaranS gaben ihrem Danke für die ihnen von den Amerikanern bekundete Sympathie Ausdruck. Hierauf sprach Bourke- Cockran. Er wies auf die Nachbarschaft Canadns hin und bemerkte. Canada als britischer Besitz bedrohe die Aufrechterhaltung der Monroe- Doktrin. Sodann griff Redner heftig die englische Regierung an. Ob nun die amerikanische Regierung interveniere oder nicht, fügte er hinzu, die nötigen Mittel müßten gefunden werden, dem gegenwärtigen Unrecht gegen die Civilisation ein Ende zu machen. Trotz dieser scharfen Drohreden einzelner Senatoren wird Amerika sich schwerlich die Finger verbrennen wolle».— Bom Aufstand in Columbien. Einer Depesche ans Kingston zufolge sind nach dort eingetroffenen Berichten aus Columbien die Aufständischen im Norden' von Panama vertrieben worden. Am 16. Mai war Cartagena noch im Besitz der Regierung. In der Nacht vom 13. Mai fand vor Cartagena ein verzweifelter Kampf statt, in welchem die Aufständischen geschlagen wurden. Es sollen SOO Aufständische gefallen sein. Das Land befindet sich in einem schrecklichen Zustand. Der Papierdollar ist nur 5 Cents wert.— Das Reichs-Senchengesetz. Die Kommissionsberawngen des Gesetzentwurfs betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten sind kürzlich be- endet worden. Der Rahmen des Gesetzes blieb unverändert. So wün- schenswert es auch ist, daß nicht nur die im Entwurf be- zeichneten gemeingefährlichen Krankheiten(Aussatz, Cholera, Flecktyphus, Gelbfieber. Pest und Pocken) im ganzen Reiche einheitlich bekämpft werden, so mußte doch, da vorläufig eine weitergehende Verständigung unter den verbündeten Rc- gierungen nicht zu erzielen ist, davon Abstand genommen werden, auch nur die Anzeigepflicht weiter auszudehnen. Auf Anregung unfrei Fraktionsvertreter wurde der Kommission eine Tabelle vorgelegt, aus der sich ergiebt, daß in der Mehr heit der Bundesstaaten über ein Dutzend ansteckender Krankheiten der Auzeigepflicht unterliegen und auch besondere Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung getroffen sind. Da dem Bundesrat das Recht zusteht, die Auzeigepflicht auszudehnen, so ist zu verlangen, daß nun endlich eine Einheitlichkeit erzielt wird und auch die erforderlichen sanitären Maßnahmen einheitlich geregelt werden. Jetzt aber eine ausgedehnte Auzeigepflicht in das Gesetz bringen, hieß das Zustandekommen desselben gefährden, und dies hielt die Kommission einschließlich unsrer Fraktionsvertreter nicht für angezeigt, weil eS dringend notwendig ist, daß noch im Lauf des Sommers dem Reich wie den Eiuzelstaaten die zur Bekämpfung der drohenden Seuchen (Cholera und Pest) ersorderlickien Vollmachten gegeben werden. Wie von feiten unsres Fraktionsredners bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs in aller Schärfe hervorgehoben wurde, fehlen für eine zuverlässige Seuchenbekämpfung die wichtigsten Grundlagen: eine durchgreifende hygienische Gesetz- gebung und eine zuverlässige Medizinalpolizei. Da unser ganzes Staatswesen auf die Bevormundung der Staat?- angchörigcn durch die staatlichen Behörden zugeschnitten ist, bleibt der Selbstverwaltung und damit der kommunalen Selbst- Hilfe ein sehr kleiner Spielraum. Eine Wohnungsgesetzgebung durch das Reich steht noch in weiter Ferne, ebenso wie die sanitären Maßnahmen zur Bekämpfung der Schwindsucht auf ein kleines Gebiet beschränkt bleiben. Im Militär- und Klassen- staate fehlt es eben stets an Geld, wenn den ärmeren Be- Kttltttvbilder aus Schlesien. Bon HanS Wandrer. X. Ter Titz eines CentrumsfiihrcrS. (8. Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 30. Januar 1899. Abg. Szrnula:.. Im großen und ganzen giebt es bei uns in Schlesien nirgends sogeuauiite iiicuschciiuiiivürdige Wohnungen. ... Die Löhne haben sich durch das Fortgehen der Leute vergrößert, meistenteils verdoppelt, und, soweit ich die Verhältnisse da kenne, wo Nalnrallöhue gegeben Ivird, da stehen sich die Leute ivirtlich gut....") „Guten Morgen I" rief der Tagelöhner von der Wiese herüber. In gleichinäßigein Talt bewegte er die Sense hin und her und schlug den kiäfligen Klee um.„Ich hau keeu' Zeit nicht meinte er dann auf ineiiie Fragen; aber gahu Se zu meinem Weib; das wohnt ool gleich in dam Boriverk, in dam ersten Häusel da." Ohne Unlerbrcchmig zischte die Sense weiter durch den hohen Klee. Auf dem Hof des von hohen Mauern und Ställen umgebene» Vorwerks tinniiieltc sich munter daS Jungvieh. Die jungen Stiere und Srärkru glänzte» in ihrer strotzenden Rundheil. Aus dem Wohnhaus, da? an der nach dem Gut Friedewalde führenden Chaussee lag. kamen mehrere dürftige Frauen mit der wellen Gesichtssarbe, die niaitgelbaftes Essen und schlechtes Wohnen erzeugt. Sie führten mich bereitwillig m ihre Stuben. Ein» nntersetztc, ältliche Frau erklärte: „Ach, mit da SHchiiimg sein um ja so weit zufrieden. Se ist ju groß genug. Aber daß ma ka Küchel haben, das is das Böse. Das is aber ool leberall so for uns arme Taglöhner. Mcr dam noch nie nick a Küchel gehatt. Immer bloß a ecnzigcS Luch. II» da böse Ziegelboden! Da is so kalt, daß um halt ook gleich in die Stiefel schlupfen muß, wenn ma aut'm Bett steigt. Un da zieht'S hier so sehr. Sehn Sc, da hn'm ina nnS schon selbst a Thür! iiiachcn lassen müssen, tvcil's so kalt ivar, daß ma oock reene weg»ich anS de Krankhect raus limine sein, der Herr Szrnula hat's aber nich bezahlt.— Uli was ma im sinist mich ham? In, ma Mann. bat oock dreißig Dhalcr im Jahr. Alle andern Herren geben 36— aber iinsa Herr giebt ja ook»ich mehr. Un ma san aalte Lcnt', ma sein schon vlernnddreißig Jahr hier liff'm Gut. Schon beim Herrn Sznnila seiner Mutter waren wir. Un da kann man »ich a sn weg. Ich ha'n schun de liebe Angst, wann unsa Junge weg geht. A iS nn so dreinndzwanzig Jahr im will sich halt ook verbessern. Aber er muß doch misrrtlvcgen hier bleiben. Doch er folgt nicht, er will nicht parieren. Und ivcr wceß, was dann mit uiis wird? Also, waS wir kriegen: dreißig Dhaler im Jahr, jeden Monat zlvei Ccntner Kartoffeln, eene Matze Gries zu fünf Pfund, eene Matze Graupen, eene Matze Erbsen nn stifzehn Pfund GersäNenniehl, außerdem vier Fiwsaroschenbrote in der Wachen. Zur Feuerung gievt's a fnfzig Pfnno Kohlen die Woche un cnvaS Holz. Un dann, das bätt' ich jn balc wagcsscn— fünfnnzwanzig Pfennig Flecschgeld belonimcn ma uäi unch in a Wuchc», nn im Monat gicht's a zweemal fünfimsiebzig Pfennige zu Milch un Butler nn in der Ernte zehn Pfennig mehr zu Flecsch uff de Winden." Sie lachte halb verlegen, halb spöttüch:>,Zehu Piemiig mchr für da ganze Familie uff da Wucbe! DaS giebr a Berg Flcesch!— Nu, un was für a Milch nn Bulter es für fünfnudsiebzig Pfennig giebt— uu, das will fast nie reichen für zlvee Wuchen un iinclf länger. Da haim's die besser, die sich a Stickl Vieh halten dirfen. Wenn ie ooch viel Arbcet dadermit ha'm— se Hain dnch wenigstens a Milch zu ihre Kartuffeln. Aber unfe Herr Szmnla erlaubt uns halt nich, daß wer uns a Zickl oder a Stick Rindvieh hallen. „Un was ma mich snnsten haben?— A ja. ich hätt bale vergessen— ma ha'm a mich was extra. A Extrageld, a drei Mar? kriegen ma auch, aber erst zu Neujahr.... Un wenn se bleiben, de Taglöhner, schenkt ihna dar Herre anS daS Marken- gcld, das sc im Jahr zahlen müssen. A Weihnachten giebt'S eigent- lich nich. Aber da is auch fu Vermächtnis, da Hälfte liegt uff de Kirche, de andere iiffs Dominium. Da ham ma auch ans dem Vermächtnis alle halbe Jahr zivee Mark. A ja, ma Hain a Menge zu kriegen.'S macht halt nur nich a us auch viel zusammen. 's sigd lauter Ilcciic Häppcl." „Na. vielleicht reichr'S doch zu Geschmortem und Kompott?" meinte ich scherzhaft. Die Frauen lachten laut auf:„Kommen Se nock mal nn gucken Se in unsa Spinden nn Töpfe. Hier, Kartuffeln— un Salz— un Brot— un a Näppel vnll Fett.... Uli hier uch Kartuffcln— un Brot— un Salz— un lcen Fett. weil'L halt»ich nier daderzu langt.... Oben, bei der da. da finden Se vielleicht mich a Häppel Flecsch vnni Sunntng— die giebt a vnn een Pfund Fleesch ihren Mann uu da Kindern de ganze Wnch'n was. Immer sn'n Pölterche wie a Fingernagel grüß: Un denn arbeet't se ooch mit. Da halt se, Ivann se fünf Tage arbeet't, nff a Tag fünf Böhm. Kann se aber a Wuchen nicht fünf Tag arbceten— vuii frieh kalb fünf bis spät nach sieben abends — dcmi halt sc nff'n Tag mit vier und a balb Groschen. Un de Kinder arbceten och mit scann Vinn neunten oder zehnten Jahre an. De ham a Tag vier Böhm. Se dhnn a Heu unidrebn oder Kar- tnffcl klauben.' Da ha'm se in Aecord a Pfennig uff a Korb, de sechs Matzen bält. Un das allerschönste is. ine ham hier noch»Ich a kleens Stickl Garten. Bei alle andern Herren giebt'S dnch weiiigstenS daS, alle geben se a sechs Dhaler mehr im Jahr— der Herr Szrnula läßt das»ich zu." Die Frauen wollten mir die Wohnungen im oberen Stock zeigen, die viele Mißstände aufweisen sollten. Da kam jedoch der Mann der einen hinzu und sagte:„Sie, das geht nich. Ja, wenn Se Vinn Herrn'n Erlaubnisschein haben.... Die Wohniing darf ich su nich revidieren lassen. Wer weeß, was daraus wird. Ne. nee,. Die Weiber erschraken. Verschüchtert und ängstlich zogen sie sich zurück. Einer alten Frau liefen die Thränen über die ver- witterten Backen. „A nee, a nee I Ma sein alte Lent'— ma können nichts mehr beginnen. Ma steh» halt untenn Harr» seine Knute. Wenn er erfährt, daß ma alles erzählt haben— da jagt er uns fort..." AnS ihrem Jammern klang die Erinnerung nn nicht zu freund- liche Behandlung. Ich beruhigte sie und versicherte ihr, daß so ein Herr wie der Herr Szmnla niemals an jemand es tadeln werde, wenn er die Wahrheit sage. Am allerwenigsten werde er seinen Zorn an alten Leuten, die ihm die ganze Kraft ihres Lebens gewidmet haben, auslassen. Doch sie schüttelten ungläubig die Köpfe. Die Wohnungen der andern Tagelöhner liegen unmittelbar neben dem von Ephcu umraiiklen Schloß des Herrn Szmnla. Vor dem Hanse war ich von der goldigen Helle der Vonnittagssonne um- gebe». Drinnen aber konnte ich erst kaum die Hand vor den Augen sehen. Dicht vor den Fenstern erheben sich die Schloßmauern und die Bäume des Parks, so daß selbst bei der grellen Sonne nur dürstiges Zwielicht die Wohnräume erhellte. A» trüben Tagen herrschte hier die finstere Dämmerung von Kellergemölben. Dann erkennt man wenigstens nicht den venvahrlosten Zustand der Wohnränme, die alten, unbenutzten Scheunen glichen. Für eine der Familien, die ans Vater, Mutter und drei Kindern bestand, war eine Stube von 2V» Metern Breite und 5 Metern Länge angewiesen. Der Ziegelboden war löcherig, der Putz von den Wänden ivar abgefallen, die Thüreil schlössen nicht— dazu der erbärmliche Hansrai: Es sah nicht aus wie daS Heim eines Menschen, der sich von früh bis spät gnält. Ein alter, schwerkranker Mann bekommt nur die Wohnung. Sein Essen und seine Kleidung niag er suche» wo er will, sei» Arbeitgeber hat nichts für ihn übrig. Die Frau des Alten bezieht eine schmale Invalidenrente. Damit schleppen sich die Alten durch, wie sie berichteten. Sie zeigten auch ein kleines Kind, das sie in Pflege hatten. ES gehört einem der Mädchen, das im Schlosse dient. Das Kind war nahezu ein Jahr alt, sah aber aus. wie eins von einem Monat. Es beivegte kein Händchen, kein Beinchen. Rur Knochen und welke Haut, lag es still. dölkeningsfchichten Hilfe gebracht werden soll. Bei Ausbruch einer Epidemie werden sich diese Unterlassungssünden bitter rächen, leider aber nicht nur an denen, die gesündigt haben, sondern in erster Linie an denen, gegen die gesündigt worden ist: an den ärmeren Volksschichten. So lebhaft wir gegen diese Mißwirtschaft Protest erheben und ihre Beseitigung fordern, so wenig können wir aber jetzt der Gesamtheit, d. h. dem Staate, die Machtbefugnisse der- weigern, die er zur Bekämpfung der Seuchengefahr braucht. Wissenschaftlich steht jetzt fest, daß die Ucbertragung der an- steckenden Krankheiten verringert, ja in manchen Fällen gänzlich verhindert werden kann, wenn rechtzeitig nicht nur die kranken, sondern auch die krankhcits- und ansteckungsverdächtigen Per- sonen von den gesunden getrennt und Kleidungsstücke, Wäsche w. sowie Wohnungen einer sachverständigen Desinfektion unter- zogen werden. Wer vom„Bacillenschwindel" spricht, beweist damit nur, daß er von den wissenschaftlichen Forschungen der letzten Jahrzehnte keine Ahnung hat— oder haben will. Die Uebertragbarkeit ansteckender Krankheiten durch jene kleinen, nur mikroskopisch sichtbaren Organismen, die Spaltpilze, die eine so ungeheure Vermehrungsfähigkeit besitzen, ist eine durch unzählige Experimente bewiesene Thatsache. Daß die Ansteckung eine geeignete Beschaffenheit des Anzusteckenden, die sogenannte Disposition(Anstcckungsfähigkeit) zur Voraussetzung hat, ändert nichts daran, daß gewisse Krankheiten durch Spaltpilze übertragen werden können. Je widerstandsfähiger d. h. g e s ü n d e r, k r ä f t i g e r ein Organismus im Ganzen wie in jedem seiner einzelnen Organe ist, um so stärker muß der Ansturm der Spaltpilze sein, ehe er ihnen unterliegt. Es ist daher die Hauptaufgabe bei der Bekämpfung der ansteckenden, wie überhaupt aller Krankheiten, die Bevölkerung in eine sociale Lage zu versetzen, die ihr ermöglicht, sich gesund zu entwickeln. Daß hierzu hellte außerordeiltlich viel fehlt. ist leider eine ebenfalls nicht zu bestreitende Thatsache. Des- halb kann auch das beste Seuchengesctz die Bevölkerung nicht völlig schützen, sondern es gehören eine große Reihe ollge- meiner hygienischer und vor allem socialpolitischer Maß- nahmen hierzu, damit die gesamte Lebenslage des Volks ge- hoben wird. Weil aber auf diesem Gebiet zu wenig geschieht,— was wir Socialdemokraten ja energisch bekämpfen—, dürfen wir nicht bei der Seuchcnbekän'.pfung durch sanitätspolizeiliche Maßnahmen die Hände in den Schoß legen, sondern müssen gcrcde im Interesse der arbeitenden Bevölkerung alles unter- stützen, was diese vor Ansteckling bewahren kailn. Tie Ab s o n d e r u u g der Erkrankten sowie der krank- heits- und ansteckungsverdächtigen Personen ist daher von unfern Fraklionsvertretern in der Kommission befürwortet worden, doch haben dieselben gesucht, die Schädigungen des Erwerbs und EinkonimenS, die damit verknüpft sind, s o viel als nur möglich zu mildern oder, wo es an- geht, zu beseitigen. Tie Komnüssion und schließlich auch die Regierung haben die Anträge, die unsre Genossen stellten, an- genommen und damit ein schweres Bedenken beseitigt, das uns von der Annahme des Gesetzentwurfs hätte abhalten müssen. Zunächst ist auf Antrag nnfrer Fraktionsvcrtreter neu ins Gesetz ein Paragraph(28) aufgenommen, der eine aus jffentlichen Mitteln zu gewährende Entschädigung für diejenigen Personen feststellt, die in der W a h l d o S Aufenthalts oder der A r b e i t s st ä t t e beschränkt oder abgesondert werden. Unsre Genossen hatten den 5ireis d erEntschädigungsberechtigten sehr weit gezogen; sie wollten auch den minderbegütertcn selbständigen Gewerbetreibenden eine Entschädigung sichern und hatten die Grenze bei einenl täglichen Arbeitsverdienst von 10 Mark festgelegt. Tie Regierungsvertreter und die Mehrheit der Kam- missionsmitglicder erklärten jedoch, daß für solche umfangreiche Entschädigungsansprriche keine Mittel gewährt werden könnten. Tie Kommission nahm schließlich den daraufhin von imsern Vertretern gestellten Antrag an, daß Personen, welche der Invalidenversicherung unterliegen, ent- sprechend dem von ihnen versicherten Arbeitsverdienst entschädigt werden sollen. Bei der Berechnung desselben ist als TageSarbeisverdienst der dreihundertste Teil des für die Invalidenversicherung maßgebenden Jahres- Arbeits- Verdienstes zu Grunde zu legen. Soweit solche Personen bereits tvegen Erkrankung aus einem gesetzlichen Vex- sicherungsverhältnis(Krankenkasse und dergleichen) eine Ent- „?l su liegt's vu» seich bis spät. Iln es wird nich mehr nn wird nstb niebr, Dabei trinkt eS un trinli es— sehn ie, da hatt's de volle Flnichcn— im es bleibt su' a Wurm. Da. Tockta nleent, 's mitzl da Mutterbrust ha'n— aber das Mädel hat duch im Schloß zu thiiii, es darf dnch nich herüber." Dann hob sie nochmals die sauberen Bcttchen hoch:„Ne—'s is dnch zu a grntzer Jammer!" Die Tagelöhner klagten, datz immer geredet wurde, ihr Hans solle nnigebaut oder ncugebant werden. Aber nicht die geringste Änsbessernng würde daran vorgenommen. Ja, zum Neubau der Schnapsbreimerei habe Herr Szmula Geld gehabt. Da seien viele Tank ende nicht zu viel gewesen. Und dabei verbiete er seinen Leuten daS SchnapStrinken I Doch die Brennerei mußte vergrößert werden, damit er noch mehr Schnaps brennen könne., Das Brot, das er ihnen liefere, sei oft schlecht und voll Wasser- stellen. Auch die Gerste tauge ost nichts. Für füuzehu Pfund be- kämen sie nur eine Mark, wenn sie sie als Futter verkauften; zu andrem sei sie nichts nutze. Das liege aber au der alten Mühle, die Herrn Szmula gehöre und die er nicht ändern lasse. Das gelieferte Korn sei gut. Die Mühle verderbe alles. „Un dabei Hain nia bloß dreißig un zweeundreißig Dhnker. In, er will wohl z» Neujahr jedem zioee Dhaler zulegen, wenn a bleibt. Aber wenn ma sieht, wie's da Leut' bei dem Nachbarn haben— Ich brauchte gar nicht erst zum Nachbarn zu gehen um zu scbu, daß die Leute bei Szmnla nicht allein schlechter gestellt sind, wie ans sämtlichen andern Gärten, die ich besichtigt hatte. Haben sie doch nicht einmal das sonst überall übliche Stückchen Gartenland. Schon der Knecht des nächsten Bauern in dem dicht beim Schlosse SzmnlaS riegciiden Dane Friedenwalde berichtete, daß er einen Lohn von sechsunddreißig Thalern habe und daß dieser Lohn in der ganzen Gegend gezahlt werde. Außerdem esie er mit den Bauern ans einem Kessel und der enthalte immer waS Kräftiges und Genießbares. Als Erntegeld bekomme er fünf Atnrk und zu Weihnachten eine Hose und auch mehr, wenn er bleibe. „Ja, aber meinen Sie, was der Bauer kann, das kann der große Gutsbesitzer?" rief er mir z».„Ja. der. der hat ganz andre Ding- zu tfmn, als seinen Leuten ein menschliches, ein christliches Leben zu gewähren. Ja, der!" Mit verächtlicher Handbcwegimg winkte er hinüber nach dem Schloß:„Man möcht' ja seinen Leuten noch Ivas schenken, damit sie einen nicht immer so hungrig ansehen, wenn man a Stickl Wurscht uff'm Brot hat!"--- schädigung beziölhen, füllt der Anspruch auf Entschädigung ans öffentlichen Mitteln weg. Damit sind an 12 Millionen Personen der Gefahr entrückt, ohne jede Entschädigung sich isolieren lassen zu müssen. Aus- drücklich wurde hervorgehoben und auch in den Kommissions- bericht aufgenommen, daß diese Entschädigungen nicht als Armenunter st ützung zu betrachten sind. Dasselbe gilt von der Erstattung der Kosten, die ebenfalls ans Antrag unsrer Fraktions- Vertreter ins Gesetz aufgenommen wurde. Die Kosten für behördliche Erwittlungen und für Beob- a ch t u n g e n der Kranken, Krankheits- oder Ansteckungsver- dächtigen, ferner auf Antrag— nicht, wie noch in letzter Stunde einzusetzen versucht wurde, nur im Fall der Bedürftig- keit— die Kosten der polizeilich angeordneten und überwachten Desinfektion sowie der vorgeschriebenen besonderen Vorsichtsmaßregeln für die Aufbewahrung, Einsargung, Be- förderung und Bestatwng der Leichen— alle diese Kosten, die nach dem Gesetzentwurf den Betroffenen zur Last fallen würden, sind nach Annahme des Antrags unsrer Genossen aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten und nicht als Armenunter st ützung anzusehen. Diese Bestimmung ist von außerordentlicher Wichtigkeit besonders für die Durchführung der Desinfektion. Ver- schiedene Gemeinden haben ja für die ärmere Bevölkerung eine Nnentgeltlichkeit der Desinfektion durch Gemeindestatut eingeführt, aber nicht in so umfassendem Maße, wie es nun das Reichs-Seuchcngesetz fordert. Es ist damit ein Schritt zur wirklichen allgemeinen Durchführung dieser so hochwich-. tigen Maßregel gethan, ohne daß die Einzelnen unter den oft so empfindlm/ hohen Kosten zu leiden haben werden. Eine allgemeine obligatorische.Leichenschau zu er- reichen gelang nicht; nur in einer Resolution konnte der Wunsch ausgesprochen werden, daß diese zur Bekämpfung aller Krankheiten so bedeutungsvolle Maßregel endlich überall ein- geführt werde. Sehr viele Bundesstaaten besitzen eine obli- gatorische Leichenschau, Bayern sogar schon seit 1766. Am wenigsten eingeführt ist sie in Preußen, wo sich besonders die ostelbischen Provinzen— wie bei allen Kulturaufgaben— am rückständigsten erwiesen. Tie Umgestaltung des Seuchengesetz- Entwurfs in der Kommission �hat die Bedenken beseitigt, die unser Fraktionsredner bei der Kritik im Plenum gegen die Annahme geltend machte. Die Landesregierungen haben die Möglichkeit erhalten, einheitlich im ganzen Reiche Maßnahmen zur Bekämpfung der furchtbaren Gefahr zu treffen, ohne daß der ärmeren Bevölkerung allzu drückende Lasten auferlegt werden. Hoffentlich bleiben die Seuchen unsren Grenzen fern, denn sonst wird sich leider bei der ärmeren Bevölkerung zeigen, wie richtig die von unsrer Seite gestellten Forderungen zum durchgreifenden Schutze der Volks- gesundhcit sind: durchgreifende hygienische Maßnahmen, wirkliche Fortschritte in der Socialreform und damit in der Lage der arbeitenden Klasse. Die Zahl der hygienischen Mißstände ist noch außerordentlich groß, so groß !vie die Armut, in der sich die Mehrheit des Volkes befindet. Aber mir durch den Ansturm der Besitzlosen wird die be- sitzende Klasse zu ckoeiteren Zugeständnissen gedrängt und ge- trieben werden. Ohne Socialdemokratie keine Socialreform und keine Socialhygiene.— W, Sociales. DaS Protokoll der GcwcrbcgerichtS-Peisitzcr-Konfcrenz Deutschlands zu Leipzig am 21. und 22. Januar 1000 ist in Broschnreiifonn encksieuen und zum Preise von 20 Pf. zu bezichen durch Franz Mciüffcf, Leipzig. Nansiädterstcimveg 12. Alle Arbeiterzeitungen ircrdcn gebeten, dies bekannt zu geben. Einen Lehrstuhl für die G e s ch i ch t e d e r A r k> c> t hat der französische HaiidelSmiuifter M i l I e r a n d an der„Nationalen Kunst- und Gewerbeschule" zu Paris errichtet. Georg Neuard, ckemaliger Juspckior der Schulen der Stadt Paris, ein Socialdcniokrat, ist zur Ileberuahme dieser Professur berufen worden.— Ein zweites Dekret Millermids ordnet die Errichtung von BersuchSwerkstätteii für Physik, Chemie, Mechanik und Maschinen- wescn in obcndczcichnctcm Institut an. Der Krieg. Nach einer vom 20. d. M. datierten Depesche der„Daily NewS" ans Lonrenso Marques soüen die englischen Truppen am 17. Mai die gesamten B o e r e n- S t r e i l k r ä f t e, die sich bei M a f e- ling besanden, gefangen genommen haben; auch die G c s ch ü tz e d c r' B o e r e n seien den Engländern in die Hände gefallen. Diese Depesche klingt wenig wahrscheinlich und steht auch im Widerspruch zu den Mcldnugeu, daß die Boeren die Belagerung Mafekiugs bereits ausgegeben und sich zurückgezogeiy hätten, bevor die Eiitjatzkoloime Masekiiig erreicht hatte. Amtlich liegt denn auch keinerlei Bestätigung der Nachricht vor. Auch die folgende Meldung darf nur mit großer Reserve auf- genommen werden: Sictv Bork, 20. Mai. Der„New Dork Herald" meldet auS Loureii?o Marques unter dem gestrigen Datum, die Transvaal- Regierung habe gestern beschlossen, an Lord Roberts eine amtliche Mitteilung zu senden, in welcher Bceudigicha der Feiiidseligkeiten und Sicherheit dasiir berlaygi wird, daß die Existenz der aus feiten der Boeren kämpfenden Leute pns der Kapkolonie und Natal ge- schont werde. Sollten diese Forderungen nicht bewilligt werden, sollen die Minen durch Sprengstoff zerstört und Johannesburg ver- nichtet werden. Ebenfalls nnbcflätigt ist noch die Meldung des„Standard", baß General de Wet Lord Roberts angeboten habe, sich mit 1000 Mann zu ergeben, wenn den Leuten gestattet werde, sich ans ihre Farmen zu begeben. Roberts habe jedoch bedingungslose Kapitulation ge- sorderl. Ueber den weiteren FeldzngSPlan des Lord Robert» melden die„Times", daß Roberts beabsichtige, in Eilmärschen vorzudringen, sobald er seine Flanken gesichert und die n ö r i g e n Vorräte herbeigeschafft habe. Eine Taktik, die der englische' Gcneralissimns auch bisher in kluger Weise beobachtet hat. Ferner geben wir noch folgende Telegramme wieder: London, 2t. Mai. Dem„Retiterschen Bureau" wird ans Kroonstad von gestern gemeldet, daß ein englischer Eonvoi auf dem Wege nach Lindley angegriffen und gezwungen wurde, Halt zu machen.— General Buller meldet aus Ncwcastle von gestern, General Clery sei nach Jngogo abmarschiert, Dundonald nach Laingsuek. Die Nachhut des Feindes sei beinahe eingeholt worden und er habe einige Gesangene gemacht und einige Wagen erbeutet. Seine Mannschaft habe im Marsch Vorzügliches geleistet. Er habe Ladhsmith am 10. Aiai verlassen und habe jetzt 133 Meilen zurückgelegt. Berliner Partei-Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Der Wahlverein veranstaltet am Himmel- fahrtstag eine Fußpartie. Abfahrt 7 llhr früh vom Schlefischen Bahnhof nach Westend. Bon dort zu Fuß über Pichelsberg und Pichelswerder nach Schildhorn. Rege Beteiligung erwünscht. Von Charlottenburger Parteigenosse» wird Donnerstag eine Herrenpartie nach Tegel unternommen. Treffpunkt ßVj Uhr früh bei Wernicke, Bismarkstr. 34. Wilmersdorf. Der socialdemokratische Verein besichtigt am HimmelfahrtStag die Heilstätte Neu- Rahnsdorf. Trefipuutt bei Witte, Berlinerstr. 40, früh 7i/s Uhr. Für die Mitglieder freie Fahrt. Der«vorstand. Lokalvs« Die socialdemokratische» Stadtverordneten. ES ist begreiflich, daß die Vorgänge der letzten Tage auch unsre im Stadtparlament vertretenen Genossen beschäftigen.' Die social« demokratische Fraktion der Stadtverordneten-Versammlung tritt heute zu einer besonderen Sitzung zusammen, um über ihre Stellung zu den Mißständen, die sich aus dem Vorgehen der Straßenbahn- Direktion ergeben haben, zu beraten und sich gleichfalls über etwaige in der Angelegenheit zu unternehmende Schritte schlüssig zu werden. Inwieweit dies Vorgehen angesichts der zum Glück zu stände ge- kommenen Einigung vor der Hand noch erforderlich sein wird, mag dahingestellt bleiben. Auch die socialdemokratische Stadtverordneten- Fraktion zu R i x d o r f hat zum heutigen Dienstagnachmittag 5 Uhr eine außer- ordentliche Sitzung emberüfen lassen mit der Tagesordnung: Dringlichieits- Antrag: Die Verkehrsstockungen im Straßenbahnbctrieb Nixdorfs seit dem 19. Mai, morgens, die hier- aus entstehenden Schäden für das fahrende Publikum, und welche Schritte gedenken die Stadtverordneten-Versammlung und Magistrat in Bezug auf den Z 14 des Vertrags zu thun, um den Betrieb wieder in den alten vorhergehenden Umfang eintreten zu lassen. Kein Gymnashtm vor dem Haveschen Thor. In der gestrigen außerordentlichen Magistratssitzung lag der Antrag der MagisiratSkommission auf Errichtung eines Gymnasiums in der Tempelhofer Vorstadt zur Beschlußfassung vor. Gegenüber dem Antrage der Kommission, die die Errichtung des Gymnasiums einstimmig beschlossen hatte, hat das Magistrats- kolleginm einen eiitgegeiigesetzten Beschluß gefaßt und den Antrag abgelehnt. Maßgebend dürfte für diesen Beschluß wohl gewesen sein, daß die Stadt Rixdorf mit der Errichtung eines Gymnasiums vorgehe. Auf Krund deS Jnvalidenversichernngs-GeseyeS(§ 3 Abs. 1) hat der Magistrat(Abteilung für Juvaliditäts- und Alters- Versickernngssächen) als untere Verwaltungsbehörde die Jahres- Durchschnittswerte von Naturalbezügen für Berlin wie folgt festgesetzt: 1. Für Handlungsgehilfen: Freie Station(Wohnung, Heizung. Be- leuchtuug, Wäsche, Kost) bei eignem Zimmer 060 M., und zwar 210 M. für Wohnung usw. und 4ü0,M. für Kost.; ohne eignes Zimmer 5S0M. und zivar 100 M. für Wohnung usw. und 450 M. für Kost. 2. Betricbsbeamte, Werkmeister und Techniker, sonstige diesen gleich-. zustellende Angestellte, deren dienstliche Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet, Lehrer irnd Erzieher: Freie Station(Wohnung, Heizung, Be- leuchtUng, Wäsche, Kost) bei eignenr Zimmer 030 M. und zwar 210 M. für Wohnung usw. und 720 M. für Kost; ohne eignes Zimmer 820 M. und zwar 100 M. für Wohnung usiv. und 720 M. für Kost. Diese Festsetzungen kommen nur in Betracht bei der Feststellimg, ob der regelmäßige Jahres-Arbeitsverdicnst von Personen obiger Klaffen zweitausend Mark übersteigt und sie daher der Versicherungspflicht unterliegen. Bei Arbeitern,' Gesellen, Ge- Hilfen, Lehrlingen und Dienstboten ist die Höhe des Jahrcs-ArbeitS- Verdienstes ohne Einfluß auf die Frage der Versicherungspflicht. In der Medenwaldtschcn Mordsache wird die Vorunter» suchung, die vor acht Tagen eröffnet wurde, vom Landrichter Grunotv geführt. Nachdem der Untersuchungsrichter das Aktenmaterial geprüft hat, werden jetzt täglich Zeugen,' auch die von dem Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hugo Marcnsa vorgeschlagenen Entlastungszeugen eingehend vernommen. Ueber das Ergebnis wird von den be- tcitigtcn Personen Stillschivcigen beobachtet. Die Uiiterstichnng scheint aber für Willy Gluth günstig zu ver- laufen. Wenigstens geben sich die Familien sowohl als auch der Verteidiger, ob mit oder ohne Ennnnterung de? Untersuchnngs« richters,'sei dahingestellt, der Ueberzeugnng Hin. daß der Verhaftete bald entlassen werde. Dem Vernehmen nach sind Zweifel auch darüber aufgetaucht, daß die Papiere, die in der Medenwaldtschcn Wohnung gefunden wurden und auf denen der so viel erwähnte Korridorschlüsiel lag, von dem Mörder hingelegt worden seien. Vielmehr wird jetzt auch mit der Annahme gerechnet, daß Fräulein Diedcinvaldt selbst diese Papiere mit dem Schlüssel hingelegt habe und in diesem Augenblick von dem Mörder überrascht worden sei— daraus würde folgen, daß der gefundene Schlüssel ein Korridorschlüssel zu der früheren Wohnung der Ermordeten in der Wilhelmshavencrslraßc wäre. Der Trainer W. Herbst hat sich Sonnabendabend in einem Baderanm des Admiralsgartenbades erschossen. Ueber die Motive seiner That gab ein Brief des Toten Aufschluß,', den er an seine in Karlshorst wohnende Frau nebst Kindern gerichtet hatte. Herbst, der schon während der ersten diesjährigen Renntage sich stark am. Totali- sator, noch mehr aber bei Buchmachern engagierte, verlor große Summen. Um. diese Verluste wieder herauszuholen, soll.Herbst am letzten Toimcrstag eine hohe Summe im„Armee-Jagd-Reimcn" ons das Pferd„Granit" gesetzt und verloren haben. Hierdurch so- wohl als durch andre Verluste ist Herbst in eine verzweifelte Stimmung geraten und hat dann Hand an sich gelegt. Die Leiche wurde, noch-am Sonnabendabend nach dem Leicheiischauhauje ge- bracht und gestern, Sonntag, von der Polizei freigegeben. Im Zuchthaus gestorben ist dieser Tage eine Persönlichleit, die einst in der Berliner Fiuanzwest eine bedeutende Rolle spielte. Es handelt sich um den deretustigen Mitiiihaber der großen Bank- Krina H i r s ch f e l d u. Wolfs: Tittmar Leipziger, der im Jahr 1802 wegen betrügerischen Bankrotts zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, während sein Compagnon jlommerzicurat Wolff unter Zubilligung mildernder Umstände 10 Jahre Gefängnis erhielt. Während Wolff in daS Plotzenscer Gefängnis übergeführt wurde» Ivo er gegenwaritg noch sitzt, wurde Leipziger in das Zuchthaus zu Rawi-tsch gebracht. Dort ist. er an der L u n g e n s ch iv i u d s u ch t gestorben, nachdem er bereits acht Jahre von' seiner Strafe verbüßt' hatte. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen, wonach den Verurteilten der ölest der Strafe erlassen werden kann, wenn sie mindestens Dreiviertel der Strafzeit verbüßt und sich in der Anstalt gut geführt haben, war für Leipziger ein Gesuch um Straferlaß eingereicht Ivorden. Dieses Gesuch ist nun« mehr durch den Tod des Sträflings erledigt. Er war ein Onkel des gleichnamigen Verlegers vom„Kleinen Journal". Wegen betrügerischen Bankrotts soll, wie eine hiesige Montagszettnng meldet, gegen den ehemaligen Restauratcur Mertens, den früheren Inhaber des bekannten Dresselschen Restaurants, die Untersuchung eingeleitet worden sein. Wie das betreffende Blatt hinzufügt, sollen auch einzelne Angestellte ihre Kautionen bei Herrn Mertens eingebüßt haben. Beim Fensterrcinigen ist gestern vormittag die 22sührige Ar« beiterin Paula Silberstein ans die Straße hinabgestürzt. Dies' ivar in dem Hause Elisabethstraße 40 zwei Treppen mit dem Reinigen einer itcugestrichcncn Stube beschäftigt. Die anSgchängien Fenster hatte sie von den' aiihafienden Farbspritzen in der Küche ge« Beim WiederemhSngm derselben mu% nun die Silberstein Fehltritt gethan haben, denn sie stürzte plötzlich mit lautem Aufschrei ,n die Tiefe und blieb wie leblos auf dem Straßenpflaster liegen. Auf Anordnung eines sofort hinzugerufenen Arztes wurde die Verunglückte mittels eines Lückschen Krankenwagens nach dem »wankenhause am Friedrichshain übergeführt; ihr Zustand ist zwar nicht unmittelbar lebensgefährlich, doch liegt sie schwer danieder, ihre Genesung wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Theater. Im Schiller-Theater ist die Besetzung der Haupt- £?■ r w"? ypy'" erstenmal zur Ausführung kommenden Schau- Mel..Freudlose Liebe" folgende: Julius Scarli: Albert Patry: Emma: Alwine Wiecke; Geruna: kl. Lehnert; Graf Arcieri: Julius Eyben; Jabnclus: Erich Kaiser; Ranetti: Walther Zollin; Martba: Marie Gundra. Anlchliehend an das Schauspiel von Giacosa wird Molisres Lustspiel Begeben grauen", in einer neuen Uebersetzung von Martin Hahn, Feuerbericht. Sonntagmittag erfolgte Dresdenerstr. S7 ein Dachbodenbrand, der einen großen Teil der Dachkonstruktion zer- störte und mit 2 Rohren abgelöscht wurde. Weidenweq 67 hatte sich Spiritus und Terpentin im Keller entzündet, doch konnte einem Umsichgreifen der Gefahr rechtzeitig vorgebeugt werden. Auf dem Abladeplatz ,n der Müllerstraße stand ein Haufen Papier in Flammen, «ut einem Rohre beseitigt wurden. Ein Alarm nach Wiener- straße 24 war auf einen brennenden Kohlenkasten zurückzuführen. AnS den Nachbarorten. ,®ie städttschen Körperschaften in Rixdorf hatten im Oktober beschlossen, das Ortsstatut von 1879 aufzuheben, nach welchem in Rixdorf die Erlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft oder zum Ausschänken von Wein. Bier und andern nicht unter die Gattung von Branntwein und Spiritus fallenden geistigen Getränken von dem Nachweis eines vorhandenen Bc- MVlS? Abhängig sein soll. Der B e z i r k s a u s s ch u ß versagte dem Beschluß der Stadtverordneten und des Magistrats die erforderliche Genehmigung, nachdem eine Anzahl Gastwirte sich gegen die Aufhebung des OrtSstatutS ausgesprochen hatte. Auf Beschllitz'der Stadlverord- neten-Vcrsammlung erhob dcrMagistratBeschiverdebeiinProvinzialrat. Die Beschwerde wurde indessen mitfolgender Begründung zurückqeiviesen: Es sei mcht verstandlich, inwieweit die durch das Ortsstatut gemäß§ 33 Absatz 3b der Gewerbe- Ordnung festgelegte Beschränkung der Ge- Werbefreiheit dem gedeihlichen Wachstum der Stadt hinderlich sein solle. Trotz jener Bestimmung habe Ripdorf seit Jahren einen außer- ordentlich starken Zuwachs der Bevölkerung erhalten. Nach ihrer Aufhebung würden sich höchstens die Schankstätten stark vcr- mehren. Hierm könne aber„gedeihliches" Wachstum um- fowenlger gefunden werden, als die im Herbste vorigen Jahres_ vorhandenen 323 Schankstätten. das heißt eine Schankstatte auf 250 Bewohner für Rixdorf niehr als oiisreichend seien. Unerheblich erscheine, ob den GeiiehmigungSbchörden der dehnbare Begriff des„Bedürfnisses" Schwierigkeiten bei den Entscheidungen mache. Auch sei die Meinung irrig, daß die unbegrenzte Zulassung von Schankivirtschaften ohne' Bra»iitweiiiaüöicha»k den, Schnapsgenuß Einhalt thnn würde. Wie die Erfahrung lehre, schenkte» die Inhaber solcher Wirtschaften vielfach n n b e f u g't Branntwein aus. Die Thatsache, daß in Berlin ein dem Rirdorfer gleiches Ortsstatnt nicht bestehe, sei ohne Bedeutung. Endlich könne die Absicht der Grnndsinckbesitzer. durch Herstelliing von Schank- räumen erhöhte Mietserlräge zu erzielen, gegenüber dem öffentlichen Interesse, durch Beibehaltung des Ortsslatnts der Ilcberhandnahine von Schankstätten entgegenzuwirken, keine Bcrücksichtignng finden. In Spandau findet amI25. Mai von 10—1 und 3—6 Uhr in der 2. Wählerabteilung die Stichwahl zur Stadtverordneten- Ber- sammlung statt. Unsre Parteigenossen ivollen. soweit sie Wähler der 2. Abteilung sind. für den bürgerlichen Kandidaten Waßmuth stimmen. In der Gemeindeverwaltung zu Lichtenberg wird Klage darüber geführt, daß den verschiedenen Koinmissionen zu wenig Be- achtung geschenkt werde und daß über das WirtungSgebiet derselben vollständig Unklarheit herrsche. In der letzten Sitzung' dcS Gcmeinde- rats wurde an einem Fall nachgewiesen, daß die zur Ausschrcibnug gelangte Kohlenlieferung für die Kanalisationswerkc vergeben worden ist, ohne daß nur ein Mitglied von der Gas- und Wasserwerkskommission eine Ahnung davon besessen hätte: wohl lväre die Kommission zur Beratung über diese Ausschreibung ein- geladen ivorden, aber nur. um»ach halbstündiger Beratung zu er- fahren, daß die Begebung der Lieferung schon erfolgt sei. Taraus erkläre sich denn wohl auch zum großen Teil'die Unlust der Gemeindevertreter an den Kommissionsarbeiten sich zu beteilige». Man hätte unter solchen Umständen erwarten sollen, daß bei der kurz danach vorgenommenen Ergänzung der einzelneu Konimissionen die von unfern drei Vertretern bewiesene Arbeitswilligkcit doppelt anerkannt hätte werden sollen, aber weit gefehlt: nur in einem Fall fand ein von uns gemachter Vorschlag Annahme; Genosse Grauer wurde in die Baukommission delegiert; hierzu trägt aber wohl weniger der gute Wille der Gemeindevertretung als der Umstand einer unklaren Abstimmung bei. Eine Abänderuiig der Bc- gräbniSgebühren gab unsren Parteigenossen Gelegenheit.' für lln- cntflcltlickjleit deS Bestattungswesens einzutreten und der bc- obsichtigten Einrichtung von Wahlstellen, wenn auch zu besonders er- höhten Preisen, zu widersprechen, da wir die Ueberlegenheit des Geldbeutels nicht auch noch auf dem Friedhof zum Ausdruck kommen lassen wollen. Natürlich war unser Einspruch vergeblich. Erlvähnenswert ist eine Anfrage, ob dem Genieindevorstan'd von einer beabsichtigten Auflösung der hiesigen Gemeinde- Vertretung ans Amaß der erfolgten Eingemeindung des Guts- bezirks Lichtenberg etwas bekannt sei? Es wurde dies verneint, ober die Möglichkeit nicht bestritten. Unsre Parteifreunde iverden gut thun, diese Angelegenheit im Auge zu behalte», um vor lieber- raschungen geschützt zu sein. Eine neue Verteuerung der Kohlcnpreise.' IDie Kohlen- preise sind von Montag ab in den tvestlichen Vororten wiederum erhöht ivorden. Der„Verein der Kohlenhändler der lvest- lichen Vororte" für den Kleinhandel hat eine neue Preis- f e st s e tz u n g vorgenommen, die eine Erhöhung der Preise für Preßkohlen um 10—13 P r o z. bedeutet. Es wurden festgesetzt für das hundert Preßkohlen großen Formats 1,10 M. und kleine, geivöhnlichen Formats 90 Pf., sowie für den Scheffel kleine Steinkohien 1,30 und zerkleinerten Coaks 1 M. Bemerkenswert ist»och dabei, daß die vom Verband der Berliner Kohlen- Großhändler für dieses Jahr festgesetzten Kohlenpreise, die bedeutend höher sind, als die im letzten Winter verlangten, bei dem„Verein der Kohlenhändler der westlichen Vororte" allgemein Beifall geftinden haben und von den Vercinsmitgliedern im großen und ganzen angenommen worden sind. Eine AeuerSbrunst wütete während des Sonntags in Zehlen- darf und vernichtete die Villa des Architekten Wuttke in der Haupt- straße. Durch schadhafte Stellen in der Heizungsanlage war das Feuer in der elften VormittagLstunde ausgebrochen und hatte sich mit solcher Geschwindigkeit verbreitet, daß beim Eintreffen der Feuerwehr des Orts bereits der ganze obere Stock in hellen Flammen stand. Von auswärtigen Wehren waren die von Steglitz, Marien- dorf und Schmargendorf zur Stelle, die mit der Zehlendorfer Frei- willigen Feuerwehr vereint mit großer Bravour vorgingen und namentlich sich bemühten, den reich mit Holzvorräten bestandenen Bauplatz des Villenbesitzers und die angrenzenden Häuser zu schützen. was denn auch bei der günstigen Stellung des Windes gelang. Die Villa ist total ausgebrannt. Noch gestern früh brannte und qualmte cS auf dem Trümmerhaufen. Das ziemlich alte, zum Teil aus Fachwerk bestehende Gebäude ist schon in früheren Jahren von einem bedeutenden Brande heimgesucht worden. Dem obdachlos gewordenen bejahrten Eigentümer und seiner Ehefrau wurde in einer befreundeten Familie ein Unterkommen gewährt.__| '" �Verantwortlicher Redakteur: Paul John in Stuf dem Tegler See gekentert tst am Sonntag ein Ruder- boot, in welchem sich vier Berliner Ausflügler befanden. Die jungen Leute waren ungeachtet des stürmischen Wetters mit einem Miets- boot auf den See hinausgefahren. In der Nähe von Saatwinkel war der Wellenschlag derartig hoch, daß das Wasser in das Boot eindrang und dieses schließlich kenterte. Zum Glück fuhr gerade ein kleiner Dampfer vorüber, und den vereinten Ansttengungen der Mannschaft gelang es, die vier mit den Wellen Kämpfenden zu retten- Ein schweres BootSungliick auf dem Müggelsee hat sich Sonntagnachmittag um 3s/4 Uhr ereignet. Der 39 Jahre alte Tapezierer Schumacher miS Friedrichshagen, Vater von vier Kindern, und der Arbeiter R e u s ch aus Friedrichshagen, ebenfalls Familienvater, find hierbei den tückischen Wellen des durch den starken Wind aufgeregten Sees zum Opfer gefallen. Zwei andre Insassen des Bootes, der Schuhmacher Krummschmidt, Skalitzerstr. 19 wohn- hast, und der Arbeiter Muschall, konnten durch ein kleines Motorboot des Berliner Segler-Klubs, das sehr bald zur Stelle war, gerettet werden. Die vier Genannten hatten um Vs4 Uhr, trotzdem sie von verschiedene» Seiten gewarnt wurden, in einem für 10 Personen berechneten Kahn, der' nicht ganz intakt gewesen fein soll, eine Segclpartie unternommen. Bereits nach einviertel- stündiger Fahrt, als man sich hinter der zweiten Tonne befand. kenterte der Kahn, und die Insassen sanken unter. Dem Schuhmacher Krummschmidt gelang es, ein Ruder zu erfassen und sich so lauge über Wasser zu halten, bis er in das herbeigeeilte Motorboot, das vom Restaurant„Müggelschlößchen" aus durch Zeichen auf den Unfall aufmerksam gemacht worden war, hineingezogen wurde. Das Boot rettete auch den Arbeiter Muschall, welcher sich durch Schwimmen ans Land bringen wollte, aber von Schumacher und Reufch umklammert und mit in die Tiefe gezogen wurde. Nach schrecklichem Kampf gelang es ihm, sich loszumachen, er war dann aber so erschöpft, daß er selbst versank. Beim Empor- kommen wurde er von seinen Rettern erfaßt. Die beiden Geretteten brachte man nach dem„Müggelschlößchen". wo sie aufgenommen, ver- pflegt und mit trockenen Kleidungsstücken versehen wurden. Die Suche nach den Leichen der beide» Verunglückten ist gestern nach- mittag anfgenomnie» worden. Gerichts-'Jettung. Gebildete Jugend. Eine Studenteiimensur mit t ö d- l i ch e m Ausgang beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Der Student der Rechte Georg Franke war bc- schuldigt, seinen Gegner, de« Studenten der Philosophie Wilhelm Riem a nn. im Zweikampf getötet zu haben. Infolge einer An- rempelet, die nickt von dem Angeklagten, sondern von dem Ver- siorbene» verursacht ivurde. kam' es zu einer Forderung auf ge- schliffeue Schläger mit Bandagen. Es wurde vereinbart, daß der Kampf einschließlich der notlvcndigen Pausen im ganzen 22Vs Miiluteii währen solle. Am Vorniittage des 24. November vor. IS. wurde die Mensur ausgcfockteii. Stach dem ersten Gange hatte» beide Tucllanlen einige Sckmisse erhalte», die reckt gefährlich waren. Der Paukarzt legte den Verwundete» einige Nadeln au, ivorauf der Kampf fort- gesetzt lvurde. bis die vereinbarte Zeit � von 221;s Miiuiten verstrichen war. Riemann hatte ivährend des letzte» Ganges wiederum mehrere Verwundungen erhalten, darunler eine ernstere, die sich auf dem Kopse oberhalb des linken Auges befand. Beide Duellanten, die sich nach Beendigung der Mensur durch Handscklog vertragen hatten, wurden nun regelrecht verbunden, wobei seitens des Arztes beiondere Sorgfalt auf die TeSinfizieruug der Wunde und des zum Verbinden verwendete» Materials gelegt wurde. Ricmaun erhielt einen sogciiaunten„Wickelkopf" als Verband. Er koimte sich ohne Hilfe nach seiner Wohnung begeben. Anstatt sich mebrere Tage ruhig zu verhalten. ging Riemann»och an demselben Abend nach der Kneipe, Ivo er, wie ein Zeuge bekundctc, sechs Schoppen Lichterheiner zu sich g e» o in m e n hat. Auch au de» folgenden Tagen setzte der Vcr- ivuiidete seine frühere LebcuSivciie fort, er nahm größere Mengen Bier und Allohol zu sich. In der Nacht zum Sonntag— das Duell hatte am Freitag statt- geslniden— kam Niemann stark angetrunken nach Hause. Am Dienstag trat eine erhebliche Verschlimmerung seines Zu stand es ein, er uiußte nach dem Krankeuhaule gebracht iverden, wo er am Mittlvoch verstarb. Die medizinischen Gutachter erklärten, daß die hiuzugetreteue Blutvergiftung die nnmittelbare Ursache des Todes gewesen sei. Auch der Gerichtsphysikus Dr. Stürmer vertrat diese Ansicht. er wies aber darauf hin, daß die Blutvergiftung die allerverschieden- stcn Ursachen gehabt haben könne. Staatsanwalt von JaroczewSki betonte, daß das Reicksgericht stets anerkaunt habe, daß Schläger ini allgemeine» tötliche Waffe» seien. Er halte ferner für erwiese», daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Duell und dem ein- getretenen Tode des Riemann bestandcii hatte und bitte deshalb die Geschworncn die Schuldfragen zu bejahen. Der Verteidiger, Rechtsanw. Henschel, trat für völlige Freisprechung des Angeklagten ein, der für die durch de» Berstorbeueu selbst herbeigeführte Blut- Vergiftung nicht verantwortlich gemacht werden könne. ' Tie Geschivoreuen sprachen' den Ängeklagteii nur schuldig des einfachen Zweikampfes, worauf der Staatsanwalt gegen ihn eine Festungshaft von 1 Jahre 6 Monaten beantragte. Das Urteil lautete auf 6 Monate Festungshaft. Die gegen den jetzigen Landgerichtsdirektor Hahn zu Bentheu seitens dcS Baumeisters Dietcl angestrengte Beleidigungs- klage kam gestern avenuals vor dem hiesigen Schöffengericht zur Ber- hondluiig. In dem gegen den Grasen von und zu Egloffstein gerichteten Strafgrözetz war der Privatbeklagt« Beisitzer in der 7. Strafkaimuer des hiesigen Landgerichts I. In jenem Prozeß wurde die Ehefrau Dictel, Mutter des seiner Zeit mit angeklagt gewesenen Privat- ftollineisters Dictel, als Zeugin verilomnien. Es wird behauptet, daß, als Frau Dietel den Saal betreten, Landgerichtsral Hahn seinem Nachbar. dem Laudgerichtsrat Busch, eine auf die Zeugin bezügliche Bemerkung gemacht und das Wort„Ver- hält»«s" herausgeklungen habe und daß dann beide lächelnd auf die Zeugin gesehen hätten. Einer der Verteidiger hatte dies so aufgefaßt, als ob der Beklagte hätte andeuten wolle», daß Frau Dietel das Verhältnis des Grafen Egloffstein sei, und er teilte seine Wahrnehmung seinem Mitverteidiger mit. Da die Sache auch zu den Ohren des Ehemanns der Frau Dietel kam, streiigte er die Privatklage an. Der Privatbeklagte hat die in der Klage liegende Unterstellung als ganz unzutreffend zurückgewiesen und die Ver- muwng deS Verteidigers als irrtümlich bezeichnet. Thatsächlich sei das Wort'..Verhältnis" in einem ganz andern Sinn gefallen; er sei von seinem Nachbar gefragt worden, in welchem Verhältnis die Zeugin Frau Dietel zu dem frühere» Mitangeklagten Dietel stehe. und er habe darauf geantwortet, daß sie dessen Mutter sei. Der als Zeuge vernommene Laudgerichtsrat Busch erklärt in Uebercin- ftimmung hiermit, daß es sich um eine streng sachliche Aeußerung gehandelt habe, die niemand etwas anging. Der gleichfalls als Zeuge vernommene Verteidiger bekundete, daß er die im Flüfter- tone geführte Unterhaltung zwischen den beiden Richtern nicht ver- standen und mir aus deren Blicken und Geberden seine Schlüsse gezogen habe. Die Beweisaufnahme hatte somit ein völlig negatives Ergebnis. Der Angellagte wurde freigesprochen und die Kosten des Verfahrens wurden dem Privatkläger auferlegt. Eine Anklage wegen Patentverletzung beschäftigte gester» die 9. Strafkammer des Landgerichts I. Den Klempnern Wcde- meyer und Rapp wurde zur Last gelegt, gemeinsam im vorigen Jahre die belannte Wellenbad-Schaukel angefertigt und vertrieben nnd sich dadurch der Verletzung deS deutschen Reichspatents 51 766 schuldig gemacht zu haben. Den Angeklagten wurden sechs Fälle nachgewiesen, in welchen sie Wellenbad- Schaukeln fabriziert und vertrieben hatten. Der Staatsanwalt bean- Bcrlm. Für den Inseratenteil verantwottlich: Th.«lacke in Berlm. Dl kragte,'?ekbe Angeklagte wegen Patentverletzung zu je 100 Mark' Geldstrafe zu verurteilen, Wedemeier außerdem wegen Entwendung der Modelle von der Finna MooSdorf u. HochhäuSIer zu einem Tag Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte wegen Patentverletzung auf je 3V M. Geldstrafe und sprach Wedemeier von der Anklag« des Dieb- stahls frei, weil der Angeklagte sich der Rechtswidrigkeit feiner Handlung nicht bewußt gewesen sei. eingegangene Druckschrift«. Bon der»Neue« Zeit"(Stuttgart, Dietz' Berlag) ist soeben bat 34. Heft des 18. Jabrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Flottenwimpel.— Friedrich Albert Lange und die kritische Philosophie in ihren Beziehungen zum Socialismus. Von Nikolai Berdiajcw.(Schluß.) — Handelsvertrags- und imperialistische Expansionspolitik. Von Heinrich Cunow. l.— Klassen und Patteien in Italien. Bon Dr. Jvanoe Bonomi. II. — Litterarische Rundschau: Max Messer, Wiener Bmnmelgeschichten. Jenny Schwabe,„Die Komptoristill",„Fräulein".- Feuilleton: Dem neuen Jahr- tausend entgegen. Eine nawrwisienschastliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer.(Fortsetzung) Bon der„Gleichheit", Zeilschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 11 deS 10. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Faule Ausreden.- Der Zehnstundentag für die Textilindustrie im Reichstag. Von-ckb.— AuS der Beweguug.- Feuilleton: Medizinermnen des Mittelalters. Bon Melanie Lipinska. AuS dem Französischen übersetzt von Eugenie Jacobi.- Notizenteil von Lily Braun und Klara Zetkin: Weibliche Fabrikinspektorcn.- Gesetzlicher Arbeiterinnenschntz— Frauenarbeit auf dem Gebiet- der Industrie, des Handels- und Verkehrswesens.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Kcllnerinnenbewegung.— Dienst- botensrage.— Frauenftimmrecht.- Arbeiterinnenbewegung im Ausland.- Frauenbewegung. Für Gewerkschaften und politische«ereine besonder« angebracht erscheint der eben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienene Führer durch das In v a l i d e n v e r s t ch e r» n gS- G e s e tz(Preis 25 Pfg.), der das Gesetz nach der Materie, nicht nach der Reihenfolge der Paragraphen behandelt. In 5 Hauvtftagen, durch zahlreiche Untettitel über- sichtlich geordnet, wird der ganze Inhalt des Gesetzes erklärt: I. Wer ist versichert r II. Wo ist man versichert? III. Wie erreicht man den Ver- sicherungs-Zlnsprnch lY. Worin besteht der durch die Versicherung er- wordene Zlnspruch? V. Wie wird der Vcrsicherungs Anspruch geltend gemacht? Je mehr die VerNchcrungs-Gese?e praktische Bedeutung erhalten und jc urnfangreicker sie werden, umiomehr werden für die Arbeiter solche Führer durch das Gesetz uotwendig. Der Verlag teilt unS mit, daß Vereine und Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern von Vereins wegen diese Broschüre zugängig machen, besonders billige Berechnung erhalten. Em ausführliches Sachregister erleichtert den praktische» Gebrauch. VevmiMtess Zur Koniüer Mordaffairc. Die Beisetzung der Leichenteile des cimordeten' Ghnlncisiasten Winter erfolgt am Sonntag, den 27. d. M.. nachmittags, unter Beteiligung aller Vereine von der Hospitalkirche in Könitz aus. Briefkasten der Redaktion. «. L. D.. R. 2. Anfragen betreffend den Austritt aus der Laudeslirche. In Preußen kann nach dem Gesetz vom 14. Mai 1873 jeder(im Geltungsgebiet des Allgemeinen Landrechts, jeder, der das 14. Lebensjahr vvllcndet hat) aus einer Kirch« mit bürgerlicher Wirkung dadurch austreten, daß er in Person vor dem Richter seines Wohnorts eine dahingehende Erklärung abgiebl Der Slustrittserkläruna uiilß ein hieraus gerichteter Antrag vorangehen,«odann findet, nicht vor 4 und nicht nach 6 Wochen nach Eingang dieses Antrags, vor dem Richter Termin zur Annahme des Antrags zu gerichtlichem Protokoll statt. Der aus der Kirche Ausgetretene erhält auf fein Verlangen eine Bescheinigung seines Austritts. Die Austrtttserklämng hat die vermögensrechtlichc Wirkung, daß der Ausgetretene zu den Kosten eines außerordentlichen Baues nur noch bis Ende dcS auf die Austrittserklärung folgenden zweiten Kalenderjahrs, zu andren Kosten der Kirchenßeuieinde nur noch bis Ende deS aus die AuSlrittserklärmig folgenden ersten Kalender- jahrs beizutragen hat. Leistungen, die ohne Rücksicht auf die Konfession des Besitzers von bestimmten Grundstücken zu tragen sind(z. B Kanon, Käsenden), hat auch der Ausgetretene zu tragen. Als Kosten deS AustnttS- Verfahrens werden»ur Abschrisisgcbühren und baare Auslagen in Ansatz gebracht.— Die AustrittScrklärung kann nur in Person, und nur für die!« Person. also nicht für Ehefrauen, Kinder oder Mündel, erfolgen. Allerdings wird in der Theorie von einigen die Ansicht verfochten, daß der Austritt für unmündige— noch nicht 14 Jahre alte— Kinder erfolgen kann. Di- Praxis und der Wortlaut steht aber dieser An- ficht entgegen. Uni'rer Meinung nach ist der Streit ein müßiger, weil unmündige Kinder unter 14 Jahren— mögen sie getauft, beschnitten oder getaucht sein oder nicht— vermögensrechtliche selbständige Rechte oder Pffichien in keiner Kirche haben. 2. Weder zur Taufe noch zur Konfirmation feiner Kinder kann ein Vater gezwungen werden. Nach der Verfasiung und nach§§ 1-4 II, 11 sowie 14. 76, 78, 83 II. 2 A. L.-R. könne« Disfideiiten- kinder zur Teilnofmie am Religionsunterricht gegen den Willen ihrer Eltern nicht gezwungen werden. Dieselbe Auffaffung hatte früher da» Kammergericht. Seit einigen Jahren hat daS Aaumiergencht, wie wieder- holt im„Vorwärts" dargelegt ist, eine andre Ansicht und hält die Ent- zichung vom NcligionSunterricht in solchen Fällen für eine strafbare Schul- versäuuiiiis-Uebertretung. Zur Zeit unterliegt die Prüfung dieser Frage dem etwas anders als vor dem 1. Januar 1000 zusammengesetzten Silas- senat des ÄammergerichtS. Zfrtzke Tlschvichken und Depeschen. Krieg im Frieden. Brieg(Schlesien). 21. Mai.(PrivatdepesS,- deS„Vorwärts".) Die„Bricger Zeitung" meldet: Beim Scharsschießen auf dem LamS» dorfcr Schießplatz der dort übenden Truppen wurde der Amts- Vorsteher Tinte nebst seinen zwei Kindern von Kugeln getroffen und auf der Stelle getötet. Auch eine Magd wurde angeschossen. AuS Köln a. Rh. wird berichtet: Bei einer gestern vormittag stattgehabten Heb,»ig des Deutzer Kürassier-RegimentS wurde einer Schivadroi, zwecks Bornahme von Fußübungeii der Befehl zum Ab- sitzen gegeben, als plötzlich eine Anzahl Pferde scheuten. 52 derselben rasten zur Stadt hinein, alle». was sich ihnen in die Quere stellte, überrennend. Ein Milchfuhrwerk wurde zertrümmert. Als der Pfcrdetrupp eine scharfe Biegung durch die Eleverstraße machte. stürzten acht Tiere. Mehrere blieben infolge schwerer Verletzungeii liegen. Auch auf der Rhcinbrücke entstand bei dem rasenden Laufe der Pferde eine große Verwirrung. Wiederum stürzten verschiedene Pferde. Während etwa 40 Pferde in die Kürassierkaserne raunten, setzten sechs Pferde ihre wilde Jagd nach dem Vorort Kalk fort. Der englisch-australische Bund. London, 21. Mai. Unterhaus. Die zweite Lesung der Bill betreffend den australischen Bund wurde ohne Abstimmung an» genommen._ Köln, 21. Mai.(W. T. B.) Heute fand hier die Hauproer« sammlung deS Vereins zur Wahrung der gemeinsamen Wirtschaft- lichen Jnteresien in Rheinland und Westfalen unter dem Vorsitz deS KommerzienratS ServaeS- Ruhrort bei zahlreicher Beteiligung statt. Der Generalsekretär Dr. B ä u m e r erstattete den Bericht, in welchem er ausführte, der Aufschwung der Eise«- und Kohlenindustrie sei noch immer vorhanden. E« sei notwendig, daß die Industrie nicht einseittg belastet werde. Die Industrie wolle gemeinsam mit der Landwirtschaft über die zukünftigen Handelsverträge beraten und die Interessen beider gleichmäßig ivahren. Zur Beseitigung der Kohlennot sei die Verbesserung der Wasserstraßen, insbesondere des Tortmund-Ems- kanals, notwendig. Rio de Janeiro. 21. Mai.(Meldnng der„Agence Havas'.) Hier sind einige Krankheitsfälle vorgekommen, bei denen Pest ver- mutet wird.___ ul und Leilag von Mar Badino m Berlin. Nr. 117. 17. Iahrgany. 2. KilM Ks Jütmiitts" Sttlintr öolfolilatt. Dit»stG, 22. Mai 1900. Neiitzstag. 109. Sitzung. Montag, den 21. Mai 1900, 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Nieberding. Auf der Tagesordnung steht zunächst folgende Interpellation Albrecht u. Gen. sSoc.): Ist dem Hem» Reichskanzler bekannt, dah der Bundesstaat An halt durch das Gesetz vom 16. April 1899, der Bundesstaat Reust j. L durch ein von der Negierung vorgelegtes, vom Landtage an- igenommenes Gesetz, betreffend die Bekänipfiing des Kontraktbrnchs ländlicher Arbeiter, und die Negimuig des Bundesstaats Lübeck durch eine Verordnung vom 24. April 19 Ich stehe auch heute»och auf dem Standpunkt, daß die Einfuhr von Pökelfleisch für die deutsche Landwirtschaft schädlich ist, ich finde es auch heute nicht schön, daß Deutschland vor Amerika zurückweicht, aber ich gehe in der Principicnreiterei nicht so weit, daß :ch den ganzen Entwurf zu Fall bringe, weil ich nicht alles haben kann. Was mich besonders stutzig gemacht, lvar der Beifall der Linken, als Herr v. Wangenhcim erklärte, gegen das Gesetz zu stimmen Ich werde doch der Linken nicht helfen,' ein Gesetz zum Fall zu bringen, voii dem sie erwartet, daß cS als Nebenerscheinung einen Nutzen für die Landivirischaft bringt.(Bravo! im Centrum.) Abg. Schrcmpf(k.): Ich verstehe nicht, wie die Regierung den sanitären Gesichtspunkt als den Grundgedanken hinstellen kann. Die Regierung durchlöchert ja diesen Gedanken selbst durch ihre Stellungnahme gegenüber dem Ans land. Ich bin begierig, vom Regiernngstisch die Erklärung zu bekommen. daß in puncto Fleischbeschaugesetz keine Verhandlungen mit Ainerika gepflogen sind..(Sehr gut! rechts). Also es sprechen doch politische Motive mit, lveiin man auch sagt, es handelt sich nur um das sanitäre Interesse. Wir haben einen Grund zum Mißtraue» gegen die Re- gieruiig, weil die Caprivischcn Handelsverträge auf Kosten der deutschen Landwirtschaft abgeschlossen sind.(Sehr richtig! rechts) Wg. Wurm(Soc.): Wir sind in der merkwürdigen Lage, mit den extremen Agrariern gegen den Kompromißantrag stimmen zu müssen, wenn auch natür- lich nicht aus denselben Beweggründen. I» zwei Fragen haben sich die einzelnen Herren Redner von der Rechten ganz ividersprechend geäußert. So nicinte Graf PosadowSly in Bezug auf die Kontrolle ddr HauSschlachtnngc». man müsse die Einführung derselben den Esiizelstaaten überlassen, Herr Holtz lvollte, daß die Reichs- rcgicrung ihren Einfluß aufbietet, damit die Koiitrolle,>vo sie besteht. wieder� aufgehoben, tvird. und Herr Vielhabcn war sogar so naiv zu erklären, wenn auch die Hausschlachtnngcn in die Kontrolle auf- geilöinlneu werden, de.S ist ja alles nur eine Scheinkonzession. Nun. die Verantwortnng für eine solche Gesetzesniacherci überlassen lvir ruhig(den Herren, lvir Ivollen nicht dem Volk, spcciell dein Bauern Vov machen, es sei etwas geschehen, während in Wirklichkeit nichts geschehen ist Es ist festgestellt, das; 30 Prozent der Pichbcftäude im Deutschen Reich tuberkulös sind.,(Hört! hört! bei den Socialdemokräteii.) Für Grenzsperre im Interesse der Senchenbelämpfnng treten ja die Herren Agrarier stets ein. iveim es sich aber wie hier darum bandelt) der Seuche ernsthaft zu Leibe zu gehen, da haben sie immer Ansflnchle.(Sehr richtig! bei den Socialdeiuökraten.) Herr v. Wangcnheiiu ist persönlich für die Kontrolle der Hausschlachtungeu, stimmt aber gegen seine Ilebcrzcngung für ein Gesetz, in dem sie nicht enthalten ist. Durch die jetzige Fassnng des Gesetzes, ist die Kontrolle nur geboten, wenn das Fleisch g'cwcrbsmäßia zum Verkauf gebracht wird, das heißt daS im Hause geschlachtete Fleisch kann verkauft werden,»ur darf der Betreffende, sich nicht dabei envischen lasten, daß er es zu oft thnt. Tie Folge der jetzigen Gesetzes- bcstinunllng wird nur sein, daß das kranke Vieh in Be- zirke geht, wo cS ohne Kontrolle verkauft' werden kann. DaS wollen dicsekben Herren, die die große Gefahr für die VolkSgcsundhcit betonen, wenn die Einfuhr von Pökelfleisch zugelassen wird.— diö Durchführung der Kontrolle der Hausschlachtungen, soll die arbeitende Bevölkerung belasten. Nun, den Herren Vertretern von Sstelbicn bürste doch sehr wohl bekannt sein, daß die Arbeiter iii ihren Bezirken am liebsten die Schtveiiiezucht aufgeben würden, wenn sie dafür mehr Geldlohn bc- kämen.— Ebenso uneinig waren sich die Herren auf der Rechten über das Verbot der Pökelfleischeinfuhr. Der eine nieinte, es handle sich ja nur um eine ganz geringe Quantität, während andre das Verbot für durchaus iiotlvendig hielten. Und Herr v. Levetzow sagte uns mich de» wirkliche» Grund; er erwartet eine Konipensation für die Landwirtschaft in erhöhten Fleischpreiseu. TqS ist also der wahre Grund, man will die Konkurrenz ans- schließen, um hohe Fleischprcisc zu bekommen. Nach unsrer Ansicht bietet die Vorlage genügende Garantie dafür, daß kein schlechtes Fleisch nichr hereinkommt. Wir sind gewiß auch. dafür, daß nur anS gestuidem Material hergestellte Wurst herein kommt, aber wir wollen auch die, unsaubere Wnrst, die im Lande hergestellt wird, nicht. Bei uns ist eS qber sehr notwendig, daß man mit Blendlaternen hinein- leuchtet in die Schlächtereien, damit die jammervollen Zustände, die dort, herrschen, aws Licht kommen. Eine Enquete über die Wohnungen, das Esten und Schlafen der Schlächtcvgcjcllen hat jo grauen- erregende Thatsachcn über die Zustände in manchen Wurst- machereicu ansgcdectt, daß einem üverhaupt der Appetit vergehe» müßte, Wurst zu genieße», deren Herstellung man nicht genau kennt. Der kleine Bauer hat von der Preisvertenerung des Fleisches. die den große» Vichvrodnzcnlcii zu gute kommt, nichts. Bei den hohen Fleischpreiseu in Berlin und in den Industriestädten müßten dem tleincii Bauern viel höhere Bichpreisc gezahlt werden.(Ruf rechts: Kriegen wir aver nicht.) Ihre Genosseiifchastsschlächtereien haben bisher in Berlin keine Geschäfte gemacht,«ie, sollten sich die Arbeiter zum Muster nehmen. Der Leipzig- Plagwitzer Konsumverein hat jetzt eine eigne Schlächterei eingerichtet, die vorzügliches Fleisch liefert und floriert. Er floriert so, daß wohl bald Ihre BnndeSgönvsicn, die Schlächter, kommen werden, um eine neno Warcnhauöstcner gegen ihn zu. verlangen. Losten Sie doch die Redensarten von dem Schutz landivirtschaftlichcr Interesse», es handelt sich für Sie nur um Ausschluß der Konkurrenz und Preis- trcibem!(Bravo! bei den Socialdemokratcn.) Abg. Miinch-Fcrber(natl.): Wcini wir der-LandWirtschaft durch dies Gesetz etwas verschaffen, so spricht das für das Gesetz. Unkontrolliertes Fleisch darf nicht hinein. Ich Ntiis; es offen aussprechen, die.deutsche Textilindustrie steht und fällt mit der Prosperität der deutschen Landivirischaft.(Bravo! rechts.) Das Ausland richiet sich immer mehr ans Selvstprodiiktion ein, unser Export geht zurück.(Hört, hört! rechts.) Es bleibt uns in der Hauplstichc nur der deutsche Markt. Die Angstmeierei vor ämcrika- »ischen Repressalien reite ich nicht.(Bravo! rechts.) Die deutsche Ware wird bei der Zollbchandlung in Amerika unerhörten Ehikaueu»»terworjen. Im Fleischvcschangcsctz haben wir eine lteine Handhabe zur Wicdervcrgcltung. Staatssekretär Graf Posadowsky: DaS Fleischbeschaugesetz ist ein Akt unsrer Sonveränetät. Wir brauchen nicht das� placet einer andren Regierung dazu.(Bravo!) Ich bestreite, daß hierüber irgend welche amtlichen Verhandlungen der, deutschen mit der amerikanischen Regierung stättgefniidcu haben.(Iwischeiirns des Abg. Hahn). Ich kann Sie nicht üver- zeugen, Herr Abg. Hahn, aber ich verlange, daß Sie meine Angaben für richtig halten oder daS Gegenteil beweisen. Zweierlei ist möglich. Entweder hält man die Fleischbeschau nicht für notwendig, dann ist sie weder für iuländischrs noch für ausländisches Fleisch»ölig. Wenn man aber aus dringenden hygienischen Gründen die �Fleischbeschau für iiotlvendig hält, dann muß man entweder auswärtiges Fleisch so weit eiiilaffen, als seine Untersuchung möglich ist. oder man ver- langt eine Art mathematischer Gleichheit in der Untersuchung für inländisches wie für miStvärtiges Fleisch und läßt, da diese Gleichheit unmöglich ist. überhaupt kein ausländisches Fleisch ein. Dann muß man aber den Rächweis führen, daß sofort sin Inland für 165 Millionen Mark jährlich mehr Fleisch nahrung sich produzieren läßt, um den Ausfall zu decken, oder man muß lebendes Fleisch, ausländisches Schlachtvieh hineinlassen. Die Herren Fleischer hätten daran ja ein sehr lebhaftes Interesse, aber .dcix viel größeren Schaden hätte die Landwirtschast. Abg. Franken(natl.): Ein handelspolitisches Zerwürfnis mit Amerika würde tin rheinisch- ivestfälischen Industriegebiet doch Jticfjt so gering angeschlagen werden, ivic es von manchen Seiten hier geschehen ist. Landwirtschaft, Kohle und Eisen müssen, nach einem Worte Bismarcks, einig sein. Wenn aber der Bund der Landwirte die Berufsgegensätze künstlich schürt, dann ge- reicht- das der Landwirtschast; nicht zum Borteil. Ich möchte nicht die Hand dazu bieten, den Arbeitern- das Fleisch zu verteuern, und am liebsten würde ich für die ursprüngliche Regierungs- Vorlage stimmen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird hierauf angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Hahn(wildk), daß er nur während der Rede des Ministers gerufen' habe: Auch die Gesandten nicht? Die Worte des Staats- sckretärs habe er nicht in Zweifel gezogen. Die Weiterheratiing wird vertagt. Ohne Widerspruch zu finden setzt Präsident Graf Ballestrem folgende Tagesordnung fest: Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr: 1. Fortsetzung der dritten Beratung der lex Heinze; 2. Fortsetzung der dritten Bcraliing de Fleischbeschangesetzes; S. Fortsetzung der dritten Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung. Schluß 6 Uhr.'_ VevsÄnttttlungen. Eine Versammlung der Stellmacher, welche am Sonntag im Lokal von Rümanii tagte, beschäftigte sich mit der gegenwärtigen Lage des Streiks. Die Lohnkoinmision berichtete, daß da, wo in den Streik eingetreten wurde, die Forderungen zum größten Teil be willigt sind. Gleichzeitig empfiehlt die LoHiikommission die Annahme der von der Jiinung neuerdings gemachten Ziigeständnisse und damit die Aushebung des Streiks. Diese Zugeständnisse sind: neunftnndige Arbeitszeit, Stnudcnlohn 30—60 Pfennig; den Accordtarif hat die Jnnnng abgelehnt, woraus die LoHiikommission den Schluß ziehen zu dürfen glaubte, daß Accord überhaupt nicht mehr gearbeitet werden solle. Damit erklärte man sich einverstanden. Insbesondere kommt in Betracht, daß auch bei der verkürzten Arbeitszeit die bisher gezahlten Wochenlöhite nicht herabgesetzt werden sollen, so daß also zum mindesten überall eine zehiiprozentige'Lohnerhöhung eintritt. Auch die scheinbare Dehnbarkeit der Stnndcnlöhnc gebe zu Bedenken keinen Anlaß, da es ja dach in der Hand der Arbeiter läge, daß ihnen möglichst hohe Löhne gezählt werden. Die neueuBedingungen sollen aber erst am 28. Mai in Kraft treten, und hierum drehte sich auch hauptsächlich die Debatte. Schließlich wurde jedoch der Antrag der Lohnkommisfion gegen wenige Stimmen an- geiionnncn, gleichzeitig auch eine Resolution, in welcher zur strikteii Durchführung und Alifrechterhalluiia des Errungenen und zum Beitritt zur Organisation aufgefordert Ivurde. Wo noch Accordarbeit verlangt werde, da solle derselben der aufgestellte Tarif zu Grunde gelegt und bei Nichtanerkennung desselben entsprechender Stundenlohn gefordert bezw. über die beireffende Werkstatt die Sperre verhängt werden. Dasselbe soll da geschehen, wo un- befriedigende Stundenlöhne gezahlt werden. In der Diskussion wird auch noch mitgeteilt, daß in der Werkstatt von Pnlla, Alexandrinenstraße, Soldaten von der 11. Compagnie des Alexander- Regiments die Arbeit der Streikenden verrichten sollen. Um eine Uebcrsicht über die Löhn- und Arbeitsverhältnisse zu erlangen, soll ausnahmsweise zu der nächsten Vertranensmännorsitzung jede Werk- -tatt einen Delegierten entsenden, auch wenn derselbe nicht organisiert ist. Mitgeteilt wird ferner, daß in der Motorwagenfabrik in Stralau die Arveit eingestellt worden ist. Ter Streik der Glassehleifer beschäftigte am Sonntag eine von etwa 200 Personen besuchte VerbaiidSversaminlung, die im GewerkschaftShanse slattfand. In den Bergleichsverhandlnngen am Sgnnabend haben sich die damit betränten Kommissionen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf folgende Vergleichsvorschläge gc- einigt: Der 1. Mai soll freigegeben werden unter Verzicht des Lohnes oder Verdienstes für diesen Tag. Sämtliche am 17. Mai ic. in den Ausstand getretenen Arbeiter werden wieder eingestellt und kommen ans ihre alten Plätze. Lasseibe gilt für die riiher in den Ausstand getretenen Arbeiter der Firma W. Dittmann und O. Mathcs, soweit Arbeitskräfte erforderlich, jedoch sollen die am Ort befindlichen arbeitslosen Schleifer vor den zugezogenen bevorzugt werden. Die Kündigungs- frist soll nach Bereinbarnug gelten oder ausgeschlossen fei». ES wird eine ständige Kommission von drei Arbeitnehmern und drei Arbeitgeveru gebildet. Die Ausgabe dieser Kommission ist es. alle Streingkeitril zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern möglichst zu schlichten. Es ist Pflicht der in Streit liegenden Parteien. dieKommission auzurnfcii und sich dem Urteil zu fügen. KouNnt eine Einigimg der Koinnnsfio» nicht zn stände, dann ist das Gewerbegericht nis Einigungs- amt anzurufcn. Für den Fall der Annahme dieser Bedingungen durch die beschließenden Versaniinlungen sollte die Arbeit am 2>. Mai wieder ansgenommen werden. Der Bund der GlaSschlcifereibefitzer hat inzwischen beschlossen, den 1. Mai nicht freizugeven, sonst aber den Eiingnngsvorschlägen zuzustimmen. Lösch und W e l k i s ch er- läuterten die Beschlüsse der' Vergleichstommission, in der die verschiedensten Meinungen zum Ausdruck kameil. Einige Redner legten wenig Gewicht darauf, ob die Freigabe des l. Mai ausdrücklich zugestanden. werde, oder nicht. Bei der Mai- 'eicr wären schließlich immer die Machtverhäliniffe entscheidend. Von andrer Seite wurde dieser Standpunkt belämpft; besonders deshalb, weil der ganze Streik in letzter Linie auf dinge Maßregelungen wegen Feieriis am 1. Mai zurückzuführen ist. Vor allem aber wünschren eine ganze Anzahl Redner, daß die wegen euer Maßregelungen zuerst in den-Ansstaud getretenen Leute der Firmen W. Dittmann und O. M a t h e ö alle sofort tvicder cingcstellr würden und nicht erst nach Bedarf. Es wurde denn auch mit sehr großer Majorität beschlossen, so lange m Streik zu bleiben, b i s sämtliche Kalle gen van Mathc-S und von Dittmann wieder ein- gestellt werden. Ferner beschloß man einstimmig, mit den Arbeitgebern weiter zu verbau dein und zu diesem Zweck eine neue Kommission zu ivählcn. Gewählt wurden P o in in c r e i t, H ö lt i ck e nnd Heller sowie der Verb a n d s- Vorsitzende G i r b i g. Die Verhandlungen sollen beschleunigt werden, daß möglichst schon am Dienstag eine neue Versammlung tattfinden kann. Ter Ceutralverbaud der Maurer(Zahlstelle Putzer) erklärte sich in seiner letzten Sitzung durch Annahme einer Resolution gegen die Antnahme der Streikklausel in den Bauverträgen. Vor allem wurde lebhaft bedauert, daß die städtische Baudeputation dem Ver- langen der Unternehmer nachgegeben hat. Tie Lederarbeiter verhandelten nach einem Vortrag des Metall- arbefterö S cki l e g e l über die Lohnfragc. Ter BevtrancnSmann cinschild empfahl, überall. Ivo die Organisation stark genug ist, in die Lohnbewegung einzutreten. Dein schloß sich die Ver- samnilung an und wählte hierauf neben dem Vcrtranensniann Weinschild noch als Vertreter der Etnibranche Trapp und für die Lcdcnvarcnbranche Förster. Der Verband der Stockarbcitcr nahm am 15. Mai in seiner Verfammluiig den Bericht über die nun beendete Mai-Anssperrimg der 80 Stockarbcitcr entgegen. Wie bekannt, haben die Arbeiter nur unter den von ihnen formulierten Bedingnngcn die Arbeit ans- genommen. Nach Erledigung einiger gewerkschaftlicher Angelegen- heiten wurde das Mitglied Fluckc zum Delegierten für den Kongreß der lolalorganificrten Arbeiter gewählt. I Charlottenburg. Am 10. Mai hielt das Gewerkschaftskartell eine Sitzung ab. Der Obmann Blceck berichtete über die Maifeier. Redner konstatierte, daß die Maurer auf allen Bauten die Arbeit ruhen ließen, ebenso die Holzarbeiter mit Ausnahme bei der Firma Aktiengesellschaft für Bauausführungen(früher Strauß). Von den Holzarbcikerff wurden am 2. Mai bei der Finna Stiebitz u. Köppchen 20 Arbeiter gcinaßregelt. Die Metallarbeiter feierten nur bei einer Firma den ganzen Tag, während bei mehreren Firmen in der Metallbranche von Mittag ab die Arbeit nihte. Ueberhanpt zeigte der diesjährige Bestich der drei Versammlimgeit eine um 75 pCt. stärkere Beteiligung als im Vorjahre. Das Kartellmitglied Reibe erstattete sodann Bericht über die Lohnbewegung der'Bretterträger, die mit einem teilweisen Erfolg beendet ist. Die übrigen Gegenstände der Verhandlung betrafen interne Angelegettheiten. Es fehlte der Delegierte der Sattler. Marktpreise von Verlin am IS. Mai IVOS uacli Ermiltlunge» des tgl. PolizeipräsidiiunS. Me'zen, gut D.-Etr. „ mittel gering Roggen, gut „ mittel ... gering Gerste, gut .. mittel gering »Hofer, gut , mitlel , gering RickNstroh Heu Erbsen Speiscbohnen Linseu 14.60 1Z,90 13,30 15, 20 14,60 H~ 5,50 8,50 10,- 45,— TO,— 14,— 13,40 12,80 14,70 14,10 13,60 5,- 5,20 25,— 25,- 30,- Kortossew, neue, D-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 Ii» do. Bonch„ Sckiiveiiiefleisch„ Kalbfleisch„ Hommelsleisch. Vnttcr Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse SO Stück 1 per Schock S- 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2,60 3,60 2 20 2,80 2 60 2,20 1,60 3,- 1,20 24- 6- 1 20 1- 1,10 I,— 1,- O— 2 20 lst'0 1,40 1,- 1,20 0,80 1,40 0,80 3- '•) frei Wagen ab Bahn. Produkteuinarkt am 21. Mai. Getreide. Auf dem Getreide- markt zeigte sich recht feste Haltung, da der offizielle SaatenstaudSbericht Prenheus alle bisherigen Befürchtungen in Bezug auf die Beschädigungen der Roggensaatcu bestätigt, Roggen stand daraufhin im Bordergrund des Interesses, Eine wcicntliche Steigerung der Preise wurde jedoch durch das bedeutende Angebot in russischer Ware(zu rendementsmäßigen Preisen) ver- hindert, welches zn nmsangreichcn Abschlüssen führte. Am Fttihmarkt war auch Weizen sehr fest, mittags fand dieser Artikel weniger Beachtung und gab unter dein Einfluß der nordauierikauischen Meldunzen leicht nach, während Roggen sciuc höheren Noticrungen behauptete. Die gezahlten Preise waren für Roggen 0,75 bis 1 M., für Weizen 0,50 M. gebessert. Hafer lag gut behauptet, Mais fest; beide Artikel waren nur knapp und zu hohen Preisen offerlert. Mehl war bei einigeni Handel 0,20 M, höher ge- hallen. Rüböl auf Paris befestigt. Spirituö. Spiritus lveo unverändert, Weizen per 1000 Kilogramm: Märkischer(760 Gr)— ,— M, ab Bahn.'Havelländer k7>70 Gr.)—,— M. ab Bahn, polnischcr weißblint (760 Gr.)— M. frei Wagen. Normalgcwicht(755 Graiiun) Abnahme im laufenden Monat 153,50 M., do. per Juli 155,50—155,75—155,50 M., do. per September 159,00—158,50 M., do, per Oktober 159,00 mit 2 M. Mehr- oder MiudeNvert. Tendenz behauptet.— Roggen per 1000 Kilo- gramm: Schleüsctier klamni und mit Geruch Märkischer(720 Grau»«) 150 frei Mühle, do. 725 Ar. 150 ab Babn, Posener 715 Gr 150 frei Mühle, do. schwimmend 724 Gr. 151,75 frachtfrei Berlin, Normalgcwicht 712, Gr. 153—152,75 Abnahme im laufenden Monat, do. 149,75—150,25—149,75 Iis 150 Abnahme iiil Juli, do. 148,50—149—148,25—148,50 Abnahme im September, 148,50—149—148,50 Abnahme im Oktober mit 1.50 M. Mehr- oder Miiiderwcrt. Tendenz-, fest,— Hafer: loco per 10«>0 Kilogramm, pommerscher seiner—, mittel—, märkischer femer 145—152, mittel 139—144. mecklenburgischer seiner 145—152, mittel 139—144, West- preußischer mittel 139—144, Posener mittel 139—141, schlesischer mittel 139 bis 144 ab Bahn. Normalgewicht 450 Gr, 138,50—138,25 Abnahme im laufenden Monat, do. 135—134,75 Abnahme im Juli, do. 131—130,75 Ab- nähme im September init 2 M. Mehr- oder Mindenvert. Tendenz i fester. — Mais: Aiuerik. mixed loco 115—116,00 frei Wagen. Abnahme im laufenden Monat—, Abnahme im Mai 108—109,75, Abnahme im September—, Tendenz: höher.— Weizenmehl: 00 19,20— 21,75 M. Teiidcuz; still.— R o g g c n in e h l: 0 und 1: 19,70— 21,20 M. Abnahme im lauieüden Monat, 20,10 Abnähme im Juli, Abnahme im September — M. Tendenz: höher.— Rüböl für 100 Kilogramm mit Faß in Mark, loco 60,75 M. Abnahme im lausenden Monat. 60,60—61,10—60,80 M. Abnahme im Oktober. Tendenz: höher. Spiritus uiit 70 At. Berbrauchsabgabe ohne Faß 49,80 M. srei Haus._ «itternngSüberstcht vom LI. Mai lSvo. morgen»» llhr. LS ■z s « c 5 | 5 Ig e e= W-tter 755 Q I 754iS®SB l 758�SO 1 766OSO 2 wolkig 6 Regen 3 bedeckt lcholkenl S« I" g es -8?, 12 7 10 1900. leichten Regen» Ein wenig wärmer, zeiiiveise heiter, vielfach wolkig mit fällen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wette rburean. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abolinenientsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beaut- wartet nnd schriitliche Antwort wird nicht erteilt. Tie inristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag and Freitag von 7-9 llhr abends statt. Sllter Abonnent. Uns unbekannt. M. L. In Rußland ist uns ein solcher Ott Nicht bekannt, dagegeu findet sich ein Scruiin in Klein-Asie». A. S.. Franlsurt a. M. Teulsch- Socialdcmokratischer Arbeiter- verein zu London. Toltenham-Coart-lload. Fitzroy!- Square, Kerblttld der Stock-, Sckjinil- iitld Ktlluloikiorhtlter. Hiermit die traurige Nachricht, daß liuser Kollege liiel»»»-«! 8»iII im Alier von 32 Jahren auf nicht ans geklärte Weise durch Ertrinken den Tod gesunden hat! Er ist stcls ein anfrichtiges und biederes Mitglied dcö Verbands gewesen, und werdeil wir ihm darimi ein danerni�s Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. Mai, nachm. 4 Uhr, von der LeichenhaUe des Friedens- Kirchhofs, Riedcr-Schöiihanjen, stall. Um rege Beteiligung bittet 175/9 Ter Vorstand. DuiikMagang. Fürdie herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung nicines lieben, nnvergeßlicheii»Mannes Karl Corsinski sagen wir allen Berwaiidlen, Geiiofle», Freunden und Bekailille»,' ins- besondere den Kollegen der Firma Oscbrüdcr Bolzani nnd den Mit- gliedern des deutschen Metallarbeiter- Verbands unfern licr,;(ichfini Dank. Die trauernde Gattin und Kinder. J&öiienick. Allen Freunden und Genoffen die tiefttaurige Nachricht, daß uns« liebe Mutter, Schwester nnd Großmutler a r. i e J o c h im Aller von 54 Jahren nach kurzen Leiden ge- storben ist. Die Beerdigung rindet am Doilnerstagiiachiiilttag 4 Uhr vom Trauerhause, Liiidenslr. 5a, ans statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksag«, ig. Für die trostreiche» Worte am Grabe meines iicbcn Aiannes nnd guten Baters sage ich Herrn Waldeck Mailass« soivic den Koliege» der Kärgcrsd-cn -.Raschiiicnfabttk nebst allen Freunden u Bekannicn, auch dem Gesaiigverei» meinen herziichstcit Dank. Ilö9d Tie trauer-nde Gattin Wilhelmine Springwald und Sohn. Tanksagmtg. Für die vielen Beweise ansrichtiger Teilnahuie an dcui Begräbnis iiiciiies lieben Mannes-tzVllkel», ftipiitl» sage allen Freunden und Bekannten sowie den Bereiiien nnd Kollegen meinen herzlich Üen Dank. 1158b Im Namen der Hinterbliebenen die tieslrauerndc Witwe«attha Späth. Nur t>cn 5>,»dnlt der Inserate uberiii, iimt die»iedattioi, de,» Piibljkni» gegeuiiber keinerlei Vcrliniiiiorinng. �lzratrv. Dienstag, b e n 22. 33} a i. Opernhaus. Lohmgrin. Anfang Ulir. Tchanipi.elhnns. Die Tochter des Etasums. Anfang 7,/z tthr. DenifcheS. König Harlekin. An- lang?Vr Uhr. Scsjing. vais�(�. nma.vav girl). Anfang 7V2 Uhr. Berliner. Berlin bei Nacht. Anfang 7,�2 utiv. Neue». Das Stiftungsfest. Anfang 7,/. Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Atifaug 7l/z Uhr. Westen. 2. Dramatischer Abend der Opernsänile des Sternschen Kon- fervaiörillms für Mnsil. Allfang Uhr. Schiner. t5hprienne. Anfang 8 Uhr. Thalia. Wie man Männer fesselt. Ansang 7>/z Uhr. Snise». Ihr Pathe. Anfang 8 Uhr. . Jahr- - Hunderl. Ansang 8 Uhr. Bicioria. Geschlossen. Friedrich- Wildel», städtisches. � Ein gesunder Junge. Ansang 8 Uhr. Bette- Zllliance.(Jniemationalc Urania.) Bis ans Ende der Welt. Ansang T,'2 Uhr. Merropol. Special italenrorslellung. Der Zauberer am Nil. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialiläten- Borstcllung. Im Reiche des Jndra. Anfang 8 Uhr. MelchShaNe». Slctliiu Sänger. Anfang 8 Uhr. Pasiage- lpaiiopiikiim. Special!- täten-Borslettung. llrauia. Jnpalidenslr. S7/VL. Täglich abend» boi.'— 10 Uhr: Sterinväne. Taiideliftrasie 48/4». Abends « Uhr(lin Thcatersaal):.Bon den Alpen zuiil Besuv". AliMeN'?i'ogi'SM Anfang täglich 8 Uhr(auch Sonntags). Rauchen überall gestattet. Urania Tanbcnatrasse 48/40. Im Theater ahends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesnv". Invalidcnatr. 57/02: Tägl. Steriiwsirte. Kachmlltags 5—10 Uhr. ■Passap-Panoptioyra." Riesen und Zwerge. 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. Passage-Thealer: Vorstellung von 7— W/n Uhr. W"K CASTANS PANOPTIGÜM FrJcdrlcbstr. 165. Grösste Sehenswürdigkeit der Residenz! »QU t Mr. R o b e r t s, der !sCU. erste Zauberkünstl. und Illusionist der Welt! Ha 11 f Die Bückeburger, ®"• humoristisches Sänger- und Konzert-Ensemble. Enlree§0 Pf. Kinder u. Militär ohne Charge aö Pf. Belle-Älliaace- Theater. Im herrlichen Symmergarten: (vornehmstes n. grohrntigstes Sommer- Etablissemeiit der Residenz) Oiron-jen iiiilitjrr- Doppel- Konxcrt. BB Elektrische Zanberbänme. 3ZB Anfang C Uhr. Eintritt 75 Pf. Abomieilients für die ganze Saison gültig: 5 M. resv. 3 Ai. bis 1. Jmii an der Theaterkasse. _ Ab 1. Juni 10 M. Victoria-Theater. Alcxanderplatz. Wegen Generalprobe v. Kanonen- königin geschlossen. Morgen zum erstenmal: ('Novität.) Die iöHoiieiihihilai». Schwank in 3 Sitten von Girarditl. Donnerstag: Dicselbe Borftellung. �Vei88-Iiiea!ei' Gr. Fraiikfnrlerstrasto l!t2. Festvorstelliuig zu Ehren der in Berlin anwesenden Kameraden des Deutschen Äricgcibmids ans New Kort. Dcutsililliiilis Wcbililg und kiiligullgiiulg.zllhxhundert. Aiifaiig 8 Uhr. BorziigSbiUels haben Gültigkeit. Bei günstiger Witterung: Im Garten Frei- Ivonzert."TKc An fang 7 Uhr. Donnerstag, H im ine l fahrt: Im Theater-Garten: Greste Speciatitäteil-Borstettmig. Theater«nd Konzert. _ Ansang 4 Uhr. Ufioüo-Tlieater. Rur noch bis 24. Ist! ßeiclie des ledra. Boin 25. bis 31. Mai: Ein Abenleuci- im Harem. Ab I. Iii Iii: Venus auf Erden. Kasseiieröfflimig 7 Uhr. läonzert 7 Uhr. Snfailg der BorsteUuiig 8 Uhr. U. ßgaciks üieaiel'. Briiiilicustrahe 16, Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater- Vorstellung. Ein Bengailseher Tiger. Lnsi spiel in 1 tzilt von Otto Randolf. Eist unst Phlegma. Posse mit Gesang in I.Akt von Angely. 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Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte für alle Plätze mit Ausnahme der 1 Mark-Plätze. Sämtliche Plätze sind numeriert mit Ausualuue der 1 und 2 Mark- Plätze. 4 und 6 Mark-Plätze im Vorverkauf bei Paul G r irnrn, Cigarron-Iniportha r.s, Unter den Linden Nu. 47. Deatsclie KoFzeit-Kfi SM« werden kö: H Entree « würdig! iMk. t„See-Terrasse", Lichtenberg, � h— Röderstrasse 6.. K (Die breite Röderstrasse verbindet das Steuerhaus Landsberger Allee mit dem Dorfe Lichtenberg) � Zu Fuss in 8 Min. v. den betr. Ein�bahnstationen u. Haltestell. der elektr. Dahn eii�eicnpar. Vergnügungs-Etablissement I. Ranges 20 0�iBenABonen Täglich; Ksflzert der Römer Bersagiieri. Täglich vörzügl..Elltc-Progcaimu im Variete-Theater. Novität:„Lichtenberg auf Stelzen" l �0h0e rfoTg 1 Tanz; Sonntag, Montag und Donnerstag. w Wvoßov Novgnüqungspavkr. � S Hippodrom. 4 Kcgclbnlincn. 2U Ruderboote, Stallungen, SchutzliKnser für 10« Fahrräder. 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St. schreibt i Gestatte mir, Ihnen für ihre Beniühniigen � bei der w überaus schweren und doch schmerzlosen Operation � von 16 Zähnen miO Wurzeln nochmals schriftlich meinen ver, biiidlichsten Dank auszusprechen. Ich bin heute überglücklich. _. Sollzldemokrattscher Madlsmiii Kr de» ptrl. ütichstagg-Wlilürcis(Sit}). Dienstag, den SS. Mai, abends 8 Uhr, in�okal des Herrn Brüder, Waldemarstrafte Nr. 7S: MN � e f Sammlung ,.. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die bürgerliche Kunst und Literatur, die arbeitenden «lassen und�daS Kunst- und Litteraturgesetz". Referent ReichStagS-Abgeord- 2. Distufston. 3. Vereinsangelegenheitm. „,„G-iste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet ~~ De*" Vormtand. SM" In der Versammlung wird für alle diejenigen Mitglieder, welche Mkluiive April ibre Beiträge entrichtet haben, der„Führer durch daS JnvalidenverstchcrungsMesetz" gratis verabfolgt. D O Sotinldemokratischer Mahlvereln Kr deu 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Uersammlnng am TienStag, den SS. Mai, abends 8�/4 Uhr, bei Mclchert, Bergstrafte a8. m m Tages-Ordnung:(247/10 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten VJ Liebknecht über die lex Ileinze. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Der Borftand. Die BezirkSführer der Oranienburger und Rofenthaler Vorstadt werden ersucht, die Mitglieder aus diese Versammlung hinzuweisen. NK. Den Mitgliedern des Weddtng und der Oranienburger Vorstadt zur Nachricht, daß die nächste Vorstellung in der Urania am 27. Mai, nach- mittags 4 Uhr stattstiidet. Ter«orstand. SM- Btllets zur(Jranla-Voratellnnjg; am Sonntag, 27. Mai, nachmittags 4 Uhr, sind noch beim Kassierer 7su»chel, Wiesenstraste 29, zu haben. Achtung! Njxhyrf. Achtung! Vleaataa, dea SS. Mai, abends SVs Uhr, im Lokal Herrn QrOpler, Rergstrasse 147: des Uolks-Uersammlnng für Männer nnd Franc«. Tages-Ordnung: 1. DaS Reiihs-Seuchengesetz, seine Gefabren für Volk und Familie. Referentiii Frl. Tiiima H» be-Charlottenburg. 2. Disluision. 1155b Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einderufer. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Achtlmg, VarktModknIrgn! Heute, Dienstag, vormittags 10 Uhr, im GetverüschnftslzNufe» Gngel-Ufer15 Nersettttmlung. Mujililnstmmknttn- Arbetttr. Mittwoch, den SS. Mai. abends 8Vi Uhr im Gemrvkfchaftshauke, Gngel-Ufer 15 (kleiner Saal) Branchen- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom BerbandStag. 2. Branchen-Angelegenheit. 3. Verschiedenes. Kollegen! Erscheint zahlreich und pünktlich. Achtung l Bautischler. Acht«««! Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, lt»URtt8vI»Ivi*- Versa nimlung bei„Keller", Koppenstr. Sil. TageS-Ordnung: „Die Einigungsbedingungen vom letzten Streik und die Stellung der Bautischler hierzu"._ l>ie Ortsverwaltung. Rummelsburg. Mittwoch, den S3. Mai, abends S1/. Uhr Bezirks-Versammlung. 89/9 TaaeS-Ordnnng: 1. Unsre Organisation. Referent Robert Ferdel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Deutseh. IVIetallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Rerlln. Bureau: Engel-Ufer 18, Zimmer 1—8. Fernsprecher: Amt VII, 338. Mittwoch, den 83. Mai, abends 8'/- Nhr, im Lokal des Herr» _ KUniann, Brunnenstr. 188 Ve r s a m 111 1 n n � aller in der chirurgischen Branche beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Dortrag. 2. Gewerkschaftliches. 3. VerbandSangelegenhetten. Am Himmel fah iStag. den 24. Mai, machen die Kollegen deS Vördens «we Herrenpartie. Abfahrt vom Stcttiuer Bahi.öos 5 Uhr 35 Minuten. Für Nachzügler S Uhr 40 Min. Treffpunkt„Elysium" in Bernau. Die Kollegen des Ostens machen am Himmelfahrtstag, den 24. Mai, eine Herreu'partic nach Erkner. Treffpunkt: Morgens?:/, Uhr, Schlesischer Bahnbos, Eingang Madaistraste. Für Nachzügler: 9t/, Uhr, Dampfer-Anlegestelle Erkner RnderSdorfer Schleuse. Die Moabiter Kollegen machen am Himmelfahrtstag, den 24. Mai, «ine Herrenpartie nach Oriinan, Treffpunkt: ö1/, bei P. Graes, Beuffel- straffi 44 a. Für Nachzügler: 8 Uhr, Grünau, Bahnhof-Restaurant, mittags 1 Uhr„Rübezahl". I»ie Ortsverwaltung. Nrhinng!"MZ iRT Äd).fu«ö! Maler, Lackierer und Berulsgen. Am Mittwoch, den S». Mai, abends 8t/, Uhr, im Lokal des Herrn Obst, Grunewaldstr. IIS: tae öffentlictie Versammlung für Sdiöneberg. Tagesordnung: 1. Weshalb sind wir verpflichtet, uns der GewerischastS-Organisation onzuschlieffen? cReferent wird in der Bersamutlung belannt gemacht). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Uni rege Beteiligung ersucht_„„. 126'5 Der Elnbcrnfer; E. de Prlece. Grobes Lager Möbd untl Polsterwaren-®cbiefleni Arbeil, äuherst billige M Preise, empsiehlt 4».. Reichenbergerftr. S. Auch Teilzahlung! l" Achtang, Ulaurer! TienStag, den SS. d. MtS., abends 8 Uhr, tm Victoriasaal, Perlcbergerstrafte Nr. 14: |p� Mitglieder Persammlnng WD des 137/13 Central-Verbands dentfcher Maurer für Moabit nnd Wedding. Tagesordnung: Vortrag. Diskusston. Verschiedenes. Um regen Besuch bittet_ Die VerdandsIeHnng. Achtung! VÄpkSr. Achtung! Am Mittwoch, den SZ. Mai, abends 6 Uhr, im Lokal des Herrn Stechert, Zlndreasstrafte S1: Mitglieder- Versammlung der Filiale Berlin. TageS-Ordnung: 1. Die Berufsgenossenschafte». Referent Reichstags- Abgeordneter Rosenow. 2. Gewerlschastlicbes. 195/15 Zahlreichm Besuch der Mitglieder erwartet Der Elllal- Vorstand. 's n ,uuuu.lgruF..uu, und Bcrnfsgenossen. Am Freitag, den SS. Mai, abends 8 Uhr, tm groften Saal deS GcwerkschaftShanfeS, Engel-Ufer IS: Grosze öffentl. Versammlung TageS-Ordnung: I. Vortrag deS Reichstags-Abgeordneten 4.» Rebel über:»Gewerk- schaftSbewegung und politische Parteien.« 2. Diskussion. 9S/3 Es wird gebeten, nicht zu rauchen. Gäste haben Zutritt. _ Die Ginbernfer: Br. Dübelt. N. Sahm. C. Borisch. Redartenr Gesuch. Zur Leitung des politischen Teils der.München« Post" wird ein wissenschaftlich gebildeter und journalistisch befähigter Redactenr per 1. Juli gesucht. Mit den bayrischen Verhältnissen betraute Bewerber werden be- vorzugt. 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Prospekte und nähere Auskunft durch die � Direktion sowie die Generalvertreter der Ge-&/ Seilschaft(siehe Folio 34 Annoncenteil des Berliner � Adressbuchs), ferner durch die Generalagentur der „Colonia" Herren Becker& Hahn, Taubenstrasse 30 und die Suhdirektion der Bayrischen Hypotheken- und Wechsel- Bank, Kochstrasse 53._ V liebste Woche! Wohifahrts- Geld-Lotterie. MM" Ziehung«- An fang schon 3t. Mal."ME Gewinne bar Mk. 100.000, 50 000 etc. Originalloose a 3,30 M. MM- 11 Stck.- 35 M."MM (Porto u.Liste 30 Pf. extra) empfiehlt die bekannte GlUckekollekte J. Kosenberg, Kommandantenstr. 51. Ecke AlexaiKli'lnenstruase. Kranisblnderel u. Ulunien- handliniB von{4084b* Robert Meyer, Xo.S. Marlnnnenstr. Vo. S. Widmungs-Kränze, Gutrlanden, Ball- stränstchen, BouquetS rc. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert S»el»»!tsie, Wamsectbocstc. 1,2, 1. Behandliiiig aller Haut-, Harn- und Blasenleiden ahne! jegliche Berussstörung. 3973L*| Sprechstunden 9—2 u. 5—9. 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Oranlen-Strasse 14 a(Heinrichsplatz). Oranien-Strasse 53 a(Moritzplatz). Reinickendorfer Strasse 2t(Weddingplatz). Rosenthaler Strasse 11—12. Schönhauser Allee 187(am Schönhauser Thor� Weiden weg 64(am Baltenplatz). Wilsnacker Strasse 57 (Eingang Dresse Strasse). Wrangel-Strasse 20. Welssensee: König-Chaussee 47b. 67048 Verimtwortlickier Redactenr: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. st. 117. i7. mrm. 3. KtllM des„Mmilrts" Kttlim UÄsdlM sww. 22 M'i tso». Kbgeordnekenhaus. 72. Sitzung vom Montag. 21. Mai, 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. v. Miguel, Frhr. v. Rheinbaben, v. Thielen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz- entwurfs über die Zwangserziehung Minderjähriger. § 1 lautet nach der Fassung deS Herrenhauses„Zwangserziehung im Sinne dieses Gesetzes ist die Erziehung verwahrloster oder der Verwahrlosung ausgesetzten Minderjähriger unter ösfentlichcr Aufsicht und auf öffentliche Kosten in einer geeigneten Familie oder in einer Erziehungs- oder Befferungsanstalt. Die Kommission hat diesen§ 1 gestrichen. Lsg. Frhr. v. Zedlitz(f): Mit dem vorliegenden Gesetz gewinnen die Vorgange der letzte» Tage in Berlin ein erhöhtes Interesse. An den Exceffen gegen die arbeitswillige» Strastenbahn- Beamten waren in großer Zahl solche jugendliche Personen beteiligt, deren Erziehung zu Bürgern eine der größten Aufgaben des Staats ist. Deshalb glaube ich. daß ich heute der Regierung schon eine Interpellation meiner Freunde ankündigen kann darüber, was sie zur ferneren Verhütung von Aus- schreitungen und Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung zu thun gedenkt. Vielleicht giebt heute schon der Herr Minister eine be- ruhigende Erklärmig ab. Minister Frhr. t>. Rheinbaben: Ich bin gern bereit zu einer solchen Erklärung, zumal an den Vorgängen, soweit es sich um Störung von Ruhe und Ordnung handelt, nicht nur Berlin, sondern das ganze Baterland Interesse hat. Auf die Frage der Lohndifferenzen zwischen der Straßenbahn und ihren Angestellten gehe ich nicht ein. Denn ich glaube, die StaatSregierung thut gut, an dem alten Grundsatz festzuhalten, daß die Austragung derartiger Lohnstrcitigkeiten de» Beteiligten zu überlassen ist. Nun haben aber die Angestellten der Straßenbahn bei ihren Versuchen, eine Lohnaufbefferung zu erhalten, einen'überaus bedenklichen Weg beschritten. Sie haben sich unter die Führung einer socialdcmokratischcn Gewerkschaft begeben und sich unter deren Leitung zu Forderungen bewegen laffen, die mit der DtsciPlin und Aufrechtrrhaltung der Ordnung nicht mehr Her- enibar sind» Wäre die Direktion auf diese Bedingungen eingegangen, so hätte die Aufsichtsbehörde prüfen müssen, ob sie nicht hätte dagegen einschreiten müssen. Für mich handelt eS sich darum, die öffentliche Ordnung allen Angriffen gegenüber unnach- sichtlich Mid nachdrücklich aufrecht zu erhaltend(Beifall rechts). In der Presse sind die Vorgänge vielfach falsch dargestellt worden. Der Krawall am Alexanderplatz spielte sich anders ab und der Umsturz deS Wagens in der Leipzigerslraße erfolgte nicht durch daS Publikum. DerWagen ist vonselbst aus denGeleisen gesprungen, derAnhängelvagen ist abgerissen, und dadurch sind die Scheiben in Scherben gegangen. Eine Demolierung hat ni ch t sta ttg e fun d e n.'Richtig ist dagegen, daß von einem Wagen von einen» Haufen Maurer die Pferde ausgespannt und anderswo hingeführt worden sind, und zwar auch in der Leipzigerstraße. Auch einige andre Ausschreitungen sind vorgekommen, es hat sich aber alles noch nicht amtlich feststellen lassen, denn was in solchen Tagen an schiefen Urteilen ge- leistet wird, übersteigt alles Glaubliche. Es wird da nicht mit einer, sondern mit zwei Brillen gesehen.(Sehr richtig!) Schon am Sonnabend hat eine schwere Ruhrstörung an manchen Platzen stattgefunden. Wir sind nicht überall in der Lage ge- wese», rechtzeitig dem entgegenzutreten.(Hört! hört! rechts.) Ern Pferdebahnnetz von der Berliner Größe läßt sich nicht so schnell ubersehen. Solche Ausläufe bilden sich meistens auch sehr rasch. Ich glaube aber doch sagen zu können, die Polizei hat bewiesen, daß sie ihrer Aufgabe gewachsen war und sie vorzüglich gelöst hat. Das Bedenklichste für mich war, daß unter dem Einfluß dieser Ausschreitungen der Verkehr schließlich eingeschränkt wurde und schließlich ganz gestockt hat, daß der Verkehr durch diese Excrsse lahmgelegt wurde.(Sehr richtig I rechts.) Das war eine Sache, die unter keinen Umständen geduldet werden konnte.(Sehr richtig!) Ich habe deshalb in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag mit dem Polizeipräsidium und der Straßenbahndirektion eine Konferenz abgehalten. Wir waren der Meinung, daß der Verkehr trotz aller Ängriffe wieder auf- genommen werden müffe, eventuell unter polizeilichem Schutz. Den ganzen Verkehr aufzunehmen war unmöglich. Dazu reichten weder Angestellte noch Polizeimannschaften ans. So ist der Verkehr gestern früh nur auf den 17 wichtigsten Linien aufrecht er- halten worden. Ich habe gestern mit dem Minister der öffentlichen Arbeiten die Hauptstrecken besichtigt, am Spittelmarkt, am Alexander- platz, und wir haben uns überzeugt, daß genügend Polizei zur Aufrechterhaltung des Verkehrs dort postiert war. Der Verkehr hat sich denn auch auf allen Linien ohne Störung vollzogen, bis auf die schweren Ausschreitungen am Rosenthaler Thor. Dieses Thor ermöglicht solche Ausschreitungen dadurch besonders, weil in den dort zahlreich einmündenden Straßen der Janhagel leicht in ansehnlicher Stärke einströmen kann. Auch dort ist die Polizei aber ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen ge- Wesen. Sie hat, als geschossen wurde und mit Steinen geworfen wurde, die Excedenten mit blanker Waffe zurückgedrängt.' Wenn dabei Personen verwundet wurden, so bedauere ich das, wir können es aber nicht ändern. Und ich kann hier nur die Bitte des Polizeipräsidiums wiederholen, daß das gesittete Publikum sich nicht an diesen Zusammenscharungen beteilige, denn die Polizei kann den Unschuldigen vom Schuldigen nicht unterscheiden. Auch die Presse sollte beruhigend, nicht alarmierend zu wirken suchen, und sich beim Polizeipräsidium erkundigen, ehe sie Nachrichten in die Welt setzt. Am gestrigen Nachniittag nahmen die Ausschreitungen einen Umfang an, daß wir zweifelhast waren, ob wir allen Anforderungen allein gewachsen sein würden. So hat denn«ine neue Konferenz unter Hinzuziehung der Schutzmannschaft und der Direktion statt- gefunden. Das war wohl die Veranlassung zu dem ZettnngSgerücht, ich hätte angeordnet, daß um 7 Uhr der Betrieb einzu- stellen sei. DaS ist schlechterdings nicht der Fall. Denn eine derartige Parteinahme zu Gunsten der Streikenden habe ich mir und werde ich mir nicht zu Schulden kommen laffen. (Stürmischer Beifall rechts.) Die Sache liegt so. daß wir in der Konferenz uns sagten, es sei zweckmäßig, den Betrieb von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends aufrecht zu erhalten und dann ein- zustellen, damit die noch fahrenden Angestellten und auch die Schutz- leute nicht zu sehr überanstrengt würden. ES ist schwer für die Schutzmannschast, einer solchen johlenden Menge gegenüber den ganzen Tag die Ruhe und Besonnenheit zu bewahren. Gerade in solchen Tagen kommt es darauf an, die Leute körperlich frisch zu halten. Dann aber wurde erwogen, ob wir nicht vielleicht die Heranziehung erhöhter Machtmittel zum Schutz der öffentlichen Ordnung und staatlichen Autorität in Aussicht nehmen sollten. Ich hoffe» daß die Polizei allein allem Ansturm die Stirn zu bieten in der Lage sein wird. Aber ich must auch für den Fall gerüstet sein, hast die Polizei den Excedenten nicht mehr gewachsen ist. Ich habe deshalb mit den militäri- schcn Befehlshabern eine Konferenz abgehalten. Die nötigen Truppenteile sind konsigniert, um, falls die Schntzmannschaft nicht ausreicht, mit bewaffneter Macht einzuschreiten.(Frenetischer Beifall rcchtö.) Ich hoffe, das Einschreiten der bewaffneten Macht wird nicht nötig sein, aber sollte es der Fall sein, so muß auch rücksichtslos einzuschreiten die Möglichkeit gegeben sein. Ich hielt mich für verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen die nötigen Anord- nungen zu treffen. DaS wa.-mr Interesse der öffentlichenS-cherheit geboten. Ich'hoffe, wir werden die letzte Möglichkeit nicht erleben, aber wir haben die Pflicht zu zeigen, daß wir dem Janhagel gegenüber Herr im Hanse sind und daß wir jeden zu Boden werfen, der der Majestät des Gesetzes entgegenzutreten wagt.(Langandauernder lebhafter Beifall rechts.) Abg. Kirsch(C.): Wir können wohl alle dem Herrn Minister für seine Erklärung dankbar sein. Ich hoffe, daß sich die Presse nunmehr von allen alarmierenden Nachrichten fern halten wird. Ich habe eS selbst erlebt, daß auS dem Publikum den Arbeitswilligen zugerufen wurde:„Familie Streikbrecher". Mir ist es zweifelhaft, ob die Polizei wirklich überall auf der Höhe ihrer Aufgabe gestanden hat, insbesondere, ob der Erlaß an den Säulen in zweckentsprechender Form abgefaßt worden ist. Abg. Graf v. Limburg-Stirnm(k.): Ich möchte doch den Schein vermeiden, der erregt wird, wenn das HauS hier die Sache so formlos bespricht. als daß eS etwa an der Aufregung teilnehme, die anscheinend weite Kreise Berlins ergriffen hat.(Unruhe links und im Centrum.) Die Bemerkungen des Ministers scheinen mir volfl kommen korrekt zu sein. Wir haben die Auffassung der Staatsregierung für selbstverständlich gehalten und waren auch der Meinung, daß das Polizeipräsidium diese Auffassung teilen würde und daß es nicht nötig gewesen wäre, dies noch extra zu sagen.(Lebhafte Unruhe links und Widerspruch.) Dem Janhagel kann nur mit größter Energie klar gemacht werden, daß er nichts erreicht, dem Publikum, daß es sich in Gefahr begiebt, wenn es sich nicht fern hält. Wenn das geschieht, kann sich niemand beschweren, wenn er sich einen blutige» Kopf holt.(Zustimmung.) Aber ich wiederhole, wir haben das für eine selbstverständliche Sache gehalten und bedauern, daß dieserhalb die Tagesordnung aufgehalten worden ist. Minister v. Rheinbaben: Ich danke dem Vorredner für sein Vertrauen zur Staats- regierung: ich glaube aber doch, es war meine Pflicht, auf eine Anfrage' aus dem Hause zu antworten.(Lebhafte Zustimmung.) Ich meine, das dient nicht blos zur Beruhigung des Hauses, fondern auch deS Publikums.(Beifall.) Dem Abg. Hirsch erwidere ich. daß am Rosenthaler Thor LS Schutzmannschasten zusammengezogen waren und wenn der Herr Abgeordnete den Wortlaut der Proklamation bemängelt, so bin ich nicht ihr Vater, halte ihren Inhalt aber für gerechtfertigt. Unter den Menschenmassen am Rosenthaler Thor befanden sich viele Kinder und Frauen, und es war vom Polizeipräsidium richtig, daß eS die Väter, die Eltern darauf aufnierksam machte, welcher Gefahr sich ihre Kinder aussetzten. Zu redaktionellen Kunststücken in der Fassung war übrigens, glauben Sie mir, keine Zeit.(Heiterkeit und Beifall.) Abg. Rickert(frs. Vgg.): Wir halten eS nicht für zweckmäßig. nach den Erklärungen deS Ministers und da wir in alle Details nicht eingeweiht sind, jetzt schon»»ach irgend einer Richtung Kritik zu üben. Wir behalten unS alles Weitere vor.(Beifall.) Abg. Dr. Sattler(natl.): Kritik will auch ich nicht üben, allein die Besprechung solcher Krawalle halte ich in der Volksvertretung für natürlich. Andrerseits halte ich die feierliche ofstzielle Erklärung des Ministers, die ich durchaus billige, für erwünscht. Ich stimme ihm zu. daß die StaatSregierung sich in den Lohnkampf selbst nicht einmischen darf, daß sie aber die Ordnung energisch aufrecht erhält. Auch darin bin ich einverstanden, daß man den Verkehr der Straßenbahnen so wenig als möglich sistieren läßt. Die Polizei hat sich an den Kaiscrtagen gut bewährt, sie wird es auch jetzt thun. Es kann im Interesse der Streikenden und ihrer Forderungen nichts schädlicher sein, ol» wenn eS noch mehr Excesse giebt. Die Aufrechterhaltung der Ordnung liegt gerade also im Interesse derer, die sich im wirtschaftlichen Kampf befinden.(Beifall links.) Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Von niemanden, hier werden die Excesse gebilligt werden. Wir hätten aber allerdings gewünscht, daß die Straßenbahn-Gesellschaft mit ihren Angestellten zur Einigung gekommen wäre. Es muß betont werden, daß gerade diese Gesellschaft keine Sympathie iu Berlin genießt. (Unruhe rechts.) DaS drückt sich auch in der allgeineiiien Erregung auS, die nicht bloß die beteiligten Arbeiter, sondern die weitesten Kreise der Bevölkerung ergriffen hat.(Große Uiinihe. Rufe rechts: Woher wissen Sie das?) Ich meine, die Aufgabe der Regierung wäre auch gewesen, eventuell zu prüfen, ob die' Forderungen der Angestellten zu billigen sind oder nicht. Die Ruhe mutz aufrecht erhalten werden. Ich kann die Polizei nur bitten, milde aufzutreten und dadurch versöhnend einzuwirken.(Lachen rechts.) Mit einer allzu- großen Schneidigkeit kann man leicht das Nichtgewollte erreichen. Wir haben doch alle den Wunsch, daß alles ruhig abgeht. Die Angestellten haben sich an das Gcwcrbegericht alö EinigungSamt gewandt. Die Gesellschaft ist bedauerlicherweise darauf nicht eingegangen.(Große Unruhe rechts.) Ich meine, in einem solchen Fall inüßle alles gcthan werden, um den Frieden herzustellen. (Beifall links.) Eisenbahnminister v. Thiele«: Ob die Berliner Straßenbahn-Gesellschaft Sympathien hat oder nicht, darauf kann es in diesem Fall absolut nicht ankommen.(Sehr richtig! rechts.) Es find zweierlei Forderungen gestellt: einmal die Lohnforderungen, und zweitens solche, bei denen es sich um die Disctplin dreht. In der Lohnfrage ist die Gesellschaft so weit als irgend möglich entgegengekommen. Die Differenz zwischen dem Gefordetten und Bewilligten ist hier durchaus gering- iigig. Doch dagegen(mit lauter Stimme) ist mit meinem vollen Wiffen und meiner vollen Billigung die Gesellschaft allen Forderungen entgegengetreten, die sich auf die Ordnung und auf die DiScipltn bezogen. Es sind Forderungen gestellt, mit denen keine Verkehrs anstatt ihre Auf- gaben erfüllen kann. Die Staatsregicrung würde in die Lage gekommen sein, zu prüfen, ob sie bei Bewilligung der Forderungen äurch die Direktion nicht ihrerseits hätte einschreiten müffe». DiefGe- sellschaft ist auf diese Forderungen mit vollem Recht nicht eingegangen. In dieser Beziehung mußte eine Einigung abgelehnt wurden. Das Gewerbegertcht ist für Straßenbahnen nicht fzuständig. Es sind eben andre Rücksichten, die bei den An- gestellten der Verkehrsanstaltcn durchgeführt werden müssen, wie bei neu Angestellten jedes andern Betriebs.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Rewoldt(fk.): Meine Freunde halten eS für selbstverständlich, eine solche Sache hier zur Sprache zu bringen. Die Erklärungen deS Ministers haben uns m ihrem sachlichen Inhalt voll befriedigt. Abg. Dr. Hirsch(fts. Vp.. mit Unruhe empfangen). giebt die Erklärung ab. daß seine Partei mit der Regierung darin einverstanden ist, daß keine Einmischung in den wirtschaftlichen Kampf tattfinden soll. Im gegenwärtigen Stadiuin halte sich die Partei nicht für befugt, irgend ein Urteil über den Streik abzugeben. . DaS HauS geht nunmehr wieder zur Beratung über die Bor- läge der Zwangserziehung über. Vevssrnnttlungen. Der Wahlverein für den ersten KreiS hielt am Dienstag die Generalversammlung für daS letzte Halbjahr ab. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt ein Vortrag deS Genossen Paul Hirsch über daS neue Kommunalwahlgesetz. Der Redner sagte, eS sei bedauerlich, daß, obgleich dies Gesetz sich ausgesprochener- maßen gegen die Socialdemokratie richtet, dennoch von unsrer Partei keine Protestbewegung gegen dasselbe eingeleitet worden ist. Ein lebhafter Protest wäre um so mehr am Platze gewesen, als die Socialdemokratie von der Vertretung im Abgeordnetenhause und damit von der unmittelbaren Einwirkung auf diese Vorlage aus- geschloffen ist. Nachdem der Redner die Materie des Gesetzes eingehend besprochen hatte, kam er zu dem Schluß: die Kommu»alwahl-„Reform" habe trotz ihres schlechten Zwecks das eine Gute gehabt, jedem, der nicht abstchtlich Augen und Ohren verschließt, zu zeigen, daß an dem Kommunal-Wahlgesetz überhaupt nichts gebessert werden kann. Diese Einsicht werde die Zahl der Gegner der Klassenwahl hoffentlich vermehrt haben.— In der Diskussioii. an der sich Bohn, Kaliske, Täterov und Mörschel beteiligten, wurde der reaktionäre Charakter des Kommunal-Wahlgesetzes scharf gekennzeichnet. Hierauf erstattete der Vorfitzende Felgentreff den Bor- standsbericht für daS abgelaufene Halbjahr vom 1. Oktober v. I. bis 31. März d. I. ES haben 4 Versammlungen stattgefunden, die nur schwach besucht waren. Eingetreten sind 10 neue Mit- gliedcr. Um Material für die Diskussionen an den Zahl- äbenden zu haben, hat der Vorstand 1000 Exemplare deS Parteiprogramms angeschafft.— Nach dem vom Kassierer Oppel erstatteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen 4S3,S0 M., die Ausgaben 385,05 M., bleibt ein Bestand von 68, 4b M. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt und dann die Neuwahl deS Bor- stands vorgenommen, die folgendes Resultat hatte: 1. Vorsitzender Felgentreff, 2. Vorsitzender Richter. 1. Kassierer Oppel. 2. Kassierer Ege, 1. Schriftführer Wetzel, 2. Schriftführer Wolf, Beisitzer Bolz- mann. Revisoren Kubat und Dressel. Im socialdemokratischen Wahlverein deS dritten Berliner Reichstags- Wahlkreises sprach am Donnerstag Reichstags- Abgeordneter R o s e n o w über„Junkertum, Industrie und Arbeiter- klaffe im Kampf um die HandelsvertragS-Politik". Nach einem kurzen Streifzug in das Gebiet der lox Hemze, die augenblicklich im Vordergrund des Interesses steht, wandte sich der Vortragende seinem eigentlichen Thema zu. Er führte aus, daß zwischen Centrum und Junkertun, ein Abkommen getroffen sei, wonach letzteres seine Unter- stützung für die le* Heinz« dem Centrum. dieses aber den Junkern für ihre agrarischen Forderungen: Fleischbeschau-Gesetz, Getreide- zölle zc. seine Mithilfe zugesagt habe. An der Hand eines reichhaltigen Material» wie» der Referent nach, daß das Deutsche Reich sich von einem Industriestaat, der für den Binnenmarkt produzierte, zu emem Expott-Jnduftriestaat für den Weltmarkt entwickelt habe; ein Absatz der Jndustrieprodukte lasse sich nicht durch militärische Rüstungen, sondern nur durch eine kluge Handelsvertragspolitik sichern. ' Es unterliege keinem Zweifel, daß die nächsten Kämpfe um die wndelspolitik von schwerwiegendster Bedeutung würden, indem daS juufettum heute schon mit'allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln versuchten, den Abschluß der Verträge tm Sinn ihrer LiebeSgaben- politik herbeizuführen. Redner schildert eingehend die Gefahren dieser Junkerpolitik, die dahin gehe, einer Hand voll Junkern hohe Preise für ihre Produkte auf Kosten der Allgemeinheit zu sichern, dem Volke aber die wichtigsten Lebensmittel in unerhörter Weise zu verteuern und damit seine Lebenshaltung noch viel mehr als dies jetzt schon der Fall sei zu verschlechtern. Die Arbeiterklasse und die Industrie hätten die gleichen Interessen bezüglich der Handelsverträge und gemeinsam den Kampf gegen daS Junkertum in dieser Frage aufzunehmen. Di« Socialdeinokratie werde, wie immer, auch in diesem Falle daS Wohl der Gesamtheit im Auge behalten und die unersättliche Habgier eine? beutegierigen Junkertums mit aller Energie bekämpfen. Eine Diskussion knüpfte sich an den mit lebhaftem Beifall auf« genommenen Vortrag nicht. Nachdem der Borsitzende noch darauf aufmerksam gemacht hatte, daß am Himmelfahrtstage ein Ausflug nach Schildhorn stattfindet� wurde die Versammlung geschlossen. Eine fchwachbesuchie Versammlung der Mnfikinstrnmenten- Arbeiter tagte am Dienstag in GraumannS Salon. Der bisherige Vertrauensmann Arndt erstattete zunächst den Kassenbericht über den Streikfonds für das verflossene Jahr(bis 1. Februar 1800). Die EiinlohmeN betrugen 856,30 M., die Ausgaben 587,15 M.(darunter 200 M. an die dänischen Arbeiter, 200 M. an die lokalen Töpfer, 50 M. an die Solinger Messerschläger), bleibt ein Bestand von 250,33 M. Di« Kasse des VertrauensmaimS hatte eine Einnahme von 266,55 M. und eine Ausgabe von 227 M.. bleibt ein Bestand von 39,55 M. Der Streikfonds vom 1. Februar 1900 bis 14. Mai 1000 weist an Einnahme 2331,60 Mark und an Ausgabe 2196 Mark auf; bleibt Bestand 135,60 Mark. Hierauf wurden dem bisherigen Vertrauensmann für das verflossene Jahr 2 Proz. der Einnahm« als Entschädigung für seine Thätigkejt bewilligt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung schlägt Arndt die Einführung einer einheitlichen Streikmarke ftir daS Sammelwescn vor. Picpenhogen und Böttcher stinimen dem Vorschlag zu Mid stellt crstcrer den Änttag, eine einheitliche Streikmarke a 20 Pf. einzu- führen. Nach einer langen Debatte wird der Antrag Piepenhagcn abgelehnt, damit bleibt das Saminclwesen in seiner jetzigen Form bestehen. Nunmehr wird als BertrauenSniann— da Arendt eine Wiederwahl ablehnt— Piepenhagen einstimmig gewählt. AIS Stellvertreter wird Kleiulein ernamtt. Dem Vertrauensmann werden 2 Proz. der Einnahme als Entschädigung gewährt. Die Kassenführung haben nunmehr die Revisoren de« Fachvereins zu kontrollieren. Den streikenden Holz- und Bretter« trägern wurden 50 M. als Unterst>1ß, mg gewährt. Die Sattler und verwandte» BrrnfSzenoffen waren am Donnerstag in starker Anzahl im Ge>ver:ichaM>�WWWMW»WI�WWSWWMWWBSB TrinUtvomFassl% * Goldklares Weissbier- aus der Weihbier-Brauerci„Kriedrichstadt" Julius Horsdorf, Neue Königslrasse Ho. B1J32. Es ist das beste Weißbier.— Verfälschung unmöglich! Ausschauk-Lokale: SednUsr.«, Franksurterstr. 5. Maass, Frankfurter Allee 109. Pfantech, Thaerstrabe 34. SchUpp, Neue Kimigstrabe 36. Schmidt, Am Friedrichshain 31. Köpnlck, StfilllitiBfit. 30a. Krüger, Aiidrcasstr. 44. WelUisch, SUeyanberflr. 24. Ewald, Schönleinstr. 6. Kunz, Gröben-Ufer 1. Schatz, Lübbcnerstr. 16. 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Druck und Verlag von Mm Pading in B-rluu