Verlag; Karlsbad, Haws„Graphia*— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite (Munil sesen Hltler-Deutscliliiiiil Wiedererstehen der Entente Mr. SS SOMMTAG, lt. JdK t9U Aus dem Inhalt; Der Zusammenbruch der Retter Dos blutige Vorbild Der Tod des AntispieUbürgers Im Zickzack-Kurs dem Abgrund zu! zosisch-englischer Aufmachimg serviert wird, ist ursprünglich in Rußland vorgeschlagen worden, um mit ihm die deutschpolnische Ostpolitik zu durchkreuzen und ihren Imperialismus zu demaskieren. In Berlin und Warschau— in Berlin mehr als in Warschau— wurden phantastische Pläne gesponnen, deren Ziele die Ukraine und die baltischen Staaten waren; nun schlugen die Russen Deutschland einen neuen Pakt vor, der den Bestand der baltischen Staaten garantierte. Deutschland lehnte ihn kurzerhand ab. Jetzt erlebt es, daß Frankreich und England den russischen Vorschlag in leichtveränderter Form, aber mit unverändertem Hauptinhalt noch einmal vorlegen! Nochmalige Ablehnung bedeutet Festigung«der neuen französisch-englisch-russischen Zusammenarbeit.- Annahme aber bedeutet eine diplomatische Kapitulation ohnegleichen, eine Kapitulation überdies, die nicht einmal etwas nützen kann. Denn der Sinn der neuen Paktbestrebungen ist ja eben der Zusammenschluß der Mächte gegen Hitler-Deutschland, von dem man befürchtet, er würde mit der gleichen bestialischen Mordlust, die es jetzt im Inland betätigt, eines Tages auch Uber das Ausland herfallen. Man kaschiert den neuen Weltbund gegen Deutschland mit diplomatischer Höflichkeit, indem man Deutschland einladet, an ihm teilzunehmen! Man müßte Herrn B a r t h o u, den Leiter der französischen Außenpolitik, für einen Hexenmeister halten, wenn man nicht wüßte, wie viel Glück er bei seiner Arbeit gehabt hat. Er hat eben das große Glück gehabt, gegen Deutschland spielen zu dürfen in einer Zeit, in der dieses unglückliche Land wieder einmal einem seiner periodischen Schwachsinnsanfälle unterlegen ist. Wenn Barthou gegen Hitler-Neurath-Rosenberg Außenpolitik macht, dann ist es ungefähr so, wie wenn der Weltschachmeister mit drei Dorftrotteln Schach spielt. Der vorläufig letzte Glücksfall für Herrn Barthous Außenpolitik war der große Kameradenmord vom 30. Juni. Er hatte zur Folge, daß zur gleichen Stunde, zu der der englische Botschafter in Form des Ost- locamovorschlags der Berliner Regierung das Wiederaufleben der Entente notifizierte, der amerikanische General Johnson von den„halbtrunkenen Wilden" sprach, die zurzeit Deutschland regierten. Kaum haben sich die„Allüerten" wieder gefunden, so gibt auch schon der große „Assozüerte" der Versailler Friedenskonferenz seine Visitenkarte ab. Hitler tut Wunder! Die Wahrheit spricht sich heru Die Regierung sagt: Maul halten! Die innerpolitischen Kämpfe Hitler- Deutschlands dürfen den Blick nicht ganz ablenken von dem Felde der Außenpolitik. penn dort vollziehen sich jetzt Dinge, die im Endeffekt vielleicht noch wichtiger sind als die kinodramatischen Schießereien im braunen Verbrecherkeller. Im Weltkrieg batte Deutschland einer zusammengeballten militärischen, moralischen und wirtschaftlichen Macht entgegengestanden, wie Sle noch nie gewesen war, und wie sie— so hätte man glauben sollen— nie wieder sein würde. Nur der politische Schwachsinn, der in Deutschland endemisch ist, konnte jener Macht gegenüber einen„Sieg- frieden" für möglich halten, in Wirklichkeit war der Zusammenbruch vom ersten Tage an mit Sicherheit vorauszusehen, falls es nicht kluger Politik gelang, einen Not- ausgang zu finden. An dieser aber hat es Sriindlich gefehlt. Erst die Republik begann aus den furchtbaren Erfahrungen des VV ilhelmismus Lehren zu ziehen. Ihr gelang «s, Deutschland allmählich aus der Isolie- zu befreien.„Nie wieder Entente ge- gen Deutschland!" das war das Ziel ihrer Außenpolitik. Von den mühsam errungenen Erfolgen �ermann Müllers, Rathenaus ünd Stresemanns hat Neurath noch lange Zeit profitiert. Trotz allen Herausforderungen schien es, als sei der Mechanismus des alten Bündnissystems ein für nllemal zerstört und es sei unmöglich, ihn �sgen Hitler-Deutschland in Gang zu bringen. Frankreich hatte in seiner Rüstungs- Politik England zum offenen Gegner, Itaken lag anscheinend von vornherein auf •ler anderen Seite, und der polnische Bun- �ssgenosse vollzog mit dem Warschau- Berliner Freundschaftsvertrag eine Demon- stration gegen Paris. Infolgedessen begann auch in Jugoslawien nachdenklich zu Verden; die Frage des Anschlusses Oester- reichs an Deutschland, die damals im Vor- kergrund stand, schien in Belgrad nicht so Richtig und keinesfalls die Knochen eines jugoslawischen Soldaten wert. Frankreichs Situation war alles eher als angenehm. �ie hat sich das alles seitdem geändert! lo Erfolge, die die französi- ®cke Außenpolitik in wenigen ouaten errungen hat, ersehe i- JP® n fast wie ein Wunder. Der j�umphreise Barthous in die Hauptstädte er Kleinen Entente folgt die dramatische oberraschung der wieder auferstandenen j�Änzösisch-russischen . Kundschaft. Eine Steigerung des fekta scheint kaum mehr möglich, den- 0ch erfolgt sie: Frankreich gewinnt E n g- aöd für die Hauptlinie der neu- ea französisch-russischen Osteuropa-Politik, und nun kann auch «dien nicht anders als grundsätzlich zuzustimmen. Die Welt gruppiert sich um �rankreich, als tragikomisches Gegenstück �oheinen Hitler-Deutschland und Pilsuds- �"polen in zärtlicher Verschlingung— uolich allein! Eine diplomatische Possen- � Uatäon, die natürlich längst verschwun- *a sein wird, wenn der Vorhang wieder Jp�bt! Polen ist ja noch immer Frank- lehs Verbündeter. Es hat sich die auf- r�gbeh angebotene Hilfe Deutschlands , eilen lassen,"in seine Stellung zu stär- u. es wird sich für einen billigen Preis rechten Stunde wieder daran erinnern, 68 Erankreichs treuester Alliierter ist. � ple außenpoütische Situation der Stun- eine Folge der deutsch-polnischen �four. Der Ostpakt, der jetzt in fran- In Deutschland raunt und wispert es, Gerüchte geben von Mund zu Mund, kommen nicht zum Schwelgen, und die Regierung— wundert sich. Es Ist doch eigentlich gar nichts geschehen, nicht wahr? Ein paar Dutzend, vielleicht ein paar hundert Menschen sind erschossen worden, die genaue Piahi scheint noch nicht einmal den Exekutoren selbst bekannt zu sein. Ist das etwa ein Grund, sich aufzuregen? Es leben in Deutschland Tausende, die seit dem 30. Juni einen oder den anderen Verwandten, Freund oder Bekannten vermissen und es nicht wagen, Nachforschungen nach seinem Verbleib anzustellen. Ist das ein Grund, sich zu beunruhigen? Die Regierung findet: nein! Die Regierung findet: wenn das Volk seit dem 30. Juni nicht zur Ruhe kommt, so sind nur die dreimal verfluchten Miesmacher daran schuld, denn unter normalen Umständen— findet die Regierung— gehen ein paar hundert Er- schleßungen mehr oder weniger die Bevölkerung garnlchts an. Und weil die Regierung dieser Ansicht ist, und weil sie deshalb und aus anderen Gründen es nicht für nötig hält und nicht für gut befindet, endlich die Namen der Getöteten zu nennen, müssen die Polizel- und Propagandastellen aller Länder, Städte und Nester mit ganzer Kraft versuchen, das unterirdische Gemurmel durch Drohungen zum Schwelgen zu bringen. Das Leipziger Polizeipräsidium gibt bekannt: „Weiterhin werden von einzelnen Quertreibern Beunruhigung und Besorgnis in die Bevölkerung hineingetragen. Immer wieder tauchen an allen Ecken und Enden Grüchte auf, daß in Leipzig Männer in hervorgehobener Stellung verhaftet oder gar(oder gar! d. Red.) erschossen worden sein sollen... Das Polizeipräsidium steht auf dem Standpunkt, daß jeder, der Gerüchte erfindet oder verbreitet, die öffentliche Ruhe und Sicherheit gef&rdet. Das Polizeipräsidium wird mit diesen Gerüchtemachern entsprechend verfahren." Und die Mordfahndungsstellen werden es in Zukunft schwer haben, denn niemand wird wagen, ihnen mit Auskünften zu dienen. Weiß man denn, ob der jeweilige Mord ein gewöhnlicher Mord oder ein amtlicher war? Und wenn es ein amtlicher war, was kann einem alles geschehen, wenn man sich hln- einmengt? Hände weg von aufgefundenen Leichen! Der Leiter der Staatspolizei Frankfurt a. M. gibt bekannt: „Verschiedene Vorfälle haben gezeigt, daß von staatsfeindlicher Seite Bestrebungen im Gange sind, durch Gerüchte, zum Teil der unsinnigsten Art, Unruhe In die Bevölkerung hineinzutragen. Ich warne noch einmal vor Verbreitung derartiger Gerüchte und werde rücksichtslos und mit aller Schärfe gegen derartige staatsfeindliche Elemente vorgehen... gez. Beckerle, Polizeipräsident." In der„Oberlausitzer Tagespost"— amtliches Nachrichtenorgan der gesamten Oberlausitz und bewegungsamtliches Organ der NSDAP, Gau Schlesien,— steht zu lesen: „Jede Sicherungsmaßnahme, die aus ataats politischen Gründen getroffen werden mußte und die für die meisten der Betroffenen keinerlei Ehrenkränkung, sondern eben lediglich eine Sicherungsmaßnahme bedeutet, ist für die Schwatzhaftigkeit jener Menschen Anlaß zu einem Greuelmärchen. Wenn der Führer die Zeit für gekommen hält, dann wird das deutsche Volk erfahren, wer der strafenden Gerechtigkeit zum Opfer gefallen ist. Dummköpfe und Schwatzhafte aber haben gefälligst den Mund zu halten." So nebenbei erschossen zu werden, ist also im Dritten Reich keinerlei Ehrenkränkung, wm den Angehörigen zum Tröste gereichen wird. Die„Laodeastelle Sohlesien des Retchs- Sdmld und Sühne Den dentaohen Richtern gewidmet! 1 Ein hervorragender deutscher Jurist schreibt uns: Das juristische Studium gibt keine Gewähr für die Veredelung derer, die ihm obliegen. Zu allen Zeiten haben schurkische Machthaber Subjekte gefunden, die den hohen Namen des Richters besudelt haben, indem sie sich dazu hergaben, die Verbrechen ihrer Auftraggeber mit der Form des Rechtes auszustatten. Man denke an die Stemkammer des furchtbaren Jeffreys aus der Zeit Jakobs II. von England, die Demagogenverfolgung Kamptz, Schmalz und Dambach. Diesen Männern reiht sich ein großer Teil der Richter des Dritten Reiches würdig an. In den Jahren der Republik war die Verleumdung demokratischer Würdenträger der Lieblingssport der Nazi. Jeder sucht sich zu verschaffen, was ihm fehlt, deshalb wollten die Göbbels, Rosenberg, Streicher und Genossen jenen Männern die Ehre nehmen. Riefen die Geschmähten den Richter an, so konnten sie etwas erleben. Das Verfahren wurde nach Möglichkeit verschleppt, den unsinnigsten Beweisanträgen des Buschuldlgten wurde stattgegeben In der Hoffnung, daß viel- I I mlnlateriums für Volksaufklärung und Propaganda" hält es für nötig, mitzuteüen, daß „dringend von der Abfassung und Absendung anonymer Hstzschreiben gewarnt wird. „Glaube niemand, daß es bei Anwendung modernster kriminalistischer Methoden nicht möglich sei, auch raffiniertest vorgehende anonyme Briefschreiber zu ermitteln." Man sieht: im totalen Staat herrscht ein totaler Wirrwar. Die Regierung weiß nicht, wer alles erschossen worden ist und wieviele Privatrachen um den 30. Juni herum ausgetragen wurden, darum schweigt sie. Die Bevölkerung weiß manches— darum muß sie schwelgen. Es herrscht soviel Ruhe und Ordnung in Hitlers Gangsterland, daß man sich gar nicht die Mühe nimmt, die Toten zu zählen — es werden demnächst ohnehin mehr werden.— Wer sich wundert, wird erschossen! Gangster frei.., Fette Ueberschriften in einer Berliner Zeitung: „Kriminalpolizei an der Arbeit— Berlin ist gangster fr ei!" Gangsterfrei— aber nur bis auf die Wilhelmstraße! Allgemeine Lufiwehrpflldht Der Ortsgruppenführer L e m 1 e r des Reichsluftschutzbundes, Ortsgruppe Fürth, stellt öffentlich fest, daß einzelne Personen, die er zur Mitarbeit aufgefordert hatte, den Dienst verweigert hätten mit der Begründung, es bestände für sie keine gesetzliche Pflicht. Dazu bemerkt er:„Ich betrachte jede derartige unbedingte Weigerung als Vergehen wider Volk und Staat und werde diesbezüglich einschreiten," leicht doch ein tragsteUer abfallen könnte. Ucö schließlich die HauptverhanÄme afch» nicht länger hinauszögern ließ and die Grundlosigkeit der erhobenen Anwürfe sonnenklar war, bemühte sich das Gerloht, den Angeklagten durch Anbahnung rfnee Vergleiches vor der verdienten Strafe zu bewahren. Gelang das nicht, so wurde über den Sünder, auch wenn er sich den Vorwurf des Landesverrates, des Diebstahls, der Unterschlagung, der Bestechung aus seinen Schmutzfingern zugezogen hatte, in der Regel nur eine mäßige Geldstrafe verhängt, die sich bei der Schwere der Tat wie eine Prämie ausnahm. Jetzt ist es in Deutschland anders geworden. Wer eine Nummer einer verbotenen Zeitung besitzt, wer die Nachrichten eines verpönten Auslandsenders abhört, wer mit marxistischen Gesinnungsgenossen politische Dinge bespricht und daraufhin zusammen mit ihnen wegen\ erstoßes gegen das Verbot der Neubildung von Parteien angeklagt wird, der lernt die deutschen Richter kennen. Selten zeigt sich bei einem von ihnen die Spur einer Empfindung dafür, daß die Gesetze, die ein solches Tun unter Strafe stellen, die elementarsten Menschenrechte antasten und nur von Sadisten ausgeheckt sein können. Niemand verlangt von ihnen, daß sie dieses nun einmal vorhandene„Recht" zugunsten der Angeklagten beugen; seine Beseitigung muß auf anderem Wege erfolgen. Wären sie aber anständige Menschen, so würden sie sich, wenn eine Freisprechung aus tatsächlichen Gründen unmöglich ist, auf die Verhängung der wahrlich genügend hohen Mindeststrafen beschränken. Statt dessen werfen sie, oft unter feigen, niederträchtigen Schmähungen gegen Männer und Frauen, die die Spitzel Hitlers und Görings vor ihre Schranken gezerrt haben, die zulässigen höchsten oder doch ihnen nahekommenden Strafen aus. Das Furchtbarste aber sind die zum täglichen Brot dessen, was sich in Deutschland Justiz nennt, gewor denen Mordprozesse, die neben ande ren Untaten die Stelle der Sullanischen Proskriptionen vertreten. Mit Hilfe der Konstruktion einer Mittäterschaft haben deutsche Richter in Altona, Hamburg, Berlin. Köln, Düsseldorf, Dessau und anderwärts Todesurteile gefällt, die ein schlagender Beweis für die grenzenlose V erwilderung ihrer\ erf asser sind. Ist bei einem Zusammenstoß zwischen Nazi und Marxisten einer der letzteren umgekommen, so steht für die, die jetzt in Deutschland zur Rechtsprechung berufen sind, von vornherein fest, daß die Nazi in Notwehr waren. Hat aber einer von diesen das Leben eingebüßt, so ist es für die Richter ebenso zweifellos, daß der Getötete das Opfer nicht einer Affekthandlung, sondern eines Mordes gewesen ist. Nun ist es bei turbulenten Zusammenstößen zwischen erregten politischen Widersachern meistens nicht möglich, denjenigen ausfindig zu machen, von dem die tötliche Verletzung herrührt, oft sogar nicht einmal, ob sie von einem Freund oder Feind zugef ügt ist. Aber kann in einem Land, in dem ein zweijähriges Kind zur Strafe für die politischen Sünden seines Vaters in Haft genommen wird, die Erreichung eines löblich erscheinenden Zieles durch ein unzulängliches Beweisergebnis vereitelt werden? Wozu gibt es den Begriff der Mittäterschaft? Die Gerichte stellen tatsächlich fest; a) daß der bei einem Raufhandel getötete SA-Mann X einem Morde zum Opfer erefallen ist, b) daß die sämUlchen Angehörigen der Schar, aus der heraus ihm die todbringende Verletzung beigebracht worden sein sol., Teilnehmer an der Mordvorbereitung waren, o) daß Insbesondere derjenige, der das Leben des X vernichtet hat, überzeugt war. im Einvernehmen mit den anderen zu handeln, und daß dieses Einverständnis tatsächlich bestanden hat. Das sind willkürliche Annahmen, denn wie soll jemand zu sagen imstande sein, welche Umstände ein unbekannt gebliebener Mann in seinen Willen aufgenommen hat! Aber mit solcher„Begründung" kann man beliebig viele Unglückliche, die wider Willen Zeugen einer Tötungshandlung geworden sind, zu Mitschuldigen stempeln. In einem seiner Erlasse hat R ö h m der SA versprochen, sie zu decken, wenn sie zur Sühne für den gewaltsamen Tod eines ihrer Leute bis zu zehn politische Widersacher abschlachteten. Dasselbe Ergebnis wird durch solche Urteile erreicht. Denn die Richter wissen genau, daß aie die Menschen, die sie als angebliche Mittäter bezeichnen. dem Schafott überliefern und sie wollen es so. Auf Gnade können heutzutage In Deutschland allenfalls Raubmörder rechnen, wahrscheinlich aus Gründen der Wahlverwandtschaft. Zwei Beispiele zllHskwssion verboten« aber geflüstert wird dodi! her dto HMerrede sind verboten. Der Mann de« 30. Juni Ist unfehlbar, sein WtUe das oberste Gesetz, sein Wort die reine unantastbare Wahrhalt. Da nun jedes Dogma Ketsar gezeugt bat, gibt es auch in Deutschland Ketaer, Zweifler, Skeptiker— mit einem Wort Miesmacher. Sie fragen nicht nach der historisch-politischen Bedeutung des 30. Juni, nicht nach den staatsrechtlichen Ausblicken, die Hitlers Rede eröffnet, sondern sie klammem sich an einige Dinge fest, Uber die jeder Gläubige mit großer Geste hinweggeht. Wie kommt es— so fragen sie— daß der Führer nicht von seinem heldenhaften Auftreten in Bad Wiessee gesprochen hat? Nach seinen eigenen Worten war er nicht dort, sondern in München! Nun hat aber Göbbels die dramatische Geschichte von Hitlers Auftreten in Wiessee erzählt, wie er Röhm mit eigener Hand verhaftete. Sollte Göbbels seine Reportage schon vor den Ereignissen fertig gehabt haben? Wer lügt, Hitler oder Göbbels? Diese Miesmacher werfen dann einen nachdenklichen Blick auf Hess, den Mann, der plötzlich aus einem subalternen Angestellten zum Stellvertreter Hitlers geworden Ist— weil die Rivalität der Halbgötter nicht duldete, daß einer aus ihrem eigenen Kreise erwählt wurde. Deshalb wurde der Leibdiener Stellvertreter. Er hat aber auch seinen Ehrgeiz und haßt deshalb kräftig. Vor allem haßte er Röhm, denn der war mächtig. D 1 e- s e r Hess nun war nach Hitlers eigenen Worten dereigentllche Denunziant. Aber, so fragte der echte Miesmacher, woher hat er sein Wissen bezogen? Wo ist der Verräter oder Lockspitzel? Sie wollen alles genau wissen. Hitler kennt nur«inao Waffenträger, die Wehrmacht. Will er also den Rest der SA entwaffnen? Was wird mit den Waffen der SS?— Worte müssen doch einen Sinn haben, so sagen die unheilbaren Miesmacher. Wann beginnt also die große Entwaffnungsaktion? Warum hat Hitler nicht die Namen der Erschossenen bekanntgegeben? Gibt es da noch unbekannte Geheimnisse? Deckt vielleicht jede Zahl drei, vier oder noch mehr Namen, oder sollte Hitler, der den Befehl zum Erschießen gegeben hat, nicht wissen, wen er hat erschießen lassen? Ganz besonders klammern sich die Miesmacher an die Erklärung, daß drei S A- Leute wegen Mißhandlung von Schutzhäftlingen erschossen worden seien. Sie glauben es einfach nicht, denn, so sagen sie, wenn Hitler dafür' erschießen läßt, dann muß die Reichswehr ausrücken und Tag und Nacht mit Maschinengewehrfeuer SA- und SS-Leute erschießen, von oben bis unten durch alle Grade hindurch! Sie sind überhaupt ungläubig. Sie glauben weder die Erzählung über Schleichers Beteiligung am Komplott, noch den Kriminalroman von der zweiten Revolution. Einige sind darunter, die haben noch gewisse Erinnerungen aus dem Kaiserreich und wenden sie höchst despektierlich auf Hitler an. Bei der Erzählung des verrückten Planes, Hitler auf Befehl Hitlers erschießen zu lassen, bei der Geschichte von den vier Panzerwagen, die auf das Zauberwort„Hitler wül es" ihren Weg von der Polizei zur SA nehmen, dachten sie schändiicherweise an den Hauptmann von Köpenick. Es fehlt diesen Miesmachern überhaupt der sittliche Ernst, um die Größe des Führers in schwerer Zeit würdigen zu können. Daun aber stoßen selbst die ausgekochtesten Miesmacher nachträglich auf Dinge, die sie glauben möchten! Sie lesen nachträglich im„Angriff"; „Unter den Papieren des als Mörder des Führers gedungenen Standartenführers Uhl fand man ein Photo, das ihn in der Pose des Mörders zeigt. Er hatte sich bei einer früheren Untat photographieren lassen und seinen Fuß auf die Brust eines erschossenen SA-Führers gesetzt, die Pistole in der Faust, hohnvoll grinsend." Das klingt ihnen echt! Es ist eine wunderbare Miesmacher-Parole! Dieser SS-Führer hat schon früher SA-Führer erschossen. Sie haben sich schon vor dem 30. Juni abgemurkst. Sie haben sich beim Mord photographieren lassen! Wenn dieser Uhl zufällig die andere Partei gewählt hätte, könnte er sich wieder photographieren lassen, den Fuß auf der Brust erschossener SA-Führer. Sein Bild wäre wie das Bild der Dietrich, Himmler, Brückner und Konsorten in der braunen Presse veröffentlicht worden, und Hitler selbst hätte ihn befördert, sodaß er heute Gruppenführer wäre! Die Hitlerlegende sollte neue Nahrung erhalten. Darum mußte Hitler vor dem Reichstag auftreten und die Geschichte erzählen, wde Hitler Im Namen Hitlers niedergemacht werden sollte. Nun arbeitet die Propaganda, um aus dieser Rede, die Entsetzen und Abscheu erweckt hat, neuen Wahn zu züchten. Unterirdisch aber wird auch gearbeitet, und es gibt Fragen, auf die der Gläubigste keine Antwort weiß. Diese Stimmen von unten aber, die heimlich geflüsterten, verbotenen, verfolgten, die haben den längeren Atem— länger als Göbbels und seine Propaganda, länger als Hitler selbst! mögen die völlige Willkürlichkeit dieser Art von Urteilen beweisen. In Dessau ist ein Mann als Mittäter eines Mordes zum Tode verurteilt worden, ohne daß er bei der Tat auch nur zugegen war! Dies ist selbst dem Reichsgericht zu weit gegangen. Und im Prozeß Horst Wessel ist einer der Angeklagten im Gegensatz zu zwei anderen mit der Begründung nicht als Täter, sondern als Gehilfe, und zwar zu Freiheitsstrafe verurteilt worden, daß er verführt zu sein scheine. Man freut sich, daß der Mann seinen Kopf behält, aber inwiefern soll der Umstand, daß er verleitet worden ist, die Annahme einer Mittäterschaft ausschließen? Wahrscheinlich schienen die Angaben dieses Angeklagten den Richtern geeignet, die Verurteilung der beiden anderen zum Tode zu rechtfertigen; deshalb haben sie sich in seinem Falle ausnahmsweise nicht zu Mittätern des Henkers gemacht. Die deutschen Richter zeichnen sich durch politischen Weitblick aus. Das ist etwas, was in den Verbindungshäusern, auf dem Fechtboden, in der Kneipe und beim Einpauken nicht gelernt werden kann. Deshalb glauben sie an die Ewigkeit des jetzigen Regimes und erwarten, daß seine Leiter sich um so dankbarer erweisen werden, je niederträchtiger die Rechtsbrüche sind, die ihre Diener ihnen zuliebe fertig bringen. Der alte Zschokke hat eine kleine Novelle geschrieben, die den Titel führt: „Es ist sehr möglich". Sie handelt von einem hohen Staatsbeamten aus der Zeit der deutschen Kleinstaaterei, der zu dem Ruf eines großen politischen Geistes kommt, weil er der Betonung der Unmöglichkeit einer Aenderung des jeweils herrschenden Systems(altes Regime, Konventsregierung, Napoleon) jedesmal sein skeptisches„Es ist sehr möglich" entgegensetzt. Die Erzählung gibt Anlaß nachzudenken. Das System Hitler, das aufgebaut ist auf der Grundlage der Autorität von Menschen, die sie zu Unrecht in Anspruch nehmen, dieses System, das den Triumph der rohen Gewalt und der Gemeinheit über alles Edle und Gute predigt, das keines der ewigen Menschenrechte gelten läßt, wird keinen Bestand haben. Es würde das erste Mal in der Geschichte sein, daß ein Blutregiment sich behauptet hat. Wir bekennen uns stolz zu dem Glaubön, daß das Unsittliche unmöglich ist Die Sonne der Freiheit kann zeitweilig verdunkelt werden, aber nicht für immer untergehen. Und das große Trümmerfeld, das ein Blick auf die Wirtschaft zeigt, ist zu deutlich durch die Mißregierung der herrschenden Dilettanten und Geistesgestörten entstanden, als daß sie sich im Sattel halten könnten. Wie bezeichnend ist die Angst der Machthaber, die sich in ihren jüngsten Wahnsinnstaten geäußert hat! Deutschland tritt in eine neue Periode von Erschütterungen ein, die einst zur Vernichtung der Hitler-Diktatur führen werden. Und dann? Witzlinge, die sich für den Schreck schadlos halten wollen, der ihre Knochen im November 1918 geschüttelt hatte, haben die Revolution von damals langweilig genannt. Diejenigen, die das Nazi-Regiment gestützt haben, können sicher sein, daß sie zur Verleihung dieses Prädikats an die Umwälzung, die es beseitigen wird, keinen Anlaß haben werden. Durch die öffentliche Verhöhnung der Humanität, durch die unmenschliche Brutalität, mit der sie ihre Gegner vernichten, haben Hitler und seine Gefolgsleute im voraus alle revolutionären Krisen vergiftet, die Deutschland noch erleben mag. Die Folgen davon werden in erster Reihe diejenigen deutschen Richter zu tragen haben, die sich zu Bütteln der Henker herabgewürdigt haben. Wenn wir Sozialdemokraten in der wilhelminischen Zeit die Klassenjustiz angeprangert haben, wollten wir damit lediglich sagen, daß die Art und Weise der Auslese und der Erziehung der Richter ihr Gros mit Notwendigkeit dazu bringe, in dem Klassenkampf zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten die Partei der ersteren zu nehmen. Böswillige Rechtsbeugung mag damals die Ausnahme gewesen sein. Was wir aber jetzt in Deutschland erleben, ist nichts anderes als von oben herab befohlene und von einem erheblichen Teil der Richter, nicht von allen, gern geübte Parteijustiz. Und da sagen wir frei und offen: Kein deutscher Richter, der jetzt im nationalsozialistischen Sinne „Recht" spricht, wird nach der Wiederherstellung der Menschenrechte sein Amt behalten, und der neue Staat wird sich hüten, zu den ungeheueren Lasten, die er vorfinden wird, auch noch Zahlungen an Subjekte zu übernehmen, die er mit Schimpf und Schande wird davonjagen müssen, weil sie das Recht gebeugt haben. Und darüber hinaus werden diejenigen, deren amtliches Wirken darauf gerichtet war, die Blutgier und den Vemichtungswillen ihrer Auftraggeber zu befriedigen, sicher sein, daß die schwere Stunde kommen wird, in der sie Rechenschaft abzulegen haben für ihre Verbrechen. Ihre Namen und ihre Schandtaten sind in Büchern wohl verzeichnet, die am Tage des Sieges aufgeschlagen werden werden! Böse Menschen schonen, heißt selbst zum Bösewicht werden, und die verruchteste Missetat ist die in der Form des Rechtsspruchs begangene. Kein noch so gütiger Mensch wird sich der Forderung versagen, daß Buben, die die Justia geflissentlich verfälscht und aus Parteihaß absichtlich Menschenrecht und Menschenglück mit Füßen getreten haben, für ihre Untaten zu büßen haben. Der englische Historiker Macaulay erzählt mitleidslos und verstehend von den furchtbaren Strafen, deren Verhängung das gesamte englische Volk nach dem Sturze der Stuarts über den Blutrichter Jeffreys erwog. Und Karl Moor hat die Sympathien Schillers dadurch nicht eingebüßt, daß er mit dem Rufe„Bist du der Schelm, der die Gerechtigkeit zur feilen Hure macht?" in den Leib eines deutschen Rechtsverdrehers sein Messer stieß. Die Verleihung des Richteramtes gewährt keinen Freibrief für Schurkereien!■■_ Die Blutpiditep Es soll einmal In Deutschland ein Reichsgericht gegeben haben, dessen Richter Wert auf ihre Unabhängigkeit legten, so sehr, daß sie Frondeure gegen die demokratische B®" publik wurden! Der letzte Präsident dies«' ehrenwerten Zunft hieß, wenn wir nicht'r' ren. B u m k e, es sei denn, daß ein Fübrer- befehl ihn ausgewechselt hat. Die sehr ehrenwerten Herren Richter dieses Reichsgerichtes fühlen eich heute alle wohl in der Ser* vllität gegen den Mann vom 30. Juni! Zur Belohnung für treue Dienste ist ihnen der sogenannte Volksgerichtshof übergeordnet worden, der den Blutterror üben soll, wenn ihn Hitler nicht gerade selbst•u'" übt. Die 32 Blutrichter für dieses Tribun»! sind ernannt, es sind ausgesiebte NationaJ- aozialisten. Hier ist die Liste: Senatspräsident beim Kammorgerlcht Dr. Fritz Rehn, Berlin; Senataprä8ide',t Wilhelm Brunner, München; Senat®* Präsident Eduard Springmann. D**' torseldorf-Wuppertal: Landgerichtsdjrektor Erik Sehauwecker, Breslau; Landg®" richtsdlrektor Dr. Friedrich Scbaad, Pf®" seldorf; Landgerichtsdirektor Dr. Johann«® Merten, Kiel; Amtsgerichts rat Dr. Geo1� Zieger, Altona; Landgerichtsdirektor Alfred Köhler, München; LAndgericht*- dlrektor Emil Walter Hartmann, P»®* den; Landgerich tadlrektor Paul L ä m m 1 e' Stuttgart: Landgerichtsrat Ludwig L u g« � Karlsruhe: Landgerichtadirektor Dr. Günth®1' Löh mann, Hamburg; Oberst Busch, Kommandeur des Inf»11" terieregiment Nr. 9, Potsdam; Oberstie«*" "Äßt Reinecke, im Reichawehrmtirietert- Urn; Fregattenkapitän Företer Im Retehe- Wehrministerium; Korvettenkapitän Roll- m a n n im Reichswehrminletertum; Dr. Herzlieb Im Relchswehrminlaterhrm; Fhe- ?erkommodore Christiansen; Fllegerkotn- Wodore F e 1 m y; Fliegerkommodore W e n n!• ? e r; Fllegerkomraodore Stumpf; Fliegerkommodore W 1 m m e r; Obergruppenführer Staatsrat v. J a g o w; Gruppenführer Freiherr v. Eberstein; Gruppenführer Meyer-Quade; Gruppenführer Staatssekretär H o f m a n n, München; Gruppenführer Hauptmann a. D. W e 1 ß, Berlin; Regierungsrat K 1 i t r 1 n g, Schwerin 1. Mecklenburg, Gauleitung: Landes bauernfüh- rer Bredow, MdR., Manachnow-Oderbruoh; Kreisleiter Worch, Brauer und Mälzer, Karlsruhe: Flugleiter Hartman n, Oessau: Justizinspektor Angermann, Breslau, Gauleitung. Jeder der sogenannten Volksrichter auf dieser Liste wird dereinst ein Angeklagter »ein! Heditsquelle Hitler ..Das Recht und der Wille des Kührers sind eins"— so sprach Gö- Hag vor den Generalstaatsanwälten und Oberstaatsanwälten Preußens. Recht ist, was der Kührer will— in diesem lapidaren Satz ist die ganze Rechtsauffassung und die Staats- phllosophle des Dritten Reiches zusammengefaßt. Man wende diesen Satz an auf die toternationalen Rechtsbeziehungen, auf die geltenden und selbst von Hitler feierlich anerkannten Verträge und man wird erkennen, daß dieser Wahnwitz nicht hur das deutsche Volk, sondern die ganze M'elt mit plötzlichen Untaten der Mordlust Und der Gewalt bedroht. Mit der Proklamierung dieses Hauptsatzes der braunen Staatslehre wird die Theorie zu der blutigen Praxis nachgeliefert. Die deutschen Richter werden damit alle zu Bxekutoren. sie haben den Willen des Kührers auszuführen, so wie der Henker den Willen des Richters auszuführen hat. Sie «lod das zivile Erschieß ungspcloton. Was für Hitler gelten soll, nehmen die kleinen Hitlers in Anspruch. Auch sie sollen Rechtsquelle sein! Darüber verbreitet sich Randrichter Dr. Schwabe in der„Juristischen Wdchenschrift": Immer wieder werden die deutschen Gerichte mit Klageanträgen gegen Politische Leiter behelligt, in denen diese wegen Aeußerungen, die sie in ihrer Eigenschaft als Politische Leiter getan ha ben, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Befehle, die nur das Verhältnis zwischen Partei und Mitglied betreffen, sind Jeder richterlichen Nachprüfung entzogen. Es gibt jedoch Anordnungen, die Uber das Mltglledsscbaftsverhältnis hinaus wirken und einschneidend In die Lebens- und Wirtschaftssphäre dritter Personen ein greifen. Es ist klar, daß solche Anordnun gen und Urteile die schwersten Folgen für den Betroffenen haben, daß sie in vielen Fällen die Vernichtung seiner wirtschaftlichen Existenz bedeuten und daß dieser deshalb auf jede Weise versucht, der politischen Diffamierung seiner Person entgegenzuwirken. Er versucht es vor allem auf dem Wege der Zivilklage. Bei allen diesen Tatbeständen � richtigerweise die Zulässigkeit des Rechtsweges zu verneinen. Die Gerichte begeben sich, wenn sie sol- chen Klagen auf Unterlassung Gehör schenken, auf politisches Gebiet Sie würden damit für sich das Recht in Anspruch neh- juen, den Staatsfeind auch im Gegensatz zu der polltischen Führung zu bestimmen, eine Auf- gabe, die sie gar nicht lösen, und damit eine Verantwortung, die sie nicht tragen können. Rocht tat. was dar Führer will. Recht ist, �a» die Führer wollen. Recht Ist alles, was vtaun Ist. Es Ist sehr einfach. Warum wird � deutschen Unlveral täten noch Jus studiert? Im Zickzack dem Abgrund zu Die i«aüenpoKtMä Ist Hitlers Freund? Hitler hat die Bestien von Potempa seine "Kameraden" genannt, Hitler ist mit mehr einem Mörder Intim— Hitler ist auch ein yuzfreund des bayrischen Pogromhetzen und erdamtlften Julius Streloher. Dieser trelchor sandte seinem obersten Führer nach iWä Kameradenmord vom 30. Juni ein Te- "gvamm mit dem Wortlaut: ..Treue ist etwas Selbetventändllchea. r8 geht mir gegen das Gefühl, Dir des «eibstventändliche in diesem Augenblick besonderen zu versichern. In meinem au Ist alles wie es sein muß. Das Volk reut sich Uber die erlösende Tat Jetzt ga- "an wir in eine glückliche Zukunft hinein." � Heber die Leichen erschossener Kamera- v*u hinweg_ denn Treue Ist etwas Salbst- ''"ländliches. Ueber die Leichen gefolterter, '"•ehändeter, erschlagener Juden hinweg, js�nn Jeder braune Mord, wen immer er treffe, "eine erlösende Tat". � Wen Wird sich gut merken, daß der Die Wett, noch von Brechreis gesohOttelt, well von den zum feierlichen Faschist engruß erhobenen Händen der Vergewaltiger Deutschlands das Blut der eigenen Kumpane herabtropft, bekam sofort auch Gelegenheit in außenpolitischen Dingen die heillose Zerfahrenheit dieser„echt deutschen Männer" zu bestaunen, neben der der berüchtigte Zlck- zackkurs Wilhelms n. als Muster einer besonnenen, steten und zielsicheren Politik erscheint. In der Verlegenheit, wie man dem deutschen Volk die kaltblütige Abwürgung so vieler brauner Halbgötter mundgerecht machen sollte, hatte G ö b b e 1 s eben seine Pressemeute gegen Frankreich losgekoppelt als die auswärtige Macht, mit der die Verschwörer hinter R ö h m unter einer Decke gesteckt hätten, der französische Außenminister B a r t h o u wurde persönlich als Mitwisser des Komplotts angepöbelt. Und schon am Tage danach brüllt der Vize-Hitler Heß von Königsberg aus Liebeserklärungen an Frankreich in die Welt. Was er verzapfte, wäre, so es aus dem Munde eines demokratischen Politikers gekommen wäre, im nationalsoziali' stlschen Jargon als„schwächliches Friedensgewinsel" und„würdelose Anbiederung an den Erbfeind" geschmäht worden. Aber wenn sie europäisch sprechen wollen, fangen diese Barbaren notgedrungen an zu stammeln und zu stottern. Die grobzölligsten Drohungen vermochte sich der Heß in seiner„Friedensrede" ebensowenig zu verkneifen wie hämische Ausfälle gegen die Grundlage des fran zöslschen Regierungssystems, den Parlamentarismus, und wenn er einer deutsch-französischen Verständigung vor allem die Wirkung zuschrieb, daß Jeder Franzose und jeder Deutsche Einkommen oder Lohn erhöht sehen werde, mag mancher Betrachter draußen über die materialistische Gesinnung derer, die sich als Erbpächter des deutschen Idealismus aufspielen, nicht schlecht den Kopf schütteln. Obwohl diese Königsberger Rede nicht der erste Versuch der Nazi-Bewegung ist, sich an Frankreich heranzuschmieren, Im man es vor Tische wesentlich anders, und echter sicher als die Lobeserhebungen, mit denen jetzt„der tapfere französische Frontsoldat" bedacht wird, ist das übliche blöde Geschlmpf auf das französische Volk als eine„bMtardisierte Rasse" und„Negermischung". In der Tat, der Hitlerismus müßte alles verbrennen, was er angebetet hat, sollte dieses Freundschaftsangebot ernst gemeint sein. Eine zügellose Hetze gegen Frankreich war das Kernstück der nationalsozialistischen Propaganda, durch eine zügellose Hetze gegen Frankreich ist aus einer Bande etwas wie eine Bewegung geworden. Für Hitler und die anderen Lautsprecher war einzig die feige Unterwerfung „jUdlsch-marxistischer" Regierungen unter den Zerstörungswillen Frankreichs an aller Not, an allem Elend des deutschen Volkes schuld. Die große Wende käfne mit einem Schlag, wenn sie, die starken Männer vor der Jahrmarktsbude, zur Macht aufstiegen und isel! den Schandvertrag, den Versklavungsvertrag von Versailles den andern zerrissen vor die Füße würfen! Jetzt sind sie anderthalb Jahre bald am Ruder, und der Ver- sailler Vertrag Ist keineswegs zerfetzt. Dafür haben die, die nur auf der Pauke herumdonnerten, Inzwischen die Flöte spielen gelernt. Wenn die Saarfrage befriedigend gelöst sei, erklärte schon neulich der Kanzler- Osaf, stehe nichts mehr zwischen Deutschland und Frankreich. Wirklich? Und das Elsaß? Als die republikanische Relchsregie- T»t- krctechten dl« H&kcokrwnter wild Mf 8b«r„«• jüdische und wdsutMbs Lcttoog, die«• tmüg bracht«, In Locarno den Raub deotooben Landes und deutscher Brüder anauerkennen' Und trotz all«; offiziellen Radenaarten Ist für den unbelehrbaren Nazi-Mann das Elsaß nach wie vor ein„fast völlig deutsches Land", das„unter französischer Fremdherrschaft' schmachtet; nach wie vor verbreitet der Dr. Ernst In Berlin mit dem Geld dee Propagandaministerium« durch seine„Heimats- stlmmen" diese Mär; In amtlich abgestempelten Broschüren findet sich die Verbeißung: „Elsaß-Lothringen wird heimkehren", und in einem neuen Nazi-Liederbuch„Deutschland, erwache!" bezeugt folgender Cantus die Ehrlichkeit der Führer-Bestimmungen: Verraten, erschlagen, viel Hunderttausend tot. Auf Straßburg welsche Fahnen verhöhnen deutsche Not O Straßburg, o Straßburg, mir tut das Herz so weh, Wenn Ich auf deinem Münster die Trikolore seh. Laß flattern, laß rauschen, und schwand auch unser Glück, O Straßburg, unser Straßburg, wir holen dich zurück. Aber wozu Einzelheiten? Wie für das Braunhemd das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich aussieht, verkündet in einem etwas peinlichen Deutach die„Bibel des Nationalsozialismus", Hitler„Mein Kampf": Erst wenn man den deutschen Lebenswillen zu einer endgültigen aktiven Auseinandersetzung mit Frankreich zusammenrafft und in einem letzten Entscheidungskampf mit deutscherseits größten Schlußzielen hineinwirft, erst dann wird man das ewige Ringen zwischen uns und Frankreich zum Abschluß bringen, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß Deutschland in der Vernichtung Prankreichs ein Mittel sieht. Entweder ist das verantwortungsloses Stammtischgeschwätz oder noch heute der Leitsatz der Hakenkreuz-Politik. Ziel: die Vernichtung Frankreichs! Wenn gleichwohl jetzt die Friedensschal mei aus Königsberg ertönt, offenbart sie, wie sehr die Außenpolitik des Dritten Reichs bis zum Kinn im Sumpf steckt. Auch hier hatte man Kindern und Kindsköpfen das Paradies auf Erden vorgegaukelt: nur die Hakenkreuz- Fahne gehißt, und Deutschland würde seine Ehre, Macht und Blüte im Nu wiedererhalten und von bewundernden Freunden und beflissenen Bundesgenossen umgeben sein, und Im Hintergrund winkte bereits die Erfüllung des Paragraphen 1 des Stamm tischprogramms: Zusammenschluß aller Deutscher auf Grund des Sei batbeetlmmungs rechts aller Völker zu einem Großdeutachland". Statt dessen? Selbst Skeptiker, die dem wahrhaft blutigen Dilettantismus der Hltlerei auf keinem Felde große Erfolge zutrauten, waren nach dem 5. März 1933 der Ansicht, daß die mehr oder minder gewaltsame„Gleichschaltung" Oesterreichs nur mehr eine Frage von Wochen sei. Heute ist's welter davon denn je. Die Angriffs- und Wühlarbeit, die mit dem Geld und Dynamit de« Dritten Reichs in Hitlers Heimat betrieben wurde, hat lediglich einen Konkurrenz-Faschismus katholischer Observanz In den Sattel gehoben, In dessen Wörterbuch der Begriff Anschluß fehlt. Und sonst? Von Frankreich gar ■ agland,«■( 4m m äe Braunhäuser allerlei Hoffnungen beute nur Gefühle dee Widerwillens gegen ein Land, In dam Meineid und Mord endemlMh sind, nichts hat'die Annäherung an Frankreich so beschleunigt wie dl« Gangster-Methoden, nach denen die sehr problematische„Säuberung" dee Systems durchgeführt wurde. Selbst Sowjet- Rußland hat sich, waa Jeder Kenner europäischer Politik für tindenkbar gehalten hätte, unter dem Druck der deutschen Drohung zur Verständigung mit Frankreich bereit gefunden. Von der Zusamenkunft mit Mussolini Ist Hitler mit leeren Händen heimgekehrt, es seien denn die In aller Welt belachten Photo« aus Venedig, auf denen er, ergebenst dienernder Kleinbürger und Minderwertigkeitsgefühle durch alle Poren schwitzend. neben der immerhin selbstsicheren Haltung dee Duce ein« komische Figur macht. Die Versuche, durch Handelsverträge und Ministerbesuche Jugoslawien zu ködern, sind ebenso gescheitert wie der braune Pressechef Hanfstängl aus den Vereinigten Staaten verdutzt und betrübt helmgekehrt ist; nach dem Vorbild Wilhelms IL, der auch Denkmäler nach Amerika verschenkte, sollte der Sendbote Hitler« der Offiziersschule In West-Point eine Büste Hindenburgs höchst feierlich überreichen, aber man zeigte ihm die kalte Schulter. Also Pleite auf der ganzen Linie! Doch halt— Polen! Jawohl, der Hitler-Diplomatie Ist es geglückt, mit Polen einen Nichtangriffspakt für zehn Jahre abzuschließen. Aber Polen war für die Nazi- Propaganda neben Frankreich der Feind. Die Erwähnung des polnischen Korridors genügte, eine Hakenkreuz- Versammlung In eine Herde wütender Brüllaffen zu verwandeln. Bare Selbstverständlichkeit, daß man sich, einmal zur Macht gelangt, den Korridor wieder holen werde und außerdem Posen und überdies Westpreußen und alles, wm von polnischem Gebiet bis 1918 zu Preußen gehört hatte. Nach dem Wunsch des Herrn Rosenberg, außenpolitischen Mentors des Osaf, müßten die Polen sogar noch welter„nach Osten abgedrängt" werden,„damit der Boden frei wird zur Bearbeitung durch germanische Bauemfäuate". Mit den gleichen, wie Rosenberg sie heißt,„ebenso impotenten und wertelosen wie anmaßenden Polen" schließt das Dritte Reich einen Vertrag, der sie für ein Jahrzehnt vor Aufrollung der ihnen unbequemen Fragen schützt. Und die deutsche Presse, auf Pfiff Order parierend, ist Polen gegenüber so muckmäuschenstill, als gäbe es überhaupt keinen polnischen Korridor, der deutsches Gebiet in zwei Teile schneidet. Allerdings läßt sich auch nur mit einer so geknebelten Presse eine derart haltlos hin- und hertaumelnde, Im Zickzack in den unvermeidlichen Abgrund führende„Politik" treiben. Um seine Unterdrückung Jeder Meinungsfreiheit zu rechtfertigen, pflegte der erste Napoleon zu sagen:„Lasse Ich der Presse die Zügel frei, bleibe Ich nicht drei Monate an der Gewalt". Nicht drei Tage hielten sich die braunen Machthaber Deutschlands, unterläge Ihr Tun und Lossen der öffentlichen Kritik, schamlose Hochstapler, als die sie dann sofort entlarvt wären. Schon wegen der Kluft zwischen Ihren großspurigen Verheißungen und negativen Leistungen auf dem Felde der auswärtigen Politik schlüge sie dM betrogene Volk mit nassen Lappen tot. Karl Max. blutbeaudelte Streicher Hitlers Duzfreund Ist. Viele Nummern des„Stürmer" sind heute fchon In lausenden Exemplaren Im Ausland verbreitet— als Dokumente tiefster Barbarel! Ueber Jede Pogromnummer werden von nun an(he Worte zu setzen sein; Der Kanzler de« Dritten Reiches ist verantwortlich für Jede Zelle dieses blutigen Sudelblattes, ist verantwortlich für jeden Mord, den die Leser dee„Stürmer" begehen! Streicher ist Hitlers Freund! Diese Tatsache wiegt schwerer als alle hochtrabenden Beteuerungen im Rundfunk. Streicher Ist Hitlers Freund! Diese Tatsache wiegt schwerer als alle„Greuelmeldungen", die Je verbreitet wurden. Legende Es ist toll, welche Lügen und Verdrehungen dM deutsche Volk Uber sich ergehen iMsen muß! Die Absetzung des„Führers der Wirtschaft" Kessler durch den Finanz- kapitalisten Schmitt wird von der„Deut- sehen Wochenschau" als ein Sieg des natio- nalsojflallstlschen Autarkiegedankens hingestellt: „Von der Goltz an Stelle Keßlers, das ist ein Wort. Ein Wirtschaftler aus der alten Garde der NSDAP an Stelle des typischen Exponenten äleichgesohalteter Interessenten, das Ist ein Symptom. Der Beweis wird angetreten, daß die deutsche Wirtschaft unter Führung erprobter Nationalsozialisten viel schneller und sicherer vorwärts kommt. Keßlers Sturz ist deutlich genug: er soll denen zu denken gehen, die glauben, Exportförderung um Jeden Preis und sonstige ilberalistische Sturheiten auf Kosten der anderen, mühsam wieder aufgebauten Wirtschaftszweige treiben zu können." Es ist alles ganz anders! Vonder Goltz war früher In der Unionbank des Großschwindlers Kreuger— so sieht ein Wirtschaftler der alten Garde aus! Keßler mußte gehen, weil er nicht genug für Exportförderung eintrat und Plangedanken gegen Ilberalistische vertrat. Aber was tuts? Man erzählt wieder einmal den Arbeitern, daß nun der eobte Sozialismus kommt. Wahr ist nur eins: daß die deutsche Wirtschaft unter Führung erprobter Nationalsozialisten schneller und sicherer vorwärts kommt— dem Abgrund zu! Fräulein Sdunldt Die Polizeipressestelle Breslau teilt mit: Obersturmführer Hans Walter Schmidt, geboren am 19. 4. 1012 zu Breslau, ist festzunehmen und der nächsten Pollzeidienst- stelle zu übergeben. Schmidt war Adjutant des Obergruppenführers Heines.. Schmidt ist mit dem Kraftwagen I K 0351 unterwegs. Es handelt sich um ein beigefarbenes Cabriolet, Marke Adler-Trumpf, mit braunen Kotflügeln, Fahrgestellnummer 15 9Ö0, Motornummer 73 583. An ihren Autos sollt ihr sie erkennen! Die Polizei hat's leicht; schnittiger Wagen, braune Kotflügel. Wenn die Karosserie darüber hinaus noch Blutspuren aufweist, so besteht gar kein Zweifel daran, daß es sich um eine führende Nazipersönlichkolt handelt. In der Internationalen Information schreibt Dr. Richard Kern: Schneller als man erwarten konnte, voll- Xieht sich die Zersetzung der deutschen Diktatur. Man soll nicht überflüssig tiefschürfende soziale oder polltische Konstruktionen versuchen, sie führen nur in die Irre. Bei dem Zusammenstoß zwischen Hitler und Rühm handelt es sich nicht um einen tieferen politischen Gegensatz, revolutionäre Fortent- v Jcklung, um Reaktion oder Sozialismus, um der Menschheit große Gegenstände überhaupt. Die nationalsozialistischen Sturmabteilungen (SA) sind eine Landsknechtstrüppe, zu tiefst demoralisiert, zu jeder Gewalttat bereit, vom Wunsche beseelt, die Stellung als Berufstruppe der Machthaber zu behaupten. Deshalb sind sie jeder Stabilisierung abgeprägt. und wünschen die Fortsetzung der Revolution, unter der sie sich nichts anderes als Gewalt und Beute vorstellen. Von diesen Haufen, die von Deklassierten übelster Art geführt werden, das Eintreten für irgend ein klares politisches oder soziales Ziel zu erwarten, war stets eine Illusion. Aber die SA ist ein Herd der Unzu- f'iedenheit, sie ist enttäuscht von dieser Diktatur, die ihnen zu wenig gebracht hat. Es ist aber persönliche Erbitterung. persönlicher Groll des einzelnen enttäuschten Söldners. Weder durch gemeinsames Klassen- Interesse noch durch gemeinsame politische Ueberzeugung verbunden, sind sie unfähig. eine gemeinsame Aktion zu begreifen. Ihr Denken reicht bis zu einer neuen„U m b o n- zun g", einer neuen Verteilung aller Stellen und Posten. Gewiß hassen sie die„feinen Leute" in der Generalität, in den Ministerien und der Wirtschaft. Aber Haß gegen die Reichen ist noch nicht Sozialismus. Bei der B e u r t e i 1 u n g d e r Folgen muß man sich eine grundlegende Tatsache vor Augen halten, um nicht Illusionen zu erliegen. Das Gemetzel ging vor sich ohne Beteiligung des Volkes. Die Massen der SA blieben anläßlich der Abschlachtung ihrer Führer völlig untätig; die Reichswehr blieb Gewehr bei Fuß, die Angelegenheit konnte von den SS, der Mordorganisation Görings, mit der Polizei erledigt werden. Die SA war in keinem Moment ein ernsthafter, oppositioneller Faktor. Aber auch die Volksmassen selbst griffen in die Auseinandersetzung nicht ein. Die Gegner des Systems konnten an keine Einmischimg denken und der schwere Konflikt konnte ausgetragen werden ohne jede spontane Betätigung der Massen. Das zeigt deutlich die Grenzen, die der Opposition gegen die Diktatur gezogen waren. Trotzdem bedeutet dieser Ausbrvch des Kampfes zwischen den Gangstern den Ausgangspunkt einer starken Erschütterung der Diktatur. Die Besonderheit der faschistischen Diktatur ist ihre Massenbasis und in Deutschland war sie am breitesten, folgten die Massen am begeistertsten. Die letzten Monate hatten bereits den Beginn einer rückläufigen Bewegung gezeigt. Der Versuch, durch eine umfassende Agitation die Begeisterung wieder zu erwecken, mißlang. Der Feldzug gegen die „Miesmacher" wurde zu einem Fiasko. Viele erwarteten deshalb eine neue Terrorwelle. Man dachte an einen Judenpogrom oder etwas Aehnliches. Aber Hitler und Görihg gingen aufs Ganze, um sich mit einem Schlag ihrer Gegner zu entledigen. Getroffen wurde aber das System. Hitler selbst läßt seine besten Mithelfer morden und schildert sie als Verräter. Prasser, Päderasten, lächerliche Affen. Es waren aber seine nächsten Freunde, die er intimer kannte als einer! Diese Veränderung der Massengrnndiage bedeutet aber Erleichterung für die ernsthafte politische Arbelt der wirklichen Gegner der Diktatur, bedeutet den Beginn einer fortschreitenden Lostrennung und Gewinnung der noch nicht verfaulten Elemente ans dem natlonal- sozlallstiscben Lager. War bisher jeder zweite Deutsche ein freiwilliger Hilfspolizist der Hitlerbande, mußte jede Betätigung in den Betrieben mit dem Widerstand der Beschäftigten selbst rechnen, so beginnt sich das jetzt zu ändern. Die breite Massenorganisation der Diktatur, die das ganze Volk erfaßte, durchdrang und beherrschte, ist geschwächt, wird im steigenden Maße von Gegnern durchsetzt und verliert viel von ihrem Wert als Herrschaftsinstrument. Die Basis der Diktatur verengt sich, ihre Stütze wird die Polizei, die SS und die Reichswehr. Das heißt nicht, daß Hitler der Gefangene der Reichswehr wird, daß diese ihm gegen seinen Willen eine reaktionäre Politik aufzwingt. Gegenüber den Hitler und Göring ist selbst die deutsche Generalität nicht reaktionär. Gibt es doch kein sozialreaktionäres Interesse, das nicht Hitler, der Freund Thyssens, von Anfang von vertreten hätte, er, der die Gewerkschaften vernichtet, die Arbeiter entrechtet, die Sozialpolitik verdorben, die Löhne gedrückt, die Kartelle gefördert, den Großgrundbesitz unangetastet gelassen hat. Wohl aber bedeutet es, daß Hitler nicht mehr unabhängig von der Reichswehr- Generalität und der sozialen Schicht ist, der sie angehört, daß er nicht mehr gegen sie auftreten kann. An Stelle der Totalität tritt wieder der Dualismus von Militärherrschaft und Zivilregierung, wobei die letzten Entscheidungen bei den Militärs liegen. Diese Verengerung der Massengrundlage und Einschränkung der Machtbasis vollzieht sich in der Zeit einer finanziellen und wirtschaftlichen Krise, wie sie in solcher Schwere trotz Krieg und Inflation kein Industriestaat je erlebt hat. Die Diktatur besteht, aber Deutschland ist von der Fäulnis erfaßt. Die Diktatur besteht, aber ihre Basis ist geschwächt. Mit der Dauer der Diktatur ergreift das Chaos Deutschland immer mehr. Das Chaos kann nur überwunden, der Fäulnis nur Einhalt getan werden durch den Sturz der Diktatur. Dies kann aber nicht das Werk der Reichswehr oder sonst der herrschenden Kreise sein, die, von der Fäulnis angesteckt, kein Ziel und keine Lösung wissen. Erst wenn mit der größeren Bewegungsfreiheit für die illegale Arbeit der Opposition der Arbeiterschaft wächst, ihre Organisation sich ausdehnt, ihre Kampffähigkeit steigt, wenn der wachsende Druck von unten die herrschenden Oberschichten durcheinander wirft und die proletarische Revolution zur wirklichen Drohung wird, erst dann beginnt der Tag der Erneuerung, der Wiedergeburt des deutschen Volkes. Nadi dem 30« Juna 1934 „Je mehr eine Bewegung zu vergeben hat, an leicht zu erringenden Posten und Stellen, umso größer wird der Zulauf an Minderwertigen sein, bis endlich diese politischen Gelegenheitsarbeiter eine erfolgreiche Partei in solcher Zahl überwuchern, daß der redliche Kämpfer von einst die alte Bewegung gar nicht wiedererkannt und die neu Hinzugekommenen ihn selbst als lästig„Unberufenen" entschieden ablehnen. Damit ist die Mission einer solchen Bewegung erledigt." Adolf Hitler in„Mein Kampf." Das blutige Massaker, das vom Triumvirat Hitler-Göring-Göbbels an seinen Prätorianern verübt worden ist, stand weder am Anfang der Krise des deutschen Faschismus, noch wird es ihr Ende bedeuten. Die Arbeiterklasse kann mit Genugtuung feststellen, daß die Chancen auf das„tausendjährige Reich" Adolf Hitlers auf den Nullpunkt gesunken sind, ohne deshalb in irgend welchen Zweckopümismus über die Beurteilung der nächsten Zukunft zu verfallen. Mit dem Massen-Kameradenmord in den Reihen der SA ist ganz gewiß keine zweite„Revolution" verhindert worden, ebenso wenig wie am 30. Januar 1933 eine erste Revolution stattgefunden hat. Die Versorgungsrebellion der SA-Landsknechte hatte weder eine sozialistische noch eine andere revolutionäre Zielsetzung. Unzufriedene Kleinbürger, die geglaubt hatten, der großkapitalistischen Entwicklung in die Zügel fallen zu können, mußten sehen, wie ihre jedes Klassenbewußtseins entbehrenden proletarischen Landsknechte von der Exekutive des Monopolkapitalismus unschädlich gemacht wurden. Wenn zur gleichen Zeit auch Exponenten der Sozialreaktion niedergemacht worden sind, so galten diese Morde den Rivalen Hermann Görings, ohne daß damit am Gesamtbild der Präventivreinigung im braunen Proletariat zur Sicherheit der„feinen Herren" etwas geändert worden ist. Der Mangel an Klassenbewußtsein innerhalb der Massen der SA und NSBO kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die klassenmäßige Zuspitzung in Deutschland unlösbare Widersprüche in der sogenannten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ausgelöst hat. Wenn auch unbewußt, so haben doch seit geraumer Zeit die proletarischen Kreise der Nazis gegen den sozialistischen Schwindel der Göbbel und Ley demonstriert, bis schließlich der Propaganda- Mtgeumarkt Josef Gobbels vom Blut der eigenen enttäuschten Anhänger überschwemmt worden Ist. Die Versammlungsaktion gegen die Miesmacher war bereits ein sichtbares Zeichen, wie sehr die deutsche Wirtschaftskatastrophe den Irregeführten die Augen geöffnet haben mußte. Die Begeisterung des Kleinbürgertums, das Hitler zur Macht emporgetragen hatte, begann zu schwinden. Die Bauern protestierten gegen das Erbhofgesetzt und mußten entgegen allen Versprechungen Dar- räs sehen, wie die meist verschuldeten und unfähigsten Großgrundbesitzer aus Reichsmitteln künstlich gehalten wurden. Die Handwerker und Kleinkaufleute warteten vergeblich auf Erfüllung des Nazi- Programms. Die Kommunalisierung und Aufteilung der Warenhäuser war ausgeblieben. Das Reich subventionierte im Gegenteil Warenhausbetriebe mit Millionen Reichsgeldern. Die freien Berufe, die sich aus Angst vor der wachsenden Proletarisierung gegen das alte aufstrebende Proletariat gewandt hatten, wurden nicht minder enttäuscht. Die Angestellten, aus deren Reihen viel aktive Streiter für Hitler gestellt wurden, mußten Gehaltsabbau und unerträgliche Abzüge hinnehmen. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband durfte zwar einige Hundert seiner Vertrauensleute zu Funktionären der Arbeitsfront aufsteigen sehen. Sie waren untergebracht, aber auch dieser Berufsverband wurde aufgelöst. Innerhalb der Beamtenschaft hatte wohl eine starke Durchsetzung mit Nazis stattgefunden, so vor allem in den Sozialverwaltungen. Der Ringkampf um die Futterkrippe hat indes die alte Bürokratie, die in Deutschland alle Revolutionen und Gegenrevolutionen zu überdauern entschlossen ist, in ihrer Machtstellung nicht erschüttert. Abgesehen von mißliebigen Marxisten und Zentrumsanhängem. die entfernt worden sind, hat sich das Gesicht des Beamtenapparats wenig verändert. Die Lahmlegung der Parlamente hat den Einfluß der Bürokratie außerordentlich gestärkt. Die neue politische Entwicklung zeigt, daß der Apparat nach wie vor sein Eigenleben führt, gleichviel ob seine Träger„Diener" des Königs, der Republik oder des Diktators zu sein erklären. Ohne die rechtzeitige Zerschlagung dieses Apparats wird jedes neue Regime früher oder später von dort Rückschläge erfahren. Die Arbeiter brauchten im Nationalsozialismus nicht erst Enttäuschungen zu erleben, denn sie hatten keinen Augenblick an ihn geglaubt. Die äußerliche Zurückhaltung, wie sie insbesondere in den ersten Monaten der Hitler-Regierung in den Betrieben zu beobachten war, spricht nur für die Ueber- legenheit der geschulten Arbeiter, ihre besonnene Kraft und den Entschluß, den Zeitpunkt des eigenen Handelns selbst zu wählen. Aber auch die SA-Leute, die in wachsendem Maße in die Betriebe gesteckt werden und einstige NSBO-Mitglieder beginnen die Wahrheit des deutschen Arbeitslebens zu erkennen. Es ist ihnen nicht verborgen geblieben, daß nach der Zerschlagung der Gewerkschaften auch die Entmachtung der NSBO gefolgt ist. Sie wissen heute, warum Herr D r. L e y„Arbeiterführer" bleiben und warum Engel, der frühere Treuhänder erschossen werden mußte. Die Beseitigung des Arbexterschutzes, der Lohnabbau und die disziplinarische Unterordnung der Arbeiter unter den„Führer des Betriebs" vollenden das Bild. Die unlösbar gewordenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben den Druck, wie er auf dem arbeitenden Deutschland lastet, noch verschärft und so die Atmosphäre geschaffen, in der das Schlagwort von der„z w e i-t e n Revolution" populär werden konnte und in der sich die Rebellion der Röhm und Konsorten entwickelt hat. Weder Röhm noch Heines noch Emst hatten jemals mit Hitler, Göring und Göbbels um die Befreiung des Arbeiters gestritten, ihnen ging es um persönliches Cllquengezänke. Aber der Untergrund, auf dem sich die blutige Auseinandersetzung am 30. Juni vollzogen hat. war erst gegeben, nachdem die gesellschaftliche Massenbasis Adolf Hitlers zu wanken begonnen hatte. Das Janusgesicht Adolf Hitlers war den eigenen Anhängern unerträglich geworden. Die Politik für die Reichen, die Propaganda für die Armen, diese Heuchelei verstanden auch die Naziproleten. Sie drängten den Führer zur offenen Entscheidung. Hitler hat mit dem ganzen Aufwand seiner nationalsozialistischen Treue keinen Augenblick gezögert mit dem Blut seiner Kameraden den kapitalistischen Auftraggebern zn beweisen, daß er ihr Diener sein will, koste es was es wolle. Am Anfang des Dritten Reiches hat die AUiance Hugenberg-HlUer-Papen gestanden. In diesem Dreibund haben Schwerindustalt und feudale Reaktion dem Kanzler Hände festgehalten, damit er nie u nationale Revolution hinaus zustoßen wagt. Hugenberg hatte die Geduld verloren, um die Proklamierung der unverfälschten monopo kapitalistischen Diktatur abzuwarten Erst nach der Proklamation Papens in Marburg haben Hitlers Verbündete ihm wieder Hand gelassen in der Gewißheit, daß er] SA-Freund zerschmettern würde, der es wagt. die Hand gegen die kapitalistische Alleinherrschaft zu erheben. Wer die 25 punkte der Nationalsozialisten nicht sehn genug vergessen konnte, mußte sterben. SA und NSBO gehören nach 17 Monaten e Vergangenheit an, wer's nicht glaubt, wi erschossen. Mit dem Abschluß der Reinigungsaktion vom 30. Juni ist nicht nur die SA, sondern die„Nationalsozialistische Arbeiterpartei aufs schwerste getroffen. Adolf Hitler ha seine Massenbasis selbst zerstört, bevor sem Anhänger ihn zur Rechenschaft ziehen konnten Die Totalität der Kitlerpartei im Staat besteht nicht mehr. Wohl sind Partei und Staat eines geblieben, aber nur in dem Sinne. daß die Partei, die SA. SS usw. Organe eines Staates sein werden. Dieser Staa ob mit oder ohne Hitler vom Monopolkapitalismus und vom Großgrundbesitz beherrsch. er wird gestützt von Wehrmacht und Polizei. Die zu erwartende Verschärfung der Ge waltherrschaft ist nur scheinbar eine Festi- eung von Hitlers Macht. Der Führer von gestern ist zum Geführten der kapitalistischen Mächte geworden. Auf die getarnt reaktionäre Politik Hitlers I. wird die offen arbeiterfeindliche Regierung Hitlers II. folgen. Die beginnende Zersetzung des Faschismus wird die politische Arbeit der sozialistischen Kräfte erleichtem und aktivieren, u Illusionen und spontane Ausbrüche ist in e kein Raum. Wohl ist die Massenbasis des Regimes erschüttert, sie in wachsendem Maße im Gegnern zu durchsetzen, bleibt die nächste Aufgabe der revolutionären Arbeiterschaft. Der wirtschaftliche Niedergang wird mit dazu beitragen, das Fundament der Diktatur im Volke weiter zu verengen. Der Glorienscbei des Führers ist verblaßt, der Glaube an den Retter zerstört. Die Unzufriedenheit und de Unwillen enttäuschter Massen sind noch negativ oppositionelle Faktoren. Aus der dumpfen Rebellion den Willen zur sozialistischen Revolution zu wecken, ist noch ungelöste Auf- gabe-_ Demonstrative und putschistische* munterungsversuche wären in dieser tuation unverantwortlich. Die marxistisc Arbeiterschaft wird den Strom der Unzufriedenen vom enttäuschten SA->Iann 7.um betrogenen Kleinbürger nur auffange" können, wenn sie über das eigene soz.ahstl sehe Wollen klar Auskunft zu geben ver- mag. Die ideologische Klärung über Weg und Ziel der kommenden revolutionären Kämpfe mu zur Sammlung der zersplitterten Gruppen illegalen Arbelt führen, und sie wird geeign sein, in den Kreisen des Neuproletariats nac der mit Hitler erlebten Enttäuschung e1" wirkliche Vorstellung sozialistischen Wolle" zn verbreiten. Zur Aufklärung in den Betrieben wird es in nächster Zelt an Stoff nie fehlen. Die veränderte Lage ist geeignet, ver stärkte Zuversicht für diesen Aufklärungsdienst zu geben, vorausgesetzt, daß die beiterbewegung gewült ist. sich auf 1 eigene Kraft und nur auf sie zu ve lassen. Alle Spekulationen, bei denen 1 nächster Zeit möglichen Kombinationen vo Regierungsumbildung Anschluß finden z können, sind verhängnisvoll. Die geschichtliche Aufgabe des deutschen Proletariats, den Sturz der fasclu stisch-kapitalistlschen Diktatur zu erzwingen läßt sich nicht verkleinern. Es gilt, die Krise des deutschen Faschismus zu nutzen, um die eigene Front der re volutionären Arbeiterschaft zu verbreite� und zu vertiefen. Wenn diese erste"" schwere Krise bereits nach 17 Monaten' lerregime eingetreten ist. müßte die Verfaus erscheinung ein Grund mehr sein, die wichtig ste Voraussetzung für den Erfolg kommen Kämpfe zu schaffen, die Einheit sfro" der Arbeiterklasse. Der Zeitpunkt, die Kräf � der Arbeiterbewegung auf der Basis eine revolutionären Mindestprogramms zusamme"- zuf Uhren Ist gekommen. Ansätze der Vers dlgung in Frankreich bestätigen, daß Einheitsgedanke in der Arbeiterklasse lebe" dlg ist. Für das arbeitende Volk Deutschlan wird die Einheitsbewegung zur Schicksa s frage, denn die zweite Revoluti"� wird die sozialistische Revol" tlon sein! S. A. Nr. 58 BEILAG® IctittBacmMs 22. Juli 1934 Das blutige Vorbild Tyrannen des Altertums: Sulla und die Proskriptionen Als der Auslandspresaechef des Dritten Reiches, Hanfstaengl, gelegentlich eines Besuches in London gefragt wurde, was Hitlers Lieblingslektüre sei, antwortete er: Die Lebenserinnerungen des römischen Staatsmannes Sulla. Es war das letzte Jahrhundert vor Beginn Unserer Zeitrechnung. Marius, der sieg- ' eiche Feldherr und Liebling des Volkes, wurde alt. Sullas Stern ging auf. Im Heere des Marius begann der hellblau- zugige, blondlockige Patrizier die ersten Lorbeeren zu ernten. Als der Feldzug zu Ende War und Sulla sich um die Gunst des Volkes Zu bemühen begann, um hohe Staatsämter zu erwerben, warf sich ihm Marius entgegen. b�och Sulla ließ prächtige Spiele mit hundert bcmähnten Löwen und mauretanischen Jä- S�nr veranstalten, sparte nicht mit Bestechungen und gewann schließlich das Volk doch. Jedes neue Amt kostete neue Gelder Und so mußte jedes Amt auch neue Gelder schaffen. Sulla plünderte Vorder- asien aus. die Klage,, die gegen ihn bei seiner Rückkehr wegen Erpressung angestrengt wurde, erstickte er mit Gold. Für Sullas Aufstieg zum blutigen Diktator, den Rom bisher gehabt hatte, bildete sein Heer die Leiter. Während der Demokrat Marius Zucht und Ordnung als demokratische Tugenden von jedem Soldaten Um ihrer selbst willen verlangt hatte und UUt bestem Beispiel vorangegangen war, kam 68 Sulla neben der Tapferkeit vor dem Feinde uur auf den Gehorsam gegen seine Person ah. Er ließ die Soldateska wüten, so viel ste wollte, deckte jede Untat und war so bald der geliebte Führer. Mit»Heil Sulla!« begrüßten ihn seine Landsknechte. Während der Belagerung von Pompeji Wurde der Befehlshaber des sullanischen Be- 'agerungskorps, der Konsul A 1 b i n u s, von 8clnen Soldaten, die sich von ihm fälschlicherweise dem Feinde verraten glaubten, mit Stei- hen und Knütteln erschlagen. Sulla begnügte 'ich, die Truppen zu ermahnen, durch tapfe- res Verhalten vor dem Feinde die Erinnerung an diese Tat auszulöschen. Auch dem Kon- 'ul C a t o wäre es beinahe ähnlich ergangen, aUch da wurde der Anstifter nicht bestraft. Und als Cato kurze Zeit darauf wirklich in einem Gefechte umkam, ging es von Mund � Mund, daß seine eigenen Offiziere die Mör- dcr seien. Marius und Sulla bewarben sich um das Dberkomando im Kriege gegen den asiati- 'chen König Mithridates. Im Bündnis 'bit dem Volkstribunen Sulpicius gelang 68 Marius, ein Gesetz einzubringen, das ihm üen Oberbefehl übertrug; doch die Anhänger �hllag wollten die Beratung vertagen. Sul- Pieiua griff zu den Waffen, auf öffentlichem Markte wurden viele Sullaner getötet, Sulla 'clbst entging nur dadurch knapp dem Tode, 'laß ihm Marius sein Haus öffnete. Als er es Ver»eß, hatte er der Annahme des Gesetzes, Marius den Oberbefehl übertrug, zuge- 'timmt. Der Versuch, durch Obstruktion den �iÜen des Volkes zu verfälschen, war niedergeschlagen. Einige Oberste gingen zur Armee ab, um Sle Marius zuzuführen. Doch bevor sie im La- £er eintrafen, war schon Sulla da und berich- *cte, daß er abgesetzt sei und der strenge ■�•rius die Truppen nach Asien führen solle. � Steinen schlugen die empörten Soldaten 016 Obersten tot. Marius rächte sich durch Ermordung der freunde Sullas in Rom und Plünderung ihrer Zuser. Sulla aber marschierte auf Rom, des- aen souveräne Bürgerschaft der blasierte Pa- �äer nur als Pöbelhaufen wertete. Er ach- keine hellige Bannmelle, zum ersten Male Ia der Geschichte der Stadt brach ein römi- 'chea Heer den Stadtfrieden. In wenigen Stunden war Sulla unbe- *cllränkter Herr von Rom. Auf dem 0riim brannten die Wachtfeuer seiner Legio- 'leö' während der Senat die geflüchteten Geg- Marius, Sulpicius und zehn andere auf üilas Befehl gegen alles Recht, ohne die �gerschaft oder Geschworenen zu befragen, 2um Tode verurteilte. Wenige Tage 1 0rZer hatte Marius dem flüchtenden wehr- j0Sen Sulla sein Haus geöffnet und dem Rlva- en kein Haar gekrümmt. Jetzt setzte der Patrizier auf dessen Kopf sogar einen hohen Preis. Doch während Sulpicius durch den Verrat eines Sklaven das Leben verlor— sein Haupt wurde von Sulla auf eben derselben Rednertribüne zur Schau gestellt, von der Sulpicius noch vor wenigen Tagen gesprochen hatte— gelang Marius mit seinen Anhängern eine abenteuerliche Flucht. Sullas Weg nach Asien ging über Griechenland, in dem bereits einzelne Empörungen ge- | gen die römische Herrschaft emporgeflackert j waren. Die heiligen Haine wurden umgehauen, ' die unverletzlichen Heiligtümer ihrer schönsten und kostbarsten Weihgeschenke beraubt. Und die Soldateska plünderte. Frühere römische Feldherren waren in Griechenland an der Spitze gut disziplinierter Truppen eingefallen, die gelernt hatten zu gehorchen, ohne daß ihnen geschmeichelt Und nun wandte sich Sulla an der Spitze seiner siegreichen Truppen zurück nach Rom. Was kümmerte Sulla, daß die Nation in ihrer großen Mehrheit von ihm nichts wissen wollte! Sullas Sieg bedeutete das Schreckensregiment des Adels. Während der siegreiche Diktator vor versammeltem Senat eine Rede hielt, wurden unweit in einem Meierhaus die Gefangenen mit ihren Feldherren, insgesamt etwa 3000 bis 4000 Menschen, darunter viele Verwundete, niedergehauen. In den Tempel, in dem der Senat tagte, drang das Klirren der Waffen und das Stöhnen der Sterbenden und als die Senatoren darüber erschraken, sagte Sulla mit unveränderter ruhiger Miene, sie sollten nur auf seine Rede achtgeben und sich um das, was draußen vorgehe, nicht beküm- Liebling des Volks zu sein— Heil Hitler dir! wurde. Sulla, der durch Staatsstreich den Oberbefehl erzwungen hatte, mußte um die Gunst der Soldaten buhlen, mußte ungeheure Summen auf die Lustbarkelten der Truppen verwenden, deren Dienste erkaufen und so wurde er selbst zum Sklaven der verbrecherischesten Menschen, um über das Volk in der Heimat herrschen zu können. Kein römischer Feldherr hatte gegen Sulla Aussichten, denn da er seinen Soldaten mehr erlaubte als je ein römischer Heerführer, verführte er die anderen zur Fahnenflucht. Trotzdem raffte sich das Volk von Rom wieder auf. Sulla wurde neuerdings abgesetzt und geächtet, er erhielt kein Geld und keine Zufuhr mehr, so daß er den Krieg mit den Hilfsmitteln Griechenlands weiterführen mußte. Athen fiel, die Zahl der Getöteten berechnen die Geschichtsschreiber nach dem Wege, den das vergossene Blut durchflössen hat. Unbekümmert darum, was Rom sagte, zog er gegen Mithridates, besiegte ihn und schließlich auch ein römisches Heer, das— Marius war Inzwischen gestorben— unter einem rechtmäßigen Feldherrn nach Asien gezogen war, um zuerst Sulla zu schlagen und dann im Lande Ordnung zu machen. mern; es würden auf seinen Befehl einige böse Leute gezüchtigt. Weitere Hinrichtungen folgten, nicht nur in Rom, sondern in ganz Italien. Gerichtsverfahren gab es nicht. Ein Gesetz wurde erlassen, das dem Prokonsul Lucius Cornelius Sulla für die Vergangenheit die nachträgliche Billigung aller von ihm vollzogenen Amtshandlungen, für die Zukunft aber das Recht gab, über Leben und Eigentum der Bürger in erster und letzter Instanz zu entscheiden, mit den Staatsdomänen nach Gutdünken zu schalten, die Grenzen Roms, Italiens, des Staates nach Ermessen zu verschieben, in Italien Stadtgemeinden aufzulösen oder zu gründen, Uber die Provinzen und abhängigen Staaten zu verfügen, die höchsten Beamten zu ernennen und endlich durch neue Gesetze für die Zukunft den Staat zu ordnnen. Die offizielle Titulatur lautete;»Diktatur zur Abfassung von Gesetzen und zur Ordnung des Gemeinwesens«, und es versteht sich, daß niemand diesem Gesetz zu widersprechen wagte, auch nicht als später kraft seiner die Bürgerschaft, die einst souveräne Urversammlung, dem Reichstag der neuen Zeit vergleichbar, zwar innerhalb der Diktatur erhalten blieb, das heißt ihr Namen sorgfältig konserviert wurde, um desto sorg- fältiger ihre Tätigkeit zu verhüten, und auch die zuständige Körperschaft auf das Recht zu Verfassungsänderungen Ja zu sagen, beschränkt wurde. Auf Grund dieses Gesetzes erklärte Sulla al s»Feinde des Vaterlandes« für vogelfrei sämtliche Zivil- und Militärbeamte. die in der letzten Zeit für die Demo- kratie tätig gewesen waren, und jene Burger die ihr in auffallender Weise Vorschub geleistet hatten. Wer einen dieser Vogelfreien tötete, war nicht bloß straffrei wie der Henker, der befehlsgemäß eine Hinrichtung vollstreckt, sondern erhielt auch für seine Tat eine Vergütung von 12000 Dinaren(10.000 RM.). Je er hingegen, der eines Geächteten sich annahm. selbst der nächste Verwandte, unterlag der schwersten Strafe. Das Vermögen der Geächteten verfiel dem Staat gleich der Feindesbeute. Kinder und Enkel der Geächteten wurden von der politischen Laufbahn ausgeschlossen- auch Sulla rechnete mit unbeschränkter Dauer seiner Gesetze— und auch ihr Vermögen beschlagnahmt. Das Schrecklichste an diesem Schreckensregiment war. daß nun keiner wußte, wer eigentlich geächtet ist, so daß sich Sulla entschließen mußte. Listen der Geächteten, Proskriptionslisten, aufzusteUen. 4700 Namen trug diese Bluttafel schon und noch immer wußte man nicht, ob sie geschlossen sei. Freunde wandten sich an Sulla. sie bäten nicht um die. die er zu toten beschlossen habe, sondern sie bäten nur, diejenigen, die er am Leben lassen wolle, von der Furcht und Ungewißheit zu befreien. Doch Sulla antwortete, er wisse noch nicht, wer am Leben bleiben werde. Kein Tempel eines Gottes, kein gastfreundlicher Herd, kein väterliches Haus, blieb wie berichtet wird, von Mordtaten rem. Männer wurden oft in den Armen Ärer Gattinnen und Söhne vor den Augen ihrer Mütter hingerichtet. Doch die Zahl derer, die aus politischen Gründen ihr Leben verlor, war gering gegen die, die um llirer Güter willen sterben mußten. Selbst die Henker scheuten sich nicht zu sagen; Den hat sein großes Haus, jenen sein Garten, diesen sein warmes Bad getötet. Zu seinem Entsetzen fand sich mancher be einem Spaziergang auf den Markt auf der Liste und er hatte noch nicht einige Schritte getan, sank er auch schon unter den Dolchen belohnungssüchüger Mitbürger zusammen. Die wildesten und schändlichsten Leidenschaften rasten viele Monate hindurch unge- fesselt durch ItaUen. Die Häupter der Getöteten, die der Diktator in der juganschen Gasse auszustellen befohlen hatte, häuften sich zu Bergen. Es kam sogar vor, daß die Ermordung der Eintragung in die Aechtungs- liste voranging. Was will es daneben bedeuten, daß Sulla das Grab des Marius, der einst Rom vor den ambern und Teutonen gerettet hatte, aufreißen und die wehrlose Asche in den Arno streuen, die Denkmäler, die die Heldentaten des großen Demokraten verherrlichten, umstürzen ließ? Waren die Blutopfer unter Marius aus revolutionärer Leidenschaft Im Kampfe gefallen, so wurde unter SuUa kalt und gleich- gültig ein wehrloser, niedergerungener Gegner niedergemetzelt. Eine Macht gab es, auf die Sulla Rücksicht nahm. Das waren seine ausgedienten Soldaten. Sie siedelte er auf eingezogenen Gütern an. 120.000 Landlose wurden verteilt und damit eine scheinbar ewige Schutzgarde für die sullanische Diktaturverfassung geschaffen. denn das Eigentumsrecht an diesen Ländereien schien auf Gedeih und Verderb mit der Adelsdiktatur verknüpft. Und doch, trotzdem der in vielen Schlachten und Kriegen siegreiche, nicht ein einziges Mal als Feldherr unterlegene Sulla zum ersten Male in der römischen Geschichte die Brutalität des Siegers im Bürgerkrieg zum öffenüichen Anschlag der Namen tausender als vogelfrei erklärter Männer, zur Ausstellung der Köpfe der Ermordeten, zur Belohnung der Mörder mit festen Summen, die in die öffentlichen Kassenbücher ordnungsmäßig eingetragen wurden, zum öffentlichen Verkauf der eingezogenen Güter als feindliche Bcirfee auf Niedermetzalung wWerBpenstägar TJtrteegebe- ner und zynischem Ktajfcsrtitn