6osiald*m*lralifcf)*0 IVr. 60 SOWTiG. 5. Augusi 1034 � erlag; Karlsbad, Hans„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Lohnlügen— Lohnraub Verbrechen gegen den Frieden Die Wirtschaftsruine Der unbekannte Faschismus Hitler Reichspräsident Zerstörte Illusionen— Die Generale paktleren mit Hitler Hlndenburg ist tot Der Oberbefehl über die dentsobe Reichswehr ist an Hitler gefallen. Die Politik der Reichswehr hat U"" Bündnis mit Hitler bekräftigt. Das ®*lchskabinett hat am 1. August 1931 bc- •chlossen: § 1. Das Amt des Reichspräsidenten Jjrtrd mit dem Reichskanzler vereinigt, infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt �inen Stellvertreter. § 2. Dieses Gesetz tritt mit Wirkung yom Zeitpunkte des Ablebens des Keichspräsidenten in Kraft. Der Reichswehrminister Blomberg rc- die Wehrmacht an: »Schreiten wir den Weg in die deutle Zukunft weiter voller Vertrauen auf den Führer des deutsehen Reiches «nd folgt Adolf Hitler.« Beichswehr, Großbürgertum und Hitier- c'iDls Bedrohung Oesterreichs ist maßlos �Politisch, da sie die universelle antlger- "'«Uüache Solidarität Ins Lehen ruft, während 'k' natlf>rnti«nT Wahn Im Parade- J�titt dem Welthaß entgegengeht. Der Na- onalsoziallsmus, von einem unbegreiflichen 2u»tand des Wahnsinns bis zum Paroxys- 'llu* getrieben, hat das Verbrechen als ein Eßtisches Instrument der Vernichtung, des Metzels und des Terrors zur Anwendung �bracht. Das Urteil der Geschichte Ist be- 1,6118 gefallen."(Popolo d' Italla). Diese Worte sind bis zum letzten wahr. '�t5er— und das Ist das erschütternde— *'6 sind nicht um der Wahrheit �'ilen geschrieben! Sic waren vor 6'nem Jahr schon ebenso wahr wie beute, �•bals aber jubelte die Presse Mussolinis dem. natlonalsoziaUstischen Paroxys- J�bs zu! Damals war es an der Zelt, die ' tirnrr.f' zu erheben gegen die verhängnis- Vo"e Entwicklung zum Kriege hin— damals *1>er haben sie geschwiegen, In Italien, In f�gland, in Frankreich! Heute endlich er- obt sich der Schrei der Empörung und des �bscheus. Heute sagt die Presse Mussolinis r5 Wahrheit— aber sie sagt sie nur um er Kriegspropaganda willen! Diese Presse eines Regimes, das gleich utbeflekt ist wie das System Hitler, das �lel<:h dem System Hitlers das Verbrechen "V politischen Instrument gemacht hat, •bmt ein in die allgemeine Empörung der Menschlichkeit über den europäischen Eiterherd— aber nur, um diese Empörung zur Kriegspropaganda zu mißbrauchen. Denn was heute in der italienischen wie in der deutschen Presse geschieht, das Ist offene Kriegspropaganda! Ein Maß des Hasses, der Leidenschaft, der fieberhaften Erregung spricht aus den deutschen und Italienischen Zeitungen, das umso gefährlicher ist, als es sich auf beiden Selten um eine Presse handelt, die nicht frei, sondern auf Befehl Stellung nimmt. Es sind die Töne, die wir aus dem August 1914 her kennen! Der„Deutsche" antwortet der italienischen Presse: „Das sind nur die Menschen, an deren Freundschaft wir einmal glaubten, deren Besuche wir mit aller Gastfreundlichkeit, deren der Deutsche fähig ist, bei uns aufnahmen, deren faschistische Fahnen wir grüßten und deren Chöre und Kapellen wir bejubelten. Das sind die Leute, die uns noch vor wenigen Wochen durch das Theater In Venedig darüber hinwegzutäuschen verstanden, daß der Welsche Welscher bleibt, wie Im Lauf der Jahrhunderte, wie im August 1914, wie an dem Pfingsten des Verrates Im Jahre 1915, wie jetzt!" Sie feiern jetzt in Deutschland und Ita- lien die zwanzigjährige Wiederkehr des Beginnes des Weltkrieges, sie feiern sie mit der Wiederbelebung einer journalistischen Kriegshetze, die daran zweifeln läßt, daß der Krieg noch nicht ausgebrochen ist! Sie feiern ihn noch anders, noch gefährlicher! Im Norden Italiens marschieren die Truppen— Tcilmobilisation! Die deutsche Reichswehr trifft im Stülen militärische Gegenmaßnahmen. Sie verstärkt den Grenzschutz, sie schiebt größere Trup' penverbände nach Süddeutschland. Das gefährliche Spiel ist im Gange! Mussolini droht mit Einmarsch in Oesterreich. Er hofft, daß die Mächte ihn nicht in den Arm fallen werden, er fühlt sich von England gedeckt. Es gehen Gerüchte über ein Italienisches Ultimatum. Das ist der Zustand Europas im August 1934— zwanzig Jahre nach dem Beginn des Weltkrieges! Die Demonstration ihrer Majestät der Kanone ist eine unheilschwangere Erinnerungsfeier! Die beiden faschistischen Systeme stehen heute einander in erbittertem Hasse gegenübet-, bereit zum Kriege. Sie waren einig in der Verherrlichung des aggressiven Nationallsmus, einig in dem Verlangen nach Revision, nach Neuverteilung der Welt, einig im Willen zur Aufrüstung, gleichgültig ob ob legal oder illegal, einig in der kriegerischen Korrumpierung der Völker, einig im Willen zur Zerstörung des Völkerbundes— aber sie sind nicht einig über die materiellen Kriegsziele. Der Friede ist in Gefahr! Seine Bedrohung geht aus von den Ländern der Diktatur: Deutschland, Italien, Oesterreich! Hindenburg'- JVekrolog Paul von Hindenburg gehört nun nur noch der Geschichte an. Er wird für alle Zeiten eine ihrer merkwürdigsten Gestalten bleiben. Denn sein Leben ist wie ein Märchen. Im Frühjahr 1914 geht ein 67jähriger pensionierter General in Hannover spazieren, liest sein Militärwochenblatt, geht in seinen Klub, plaudert von alten Zeiten. Er hat keinen Ehrgeiz. Verläuft alles normal, so wird er die Oeffentlichkeit niemals beschäftigen, bis auf die dreizeüige Notiz, in der die„Kreuz-Zeitung" eines Tages sein Ableben melden wird. Da kam der Krieg. Man beschließt in Berlin, den General Ludendorff, der als das Genie des Generalstabes gilt, an die Spitze der gegen Rußland operierenden Truppen zu stellen. Aber Ludendorff ist noch jung, ehrgeizig, eigensinnig und nervös. Allein kann man ihn nicht wirtschaften lassen. Man braucht einen älteren ruhigen Mann, der neben ihm auf dem Kutschbock sitzt und aufpaßt, daß ihm die Pferde nicht durchgehen. Man findet keinen geeigneteren als Paul von Hindenburg. Nun dauert es nur noch Wochen und Hindenburg ist ein berühmter und gefeierter Feldherr, dessen Bild in allen Zeitungen steht und alle Gasthäuser schmückt. Genau so sieht er aus, wie sich naive Massen einen siegreichen General vorstellen. Seit der Schlacht von Tannenberg ist er ihr unbestrittener Liebling und Held. Gläubig blicken sie zu ihm auf. Die psychologische Krise des Sommers 1916 läßt sich nur dadurch überwinden, daß Ludendorff und Hindenburg an die Spitze der Obersten Heeresleitung gestellt werden. Es ist nicht der WUle des Herrschers, es ist die Volkstümlichkeit, die die beiden Heeresführer auf die Spitze der Macht emporträgt. Hindenburg und Ludendorff! Bis zum Herbst 1918 sind sie die wahren Diktatoren der Rechten: Ludendorff diktiert, gedeckt durch Hindenburgs militärische Kolossalfigur. Ludendorff diktiert Siegfrieden, Kampf gegen Scheidemann, der uns um die Früchte unserer Siegerparolen bringen will. Unbeschränkter U-Bootkrieg, Sturz Kühlmanns, Ernennung von Michaelis. Die Pferde gehen durch. Hindenburg sitzt neben Ludendorff auf dem Kutschbock und macht eine kraftvolle Figur. Im September 1918 ist es so weit Der U-Bootkrieg hat versagt, sonst stehen fast 2,000.000 Amerikaner an der Westfront. Unwiderstehlich drängen die englischen Tanks vor und drücken die ausgehungerten, abgekämpften Deutschen zurück. Mit dem Zusammenbruch der mazedonischen Front ist der Zusammenbruch vollendet. Hindenburg und Ludendorff gestehen, daß sie am Ende sind und schreien nach Waffenstillstand. „Wehe dem Volk, das seine Waffen fünf Minuten zu früh an die Wand stellt!" Mit diesen Worten wendet sich, von wenigen verstanden, der„Vorwärts" gegen das plötzliche, krampfhafte und überstürzte Friedensbedürfnis der beiden großen Kriegshelden. Es half aber nichts. Die Ding« waren schon zu weit. Die Waffen� ■tillstandsbitte der Feldherren konnte von der Entente nur so aufgefaßt werden, daß »ich Deutschland auf Gnade und Ungnade ergab. Das deutsche Volk aber, dem man bis zum letzten Tage erzählt hatte, man siege wie man will, sah sich plötzlich vor dem Abgrund. Ludendorff ging und wurde durch G r o e n e r ersetzt. Hindenburg blieb. Wilhelm floh im Einverständnis mit Hinden bürg nach Holland. Hindenburg blieb und übernahm die Aufgabe, die Truppen nach Hause zu führen, richtiger, er hielt mit seiner massiven Autorität das Offiziers korps zusammen. Die Offiziere verständigten sich mit den Soldatenräten und so ging es leidlich. Andernfalls hätte das Zurückfluten der Truppen zu einer unermeßlichen Katastrophe geführt. Der strengen Monarchisten, die Hindenburg der Treulosigkeit gegen Wilhelm II. beschuldigten, waren nur wenige. Das Bild des Generalfeldmarschalls blieb in den Wirtschaften hängen, nachdem die meisten Kaiserhilder schon längst entfernt waren. Bei seiner Vernehmung vor dem Par- lam entari sehen Untersuchungsausschuß waren alle Urteilsfähigen über die Primitivität seines Denkens erstaunt. Aber in den Gängen des Reichstages und auf der Straße jubelten Tausende seiner imponierenden Körperlichkeit zu. Nicht viel später, Anfang 1920, tauchte zum ersten Male in der„Kreuz-Zeitung" der Name Hin- denburgs in Verbindung mit der Reichspräsidentenschaff auf. Die Rechte spürte damals frischen Wind und rief nach der Volkswahl des Reichspräsidenten, wie die Verfassung sie vorsah. Freilich konnte sie sich noch nicht über die Kandidatur einigen. Hindenburgs Nennung stieß auch bei ihr auf starke Bedenken. Hindenburg war 73 Jahre alt und als Staatsmann noch nicht einmal Anfänger. Als dann fünf Jahre später Friedrich Ebert starb, dachte an den 78jährigen General, der noch immer nichts von Politik gelernt hatte und gar nichts von ihr verstand, kaum ein Mann. Die Rechte präsentierte den volksparteilichen Oberbürgermeister von Duisburg J a r r e s, und erst als seine Niederlage drohte, entschloß sie sich, dem Kandidaten des„Volksblocks" WilhelmMarx den alten Feldmarschall als Kandidaten des„Reichsblocks" entgegenausteilen. Auf den Schultern des Transportarbeiters Thal mann, der auch im zweiten Wahlgang, nachdem doch schon im ersten gezählt worden war, auf einer völlig sinnlosen Zählkandidatur bestand, zog Hin denburg in das Palais des Reichspräsiden ten ein. Für die Republikaner war es einebedeutendeNiederlage. Die meisten von ihnen glaubten schon damals, das Ende der Republik sei gekommen. Hindenburg aber wurde eine Enttäuschung für alle, eine unangenehme für seine Wähler, eine angenehme für seine Gegner. Er behielt die Beamtenschaft Eberts, setzte seine Tradition fort und ernannte sogar im Frühjahr 1928 streng konstitutionell den Führer der bei den Wahlen siegreichen Sozialdemokratie Hermann Müller zum Reichskanzler. Auch unter der Regie rang Brüning blieb er noch korrekt. So entschlossen sich die republikanischen Par- teien, diesen korrekten Reichspräsidenten, dessen siebenjährige Amtsperiode im Früh jähr 1932 abgelaufen war, als einzigen aus sichtsrachen Kandidaten dem Abenteuerer Hitler entgegenzustellen. Der korrekte Reichspräsident, der mittlerweile 85 Jahre alt geworden war, nahm an. Seit jener Wahl erscheint der alte Mann völlig verwandelt. Er jagt seinen getreueaten Vorkämpfer Brüning schnöde davon, stellt die Reichswehr zu dem heim tückischen Ueberfall FVanz von Papens auf die preußische Staatsregierung zur Verfügung und verhandelt mit Hitler über seine Ernennung zum Reichskanzler, läßt ihn zweimal ablaufen, ernennt, als Rapen unmöglich wird, den General von Schleicher, jagt aber auch diesen gleich wieder davon, sowie er leise Neigungen zeigt, den Linken ein wenig entgegenzukommen. Schließlich, am 30. Januar 1933, ernennt er Hitler und wird damit zum Hauptschuldigen des grauenhaften Unglücks, der ruhmlosen Schmach, die seitdem über Deutschland gekommen ist Er bezahlt dafür mit dem völligen Verlust seiner staatsrechtlichen Macht und seines persönlichen Ansehens bekommt aber noch ein Gut geschenkt, das er annimmt, und das Löh Hitlers dazu. Seine letzte sichtbare Amtshandlung ist jenes Telegramm, in dem er dem regierenden Schmderbannes zur AbseMachtung des Die»versdiworene Clique« Bs wird in den Kreisen der braunen Bonzokratle weiter gemaQ regelt, abgesetzt, eingeeetzt, straf vereetit und kaltgestellt. Auoh der Qauleiter von Pommern, Karpenstein, hat unlängst daran glauben müssen, er wurde, wie der„Völkische Beobachter" mitteilt,„vom Führer persönlich gemaB regelt". Nach welchen Gesichtspunkten solche Maßregelungen freilich erfolgen— das weiß der liebe Gott. Das Unternehmertum weiß es ailerdings auch, es führt dem großen Staatenlenker sogar die Hand, wenn er allzu„radikalen Elementen" einen Scheidebrief schreibt, aber die Lautsprecher des Dritten Reiches tun noch immer so, als werde einzig um der Moral willen„gereinigt". Und ein Teil der Bevölkerung glaubt das, hat noch immer nicht begriffen, daß boi einer wahren Generalreinigung die ganze braune Führergarnitur verschwinden müßte, von der Reichsspitze bis hinunter zum kleinsten Gemeindebullen. Jeder gutgläubige Bürger sieht und riecht nur den braunen Sumpf in seiner allernächsten Nähe, und viele tausende setzen sich hin, um dem vermeintlich gar so sittenstrengen Führer Adolf Hitler ihre Beobachtungen mitzuteilen. In der Reichskanzlei häufen sich die Besch werdebriefe, schmutzige Korruptionsfälle, schwere Roh- beitsexzess, ekelerregende Vergehen an Jugendlichen werden angeprangert—— und der Führer? Verbittet sich durch seinen Stellvertreter dieses„Denunziantenunwesen" aufs schärfste. Heß gibt offen zu, es liege„eine große Ansah 1 Besobwerdaa vor", droht aber gleichzeitig: „loh bin enteotaloeeeo, mich schützend vor jeden treuen und eauberen Führer der NSDAP, zu eteilen, der als Vertreter der Bewegung zu Unrecht verleumdet wird und künftig böswillige und leichtfertige Verleumder und Ehrabschneider sowie nach Möglichkeit auch allen feigen, anonymen Denunzianten durch das öffentliche oder Parteigericht zur Rechenschaft ziehen zu lassen." Nun, bei dem herrschenden Terror in Deutschland wird kein normaler Mensch sich beschwerdeführend an die Reichskanzlei wenden, ehe er nicht stich- und hiebfestes Material beisammen hat. Das wäre Selbstmord. Die Behauptimg, die immer wieder durch die braune Presse geht, von den Beschwerdeschrelben, die bis In die höchsten Staatsspitzen gehen, seien 95 bis 98 Prozent unrichtig und 65 Prozent seien auf Böswilligkeit zurückzuführen, ist auagekochter Blödsinn.— Aber was hilft's, ob ein Unterführer „treu und sauber" ist, das kann kein Laie beurteilen, das hat mit moralischen Qualitäten gar nichts zu tun, das hängt allein von der Verwendbarkeit, Verdorbenheit, Kriechbereitschaft und Verschwiegenheit des braunen Würdenträgers ab. Wehe den gerechten Anklägern! Rudolf Heß befleißigt sich In seiner Bekanntmachung immerhin des üblichen, stubenreinen Tones, denn seine Worte könnten auch im Ausland beachtet werden. In der Provinz hingegen pfeift es anders, in der Provinz wird ganz unverblümt zugegeben, daß jede Kritik verboten ist. Genau wie zu Röhms Lebzelten. Da berichtet z. B. öl« „Nordhäussr Zeltung" über eine„Mitgliederversammlung" des Kreisabschnittes der NSDAP. In dieser Versammlung wurden laut Bericht des nationalsozialistischen Blattes von den führenden Nordhäuser Braunen folgende Aeußerungen getan: Es gibt auch in Nordhausen noch Kreise, die gegen uns arbeiten und sich sogar bemühen, unsere Ehre abzuschneiden. Wir werden es aber verstehen, die Gerüchtemacher verdientermaßen zur Rechenschaft zu ziehen. Wir haben nichts anderes zu tun, als zu arbeiten für die Bewegung, zu opfern für die Bewegimg, den Mund zu halten und keine Gerüchte zu verbreiten. Und weil dem so ist, muß ich mir für mich und alle meine Kameraden verbitten, daß uns nur noch irgendwie hier etwas angehangen wird... Wir brauchen keine Debatten, sondern es kommt allein darauf an, daß jeder Befehl der Gauleitung sorgfältigst ausgeführt wird... Unsere Zeit braucht keine Kritiker, sie braucht nur Volksgenossen, die ihre Pflicht erfüllen... Es gibt nur eine Forderung: weg mit der Kritik, hinein In die Arbeit..• Wir von der Bewegung sind eine verschworene Clique. Keiner darf den anderen angreifen lassen. Und wer sich gegen die„verschworene Clique" von Gangstern, die sich des deutschen Staates bemächtigt hat, Klage zu erheben wagt, der wird gefoltert, gekillt, zertrampelt. Nicht einmal die Namen der Abgeschlachteten werden mehr bekannt gegeben.— Denooch häufen sich die Beschwerdebriefe zu Bergen— und eines Tages wird sich das Volk die Antwort darauf holen! Das Geheimnis des Reichstagsbrandes Ein SA-Mann, Ernst Kruse, Nr. 134.522. hat von der Schweiz aus an Hindenburg einen Brief Uber den Reichstagsbrand geschrieben. und zugleich der„Deutschen Freiheit" eine Abschrift gegeben. Dieser Kruse stellt sich als der letzte aktive Brandstifter vor. Er behauptet, Im Besitz von Akten Röhms zu sein, die er der englischen. Regierung, zur Kenntnis und Veröffentlichung übergeben werde. Die„Deutsche Freiheit" hat diesen Brief mit allen Reserven abgedruckt. Er ist seither zu einer Weltsensation geworden. Die italienische Presse benutzt ihn bei ihrem Feldzug gegen Hitler. Der wesentliche Inhalt dieses Briefes ist folgender: Am 10. Februar 1933 wurde von K ö h m Heines und Ernst eine Gruppe von 10 Mann ausgesucht, darunter auch Ich, zu einer vertrauten Sitzaug. Der Plan des Brau des wurde genau besprochen und jeder gefragt, ob er mitmache, d. h. er wurde unter E I d gelegt, zu schweigen und weitere Befehle abzuwarten. Ein Mann namens 1> o- b i k e lehnte ab, er könne es mit dem Gewissen nicht vereinbaren, das zu tun. Er wurde abgeführt, wir haben ihn nie mehr gesehen, er durfte doch nicht aussagen In seinem Innern Druck. Wir andern ahnten, wohin er kam und schwiegen, wir Ehepaares von Schleicher und ungezählter anderer gratuliert Dann stirbt er. Für sein Verhalten in der zweiten Amts- periode gibt es keine Entschuldigung, keine moralische und keine politische. Keine moralische, weil auch zunehmende Geistesschwäche eine solche Häufung von Untaten nicht zu entschuldigen vermag. Keine politische, weil die Krise von 1932/1933 auch für einen Staatsmann von mäßigem Verstände unschwer zu lösen war. Schon waren die Nationalsozialisten im Rückgang • vor ihnen zu kapitulieren, ihnen die Verfassung, die beschworenen Volksrechte preisgeben, war Wortbruch, Eidbruch und Verrat! Entschuldigen läßt sich nichts, erklären vieles. Der körperlich imposante Hindenburg war ein unbedeutender Mensch. Er hat sich 20 Jahre lang als Attrappe brauchen lassen, von Klugen und Dummen, von Ehrenmännern und von Schurken. So konnte es kommen, daß zum Schlüsse Pa- lastlntrigen und schmutzige Hausinteressen über die Interessen des Reiches obsiegen. Um Familie und Freunde aus dem Osthilfesumpf zu retten, stößt er das ganze deutsche Volk in den blutigen Morast So nimint er, nachdem er sich jahrelang in den Strahles eines unverdienten Ruhmes gesonnt hat, ein ktägliefass Ends. wußten, daß wir sonst die Sonne nicht mehr scheinen sehen würden. Van der Lübbe war dem Stabschef Böhm hörig, und well er ein ganz verrückter Streber war, und sich überall groß machen wollte, wurde er mitbestimmt den Reichstag anzuzünden, d. h. Ihm wurde nichts gesagt von uns, er sollte ganz allein einsteigen, mit Fackeln, die ihm geliefert wurden, die- Nebonräume anzünden nach ganz bestimmter Vorschrift, wir aber sollten im genau gleichen Zeitpunkt den großen Saal anzünden mit Ezploslvbrandstoff. Wir mußten zweimal nachts Uebung-b- halten und vom Fräsidentenpalais aus durch den Kellergang hinstürmen und wieder forteilen. Ich will mich mit den Vorarbeiten nicht lange aufhalten, jetzt die Namen nennen, die direkt beteiligt waren: Was diese Leute gehalten haben? Mich schaudert, wenn Ich daran denke, mich schandert aber auch, wenn Ich daran denke, daß meine Kameraden, denen unter Todes- drohung die Tat abverlangt wurde, alle naeh und nach veraoh wanden, der eine früher, der andere später. Nur Böhm, Heines, Ernst und Nagel waren nc ben mir noch am Leben In der letzten Zelt- Nagel ist aber auch am SO. Juni mit Heines erschossen worden." Heines, Ernst, als Führer, jeder eine Gruppe von 5 Mann, dann Brähm, Stettmann, Nagel, Sirop, Kununelsbach, Dieriger, Bratschke, Lehmann, Schmitz und Kruse. Ich kann heute die genaue Zeit auf die .Minute nicht mehr nennen, als der Befehl kam In der Nacht des 27. Februar, als wir im Keller des Präsidentenpalais von Görlng versammelt waren, daß van der Lübbe bereit« am Hanse angekommen sei. Jeder von uns hatte einen Zellofansack mit einem leichten Pulver darin und eine Bolle Zellnloldstrelf en. Was für Pulver, das wurde uns nicht gesagt. Wir hatten jeder Befehl, die Säcke an ganz bestimmten Orten aufzustellen, mit den Streifen zu verbinden und den Streifen gegen den Ausgang des Kellers anszuzlehcn. Dort standen Ernst an einem Streif enbündel, am andern Heines und als wir uns znrUckgczo- gen hatten zum Kellereingang, zündeten diese auf einen Befehl Böhms, der Inzwischen sich überzeugte, daß van der Lübbe Im Nebensaal herumsprang, die Streifen an. Feuerschlangen nach allen Seiten, wo der Sack getroffen wurde, ein dumpfer Ton und wie brennendes Mehl war die Luft voll und sofort war alles in einen brennenden Dunst eingehüllt. Wir flohen sofort. Das Werk war getan. Van der Lübbe wurde, wie verabredet, getroffen, das sollte ja so sein, man hatte Ihm versprochen, daß er nach der vielleicht ziemlich langen Haft, die man eben nicht vermelden könne dem Volke gegenüber, Ihn wohl verurteilen werde, aber man werde Ihn dann heimlich entlassen und mit viel Geld nach Amerika spedieren, wo er es gut haben könne. Ein reicher Mann, du könne man schon mal ein paar Monate sitzen, besonders wenn man es Ihm so bequem als möglich maehe, Gemelnnu� geht vor Eifgennu�f Von der Reichsreglemng und den nationalsozialistischen Führern wird Im Gegensatz sü den Tatsachen stehts von neuem wieder dl« Behauptung aufgestellt, Löhne und Gehälter seien mit der Machtübernahme stabil geblieben. Das geschieht sicher vor allem deswegen, weil den sinkenden Arbelterund Angestelltenlöhncn steigende Untcrnebmerproflto gegenüberstehen. Der Unternehmerproflt macht im Dritten Reich unter dem Schutz der Nationalsozia- Usten große Fortschritte, und der von Ihnen proklamierte Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" hindert sie nicht, diese auf Kosten der Arbeiterschaft zunehmende kapitalistische Bereicherung zuzulassen. Die Nationalsozialisten dulden, daß das Unternehmertum sich an der mit öffentlichen Geldern durchgeführten Arbelts-Beachaffungs* aktion bereichert, sie dulden, daß die Preise nicht herabgesetzt, sondern durch die von der Regierung geförderten Kartelle noch erhöht werden. Ueber den zusätzlichen G«* w 1 n n, der den kapitalistischen Unternehmern imfolge höherer Ausnutzung der Pro* duktlonskapizltät zufließt, macht das Institut für Konjunkturforschung diese Feststellung� „Da mit dem Anwachsen der Produktion der Druck der fixen Kosten abnimmt, müssen die Erträge der Un* ternehmungen sich mehr gebessert haben, als es der Produktlonszunah- me entsprechen würde. Immer mehr geben in der Produktionswirtschaft die Unternehmungen auch dazu Uber, die Deflationsreste zu beseitigen, ihre Schulde11 zu tilgen; die Liquidität der U»' ternehmungen hat sich erhöbt- Während das Lohnniveau der deutschen Arbeiterschaft sich dem niedrigsten in Mittel" europa nähert und eben jetzt wieder durch die Herabsetzung der Arbeltszeit einen neuen Sturz erlebt, können die kapitalistischen Unternehmer sich über steigende Profite freuen! So denken sich die Nationalsozialisten di® wahre Volksgemeinschaft und die Verwirklichung des Grundsatzes:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" Schiebt man den Lügenschle!- er der Phrasen beiseite, so wird das Dritt® Reich sichtbar, in dem die kapitalistische Pf0' fitsucht das Elend der jeden Schutzes berau''' ten Arbeitermassen immer welter steigert. Terbredien in Permanenz In Schillers„Kabale und Liebe" gibt ••nen knalligen AkUchluQ: der allmächtige Staatspräsident will(He unebenbQrtlge Gewebte seines Sohnes durch Polizei abführen 'assen, alle Beschwörungen prallen an dem Hartherzigen ab. Da in äußerster Verzweif- lung droht der Sohn dem Vater, er werde den Leuten draußen erzählen,„wie man Minister wird." Töddlich erschrocken lenkt der Alte �n... Schillers Präsident ist nur ein kleiner The aterschuft. Er hat zwar einmal den frevleri- schen Mut besessen, seinen Amtsvorgänger durch ein Kriminalverbrechen aus dem Wege Zu räumen, aber weiter langt es nicht. Als Produkt eines degenerierten Zeitalters weiß er nicht einmal, daß auf das Staatsverbrechen die Beseitigung der Mitwisser als wichtigste Maßnahme zu folgen hat. Diesem französischen Rokokominister fehlt der stahlharte Zug, jenes wahrhaft Deutsche, das den erdachten Deutschen des Dritten Reiches eigen tzt. Hitlerdeutsch sein, das heißt ein Verbrechen unbeschwert von sentimentalen Erwägungen, bis zur letzten Konsequenz zu Ende � führen. Es wäre verfrüht, eine Statistik darüber aufzustellen, wieviele Menschen in Deutschland seit dem Reichstagsbrand mit dem Tode gebüßt haben, daß sie wußten,„wie man Minister wird." Der Hellseher Hanussen, Rohms ehemaliger Vertrauter Dr. Bell, der deutschnationale Fraktionschef Dr. O b e r- fohren, Marinus v. d. Lübbe, ihnen allen ist der Mund geschlossen worden, der bätte ausplaudern können, durch welche Kette von Verbrechen die heute In Deutschland Herrschenden an die Macht gelangt sind. Rohm, Heines, Ernst sind zwar nicht in erster Linie aus diesem Grunde abgeschlachtet worden. Sicher war aber ihre Mitwisserschaft um den Reichstagsbrand •in Hauptgrund, weswegen man nicht einmal •in gerichtliches Scheinverfahren gegen sie durchzuführen wagte: sie hätten angesichts �•a grandiosen Treubruches ihres toten Chefs nüt der letzten Kraft ihrer Lungen herauage- ••bnien,„wie man in Deutschland Minister wird." Sicherlich hatte der jüngst von der amerikanischen Polizei niedergestreckte Gangster Hillinger viel weniger Menschen auf dem Ge- �iwea, als während der letzten anderthalb Jahre im Auftrag und im Geiste der gangster- bafteaten aller Regierungen gemeuchelt wor- den sind, sicher waren auch nicht die Häupter Ifgendwelcher auswärtigen Mächte unter den Von Dilllnger Gemordeten. Absolut sicher aber waren die Taten Dil- bhgers viel primitiver und nicht den hundert- ■ten Teil so gemein, als die Verbrechen, die "birch die pervertierten Gehirne de«„Systems Rlumpfuß" ausgebeckt worden sind. Dilllnger Väubte Banken aus, und wer Ihm in den Weg �at, den schoß er nieder. Brutal, aber offen. Niemals Ist es Dilllnger etwa eingefallen, Mit seinen Verbrechen in ausgekochtester M�elsa unschuldige Menschen zu belasten. Nie bitte er den Versuch unternommen, vier barmlose Leute der Gegenseite statt seiner "•'bat auf den elektrischen Stuhl zu bringen übd gar dann noch auf Kosten unschuldig Ver- bviellter moralische Triumphe zu feiern. Nle- •bMs hätte er einen Mitarbeiter so zynisch hineingelegt, wie die Machthaber Deutsch- 'anda Ihr Werkzeug v. d, Lübbe. oft haben sich nun schon Hitlers Mör- •ierartne Uber die Grenzen gereckt?— Zwei Tage vor dem österreichischen Putsch wurde In Saarbrücken der demokratisch gesinnte Pollzelkommlssar Machts von einem haken- kreuzlerischen Revolverschützen überfallen, der offenbar während eines vorangegangenen Kuraufenthaltes in Wiesbaden zu der Tat gedungen und ausgerüstet worden ist. Der Mord an Professor Lessing in der Tschechoslowakei, das erste, nur teilweise geglückte Attentat auf Dollfuß sind schon halbvergessene Dinge. Die Assassinen des Mittelalters stellten fast ein kultiviertes Reich gegen dieses dar. Nationalsozialismus ist das Verbrechen in Permanenz, ist die offene Negation des Rechts. Vergessen wir nicht, daß der Reichsjustizkommissar des Dritten Reiches den Begriff des Rechtes dahin definiert hat,„Recht ist, was dem deutschen Volke nützt." Die gradlinige Konsequenz des Satzes lautet:„Jedes Verbrechen, das den Zielen der Nazis dient, ist rechtens." Inklusive selbstverständlich der weiteren Verbrechen, die zu seiner Ableugnung, Verdunkelung und Beseitigung von Mitwissern begangen werden. Die Welt hat in den vergangenen Wochen nicht zu unterschätzenden Anschauungsunterricht erhalten. Das Schlachtfest vom 30. Juni, das Attentat im Saargebiet, der mit deutschen Sprengstoffen und Verheißungen unterstützte, mit Meuchelmord und Verbrechen Inszenierte Putsch in Oesterreich— die Tatsachen sind eindeutig. Wann aber wird die Welt die volle Konsequenz ziehen aus der Tatsache, die kurz formuliert lautet: Das Zentrum Europas ist zur Zeit ein Verbrechernest! Justlnian. Sadisteii und Vor einigen Wochen ging die Meldung durch die Presse, daß die Stadt Berlin die städtischen Vormundschaft 8' stellen für nichtarische Kinder niedergelegt und der jüdischen Gemeinde angeboten hat. Dem Beispiel Berlins folgten binnen kurzem viele andere Städte wie Dresden, Leipzig, Breslau, Nürn b e r g und andere. Dieser Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die Behandlung der Jugendwohlfahrt unter dem Hitlerregime. Grausamkeit gegen jüdische Mütter Es beginnt schon bei den Entbindungsheimen. Sie weigern sich selbstverständlich, eine Nichtarierin aufzunehmen. Darüber hinaus aber werden auch strenge Nachforschungen angestellt, ob die Wöchnerin in jeder Weise den nationalsozialistischen Rassegesetzen entspricht und ob das Kind nicht etwa von einem nichtarischen Vater stammt. Daß diese Frage wichtiger ist als alle anderen medizinischen und hygienischen, geht aus dem Fragebogen hervor, den die Wöchnerinnen, die in das Ent- bmdungsheim■ der Relchsversicherung- in Berlin aufgenommen werden wollen, auszufüllen haben. Da steht an erster Stelle die Frage: Abstammung der Mutter(Rassezugehürig- keit), Abstammung des Vaters(Rassezugehörigkeit), Anerkenntnisunterschrift des.irischen Vaterteils. Erst dann folgen die Fragen nach der ehelichen oder unehelichen Geburt, nach dem Gesundheitszustand der Mutter, den früheren Krankheiten der Elterntelle und die reinmedizinischen Fragen. Es ist kürzlich im Entbindungsheim der Stadt Erfurt vorgekommen, daß man eine Wöchnerin einen halben Tag vor der Entbindung entlassen hat, weil sich herausgestellt hatte, daß der Vater jüdischer Abstammung war.(Thüringische Landeszeitung v. 16. Juni, Ueberschrift: Judengeburt In der Straßenbahn.) Die Wöchnerin wurde infolge der Aufregungen nämlich In der Straßenbahn von starken Wehen überfallen und gab einem Mädchen das Leben. Erst da griff die Polizei ein und brachte Mutter und Kind im städtischen Krankenhaus unter! Eine einheitliche Regelung für sämtliche Krankenhäuser besteht nicht. So kommt es auf die Einstellung der betreffenden Städte Tolle Zustände In Entbindungsheimen und Waisenhäusern oder auch nur der Aerate an, wie sie sich in solchen Fällen verhalten. In der Regel benehmen sie sich allerdings denkbar roh und brutal, wovon nicht allein der Vorfall in Erfurt Zeugnis gibt. Kindersdiändung Streicher veröffentlicht in der Jull-Num- mer«eine«„Stürmer" eine Photographie, die grauenhafter Ist als alle bisherigen Blut-, 8chand- und Lustmordbilder dieses pornographischen Irrenhausorgan«. Die Photogra- Wüe zejgt den Lehrer D. aus Magde- burg und seine höchsten« zwölfjäh- r'äen Schüler. Sie umstehen eine Wand- tafel, auf der In vier Reihen ungefähr zwan- Bilder aus dem„Stürmer" aufgeklebt "'aö. halten„Anschauungsunterricht". �•r Lehrer D. weist mit dem Stock auf die af#', die kleinen Jungen— man sieht sie �r Von rückwärt«— schauen offenbar In- '•resslert tu. Zu dieser Photographie �ralbt das Streicher-Blatt: Nur ein Volk, da« die Juden nicht kennt, '»ßt«ich soweit bringen, daß es Fremd- f assige in seinem Lande so hausen läßt, J*1® die Juden bisher in Deutschland ge-. haben. Das weiß auch der Lehrer in Magdeburg. Er weiß, daß Anschau- das Fundament der Erkenntnis Ist. Er daß das Gelernte unverlierbar wird. ®nn neben dem Ohr auch das Auge des ädea beim Lernen mit dabei war. iJ1® Kinder sehen also: blutende, nackt- brilatige Frauen, denen ein Vampyr(der „Weltjude") das Blut aussaugt, sehen krasse Lustmord-Darstellungen, sehen Karikaturen, die an Blutrünstigkeit nicht zu Uberbieten sind, sehen zeichnerische Produkte einer krankhaft überhitzten Sexualphantasie. Die Kinder hören und lesen, daß der Jude X mit dem verworfenen deutschen Mädchen Y Rassenschande getrieben habe, hören, daß man dem deutschen Mädchen dafür»das Fell vergerben« sollte-- und was so der unschuldigen Kinderreime und Schulgedichte mehr sind. Im deutschen Rundfunk treten gelegentlich Schulchöre auf und singen deutsche Volkslieder— das hört das Ausland. In den deutschen Schulen werden die Kinder mit Streichers mörderischem Gift gefüttert— das soll das Ausland nicht wissen. Aber dem»Stürmer« wird mehr geglaubt als der deutschen Welle. Streicher ist Hitlers Dutzfreund. Mit Hitlers Wissen und unter seiner freundlichen Duldung wird eine deutsche Klndcrgenera- tlon geschändet, verdorben, vergiftet. Hitler Ist für die deutsche Schulschande voll verantwortlich! Marxistenkinder im Waisenhaus Die nationalsozialistischen Prinzipien werden auch auf allen anderen Gebieten der Jugendfürsorge verfolgt. Die Walsenhäuser waren schon früher keine Stätten der Erbauung. Auch hier wird heute streng darauf geachtet, daß ja kein unwissendes kleines Kind nichtarischen Ursprungs sich unter die Edelrasse mischt. Unter den 86.000 Walsenkindern, die Deutachland nach der amt liehen Statistik vom 1. Januar 1934 besitzt, befanden sich 1683 Kinder nichtarischer Ah' stammung(reine Juden nur 416). Alle diese Waisenkinder mußten entlassen werden, wie die„Erziehung", das Organ der sozialen Fürsorgeanstalten im Deutschen Reich, am 27. März berichtet.„Sie wurden in jüdischen Kreisen untergebracht", meldet das Blatt welter. Wie sie untergebracht wurden, wer sich um die kleinen Kinder kümmert, das erfährt man nicht. Einen Zugang an Kindern erfuhren die Waisenhäuser dadurch, daß man unzuverlässigen Eltern die Kinder abnahm und sie auf Staats-, bezw. Gemeindekosten im Waisenbaus erzog. Das„unzuverlässig" ist aber durchaus nicht nur in moralischem Sinne gemeint, sondern in vielen Fällen in rein politischem. In Dutzenden Fällen kam es vor, daß man sogenannten „marxistischen Eltern" das Kind wegnahm und in ein Waisenhaus steckte. Natürlich geht es heute den arischen Kindern dort auch nicht glänzend. Die Auswahl der Beamten ist eine andere geworden und seit der Minister Rust angeordnet hat, daß bei der Auswahl von Wohlfahrtsbeamten und Fürsorgern besonders auf Ihre Erziehung im nationalsozialistischen Sinne und auf blutvolle Volksverbundenheit gesehen werden muß, kann man sich denken, was die kleinen Kinder alles auszuhalten haben! Bemerkenswert ist dabei gleich, daß sich die Sterblichkeit in den Waisenhäusern und Fürsorge- anstalten im ersten Vierteljahr 1034 gegenüber demselben Zeltraum im Jahre 1633 wesentlich erhöht hat. 1033 betrug die Sterblichkeitsziffer 8 Prozent, 1934 11 Prozent.(Mitteilung des Geaundheltsmlnistert- ums vom 4. Mai 1934.) Schon daraus kann man ersehen, welche Sorgfalt heute den Kindern entgegengebracht wird! Revolte im Erziehungsheim. Schlimmer noch steht es um die Erziehungsheime oder Fürsorgean- stalten. Dort hat man selbstverständlich alle jene Beamten, die von früher her als human„verschrieen" waren, abgebaut und sie durch Prügelpädagogen ersetzt. Daß man heute in der deutschen Presse nichts von skandalösen Vorgängen In den Erziehungshelmen mehr liest, ist kein Beweis, daß sie nicht vorkommen. Heute ist es Selbstverständlichkeit geworden, daß geprügelt wird. Man findet nichts dabei. Das ist alles in der Otdnung. Als in Gollnow im November vorigen Jahres bei einer P.evolte der Zöglinge drei von ihnen erschossen und zwölf schwer verletzt wurden, brachten die deutschen Zeltungen nur eine ganz kurze Notiz darüber und am nächsten Tag krähte kein Hahn mehr darnach. Immer öfter kann man In den Blättern lesen, daß Irgendein Schüler wegen angeblicher marxistischer Betätigung ohne Befragen der Eltern In eine Fürsorgeanstalt überwiesen wurde. Wie es ibwi da ergebt, kann man nur ahnen. Am 3. Mal meldete der„Ostpreußische Beobachter", daß die ersten Abgänge aus dem Erziehungshelm Freesen seit dem Machtantritt Hitlers geschlossen in die Hitlerjugend eingereiht wurden. Sie bilden einen eigenen Zug und haben ein Jahr Bewährung bekommen. Von einer Stellenvermittlung oder einer Unterbringung in einem Beruf war keine Rede. „Spartanische Erziehung" ist heute das Schlagwort. Die Humanitätsduaelel wie man auf nationalsozialistischer Seite die moderne pädagogische Jugenderziehung voll Spott nannte, hat aufgehört. Aufgehört hat aber auch jede soziale Fürsorge. An ihre Stelle trat die Brutalität. Das Produkt solcher Methoden wird einmal ein gewichtiger Zeuge gegen die Mordaera des deutschen Nationalsozialismus sein! Adiüing* Rohrstode! Vor uns Hegt das Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend, betitelt„Wille und Macht". Der Leitartikel und die darauf folgenden Aufsätze sind unlesbar, Sie wimmeln von Wortreihen wie diesen: „Die unendlichen Gefahren, die in der Stimmung einer Masse verankert sind, kennt jeder, der selbst vor solchen gestanden hat" oder: „UnendUche Male Ist der Satz aufgestellt worden, daß der Soldat heute nur bestehen kann und die Zelt gestaltet, wenn er die Identität des Sozialismus Ist." Wir wissen weder, wie der Soldat das anfangen, noch wie der Leser das verstehen soll. Aber die heranwachsenden Nazlf Uhrer sind nicht zum Verstehen berufen, sondern zum Hackenzuaammenschlagen und Männchenmachen. Es ist erstaunlich, wie klar und eindeutig die Sprache des„Führerorgans" mit einemmale wird, wenn ein Hakenkreuzkadett es wagt, von der Parteimeinung abzuweichen. Da hat z. B. ein Unglückseliger gefordert, man solle nicht müsalg von Uebersee- K o 1 o n 1 en schwärmen, man sollte lieber den Osten zu kolonisieren versuchen, das diene dem deutschen Staat viel hesser. Der Junge bat diesen Gedanken nicht einmal selbständig gefaßt, er hat einfach die einstmalige Parteibibel, Hitlers„Mein Kampf" gut gelesen. Neben vielen gleichen und ähnlichen Bekenntnissen findet sich darin der Satz: „Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Lande im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bruderpolitik der Zukunft." Aber es ist nicht ungefährlich, sich im Jahre 1934 auf das zu berufen, was Adolf Hitler einige Jahre zuvor schrieb, sprach, verhieß und beeidete. Das hat Böhm, das haben andre mit Ihm erfahren müssen und das versucht Dr. Jung, Amtsleiter des Kolonlalpoll- tischen Amtes der NSDAP dem Jungen Unzufriedenen auch im„Führerorgan der nationalsozialistischen Jungend" begreiflich zu machen. Er schreibt unter Fortlassung all jener vernebelten Phrasen, die sonst diese Zeltschrift füllen, schlicht und kernig: „Du solltest nicht von uns„Kolonial- Ideologen" als„Staatsfeinde" sprechen. Der Führer könnte da ernstlich böse werden, wenn er das hört, und, wenn er auch die Jugend sehr liebt, Dich etwas beim Ohr nehmen,— und da hat er manchmal einen harten Griff." Mit anderen Worten;„Maul halten, mein Söhnchen, sonst knallt es!" In der Tat— so erzieht man eine heldenhafte Führergeneration! So erzieht man „Führer", die gehorchen, ohne nachzudenken, die handeln, ohne zu glauben, die lieber tausendmal lügen, ehe sie einmal auf eigne Gefahr für die Wahrheit einstehen. So erzieht man ein Geschlecht von Kriechern und Feiglingen--- oder ein Geschlecht von Rebellen, die eines Tages den Spieß umkehren und Ihre eigenen Erzieher mitsamt ihren Phrasen und Lügen und Drohungen zum Teufel schicken. DeutsdibewufUc Juden Eine reichsdeutsche Bucbanzeige; „Wir deutschen Juden von Dr. Hans Joachim Schoeps Die Schrift des deutschbewußten Judentums! Vortrupp-Verlag, Berlin". Mit einem ehrenden Progromvorwort von JuUus Streicher und einem Geleltmotto:„Nieder mit uns! Nieder mit uns!" W irtsdhafts-Rnin! Was die Gangsters aus Deutsdiland gemadit haben TDie Transferverhandlungen nä- he.-n sich allmählich ihrem Abschluß. Am 26. Juli ist der Vertrag mit der Schweiz zustandegekommen. Während das Abkommen mit England deshalb von Bedeutung war, weil es die R e i c h s s c h u 1 d e n regelte und die Fortzahlung der Zinsen auf die Dawes- und Your.ganleihe bedingte, ist die Schweizer Vereinbarung deshalb wichtig, weil sie die Regelung der Privatschulden enthält. Ebensowenig wie für die Reichsschulden hat Hit- lerdeutsch'.and für die Privatschulden das beabsichtigte Vollmoratoriura, den vollständigen Zahlungsaufschub erreichen können. Ja, die Schweiz hat sogar die Einräumung irgend e ner Schonfrist strikt abgelehnt! Deutschland zahlt die Zinsen auf die Privatschulden fort und zwar in der Höbe von 4'-i Prozent. Da der durchschnittliche Zinssatz ca. 6 Prozent betrug, so bedeutet das an sich eine Erleichterung. Aber auch die Differenz bleibt nicht etwa Deutschland, sondern fließt in einen Amortisationsfonds, aus dem deutsche Schuldtitel, die Schweizer Bürger gehören. zurückgekauft werden. Die Schweizer Besitzer der Dawes- und Younganleihen werden ebenso befriedigt wie die englischen, das heißt, sie erhalten die Zinsen unverkürzt, während die Tilgung gestundet wird. Aktienbesitzer erhalten die Dividende bis zu 41,2 Proz. voll, den Mehrbetrag zur Hälfte ausgezahlt. Um die deutschen Zahlungen zu sichern. wird ein Verrechnungsabkommen abgeschlossen. Alle für Deutschland bestimmten Zahlungen— zum Beispiel der Schweizer Exporteure— werden bei der Schweizer Nationalbank eingezahlt, die deutschen, für die Schweiz bestimmten Zahlungen bei der Heichsbank. Da die Schweizer Handelsbilanz gegen Deutschland stark passiv ist—- im Jahre 1933 hatte der Einfuhrüberschuß der Schweiz aus Deutschland 270 Millionen RM betragen, während der Zinsendienst nach der neuen Vereinbarung auf ca. 100 Millionen zu schätzen ist— so hat die Schweiz jederzeit die Summen zur Verfügung, mit denen sie ihre Gläubiger befriedigen kann. Erlangung dieser Sicherheit bildete für die Schweiz auch den Grund, für den Abschluß des Abkommens den Nachlaß an den Zinsen zu gewähren. Denn, wie der Schweizer Verhandlungsführer sagte, einen„Zins von 4 Vi Prozent, für den Innerhalb der Schweizer Grenzen ein Pfand besteht, zu bekommen, Ist vorteilhafter als ein solcher von 6 Prozent zugut zu haben, dessen Transfer sehr unsicher Ist." Aus den bei der Schweizer Nationalbank eingezahlten Beträgen werden demnach erstens die Warengläubiger, die Exporteure nach Deutschland, befriedigt, zweitens die Zahlungen aus dem Fremdenverkehr, drittens die Zinsgläubiger. Ein weiterer Betrag von monatlich 5 Millionen Franken wird zur Verfügung gehalten, um daraus die Zinsen für die(kurzfristigen) Stillbalteschulden zu dek- ken und ein weiterer Devisenüberschuß wird für den erwähnten Amortisationsfonds reserviert. Das Abkommen ist dabei langfristig, grundsätzlich auf fünfJahre, abgeschlossen. Allerdings sollen Revisionsverhandlungen gefordert werden können und äußerstenfalls auch eine vorzeitige Kündigung zulässig sein. Mit dem Abkommen wurde auch zugleich beiderseits eine kleine Anzahl von Zoll- und Kontlgentserleichterungen zugestanden. Man sieht, statt des von Deutschland ursprünglich geforderten völligen Zahlungsaufschubs, Ist nur eine Zinserleichterung um etwa 25 Prozent erreicht, Nach dem Schweizer Vorbild wird auch die Regelung mit Holland, mit dem eine grundsätzliche Einigung bereits erzielt ist, und wahrscheinlich auch mit Frankreich erfolgen, während Vereinbarungen mit Schweden und vor allem mit dem wichtigsten Gläubiger, den Vereinigten Staaten, noch ausstehen. Die amerikanische Regierung hat Verhandlungen überhaupt schroff abgelehnt, gleichzeitig aber gegen jede Schlechterstellung ihrer Gläubiger protestiert. Die deutsche Regierung hat darauf zugesagt, daß eine Diskriminierung unterbleiben werde. Die Devisenbilanz Wie immer aber schließlich die Einzelheiten der verschiedenen Abschlüsse endgütig aussehen werden, die Hauptfrage bleibt, ob und wie lange denn diese Verträge gehalten werden. In einer Zelt, wo es noch mit dem völligen Zahlungsaufschub rechnete, hat das Konjunkturinstitut geschrieben, auch dies genüge nicht, um die Deviscnbilanz in den kommenden Monaten völlig auszugleichen; es bedürfe vielmehr außergewöhnlicher Maßnahmen, um ein weiteres Absinken der Ausfuhr unter die Einfuhr zu vermeiden. Diese Maßnahmen-Drosselung der Einfuhr durch Einfuhrverbote und Beschränkungen, durch äußerste Verringerung der Devisenzuteilung— sind bereits getroffen worden und haben den ganzen deutschen Außenhandel in zunehmende Verwirrung gestürzt. Trotzdem ist es der Reichsbank bisher nur gelungen, ihre Goldreserve von ca. 77 Millionen gerade noch zu behaupten! Das Konjunkturinstitut rechnete beim Vollmoratorium mit einer Ersparnis für das Halbjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 1934 von rund 250 Millionen. Davon ist aber jetzt keine Rede mehr. Die Ersparnis wird sich etwa um 75 Millionen bewegen. Dazu kommt aber infolge des schlechten Ernteausfalls eine Erhöhung des Devisenbedarfes um schätzungsweise 100 Millionen, die größtenteils noch dieses Jahr belasten werden. Die Drosselungsmaßnahmen werden also noch über das In Aussicht genommene Maß verschärft werden müssen. Gleichzeitig bedeuten aber diese komplizierten Verrechnungsabkommen, die ungeheuerliche Erschwerung der Zahlungsabwicklungen überhaupt, geradezu eine Abschrek- kung der ausländischen Käufer, d, h. eineweitcre Verringerungdes Exportes. Nun bestehen ungefähr jetzt schon 40 Prozent der deutschen Ausfuhr aus Zusatzexporten, die zu einem erheblichen Teil nicht Devisen bringen, sondern mit Scrips und Sperrmark bezahlt werden. Sinkt aber der devisenbringende Export, so erzwingt dies neue Drosselung der Einfuhr. Diese findet aber ihre Schranke an der politischen und sozialen Notwendigkeit, die Beschäftigung der deutschen Industrie, die Ernährung der Bevölkerung und die Erhaltung des Viehbestandes einigermaßen zu sichern. Und so scheint uns die deutsche Unterschrift unter den Verträgen, die jetzt geschlossen werden, recht unsicher zu sein. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß die Schweizer sich ihrer Erfolge fünf Jahre lang erfreuen werden! Produktionseinschränkung Unterdessen macht sich die Wirkung der Verringerung der Rohstoffeinfuhr auf die Beschäftigung der deutschen Industrie immer stärker geltend. Wir haben bereits über die Reduktion der Arbeitszeit in der Textilindustrie auf 36 Stunden berichtet. Diese Maßnahme wird jetzt dadurch ergänzt und verschärft, daß vom 1. August an jeder deutsche Verarbeiter von Rohbaumwolle monatlich höchstens 70 Prozent derjenigen Menge verarbeiten darf, die er im Durchschnitt der ersten drei Monate 1934 verbraucht hat. Da die Beschäftigung der Baumwollspinnereien in den letzten Wochen den Stand des ersten Quartals im erheblichen Maß überschritten hatte, geht die Produktionseinschränkung wesentlich über eine Einschränkung von 30 Prozent hinaus. Ebenso sind bei den Nichteisenmetallwalzwerken die Verarbei- tungskontingentc auf den Stand des Rohmaterialverbrauches des ersten Quartals reduziert worden. Flucht in Sachwerte. Die Furcht vor der Verknappung der unentbehrlichen Rohstoffe und die zunehmende Angst um die Währung führt trotz aller Strafandrohungen der Regierung zu Preissteigerungen. Wir reden hier nicht von dem Ansteigen der Lebensmittelpreise, die ja die Hitlerdiktatur bisher mit allen Mitteln gefördert hat, noch von dem Steigen der Preise der Fertigwaren, das einerseits durch die fortschreitende Kartellierung, in letzter Zeit aber durch das Hamstern von Anzügen, Kleidern, Wäsche und Haushaltungsgegenständen jeder Art hervorgerufen ist. Interessanter noch •und Preissteigerungen, die die Flucht in die Sachwerte auch bei den Besitzenden erkennen lassen. Die Häuserpreise z. B. sind innerhalb des letzten Jahres etwa Im Ausmaße einer 44 SUÜ Mtk Okk.. Wenn Reden helfen könnten, müßte Deutschland Hochkonjunktur haben! Der Staatsrat Wagner hat auf einer Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront Westfalen-Süd freilich vorgebeugt, als er betonte, man dürfe die Gesundheit eines Staatswesens nicht nur nach dem Zustand seiner Wirtschaft beurteile n." Wohl deshalb nicht, weil es sich inzwischen in der ganzen Welt herumgesprochen hat, daß die deutsche Wirtschaft nach achtzehn Monaten nationalsozialistischer Herrschaft alles andere als gesund i s t. Zwar sagt der Staatsrat etwas später. daß„unter der Regierung Hitlers die Linie der Entwicklung steil nach oben gestiegen se i". Aber den Mut zu dieser Aeußerung hatte er doch nur, well die SS ihn vor augenblicklicher Berichtigung durch die anwesenden Arbeiter schützte. In Wirklichkeit ist es mit der Wirtschaft nach unten gegangen und es scheint, als ob sich diese Rückentwicklung in den„rasenden Sturz" verwandeln sollte, den der Redner für den Fall voraussagte, daß die Nationalsozialisten das Heft aus der Hand gäben! Die angebliche Entwicklung„steil nach oben" hat die Wirtschaft im Dritten Reich nach Auffassung mancher gleichgeschalteter Volkswirtschaftler und Sozialpolitiker bereits wieder einem Zustand genähert, der auf einem Vollfl. Schweine über 300 Pfund Lebendgewicht.• Vollfl. Schweine von 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht Vollfl. Schweine von 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht Vollfl. Schweine von 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht Das ist innerhalb sechzehn Tagen eine Preissteigerung um durchschnlttlicb 10 Mark pro Zentner oder nahezu 30 Prozent! Schneller kann die Entwicklang„stell nach oben" kaum gehen. Schulungskursus von Bauernführern und Vertrauensleuten einen Dr. Schäfer fordern ließ: „Wir müssen wieder zu dem patriarchalischen Arbeitsverhältnis kommen, der Weltanschauung des Ich die des Wir entgegensetzen." Danach soll der Unternehmer wieder der Herr über den Arbeiter sein, der ihm bedingungslos zu gehorchen hat. Nun: auf dem Wege zu diesem Ziel ist die nationaisozlalistiscbe Reaktion schon ein großes Stück vorgeschritten. Nur führt der Weg nicht nach oben, sondern zurück ins Mittelalter. Staatsrat Wagner behauptet weiter: „Aus Angst vor einer europäischen, nationalsozialistischen Revolution haben sich alle Materialisten gegen Deutschland zusammengeschlossen. Der Kommunist geht dabei Arm in Arm mit dem modernen Raubrittertum des Hochkapitalismus." Mit dem modernen Raubrittertum des Hochkapitalismus aber hat niemand anders einen innigeren Pakt geschlossen als die Partei dieses Staatsrates Wagner: die NSDAP! Sic hat sich den hochkapitalistischen Raubrittern um Krupp, Thyssen, Wolf völlig untergeordnet! Die Entwicklung„steil nach oben" ist unbestreitbar bei den Preisen festzustellen. Es kostete am Berliner Schlachtviehmarkt ein Zentner Lebendgewicht 1. Juni 1934 17. Juni 1934 37 bis 38 RM. 47 bis 48 RM. 36 bis 38 RM. 46 bis 48 RM. 34 bis 36 RM. 43 bis 46 RM. 32 bis 33 RM. 39 bis 41 RM. Jahresmicte gestiegen. Für Nichteisenmetalle liegen die offiziellen Preise nur ca. 20 bis 30 Prozent über der Londoner Parität und die„schwarzen Preise"— denn das gibt es auch schon wieder— noch höher. Nach Silber— verarbeitet und unverarbeitet— wächst die Nachfrage. Für Platin aber werden etwa 4 Reichsmark per Gramm bezahlt, etwa 1 Mark mehr als dem Londoner Preis entspricht. Die Preise für große Diamanten haben seit den letzten Monaten nur etwa ein Viertel angezogen; große Diamanten liegen in B-rlin um 25 Prozent, kleine Diamanten um etwa 20 Prozent über der Amsterdamer Parität. Wir haben hier schon einmal gesagt, daß eine Inflation in Deutachland nicht mit dem Anfang, sondern sozusagen mit dem Ende beginnen würde. Am Anfang der Inflation steht sonst zunehmende Beschäftigung, allmählich steigende Preise, wachsender Export, kurz eine Zelt der Scheinblüte, die mit dem Schrecken der Stablllsle- rungskrise ihr Ende findet. Die deutsche Situation ist dadurch charakterisiert, daß die Rohstoffschwierigkeiten bei schon völlig erschöpften Goldreserven eingetreten sind, die Beschäftigung der Industrie nicht zunehmen, der Export sich nicht ausdehnen kann, die Preissteigerungen infolge der sehr berechtigten Furcht vor dem völligen Zusammenbruch rasch zunehmen und der Schrecken nicht am Ende, sondern am Anfang steht. Wie diese Kerle die deutsche Wirtschaft ruiniert haben! Dr. Richard Kern. Wie wenig der Zustand der Wirtschaft für die Gesundheit des Staatswesens zeugt, dafür ist auch das Absterben eines großen und alten Bankhauses in Frankfurt a. M. und Berlin ein Beweis. Die lazard Speyer-Elissen-Kommandlt-Aktlenge- sellschaft hat auf ihrer Generalversammlung die formelle Liquidation, also die vollständige Auflösung ihres Unternehmens beschlossen. Die Firma besteht länger als 116 Jahre. Die Frankfurter Zeitung bemerkt vorsichtig dazu, daß„starke Fehler in der Führung und Entwicklung der Firma aus den letzten Jahren vor der Krise zu dieser negativen Entscheidung zweifellos beigetragen haben; aber im Grunde ist der Vorgang ganz in das wirtschaftliche und politische Geschick Deutschlands verflochten, wie es sich durch den Krieg und in seinem Gefolge gestaltet hat." M argarine-Prasser Die Margarine ist den deutschen Arbeitslosen und den hungernden Arbeiterfamilien durch die Reichsgesetzgebung gründlich versalzen worden. Wer nicht Butter und Schmalz kaufen kann, soll seine Stullen trocken essen, basta! Zwar gibt es sogenannte„Bezugsscheine" für billige Margarine, aber die Ware reicht nicht zu, die Butter wird immer teurer und der Ersatz immer knapper. Die Händler klagen, die Käufer klagen, und das Gemurre wrurde mit der Zeit so laut, daß verschiedene Stadtväter etwas zu tun beschlossen. Sie taten das, was in Fällen der Unzufriedenheit üblich ist: sie suchten und fanden einen Schuldigen. Wer ist Schuld an der Margarineknappheit? Natürlich nicht die Regierung, sondern die reichen Leute. S i e prassen in Kunstfett, schlagen sich den Bauch mit Margarine voll, die Schlemmer,. und der kleine Mann kann sehen, wo er bleibt. Stadtrat, Handelskammer, Gewerbekammer und NS-Hago, Zittau, haben einen großen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Es ist vielfach festgestellt worden, daß Volksgenossen mit sehr auskömmlichen Einkommen nur die billige Margarine beim Einkauf fordern. Einmal ist schon ein solches Verlangen nur ein Verbrechen gegenüber den minderbemittelten Volksgenossen. denen allein das Kontingent der billigeren Margarine zusteht, zum anderen ist es Pflicht der noch bessergestellten Familien, an Stelle der bisher verbrauchten Margarine In ihrer Wirtschaft nur noch Butter und Schweineschmalz zu verwenden, weil sie erstens dazu schon aus Gründen ihres Einkommens leicht in der Lage sind, ferner Sozialismus praktisch in die Tat umsetzen und dadurch selbst mit dazu beitragen. daß das bewilligte Kontingent an billiger Margarine vollkommen ausreicht und alle Klagen der Händler wegen unzureichender Margarinemenge verstummen müssen. Der Aufruf hat aber außer dem leicht kenntlichen Pferdefuß auch noch einen Schwanz, am Schlüsse steht nämlich zu lesen: Wir müssen aber auch den Händlerstandpunkt aufs schärfste zurückweisen, das Kontingent von billiger Margarine zu erhöhen, um auch den Export von solcher nach dem Ausland wieder flott zu machen- Nein und nochmals nein; Erst kommt mein Volk und dann die anderen..... Aha! Jetzt wissen war genau, warum der Export in Deutschland so katastrophal zurückgeht, warum die große Pleite an all« Türen klopft: die wahren Patrioten gönnen dem Ausland keine deutschen Fertigprodukte. sie geben keinen einzigen Strumpf her— nicht ums Verrecken!— Wer denkt hier nicht an jenen Schildaer Kaufmann, der zuerst an seine Familie dachte, den Laden schloß, lrl Gemeinschaft mit seinen Kindern alle Vorräte aufaß— und dann betteln ging? IVeudeutsche Herzschläge Aus den Mitteilungen der Rundfunkg«* Seilschaft: „Nur aus Vergangenem und Gegenwärtigem zugleich baut sich die Zukunft a� Wenn irgendwo im Sinne dieser Forderung des Führers gearbeitet wird, so im braunen Haus des deutschen Geistes. Die Rundfunk- führung fordert von den neuen Männern Funkhäuser, daß sie das lebendige Leben beim Genick packen und es gestalten. P8* Mikrophon ruht heute, am Herzen des Volkes und vernimmt seine® Pulaschlag." Nr. 60 BEILAGE Itcutttattfris 5. August 1954 Frauen sind die Opfer ..Die Frauen haben leider stets für die Verbrechen der Manner büßen müssen." Das sagte Hitler in seiner Rede vor dem Sogenannten Deutschen Reichstag am 13. Juli, El3 er das Verbrechen vom 30. Juni zu verteidigen suchte. Das ist ein walires Wort. Das einzige wahre. Wort, das Hitler je gesprochen hat. Und er muß es ja wissen. Denn er ist Gründer und Führer einer Partei, die die-völlige politische Entrechtung der Frau zum Programm erhoben hat und die als eine ausgesprochene Männerbewegung und Parteisöldnerarmee die Prau unter allen möglichen Begründungen dorthin zurückdrängen will, wo sie nur noch Bis passiv Dienende und Duldende die Folgen der ausschließlich von Männern gemachten Politik zu tragen hat. Sie hat dem aus der Politischen Schlacht heimkehrenden Partei- ktieger clas Bärenfell hinzubreiten, hat ihm, Zum Lohne geschmückt mit allen Attributen säuerlicher Tugend, t/eib und Seele zu hätscheln und dem Männerregiment im trauten Meim, in dem es Jahr für Jahr nach dem Kamillentee der Wochenstube zu riechen hat, die künftigen Parteisoldaten und die künftigen Mütter künftiger Parteisoldaten zu gebären. Im übrigen aber hat die Frau das still duldende Opfer des Verbrechens der Männer Zu sein. Das darf als Frauenpflicht und Erauerdos ein Mann proklamieren, dessen Re- Rinie im reichsdeutschen Original und in sei- "�n getreuen Nachbildungen ungezählte Frauen zu Opfern des Verbrechens der Män- gemacht hat. Wohlverstanden; nicht 'hrer Männer— Hitler hat ausdrücklich gesagt: der Männer! Und als er das sagte, �gen vor dem Auge des Radiohörers die Schatten aller jener gequälten und gemarter- Icn Frauen vorüber, die es haben mit ansehen Füssen, wie man ihre Männer nachts aus den Betten zerrte, wie man sie vor ihren Augen h'utig schlug, mit Söldnerstiefeln trat und äuf die Lastautos stieß, auf denen sie wie Ladungen von Schlachtvieh in die Folterkeller der SA,-Kasernen und hinter die Stachel- drahtzäune der Konzentrationslager transpor- b'ert wurden. Jener Frauen gedachte man, 'h® nach der blutigen Heimsuchung einer �ohnkolonie eine schaurige Fahne hißten; blutgetränktes Handtuch, mit dem sie die Wunden ihrer zerschlagenen Männer getrock- hot hatten. Jene Frauen sah man in langen Jahre lang erduldete Martyrium ihres Mannes. Frau Strasser, die Frau des im Schatten des Grunewaldes erschlagenen und zertretenen Mannes, bei dessen Kindern der „Führer" Taufpate gewesen ist, sträubt sich vier Tage lang in allen Qualen der Angst und der Ungewißheit gegen die entsetzliche Wahrheit, daß auch ihr Mann, der dem„Führer" die Partei organisiert hat, zu den Ermordeten zählt. Frau S e g e r sitzt monatelang mit ihrem kleinen Kinde im Konzentrationslager, gefangen als Geisel, weil ihrem Manne die todesmutige Flucht aus der Hölle von Oranienburg gelang. Und nicht der menschlichen Einsicht ihrer Peiniger, sondern nur der unermüdlich die von Diktatoren gepeinigte Welt überhaupt nackter enthüllen als dadurch, daß man die Namen noch zweier Frauen nebeneinander stellt? Zwei Namen noch: Frau Wallisch, deren zum Tode am Galgen verurteilter Mann sie bei ihrem letzten Besuche in seiner Zelle mit einem in Chloroform getauchten Taschentuche einschläfert, damit sie über seine Todesstunde hinüberschlummert. Und Frau Dollfuß, wankend hinter der Bahre ihres Mannes, den seine Mörder zwei Stunden lang auf einem blutgedränkten Diwan langsam sich zu Tode bluten ließen wie ein angeschossenes Tier, das im Gebüsch verblutet. Aik h hier: es gibt, wo mit brutaler Ge- DildüMtßu en stehen, die man stundenlang vor den Belh. �bten der Konzentrationslager warten ließ, � Bi® dann fortzujagen mit dem Bescheid, Uber das Lager Besuchssperre verhängt ***' Frauen mit kleinen Päckchen im Arm, in eben sie mitbrachten, was sie an Lebensmit- a'Ur die gefangenen Männer ihrem eigenen Undo abgespart hatten, armselige Liebes- w®l8e, eingewickelt in das Papier gleichgc- �Blteter Zeltungen, die die Herrlichkeit des Titten Reiches verkündeten. Jener Frauen ge- man. die vor Entsetzen gelähmt ihre 0n Kunden und schmachvoller Zurichtung Bhtsteliten Männer nicht wiedererkannten, �etln Ihnen beim Besuche im Lager ent- egengeführt wurden. Und jener Frauen, t*nea �er Tod Ihrer Männer lakonisch mitge- Wurde:„Auf der Flucht erschossen". � Wahrhaftig: Frauen büßen für die Vergehen der Männer— jener Männer, deren ]lc�rer das Wort geprägt hat! Eine entsetz- «eht Krauen, �ten vieltausendköpfige Leidenprozession vorüber, wenn man der Opfer gedenkt. Wer alles geht in diesem Zuge mit! deren Männer hüben standen, auf � der Besiegten, der Geschlagenen, in der �i-rümmerten Front menschlicher Gesln- j/T*' Und Frauen auch, deren Männer mlt- *1, als die Diktatur das Verbrechen zur erhob. Plötzlich erweist es sich, daß 68 nicht nur die Frauen des Gegners als Opfet, tv"dfft, sondern daß es überhaupt rBUeni, zu 08 wird, für die Verbrechen der Män- büßen. braucht die Namen von nur vier nebeneinander zu stellen, um zu zei- eineg �ie brauen schlechthin die Opfer �EMues werden, das seine Macht auf �Bn Kfauen ?en, das v � nes 1 K-v erbrechen der Männer gründet. Bmen nur; Vier hii Frau «eh hl ü h s a m, die Frau des helmtük- zu, er8ch]agenen Dichters geht von Land rnit rani3- Vc>n Stadt zu Stadt und berichtet bie)j0n �Bbssndfachem Leid gehärteter Stim- B8 unvorstellbare und doch anderthalb anklagenden Stimme Ihres Mannes verdankt sie es, wenn schließlich englische Helfer ihre Befreiung erzwingen und sie nicht länger das Schattendasein der ungezählten Frauen teilen muß, die als Geiseln und Gefangene in den Waschküchen der Konzentrationslager die dreckigen Hemden besoffener Söldner waschen müssen. Frau Ernst begeht Selbstmord, die Frau des erschossenen Berliner SA-Führers, die kurz zuvor erst als glückstrahlende Braut am Arm ihres Brautführers Adolf Hitler zum Traualtar schritt und auf diesem blumenbestreuten Wege für die Bilderselten des„Völkischen Beobachters" fotografiert wurde. Vier Namen nur für tausend Trägerinnen des Frauenloscs, wie es der„Führer" verkündet hat. Nicht Frauen des Gegners Hitlers nur tragen es. Auch Frauen trifft es. die gestern noch unbekümmert um das Schicksal ihrer Schwestern begünstigt auf der Seite der Sieger lebten. Es ist in dieser ans Hakenkreuz geschlagenen Welt schlechthin das Los der Frauen, für die Verbrechen der Männer zu büßen. Kann man diese vom„Führer" ausgesprochene Wahrheit und ihre Gültigkeit für walt die Diktatur regiert, keinen Bereich, in dem es heute oder morgen nicht das Schicksal der Frauen sein könnte, dem Verbrechen der Männer geopfert zu werden. „Die Frauen haben leider stets für die Verbrechen der Männer büßen müssen." Ein einziges Mal sprach Hitler ein wahres Wort. Er unterließ es nur, hinzuzufügen; Stets und immer dort, wo verbrecherische Männer die Macht hatten! Manfred. $tfaai»gefähflidic Tiepliebhaber „Die sächsische Regierung hat für das Gebiet des Freistaates Sachsen auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat den„Bund der Lebensgesetze, Sitz Leipzig" und die Tierschutzorganisation„Ring der Entschiedenen" aufgelöst und verboten. Die Geschäftsstellen der Vereinigungen sind geschlossen, das Vermögen beschlagnahmt worden." Jetzt müssen selbst die Spargroschen der Tierfreunde die geplatzten Wechsel der braunen Gangster flicken helfen! Zitternde Diktatoren Die totalen Führer haben bekanntlich ihre Länder von der Unordnung des demokratischen Regimes erlöst. Ruhe und Sicherheit herrschen— das letztere namentlich für die Diktatoren. Wenn Mussolini irgendwo redet, kann ihm nichts passleren— ein Heer von Geheimpolizisten umgibt ihn, tagelang vorher wird das Terrain von Verdächtigen ge- säubert, eine Mauer gesiebter Anhänger schützt ihn. Auslandsbesuche hat er sich bisher wohlweislich verkniffen. Dort ist die Macht seiner Leibpolizei zu Ende. Im italienischen Rundfunk aber wird schmalzig berichtet, in welch ungezwungener Weise der Duce mit seinem Volke verkehrt. Noch vor anderthalb Jahren verkündete er freudig, daß auch in Mitteleuropa bald faschistische Regierungen herrschen würden und dann die Erneuerung Europas beginnen könne. Er tat, was er konnte, um die deutsche Hakenkreuzlerei zu fördern— heute muß er zittern, wenn er früh die Zeitung aufschlägt und vom fortschreitenden Wahnsinn seiner gestrigen braunen Bundes- und Gesinnungsgenossen liest. Ein Bild für Götter: jeder dieser„Führer" fürchtet sich vor einem änderen befreundeten Führer. Das Schiff, auf dem Hitler als Pflegling und Gefangener der Reichswehr zur Nervenerholung in die kühlen, sicheren Gewässer Skandinaviens gesteuert werden sollte, lag schon fahrtbereit, aber schließlich zog er es vor, seine Kur in die Nähe des großen Hauptquartiers der SS zu verlegen. Er fürchtet die Ränke seiner Unterführer, neue Revolten im Prätorianerheer, Görings Morphinistenpläne. Noch vor Wochen mußte seine Presse täglich berichten, wie ungezwungen er sich im Volke bewege— heute mag er in seiner Nähe nur die bekannten Gesichter, der Gestapo, der Leibspitzel und der ergebensten SS-Kreaturen. Ein Kordon Schwerbewaffneter schützt ihn vor der Liebe der SA, vor den vielen undurchsichtig gewordenen Freunden. Er zittert vor den Rächern der gemordeten braunen Kameraden ebenso, wie vor den Göring, Blomberg. Schacht, Thyssen und Neurath, von denen der Führer nicht weiß, wohin sie ihn morgen führen. Der deutsche Rundfunk aber verkündet, daß Ruhe und Ordnung herrschen und der Führer das Reich kraftvoll lenkt und leitet... • In Oesterreich wird ein neuer Führer gesucht. Der eine wurde abgeknallt. Die italienische Presse deutet auf Hitler als Urheber. Mussolinis Freund Nr. 1 ließ also Mussolinis Freund Nr. 2 meucheln; beiden hatte der Duce in den Sattel geholfen, um die versprochene Erneuerung Europas zu fördern. Dem Unterführer Rintelen wurde der Revolver gleich mit ins Gefängnis gegeben, damit sich die Führerkonkurrenz vereinfacht. Fey und Schuschnlgg retteten ihr Leben, indem sie den erkorenen Oberführer hilflos wie ein angeschossenes Wild verbluten ließen. Stär- hembergs Flugzeug aber war durch schlechtes Wetter verhindert... Nun sitzen sie in ihren Klausen, beben vor der nächseten Revolte, vor der nächsten Rachewelle, vor dem nächsten Putsch eines rivalisierenden intrigierenden Mltführers. ♦ Noch nie in Friedenszeiten wurde in diesen Ländern so viel geknallt, füsiliert, eingekerkert und konspiriert, nie waren anarchische Gefahren so entfesselt, wie unter dieser„totalen" Führerherrschaft. Während diese Bandenführer bisher nur die Wahrheit zu fürchten brauchten, kehrt sich jetzt eine Gewalt gegen sie, die sie einst als Bundesgenossen mobilisierten; der Mord. Und während die Böller krachen, die unterschiedlichen Terrorgruppen rüsten und die Hungerrevolten des Winters sich im Grollen der Massen ankünden, haben alle die zitternden, albdruckgeplagten Diktatoren nur eine Sorge: daß ihre Geheimpolizei richtig funktioniere— und der Rundfunk, der zu berichten bat, überall Im Lande herrsche Ruhe und Ordnung... Gregor. »HotoWk Sit, toluk ♦. r Von deutschen Hochschullehrern hatte Ernst August von Hannover keinen aehr hohen Begriff, als er während des Konflikts mit den„Göttinger Sieben" gelassen meinte: „Professoren, Huren und Ballettänzerinnen kann man für Geld überall haben!" Aber mit Huren, von Ballettänzerinnen nun schon gar nicht zu reden. In eine Reihe gerückt zu werden, ist eine fast unverdiente Ehre für jene Professoren, die im„Dritten Reich" aufs Würdeloseste vor den Gewalthabern des Augenblicks auf dem Bauch rutschen und das geistverlassenste aller Regime in die Sphäre der Geistigkeit zu heben trachten. Wie etwa der Julius Petersen, ordentlicher Professor der Literaturgeschichte an der Universität Berlin, Präsident der Goethe-Gesellschaft, Senator der preußischen Akad�iie der Künste, Mitglied der preußischen und der bayerischen Akademie der Wissenschaften usw. usw. Da seinesgleichen sich Immer vor der Macht krümmt, war er in der Republik überall dabei, als Festredner und Toast-Aua- bringer stramm schwarzrotgolden, heute macht er sich bei den Hakenkreuz-Barbaren lieb Kind, und wenn es morgen anders herumkommt, wird seine Beflissenheit sich wieder den neuen Herren anbiedern. Aber dann soll und wird man dem Petersen das Buch um die Ohren schlagen, das er soeben unter dem verheißungsvollen Titel„D 1 e Sehnsucht nach dem Dritten Reich in Sage und Dichtung" verbrochen hat. In diesem Opus besudelt er unflätig die besten Geister der deutschen Vergangenheit, indem er sie als Schwurzeugen für die Nazi- Herrschaft aufruft, nicht nur Schiller und Goethe, über die unlängst an dieser Stelle das Nötige gesagt wurde, sondern auch Klopstock, der, Demokrat und Pazifist, cie allen Braunhemden verhaßte französische Revolution jubelnd begrüßte, Hätt* ich hundert Stimmen, ich feierte GalUens Freiheit Nicht mit erreichendem Ton, sänge die göttliche schwach. Was vollbringet sie nicht! Sogar das gräßlichste aller Ungeheuer, der Krieg, wird an die Kette gelegt, und Friedrich Nietzsche, den ein einziger seiner Sätze einer andern Welt zuweist als die Unterwelt, in der die Nazis umhertoben, „Maxime: Mit keinem Menschen umgehn, der an dem verlogenen Rassenschwindel Anteil hat" Das stärkste Stück aber ist wohl, daß dar Petersen auch Theodor Fontane entehrt, indem er ihm heimliche Sehnsucht nach dem„Dritten Reich" nachsagt Nun war Fontane kein Politiker, sondern ein Poet kein Partelmann, sondern ein Künstler, v«*« Prinzipienreiter, sondern ein Skeptiker, kein Programmatiker, sondern ein Ironiker, und in einem langen Leben machte er auch von dem Recht ein Mensch mit seinem Widerspruch zu sein, Gebrauch. Wie es denn leicht wäre, bei Heinrich Heine, Karl Marx oder Walter Rathenau Aeußerungen zusammenzuklauben, die sie zu Antisemiten stempelten, läßt sich A ähnliches für primitive Gehirne auch mit Fontane zuwege bringen. Hat er nicht einmal erklärt er wolle nicht von Juden regiert sein? Na also! Er hat es nur nicht mehr erlebt, sonst riefe auch er jetzt voll Begeisterung: Hell Hitler! In der Tat heißt solche Ausdeutung das Bild des menschlichen aller Dichter bis zur Unkenntlichkeit verzerren. Trotz des Stolzes auf seine französische Abstammung fühlte der Hugenottensproß ganz deutsch, mehr, er fühlte sich als Preuße. Von dem Staat des Friderlcus Rex hatte er eine poetisch erklärte Vorstellung, die der Wirklichkeit sicher nicht entsprach, und von seiner Vorliebe für märkische Junker empfand er selber gelegentlich, daß er seine Gefühle verschwende. Ungeachtet solcher Schwärmerei blieb er sich bewußt, daß das Jahrhundert des Absolutismus ein für allemal vorüber sei, und der sich 1848 für die großdeutsche Republik eingesetzt hatte, meinte es durchaus politisch, wenn er auf seine alten Tage seufzte:„Es ist und bleibt ein Glück, vielleicht das höchste, frei atmen zu können"— ein Glück, da» den gezwiebelten Insassen des„Dritten Reiches" bekanntlich im Ueberfluß zuteil wird. Soweit sich seine Weltbetrachtung politisch umreißen läßt, war sie ganz und gar individualistisch, also im Nazi-Jargon„llberali- stisch". Eine Zeit lang hielt er es auch mit den Nationalliberalen, aber der ganz Unver- kalkte gestand, daß er mit den Jahren immer demokratischer werde, und mit einer Unbefangenheit und Anerkennung wie nur selten einer im bürgerlichen Lager urteilte er über die Bestrebungen und Aussichten der Sozialdemokratie. Diesem lauteren und wahren Patrioten war eben all das am bismärckisch- wilhelmini sehen Reich widerwärtig, was die Nazis damit verbindet: das Bumbum, der Trara, der Rummel, der Betrieb, das Maulaufreißen und Säbelrasseln und der chauvinistische Dünkel, der im künstlerischen, politischen, ja, auch im wissenschaftlichen Leben jeden Versuch der Selbsteinkehr mit „Deutschland, Deutschland über alles" über- • brüllte. Das Nordisch-Germanische war ihm keineswegs das Salz der Erde, im Gegenteil! Man glaubt das wohlgetroffene Porträt eines Nazi-Führers zu sehen, wenn er dem Durch- schnittsdeutschen bescheinigt, er sei im Gegensatz zu anderen Völkern„In seiner kleinen engen Seele zu jeder Gentilität unfähig"; „Dieses Fehlen jeder Spur von Kavalierschaft in unserem Volksgemüt ist das, was uns so unbeliebt macht. ,Der große Knote der Weltgeschichte'." Vor allem aber wurzelte der Rechtsbegriff zu tief in Fontanes Seele, als daß er nicht einen kraftstoffeligen Nationalismus angewidert abgelehnt hätte, der frech das: Macht geht vor Recht! verkündete. Jeder Hitler-Junge wieherte heute brutal über seinen Grundsatz, der über das ganze„Dritte Reich" den Stab bricht:„Es gibt nicht zwei Sorten Anständigkeit, und was ein anständiger Mensch nicht darf, das darf auch ein anständiger Staat nicht". Nur täuschte er sich, wenn er glaubte:„Die Konquestadorenzeit, wo zwanzig Räuber, weil sie Knallbüchsen hatten, viel gesittetere Leute zu Paaren trieben und die Könige dieser besseren Leute auf den Rost legten— diese brutale Zeit ist vorbei, und gerechtere Tage brechen an". Im Zeichen der SS und SA sollte diese brutale Zeit in brutaler Auflage erst anbrechen. Nicht zuletzt in der Judenfrage gab Fontane den Antipoden der braunen Pogromhetzer ab. Antisemitismus war ihm„zu dumm und z u roh", und jene Bemerkung, er möchte nicht von Juden regiert sein, wurde mit dem Bekenntnis eingeleitet:„Ich Hebe die Juden, ziehe sie dem Wendo- Germanischen eigentlich vor"; einen„eigentümlichen Idealzug", den er bei den anderen vermißte, fand er häufig bei den Juden. Fest durchdrungen war er auch davon,„daß uns alle Freiheit und feinere Kultur, wenigstens hier in Berlin, vorwiegend durch die reiche Judenschaft vermittelt wird. Es ist eine Tatsache, der man sich schließlich unterwerfen muß und als Kunst- und Literaturmensch mit Freudigkeit". Ja, er stellte auch fest, daß die von ihm überaus geschätzten Tugenden der„Menschenfreundlichkeit, der TeUnahme, des Wohltuns" von den Juden mehr als anderwärts ge- fen wurde, war eine der ersten Regierungsaktionen die Aufhebung des Judenedikts und die Aufforderung an die Judenschaft, nach Spanien zurückzukehren. Die Regierung sandte ein Telegramm nach Saloniki, dem Zentrum der Spaniolen, in dem sie die Nachkommen der vertriebenen spanischen Juden aufforderte, wieder in ihre alte Heimat zu kommen. Man bot ihnen die sofortige Verleihung des Bürgerrechts an, jedwede Freiheit der Beschäftigung und Betätigimg, alle staatsbürgerlichen, wirtschaftlichen und politischen Rechte. Das Telegramm schlug unter den Spaniolen und in Saloniki wie eine Bombe ein. Lange Beratungen folgten im Synhedrion und schließlich telegraphierten die Rabbiner Salonikis ihre Antwort an die spanische Regierung. Das Telegramm einthielt nur drei Worte. Jene drei Worte, mit denen der jüdische Bannfluch aus dem Jahre der Vertreibung gegen Spanien schloß:„Nie, nie. nie!" Das war noch 1931. Fast 400 Jahre lang währte der Haß der orthodoxen Juden gegen das Land, das ihre Väter so menschenunwürdig behandelt hatte. Jetzt schreiben wir das Jahr 1934. Viele» hat»ich in den drei Jahren geändert. Ein anderes Land hat das Erbe des einstigen Spanien angetreten. Deutschland bat»eine Juden diffamiert Und die haben nun ihren Frieden mit Spanien geschlossen. Sic wandern in großer Zahl hinüber und suchen sich dort eine neue Heimat. Sie finden einen günstigen Boden. Vorerst drängen sie sich in den beiden Zukunftsplätzen Barcelona und Madrid. In Barcelona, der Handels- und Industriestadt, die Geschäftsleute und kleinen Gewerbetreibenden, in Madrid die Intellektuellen. Ins Innere, zu den pflegt würden. Sein Leben lang zählt« ß* um Juden zu seinen Intimen. Von den UterSr rischen Freundschaften mit den Hertz, Rodenberg, Brahm, Fulda und ander« ganz zu schweigen, stand ihm in der Jugend Wilhelm Wolfsohn sehr nahe, der, in Odessa geboren, für den Nazi-Fanatismus sogar ein Ostjude wäre, mit dem Philosophen Moritz Lazarus verbanden ihn Jahrzehnte hindurch enge Beziehungen, und die vertraute Freundin des Hauses Fontane in später« Jahren war Frau Marie Sternhelm, geborene Meyer—„so ziemlich die normalste, angenehmste und liebenswürdigste Frau, die ich kenne". In einer politischen Novelle „Storch von Adebar", die leider nicht zuf Vollendung kam, zeichnete er auch eine jung« Jüdin, Rebekka Gerson v. Eichroeder als, wie er selbst erläuterte,„reizendes Geschöpf: „Viel, wiel mehr eine Verherrlichung de« kleinen Judenfräuleins als eine Ridlkülisio- rung... Die ganze Geschichte würde von Grund aus ihren Charakter verlier«, wenn ich statt Rebekkchens eine Geheimratsjöhre einschieben wollte. Noch weniger geht ein reiches Bourgeoisbalg. Reiche Jüdinnen sind oft vornehm(worauf es hier ankommt), Bourgeoisbälger nie". Ich liebe die Juden— und der Mann dieses Wortes sollte, wenn man dem Petersen Glauben schenkte, einem schmutzigen Pogromstrolch wie der Streicher als der Erfüllung der eigenen Sehnsucht entgegen geharrt hab«! Am deutlichst« aber sprach Font an« seine Meinung bei einer Rückschau auf sein« fünfundsiebzigsten Geburtstag aus. Er hatte sich gesagt: Du bist der Mann der Jagow und Loehow. Der Stechow und Bredow, der Qult»w und Rochow, du hast geschrieben über die Oppen und Groe- ben und Kracht und Thümen, üb« die Pfuel* und Itzenplitze, die Ribbecks und Kattes, die Bülow und Arnim, die Treakows und Schlieffen und Schlleben. Aber von all« Junkern trug nicht einer seine Ehrenpflicht durch ein« Glückwunsch ab. Dafür stellt« sich andere Gratulanten ein,„fast schon von prähistorischem Adel": Die auf berg und auf heim sind gar nicht zu fassen, Sie stürm« ein in ganz« Mass«, Meyers kommen in Bataillon«, Auch Pollacks und die noch östlicher wohnen; Abram, Isack, Israel. Alle Patriarch« sind zur Stell', Stellen mich freundlich an ihre Spitze. Was sollen mir da noch die Itzenplitze! Jedem bin ich was gewesen, Alle haben sie mich gel es«, Alle kannten mich lange schon, Und das ist die Hauptsache..... Komm« Sie, Cohn!" Fontane war eb« bestes Deutschtum, und allem guten Deutschtum sind die braun« Barbaren, die ein großes Land ökonomi«®� und finanziell, politisch und moralisch auf d« Hund bring«, wesensfremd. Sähe der Dichter ihr schamloses Treiben, er packte wieder. der Hltlerel samt ihren Petersen» verächtlich den Rücken kehrend, den«trechteten JudeB am Arm:„Kommen Sie, Cohn!" Karl Ma* Landstädten sind die Einwanderer noch nicht vorgedrungen. Tarragona, Gerona, SabadcU- ja sogar Valencia und Saragossa sind bis heut« von jüdischen Emigrant« unbeachtet gebli«' ben. Aber in Barcelona entstehen bereit» V00 Emigranten gegründete Geschäfte. Klein* Cafäs und Konditoreien, Eisenhandlungen und Alteisengeschäfte, Marken- und Münzhandhandlungen, Laboratorien für Zahnpasten und Bodenwachs. Auch größere Geschäftsleute wagen Gründungen, wie die neue„I beri« Film A.-G." beweist, die schon Ihren ersten spanischen Film mit spanischen Schauspiel«0 dreht, obwohl Direktor, Regisseur und Op*' rateur kein Wort spanisch sprechen. Die spanische Republik legt den neu« Zuzüglern nicht die geringsten Steine in den Weg. Im Gegenteil! Sie unterstützt lebhaft dl« Bemühungen, neue Geschäftszweige in Spani« erstehen zu lassen. Fast alle Berufe sind den Emigranten offen. Keinerlei Einschränkung®0 sind sie unterworfen. Sie stehen so In fr®!*' Konkurrenz mit den geschäftlich sehr gegebenen Katalanen, die ihre Geschäfte noch 10 althergebrachter Weise mit möglichst hob®0 Einzelgewinn zu machen suchen. Die K®0 grant«, die an eine moderne Geschäftsg«00' rung,„Dienst am Kunden", sorgfältig« D dienung etc. gewöhnt sind, haben deshalb Aufsichten, in Spanien ihr Brot zu verdienen- Die Welt ist rund und dreht sich. Oft dsu ert es sehr lange. Mit der Rückkehr der J0 den nach Spanien hat es 400 Jahre gedaueri* Mameluken Nach jahrelanger Arbelt hat Ricbaf® Strauß eine neue Oper vollendet; sie he Haas Gart; Die Rückkehr der Juden nach Spanien In Spanien gibt es kein Judenproblem. Ab« für die Jud« ist Spani« seit dem Jahre 1482, salt ihr« vollkommenen Austreibung, sin Problem geblieben. Erst in jüngst« Zeit scheint, hervorgerufen durch die deutschen Verhältnlsee die Lösung dieses Problems nä- hergerückt Den Bannfluch, den die Juden bei ihr« Vertreibung aus Spani« vor fast 400 Jahren gegen das Land geschleudert haben, • und an dem«He Nachkomm« d« spanisch« Juden, die Spaniolen, noch in jüngster Zeit festhalten, hab« jetzt die geflüchteten deutschen Juden gebrochen. Sie nütz« die judenfreundlichen Erklärungen und das Entgegenkommen der jungen Republik aus und siedeln sich in großer Anzahl in Spanien an. Die Zahl der Deutschen in Barcelona hat sich seit Januar 1933 um 2000 vermehrt und der größte Teil dieser Zugewanderten besteht aus Juden, und auch da nur unter dem Druck eines anderen Landes, als Emigranten In das Land zurückkehrten, das ihnen einst so schwere Schmach angetan hat. ValerioMarco hat jetzt in einem zwar interessanten, aber nichtsdestoweniger zur Kritik herausfordernden Buch die Aera der Judenaustreibung aus Spanien geschildert Als 1492, kurz nach der Entdeckung Amerikas und dem Goldtaumel, der Uber Spanien hereinbrach, die furchtbare Aktion gegen die Juden geführt wurde, blieb kein einziger Jude im Lande zurück. Das ist nicht hitlerisch, d. h. rassenmäßig gemeint, sondern lediglich in religiösem Sinne. Denn damals war man noch nicht so weit, wie heute in Deutschland, die Juden aus rassischen Gesichtspunkten zu bekämpfen. Getaufte Juden, auch zwangsweise getaufte, die man dann Mara- nen nannte, durften in Spanien verbleiben und errangen späterhin sogar große Bedeutung. Auch der heutige Präsident der spanischen Republik, Alcala Zamorra, ist ein Nachkomme alter Maranen, also ein„Judenstämmllng". Die vertriebenen Juden, die nach Westen und Osten emigrierten, nach Holland, der Türkei, Kleinasien, sogar bis nach Indien, haben damals ein« Bannfluch gegen die alte Heimat geschleudert. Niemals mehr sollte ein Jude spanischen Boden betreten. Selbst dann nicht, wenn man, was zwar unwahrscheinlich, aber immerhin möglich sei,* einmal die Juden nach Spanien zurückrufen würde. Dieser Bannfluch schloß mit den drei Worten:„Nie, nie, nie!" Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich zwar in Spanien wieder einige Juden an, bildeten kleine, unbedeutende Gemeinden, ein Nachkomme von Spaniolen aber, die ihr religiöses Zentrum in Saloniki, einer Stadt mit 92 Prozent jüdischer Bevölkerung(Statistisches Jahrbuch 1920, Griechenland, heute ca. 70 Prozent) befand sich nicht unter ihnen. Das Edikt der Judenaustreibung war nicht widerrufen worden. Es bestand unter Alphon» noch zu Recht, wenn es praktisch auch keine Anwendung mehr fand. Spani« aber war trotz seiner überseeischen Schätze nach der Vertreibung der Juden zu voller Bedeutungslosigkeit herabgesunken, Holland und die anderen Länder, die die jüdischen Flüchllnge aufgenommen hatten, bluten auf. Als 1931 die spanische Republik ausgeru- wedec Jksec, UaufUtt dieses Btcäi. Sie Udfen uns damit den J6a*npf#e$e*t den UiUedsmus zu, QüUuh. Mec tun Sie meUe! Ueeden SU B&zieUec! Und weebett SU fuc uns, Domi Ueifat SU um zum SUfye des TeeiUeii übet Ttceec und hauM lUflocdscUaMU! det MkkkmtU fostJUsmus Fernab vom sonnigen Süden, Im aüdöatU- chen Mitteleuropa tauchen italienische Flücht- Unge auf. Sie haben es nicht leicht. Die Sprachen des Landes sind ihnen imbekannt. Sie wollten ja auch ganz wo anders hin, aber der internationale Brauch, unerwünschte Zuwan- derer in der Linie des geringsten Widerstandes irgendwohin an eine möglichst nicht zu sehr Uberwachten Grenze abzuschieben, hat sie hierher verschlagen. Eine verständnislose Welt umgibt sie. Italienischen Emigranten? Gibt es das überhaupt? Die italienische Emigration ist doch längst liquidiert, meint gemütvoll ein Parteifreuiy. Andere zweifeln wieder; sind es wirklich echte Emigranten? Woher kommen sie, wieso und warum? Ja. wieso und warum. In dieser Frage Hegt die ganze furchtbare Tragik dieses skep- Uschen Empfanges, enthüllt sich die Tatsache, daß der Faschismus in Europa in weitestem Auamaß unbekannt ist. Da in Italien kein ■Antisemitismus herrscht, da dort unbequeme Kampfgenosse« von gestern lautlos hinter den Pforten der Irrenhäuser oder Kerker verschwinden, wird vielfach angenommen, die 'talienlsche Diktatur sei milder, zivilisierter als die des Dritten Reiches. Ja, es kommt vor, daß mitteleuropäische Faschisten den Urfa- schismus des Liklorenbündels gar dem Haken- kreuzlertum als gutes Beispiel vorhalten, ge- lagsntliche Invektiven zwischen italienischen Koporations- und deutschen Arbeitsfrontbon- für den Ausdruck einer inneren wesen- kaften Gegensätzlichkeit halten. In Brüssel bat im Jahre 1928 ein junger italienischer Antifaschist auf den Prinzen von Piemont geschossen, nicht well er ihn haßte, sondern weil er von der Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung gegenüber dem faschistischen Noblem erschüttert, glaubte so die Aufmerk- •amkeit auf die Tyrannei der appenlnischen Halbinsel zu lenken. Vorübergehend ist ihm das gelungen. Dann aber versank der Faschis- ihus wieder in die Vergessenheit, wurde er von den aktuellen Tagesfragen der einzelnen europäischen Länder solange verdrängt, als er hiebt auch hier zum aktuellen Problem wurde. Auch Pletro Nennis anschauliche Schilderung;„Todeskampf der Freiheit" hat nur 8elten mehr als literarisches Interesse zu wek- ken vermocht. Und nun stehen die Flüchtlinge vor uns; hömische Arbeiter aus dem Baugewerbe, Prachtvolle Menschentypen mit leise singender Aussprache, mit beharrlicher zäher Leiden- '«haft in ihren Worten, die ihnen nur schwer Und langsam Uber die Lippen gehen. Zulange �aben sie im Kerker, in den Isolierungszellen V(>n Regina Coeli In Rom, von Civitavecchia, aUf den monatelangen Transporten nach den �'crbannungslnaeln das Reden verlernt,'sich �Uur undurchdringlichen Schwelgen gegen alle 'uquisi torische Befragung erzogen. Zwölf Jahre Faschismus liegen "'uter ihnen! Nur der älteste kann sich uoch auf seine freie Gewerkschaft, auf eine legale Parteiversammlung besinnen. Die anderen kennen nur den unterirdischen Widerstand, die Katakombenatmosphäre der illegalen Propaganda, die Zusammenkünfte zu dritt, zu viert, kennen an politischer Literatur nur die selbst vervielfältigten Flugblätter, die elligen Schritts von Freund zu Freund gebracht werden. Sie kennen die Namen der Führer, sie wissen genau. wer stand„rechts", wer„links". Sie kennen alle geistigen Strömungen der Emigration, sie kennen die Schwachen, die ihren Frieden den mit dem Regime schlössen und die anderen, die unversöhnlich blieben, deren helliger Haß keinen Abbruch erlitten hat. Sic kennen von den Inseln her all jene Männer und Frauen, die in Jahren, ja Jahrzehnten ihre Gesinnung nicht preisgegeben haben. Einer berichtet:„zum letzten Mal habe ich Massa renti in Rom im Spital 2 gesehen. Er ist unverändert; aus seinen Augen leuchtet die menschliche Güte, die eigenartige innere Festigkeit, mit der er alles überstanden, sein Schicksal auf Lipari fünf Jahre hindurch getragen hat." Wißt ihr, die ihr dies lest überhaupt, wer Massarenti ist?, was dieser Name bedeutet? Es ist der Bürgermeiseter von Molinella, jenem Landarbeiterdorf bei Bologna, dessen jahrelanger Widerstand gegen Terror, Mord und Aushungerung ein unvergeßliches, in Italien landauf und landab unvergeßenen Heldenepos darstellt. So spricht der römische Arbeiter. Er ist nämlich nicht jener Alphabet, den man sich nordwärts der Alpen so gerne vorstellt; er weiß Bescheid über die polltischen Probleme unserer Zeit, verfolgt angespannt die Ereignisse in Deutschland und Oesterreich, er spricht über Literatur und Journalismus, nach zwölf Jahren Diktatur, nach acht Jahren totalitärem Staat. Denn der unterirdische Sozialismus in Italien ist keine Angelegenheit der Handarbeiter. Mag auch der Faschismus in seiner Blütezeit viele Intellektuelle um sich zu scharen vermocht haben; heute wie einst vor dreißig und mehr Jahren sammeln sich wieder Studenten und Arbeiter zu gemeinsamer Opposition, zu gemeinsamer Arbelt. Vom übrigen Europa durch die Alpen getrennt ist Italien zwar ein vielbesuchtes Ferienreiseland, aber seine Politik ist nordwärts weltgehend imbekannt. Niemand glaubt recht, daß es dort so etwas wie eine Illegale Arbeit, wie eine sozialistische Opposition gebe. Allerdings, sie ist schwer und gefahrvoll. Italien ist nicht Oesterreich; der Staatsapparat steht noch festgefügt. Erschießbare Milizgeneräle gibt es ebenfalls nicht. So etwas wird still und leise abgemacht. Der Unliebsame wird Gouverneur in Afrika, verschwindet in einem Irrenhaus oder auch wie Cesare Rossi im Kerker. Ein unerhört ausgedehnter Polizeiapparat erdrückt das ganze Land. Die Gefängnisse und Verbannungsinseln sind überfüllt— das beste Zeichen, wie lebendig der Antifaschismus im italienischen Volk ist. Flugblätter die am Donaustrande mit 4 bis 6 Monaten tarifiert sind, werden in Italien mit ebensoviel Jahren schweren Kerkers gesühnt; in vollkommener Abschließung von der Außenwelt. Nicht einmal den Kerkermeister sieht der politische Gefangene in der„segregazione cellurale". Statt der Konzentrationslager gibt es Verbannungsinseln; vielleicht nicht so ausgeklügelt grausam-grauenvoll, wie diese auch nicht Stätten eines zum Wahnsinn gesteigerten Sadismus, aber schlimm genug, für den der mittellos dem trostlosen Dasein auf wüstem Felseneiland und je nach Laune den Schikanen der Wachmannschaften ausgesetzt ist. Nicht auf den Inseln, wohl aber auf der Qucstura, auf den Polizeistationen wird im faschistischen Italien nicht minder mißhandelt und gefoltert wie anderwärts. Einer unserer Gewährsmänner zeigt fingerbreite Narben. Viele Wochen konnte er sich nach der„Einvernahme" nicht bewegen, kaum Nahrung zu sich nehmen. Wer in Italien einmal politisch verdächtigt wurde, kennt keine Ruhe mehr. Die Polizeiaufsicht, der reglemitierte Ausgang aus der eigenen Wohnung, periodische Verhaftungen zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen— etwa zum Besuch Litwinows— wechseln ab mit neuer Verschickung nach den Inseln, über die eine aus faschistischen Funktionären zusammengesetzte Kommission inappellabel und nach Belieben entscheidet. Und sonst, wie sieht es sonst im Lande aus?„Der Faschismus verfäll t," ist die Antwort. Kein Wunschtraum, kein unsinniger Optimismus, sondern scharfe Beobachtung aller Lebenskreise, des Heeres, der Arbeiterschaft, des Mittelstandes, der Polizei und der Gefängnisbeamten. Es gibt nur behördlich verordnete, keine wirkliche Begeisterung. In der Miliz selbst dürfte höchstens ein drittel der Mannschaften ideell mit dem Faschismus verbunden sein. Ueberau herrscht Elend und Hunger. Offiziell gibt es eine Million, in Wirklichkeit nach vorsichtger Schätzung etwa drei Millionen Erwerbslose. Kaum jemand gelingt es, die neunzig Wochen ununterbrochene Beschäftigung zu erreichen, die Voraussetzung für den dreimonatigen Bezug der Erwerbslosenunterstützung ist. Wer es aber dazu bringt, bekommt dann ganze 3,75 Lire im Tag bei zweimaliger Meldepflicht pro Tag. Wohnt ein Arbeiter beispielsweise in Rom oder Mailand weit außerhalb, so pflegt er auf die Unterstützung zu verzichten, denn Tram oder Schuhsohlen wiegen diese Bettelpfennige kaum auf. Nach drei Monaten gibt es nur noch die private Wohlfahrt oder magere Bettelsuppen der fasci, für eingeschriebene Faschisten natürlich. Sehr, sehr viele sind aber trotz allem Druck und Terror immer noch nicht zu den fascl gegangen. Das Lohnniveau— die römischen Genossen geben uns Beispiele, exakt und überlegt, nach Provinzen und Berufsgattungen. Man erkeimt die Schule des organisierten Arbeiters, nach acht Jahren Vernichtung aller selbständigen Organisationen. Sie wissen über alles Bescheid, über die Lebenslage der sizi- lianlschen Schwefelarbeiter, die mit acht Lire im Tag, über die süd- und mittelitalienischen Landarbeiter, die auch kaum mehr verdienen, bei unbegrenzter Arbeitszeit vom Morgengrauen bis zum Nachtdunkel. Vor dem Faschismus verdiente so ein Schwefelarbeiter, so miserabel er auch damals entlohnt war, immerhin noch 24 Lire, das dreifache. Die Landarbeiter sind meist arbeitslos, denn abgesehen von der Bevölkerungsfülle tauschen die kleineren Grundbesitzer oder Pächter, da sie selbst schon am Hungertuch nagen, die Arbeiter tumusweise untereinander aus. In Deutschland gibt es bekanntlich, als neueste Gabe des Nazitums an das geliebte Arbeitervolk die Organisation„Kraft durch Freude", inspiriert von den Grundsätzen des Düsseldorfer Dinta und auf den psychologischen Seelenfang, auf die geistige Formung des„Werkmenschen", des Betriebspatrioten ausgerichtet. Vorbild war der Italienische D o p o 1 a v o r o, die faschistische Feierabendgestaltung der Zwangsgewerkschaften. Wir interessieren uns; was tut der dopolavoro? Die Antwort ist verblüffend; auf dem Lande und den kleinen Städten sind die Zusammenkunftsstätten des dopolavoro ganz einfach Spielhöllen; allenfalls ein Geselligkeitsverein des besseren Mittelstandes so weit ein solcher noch vorhanden ist. In den Großstädten werden die Staats- und öffentlichen Angestellten verhalten, am dopolavoro teilzunehmen. Patriotische Vorträge wechseln mit unterdurchschnittlichem Theater. Aus den Privatbetrieben ist der Besuch minimal. Italienische Schlamperei? Ach nein, die römischen Freunde haben recht, die Diktatur verfällt; sie ist überaltert und niemand glaubt mehr an Wunder! R. W. Oberflächliche Miesmacher In den»Schlesischen Monatsheften« klagt Hans Kriegler, Gaufunkwart und Intendant des Reichasenders Breslau, heute werde nicht mehr die Zeit vor dem 30. Januar 1933 mit der Zeit danach verglichen, »sondern die Menschen wurden oberflächlicher, vergaßen die vierzehn Nachkriegsjahre überhaupt und fingen an, die Tage. Wochen und Monate der Regierung Adolf Hitlers miteinander und untereinander zu vergleichen«. Mit anderen Worten: die Phrase von den »vierzehn Jahren Mißwirtschaft« zieht nicht mehr, die oberflächlichen Leute fragen, was denn Hitler nun eigentlich geschaffen habe.— Wenn das schon ein deutscher»Funkwart« und Radio-Intendant feststellt, muß es mit der Miesmacherei weit gekommen sein! Mittelalter. Diplom-Volkswirt M u s e r vor dem Verband der Bücherrevisoren:»Die Wirtachaftsphilosophie des Dritten Reiches ist bereits im Mittelalter im Wesen der Zünfte Tat gewesen.« "Ule schweigsame Frau" und sollte dem- ®llst ta Dresden uraufgeführt werden. Ein 8chalschea Naziblatt protestierte dagegen, ®11 das Libretto von Stefan Zweig geschrie- a Wurde, der ein großer Dichter und neben- � �ch Jude ist. Jetzt berichtet die Nazl- triumphierend, daß der Komponist die � r*üffOhrung nicht nur zurückge- ° S e n, sondern auch seine Mitwirkung bei s hoch immer nicht gleichgeschalteten j�1 Bürger Festspielen abgesagt j�Uaß Stefan Zweig kein Arier ist, wußte Ueh�' � Mitarbeit widersprach also seiner •csrzeugung durchaus nicht. Aber um seine � tlemen zu erretten, kuscht dieser hinrel- encI begüterte Komponist vor der braunen j�berei. Denn er ist außerdem Präsident der � ci>srnualkkammer und wem Wotan im y tten Reich ein Amt gibt, dem nimmt er «h r"tand 11110 HückSTat und gibt Ihm entspre- -j, e,1<3e Dotationen. Man denkt an den greisen achl*CanlnI, der** ablehnte' 81(511 von fa* 8oli �8cllem Mob zwingen zu lassen, die Mus- Ij Hymne zu spielen und der dafür mlß- Py H wurde. Er ging ins Ausland, um zur eiheit der Kunst zu stehen— die Strauß, J�Ptmann un(j KoMorten stehen dafür zu Kü* Schäften. Jede Despotie hat die Her, die sie verdient. den Schießerein am 31. Juni wurde L Ersehen" auch der Münchner Musik- teIler � wniy Schmidt erschos- ®ine vor seinem Tode veröffentlichte er cha™ Auf8atz. Da« Münchnerische bei Rl- (jer Strauß." Der getreue Biograph ist tot, Itg'hpenist atmet welter und küßt den ern die blutigen Pfoten... Auch der famose„Reichaverband deutscher Schriftsteller" hat bis heute noch nicht gewagt, gegen die Meuchlung dreier Mitglieder sich zu mucksen; eins davon war Jener Dr. Eidgar Jung, der In einem Buche darlegte, wieso die Demokratie eine Auslese der Minderwertigen bedeute. Bald darauf wurde er von einer SS-Peloton wegen allgemeiner Minderwertigkeit mit ausgelesen, und was ihm im deutschen Blätterwalde noch vor Wochen huldigte, schwelgt verängstigt Nicht einer unter den Geistigen und Künstlern, der ein Wort wagte. Das Kunst- und Geistesleben von der Etscb bis an den Belt— eine Wüste der Impotenz und Charakterlosigkeit. Da kann Göbbels quetschen wie er will; aus dieser Mameluken-Oednis wird nie ein Kunstwerk erstehen. »Juden sehen Dich an« Die schriftstellerischen Werke und dichterischen Ergüsse der neudeutschen Literaten finden trotz größter Propaganda und größter Unterstützung durch alle amtlichen Stellen in der deutschen Bevölkerung keinen Widerhall und keinen Absatz. Niemand will das Zeug lesen und die Verleger und Buchhändler befinden sich in großer Verlegenheit. Und so haben sie es gewagt, die alten, geächteten und verbrannten Autore aus dem zweiten Reich wieder aus den Verstecken hervorzuholen und zum Verkauf zu stellen. Und siehe, das Publikum beißt an!— Die nationalsozialistischen Konkurrenten bersten vor Wut und bereiten einen neuen Büchersturm vor. Den Auftakt dazu liefert der„Angriff", der letzte Woche auf der ersten Seite einen großen Artikel„Juden sehen Dich an" brachte. Der Verfasser ist in Berlin spazieren gegangen und Hat sich dabei die Buchhandlungen angesehen. „Hundert gute deutsche Schriftsteller," so jammert er,„die im Kampfe schwere finanzielle Opfer gebracht, deren lautere Gesinnung ihnen dutzende Abweisungen bei den verschiedenen Verlagen eingetragen. sind In den Schaufenstern einiger Buchhandlungen einfach nicht zu finden. An den ihnen zukommenden Plätzen die Bücher von Leuten die im Auslande als Emigranten leben, durch Wort und Schrift das neue Reich beschimpfen und verleumden." Und dann kommt die Aufzählung dieser Schriftsteller, die trotz ihres Kampfes gegen das nationalsozialistische Deutschland beim bücherlesenden deutschen Publikum so hoch im Kurse stehen. Da ist die Wienerin Rose Meiler, „die Hitler verleumdet hat und noch heute Tantiemen für ihre in Deutschland verkauften Bücher bezieht. Ihr folgt EgonErwln K 1 s c h. Obwohl man ihn nach kurzer Schutzhaft ungeschoren In die Schweiz fahren ließ, brachte er es fertig, eine Zeitschrift herauszugeben, in der er in mehr als einem Artikel die Behauptung aufstellte, in den Schutzgefängnissen würden die Leute auf das Brutalste mißhandelt, ihnen die Augen ausgestochen und die Hände abgehackt. Es komeen noch B a 1 d e r O 1- den, Paul Frischaucr, Leo P e- rutz, Hermann Kesten, Gustav R e g 1 er—, ja, in einer Leipziger Buchhandlung fand ich sogar II j a Ehrenbu r g, T u c h o 1 ski und Alfred Polgar aufgestellt." Am Schluß wendet sich der„Angriff" an den deutschen Buchhandel zur Mitarbeit an der„endgültigen Säuberung des deutschen Schrifttum s," appelliert an das Verantwortungsgefühl dem deutschen Volke und seinen jungen Autoren gegenüber. Das Blatt hat auch Aufnahmen von Schaufenstern machen lassen, in denen es diese„jüdische Literatur" gefunden hat und reproduziert sie In dem Artikel. Das bedeutet selbstverständlich, daß man diese Fensterscheiben möglichst bald einschlagen soll, ebenso wie man die ganze deutsche Kultur zusammengeschlagen hat. Daß aber deutsche Buchhändler das Risiko auf sich nehmen, die in Acht und Bann getanen Werke hochverräti- scher Emigranten trotz allem zu verkaufen, zeigt, wie wenig man mit dem Knüppel gegen den Geist auszurichten vermag! Braune Splitter Ein Mann steht vor Gericht. Wegen Beleidigung der SA.„Ich habe einen Zeugen," sagt der Angeklagte,„ich will den Wahrheitsbeweis erbringen."„Ein Zeuge," donnert der Staatsanwalt,„nennen Sie mir den Namen des Schweinehundes!" „Adolf Hitler" i— sagt der Angeklagte schüchtern. • Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. „Was sehe ich," rief der Vorsitzende erstaunt,„Sie sind angeklagt, den italienischen Duce einen„Lumpenkeri" genannt zu haben?, Wissen Sie, was darauf steht?" „Zuchthaus" murmelte resigniert der Angeklagte. „So sehen Sic aus!" meinte der Vorsitzende,„Pensionsberechtigung für Lebenszelt!" • Was ist das:„einer gegen alle, alle gegen einen?" „Deutsche Außenpolitik!" Pips Lohnlügen- Lohnraub Bisher 40 Proau Lohnsenkung— Weitere i5 Proz. Lohnabbau stehen beYor! Der deutsche GroßkapitaJisraus, der es vorher für nützlich gefunden hatte, sich die braune Toga der Nazia r b e i t e rpartel umzuwerfen, hat nach dem 30. Juni seine Hoffnungen auf Erhaltung der Massengläubigkeit ziemlich aufgegeben. Die antikapitalistischen Illusionen in SA und NSBO sind blutig zerstört, die Arbeitsfront ist aller sozialpolitischen Tätigkeit gewaltsam enthoben und ihl Vermögen zugunsten der Parteikasse enteignet worden, die Bahn für weiteren brutalen Lohnabbau ist frei. Das Institut für Konjunktur- schreckt allerdings vor der brutalen Offenhält der Kapitalisten noch zurück. Es glaubt, die bevorstehende Lohnabbau-Aktion in seinem Vierteljahrsbericht mit Enthüllungen über eine günstige Entwicklung von Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Arbeitseinkommen im ersten Halbjahr 1934 einleiten zu sollen! Die Beschäftigung wird nach d.n Schätzungen des Institutes auf 15,8 Millionen Arbeiter und Angestellte beziffert, soll also angeblich den Stand von 1930 wieder erreicht haben. Diese„exakt wissenschaftlichen" Forscher machen bei diesem Vergleich den kleinen Trick, die Beschäftigtenzahl vom Dezember 1930 mit den Saisonmonaten 1934 in Vergleich zu setzen. Nach dem Statistischen Jahrbuch war der Beschäftigtenstand 1930 in den ersten sechs Monaten folgender; Januar 16,159,000 Februar 15,934.000 März 16,293.000 April 16,794.000 Mai 17,120.000 Juni 17.030.000 Auch der Jahresdurchschnitt von 1930 war wesentlich höher als 15,8 Millionen! Der Vergleich ist aber auch darum irreführend, weil die für die Ermittlung der Beschäftigtenzahl maßgebende Krankenkassenstatistik unter der„Regierung der Systemparteien" 1930 nur die regulären Lohn- und Gebaltsempfänger umfaßt hat. Im Dritten Reich dagegen wird, wie die„Frankfurter Zeltung" verrät, neben der regulären Beschäftigung eine Gruppe zusätzlicher Beschäftigung mitgezählt. Dazu gehört das Heer der Arbeitsdienstsklaven, Landhelfer, Notstandsarbeiter, Fürsorgearbeiter und anderer Unterstützungsempfänger. Es kann also keine Rede davon sein, daß der Stand des Arbeitsmarktes von 1930 erreicht ist! Noch lustiger aber liest sich in dem Bericht des Konjunkturinstitutes: Das Arbeltseinkommen ist nach den Schätzungen des Institutes weiterhin gestiegen..."„Im ersten Vierteljahr 1934 erreichte das Einkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten 6,9 Milliarden RM, im zweiten Vierteljahr 1934 7,5 Milliarden." Nach den amtlichen Veröffentlichungen hat aber 1930 das Arbeitseinkommen 39,6 Milliarden betragen, d. h. vierteljährlich durchschnittlich 9,9 Milliarden. Es gehört also ein besonderer Rechenschieber dazu, um festzustellen, daß das Arbeitseinkommen, selbst wenn man so summarisch verfährt, wie es im Dritten Reich geschieht, gestiegen sei! Entscheidend aber ist, daß im Gegensatz zu den früheren Veröffentlichungen nur summarische Ziffern gegeben werden und auf die Ausrechnung pro beschäftigten Arbeitnehmer verzichtet wird. Der Bericht des Institutes bezeichnet allerdings vorsichtig die eingetretene„Besserung" als eine mengenmäßige. Es kommt aber schließlich darauf an, wieviel Personen sich in diese Lohnsumme teilen und w 1 e lange sie abeiten. Bei der vorgenommenen Arbeitsstreckung werden bekanntlich die Neueingetretenen aus der Lohnsumme der alten Belegschaften mitbezahlt. Es werden junge Arbeiter herausgeworfen, um Platz für alte zu machen. Diese erhalten aber d 1 e Löhne der Jugendlichen, die hinter den Unterstützungssummen eines Familienvaters zurückbleiben. Die summarische Berechnung von der Steigerung des Arbeitseinkommens in den Jahren 1933 und 1934 enthüllt sich so als aufgelegter Schwindel. Ein Einblick in die wirkliche Lohnhöhe sollte nun angeblich durch eine Der Gesamtrückgang seit 1930 beträgt demnach 21+ 20= 41 Prozent. Die Lohnabzüge müssen aber heute mit mindestens 5 Prozent höher eingesetzt werden als im Jahre 1930, sodaß sich selbst nach der frisierten Lohnstatistik eine Lohnsenkimg von 46 Prozent ergibt. Der Abbau der Norainallöhne fällt zusammen mit einer dauernden Preisstei g e r u n g. Die Entwertung der Reallöhne ist demnach noch ungleich stärker. In dieser Situation wird auch die deutsche Arbeiterschaft unter Hinweis auf den wachsenden Rohstoffmangel ein neuer Anschlag verübt. In der Textilindustrie ist die 33s t u n d en- woche mit entsprechendem Lohnausfall eingeführt worden, die Lederindustrie soll alsbald folgen. Nachdem also die Reallöhne abgebaut sind, wird nun auf dem dritten Weg einer gruppenweise geregelten Arbeitszeitverkürzung DAS PARISER TAGERLATT Chefredakteur: GEORG BERNHARD bringt unter anderem regalmassig BEKinER BRIEF mit unerhört interessantem Tatsachen-Material, trotz Zensur und Diktatur Beusserongen führender Politiker aller Länder zu den europäischen Problemen Btitnige tiorvorragenflar Dichter und Belehrter speziell der aus Deutschland Verbannten Demnächst Interessantes Preis- Ausschreiben: 14 JAHRE REPUBLIK Greese Umfrage bei Gelehrten, Publizisten, Staatsmännern: �Ois Zukunft der Welt'' , Neuer hochaktueller Roman von BALD ER OED EN; ROMAN EINES NAZI Endlich die verschiedenen Sonder-Gebieta Die moderne Frau— Reise and Verkehr— Sport— Technik m. Wirtschaft Probenumern gratis- Bestelungen beirr P ARISER TAGEBLATT" PARIS<»•), OL Rue Turblge Statistik der Deutschen Arbeitsfront über die Schichtung der Arbeitseinkommen im Februar 1934 gebracht werden. Es wurden 15,6 Millionen Wochenverdienste erfaßt mit einer Lohnsumme von 412 Millionen RM, sodaB ein Brutto wochenlohn von 2 6,2 2 RM ausgerechnet worden ist. Wäre diese Zahl richtig, so würden bei den üblichen Abzügen der Nettolohn RM 20.— betragen. Diese Statistik der Aibeitstront beruht aber überhaupt nicht auf einer Erhebung wirkli- lich ausgezahlter Löhne, sondern man hat nach der Beitragszahlung in elf Reichsbetriebsgruppen der Arbeitsfront fiktive Löhne errechnet. Dte erste Beitragsklasse reicht bis bum Bruttowochenlohn von 9.60 RM, die zweite von 9,60 bis 14,40 RM, die dritte von 14,40 bis 19,20 usw. In dieser sogenannten Lohnstatistik wiegt also zum Beispiel der Lohn eines Arbeiters, der wöchentlich 14,40 verdient, gleich mit dem Lohn von 19,20 RM. Es kommt aber hinzu, daß von den 5,8 Millionen Mitgliedern der Arbeitsfront nur 3,0 Millionen erfaßt worden sind. Unberücksichtigt sind geblieben die Berufe der Landarbeiter, Heimarbeiter, Hausgehilfen, also die niedrigsten Lzlhnc. Auch das graphische Gewerbe hat man unberücksichtigt gelassen. Dort wird heute durch den Zusammenbruch der Zeitungen fast nur noch Kurzarbeit geleistet, sodaß die hohen Beitragsklassen ausfallen. Man hat also allge mein die ungünstigen Arbeitseinkommen nicht miterfaßt, um zu einem höheren Durchschnittslohn zu gelangen. Bei den Bau-, Holz- und Steinarbeitern, deren Verbände Ihre Beiträge nicht nach dem Wochenlohn sondern nach dem Stundenlohn gestaffelt haben. hat der Statistiker der Arbeitsfront der Einfachheit halber den Stundenlohn durch entsprechende Multiplikation in ein volles Wochenverdienst umgerechnet, obwohl nach den amtlichen Veröffentlichungen Im Februar 1934 nicht weniger als 53 Prozent der Holz-, 76,4 Prozent der Bau- und 92,5 Prozent der Steln- arbetter verkürzt gearbeitet haben. Der so errechnete Durchschnittslohn für den Februar 1934 ist also mit 26,22 RM nichts als Lüge. Nur bei den Tabakarbeitern, von denen 84 Prozent Mitglieder der zwei untersten Beitragsklassen sind, konnte selbst diese Methode der Statistik nicht verheimlichen, daß der durchschnittliche Bruttowoehen- wochenlohn 13,63 RM betragen bat. Eine Lohnerhebnng des Statistischen Reichsamtes vom September 1933 fürdieTextilindustrie ergibt einen Rückgang der Bruttostundenver- dienste von 1930 bis 1933 von durchschnittlich 21 Prozent. Das durchschnittliche Wo- cbeneinkommen wird mit 26,53 RH ermittelt. Nach der S tat I s tl k der Ar bei tsf r on t hat es aber im Februar 1934 In der Textilindustrie nur noch 21,47 RM betragen, Ist also vom September 1933 bis zum Februar 1934 um weitere 20 Prozent gesunken! Bombenspielc für die Jugend »Blut und Ehre« lautet die Inschrift auf den Fahrtraessem der Hitlerjugend. Das Fahrtmesser ist aber noch eine Verhältnis mäßig harmlose Angelegenheit gegenüber den Miniatur-Fliegerbomben, für die als neuestes Kinderspielzeug die national sozialistische Presse jetzt Reklame macht. In der»Pommerschen Zeitung« z. B. sieht das so aus: IBertmng M öplcljcug 9Iuj bem(Etjaebiffl* fes*«■' Ccin fjitlcTjuncic mit ben fleincn SJamBciti bie beret> ftellung biefer Somben mieber Stbeit unb Srot. i)ie Somben[inb sum$tet(e oon 0,50 S12H«n bet Ortsgruppe bes 9tei(b5lu|t|(but)' batbes(Sürobotaden an ber Sismarifltrofee) gu baben. Sie tonnen mit 3ünbplätt(ben(je« laben merben. fo bag{ie cor ollem für bie Sungen ein milltommenes Spiclgeng{inb. Früher verfertigte man im Erzgebirge kleine Engel für den Weihnachtsbaum— jetzt hat die Bombe alles andere verdrängt. Und die Welt kann sich von dem echt liebenswürdigen und friedlichen Charakter des Hit- lerregimes noch einmal überzeugen. Die niedlldien Mörder Aus einer Nürnberg-Werbung des Nürnberger Oberbürgermeisters: .....Möge Euch allen der Aufenthalt in Nürnberg zu einer unvergeßlichen Erinnerung werden.... Verwellt in den stillen versonnenen Höhen und vor dem zierlichen plätschernden Brünnlein. Denkt dar- ab, daß dee Reiches Schatzkästlein gar manche Perle birgt." So unter anderem das Streicherlein mit seinem„Stürmerlein"! Progrömlein jederzeit vorrätig! in Zukunft RM. 101.32 78.17 ,. 107.56 78.17„ 113.30 78.17 ,. 120.04 78.17„ 126.28 78.17„ 132.52 76.17„ 138.76 mit fünf Kindern ganzes Jahr ge* J ein weiterer Lohnraab von 15 Prozent tmä mehr verübt. Als objektive Chronisten wollen wir unseren Lesern auch eine durch die„Braunschweigische Landeszeitung" bekanntgewordene Lohnerhöhung nicht vorenthalten. Das Blatt ist begeistert, daß die Arbeiter an der Reichsautobahn künftig neben ihrem Lohn ein Liter Essen aus der Gulaschkanone erhalten und es gibt in seiner Verzük- kung genaue Aufrechnung, was diese Arbeitssklaven eigentlich verdienen. Familienstand bisher ledig..... RM. 78.17 verheiratet... mit einem Kinde mit zwei Kindern mit drei Kindern mit vier Kindern mit fünf Kindern Ein Familienvater war demnach ein zwungen, zudem Schundlohn von 78.17 RM pro Monat schuften zu müssen, während die Wöhlfahrtsunterstützung 112.— RM betragen hätte. Die jetzt vorgenommene Lohnerhöhung ist, wie die begeisterte Landeszeitung in einer Fußnote bekannt gibt, durch eine Veränderung des Stundenlohnes von bisher 48 Pfg- abzüglich Soziallasten und Fahrkosten ü> künftig 50 Pfg. abzüglich Soziallasten, zuzüglich Kosten für Mittagessen und der Sozialzulage für Familienangehörige entstanden. Die wirkliche Lohnerhöhung IM 2 Pfg. pro Stunde oder 4.32 RM Im Monat, alles andere ist Spiegelfechterei. „Ehret den Arbeiter" und Dü" könnt ihn ausbeuten! Hier ist das Bild der Neuordnung vom 1. Mai 1934, wonach die Unternehmer als Herren ihrer Gefolgschaft selbstherrlich Arbeits- und Lohnbedingungen festsetzen. Der katastrophale Lohnabbau, wie er sich mit der Durchführung der 36stundenwoche und dem weiteren Ansteigen der Preise ergeben muß, ist eines der Zeichen für die Krise der faschistischen Diktatur, die von der Krise des kapitalistischen Systems nicht zu trennen ist. Wieder einmal soll das System auf Kosten der Massen saniert werden! Aber die politische Haltbarkelt des Systems beginnt zu versagen. Es kommt alles darauf än, die Kräfte zu sammeln und zu organisieren, um den Sturz der Diktatur mit dem gleichzeitigen sozialistischem Aufbau als einheitliche Aufgabe einer geeinten Arbeiter- klasse bewältigen zu können! Front des Geistes Neue bemerkenswerte Veröffentlichungen. Nr. 16 der„Europäischen Hefte" ist den Vorgängen in Oesterreich gewidmet. Es enthält eine Reihe enthüllender und instruktiver Aufsätze. Willi Schlamm analysiert unter der Ueberschrift„Europas eiternde Wunde" die österreichische Situation. In einem anderen Aufsatz wird der Fcy des Einverständnisses mit den Putschisten beschuldigt und ein Beweis für diese Behauptung geführt. Anfang August erscheint im Verlag öes Slmplicus eine Karikaturensaramlung„D a- 8 III. Reich in der Karikatur" mit einem Vorwort von Heinrich Mann. llcucrllarranrfö ÄJHKüÄcmofraHfcfjCö IDodjtnblaH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn! Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad- Zeitungstarif bew. tn. P. D. ZI. Der„Neue Vorwärts" kostet Im Einz6'* verkauf Innerhalb der CSR. K5 1.40(für e'.11 Quartal bei freier Zustellung Kä 18.—). Pr®.1? der Einzelnummer im Ausland Kö 2.— 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung:(die Bezugspreise tur das Quartal stehen in Klammern); Argentinie" Pes. 0.30(3.60). Belgien Frs. 2—(24—). Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzlg Guld. (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3.—). Estland L* Kr. 0.22(2.64). Finnland Fmk. 4—(48.— Frankreich Frs. 1.50(18.—). GroBbritannie11 d. 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld. 0.15(1.80). ItaHcn Lir. 1.10(13.20). lugoslawlen Din. 4.50(54-—'• Lettland Lat. 0.30(3.60). Litauen Lit 0.55(6.W). Luxemburg B. Frs. 2—(24—). Norwegen Kr* 0.35(4.20). Oesterreich Sch. 0.40(4.90). Palästina P Pf. 0.018(0.216). Polen Zloty 0.50 (6.—). Portugal Esc- 2.—(24.—). Rumänie11 Lei 10—(120.-), Saargebiet F. Fr. 1.50(18.-': Schweden Kr. 0.35(4.20), Schweiz Frs. O™ (3.60), Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pens0 0.35(4.20) USA. 0.08(0.96). Einzahlungen können auf(olgende PoSi' scbeckkonten erfolgen: Tschechoslowakei1 Zeitschrift„Neuer Vorwärts". Karlsbad. Pf3® 46.149. 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