£iatöem9lraftfd)££ IVr. 6« SO\\TA(,. 12. August 1934 Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia44— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Harakiri eines Rebellen Ihre echten Naehnife Mädchenhandel im 3. Reich Schachts Wirtschaftsdiktatur Nein! Nein! Nein! Gruß den Unbeugsamen!— Ihrer Ist die Zukunft! Ein Tag der Schande, der tiefsten Er- "•edrigung ist für das deutsche Volk der 19. August 1934. Für ungezählte Millio "cn Männer und Frauen wird er ein Tag dpr schwersten persönlichen Entscheidung sein. Wenn sie zur Urne �"hreiten, wird das Gewissen auf der einen Seite ihr Wegbegleiter sein und die Furcht auf der anderen. Ihr Gewissen wird ihnen sagen, daß sie �urch ihr Ja zu Mitschuldigen eines furcht- i'aren Verbrechens am deutschen Volke cid an der ganzen Menschheit werden, il�r ihre Furcht wird ihnen zuflüstern, 'Iii sie mit einem Nein das Verbrechen •loch nicht verhindern können und daß sie Iii ihrer selbst und ihrer Kinder willen das ■Ii aussprechen müssen, das ruchlose Gelalt ihnen erpreßt. Die Furcht hat hundert Gründe und darunter keinen, den man ganz widerlegen �inn. Der stärkste—»es wird ja doch licht richtig gezählt!« Hundert Leute, die jiit Nein stimmten, können alle ihre Ar- i®'* verlieren, ins Konzentrationslager kommen und zusammengeprügelt werden, iW sie haben nicht einmal die Gewißheit, •laß alle ihre Nein in der Wahlstati- si'k erscheinen werden, vielleicht werden •f nur zwei Dutzend sein, vielleicht nur eines, vielleicht gar keines! Deutsche Rahlen und Abstimmungen waren einst , saubersten der Welt. Heute sind sie 'i®»o verlumpte und verschmutzte An- Kclegenheit, daß es auf eine Fälschung der ■Ufern schon gar nicht mehr ankommt. ,e Fälschung beginnt doch schon damit, daß man Menschen, deren empörtes Herz ■ ein und hundertmal Nein schreit, durch Ditale Gewalt zwingt, mit der Hand einen .1- Zettel abzugeben. Warum soll man lai nicht auch die Wahlstatistiker dazu Owingen, auch noch die Zahlen zu fälschen?! . Die Gründe der Furcht sind unwider- e8bar. Es ist richtig, daß die Neinstim- l®11 die Erhebung Hitlers zum Ueberkai- R®r Von Deutschland nicht verhindern kön- ja, daß sie nicht einmal in der Stati- ••k vollzählig erscheinen werden. Die die aus Furcht mit Ja stimmen, . ki�n recht— für heute! Aber die- l�ligcn, die der Stimme ihres Gewissens i'gen d, mit Nein stimmen, mag da kom- men was will, siehabenfürmorgen echt, und das ist das entschei- •"«ndeS Der ig. August ist der Tag der gro- vPn Charakterprüfung, die jeder aich selber abzulegen hat. Wer sie �®»teht, der erhebt sich damit selber zu �'lem der Führer, die eines Tages an der �P'tze sein werden, wenn alles wieder an- ®rs kommt und die Weltgeschichte das "�ße»Kehrt!« kommandiert. , Nie hat es eine Minderheit schwerer ge- ils die bentige in Deutschland. Aber , ,p auch war ihre Bolle ehrenvoller, nie "ante sie sicherer sein, daß sie eines Ta- ®s als Mehrheit die Macht übernehmen lird. Käme es ihr nur auf moralische n'. e 1 1 K t u u n g an, ihr bUebe schon heute 'chts mehr zu wünschen übrig. Sie hat 'p den Fall eines nationalsozialistischen ®6es das Schlimmste prophezeit. Aber Hitler das deutsche Volk in Grund und Mi n r*'s'ert hal. das übertrifft auch alte 0 �il,n8lrn Erwartungen. Welcher Sozialdemokrat könnte ein grimmiges Lachen unterdrücken, wenn er liest, wie Hitler jetzt vor englischen Journalisten den Ultrapazifisten und Ueberdemokraten spielt!»Kolonien ein kostbarer Luxus«— ist es nicht, als hörte man August Bebel reden? Nur daß in Bebels Munde alles goldechte Ueberzeugung war, während an diesem Menschen alles Schaumschlägerei und Betrug ist!»Wir verlangen nur, daß unsere jetzigen Grenzen aufrechterhalten bleiben«.»Wir wissen, daß der Anschluß heute unerreichbar ist, die Widerstände Europas würden zu groß sein.« Strese- m a n n war im Verzichten lange nicht so weit, als Hitler ihm drohte, er werde dafür »totgeschlagen werden wie ein Hund«. Weil Schacht Kredite braucht, redet Hitler Frieden— aber wer in der Welt soll den Beteuerungen eines Mannes Glanben schenken, der seine Freunde heute seiner unvergänglichen Dankbarkeit versichert und sie dann morgen meuchlings erschießen läßt? Ja. wenn moralische Genugtuung genügen würde, dann hätten wir genug und übergenug! Aber an der Tatsache, daß das Gangstertum heut« noch alle physischen Machtmittel in der Hand hat, daß es das deutsche Volk wie einen Tanzbären am Nasenring führen und tanzen lassen kann, daran ändert die moralische Genugtuung gar nichts. Daran kann erst dann etwas geändert werden, wenn der Terror von oben innerhalb der weichen fügsamen Masse auf einen harten Willenskern stößt, der sich nicht zerbrechen läßt und der wächst! Wenn sich die beglük- kend Tatsache offenbart, daß es in Deutschland nicht nur Untertanen gibt, sondern auch Bebellen und Bevolutionäre! Es soll kein Wort gegen die armen Teufel gesagt werden, die am 19. August furchtbebend zum Wahllokal schleichen und ihr Gewissen betäuben werden mit dem Gedanken, sie hätten als gute Familienväter gehandelt. Aber sie sind Objekt der Weltgeschichte und werden es bleiben. Die Männer und Frauen, die am 19. August der Stimme ihres Gewissens folgend, Nein sagen, leisten damit ihrem Volke und der Menschheit einen unschätzbaren Dienst. Ihre Furchtlosigkeit bahnt der Freiheit den Weg zum Siege. Hitler redet es seinem Göbbels nach: »Wir wilden Deutschen sind die besseren Demokraten«. Hat er nicht innerhalb anderthalb Jahren das Volk dreimal zu Wahlen und Abstimmungen aufgerufen? Wahlen? Abstimmungen? Man kann in Deutschland jetzt ebensowenig wählen und abstimmen, wie man in einem luftleeren Baum atmen kann! Hitler wird soviel Millionen Ja bekommen wie er befiehlt. Aber wenn eines Tages dieses tollste Abenteuer der Weltgeschichte, dieses Ueberkalsertnm eines unwissenden Hysterikers in Blut und Druck zusammenbricht, dann wird das Volk, wird die ganze Welt auf die Männer und Frauen blicken, die der Stimme der Furcht ihr Ohr verschlossen und der Stimme des Gewissens folgten. Geschichtliche Tat im Dienste der Menschheit bleibt ihr unbeugsames Nein! Braune Justiz hetft Ausländer Holland entsend über neudeutsdie Justizmethoden Der holländische Gewerkschaftsfunktionär und Sozialdemokrat Spansiev ist durch ein Hitler'sches„Volksgericht"(in Wahrheit Standgericht) zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Diese Verurteilung und mehr noch die Art, wie sie erfolgte, hat in Holland weit Uber die Kreise der holländischen Sozialdemokratie, ja bis in die Reihen der ausgesprochenen Rechten hinein heftigste Entrüstung erregt. Da sich das ganze Verfahren hinter hermetisch verschlossenen Türen abgespielt hat, so kennt man auch jetzt noch den Gegenstand der Anklage nicht ganz genau. Jedenfalls wurde dem Holländer Spansiev Landesverrat gegen— Deutschland vorgeworfen, begangen auf holländischem Gebiet durch Verbreiten der(inzwischen eingegangenen) Zeltschrift„Freie Presse". Man stelle sich das vor: der Verlag der holländischen Sozialdemokratie gibt eine deutschsprachige, antifaschistische Zeitung heraus(die zum großen Teil zur Ver- breitung unter den deutschen Bergwerksar- beitern des holländischen Kohlenbeckens bestimmt war), ein holländischer Sozialdemokrat verbreitet diese Zeitschrift auf holländischem Staatsgebiet, wird dann gelegentlich einr Reise nach Dentseh- iand verhaftet und wegen Landesverrat gegen das Dritte Reich vor ein Deutsches Ausnahmegericht gestellt! Wir möchten einmal das Entriistungsge- schrei der gleichgeschalteten Presse hören, wenn etwa einer ihrer Schreiberlinge wegen fortgesetzter giftiger Ausfälle gegen das demokratische System auf einer Reise durch Frankreich oder Belgien kurzerhand verhaftet und jahrelang eingesperrt würde! Das Dritte Reich hat es durch seine berüchtigte Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat tatsächlich fertig gebracht, den im Ausland und von einem Ausländer begangenen„Landesverrat", worunter so ziemlich jeder Zeitungsartikel gegen Hitler Reldiswehrsdiandc. Beicbcnau schmäht Schleicher. Der General von Reichenau, Chef des Ministeramts im Reichswehrministerium, hat es fertig gebracht, in einem Gespräch mit einem französischen Journalisten seinen ehemaligen Vorgesetzten, General von Schleicher, einen»geborenen Verschwörer« zu nennen. Er hat damit und mit einer Reihe gewagter Behauptungen über die Tätigkeit Schleichers dessen ruchlose Ermordung zu rechtfertigen gesucht. Niemand konnte den General von Reichenau zwingen, über die Abschlachtung des Ehepaares Schleicher zu reden— und hätte er nur eine Spur von Herzenstakt und echtem Nationalgefühl, so hätte er über diese grauenhafte Angelegenheit wenigstens geschwiegen. Die Unterredung des nationalsozialistischen Generals mit dem Mitarbeiter des»Petit Journal« wirkt um so widerwärtiger, als sie die Schmähung eines toten Kameraden mit plumpen Schmeicheleien für die französische Armee verbindet. Wir bezweifeln, daß die französische Armee Lobsprüche aus solchem Munde als Ehre empfinden wird. Auch wenn man alles, was Reichenau dem toten Schleicher Uebles nachsagt, für bare Münze nimmt, so ergeben sich für das verübte Verbrechen keine Rechtfcrtigunga- gründe, nicht einmal mildernde Umstände. Auch wenn Schleicher wirklich gehofft hätte, mit Hilfe der SA wieder zur Macht zu kommen, und wenn er dabei wirklich »auf Frankreich gerechnet« hätte, so wäre das wahrlich noch kein Grund gewesen, ihn und seine Frau hinterrücks abzuknallen. Die französischen Leser hat Reichenau von Schleichers Schuld bestimmt nicht überzeugt. Er hat ihnen nur gezeigt, daß es deutsche Reichswehrgeneräle gibt, die die Gesinnung von Meuchelmördern haben. fällt, für strafbar zu erklären. Und im Falle Spansiev, wohl dem ersten praktischen Anwendungsfall dieses strafrechtlichen Novums auf dem Gebiete des internationalen Rechts, den Begriff des„Landesverrats" gegenüber einem im Ausland handelnden Ausländer notdürftig zu untermauern, scheint die deutsche Anklagebehörde zu der Konstruktion gegriffen eu haben; die von Spansiev verteilten Zeitungen seien zur späteren Verbreitung in Deutschland bestimmt gewesen! Immerhin scheint die Staatsanwaltschaft zu Ihrer eigenen Argumentation kein großes Vertrauen gehabt zu haben. Die Sache sollte erst als„einfacher Fall" vor das Landgericht Essen kommen, dann hat man sie dem Reichsgericht Uberwiesen und schließlich so lange hinausgezögert, bis man sie vor das„zuverlässige" neugeschaffene„Volksge- richt" bringen konnte, ein Gericht, das, wie das liberale„Handelsblad" betont, erst neun Monate nach Spanslevs Verhaftung ins Leben gerufen war. Spansiev hat fast ein volles Jahr In Untersuchungshaft gesessen! Das Verfahren bot keinerlei Rechtsgarantien. Dem Angeklagten wurde die Zulassung eines holländischen Verteidigers zum Termin verweigert, er bekam einen Pflichtverteidiger, der erst sechs Tage vor dem Verhandlungstermin Einsicht in die Akten erhielt. Am meisten ist die holländische Presse entrüstet über die Heimlichkeit des Verfahrens. „Handelsblad" schrieb am Tage des Prozesses: „Gerade well es sich in diesem Falle um einen ausländischen Untertan handelt, den man auf Grund der Gesetze seines eigenen Landes sicher nicht des Landesverrates beschuldigen und ebensowenig im Wege der jetzt In Deutschland üblichen Prozeßart verurteilen könnte, würde die erste Forderung der Gerechtigkeit, daß das volle Licht der OcffentUchkeit auf dies Verfahren fällt." Wie groß indessen die tatsächliche Heimlichtuerei war, geht daraus hervor, daß holländische Journalisten, die am Donnerstag, den 2. August zu der Verhandlung Zutritt zu erlangen suchten, die Auskunft erhielten: der Prozeß habe bereits am Mitt- woch stattgefunden, Spanslev sei auch verurteilt worden, zu welcher Strafe, dM könne man ihnen jedoch nicht sagen! Sogar das antlrevolutlonäre Or gan„De S t a n d a r t" ist Uber das gesamte Verfahren wie Uber die Verurteilung Span- sievs außerordentlich aufgebracht und schreibt am Schluß eines sehr scharfen Artikels: „Es handelt sich nicht nur um das Los dieses Landsmanna, sondern geht alle an, die einmal an einer Veröffentlichung Uber Deutschland mitgewirkt haben, und zufällig dazu kommen, sich In diesem Lande vorübergehend aufzuhalten. So gesehen, ist der Fall Spansievs im Interesse des Niederländischen Volkes, ja ein Internationales Interesse." Hitlerdeutschland hat, wie man sieht, wieder einmal moralische Eroberungen gemacht! Julius Civilis. GefährHdi leben Die Bejahung des August 1914. Vor zwanzig Jahren taumelte Europa in den Weltkrieg. Die Institutionen, die Projekte, die Ideologien waren stärker als die Menschen. Tag für Tag entglitt die Kontrolle der Politik immer mehr den Händen der Diplomaten, hinter denen die Militärs standen. Die ungeheure Krise der Welt, die heute noch andauert, begann. Sie hat niemand und nichts verschont— auch den Sozialismus nicht. Heute ist die Erinnerung an diese Tage ungeheuer erregend— denn an allen Ecken und Enden der Welt wird polltisch, diplomatisch, militärisch fUr den Kriegsfall neu gerüstet. Das diplomatische Spiel Ist im Gange, die Pakte wachsen, aber wie, wenn sie nicht gehalten werden? Auch dafür gibt es wieder Pakte, und der neueste diplomatische Kampf dreht sich um diesen Eventualfall! Dahinter stehen reale Mächte. Die Abrüstungskonferenz ist aus. England verdoppelt seine Luftflotte, es rüstet, um gegen Deutschland sicher zu sein. Japan ruft nach RUstungsfreihelt zur See, die Vereinigten Staaten bauen ihre Flotte bis zur Vertragsgrenze aus und ver mehren ihre Luftmacht. Frankreich rüstet, und Deutschland— Deutschland ist die Esse des Kriegsgotts! Haben die Völker vergessen, was der Krieg bedeutet? Das deutsche Volk erlebt schon im Vorbereitungsstadium das Elend des Kria ges: Schlangen vor den Läden, wachsender Hunger, Zerstörung der Kaufkraft, Zermür- bung durch Blockade. Aber seine Herren wollen es! Einer der geistigen Vorbereiter ihrer Herrschaft aus dem Tatkreis schreibt in der»Tat« in diesen Tagen: »Alles kreist nicht weniger als im vorigen Jahre um die Tatsache der nationalsozialistischen Revolution, die den Staatsmännern Europas die Ruhe geraubt hat und das »Gleichgewicht« gestört hat. Dürfen wir uns den Luxus erlauben, diese noch immer fieberhafte Tätigkeit rings um das Reich nicht ganz ernst zu nehmen, well scheinbar wenig Greifbares herauskommt? Es wäre freventlicher Leichtsinn.»Dt dem Willen zum Aufbruch In eine neue Zeit hat das deutsche Volk bekundet, daß es gefährlich leben will. TTnd wir leben gefährlich I Der gewaltige Ernst dieser Jahre darf nicht einen Augenblick lang vergessen werden. Eine Panikstimmung ist unnötig und unmöglich, wenn der letzte Mann genau weiß, daß es nach wie vor um unsere völkische und um jedes einzelnen Deutschen Existenz geht. Ein Volk, das die Gefahren kennt, die ihm drohen, verfällt nicht in Panik, wenn es seiner Idee und seinen Führern vertrauen kann.« Dies»gefährlich leben«— das Ist das Bekenntnis zum Krieg. Der Krieg wird von den Herrschern Deutschlands als Mittel der Politik anerkannt. In ihnen ist die nationalistische Machtstaatsidee lebendig. Sie verfolgen sie— auf die Gefahr eines neuen Weltkrieges hin, ja, sie wollen diese Gefahr! Es ist die Bejahung des August 1914. Es ist mehr als das. Damals waren die Menschen noch blind gegenüber dem, was kam, heute sind sie Wissende. Wer als Wissender dies Prinzip des»gefährlich lebens« verkündet, wer wie die Herrscher Deutschlands ein ganzes Volk zum Kriegswillen erzieht, wer Europa die Ruhe und den Frieden raubt, der ist ein Frevler am Glück der Völker und am Frieden der Welt— ein Feind des Menschengeschlechts! KaUgemadit und kaltgestellt Warum Keßler gehen mußte iVaturwIssensdiaft »Eine Blattlaus, die etwa ein Milligramm wiegt, kann in einer Saison eine Nachkommenschaft in die Welt setzen, deren Gesamtgewicht Uber 16 Milliarden Zentner beträgt. Bedenkt man, daß die lebende Menschheit zusammen nur etwa drei Millionen Zentner wiegt, so kann man sich vorstellen, wie gefährUch diese unscheinbaren Tiere den Menschen werden können.« Solcher Blödsinn steht jetzt In einem Blatt, aus dem zwei Generationen deutscher Arbeiter ernstes Wissen geschöpft haben— in der »Metallarbeiter-Zeltung«! Die im Dritten Reich neuerdings beliebte Methode der Amtsenthebung hochgestellter Persönlichkeiten durch körperliche Vernichtung wird nicht auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens angewendet. SA-Führer werden kalt gemacht, Wlrtschaftsführer nur kalt gestellt. Unmittelbar nach der Ermordung Röhms und seiner Schicksalsgenossen ist Herr Keßler, ehemals Slemensdirek- tor, vom Amt des Führers der Wirtschaft und Herr Pletsch, ehemals I. G. Farbendlrektor, von der Führung der Hauptgruppe V(Chemie) abberufen worden. Ein anderer wichtiger Unterschied: nach der Kaltmachung der SA- Führer wird sehr viel, nach der Kaltstellung von Wirtschaftsführern gar kein Geräusch gemacht. Ueber die Gründe, die Hitler die Mordwaffe gegen Röhm und Heines in die Hand gedrückt haben, hat die Welt durch Oöbbeis Rundfunk viel gehört, wenn auch wenig erfahren. Ueber die Gründe der Abberufung der Herren Keßler und Pietsch dagegen hat sich der sonst so redselige Göbbels ausgeschwiegen. Hitlers Macht lebt vom Klamauk, der um ihn gemacht wird, Krupps Geschäfte gedeihen am besten in der Verborgenheit schalldicht verschlossener Generaldirektorenzimmer. In Fachzeitschriften, die von der Menge der Gläubigen nicht gelesen werden, kann dagegen manches, was man ihr verschwelgt, wenigstens andeutungsweise offenbart werden. In der Zeitschrift„Der deutsche Volkswirt" vom 27. Juli 1934 wird mancherlei Uber die Hintergründe dieser Kaltstellung ausgeplaudert. Danach„hat Keßler von seinem Standpunkt sein Bestes getan", aber an diesem„Standpunkt", der das Mißfallen des Herrn Krupp erregt hat, ist er eben gescheitert. Offenbar sind Keßler und Pletsch naiv genug gewesen, anzunehmen, daß, wer im Dritten Reich ein Amt hat, auch eine von der des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach abweichende Meinung haben darf, und mehr als das: eine Aufgabe, die sogar im Naziprogramm vorgesehen ist. Wie man aus dem „Deutschen Volkswirt" erfährt, ist Keßler gescheitert„an prinzipiellen Gegensätzen in der Auffassung Uber Sinn und Aufgabe seines Amtes wie der industriellen Organisation Uberhaupt." Er glaubte also, daß ein Führer auch führen müsse und daß der Führer der zu organisieren und durch ihre Organisation den Selbstverwaltungskörper des Ständestaates vorzubereiten. Seine Meinung war, daß es„der Zweck dieser Organisation der Wirtschaft" sei,„die Kartelle zu ersetzen, anstelle von Konkurrenz und Einzelinitiative planwlrtschaftll- cbe Formen zu schaffen." Diese Gesamtorganisation hätte ein Gegengewicht gegen die Diktatur der Herren Krupp und seiner schwer- industriellen Mltköntge bilden können. Die Vermessenheit, solche Dinge auch nur zu planen, wird im Dritten Reich in schwereren Fällen mit Kaltmachung, in harmloseren Fällen nur mit Kaltstellung gebüßt. Man muß im Dritten Reich zwischen den Zeilen lesen, was i n den Zeilen nicht geschrieben werden darf. Wenn also im„Deutschen Volkswirt" von„prinzipiellen Gegensätzen" die Rede ist, muß man das mit „fürchterlicher Krach" Ubersetzen. Das Ergebnis dieses Titanenkampfes ist, daß nicht Herrn Keßlers Auffassung, sondern„die gegenteilige Ansicht" gesiegt hat. Herr Keßler war so töricht, anzunehmen, daß wenn die Not am höchsten, die Rettung durch Verwirklichung von Punkten des Naziprogramms am nächsten sein müsse. Er glaubte, daß„die Regelung der Rohstoff- und Außenwirtschaftsfragen Selbstverwaltungskörpern der Wirtschaft übertragen" werden müsse. Er muß sich jetzt darüber belehren lassen, daß es„für Deutschland und seine Wirtschaft zur Zelt ernstere Sorgen gibt, als die Frage nach der künftigen gewerblichen Organisation" und daß die Wirtschaft„eben im Augenblick zur Selbstverwaltung vielleicht noch nicht reif" sei.„Der Staat selber" müsse„die Ueberwindung der vorübergehenden Schwierigkeiten in der Außen- hande'.swirtschaft und in der Rohstoffbeschaffung in die Hand nehmen." Da der Staat ohnehin dem Kommando des Herrn Krupp gehorsamt, ist die Entscheidung Uber die wichtigste Frage der deutschen Wirtschaftspolitik, nämlich die Frage, ob Deutschland von der Weltwirtschaft abgeriegelt und einer von ihm selbst inszenierten B 1 o k- k a d e unterworfen werden soll, den an der Aufrüstung Interessierten Herren von der Schwerindustrie, den Hitlerfreunden Krupp Wirtschaft dazu berufen sei, die„Wirtschaft" j und Thyssen anvertraut. Ihre editen Wachrufe Große Atirappe— seniler Greis— Landes- Terräter-Staffagc der Btfrsc Die Nationalsozialisten feiern den toten Hindenburg als den großen Mann. Hitler ist stark bewegt, Göbbels hat eine umflorte Stimme im Rundfunk, Göring vergießt Beileids tränen. Göbbels, der mit umflorter Stimme dem deutschen Volk die Trauemacbricht bekanntgab, erklärte 1930 in einer Rede in Berlin- Wedding folgendes: »Das Tischtuch zwischen dem Reichspräsidenten und der NSDAP ist zerschnitten, die große Attrappe zerfallen, und nur Haß kann unser Empfinden gegen ihn sein. Hindenburg hat aufgehört, ein Mann, eine achtunggebende Persönlichkeit zu sein. Sein letzter Aufruf war nichts anderes als niederträchtig. Es ist ein Skandal, daß ein Mann von Uber 8 0 Jahren, der schon mit einem Bein im Grabe steht, Generationen, die noch nicht einmal geboren sind, versklavt. Dio»langersehnte Freiheit«, von der Hindenburg spricht, ist auch nur ein Gebilde, das in dem Hirn eines Greises bestehen kann und»in der großen Schule der Pflichterfüllung der alten Armee«, von der Hindenburg so gerne erzählt, hat er selbst aber nichts gelernt!« In derselben Versammlung fielen Zwischenrufe wie»Hindenburg hat Gehirnerweichung, er ist völlig verblödet!«—»Verräter!«— »Lump!« usw. Ein anderesmal behauptete Göbbels, daß»Hindenburg ein seniler Greis sei, der sich von jedem Idioten etwas eln- blasen lasse.« Im»Angriff«, dem Organ Göbbels, konnte man folgende»humorvolle« Kennzeichnung des Reichspräsidenten lesen; »Alta schützt vor Dovheit nicht... Ich habe mein Hindenburcbbild, steht sojar sein eijenhendja Namszuch drunta, schon zwee Jahre von die Wand jenomm, jestan hab icks in Ofen jesteckt. Ick habe ooch»Be- freia« jespielt. ick habe mir von Hinden- bureben befreit.« In der gleichen Nummer, in dem sich diese geschmackvollen, Hindenburg ehrenden Dia- lektblüten befinden, wird er als Landesverräter beschimpft und kurze Zeit vorher brachte dasselbe Organ zur Pflege des guten Tons einen Artikel mit der bezeichneten Ueberschrift»Lebt Hindenburg noch?« und unterstrich diese Beleidigung zu allem Ueber- fluß durch eine Karikatur des Reichspräsidenten, die diesen halbnackt als Barbarenfürst in einem mit hebräischen Emblemen verzierten Sessel sitzend zeigt, wie er mit höhnischem und schadenfrohen Lächeln die Abführung seines Volkes in die Knechtschaft mit ansieht. Graf Ernst Reventlov erklärte, seine Partei wolle ein Gesetz gegen den Landesverrat, das auch wirklich durchgreife. Darum sei es der NSDAP völlig gleichgültig, ob dadurch auch jemand ins Gefängnis wandere, der eine Vergangenheit und Eigenschaften habe wie Hindenburg. In den»Nationalsozialistischen Briefen« wurde Hindenburg als»verstaubter Heros« dem Gelächter preisgegeben und als»Staffage der Börse« verächtlich gemacht. Auch der Herr General Göring, der heute so erschüttert ist, daß ihm die Tränen in Bächen die aufgeschwemmten Wangen hinunterfließen, hat in einer Versammlung in Berlln-Schöneberg Hindenburg maßlos beschimpft. Er sagte damals: »Hindenburg scheint ganz vergessen zu haben, welche Parteien ihn auf seinen Platz erhoben haben, daß es die Nationalen gewesen sind, die er jetzt durch Bearbeitung des Zentrums in gemeinster Welse verraten hat. Daher ist mit dem heutigen Tage das Tischtuch zwischen der NSDAP und Hindenburg endgültig zerrissen. Aus Hochachtung ist Haß geworden, ein Kampf bis aufs Messer ist entbrannt, in dem es ein Zurück nicht mehr geben kann.« Und Hitler selbst? Er, der heute»tiefbewegt an der Bahre steht und heiß bedauert, daß ein Mann wie Hindenburg aus dem Leben gehen mußte«, hat im Jahre 1932 in einer Versammlung den Satz geprägt:»Wenn Gott mit uns und Deutschland ist, dann befreit er uns bald von dem Greis in N e u de ok.c Herr Hitler ist befreit von Hindenburg und markiert jetzt hehre Trauer! Ceha. Ohnehin hat man bisher von der„plan* wirtschaftlichen" Tätigkeit der Herren Keßler und Pletsch nicht viel gemerkt. Es wird auch vom„Deutschen Volkswirt" offen ausgesprochen, was mit der Beseitigung der Personen sonst noch beseitigt werden sollte. Selbst mit Nazi-Logik kann nicht bestritten v/erden, daß auch die Arbeiter ein„Stand" sind. Organisiert man aber die Gesamtwirtschaft zu einem Selbstverwaltungskörper, so kann man schwer vermelden, daß, zwar nicht Vertreter der Arbeiter selbst, aber Herr Ley und seine Gefolgschaft von Nazibonzen ihre Nasen in Dinge stecken, in die sie nicht hineinzureden haben, z. B. daß sie eich„für Fragen der Sozialpolitik und des Arbeltsvertrages zuständig" halten. Das würde„die Gefahr einer Fehlleitung der starken dynamischen Kräfte der Großdeutschen Arbeitsfront bedeuten." Ueber die Arbeitsbedingungen verfügen allein die Wlrtschaftsführer, und das sind nicht die. die den Titel„Führer der Wirtschaft" verliehen bekommen haben, sondern die Herren Krupp und Thyssen, die es wirklich sind. Herr Ley hat sich nur damit zu beschäftigen,„alle schaffenden Deutschen zur wahren Volksgemeinschaft zu vereinigen," also den Arbeitern Kraft durch" Freude und nicht durch mehr Lohn zuzuführen! Es war denn auch dis erste Tat des neuemannten Führers der Wirtschaft, Grafen von der Goltz, der Welt zu verkünden, daß die Arbeltsfront sich nur mit dem Ideellen, nicht mit dem fluchwürdigen Materiellen zu befassen, sich nur noch „pädagogischen" und„kulturellen" Aufgaben zu widmen habe. Es ist klar: Herrn Keßler hat man geschlagen, aber Herrn Ley gemeint. Den einen entfernt man, um den anderen mattzusetzen, den abzusetzen man vorläufig noch nicht riskiert. Nach dem blutigen Schlag gegen die SA können die Eisenkönige und Kohlenherzöge auch zu scheinen wagen, was sie schon immer gewesen sind, seit Hitler an der Macht ist: die wahren Machthaber in Deutschland. Die Fedienbadimörder . Wir erhalten Uber die Ermordung Feli< Feohenbachs folgende Mitteilung: Fecbenbach, der sich weigerte, die Ueber- führung Ins Konzentrationslager ohne BegM' tong von Beamten anzutreten, wurde von einem Ilppeechen Gendarmen Ms nach Gau*** köte, S km hinter Detmold, begleitet. Dort erreichte den Beamten ein Staatabefehl de* Ministers Rteke, der seine sofortig* RUckkehr nach Detmold anordnete. Fecbenbach wurde bei der Welterfahrt bei Scherfede(zwischen Paderborn und Warburg) erschossen. Seine Mörder sind Wiese, der Chauffeur des Staatsminister« Rieke, OrUt- temeyer, Sonderbeauftragter der SA beW Landratsamt Detmold, Focke, Sekretär d** Landarbeiterverbandes und wahrscheinlich Hlnriehsen, der trotz Einspruches de* Schulvorstandes die Stelle eines Schuldleoer* in Detmold erhielt. Diese Mörder werden nicht vergessen wfr' den! Falsche Sensation! Der»Manchester Guardian« veröffentlicht in seiner Nummer vom 7. August ein® Sensationsmeldung, in der nicht mehr und nicht weniger behauptet wird, als daß d«« Hitler-System durch Vermittlung von G®' werkschaftern mit dem Vorstande d«r deutschen sozialdemokratischen Arbeite»" partei in Prag in Verhandlungen eing®' treten sei, deren Ziel sein soll, die sog®' nannte Arbeltsfront durch neutrale 0®* werkschaften zu ersetzen, Hiezu haben wir zu erklären; Es ist dem Parteivof' stände in Prag nichts davon bekannt, daß Nationalsozialisten mit Gewerk8chafte'1, in Deutschland oder im Auslände in Vef* handlang eingetreten sind. Unrichtig ist, daß Gewerkschaf tskr®!3® sich an den Parteivorstand in Prag Se' wendet haben, um im Auftrage der N®' tionalsozialisten mit ihm zu verhandelI>■ Der Vorstand der D.S.A.P. hält nie"1 daran, mit der Gangsterbande in Berl"1 eine Verständigimg zu erstreben;®r kennt kein anderes Ziel als die völlige Ve»" nichtung dieses verbrecherischen Systen»®' Es ist tief bedauerlich, daß ein Bl®41 vom Range des Manchester Guardi•,, eine solche erlogene Sensatlonsmeldu0' veröffentlicht hat, ohne zuvor den geriuä' sten Versuch gemacht zu haben, sich � dem Parteivorstande in Prag in Verbi»1* dung zu setzen. Sdilau— klug —' weise Zur Psychologie der Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten besitzen ein großes Maß von Schlauheit, sehr viel weniger Klugheit und gar keine Weisheit. In der Anzettelung einer Intrige oder eines Verbrechens sind sie Meister, bei normalen Aktionen kalkulieren sie nicht selten falsch, blind sber sind sie gegen alle Wirkungen, die in der Tiefe des Geschehens sich vorbereiten. Die Schlächterei vom 3 0. Juni haben Hitler und Göring technisch meisterhaft Inszeniert und durchgeführt. Ihre politischen Wirkungen, mindestens den außenpolitischen Kffekt, haben sie falsch berechnet. Die Dauerwirkungen des Blutbades auf den Charakter und Bestand ihrer Herrschaft haben sie Weht einmal gesehen. Aehnllches läßt sich vom österreichischen Putsch sagen; Anzettelung prima, Berechnung der außenpolitischen Folgen verheerend kurzsichtig, von der Zerstörung des ■Anschlußgedankens ganz zu schweigen. Am deutlichsten aber tritt die negative ■taatsmännische Weisheit In Hitlers Staatsstrelch vom 2. August zutage. Bei »Her Gerissenheit der Ueberrumpelungsstrate- Ele ein absoluter Mangel an Einsicht In die Notwendigkeiten eines Staatsgefüges! Aber wie Ist die von Leuten zu erwarten, die sich fortgesetzt mit Ihrer»unbändigen Energie«, "ilt ihrer geistigen Verkrampftheit und Explosivität brüsten. Weisheit Ist die Kunst des Maßhaltens, des Slch-beschelden-könnens. Hitlers Griff nach der absoluten Gewalt bedeutet das Gegenteil davon. Fr hat alle formalen Hemmungen, die bisher noch seinem Willen entgegenstehen konnten, beseitigt. Beseitigt hat er damit aber auch die bescheidenste Mitverantwortung, vor allem aber Jedes Korrektiv gegen etwaige Fehler seines Willens. Wer sich selbst für unfehlbar hält, der mag Jede Hemmung zertrümmern, die fegebenenfalls seinen zum Fehlgriff erhobe- "wi Arm zurückhalten könnte. Nur: wer 8ich selbst für unfehlbar hält, der ist nicht Weise, der ist noch nicht einmal klug. Der alten Relchsverfaasung von 1871 Wurde zum Vorwurf gemacht: das Reichs- �änzleramt ohne gleichberechtigte Relchs- nünister daneben sei nur für die Riesengestalt o'nes Bismarcks passend gewesen, seine Nachfolger hätten darin versagen müssen. Wie stark aber war Bismarck trotzdem gehemmt: er hatte den Kaiser über sich, den Bundesrat, den Reichstag neben sich. Hitler hat nichts über sich, nichts neben *ich. Wer Ihm zutraut, gleichzeitig Staatsoberhaupt und unumschränkter Leiter der gesamten Politik sein zu können, der muß Hit- 'ar als Persönlichkeit und als Staatsmann hoch Uber Bismarck stellen. Und noch •Ins: für seine Zeltgenossen galt Bismarck als dor»eiserne« Kanzler. Wir Heutigen wissen, daß er an Abgründen wandelte, Ubererregbar Und sensibel war, Weinkrämpfe und Wutaus- hrilche bekam, wegen einer Rede Eugen Rieh- t,r8, eines Artikels der»Frankfurter Zeltung« ?anze Nächte In Zorn und Haß durchwachte. von Adolf Hitler weiß bereits die Mitwelt, �'e labil sein geistiger Zustand, wie unaus- S�gUchen und unbeherrscht sein Temperament Wer kann auch nur abschätzen, wie der Besitz absoluter Herrschergewalt, wie die tfugsum wuchernde Speichelleckerei und Ver- Wtterung durch ein würdeloses Bürgerpack 'h'f der Länge der Zelt auf dies Gehirn eln- wirken werden? Man braucht hier nur an �V'lhelm IT. zu denken, dessen Vergleich mit Nitler Ja weit näher liegt als der Bismarcks. A1>€r der Monarch Wilhelm durfte nur ge- �*ckt durch die»ministeriellen Bekleldungs- "Wicke« offizielle Politik treiben. Welche Be- "'ernmungen seine Inoffiziellen Extratouren <3er Wilhelmstraße verursachten, Ist bekannt. Was aber, wenn sich Hitler nach der Seite V'lhelms hin welter entwickelt, mit ler er so fatale Aehnllchkelt in der Orundveran- **Ung aufweist? Seine gläubigen Anhänger aben darauf eine simple Antwort, die Ant- �0rt Jenes katholischen Theologlestudentcn, 'm Examen gefragt wurde, was er tun wenn er mit dem Allerheillgsten Uber he Brücke ginge und diese einstürzte. Der �Ofling erwiderte gelassen:»Die Brücke 'iezt nicht ein«, und war zu keiner anderen hfwort zu bewegen. Me Brücke stürzt nicht n— Adolf Hitler wira Immerdar der große, er ühfehlbare Führer sein und bleiben. Trotz * geistig Unmündigen. Adolf Hitler hat sich zu einer despotischen �ht über das Deutsche Reich aufgeschwun- ®en' vrie man sie_ lln Gegensatz zu den aus der Antike überlieferten europä- j�hen Frelheltsbegrtffen der Griechen und — als»asiatisch« bezeichnet. ' e er es getan hat, kennzeichnet Ihn als . laü- Daß er es getan hat, kennzeichnet Sammelf erlen!- Gebt Geld her! ihn 11' c h t als weise. Julius Civilis. Die Reichsregierung hat ein Gesetz erlassen, durch das alle Sammlungen von Geld- oder Sachspenden auf Straßen und Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- oder Vergnügungsstätten oder an anderen öffentlichen Orten bis zum 31. Oktober 1934 verboten werden. In einem Aufruf bemerkt der„Führer" dazu:„Bis zu diesem Tage sollen gleichsam Sammelferien sein. Sie sollen den Sammlern selbst und allen Volksgenossen zugute kommen, die in der letzten Zeit oft über ihre Kräfte hinaus Opfer gebracht haben. Nur in ganz besonderen Ausnahmefällen, die lediglich der Stellvertreter des Führers Im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen bestimmen kann, werden In der Zeit bis zum 31. Oktober Sammlungen genehmigt werden. In Aussicht genommen sind solche Ausnahmen durch Gestattung eines Sammeltages für das Hilfswerk„M utter und Kln d", sowie für einige Haussammlungen charltatlv en Charakter s." H. Edle Wohltäter der Menschheit, die Mutter und Kind und charitative Zwecke nicht durch die Sammelferlen schädigen wollen! Nur ewige Nörgler können auf den Gedanken kommen, daß das Verbot der allgemeinen Sammlungen einen anderen Hintergrund bat. Aber da wird, kaum, daß das Gesetz und der Aufruf im Land bekannt geworden ist, ein Appell für eine neue Sammlung hlnaus- geschrien. Der Staatsrat Wagner-Westfalen veröffentlicht einen Appell an die Partei- und Volksgenossen seines Gaues zur Durchführung einer Sammlung, die bedürftigen Parteigenossen die Teilnahme am diesjährigen Reichsparteitag in Nürnberg ermöglichen soll. Es Ist eine Schande, daß eine Partei, die alle festbezahlten Posten in Staat, Wirtschaft und den öffentlichen Körperschaften mit Ihren Leuten besetzt hat, einen derartigen Bettelaufruf für bedürftige Pgs. erlassen muß. Sämtliche Gaue der NSDAP werden bis zum 10. August Umlagen für den Parteitag erheben und allgemeine Sammlungen veranstalten! Der Appell läßt keinen Zweifel, daß Jeder tief in die Taschen zu greifen hat, um den nationalsozialistischen Reichsparteitag zu einer großen Parade zu raachen.„Es ist Pflicht", heißt es In dem Appell,„dafür zu sorgen, daß die Mittel dafür aufgebracht werden". m. Wsr aber trotz dieser„sanften Mahnung" während der ßammelferieh nichts für die Parteikasse spendet? Nun, gegen den wird die nationalsoziaUstiache Volksseele im geeigneten Augenblick zum Kochen gebracht. Aus dem Nürnberger Naziblatt kann man ersehen, wie da« geschieht. Es werden fortlaufend Namen und vollständige Adressen von Personen veröffentlicht, die es eatt haben, sich von den Sammlern der Hltlerpartet für unkontrollierbare Zwecke dauernd das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Es soll Ihnen mit„Verachtung gezeigt" werden, daß sie sich selbst aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen haben. Wie das„mit Verachtung zeigen" gemeint Ist, ersieht man an den vielen Fällen, in denen solche Personen In Konzentrationslager gebracht oder mißhandelt wurden. Es Ist auch geschehen, daß sie von nationalsozialistischen Strolchen totgeschlagen worden sind. So werden es viele vorziehen, trotz der gesetzlichen Sammelferien den Sammlern für den Relchspartcltag zu geben, Um diese Sammlung nicht zu durchkreuzen, darum sind die anderen verbotenl Braune Korruption Wie die Verbredier »Der Deutsche« teilt mit, daß der Laudes- lelter der Arbeitsfront, Bezirk Westfalen, Nagel, seines Postens mit sofortiger Wirkung enthoben wurde. Nagel, der ein eigenes Flugzeug und einen eigenen Piloten besaß, hatte einen Fehlbetrag in Höhe von 14 0.0 00 Mark in der Kasse. Der Betriebsrat Deppe des Städt. Betriebsamtes in Bielefeld wurde wegen U n- terschlagung von Geldern der Straßenbahnerkapelle und Unterstützungsmitteln fristlos entlassen und verhaftet. Der Betriebsrat Mertius der Anker-Werke in Bielefeld wurde gleichfalls wegen U n t e r- schlagung von Geldern der Betriebskapelle fristios entlassen. P g. U h 1 e, Im Stabe des Führers der Arbeitsfront, Bezirk Westfalen(siehe Nagel), wurde wegen Unterschlagung von 24.000 Mark NSBO-Geldern in Münster(Westfalen) verhaftet. Der Standartenführer Niebuhr in Herford wurde aus dem gleichen Grunde verhaftet. In seiner Kasse fehlten 9000 Mark. Ein westfälischer SA-Mann, dessen Scharführer im Jahre neunmal wechselte, erklärte: Jedesmal, wenn die Kasse voll ist, bekommen wir einen neuen Scharführer! Der Brigadeführer Dettmer wurde von Detmold nach Bielefeld versetzt wegen seiner Beziehungen zu der Frau eines Detmolder Arztes. Dettmer war verheiratet, sein Frau, die mit 30.000 Mark von Ihm versichert worden war, kam bei einem Brand ihres väterlichen Hauses In der Silvesternacht 1981/32 ums Leben, während alle übrigen Hausbewohner gerettet worden sind. Bs heißt, daß D. an dem Tode ssiner Frau nicht unschuldig war. Die Akten eines früheren Meineidsverfahrens, das früher wegen der Angele- das Volk ausplündern. genheit schwebte, sind nach dem 30. Januar spurlos verschwunden. Der Brigadeführer Vogel In Bielefeld, der an Deitmers Stelle noch Detmold versetzt wurde, hatte eine luxlöse Wohnung in der Villa Osthoff bezogen, die mit neuem Parkett belegt wurde und ein marmornes Badezimmer enthielt. Vogel besaß einen eigenen Reitstall, war häufig betrunken und fuhr einen Mercedes, der ihm von dem Fabrikanten Delius zum Geschenk gemacht wurde. Delius, der einen Mercedes und 2 Reit pferde für die SA-Führung stiftete, erhielt dafür, obwohl er nach dem 30. Januar ein- ■getj-eten, den Ehrendolch- der. SA....... Staatsminister Rieke in Detmold hat seine Bezüge ab 1. April 1934 um 20 Prozent erhöht. R., der mit den SA-Führern große Saufereien veranstaltete, wurde am Morgen nach Hitlers Geburtstag betrunken in einer Allee in Detmold aufgefunden. Die Autokosten des Staates Lippe- Detmold haben sich nach dem 30. Januar vervierfacht, Die NS-Volkswohlfahrt unterhält in Lippe, einem kleinen Lande von 164.000 Einwohnern, 7 Autos. Hauptmann a. D. Steinecke, ehemals Pol. Leiter In Lippe, der wegen Verschuldung und Weibergeschichten In Detmold (Stadt mit 16.000 Einwohnern) unmöglich geworden war, wurde als Gauinspektor nach MUneter versetzt. Seine rückständigen Steuern wurden vom Ministerium niedergeschlagen. AI« diese Maßnahme bekannt wurde und allgemeine Unzufriedenheit erregte, erließ die Regierung eine Verordnung, wonach rücketändige Steuern, wenn Verdienete um die nationale Bewegung vorliegen,«rlaseen werden können! Oesterreldiisdie Lehren Wenzel Jacks ch, Abgeordneter der Deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei, eilte während des Feberauf Standes nach Wien und hat In diesen wie auch In späteren Tagen unseren österreichischen Genossen manchen tapferen Dienst erwiesen. Aus seiner Verbundenheit mit der österreichischen Arbeiterschaft Ist eine Broschüre erwachsen, betitelt„Was wird aus Oester reich?" (Zentralstelle für das sozialistische Bildunge- wesen, Prag 12, Pr. 2 Kö). Jacksch erörtert in der Schrift die neuen Bedingungen und Perspektiven des Kampfes unserer österreichischen Genossen. Vieles davon gilt auch für den illegalen Kampf gegen die Hitlerdiktatur. Wir geben hier einige seiner Gedankengänge In gedrängter Form wieder. Der stete Wechsel der Innerösterreichischen und der europäischen Gestaltungen machte es unseren Genossen Im Süden schwer, den richtigen Augenblick für den großen Entscheidungskampf zu finden. Heute müssen die Formen der sozialistischen Daseinsäußerung dem neuen Stand der Dinge radikal untergeordnet werden. Eine Elite muß führen, die Masse muß mitgehen, darum keine künstlichen Scheidewände Innerhalb der Masse. Die Illegale Arbelt muß die Erweiterung der Massenbasis der sozialistischen Bewegung anstreben, Bruderkampf ist zu vermelden. Leider macht es das Verhalten der Kommunisten nicht Uberall möglich. In den Feberkämpfen hat Moskau die Rolle despasslvenZu- schauers gespielt. Während die sozialistischen Bruderparteien sich bemühten, auf die Dollfußhenker einen Druck auszuüben, schwieg die 3. Internationale, um dann Uber d 1 e Führer des Februarkampfe« her zu fallen, die nach verlorener Schlacht Ins Ausland gingen. Dabei wiesen gerade die Bolschewlkl aus eigener Erfahrung, wie wichtig es für den Illegalen Kampf Ist, daß es ein Nervenzentrum außerhalb des Landes gibt.„Die Bezeichnung wie„Linke" und Rechte" haben in der illegalen Zelt Jeden Sinn verloren. Sie stammen aus einer Situation, da es noch eine Wahl gab z wischen Kampf und Kompromiß. Diese Zelt kennt nur revolutionären Frontalkampf oder Kapitulation. Sozialistische Entschiedenheit hat sich ausschließlich In der T a t zu manifestieren, InderGröße des persönlichen Einsatzes und nicht in blutleerer Thesenschusterei.. Eine klare Abgrenzung von den kommunistischen Redensarten über die„Diktatur des Proletariats" als Dauerzustand und Endlösung tut Not. Denn mit der Preisgabe Jeder innerparteilichen Demokratie mag sich kein österreichischer Sozialist befreunden. Eine dauernde proletarische Parteidiktatur nach bolschewistischem Muster Ist In Oesterreich für absehbare Zeit ausgeschlossen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft braucht die Sympathie der Mittelschichten— auch der bäuerlichen — und darf sich durch Uberspitzte Parolen den Weg des Befreiungskampfes nicht verbauen. In allen kapitalistischen Ländern wird die Krise In einen Aufmarsch der sozialistischen Gegenkräfte münden.— Das letzte Kapitel Ist dem Thema„Masse, Führung, Partei" gewidmet. In dieser mit flotter Feder und In klarer Sprache geschriebenen Schrift sind mehr gute Gedanken und anregende neue Erkenntnisse zusammengedrängt, als die 48 Selten ahnen lassen; sie sind wichtig zur Klärung der Mel- nugen In unseren Reihen und wert, von vielen gelesen zu werden. B. B. So wird gelogen! Der mißglückte Putsch der österreichischen Nationalsozialisten hat den deutschen Nazis schwere Kopfzerbrechen bereitet. Damit die Ehre der Nationalsozialistischen Partei In keiner Welse Schaden nehme, bestreitet ein Teil der deutschen Presse, daß dl« Ereignisse In Oesterreich Irgendwie Im Zusammenhang mit den österreichischen Nationalsozialisten stehen. Der„Wirtschaftsdienst", herausgegeben vom Hamhurglschen Weltwirtschafts- Archiv, schreibt In seiner Nummer vom 27. Juli In einem Artikel Uber„Der Tod des Bundeskanzlers" u. a. folgendes: Der Verlauf des Wiener Putschversuchs hat deutlich gezeltigt, daß die österreichische nationalsozialistische Partei an der Aktion vom 20. Juli In keiner Weise beteiligt war. Die Leitung der Bewegung war selbst aufs äußerste von den Begebenheiten überrascht — und daß diese Behauptung auf Wahrheit beruht, wird am besten bestätigt durch das Verhalten der Mitglieder der Bewegung in Wien, besonders aber In der Provinz... Dem Putsche fehlte die wichtigste Voraussetzung: die Teilnahme vonseiten der nationalsozialistischen Bewegung. Es muß daher die Vermutung ausgesprochen werden, daß irgendwelche Kreise sich der Hoffnung hingegeben hatten, durch das Vorgehen einiger hundert Männer In diesem günstigen Augenblick einen Aufstand auslösen zu können, der einigen ehrgeizigen, aber isolierten Desperados die Macht in die Hände gegeben hätte.. Mit derartigen, derWahrheltwider- srechenden Behauptungen wird das deutsche Volk auf Veranlassung des Propa- gandamlnlsteriums Uber die Ereignisse In Oesterreich traktiert. Selbst In die entlegensten Gegenden der Welt sind die Meldungen Uber die Tatsachen gedrungen, daß der Putsch In Oesterreich von den österreichischen Nationalsozialisten im engsten Zusammenwirken mit Stellen der reichsdeutschen Nationalsozialisten Inszeniert worden Ist, daß von München aus die nötigen Sprengstoffsendungen über die Grenze nach Oesterreich gebracht worden sind und daß der Münchener Rundfunksender mit unverhohlener Freude und Hoffnung am 25: Juli über den Verlauf des Putsches berichtet hat. Nur das deutsche Volk darf darüber nichts erfahren. Sdhadrts WIrtsdiaftsdiktatur Rildksiditslose Sparpolitik(»der hemmungslose Inflation? Als letzte Amtshandlung hat der sterbende Hindenburg am 30. Juli das Dekret unterschrieben, durch das der Dr. Schacht zum Stellvertreter des»erkrankten« Wirtschaftsministers Schmitt zunächst für sechs Monate ernannt wird. Da Schmitt erst vor kurzem außerordentliche Vollmachten erhalten hatte, denen zufolge er von sich aus Anordnungen mit Gesetzeskraft erlassen, bestehende Gesetze abändern oder aufheben konnte, so wird Schacht, der jetzt die unumschränkte Verfügung über die Reichsbank mit der über das Reichswirtschaftsministerium und das preußische Handelsministerium vereinigt, zum totalen Wirtschaftsdiktator. Er hat's erreicht. Die»alten Kämpfer« des Nationalsozialismus fragen sich belämmert, ob ihr Sieg wirklich nur den Sinn gehabt hat, Hjalmar Schacht, den»alten Kämpfer« des Kapitalismus zum unumschränkten Gebieter der deutschen Wirtschaft zu machen. Abgestellt auf irgend einem Nebengeleis steht der Dr. Feder, der Brecher der Zinsknechtschaft,. aber auch der Dr. Darre, der Ernährungsminister, der in den Fragen der Währungs- und Zinspolitik in scharfem Gegensatz zu Schacht stand, wird auf seine weitgehenden Inflationsund Zinssenkungspläne verzichten müssen und sieht seine Agrarpolitik zum Stillstand gebracht. In weiten Kreisen der Nationalsozialisten hat die Ernennung Schachts zum Wirtschaftsdiktator Enttäuschung, ja Erbitterung hervorgerufen. Aber diese Kreise haben nicht mehr viel zu sagen. Ueber die Führung der Wirtschaftspolitik entscheiden nicht die»antikapitalistischen« Demagogen, die dem Mittelstand und der Bauernschaft einst im Kampf um die Macht die schönen Versprechungen gemacht haben, sondern die kapitalistischen Cliquen, in deren Hand Hitler von Anfang an— und nicht erst seit dem 30. Juni— die Führung der Wirtschaftspolitik gelegt hat. Die Betrauung Schachts schafft über den Weg, den die deutsche Wirtschaftspolitik zunächst einschlagen wird, volle Klarheit. Schmitt, der auch nach den sechs Monaten nicht wieder zurückkehren dürfte, hat von seinen Vollmachten kaum Gebrauch machen können. Er suchte nach Kompromissen, um trotz der verzweifelten Währungslage die Arbeitsbeschaffung, die Herabsetzung der Zinsen und die Aufrechterhaltung des Exports fortführen zu können. Aber all diese Pläne hätten eine neue »Kreditausweitung«, d. h. neue Schaffung von faulen Notenbankkrediten, neue infla- torische Maßnahmen, vielleicht sogar sofortige Abwertung der Mark bedeutet, die namentlich in Kreisen der Exportindustrie viele Anhänger zählt. Diese Bestrebungen stießen aber auf den Widerstand Schachts, der den Wert der Mark aufrechtzuerhalten versuchen will. Dafür gewann Schacht Hitler, der von der Frage zwar absolut nichts begreift, aber vor dem»Verbrechen der Inflation«, das er in verlogener Demagogie dem»System« vorgeworfen hatte, zurückschreckt, weil er das Eingeständnis seines völligen Bankrottes möglichst lang hinausschieben will." Deshalb wird die nächste Phase der Wirtschaftspolitik im Zeichen des Versuches stehen, unter allen Umständen die Währung, die für das Ausland ja bereits jeden Kredit verloren hat, wenigstens im Inland aufrechtzuerhalten. Schacht war schon einmal in einer ähnlichen, allerdings unendlich leichteren Situation. Als die Mark Ende 1923 stabilisiert wurde, stellte er, um sich bei den Agrariern lieb Kind zu machen, der Landwirtschaft einige hundert Millionen Mark zur Verfügung und verfolgte auch gegenüber der Industrie eine liberale Kreditgewährung. Die neu geschaffene Rentenmark begann zu sinken. Schacht warf das Steuer herum. Es kam plötzlich eine scharfe Kreditrestriktion ohne jede Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen. Die Industrie mußte den Ankauf ihrer Rohstoffe einschränken, ihre Produktion verringern, Arbeiter entlassen! Eine akute Wirtschaftskrise entstand, aber der Zweck wurde erreicht. Das Disagio der Rentenmark vermehrte sich rasch und die Mark wurde stabil. Aber damals handelte es sich um eine geringe Krcditausweitcrung von wenigen hundert Millionen: damals verfügte die Reichsbank über einen Goldbestand von einer halben Milliarde,(wozu bald die 800 Millionen Gold aus dem Ausland durch die Dawes- Anleihe kamen), und Deutschland hatte kaum innere und äußere Schuldverpflichtungen, da diese durch die Inflation vernichtet waren. Die Regierung der großen Koalition hatte unter den kritischsten Umständen den Etat in Ordnung gebracht — die Etats nicht nur des Reiches, sondern auch der Länder und Gemeinden niesen seit 1924 steigende Ueberschüsse aus — die Reichsbank wurde nicht nur nicht für öffentliche Zwecke in Anspruch genommen, sondern das Reich zahlte in rascher Folge den empfangenen Kredit zurück. Heute betragen die ungedeckten oder schlecht gedeckten Kredite zirka acht Milliarden(schwebende Schuld des Reiches, Steuergutscheine. Arbeitsbe- schaffnngswechsel usw.) und verfügt die Reichsbank nur mehr über 75 Millionen Gold, Heute werden nach dem Scheitern des Transfermoratoriums mehrere hundert Millionen für die Zinszahlungen an das Ausland gefordert— eine Summe, die durch die Passivität der Handelsbilanz, durch die Notwendigkeit gesteigerter Getreideeinfuhr infolge des schlechten Ernteausfalles wieder um mehrere hundert Millionen vermehrt wird—, heute sind die Etats sämtlicher öffentlicher Körperschaften in Unordnung. Was damals ein Kinderspiel, ist heute zu einer gigantischen Aufgabe geworden. Aber die Methode müßte dieselbe sein; rücksichtslose Drosselung der Kredite, schärfste Einschränkung aller öffentlichen Ausgaben und Herstellung eines wahren Gleichgewichts in allen Etats und inzwischen Verminderung der Einfuhr auf das Maß, das der Eingang an Devisen aus der Ausfuhr zuläßt. Schacht selbst hat in leichtsinniger Bankrotteurweise die Krise bis zu diesem Grad sich entwickeln lassen. Der neugebackene Nationalsozialist war zu feig, um rechtzeitig der bodenlos leichtsinnigen Finanz- und Wirtschaftspolitik entgegenzutreten. Sein nationalökonomisches Wissen reichte nicht aus, um die notwendigen Folgen dieser Politik vorauszusehen; seine Frivolität rechnete damit, bei offenkundiger Erschöpfung des Goldschatzes den auswärtigen Gläubigem die Expropriation aufzwingen, die deutsche Wirtschaft durch Vernichtung von ungefähr 10 Milliarden Schulden zu stärken und die ersparten Devisen der Zins- und Tilgungszahlungen für die Aufrechterhaltung der angeschwollenen Einfuhr verwenden zu können. Die Spekulation ist mißglückt, die Gläubiger haben sich gewehrt. Nach England und der Schweiz sichern auch Holland und Frankreich sich in großem Umfang durch Einführung des Verrechnungsverkehrs ihre Zinseingänge und Schacht steht vor der Unmöglichkeit, die Rohstoffeinfuhr im bisherigen Umfang zu bezahlen die Devisen fehlen. Die Experimente mit Ersatzstoffen sind nicht ernst zu nehmen. Sie erforderten zum Teil neue kostspielige Kapitalinvestitionen, manche sind teurer als die bisher verwandten Stoffe, alle in der Qualität schlechter. Ihre Verwendung disqualifiziert die deutsche Ware und macht sie zum Export ungeeignet. Trotzdem werden sie zu Propagandazwecken empfohlen, um den Dummen Möglichkeiten vorzuspiegeln, die in Wirklichkeit kaum vorhanden sind— übrigens sehr zum Nutzen einzelner Zweige der chemischen Großindustrie. Schon ist der erste Erlaß erschienen. Für alle öffentlichen Beschaffungen, einschließlich des Bedarfs der NSDAP, zu denen Wolle verwendet wird, wird ein Beimischungszwang von Kunstwollc und Kunstspinnstoffen eingeführt. Aber das macht das Kraut nicht fett und vor einer Verordnung, die auch die Erzeugung für den privaten Bedarf erfaßt, schrickt das Ministerium noch zurück, wenn auch inoffiziell die Warenverfälschung durch minderwertige Ersatzstoffe schon in Gang ist. Die rücksichtslose Drosselung der Devisenzuteilung steigert andererseits den Wirrwar im Außenhandel ins Unerträgliche. In Hamburg allein, berichtet die »Frankfurter Zeitung«, sind»für etwa 40 Millionen RM. Dokumente notleidend geworden und es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß dieser Zustand die Aufrechterhaltung eines normalen Geschäftes in höchstem Maße gefährdet«. Die englischen Spinnereien verhandeln in Berlin über die Bezahlung ihrer längst fälligen Wechsel— es handelt sich etwa um 500.000 Pfund— und haben unterdessen den weiteren Warenversand nach Deutschland und die Ausführung deutscher Aufträge eingestellt. All diese Wirren, so folgenschwer sie sind und so sehr sie die deutschen Wirtschaftsbeziehungen auch auf längere Zeit schädigen können, sind aber nicht das Entscheidende. Entscheidend ist der Umstand, daß die deutsche Einfuhr um einen Betrag wird gekürzt werden müssen, der etwa ein Viertel bis ein Drittel des jetzigen Einfuhrumfanges ausmachen dürfte. Das heißt aber, die Drosselung, die bereits der Textilindustrie, der Verarbeitung der Nichteisenmetalle, der Schokoladenindustrie usw. auferlegt ist, muß allmählich auf andere Industrien übergreifen. Mit der künstlich entfachten Binnenkonjunktur geht es zu Ende, die Arbeitslosigkeit steigt; es steigen die Preise— Deutschland ist das einzige Land mit stabil gehaltener Währung, in denen alle Preisindices eine rasch steigende Tendenz aufweisen bei rasch fallenden Löhnen— und vermindern wieder die Exportfähigkeit. Die Steuereinnahmen müssen sinken und die Etatdefizite weiter steigen. Der Etat muß aber balancieren, soll die Mark gehalten werden. Also müssen die Ausgaben für Arbeitsbeschaffung. die Rüstungsausgaben und Subventionen gekürzt werden, die angekündigten Steuerermäßigungen unterbleiben. An Stelle der»Krediterwciterungspoli- tik« und der Verschwendung müßte weitgehende Kreditrestriktiou und rücksichtsloseste Sparsamkeit treten. Es versteht sich von selbst, daß eine solche Politik die Krise äküt verschärfen und dadurch die ohnedies so starken sozialen Spannungen noch außerordentlich verschärfen muß. Je mehr sich die Folgen dieser Politik, die Schacht jetzt beginnen will und beginnen muß, um die Katastrophe einer dann rasch uferlos werdenden Inflation zu vermeiden, geltend machen werden, um so stärker werden die Widerstände werden. In der ersten Phase haben dje Inflationspolitiker eine Niederlage erlitten, da die Krise der Reichsbank und die Krise der Rohstoffeinfuhr als Folgen ihrer Politik offenbar wurden. In der zweiten Phase aber werden sich die Wirkungen der Rohstoffdrosselung, der Einstellung der Arbeitsschlacht, des Rückganges der Beschäftigung, der Gewinne, der Kaufkraft einstellen. Dann werden sich die Befürworter der künstlichen Arbeitsbeschaffung, des Exportanreizes durch Markabwertung, der Krisenbekämpfung durch neue Notenbankkredite wieder und mit verstärkter Energie gegen die Politik Schachts sammeln. Die Diktatur wird um die Erhaltung ihrer Massengrundlage zittern, die Kreise der Exportindustrie werden nach der Prämie der sich entwertenden Valuta gieren, die verschuldeten Agrarier neue Gewinhe an entwerteten Schulden vor Augen haben, und alle Interessenten werden in»Theoretikern« ä la Wagemann und Feder ihre Wortführer finden. Ob dann noch Schacht den Hitler an seiner Seite finden wird? Aber es sei dem, wie es sei. Die deutsche Wirtschaftskrise ist so weit fortgeschritten, die Diktatur hat die deutsche Wirtschaft bereits so ruiniert, daß eine Politik k la Schacht, wirklich konsequent durchgeführt— und sonst bleibt sie nutzlos— soziale Spannungen hervorrufen muß, denen die Diktatur kaum mehr gewachsen sein dürften. Die andere Alternative aber, die Weiterführung der bisherigen Politik, stößt an die Rohstoffschrankc und führt, wird sie trotzdem fortgesetzt, zur offenen Inflation mit anderen, aber nicht geringeren sozialen Spannungen. Aus diesem Dilemma gibt es keinen Ausweg. Dr. Richard Kern. �azi'Skandal in London Schicksale eines Mordhetzers in England und Deutschland. Der„Daily Herald" veröffentlichte vor einiger Zeit Enthüllungen über einen Londoner nationalsozialistischen Klub, die in England großes Aufsehen erregten. Am Mitteilungsbrett dieses Klubs, so wußte die Zeitung zu berichten, seien die Photographien von 33 ausgebürgerten Deutschen angeheftet. Darunter die Worte: Wenn ihr einen von diesen trefft, tötet ihn! Und wenn er ein Jude ist, dann zerbrecht ihm jeden Knochen im Leibe." In England ist eine solche Mordhetze nicht so alltäglich wie in Deutschland. Die Mitteilung des„Daily Herald" weckte allgemeine starke Empörung. Die Polizei nahm in dem genannten Klub eine Razzia vor und fand die Angaben bestätigt. Der verantwortliche Mordanstifter wurde gefaßt und aus England ausgewiesen. Es handelt sich um einen prominenten deutschen Nationalsozialisten, der in London lebte. Der Ausgewiesene wurde in Deutschland erst vor ein Sondergericht gestellt und dann „für sechs Monate" In ein Konzentrationslager gesperrt. Deutschland war somit offiziell von dem Verbrecher abgerückt, und der Fall schien bereinigt. Aber bald wurde in England bekannt, daß der prominente Häftling nicht im Konzentrationslager blieb— er wurde lange vor Verbüßung der zudiktierten sechs Monate freigelassen und ist noch heute Mitglied der Nationalsozialistischen Partei. Einige englische Zeitungen bringen diese Nachricht an hervorragender Stelle. Se stellen fest, daß die heutige deutsche Regierung den Mordhetzer nur scheinbar bestraft, in Wahrheit aber beschützt hat. Sie ziehen daraus den richtigen Schluß: die deutsche Regierung fördert und billigt Mordanscbläge auf deutsche Flüchtlinge. Sic ist verantwortlich für den Fall Lessing— sie ist verantwortlich für alle Bluttaten, die im gleichen Geiste begangen werden. Ein christlicher Märtyrer Brief Direktor Beeks an einen Freund. „New York Timfes" veröffentlicht folgenden Brief, den der Direktor des Studenten- hilfswerkes Fritz Beck kurz vor seiner Ermordung an einen Freund in Amerika geschrieben hat: „So Gott wall, werde ich am 4. Juni zu meinen Pflichten in München zurückkehren Obgleich ich mit blutenden Herzen vieles be obachte, was jetzt In meinem Vaterlande vor geht, werde ich weiter an meinem Posten die nen solange wie Gott will. Es ist rachts gerip geres als ein Wunder Gottes, daß ich noch in der Lage bin, mein Werk fortzusetzen trotz der Tatsache, daß ich nicht zu den herrschenden Mächten übergegangen bin. Möge Gott mir weiterhin die notwendige Kraft geben, uro Zeugnis für ihn abzulegen, obgleich der Antichrist von mir Folter, Gefängnis oder das Leben selbst fordern wird. Würden Sie nickt auch für mich beten? Getrennt wie war«nd- nützt allein das Gebet. Möge Gottes Allmacht noch einmal wie vor Jahrhunderten bei der Auslöschung der Pest in Oberammergau da« siegreiche Kreuz Christi mit seinen rettenden Kräften über Europa und unser arm®* Deutschland leuchten lasssen, damit nicht ein neuer Krieg Zentral-Europa in Vernichtung und Asche legt. Während meiner dreieinhalbmonatlichen Krankheit und besonder* während der letzten ruhigen sechs Wochen hier in Agra am Luganersee habe ich nach vielen Jahren der Hast und der Eile, der Organisation und der Arbeit Gelegenheit ge' habt, in Ruhe und Frieden für die Geroei11' schaft mit Gott zu leben. Wie tröstend»nd die Worte von Paulus:„Ich kann alles durch ihn tun, der mich stärkt." Auch das Gebet des Heiligen AugustiA:„Deshalb o Gott, stäi" ke mich, auf das ich fähig sei, alles zu tun. was Du von mir verlangst." In diesen Tage® müßte ein Mann, der die gegenwärtige Lag® der Welt kennt und der nicht den Glauben an Gott hätte, gänzlich vcrzwcifel n." Zum üeberfall auf Seldte. Der SA-Stur n1' führer, der bei der Stahlhelmversammlung»h Schönebeck bei Magdeburg den Üeberfall a1- den Bundesführer des Stahlhelm, Seldte, organisierte. ist wegen versuchten R ah* bes vorbestraft. Nr. 61 BEILAGE__ 12. August 1954 Harakiri eines Rebellen Fackel und Krukenkreuz Von Alfred Kleinberg. Im Fackelband Nr. 890—905 vollzieht ' Kraus an sich ein Harakiri, das «och viel peinlicher und schmerzlicher an- njutet als die Selbstpreisgabe Gerhart auptmanns vor dem Hakenkreuz. Haupt- mann bewies bloß, daß ein immerhin be- mit ender Dichter ein sehr fragwürdiger arakter sein kann. Karl Kraus aber • eilt die Wucht seines Wortes, die Schärfe • wnes Witzes, das Pathos seiner Polemik, nafte, mit denen er gegen jeden falschen �'n Und jeden unbegründeten Macht- a�spruch siegreich rebelliert hat,— Kraus a-so stellt sein ganzes, von Gerechtigkeite- n lyahrheitsfanatismus gewecktes und ?Pspeistes Genie in den Dienst des Doll- uß- Starhemberg- Strafeil a- K e? i m e s. Schon daß er, bis auf ein reichlich ver- sPätetes, doch von echter Erschütterung eingegebenes Gedicht, zum»A u f b r u c h« er Hitlerci nichts zu sagen wußte, .0'�e einigen seiner besten Anhänger ■cht in den Sinn, und sie hatten guten rund, sich zu empören. Denn wenn jemand fünfunddreißig Jahre seines Lebens 't der Aufgabe identifizierte, reinigend �einzufahren, wo immer Phrase, Lüge und ergewaltigung ihre schmutzigen Orgien egeheu; wenn ihm seine volle Stimmkraft 2uwuchs, als die große Hure �Presse« *oa �öffentliche Meinung« das vierjährige !, a�'had der Völker ermöglichte: wenn er as �usendfältige Echo, das er fand, noch erhundertfachte, indem er zum geschrie- ®ncn auch die Macht des gesprochenen ortes hinzugesellte, so dürfen allerdings J�ne, die auf ihn hörten, sich von ihm ver- aasen wähnen, sobald er just in dem "genblicke schweigt, wo sein ewiger emd, die Gehimvernebelung. sich an- .0 in. Gestalt, des Dritten Reiches die putsche Kultur, die deutsche Sprache und putsche Bildung zu verwüsten. Das gut- g enschliche Recht gerade des Meisters der entsetzt zu verstummen, wenn sich "r�c Redensarten in versteinernde mklichkeit umsetzen, hat seine Grenze; (je cf Glicht aller Geistigen ist, gegen j, 11 �umphierenden Ungeist mit den ihnen maßen Mitteln zu zeugen. Diesen kate- SnASC�en �mPeraIIv widerlegt weder der Schaf �e�en e"le Anti-Hitler-Kampfgemcin- »en �er s'c�1 I�3113 nicht einreihen las- noch widerlegen ihn die ernst- cn Gründe, die?der Verlag der Fackel« Vp"���hcr oder neckisch sein sollender m'dung vorbringt: daß Kraus, um bjs, e-�ohlage gegen Hitler zu formulieren, ge,.®r Ungenannte hätte nennen und so �rki 60 m3SS€n un(I daß seine Satire r�Sa�os verpufft wäre, weil gegen das b aag�are Worte ohnmächtig seien. Ja, deur enn nicht genug Furchtbares so ein- Qöfa.� rUta�e' 63 �eIn Hitler und kein 2ü®'3 ableugnen oder an den endgültig Und 0�e Ueinartetcn noch rächen kann? Ve.�I'drte nicht auch eines Karl Kraus Ab 1.Chtender Hohn in den Pestkordon, den Uriu"' und Verachtung um das ten � �ich so dicht zu ziehen vermochte' ß Wir dessen Ende schon als voll- Abe606 Ta�a0�® sehen zu können glauben? h ö r � dem wie immer: heute endlich K en ihn, heute verdanken wir P0rtUs das folgende verzweifelt wahre rat des Hitlerschen Unwesens: (k,r>r>"rae grundatürzende Veränderung, von i8t a"lctl der Außenstehende noch benommen bj.' 3"ieSym- bolen« nur ans Kruken- statt ans Hakenkreuz, bei den»Feuerwerken« an die Pra- terfahrten der Wiener aristokratischen Gespenster, bei den»geredeten und gedruckten Klischees«, statt an Rasse und Blut an »Katholiken!«,»Oesterreicher!«,»Vaterlandstreue!« zu denken und man hat das ganze schwarzgelbc Oesterreich in einer knappen Formel beisammen— aber Karl Kraus will diese nahe Verwandtschaft, diese Blutsbrüderschaft im Geiste derUn- geistigkeit, der Phrase und des Zwanges so wenig wahrhaben, daß er Dollfuß. ohne sich weltanschaulich mit ihm gleichzuschalten, trotzdem einen»Retter«, die Lage, die Dollfuß handeln ließ,»eine Notwehr ohne weltgeschichtliches Vorbild« nennt und»menschliche« oder»staatsbürgerliche Undankbarkeit« Dollfuß gegenüber des»äußersten Abscheus« wert ersten'— gebühre denen, die die Blutschuld so sinnloser Opferung auf sich geladen haben (nicht ohne den frevlen Wunsch, sie zu vermehren): und.Arbeiterretter' seien die Beschimpften, die die Arbeiter schließlich vor dem größeren UnheU bewahrt haben werden.« Und später einmal: »Weg damit! Es steht der Ehre der Menschheit im Wege. Es lügt zuviel und will den andern zur Lüge nötigen. Sie wollen alles auf einmal. Sic haben nicht Krieg geführt und sie klagen sich gegenseitig des Verbrechens an, die Kämpfer in solch hoffnungslose Situation hineinmanövriert zu haben; sie sind überfallen worden und sie werfen einander vor, die Innere Stadt nicht in die Luft gesprengt zu haben. Sie haben Ekrasit und Humanität in Händen. Sie möchten zugleich Demokraten und Kommunisten sein, well es, wenn man schon lügt, auf den Unterschied nicht ankommt. Sie sind Taktiker und tun sieh etwas auf ihre Fassungslosigkeit zugute.« So hemmungslos und haßbesessen diese Scheltreden auch sein mögen und so wenig einschlittern lassen? Um solchen Beweggrund und solche Folgen in gehöriger Proportion zu finden, muß man für Größenverhältnisse blind geworden sein; man muß vor Haß gegen die Roten rot sehen, um einen Mann, der ohne Not die stärkste hitlerfeindliche Organisation und die stärkste hitlerfeindliche Partei totschlägt, als klugen Retter vor dem Hakenkreuz zu feiern; in Summe: man muß Besonnenheit, Wirklichkeit s- und Gerechtigkeitssinn in sich ausgelöscht haben, um sich bei so brüchiger Basis zu so wütender Parteinahme, zu solchen Argumenten, Hohn- und Lobesworten hinreißen zu lassen. Was wir da erleben, ist das grausamste geistige Harakiri, das man sich vorstellen kann, und das sollte uns nicht erschüttern, Karl Kraus? Kohn�Konrad In Deutschland ist es große Mode geworden, einen imbequemen Konkurrenten, einen Nachbarn, den man nicht ausstehen kann, einen persönlichen Gegner, als—» Juden- stämmllng« zu verdächtigen. Landauf, landab beriechen die Rasseechnüffler jeden Eckstein der Familienchronik, die Suche nach der Großmutter hat sich vom Gesellschaftsspiel zur Landplage entwickelt.— Jetzt mehren sich die Öffentlichen»Ehrenrettungen« und immer mehr Leute sehen sich genötigt, sich selbst oder ihre Freunde vom Verdacht einer anriiebtigen Abstammung zu reinigen. Wilhelm Stapel, ein relchsdeutscher Wortführer im Klrchenstpelt, schreibt z. B. in seiner Zeitschrift»Deutsche« Volkstum«: klärt. Weil der Bundeskanzler in Oesterreich die Aufrichtung der Hitlerbarbarei mit ihren Stehsärgen, ihren Prangern und sadistischen Massenmorden verhindert habe, ist Kraus bereit, ihm die Beseitigung der Verfassung, die Ausrottung der Parteien, das Bombardement der Gemeindehäuser und sogar die Standrechtgalgen—»unselige Zutat der Kriegs tat«— zu verzeihen, und auch an den Herren Fey und Starhemberg entdeckt er sympathische Züge. Sie und ihresgleichen begannen den Feldzug gegen die Sozialdemokraten nicht etwa, weil ihnen die Ausrottung des Marxismus durch Hitler den notwendigen Mut dazu machte; sie handelten nicht als Beauftragte jenes alt-österreichischen Adels-, Soldaten- und Pfaffenklüngels, dem Kraus' »Letzte Tage der Menschheit« seinerzeit das Grablied gesungen haben, und nicht vielleicht im innigen Verein mit Mussolini, dessen spät genug und sehr oberflächlich zivilisierter»westlicher« Faschismus nunmehr die Umgangsformen des österreichischen Lebensraumes bestimmt. Sondern indem sie das Gesetz brachen und den Verzweiflungskampf provozierten, wollten sie nur sich und den anderen, auch den Juden und Arbeitern—»die sozialpolitischen Dinge«, sagt Kraus,»dürften bei Faulhaber, Innitzer und Mercier in besserer Obhut sein als bei Hilferding, Bauer und Blum«—, ein würdiges, vor barbarischen Ausschreitungen behütetes Dasein bewahren, und darum waren die Schutzbündler, die solche Fürsorge abzuwehren versuchten, bedauernswerte Verführte, sind Otto Bauer, Julius Deutsch und die anderen sozialdemokratischen Bonzen Narren, Lügner, Feigünge, kurz, unheübar dumme Lumpen zur zehnten Potenz. Oder um Kraus selbst sprechen zu lassen: »Hoffentlich wird man einmal zu der Einsich gelangen, die Bezeichnung.Arbeltermör- der", mit der die Radaupresse herumschniclßt — wie mit der ideotie von den.Kanonenchri- zu dem Bilde des geretteten Daseinsfrie dens, wie Kraus es sieht, der auf jedem lastende Gewissenszwang, die nazistische Verseuchung aller Behörden, die Freisprüche hakenkreuzlerischer Schwerverbrecher, die uniformierten Heimwehrapachen als Ordnungshüter und die unaufhörlichen Attentate bis hinauf zum Dollfußmord auch stimmen wollen— wir ließen sie unbesehen passieren, wenn Kraus nur eine Frage einleuchtend zu beantworten wüßte: warum das»kleinere Uebel« des Dollfußputaches notwendig war und ob nicht Christlichsozialc und Sozialdemokraten v e r c i n t die Hitlerbarbarei viel leichter und sicherer hätten verhindern können? Daß die Sozialdemokraten bereit waren, die Demokratie mit gesetzlichen Mitteln gegen die Hakenkreuzseuche zu schützen, haben sie bewiesen, als sie in allen Landtagen der Aberkeimung der Hakenkreuzmandate zustimmten— sie wären, was nach dieser Probe außer Zweifel steht, unter den entsprechenden Garantien auch für eine Verfassungsreform und für ein Ermächtigungsgesetz an eine verläßlich verfassungstreue Regierung zu haben gewesen. Trotzdem aber hätten Verhandlungen, hätte ein Abwehrbündnis mit ihnen unmöglich sein sollen, weil— man denke, weil dadurch, wie Karl Kraus auf S. 194 in denkwürdiger Uebereinstimmung mit Otto Bauer feststellt, die Christlichsozialen e in p a a r M a n d a t e an dieNazis eingebüßt hätten? Und deshalb, wegen des heiligen Mandatsbesitzes einer Partei, die Ablehnung jedes Verständigungsversuches, die Sprengung des Parlaments, die Lahmlegung der Verfassung, der Zweifrontenkrieg nach rechts und links? Deshalb der provokatorische Abbau der politischen Rechte, das schrittweise vorbereitete Bürgerkriegsmassaker, die aberwitzige Beleidigung und Entmündigung der Arbeitermassen, die, der Regierung planvoll gewonnen, Oesterreich nie und nimmer in sein heutiges Unheil hätten hin- » Manchmal genügt ein Name, der auch als Jüdischer Name vorkommt, um Mißtrauen entstehen zu lassen. Aber nicht einmal der Name Cohn ist immer ein Zeichen für das Judentum seine« Trägers. Kohne und Cohn kommen, als Abänderung des Namens Conrad in Norddeutschland als echte deutsche Familiennamen vor... Mag man einen Menschen nicht leiden, so genügen schwarze, krause Haare oder eine dinarische Nase, um das Mißtrauen hervorzurufen. Wer nicht fest in der Rassenkunde ist, verwechselt leicht dinarische und jüdische Nasen... Es gibt sogar Fälle, in denen jüdisches Ausseben völlig unerklärlich ist.« Nach dieser Feststellung, die Ihm das Propagandaministerium und sein Leiter sicher danken werden, geht Stapel zu einigen mehr persönlichen Entjudungen Uber, und seine Plädoyers sind so bezeichnend für den neudeutschen Unfug, daß sie wenigstens auszugsweise zitiert werden sollen: Ernst von Wildenbruchs Großmutter war Henriette Fromme, die Geliebte des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen. Sie wird, well der Name Fromme auch als Judenname vorkommt, als Jüdin bezeichnet. Aus der Ahnentafel berühmter Deutscher in der Leipziger Centrale für Personen- und Familiengeschichte geht unwiderleglich hervor, daß... Uebrigens sind Wlldenbruchs Werke so unjüdlsch wie möglich. Walter Flex' Mutter soll eine Jüdin gewesen sein. Warum? Weil sie Margarete Pollack heißt... Der Sachverständige für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern hat den Fall Flex nachgeprüft und die rein arische Abkunft der Mutter ist durchaus festgestellt. Dem Göttinger Theologie-Professor Emanuel Hirsch wird jüdische Abstammung angehängt. Grund: der Name und dinarischer Einschlag In den Gesichtszügen. Der Name Hirsch braucht nicht auf den Judennamen Kersch zurückzugehen, es gibt auch deutsche Hirsche.»Zum Hirsch« ist ebenso wie»Zum Löwen«,»Zum Ochsen«,»Zum Kaiser« ein guter alter Hausname... Der Frankfurter Professor der Soziologie, Heinz Marr, soll von jüdischen Vorfahren abstammen. Hier liegt eine ganz besonders üble Verleumdung vor... weil es sich um einen Racheakt der Gegner handelt. Die Stammbäume liegen nach allen Richtungen vor und schließen jeden jüdischen Einschlag aus. Also das sind wirklich Sorgen! Es kann der Beste nicht In Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn gefällt, ihn als Judenstämm- Ung auazukllngeln, und so ein dlnariscber Einschlag in den Gesichtszügen ist Im Dritten Reiche gefährlicher als ein kleiner Mord! Hitlers geeintes Volk, vor Edelmut strotzend, bietet in seinem privaten Dasein einen erhebenden Anblick. Wenn die«« Jugend erwacht••• Den braunen RattenfBogwn, die Deutaeh- land versklavt und aas eteeni Volk mit wacher Intelllgena einem leeltiilemiiln. indifferenten Haufen von stumpf und dumpf Gewordenen gemacht haben, Ist ee in besonders hohem MaSe gelungen, die Jugend für ihr verbrecherisches Spiel elnzufangen In der„Mitteldeutschen Natlonalaeltung" vom 18. Juli findet sich der Bericht eines Hitlerjungen, dem es, wie die Redaktion Im " Vorwort mitteilt,„vergönnt" war, den FUh rer In seinem Landhaus In Obersalsberg«u sehen." „Wir hatten," so berichtet der Junge, „nun schon so viel gesehen und erlebt. Bndlich sollte es uns vergönnt sein, das Haus des Führers auf dem Obarsalzberg zu sehen." Aber es kommt noch schöner. Nicht allein das Landhaus mit alem toten Inventar sollte zur Besichtigung freigegeben werden, auch das Prunkstück der Villa, ER persönlich stand zum Bestaunen zur Verfügung: „Niemand konnte sich Jedoch unsere Ueber- raschung vorstellen, als wir hörten, daß Adolf Hitler während der Nacht auf dem Obersalzberg angekommen sei." Jetzt geraten die aufgeputzten Jungen In Ekstase;„Die Hoffnung, unseren Führer zu sehen, trieb uns zu immer größerer Eile. Als erste kamen wir am Hause an. Doch-- eine 38-Wache sperrte den Zugang zum Hause Wachenfeld." Caligula hat Furcht vor der allzunahen „Liebe" seines Volkes. Selbst den gläubigen Jungen mißtraut seine Hysterie. Und so dauert es lange, lange, bis sie IHN bewundern können.„Stunde um Stunde verrannen. Von Berchtesgaden kamen Dutzende von Autos, die Straßen waren dicht umsäumt." Die blutige Majestät aber weiß, was sie ihrem Diktatoren Prestige schuldig ist. Sie läßt die Canaille warten, bis sie schwarz wird. „Endlich, sechs Stunden hatten wir schon gewartet, erschien auf der Terasse des Hausos der Adjutant des Führers, Brückner, und gab die Notwendigkeit der E r- holung und Entspannung des Führers zu vorstehen." Und nach dieser effektvollen Ouvertüre, nach dieser warmen, leicht elegischen Fanfare des treuen Leibsekretärs läßt ER die Jungen ihm„nur einen Augenblick ins Auge schauen." Der blutige Schmierentheatraliker, ausgeruht und entspannt vom anstrengenden Massenmord,„schritt langsam von seinem Helm zu uns herab. Urabraust vom Jubel der Menge, begrüßt von uns," Doch der eitle Cäsar weiß auch, die tremolierenden Saiten der RUhrseligkeit anzuschlagen:„Emst, fast traurig, sahen wir ihn vor uns stehen," so ereifert sich, naiv und fast rührend die Kitschgesänge der Großen nachäffend, der Hitlerjunge. Wie fürchterlich, wie unerbittlich wird diese verführte und betrogene Jungend mit jenem Manne von Obersalzberg und solner Cliquendiktatur abrechnen, wenn sie erwacht sein wird. P l e r r#. Det Mdufase Htolut Die zweiflerischen, antiautoritären liberalen Germanen•.• WiD man wlssan. wie aia Volk im Zeitalter des Radio, dea Flugzeuges und des Fließbandes am besten regiert wird, so muß man seine Steinaelt studieren. Denn wenn es In den Jahrtausenden des Steinbeils und der Höhlenbowohnung noch kein parlamentarisches Regime und keine Pressefreiheit kannte, sondern von autoritären Höblenälte- sten geführt wurde, so kann es selbstverständlich auch Im Indusriestaat nichts mit Demokratie und Rederecht anfangen. Es wird seine prähistorische Vergangenheit nie los. Das leuchtet doch ohne weiteres ein, nicht wahr, und darum muß im Dritten Reich die Wissenschaft braun anlaufen, um zu beweisen, daß schon die Stelnzeitgcrmanen von Voltaires und Rousseaus zersetzenden Rationalismus nicht viel hielten, sondern autoritär, gläubig, vernunftwidrig und führersüchtig empfanden. daß also diese urgermanische Mentalität nach 4000 Jahren in das nationalsozialistische Bon- zentum mit all seinen Pfründen und Posten münden mußte. Was alles schon längst erreicht sein konnte, wenn nicht— wie die Leers, WIrth usw. heute zugeben— die teutonische Erbmasse infolge Unachtsamkeit und jüdischer Tücke durch peinliche Kreuzungen verseucht worden wäre, wogegen nur energische Rückkreuzung mit echten Norden helfen kann. Soweit ist es, wie gesagt, mit der braunen Wissenschaft gekommen, wobei es uns schwierig wird, zu vergessen, daß In der Volkshochschule des wilhelminischen Kaiserreichs gelehrt wurde, die alten Germanen hätten immer konservativ-monarchistisch empfunden und darum einen führenden Adel produziert, der seinerseits hinwiederum den König hervorbrachte, unabsetzbar und erblich, damit sich die prinz- licben Nachfolger schon in den Windeln auf ihr Fach vorbereiten konnten. Keine Rasse sei so dazu geschaffen, von Monarchen aus altem Geschlecht regiert zu werden, wie die germanische, weil sonst»immer Uneinigkeit unter ihren Stämmen« wüte. Dies wurde, wie gesagt, unter Wilhelm dem Geflohenen gelehrt. Es widerspräche jedoch allen Erfahrungen der politischen Agitation und müßte mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht auch Perioden gegeben hätte, in denen der oder jener wissenschaftlich bewies, daß unsere Urfahren seit Je liberal, demokratisch und rationalistisch dachten. Und richtig, auch dafür zeugt eine völkisch-wissenschaftliche Richtung. Im Jahre 1845 erschien eine»Allgemeine Kulturgeschicbto der Menschheit« von Friedrich Klemm. Damals kämpftt der deutsche Liberalismus um seine Entwlokiungsrecht« und Klemms historische Theorien haben dafür großes Verständnis. Kulturblldungen führte er auf anti-autoritäre »aktive Rassen« zurück, die bei ihm so aussehen: »Die erste oder aktivste Hälfte der Menschheit ist bei weitem die weniger zahlreiche Art. Ihr Körperbau ist schlank, meist groß und kräftig, mit einem runden Schädel, mit vorwärts dringendem, vorherrschendem Vorderhaupt, hervortretender Nase, großen runden Augen usw. In geistiger Hinsicht finden wir vorherrschend... den Fortschritt in jeder Weise, dann aber den Trieb zum Forschen und Prüfen, Trotz und Zweifel. Dies spricht sich deutUch in der Geschichte der Nationen aus, welche die aktive Menschheit bilden, der Perser, Griechen, Römer, Germanen. Bei ihnen ist Freiheit der Verfassung, deren Element der stete Fortschritt ist; Theokratie und Tyrannei gedeihen nicht; Wissen, Forschen, Denken tritt an die Stelle des blinden Glaubens. Dagegen finden wir bei den passiven Rassen Scheu vor dem Forschen, Denken, geistigen Fortschritt...< Klemm deckt sich also insofern mit Wirths Urlinda, als der vor seiner Hinrichtung im Berliner Professorendisputat bekanntlich nicht wußte, daß seine famose Friesenbibel die demokratischen Anschauungen eines vormärzlichen Spaßvogels widerspiegelt. Und auch Klemm macht ganze Arbeit: germanisch ist für ihn schlechthin alles Demokratische, Liberale, Intellektuelle, Zweiflerische, Denke- rische, also alles Antibitleriscbe. Dumpfe, führerfürchtige Gläubigkeit und Geistfeindlichkcit, wie sie heute vom Hakenkreuz gepflegt werden, bleiben laut liberaler Rassenforschung peinliche Merkmale tiefstehender, schwarzhaariger, minderwertiger Völker. Der Germane bekreuzigt sich davor. Wir marxistischen Vernunftsstrolche sind nicht befugt, uns in diesen völkischen Bru- derstreit um die Erbmasse einzumischen, denn wir denken Ja nicht völkisch, nicht in Rassen; uns sind die Jeweiligen kulturpolitischen Formen närrischerweise nicht das Ergebnis einer prähistorischen Blutmischung, sondern Resultate der allgemein en ökono- mlsch-historischenEntwicklung. Wir sind darum gänzlich unfähig, vorzeitliches»Ahnenerbe« patriotisch und»blutmäßig« zu würdigen, weshalb wir von den Bluboleuten mit Recht als Inteiligenzbestien und Rasse- verrätcr verfemt werden. Aber deshalb ist es gerade für uns interessant, immer einmal wieder zu sehen, wie alle diese völkischen Ideologen und Rassenf ritzen— die liberalen, die monarchistischen, wie die faschistischen — wie sie alle ihren armen wehrlosen Urahn je nach Bedarf so verschieden, so willkürlich, so denkbar ungeniert drehen und deuten, um politische und sonstige Geschäfte zu machen. Br. Br. Der Mann, der alle verrät Bei einem Schieberprozeß, der vor Jahren in Berlin-Moabit stattfand, erregte ein Belastungszeuge besonderes Aufsehen. Ein mageres, blaßblondes Kerlchen mit einem ungemein treuherzigen Augenaufschlag. Wenn der Vorsitzende mit ihm sprach schien er vor innerem Ekel unsichtbare Glacehandschuhe und eine Gasmaske zu tragen. Das magere Kerlchen hatte das Vertrauen aller Angeklagten besessen und sie der Reihe nach in beispiellos zynischer Welse verraten. Nicht einmal, und das war das fast Unbegreifliche, um finanzieller Vorteile willen, sondern aus bloßer Lust am Verrat. Er selbst hat es erschöpfend formuliert, als er auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte;»Es liegt mir nun einmal!« Adolf Hitler Hegt es nun einmal genau so! Diese Inkarnation deutscher RecbtUcbkeit und Treue, die das Vertrauen so vieler besaß und alle in beispiellos zynischer Weise verriet— man kann genau die gleiche Terminologie anwenden wie bei Jenem hageren blaßblonden Zeugen in Berlin-Moabit. Wen betrog er? Die Mlttelständler, denen Hitler gute Geschäfte versprochen hatte! Die Arbeiter, denen er Arbeit und menschenwürdigere Löhne geben wollte! Die Bauern, die er mit der Brechung der Zinsknechtschaft angelockt hatte! Seine SA-Führer, die ihm durch Blut und Schlamm den Weg gebahnt hatten und die e1" Im Bett ermorden und dann durch den Schmutz der Göbbelschen Reichspropagandajauche besudeln ließ! Seine österreichischen Kameraden, die er toll gemacht und bis zur Weißglut aufgeputscht hatte und denen er dann, als sie zü den Waffen griffen, höhnlsch-lächclnd zurief: »Wir kennen Euch nicht! Eure Tat geht un* nichts an! Wenn Ihr die deutsche Grenz« überschreitet, so werden wir Euch verhaften!« Die österreichische Legion dieser Verführten, die Heimat und Existenz hinter sich zerstört hatten, um sich unter Hitlers Fahnen »für den Tag« bereitzuhalten! Als die Legionäre die Grenze überschreiten wollten, um denen zu Hilfe eilen zu können, äie im Kampfe gegen die Exekutive, verraten und verkauft, verbluteten, holte er seine Reichswehr und ließ die Legionäre niedersebieße1, Dann wurden sie entwaffnet und zum Tel' in Ketten geschlossen nach München gebracht- Verrat— Betrug— Wortbruch— wohin man blickt! Als Deutschlands vergangener Reichspräsident, der Jetzt verblassende Schatten von Neudeck, den arischen Judas zum Chef einer Mörderrcglerung machte, fiel allen Jener Sat« ein, den dieser Präsident einmal gesprochen hatte.»Die Treue ist da« Mark der Ehre!« 1 Wie ehrlos Deutschland geworden ist, Das Galgengesicht I Es war einmal eine Zelt, da wurde die Nation zwischen Maas und Memel In der Internationalen Krlkatur durch den deutschen Michel symbolisiert und seine Herren durch den Monokelleutnant, den Junker und einen säbelrasselnden Monarchen mit gesträubtem Bart. Damals protestierte der Alldeutsche gegen solche Konterfei und fühlte sich beleidigt. Waren das harmlose Zeiten! Wer heute die außerdeutsetae Presse aufschlägt, dem starrt In den Zeichnungen ein böseres Gesicht Deutschlands entgegen. Einiges davon ist dieser Tage im Prager Slmpllcusverlag gesammelt erschienen. Das 52 Selten starke Heft heißt„Das Dritte Reich in der Karikatur"(Preis 7 Kö) und bringt über hundert Zeichnungen von Bert, Bidio, Godal, Hoffmeister, Pelc, Sekora und anderen Meistern der satirischen Zeichnung. Im Vorwort sagt Heinrich Mann zu dieser Visage des Hitlerstaates;„Man würde es für das Gegenteil von Gesicht halten, aber suviele Tränen laufen darüber, und nur diese erweisen es als Gesiebt... Der deutsche Spießer hat Jahrhunderte an diesem Gesicht gearbeitet."— Vom satirischen Humor bis zum Grausen formen diese Zeichner das vom braunen Gangstertum verunstaltete Antlitz Deutschlands. Witze sind darin, die mit ihrer grausamen Komik erschlagen. So, wenn 8e- koras skurrile Urwaldneger auf einen ihrer Rasseverräter losstürmen:„Sterilisiert ihn, sein Großvater hat Ja einen Juden gefressen!" Oder Bidloa zwei Oranienburger, die als Krüppel einher humpeln: der eine, well er einen SA-Führer gelobt, der andere well er einen SA-Führer getadelt hat. Die treffsichere Schlagkraft der Karikaturen dieser Großtypen des Dritten Reiches, in denen sieb brutale Feigheit mit krampfiger Energie paart, erkennt man daran, daß sie auch ohne Begleittext auskommen würden. Dabei erbebt das reichhaltige Heft nicht einmal Anspruch darauf, komplett zu sein, denn zum Gesicht de« Dritten Reiche« gehören Ja nicht nur die braune Landaknecbts- fresse, die Hltlerike mit ihren Verdrängungen, der Rassenwahn, der militaristische Irrsinn, der Brudermord, Godals Satiren auf die geschändete Erotik, sondern auch der Justizmord, die großkapitalistischen Schmiergelder vonehedem und der Monopolkapitaiismus, der ■eine verrückt gewordenen Prätorianer loskoppelte. Aber viele Typen sind neu geschaffen, aus dem Blutdunst eine« Landes erstanden, das seriöse bürgerliche Blätter in diesen Wochen einen Gangsterstaat nannten, und ungeheuerlich echt wirken die Köpfe dreier dieser Gangsterführer, deren AnUitz der Zeichner Bert in verschiedene Varianten geprägt bat. Man sinnt und sinnt, wo man diese drei breitmäuUgen Galgengesichter gesehen hat! Scbreckbiider aus Kindbeitatagen tauchen auf, Gaunervisagen aus Gruselmärcbcn von ehedem. Dss sind sie! Der sadistische, verbrecherische„Hamur", mit dem das bessere Deutschland geschunden wird, der Mordbetrieb, der pathologische Despotismus— das hat in diesen Schädeln seinen grausigsten Ausdruck gefunden, und es ist eine erschreckende Wahrheit, daß Karikaturisten in allen Ländern die gegenwärtigen Repräsentanten Deutschlands in ähnlichen Visionen sehen. Für andere Völker gilt noch Marianne, John Bull, Onkel Sam, mit großkapitalistischen Zutaten— nur der Faschismus hat die entseelte, kriminelle Henkcrfresae, und der deutsche dazu die Zeichen dea Kameradenmordes und des sinnlosesten Sadismus auf der Stirn, Neben diese Grimassen gehalten, waren es beinahe ehrbare Zeiten für die Nation Goethes, als der Michel noch galt und der gesträubte Haby- bart. Es wird harter Kämpfe und langer Kulturarbeit bedürfen, ehe ein neue« besseres Deutschland die schändenden braunen Schrek- kenszüge wieder aus dem Weltbewußtsein getilgt und Deutschland wieder in die Reihe der zivilisierten Nationen erhoben bat. Gregor. Wedekind bedichiet HiÜer-Deuischland Am 24. Juli wäre Frank Wedekind siebzig Jahre alt geworden. Für diesen blutvollen und genialen Gestalter deutscher Dramatik hatte das Deutschland der Vorkriegszeit keinen Bühnenraum. Erst als der Novemberwind von 1918 den deutschen Muff, das Wlldenbruch- sche RlttergerUmpel und die Maiglöckchen- Literatur in die Ecken fegte, öffneten sich den Dramen de« toten Dichters die Tore der deutschen Schauspielhäuser. Die klumpfüßige und potenzierte wildgewordene Spießergesellschaft, die«ich im Januar 1933 der Herrschaft Uber das deutsche Volk bemächlgt hat, tat sein Werk wieder in Acht und Bann. Wedekind gehörte für einige Zeit zum Mltarbelterstab des»Slmpllzissimus«. Aus seinen Beiträgen läßt sich manches Angebinde für die mißratene Gormanen-Garnitur win-| den, die Deutschland aus der Zivilisation'n das Mittelalter zurückführt. »M ein Kampf«. Läßt du die Sozialdemokraten In der tiefsten Hölle schmoren und braten- Dann baut dir die deutsche Großindustrie Bin Schloß am Rhein und deine Poesie Wird, wie es bei Julius Wolff gewesen, Noch weit mehr gekauft als gelesen In Pergament, Juchten und Saffian. Dr. Ley. Einen phänomenalen Säufer und Fresser Mästet die Arbeitsfront als halben Profe8»or, Weil dieser Doktor vorzüglich düngt, ' Wie denn«eine Rede kräftig stinkt. »Hitlerfahnen wehen über a11* Straßen...«. Ich bin ein treuer deutscher Nazist Und weiß, wann mein Adolf geboren ist' An Jenem Tage hänge ich sein Wappen Im Fenster aus als braver Biedermann- Da« macht beliebt und lockt die Kunden 48 Und wundersam rentiert sich solch ein Lapp®® Deutsche Presse 193 4. Einen Maulkorb laßt euch reichen Aus dem stärksten Elsendraht. Schließt den Bund mit euresgleichen Für das Nazi-Triumvirat. Maulkorb, Maulkorb Uber alles. Wenn der Maulkorb richtig sitzt, Wird man immer— schlimmsten Fall«- Noch als Hofpoet benutzt. Lametta-Hermann. Der Menschheit Durst nach Taten läßt 8*®" stillen, dla terllch entehrt dleaea eo-MUUoneoretk unter , den zivilisierten VOIkers der Srde dasteht, läßt sich an diesem Sets ermessen I Adolf Hitler, der Mann, der alle verrtt, wird so zum Barometer des deutschen Niedergang»! narre. Der Befähigungsnachweis Der frühere Intendant des Altonaer Stadttheaters, Kurt Gerde s, ist vom Nazi- Oberbürgermeister Brix fristlos entlassen worden. Gerdes, ebenfalls ein brauner Bhren- tnan rächte sich Indem er„grob fahrlässig unwahre oder gröblich entstellte Behauptungen aufstellte," die„geeignet waren, das Ansehen der hinter der Reichsregierung stehenden NSDAP zu schädigen." Als ob an diesem„Ansehen" Uberhaupt noch etwas zu schädigen wäre! Weiterhin hat Gerdes an den Ministerpräsidenten Göring einen Beschwerdebrief gerichtet. in dem er gegen Brix die schwersten Vorwürfe erhob. Die Große Strafkammer des Landgerichtes Altona verurteilte nun Gerdes Wegen leichtfertiger Falscban- aelge zu 300 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung heißt es nach den Berichten relchadeutscher Blätter wört- i'ch;„Unfähigkeit als Schauspieler und Intendant sei an sich kein Grund zur fristlosen Entlassung. Wesentlicher seien die Verfehlungen des Gerdes auf sittlichem Gebiet, worunter seine Unparteilichkeit als Vorgesetzter leiden mußte. Er habe(wortwörtlich!!) wissen müssen, daß er als Mit- giled der NSDAP den Intendantenposten •rhalten habe... Nun hören wir endlich auch aus amtlichen Mund, nach welchen„sachlichen" Gesichtspunkten Im„Dritten Reich" Intendantenposten besetzt werden. Gemeinnutz geht vor Ei- Kennutz. Wer es nicht glaubt, richte die Blik- ke nach Altona! MHd MtifW Mädchenhandel im Dritten Reidi— Haussklaven billigst abzugeben Was heißt das: sehllebt um schlicht T Antwort auf dies« Frag« gibt ein Aufruf„für das Hauswlrtsohaf tlteh« Jahr für Mädchen", ein Aufruf, den Relehs- Jugendführung, Deutsches Frauenwerk und dl« Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gemeinsam veröffentlichten. Darin wird den deutschen Hausfrauen ein gutes Geschäft vorgeecblagen. Handelsobjekta sind die jungen Mädchen, die Ostern 1984 die Schule verlassen haben und nun um jeden Preis Irgendwo untergebracht werden müssen, danalt sie nicht etwa In der Arbeitslosenliste auftauchen. In Deutschland ist ja bekanntlich die Statistik nicht für den Menschen da, sondern der Mensch für die Statistik. Nun haben also Ostern 1934 im ganzen Reich 600.000 vierzehn- bis sechzehnjährige junge Mädchen die Schulen verlassen. Wohin mit Ihnen? Die Statistiker setzten sich hin, rechneten, überleg- denn nach einigem Nachdenken jener Aufruf veröffentlicht, von dem wir oben sprachen und In dem es heißt: „Deutsche Frauen und Mütter! Gewaltigen Bemühungen aller Deutschen Ist es gelungen, die Arbeitslosigkeit um mehr als die Hälfte ibree höchsten Standes zurückzudrängen. Besondere Schwierigkeiten He- gen aber noch bd den Knaben und Mädchen vor, die Ostern 1934 die Schule verlassen haben... Welche Tätigkeit könnte für die deutschen Mädchen geeigneter sein, als die im Hause und an den Kindern? Deutsche Hausfrauen, ihr müßt nun eure Mädchen lehren, in solcher Arbeiter die Grundlage jeder fraulichen Tätigkeit zu sehen. Die Einrichtung eines„Haus- wlrtschaf tlichen Jahres für Mädchen" soll dazu helfen. Tüchtige Hausfrauen nehmen Mädchen zum Anlernen ein Jahr zusätzlich In ihre Haushaltung auf... Die Aufnahme erfolgt schlicht um schlicht. Die Krankenkassenbeiträge trägt die Hausfrau. Die Vorschriften über Genehmigung von Steuererleichterungen für Hauagehiifinnen Die Irsadic „Liücncron Ist Zeit seines Lebens der a i- Offizier geblieben... und das Ist e s auch, was ihn uns heute lieben läßt, was üns noch heute oft seine Ferse(soll wohl heißen Verse) In die Hand drückt."(„Nord- schleslsche Zeltung") Oa haben wir es! Wäre LUlencron nur lumpiger Gefreiter gewesen, so �riirde kein gleichgeschalteter Hahn mehr häch ihm krähen! EhpenwoHer • Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort... • Halt mal, welches Ehrenwort meinen Sie: ***• HlUer-Strossersche von 1933 oder das Eey-Neuetädtereche von 1934. das deutsche Manneswort, das soldatische Ehrenwort, das rrichsdeutache, das österreichische, das natio- bslnozia] Istische, das christlichsoziale...?" „Ich meine das Ehrenwort, das man hält- „Ja.— gibt's denn das auch?" Muckl. SU ias&t diues Blatt und ämddtH um Un(fade, dU Hand, UU fau&t um übte lUct ZudUtHtÜHp. Abu bitte, lautH SU es beUn faundUcUeft Dankesu/ad hicUt beweMUh.! Udfat SU mit! Hamfifat SU mit! JUstn SU cefamäQity! Ueebut SU um mus JUsu! ten, rechneten wieder und bestimmten endlich: 150.000 schulentlassene Mädchen werden in diesem Jahre als Hausangestellte untergebracht! Die Berufsberater schüttelten die Köpfe. Der hauswirtschaftliche Arbeitsmarkt sei überfüllt. Acltere, geschulte Kräfte fänden keine Arbeit, und die Zahl der offenen Lehr- und Anlernstellen sei von 14.000 im Jahre 1928/29 auf 5400 im Jahre 1832/33 gefallen. Nur für rund ein Sechstel der Anwärterinnen seien 1833 Anfangsstellcn zu haben gewesen. Wie soll man 150.000 Mädchen in 5400 Lehrstellen unterbringen? Und In diesem Jahr sind es nicht einmal 5400 Lehrstellen, denn inzwischen wurden so viele Töchter aus Kontoren, Fabriken und Verkaufsläden entlassen, daß die Familien mit häuslichen Arbeitskräften überreich eingedeckt sind. Außerdem... Dia Statistiker schlugen auf den Tisch. Das sei ihnen alles gleich, auf dem Papier stände: 150.000, und dabei bWbe es. So wurde finden Anwendung. Am Jahresabschluß er- "hält das Mädchen ein Zeugnis als Ausweis über das erworbene Können." Der Präsident der Reichsanstalt hat diese Aktion noch näher„erläutert", er hat erklärt, es gehe der Appell an die Hausfrauen, die Jungmftdchen als Hauslehrlinge, ohne Lohnzahlung, lediglich gegen Entrichtung der Beiträge für die Krankenversicherung und dafür mit Inanspruchnahme der Steuererleichterung aufzunehmen. Das ist klar genug— jetzt weiß jeder, was„scblicbt um schlicht" heißt: die jungen Mädchen geben Ihre Arbeit, und die Hausfrauen geben ihnen dafür— keinen Lohn, sondern erhalten vom Reich eine Steuererleichterung, das heißt, sie zahlen soviel Steuern weniger, als hätten sie ein Kind mehr. Aber die Haushaltalehrllnge sind keine Kinder, sondern Arbeitskraft e, und dl# weitaus meisten Hausfrauen werden es verstehen, diese Arbeitskräfte„Schlicht um schlicht" gut auszunützen. Wer je Einblick In die Wohlfahrtspflege, vor allem In die Gefährdetenfürsorge gewonnen hat, der weiß, daß Arbeitgeber auf diesem Gebiet vieles fertig bringen, der weiß, daß 12- und 14stündige Arbeitstage keine Seltenheit sind, der weiß, wie vie|e „Oetermädchen" sich durch schwere« Heben und übermäßiges Lastentragen für ihr Leben krank machen, der weiß, in was für Löchern solche Hausgehilfinnen untergebracht werden, und der weiß vor allem, daß zahllose Halbwüchsige, wenn sie lange genug gequält wurden, den Weg auf die Straße diesem Hundeleben vorziehen. Nun werden also die Hausfrauen, die bisher wenigstens ein Taschengeld zahlen mußten, Gratls-Arbeitskräfte erhalten, ja, sie werden noch ein Geschäft dabei machen, denn die Steuererleichterungen dürften in den meisten Fällen den Krankenkassenbeitrag von 3.40 Mark monatlich übersteigen. Man darf überzeugt sein, daß es im allgemeinen nicht die besten Arbeltsgeber sind, die von dem großmütigen Angebot Gebrauch machen, daß gerade Jene häuslichen Ausbeuter, die wir oben schilderten, sieh zu den Vermittlungsstellen drängen werden. Und die jungen Mädchen s« 1 b s t T Die werden Uberhaupt nicht gefragt. Weigern sie sich, dl« angebotene unbezahlt« Stellung anzunehmen, so werden sie anderweitig nicht vermittelt, erhalten keinerlei Unterstützung und können noch froh sein, wenn sie nicht als„Arbeitsscheue" In Zwangserziehung gesteckt werden. Wenn das geschieht— und es geschieht häufig— dann bestimmt ohnehin der Mädchenhändler Staat, wo sie zu laben und zu arbeiten haben. „Der Deutsche", die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, berichtet stolz: „Gegenwärtig sind sämtliche Berufs- heratungsstellen der deutschen Arbeitsämter damit beschäftigt, die ersten zwanzig- bis dreißigtausend dieser Jungen Mädchen in geeignete Haushalte hineinzubringen." Nun sind zwar zwanzig- bis dreißigtausend noch längst nicht X60.000, aber vielleicht ist die gewünschte Rekordziffer im Laufe des Jahre« doch noch zu erreichen. wenn den Hausfrauen für die freundliche Ueberaahm« einer unbezahlten Arbeitskraft ein paar weiter« Sondervergütungen eingeräumt werden! Di« älteren Hausangestellten, die von den unbezahlten Kräften verdrängt werden und Ihre Arbelt verlleren, kümmern den Statistiker wenig. Eine der ersten Taten des Dritten Reiches war es ja, die Hausangestellten aus der Ar- beltslosenverslcberung hinauszuwerfen— die Entlassenen werden zwar Hunger leiden, aber sie werden nicht in der Erwerbslosenstatistik auftauchen, und darauf allein kommt es an. Hitlers„Sozialismus" zeltigt immer seltsamere Blüten! �och nach Bewundrung ist ihr Durst enorm, ku vermagst ibr zu erfüllen ®*lde Durste, sela In der FUegeruniform, Sei es In Seemannstracht, Im Purpurkleide, ■Im Rokokokoetöm aus starrer Seide, �*1 es im Jagdrock oder Sportgewand, kättetta-Hermann mit der blutigen Hand! 3o- Jus! 1984. In der Politik, das muß man sagen. Goht j» freilich alles wie geschmiert: Unsere Größe Hegt der Welt Im Magen, �nd damit man gänzlich nicht vertiert, Verden Schweine dauernd ausgeschlosacn, �veil man ohnehin genug versaut. Adolf« Tagebuchblatt nach dem 3o- Juni. 111